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26.11.2023

STAR TREK - NEMESIS (2002)

"Star Trek - Nemesis" lässt den bis dahin düstersten Kinofilm des "Star Trek"-Universums, "Star Trek - Der erste Kontakt", im Vergleich zahm aussehen, so gewalttätig und bösartig das Szenario ausgefallen ist, so tiefdunkel wie der Farbfilter jegliche Fröhlichkeit aus Kostümen und Sets saugt, so sehr wie der Plot einen fröhlichen Ausgleich im Gegensatz zum Vergleichsfilm meidet. Dachte ich beim Sichten und Resümieren des Vorgängers "Star Trek - Der Aufstand" daran, wie viel intensiver die Geschichte dort hätte ausfallen können, wenn man im politischen Sinne etwas mehr wie "Angriff der Klonkrieger" und "Die Rache der Sith" vorgegangen wäre, zeigt "Star Trek - Nemesis" hingegen ironischer Weise im selben Jahr von Episode 2 des Konkurrenz-Franchise, wie Geoge Lucas Beiträge der 00er Jahre hätten aussehen können, um erfolgreich an den ersten drei Sternenkriegen anzuknüpfen. Der zehnte Kinofilm um "Raumschiff Enterprise" und dessen Nachfolger-Generation, bietet all das, was die mageren Lucas-Filmchen vermissen ließen. Es gibt aufgrund einer Klon-Thematik einen Konflikt innerhalb einer Blutlinie, die Föderation soll besiegt werden, damit das Böse herrschen kann, letztendlich sieht Picard im verzerrten Spiegelbild seines Klons sogar, wie er geworden wäre, wenn er sich der dunklen Seite der Macht zugewandt hätte. 

Ob es den Fans von Roddenberrys Universum, aufgrund eines anderen Weltbilds als dort, gefallen hat, dass "Star Trek" derart dicht an "Star Wars" heranrückt, mit all der Action, den Sternenkriegen und der Roboterthematik, sei einmal dahin gestellt. Ich bin keiner von ihnen und nehme die Annäherung mit Freude an. "Star Trek - Nemesis" ist von den Picard-Teilen der beste Film der Kinoreihe geworden, auch wenn er sich sämtlicher fröhlicher Elemente versagt, seine Naivität großteils über Bord wirft und für kindliche Spielereien wenig übrig hat. Dieser düstere, grimmige Touch ist wiederum weder "Star Trek", noch "Star Wars" und erinnert eher an die immer düster werdenden Filme rund um "Batman". Ich könnte mir vorstellen, dass diese düstere Herangehensweise dafür gesorgt hat, dass die Picardmannschaft nicht mehr ins Kino zurück kehrte. Einen offiziellen Abschluss, wie bei Kirks Crew mit "Star Trek 6", wurde ihr mit "Star Trek 10" (Alternativtitel) zumindest nicht beschert. Dennoch existiert eine Parallele zu besagtem sechsten Film, denn während dieser die Annäherung zu den Klingonen thematisierte, welche eine Brücke zur Picard-Zukunft schlagen sollte, enthält das Ende des hier besprochenen Teiles einen Hoffnungsschimmer, dass ein Frieden zwischen der Föderation und dem romulanischen Imperium möglich ist. Ohnehin findet sich inmitten einer düsteren Geschichte immer wieder Raum für die für das "Star Trek"-Franchise so wichtige Menschlichkeit. Und abermals darf ein bitterer Verlust am Schluss den Stammzuschauer der Reihe schwer schlucken lassen, so heldenhaft ein dort vorzufindender, unerwünschter Abschied auch vonstatten gehen mag.  Wiki

25.11.2023

STAR TREK - TREFFEN DER GENERATIONEN (1994)

Die Mannschaft um Captain Kirk nahm 1991 mit ihrem sechsten Kinoabententeuer Abschied aus dem "Star Trek"-Universum, doch die Crew um Picard bekam für ihr erstes großes Leinwandabenteuer Unterstützung von zumindest einigen Gesichtern dieser ersten Crew. Während Chekov und Scotty nur zu Beginn ihre Auftritte absolvieren, findet Kirk seinen Platz außerhalb der Vorgeschichte auch im Finale, wo er nicht nur als Gast fungieren darf, sondern entscheidend den Schluss der Geschichte beeinflusst und den Stammzuschauer des Franchise emotional stark berühren wird. Das fürs Kino theoretisch etwas zu banale Abenteuer wird somit spätestens in der Schlussphase ein immerhin emotionales. Schlecht ist es nicht, aber sicherlich hat man etwas mehr erwartet nach solch einfallsreichen Kirk-Abenteuern im Kino und Picard-Folgen im Fernsehen. "Star Trek: Generations" (Originaltitel) sättigt, besitzt keine Durchhänger, weiß auf seine fast zweistündige Laufzeit angenehm zu unterhalten, aber er hinterlässt bei mir den Eindruck, dass sämtliche Figuren beider Generationen zu sehr zu Nebenfiguren ihres eigenes Abenteuers verkommen, selbst Picard, der noch am ehesten im Zentrum der Ereignisse steht. 

Seine komplette Crew wird für die Finalereignisse nicht benötigt. Kirk, der die ganze Zeit aussetzte, wird stattdessen plötzlich unglaublich wichtig. Sicher bewegt es, beide Captains gleichrangig solidarisch zusammen agieren zu sehen, das ist schon ein besonderer Kinomoment. Aber es zeigt gleichzeitig den mangelnden Respekt gegenüber der anderen Figuren. Und so schön es auch ist, dass man mit dem siebten Kinofilm von "Raumschiff Enterprise" noch einmal ein Retrogefühl für die alte Zeit entwickeln möchte, es geht leider auf Kosten der wichtigen Figuren von "Star Trek - The Next Generation". Von denen bekommt der Darsteller des Data die meiste Aufmerksamkeit, sicherlich nicht zufällig, ist er doch neben Patrick Stewart der vielseitigste Mime einer TV-Mannschaft, die sich nun im Kino beweisen muss. Wirklich geglückt finde ich seine Sub-Story darüber, dass er von nun an Gefühle empfinden kann, jedoch nicht. Denn sie kommt inmitten der anvisierten Hauptgeschichte zu kurz. Und selbst diese vernachlässigt manch wichtigen Aspekte auf Kosten des Retroziels. Warum konnte man sich nicht näher mit dem kosmischen Band befassen? Welchen Wert hat es, wenn es doch nur Illusionen vorweist? Und warum will die weise Guinan, die nach ihrem Fehlen in Staffel 7 nun zurück ist, dorthin zurück, wenn doch selbst simpler gestrickte Naturen, wie die beiden Captains, die trügerische Natur dieses Phänomens erkennen? 

Hier hätte man einiges vertiefen können, was nicht nur philosophisch bereichert hätte, sondern auch emotional. Durch das zu geringe Beachten dieses theoretisch zentralen Punktes der Geschichte, wirkt manches undurchdacht, unlogisch, ohne dass dies so sein müsste. Es ist das Glück des Films, dass jeder seine Rolle herzlich und professionell, wie gewohnt, durchzieht, die Geschichte kurzweilig, abenteuerlich und emotional genug ausgefallen ist, und auch die Gäste (u.a. Alan Ruck und Malcolm McDowell als Oberschurke) passend besetzt geben was sie können. Warum man mit den weiblichen Klingonen ausgerechnet die mitunter gewöhnlichsten Schurken der TV-Serie um Picard mit an Bord holte, verstehe ich wiederum nicht, aber es beschert mir eine Genugtuung, dass sie die Geschichte nicht lebend verlassen werden und nie wieder wertvolle Sendezeit verschwenden werden. Um eine andere Figur, die ihr Leben lassen muss, tut es umso mehr leid. Ihr Tod beschert dem theoretisch austauschbaren Abenteuer eine Schwere, sowie eine tiefe Bedeutung im "Star Trek"-Kosmos und wirft eine düstere Wolke über die eigentlich bunt gehaltenen Erlebnisse dieses Filmes. Erst recht wenn man bedenkt, was die Alternative dieser Figur im Nexus hätte sein können. Oder nicht? Nun, um das zu beantworten hätte der Film dieses Phänomen nicht so kurz halten dürfen.  Wiki

06.11.2023

STAR TREK - THE NEXT GENERATION - STAFFEL 6 (1992)

Der Mangel an düsteren Elementen, den ich in Staffel 5 beklagte, ist nun im Folgejahr nicht mehr vorhanden. Dies hängt nicht nur mit einer späten Wiederkehr der tatsächlichen Borg-Thematik zusammen, die uns sehr interessant in der letzten Folge, samt aufregendem Cliffhanger präsentiert wird, auch düstere Einzelepisoden, die völlig unabhängig zu den klassischen Aggressoren a la Romulaner und Co stattfinden, finden ihren Platz im sechsten Jahr. Hervorzuheben ist diesbezüglich eine Folge, in welcher Crewmitglieder von einer unbekannten Spezies entführt werden, um biologisch untersucht zu werden. Die kühle Art der Fremden und der Zustand mit ihnen nicht in Kontakt treten zu können, macht diese Folge recht hart für den Zuschauer, zumal die Experimente drastischer Natur sind. Auch manch weniger düstere Episode weiß einen überraschend hohen Spannungsgehalt zu erzeugen, dank rätselhafter Aufhänger. Nachdem in einer der Vorgängerstaffeln das Phänomen der Zeitschleife Eintritt ins Star Trek-Universum erhielt, findet sich in Season 6 eine Episode zur Thematik des Zeitanhaltens, bzw. zu derer Verlangsamung ein, so wie man es später aus "Clockstoppers" und "Cashback" kennt. Die Geschichte um ein Wesen, das die Gestalt anderer annehmen kann und hierfür das Originalprodukt zerstört, besitzt ebenfalls eine gewisse Härte. 

Der Großteil der übrigen Folgen findet in der abenteuerlichen, augenzwinkernden Art statt, wie sie ebenfalls üblich für den munteren Genremix der Serie ist. Ob es die Rückkehr Qs aufgrund einer anderen Q ist, oder jene von Moriarty, der eine überraschend einfallsreiche Geschichte ins Rollen bringt, die bewusst auf die Buchvorlage von "Welt am Draht" anspielt, an reizvollen Ideen mangelt es auch der sechsten Staffel nicht. Wenn Werkzeuge entgegen der Motivation ihres Erfinders zu Lebewesen werden, die Ferengies einen ehrenwerten Wissenschaftler vorweisen, oder die Enterprise im Kriegszustand einen anderen, radikal anmutenden Captain erhält, dann ist auch das sechste Jahr auf einem angenehmen Hoch. Zum Ende des zweiten Drittels schwächelt die Staffel meiner Meinung nach kurz mit zu belanglosen, da zu austauschbaren, Erzählungen, ansonsten war ich so zufrieden wie gehabt mit der Serie. Ein doppelter Riker (im deutschen Episodentitel an ein Abenteuer der alten Crew angelegt) sorgt für eine recht emotionale Folge. Eine Episode mit Scotty von der alten Enterprise bringt ein wenig Retrogefühl mit an Bord, spätestens wenn im Holodeck die alte Brücke nachgestellt wird. Und eine amüsante Geschichte, in welcher einige Crewmitglieder, inklusive Picard, wieder zu Kindern werden, sorgt für etwas Aufheiterung, gerade in Konfrontation mit den düsteren Romulanern. 

Mit einer Episode, die auf den Geschehnissen der Spock-Folge der Vorgängerstaffel aufbaut, darf die Darstellerin der Diana Troi schauspielerisch einmal mehr gefordert werden und meistert diese Aufgabe recht gut. Picard darf in einer anderen Episode erneut eine Liebestragödie erleben, die im Ansatz auf sein Familienerlebnis des fünften Jahres verweist, und auch eine Wiederkehr in seine eigene Vergangenheit bleibt kein nüchternes Erlebnis für den Zuschauer. Etwas Agatha Christie-Luft darf man in der Episode "Verdächtigungen" atmen. Und die 1993 frisch gestartete dritte Serie des Franchises, "Star Trek - Deep Space Nine", erhält eine Rahmenhandlung in der Vorgängerserie, samt Gastauftritt eines festen Darstellers von dort, während die Hauptgeschichte des Zweiteilers allerdings auf einem romulanischen Gefangenenplaneten spielt. Nötig war dieses Einbringen der neuen Serie nicht, und nur wenige Folgen drauf erfahren wir von einer anderen Deep Space-Station mit anderer Nummer. Naja... Diese Eigenwerbung und der Versuch den Begriff von nun an dort zu etablieren, wo er zuvor nie verwendet wurde, mutet etwas arg bemüht an, macht aber freilich die Kurzweile der Serie nicht kaputt. Die bleibt selbst bei verwandten Themen vorheriger Episoden stets kreativ, so geschehen in einer Klingonenfolge, in welcher eine Art klingonischer Jesus zurück kehrt. Ist es wieder ein Gestaltenwandler wie vor einigen Jahren, als ebenfalls der Erlöser eines anderen Volkes vorgab zurück zu sein? So viel sei verraten: nein...  Wiki

28.10.2023

STAR TREK - THE NEXT GENERATION - STAFFEL 5 (1991)

Hurra, die kreativ schwächere Staffel 4 bildet scheinbar nun doch die Ausnahme, denn das fünfte Jahr kehrt zur alten Stärke zurück und bietet uns allerhand interessanter Geschichten, häufig emotional geprägte, so sensibel wie man sich diesmal mancher Thematik nähert. Immer empathischer werdend und nur selten nervig, wie in jener Folge, in welcher wieder einmal Trois Mutter zum Tiefpunkt wird, entführt uns die Enterprise weiterhin in fantasievolle Welten und setzt dabei das Element der Wiederholung nicht derart überlastend ein, wie im Jahr zuvor. Die Doppelfolge rund um die Romulaner und Klingonen findet in der ersten Episode einen würdigen Abschluss, inklusive des Plots um Worfs Entehrung. Auf die Borgs muss man hingegen lange warten, und wenn sie auftauchen, dann völlig anders als erwartet, sicherlich einige bisherige Vorstellungen der Spezies sprengend, aber genau deshalb eine gute Geschichte erzählend. 

Dementsprechend fehlt Staffel 5 diesmal zu einem guten Teil das düstere Element, das sich sonst stets mit Komik, Abenteuer und Dramaturgie abwechselte. Mit die böseste Episode dürfte u.a. jene sein, in welcher zwei Crewmitglieder für tot gehalten werden, während Romulaner ihre Dankbarkeit mit verlogener Hinterhältigkeit während einer Rettungsaktion zeigen, und das ist weit weniger düster erzählt, als es klingen mag. Was das Einfühlen in andere Kulturen betrifft, so bietet Staffel 5 so einige Episoden, teilweise diskussionswürdige, so sehr wie sich Geister bei bestimmten Themen scheiden werden (so geschehen in jener Folge, in welcher eine Frau als Friedensgeschenk zwischen zwei seit Jahrhunderten verfeindeter Völker überreicht werden soll, und in jener, in welcher sexuelle Neigungen operativ korrigiert werden müssen). Manchmal fällt die Empathie auch ein wenig naiver aus, wie in der Folge "Darmok" geschehen, was einem guten Unterhaltungswert aber nicht im Weg steht. Hin und wieder findet das soziale Feingefühl nur im kleinen Rahmen als Nebensächlichkeit getarnt statt, wie in jener Episode, in welcher eine Wissenschaftlerin jenes Kristallwesen zerstören möchte, welches einst ihren Sohn tötete. Die bittere Pointe dieser Story gehört zu den erzählerischen Trümpfen des fünften Jahres, meiner Meinung nach. 

Als Gast darf hin und wieder Wil Wheaton in seiner Rolle als Wesley Crusher auftauchen. Wiedersehen macht Freude, und es ist schön dass zumindest eine Episode mit Crusher zu den erzählenswerten gehört, und das ist jene um ein süchtig machendes Spiel, dem nach und nach jedes Crew-Mitglied sektenartig verfällt. Diese Geschichte gehört zu den ungewöhnlichsten Folgen der Staffel, ebenso wie jene, in welcher die Crew auf "Und täglich grüßt das Murmeltier"-Art in einer Zeitschleife festsitzt, mit der Ausnahme zu den mir bekannten Vergleichsstoffen, dass die Mitglieder nach und nach intuitiv das Gefühl eines Deja Vus erhalten. Den bedeutendsten Gastauftritt erhält jedoch Leonard Nimoy in seiner Kultrolle des Mr. Spock, dessen Geschichte sich zwei Folgen lang Zeit nimmt einen möglichen Frieden mit den Romulanern zu thematisieren. 

Wie gesagt mangelt es auch sonst nicht an unterhaltsamen Ideen. In einer Episode, wird die Crew von einem Historiker aus der Zukunft aufgesucht, in einer anderen Einzelpersonen von einem Gedanken lesenden Individuum mental vergewaltigt. Klone, die sich für die bessere Rasse halten, ein Massen-Gedächtnisverlust, der die Crew in den Glauben versetzt einem Kriegseinsatz beizuwohnen, Energiewesen, die Körper fremdbesetzen, um die Enterprise in ihre Gewalt zu bringen, oder eine imaginäre Freundin, die plötzlich Wirklichkeit wird, an verspielten Momenten mangelt es nicht. Und wenn Picard innerhalb von 25 Minuten das komplette Familienleben eines anderen lebt, erfährt die Serie eine ihrer emotionalsten Folgen, die wahrlich zu bewegen weiß. 

Der bittere Beigeschmack einer unangenehmen Zukunft, die uns als höchst erstrebenswert verkauft wird, wird einem immer weniger bewusst, liegt aber sicher eher an der Gewöhnung, wenn man sich in solch kurzer Zeit so viele Abenteuer der Enterprise angeguckt hat, wie ich es zur Zeit tue, anstatt daran, dass die Autoren besagte Zukunft nicht mehr intensiv genug ins Auge fassen.  Wiki

18.10.2023

STAR TREK - THE NEXT GENERATION - STAFFEL 4 (1990)

Dem heftigen Cliffhanger des bislang besten Serienjahres Drei folgt eine würdige Fortsetzungsfolge, die düsterer denn je erzählt ist, gut versteckt versehen mit einem kleinen "Die Rückkehr der Jedi-Ritter"-Zitat in Bild und Ton, passend zur Charakterzeichnung des zum Bösen gewechselten Picard eingebracht. Nach einer derartig wuchtigen Einstiegsfolge macht es Sinn zunächst einmal Luft zu holen, mit einer emotionalen zweiten Folge, die ebenso zu den Höhepunkten zählt, wenn familiäre Hintergründe von Picard in Frankreich gezeigt werden, und Worf Besuch von seinen menschlichen Adoptiveltern erhält. Den seichten Ton dieser angenehmen Ausnahmefolge verlässt das vierte Jahr für meinen Geschmack jedoch zu selten. Noch immer Humor, Abenteuer, Drama und Spannung gleicher Maßen bietend, fällt sie meiner Meinung nach qualitativ im Vergleich zu den bisherigen Staffeln ab. Sie bleibt zwar noch immer im unterhaltsamen Bereich, Kurzweile steht weiterhin auf dem Programm, aber alles wird eine Spur anspruchsloser angegangen als bisher, beschäftigt sich ein Großteil des vierten Jahres doch mit dem Wiederaufwärmen bereits bekannter Ideen und dem zu häufigen Wiedereinbauen bekannter Gastfiguren, was nur in der Ausnahme interessant ausfällt, so z.B. in der Rückkehr von Datas Bruder. 

Das Aufwärmen bereits bekannter Themen mutet nicht minder unangenehm an, wenn beispielsweise erneut ein Lebewesen wie ein Wal durchs Weltall schwimmt, und nicht einmal der Verweis auf die ähnliche Begegnung in einer Staffel zuvor benannt wird. Auch die finale Entscheidung eines wichtigen Crewmitglied in der finalen Folge wurde bereits von einer anderen wichtigen Figur in einem anderen Serienjahr getroffen. Oft sind es bei ähnlichen Handlungen die veränderten Hintergründe, die zumindest interessant und gewagt zu nennen sind, so dass dennoch ein innovativer Anteil vorhanden ist, aber kreativ genug ist das nicht und fällt umso unangenehmer auf, da Staffel 3 sich diesbezüglich auf einem Hoch befand und das bisherige Highlight der nächsten Generation Enterprise darstellte. Theoretisch bleibt nach Picards Wiederherstellung alles beim Alten. Lediglich Wesley Crusher verlässt nun doch die Mannschaft, um endlich studieren zu können. Das ist konsequent und stellt trotz dem Fehlen einer sympathischen Figur keinen nennenswerten Verlust da. Seine Abschiedsfolge ist hinsichtlich des Captains für mich persönlich eine Spur zu gefühlsschwanger ausgefallen und wirkt damit etwas zu aufgesetzt, aber das werden andere anders empfinden. 

Die Borg kehren in diesem Jahr nicht zurück. Dafür wird verstärkt auf die Romulaner gesetzt und auf eine Klingonenkrise, die in der Finalfolge ihren Höhepunkt erhält, sich als äußerst gut erzählt entpuppt, sich endlich der Entehrung Worfs widmet und einen äußerst interessanten Cliffhanger präsentiert. Zu den weiteren bislang nicht genannten Highlights zählt die vorletzte Episode, die derart eiskalt auf Datas Gefühlskälte setzt, dass der bittere Schluss von Datas erster Liebe gleichzeitig fasziniert und schockt, so als befände man sich bereits in den konsequenten Robotergeschichten der wesentlich späteren Science Fiction-Serie "The Orville". Zwei mal beweisen die Autoren außerdem einen für Star Trek-Verhältnisse überraschend erwachsenen Umgang mit trügerischen Sichtweisen, in deren Verlauf uns vertraute Figuren lernen müssen, dass ihre Blickwinkel auf andere Kulturen nicht immer korrekt sind, was durch einen spannenden Schlagabtausch der Sichtweisen zu kontroversen Themen stattfindet. Es handelt sich um die Folgen "Endars Sohn" und "Die Auflösung". Vom Aufhänger her hat mir außerdem jene Geschichte gut gefallen, in welcher Riker scheinbar 16 Jahre in der Zukunft erwacht und jene, in welcher Barclay ähnlich wie in "Der Rasenmähermann" zu einem Genie wird. Im Laufe der Entwicklung beider Geschichten wird für meinen Geschmack jedoch nicht genug aus diesen reizvollen Ausgangsideen herausgeholt. 

Es fehlt nun einmal an echten Wagnissen in Staffel 4, die etwas weniger kreativ daher kommt als bislang gewohnt und nur bereits bekanntes Terrain in Sachen Verspieltheit abgrast. Die Darsteller scheinen weiterhin ihren Spaß zu haben, der Zuschauer hat ihn auch noch, aber es wäre schade wenn die Serie von nun an auf diesem Niveau hängen bleibt. Ich hoffe, dass Staffel 5 wieder etwas besser wird. Die Fortführung der in Staffel 4 begonnenen Geschichte weiß sie zumindest gut zu meistern, das weiß ich bereits. Aber eine gute Fortsetzung einer unterbrochenen Handlung zum Staffelwechsel war zu Beginn von Season 4 ebenfalls gegeben. Also mal abwarten...  Wiki

01.10.2023

STAR TREK - THE NEXT GENERATION - STAFFEL 3 (1989)

Zur Zeit befindet sich die Serie auf einem Aufwärtstrend und wird somit immer besser. Dementsprechend ist das dritte Jahr meiner Meinung nach bislang der Höhepunkt. Ihr einziger Wermutstropfen ist die Rückkehr von Beverly Crusher, so dass nun beide weiblichen Stammrollen wieder den unangenehmen Teil der Hauptcrew darstellen, während die weit interessanter charakterisierte Ersatzärztin der zweiten Staffel nicht einmal eine Abschiedsfolge beschert bekam. Ansonsten weiß der Umgang mit den Figuren zu gefallen, die immer intensiver beleuchtet werden und deren Darsteller Herausforderungen zu meistern bekommen, welche die Verspieltheit der Drehbücher auch in ihnen zu wecken wissen. Im dritten Jahr darf es weiterhin heiter, düster und traurig zugehen. Man weiß vorher meist nie was man beschert bekommt, alle diese Schwerpunkte vertragen sich mit dem Grundkonzept. Selbst wenn es etwas zotiger werden darf, z.B. wenn Picard anfängt zu singen, oder wenn er entgegen dem, was er empfindet, Trois Mutter theatralisch mit klassischen Zitaten seine Liebe kundtut, verwässert das keinesfalls die Stimmung, sondern puscht diese ungemein, eben weil man sich auf seiner phantastisch gehaltenen Sternenreise je nach Thema nicht all zu ernst nimmt. Der mir sonst diesbezüglich zu nervig angegangene Q weiß mir diesmal in seiner Gastfolge zu gefallen, wenn er sich seiner Allmacht beraubt als Mensch auf der Enterprise wiederfindet. Und auch die Ferengis gefallen mir immer mehr und bekommen diesmal u. a. einen der lustigsten Momente beschert, wenn es darum geht, dass ihre Ohren zu den erogenen Zonen zählen, herrlich. 

Zu Herzen geht die Episode um Datas Tochter, die beginnt Gefühle zu entwickeln, oder jene, in welcher die Enterprise in eine alternative Zeitlinie gerät und ein uns bekanntes Gesicht wieder mit an Bord ist, welches erfährt was in der ursprünglichen Zeitlinie mit ihr geschah. Die Folgen "Versuchskaninchen" und "Die Macht der Naniten" stehen für die klassisch verspielten, abenteuerlichen Folgen, wie sie es gerade so erzählt auch in die Dekade der 60er Jahre-Mannschaft geschafft hätten. Und dass man kritisch, spannend, aber im empathischen Umgang mit den Romulanern in interessant gehaltenen Geschichten umgeht, kann damit zu tun haben, dass in der letzten Folge von Staffel 3 die Borgs endlich unser Sonnensystem erreicht haben, und es dort düsterer denn je zugehen darf, inklusive eines heftigen Cliffhangers, der böse und verspielt zugleich daher kommt. Es mag also sein dass die Romulaner irgendwann doch noch zu Verbündeten gegen die Borgs werden, mal abwarten. Dass man andernorts das Hängenbleiben der immer gleich bleibenden Rang-Position von Riker thematisiert, anstatt ihn Comic-artig einfach stets unbegründet Nummer 1 sein zu lassen, ist wiederum doch der Versuchung der Verantwortlichen geschult, einen Realismus zu integrieren, der nicht nötig wäre, durch die Kinoabenteuer der alten Mannschaft aber so vorgegeben wurde. Beim jüngeren Crusher sorgt man beim ewigen Verschieben der Ausbildung zumindest dennoch für ein offizielles Weiterkommen, insgesamt betrachtet benötige ich persönlich derartige Themen jedoch nicht, dafür fühlt sich alles zu sehr nach Fantasie und Flucht aus dem Alltag an. In einer Comicwelt wie dieser benötige ich derartige Rechtfertigungen für den Status Quo nicht, zumal doch bereits die gesprochenen Worte im Vorspann stets zum Träumen verführen, anstatt sich nun einem harten Realismus stellen zu müssen. Aber da das Randerscheinungen inmitten einer ansonsten passend gemixten Erzählstruktur sind, schaden derartige Versuche dem sympathischen Gesamtergebnis so gar nicht.  Wiki

12.09.2023

STAR TREK - THE NEXT GENERATION - STAFFEL 1 + 2 (1987)

Die alte Mannschaft um Kirk war Kult, zur Entstehungszeit der hier besprochenen Serie mittlerweile auch im Kino erfolgreich fortgesetzt, da war es mit Augen von damals sicherlich recht riskant auf eine neue Mannschaft zu setzen, die noch weiter in der Zukunft aktiv ist. Im Nachhinein fußte damit endgültig der Erfolg eines Franchises, welches jenseits der Ur-Enterprise, aber auch im Umgang mit dieser, immer weiter ausgebaut werden konnte. Während ich seinerzeit das Ergebnis der Next Generation als völlig unsympathisch empfand, war ich bei meiner erneuten, nun konsequenteren Sichtung sehr erstaunt darüber, wie nah die Abenteuer am verspielten Umgang der 60er Jahre-Serie angelehnt sind. Experimentell, augenzwinkernd und charmant geht man auch im nächsten Jahrhundert, wie der ursprüngliche deutsche Titel "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" bereits verrät, mit der Thematik um Weltraumreisende um, die neue Welten entdecken und im Auftrag einer Vereinigung etlicher Planeten Missionen so erfüllen, wie es die Vorschriften des Systems diktierten. Dieses wird keinesfalls kritisch betrachtet, wie seinerzeit in "Raumpatrouille Orion" geschehen, sondern stattdessen für höchst vorbildlich gehalten. Je tiefer man in die Materie der zukünftigen Mentalität blickt, umso mehr offenbart sich ein erschreckender "Fortschritt" der Menschheit, der auf dem Weg zur Idealisierung mit dem Verlust etlicher als überholt geltender Freuden, einer Sekte wie Scientology gleicht, auch in der stets angewendeten Symbolik der Föderation. 

So unschön das ist, zumal unkritisch thematisiert und so gemeint wie eingefangen, umso überraschter darf man über den meist entspannten Umgang der abenteuerlichen Geschichten sein. Dass die wichtigsten Figuren der Mannschaft etwas zu viel Population einnehmen, schien man im Laufe der Zeit verstanden zu haben. Der ersten großen Nebenfigur entledigt man sich bereits in Staffel 1, indem sie treffsicher durch einen Klingonen ersetzt wird, der bereits Teil der Hauptcrew war und nun inhaltlich durch diesen Wechsel endlich von Nutzen wird. Ein weiteres Gesicht auf der Brücke landet schließlich im Maschinenraum, wo es besser aufgehoben ist, ohne an Szenen einzubüßen. Die unglaublich schläfrig besetzte Ärztin wird in Staffel 2 gegen einen wesentlich interessanteren Charakter ausgetauscht. Ich frage mich jedoch wie lang diese Person ihren Platz einnimmt, wird sie doch im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin nicht im Vorspann erwähnt, sondern stattdessen in jeder Folge als Gaststar. Die unnötigste Person auf dem Schiff bleibt der Crew leider erhalten und bedient etwas zu stark den Esoterikbereich innerhalb des Genres Science Fiction. Es ist eine Person welche Gefühle anderer empfinden kann, und sowohl als Vorwarnung diverser Absichten fremder Kulturen dient, als auch als nervige Friedensstifterin an Bord. Geteilt sind die Meinungen über ein Kind als Teil der Mannschaft, aber ich mag Darsteller Wheaton. Allerdings sind seine Auftritte im ersten Jahr meiner Meinung nach besser, da vielschichtiger, als im zweiten.

Der erste Offizier und Captain Picard sind hingegen deutlicher Trumpf in der Hauptbesetzung, ebenso wie Data, dessen Darsteller sich geradezu clowneresk am meisten austoben darf. Aber die einfallsreichen, oft verträumten und manchmal so gar nicht realistischen Geschichten und kleinen Ideen am Rande (zu denen bezogen auf andere Schwerpunkte auch jene der Essenszubereitung der Zukunft gehört) bieten fast jedem dauerhaft anwesenden Schauspieler ebensolche Möglichkeiten. Hier kann jemand seinem 6stündig späterem Ich gegenüber stehen, jemand von einem Schleimwesen verschluckt werden, göttliche Kraft beschert bekommen, sich auf einem Paradies-ähnlichem Planeten ausleben und vieles mehr. Und die etwas gewöhnungsbedürftige Idee eines Computersimulationsraumes erlaubt es den Autoren Geschichten um Sherlock Holmes und Co auf andere Art umzusetzen, als seinerzeit unter Kirk, wo gleich ein kompletter Planet ein Gruselschloss oder ein zu Fleisch gewordener Kriminalroman sein musste. 

"Star Trek - The Next Generation" startet in seiner Pilotfolge auf Spielfilmlänge etwas ungelenk mit einer eher mittelmäßigen Folge, da mit zu fantastischem Inhalt versehen, und führt mit Q eine meiner Meinung nach nervige Figur mit übernatürlichen Kräften ein, mit welcher der Sprung ins Irrationale etwas arg übertrieben wird. Hin und wieder taucht diese Figur auch später auf, auf mich nie so unterhaltsam wirkend, wie gewollt, aber zumindest verdanken wir diesem Wesen den ersten Kontakt mit den Borg, und dass sie überhaupt erst auf die Menschheit aufmerksam werden. Das nehme ich als Wiedergutmachung ebenso an, wie Jar Jar Binks' Einfluss auf die düsteren Wendungen im Star Wars-Universum. Dass ab Staffel 2 mit Whoopey Goldberg prominent besetzt ein ähnliches Wesen mit an Bord ist, macht die Sache nicht besser, zumal im Umgang mit dieser Figur deutlicher denn je wird, wie wenig man am Erforschen derart weit entwickelter Lebewesen interessiert ist. Immerhin macht die Serie nicht nur hier immer wieder deutlich, dass es einen Zusammenhang im Universum mit Zeit und Raum gibt, stattfindend auf diversen Bewusstseinsebenen, die wir nicht verstehen und jenseits unserer Vorstellungskraft liegen. So interessiert man auch immer wieder an fremden Kulturen ist, ab da wo fast geradezu göttliche Kräfte am Werk sind, wird nicht einmal die Maschine Data neugierig. Aber mal abwarten, vielleicht tut sich diesbezüglich irgendwann mehr.

Letztendlich will die Serie aber ohnehin nur relativ trivial unterhalten. So bedeutungsschwanger auch immer wieder mal mancher Moment anmutet, "Star Trek - The Next Generation" will lediglich Kurzweile bereiten und erfüllt dieses Ziel meist auf sehr angenehme Art, auch wenn mir in Staffel 2 zu Beginn und am Ende die meisten Episoden etwas zu zahm thematisiert sind. Von dem zu ernsten Blickwinkel zu engstirniger pseudo-philosophischer Science Fiction-Serien, wie ich es beispielsweise von "Andromeda" in schwacher Erinnerung habe (Irrtum somit nicht ausgeschlossen), ist die abenteuerliche Science Fiction-Serie rund um Picard glücklicherweise in seiner verspielten Art weit entfernt.  Wiki

03.04.2016

LOADED WEAPON 1 (1993)

Die durch „Kentucky Fried Movie“ und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ losgetretene Filmparodie-Erfolgswelle war nach „Spaceballs“ und Co noch längst nicht abgeschwappt und sollte durch den überragenden Erfolg von „Hot Shots“ Anfang der 90er Jahre noch einmal vorerst ein letztes Hoch erleben, so dass erneut eine Flut mal mehr mal weniger gelungener Veralberungen größerer Kinoerfolge die Lichtspielhäuser heimsuchte. Im selben Jahr von „Crazy Instinct“ und „Robin Hood - Helden in Strumpfhosen“ und ein Jahr vor „Das Schweigen der Hammel“ und „Chicken Park“ erschien „Loaded Weapon 1“ auf der Bildfläche, besetzt mit Emilio Estevez, dem Bruder Charlie Sheens, der in oben erwähnter „Top Gun“-Parodie die Hauptrolle spielte und im hier besprochenen Film neben jeder Menge anderer Prominenz als Gaststar vorbeischaute.

Was hier parodiert wird ist schnell klar. Die Teile 1 bis 3 der „Lethal Weapon“-Reihe gehörten zur Creme de la Creme des Actionkinos seiner Zeit und waren damit ein gefundenes Fressen für Filmparodien. Zudem veräppelt der Film, der bereits mit der angespielten Fortsetzung im Titel seinen ersten wirksamen Gag erntet, Größen seiner Zeit wie „Basic Instinct“ und „Das Schweigen der Lämmer“, solche aber stets in einzelnen Szenen, wohingegen die Action-Komödien mit Mel Gibson in so ziemlich jeder anderen Szene Pate standen.

Wirklich kennen muss man diese nicht um Spaß mit „Loaded Weapon 1“ zu haben, aber es bereichert die Freude am Blödsinn freilich mehr nicht unwissend an Quintanos Komödie heranzugehen. Nur selten ist es allerdings von Nöten das Original zu kennen, so z.B. in jener Szene, in welcher der berühmte „Bombe auf dem Klo“-Moment parodiert wird. Deren Pointe ist so flach wie so ziemlich alles was man hier an Komik vorgesetzt bekommt, aber sie kommt herrlich unverkrampft daher, in all ihrer Reichhaltigkeit präsentiert von spielfreudigen Darstellern, die alle in ihren Klischees badend völlig übertrieben agieren durften, so auch Samuel L. Jackson, von dem damals noch kaum wer wusste wie genial er tatsächlich schauspielern kann. Dies erkannte die Masse nur kurze Zeit später mit „Pulp Fiction“ und allem was danach kam.

Zwar muss man die Originalreihe nicht kennen, dies bedeutet jedoch nicht dass die Filmparodie von Regisseur Gene Quintano, der auch für „Police Academy 4“ verantwortlich war, sich einzig auf ihren flachen, massentauglichen Witzchen auruhen würde. Im Gegensatz zu manch schneller abgearbeiteten Produktion wie „Agent 00“ veralberte man neben inhaltlichen Elementen auch die stilistischen des zu parodierenden Stoffes, was sich in Farbgebung, Setting, Soundtrack und dem belustigendem Umgang mit der Dramaturgie der „Lethal Weapon“-Reihe zeigt. Hier wird das Original tatsächlich ansatzweise im Kern getroffen.

Hauptsächlich darf jedoch verspielt fröhlich herumgealbert werden, wobei allerhand Krimi- und Action-Klischees aufs Korn genommen werden und mit Gewaltverherrlichung ebenso gespielt wird wie mit dem Bild der Bösewichter im amerikanischen Kino. Billige Wortwitzchen finden ebenso ihren Platz wie gewaltige Aktionskomik, sowie Fehler in Serien, die Prüderie Amerikas, das sich damals bereits extreme Hochschaukeln der immer gigantischer werdenden Zerstörungsorgie in Blockbustern und vielem mehr. „Loaded Weapon 1“ erreicht trotzdem nie das Niveau der frühen Werke von Zucker/Abrahams/Zucker, Monty Python oder der besseren Filme von Mel Brooks, gehört aber zu den angenehmeren Vertretern seiner Filmgattung, die zu seiner Erscheinungszeit bereits aus einer Modewelle heraus geboren wurden.

„Loaded Weapon 1“ ist weder Shakespeare noch „Die nackte Kanone“, kann mit etwas heruntergeschraubten Erwartungen dank einer hoher Treffsicherheit innerhalb seiner absichtlich flachen Komik jedoch bestens funktionieren und wird somit zu den angenehmeren Filmparodien seiner Zeit. Im Gegensatz zu „Hot Shots“ wirkt er nicht so bemüht beim Einbringen der hohen Dosis Gags in einem Minimum an Plot. Und da die Verantwortlichen des Stoffes auch die stilistische Ausrichtung der Vorbilder erkannten, ist er zudem anspruchsvoller ausgefallen als alles was durch „Scary Movie“ losgetreten in den 00er Jahren bei der nächsten Filmparodien-Welle auf den Zuschauer losgelassen wurde.  OFDb

19.09.2012

PINOCCHIO 3000 (2004)

Ein böser Bürgermeister möchte einen von Ingeneur Gepetto erschaffenen Roboterjungen für seine Zwecke missbrauchen, damit alle Kinder seiner Stadt Roboter werden...

Die Kinder von Stepford...
 
"Pinocchio Reloaded" (Alternativtitel) weist einige deutliche Parallelen zu "Robots" auf. Da wären zunächst einmal selbstverständlich die Roboter selbst, aber viel mehr geht es mir bei diesem Vergleich um die Art der Umsetzung. Beide Animationsfilme wirken zuckersüß, überdreht, kunterbunt und unterkühlt zugleich. Und beide bauen sie Gesellschaftskritik über böse Firmen und deren fragwürdigen Machenschaften ein, so wie dies heutzutage häufiger der Fall ist, allerdings ohne diese ernst zu meinen. Die fertiggedrehten Produkte sind selbst Ergebnis einer solchen pseudo-kritisierten Geldmacherei, und das Produkt ist somit nur seelenlos zu nennen, klischeeüberladen umgesetzt und Kapitalismus vom Feinsten, ohne dabei zumindest mit einem Hauch von Individualität in Geschichte und Umsetzung gegenzulenken.
 
Kinder, die besagte Kritikpunkte nicht erkennen können oder zumindest nicht hinterfragen, werden das Werk sicherlich als kurzweilig erachten. Aber in Fällen wie diesen liegt es an den Eltern einen solchen Film zu beurteilen, man muss seine Kinder schließlich nicht alles gucken lassen. Zugegeben, an der Animation gibt es nichts zu meckern, die ist geglückt. Aber selbst wenn man über den Täuschungsversuch der unehrlichen Gesellschaftskritik hinweg sieht, wäre immer noch zu kritisieren, dass die Umsetzung vom original „Pinocchio“ zur Zukunftsgeschichte viel zu plump umgewandelt wurde.

Das finde ich sehr schade, denn einen Roboter-Pinocchio im Jahre 3000 könnte ich mir super als einen etwas düsteren Animationsfilm für den erwachsenen Zuschauer vorstellen. So wie letztendlich umgesetzt ist es aber Massenware geworden, die sich bequem auf dem üblichen Rezept eines Familienfilmes ausruht und der spätestens an besagter geheuchelter Kritik zu Grunde geht. Wenn nach einer gewissen Laufzeit auch noch der Singsang losgeht, ist die Versuchung zur Fernbedienung zu greifen höher denn je.  OFDb