Posts mit dem Label Südkorea werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Südkorea werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

31.07.2022

MASTERS OF THE FUTURE - DEFENDERS OF SPACE (1984)

"Masters of the Future" auf DVD und "Master of the Future" auf VHS genannt ist eine 1987 für den Videomarkt konzipierte Reihe, die eine Serie vorgaukelt, in Wirklichkeit aber vier unterschiedliche Trickfilme jeweils drittelte, um diese als Serie zu verkaufen. Auf der DVD hat man die Möglichkeit die Geschichte der ersten drei Episoden, die zu dem 1984 entstandenen südkoreanischen Zeichentrick "Bulsajo roboteu Pinikseu-King" (Originaltitel) gehören, in einem Stück zu gucken. Ohne Vor- und Abspann beträgt das Abenteuer 65 Minuten. Und hätte ich nicht vorher von der Zerstückelung einer Serie gelesen, ich hätte vermutet dass der wieder zusammengefügte Film der Zusammenschnitt einer viel länger laufenden Serie wäre, so plump wie er, nur das nötigste erzählend, von einem Handlungsaspekt zum nächsten springt. 

Hier werden weder Schicksale vertieft (über den Verlust der Eltern wird nach der völligen Zerstörung der Heimat lediglich kurz geweint und dann nie wieder gesprochen), noch Motivationen der Gegner, geschweige denn die Figuren an sich (ob nun die Kinder, der Professor oder sein kleiner Robotersohn, sie werden alle alle als selbstverständlich angesehen). Dementsprechend motivationslos fallen selbst die Sternenkriege zwischen Raumschiffen und Robotern aus, und dass plötzlich Unterstützung von der Erde folgt, ohne je Kontakt mit dieser aufgenommen zu haben, ist der extremste Punkt dieser Oberflächlichkeit - zumal die Erdlinge lange Zeit nur per Raumschiffe gezeigt werden und für den Kriegsverlauf keine wirkliche Rolle spielen. "Verteidiger des Weltalls" wie auf den deutschen Covern des jeweiligen Mediums ergänzend steht, ist auf die Schnelle irgendwie zusammengefuscht, eine Geschichte vorgaukelnd, anstatt sie wirklich erzählend, ein konzipiertes Produkt, anstatt die Verfilmung eines erzählenswerten Stoffes zu sein. Billigst animiert springt man auf alles auf, was in asiatischen Ländern gerade beliebt war, und um das US-Publikum mit einzukaufen darf zu Beginn auch gleich noch Baseball gespielt werden. 

Im Gegensatz zu vielen anderen Animationsbeiträgen Asiens ist "Defenders of Space" ein reiner Kinderfilm, deswegen könnte man ihm viel verzeihen, wäre er nicht so lieblos angegangen. Gewohnte Wiederholungen und Endlosaufnahmen zur Vergünstigung der Animation werden oft stümperhaft verwendet, wenn Flüge, Stürze und Bohrungen viel zu lange als vom Handlungssinn her möglich zelebriert werden. Und Anschlussfehler durch das wilde Herumgeschnippsel gibt es ebenfalls zu vermelden. Ein Kind wird auf den Roboter gehievt, damit es in der nächsten Aufnahme zwei sind, und eine Laserkanone, die dem feindlichen Riesenroboter entwendet wurde, darf für einen kurzen Augenblick, wenn er zu Boden stürzt, wieder in seinem Besitz sein. Besagte Riesenroboter erinnern nicht nur optisch stark an die 1984 entstandenen "Transformers", geradezu kindgerecht darf sich der Heldenroboter nach erreichtem Sieg um das Feuer in der Heimatstadt kümmern, indem er sich in ein Feuerwehrauto verwandelt. Nun kann die Stadt wieder aufgebaut werden, wie der kindliche Held der Chose ankündigt, denn es geht ja nur um den Aufbau, scheiß drauf dass fast jeder Mensch hier sein Leben verloren hat. 

Dem ganzen Treiben wird, um zumindest halbwegs eine abenteuerliche Geschichte zwischen dem Sternenkrieg erzählen zu können, noch eine Aufgabe für die Kinder beschert, die mit dem legendären Phoenix zu tun hat, der nach Erweckung sodann erscheint um den Heldenroboter aus der Ferne zu lenken (während er gleichzeitig von den Kindern im Inneren gelenkt wird, ach was weiß ich). Dieser skurrile Mix den Phoenix durchs All in einer Science Fiction-Geschichte fliegen zu lassen erinnert freilich an den 1979 entstandenen "Space Firebird 2772", an dessen Klasse ein Schnellschussprodukt wie das hier besprochene freilich nicht heran reicht, es diesen aber auch nicht versucht zu kopieren. Dafür kopiert es allerhand andere Konkurrenz mal mit voller Absicht, mal nur aufgrund des damaligen Standards (wie Captain Future sahen schon viele Anime-Figuren vor und nach "Captain Future" aus, um nur ein Beispiel zu nennen). So oder so, "Defenders of Space" ist kein Spaß für Kindgebliebene oder Retro-Freunde, wenn überhaupt nur für Kinder, und für die gibt es auch im vergleichbaren Stil bessere Werke dieser Art zu sichten. "Defenders of Space" ist einfach nur plump und dreist, nur actionreich, aber dies nie liebevoll oder charmant umgesetzt. Alles ist nur Alibi-"Handlung" für möglichst viele, billig animierte Kampfsequenzen.  OFDb

18.04.2022

MEMORIES OF MURDER (2003)

Ähnlich wie Finchers vier Jahre später entstandener "Zodiac - Die Spur des Killers" wirft "Memories of Murder" einen Blick auf die Ermittlungen eines in der Vergangenheit tatsächlich begangenen Verbrechens eines Serienkillers, das zur Entstehungszeit des Filmes ungelöst blieb (mittlerweile aber durch DNA-Beweise aufgelöst werden konnte). Anders als der erfolgreiche US-Film ist der in seiner Heimat ebenfalls erfolgreiche südkoreanische Beitrag nicht darauf aus alles detailgetreu und realistisch wiederzugeben. Das zeigt bereits der Humoreinfluss an mancher Stelle, z.B. beim etwas arg auf dümmlich getrimmten Charakter des ortsansässigen Ermittlers. Seine Methode wird jener professionell durchdachten eines externen Kriminalisten entgegen gestellt, der gegen des Willens des Dummen dazu stößt. Der Film spielt augenzwinkernd damit, dass dennoch beide Seiten stets vorwärts kommen und auf ähnliche Ergebnisse stoßen. Erst spät arbeiten die beiden wirklich zusammen, und selbst dann sind sie nicht wirklich ein zusammengeschweißtes Team. Auffällig ist hingegen der Mentalitätenwandel der beiden. Aus dem stets ruhigen, sachlichen Mann wird ein aggressiver, aus einem leichtfertigen ein besonnener, wenn auch weiterhin nicht mit Intelligenz gesegnet (wie auch?). 

Zwar mangelt es "Salinsui Chooeok" (Originaltitel) nicht am nötigen Ernst an entscheidender Stelle, wirklich düster ist er für seine Thematik jedoch nicht ausgefallen. Das ist kein Schwachpunkt des Streifens, derartiges ist von Regisseur Bong Joon-ho und seinem Team nicht gewollt, es überrascht lediglich, wenn man wie ich unvorbereitet an diesen Mix aus Kriminalfilm und Drama heran geht. Die Mimen wissen zu überzeugen, die scheinbare Orientierungslosigkeit des Handlungsablaufs ist gewollt, lebt der Streifen doch zu einem guten Teil von den Verzweiflungstaten der Ermittler und ihrer Versuche im Dunkeln tappend vorwärts zu kommen. Und da das Szenario, abgesehen von manch absichtlich eingestreuter Übertreibung in Comicmentalität, sachlich überzeugt und das Ergebnis zu unterhalten weiß, gibt es an "Memories of Murder" nicht wirklich etwas zu meckern, zumal er mit dem nötigen Respekt vor den tatsächlichen Ereignissen erzählt ist. Vielleicht dümpelt er manchmal etwas zu sehr vor sich hin (was aber eben mit besagter Orientierungslosigkeit der Protagonisten zu tun hat), aber eigentlich hat er das Herz am rechten Fleck und ist professionell genug umgesetzt, um ihm seinen Erfolg in der Heimat auch zu gönnen.  OFDb

15.03.2022

POWER WARRIORS (1996)

Die "Power Rangers" gingen nach drei Staffeln und einem Kinofilm gerade erfolgreich in die nächste Phase "Power Rangers Zeo" über, da kam das Konkurrenzprodukt "Power Warriors" auf dem Markt, welches inhaltlich einen Mix aus "Krieg der Sterne" und "Ultraman" darstellte. Das ursprünglich in Südkorea inszenierte Produkt namens "Power King" erfuhr über US-amerikanischen Einfluss einige Veränderungen, was zu dem Produkt führte, welches es auf den deutschen Heimvideomarkt geschafft hat. Wie das große Vorbild, so ist auch der ebenso billige Abkömmling ein Produkt für Kinder, aufgrund seiner Härte wurde es in Deutschland freilich trotzdem ab 16 Jahren freigegeben, selbst bei der DVD-Auswertung, ein Alter das mit dem Stoff, so wie er gemeint ist, nicht mehr viel anfangen kann. Denn mehr noch als in Produktionen für Kinder üblich wird jeglicher sinnmäßige Horizont klein gehalten, so dass jeder aufkommende Gedanke beim Sichten des Filmes sofort zu Widersprüchen führt. Das erfährt eine derartige Extreme, dass der mitdenkende Zuschauer weniger von der Chose begreift, als es der stumpfe Konsument tut. Hier ist wahrlich nichts durchdacht, und der Witz ist, dass dies gar nicht schlimm ist. Denn "Armicron in Outlaw Power" (Originaltitel) will gar nichts anders als wildes Action-Affentheater sein in seiner grellbunten Art und mit seiner Holzhammer-Methode, die selbst die Einführung des Helden als Schultrottel noch dicker aufträgt, als jede Highschool-Komödie üblicher Weise ohnehin schon. 

Der Mumpitz funktioniert auf bescheuerte Art eine Zeit lang sogar recht passabel, irgendwo pendelnd zwischen freiwilligem Schrott und unfreiwilliger Komik. Aber auf die komplette Laufzeit wollte mich "Armicron" (Alternativtitel) dann doch nicht bei Laune halten, zumal der zu erwartend dünne Plot tatsächlich nur von Kampf zu Kampf hüpft. So interessant trashig manches Kostüm und Set auch ausfallen mag, man sieht dem Großteil der Darsteller an, sich hier nur des Broterwerbs wegen zum Affen zu machen, Spielfreude sieht anders aus. Und was die Schurkenseite betrifft: treffsichere Kostüme von Bösewichtern sehen ebenfalls anders aus. Da findet man die besseren diesmal überraschender Weise auf der Seite der Guten. Leider ist "Power Warriors - Nur einer kann die Erde retten" (Alternativtitel) Meilen vom Unterhaltungsgrad eines "Frankensteins Kung-Fu Monster" und "Invasion aus dem Innern der Erde" entfernt, die tatsächlich Freude im Bereich alternativen Kinos bereiten können. "Armicron - Retter aus dem All" (Alternativtitel) ist ein eher lieblos runtergespultes Trivialprodukt, das seine Power schnell verloren hat, zumindest bei dem Publikum welches die FSK für diesen Kinderfilm auserkoren hat. Wie ratsam es ist, diese Gewaltverherrlichung tatsächlich Kindern zu zeigen, sei einmal dahin gestellt. Andererseits sollte man auch nicht päpstlicher als der Papst sein was das betrifft. Da sind die Kids von heute doch ganz andere Kaliber gewöhnt.  OFDb

01.03.2022

BEAUTY WATER (2020)

Dieser koreanische Zeichentrickfilm bedient sich der selben Grundlage eines "Comtesse des Grauens", "The Rejuvenator" und "Bad Hair", wenn er den Schönheitswahn gesellschaftskritisch auf Horrorart persifliert, erweitert diesen Gedanken mit manch überraschender Wendung jedoch noch um einen an "Psycho" erinnernden Plot, der wiederum zu einer bizarren Idee führt, die sich an einer Sequenz aus "Nightmare on Elm Street 4" bedient. "Beauty Water" schaut sich somit nicht immer innovativ, weiß auf diese sich bekannt anfühlende Art aber zu gefallen, so gekonnt wie er seine Geschichte kurzweilig präsentiert und in seiner Reflexion stets Gut und Böse verschwimmen lässt. Das weiß gerade in der Charakterisierung der Hauptfigur zu gefallen, die keineswegs sympathisch ausgefallen ist. Der Autor schafft es dennoch sehr wohl, dass man mit ihr leidet, eine gekonnte Dramaturgie und ein schwarzhumoriges Drehbuch sei Dank noch mehr aber mit den Eltern, denn "Gigigoegoe seonghyeongsu" (Originaltitel) konzentriert sich nicht immer nur auf seine vordergründige Geschichte und mit der Hauptstory zwingend einhergehender Thematiken, er ist auch kreativ genug diese mit interessanten Zusatzaspekten anzureichern, geht dafür aber nie zu analytisch verzwickt oder intellektuell vor. "Beauty Water" besitzt nicht die geistreiche Note großer Anime-Werke wie "Paprika", "Summer Wars" und Co, er macht deutlich dass er lediglich für Unterhaltung sorgen will, und das schafft er gekonnt genug, ohne dabei zum großen Wurf zu werden. Die stark mit Computeranimation angereicherte Zeichentrick-Grafik weiß in Farbgebung, Figurendesign und mit netten Hintergründen und Kamerafahrten zu gefallen, einzig der etwas zu gleitende Gang der Figuren stieß mir sauer auf. Da es ansonsten in dem Bereich nichts zu meckern gibt, braucht man sich daran jedoch nicht aufzuhängen, zumal "Beauty Water" nicht nur von seiner Optik lebt, sondern auch von seinem wunderbaren Mix aus Gesellschafts-Satire, schwarzhumoriger Komödie und psychedelischem Horror, der wiederum nicht nur bizarrer Natur ist, sondern auch manch unheimlichen Moment bereit hält.  OFDb

30.01.2022

PARADISE VILLA - RESIDENZ DER GEWALT (2001)

Wer aufgrund des Aufhängers, dass ein Killer ein großes Wohnhaus unsicher macht, auf einen Slasher hofft, der ist im falschen Film. Park Chong-won versucht eher eine Art südkoreanischen "Delicatessen" zu kreieren, indem auch er satirisch Horrorelemente mit dem Bereich der Komödie mixt. Zwar versucht er nicht das Ganze so künstlerisch verliebt umzusetzen, wie sein französischer Kollege Jeunet, billig herunter gefilmt ist "Paradise Villa" (Originaltitel) jedoch auch nicht. Umso trauriger ist es, dass es der gute Mann trotz dieses Pluspunktes und manch wirksamer Figurenzeichnung nicht schafft auch nur halbwegs ein passables Ergebnis abzuliefern, geht er doch arg stumpf vor, stets Schauwert an Schauwert reihend, anstatt seinem Werk auch Ruhe und Tiefsinn zu bescheren. Das Sozialverhalten unterschiedlicher Typen Südkoreas sind gut studiert und werden teilweise treffsicher persifliert, aber stets kommt Park mit dem Holzhammer daher, liebt blutige Einlagen und anderweitige reißerische Elemente, während die eigentliche Geschichte dann doch zu extrem auf der Stelle tritt, als dass die Einzelschicksale der Bewohner sich in ihrer Entfaltung und ihrem charakterlichem Weiterkommen dafür eignen würden, das Ganze trotzdem zu stemmen, zumal ich oftmals eine ironische Distanz zum proletenhaften Treiben der einfach gestrickten Einwohner des Wohnkolosses vermisst habe. Leider fehlt es im Gegenzug an einer Empathie den Figuren und genügend psychologischem Verständnis ihrer Motivationen gegenüber, analytisch gewitzt ist man beileibe nicht vorgegangen, und einen dramaturgischen Einfluss, der wichtigste Aspekt eines jeden Genres, lässt das Gesamtergebnis ebenfalls vermissen. Sicherlich habe auch ich manches Mal über manche der vielseitigen Situation geschmunzelt, insgesamt fand ich das Treiben nach einem noch recht überzeugenden Einstieg ins Geschehen aber eher uninteressant als amüsant. Und der Aspekt um den Serienkiller, so sympathisch sich der Aufhänger seiner Taten in der Theorie auch anhören mag, gehörte zu den uninteressantesten Zutaten dieses meiner Meinung nach missglückten Streifens, weiß er doch weder von der Person her zu wirken, noch durch seine Taten oder seiner Motivation. Damit könnte ich leben, wenn die vielen anderen, dem Regisseur weit wichtigeren Bereiche des Filmes derart fruchten würden, wie von ihm erhofft. Aber da dies leider nicht der Fall ist, fiel der Film bei mir durch.  OFDb

10.03.2021

PENINSULA (2020)

"Train to Busan" war ein kleiner Erfolg und das zu recht, wenn man mich fragt. Es braucht also nicht wundern, dass es zu einer Fortsetzung kam. Und sich vom Konzept einer solchen an Romero zu orientieren, indem man anderen Figuren zu einem späteren Zeitpunkt in der Zombie-verseuchten Welt beiwohnt, ist kein Fehler. Zwar erinnert die Geschichte trotz allem mehr an "28 Weeks Later" und die Governor- und Saviors-Phasen von "The Walking Dead", aber der Vergleich ist theoretisch dennoch legitim. An die Stärken Romeros knüpft man jedoch nicht an, obwohl das Potential dazu zunächst vorhanden ist. Eine tragische Vorgeschichte, in welcher man die typisch fern-asiatische Theatralik akzeptieren muss, ist solide und einfühlsam umgesetzt. Ein Zeitsprung von vier Jahren nimmt den Zuschauer gut an die Hand, lässt einen schnell die neue Realität und die wichtigen Figuren kennen lernen, so dass mit einem konstruierten, aber nicht uninteressanten, Aufhänger in die neue Geschichte gestartet werden kann. 

Die punktet zunächst mit flotter Action, einem inszenatorischen Händchen für die nötige Stimmung, sowie einem schlichten, aber überzeugenden Set a la "The Girl with All the Gifts" und erneut nett anzusehenden Zombies in abenteuerlichen Situationen. So ist man zunächst guter Dinge, auch wenn in dieser geglückten Phase bereits bemerkbar ist, dass in diesem weniger komprimierten Format die Klasse des Erstlings nicht erreicht werden kann. Mit der Einführung der Bande der Zurückgelassenen, seit dem Ende der Evakuierung von Südkorea, beginnt "Train to Busan 2 - Peninsula" (Alternativtitel) zu wanken. Zu viel Beachtung bekommt sie geschenkt, zu halbstark wirkt sie bevölkert, zu viele prollige Zugeständnisse an das Massenpublikum werden gemacht. Zwar verliert die Geschichte mit ihrer Dominanz ein gutes Stück seines Reizes, und auch die schrullige Gegenseite wirkt etwas zu konstruiert, als dass man tatsächlich mit ihr sympathisieren könnte, auf routinierte, weit weniger innovative Art geht aber auch dieser Teil der Geschichte noch in Ordnung, der uns an "Lexx 3" und Co erinnernd einen Einblick in die neuen Gesetzmäßigkeiten einer Gesellschaft gewährt, in welcher ein kleiner abgeschlossener Radius von Anarchisten beherrscht wird, welche sich ihre Zeit mit bösartigen Spielen mit anderen Überlebenden bei Laune halten. 

Diese Brot und Spiele-Variante weiß zumindest plump zu unterhalten. Wandelt die Geschichte sich aber nun zur Rettungsaktion, orientiert an der Schlussphase des zu erfüllenden Auftrages, geht es rapide mit "Bando" (Originaltitel) bergab, der nun nicht nur zu viele Zufälle und Glücksfälle das Szenario bestimmen lässt, sondern in seiner undurchdachten Art zudem immer dümmlicher anmutet. Den Guten der Geschichte werden zu viele Zugeständnisse gemacht, und Zombies tauchen immer nur dann auf, wenn man sie gerade benötigt, auch wenn das ganze Treiben im Finale sie dauerhaft locken müsste. Die Figuren verlieren im Laufe der Zeit ihre komplette Sympathie, die Theatralik der Geschichte weicht dem empathischen Bereich und wirkt nun somit nur noch aufgesetzt, und die ehemals packende, rasante Action wird aufgrund von aufkommender Gleichgültigkeit beim Zuschauer ein zu langes und zähes Unterfangen, welches ohnehin nur prollig den Schwanzvergleich zwischen zwei konkurrierenden Gruppierungen verkörpert. 

Dank einer zu viele Kosten einsparenden Produktion schaut sich diese Phase, in welcher allerhand Autos auf viel zu freien Straßen flott unterwegs sind, zudem wie ein Computerspiel, ist doch fast jegliche Außenaufnahme der Wagen computeranimiert, so dass man immer wieder aus der ohnehin schon plumpen und wenig überzeugenden Realität des Filmes geschmissen wird. Hier mutet man dem Zuschauer zu viel Kindergarten zu. Wenn nun noch jeglichem Finalgeschehen ein weiteres folgt und mit jedem weiteren ein Stück mehr Klischee, Happy End, Glückseligkeit und Unglaubwürdigkeit folgt, dann ist man dem Kotzen nahe - und dies in einem Film, der so sympathisch begann. Freunde von "The Walking Dead" werden sicherlich trivial solide unterhalten, jedem anderen Freund von Zombie- und Infiziertenfilmen dürfte das Treiben jedoch zu plump und innovationslos vorkommen, als dass es erneut den Stellenwert eines "Train to Busan" einnehmen könnte.  OFDb

23.10.2020

#AMLEBEN (2020)

Mir kam es so vor, als bekäme man den Versuch vorgesetzt aus der Idee des recht konsequent umgesetzten "The Night Eats the World" eine kurzweiligere Unterhaltung zu zaubern. Es ist nicht so, dass das französische Werk von 2018 ein misslungener Zombie-Beitrag wäre, aber seine intellektuelle Art bremste ihn mit der zu extrem zelebrierten Monotonie der Einsamkeit doch gelegentlich ein wenig aus. Il Chos "#amLeben" hingegen verschreibt sich dem Popkorn-Kino, kommt nicht weniger ambitioniert daher und gönnt seiner Geschichte genügend Langsamkeit, sowie der zentralen Figur einen großen Zeitraum der Einsamkeit, bevor eine zweite Figur allmählich in den Vordergrund tritt, aber allein schon die charakterliche Orientierung eines Anti-Helden verändert die Grundstimmung mit Blick auf den Vergleichsfilm. Dem jungen Gedankenlosen, der gerne auch mal aufgrund von Überforderung egoistisch handelt, passieren Fehler, sein undurchdachtes Handeln ohne Weitblick erklärt warum er zu spät plant und hin und wieder mehr Glück als Verstand hat. Er ist als Loser-Typ nun aber auch kein Volltrottel, besitzt manch gute Idee, gerade was moderne Techniken betrifft. 

Durch seine Anti-Haltung und mittels eines nie zu dominant vorhandenen Humoranteils, amüsiert es dabei zuzusehen, wie er unter der Isolation innerhalb der Extremsituation einer Zombieepidemie leidet. Il Cho gelingt es in seinem Debütfilm dennoch nicht den dramatischen Aspekt aus den Augen zu verlieren, "#Alive" (Alternativtitel) ist in vielerlei Hinsicht ein Gefühlsfilm. Das südkoreanische Werk funktioniert ohnehin wunderbar vielseitig. Gelegentlich eingestreute Zombie-Action ist oftmals verbunden mit einem funktionierenden Spannungsbogen, da man kaum mehr weiß als die Hauptfigur selbst und einem asiatischen Beitrag ohnehin mehr Möglichkeiten zuzutrauen sind, wie es weiter gehen könnte, als vergleichbaren Projekten aus Regionen, die im Handlungsablauf gerne auf Nummer Sicher setzen. Nun ist "#Alone" (Alternativtitel) inhaltlich nicht gerade sonderlich innovativ ausgefallen, im Grunde gibt es hier nur Situationen zu sichten, die der Stammzuschauer der Zombie- und Infizierten-Horrorbeiträge bereits kennt. "#Saraitda" (Originaltitel) macht jedoch auf ein Neues deutlich, dass es eben auf die Handschrift ankommt, ob ein bekanntes Szenario trotzdem zu funktionieren weiß oder nicht, und eben diese zaubert meiner Meinung nach in diesem speziellen Fall einen sehenswerten Genre-Beitrag, den man sich als Freund der Zombie-Thematik nicht entgehen lassen sollte. 

Den Vergleich zum ebenfalls aus Südkorea stammenden, vier Jahre zuvor erschienenen, "Train to Busan" muss er nicht scheuen, letztendlich ist er in seiner zurückhaltenderen Art aber stilistisch anders ausgefallen. Filmfreunde, die nonstop Action und Blut benötigen, sind im falschen Film. Der hier besprochene Film geht mit Ruhe und Sorgfalt seine durchdachte Geschichte an. An großartigen Zombiemomenten mangelt es "#amLeben" trotzdem nicht, allein schon weil die Aggressoren wunderbar anzuschauen sind. So kostengünstig das Werk auch ausgefallen sein mag, es wurde nie an falscher Stelle Geld gespart. Man sieht dem Streifen nicht an, dass er ein recht günstiger Film ist. Und da er zudem in den beiden wichtigsten Rollen mit überzeugenden Mimen besetzt ist, weiß er sowohl auf professioneller Ebene, als auch aufgrund des Charmes, den die Figuren ausstrahlen, so gut zu funktionieren. Einzig den kurz vor Schluss auftauchenden Sub-Plot, um einen wahnsinnigen Ehemann im Nachbarhaus, hätte man sich sparen können. Er beschert dem Streifen keinen Sehwert, zumal dieser Aspekt nicht intensiv genug beleuchtet wird, um ihn in jener Konsequenz in die Gesamtgeschichte einzubetten, welchen man den restlichen einzelnen Faktoren des Handlungsverlaufs zugestanden hat.  OFDb

26.09.2020

MONSTRUM (2018)

Südkorea hat es mal wieder geschafft als asiatisches Land viel zu nah an den US-amerikanischen Sehgewohnheiten zu erzählen und somit aus einer interessant klingenden Geschichte lediglich Durchschnitt zu zaubern. Die Vorgeschichte wird mit ein paar Schrift- und Dialog-Infos abgearbeitet, anstatt sich Zeit zu nehmen sich stimmig schleichend der Hauptgeschichte zu nähern, die Figuren reden so flapsig daher als kämen sie aus unserer Zeit (was durch den leicht eingestreuten, angenehm wirkenden Humor halbwegs aufgefangen wird), Unglaubwürdigkeiten entstehen oft aus der Pflichterfüllung klischeehafte Szenarien einbringen zu müssen, so z.B. in jener Szene, in welcher das Monstrum entgegen seines sonstigen Verhaltens den Bösewicht des Streifens dem Volke zu wirft, und auch die Entmystifizierung, die uns verrät woher Monstrum stammt, ist geradezu typisch für das schlichte Massen-Kino-Konzept heutiger Tage. 

Zumindest kann man "Monstrum" von "Countdown"-Regisseur Heo Jong-ho zugestehen, dass er ein optisch interessantes Wesen präsentiert, das gut animiert ist und welches mit seinen tierischen Eigenarten zu gefallen weiß. So wird es z.B. zwischendurch kraft- und orientierungslos, frisst nicht nonstop und reagiert lediglich auf Gefahr. Der Plot und seine Figurenzeichnung ist hingegen plumper Durchschnitt, der zu schnell zum Ziel hinarbeitet, unterstützt in Deutschland von einem DVD-Cover, welches direkt klar macht, dass es hier definitiv um eine unheimliche Kreatur geht, anstatt einzig um politischen Betrug. Den Helden darf kein zu tragisches Schicksal widerfahren, der Böse muss sterben, das Monster besiegt werden, die Angriffsszenen häufig eingebracht und ausführlich dargeboten werden, damit das schlichte Gemüt auch genug simple Sehwerte zu konsumieren hat. Optisch ist die Zeit von einst jedoch brauchbar eingefangen, und die Mimen wissen in ihre jeweilige Rolle hinein zu passen. Leider fällt der Spannungsbogen aufgrund zu Action-reicher Orientierung zu mager aus. Und dies im Zusammenhang mit der fehlenden Mystik und dem zu oberflächlichen Abarbeiten der eigentlichen Möglichkeiten einer reizvollen Geschichte, hinterlassen bei mir einen eher mageren, anstatt einen routiniert gelungenen, Eindruck, so kurzweilig "Mulgoi" (Originaltitel) auch inszeniert sein mag. Das Postermotiv der deutschen DVD-Veröffentlichung gefällt mir hingegen sehr gut.  OFDb

24.06.2019

SEOUL STATION (2016)

Parallel zu "Train to Busan" im selben Jahr entstanden und vom selben Regisseur umgesetzt, soll "Seoul Station" einen Tag vor den Ereignissen des bekannter gewordenen Realfilms spielen. Das will mit Blick auf die Zombiepopulation und den Eingriff des Militärs zwar so gar nicht mit dem übereinstimmen, was zu Beginn des Hauptfilms passiert ist, letztendlich ist dieser Bruch in der Logik jedoch irrelevant. Für einen Fehler, der die Handlung nicht mehr funktionieren lässt, müssten tatsächliche Zusammenhänge zwischen beiden Filmen bestehen, und das ist bei unterschiedlichen Figuren in alternativer Handlung nicht gegeben, zumal es nicht einmal kleine Details gibt, die den jeweils anderen Film beeinflussen. Die Zusammengehörigkeit beider Filme entpuppt sich als bloßer Werbe-Trick, der wahren Herausforderung, was mit solch einem Projekt möglich gewesen wäre, hat man sich nicht gestellt.

Zombies in Zeichentrickfilmen will meiner Meinung nach bislang einfach nicht funktionieren. Dass ein amateurhafter "City of Rott" nichts reißen konnte, braucht nicht verwundern, aber "Seoul Station" ist professionell inszeniert, nicht unbedingt detailreich animiert, aber sauber und gekonnt, und selbst in diesem Zustand will er nicht wirklich überzeugen. Sicher ist ein elementarer Grund jener, dass er etwas zu dröge umgesetzt ist, meist nur das Altbekannte erzählt, sich währenddessen auf Figuren und ihre Dramaturgie verlässt, letztendlich dafür aber nicht interessant genug ausgefallen ist. Es sind aber auch die Zombieattacken an sich, die nicht zu gefallen wissen. Dafür ist die Animation zu lahmarschig umgesetzt. Alles schaut sich trotz des Bemühens eine flinke Animation auf die Beine zu stellen zu verlangsamt. Das wirft einen stets aus der Filmillusion heraus und lässt "Seoulyeok" (Originaltitel) eine Spur zu theoretisch schauen.

Zumindest kann man im hier besprochenen Film tatsächlich von Zombies sprechen. Wusste man in "Train to Busan" lediglich von ihrem Amoklauf aufgrund einer Infizierung, so wird in der Zeichentrickvariante deutlich thematisiert, dass die Menschen sterben, bevor sie mutieren. Auch der seit Romero übliche Schuss in den Kopf reicht aus, um die Untoten zu eliminieren, aufgrund fehlender Waffen im Realfilm (eine seiner schönsten Ideen), haben wir derartiges im Parallelfilm nie erfahren können. Man hat derartiges im Realfilm auch nicht vermisst, "Seaoul Station" zeigt sich mit derartigen Informationen deutlicher dem Zombie-Standard zugeordnet, was sicherlich verständlich ist, wenn man sich an eine Zeichentrickversion der Thematik wagt. Da erfindet man das Rad nicht neu, wenn bereits die anderweitige Optik stark beeinflusst in einem finanziell riskanten Projekt. Etwas weniger gewöhnlich hätte der südkoreanische Anime dennoch ausfallen können. Wahren Einfallsreichtum beweist er eigentlich erst mit einer Wendung allem Geglaubten in seinen letzten zehn Minuten, die mir trotz starker Zombiereduzierung eigentlich mit am besten am Gesamtwerk gefallen hat.  OFDb

TRAIN TO BUSAN (2016)

Hatte in England gerade einmal ein Jahr zuvor ein Werwolf den Gästen einer Zugfahrt in "Howl - Endstation Vollmond" ordentlich Schrecken eingejagt, so kam 2016 selbiges zum Zombie-Thema aus Südkorea in die Kinos und ist ebenso geglückt ausgefallen wie der pelzige Vorgänger. Ob "Train to Busan" auf einem Comic beruht, und somit als Printvorlage vor besagtem Werwolf-Film erschien, weiß ich nicht, ist aber auch egal, wenn man bedenkt wie unterschiedlich die Hauptaspekte beider Streifen ausgefallen sind. Es ist aber in sofern interessant, als dass Regisseur Yeon Sang-ho eigentlich Spezialist für Zeichentrickfilme ist ("The King of the Pigs", "The Fake") und den hier vorliegenden Horrorfilm kombiniert hat mit dem ein Tag zuvor spielenden Zeichentrick "Seoul Station", in welchem ebenfalls er die Regie übernahm, und der im selben Jahr von "Train to Busan" erschienen ist. Bislang habe ich den animierten Anhang zum real umgesetzten Hauptfilm noch nicht gesichtet, ich weiß also nicht wie viel mehr tatsächlicher Sehwert dadurch entfacht wird, den hier besprochenen Film kann man jedoch frei von Verständnislücken für sich alleine gucken, soviel ist sicher. Er ist ein temporeich ausgefallener, sympathischer Zombiefilm.

Zumindest trenne ich die Gattung der rennenden Infizierten nicht von Zombies, sonst müsste man letzten Satz korrigieren, haben wir es doch mit der flinken Gattung der Menschenfresser zu tun. Und auch wenn in diesem Sub-Genre schon alles erzählt scheint, und "Boosenhaeng" (Originaltitel) inhaltlich kein Ausnahmewerk darstellt, welches wie "Fido", "Pontypool" oder "Maggie" einen Weg gefunden hat mit Innovationen innerhalb einer viel erzählten Geschichte zu trumpfen, so lohnt sich doch trotzdem ein Einschalten. Inmitten von fortdauernder Zombie-Action nach einem kurz gehaltenen Einstieg kommt glücklicher Weise weder Oberflächlichkeit, noch ein Sättigungsgefühl auf, eben weil der Streifen nah an seinen Figuren orientiert ist, die nicht nur eindimensional ausgefallen sind. Stattdessen erhalten sie mitten im Chaos mit nur wenig Möglichkeiten versehen die Chance zu greifbaren Persönlichkeiten werden, mit denen man tatsächlich mit bangt. Zudem ist die Interpretation der Infizierten diesmal eine besonders interessante, machen sich die Mutierten doch keine Sorge mehr um mögliche Schmerzen, und dementsprechend konsequent bewegen sie sich und reagieren sie anderweitig auf Unfälle, Stürze und Verletzungen. Zudem agieren sie zwar instinktiv, sind auf der einen Seite also leicht auszutricksen, da kein Funke Intelligenz mehr ihr Hirn beherrscht, andererseits agieren sie, typisch Sinnbild Virus, mittels ihres Massenverhaltens sehr erfolgreich. Das kann als eine an "World War Z" angelehnte Idee auch dazu führen, dass sie unbewusst wie ein solidarisch agierender Körper wirken, wenn sie übereinander stapelnd sich zu ihrer Beute räumlich hoch arbeiten können.

Psychologisch gewitzt ist an "Train to Busan" eigentlich wenig. Es werden lediglich interessante Szenarien vorbereitet und umgesetzt und manch dramaturgischer Moment eingeflochten, um das Zombietreiben nicht zu steril ausfallen zu lassen. Dass eine der Hauptfiguren Fond-Manager ist, hat nie einen versteckt analytischen Grund, ebenso die Zugfahrt an sich als symbolisch weiter gedachte Funktion. Deswegen weiß ich auch nicht, ob die Eingangssequenz absichtlich ein wieder auferstandenes, tot gefahrenes Tier zeigt und im aggressiven Weltuntergangs-Part des Streifens nie wieder, um lediglich einen gekonnten Aufhänger für den Anfang zu präsentieren, oder um versteckt augenzwinkernd zu suggerieren, dass die anderen Lebensformen friedlich reanimiert wurden und nur der Mensch nach der Verwandlung zur aggressiven Spezies wurde. Gesellschaftskritik oder nicht, man weiß es nicht genau. Letztendlich sind all solche Überlegungen auch nicht wichtig, um "Train to Busan" zu beurteilen. Er bietet rasante, kurzweilige und packende Zombie-Action, ist in tolle Bilder gekleidet, geht zu Herzen, langweilt nie und weiß einfach ungeheuer gut zu unterhalten. Dass Yeon Sang-ho eigentlich Spezialist für Zeichentrickfilme ist, wird nie zum Manko, lässt sich an mancher Szene aber bestens erkennen, z.B. in der Art wie der großartig besetzte Kindercharakter eingefangen wird, der oftmals wie aus einem Anime entlaufen scheint. Ich hoffe das bedeutet Gutes für "Seoul Station", den ich zeitnah ebenfalls antesten werde.  OFDb

01.06.2019

THUNDER PRINCE (1982)

Im Netz ist man sich nicht einig, ob das Herkunftsland Hongkong oder Südkorea ist, aber so oder so kann es dieses Billigprodukt nicht mit einem japanischen Anime aufnehmen, so steif wie die Bewegungen und Haltungen der Figuren animiert sind, und so unentschlossen wie es zwischen asiatischem Zeichentrickkitsch und amerikanischen hin und her pendelt. Die banale Geschichte wird uninspiriert und ziemlich sinnlos dargeboten erzählt. Von angeblichen Dämonen wird auf dem Cover der deutschen DVD gesprochen, doch übernatürliche Fantasyelemente sucht man hier vergebens. Die Feinde des Vaters sind Menschen. Hier geht es einzig um eine Rachegeschichte, angereichert mit allerhand Tiermomenten, die dem unsympathischen Knaben, der alles anpöbelt was ihm begegnet, liebenswert zur Seite stehen. Zumindest abgesehen von seinem besten Freund, den Affen, mit dem er sich immer wieder in die Wolle kriegt, was dann auch einiges an Laufzeit kostet in einem gerade einmal 70 Minuten lang laufenden Film. Und dank besagter verkrampfter Animation macht es nicht einmal Freude den Freunden zwischen Liebe und Hass pendelnd bei ihren Streitereien zuzusehen.

Frei jeglichem Charmes ist das Ganze erzählt, animiert und charakterisiert, und die deutschen Sprecher unterstützen diese mangelnde Sympathie, indem alle wie besoffen ins Mikro sprechen und auf Maraike Amado- und Michael Schanze-Art per Kitschstimme versuchen völlig verblödete Kinderstimmen abzuliefern. Zwar guckt sich "Heukryong wanggwa biho dongja" (Originaltitel) in seinem verkrampften Humor und seiner naiven Art wie ein Kinderfilm und soll trotz aller kultureller Unterschiede wahrscheinlich auch einer sein, unpassende Gewalttaten, wie eingequetschte Augen im Kampf, die anfangen zu bluten, machen das ohnehin schon schlechte Produkt aber erst recht ungeeignet für die Augen von Kindern, wohingegen selbst der aufgeschlossenste Erwachsene mit dem bescheuerten Getue nichts anfangen können wird, zumindest in der unterirdischen Deutschfassung. Selbst im Originalton dürfte "Thunder Prince" keine Offenbarung werden, eben weil er völlig lustlos erzählt ist, nichts von dem was geschieht hinterfragt, sondern stattdessen unreflektiert und psychologisch sinnlos einfach alles Gezeigte Fakt sein lässt.

Die Geschichte selbst kommt ziemlich episodenartig daher, mal mit Nichtigkeiten gefüllt, ohne tatsächlich etwas zu erzählen, mal derart sprunghaft daher kommend, dass man sich fragt wer diesen Mist geschrieben haben mag. Der Fremde, der unserem unsympathischen Helden das Kämpfen beibringen wird, kommt aus dem Nichts, erkennt sofort dass der Junge in der Natur alleine lebt, wird von dem Knaben zwar wegen Nichtigkeiten angepöbelt, aber zum Dank dass er seinen Wald betreten durfte lehrt er ihm die Kampfkunst. Da gibt es dann den nächsten Zeitsprung, welcher den kargen Jungen zum muskulösen älteren Jungen heranwachsen lässt, und warum die zwei noch immer im Wald trainieren und wie lang das Ganze nun gehen soll, wird dem Zuschauer nicht vermittelt. Ist der zu viel Alkohol zu sich nehmende Lehrer bei ihm geblieben oder kommt er seinen Schüler immer wieder besuchen? Nichts davon wird klar, interessiert den Zuschauer bei dieser unmotivierten, drögen und nie unfreiwillig komischen Art des Streifens auch so gar nicht, ebenso wenig wie den weiteren Werdegang des Jungen, der irgendwann erwachsen wird und gemeinsam mit seinem Meister die Feinde seines Vaters bekämpft. Ich kenne nur die völlig verblödete Deutschfassung, es mag sein dass der Film im Original etwas sinnvoller daher kommt. Aber selbst dann wird er aus gebremst von nervigen Spielereien zwischen Mensch und Tier und seiner ungelenken Animation, die alles Gezeigte nie als flüssigen Ablauf präsentiert. Mag der Blick aufgrund der billigen Produktionsbedingungen auch ungerecht sein, aber der für seine Zeit ansehnlich animierte "Space Firebird 2772" erschien gerade einmal drei Jahre früher.  OFDb

01.11.2017

THE PHONE (2002)

Ein Jahr bevor das Thema spukendes Handy auf eher klassische Art passend zur „Ring“-Erfolgswelle mit „The Call“ verfilmt wurde, wandelt Ahn Byeong-ki mit seinem koreanischen Genre-Film auf ähnlichen Pfaden, setzt aber weit weniger auf die unheimliche, als viel mehr auf die dramatische Schiene. Sicherlich ist er sichtlich bemüht auch den Gruselaspekt nicht zu vernachlässigen, was nicht immer so gut gelingen will wie erhofft, aber allerspätestens das Finale mit seiner dramatischen Rückblick-Dominanz macht doch überdeutlich, wieviel mehr der menschliche Aspekt im Fokus steht, anstatt der übernatürliche.

Aufgrund der Erklärungsnot gegen Ende, welche der recht konfusen Geschichte nicht wirklich mehr Sinn hinter den Ereignissen verleiht, wird mancher Freund des Horrorgenres sicherlich eher verärgert auf „The Phone“ zurückblicken, eben weil der Horroraspekt in zweiter Reihe parkt. Mir hat das Finale in dieser Art jedoch gefallen, fand ich es doch konsequenter als den Restfilm, der mir ein wenig zu bemüht darin war Gruselmomente zu integrieren, und dabei Fehler, wie das zu kurze Einblenden von Geistererscheinungen, machte, die ein erfolgreiches Ergebnis dieser Versuche verhinderten. Man versteht in der Theorie was der Regisseur gewollt hat, funktionieren tut jedoch nur der atmosphärisch geglückte Grundton des Streifens, was aber immerhin erklärt warum „Voice“ (Alternativtitel) trotz all seiner Makel routiniert zu funktionieren weiß.

Die esoterisch orientierte Handlung ist fast inhaltlich mehr im Fantasy-Genre unterwegs als im Horrorfilm, die düstere und emotional beklemmende Atmosphäre des Streifens stärkt jedoch die Horrorherkunft. Mag die Geschichte in ihrer innereigenen Logik auch wenig Sinn ergeben, der Stil in welchen „The Phone“ gebettet ist und das erwachsene Agieren seiner Figuren sorgen dafür, dass man keinen verdummten Plot, wie im Esoterikbereich üblich, zu Gesicht bekommt, man fühlt sich als Zuschauer trotzdem ernst genommen. Großteils gute Mimen, der stimmige Grundton und eine überraschende Auflösung am Schluss wissen manch unausgegorene Stelle zu retten. Zwar wäre manche unglaubwürdige Grimassenschneiderei besser der Schere oder einer Neubesetzung zum Opfer gefallen, mit geringen Erwartungen weiß „Pon“ (Originaltitel) jedoch akzeptabel zu unterhalten.  OFDb

26.12.2016

I'M A CYBORG, BUT THAT'S OKAY (2006)

Park chan-wook ist mit seinem Film „I‘m a Cyborg, But That‘s okay“ etwas wundervolles gelungen. Er präsentiert uns einen Film der Gegensätze. Er hilft uns dabei andere Perspektiven einzunehmen, und er behält dabei gleichzeitig eine Bodenständigkeit bei, die es niemals zulässt dass der Stoff ihm entgleitet. Der Regisseur entführt uns in die Wahrnehmung Geisteskranker, deren Irrsinn für sie selbst die Realität ist. Er zeigt uns das Wundervolle in dieser Wahrnehmung, verherrlicht sie aber gleichzeitig nicht.

Aus der Perspektive der Patienten erzählt, und doch die Wirklichkeit stets im Raum stehen lassend, entführt er uns in eine wundersame Welt, die innen gefühlvoller ausfällt als sie nach außen wirkt. Dabei hält Park chan-wook stets das Gleichgewicht zwischen Wahn und Wirklichkeit, um den Figuren nie ihre Würde zu nehmen. Er macht sich nicht über Geisteskrankheiten lustig, und er verharmlost sie nicht. Er möchte lediglich, dass wir einmal die Perspektive der Patienten einnehmen und zeigt uns damit eine phantasiereiche Welt neben der unseren.

Die fabelhafte Welt der Amelie“ trifft auf „Einer flog über das Kuckucksnest“. Komödie trifft auf Tragik, Realität auf Fantasie. Er zeigt uns das Ethische im Asozialen und die Suche nach Liebe in Gewaltphantasien. Manches Mal schaut sich „Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts“ (Alternativtitel) erschreckend brutal, dann wieder verträumt romantisch, ein Gleichgewicht welches meist nur die Asiaten in ihren Filmen beherrschen, ebenso wie den Mix aus Unterhaltung und intellektuellem Ansporn, muss man doch aufmerksam mitgucken um all die zahlreichen phantastischen Ideen zu bemerken und um die Hintergründe der Geschichte richtig einordnen zu können, zumal der Film gerne die Perspektiven und die Zeiten wechselt.

„Saibogujiman kwenchana“ (Originaltitel) ist eine wunderschöne Erfahrung, die einem erneut deutlich macht, dass der Fantasie und damit auch dem Kino keine Grenzen gesetzt sind. Es ist noch nicht alles erzählt worden. Und es gibt immer neue Methoden das Sein zu hinterfragen, Bekanntes anders einzufangen und die Dinge auf andere Art zu sehen. Stets jegliche Geschmackslosigkeiten umschiffend gelingt Park chjan-wook ein raues wie sanftes, ein düsteres wie buntes und ein fröhliches wie trauriges Meisterwerk, welches man meiner Meinung nach unbedingt gesehen haben sollte.  OFDb

07.08.2016

HAUNTERS (2010)

In einem amerikanischen Film hätte mich die Geschichte nicht wirklich gereizt, hätte man doch in etwa im Vorfeld gewusst welcher Handlungsstrang uns dort mit dieser Idee erwartet. Umgesetzt in Südkorea wusste die Story um einen Mann, der sich einem anderen stellen muss, der ganze Menschenmassen kontrollieren kann, jedoch zu locken und so wurde ich neugierig auf den schlicht betitelten „Haunters“, der es mit seiner Idee nicht nötig hatte auf sonderlich ausgefallene und teure Spezialeffekte zurückzugreifen. Bis auf einige aufwendigere Stuntkoordinationen benötigte man lediglich den simplen Spezialeffekt, der die Augen des Manipulators verfremdet, ansonsten dürfte „Psychic“ (Alternativtitel) nicht sonderlich viel Budget verschlungen haben.

Dies war mit ein Grund der mich reizte einzuschalten, wird man von Kinofilmen unserer Zeit, allein schon bei der Vielzahl an Superheldenfilmen, deren Bereich „Haunters“ leicht streift, doch derart mit Materialschlachten übersättigt, dass manch einer sich wieder gerne den Schritt zurück gönnt, so wie ich, der nicht viel Wert auf Spezialeffekte legt und auf Computereffekte schon einmal gar nicht. Kim Min-suks Fantasyfilm gewinnt dadurch tatsächlich Sympathiepunkte, ist jedoch inhaltlich nicht so ungewöhnlich ausgefallen, wie ich es von vielen anderen asiatischen Produktionen gewohnt bin. Die Handlung verläuft überraschend vorhersehbar und zehrt weniger von seinen Möglichkeiten als erwartet, da das Drehbuch nicht gerade geistreich ausgefallen ist.

Zumindest die Hauptfigur Kyu-nam ist bewusst naiv ausgelegt, um dem eigentlich ernst erzählten Film einen leichten Humoreinfluss zu bescheren. Aber während dieser sich auf Kampfebene im Laufe der Handlung weiterentwickelt, wird er mit Kenntnis der Möglichkeiten seines Gegners leider keinen Deu schlauer, kämpft gegen den Bösewicht als sei dieser ein Durchschnittsmensch und wird damit keinesfalls zu einem würdigen Gegner, was der Chose bereits einiges an Reiz kostet.

Warum Cho-in ebenfalls so arg naiv handeln muss, bleibt viel eher ein Rätsel, erklärt sich aber vielleicht aus seinem arg bemühten Drang jegliches Klischee zu Coolness-Zwecken abzugrasen, da er nie Elternliebe erhalten hat und von der Gesellschaft isoliert nur schwer einen Charakter entwickeln konnte. Diese anders geartete Naivität engt ihn in seinen Möglichkeiten jedoch viel zu stark ein, so dass er viele Chancen nicht nutzt seine Kraft einfallsreich und gnadenlos einzusetzen, was „Haunters“ viel harmloser ausfallen lässt als es nötig gewesen wäre. Kyu-nams Kampf hätte fast aussichtslos ausfallen können bei all den Möglichkeiten die Cho-in hat. Aber immer bekämpft er seinen menschlichen Gegner nur mit halber Backe, geistig ähnlich stumpf ausgefallen wie sein Gegner, so dass dieser viel mehr Chancen und viel weniger Gegenwehr benötigt, als die hoffnungslos klingende Ausgangslage zugelassen hätte.

Man merkt, dass das Drehbuch sich der Konsequenzen Cho-ins Kräften und der mit ihr einhergehenden Möglichkeiten überhaupt nicht bewusst ist, so sehr wie damit an der Oberfläche gekratzt wird. Zwar wird „Choneung Ryukja“ (Originaltitel) damit keinesfalls so dümmlich wie der unter ähnlichen Problemen leidende „Zufällig allmächtig“, aber er beschneidet sich damit selbst und bietet nur einen kleinen Ansatz dessen, was ein guter Autor aus der Grundidee herausgeholt hätte.

Ebenfalls kontraproduktiv wirkt die zu stark ausgefallene Realitätsferne auf das Gesamtwerk, ist Kyu-nam doch noch unkaputtbarer als Bruce Willis in „Stirb langsam“. Da kann man auch mal halb verbluten, um im nächsten Moment wieder topfit den Kampf aufzunehmen. Und wer mit dem Hals in der Schlinge hängt, der hat freilich noch ewig Zeit, Kraft und Luft, um sich per Akrobatik aus einer eigentlich aussichtslosen Lage zu befreien. Den Vogel schießt Kim Min-suk jedoch in der letzten Einstellung des Filmes ab, die sich rational überhaupt nicht mehr erklären lässt und somit die Frage offen lässt, was der Regisseur mit diesen realitätsfernsten Momenten überhaupt bezweckt. Sollen diese Szenen eine versteckte Kraft des angeblichen Durchschnittsmenschen andeuten? Veräppelt der gute Mann sein eigenes Werk, weil er die Schwächen erkannt hat? Möchte er der ernsten Chose lediglich eine gewisse Leichtigkeit bescheren? Oder habe ich irgendetwas Grundlegendes nicht verstanden? Alles möglich, aber eigentlich auch egal darüber nachzudenken, da besagte Szenen das Gesamtbild des Streifens schwächen - so oder so.

Positiv wirkt hingegen das recht geistreiche Spiel um die Frage der Schuldzuweisung, muss man Kyu-nam doch zumindest eine Teilschuld dessen was an Leid geschieht zusprechen, da der nur selten nachdenkende Mensch überhaupt nicht begreift, dass Cho-in nicht an Terror interessiert ist. Der setzt sich lediglich gegen eine unerwartete Bedrohung zur Wehr, die ihn, in seiner gefühlskalten Art, schließlich zu Extremtaten verleitet, die er sonst nie ausgekostet hat. Cho-in drängt es nicht nach Weltherrschaft, großem Reichtum oder ähnlichem. Er hasst es durch seine Kräfte ausgegrenzt zu sein, nie ein normales Leben gehabt zu haben und damit seiner Menschlichkeit beraubt worden zu sein. Er möchte nicht außergewöhnlich sein. Doch da er dies ist, möchte er unerkannt am Rande der Gesellschaft leben und nutzt seine Kraft für das Leben eines Kleinkriminellen.

Letztendlich thematisiert „Haunters“ damit ähnliches wie „Kick-Ass 2“, beschäftigen sich doch beide Filme mit der Frage inwieweit der Bekämpfer des Bösen das Böse überhaupt erst hervorbringt, eine Reflektion der Superheldenfilme und vergleichbare Werke in der Regel aus dem Weg gehen, bzw. diese Frage gar nicht erst bemerken, so dass es gut tut, dass es andere Filme, wie den hier besprochenen gibt, die derartiges nachholen. Die oben angesprochenen Schwächen lassen einen bereits ahnen, dass das Verarbeiten dieser Thematik nicht sonderlich tiefsinnig ausfällt. Interessant sind die hier angedeuteten Gedankenansätze diesbezüglich aber durchaus.

Da Kim Min-suk uns diese eher geistlose Chose zumindest sehr rasant und mit sympathischen Charakteren versehen vorsetzt und ein gutes Gefühl für schlichte Situationen besitzt, macht „Haunters“ zumindest genügend Laune um einen anspruchslosen Videoabend zu bereichern. Der Film tritt nie auf der Stelle, steigt direkt ins Geschehen ein und wird nie langweilig. Er umgeht den Fehler sich auf eine Love Story zu konzentrieren, setzt ansonsten aber eher auf Herzlichkeit anstatt auf Härte, nutzt die damit entstandene Erwartungshaltung des Zuschauers jedoch auch, um im Gegenzug manches Mal überraschend doch eine bösartige Wendung aus dem Ärmel zu zaubern. So darf man bei solch charmanter Inszenierung schon ein wenig enttäuscht darüber sein, dass das Potential der zu Grunde liegenden Idee nicht komplett erkannt wurde.  OFDb

19.07.2016

DOOMSDAY BOOK (2012)

Zwei Regisseure setzten sich zusammen und schrieben und inszenierten einen Episodenfilm, der jeweils vom Ende des Alltbekannten handelt, in zwei Episoden sogar vom Ende der Zivilisation. Die Ideen sind recht gewagt. Ein Blick auf meine Inhaltsangabe verrät wie schräg das klingt, was Pil-sung Yim und Jee-woon Kim sich da ausgedacht haben, selbst der Auslöser der Zombiegeschichte ist arg skurril gewählt. Was sich jedoch wie eine Komödie liest, besitzt durchaus ernsten Hintergrund. Zwar weht immer auch ein humoristischer Wind mit durch den Film, aber der ändert nichts an der vorhandenen Ernsthaftigkeit der Themen. Fast scheint es, als solle man erfahren, dass auch jede noch so idiotische Idee richtig umgesetzt das Potential zu einem Drama, oder zumindest zu einer Tragikomödie besitzt.

Am offensichtlichsten humoristisch ist die erste Episode ausgefallen, in welcher ein Mann aufgrund schlecht hergestellten Tierfutters zu einem Zombie wird und ganz nebenbei die restliche Menschheit ansteckt. Dies geschieht zu einem ungünstigen Zeitpunkt, beginnt doch gerade die Herzensdame sich für ihn zu interessieren. Gerade flirtend mit ihr auf einer Bank sitzend sorgt der Beginn der Krankheit dafür, dass sich der eigentlich harmlose Mann in eine aggressive Bestie verwandelt und einen Passanten attackiert. Die Metamorphose kommt schleichend, und so versteht der von der Frau nun sitzen gelassene Mann nicht was mit ihm los ist. Wir erleben hier Herzschmerz auf schwarzer Humor-Basis, und nach und nach rückt die Weltuntergangsstimmung in den Vordergrund, dies jedoch nur um die Lovestory doch noch überraschend auf ein anti-romantisches Stinkefinger-Ende zuzusteuern. Diese Episode ist durchaus unterhaltsam ausgefallen, ist in einer Zeit, in der man mit Zombiefilmen zugeschmissen wird, streng genommen aber nicht wirklich der Rede wert.

Interessanter ist da schon die Geschichte eines Technikers, der wie so oft die Fehlfunktion eines der vielen in der Gesellschaft eingesetzten Roboters beheben soll und an seine Grenzen stößt. Denn besagter Roboter lebt in einem buddhistischem Tempel und steht kurz vor der Erleuchtung. Wenn nun Hersteller, Buddhisten, der Techniker und der Roboter zusammen kommen, entsteht eine ideenreiche, hintergründige und  fruchtbare Diskussion, welche „Doomsday Book“ ihren philosophischsten Part beschert. Nicht nur dass verschiedenste Blickwinkel ausgelotet werden und die ganze Chose mit äußerstem Respekt angegangen wird, es steckt auch einiges an Vorbereitung der Autoren in dieser Geschichte drin, gehen die Gedanken die hier geäußert werden doch tief und in verschiedene Richtungen, so dass da durchaus ein intensives Brainstorming stattgefunden haben muss, damit die Episode so gehaltvoll und tiefgründig ausgefallen ist, wie geschehen. Freilich wandert man auf dünnem Eis. Die Geschichte steht immer wieder kurz davor zu scheitern. Aber entscheidende, mögliche Fehler werden stets umschifft, so dass man diese Geschichte tatsächlich zu einem großartigen Erlebnis gemacht hat und damit zum Höhepunkt des Streifens.

Die dritte und letzte Geschichte ist eine Groteske, die der hanebüchensten Idee nach geht, eine Idee die mich nicht wirklich überzeugen konnte, deren Geschichte jedoch durch ihre nüchtern humoristische Umsetzung interessant wurde. In erster Linie weiß der skurrile Charakter des Onkels und sein nicht weniger skurriles Auftreten einen zum Schmunzeln zu bringen. Der Rest besteht letztendlich (noch mehr als Episode 2) aus dem Mut ein derart durchgeknalltes Thema so konsequent durchzuziehen. Etwas zu bemüht versucht man dem Geschehen einen nachvollziehbaren Rahmen zu geben, aber die geäußerten Spekulationen, warum geschehen ist was geschehen ist, mixen Esoterik mit Physik und werden nicht tief genug beleuchtet um eine mögliche Faszination zu sättigen oder überhaupt erst zu entfachen. Der konsequente Ablauf der Geschichte hingegen ist es, den man lobend erwähnen darf. Hier nutzt jede Gegenwehr nichts. Bekannter Maßen gehen die Asiaten schonungsloser mit ihrem Kinopublikum um, als es der moderne Zuschauer meist aus Hollywood gewohnt ist, und so erleben wir eine bizarre Version eines Happy Ends, welches den Weltuntergang hierfür nicht ausschließt.

Innovativ und interessant ist „Doomsday Book“ durchaus ausgefallen, neugierigen Fans asiatischer Filme kann man ihn unter Vorbehalt gar empfehlen. Dennoch fehlt der Feinschliff, um in dem ungewöhnlichen Science Fiction-Film mehr als die kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch zu sehen. Wären alle Geschichten so ausgefallen wie jene von Episode 2 würde ich von einem sehenswerten, herausragenden Film sprechen, aber Episode 3, die nie genau weiß worauf sie hinaus will und von der ich nicht verstanden habe was die Autoren mit ihr überhaupt aussagen wollen (es mag also auch an mir liegen) und die Austauschbarkeit der ansonsten recht sympathisch ausgefallenen Episode 1, hindern „Doomsday Book“ daran sein volles Potential zu entfalten. Wenn die beiden Regisseure eines Tages eine Fortsetzung mit drei weiteren Geschichten präsentieren würden, wäre ich jedoch sofort bereit mir diese anzusehen. Ihr Einfallsreichtum macht einfach neugierig auf mehr.  OFDb

02.08.2015

SAVE THE GREEN PLANET! (2003)

„Save the Green Planet“ in eine Schublade zu stecken ist wie so oft bei asiatischen Filmen fast unmöglich. Ob er ein Science Fiction ist oder nicht ist eigentlich eine Spoiler-Frage, geht es doch u.a. darum ob Byun-gu ein Irrer ist der recht hat, oder ob er ein Irrer ist der unrecht hat. Irre ist er in jedem Fall, daraus macht der Film kein Geheimnis. Aber kann wer Gestörtes nicht trotzdem recht haben? Ob der Film eine Antwort gibt oder nicht ist Ansichtssache. Man kann die Geschehnisse am Ende als Tatsache ansehen, oder als den Wunschtraum eines Sterbenden. Das bleibt dem Zuschauer überlassen.

Am Ende ist das alles aber ohnehin egal, werden doch ethische Fragen gestellt, bei welchen der Mensch mal wieder unglaublich schlecht wegkommt. Jang Joon-hwan wirft viele Themen auf, mischt sie durcheinander, stellt sie kurz darauf wieder in Frage, will das komplette Spektrum der Einflüsse einfangen und verhaspelt sich dabei nicht einmal, aber er setzt mir für meinen Geschmack keinen deutlichen Schwerpunkt, so dass es um alles und nichts zugleich geht und „Save the Green Planet“ damit in seiner Gesamtheit an Bedeutung verliert.

Handwerklich gibt es nichts zu meckern. Gute Schauspieler wissen im Überagieren zu gefallen, und die Kamera fängt großartige Bilder ein, allein ihretwegen ist das Zuschauen eine Wucht. Auch die Geschichte fängt gut an und ist mit interessanten Charakteren gespickt. Allerdings schielt mir der Streifen zu sehr Richtung „Saw“ und schenkt der eigentlich vielseitigen Geschichte zu viel Beachtung im Folterbereich, womit der uninteressanteste Part zum Schwerpunkt wird. Das macht „Save the Planet!“ (Alternativtitel) nicht wirklich einseitig, bremst den wilden Mix aus Komödie, Drama, Thriller, Action und Science Fiction aber so manches Mal aus.

Die Figurenzeichnung weiß viel zu retten, auch bei so großartigen Nebenfiguren wie den ermittelnden Sonderling, der für eine Nacht bei dem Psychopathen nächtigen darf, oder die Geliebte des Anti-Helden, die kaum dämlicher charakterisiert werden könnte wie geschehen, herrlich! Leider ist es gerade der Genre-Mix, der nicht immer so stimmig durcheinander gewühlt wird wie beispielsweise in „A Chinese Ghost Story“. Drama-Aspekte werden oftmals zu dominant eingestreut, vereinen sich damit nicht mit dem Rest, gerade in Sachen Erzähltempo, während im nächsten Moment wieder der Wahnsinn regieren darf. Das schaut sich nicht wirklich professionell. Und wenn Joon-hwan gegen Ende meint noch dokumentarische Bilder gequälter Menschen einbauen zu müssen, schaut sich das schon sehr geschmacklos und wirkt intellektuell ähnlich zu gewollt wie die unnötige Einleitung von „Ein Kind zu töten“.

Vieles was ernst hervorgehoben wird, ist heiße Luft. Da kommt der Satire-Gehalt schon wesentlich besser weg, der in verschiedenste Richtungen austeilt, sich aber auch immer wieder den quantitativen Schauwerten unterzuordnen hat. In „Jigureul jikyeora“ (Originaltitel) ist irgendwie der Wurm drin. Er ist ein durchaus sympathischer Film mit wahrlich großen Momenten. Er besitzt Köpfchen und weiß mit seiner Raffinesse ebenso zu gefallen wie mit seinen blutigen Momenten. Aber die Monotonie des ewigen Folterns in Abwechslung mit den ewigen Fluchtversuchen hindern den Streifen an der vollen Entfaltung.

Und je mehr sich „Save the Green Planet!“ Richtung Ende bewegt, desto bewusster wird einem die Orientierungslosigkeit, die den Film daran hindert das zu werden was an Potential vorhanden war. Freunde von Verschwörungs-Themen und dem asiatischen Kino sind dennoch herzlich eingeladen dem wilden Treiben Byun-gus beizuwohnen, einem Psycho der glaubt die Welt retten zu müssen. Der anfangs lustige Blick auf sein Treiben wird ein trauriger, je mehr wir über seine Vergangenheit und seinen Geisteszustand erfahren. Allein dieser tolle psychologische Kniff zeigt wie weit der Stoff vom üblichen Mainstream entfernt ist.  OFDb

17.03.2013

DRAGON WARS (2007)

Alle 500 Jahre versucht ein böser Drache die Welt zu erobern. Nun ist es wieder so weit. Der Auserwählte Ethan muss die junge Sarah finden, da nur diese in der Lage ist den Sieg des Drachen zu verhindern...
 
Mythen und Legenden im Schatten der Action... 
 
Was nutzt ein Südkoreaner in einer südkoreanisch-amerikanischen Zusammenarbeit als Drehbuchautor und auf dem Regiestuhl für einen asiatischen Stil? Eigentlich recht wenig, sind Filme aus diesem asiatischen Land doch ohnehin häufig nur Abklatsch amerikanischen Kinos (z.B. „Bloody Beach“). Die Frage, ob „Dragon Wars“ durch asiatische Beteiligung mehr als das typische amerikanische Actionfeuerwerk geworden ist, kann man also direkt zu Beginn verneinen.

Ist der fertige Film dennoch brauchbar? Bedingt! Man kann „Dragon Wars“ sein Tempo und seine Action nicht abstreiten. Was man sichtet ist flott erzählt, und wird, wenn überhaupt, nur kurzfristig langweilig. Dennoch muss man bei der Action Abstriche machen, da diese stets dann entsteht, wenn die Kreaturen im Bild sind. Und die Computeranimation dieser ist hier auf wechselndem Niveau. Der Wechsel geschieht ominöser Weise nicht abhängig von Kreatur zu Kreatur, sondern unregelmäßig.

Es gibt Szenen, in denen sehen die Riesenschlangen relativ echt aus, umgekehrt gibt es aber auch Momente, in denen die Animation schlichtweg mau ist. Richtig miese Momente gibt es nicht, dafür wurde dann doch zu sehr auf den Animationsbereich geachtet, aber viel zu häufig schleichen sich Momente ein, die gerade heraus gesagt nicht wirklich echt aussehen. Ich denke mal man hätte einfach Computereffekte mit Puppensequenzen mischen sollen, der Mix hat sich schon häufig als hilfreich herausgestellt. Spätestens wenn man nicht das Riesenbudget eines „Jurassic Park“ zur Verfügung hat, sollte man auf diesen Mix setzen. Die andere Möglichkeit, der völlige Verzicht von Computeranimation, wäre in „Dragon Wars“ unsinnig gewesen. Einzelne Szenen zeigen sehr deutlich das Potential dieser Spezialeffekt-Richtung. Dank wechselhafter Wirkung wirkt das Gesamtbild „Dragon Wars“ jedoch zu billig.

Leider hat das Werk von Shim Hyung-rae neben der gelungenen Action und seiner großteils tollen Animation nicht viel mehr zu bieten. Die Hauptrolle ist mau gecastet. Jason Behr verkörpert seine Figur zu schleimig brav, als dass er in dem Meer an Action wirken könnte. Seine Partnerin geht als o.k. durch, hat aber auch keine qualitativen Auftritte. Der Restcast ist grob geschätzt auch nur routiniert zu nennen, was aber auch gar nicht so wichtig ist, und ohnehin schwer einzuschätzen, weil im fertigen Film ohnehin fast nonstop die Post abgeht, also was soll’s.

Ein echter Dorn im Auge ist jedoch das Drehbuch. Da wird ein asiatypischer Mythos aufgebaut, und auf dessen Grundlage tobt man sich nun aus, jedoch ohne ihn während der Geschichte weiter zu entwickeln, geschweige denn weiter zu beachten. Das finde ich etwas schade, zeigt es doch nur erneut Amerikas Politik, dass im Actionfilm neben der Action nichts weiter eine Rolle spielt. So bleibt das fertige Werk, im Zusammenhang mit einem blassen Helden, zu seelenlos.

Nicht einmal der Held bekommt ein wenig Tiefe verliehen, obwohl eine Kindheitssituation und sein Schicksal locker dafür hätten sorgen können. Es gibt einfach zu viele Ungereimtheiten: Der Mann hat zunächst vergessen was als Kind geschah, das Amulett trug er dennoch immer bei sich, zurückerinnert an die ihm erzählte Legende macht er keine Glaubensentwicklung durch, sondern sich nur auf die Suche nach Sarah. Ethan, so sein Name, hüpft wie ein hohles Gefäß durch einen Film, dessen Drehbuch auf der anderen Seite krampfhaft versucht, ihn tragisch und von einer Mystik umweht darzustellen.

Umsetzung und Drehbuch sind ohnehin recht mau. In den Actionszenen achtet man auf jede Kleinigkeit, inklusive umgemähter Ampeln, in den einzelnen gespielten Situationen achtet man jedoch nicht auf den kleinsten Hauch von Logik. Das wäre in Nebensächlichkeiten in einem solch actionangelegten Streifen sicherlich zu verzeihen, da aber auch wichtige, vordergründige Aspekte völlig unlogisch eingebracht werden, kann man nicht mal eben so darüber hinwegschauen.

Das beste Beispiel dürfte wohl das Verhalten der bösen Riesenschlange sein. Woher nimmt sie die Witterung auf? Warum ist ihr dies manchmal nicht möglich? Warum stoppt sie häufig die Verfolgung? Warum greift sie Ethan nicht an, wenn sie es eigentlich könnte? Warum lenkt sie ein möglich schmerzhaftes Drumherum nicht ab, aber wenn Menschen auf sie mit viel zu kleinen Kugeln schießen dann doch? Sicherlich hat jedes Vieh seine Grenzen und Gesetzmäßigkeiten, in denen es handeln muss/kann, aber dann sollte man den Zuschauer auch über diese informieren, ansonsten wirkt das Handeln der Riesenschlange nicht logisch.

Aber dies betrifft auch jede andere Figur: Wieso geht Ethan als Erwachsener nicht zum alten Meister zurück (und sei es nur zur Gedächtnisauffrischung)? Warum hilft der Meister stets in der Tarnung anderer Menschen, und warum lässt er es häufig bleiben (hier wären wieder Infos zu Gesetzmäßigkeiten für den Zuschauer wichtig gewesen)? Warum erscheint die liebe Riesenschlange so spät? Wurde sie erst spät erweckt, und wenn warum? Warum wird die gesuchte Frau so oft verschont? Warum kann die Riesenschlange alles wittern, irrt sich aber beim Opferfang, weil eine andere Frau im Haus war, das eigentlich Sarah bewohnt?

Diese Frageliste könnte man endlos fortsetzen. Und diese offenen Fragen nerven, eben weil das Verhalten der Figuren dadurch nur sinnlos wirkt und vieles zufällig erscheint, was gar kein Zufall sein soll.

Auf dieser sehr dünnen Grundlage darf sich die wilde Action austoben. Es gibt viel fürs Auge zu entdecken, und der Titel hält was er verspricht. Man darf einem Krieg der Drachenschlange gegen die Menschheit beiwohnen, und im Finale folgt schließlich der Krieg der Drachenschlangen untereinander. Hier lassen „Godzilla“-Filme und „Boa vs. Python“ grüßen, und beide gucken neidisch auf die Spezialeffekte von „Dragon Wars’“.

Allerdings finde ich persönlich solche flott umgesetzten Monsterschlachten sehr unübersichtlich. Details entgehen mir da häufig, weil ich einfach nicht so schnell gucken kann, und die beiden Schlangen sind innerhalb der Schlacht auch hin und wieder schwer zu trennen. Kann aber auch sein, dass meine Farbenblindheit mir da einen Streich gespielt hat.

Wie dem auch sei, „Dragon Wars“ kann man sicherlich mal gucken, man sollte aber nicht zu viel erwarten. Zumindest rappelt es ordentlich im Karton, und bei dem hier gebotenen kann man gerne mal sein Gehirn ausschalten. Aber selbst dann nerven die ganz groben Schnitzer immer noch gewaltig. Freunde von Action, Fantasy und Computereffekten werden zumindest ihren Spaß haben, sollten sich aber auch darauf einstellen dass die gelungene Action hin und wieder von mauen Computereffekten gebremst wird. Auf der Gegenseite gibt es dafür aber auch wirklich toll umgesetzte Effekte zu sichten, und eine kleine Priese Humor wurde auch mit eingebracht. Zu gerne hätte ich noch ein/zwei Szenen vom Zoowärter gesehen. Zumindest wüsste ich gerne, ob dieser nun freigelassen wurde, oder ob andere Umstände ihn daran hindern, wieder ein normales Leben zu führen, so wie es sich für die Rolle eines Pechvogels gehört.  OFDb

10.03.2013

BLOODY BEACH (2000)

Teenager, die sich aus dem Internet kennen, treffen sich zum Strandurlaub. Am Zielort geht jedoch ein Killer um, der all seinen Opfern zuvor eine E-Mail zukommen ließ...
 
Sommer, Schlitzer, Sonnenschein...
 
„Bloody Beach“ ist ein gutes Beispiel dafür, dass nicht nur das deutsche Kino unter Veramerikanisierung leidet. Dieser aus Südkorea stammende Film wirkt bis auf die Darsteller überhaupt nicht südkoreanisch, ja nicht einmal allgemein asiatisch. „Beach Massacre - Terror am Strand“ (Alternativtitel) hätte genau so in Amerika entstehen können, das Ergebnis wäre so ziemlich haargenau das selbe gewesen.

Immerhin muss man Regisseur Kim In-soo zugestehen, dass er gekonnt kopiert, allerdings ist das Horrorgenre im Teenie-Slaherbereich auch nicht gerade die Königsübung gekonnter Filmkunst. Die nächste Variante eines solchen Streifens ist schnell heruntergedreht, oftmals schlecht, aber nicht minder oft angenehm routiniert.

Die Härte von „Haebyeoneuro gada“, so der Film im Original, ist zunächst einmal der wichtigste Punkt, weshalb er für das Stammpublikum empfehlenswert ist. Hier geht es blutig zur Sache, und hier wird herrlich fies mit dem bevorstehenden Tod gespielt.

Die Musik wurde, passend zur Veramerikanisierung, in den nicht instrumentalen Stücken englisch besungen. Insgesamt ist die Musik flott gewählt, ein Mix aus banalem Rock, flottem Pop und leichtem Trance. Das gibt dem Werk etwas mehr Pepp als er eigentlich hat, kann ihn also auch in lahmeren Momenten über Wasser halten. Schade dass halbwegs passend zum Titel, das klassische Stück „La mer“ von Charles Trenet nur im packenden Trailer verwendet wurde.

Die Darsteller sind ähnlich routiniert bis schlecht, wie in amerikanischen Vergleichswerken, auch das Drehbuch kommt über Mittelmaß nicht hinaus. Die Regie weiß das ein oder andere Tief durch gute Inszenierung zu umgehen, letztendlich ist aber gerade gegen Ende das Buch zu schwach, als dass der Regisseur auch da noch hätte tricksen können. Die Mörderauflösung ist nicht nur banal und ziemlich uninteressant, sie ist auch unlogisch, da mindestens 2 Morde von dieser Person überhaupt nicht begangen worden sein können.

Aber diese Unlogik reiht sich nur in eine Schlange weiterer ein, würde den Kohl also auch nicht fett machen, wenn nicht gerade dieser finale Punkt nicht so ungeheuer wichtig gewesen wäre. Dafür darf der Killer in dieser holprigen Filmphase ganz klassisch eine Axt hinter sich herschleifen, das ist zum einem recht atmosphärisch und zum anderen eine augenzwinkernde Verbeugung vor den Größen des Horrorgenres.

Ein besonders unnötiges Ärgernis verdanken wir den Verantwortlichen der deutschen DVD-Veröffentlichung. Der Film handelt von einem Internet-Club, so sind des öfteren Texte auf koreanisch im Bild zu sichten. Diese bekamen keinen Untertitel. Dies ist nicht nur in unwichtigen Szenen der Fall, sondern auch in aufklärenden. Besonders ärgerlich ist es beim Schlussgag, den der deutsche Filmfreund nur erahnen kann.

Mich verärgert diese Tatsache auch nur deswegen so arg, weil man auf anderen DVDs ewig jeden Scheiß übersetzt bekommt. Irgendwelche Schilder im Hintergrund, die nie für den jeweiligen Film wichtig sind, bekommen ihre Untertitelung, und das in einer Extreme, mit der das Sehvergnügen sogar leicht gebremst wird. Aber benötigt man ernsthaft Infos, bekommt man den besagten deutschen Text nicht dazu geboten. Na, danke dafür. Es gibt im Menu allerdings eine Untertitelfunktion, kann sein, dass man die fehlenden Textinfos dort erhält. Ich habe es nicht ausprobiert, da ich nicht den ganzen Film über Text am Bildschirmrand kleben haben wollte.

Letztendlich kann ich „Bloody Beach“ dem nimmersatten Horrorfan trotz alledem empfehlen. Er ist trotz der kleinen Ärgernisse flott umgesetzt, bietet die richtige Dosis Blut, und die Akteure sind immerhin hübsch anzuschauen.  OFDb

11.02.2013

THE QUIET FAMILY (1998)

Die unorganisierte Familie Kang eröffnet eine Pension. Ihr erster Gast stirbt, und damit das Unternehmen nicht in Verruf kommt wird der Vorfall verschwiegen und der Tote im Wald begraben. Auch die nächsten Gäste werden tot aufgefunden. Dies löst von nun an eine Kettenreaktion aus, die Familie Kang genötigt sieht hin und wieder selbst den Sensemann zu spielen...
 
Herberge zum letztem Atemhauch...
 
Dieses morbide Stück Asienkino ist einen Blick wert. Zwar erzählt der Film an sich nichts innovatives, aber in den Kleinigkeiten steckt der Wert. Choreographien, Kameraeinstellungen, manch leiser Slapstick, ungewöhnliche Dialoge und eine toll eingefangene Location lassen „The Quiet Family“ zu etwas besonderem werden. Zumindest bedingt! Nach einer vielversprechenden ersten halben Stunde wird der Ablauf zu gewöhnlich. Ji-woon weiß es Wiederholungen zu verhindern, aber man merkt dass die Geschichte auf nichts hinauslaufen wird. Sie plätschert still vor sich hin, wird auch nie langweilig, aber es fehlt an Höhepunkten. Wenn kein Ziel erkennbar ist, dann kann man sich nur von Situation zu Situation hangeln. Charakterliche Entwicklungen gibt es nicht. Zwar besitzen die Figuren des Streifens Persönlichkeit, ein Wandel aufgrund der ungewöhnlichen Vorkommnisse zeichnet sich jedoch bei keinem der Sippschaft ab. Tragisch ist das nicht, es macht das Endprodukt schlussendlich lediglich zu schlicht. Und wenn man „The Quiet Family“ erst einmal gesehen hat, bedauert man dies, bestehen doch so viele Möglichkeiten, von denen auch viele entdeckt, genutzt und ausgearbeitet wurden. Der Film endet so offen wie vermutet, auch wenn er, ähnlich dem US-Produkt „Very Bad Things“, nicht ohne böse Pointen daherkommt. Eine Abwechslung zu Produktionen Amerikas ist „The Quiet Family“ aber alle male. Ji-woon orientiert sich nicht an gewohnten Pfaden, er testet selbst aus, wie er welche Situation umgesetzt bekommt. Dies plus das Szenario einer uns recht unbekannten Kultur lassen „The Quiet Family“ durch seine stillen Pluspunkte so angenehm schauen. Etwas kurzweiliger hätte er dennoch ausfallen können.  OFDb

02.09.2012

YONGARY - DAS MONSTER AUS DER TIEFE (1967)

Ein wanderndes Erdbeben zerstört Teile Südkoreas. Der Legende nach wird ein solches durch das Monster Yongary ausgelöst, und genau so ist es auch. Das Reptil entsteigt dem Erdboden und bedroht die Menschheit...

Die Nashornversion von Godzilla...
 
Als „Godzilla“, der Nachahmer von „Panik in New York“, große Erfolge samt Fortsetzungen feierte, da kam eine Flut von Imitaten und vergleichbarem Getier daher, und das kam nicht immer aus gleichen Regionen. Die USA zogen in Zusammenarbeit mit England ihren „Das Ungeheuer von Loch Ness“ hinterher, Dänemark präsentierte „Reptilicus“, und dies ist nur ein kleiner Auszug einer wesentlich längeren Liste. Auch Südkorea wollte vom großen Geldkuchen ein Stückchen abhaben, und so drehten sie in Zusammenarbeit mit Japan „Yongary“, der in Deutschland auch gleich als ein angeblicher „Godzilla“ vermarktet wurde mit dem Titel „Godzillas Todespranke“.

„Yongary“ ist in seiner kompletten Erscheinung dem japanischen, berühmten Kollegen auch recht ähnlich: ein Gummianzug, eine ähnliche Körperhaltung, und anstatt Energie frisst es Öl. Der herausstechenste Unterschied am Getier selbst ist das Horn, welches seine Nase kleidet. Am Verhalten gibt es jedoch keine nennenswerten Unterschiede zu bemerken: das Vieh spuckt Feuer, stampft Häuser, Brücken u.ä. nieder, kurzum, kaum wer außer den hartgesottenen „Godzilla“-Fans wird den Etikettenschwindel übel genommen haben, zumal das Filmchen Spaß macht. Langeweile kommt so schnell nicht auf.

Dabei helfen auch recht ordentlich die gerade mal 64 Minuten Laufzeit. So kurz war der Streifen zumindest in der von mir gesichteten Fassung. Es gibt auch deutsche Veröffentlichungen die angeblich über 70 Minuten laufen. So oder so gibt es aber ohnehin nur gekürzte Fassungen in unserer Landessprache zu erstehen. Die Version, die ich zu Gesicht bekam, enthält einige Risse. Viele kurze Momente sind nicht enthalten. Sie wurden durch das schlechte Material, auf das sie kopiert wurden, zerstört. Gegen Ende werden die Sprünge etwas heftiger. Lustiger Weise fehlen auch ausgerechnet Dialogszenen zum Schluss hin, die in einem Helikopter gesprochen werden. Die wenigen Fetzen, die es zu hören gab, verrieten, dass hier auf naive Art philosophiert wird.

Naives Philosophieren passt zum Rest, denn wenn man „Yongary“ einen Stempel aufsetzen darf, dann ist es der naiv erzählt zu sein. Die Regisseure Kim Ki-duk und Seo Yun-sung wagen keine Experimente. Sie liefern was der „Godzilla“-Freund sehen will und schaffen es dieses oft Gesehene unterhaltsam zu verpacken. Da tut es sichtlich gut, dass ein Drittel der Laufzeit für die Vorgeschichte drauf geht. Zu viel Monsteraction ödet auf Dauer schließlich auch an.

„Yongary“ ist durch und durch ein sympathischer Klon seiner Gattung. Wie könnte man „Yongary“ auch nicht charmant finden, wenn ein Tier mit leuchtenden Augen umher stapft mit diesem herrlichen Horn auf der Nase? Gewöhnt man sich erst einmal an seinen Anblick, darf das Horn später sogar aufleuchten, um Energiestrahlen zu schießen. Nostalgischer kann man kaum unterhalten werden.

„Takekoesu Yonggary“, so der Originaltitel des Films, ist eine familiengerechtere Variante des „Godzilla“-Themas. Das merkt man allein schon an der starken Gewichtung einer Kinderrolle, ein unter Horror-Fans nicht all zu gern gesehenes Element. Glücklicher Weise nervt der Junge nicht zu sehr, auch wenn manch einer seiner Auftritte schon etwas grotesk wirkt, zumindest das Szenario um ihn herum weiß des öfteren zu verwundern.

Da klaut der Bub beispielsweise ein Gerät aus dem Labor seines Vaters, welches ein merkwürdiges Licht ausstrahlt und Jucken verursacht. Das Ergebnis dieser Anwendung wird von jedem als selbstverständlich angenommen, und das obwohl selbst der Besitzer nicht weiß, was es mit dem Objekt auf sich hat, zumal mögliche Gefahren die das Gerät verursachen könnte noch nicht erforscht wurden. Dass der Bub dieses sicherlich teure, fremdfinanzierte Produkt entwendet hat, wird ihm nicht übel genommen. Die Erwachsenen lachen über den Streich dieses südkoreanischen Hansi Kraus, und dann wird das Gerät auch gleich wieder zurück ins Labor gelegt. Dass es für den späteren Verlauf des Films wichtig wird, ist nicht schwer zu erraten. Und da sich in Korea scheinbar niemand Sorgen um die Sicherheit macht, hat es der Junge im letzten Drittel des Streifens auch schnell wieder aus dem Labor entwendet, ohne großes Einbruchstalent zu beweisen.

Was bleibt zu sagen? Freunde billiger „Godzilla“-Nachahmer sollten zugreifen, bietet der Streifen doch genau das was man von ihm erwartet. Damit ist das Ergebnis erfreulich zu nennen, denn auch in diesem Sub-Bereich des Monsterfilms habe ich schon wesentlich schlechtere Nachahmer gesehen, so z.B. „Gorgo“, eine englische Variante des nicht tot zu kriegenden Riesenechsen-Themas.  OFDb