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12.08.2024

CUTTING CLASS (1989)

Auf einer Highschool geht einige Tage ein Serienmörder unbemerkt um...

Schlüssel gegen Ring...

Der in Deutschland ursprünglich als "Todesparty 2" erschienene Slasher ist ein Hohlbrot-Horror der sympathischen Art, der mit "Die Todesparty" freilich nichts zu tun hat. Der Mörder ist die naheliegendste Person von allen, während man krampfhaft versucht einen Nerd von Hausmeister, der das Bodenwischen auf Soldatenart angeht, sowie den Schulfreund der Heldin (gespielt von Brad Pitt), der keinerlei Gründe zu morden hätte, verdächtig erscheinen zu lassen, um trotzdem ein Mörderraten für ganz naive oder unerfahrene Zuschauer anbieten zu können. Dabei stirbt fast jeder genau dann, nachdem er den Mörder verärgert hat, muss wohl Zufall sein... Gar nicht mal ungrausame Morde in eher seichter Darstellung zeigen, dass man in der Phase, in welcher das Sub-Genre des Teenie-Slashers vorübergehend aus der Mode kam, diesen Filmbereich noch immer nicht begriffen hat. Ohne zur Horror-Komödie zu werden (ein Bereich der stattdessen gerade beliebt wurde, z.B. im Zombiebereich), setzt man stattdessen auf skurrile Momente. So darf z.B. Roddy McDowall selbst für seine Verhältnisse eine besonders bizarre Rolle verkörpern, der Hausmeister wie erwähnt einen auf Möchtegern-Soldat machen, und ein zu Beginn des Films von einem Pfeil durchbohrter Staatsanwalt kämpft sich den kompletten Film über den Weg in die Stadt, stets von Menschen nicht bemerkt, die ihm hätten helfen können. 

Zu diesen freiwillig skurrilen Momenten gesellen sich immer wieder welche, die sich nicht beabsichtigt anfühlen, von denen es einige aber dennoch sein könnten. Die Stimme eines Anwalts auf einer Tonbandaufnahme eines vergangenen Strafverfahrens gegen unseren (damals noch nicht tätigen) Serienkiller spricht von einem derart kranken Menschen, dass selbst die Irrenanstalt zu gut für ihn wäre. Vor Gericht stand besagte Person, weil sie ihrem Vater wohl die Bremsleitungen durchgeschnitten hatte und dieser deswegen tödlich umkam. Das mag kein vorbildliches Verhalten sein, aber die Worte auf Band übertreiben doch arg. Derartiger Momente gibt es zu genüge. So rücken z.B. sogleich Hubschrauber und Hundestaffel an, wenn ein jugendlicher Verdächtiger nach dem Entdecken einer Leiche in den Wald flüchtet. Im späteren Verlauf des Filmes ist die Polizei kaum noch präsent. Der gerade noch seine Unschuld beteuernde Mörder ist nur wenige Augenblicke später mit einer Axt in der Hand ganz offensichtlich der Mörder, obwohl der Moment seiner Enttarnung in keinerlei Richtung Sinn ergibt, weder für das Drehbuch, den Spannungsbogen oder bezogen auf seine Beweggründe, die sich nicht auf einen beschränken. Dass er sich vorgenommen hat durch die Zeit hinweg morden zu können, in Zukunft und Vergangenheit, wird als skurrile Randerscheinung inklusive Schlusspointe des Films genutzt, anstatt diesen reizvollen, wie irrsinnigen Gedanken zum Zentrum eines reflektierten Horrorfilms zu machen. Und die Zeitpunkte in welchen der Mörder vor der Aufdeckung als solcher tätig war und darauf bezogen was er als angeblich unschuldige Privatperson vorher und hinterher machte, ergeben auch im Kopf eines Psychos keinerlei Sinn, spätestens mit Blick auf das Ableben des Sportlehrers beim Trampolinspringen, aufgespießt mittels einer Technik, die ebenfalls wenig Sinn ergibt. 

"Highschool Murders" (Alternativtitel) ist derart dämlich und naiv zugleich erzählt, dass es einfach Spaß macht ihn zu sichten. Dass er eigentlich ziemlich brav erzählt ist, beschert ihm eine gewisse Unschuld. Dass er die ein oder andere nette Idee mit an Bord hat, sorgt mitunter dafür, dass man ihm nicht wirklich bös sein kann. Man begleitet den charmanten Film nett unterhalten bei seinem Scheitern, darf sich über eine passende Musikuntermalung und über technische Grundlagenkompetenzen erfreuen, und passend besetzte Mimen bei ihrem gar nicht mal schlechten Schauspiel zusehen. Das Zielpublikum ist schwer zu erfassen, zumal "Cutting Class - Die Todesparty II" (Alternativtitel) nie allein von seinen unfreiwillig komischen Momenten lebt. Er ist schlichtweg ein Kind seiner Zeit, nichts aus der Slasherwelle gelernt, die ohnehin Vergangenheit war, nicht durch Härte oder viel Nacktheit versucht diese wieder aufleben zu lassen, sondern stattdessen den Eindruck erweckend, er wäre fürs Fernsehen entstanden, was er jedoch nicht ist. Wahrscheinlich sollte er eher die jüngeren Teenager als üblich ansprechen, während er in Deutschland nur gekürzt die FSK 16 erhielt. Aber die unterschiedliche Mentalität im Gewaltbereich der beiden Länder ist ohnehin ein Thema für sich.  OFDb

22.05.2021

SLEEPERS (1996)

"Sleepers" nimmt sich einer bitteren Thematik an, die auf wahren Begebenheiten beruhen soll. Wie nah oder nicht spielt eigentlich keine Rolle, ist es doch kein Geheimnis dass es zu derartigen Vorfällen kam, so dass der hier geschilderte spezielle Fall als Pate für alle anderen steht. Ich habe mit dem an sich engagierten Drama von "Rain Man"-Regisseur Barry Levinson jedoch mein übliches Problem großer Hollywood-Produktionen. Der mit allerhand Stars besetzte Film wirkt zu weichgespült. Dies nicht, weil er das Schicksal der Jungs nicht drastisch genug herausarbeiten würde, dafür bedarf er keiner deutlicheren Bilder, psychologisch geht man hier diesbezüglich erfolgreich vor. Es ist vielmehr die Blauäugigkeit an anderer Stelle, wenn der Film fragwürdige Umstände romantisiert, Abläufe und Zusammenhänge dramaturgisch passend für eine klassische Kinogeschichte zusammenstutzt, Beziehungen zu harmonisch sieht, diverse Berufsgattungen in ihren jeweiligen Klischees (positiv wie negativ) bestätigt und letztendlich Wohlfühlmomente zum höheren Ziel erklärt, auch genährt durch die entfachte Rachsucht der Protagonisten übertragen auf den Zuschauer. Letztgenanntes ist stets ein leichtes Ziel, um das Massenpublikum zu packen. 

Ich kann mich bis zu einem gewissen Grad mit derartigen Werken arrangieren, finde manche von ihnen teilweise sogar richtig gut. Bei "Sleepers" kam für mich jedoch zusätzlich unangenehm hinzu, dass kein echter Zugang zu den Charakteren aufgebaut wurde. Das beginnt bereits in der langen Phase vor der Haftanstalt. Was hätte ich mir hier ein Näherbringen der jugendlichen Seelen so stark empathisch ausgefallen wie in "Stand By Me" oder der Neuverfilmung von "Es" gewünscht. Stattdessen bekam man hauptsächlich verschmitzt erzählte, kriminelle Versuche in zu oberflächlichen Charakterzeichnungen geboten, die vier stets als Gruppe wahrnehmend, nie einen einzelnen zu exakt. Vom weiblichen Mitglied der Gruppe brauchen wir gar nicht erst sprechen, die wird nie von Bedeutung für den Gesamtfilm und ist einzig der Quote wegen mit eingebaut. "Sleepers" ist kein missglückter Film, aber er erscheint mir in vielen Punkten nicht konsequent und ehrlich. Er will bitter sein, er will nostalgisch sein, er will freundschaftliche Romantik knüpfen, gleichzeitig von Rache erzählen, zwielichtig sein und doch nur auf verständnisvolle Taten setzen. Ein oftmals zu bedeutungsschwanger anmutender Umgang mit den Einzelsituationen, wie z.B. das Ringen des Pfarrers mit seiner Entscheidung, greift dramaturgisch ebenfalls nicht tief genug. Vieles bleibt auf Gefühlsebene, im Gegensatz zum inhaltlichen Bereich, zu oberflächlich abgehandelt zurück. 

Somit lebt der Film fast einzig von seiner handwerklich professionellen Machart, den sympathischen Mimen, der Grundthematik, die wohl kaum wen kalt lässt, und bei mir persönlich durch sein nostalgisches Flair. Deshalb haben mir die letzten fünf Minuten, die einen Monat nach der Verhandlung spielen, auch am besten gefallen, wissentlich wie sehr ich hier von Levinson und Co manipuliert wurde. Der hat zusammen mit DeNiro und Hoffman ein Jahr drauf "Wag the Dog" gedreht, was man bei der lockeren Darbietung dort wohl als eine Art Entspannungstherapie nach dem bitteren, bemühten "Sleepers" verstehen kann.  OFDb

15.12.2019

12 MONKEYS (1995)

Am Anfang war der französische Kurzfilm "Am Rande des Rollfelds" aus dem Jahr 1962, der die Verantwortlichen von "12 Monkeys" dazu inspirierte das dort noch relativ simple Szenario zu einem großen Kinostoff aufzublasen. Was daraus wurde ist ein Konstrukt, das in seiner zunächst etwas wirr scheinenden Art komplexer ausgefallen ist, als es ein Kurzfilm auffangen könnte. Zwar kam mir das Ergebnis von "12 Monkeys" seinerzeit verstrickter vor, als nun nach einer Neusichtung, es reichte aber bereits aus um damals meine Arbeitskollegen zu verwirren, die mit dem Film nichts anfangen konnten, da sie ihn nicht verstanden und somit frühzeitig beendeten. Das erschreckt in gewisser Weise schon sehr, muss man doch nur lang genug dran bleiben, um den mit Bruce Willis so toll besetzten Science Fiction zu verstehen, der am Ende jedes Rätsel löst. Er gibt sogar aufmerksamen Zuschauern zusätzlich inmitten eines frustrierenden Finales einen kleinen Hoffnungsschimmer mit auf den Weg, bevor der Song "What a Wonderful World" von Louis Armstrong vom lebensbejahenden Song zum todtraurigen mutiert, wenn er den Abspann begleitet.

Auf den Weg dorthin gibt es allerhand interessante Wendungen innerhalb eines durchdachten Stoffes, der in all seinen Phasen zu gefallen weiß. Freilich ist auch er nicht frei von Denkfehlern von Zeitreisestoffen, aber auf diese stößt man erst bei näherem Nachdenken und nicht bereits offensichtlich bloß gestellt beim schwer zu durchschauenden ersten Sichten. Zunächst wird man ins kalte Wasser geschubst, mit den Fakten der Zukunft konfrontiert, dann sorgen fehlerhafte Zeitreiseziele für weitere Verwirrungen. Sie dienen im weiteren Verlauf aber auch späten Erkenntnissen und einflussreichen Missverständnissen, was zu den hervorragenden Eigenschaften gehört, die einen als Zuschauer spätestens dann mit den Protagonisten emotional mit leiden lassen, wenn man endlich durchblickt. Kniffe wie der Glaubenswechsel zwischen Ärztin und Patient sind dramaturgisch hervorragend gesetzt, ohnehin ist man emotional mittendrin im Stoff, sowohl personen- als auch situationsgebunden. Allein der Blick auf eine sich selbstverständlich sehende Gesellschaft, deren Existenz durch den Tod von abermillionen Menschen bald endet und nicht verhindert werden kann, setzt eine Traurigkeit über alle Ereignisse und beeinflusst uns in unserer Haltung der Geschichte zu folgen. Fast schon bösartig kann man es von den Verantwortlichen der Geschichte nennen, uns kurzfristig einen Hoffnungsschimmer mitzugeben, dass das Unglück doch noch verhindert werden könnte.

Gilliam zeichnet ein düsteres Zukunftsbild, in welches Fanatiker, wie man sie heutzutage oft in Kommentarspalten sozialer Medien zu Umweltthemen wahrnehmen kann, aus Hass zum Menschen und seiner Taten unser Leben zerstört haben, um die Erde zu retten. Die herrschenden Wissenschaftler sind ebenso Opfer ihrer Zeit und in ihrer Art somit keine leuchtenden Vorbilder. Sie sind verzweifelt wie alle, haben längst selbst keinen wirklichen Durchblick der Ereignisse mehr, so dass man, auch aufgrund ihrer menschenfeindlichen Art der Regierung, an ihrer Rationalität zweifelt, was nur eine vieler Fallen ist, mit welcher "12 Monkeys" unsere Wahrnehmung manipuliert. Ein hervorragendes Drehbuch, tolle Set Designs und eine gut gewählte Besetzung zaubern für den Zuschauer aus einem depressiven Stoff ein emotional großartiges Auf und Ab und somit ein aufregendes Erlebnis, das keinen kalt lassen dürfte. Einzig der von vielen gefeierte Brad Pitt weiß mir in seiner Rolle nicht zu gefallen, die hätte man meiner Meinung nach leicht weniger überzogen spielen sollen. Ansonsten gibt es aber nichts zu meckern. Gilliam hat den vielseitig durchdachten Plot stets gut im Griff, täuscht immer wieder Positives inmitten einer düsteren Geschichte vor, und spielt damit derart gekonnt mit unseren Gefühlen und Hoffnungen, dass man es geradezu liebt unter seinem Fädenziehen zu leiden. Mag mir "12 Monkeys" auch nicht mehr so verästelt erscheinen, wie damals mit weniger Sehgewohnheiten, er ist noch immer ein großes Kinoerlebnis, welches Intellekt und Gefühl nicht gegenseitig ausschließt, sondern ganz im Gegenteil gepaart miteinander intensiv wirken lässt.  OFDb

27.07.2016

INTERVIEW MIT EINEM VAMPIR (1994)

„Interview mit einem Vampir“ ist ein pompös inszenierter Kostümfilm, der so eine Art Vampir-Oper ohne Musik sein möchte, ein großes Epos der großen Gefühle, ganz großes Kino eben. Das macht ihn interessant und gut, während es ihm gleichzeitig seiner Möglichkeiten beraubt, ist die von Anne Rice selbstgeschriebene Filmversion ihrer eigenen Literaturvorlage doch derart laut und aufgesetzt in ihrer Art, dass dies nur bedingt mitreißt. Alles wird höchst theatralisch präsentiert, das Schauspiel besteht fast einzig aus dem Überagieren seiner Stars, während epochale Klänge die Hintergrundmusik bilden in einem Werk, für dessen Kulissen man keine Kosten und Mühen scheute.

Dank einer interessanten Geschichte und der emotionalen Art der Hauptfigur weiß das trotz aller Übertreibungen zu gefallen, was allein schon aufgrund der schlechten Performance der Stars verwundern darf. Brad Pitts Ruf lediglich der untalentierte Schönling zu sein, dürfte mit „Interview mit einem Vampir“ entstanden sein, spielt er doch hölzern und stumpf drein blickend, und damit gar nicht so gut wie er es zumindest wenige Jahre später schon besser konnte und besagtem Ruf überhaupt nicht mehr gerecht wurde.

In den lässigen und faszinierten Szenen weiß Christian Slater mit seiner üblichen Schurkenvisage zu überzeugen, aber wenn es um wahre Emotionen geht, gerade dann wenn er bemerkt dass sein Gegenüber tatsächlich ein Vampir ist, verkommt sein Blick zur überforderten Fratze eines Neulings seines Berufes, und der in „Heathers“, „Hart auf Sendung“ und Co so stark spielende Slater wirkt nur noch peinlich.

Passend zu diesen mageren Schauspielleistungen gesellt sich die hier noch sehr junge Kirsten Dunst hinzu, die im Gegensatz zu Brad Pitt tatsächlich nur aufgrund ihres Aussehens berühmt wurde und hier lediglich aufgrund ihres morbiden Charakters und wegen ihres theatralischen Spieles zu wirken weiß. Meist darf sie hierfür jemand Älteres anschreien. Eine wirklich gute Kinderleistung wie wir sie von Chloë Grace Moretz in „Let Me In“ sehen durften oder von Natalie Portman in „Léon - Der Profi“ ist das hier Dargebotene jedoch nicht.

Erstaunlicher Weise ist es der sonst so blass und versteift agierende Tom Cruise, der von den anwesenden Stars am ehesten zu wirken weiß, allerdings hilft die sehr gut umgesetze Maske da auch ordentlich nach, und ansonsten darf er (überagierend wie jeder hier) den Oberfiesling spielen, was nicht zwingend feine schauspielerische Facetten erfordert. Dem Film tut sein Drang zum Sadismus jedoch gut, auch wenn man immer das Gefühl hat, dass da ein Stück privater Tom Cruise mitspielt. Daran sieht man einmal wie beeinflusst man von der Yellow Press sein kann, selbst dann wenn man sie recht erfolgreich meidet.

Neben dem Ausflug in verschiedene Zeitepochen und diverse Länder, ist es die Geschichte um das junge Mädchen herum, welches dem Stoff den nötigen Zunder beschert mehr zu werden als ein olles Affentheater in tuntigen Kostümen. Nicht nur die unterschwellig mitschwingende pädophile Thematik, wie wir sie im selben Jahr auch ähnlich subtil angedeutet in „Léon - Der Profi“ miterleben durften, besitzt ihren Reiz. Allein dass die Kleine eine ähnliche Bestie wie ihr Mentor Lestrat ist weiß zu gefallen. Und wenn das Mädchen erkennen muss, dass es bis in alle Ewigkeit ein Mädchen bleiben muss, ergänzt dies gekonnt die Tragik um Louis Charakter.

Dass es unter Vampiren eigentlich verboten ist einen Menschen so jung zu verwandeln, ist nur ein Einblick von wirklich vielen Ideen wie Vampire denken und was das Vampisein so mit sich bringt. Auch die Phase die dieser voraus geht, die große Sinnsuche eines Blutsaugers, der von seinem Mentor keine Hintergründe erklärt bekommen hat, besitzt erzählenswerte Kraft, so dass es genug Pluspunkte gibt dem eigentlich sich selbst viel zu geil findenden Film genug abzugewinnen um mit ihm seinen Frieden zu schließen. „Interview mit einem Vampir“ mag sich einem erwachsenen Publikum nicht ohne Kompromisse erschließen, geht man diese ein erlebt man jedoch einen mitreißenden Film.  OFDb

07.11.2015

OCEAN'S TWELVE (2004)

Ocean‘s Eleven“ war ein kurzweiliges Werk mit interessanten Figuren, deswegen habe ich mich auch mit Freude auf die Fortsetzung gestürzt. Auch Teil 2 sehr stilvoll erzählt. Die an sich dünne Geschichte ist in exzellente Bilder getaucht, die reichhaltige Anzahl talentierter Mimen laufen gut gestilt umher ohne deswegen gleich realitätsfern zu wirken, und ein wirklich hervorragender Soundtrack unterstützt das Treiben der Ocean-Bande zu jedem Zeitpunkt bestmöglichst.

Allerdings ist die Fortsetzung im Vergleich zum Erstling auch ein kleines Ärgernis. Neben dem etwas zu konstruierten Plot wird ähnlich wie im Vorgänger ein wenig mit der Starbesetzung geblendet, wenn man einmal bedenkt wer wieviel Platz im Film ergattert bekommt. Julia Roberts zu den Hauptdarstellern zu nennen ist eigentlich genau so dreist wie selbiges von Matt Damon zu behaupten, schade da beide gut spielen. Brad Pitt und George Clooney stehen um so mehr im Vordergrund, was sich dank gewitzter Dialoge auch recht entspannt schaut. Während ihre gemeinsamen Szenen in Teil 1 erstaunlich gestellt wirkten funktioniert ihr Miteinander diesmal mehr. Ein Gastauftritt von Bruce Willis und die Idee wie Julia Roberts in das kriminelle Geschehen mit hineingezogen wird gehören zu den Pluspunkten des Streifens. Negativ hingegen fällt Zeta-Jones auf, die zwar hervorragend in den Rollenpart der arroganten Ermittlerin hineinpasst, leider aber so gar nicht in den Rollenpart der verletzten Frau.

Die kleinen Ideen in „Ocean‘s 12“ sind meist gelungen, aber die eigentliche Geschichte, die nur sehr angestrengt ins Rollen kommt, lebt von zu vielen Zufällen, Ungewöhnlichkeiten und zu gewollten Verwirrungen. Die Wendungen sind meist flach und unglaubwürdig ausgefallen, der eigentliche Hauptcoup so uninteressant und uninspiriert, dass es kaum wundert dass diesem auch kaum Beachtung innerhalb der Geschichte geschenkt wird.

Was bleibt ist ein optisch hervorragender Krimi- und Komödien-Mix, in locker flockiger Atmosphäre getaucht, angereichert mit seichtem Humor, so wie es der Zuschauer von Teil 1 gewöhnt ist. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger stand den Machern diesmal leider nur ein wesentlich schlechteres Drehbuch zur Verfügung. Darauf bezogen kann man jedoch dankbar sein, dass der Streifen aufgrund seiner Vorzüge trotzdem noch so unterhaltam ausgefallen ist.  OFDb

23.08.2015

WORLD WAR Z (2013)

Als Wolfgang Petersen sich 1995 mit „Outbreak" für eine große Hollywood-Produktion eines Themas annahm, welches zuvor mit Cronenbergs „Rabid“ und Romeros „Crazies“ im harten Horrorbereich zu Hause war, kam ein blauäugiges Filmchen dabei heraus, das man aufgrund seiner Scheu sich großer Probleme innerhalb des Plots anzunehmen im Gegensatz zu den Vergleichsfilmen nicht ernst nehmen konnte. Der Streifen war Mainstream mit all den dazugehörenden Krankheiten, was aufgrund des Themas, welches eine aktuelle Angst des Publikums realisierte, trotzdem kein Hinderniss war dem Streifen einen Erfolg zu bescheren, den er eigentlich nicht verdient hatte.

Mit dem Thema den Ursprung einer Seuche zu finden und der Tatsache sich einer Geschichte aus dem harten Horrorbereich zu bedienen um einen Mainstream-Film zu drehen, besteht eine Verwandschaft zwischen „World War Z“ und „Outbreak - Lautlose Killer“. Und in einer Kino-Welt voll naiver und gehaltloser Werke wie „Transformers“ und Co durfte man sicherlich misstrauig sein, ob ein Mainstream-Zomiefilm außerhalb eines humoristischen Ansatzes in einer Großproduktion funktionieren kann. Glücklicher Weise kommt „World War Z“ keinesfalls so naiv daher wie Petersens Film aus den 90er Jahren, was sicherlich auch damit zu tun hat, dass das Publikum trotz immer dümmlicher Popkornstreifen mittlerweile höhere Erwartungen auf die Komplexität einer Handlung setzt.

Sicherlich läuft immer noch vieles zu aalglatt und die Geschichte gewinnt sicherlich keinen Innovationspreis, so oft wie sie ähnlich schon erzählt wurde. Aber innerhalb des Mainstream-Bereichs wird es dem von Pitt gespielten Gerry schon sehr schwer gemacht seine Mission zu erfüllen. Und die Ausweglosigkeit der Ursprungsidee die Ursache des Virus zu finden, wird kompromisslos erkannt und thematisiert, weswegen die Geschiche cleverer Weise irgendwann umschwenkt, um an einen anderen Punkt anzusetzen.

All zu deutlich fehlt „World War Z“ die Härte und zwischenmenschliche Realitätsnähe der großen Zombiefilme „Zombie“, „Die Nacht der lebenden Toten“, „Pontypool“, „Return of the Living Dead“ und „28 Days Later“, aber er weiß dank seines enormen Budgets das Szenario in Bilder zu tauchen, wie man sie bislang nicht sehen konnte.

Danny Boyles Werk um Infizierte spielte in einem relativ kleinen Umfeld, Snyders Romero-Remake zeigte große Bilder einer sich in Grenzen haltenden Schlacht. Erst Marc Fosters auf einem Roman basierender „World War Z“ gibt uns Einblick auf den globalen Effekt einer Zombie/Infizierten-Seuche. Da klingt es zwar etwas ironisch dass die Zombies in einem solchen Film relativ selten zu sehen sind, das ändert aber nichts an der Wirkung welche die Bilder der über die komplette Welt verteilten Katastrophe entfachen.

Wenn die Zombies sich in ihrem Wahn erstmals zusammen tun, um eher zufällig eine Körperpyramide zu bauen, mit der auch höchste Mauern eingenommen werden können, dann schafft man es sogar der seit der 60er Jahre bestehenden Thematik etwas fürs Auge zu bieten, das bislang nicht da war. Hut ab, kann ich da nur sagen. Wenn die Zombies einmal los sind, dann sind sie hier auch gleich richtig los, und genau diese Gewichtung aus Zombie-Action und Zombie-Pause hat der Regisseur bestens im Griff, was mitunter aber auch daran liegt, dass wir stets eng an Gerry gekettet sind und wir ernsthaft mit ihm und um ihn bangen dürfen.

Ein etwas zu blauäugiges Finale und die vielen Zufälle die zum Ergebnis führen schwächen sicherlich das Gesamtbild des Streifens. Aber in Sachen Tempo, Dramatik und Spezialeffekte gibt es wahrlich nichts zu meckern. Die Zombies sind toll animiert, die Action auf einem für die Thematik ungewohntem Niveau, die Hoffnungslosigkeit der Situation wird gnadenlos demonstriert, am schönsten in jener Szene, in welche in Jerusalem eine große Menschenmasse anfängt zu beten, und der Mission Gerrys werden immer wieder Steine in den Weg gelegt, Steine die erst gegen Ende, wenn man auf eine reguläre Laufzeit abzielt, immer kleiner werden. In einem richtig hoffnungslosen Werk hätten sie gegen Ende größer werden müssen. Schade, dass man nicht lieber 20 Minuten mehr in Kauf genommen hat.

„World War Z“ bleibt bei allem was er präsentiert Mainstream. Da muss man sich nichts vormachen. Vergleicht man ihn aber mit dem anderen, wesentlich beliebteren Mainstream zu diesem Thema, der Serie „The Walking Dead“, dann darf man doch erleichtert feststellen, dass er viele Fehler der TV-Serie umgeht, deren Political Correctness fallen lässt, um sich näher an der Realität zu orientieren und die Möglichkeiten der Thematik wesentlich besser auskostet als der überschätzte Quotenrenner. Es tat einfach gut das immer wieder gern gesehene Thema der Untoten einmal in einem finanziellen Umfang zu sehen, der optisch keine Wünsche offen lässt.  OFDb

09.02.2013

MEXICAN - EINE HEISSE LIEBE (2001)

Jerry soll als Dienst für die Mafia eine bestimmte Handfeuerwaffe in die Vereinigten Staaten schmuggeln. An dieser sind jedoch auch viele andere Leute interessiert...
 
Die wichtigste Waffe seit Susy...
 
Zugegeben, es hat etwas gedauert bis der Funke übergesprungen ist, aber nachdem mir die erste halbe Stunde nur recht mäßig gefiel, entpuppte sich „Mexican“ ab dem 2. Drittel als wesentlich flotter, interessanter und lustiger als zunächst vermutet. Das Problem an den ersten 30 Minuten ist, dass man mit den Figuren nicht wirklich warm wird.

Brad Pitts Rolle ist ein Pechvogel, sein Pech comichaft, er selbst zunächst arg blass. Julia Roberts Rolle keift herum und kommt dann erst einmal gar nicht mehr weiter vor. Nun sichtet man eine Gaunerstory um eine heiß begehrte Pistole. Ich tu mich immer etwas schwer mit Gangsterfilmen und Werken die von der Mafia handeln. Im Nachhinein mag ich sie zwar oft, aber es lockt mich halt nie die Handlung selbst. Nun war „Mexican“ mit interessanten Schauspielern besetzt und als Komödie betitelt, das waren zwei Gründe sich doch mal dran zu wagen.

Die Geschichte ist banal aber pfiffig, letzteres merkt man nur leider erst bei weiterem Fortschreiten des Films. Je länger „Mexican“ läuft, um so mehr Gesicht bekommen die Figuren. Aus der Roberts-Rolle, die anbei von beiden parallelen Handlungssträngen den wesentlich interessanteren erwicht hat, wird mehr als eine bloße Zicke und die Pitt-Rolle lebt auch immer mehr auf, je mehr Mist ihr widerfährt. Die Figuren werden einem zwar nicht unbedingt sympathisch, aber sie werden interessant und lustig.

Heimlicher Star von „Mexican“ ist jedoch die Rolle James Gandolfinis, der den leicht soften Profikiller mit sehr viel Seele spielt. Wäre er kein Massenmörder könnte er glatt als Sympathiefigur durchgehen. Über seine Rolle erfahren wir auch die wenigen, aber wichtigen, tragischen Momente dieses etwas ungewöhnlich erzählten Werkes.

Zusätzlich gewürzt wird die Kombination aus guter Schauspielerei und interessanten Rollen mit den Gebieten des Running Gags (hier sei nur einmal die Ampel in der Einöde erwähnt), der trockenen, manchmal albernen, Dialogkomik (nein, sie erinnert nicht an den Tarantino-Stil) und den originellen Rückblicken zur Geschichte der Waffe.

Die Pistole ist die eigentliche Hauptfigur „Mexican“s. Sie ist hässlich, wird im Film aber als eine der schönsten Waffen der Welt betrachtet. Über die Rückblicke der Entstehung, die immer eine neue Version erfährt, wird dennoch eine gewisse Mystik rund um dieses Stück Mordwerkzeug aufgebaut.

Manch einen mag es ärgern, dass „Mexican“ sehr dialoglastig ausgefallen ist und die Action irgendwo in der dritten Reihe parkt. Aber solchen Cineasten muss ich sagen: Anstatt das Gesprochene zu erdulden solltet ihr lieber lernen zuzuhören! Wenn für den Film förderlich geredet wird, kann dies wesentlich fruchtbarer für das Endprodukt sein als jede Möchtegern-Aktion, die vordergründig mehr Schwung in die Bude bringt. Wenn Dialoge stimmen, gut geschrieben sind, Wirkung besitzen, die Story vorwärts bringen, Figuren füllen und eine gewisse Raffinesse aufweisen, was in Gottes Namen soll dann an einem dialoglastigen Film so furchtbar sein? Für Werke wie „Mexican“ ist allein der Begriff dialoglastig völlig fehlbetitelt. Sagen wir lieber es wird viel gesprochen.

Der Behauptung, dass der Film nicht massentauglich ist, stimme ich zu. Die guten Witze sind versteckt, sprich müssen erst entdeckt werden. Zudem dauert es wie erwähnt, bis man mit den Figuren warm wird. Da dürfte vielen 30 Minuten zu lang vorkommen, so dass zu früh (verständlich) ausgeschaltet wird. Einige werden sicherlich auch enttäuscht sein, dass Roberts und Pitt so wenig gemeinsame Auftritte haben. Und die Geschichte selbst haut einen freilich auch nicht vom Hocker. Wer Figuren, Dialoge und Gags nicht mag, begreift oder witzig findet, hat quasi keine weiteren Anhaltspunkt etwas an diesem Werk gut finden zu können.

Ich fand „Mexican“ interessant und lustig. Es gab ein paar wenige Überraschungen, die Schauspieler überzeugten so ziemlich alle, lediglich die Geschichte selbst ist etwas zu dünn. Sie entfaltet sich zwar erst im Laufe des Guckens, wird dabei aber kein unauffällig füllendes Meisterwerk wie „Spiel mir das Lied vom Tod“. Die Story bleibt simpel, egal welche Wendungen da auch kommen mögen.  OFDb

SIEBEN (1995)

Detective Mill soll den Posten des in Rente gehenden Detective Somerset übernehmen. In der Übergangszeit arbeiten sie zusammen an einer kranken Ritual-Mordserie. Ein Psychopath ermordet seine Opfer nach und wegen der sieben Todsünden...
 
Feiner Sand...
 
„Sieben“ ist ein spannender Thriller mit einem guten, wenn auch etwas aufgesetzten Thema. Die Umsetzung ist sehr düster gehalten, das betrifft sowohl Bilder, wie auch Thematik, Umfeld, Psychologie und die Morde selbst. Diese werden trotz ihrer Extreme nie voyeuristisch eingesetzt, obwohl die provozierende Story auch gegenteiliges hätte zulassen können. Allein aus diesem Grund würden sich „Sieben“ und „Saw“ auch nie ernsthaft vergleichen lassen, wie es das Poster zu „Saw“ dennoch tat.

In „Sieben“ werden zwar unglaublich widerlich ermordete Tote gezeigt, aber die düsteren Bilder ersparen einem den letzten Schritt zum Kotz-Feeling. Das könnte beim zartbesaiteten Publikum allerdings anders sein. Interessant ist hierbei, dass die dunklen Bilder sowohl verstören als auch abschwächen sollen. Meist werden Leichenfundorte mit der Taschenlampe untersucht, da streift der Lichtstrahl nur hin und wieder über die furchtbar zugerichteten Toten. David Fincher war sich aber im klaren, dass das kurze Zeigen in Kombination mit der Phantasie des Zuschauers wesentlich extremere Ergebnisse erzeugt, als eine Voyeurnummer wie „Saw“ und Co.

Aber Fincher setzt noch auf andere Methoden. Ich fand es z.B. eine sehr gelungene Idee, die Großstadt so laut wirken zu lassen, wie sie wirklich ist. Am Anfang noch gewöhnungsbedürftig, sind die Stimmen leicht runtergeschraubt. Ständig sind die Hintergrundgeräusche der Stadt zu hören. Das kommt bei einem gewissen Teil der Zuschauer sicherlich nur unterbewusst an, so dass der psychologische Effekt beim Sichten verstärkt, da von ungewisser Herkunft, wirken kann.

Wer sich von der wirklich gelungenen dreckigen Atmosphäre des Kriminalfalles nicht komplett einlullen lässt, kann auch sehr interessante gesellschaftskritische Aspekte in „Sieben“ entdecken. Das beginnt nicht erst mit den Erklärungen des Täters auf der Fahrt zum finalen Handlungsort. Bereits die Figur, die Brad Pitt so gelungen spielen darf, ist erster Auslöser, und damit ja letztendlich auch der geniale Trick der bitterbösen Schlusspointe. Es drängt sich gerade zu die Frage auf, was das für eine Gesellschaft ist, in der ein so jähzorniger Mann wie Mill bei der Polizei arbeiten darf. Und mehr noch, wie konnte eine so fragwürdige Person überhaupt zum Detective befördert werden? Die Antwort gibt der Mörder selbst im besagten Autogespräch.

Man hat sich an das viele Schlechte im Alltag viel zu sehr gewöhnt. Lügende Politiker werden als normal angesehen, gewalttätige Polizisten sind keine Ausnahme mehr, fast jeder denkt nur noch an sich. Da dies ein Nerv ist, der jeden von uns trifft, ist es nicht verwunderlich, dass mit „Sieben“ und „Falling Down“ gleich zwei Filme gedreht wurden, in denen es um dieses Thema geht. Sie sind mit nur 2 Jahren Unterschied fast zeitgleich erschienen, zu einer Zeit, in der das Problem langsam auch in das Bewusstsein des Durchschnittsbürgers eingedrungen ist.

Wo „Falling Down“ provokativ damit spielt, den Zuschauer zum Sympathisanten der Rolle Michael Douglas' zu machen, erwicht man sich bei „Sieben“ nur für kurze Momente dabei dem religiösen Mörder recht zu geben. In beiden Filmen würde man zwar nie die Taten gut heißen, dennoch steht der Zuschauer orientierungslos mit der Frage im Kopf da, wie er sich sonst von diesen Ungerechtigkeiten in der Welt frei machen kann. Er kennt die Antwort nicht, und die radikalen Lösungen der Mörder kann er mit seinem Gewissen nicht vereinbaren. In gewisser Hinsicht mag das Heuchelei sein, denn beim Akzeptieren der Lügen und Gewalttaten im Alltag ist das Gewissen ohne große Mühen ausgeschaltet. Der Mensch ist ein Gewöhnungstier und reagiert in „Sieben“ nur deshalb so allergisch auf das was er sieht, weil es (glücklicher Weise) nicht Alltag ist.

Interessant ist, dass diese Thematik nur gestreift wird. Finchs Thriller ist zwar dafür da genau davon zu berichten, er ist aber so dicht und düster erzählt, dass er dies gut zu verstecken weiß, um über Umwege beim Zuschauer anzukommen. Der Nachteil einer solchen Erzählweise ist sicherlich der, dass diese Botschaft nicht bei jedem ankommt. Aber Kino ist nur selten bloßes hirnlos Filme gucken. Wer das Medium missversteht, dem kann man nicht helfen. Immerhin weiß „Sieben“ auch diesen Menschen dennoch zu gefallen, eben weil er so ein spannendes Stück Kino ist, das zudem noch hervorragend besetzt ist.  OFDb