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26.11.2017

DAS SCHRECKENSHAUS DES DR. DEATH (1974)

Hinter dem oftmals verwendeten Filmtitel „Madhouse“ (Originaltitel) verbrigt sich zwar erneut kein großer Filmklassiker den man als Fan des Genres gesehen haben muss, aber ein kleines, ungewöhnliches Werk, welches trotz seiner unbeholfenen Ausstrahlung aus verschiedensten Gründen einen Blick wert ist. Besetzt mit Vincent Price und Peter Cushing in den wichtigsten Rollen mag manch einer mehr vom Streifen erwartet haben als manch anderer, Fachkundige erkennen jedoch bereits bei der Namenseinblendung Samuel Z. Arkoffs als Produzent im Vorspann, dass hier eine schnell heruntergekurbelte Billigproduktion auf den Zuschauer wartet und sind somit vorgewarnt.

Zeit nahm man sich scheinbar wahrlich nicht für die Vorbereitungen auf „Das Schreckenshaus des Dr. Death“, wird beim Schauen doch nie seine Orientierung deutlich, was er eigentlich sein möchte. Irgendwo zwischen Grusel-Krimi, Horrorfilm und einem Hauch Horror-Parodie pendelnd weiß zumindest sein Spiel mit der Horrorszene innerhalb des Horrorfilms zu gefallen, handelt Jim Clarks Werk doch von Schauspielern, Autoren und Produzenten dieses Genres, sowie von den Dreharbeiten und dem Kult um die entstandenen Werke. Diesbezüglich versuchte sich Arkoff bereits in den 50er Jahren mit „Der Satan mit den 1000 Masken“, „Der Dämon“ (Alternativtitel) geht jedoch noch einen Schritt weiter und nimmt die Idee von „Scream 3“ und „Nightmare on Elm Street 7“ vorweg, um durch die gegebenen Mittel mit den Metaebenen zu spielen. „Deathday“ (Alternativtitel) ist dabei ebenso wenig gewitzt ausgefallen wie die später entstandenen prominenten Vergleichsfilme, aber allein Vincent Price bei seinem augenzwinkernden, spielfreudigen Agieren zuzusehen, beweist wie richtig es war sich an dieser Art der Thematik zu versuchen.

Wie für eine Arkoff-Produktion typisch wurde nicht gerade viel Geld in den Streifen investiert. Dies bescherte aber immerhin den Schauspiellegenden Boris Karloff und Basil Rathbone eine spezielle Nennung im Vorspann aufgrund von Gastauftritten, verkauft uns der Film doch ehemalige, real existierende Werke mit Vincent Price (u.a. „Das Pendel des Todes“ und „Der Rabe - Duell der Zauberer“) als damalige Dr. Death-Filme, um für diese nicht zusätzliche Szenen drehen zu müssen. Und in diesen treten besagte ehemalige Filmstars innerhalb von „Das Schreckenshaus des Dr. Death“ auf.

Geiz hat sich selten so gelohnt, denn das Verwenden alter Price-Filmszenen unterstreicht den augenzwinkernden Grundton des Filmes und lässt ihn an Sympathie gewinnen, gerade weil gewählte Szenen offensichtlich auf das Ur-Werk verweisen, im Gegensatz zu dem wie es bei neutraler entliehenen Momenten der Fall gewesen wäre. Zudem existiert im Film eine Interviewszene mit Paul Toombes, die mit einem echten Showmaster vor einem tatsächlichen Livepublikum aufgenommen wurde, so dass man davon ausgehen kann, dass hier Dreharbeiten mit der Möglichkeit ein echtes Interview mit Vincent Price aufzuzeichnen, vermischt wurden. Diverse von Toombies geäußerte Sätze schein gar vom realen Price-Interview entliehen worden zu sein und wirken dementsprechend authentisch.

Da durch diesen Umgang mit realen Aufnahmen diverser Medien und der dazugehörenden augenzwinkernden Darstellung Prices der Großteil des Filmes wie ein verschmitztes Spiel aller Beteiligten wirkt, verzeiht man dem Gesamtwerk seine etwas orientierungslose und vorhersehbare Chose, guckt sich das alles doch unterhaltsam, ohne je zum Retrozirkus, zu groben Albernheiten oder zum Selbstzweck zu verkommen. Subtil sieht anders aus, aber der dezente Umgang mit diesen Mitteln nicht zu übertreiben sorgt für den richtigen Grundton, und da jede Szenen, die das Ganze nicht betrifft, ohnehin zu spannungsarm ausgefallen sind, bereichert dieses Vorgehen, anstatt eine möglicher Weise vorhandene düstere Grundatmosphäre unangenehm aufzubrechen.

Von einem großen Wurf braucht man wie eingangs erwähnt nicht sprechen. Dafür ist „The Madhouse of Dr. Fear“ (Alternativtitel) zu banal und vordergründig ausgefallen. Diverse Handlungselemente kommen ebenso wie diverse Figuren zu kurz, die Auflösung steht zu vorhersehbar im Raum, und die Tricks sind zu erkennbar umgesetzt, als dass sich eine wahre Illusion auftun würde. All dies verzeiht man dem Film aufgrund seiner sympathischen Ausstrahlung jedoch all zu gerne. Einzig die Schlussszene, die es verfehlt das finale Geschehen freudianisch zu erklären, wirkt in ihrem Realitätsbruch ärgerlich und billig angehangen, und dies obwohl sie eine reizvolle zentrale Idee von „Dance of the Demons 2“ und „Ring“ vorwegnimmt.  OFDb

24.12.2016

SNAKE PEOPLE (1971)

In seinen letzten Jahren drehte Boris Karloff aus Geldnöten heraus diverse Filme für den Mexikaner Juan Ibanez, der von Kollege Jack Hill Karloff-Szenen in Amerika anfertigen ließ und den Rest des Streifens in seiner Heimat Mexiko persönlich umsetzte. Das Verfahren verrät bereits die Kostengünstigkeit und dass man nicht mit Meilensteinen der Filmgeschichte rechnen muss, „Totentanz im Schreckenschloss“, eines dieser Produktionen, wusste aber zumindest auf sympathisch schundige Weise zu gefallen, so dass ich mich nicht völlig unmotiviert an „Snake People“ heranwagte, den man oftmals als „Cult of the Death“ auf DVD antrifft.

Leider ist die Geschichte um Voodoo, Magie und wiedererweckte Tote nicht so reizvoll ausgefallen wie der Vergleichsfilm, reiht er doch eigentlich nur mit diesem Thema einhergehende äußerliche Reize aneinander, um im wilden Bildermeer so etwas wie eine Geschichte vorzugaukeln. Da wird fleißig getrommelt, mit Schlangen herumgefuchtelt, getanzt, bizarr in die Kamera geglotzt (allen voran der kleinwüchsige Voodoo-Prister, der zu Beginn ewig dämlich lachen darf), da verschwinden Personen kurzfristig aus dem Bild um wieder eingeblendet zu werden, ewig passiert alles und nichts zugleich.

Wo ein Lucio Fulci aus diesen Zutaten einen hypnotischen, surrealen Bilderrausch gezaubert hätte, da verkommt „Todeskult“ (Alternativtitel) zum Zeit zögernden optischen Hokuspokus, der einen von Beginn an langweilt, anstatt einen in seinen Bann zu ziehen. Die deutsche Synchronisation macht es einem ohnehin schwer fair mit dem Film umzugehen, aber außer unmotivierter schwarzer Zeremonien und Wortgefechten zwischen Gläubigen und Ungläubigen gibt es nichts zu holen, und selbst diese beiden Eigenschaften wissen in ihrer Art der Umsetzung nicht zu gefallen.

Nebenbei gibt es einige skurille Einfälle, so wie die Mission der wichtigsten weiblichen Rolle, die glaubt sie könne die Erde retten, indem sie den Alkohol verbietet, der laut ihrer eigenen Studien über 99 Prozent allen Unheils in der Menschheitsgeschichte verursacht hat. Und der völlig lustlos spielende, greise Boris Karloff, der bei der deutschen Uraufführung 1971 bereits zwei Jahre tot war, darf in einer Doppelrolle auftreten, was seiner müden Darbietung leider keinen Zusatzreiz beschert.  OFDb

09.02.2016

DAS ALTE FINSTERE HAUS (1932)

Neu verfilmt in den 60er Jahren und in der Erstverfilmung besetzt mit Horrorlegende Boris Karloff schien „Das alte finstere Haus“ ein kleiner Klassiker zu sein der mir bisher entgangen ist. Obwohl der Covertext nicht viel über den Inhalt hergab ging ich neugierig heran und fand es anfangs ganz putzig wie die Fahrt durch das Unwetter umgesetzt wurde, mit flotten Dialogen im Auto und niedlichen Aufnahmen von außen, die inszenatorisch nie zu den Innenaufnahmen passten.

 
Am Haus angekommen enttäuscht zunächst ein äußerlich haarig zurecht gemachter Boris Karloff, der peinlich anstatt unheimlich stumm vor sich hin grummelt und damit nicht die von Regisseur James Whale erhoffte Wirkung besitzt. Da darf man fast schon schadenfroh sein, so stolz wie uns vor dem Beginn des Filmes ein Schriftzug darauf hinwies, dass „Frankenstein“-Star Karloff Teil der Besetzung jenen Filmes sei, den man nun sichten werde. Wesentlich positiver fällt da schon der Gastgeber auf, der ein paar Jahrzehnte später sicherlich mit Peter Cushing gecastet worden wäre, so hager und blass wie der lang gewachsene Mann kränklich aussehend in dem großen alten Haus wirkt. Seine stets schimpfende Schwester steht ihm eher zur Belustigung bei Seite und verbreitet somit im Gegensatz zu den anderen Bewohnern auf nicht skurrile Art für ein Unwohlsein bei den Gästen.

Sie ist nicht das einzig lustige Element des Filmes. Bereits die Dialoge im Auto waren pointiert geschrieben, und eine gewisse Lustigkeit schwebt stets im Raum und erklärt auch warum die Ereignisse im Haus lange Zeit nicht konsequent angegangen werden. Als Zuschauer weiß man jedoch gar nicht worauf die Geschichte hinaus will. Und ehrlich gesagt weiß ich dies nach dem Gucken ebenso wenig. Da ängstigen sich Fremde in einem einsam abgelegenen Haus, bekommen es mit einer Gruppe wunderlicher Menschen zu tun, aber so wirklich Horrorfilm-gerecht wirken will da nichts. Gruselig wird es nie. Und selbst aufgrund der absichtlich eingestreuten Witzigkeit: als Parodie auf das Genre will „Das Haus des Grauens“ (Alternativtitel) ebenfalls nicht funktionieren, kommt die Geschichte dafür doch zu uninspiriert und wirr daher. Die Geschichte tritt zu lang auf der Stelle, ewig besitzt sie Widersprüche in der Logik und fast jegliches Verhalten der Gäste wirkt nicht nachvollziehbar.

Wenn in einem Horrorfilm, und sei er auch humoristisch angelegt, einzig die Romantikmomente zu funktionieren wissen, dann ist das ein recht trauriges Ergebnis. Und trotz dieses einzigen wunderbaren Pluspunktes, der mir aufgrund seiner individuellen Umsetzung gefallen hat, komme ich mir von „Das Haus des Schreckens“ (Alternativtitel) einfach nur verarscht vor. Ein 102jähriger, der in seinem einsamen Zimmer hoch oben viel zu agil anstatt unheimlich wirkt, erst recht mit der völlig unpassenden Synchronstimme die er verpasst bekommen hat, enttäuscht ebenso wie ein zwar absichtlich aber unpassend viel zu verspielter Psychopath am Schluss, dessen Schauspieler zwar als einziges erkennbar Talent in seinem Spiel aufblitzen lässt, aber bei all der Erwartungshaltung die um seine Anwesenheit herum aufgebaut wurde in der Art seiner Performance nicht zu gefallen weiß.

Ob als Komödie oder als Horrorfilm, einen solch schlechten Film aus den 30er Jahren habe ich noch selten gesehen. „The Old Dark House“ (Originaltitel) enttäuscht auf der ganzen Linie da er weder zu erschrecken weiß noch humoristisch gekonnt mit Gruselelementen umzugehen weiß. Der Plot ist wirr, widersprüchlich und uninteressant ausgefallen, und die Darsteller spielen zu penetrant und aufgedreht, als dass sich ihre Figuren positiv auf den Film auswirken könnten. Und ehrlich gesagt ist mir nicht ganz klar was James Whale, der auch für den großartigen „Der Unsichtbare“ mit Claude Rains und den ersten beiden „Frankenstein“-Filmen aus den 30er Jahren verantwortlich war, mit „Das alte finstere Haus“ bezwecken wollte. Und warum man von diesem Nichts an Story eine Neuverfilmung gedreht hat, obwohl bereits die erste nicht nötig gewesen wäre, verstehe ich erst recht nicht.  OFDb

22.11.2014

TOTENTANZ IM SCHRECKENSSCHLOSS (1968)

„Totentanz im Schreckensschloss“ ist einer von einer handvoll mexikanischer Fließband-Horror-Produktionen, in denen Boris Karloff kurz vor seinem Tod mit etwa 80 Jahren noch mitspielte, und diese liegen fern des Niveaus vergangener Projekte der Horrorfilm-Größe. Einst mit der Rolle als Frankensteins Monster in der 30er Jahre-Verfilmung berühmt geworden, und seit dem in Filmen wie „Der Rabe“, „Die Mumie“ und recht spät sogar noch in „Der Rabe - Duell der Zauberer“ in diversen Erfolgen mitspielend, huscht der gute Mann im hier besprochenen Werk nur gelegentlich durchs Bild und sagt verwirrte Texte auf.

Damit ist er was Logik, Sinn und roter Faden betrifft auf einer Höhe mit dem gesamten Werk, das so sehr bemüht ist klassische Horrorelemente aneinander zu knüpfen, dass ein erkennbarer Zusammenhang der Dinge kaum vorhanden ist. Ein wenig „Die Katze und der Kanarienvogel“ sowie „Das indische Tuch“ hier, eine kleine Randidee aus „Der Dieb von Bagdad“ da, jener Teil der Brian Yuzna und Konsorten zum wundervollen „Dolls“ inspiriert haben könnte, bishin zu einem „Frankenstein“-ähnlichen Schluss mit „Das Phantom der Oper“-Anleihen ist alles vorhanden, nur stümperhaft zusammengezimmert, billigst heruntergedreht und mit talentlosen Mimen besetzt, die auch nicht von Karloff an die Wand gespielt werden, da der nur noch ein Schatten seiner selbst ist.

Der Witz: auf pulpiger Schundfilm-Art weiß dieses fast schon dilettantische Werk zu gefallen, vorausgesetzt man schaltet sein Hirn komplett aus und genießt das prunkvolle Schloss mit seinem sympathischen vor Klischees nur so wimmelndem Inventar. Spätestens wenn die tödlichen und grotesken Spielsachen in die Geschichte eingebunden werden, macht das sinnlose Treiben Spaß, und eine gewisse Grundstimmung kommt auf, auch wenn diese weit weg eines Grusel- oder wenigstens Spannungsempfinden liegt. Mir hat das ganze sogar so viel Freude bereitet, dass ich vom plötzlichen und schlichten Ende glatt enttäuscht wurde. Das dürfte bei diesem unsinnigen Film ohne gefühlsechte Identifikationsfiguren wohl nur den wenigsten passiert sein.

Vielleicht kann man das bescheuerte Treiben von „Dance Of Death" (Alternativtitel) als eine Art Recycling-Charme bezeichnen, in welchem alles Bekannte aus dem Genre verbraucht und qualitativ schlechter neu zubereitet eingebracht wird, untermalt von einem aufdringlichen Soundtrack, der so schräg klingt, dass wohl kaum eine Komposition dahinter stecken dürfte, und dank der Zutat der tödlichen Spielzeuge für seine Zeit sogar mit einem Individualitätsbonus versehen. So kann Trash funktionieren. Und wenn man bedenkt dass sich „House of Evil“ (Originaltitel) in seiner Art mindestens 10 Jahre zu spät guckt, sprich der Horrorfilm in seiner Entwicklung schon viel weiter war, ist der Begriff Trash sicherlich passend gewählt, ohne dass man empfindlichen Seelen damit gleich vor den Kopf stößt.  OFDb

09.05.2013

DER RABE - DUELL DER ZAUBERER (1963)

Eines Abends bekommt der um seine vor zwei Jahren verstorbene Ehefrau Lenore trauernde Zauberer Craven Besuch von einem Raben. Der kann zur Überraschung des Magiers sprechen und bittet ihn um seine Hilfe. Vom bösen Zauberer Scarabus in das Federvieh verzaubert, möchte er gerne wieder ein Mensch werden. Nach getaner Arbeit reisen die beiden zum Schloss von Scarabus, denn der ehemalige Rabe Bedlo beteuert dort definitiv Lenore gesichtet zu haben. Craven glaubt der böse Zauberer habe einen Fluch über ihren Geist verhängt...
 
Was vom Raben übrig blieb...
 
Wer sich mit Monstern, Gruselfilmen und Trash im allgemeinen befasst, kommt um Regisseur und Produzent Roger Corman nicht herum, der seit etlichen Jahrzehnten im alternativen Filmgeschäft tätig ist und es mit geprägt hat. Jack Nicholson sagte einmal in einem Interview, Corman habe zwar auch hin und wieder gute Filme gedreht, aber er habe in keinem dieser Werke mitgespielt. Ich weiß nicht was der heute so berühmte Schauspieler unter einem guten Film versteht, aber „Der Rabe - Duell der Zauberer“ scheint es seiner Meinung nach nicht zu sein, in welchem er ab dem zweiten Drittel einen größeren Part übernimmt.

Verstehe einer Jack, „Der Rabe“ ist ein wundervoller, kurzweiliger Film, ganz selten vielleicht eine Spur zu albern und definitiv kostengünstig produziert, aber dennoch ein charmantes Werk das erreicht was es möchte und dessen simple Geschichte kaum auffällt dank antiquierter, aber den Produktionsumständen durchaus angemessener Spezialeffekte, improvisationsfreudiger Mimen, atmosphärischem Dekor, stimmiger Kostüme und einem Drehbuch mit Mut zur Extreme.

Dass sich das berühmte Poe-Gedicht „Der Rabe“ nicht für eine werkgetreue Verfilmung eignet, dürfte klar sein. Das Maximum dessen was möglich war erreichte man wohl im ersten Halloween-Special der Serie „Die Simpsons“. Aber was man in dem 30er Jahre Streifen „Der Rabe“ gar nicht erst versuchte, wird in der hier besprochenen Corman-Produktion durchaus ausprobiert: einen Bezug zum Gedicht zu schaffen. Den Anfängen dieser berühmten Zeilen darf man zu Beginn des Filmes lauschen, die Trauer um Lenore ist enthalten, der titelgebende nächtliche Besucher natürlich auch, sowie, am Ende und augenzwinkernd mit Absicht sinngemäß verdreht, das berühmte Nimmermehr.

Nach Ankunft des Raben verlässt man jedoch die Fährten Poes und stürzt sich in eine Geschichten um rivalisierende Magier und um Lug, Trug und Verrat. In einem Setting, welches Freunden gotischer Filme nichts zu wünschen übrig lässt und das wie der Film selbst mit den ursprünglich ernstgemeinten Elementen des Genres ironisch spielt, tapsen in stimmigen Kostümen gut aufgelegte Stars umher, die das beste aus einer eigentlich sinnfreien Geschichte machen und einem gar keine Chance geben, sich an der dünnen Story gelangweilt aufzuhängen.

Nein, „Der Rabe“ bleibt konsequent kurzweilig, in der zweiten Filmhälfte gar mehr als in der ersten, da man den manchmal arg verspielten Humor als Zuschauer dort besser einzuordnen weiß als im etwas orientierungslosen und ereignisreichen ersten Drittel. Ist man dort noch überrascht von einem Schauspieler, der mit Rabenflügeln herumblödelt, da die Verwandlung nicht hundertprozentig funktioniert hat, und über Leichen, die unverhofft Warnungen aussprechen und deren ungewöhnliche Tat von den Protagonisten keinerlei Interessen weckt und maximal zu Angstzuständen führt, gewöhnt man sich irgendwann an diesen Zirkus skurriler Ideen und lässt die Verantwortlichen des Streifens vor und hinter der Kamera einfach mal machen, während man sich zurücklehnt um sich unterhalten zu lassen.

Und die Besetzung lässt mit Vincent Price, Jack Nicholson, Peter Lorre und allen voran Boris Karloff nichts zu wünschen übrig. Letztgenannter überrascht mit einem breiten Repertoire interessanter Gesichtsausdrücke, von welchen die komischen am meisten Freude bereiten, darf man sich in anderen Filmen der Horrorlegende durch das Fehlen dieser in der Regel doch eher nicht an ihnen ergötzen. Ebenso spielfreudig erlebt man Vincent Price, dem es sichtbar Spaß macht den Zuschauer zu belustigen und auch mal den Naivling spielen zu dürfen, den man lange Zeit an der Nase herumführt.

Dass die seelischen Abgründe der Figuren nicht nur in dem Bereich der Magie liegen, verleiht dem eigentlich so sinnlosen Streifen einen letzten Rest Klasse, der zwar nie tatsächliche dramatische Bereiche erreicht, aber treffsicher augenzwinkernd mit solchen Momenten ernstgemeinter Produktionen spielt, genau jener Aspekt, der den kompletten Film ausmacht: das treffsichere Spiel mit dem ernsten Genre, das in „Der Rabe - Krieg der Magier“ (Alternativtitel) nur als Grundlage für eine Komödie dient.

Da alle Beteiligten durch ihre Erfahrung als Dauergäste des Grusel-Genres (mit Ausnahme des damals noch sehr jungen Jack Nicholson) sich mit Horrorfilmen gut auskennen, wissen sie auch wo und wie dieses parodiert werden muss, so dass man am Ende ein Ergebnis hat, welches eben den Freunden dieses Genres zu gefallen weiß und nicht nur dem Publikum komödiantischer leichter Stoffe. Zu empfehlen ist dieser kleine Kultfilm dementsprechend beiden Seiten. Wer sich nicht an der (meiner Meinung nach kaum wahrzunehmenden) Leere der Geschichte stört, wird ein Sichten nimmermehr bereuen.  OFDb

27.12.2012

THE APE (1940)

Ein wahnsinniger Wissenschaftler versucht mit seinen Experimenten einer Rollstuhlfahrerin zu helfen. Er erfindet ein Gebräu zu dessen Herstellung er menschliche Opfer benötigt. Eines Tages steht ein Gorilla in seinem Labor, der aus einem Zirkus ausgebrochen ist...

Ein wissenschaftliches Affentheater...
 
Im Bereich Grusel und Horror gab es immer wieder sehr naive Filmchen, und „The Ape“ ist ein solcher Vertreter der frühen 40er Jahre. Die Geschichte ist so simpel, die Dramaturgie so plump und der Überraschungseffekt mit dem Clou am Schluss so vorhersehbar und doch wie eine angebliche Überraschungs-Überrumpelung für den Zuschauers inszeniert, dass es fast weh tut.

„The Ape“ hat fast was von einem Edgar Wallace Grusel-Krimi, nur in schlechter Machart. Die Story ist so banal, dass sie eigentlich besser in die 60er Jahre gepasst hätte, wo Trash in den Kinos Alltag wurde. Das komplette Werk ist naiv umgesetzt, was sich z.B. in den verräterischen zwei Fortbewegungs-Arten des Affen zeigt, nach deren Sichten keinem mehr der finale Clou unbekannt sein dürfte.

Trotz der kruden Story ist "The Ape" ein heile Welt-Film. Das Finale mit tragischem Geschehen wird fröhlich erzählt. Der Sterbende lächelt, er stirbt in der Gewissheit sein Ziel erreicht zu haben. Der letzte Mord wäre gar nicht mehr nötig gewesen. Unverständlich warum man gerade diese Tatsache nicht eine Spur morbider einsetzte.

Es gibt nur einen einzigen Moment, der halbwegs düster umgesetzt wurde. Es ist die Tötungsszene des Patienten, bzw. die, in der er erfährt, dass er nun zu Wissenschaftszwecken geopfert wird. In dieser Sequenz ist auch die Musik stimmiger als im restlichen Werk und erreicht fast eine unheimliche Stimmung. Die besagte Melodie kann auch im späteren Einspielen punkten, wird aber leider nicht mehr durch passende Szenen unterstützt.

Neben der banalen Story wirken auch die Schauspieler etwas arg blass. In den 40ern waren selbst plumpe Filme immer noch brauchbar besetzt, so verstanden auch hier alle Beteiligten ihr Handwerk. Aber sie konnten dies in „The Ape“ nicht beweisen, da ihnen das Drehbuch hierfür keine Chance gab. Sowohl die Frau im Rollstuhl als auch der Sheriff, zwei der wichtigsten Rollen, sind charakterlose Figuren. Auch lustige Momente, wie das Popkornschnorren im Zirkus des Sheriffs, können den Figuren keine zusätzliche Sympathie bescheren.

Auch Boris Karloff bleibt trotz seiner häufigen Auftritte in der Rolle des Doktors völlig uninteressant. Mimisch spielt er mit halber Backe, und seine Stimme, die man doch oft wirkungsvoll eingesetzt hörte, darf hier nur einmal kurz so ertönen, wie es sich für einen Horrorfilmstar gehört. Einzig die stumme, alte Haushälterin hat einen gewissen Charme. Genau den Charme, den sich später z.B. die deutschen Edgar Wallace-Filme zu Nutze machten. Entfernt mag das skurrile Wirken dieser Person auch an die Haushälterin aus „Bis das Blut gefriert“ erinnern, auch wenn diese völlig anders charakterisiert war.

Das Drehbuch zu „The Ape“ ließ keinen großen Film zu. Zu Trashzeiten hätte ein fröhliches Happening daraus werden können. In den 40ern wurde der Stoff einfach zu moralisch und naiv umgesetzt. Trotz seines mäßigen Unterhaltungsgrades wäre eine Neuverfilmung somit sogar reizvoll. Dieser Film bietet genau den Stoff, den man, wäre er aus Wallaces Feder, in der von RTL produzierten Wallace-Reihe hätte verwenden können, um damit im Trashbereich einen Erfolg zu verbuchen.

„The Ape“ ist für den normalen Filmfreund völlig uninteressant. Man muss schon ein sehr neugieriger und vielseitig interessierter Cineast sein, um an „The Ape“ seinen Spaß zu haben. Den bekommt diese Art Filmfreund zwar nicht durch die Geschichte geboten, aber durch die mangelnde Umsetzung. Es kann, wenn ein Film so kurz ist wie der hier besprochene, interessant sein zu beobachten woran ein Werk scheitert und was man seiner Zeit gewollt hat, vielleicht sogar in kleinen Elementen erreicht hat. Wer nur unterhalten werden will braucht diesen vergessenen Gorilla nicht wieder auszubuddeln.  OFDb

13.12.2012

DER RABE (1935)

Nachdem er ihr das Leben gerettet hat, verliebt sich der ominöse Arzt Vollin in seine Patientin. Da seine Liebe nicht erwidert und vom Vater nicht gestattet ist, sinnt der Edgar Allan Poe-Fan auf Rache...

Und der Rabe war nur Raumdeko...
 
Die 30er Jahre waren eine der Hochzeiten des Horrorfilms, oder wer den Begriff gerne trennen mag: des Gruselfilms. Nicht ohne Grund verweisen Filmkritiker gerne auf jene Zeit, in der das Genre den Sprung in den Tonfilm schaffte und damit etliche Kinobesucher lockte. Neuverfilmungen klassischer Stoffe wie „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, „Dracula“ und „Frankenstein“ wurden ebenso gedreht wie erste Umsetzungen a la „Der Unsichtbare“, „Graf Zaroff“, „King Kong und die weiße Frau“ und wie sie alle heißen. Das Horrorkino dieser Zeit hatte seinen eigenen Charme und brachte auch zwei Genrestars hervor: Bela Lugosi und Boris Karloff.

Die Zuschauerreaktion deren Darstellung von „Dracula“ und dem Monster aus „Frankenstein“ dürfte auf seine Art in etwa zu vergleichen sein mit dem Hype um Freddy und Co im 80er Jahre Horrorkino. Viele finanzstarke Genrebeiträge wurden fortgesetzt, oftmals wurden Prominente ähnlich besetzt. „Der Rabe“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass das Publikum schon zu seiner Zeit seine Helden in immer ähnlichen Rollen sehen wollte. Somit ist „Der Rabe“ auch das ideale Beispiel dafür, dass es schon früh im Filmgeschäft um die schnelle Mark ging. Er ist aber auch ein Beispiel dafür, wie man für die schnelle Mark auch etwas brauchbares drehen kann.

Schon dass Poes' Gedicht für einen Film herhalten sollte, klang zunächst einmal experimentell, geschah doch letztendlich, selbst für damalige Zeit, viel zu wenig wovon man da hätte erzählen können. Die erste Halloween-Episode der Erfolgsserie „Die Simpsons“ zeigte wohl das Maximum dessen, was mit der Vorlage möglich war. Aber einen Film damit auf mindestens 60 Minuten füttern? So gut wie unmöglich! Und das dachten sich wohl auch die Köpfe hinter diesem 30er Jahre-Horror, und so machten sie das selbe wie mancher Produzent unserer Kinotage, der schnell Geld machen will: Man kaufte zwar den Namen, drehte aber etwas völlig anderes. Das machte man in den 30ern nicht ganz so respektlos wie später. Häufig fallen Zitate aus „Der Rabe“, es gibt eine Tanzinterpretation zu Poe's berühmter Schauergeschichte, und auch der Autor selbst wird namentlich erwähnt und erfährt eine kleine Vertiefung in die Geschichte integriert, wenn sich der Bösewicht des Streifens schon recht früh als großer Poe-Fan outet. Dennoch ist der Titel Augenwischerei.

Die eigentliche Geschichte schustert etwas arg naiv die beliebten Elemente seiner Zeit zusammen. Lugosi darf einen irren Wissenschaftler so mimen, als sei er „Dracula“. Karloff darf wieder das Monster mit Seele spielen, von der Gesellschaft verbannt. Bekannte Elemente aus anderen Werken Poes blitzen auf (und gerade „Das Pendel des Todes“ hat für die Geschichte wesentlich mehr Relevanz als der titelgebende „Rabe“). Rachestory aus Liebe, ein irrer Forscher der zu weit geht, kurzum badet „Der Rabe“ im Erfolgsrezept des 30er Jahre Gruselkino und macht dies gar nicht mal schlecht.

Hilfreich kommt ihm die Schlosslocation zu Hilfe, in welcher der Großteil der Geschichte spielt. Die Maske Karloffs ist etwas schlicht umgesetzt, überraschender Weise ist sie aber auch nicht wirkungslos, was aber auch an Karloffs Spiel liegt. Seine tragische Mimik in der einen Gesichtshälfte verhilft der etwas banalen Maske der anderen Gesichtshälfte zur Entfaltung. Seine Figur macht ohnehin viel am Gelingen des Filmes aus, ist sie doch tragischer Natur, und obwohl sie zu recht ein gesellschaftlicher Außenseiter ist, so zeigt sie doch Reue und den Wunsch nach Besserung in einer Welt, die dies einfach nicht zulässt. Wenn der hässliche Mann erst einmal zum wirklich hässlichen Monster geworden ist, erfährt er Ablehnung allein durch sein Aussehen, ohne Kenntnis seiner bösartigen Vorgeschichte. Das ist simple Psychologie, aber soviel Ablehnung führt nun einmal zum Hass. Wie Freut so schön sagte richtet man sie entweder gegen sich oder gegen andere, und Karloffs Charakter aus „Der Rabe“ richtet sie gegen andere. Nur nicht gegen den, wo es ihn am meisten nach Rache dürstet: dem bösen Arzt.

Dass Lugosi auch in vergleichsweise schwächeren Produktionen noch immer spielte, als ginge es um Leben und Tod, hat er spätestens in den unfreiwillig komischen Produktionen Ed Woods bewiesen. Lugosi hat eine unglaubliche Ausstrahlung, und wenn er völlig überzogen den irren Forscher spielt, der mal wieder einen seiner Hass-Rache-Aussetzer erlebt, dann glühen die Augen (unterstützt von Fremdhilfe), dann arbeitet er mit den Augenbrauen und jedem Muskel im Gesicht, um dieses Diabolische beim Zuschauer ankommen zu lassen. Bei all dieser Genialität (vielleicht auch das Gegenteil wegen der zu überzogenen Art, Auslegungssache) muss man dennoch objektiv lästern: Und trotzdem nur wieder das Übliche aus „Dracula“.

Womit wir wieder beim Thema wären. „Der Rabe“ wurde für die schnelle Mark gedreht, kopiert Erfolge wo er sie nur kopieren kann, arbeitet dafür mit einer arg naiven Geschichte, die wie auf die Schnelle zusammengeschustert scheint und wahrscheinlich auch ist. Aber die Rechnung geht auf. „Der Rabe“ versprüht einen ähnlichen Charme wie die großen Filme seiner Zeit, weiß zu gefallen dank positiver Darsteller, nettem Grusel-Flair und seinem Schuss Tragik, der zu dieser Zeit ohnehin in einen Gruselfilm hinein gehörte.

Auch wenn der Name lediglich Etikettenschwindel ist, so ist dieses Werk doch wirklich weiter zu empfehlen, dank seiner dichten Atmosphäre und stimmigen Umsetzung. Wegen der blauäugigen und etwas arg lieblos zusammengeschusterten Story muss man allerdings ein Auge zudrücken. Aber das fällt bei solch hoher Qualität nicht schwer. Damals gab man sich halt auch bei Schund Mühe.  OFDb