Posts mit dem Label Robert Carlyle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Robert Carlyle werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

07.08.2025

Größenwahn, Rivalitäten, Geiz und Eitelkeit - Kurzkommentare (6)

 

Hitler - Aufstieg des Bösen (2003)

Man bekommt in diesem Zweiteiler aus je 90 Minuten zwar den Eindruck, dass die Privatperson Hitler etwas arg dämonisch interpretiert wird, gerade zu Anfang, wenn man eine Art Damien aus den "Das Omen"-Filmen vorgesetzt bekommt, das schleichende Erobern der Macht, die Intrigen, der Werdegang, das Zusteuern Deutschlands auf eine Katastrophe, die Redegewandtheit des Verführers, die kranke Weltsicht, all das wirkt derart bedrohlich, warnend (auch für heutige Probleme) und frustrierend, dass man dem chronologisch korrekt recherchierten Werk diese Schwäche verzeiht, zumal "Der Untergang" diesbezüglich Korrekturarbeit leistete und die hier aufgezeigten, oftmals selbstverschuldeten Schicksale während Hitlers Aufstieg, einen wahrlich nicht kalt lassen.  Wiki

 

Was geschah wirklich mit Baby Jane? (1962)

Die geniale Bette Davis überzeugt mit ihrem Mut zur Hässlichkeit ebenso wie durch ihr reflektiertes Spiel einer komplexen Rolle. Das Drehbuch geht schleichende, nicht immer subtile Wege, überrascht ab und an mit einem Hauch Komik inmitten einer ohnehin grotesken Darbietung der Ereignisse und hält sich die größte Überraschung in diesem nicht an Dramatik mangelnden Thriller für den Schluss auf, so dass alles einen anderen Blickwinkel erhält. "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" ist große Kinokunst zum immer wieder neu Entdecken und gehört für Cineasten meiner Meinung nach zum Pflichtprogramm.  Wiki  

 

Vater der Braut (1991)

Die Erstverfilmung ist mir unbekannt, unabhängig von dieser funktioniert die Steve Martin-Version trotz frontal angesteuertem Kitsch jedoch erstaunlich gut, vielleicht weil dieser so süß das Vatersein widerspiegelt/persifliert, vielleicht weil er nicht zu penetrant aufbauschend unter die andere Rezeptur gemischt wurde, die Familienkomik und Albernheiten wunderbar vereint und Steve Martin innerhalb eines Mainstreamproduktes genügend Freiraum für seine Kunst lässt. Der heimliche Star ist jedoch Martin Short, so dass es nicht verwundern darf, dass dessen Rolle für die ebenfalls gelungene Fortsetzung vergrößert wurde. Ein herrlicher Gastauftritt von Eugene Levy rundet das Ganze als Revue talentierter US-Komiker wunderbar ab. Von Kieran Culkins Talent bemerkt man hier hingegen noch nichts.  Wiki  

 

Death Proof - Todsicher (2007)

Er ist dafür bekannt und ich mag sie eigentlich auch, die langen Dialogszenen in Tarantino-Filmen. Diesmal wirkt diese Pflichtzutat jedoch nicht immer, wird sie in der ersten Hälfte doch schlichtweg zu penetrant zum Zeitvertrödeln eingesetzt, wenn auch nicht frei von Charaktervermittlung und Pointenstärke. Die Actionmomente funktionieren hingegen umso mehr, zumal sie auf kranken Ideen fußen. Ob ins wahre Antlitz des Schurken und seiner perversen Neigung blickend, oder sich psychologisch simpel am Racheakt vergnügend, der überraschend ausgeflippt inszeniert wurde, hier besitzt "Death Proof" seine Stärke und beweist mit einer schnellen Beendigung des Films nach erfolgreichem Durchziehen von Punkt 2, dass er sich seines eher oberflächlichen Stoffes definitiv bewusst ist. Wie soll es auch anders sein, bei einer Liebeserklärung an die schnell abgedrehten Autokino-Reißer?  Wiki

 

FCK 2020 - Zweieinhalb Jahre mit Scooter (2022)

Man muss kein Scooter-Fan sein, um Gefallen an einer Doku zu finden, die sich im späteren Verlauf zwar etwas arg auf eine Konzert-Tour konzentriert, vorher aber authentisch ungeschönte Einblicke ins Privatleben des Frontmannes H.P. Baxxter wagt, den Werdegang der Band aufzeigt, sowie Einblicke in die Studioarbeit gewährt und außerdem zum Corona-Zeitzeugnis wird. Zwischen arrogant und lustig pendelt das Ganze hin und her, mal herrlich menschlich subjektiv reflektiert, mal eine Szene voll von Selbstüberschätzung und falscher Schwerpunkte präsentierend. Ob gewollt oder nicht, dieser Mix sorgt für die nötige Unterhaltung und bildet damit eine Brücke zur Musik der Band, die auf ähnliche Art funktioniert, sofern man sich ihr nähern kann.  Wiki  

18.04.2021

T2 TRAINSPOTTING (2017)

Eine Fortsetzung von "Trainspotting" hat es sicherlich nicht gebraucht. Und da der Streifen definitiv zu den besten Filmen gehört, die überhaupt je das Licht der Leinwand erblickten, darf man zurecht erst einmal kritisch bezüglich einer solchen sein. Aber verdammt, was bereitet die Rückkehr Freude, und was ist sie, trotz dessen dass sie ohnehin nicht an die Qualität des Originals heran reichen kann, doch hochwertig ausgefallen. Mit den selben Darstellern und den selben Verantwortlichen für Drehbuch und Regie an Bord macht man sich, ähnlich wie seinerzeit "Psycho 2", die lange Zeit zwischen beiden Filmen zunutze. Man ignorierte, abgesehen von einer Erwähnung des Wohnortes Amsterdam, das Fortsetzungsbuch der Print-Vorlage und lässt selbstbewusst fast einzig das Zusammentreffen der ehemaligen Kumpels für sich allein wirken. Den Rest erledigen die uns bekannten und sich weiter entwickelten Charaktere. Es vereinen sich Nostalgie, Comichaftigkeit und Realitätsreflexion in sich austauschbar anfühlenden, episodischen Ereignissen zu einem energiegeladenen Erlebnis, in welchem gerade der Begbie-Aspekt zu einem explosiven Zündstoff wird und einen Spannungsbogen bereit hält, der es gekonnt versteht den Zuschauer nervös zu machen. 

Vielleicht gibt man sich etwas zu viel der Versuchung hin ehemalige Momente wieder aufleben zu lassen, letztendlich bildet die "Sag ja zum Leben"-Sequenz jedoch den einzigen Tiefpunkt des Streifens, während vergleichbar bemühte Momente tatsächlich emotional zu greifen wissen. Ohnehin ist "Trainspotting 2" (Alternativtitel) ein gelungener, mit Teil 1 kompatibler, Filmgenuss, in welchem sich erneut gekonnt Drama und Komik die Hand geben, und ein Drehbuch, dem Charakternähe wichtig ist, beweist, dass es keiner großen Geschichte bedarf, um Großes abzuliefern. Der immer mitwehende Comic-Touch verhindert, das Unglaubwürdigkeiten, wie die Tatsache dass jemand wie Spud noch lebt, negativ greifen und verwandelt derartiges sogar in Pluspunkte, die mit den ernsten und realistischen Tönen der Chose harmonieren. Einzig der plumpe Versuch Begbie bei gemeinsamen Erinnerungen als ehemaligen, fast gleichaltrigen, Schulkamerad Rentons zu positionieren, will aufgrund des zu enormen Altersunterschiedes auch inmitten schräger Erlebnisse, Ansichten und Reflexionen nicht greifen und bildet somit den einzig unglaubwürdigen Moment. 

Aber das verzeiht man gerne, sprudelt "T2 Trainspotting" von Beginn an doch geradezu vor besonderen Momenten. Ob es die unerwartete Live-Darbietung eines spontanen Songs ist, Spuds Problem mit der Sommerzeit, Begbies Fluchtvorbereitungen im Knast, das Toiletten-Zusammentreffen der beiden Kontrahenten, Simons Wiederkehr am Schluss in den Pub, die bitteren Erinnerungen am ehemaligen Wanderort, Begbies Potenzprobleme, "Trainspotting 2" hält den Zuschauer stets mit interessanten und aufwühlenden Erlebnissen auf Trab, bleibt dabei meist auf erstaunlich hohem Qualitätsniveau und lebt meist von gut funktionierenden Dialogen und der Charakterstärke seiner Figuren, sowie dem Charisma und dem Talent seiner Darsteller. Stilistisch setzt man auf die Optik und den musikalischen Stil des Originals, jedoch nicht ohne auch diesen mit neuen Ansätzen zu erweitern. Und so darf es am Schluss verwundern, dass ein Film mit derart unauffälliger Handlung und unglaublich vielen Verweisen und Fortführungen damaliger Ereignisse, sich derart frisch, innovativ, qualitativ und unterhaltsam schaut, so dass man ihm mit vollem Herzen seinen von nun an festen Platz neben dem unerreichten ersten Teil gönnt. Mit solch einem großen Ergebnis, welches ebenfalls zum Immerwiedersehen einlädt, habe ich wahrlich nicht gerechnet.  OFDb

24.12.2012

28 WEEKS LATER (2007)

Nachdem die Seuche beendet ist wird London neu besiedelt. Doch die Menschen haben sich zu früh gefreut. Die Seuche bricht wieder los, und die Einwohner sind umzingelt von Infizierten und Soldaten, die den Befehl haben alles zu töten was sich bewegt. Unter den Eingesperrten befindet sich ein Kind, das immun ist. Eine Wissenschaftlerin versucht es zu retten...

Wenn Faszination und Augenverdrehen sich vereinen... 
 
Wenn es um die Fortsetzung von „28 Days Later“ geht, sind die Fans völlig verschiedener Ansicht. Das ist auch sehr verständlich, immerhin schwankt „28 Weeks Later“ zwischen Logiklücken groß wie der Grand Canyon und Spannungsmomenten, die einen an den Fingernägeln kauen lassen. Was kann man ignorieren, was wird durch die Fehler zerstört? Eine Frage die sich nur jeder selbst beantworten kann, ich für mich tu es auf folgendem Weg:

Beginnen wir mit den negativen Elementen, die schon mehr als bloßes Augenzudrücken von einem abverlangen. Da wird England wieder neu besiedelt, mit der Gefahr eines erneuten Ausbruchs im Nacken. Das heißt, dass strengste Vorsichtsmaßnahmen gelten und man sich keine Fehler erlauben darf. Und trotzdem bekommt ein oller Hausmeister Schlüssel zu wirklich jedem Bereich, ja sogar zu dem ganz schwer zugänglichem Labor, das zudem mau bewacht wird, selbst wenn man sich dort einen Infizierten hält. Da kann man sich schon ernsthaft an den Kopf fassen.

Und wenn aus unserem Hausmeister ein Infizierter geworden ist, dann werden unsere Helden, die seine Kinder sind, im Laufe des Filmes auch immer wieder auf ihn stoßen. Das nervt schon bei den ersten zwei Malen, aber spätestens in der U-Bahn ist ein erneutes Treffen nur noch peinlich zu nennen. Und unlogisch durch das Szenario drum herum ist es sowieso, zumindest ist die Wahrscheinlichkeit mit den Informationen, die dem Zuschauer am Rande gegeben werden, sehr gering.

Grenzbereiche zwischen unlogisch und möglich sehe ich 1. in der Art des Eingeschlossenwerdens beim erneuten Ausbruch der Seuche, 2. im Schonen der Menschenleben zu Beginn des Ausbruches und 3. in dem Ausflug der Kinder in den illegalen Bereich Englands.

Zu letzterem könnte man argumentieren, dass das Militär vielleicht deswegen dort grobe Absicherungsmängel aufkommen ließ, weil keiner mit purer kindlicher Leichtsinnigkeit gerechnet hat. Vielleicht ist man bei den Vorkehrungen einfach zu sehr vom erwachsenen Verhalten ausgegangen, zumal Kinder im neubesiedelten England ohnehin noch die Seltenheit sind. Das wäre ein sehr dünner Erklärungsansatz, aber kein unwahrscheinlicher, wenn man auch einmal bedenkt, wie hohl amerikanische Soldaten von ihrer eigenen Regierung gehalten werden. Wer den ein oder anderen Michael Moore-Film gesichtet hat, oder gar Menschen vom deutschen Militär kennt, die in Auslandseinsätzen auch mal auf Amis stoßen durften, wird verstehen was ich meine. Bei diesen Leuten fehlt der geringste Ansatz von eigenständigem Denken. Das würde eventuell auch dieses uns so blödsinnig vorkommende, improvisierte Einsperren beim Ausbruch der Seuche erklären. Wurde da denn nicht vorrausgeschaut? War man so vom Erfolg geblendet, dass für eine derartige Ausnahmesituation nicht etwas besseres geplant war, um die Menschen zu schützen/aus dem Weg zu räumen (wohl eher letzteres)? So dämlich das amerikanische Militär auf der einen Seite auch ist, ich denke im tunnelblickorientierten Planungsbereich wäre ihnen ein solcher Fehler nicht passiert.

Der zweite Punkt, die Menschenleben beim Seuchenausbruch zunächst zu verschonen, ist einer, bei dem jeder für sich überlegen muss, ob das realistisch ist oder nicht. Er wird meines Erachtens damit wieder wett gemacht, dass die Entscheidung, nun doch auf alles zu schießen was sich bewegt, der ersten ethisch anständigen Maßnahme recht flink folgt. Das hat etwas von einem Süchtigen, der für einige Sekunden versucht das richtige zu tun, um dann doch wieder ins alte Muster zurückzufallen.

Wie eben erwähnt ist man beim amerikanischen Militär nicht gerade mit individueller Entscheidungs- und Gedankenkraft gesegnet. Das gibt den ersten Punkt für die positiven Seiten von „28 Weeks Later“. Denn wo in Teil 1 die Gefahr lediglich von den Infizierten ausging (was hier nun harmloser klingt als es wirklich war) sind die Protagonisten der Fortsetzung nun eingekesselt von zwei Fronten: Auf der einen Seite die Infizierten, auf der anderen Seite die Soldaten.

Ohne einen Verräter von Seiten des Militärs aus, hätten sie überhaupt keine Chance. Aber auch mit ihm ist alles sehr hoffnungslos. Wohin soll man fliehen, wenn man genau davon abgehalten wird? Eine wunderbar böse Situation! Das Militär stellt keine Fragen und macht keine Kompromisse. Da wird jeder ermordet, auch wenn man Infizierte leicht von Nichtinfizierten unterscheiden kann. Aber auch die Soldaten haben hier keinen Spaziergang vor sich. Natürlich muss man beachten, dass auch sie in einer Extremsituation sind. Und in einer solchen hört man auf Befehle, das eigenständige Denken steht als Alternative nicht zur Verfügung.

Zudem gibt uns der Film selber die Antwort darauf, was denn passieren würde, wenn man aus ethisch korrekten Gründen nicht logisch radikal handeln würde. Immerhin ist das böse Ende der Aufopferung derer zu verdanken, die glaubten das richtige zu tun, in dem sie ein infiziertes Kind retten wollten. Die Natur tickt nun mal nicht nach menschlicher Denkweise, so schade es auch ist. Fressen und gefressen werden ist das Gesetz der Natur. Und wer mit dem Feuer spielt muss damit rechnen sich und anderen weh zu tun.

Damit erzählt der Film von einem bösen Weltbild, was von vielen Seiten wahrscheinlich fälschlicher Weise als faschistisch angesehen wird (so wie ein „Starship Troopers“), anstatt als provokative Denkanregung zum Hinterfragen der menschlichen Natur.

Wenn es darum geht das Kind zu retten, was beim Zuschauen nachvollziehbar und ärgerlich zu gleich ist, spielt aber noch ein anderer Faktor außer ethischer Gesichtspunkte mit, nämlich von der Seite der Forscherin aus das blinde, fast religiöse, Verhältnis zur Wissenschaft. Um Millionen zu retten, soll das gefährliche Kind gerettet werden. Man nimmt einen sehr wahrscheinlichen erneuten Ausbruch der Seuche in Kauf, für den unwahrscheinlichen Fall bei einem erneuten, nicht durch Wissenschaftler verursachten, Ausbruch ein Gegenmittel zu haben. Das blinde Vertrauen immer alles im Griff zu haben, trifft also nicht nur auf das sture Militär zu, sondern auch auf die leichtsinnigen und in solchen Fällen nur theoretisch intelligenten Wissenschaftler. Dass sich beide Parteien gar nicht so unähnlich sind zeigte ja auch bereits „Zombie 2“.

Das großartige in dieser Erzählung ist also die Fragwürdigkeit aller (!!!) Beteiligten, gemixt mit der bösartig klingenden Frage, ob in solchen Extremsituationen tatsächlich das ethisch korrekte Verhalten weichen muss. Wenn es nach den beiden 28-Teilen und der Romero-Zombie-Reihe geht, heißt die Antwort ja. Romeros Antwort und „28 Days Later“ sind etwas provokativer, da sie vom Normalbürger ausgehen, in einer Welt, in der nur noch die fragwürdigsten Menschen überleben können, bzw. die wenig sympathischen auch zu solch fragwürdigen Individuen mutieren. In der 28-Fortsetzung ist es das Militär, das auf sozial korrektes Verhalten verzichtet, halt so wie man es dort für den Extremfall gelernt hat.

Eine interessante sozialkritische Aussage bleibt das ganze dennoch. Teil 4 von Romero scheiterte in diesem Punkt völlig, obwohl die drei Vorgänger gerade darin ihren Trumpf hatten. Die 28-Reihe folgt der Grundlage der sozialkritischen Erzählweise dieser ursprünglichen Trilogie lobenswerter Weise, obwohl das moderne Kino kaum noch darauf ausgerichtet ist. Und die 28-Reihe führt die im Ansatz bei Romeros Reihe genannten Punkte weiter, man bleibt also nicht auf der selben kritischen Stelle sitzen. Das macht die 28-Filme zu dem, was man sich eigentlich von Romeros Teil 4 erhofft hatte.

„28 Weeks Later“ baut mit der Anwesenheit des amerikanischen Militärs ein aktuelles Thema ein, das in vielschichtiger Art ebenso zum Diskutieren anregt, wie seinerzeit die Thematik eines „Zombie“. Das gibt dem Film, trotz vieler logischer Ärgernisse, ein gewisses Niveau.

Und dies ist das unglaubliche an dem Film: Wie kann es sein, dass ein Thema derart richtig angegangen wird, und sich gleichzeitig so grobe Idiotien ins Drehbuch einschleichen konnten? Waren Themengeber und Drehbuchschreiber getrennte Personen? Und durfte der Themengeber, wenn es so war, das fertige Drehbuch nicht kritisch durchlesen, bevor es verfilmt wurde? Ich wüsste zu gerne die Antwort darauf, denn diese unausgegorene Umsetzung ist für mich unbegreiflich.

Da stehen sie sich nun gegenüber: tapfere, moderne und intelligente Kritik und Punkte, die blödsinniger kaum sein könnten. Stände diese Tatsache für sich allein, wäre das Ergebnis irgendwo im Mittelmaß einzustufen, aber es gibt da ja noch andere wichtige Bereiche, die beachtet werden müssen. Und als erstes wäre hier ganz klar der Spannungsbereich zu nennen.

„28 Weeks Later“ ist ein hochspannender Film geworden. Seine Stärke beweist er direkt in der ersten, recht langen Szene, die noch zu Zeiten des ersten Teils spielt. Sie ist nervenkitzelnd umgesetzt, und so wie es den weiteren Film auch über bleiben soll, hervorragend gefilmt. Schnitt, Kamera, Farbfilter, was auch immer, es stimmt. In einigen Szenen kann man über zu verwackelte Bilder klagen, in denen die Infizierten kaum erkennbar sind. Im Gegensatz zu einem „Resident Evil 2“ oder dem Steve Miner-Remake „Day Of The Dead“ wird allerdings nicht nur auf diese Art gearbeitet.

Spannend bleibt es natürlich auch nach der Eingangssequenz, auch wenn nun erst einmal die Story beginnen muss, und die Spannung dementsprechend pausiert. Nun mag es dem ein oder anderen negativ auffallen, dass die Story, Zielpublikum sei dank, diesmal aus der Sicht zweier junger Menschen erzählt wird. In Teil 1 gab es noch eine erwachsene Besetzung. Zum Szenario von Teil 2 passt diese Entscheidung allerdings wunderbar. Und die Zusatzthematik, einer natürlichen Abwehr gegen die Seuche, kann mit einem Kind als Wirt auch wesentlich effektiver nachgegangen werden.

Noch bevor es zum Ausbruch der Seuche kommt, wird es wieder spannend. Die Reise der zwei Kinder/Teens ins Ungewisse, sprich in die Gegend hinter der Absperrung, sorgt für ein Unwohlsein (erst wegen der bröckelnden Logik, später aus atmosphärischen Gründen), da man hinter jeder verrotteten Ecke einen möglichen überlebten Infizierten erwartet. Irgendwann kommt es schließlich zum unvermeidlichen Ausbruch, und da mischen sich nun Action und Spannung, werden zu einem gut eingespielten Team, und je nach Nutzen gönnt sich die Action hin und wieder eine Pause und überlasst der Spannung den Hauptteil der Arbeit.

Ein solcher Moment ist beispielsweise die Szene, in der man in den düsteren U-Bahnschacht hinabsteigt. Die Raffinesse dieser Sequenz liegt mitunter darin einige Szenen durch ein Nachtsichtgerät gezeigt zu bekommen, das an der Waffe eines Soldaten befestigt war. In der vollkommenen Dunkelheit kann man nun über dieses Gerät die Leichenberge sichten, über die unsere Helden auf ihrer Flucht drüber steigen müssen. Es ist immer die Gefahr im Nacken, mit dieser Art der Optik einen Infizierten zu spät zu sehen und das beste: Nur einer der Beteiligten hat ein solches Nachtsichtgerät und muss den Rest der Gruppe durch das vollkommene Schwarz lotsen. Das ist unglaublich spannend.

Das beste Beispiel für eine gelungene Szene, in der Action und Spannung toll zusammenarbeiten, ist die Autofahrt quer durch die Stadt, in der immer mehr Straßen giftgasgesäubert werden. Da heizt das Auto nun herum, sucht immer wieder Straßen, die noch nicht befallen sind, um irgendwann aussichtslos natürlich dennoch in einer Giftgaswolke zu landen. Ja, da kann ich die Kritiker verstehen, welche die hier wieder aufkommenden Unlogiken ankreiden (z.B. das simple Tuch vor den Mund zum idealen Schutz, selbst beim Aussteigen aus dem Auto), aber ich fand diese Szene so unglaublich spannend, dass ich da gerne mal auf Logik verzichtet habe.

Ja, und so sieht es nun mit „28 Weeks Later“ aus. Eine Empfehlung kann man aus all den hier beschriebenen Fakten nicht aussprechen. Selten standen sich logische Ärgernisse und spannendes/intelligentes Kino in einem einzigen Film so nah gegenüber wie hier. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er die vielen positiven Elemente gut heißen kann, wenn doch so viel Idiotie herrscht. Zwar sind die unangenehmen Elemente deutlich in der Minderheit, kommen dafür aber leider in entscheidenden Punkten zum Vorschein, gerade in den Eckpfeilern, welche die Story tragen müssen.

Ich persönlich fühlte mich dennoch bestens unterhalten, eben weil die Pluspunkte nicht nur im Unterhaltungsbereich lagen, sondern auch in der gesellschaftskritischen Umsetzung einer Thematik, die man auch plumper, auf dem Niveau eines „I Am Legend“, hätte umsetzen können.  OFDb