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19.05.2023

HALLOWEEN - H20 (1998)

"Scream" hatte frisch das Genre des Slashers wieder aufleben lassen, da entschied man sich auch den Ur-Vater dieser Gattung Horrorfilm fortzusetzen, 20 Jahre nach dem Original. Und was soll man sagen? Meiner Meinung nach ist dabei die beste Fortsetzung von Carpenters Original herausgekommen, meisterlich inszeniert von Steve Miner, der bereits mit "Freitag der 13. 2" und "Freitag der 13. 3" bewies, dass er diese Art Film beherrscht. Und ihm gelingt etwas, das wahrlich zu beeindrucken weiß, er bekommt den alten Stil und den seinerzeit modernen gekonnt miteinander kombiniert und konnte damit sowohl die alte Generation Horrorfan, als auch die neue zur Entstehungszeit als Zuschauergruppe gewinnen. Dabei spielen die Teenager gar nicht mal eine solch große Rolle, im Vergleich zur Erwachsenenriege. Und ob heute noch Kids mit dem Ergebnis zu locken wären, sei ohnehin einmal dahingestellt, denn "Halloween H20: 20 Years Later" (Originaltitel) lässt sich Zeit. 

Nach einer intensiven Eingangssequenz, folgt während des Vorspanns eine nostalgisch anmutende Erklärung dessen was Michael ist, damit auch Nichtkenner der Materie mit an Bord geholt werden können. Und dann lässt sich das Drehbuch viel Zeit. Wir lernen die Figuren kennen, erfahren was aus Laurie wurde und wie sie mit den Geschehnissen von einst umging. Und erst wenn sie beginnt zu verstehen, warum Michael ausgerechnet in dieser Nacht nach 20 Jahren auftauchen wird, beginnt das nervenkitzelnde letzte Drittel, das sämtliche Spannungsfäden gekonnt zieht. Dass das Ganze vorher und in dieser Phase trotz bereits bekanntem Muster so derart gut funktioniert, liegt daran, dass das Familiendrama derart intensiv mitschwingt. Mag manches Problem zwischen Mutter und Sohn auch aufgesetzt wirken, das Dilemma zwischen Bruder und Schwester wirkt umso mehr, gerade in den zwei Momenten, in welchen Laurie und Michael sich Auge in Auge gegenüber stehen. Hier herrscht ein Hoch der Gefühle. Selten erlebte die Reihe derart intensive und gleichzeitig psychologisch intelligente Sequenzen wie hier. 

Augenzwinkernd zur Familienthematik treffen Mutter und Tochter aus dem wahren Leben, Jamie Lee Curtis ("Halloween") und Janet Leigh ("Psycho"), aufeinander, inklusive Wortspielerei diesbezüglich und einem versteckten melodischen Zitat aus Hitchcocks Werk, welches neben den italienischen Gialli als cineastischer Vorreiter des Slasher-Genres gilt. Damit an Anspielungen nicht genug: während in "Scream" "Halloween" als Ehrverbeugung im Fernsehen laufen darf, revanchiert man sich im hier besprochenen Werk mit Cravens Slasher im TV. Trotz solch augenzwinkernder Spielereien ist "Halloween 7" (Alternativtitel), der "Halloween 2" fortsetzt und die Teile 4 bis 6 dementsprechend ignoriert (Teil 3 handelte nicht von Michael Myers), ein waschechter Horrorthriller, der nicht wie "Scream" das Sub-Genre ironisch aushebelt, sondern es ein weiteres Mal auf klassische Art serviert. Es ist schön dass dabei nicht eine x-beliebige Fortsetzung entstanden ist, mit original Darstellern von einst an Bord (wie leider mehrfach in der "Terminator"-Reihe geschehen), sondern eine durchdachte, erzählenswerte und konsequente Geschichte, welche die Ereignisse von einst zu Ende erzählt und hintergründig, wie vordergründig das Gesamtwerk abrundet und bereichert. 

Um dies zu unterstreichen, setzt man einen finalen Punkt, der nicht fortzusetzen ist, was mit "Halloween - Resurrection" zwar dennoch geschehen ist, aber nur unter hanebüchenen Ausreden. Die Geschichte ist zu Ende erzählt, und sie würdigt die Straude-Figur weit mehr, als die "Halloween"-Trilogie, die 2018 ebenfalls mit Jamie Lee Curtis an Bord startete und hierfür alle Teile außer den Originalfilm Carpenters ignorierte. Wer sich nicht die kompletten Filme dieser unübersichtlich gewordenen Kino-Reihe geben will, ist mit den ersten beiden Werken und dem hier besprochenen gut bedient. Mag auch "H20" (Alternativtitel) nicht an den genialen ersten Auftritt Myers' heran reichen, er ist dennoch eine hervorragende Fortsetzung, die all das bietet, was man sich von einem guten "Halloween"-Film erhofft - außer man ist nur auf eine Schlachtplatte aus. Für ein derart primitives Ziel ist er viel zu anspruchsvoll ausgefallen und funktioniert dennoch als Unterhaltung- anstatt als Pseudo-Arthouse-Film.  Wiki

21.10.2012

30 DAYS OF NIGHT (2007)

30 Tage lang wird in Darrow, einer Stadt in Alaska, die Sonne nicht scheinen. Das ist für die Einwohner nichts ungewöhnliches. In diesem Jahr kommt sie jedoch der Horror besuchen: Vampire nutzen die monatlange Nacht für eine Blutorgie...

Kampf der Russenmafia...
 
...so hätte ich diesen Streifen genannt, denn genauso wirkte der Clan Vampire auf mich, der hier der sehr guten Idee nachgeht, Alaska unsicher zu machen, in der Zeit, in der 30 Tage lang die Sonne nicht aufgehen wird.

„30 Days Of Night“ ist die Verfilmung eines Comics. Ich kenne es nicht, vermute aber mal anhand der Bilder, die dem Filmfreund hier vorgesetzt werden, dass in der Verfilmung einiges optisch von der Printmedie übernommen wurde. In diesem Bereich gibt es nämlich nur wenig zu klagen. Im Gegenteil, zunächst ist man fasziniert von den Bildern, die einem vorgesetzt werden. Der Farbton stimmt, die Fotografie ist hervorragend, die Computeranimation drängt sich als solche nicht auf, die Location ist stimmig. Das sorgt für eine gute Grundatmosphäre, stimmt zu Beginn in den Film ein und erhöht die Erwartungshaltung.

Gerade die Fotografie ist der Punkt, der es am wenigsten verdient hat, in Actionszenen durch unnötiges und nerviges Geruckel vergewaltigt zu werden. Aber genau dies passiert. Da zuckt die Kamera und man fragt sich, aufgrund der restlichen Optik: warum? Wie kann man nur so blöde sein und sein (bis hier hin nur bildlich betrachtetes) Werk derart zerstören? Kehrt Ruhe ein, so sind auch wieder die schönen Bilder zu bestaunen, der Optimismus des Zuschauers kehrt jedoch nicht mehr zurück. Nach der ersten Ruckelszene ist klar, dass das filmische Erdbeben nun in jeder Szene wiederkehren wird, in der die Post abgeht. Und da wir uns in einer Großproduktion des modernen Unterhaltungskinos befinden, wird es davon noch genug geben.

Bleiben einem immerhin noch die schönen ruhigen Bilder. Und einen Film muss das Ruckel-Manko auch nicht komplett kaputt machen, das sieht man ja auch an Genrevertretern wie „28 Weeks Later“. Bleiben wir noch kurz bei der Optik: Die Vampire sehen toll aus. Ihre spitzen Zähne wirken monströs, ihre Bewegungen sind schnell, ihr Outfit ist gelungen. Wie oben erwähnt wirken sie aber einfach wie eine olle böse Russenmafia. Manchmal sind sie etwas zu krampfhaft auf cool getrimmt und ewig hängen sie im Grüppchen zusammen. Es kommt selten vor, dass ein Vampir auch einmal alleine einer blutigen Tätigkeit nachgeht.

Das verwundert gerade in einer der finalen Szenen. Um jemanden zu retten, legt sich der Held mit den Vampiren an. Die zu rettende Person hat sich versteckt, er soll die Blutsauger ablenken, damit sie flüchten kann. Wenn der Held nun vor der Gruppe Vampire steht ruft er der Hilfsbedürftigen zu, sie solle nun laufen. Eigentlich vermutet man nun, dass dieser völlig unnötige und besonders dumme Fehler bestraft wird. Aber nein! Keiner der Vampire schnappt sich die Frau, lieber bleiben alle beisammen und starren auf den menschlichen Störenfried. Der Fehler der Hauptperson wird damit zum Fehler des Drehbuchautors, und der hat es wirklich drauf.

Es ist zwar schön zu sehen, dass der Autor auch Figuren das Filmende erleben lässt, die man als spätere Opfer angesehen hat, umgekehrt ist anhand der restlichen Figuren dennoch schnell klar, wer wann ungefähr ins Gras... pardon... in den Schnee beißen darf. Und soviel ist klar, unsere unsympathische Heldin wird es nicht sein.

Da haben wir wieder eine dieser Hauptrollen, die sich völlig widerlich und egoistisch verhält, vom Autor aber scheinbar gar nicht so gedacht ist, sondern als Sympathiefigur eingebracht wird. Damit kann sie Blondi aus „Dawn Of The Dead“ fröhlich die Hand reichen.

Der Charakter Hartnetts ist da schon etwas angenehmer, aber auch nur im Vergleich. Auch sein Verhalten ist recht fragwürdig, auch auf die gegebene Grundsituation gesehen. Zudem ist der an sich sonst äußerlich so individuell wirkende Hartnett von der Maske ziemlich gewöhnlich zurecht gemacht worden. Das ist sicherlich so gewollt, je später der Film und je weiter der Bart, desto mehr verwandelt sich Hartnett allerdings in einen Tom Cruise-Klon. Ist schon lustig: Die einen werden Vampire, der Held wird Cruise. Hmmm... zu wem soll man bei dieser Auswahl halten?

Aus der Idee 30 Tage lang von Vampiren belagert zu werden, wurde recht wenig gemacht. Man hat das Gefühl, dass das ganze Geschehen ebenso unter normalen Bedingungen hätte stattfinden können. Glaubwürdig ist das ganze auch nicht umgesetzt. Angeblich soll der Zuschauer akzeptieren, dass in der Mittelphase keiner der Vampire tagelang auf die Idee kommt, noch mal ins Polizeipräsidium reinzuschnuppern, wo sich unsere Überlebenden verstecken. Die Vampire werden als intelligent dargestellt. Und wenn es tagelang nichts zu futtern gibt, und man Überlebende vermutet, dann stöbert man nach dem Imbiss auch da nach, wo man Tage zuvor bereits gesucht hat.

Auf der Seite der Menschen geht es nicht weniger unlogisch zur Sache. Die Gruppe ist eigentlich viel zu laut um nicht entdeckt zu werden, ihr Alltag im Versteck wird ausgeblendet, nie erfährt man Kleinigkeiten, die das Gesamtwerk erzähltechnisch etwas dichter hätte wirken lassen. Gerade in der ersten Phase, in der man sich auf einem Dachboden versteckt, stellen sich doch fragen wie: Lebt man im Fäkalgestank oder geht man aufs richtige Klo? Traut sich dies jeder? Geht man in Grüppchen? Mit diesem Thema hätte man nicht nur besagte Zusatzatmosphäre geschaffen, man hätte auch spannende Momente damit herausarbeiten können. Meist steht in diesem Streifen aber sowieso die Action im Mittelpunkt, Spannung kommt nur selten auf, meist trumpfen höchstens die Schocks, die paar wenigen, die es gibt.

Bleiben wir bei der Unlogik auf Menschenseite: Ziemlich zu Beginn geht die Gruppe ihre Vorteile durch. Das stärkt das Selbstbewusstsein, das lindert im geringen Maße die Angst. Man fragt sich aber unweigerlich, warum diese Stärken aufgezählt werden, wenn später nicht eine davon gezeigt wird. Man beschließt beim nächsten Schneesturm das Versteck zu verlassen, um ein besseres aufzusuchen. Der Schneesturm lässt auf sich warten (gute Idee) und wenn es so weit ist, schlendern unsere Leute los. Nun soll man erstens glauben, den Vampiren würde der olle Sturm etwas ausmachen (ein Grenzbereich zwischen unglaubwürdig und möglich) und zweitens laufen unsere Helden als Gesamtgruppe los, womit man auch besser zu sehen ist. Und noch besser: Sie laufen die Hauptstraße entlang. Dabei hieß es noch bei der Aufzählung der Vorteile, man kenne den Ort mit all seinen kleinen Winkeln ach wie gut. Die Hauptstraße hätte auch jeder unwissende Tourist nehmen können. Warum unsere Helden auf ihrer „unauffälligen“ Wanderung nicht noch laut „Das Wandern ist des Müllers Lust“ gesungen haben weiß nur der Drehbuchautor.

Es gibt genügend solcher Szenen und Ärgernisse, die das Gesamtbild von „30 Days Of Night“ gnadenlos ins negative abrutschen lassen. Zum Glück wird der Film durch einige positive Aspekte nicht zu digitalem Schrott, sondern immerhin noch zu Routine. Toll zu nennen wären, neben den bisher genannten Punkten, kleine Storyideen, wie jene, dass der Schneesturm zu schnell zu Ende geht. Gut ist auch, dass man Kinder nicht verschonte, im Gegenteil, man lässt sie auch als Vampire auf die Menschheit los. Und eine der besten Ideen, und wegen seiner comictypischen Poesie sicherlich direkt von der Vorlage übernommen, ist die Schluss-Szene bei Sonnenaufgang.

Man merkt aber bereits anhand dieser Aufzählung dass diese positiven Punkte nicht reichen, um den Film ins Gute kippen zu lassen. Auf der Negativseite befinden sich immerhin so gravierende, da die Geschichte tragende, Ärgernisse, wie die Frage, warum der Held der Geschichte glaubt, er müsse im finalen Schritt die Seiten wechseln, um seine Liebste zu retten. Die Szene erinnerte mich an die Idiotie eines „Fantastic Four“, in der Mr. Steinmann glaubte, kurz nachdem er wieder ein Mensch ist, er könne die Gruppe nur als Steinmann retten, woraufhin er sich wieder zum Steinmann machen lässt. Was für einen Tunnelblick muss man in beiden Fällen besitzen, um zu glauben diese Schritte wären notwendig gewesen? Klar ist die Verwandlung in den Gegner in diesem Vampirfilm ein interessanter Gedanke (wenn auch kein neuer), aber er hätte aus anderen Gründen stattfinden müssen.

Blut gibt es übrigens genug zu sehen. Es ist nur irgendwie faszinierend, dass einem trotz der hohen Verschwendung des Lebenssaftes, das Horrorwerk an sich noch relativ harmlos vorkommt. Klar, die FSK 18 ist gerechtfertigt, aber eigentlich sieht man nur schnelle Vampire, Blutgespritze und die verwundeten Opfer. Die Bisse selber sieht man kaum, wenn dann zu schnell. Das wirkt etwas steril, etwas zu sauber, ein typisches Manko unserer modernen Hochglanz-Kinowelt.

Natürlich gibt es auch Ausnahmeszene, wie der wirklich sehr brutale Moment, in der die Kamera gnadenlos bei einer Enthauptung draufhält. Voyeuristische Bluttaten wirken jedoch nur dann, wenn auch andere Horrorelemente trumpfen. Solche Abscheulichkeiten alleine für sich erscheinen nur aufgesetzt, so als wolle man mit plumpen Methoden das Werk noch etwas aufwerten. Punkten werden solche Szenen sicherlich nur bei jenen, die von öden Provokationen wie „Saw“ und dem „Texas Chainsaw Massacre“-Prequel begeistert waren. Den echten Horrorfan lassen solche sinnlosen Gewaltszenen, wenn sie in keiner Verbindung mit anderen Genreelementen stehen, nur müde gähnen.

So ist das nun mit diesem „30 Days Of Night“. Die gute Grundidee, Vampire auf das düstere Alaska loszulassen, wurde durch zu wenig passender Elemente und zu großer Zeitsprünge kaum ausgenutzt. Die atmosphärische Optik wird immer wieder von Nervgeruckel zerstört, gerade in Szenen, in denen man gerne genauere Details gesichtet hätte, und die guten Storyideen gehen Hand in Hand mit inhaltlichen Idiotien und der Unsympathie der Protagonisten. Der Film ist zwar guckbar und macht szenenweise auch richtig Spaß, im gesamten hinterlässt er aber ein flaues Gefühl im Magen.

Trotz des vielversprechenden Plots ist er nur Magerkost für Horrorfans, wenn auch flott und actionreich umgesetzt. Über Langeweile braucht sich hier niemand beklagen, dafür aber über soziale Fragwürdigkeiten, das ewige Abrutschen in gewohnte Erzählroutine, nicht nachvollziehbare, da völlig unlogische, Verhaltensweisen und dem nervigen Soapgeschwätz, welches die Geschichte nicht einen Deu vorwärts bringt.  OFDb

09.10.2012

FACULTY (1998)

Die Highschool wird eingenommen von Außerirdischen, die ihre Opfer in willenlose Angeglichene verwandeln. Eine Gruppe Schüler weiß als einziges bescheid und versucht die Invasion zu verhindern...

Lehrer sind böse...
 
„Faculty“ bedient brav die Sehgewohnheiten des Kinopublikums und erzählt seine Geschichte recht überraschungsfrei. Er ist alles andere als ein ungewöhnlicher oder innovativer Film. Genau das hätte man aber damals von ihm vermuten können, saß doch Robert Rodriguez auf dem Regiestuhl, ein Mann von dem man damals noch nicht wusste, dass er nach seinen Kultfilmen „El Mariachi“, „Desperado“ und „From Dusk Till Dawn“ vorrübergehend zum Mainstream wechseln würde und seinen Tiefpunkt diesbezüglich mit „Spy Kids“ abliefern würde.

Interessanter als ein Blick auf die Regie ist jedoch ein weiterer auf Drehbuchautor Kevin Williamson, der in erschreckender Selbstüberschätzung nach seinem Erfolg der Printvorlage von „Scream“ groß ankündigte nun jedes Genre revolutionieren zu wollen. Ginge man nach dieser Äußerung in Bezug auf „Scream“, „Faculty“ und seinem Regie-Debüt „Tötet Mrs. Tingle“, so schien der Autor zu meinen, man müsse aus jeder bekannten Story einen Teeniefilm machen, der ironisch erzählt ist, und fertig ist die Modernisierung.

Was auch immer für merkwürdige Wege die Köpfe hinter „Faculty“ eingeschlagen haben, der Film selber funktioniert. Er ist der typische kurzweilige Mix aus Horror und Science Fiction, angereichert mit einer Dosis Humor und auf typische Teeniefilm-Art angenehm geistlos erzählt.

Letzteres könnte man hinterfragen, beschäftigt sich das Werk doch mit der Idee, dass sich eine Gruppe unterschiedlichster Menschen, die sich untereinander teilweise nicht ausstehen kann, einer Angleichung zur Wehr setzt. Hierfür war der Mikrokosmos Highschool ideal, um diesen Gedanken für eine Geschichte zu verfolgen, die nur innerhalb weniger Tage spielt. In der Schule treffen am deutlichsten unterschiedliche Mentalitäten aufeinander. Und wohl nur in der Schule war es möglich das Popkornkino übliche Happy End zu erreichen, da sich die betroffenen Figuren noch in einem Entwicklungsstadium befinden und sie somit noch leichter Zugang zueinander bekommen können, um sich zu organisieren. Und der Aspekt der geringeren Anzahl an Personen, die sich zusammenraufen muss, steht zusätzlich sinnvoll für eine Gegenwehr mit positivem Ausgang.

Psychologisch richtig wird herausgearbeitet, dass Angleicher gerne von ihrer Perspektive ausgehen, die richtig sei und welcher sich die anderen anzunehmen haben, sich aber niemals auf das Denken anderer einlassen. Das Spiel mit den Existenzängsten oder den im Teenie-Alter noch wichtig scheinendem Wunsch der Masse gefallen zu müssen und deshalb Teil von ihr werden zu wollen, ist ebenso richtig eingebracht.

Und doch, so frag ich mich, ist anzuzweifeln ob Williamson wegen solcher Aspekte ein cleveres Drehbuch gezaubert hat. Bedient er sich doch letztendlich inhaltlich und stilistisch an vergangenen Erfolgen, macht aus erstem sogar gar kein Geheimnis und spielt offen mit Verweisen auf „Invasion der Körperfresser“ und dessen Ideendiebstahl von „Puppet Masters“, der erstmals unter dem Titel „The Brain Eaters“ verfilmt wurde. In Bezug auf die eingenommenen Lehrer wäre vielleicht noch ein Verweis auf „Invasion vom Mars“ passend gewesen.

All diese Filme und Bücher befassten sich mit dem selben Thema. Der im Film am häufigsten aufgegriffene Verweis auf die Körperfresser-Verfilmungen betont zudem das fehlende Happy End dieser Werke. Zu erfahren, dass die Außerirdischen gewinnen, scheint eine gewollte Täuschung zu sein, da wie oben erwähnt das positive Ende durch den Wechsel auf einen Mikrokosmos ermöglicht wurde.

Williamsons filmische Vorbilder entstanden zu einer Zeit, in welcher die Angst vor den Kommunisten herrschte. Eine Zeit, in der eine vertraute Person ein Verräter amerikanischer Ideale sein konnte. Das gab den nach außen hin scheinenden unterhaltungsorientierten B-Movies politische Brisanz. Einer solchen verweigern sich Williamson und Rodriguez jedoch komplett, obwohl gerade die 90er Jahre im Zuge ihrer „Political Correctness“-Invasion ideal gewesen wären, um das Thema der Angleichung und der verwandelten Bekannten wieder auszubuddeln.

Dass der Film jedoch nur Popkorn-Unterhaltung sein will, zeigt er bereits in seinen Verweisen auf die inhaltlich verwandten Vorgänger. Diese sind eine höfliche Verbeugung vor den Ideengebern und werden letztendlich, wie es scheint, nur deswegen genannt, weil das Publikum der Entstehungszeit von „Faculty“ ebenso wie das von heute hohe Kenntnisse im Filmbereich hat (ein Aspekt, der in „Scream“ zu einem zentralen Element wurde) und ein Ideendiebstahl offensichtlich war. Zumindest zeigt sich nie eine Situation auf, in welcher man mit den Vorgängern spielt, oder gar ironisch oder ehrwürdig mit Elementen der Vorbilder arbeitet, die tiefer graben als das sich Bedienen am Offensichtlichen.

Da sich diese bequeme Grundhaltung der beiden Köpfe hinter „Faculty“ eben nicht nur auf inhaltlicher Ebene zeigt, sondern auch im Ausruhen auf typische Sehgewohnheiten und dem Wunsch des einfach zu erreichendem Publikums (Genre-Freaks und Filmfreunde, die nur Aktuelles schauen) nach Endloswiederholung bereits Bekanntem, lassen sich nun auch die intelligenteren Aspekte, die weiter oben herausgearbeitet wurden, anzweifeln. Denn da wo nur geklaut wird, da klaut man unbewusst auch hintergründige Ideen, und so kann der Anschein entstehen, dass hinter einer geistlosen Sache mehr steckt als es scheint.

Selbst der pfiffig wirkende Griff auf die Schule zu verweisen, kann Zufall sein, weil eben zu dieser Zeit der Teeniefilm zur beliebtesten Gattung des Horror-Genres gehörte. Und dass man einen Film für ein Publikum drehte, welches nach Happy End giert (man beachte nur all die Filme, die ein neues Ende beschert bekamen, nachdem das Testpublikum über einen bösen Schluss empört war), lässt ebenso die Frage aufkommen, ob die Wahl eines positiven Endes aufgrund der Entscheidung des Spielortes tatsächlich der pfiffige Gegenpol  zu den düsteren Finalen der Klassiker war, an denen man sich anlehnte.

So ist „Faculty“ im Grunde das, was er nach außen ohnehin nicht versteckt: ein Popkornfilm, ein Mainstream-Produkt, ein Stück Massenware. Klar hätte aus ihm mehr werden können. Es ist jedoch schön zu schauen wie angenehm er sich trotz dieses Werfens in die Gewöhnlichkeit und trotz der typischen Fehler, die ein geistloser Teenfilm so mit sich zieht, gucken lässt. Rodriguez Werk ist kurzweilig, witzig und vor allen Dingen mit Josh Hartnett, Elijah Wood und Robert Patrick wunderbar besetzt.

Die Leichtfüßigkeit, die man ihm als minderes Niveau ankreiden könnte, ist überraschend der Trumpf des Streifens. Und kleine Ausnahmeideen am Rande, wie die zwingende Tatsache, dass man den Aliens unter Drogeneinfluss entgegentreten muss (ein Aspekt dem man sich noch intensiver hätte annehmen können), machen aus „Faculty“ schließlich den angenehmen Film für zwischendurch, den man auch ruhig mal öfters sehen kann.  OFDb

25.07.2012

LUCKY NUMBER SLEVIN (2006)

Eigentlich wollte Slevin nur für ein paar Tage bei seinem Kumpel Nick unterkommen. Doch der ist nicht da, und stattdessen stehen Gangster vor der Tür, die Slevin für Nick halten, und diese bringen ihn zu ihrem Big Boss. Über einige Umwege und Missverständnisse weiter gerät Slevin zwischen die Fronten zweier Gangster-Bosse mit allerhand Schulden am Hals und dem Auftrag einen Menschen zu töten...

Zur falschen Zeit am falschen Ort...
 
Wer könnte widerstehen bei dieser Vielzahl an Stars, die sich in „Lucky Number Slevin“ tummeln? In der Hauptrolle erleben wir Josh Hartnett, in seiner liebsten Rolle als Auftragskiller ist Bruce Willis wieder mit dabei, Lucy Liu steht für die Frauenquote, Morgan Freeman und Ben Kingsley agieren als zwei gealterte Rivalen. Regisseur Paul McGuigan hat für seine 5. Regiearbeit einiges an Prominenz an Bord geholt für die Verfilmung eines Drehbuches, welches an die typischen Werke Tarantinos erinnert.

So einiges ist in dieser Welle mit geschwommen und meist verdienter Maßen untergegangen. Und auch das Buch zu „Lucky Number Slevin“ ist von dem Niveau eines „True Romance“ und „Pulp Fiction“ weit entfernt, was bereits zu Beginn auffällt, wenn man besonders kluge Dialoge servieren möchte, und diese als solche nicht wirklich zu wirken wissen. Doch dies ist nur eines der wenigen Wermutstropfen in einem Film, der ansonsten zu gefallen weiß.

Ein weiterer wäre, wie sollte es anders sein, Lucy Liu, die zwar nicht wirklich negativ auffällt in ihrem eindimensionalen Spiel, aber der Gedanke ließ mich nicht los, was wohl manch begabte Schauspielerin aus dieser Rolle heraus geholt hätte. Andererseits is der weibliche Part ohnehin eher Nebensache, auch wenn zunächst Gegenteiliges den Eindruck macht. Aber wenn man ansonsten ein Werk serviert bekommt, welches mit einer wirklich guten Besetzung glänzt, dann darf man auch mal auf hohem Niveau maulen.

„Lucky Number Slevin“ ist fast ein Genre-Cocktail. Sein Schwerpunkt liegt im Thriller-Bereich. Zudem ist er gespickt mit einer leichten Priese Humor, ohne deshalb gleich zur Komödie zu werden, und dem Bereich der Dramatik ergeht es ebenso. In gewisser Hinsicht spielt auch die Action eine wichtige Rolle, auch wenn es keine Autoverfolgungsjagden und keine Zerstörungsorgien zu bewundern gibt. Aber es wird häufig geschossen, und es gibt eine Explosion. Eventuell könnte man zudem von einem kleinen Hauch Erotik sprechen. Immerhin darf Frauenschwarm Josh Harnett zunächst einige Zeit lediglich mit einem Handtuch bekleidet mitspielen, was nur eine von wirklich vielen treffenden Ideen von Situationskomik ist.

Bis der Film sich nach über 100 Minuten dem Ende neigt, gibt es interessante Wendungen mitzuerleben und dies meist zu einem Zeitpunkt wo man sich ohnehin gerade gefragt hat, wohin die ganze Erzählung nun führen soll. Zwar kann man am Ende behaupten dass „Lucky Number Slevin“ nur viel heiße Luft in sich trug, immerhin ist die Geschichte nicht gerade neu, und die etwas wirr mit Informationen um sich her schießende Erzählweise verschleierte keinen all zu kniffligen Plot. Allgemein fühlte ich mich von diesem Film jedoch sehr gut unterhalten, eben weil er flott und kurzweilig erzählt ist. Außerdem weiß die kühne Art Slevins zu gefallen, der diese Wirkung immer dann auf die Spitze treibt, wenn er unüberlegt etwas sagt. Er ist nun mal ein Klugscheißer.

Außerdem imponiert es in Zeiten, in denen im Kino immer die Post abgehen muss, dass das Finale einer Gangstergeschichte derart ruhig abläuft, anstatt sich im Actiongewitter dem Massengeschmack hinzugeben. Zwar wird im Finale nichts mehr erzählt was man nicht längst begriffen hätte, aber auch hier weiß der Film in seinem Stil zu gefallen und bleibt sich mit dieser Ruhe in seiner Art treu.

Vielleicht liegt es genau daran, dass „Lucky Number Slevin“ in Deutschland nur auf DVD erschien. Zu einer Kinoveröffentlichung kam es nur bei Spezialaufführungen. Somit reiht sich der Film in die lange Schlange der dem deutschen Publikum im Kino verweigerten Veröffentlichungen ein neben „Der blutige Pfad Gottes“ und „Donnie Darko“, alles Werke die dem Stammbesucher im Lichtspielhaus hätten zeigen können, wie ein guter Film aussieht. Aber dort serviert man ja lieber Blockbusterquatsch mit Soße.  OFDb