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28.01.2024

FLETCHERS VISIONEN (1997)

Zu einer Zeit, in der ich weit mehr Massenware geschaut habe, als heutzutage, war ich von "Fletchers Visionen" richtig begeistert. Kurzweilige Unterhaltung ist er auch heute noch, aber anspruchsvoll erzählt sieht anders aus. Klar, technisch ist er bei solch einer Großproduktion professionell ausgefallen, die Stars, welche den Zuschauer ins Kino locken sollen, sind sympathischer Natur und relativ gut in dem was sie tun, und der Aufhänger der Geschichte weiß definitiv zu locken. Aber die Möglichkeiten, die mit der Thematik von Verschwörungstheorien vorhanden gewesen wären, werden nur oberflächlich abgegrast, dienen eher als Aufhänger und Freakshow und bedienen sich jeglichen Klischees. Doch die Fesseln, welche der Autor seiner Geschichte unnötig zumutet, entstehen erst so richtig durch die allmählich durchsickernde Auflösung. Warum muss alles was geschah im direkten Zusammenhang mit den Figuren stehen? Warum wird solch eine Geschichte in einem derartigen Mikrokosmos festgehalten? Ähnlich wie in "Number 23" 10 Jahre später, schnappt man sich ein Thema, welches durch eine unübersichtliche Reichweite gereizt hätte, und engt diese dann mit einer leicht zu überblickende Population an Beteiligten ein, sowie mit einem zu begrenzten Zeitfenster. 

Faszinierender Weise wäre die gar nicht einmal uninteressante Auflösung des Ganzen eigentlich wesentlich erzählenswerter und reizvoller ausgefallen, wenn man sie der natürlichen Zeitlinie der Ereignisse nach erzählt hätte, sprich all das Schritt für Schritt thematisiert hätte, was uns im Nachhinein enthüllt wird. Den Aufhänger einer aufgedeckten Verschwörung hätte man dann nicht gebraucht, mit dem Fehlen dieser entsprechend keine Erwartungen geschaffen, die es nicht einzuhalten gibt, und man hätte eine tolle Geschichte parat gehabt. Ganz verkehrt ist "Conspiracy Theoriy" (Originaltitel) freilich auch in seiner tatsächlich angegangenen Form nicht ausgefallen, aber er wird nur zur Lightversion dessen was er hätte werden können, ob nun bezogen auf die Auflösung oder alternativ auf den Aufhänger. Die Übervorsichtigkeit Fletchers wird freilich nach einer etwas belustigenden Phase, die zudem durch sein wirres Zusammenwürfeln unabhängiger Ereignisse in der Welt gefördert wird, zu einem funktionierenden Motor einer bedrohlicher werdenden Geschichte. Wunderbar schaut sich seine abgesicherte Wohnung, der Mechanismus sie zu zerstören für den Ernstfall, schockend ist seine überraschende Entführung und die packende Flucht im gefesselten Zustand, welche die Orientierungslosiglkeit im reinen Überlebensinstikt vortrefflich inszeniert einzufangen weiß.

Den leichten Anflug an Humor und den im Zentrum stehenden Thrill beherrscht Regisseur Richard Donner jedoch weit mehr als die Gefühlsebene. Und auf diese setzt man im Drehbuch ungemein. Aber die Figuren bleiben zu distanziert, trotz des harmonisierenden Teams Roberts/Gibson, und so will dieser Aspekt nicht wirklich fruchten. Die Schuldgefühle Fletchers kommen da noch eher an, aber auch sie wirken in diesem zu theoretisch emotionalen Film lediglich aufgesetzt. Damit geht viel vom Charme verloren, und auch die Schlusspointe ergreift einen damit nicht derart, wie gewünscht. Mit wenig Erwartungen weiß "Fletcher's Visionen" (Alternativtitel) aber zumindest zu unterhalten. In seinen 130 Minuten entsteht nie Stillstand oder eine sperrige Phase. Große Überraschungen im Plot oder eine nennenswerte Figurenentwicklung braucht man bei diesem typischen Stück Popkornkino jedoch nicht erwarten.  Wiki

19.09.2020

LOLITA UND DER AMERIKANER (1970)

Nach etlichen Regie-Arbeiten in TV-Serien und der Komödie "Salz und Pfeffer" war "Lolita und der Amerikaner" der zweite inszenierte Spielfilm von Richard Donner, der später mit "Superman - Der Film", "Das Omen" und den "Lethal Weapon"-Filmen berühmte Klassiker verschiedener Genres drehte. Im hier besprochenen Werk spielt der 50jährige Charles Bronson wenig glaubwürdig einen 38jährigen, der mit einer 16jährigen anbändelt und diese später heiratet, als er deswegen Probleme in England riskiert. Für ihn ist sein Handeln selbstverständlich, auch wenn ihn nach eigener Aussage bislang nur gleichaltrige Frauen interessiert haben. Den Wirbel, den die Gesellschaft um seine Beziehung macht, versteht der Skandal-Autor nicht. Die Moralisten des Films kreiden ihm den sexuellen Umgang mit "Twinky", nach welcher der Streifen im Original benannt ist, eher prinzipiell an, eben weil man das nicht macht. Um das seelische Wohl der sich zwischen Kindheit und Erwachsensein befindlichen Person geht es keinem. Die Moralisten sind in diesem Werk, das mehr Komödie anstatt Drama ist, auf Seiten der Kritiker aber ohnehin in der Unterzahl, denn meist darf sich die Rolle Bronsons lediglich anhören, man sei aufgrund des Alters zu verschieden und deswegen könne die Ehe nicht gut gehen. Man macht sich Sorgen um ihn, dem älteren Mann, da eine derartige Beziehung nicht interessant und ausgeglichen sein kann, was "Der Amerikaner" (Alternativtitel) schließlich mit seiner Geschichte auch beweist, denn um nichts anderes geht es dem frei von Moral und Erotik erzähltem Film. 

Twinky versteht nichts von den Pflichten des Lebens, um finanziell zu überleben, ihr Ehemann ist schon mürrisch wenn sie nur mal kurz laut ihre moderne Musik hört. Diese Fakten sind schon lange vor der Eheschließung zu bemerken. Die frisch verliebte Twinky ohne Lebenserfahrung erkennt dies nicht, wie zu erwarten, ihr amerikanischer, erwachsener Freund, merkwürdiger Weise aber ebenso wenig. Der wird weder als dumm, lüstern, noch als naiv dargestellt, steht mitten im Leben, führt auch keinen bewussten Kampf gegen das Spießertum, heiratet das Mädchen somit nicht aus reinem Idealismus, sein Tun wird uns aus Zuneigung zu der lebensfrohen Jungen erklärt. Allerdings wird dies im Spiel Bronsons nie deutlich, der stets mürrisch auf die Kleine reagiert, sich ihr gegenüber eher wie ein Vater, anstatt wie ein Liebhaber verhält, während der Film deutlich suggeriert, das Sex in dieser Beziehung mit im Spiel ist. "Twinky und der Amerikaner" (Alternativtitel) passt inhaltlich zum Stil der Rollenauslegung, die Bronson orientiert am Drehbuch vornimmt. Eine Verliebtheit ist nie wirklich spürbar. Anstatt in seiner Moral- und Sex-befreiten Art ein Plädoyer für andere Lebensweisen zu werden, frech daher zu kommen oder Lebenslust zu atmen, sprich anstatt Verständnis für das ungewöhnliche Paar zu entwickeln, so wie es später ein "Harold und Maude" auf sehr andere Art demonstrierte, kommt "Lola - The Witness" (Alternativtitel) sehr ungelenk und unglaubwürdig dargeboten daher, er ist nicht psychologisch durchdacht erzählt. Er zieht lediglich den absehbaren Plan durch aufzuzeigen, dass die beiden sich mit der Zeit auf die Nerven gehen, bis es zur obligatorischen Trennung kommt. 

Auch die Orientierung der Figuren kommt ungewohnt daher, beginnt und endet "Lola" (Alternativtitel) zwar mit Twinkys Leben und ihren Sichtweisen, ab da wo der 38jährige ins Spiel kommt nimmt der Film aber fast stets dessen Perspektive und Problemsituation ein. Wie erwähnt findet dies überraschender Weise eher in locker flockigem, humoristischem Ton statt, zum Drama wird das Thema erst spät und bleibt selbst dann diesbezüglich eher seicht anstatt tragisch oder gar deprimierend. Auch seine nationale Reflexion ist ungewöhnlich zu nennen, werden die US-Amerikaner hier doch als recht weltoffen und so gar nicht bieder dargestellt, während die zugeknöpften Engländer wie gewohnt wie verklemmte Spießer dargestellt werden. Das muss man auch wirklich sein, wenn man die Mentalität der US-Amerikaner als derart unverkrampft wahrnimmt. Derartiges amüsiert freilich. Dies jedoch nicht so stark, dass man über unfreiwillige Komik klagen würde, dafür ist Donners Werk sich zu bewusst was er erzählen möchte, dafür sind die Charaktere zu stark ausgearbeitet und die Situationen, in die Twinky ihren Lieben bringt, zu amüsant mitzuerleben. So richtig funktionieren will "Lolita und der Amerikaner" trotzdem nicht bei mir, letztendlich ist er mir bei aller Sympathie etwas zu zäh ausgefallen, und zu schwammig erzählt kam mir der ganze Umgang mit der Thematik innerhalb des Streifens ebenfalls vor, eben weil er nichts außer den Folgen des mentalen Unterschieds dieses Beisammenseins ergründet. Es ist okay, dass dies kein Problemfilm sein will, soll er doch das provokative Thema lebensfroh und lustig wiedergeben, aber dass auch die Motivation der zentralen, männlichen Figur nicht zu erkennen ist und alles arg unreflektiert erzählt ist, teilweise geradezu desinteressiert anmutend, ist mir dann doch zu viel des Ignorierens.  OFDb

04.07.2019

ASSASSINS - DIE KILLER (1995)

Stallone hatte wenige Jahre vor "Assassins" (Originaltitel) mit "The Specialist" einen ähnlich thematisierten Film abgeliefert, dennoch musste ich beim Sichten des besser ausgefallenen Werkes um zwei konkurrierende Auftragskiller eher an "Mein Name ist Nobody" denken. Dort wie hier geht es um einen Fan, welcher dem Vorbild nicht geheuer ist, schließlich kann aus einem Fanatiker irgendwann dein Mörder werden, zumindest wenn dieser beruflich gleiche Pfade betritt und irgendwann einmal die Nummer eins sein möchte. Was in der Western-Komödie humoristisch angegangen wird, wird in dem Action-Thriller sehr ernst thematisiert. Und obwohl Humor und auch wahres Augenzwinkern fehlt, so vermittelt das Ergebnis von "Assassins" doch stets, dass er sich seiner Übertreibungen bewusst ist und eher in einer alternativen Comicwelt anvisiert ist, als in der unseren. Hier bemerkt man die Handschrift der Autoren, welche keine geringeren als die Wachowski-Brüder sind, die Jahre später mit "Matrix" einen großen Erfolg verbuchen sollten. Im Gegensatz zu diesem führen sie hier noch nicht Regie, Richard Donner, der mit den ersten drei "Lethal Weapon"-Filmen gerade große Erfolge verbuchte, schien der richtige Mann für das Projekt zu sein.

Zumindest beweist er, dass er den verspielten Actionbereich als alteingesessener, nicht nur auf ein Genre reduzierter, Regisseur auch dann beherrscht, wenn auf Komik verzichtet wird und stattdessen ein hoher Grad Ironie enthalten ist, angereichert mit dem Wissen über die Kenntnis der Gesetzmäßigkeit solcher Stoffe bei den Filmschaffenden und dem Publikum. Deswegen schauen sich Klischees hier auch nicht wie lästige Pflichten oder unkreative lange, weiße Bärte. Die Dynamik des Stoffes und ihr moderner Inszenierungsstil lassen durchblicken, dass man sich nicht auf alt Bewährtes ausruht, sondern bewusst mit den Standardeigenschaften derartiger Geschichten spielt. Das Buhlen um den ersten Platz macht die Comicposition deutlich, allein schon aufgrund dessen, dass er nur einseitig umkämpft wird, will einer von beiden Wettbewerbern doch schließlich aussteigen. Der weibliche Part des zentralen Figurentrios ist schließlich das Comic-Zugeständnis schlechthin, mit der offensichtlichen Verwandtschaft zu Cat-Woman aus dem Batman-Universum, hineinprojiziert ins digitale Zeitalter, irgendwo pendelnd zwischen taff und naiv, professionell und Amateur. Die nötige unverkrampfte Distanz verschafft sich das Werk durch den Umgang der Klischees aus dem Blickwinkel des Fanatikers, der sich in seiner irren Art an Rituale klammert, eine Zutat die dem Werk überhaupt erst die Chance ermöglicht, auf seine tolle Finalidee setzen zu können, die alles andere als Standard derartiger Werke darstellt.

Anstatt es ordentlich krachen zu lassen, lassen die Verantwortlichen des Streifens den Bösewicht in der Schlussphase schmoren - und mit ihm den Zuschauer, der die Vorbereitung des Finales hauptsächlich über ihn erfährt, anstatt über den Helden, und von Anfang an in dessen Pläne eingeweiht ist. Während man das Leiden des Gegners auf der einen Seite nachvollziehen kann, so spürbar Donner uns die Schwüle der Situation verdeutlicht, kann man sich gleichzeitig an dessen Unglück laben, wissend dass er geradewegs in eine Falle hinein läuft. Erneut zeigt sich eine Art Lustigkeit in humorloser Umsetzung, eingebettet in Nervenkitzel - welch herrliches Rezept. Freilich verläuft nicht alles nach Plan, so dass auch ein tatsächlicher Spannungsbogen jenseits des Eingeweihtseins aufkommen kann. Und dessen Wendungen wissen bis auf jene zu gefallen, die das Geschehen auch außerhalb des Konkurrenzkampfes der beiden Auftragskiller einen zu kleinen Radius beschert und damit eine arg persönliche Wendung zu viel präsentiert. Abgesehen von diesem Makel ist "Assassins - Die Killer" jedoch stilsicher erzählt, nicht immer logisch, aber doch clever umgesetzt, auch in seinen Actionszenen und mit all dem was ihn ausmacht weit mehr bietend, als das Standardprodukt um Auftragskiller. Mit dem ein Jahr zuvor erschienenen "Léon - Der Profi" kann sich "Assassins" jedoch nicht messen. Aber es würde mich wundern, wenn man solch hohes Ziel überhaupt anvisiert hat.  OFDb

14.10.2018

LETHAL WEAPON 4 (1998)

Neben dem ersten Teil dürfte "Lethal Weapon 4" wohl der kultigste Beitrag der Reihe sein, wenn auch der umstrittenste. Der Komödienpart rutscht noch ein wenig mehr in den Vordergrund als ohnehin schon, und der düstere Aspekt ums familiäre Umfeld herum wird weit optimistischer gezeichnet und mit dem versöhnlichen Schluss endgültig aufgehoben. Das in Teil 3 bereits zu erkennende anderweitige Familiengefühl einer alle Jahre wieder zusammen kommenden Filmcrew, wird in direktem Zusammenhang damit zu diesem Zeitpunkt zu seinem Höhepunkt geführt. Das schmeckte nicht jedem, das war für manch einen zu viel privates Getue, dabei verzichtet der Streifen im Gegenzug nicht auf seine Brutalitäten, die er in Teil 3 so gut wie ausgeblendet hat. Das ist auf der einen Seite eine Versöhnung mit dem dort enttäuschten Publikum, als Spagatversuch es auf der anderen Seite gleichzeitig jenem Publikum recht machen zu wollen, welches wie ich die Handschrift des dritten Teiles mochte.

Sicherlich ist dies einer der Gründe, warum Teil 4 trotz aller Sympathie nicht ganz so gut funktioniert, wie er hätte können. Man will es allen recht machen, man möchte wieder alle liebgewonnenen Figuren unter einen Hut bringen und gleichzeitig neue Kultfiguren schaffen. Mit anderen Worten: der Schritt zurück, den Teil 3 so lobenswert selbst in seinem Finale präsentierte, wird wieder über Bord geworfen für das große Mehr. Mehr Action, mehr Gewalt, mehr Gags, mehr Figuren, mehr Tammtamm. Überall muss noch inmittem großen Trubels irgend eine Lücke gefüllt werden, um mehr zu bieten, und so schaut sich "Lethal Weapon 4" ein wenig überfrachtet, wenn diesbezüglich auch eine Menge geglückter Momente erntend. Die Lachgasszene, die Pseudohochzeit mit dem Rabbie, die Funknetztelefondiskussion, der gefangene Hai, das alles sind Ideen welche die Geschichte theoretisch gesehen unnötig strecken, aber unglaublich zu gefallen wissen.

Ohne, wie für seine Entstehungszeit üblich, politisch korrekt daher zu kommen begradigt Teil 4 zudem so manches Unschöne aus den Vorgängern. Zu Herzen geht die Versöhnung mit dem stets gepeinigten Leo Getz, sinnloser Wandalismus ersetzt den sonst zu übertriebenen Sadismus der Helden, und der sonst so fremdenfeindliche Aspekt der "Lethal Weapon"-Mentalität bietet diesmal zumindest in Form der Familie Honk einen sympathischen Gegenpart, so dass die Asiaten nicht einzig dem Feindbild dienen. Sicher, in Teil 4 ist manches zu gewollt angegangen, so unverkrampft wie die Teile 1 und 3 schaut er sich nicht, und auch der späte 90er Jahre Farbfilter hinterlässt nicht mehr den klassischen Eindruck der Reihe, den er bis zur zweiten Fortsetzung beibehielt. Aber letztendlich ist "Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf" (Alternativtitel) eine unterhaltsame Party für Fans der Reihe, für große Kinder, also für das Stammpublikum, und da geht es schon in Ordnung, dass die Verantwortlichen des Streifens zu viel wollten. 

Die guten Aspekte dominieren, und Jet Li mit seiner beeindruckenden Kampfkunst als interessanter und wahrhaft bedrohlicher Gegner mit an Bord zu haben ist auch alles andere als ein Nachteil. Seine Kämpfe kann man als eine Entschuldigung für den Straßenköterkampf Rene Russos aus Teil 3 empfinden, der dort unverschämter Weise mit einer asiatischen Kampfkunstart betitelt wurde. Eine kurze Kampfsequenz mit Russo (erneut mit zu vielen Schnitten anstatt gekonnter Choreographie versehen) revidiert diesen positiven Eindruck ein wenig, und dieser unschöne Moment ist gleichzeitig der einzig beeindruckende Auftritt der in Teil 3 noch so gleichrangig emanzipiert aufgetretenen Frau. Im hier besprochenen Werk muss Russo dem ewig glattgebügelten, überholten Klischee-Familienbild der Amis treu bleiben, was dann auch der schwerwiegendste Kritikpunkt eines Filmes ist, der an so einigen Schwächen krankt. Trotzdem ist es schön zu sehen dass an so ziemlich jeder anderen Stelle die Charaktere inmitten einer explosiven, actionreichen Geschichte den Autoren wichtig bleiben, was spätestens dadurch bestens bewiesen wird, dass mancher zwischenmenschliche Höhepunkt des Streifens in der angenehm langen Phase nach dem Finalkampf stattfindet. Aber auch hier wird es wieder Tunnelblick-Zuschauer geben, die in ihrer Gier nach Quantitäten über solche Pluspunkte lediglich zu schimpfen wissen, ich hingegen bin dankbar dafür, dass die Autoren sich hierfür die nötige Zeit genehmigt haben.  OFDb

LETHAL WEAPON 3 (1992)

Erneut kommt ein Großteil der Crew der Vorgänger vor und hinter der Kamera zusammen, bis hin zu kleinsten Rollen wie der kultigen Polizeipsychiaterin oder dem Handwerker, dem wir in Teil 2 die Nagelpistole zu verdanken haben, so dass sich bei Liebhabern der Reihe ein gewisses familiäres Flair bemerkbar macht, welches über den unter Fans umstrittenen familiären Aspekt rund um Familie Murtaugh weit hinaus geht. Dieses Flair sorgt dafür, dass man wohlwollender mit dem Ergebnis umgeht und mit ihm nicht zu hart ins Gericht geht. Aber das muss man meiner Meinung nach ohnehin nicht, überraschte mich der dritte Teil der Reihe bei meiner x-ten Sichtung nach einer langen Pause doch geradezu positiv, was gerade deshalb erstaunt, weil ich ihn stets als zwar unterhaltsamen, aber dennoch schwächsten Teil der Komplettreihe wahrgenommen habe.

Das sehe ich heute anders, guckt er sich doch bei weitem nicht so bemüht auf locker getrimmt wie sein Vorgänger, der ebenfalls bereits den komödiantischen Aspekt mehr ins Zentrum rückte, wie es nun erneut der dritte Teil tut. "Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) kommt wesentlich entspannter daher, eben weil er keinen all zu hohen Anspruch an sich selber stellt. Der Film soll einzig unterhalten, sucht keinen Schwanzvergleich mehr darin das Action-Genre neu erfinden zu wollen und übertrumpft mit dieser banaleren Haltung das zu gewollte erste Sequel. Manchmal ist weniger einfach mehr, und da die fragwürdige Mentalität des Vorgängers wieder auf den klassischen Standard einer US-Actionfilmmentalität heruntergeschraubt wurde, ebenso wie der Grad der vorhandenen Idiotie, kann man dem munteren Treiben der nicht gerade korrekt handelnden Helden wesentlich gelassener folgen, da man sich nicht stets moralisch herausgefordert fühlt. Ohnehin hat sich seit Teil 1 so einiges verändert, immerhin war es im Erstling Riggs, der aufgrund seines aggressiven, an "Dirty Harry" orientierten, Auftretens zu provozieren wusste. In Teil 3 angekommen sind dessen Methoden bei der Polizei üblich geworden, was den comic-artigen Touch der Chose zu unterstützen weiß. Murtaugh scheut keine trockenen Oneliner nach der ein oder anderen blutrünstigen Tat, der Chef des Departments macht vor lässigen Sprüchen und gewalttätigen Methoden nicht Halt, und auch die Dame für die inneren Angelegenheiten bei der Polizei ist eine gewaltbereite Bitch.

Das muss sie auch sein, immerhin wird sie zum Love Interest für Riggs, und so wie charakterisiert passt sie auch wesentlich besser zu dem Sturschädel als das unpersönliche Püppchen aus dem Vorgänger und weiß die bisherige Crew passend und tatkräftig, da ebenbürtig zu ergänzen. Allgemein besitzt die zweite Fortsetzung ein treffsicheren Charme, der den eigentlich banalen Film besser funktionieren lässt, als den bemüht nach Anspruch hinterher hechelnden Vorgänger. Das Zwischenmenschliche funktioniert besser, treffsicherer Humor und Ernst vereinen sich gekonnter, Leo Getz wird angenehmer eingebracht, die Love Story funktioniert als Teil der hier gelebten Mentalität ohne die Geschichte zu dominieren, und selbst der dramatische Aspekt, diesmal Murtaugh betreffend, greift intensiver, freilich ebenfalls ohne zu dominieren. Da das Ganze zudem von Anfang an rund erzählt ist, sich genügend Atempausen gönnt ohne das flotte Treiben auszubremsen und auch in schrilleren Momenten noch immer die sympathische Tonlage trifft, ist "Brennpunkt L.A. - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) eine kunterbunte Action-Wundertüte, voll von Running Gags, Insidern, Action, Menschlichkeit und guter Laune geworden, das Action-Genre ernst genug nehmend um nicht einzig zur Komödie zu verkommen, die Pseudo-Ernsthaftigkeit von Teil 2 jedoch über Bord werfend, um entspannter als Actionfilm funktionieren zu können.  OFDb

LETHAL WEAPON 2 - BRENNPUNKT L.A. (1989)

Bereits meine erneute Sichtung des ersten "Lethal Weapon" erwies sich als ein überraschendes Erwachen, fiel er doch weit schlichter aus als von mir erwartet, da er zu sehr in pubertierenden Sehgewohnheiten feststeckte. Während dort jedoch noch die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren auf Actionfilm-Niveau psychologisch gesehen Sinn ergab, so wird "Lethal Weapon 2" diesbezüglich erst recht ein Großer-Jungs-Film, denn nun sind auch die Charakterzeichnungen und Beweggründe der Helden nur noch infantiles Getue, wie man es aus dem Kindergarten kennt. Da wird grundlos absichtlich verletzt, es herrscht keine Achtung und Wertschätzung vor dem Besitz anderer, Wahrheiten werden der eigenen Mentalität angepasst, es wird gebockt, man versucht dem Gegner mit Verfolgerspielchen Angst zu machen, Regeln und Gesetze werden ignoriert, gebrochen und verdreht, wie gesagt: das ist alles höchst kindisch.

Vorgewarnt durch Teil 1 hatte ich keine hohen Erwartungen mehr an "Brennpunkt L.A." (Alternativtitel), zumal ich schon bei der letzten Sichtung vor geschätzten 10 Jahren bemerkte, dass die Fortsetzung, im Gegensatz zu dem wie ich es ganz früher empfand, schwächer ausgefallen ist als das Erstling. Zwar wird quantitativ einiges gepuscht, so ist allein der Actiongehalt gegenüber dem Vorgänger enorm gestiegen, aber derartiges ersetzt freilich nicht Qualität. Weiß man aber, dass man sich mit "Lethal Weapon 2" (Originaltitel) auf geistlose Kurzweile einlässt, dann geht das Rezept sehr wohl auf. Freilich darf man nichts hinterfragen, weder was die unsinnigen Rachemethoden der Bösewichter sollen, noch warum sie ein Auto in ihrem Geldcontainer parken, oder ähnliches. Zwar ist die von Richard Donner selbst inszenierte Fortsetzung seines Erfolgsfilmes bei weitem nicht so dümmlich ausgefallen wie ein "Phantom Kommando", aber erstaunt war ich schon wie viel Idiotie ich bei meinen bisherigen Sichtungen kaum bemerkte, ohne dass es Punkte wären, die aufgrund der Inszenierung oder des enorm gewachsenen Humoranteils gegenüber zu Teil 1 zu erklären wären.

Wie auch immer, Spaß hat's auch nach all den Jahren wieder gemacht. Mit einer Verfolgungsjagd, die in anderen Filmen der Showdown gewesen wäre, startet man zu Beginn durch, so dass man schnell den Einstieg ins Geschehen findet, vor und hinter der Kamera blieb das Team großteils das selbe, und ein gut aufgelegter Joe Pesci weiß das bisherige Team gut zu ergänzen. Die Theatralik rund um den Frauenverlust Riggs wirkt zu aufgesetzt, um tatsächlich an den leichten Dramengehalt des Vorgängers anknüpfen zu können, aber da Rika van den Haas ohnehin eher wie ein Püppchen, als wie eine echte, atmende Frau wirkt und über keinerlei Charakter verfügt, ist das ohnehin egal. Außerdem steht der Action diesmal wie bereits erwähnt der Humor verstärkt zur Seite, so dass die Dramaturgie sich ruhigen Gewissens einzig auf die Rachementalität harter Männer stützen kann, was im Finale, wenn wahrlich der Krieg tobt, dann auch besser funktioniert als zunächst erwartet. Mag dem allen auch ein fragwürdig ethisch verdrehtes, selbstgerechtes Denken vorausgehen, akzeptiert man einmal dass die Helden keinesfalls die Sympathiefiguren sind, für die ihre Schöpfer sie halten, funktioniert die unkorrekte Story um so besser. Wie man das wilde und unterhaltsame Treiben von seiner Rechtfertigung her jedoch ernst nehmen kann, ist mir ein Rätsel, so verlogen wie sich der Film diesbezüglich guckt.  OFDb

16.07.2017

LETHAL WEAPON (1987)

In jungen Jahren liebte ich die „Lethal Weapon“-Reihe, mochte die zwei Fortsetzungen gar noch mehr als das Original und liebte die dritte Fortsetzung, die überraschend verspätet nachgerückt wurde, als man sich gerade an den Gedanken einer Trilogie gewöhnt hatte. Teil 4 war in seiner ausgeflippten Art der Höhepunkt mit seinen enormen Übertreibungen und seinem Hauptaugenmerk auf den Humorgehalt. Erst Jahre später entdeckte ich erwachsener geworden die Stärken des Erstlings, der als einziger Teil die wirklich entscheidende Dosierung zwischen Komödie und Action bot und psychologisch gesehen weit weniger dümmlich daher kam, als die Party-tauglicheren Fortsetzungen, die sich keine Gedanken mehr zum Thema Gewaltbereitschaft machten. Nicht falsch verstehen, auch die mochte ich mit kleinen Abzügen immer noch, aber an die Qualität des Erstlings kamen sie nicht heran.

Nun sind wieder viele Jahre vergangen und eine erneute Sichtung machte mir nach Jahren der Bewunderung bewusst, wie extrem „Zwei stahlharte Profis“ (Alternativtitel) ein Großer Jungs-Film ist. Noch immer versprüht der Streifen seine Sympathie, einzelne Szenen sind so toll geschrieben, dass sie einem nie aus dem Gedächtnis verloren gehen würden (der Sprung mit dem Selbstmörder, Murtaughs Test ob Riggs wirklich selbstmordgefährdet ist, uvm), aber wirklich einfühlen konnte ich mich nicht mehr ins Geschehen, dafür war es mir zu sehr im Action-Kino angesiedelt und zu weit entfernt von der Realität. Nun will der Streifen diesbezüglich nichts anderes sein, aber der fein dosierte, teilweise subtile, Humor, der ihn vor den meisten Peinlichkeiten bewahrt, indem er Distanz zu seinem Große Jungs-Getue aufbaut, rettet ihn mit Blick von heute nicht mehr so gut wie einst. Bereits in diesem bodenständigerem Teil 1 sind die Protagonisten Comicfiguren, und aus irgendeinem Grund will das bei mir nicht (mehr) so gut funktionieren wie es heutzutage noch ein „Stirb langsam“ oder „True Romance“ schafft.

Die Geschichte entblättert sich zwar erst nach und nach, weiß aber definitiv nicht mehr derart zu gefallen wie einst, zu reißerisch ist ihr Hintergrund, zu unsinnig gehen die Hintermänner vor, zu extrem ist der Schwanzvergleich auf guter wie auf böser Seite. Wirklich peinlich wird es nur einmal, das ist jene Szene am Schluss, in welcher sich Riggs fern jedwegen Nachempfindens mit einem der Hauptgegner auf Murtaughs Rasen prügelt, ansonsten bekommt „Lethal Weapon“ immer rechtzeitig den Bogen, nie so gut funktionierend wie damals, aber doch noch immer unterhaltsam ausgefallen.

Richard Donners Werk weiß immer dann am besten zu gefallen, wenn die zwischenmenschlichen Situationen stattfinden. Da mag es in vielen Szenen ordentlich knallen, Verfolgungsjagden finden statt und böse Jungs werden erschossen (Riggs darf diesbezüglich fast die Position eines Superhelden einnehmen, ohne dessen überragenden Fähigkeiten die völlig übertriebene Geschichte überhaupt nicht funktionieren würde), aber all die Schauwerte erreichen nicht die Qualität eines Blickes in Murtaughs naiv optimistisches Gesicht, wenn er Riggs fragt, ob ihm das Essen seiner Frau tatsächlich geschmeckt habe. Auch die familiären Szenen als Gegenpol zu Riggs tristem Witwerdasein wissen in ihrer Warmherzigkeit zu gefallen, auch wenn sie so realitätsfern, da aufgesetzt, wirken, wie der Rest vom Film.

Somit ist es eher die Herzlichkeit und das Miteinander der beiden Hauptfiguren inmitten von Gewaltbereitschaft, was „Lethal Weapon“ noch immer genießbar erscheinen lässt, während seine Optik (ob nun Frisuren, oder die blaue Schrift im Vorspann) und die Saxophonuntermalung auf lächerliche Art in den 80er Jahren baden, dem einzigen Jahrzehnt, in welchem ein Actionfilm so ausfallen konnte wie hier. Die Bedrohung von Gegnern des 70er Jahre Kinos ist längst nicht mehr zu spüren. „Lethal Weapon“ ist trotz vieler einfallsreicher Szenen Formelkino, genauestens auf die Sehgewohnheiten des Publikums abgestimmt und durchkalkuliert, und eben jenes wollte seiner Zeit nichts sehen was sich echt anfühlt. Dementsprechend distanziert guckt sich Donners humoristisch gehaltene Gewaltorgie heute, ohne dabei den ernsten Ur-Beiträgen a la „Dirty Harry“ und Co, auf welche er sich im Gewaltbereich stützt, das Wasser reichen zu können.  OFDb

16.02.2014

SUPERMAN 2 - ALLEIN GEGEN ALLE (1980)

Wer „Superman 2“ sichten möchte, hat mittlerweile die Möglichkeit den relativ frischen Director‘s Cut zu sichten oder die klassische Kinoversion. Glücklicher Weise fiel meine Wahl, wenn auch nur per Zufall, auf die reguläre Fassung, las ich doch heute erst, dass eine der vielen negativen Entscheidungen im Director‘s Cut auch jene war, die Erde im Finale erneut links zu drehen, um die Zeit rückgängig zu machen. Da darf man schon die Hand an die Stirn schlagen. Ausgerechnet der Tiefpunkt von Teil 1 wurde wiederholt und dies aus einem weitaus weniger triftigen Grund als im Original. Da kann ich nur wie so oft sagen: danke liebe Studios, lebe Wohl Regie-Fassung. Bis auf „Abyss“ und „Léon - Der Profi“ ist mir bislang noch kein Director‘s Cut begegnet, welcher einer Kinofassung vorzuziehen wäre.

Wir guckten also glücklicher Weise die Fassung von einst, und die erfüllte wunderbar ihren Zweck. Brav setzt sie an Ereignissen von Teil 1 an, ruhig bereitet sie die einzelnen Story-Stränge vor bevor diese ineinander greifen und lobenswert spielt man nicht an bereits vorhandenen Charakteren herum. Figuren benehmen sich so, wie sie sich bereits in Teil 1 benommen haben. Die Rolle des Otis fällt diesmal leider sehr klein aus, aber das ist wohl der einzige Wermutstropfen,  einen den man verstehen kann, hätte der dümmliche Gehilfe Lex Luthors ohnehin nicht in die Hauptgeschichte gepasst. Es ist fast ein Wunder dass Luthor selbst überhaupt in ihr integriert werden konnte.

Im Vergleich zum Vorgänger lässt die Qualität der Fortsetzung jedoch deutlich nach. Es ist unübersehbar, dass in „Superman 2“ der amerikanische Einfluss diesmal dominanter war als der britische. In Teil 1 war es überraschender Weise noch umgekehrt. Superman wird im hier besprochenen Teil geradezu kultig und unterwürfig verehrt, amerikanische Fernsehsender glauben ihr Programm würde überall auf der Erde empfangen, Storystränge, wie das Paris-Szenario, werden eingebaut um einem konzentrationslosem Publikum entgegen zukommen, und dies sind nur drei Beispiele in einem Film, in dem man besagten Unterschied eher allgemein in seiner grundlegenden Mentalität erkennt.

„Superman 2“ war zwar eine Großproduktion, scheinbar aber nicht mit dem nötigen Kleingeld wie Teil 1 versehen. Dass man sich an Szenen (verwendete wie unveröffentlichte) von Teil 1 bedient, hat noch seinen legitimen Grund in Anbetracht auf die Handlung von Teil 2. Die Wirkung solche Szenen zu verwenden ist ebenfalls positiv ausgefallen, so dass ich dies nie als negativen Kritikpunkt vorbringen würde.

Negativ fällt hingegen die Umsetzung jener Phase auf, in welcher die drei Besucher Herrscher über die Welt geworden sind. Fast gütig und zurückhaltend  fällt ihr Verhalten auf, die weltweite Auswirkung wird ebenso wenig eingefangen wie ein Unterschied im Alltag der amerikanischen Bürger. Vielleicht hätte man an anderer Stelle Zeit und Geld straffen müssen, um in diesem nicht unwichtigen Punkt tiefer ins Geschehen und in die Glaubwürdigkeit greifen zu können, denn die vorliegende Lauflänge hätte man nicht einfach so noch einmal um einen weiteren Aspekt vergrößern können. Dann würde „Superman 2“ zu lang laufen und eventuell Gefahr laufen langweilig zu wirken, ein Zustand der im fertigen Werk nie auftritt, nicht einmal ansatzweise gestreift.

Vom Unterhaltungswert her ist „Superman 2“ eine runde Sache, an der es nicht wirklich etwas zu meckern gibt. Kein Wunder, die Geschichte ist ein Selbstläufer: ein Superman gegen drei Supermänner, das ist ein Höhepunkt an Ereignissen, der jede weitere Fortsetzung theoretisch unnötig macht und eine konsequente Weiterführung der Ereignisse aus Teil 1 ist. Dass dieser dennoch besser ausfiel liegt nicht nur an der gehobeneren Qualität gegenüber jener von Teil 2, er erzählt mit der Entstehung des Helden auch die bessere Geschichte, ein Los das fast jede Superhelden-Reihe trifft, vom „RoboCop“ bis hin zu „Spider-Man“.

Aber auch im etwas schwächeren Gewand weiß „Superman 2“ zu unterhalten. Seine Schönheitsfehler sind Banalitäten im Vergleich zu seiner kurzweiligen Wirkung. Der Film ist nett erzählt und dies mit Ausnahme der Paris-Szene in jeder seiner Phasen. Man orientiert sich immer nah an den Charakteren und bleibt dem Motto treu, dass alles letztendlich ohnehin nur ein Spaß für ein jung gebliebenes Publikum sein soll, das sich mal zwei Stunden von der Realität abkapseln wollte. Lediglich das Product-Placement von Marlboro und Coca Cola reißt einen kurz in die (unangenehme) Realität, hätte man sie dem Zuschauer doch nicht so penetrant aufs Auge drücken dürfen wie geschehen. Ansonsten: toller Film!  OFDb

SUPERMAN - DER FILM (1978)

Dem Erfolg von „Krieg der Sterne“ haben wir es zu verdanken, dass Stoffe, die in gebildeteren Zeiten gerne als zu trivial oder zu schundig betrachtet wurden, auch in Großproduktionen für den Kinomarkt fertiggestellt wurden. Superman erhebt sich aus den Schmuddelheftchen, lässt seine wackeligen TV-Auftritte hinter sich und erscheint in professioneller Umsetzung für jederman auf der Leinwand und nicht mehr einzig für Kinder und Freaks. Damit sich auch der letzte Zweifler davon überzeugt bekommt, dass „Superman“ großes Kino verspricht und nicht vergleichbar mit den B-Movies aus dem Autokino ist, hat man mit Marlon Brando und Gene Hackman zwei Schauspiel-Größen engagieren können, die bereits zu ihrer Zeit berühmte Namen waren.

Und so griff die typische Hollywood-Politik durch, in welcher der Prominente vor der eigentlichen Hauptrolle im Vorspann genannt wird, was selbst in der Fortsetzung so bleiben sollte, obwohl sich Christopher Reeve durch Teil 1 einen Namen gemacht hatte. Mit dem von Gene Hackman ließ der sich dennoch nicht vergleichen, und der spielt dort wie hier den Oberschurken und Erz-Gegner Supermans, Lex Luthor, und dies im hier besprochenen ersten Teil erst zum Ende hin mit Glatze, was eine Erwähnung wert ist bei all dem zur Zeit aktuellen Maulen, man könne in der jüngst bevorstehenden Superman-Verfilmung, in welcher ein Kampf gegen Batman bevorsteht, Wirrfrisur Jesse Eisenberg nicht als Lex Luthor dulden, ein Mann mit Talent, in einem Film von dem man jetzt schon weiß, dass der Verbrecher mit Glatze tätig sein wird. Der Fan-Pool gleicht gerne einem Kindergarten.

Aber wenn es schon passt sich wie ein Kleinkind zu benehmen, dann doch bezüglich einer Comicverfilmung über einen Mann, der alles kann und jedem hilft, egal ob er es verdient oder nicht. Lag die Political Correctness, nun wieder bezogen auf diese erste Kino-Adaption, im Bewustsein der Bevölkerung auch noch so fern, der stählerne Blitz verkörpert sie bereits zwei Jahrzehnte zuvor, mit all ihren Nachteilen, Fragwürdigkeiten und dem bitteren Nachgeschmack. Und doch glänzt er und ist zu Recht die Sympathiefigur des fertigen Streifens.

Dabei agiert Christopher Reeve in der Rolle des Superman noch am ernsthaftesten, dürfen doch alle weiteren geradezu klassischen Comic-Stereotype mit einer sympathisch albernen Spielfreude agieren, wie man es eben nur in einem Popkornfilm sehen will, oder wollte. Scheinbar ist die kindlische Spielerei im Bereich der Comicverfilmungen vorbei, so ernst wie heutige Produktionen umgesetzt werden. Die Stars 1978 verstanden noch das Spiel zwischen Ironie und stilvollem Herumalbern, während die Inszenierung ebenfalls auf Abstand geht, ihren Humor aber nie zum Klamauk verfeuert und den Film nie zur echten Komödie werden lässt.

Richard Donner taucht sein Werk in einen subtilen Ton und dafür ist man ihm nicht nur dankbar, letztendlich ist es das Erfolgsrezept für die Qualität dieses Streifens. Es ist die einzig konsequente Herangehensweise für einen Film mit solcher Geschichte. Zur offensichtlichen, unversteckten Komödie wird es immer nur dann, wenn auf der bösen Seite Otis tätig wird (Otisberg, welch wundervoller Witz, sich erst perfekt entfaltend durch das Spiel Hackmans) und auf der guten Seite Clark Cent, in der Reeve all das verkörpern darf, was er als Superman nicht kann.

„Superman - Der Film“ ist recht lang ausgefallen, da er sich jeder Phase seiner Geschichte intensiv widmet, mit einer Ruhe, wie sie für die 70er Jahre gerade zu typisch war. Es wird niemals langweilig und hektisch erst gegen Ende, wo uns nicht nur eine völlig idiotische Idee erwartet, über die man gnädig hinwegsehen muss, sondern der Pluspunkt sich allem mit genügend Zeit zu widmen erstmals gebrochen wird. Studioentscheidung? Ich weiß es nicht, aber nie war der Film stilistisch so schwach wie hier. Inhaltlich könnte man noch die kitschige Szene kritisieren, in welcher zu einem inneren Monolog Lanes Superman mit seiner Angebeteten durch die Luft fliegt. Aber es ist der Monolog der diesen Moment unangenehm erscheinen lässt, nicht die Laufzeit dieser Szene, die sich ebenso zum intensiven Beschäftigen verpflichtet, wie die anderen Aspekte der Geschichte, mögen sie nun Haupt- oder Teilaspekt sein.

Wenn die finale, von Lex Luthor heraufbeschworene, Katastrophe losgeht, auf die manch ungeduldiger Fan längst gewartet hat, darf man das Katastrophenszenario a la Popkornkino in seiner schönsten Pracht erleben. Nicht dass man die Miniaturbauten nicht als solche erkennen würde, aber hier wurde noch handgemacht getrickst. Das macht diese Momente unbezahlbar, gerade in Zeiten von Computertricks und dem unsinnigen Drang zum Perfektionismus. Wieso soll eine kindliche, wunderliche, geradezu naive Geschichte ausgerechnet im optischen Bereich Perfektionismus anstreben, wenn sie doch nur für den trivialen Verzehr gedacht ist, um das nie verschwundene Kind in uns zu sättigen? Meiner Meinung nach spiegelt die heutige Haltung von Publikum und Studio nur den Vorwurf wieder, den sich unsere moderne Gesellschaft immer wieder gefallen lassen muss: die Großen von heute werden einfach nicht erwachsen.

„Superman - Der Film“ ist ein zeitloser Spaß für Groß und Klein, der allen gezeigt hat wie ein Comicfilm im professionellem Gewand funktioniert und wie er auch für ein erwachsenes Publikum goutierbar gemacht wird. Dass er dies gerade mit dem in seinen Eigenschaften langweiligsten Superheld der Welt schafft, einem Held der einfach zu viel kann um interessant genug zu sein, zeigt umso mehr die Größe des fertigen Streifens, der einen auch heute noch rundum zu gefallen weiß.  OFDb