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23.03.2025

Filmtagebuch - Zuletzt gesichtet (2)

Da mir zur Zeit die Motivation üblicher Besprechungen fehlt, möchte ich die letzten Sichtungen zumindest mal mit Kurzkommentaren versehen:

 

Margos Spuren (2015)

Die Geschichte mag manches Mal emotional recht distanziert erzählt sein, aber das hat seine Gründe und passt psychologisch zu den Fantastereien des Jungen, der im Klischee vergleichbarer Stoffe Recht behalten müsste, sowie zur Charakterzeichnung des abenteuerlichen Mädchens, nach dem gesucht wird. Anstatt uns den Standardschluss zu bescheren, erweist sich die Literaturverfilmung als erwachsen, wenn sie glaubwürdige Reifeprozesse an den beiden zentralen Figuren demonstriert.  Wiki 

 

Downsizing (2017)

Der vielschichtig reflektierende, sehr erwachsen erzählte "Downsizing" geht vielen Gedankengängen zum Thema Schrumpfen im gesellschaftlichen Zusammenhang nach, weiß auch politisch vielfältig zu überzeugen und beweist ein Verständnis für Psychologie gerade gegen Ende, wenn man zunächst vermutet, er würde auf den modernen politischen Zug der Klimawandelfanatiker aufsteigen. Der zu weit reichende Umweg unter Einbezug der asiatischen Zwangsgeschrumpften im letzten Drittel tut dem Gesamtergebnis jedoch nicht gut und tendiert in eine Richtung, in welcher das zentrale Thema zu lange ignoriert wird.  Wiki 


Thanksgiving (2023)

Sein satirisches Potential beweist der Streifen bereits in seiner längeren, pointenreich ausgekosteten Eingangssequenz, der theoretisch das klassische Slasherkonzept folgt. Dank spannender und kurzweiliger Umsetzung, sowie manch individuell anmutender Gore-Effekte erweist er sich dennoch als überdurchschnittlich, da er gekonnt inszeniert ist und sich keine größeren Schnitzer in Sachen Logik erlaubt, die für sein Sub-Genre unüblich wären.  Wiki

 

Brazil (1985)

Ich erkenne den hohen Einfluss auf andere Werke in "Brazil" und schätze seine tiefgehenden Gedanken, seine Pointenstärke, die Fantasie, die hier inhaltlich und in Bildern zelebriert wird. Aber "Brazil" ist gleichzeitig auch ein unzugänglicher Film für mich persönlich, so wie es mir noch mit fast jedem Werk von Terry Gilliam ging. Ich wurde nicht warm mit diesem wundervollen Film, den ich gern so sehr mögen würde, wie ich ihn schätze. Aber das ist leider nicht der Fall, emotional und in Identifikation mit der Hauptfigur ausgegrenzt, blieb er für mich zu sehr Theorie.  Wiki  

 

The Tracey Fragments (2007)

Die Idee einen Film über zeitgleich eingeblendete, kleine Fenster zu erzählen ist im Zeitalter des Internets eine gar nicht mal uninteressante, und mancher Freund von Neo-Kunst mag begeistert sein. Aber dieser Kunstaspekt hat eine Haltwertzeit, wenn er psychologisch nicht raffinierter greift. Und anstatt uns parallel verschiedene Szenarien zu zeigen, vergeigt man das Experiment mit nur leichten Zeitverzögerungen und Perspektivwechseln ein und der selben Szene zugleich. Dank emotionaler Distanz und mangelnder Identifikationsmöglichkeiten mit Tracey bleibt nur ein hektisches Stück Optik, das auf diese Art keine tieferen Einblicke gewährt und zu oberflächlich bleibt.  Wiki

28.08.2022

HALLOWEEN HAUNT (2019)

In dem von Eli Roth produzierten Horrorfilm "Halloween Haunt" ist es in etwa so, als wäre John Hughes' Kevin als Erwachsener ein Psychopath geworden, hätte sich ein paar nicht minder geistig ungesunde Kumpels gesucht, um in einem abgelegenen Haus ein angebliches Horror-Event für neugierige Teenager mit allerhand tödlicher Fallen zu errichten. Die werden selbstverständlich eingeladen, anstatt auf einen Einbruch zu warten, und wer einmal drin ist (den Haftungsausschuss freilich brav unterschrieben), kommt nicht mehr heraus. Es sei denn man ist ein Mädel wie unsere Hauptfigur, die in einem Horrorhaus mit Prügelvater aufgewachsen ist und bereits 20 Minuten nach dem Hineintreten in einen Nagel wieder völlig frei jeglichem Humpelns laufen kann. Ja, ich stelle das alles recht lächerlich dar, aber es ist eigentlich nur der übliche Grad Unsinn eines Horrorfilms, der uns hier heimsucht. Und für einen durchschnittlichen, wahrscheinlich schnell vergessenen, Beitrag dieses Genres ist "Haunt" (Originaltitel) meiner Meinung nach ziemlich geglückt. Hier muss nicht alles Sinn ergeben, ganz im Gegenteil fragt man sich ab einem gewissen Punkt z.B. warum unsere Heldin, die längst erkennen musste was für sadistische Spiele an diesem Ort vollzogen werden, noch immer den schriftlichen Anweisungen der Veranstalter folgt. Aber derartiges bleibt das Geheimnis der Autoren, ebenso wie der unnötig angehangene Schluss, der aus der Überlebenden, warum auch immer, die Rächerin gleicher Methoden macht. Nun ja... 

Die beiden "Nightlight"-Regisseure Scott Beck und Bryan Woods inszenieren diesen ganzen angenehmen, wie unsinnigen Standard überraschend stimmig, teilweise gar mit funktionierender Grusel-Wirkung und passablen Schockeffekten. Als Autoren der ganzen Sache leisten sie zwar nicht so anspruchsvolle Arbeit wie in ihrem Drehbuch zu "A Quiet Place", den wer anderes inszenierte, aber sie zeigen zumindest, dass sie die Grundlagen des Horrorfilms beherrschen, um einen durch einen kurzweiligen Film zu leiten. Der erfindet das Genre nie neu und nutzt bereits Bekanntes nur bedingt, um uns in die Irre zu führen, aber es funktioniert. Denn dankenswerter Weise schwebte den Beiden ein Horrorszenario vor, wie man es auch schon in den 80er Jahren hätte erzählen können (nein, "Halloween Haunt" ist kein Retrofilm, der besagtes Jahrzehnt imitiert). Zwar durchleben die gar nicht mal ängstlichen und relativ taffen Teenager hier harte Momente, aber die Geschichte um Geisteskranke, die eine Gruppe Menschen für sadistische Spiele gefangen hält, wird nie für den Bereich des Toture Porn genutzt, der statt stimmiger Momente lediglich Folterszenarien geboten hätte. 

Es ist schön, dass dieser scheinbar noch immer finanziell lukrativen Versuchung widerstanden wurde und stattdessen ganz im Gegenteil, immer dann wenn sich ein solches Szenario einzuschleichen scheint, verspielt abgebremst wird, z.B. indem in dem Moment einer abscheulichen Tat plötzlich der Vorhang wie in einer Theatervorstellung fällt. Derartige Augenzwinkerei weiß zu gefallen, zumal man es bei solch angehauchtem Niveau belässt und nie Richtung Horror-Komödie arbeitet. "Halloween Haunt" bietet ein spannendes Szenario, ist zügig erzählt und mit Charakteren versehen, die für den Grad ihrer Oberflächlichkeit überraschend gut als Identifikationsfiguren funktionieren. Und mit diesen drei Pluspunkten hat der Streifen vielen Konkurrenzprodukten gegenüber bereits einiges voraus. Dem Dauergast im Genre wird es zudem freuen zu erfahren, dass der Blutgehalt nicht gerade zimperlich ausgefallen ist. Dem allgemeinen Filmfreund sei hingegen verraten, dass dieses Werk dennoch nie zum reinen bluttriefenden Happening wird. Die Dosierung stimmt, die Härte auch, sie bereichert stets das Geschehen, anstatt es zu dominieren. Kurzum ist "Halloween Haunt" zwar ein recht gewöhnlicher Horrorfilm für den angenehmen Schnellverzehr für zwischendurch, aber er macht einiges richtig, so dass man ihm ruhig einen Blick würdigen kann.  OFDb

23.08.2020

DEATH WISH (2018)

Was ist nur mit den Autoren heutiger Kinoproduktionen aus den USA los? Können sie nicht mehr hintergründig schreiben, oder werden sie von den Studios dazu angehalten es möglichst einfach zu gestalten? Dabei wäre auch beides auf einmal drin, wie die Erstverfilmung "Ein Mann sieht rot" gezeigt hat. Er provozierte und schloss das gemeine Publikum nicht aus, er suchte aber auch nach Ursache und Wirkung, zeigte eine durchdachte Charakterentwicklung und arbeitete daran nicht widersprüchlich zu wirken, wenn er aus einem Waffenverweigerer einen Mörder machte. Die beunruhigende Wirkung aufgrund der Täuschung in der Hauptfigur und deren direkte Taten machten den Thriller so interessant, das Jagdgefühl bei Nacht und die indirekte Mittäterschaft des Publikums sorgten mitunter dafür, dass er so packend erzählt war. Und was macht die Neuverfilmung? Sie spult die oberflächliche Prozedur des Vorgängers ab, ohne zu verstehen, zu hinterfragen, zu analysieren. Was passiert, passiert einfach, egal warum. Selbst so offensichtliche Banalitäten, wie das perfekte Zielen eines Menschen, der vorher nie geschossen hat, werden nicht der Glaubwürdigkeit wegen vorbereitet. Modernisiert wird das Ganze über die Internet-Thematik, die man gut dafür hätte nutzen können, wie im Original gesellschaftspolitisch die Auswirkungen des Rächers auf die Mediennutzer zu thematisieren. Doch selbst dieser Aspekt wird in "Death Wish" unreflektiert abgearbeitet. 

Warum aus dem Architekten ein Krankenhaus-Arzt wurde, weiß man ebenso wenig, denn auch diese Änderung wird nicht einer tiefer gehenden Konzeption wegen angegangen, lediglich unwichtige Faktoren zehren von diesem Neuansatz. Warum man zudem auf Bruce Willis setzt, abgesehen von seiner noch immer Zuschauer-magnetischen Popularität, will sich mir ebenfalls nicht erschließen. Der Mann ist alt geworden und überzeugt in der Rolle Kerseys nicht. Er wird eingesetzt, als sei er noch Mitte 30, als hätte ein Alterungsprozess nie stattgefunden. Sein Körper verrät jedoch gegenteiliges. Und wenn man bedenkt, dass es die 70er Jahre-Version auf vier Fortsetzungen gebracht hat, darf man sich erst recht fragen, was dieser nachteilige Besetzungs-Schachzug soll, gerade in Zeiten, in denen stets auf eine eventuelle Fortsetzung eines möglichen Kinoerfolgs bereits im Vorfeld geschielt wird. Mit all diesen Nachteilen könnte ich noch halbwegs leben, wenn Regisseur Eli Roth, der immerhin die ersten beiden "Hostel"-Filme packend inszenierte, ein spannend erzähltes Ergebnis abliefern würde. Aber selbst diesbezüglich fällt "Death Wish" mager aus, von seiner mangelnden einfühlsamen Dramaturgie ganz zu schweigen. Zudem verpuffen die polizeilichen Ermittler, so unwichtig wie sie für die schlichte Geschichte eingebracht werden, was sehr schade ist, da einer von ihnen von Dean Norris verkörpert wird. Dass der finale Entschluss, der vom Original übernommen wurde, hier aufgrund der Vorereignisse und der gewählten Argumentation, sowie aufgrund des Nichtverstehens von Psychologie, weit weniger Sinn ergibt als dies bereits in der Erstverfilmung der Fall war, braucht man aufgrund der Umstände, wie der hier besprochene Streifen geschrieben wurde, schon kaum noch erwähnen.  OFDb

18.04.2018

THE GREEN INFERNO (2013)

Eli Roth ist mit seinen Extremfilmen "Cabin Fever" und "Hostel" nicht gerade dafür berühmt realitätsbezogene Streifen abzuliefern. Mit seinem Hang zur Härte scheint er eine treffsichere Wahl als Regisseur und inhaltlicher, wie finanziell Mitverantwortlicher eines Kannibalen-Horrors zu sein, jener Gattung Genrebeitrag, die Ende der 70er Jahre bis Anfang der 80er Jahre einen kurzen Boom erlebte und danach fast völlig ausgestorben nur noch höchst selten weiterverfolgt wurde (im klassischen Bereich fast gar nicht). Der Kannibalenfilm war für seine unappetitliche Art bekannt, für seine Provokation, seine Härte und war berüchtigt für oftmals reißerische Schauwerte ohne politischen Tiefgang und den häufig angewendeten Tier-Snuff in Zeiten vor diversen Tierschutzgesetzen im Filmbereich. Nur selten gab es gar intelligente Beiträge zu diesem Thema zu sichten, und meist wurde derartiges von Ruggero Deodato inszeniert ("Mondo Cannibale 2", "Nackt und zerfleischt").

Wer nun glaubt selbigen Tiefgang in einem Eli Roth-Film erwarten zu dürfen, der irrt. "The Green Inferno" soll lediglich ein schockierender Unterhaltungsfilm sein, hauptsächlich für ein Ami-Publikum inszeniert, und dies fällt einem als europäischer Zuschauer auch in diversen Punkten unübersehbar auf, so z.B. in der klischeebeladenen, vorverurteilenden Sicht auf andere Kulturen, wie sie bereits von Roth in den beiden "Hostel"-Filmen zelebriert wurde, noch auffälliger jedoch unfreiwillig komisch zu beobachten im Hauptteil des Filmes, der uns einen Wildenstamm zeigt, der sich für jeglichen noch so kleinen Aspekt von Nacktheit schämt. Da wird trotz dem Hang zur Fremdenfeindlichkeit die Kultur der anderen unfreiwillig aufgrund diverser religiös beeinflusster Hollywood-Regeln mit jener der Amis vermischt. Mit der (Ami)Prüderie der Wilden wirkt jeglicher Aspekt innerhalb des Stammes unrealistisch und auch einen gewissen Hauch lächerlich, so dass man nie intensiv genug in den Film eintauchen kann. Stets bleibt er viel zu offensichtlich US-Kino.

Ein wenig verwirrt darf man über die geradezu typisch angewendete Prüderie trotzdem sein, zeigt uns Roth doch lange Zeit vor der unfreiwilligen Einkehr ins Kannibalendorf in einer Pinkelszene die Ansätze eines Penisses, was wohl das Ami-Publikum schockieren soll, den Europäer zumindest überrascht, und sich später bei den komplett verdeckten Kannibalen nur noch als geheuchelte Provokation herausstellt. Nun ist dieser traurige Aspekt eigentlich nicht so viele Zeilen wert, wie ich nun für diesen Hinweis verschwendet habe, denn wie erwähnt soll "The Green Inferno" lediglich unterhalten. Bedenkt man aber dass Roth dennoch immer wieder versucht diverse Gruppierungen der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen, was gegen Ende in einem größeren Umfang kritisiert wird, als zunächst noch in übersichtlichen Kategorien, dann fragt man sich doch warum Roth diese Aufklärungsansätze in einen Film integriert, der ansonsten keineswegs irgendeine Form von Realismus beinhaltet. 

Die Figuren im Film handeln alle völlig Banane (Euphorie weil eine billige Protestaktion angeblich alles gerettet hat, Ernüchterung weil man nicht von selbst drauf kam, dass dieser Fakt nur Verarsche sein kann, Masturbation eines Amerikaners während ein Mitaktivist verspeist wird, weltfremdes Verhalten im Dschungel aufgrund von Luxusproblemen, ...), die Geschichte suhlt sich in jeglichen Klischees, in der Aktivistengruppe befinden sich Charaktere (soweit man diesen Begriff überhaupt verwenden kann), die nie an derartigen Aktionen teilnehmen oder sich von Alejandro beeinflussen lassen würden, und selbst die Schlussaktion, die höchst gesellschaftskritisch und provokativ sein soll, ist derart unsinnig ausgefallen und auf die Heldin bezogen auch in keinster Form nachvollziehbar, dass man sich auch nur im Kino für die Masse befinden kann, welches derartig vorgesetzten Unsinn kritikfrei gourmiert, also einem Filmbereich in dem psychologisch sinnvoll denkende Autoren nicht verkehren.

Andererseits ist gerade der Blick aufs Massenpublikum die Faszination, die "The Green Inferno" zu verursachen weiß. Ein Schund-Genre, dem jeglicher Mensch außerhalb von Horror-Fan-Kreisen bislang entweder naserümpfend, desinteressiert oder belächelnd begegnet ist und das stets als minderwertig galt, wird nun in aufpolierter Optik und weltfremder Erzählung für ein großes Publikum zurechtgestutzt, was bei Erfolg die Chance einräumt, dass weitere Produkte dieses totgeglaubten Genres auf den Markt kommen könnten. Bislang musste man, wenn überhaupt etwas derartiges erschien, auf solch schlechten Unfug wie "Isle of the Damned" zurückgreifen, alternativ machte der Griff zu älteren Werken jedoch mehr Sinn. Es kann also sein, dass diesem eher mittelprächtig und dümmlich ausgefallenem Mainstreamwerk vielleicht bessere Produktionen folgen, die sowohl für den Gorehound mehr Goreszenen enthalten (bei aller Härte erhascht man in Roths Werk doch nie einen exakten Blick auf Gräueltaten, was eigentlich ein elementarer Bestandteil des Kannibalen-Horrors ist), als auch eventuell für den mehr erwartenden Cineasten auch etwas mehr Tiefgang und Intelligenz. Dass dies im höchst verpönten Kannibalen-Horror möglich ist, bewies Deodato zwei Mal, auch wenn dümmliche Menschen in ihm lediglich den Provokateur erkennen (wollen).  OFDb

19.11.2016

CLOWN (2014)

Dass sich wer über die Körperteile eines anderen verändert, kennt man aus „The Eye“, „Body Parts“ und vielerlei ähnlichen Filmen. Ein Kleidungsstück, welches die Persönlichkeit verändert, kenne ich persönlich nur aus Tobe Hoopers „Im Banne des Grauens“. Eines von diesen Beispielen in Kombination mit dem klassischen Mutations-Horror ist mir bislang jedoch nicht untergekommen. Von daher kann man Watts „Die Fliege“-Variante, in welcher sich ein Makler in einen Clown verwandelt, durchaus als eine eigenständige Idee bezeichnen.

In den 90er Jahren hätte man solch eine Geschichte wahrscheinlich noch humoristisch, oder zumindest augenzwinkernd untermalt wie den „Ice Cream Man“, umgesetzt. Der von Erfolgs-Regisseur Eli Roth inszenierte Film kommt jedoch nicht nur sehr ernst daher, er übertreibt es gar mit seiner unverspielten Art, indem er von einer düsteren Ur-Herkunft der heute als belustigend geltenden Clowns ausgeht, ein Aspekt der es schwer macht „Clown“ all zu ernst zu nehmen, aber immerhin präsentiert er die Ausführung eines Gedankenganges, der in „Space Invaders“ einst nur kurz angeklungen ist.

Abgesehen von der so gar nicht feinfühligen deutschen Synchronisation ist dies aber eigentlich der einzige Schwachpunkt eines Horrorfilmes, der zwar nicht so innovativ ausgefallen ist wie er klingt, eigentlich sogar recht gewöhnlichen Pfaden folgt, als kleiner Leckerbissen seines Genres jedoch zu gefallen weiß, zumal er in der Umsetzung seines gar nicht so innovativen Stoffes manch ungewöhnliche Eigenschaften besitzt. Allen voran wäre freilich der Bruch des Tabus der Kinderopfer zu betrachten, den in den 80er Jahren meist nur die Italiener zu brechen wagten. Nun konzentriert sich ein Film einmal zentriert auf diese vernachlässigte Opfergruppierung, und so mancher fiesgeleitete Horror-Fan wird da vielleicht sogar mit dem Clown mitfiebern, sind Kinder in Horrorfilmen doch meist nicht gern gesehen.

Die FSK 18 mag gerechtfertigt sein, so brutal wie ein üblicher Eli Roth-Film ist Jon Watts Erstling jedoch nicht ausgefallen, so dass besagter Tabubruch noch relativ schonend angegangen wird. Da fliegen eher angenagte Körperteile ins Bild, als dass man einer Attacke tatsächlich beiwohnen muss, und auch sonst geschehen blutige Momente eher angedeutet, anstatt konstant mit der Kamera draufzuhalten.

Ansonsten überrascht „Clown“ damit, dass er die Erkenntnisse seiner Geschichte sehr zügig vorwärts bringt. Wo andere Protagonisten einer Geschichte lange recherchieren, oft sogar erst gegen Ende begreifen was mit ihnen oder Nahestehenden geschieht, findet das Begreifen und das Entdecken der Hintergründe im hier besprochenen Film sehr früh statt. Das ist glücklicher Weise glaubwürdig eingefangen, ohne dabei das Geschehen als zu gehetzt einzufangen, einen wirklichen Vorteil verschafft sich Watts damit jedoch trotzdem nicht, nutzt er die eingesparte Zeit doch nicht für Einblicke in die Geschichte, die bei üblichem Erzählmuster nicht möglich gewesen wären.

Das mag eine vertane Chance gewesen sein, in „Clown“ geht es aber ohnehin nicht um außergewöhnliche Momente. Eigentlich erzählt er nur eine leicht bizarre Horrorgeschichte, die ihrer Unterhaltungspflicht nachkommt. Interessante Ansätze, wie der innere Konflikt der Mutter ein Kind für das ihre opfern zu müssen, werden nur kurz angeschnitten, um schließlich mit simpelster Lösungsmethode, meist durch Fremdeinfluss, auf den nächsten Hingucker der Geschichte hinzulenken. Dementsprechend oberflächlich fällt die Psychologie der Figuren und der Anspruch des Streifens aus. Erwartet man von „Clown“ jedoch nicht all zu viel, ist er interessant genug ausgefallen um mit ihm seinen Spaß zu haben. Allerdings rate ich zu einer Sichtung im Originalton. Die reguläre deutsche Veröffentlichung verfügt erfreulicher Weise über einen deutschen Untertitel.  OFDb

08.02.2013

HOSTEL 2 (2007)

Drei Studentinnen reisen in die Slowakei um einen drauf zu machen. Als Gäste im Hostel werden sie unwissendlich jedoch Teil einer grausamen Versteigerung...  
 
Was bei Ebay verboten ist...
 
Was als eher schlechter als rechter Teenagerfilm begann, wurde zu einem nervenkitzelnden Erlebnis. „Hostel“ konnte durch einen immens hohen Spannungsbogen viele seiner Schwächen glatt bügeln, und diesen Spannungsbogen erreichte er großteils durch die Unwissenheit des Zuschauers. Was geht hier vor? Wo sind die Jungs da rein geraten?

Nichtkennern des ersten Teils rate ich von der Fortsetzung ab. Es ist nicht so, dass man dort Informationen erhält, woraufhin man die Fortsetzung nicht kapieren würde, aber man würde sich den Überraschungseffekt verderben und das extrem unbehagliche Gefühl des Mitgefangenseins in einer scheinbar aussichtslosen Situation, deren Zusammenhänge man aus Sicht des Protagonisten nicht begreift. Nach Teil 1 sind wir alle schlauer, also muss die Fortsetzung nun auf andere Art trumpfen.

Das tut sie zum einem diesmal aus dem Wissen des Zuschauers. Zwar ist die daraus resultierende Wirkung nicht so effektiv wie die der Unwissenheit, aber es weiß zu wirken, wenn man drei Fliegen dabei beobachten darf, wie sie sich naiv in das Netz der Spinne begeben. Der Verzehr ist dabei Nebensache. Zu wissen, dass dieser Verzehr auf sie wartet, macht die Atmosphäre aus.

Zum andern bekommen wir, ähnlich wie in „Cube 3 – Cube Zero“, tiefere Einblicke in die Auflösung des großen Rätsels aus Teil 1. Nun erfahren wir, wie man zum Folterer wird, wer die Organisation leitet und einiges mehr. Vielleicht bekommt man eine Spur mehr gezeigt, als einem lieb wäre, das Ungewisse der Organisation machte schließlich ihren Reiz aus, und manches Rätsel hätte erhalten bleiben können. Trotzdem siegt in mir die Neugier, so dass ich zufrieden mit diesem Themenbereich bin.

Obwohl „Hostel 2“ zum Subgenre des modernen Folterfilms gehört, beginnt er wie ein früher Teil der „Freitag der 13.“-Reihe. Zuerst widmet man sich dem Überlebenden des Vorgängers. Der kommt in der Fortsetzung nicht lebend aus seiner dauerhaften Angstsituation heraus, und das ist eigentlich ganz gut so, soll es doch die internationale Macht der Organisation betonen und damit die Hilflosigkeit der Opfer um ein weiteres unterstreichen. Mehr noch, wenn man weiß dass eine Flucht nur dann dauerhaft erfolgreich ist, wenn man hinterher eine Art Klosterleben leben muss, dann ist das psychologisch gesehen gar nicht mal unclever in Bezug auf die zukünftige Heldin, deren Geschichte wenige Minuten später beginnen soll. Nun fühlt sich der Zuschauer erneut hilflos. Was soll man der Heldin wünschen, wenn ein Entkommen aus einer an sich aussichtslosen Situation auch nicht zum Happy End führt?

Leider neigt Eli Roth immer wieder zu Klischees und unnötigen Show-Effekten. Und so ruiniert der Regisseur das nett aufgebaute Eingangs-Szenario mit einem Schockeffekt, der durch seine Extreme lächerlich und somit wirkungslos wird. Die Rede ist vom Tod des Helden aus Teil 1. Dass er nicht überleben wird, war dank der Einleitung klar, dass seine Art zu sterben so reißerisch ist, und die Entdeckung seiner Leiche so plump angegangen wird, kann man dem Herren leider nicht verzeihen.

Nun weiß man nach Teil 1 allerdings nicht nur inhaltlich mehr, sondern auch stilistisch. Bereits Teil 1 outete Eli Roth als Regisseur und Drehbuchautor mit Defiziten. Produzent Quentin Tarantino schien daran nichts ändern zu können, auch wenn es seine Stärke ist, seine Schauspieler zu Höchstleistungen anzuregen. Bei seinen Regisseuren scheint selbiges nicht der Fall zu sein. So war man im Vorgänger doch fast geneigt auszuschalten, als man diese dümmliche Einführung von über 30 Minuten erdulden musste. Und selbst als der Film seinen Dauerhöhepunkt erreichte, und emotional viel vom Zuschauer abverlangt wurde, kam es immer wieder zu Schwächen in der Story, die einfach nicht hätten sein müssen.
 
In der Fortsetzung tauchen diese nun großteils gegen Ende auf. Anfangs sind auch welche vorhanden, wie z.B. die extremen Klischeecharaktere, zu denen sich diesmal auch zukünftige Folterer dazuzählen können. Aber an sich kann man die Einleitung der Hauptgeschichte diesmal als gelungen bezeichnen, inklusive der Bösewichter, die man diesmal wissendlich beim Spiel mit ihren Opfern beobachten darf. Das ist so makaber wie wirksam.

Gegen Ende erwarten den Zuschauer jedoch einige Überraschungen, von denen ich an dieser Stelle keine verraten werde. Leider sind diese Überraschungen nicht immer positiver Natur. Charakteränderungen kommen wirklich unverhofft, wirken aber nicht immer glaubhaft. Oberflächlich betrachtet ist die Endsituation der Heldin ein interessanter Trick, der tiefer betrachtet allerdings wenig Sinn macht, weil er damit ein gewaltiges Risiko für gewisse Leute birgt. Darüber könnte man jedoch streiten, denn die allerletzte Schluss-Szene könnte auch als Diskussionsgrundlage dienen, ob Reichtum automatisch geistig krank macht. Andererseits ist diese letzte Szene so lächerlich wie der Diskussionsansatz selbst, also vergessen wir diesen Gedanken besser wieder.

Letztendlich guckt sich „Hostel 2“ ähnlich angenehm unangenehm wie sein Vorgänger, allerdings fast immer auf spiegelverkehrte Weise. Die Negativpunkte erwarten einen diesmal am Ende statt am Anfang. Statt männlicher Helden gibt es diesmal weibliche. Statt Unwissenheit punktet diesmal das Eingeweihtsein. „Hostel 2“ mag nicht so spannend wie Teil 1 sein, aber er fesselt auf seine ganz eigene Art.

Nichtsdestotrotz wäre eine Umsetzung ohne die Defizite wünschenswert gewesen. Das ist theoretisch zwar immer der Fall, aber in den beiden „Hostel“-Filmen sind die Negativpunkte so unglaublich unnötig. Man hätte sie so simpel auslassen können, da sie einfach nicht Hand in Hand mit der eigentlichen Geschichte gehen. Vielleicht sollte für einen Teil 3 einfach mal ein anderer Drehbuchautor her, das würde wahrscheinlich schon reichen. Dort wäre aufgrund mancher Hintergründe, die man nun besitzt, ein Schluss im Stile von „Sie leben!“ wünschenswert. Denn selbst damit wäre die Geschichte noch nicht zu Ende erzählt.  OFDb

HOSTEL (2005)

Junge Rucksacktouristen suchen das große Beischlaf-Abenteuer und landen durch eine Empfehlung in der Slowakei. Dort sind die Frauen willig. Einer der Kumpels ist am nächsten Tag jedoch verschollen...
 
Und nächstes Jahr am Balaton... 

Von dem modernen Folterkino halte ich persönlich nicht viel. „Saw“ ist in meinen Augen eine pseudointellektuelle Voyeurs-Nummer mit lahmen Krimi-Nebenplot, die Neuverfilmungen von Hoopers Meisterwerk „Blutgericht in Texas“ waren auch nicht mehr als provozierende Durchschnittsware für den Teen von heute, der den neuesten Kick sucht, lediglich „The Hills Have Eyes“ konnte mich bisher begeistern.

Bisher, denn nun mit „Hostel“ ist mir ein weiterer Vertreter seiner Gattung vor die Augen getreten, den man nicht in einem Topf mit dem anderen Mist werfen darf. Was Regisseur Roth trotz aller Blut- und Folterszenen nämlich nicht übersah war der Spannungsbogen. Das mysteriöse Verschwinden, mehr zu wissen als die Hauptfigur, das beklemmende Szenario in den Folterszenen selbst, der kranke Hintergrund der ganzen Sache und die finale Flucht, das sind alles Filmphasen mit Nervenkitzel. Diese Szenen lassen einen nicht los, bescheren einem ein unangenehmes Gefühl und machen aus „Hostel“ mehr als den Hingucker für ein fragwürdiges, blutgeiles Publikum.

„Hostel“ ist eine Erfahrung, die an die Nieren geht, ein Terror-Horror in Reinform, bei dem jeder selbst vorher wissen muss, ob er sich dem aussetzen will oder nicht. Roth schafft es einem ein derart unbehagliches Gefühl zu zaubern, ohne die Kamera gnadenlos draufzuhalten. Das soll nicht heißen, dass die Bilder sanft sind, sie baden in Blut, und seine voyeuristische Art kann man dem Film trotz all seiner Qualitäten nicht abstreiten. Was unterscheidet den Zuschauer von den Tätern im Film? Wo ist die Grenze des Abartigen? Beginnt sie nicht bereits im Zusehen zum Unterhaltungszweck und in gesellschaftlich akzeptablen, alltäglichen Dingen.

Fragen, die auch der Film wagt aufzuwerfen. Zwischen den Zeilen erfahren wir, dass es die Gesellschaft selber ist, die Triebtäter mit unterdrückten Wünschen schafft. Und „Hostel“ zeigt im ersten Drittel die andere Art einen Körper auszunutzen. Streng gesehen dreht der Film zur Hälfte lediglich den Spieß um, macht aus Tätern Opfer, wenn ihre Qual auch auf andere Art geschehen mag.

Auch mit dem voyeuristischen Trieb des Zuschauers geht Roth augenzwinkernd um. Pate für diese Aussage soll nur einmal jener Schnitt stehen, der das Abzwicken einer Zehe mit einem Werkzeug damit beendet, dass man im nächsten Moment jemandem beim Zehennagelschneiden beobachten darf. Da dieser Moment einen bestialischen Augenblick prophezeit, einen typischen Weggucker zarter Gemüter, gehört diese Szene wohl zu den am wenigsten geguckten des kompletten Streifens.

Auch wenn es solche augenzwinkernden Momente gibt, so steht doch trotzdem das Grauen im Mittelpunkt, das den Protagonisten und den Zuschauern widerfährt. Wie bereits Camerons „Titanic“ und Hitchcocks „Die Vögel“, so arbeitet auch Roth mit dem psychologischen Trick, dem Zuschauer zunächst eine Geschichte in belustigter Atmosphäre zu bieten, bevor das Blatt sich wendet und die Bedrohung auf der Leinwand erscheint.

Dennoch übertreibt es Roth in den ersten 25 Minuten. Nach 10 Minuten ist man noch belustigt über die notgeilen Teenager, nach 15 Minuten ist das Ganze auch noch o.k., aber dass es fast eine halbe Stunde dauert, bevor der Horrorfilm zum Horrorfilm wird, ist dann doch zu viel des guten. Zumal der Film bis dahin nur von jungen Männern erzählt, die kiffen und ficken wollen.

Dabei wird auch das gängige Charakterklischee US-amerikanischer Unterhaltungsprodukte eingebaut. Über dies kann man jedoch gnädiger hinweggucken, als über die Ostblock-Klischees, vergessene Schmerzen der Figuren und die zu zufälligen Wendungen der letzten viertel Stunde. Akzeptabel mag noch die Szene sein, in der Kaugummis zum Zahlungsmittel werden, aber auch die wirkt unglaubwürdig und badet im Klischee typischer amerikanischer Schablonengeschichten.

„Hostel“ springt auf den fahrenden Zug des provozierenden Folterfilmes mit auf, entpuppt sich dann jedoch als Wolf im Schafspelz, um den Zuschauer selber den Spiegel vorzuhalten, mixt dies mit einer bedrohlichen Atmosphäre und höchst spannenden Momenten, um letztendlich gegen Schluss völlig unnötige Fehler zu begehen. Ärgerlich ist beispielsweise eine Dialogszene im letzten Drittel, die nur dafür da ist den weniger gescheiten Zuschauern zu erklären, was sie längst von selbst hätten begreifen sollen. Wer Terrorkino sehen will, ohne für blöd gehalten zu werden, sollte am besten „Augen ohne Gesicht“ gucken. Der zeigt wie man es richtig macht. Wer ein sehr ähnliches Thema auf Gruselart erleben möchte, der sollte zu „Unsichtbare Augen“ greifen.

Komplett verkehrt macht es Roth mit „Hostel“ nicht, ich war sehr überrascht, nachdem ich einen stupiden, blutgetränkten Horror erwartet hatte. Aber die Schönheitsfehler gegen Ende enttäuschen doch. Und wenn man dann noch die zu lange Einführung bedenkt, dann muss man eingestehen, auch wenn man noch solch intensiven Nervenkitzel miterleben durfte, dass wesentlich mehr möglich gewesen wäre.

Trotz des hohen Unterhaltungswertes bleibt auch die Frage nach dem Sinn oder der Fragwürdigkeit solcher Produkte offen. Was nutzt es dem Zuschauer die dunklen Seiten menschlicher Seelen zu zeigen, ihm dabei hinterlistig den Spiegel vorzuhalten, wenn das ganze mit ähnlich primitiven Mitteln angegangen wird, die Filme wie „Hostel“ ankreiden? Dieser Frage sollen ruhig Psychologen nachgehen. Ich gehe lieber der Frage nach dem Unterhaltungswert nach, und der war in den guten Momenten sehr hoch. Aber solche gab es ja leider nicht allein.  OFDb