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11.02.2023

DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN HORNISSE (1974)

Nach einem Serial aus den 40er Jahren und lange vor dem Seth Rogen-Film "The Green Hornet", erschien 1966 im selben Jahr der legendären "Batman"-Serie mit Adam West die Konkurrenzantwort "The Green Hornet". Sie bekam in den 70er Jahren per Zusammenschnitt diverser Episoden eine Veröffentlichung in Deutschland. Doch während die Konkurrenzfilme "Spider-Man schlägt zurück" und "Spider-Man gegen den gelben Drachen" selbiges mit der in unserem Land nie ausgestrahlten Realserie "Spider-Man" taten und damit zusammenhängende Geschichten vereinten, da bekamen "Das Geheimnis der grünen Hornisse" und "Der gelbe Taifun" jeweils drei unabhängig voneinander erzählte Geschichten zum Zusammenschustern serviert, so dass sie zu Episodenfilmen wurden. Hierfür wurden Handlungsstränge herausgeschnitten, die in der "Film"-Fassung für Verwirrung sorgen, auch wenn die Geschichten kaum simpler ausfallen könnten. 

Recht lustlos inszeniert, wirkt das Ganze, nicht nur im Vergleich mit der schrillen Serie um den Fledermausmann, recht lahm. Tatsächlich bleibt der einzige Sehwert die Kampfkunst Bruce Lees, der als Sidekick Sato besetzt wurde. Mit seinem Handkantentalent waren Schnitte während der Kampfszenen kaum nötig, toll eingefangen sind die Bilder aber auch in diesen Momenten nicht. Öde Kameraeinstellungen passen zu mauen Kostümen und zu geschwätzig ausgefallenen Kriminalfällen. Ausgerechnet mit dem uninteressantesten der drei steigt der Zusammenschnitt ein. Die mittlere Episode, die uns für einen kurzen Moment den Bereich der Science Fiction vorgaukelt, lockert das bis dahin dröge Geschehen ein wenig auf und präsentiert uns als Superschurken Dr. Mabuse. Aber selbst dieses unterhaltsamste Kapitel fällt mager aus und wird zu seiner zweiten Hälfte hin dank endloser Verfolgungen uninteressant, auch optisch, wenn man sich an den silbernen Fake-Aliens satt gesehen hat. Warum eine Gehilfin Mabuses mit futuristischen Strahlen betäuben kann, und damit der Geschichte doch noch ein wahrhaftiges Science Fiction-Element beschert, wird nie verraten, möglich dass die Erklärung hierzu hinausgeschnitten wurde und in der ursprünglich ausgestrahlten Episodenlänge vorhanden ist. 

Wichtig ist das Füllen einer derartigen Erklärungslücke nicht, denn die Erzählungen aller drei vereinten Folgen ist ohnehin höchst unlogischer Natur. Man weiß nie warum sich die beiden Helden verkleiden, wenn doch offen die Namen der Maskierten genannt werden, die Masken kaum eine Identität verdecken und fast jeder eingeweiht scheint. Warum Mabuse einen wichtigen Zeugen und ehemaligen Verbündeten lebend zurücklässt, der seine Pläne verraten kann, bleibt auch ungeklärt, vielleicht begründet darin, dass der Wahnsinnige siegessicher die Weltherrschaft zum Greifen nahe sieht, warum auch immer, behauptet zumindest das Drehbuch. Dies lässt Figuren Dinge tun, die sie in hier gezeigten Situationen nie tun würden. Und da das verspielte Comic-Feeling des Konkurrenzproduktes bei der Hornisse nie aufkommen mag, werden sie zum Störfaktor, anstatt zu einem amüsanten Bonus. Das sich damals fremd anfühlende asiatische Flair durch Bruce Lee, wird in der dritten Episode verstärkt, wenn Kriminelle verschiedener Ethnien in Chinatown gegeneinander kämpfen. Aber auch das ist, wenn auch weit actionreicher ausgefallen als der Rest, nur mit halber Backe inszeniert und schaut sich so lahmarschig wie der Rest. 

Dieser ernüchternde, wenn auch theoretisch nicht völlig uninteressante, Blick auf diese Produktion genügt, um meine Neugierde zu decken. Den zweiten Zusammenschnitt werde ich mir nicht mehr geben. Anhand des Trailers zu diesem fiel mir aber zumindest auf, dass die sehenswerteren Kampfkünste Lees eher dort vertreten sind als hier.  OFDb

24.07.2017

DER MANN MIT DER TODESKRALLE (1973)

Gleich vorweg: es ist schwer „Der Mann mit der Todeskralle“ zu sichten, bzw. über ihn zu schreiben, wenn man seit etlichen Jahren immer wieder einmal „The Kentucky Fried Movie“ gesehen hat, dessen Hauptepisode sich den hier besprochenen Film zur Brust nahm. Der war schließlich spätestens durch den viel zu frühen Tod von Bruce Lee kurz nach Drehende zum Kultobjekt geworden, und wenn man einmal ehrlich ist verdient er es mit seinen offensichtlichen Schwächen auch parodiert zu werden. Allerdings klingt das strenger als ich es meine, mag ich den Streifen doch. Allerdings bietet er tatsächlich allerhand Material, das geradezu danach schreit parodiert zu werden.

Davon einmal abgesehen hat der Kampfsportfilm-erfahrene Regisseur Robert Clouse, der auch mit Jackie Chan „Die große Keilerei“ drehte und mit „Night Eyes“ Anfang der 80er Jahre in der Ausnahme auch mal einen Horrorfilm abgedreht hat, einen kurzweiligen Film mit simpler Story abgeliefert, die eigentlich ohne große Umschweife das bietet, was der Fan des Genres auch sehen will. Lee präsentiert abwechslungsreiche, eigens choreographierte Kampfmethoden inmitten einer schlicht gehaltenen Gut-Böse-Story, die zwar in ihrer Personen-getrennten Einführung zunächst etwas umständlich beginnt, sich spätestens auf der Insel angekommen aber schleunigst entknotet, so dass dem Mix aus Kampfsportfilm und Spionagekrimi, in einem zu Gunsten der Action hochgradig unterschiedlichem Gleichgewicht, nichts mehr im Weg steht.

Die pulpige 70er Jahre-Musik weiß gekonnt das zwischen professionell und unbedarft wirkende Szenario zu unterstützen, und dank einer Co-Produktion zwischen Hongkong und den USA ist in einer großen Nebenrolle zudem John Saxon besetzt, den man spätestens durch „Nightmare - Mörderische Träume“ kennen sollte. Der ist Anfang der 70er Jahre noch wesentlich schlanker und körperlich agiler und schlägt sich dementsprechend recht wacker neben dem Profi Lee, auch wenn er an dessen Können freilich kaum heranreicht.

Dank sympathischer Sprecher lohnt sich auch das Sichten in der Deutschvertonung. So wird der Oberbösewicht beispielsweise von der Stammstimme Michael Caines gesprochen, und da tut es einem regelrecht leid, dass dieser so selten zu Wort kommt, so ironisch wie sich diese Besetzung anhört. Der augenzwinkernde Umgang passt hervorragend zu einem Plot, der nicht wirklich Sinn ergibt. Warum man einem zukünftigen Opfer zuvor die Herstellung der Drogen zeigt, warum man die Insel nicht schon zuvor einnimmt, wenn doch bekannt ist, dass dort niemand Schusswaffen trägt und warum es ausgerechnet Lee sein muss, dessen Einsatz eigentlich seinem Kodex aus der Shaolin-Lehrzeit widerspricht, das weiß höchstens Autor Michael Allin, wahrscheinlicher ist es jedoch, dass ihm die Lücken seiner Geschichte einfach egal waren.

„Enter the Dragon“ (Originaltitel) ist kein geistreicher Klassiker a la „Die sieben Samurai“, er ist ganz offensichtlich für den kurzweiligen Unterhaltungswert hergestellt, quasi Action-Fast Food mit gekonnten Kampfsporteinlagen. Aber er ist ein sympathisches Werk dieser Gattung und wurde derart bekannt, dass der Markt nach noch mehr Bruce Lee-Filmen schrie, unabhängig davon ob er tot war oder nicht. So erschienen noch einige Mogelpackungen mit Resteverwertungen von Bruce Lee-Aufnahmen, und in Deutschland trickste man zudem noch eine Fortsetzung des hier besprochenen Filmes, indem man ein zuvor gedrehtes Werk mit Bruce Lee einfach „Die Todeskralle schlägt wieder zu“ nannte.  OFDb