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30.03.2024

PLANET TERROR (2007)

Bereits der eingangs vorausgeschickte Fake-Trailer zu "Machete", einem Film, der erst aufgrund des Erfolgs von "Planet Terror" tatsächlich realisiert wurde, zeigt wie gut man sich im Gebiet des B-Movies auskannte, wird doch gefühlt jedes Klischee eines Actionfilms und eines Trailers ausgelebt, gekleidet in einem längst vergangenen Stil. Und dabei bleibt es, wenn das Hauptprogramm beginnt, das sich nicht damit ausruht einen Zombiefilm zu liefern. Dieser Bereich drängt sich fast schon an den Rand, inmitten irrer Figuren, Einfälle und Klischees, die das Geschehen von Robert Rodriguez' Film beherrschen und zum feuchten Traum für Fans des harten Trivialfilms werden. Die Härte gegenwärtiger Filme vereint sich mit dem Stil diverser Filmdekaden ab der späten 60er Jahre, munter werden Elemente diverser Genres verknüpft, Klischees derart hochgeschraubt und ad absurdum geführt, dass sie regelrecht pervertieren in einem Geschehen aus Coolness, Ekel, Sexismus, Übernatürlichem und Gewalt. Und wenn man versteht, auf was sich die absichtlich geschmacklose Chose bezieht, erkennt man in welcher Perfektion Rodriguez das alles inszeniert. 

Jedes kleinste Detail stimmt in dieser Verbeugung vor dem Schundfilm, hier wurde nichts auf die Schnelle abgefertigt. Zugang muss man dazu besitzen, um Spaß an diesem gewaltbereiten, vulgären Treiben zu haben, Perfektion hin oder her. Und während mir dies bis in die 00er Jahre hinein problemlos geglückt wäre, tue ich mich heute trotz dieses wundervollen Ergebnisses doch etwas schwer mich hier einzufinden, ist mir der Coolnessfaktor doch viel zu hochgehalten und mutet mir eine Spur zu infantil an, inmitten eines Streifens, der bewusst das perverse Kind im Manne nährt. Auch die Unnahbarkeit zu den Figuren, die tatsächlich gar nicht anders ausfallen darf als geschehen, inmitten dieses vor Skurrilitäten nur so wimmelnden, abgedrehten Stoffes, der dem Zuschauer keinerlei Atempausen gönnt, ließ mich das an sich köstliche Ergebnis von "Planet Terror", der in Kombination mit Quentin Tarantinos "Death Proof" entstand, doch etwas arg theoretisch schauen, anstatt dass ich hätte munter hinein springen und eintauchen können in dieses Bad aus Sex, Erotik und Gewalt. 

Ich sympathisiere mit dem Film, definitiv, ich bin begeistert von der Figurenzeichnung, dem Klischee von Versöhnung verfeindeter Seiten, dem überzogenen Heldenbild von Mann und Frau, von den politischen Unkorrektheiten, die sich inmitten von Irrsinn und Abartigkeiten auf comicart korrekt anfühlen. Und doch blieb ich zu sehr Zuschauer, ich, der noch immer Spaß an derben Komödien und schmuddeligen Horrorfilmen findet, der Liebhaberstücke aus der Jugend noch immer mag und viele gleichrangige Werke der heutigen Jugend entdeckt und hin und wieder begreift. Aber wahrscheinlich benötige ich die hier inflationär eingebrachten Zutaten einfach eine Spur rarer eingesetzt, inmitten eines Filmes, der mir zumindest vorgaukelt eine Handlung zu besitzen und an irgendeinem fiktiven Ort in einer fiktiven Welt gerade tatsächlich stattzufinden. Und diese für mich ganz entscheidende Illusion entfacht "Planet Terror" leider nicht, kann er auch nicht als vollkommen aufgeblähte Groteske. Das kann man ihm nicht vorwerfen. Aber das ist der Grund, warum ich das Ergebnis nur mag und achte, anstatt es auch in jeder Pore in mir zu fühlen.  Wiki

11.03.2018

DARKMAN 3 - DAS EXPERIMENT (1996)

Nachdem die erste Video-Fortsetzung des Kinofilmes „Darkman“ eher eine schlichte Alternativerzählung zum ersten Teil war und sich in dieser vom Pluspunkt der Reihe, der von Larry Drake gespielten Figur des Durant, verabschiedete, blieben die Erwartungen an einen Teil 3 sehr weit unten. Mit Jeff Fahey hatte man zwar einen halbwegs prominenten Ersatz für einen neuen Gegenspieler Darkmans gefunden, wirklich beeindrucken konnte mich der gute Mann jedoch noch nie. Seine Leistung blieb mir nie wirklich länger im Gedächtnis hängen, und so wird es wohl auch nach „Darkman 3 - Das Experiment“ sein, obwohl er alles dran gibt einen herrlich übertriebenen Comicschurken abzugeben.

Glücklicher Weise fällt dieses enorme Overacting im Komplettfilm nie ärgerlich auf, denn die „Darkman“-Reihe scheint nun endlich ihre wahre Natur akzeptiert zu haben, so viele Pulpelemente wie hier vorhanden sind, um aus dem dritten Teil ein freudiges Schunderlebnis werden zu lassen. Ignorierte man in „Darkman 2“ fast gänzlich die Schmerzunempfindlichkeit und die enorme Stärke des Helden, die durch seine psychischen Störungen verursacht werden, so setzt die Geschichte der zweiten Fortsetzung genau an diesen Informationen an und orientiert sich somit wieder mehr am Superheldenaspekt der Hauptfigur, bzw. sich überhaupt wieder an ihm, nachdem sich der Vorgänger eher für den besser besetzten Durant interessierte. Zwar ergibt es so gar keinen Sinn, dass Westlakes Gene sich angeblich wunderbar für die Erschaffung extremer Steroide eignen würden, immerhin erlangt Westlake seine Stärke auf „Hulk"-Art durch Stresssituationen und nicht aufgrund biologischer Begebenheiten in seinem Körper, aber um Logik gab man bereits im Kinofilm nichts, also braucht man das an Teil 3 auch nicht zu kritisieren.

Wieso sollte man überhaupt klagen? „Darkman 3 - Die Darkman Die“ (Originaltitel) ist eine kunterbunte, schräge Comicstory mit einem irren Gegner und vielerlei Ideen, aus denen man gleich mehrere Abenteuer des düsteren Helden hätte basteln können. Einmal gerät Darkman in die Gefangenschaft seines Gegners mittels einer Fernbedienung, dann darf er gegen eine Gruppe Männer kämpfen, die alle über Darkmans Kraft verfügen („Superman 2“ lässt grüßen), in einer längeren Sequenz darf Westlake unfreiwillig das Leben seines Feindes während einer Geburtstagsüberraschungsparty spielen und sorgt mit einer verräterischen Aussage für Unmut in Rookers eigenen Reihen, kurzum an groschenromanartigen Ideen mangelt es wahrlich nicht. Allein aus der Ärztin, die Westlake im ersten Film operierte, eine eiskalte, geradezu irre Bitch zu machen, zeigt auf wie verspielt man vorging und wieviel Spaß es den Autoren bereitete sich hemmungslos im Schund zu wälzen. Ob es so eine gute Idee war verkrampft ein Verliebtsein in die ahnungslose Frau des Feindes einzubauen, zumal der väterliche Aspekt durchaus ausgereicht hätte, so sehr wie Westlake Gefühle für Rookers Tochter entwickelt, sei einmal dahin gestellt, allerdings passt dieses Klischee wiederum zur völlig realitätsentrückten Comicartigkeit des Streifens, also was soll‘s.

Freilich ist auch „Darkman 3“ ebenso wie sein Vorgänger lediglich eine kostengünstige Videoproduktion, aber erneut schafft es Regisseur Bradford May die Geschichte flott zu inszenieren. Und da sie diesmal nicht nur wie ein plumpes Wiedererzählen der Originalgeschichte wirkt und sich zudem endlich heimisch im Schundfilmbereich eingependelt hat, dort wo Darkman meiner Meinung nach seit je her hingehört hätte, guckt sich das alles runder und ehrlicher als zuvor. Stilistisch bleibt Teil 1 der bessere Film, zumal er im Gegensatz zu den Videofortsetzungen noch im Horrorbereich angesiedelt ist, aber Teil 3 ist genau jene Art düsterer, actionhaltiger Unsinn, den man sich für eine Fantasyreihe dieser Art wünscht. Von daher hätte es von meiner Seite aus gerne weitere Fortsetzung im Stile des hier besprochenen Filmes geben können. Es kam aber weder zu einer solchen, noch zu einer andersartigen. Vielleicht sollte Produzent Sam Raimi nach dem Erfolg der TV-Serie „Ash vs. Evil Dead“ einmal darüber nachdenken, ob er Darkman nicht doch noch mal eine zweite Chance als TV-Serie geben sollte. 1992 versuchte er dies bereits mit einem Pilotfilm, der nie fortgesetzt wurde. Vielleicht wäre das heutige Publikum aufgrund von TV-Serienerfolgen wie „Flash", „Daredevil" und Co heutzutage offener für eine solche Art alternative Superheldenreihe.  OFDb

30.03.2014

TERROR TRAP - MOTEL DES GRAUENS (2010)

Drei Jahre nach „Motel“ versucht sich Dan Garcia an fast exakt dem gleichen Plot, was erklären könnte, warum er neben Drehbuch und Regie auch gleich die Produktion übernehmen musste. Andererseits: wer diese Hauptfaktoren alle selbst im Griff hat, ist auch Herr über sein Projekt. Und da es bei „Motel“ an manchen Ungereimtheiten in der Logik mangelte, hätte „Terror Trap“ eine angenehme Alternative zum bekannteren Streifen werden können. Nach Sichten weiß ich aber nun: „Motel“ ist der wesentlich bessere, da spannendere Film.

In „Terror Trap“ weiß man schnell was los ist und was die Hintergründe sind, während das zentrale Paar eigentlich nur begreift, dass ihm nach dem Leben getrachtet wird. Es entdeckt nicht die Kameras und versteht nicht die Ausweglosigkeit seiner Situation. Und Dan Garcia versteht nicht, dass es dem Spannungsbogen wesentlich mehr nützt nah am Opferpaar zu arbeiten, anstatt nah an den blutgeilen Rednecks. Und um Spannung schien es ihm theoretisch zu gehen, verzichtet er doch noch mehr auf Folterszenen als im diesbezüglich bereits zahmen Vorbild, das sich wie eine Lightversion von „Hostel“ schaute. Und da „Terror Trap“ im Ergebnis weder sonderlich spannend noch sonderlich blutig ist, kann er als billige Kopie eines erst kürzlich zuvor erschienenden Filmes gleicher Story nur verlieren.

Leider holt Garcia auch nichts aus den wenigen eigenen Ideen heraus, wie dem eher unsinnigen Szenario, dass hier nicht der Videokunde bedient wird, sondern ein Livepublikum vor Ort, das ebenfalls im Motel sitzend auf die Monitore starrt um Snuff serviert zu bekommen. Wenn unser Held am Ende, ohne zuvor eine halbwegs clevere Idee gehabt zu haben, wie ein Stallone bewaffnet durch das Motel laufen darf um Rächer, Richter und Henker in einem zu spielen, werden die glotzenden passiven Mittäter durch ein paar Schüsse verjagt, mehr passiert ihnen in dem sonst so selbstgerechten Horror-Genre nicht. Dass diese für Snuff-Aufnahmen zahlenden Hinterwäldler anbei das unglaubwürdigere Klischee vertreten, als die Alternative, dass seelenlose Yuppies eine gehörige Geldsumme dafür zahlen würden, ist eine weitere Fehlentscheidung Garcias.

Waren die Protagonisten in „Motel“ gefordert ideenreich zu handeln, was sowohl Opfer- als nach fehlerhaftem Ablauf auch Angreiferseite betraf, so folgen wir dem anfangs zerstrittenem Paar, das ebenso wie in der Vorlage durch diese Extremsituation wieder zueinander findet (jedoch unglaubwürdiger und emotional distanzierter erzählt als im Film mit Luke Wilson), bei ihren ewigen Fluchtversuchen. Die Mörder handeln bei ihrer Verfolgung zunächst absichtlich passiv, um sie zurück ins Motel zu drängen, doch kaum ist das Paar im Besitz eines zur Waffe umzuwandelnden Gegenstandes, haben die Feinde keine Chance mehr. Kaum auszumalen was passiert wäre, wenn die Snuff-Organisation im gern bewaffneten Amerika mal auf ein Paar gestoßen wäre, welches im Besitz einer Pistole ist.

Wie bereits erwähnt bekommen wir im Finale so eine Art Antwort auf diese Frage serviert. Es wird geballert bis der Arzt kommt. Der Mann darf klassisch die eigentlich recht taffe Frau retten. Alle sind tot, man flieht vom Ort der schlechten Erfahrungen und gegen alle Zuschauererwartungen war es das nun auch. Da wartet keine böse Überraschung mehr auf das Pärchen, sondern lediglich auf den Zuschauer, der nun noch gefühlte 5 Minuten mit dem Restfilm verbringen muss, der uns weitere Hintergründe der Organisation zeigt mit dem bereits in der Hauptgeschichte eingeführten wahren Drahtzieher, nur dass man diesbezüglich nichts ansatzweise interessantes präsentiert bekommt. Letztendlich beweist Garcia mit diesen letzten Szenen nur erneut, dass ihm die Bösewichter wichtiger waren als die Opfer. Und da die Zuschauer trotz mittelmäßigem Ergebnisses von meiner Seite aus ebenfalls als Opfer bezeichnet werden können, kann man diesen Satz auch gerne sie bezüglich anwenden.  OFDb

28.11.2012

HEUSCHRECKEN - DIE ACHTE PLAGE (2005)

Wissenschaftler machen aus Heuschrecken Fleisch- statt Pflanzenfresser, mit dem Ziel, dass die Viecher dadurch nützlich werden und Schädlinge fressen. Nachdem er aus dem Labor entkommen ist, entwickelt der Schwarm allerdings einen sehr großen Appetit. Von nun an stehen Kühe und Menschen auf dem Speiseplan der nimmersatten Insekten. Ein Landwirt mit Ökotouch, auf dessen Umweltschutz-Warnungen noch nie jemand hörte, versucht mit Hilfe der Tochter des Forschers der Lage Herr zu werden...

Die achte Plage: C-Filme...
 
Da ist sie mal wieder, eine der vielen Billig-Tierfilm-Horror-Produktionen der unermüdlichen Firma bzw. des Fernsehsenders Ufo, die dem Filmfreund wohl noch nie ein gutes Werk beschert hat. Finanziell scheint sich das Fertigstellen solcher Produktionen scheinbar zu lohnen, denn die Flut ihrer Filme nimmt kein Ende. Und diesmal haben sie sich sogar selbst übertroffen: Wo andere Ufo-Produktionen noch durch unfreiwillige Komik zu retten sind, schafft es "Heuschrecken" lediglich anzuöden. Alles hat man viel zu oft viel besser bereits gesehen. Das ist zwar eine Tatsache die so ziemlich jeden Tierhorror beschreibt, aber hier kann man mit der Lupe nach Innovationen suchen.

Manch eine Billigproduktion spielt mit Charakteren, oder sucht sich Tiere, die es zuvor im Tierhorrorbereich nicht gab. Sie schnappen sich ungewohnte Drehorte, was auch immer. "Heuschrecken" bietet nichts von alle dem. Hinzu kommt, das selbst für das Niveau von Ufo und Nu Image ein neuer Tiefpunkt in der Computeranimation zu verzeichnen ist. Die Filme dieser Firmen glänzten noch nie durch tolle Tricks, ganz im Gegenteil, und so ist ein solcher Rekord schon erstaunlich zu nennen. Trauriger weise sind die Tiere von der Kreatur her selbst eigentlich nett zurecht gemacht. Lediglich das Einbringen in den Film mit urigsten Computertricks sorgen für die Schande. So aalglatt sah man noch nie Insekten durch einen Horrorfilm schwirren, noch nie wirkte Computeranimation im Filmbereich derart geklont und wiederholend. Und die Animation mit Heuschrecken als besonders winzige Punkte im Film unterbieten sogar das Niveau der Animation im ersten Bienenhorror "Die tödlichen Bienen".
Leider reichte es den Verantwortlichen des Films nicht nur die Tiere am Computer zu erstellen. Zudem müssen wir uns übelste Hubschrauberanimationen gefallen lassen, wie sie billiger nicht aussehen könnten, und was in diesem Film als Flammenwerfer durchgeht ist auch ein Witz für sich. Dass auch die dröge Musik und die routinierten bis billigen Schauspieler nichts reißen können muss eigentlich kaum noch erwähnt werden. Freunde von Billigfilmen und Tierhorrorfans werden nichts sichten was ihnen gefällt. Und für andere ist das Ding ohnehin nicht gedreht. Trash-Fans werden eher weinen statt lachen, und ich denke mal nach diesen Sätzen erspart sich jedes weitere Wort.  OFDb

23.09.2012

PSYCHO 3 (1986)

Norman hat zu seinem morbiden Alltag zurückgefunden. Eine ehemalige Nonne, ein Anhalter und eine Reporterin bringen jedoch wieder Wirbel in den Alltag des Psychopathen...

Die heilige Mutter Norman...
 
Eine weitere Fortsetzung auf dem Niveau der ersten zwei Teile war wohl kaum zu erwarten, und so kam was kommen musste: das übliche Horror-Routine-Sequel. Zumindest kann man aufatmen, es ist die sympathische Form der Routine geworden, und “Psycho 3“ ist eine Weiterführung mit bereits bekannten Darstellern geworden, ganz wichtig dabei selbstverständlich Anthony Perkins als Norman Bates.

Von der Grundidee relativ ideenlos, erzählt uns Teil 3 eigentlich nur die Geschichte wie Bates nach den Geschehnissen des zweiten Teils doch noch den Weg zurück in die Psychiatrie findet. Bis es soweit ist erfahren wir ein paar Hintergründe mehr zur Schluss-Szene von “Psycho 2“, in welchem Normans angeblich echte Mutter auftauchte. Mit ihr hatten wir den dritten Täter parat, der an Bates erneuter geistiger Verwirrung Schuld trägt.

“Psycho 3“ ist routiniert spannend, lässt hin und wieder schwarzen Humor durchfunkeln (Frau nach Selbstmordversuch im Badezimmer von Zimmer 1: "Das Bad muss furchtbar ausgesehen haben." Bates: "Ich hab es schon mal schlimmer erlebt."). Diese Komik ist grundweg gelungen, ist aber auch nie zu häufig vorhanden, als dass der Humorgehalt zu dominant werden könnte.

Obwohl der Film jede Figur, die länger als eine Szene gebraucht wird, zu dick aufträgt und zu klischeehaft übertrieben präsentiert, ist die Geschichte an sich glaubhaft erzählt. Eine der wenigen Ausnahme-Szenen ist jene, in welcher der Sheriff unwissentlich einen blutigen Eiswürfel schleckt. Hier sollte man doch meinen, dass das Blut durchschmecken müsste. Ansonsten gibt es für einen Film, der hin und wieder leicht in den Comicbereich abrutscht, nicht viel Unglaubwürdiges zu sichten.

So wie in "Das Schweigen der Lämmer" und "Blutgericht in Texas" ist das reelle Vorbild Norman Bates' bekannter Weise der reale Serienkiller Ed Gein. Interessant fand ich es, dass man in einer Szene ganz deutlich eine Anlehnung an der guten alten “Kettensägenmassaker"-Bratpfannenmusik erkennen kann. Ob damit die thematische Verwandtschaft deutlich gemacht werden sollte kann ich nicht mit Sicherheit sagen, es wäre aber durchaus möglich.

Die Vorkenntnisse der beiden vorangegangenen Teile wird vorausgesetzt. Es wird wenig wiederholend erklärt. Dadurch entstehen keine unnötigen Längen in der ohnehin sehr ruhig erzählten ersten Hälfte. "Psycho 3" baut inhaltlich direkt auf Teil 2 auf. Viele Elemente werden wieder aufgegriffen, es ist gleichzeitig aber auch schön zu beobachten, wie sehr sich "Psycho 3" auch am Original von Hitchcock orientiert. Das wird psychologisch clever eingebracht, besonders gelungen in einer Interviewszene, in welcher eine Reporterin das Verhalten von Bates missdeutet, und damit erst recht beginnt in Normans Leben herumzuschnüffeln. In den Anlehnungen auf Teil 1 werden Originalszenen des Kultfilms als Rückblenden eingebracht. Immer recht kurz gehalten und charmanter Weise auch nicht eingefärbt.

Die Darsteller spielen alle recht ordentlich, allen voran Perkins, der die Rolle des Bates wohl im Schlaf spielen könnte und das wahrscheinlich immer noch bravourös. Selbst der arg übertriebene Charakter des stellvertretenden Bates Motel-Assistenten ist auf wunderbare Art schurkisch gecastet und bekommt zusätzlich durch seine deutsche Synchronstimme eine besondere Wirkung. Der Deutschton lässt ohnehin kein Klagen zu und bietet die perfekte Stimme zu jeder Rolle.

Das einzige was mir nach den kurzweiligen 90 Minuten negativ auffiel ist die Unnötigkeit dieser Fortsetzung. Teil 2 dürfte seiner Zeit die Überraschung schlechthin gewesen sein. Niemand hätte damit gerechnet, dass nach so vielen Jahren eine Fortsetzung herauskommen könnte, die qualitativ nah an das Original herankam, wenn dessen Niveau nie wirklich erreichend. Und so gehen "Psycho 3" gleich zwei Filme auf hohem Niveau voraus, ein Niveau das Teil 3 nicht bieten kann.

Zumindest macht "Psycho 3" nicht den selben Fehler wie "Leatherface", der dritte Teil der “Kettensägenmassaker”-Reihe, aus der Hauptfigur der Reihe einen Jason oder Michael Myers machen zu wollen. Im Gegenteil, man bleibt der Masche des braven Buben stets treu, so sehr sogar, dass man trotz der Morde Sympathie für den verworrenen Geist empfindet. Letztendlich wissen wir ja, dass in Normans Hirn zwei Seelen ticken, und die harmlose hat die Herzen der Zuschauer sowohl geschockt als auch erobert.

Vergleicht man Teil 3 nicht so streng mit seinen beiden Vorgängern, sondern stattdessen eher mit einigen anderen Horrorfilmen und ihren Fortsetzungen mit ähnlich dünner Handlung, kann Bates dritter Streich punkten. Außerdem ist “Psycho 3“ ohnehin nur augenzwinkernd gemeint und distanziert sich damit von manch inhaltlichen Klischees. Gerade der Schluss-Gag im Polizeiauto lässt genau jene comichafte Übertreibung aufkommen, die auch ganz deutlich auf dem Videocover zu diesem Werk zu sichten war.  OFDb

10.09.2012

MANTICORE - BLUTIGE KRALLEN (2005)

In einem Dorf in einer irakischen Wüste wird ein Trupp Soldaten von einem geflügelten Löwen bedroht...

Feindflug...
 
Da haben wir mal wieder eines dieser schnell heruntergekurbelten Filmchen, wie sie dem Horror-Allesgucker von Fernsehsendern wie Ufo und Firmen wie Nu Image alle Nase lang vor die Nase gesetzt werden. Oftmals, so wie z.B. bei "Pterodactyl" oder im hier besprochenen „Manticore“, haben sie eigentlich interessante Kreaturen im Zentrum der Geschichte zu bieten. Die Enttäuschung ist jedoch immer dann groß, wenn man diese Monstren in Form von billigster Computeranimation zu Gesicht bekommt. Und da das inhaltliche Drumherum solcher Produktionen fast selbstverständlich dämlich zu nennen ist, sind die Filme auch meist selbst für genügsame Monsterfilm-Freunde schlichtweg schlecht.

"Manticore" bildet da eine kleine Ausnahme, obwohl auch dieses Werk typische Fehler dieser Art Produktion aufweist. Die eben erwähnte Computeranimation ist mal wieder als besonders schlecht zu bezeichnen. Kurz angedeutete, harte, blutige Effekte bilden den Gegensatz zu einer Billig-Kreatur, die einem das Gefühl gibt man würde einen Kinderfilm sichten (was bei dieser Art Horror ja auch irgendwie nicht ganz unwahr ist).

Einer der traurigsten Aspekte des Streifens ist, dass er Respekt für andere Kulturen vorgaukelt, um den Amerikaner als Befreier zu präsentieren. Dem hat man dankbar zu sein, der darf nicht kritisiert werden, wenn er in den Irak wandert. Höhepunkt dieser fragwürdigen Nerverei ist ein kleiner Junge, der immer wieder "USA" rufen darf und sein panisches Gesicht in ein widerliches Grinsen verwandelt, sobald er etwas amerikanisches erlebt oder sieht und seien es nur die Amerikaner selbst.

Doch die Idee, und wenn sie noch so Nährboden für Propaganda ist, einen US-Horrorfilm einmal im Irak spielen zu lassen und als Hauptfiguren die dort anzutreffenden amerikanischen Soldaten zu nehmen, ist gar nicht mal verkehrt zu nennen, ist man bei dieser Art Fließband-Produktion doch um alles glücklich, das sich vom üblichen Muster distanziert. Zwar wandelt man auch innerhalb dieses ungewohnten Szenarios wieder schnell auf den üblichen Klischeespuren, diese wirken aber im direkten Vergleich zu ähnlichen Genrebeiträgen dieser Art nicht ganz so ausgelutscht wie im 1000. Film, der in einem Tunnelkomplex spielt, oder im 10.000. Streifen, der ein Monster auf eine Kleinstadt loslässt. Hier werden die selben Klischees präsentiert, die dank frischer Kulisse weniger stören.

Für einen Billigfilm heutiger TV-Tage ist die Geschichte recht ordentlich, wenn auch vorhersehbar, erzählt. Die pflichtmäßigen, überdimensionalen Logiklücken sind freilich auch hier vorhanden. Was „Manticore“ den von mir gerne verrissenen Vergleichsfilmen wie „Raging Sharks“ oder „New Alcatraz“ zum Vorteil hat, ist die Tatsache einmal halbwegs sympathische Charaktere ins Zentrum zu setzen, die zudem auch noch von akzeptablen Mimen dargestellt werden. Der Verlauf der Geschichte selbst bietet ein paar überraschende Pausen, in denen die Handfläche die Stirn mal nicht berühren muss, und das ist für einen Schund-Horrorfilm dieser Art schon recht viel.

Um Gefallen an diesem Werk zu finden muss man jedoch Horrorfan sein und zudem zu den schnell zufriedenstellenden Vielguckern besagten Genres gehören. Diese Zufriedenheit darf man nur nicht in der  Computeranimation suchen und ganz bestimmt auch nicht im Spannungsbogen. Zumindest wird die billige Geschichte recht nett erzählt, bleibt dabei immer kurzweilig und es gibt eine andere Kulisse als üblich zu sehen und mit der Bedrohung durch einen geflügelten Löwen auch ein im Filmbereich selten verwendetes Monster. Ich wünschte nur, die Billigfirmen, die solchen Schund produzieren, würden einmal auf den Trichter kommen wieder handgemachte Kreaturen zu gestalten, das macht solche Werke in der Regel charmanter. Früher konnte man damit schließlich auch den Videomarkt zuschmeißen ohne Konkurs anmelden zu müssen.  OFDb

12.07.2012

SCORPIUS GIGANTUS (2005)

In der Hoffnung Uran zu ergattern, erobern russische Terroristen einen Militärtransport. Der hatte jedoch ein Gen-Experiment an Bord, welches freigelassen nun munter mordet und sich fleißig vermehrt. Zudem wird die Mixtur aus Skorpion, Kakerlake und weiterer DNA immer größer...

Kakerlak mit Aszendent Skorpion...
 
Roger Corman mischt auf dem Markt des billig heruntergekurbelten Monsterfilmchens nun schon bereits seit der 50er Jahre als Produzent erfolgreich mit und ist auch in der enorm wachsenden Tier-Horror-Welle der 90er und der 00er Jahre rege beteiligt. Dank Firmen wie Nu Image und jüngst The Asylum schrumpft das Niveau dieser Filme immer weiter zusammen. Dachte schon manch einer den Tiefpunkt dieser Dekade in Cormans „Carnosaurus“-Fortsetzungen gefunden zu haben, zeigten erst diese Firmen wie billig ein Film doch noch produziert sein kann.

Schaut man sich den Beginn von „Scorpius Gigantus“ an wird uns nach einem elektrisch flott musizierten Vorspann eine Explosion aus dem Computer vorgesetzt, die schlimmste Vermutungen bestätigt. Das an Lächerlichkeit nicht zu unterbietende Spezial-Effekt-Spektakel ist eine Beleidigung an die Augen eines jeden Film-Fans und tatsächlich mit den Tricks der oben genannten Firmen besagten Sub-Genres zu vergleichen. Corman, was tust Du uns nur an, denke ich mir, während ich kurze Augenblicke später eine computeranimierte Kreatur durchs Bild huschen sehe, die optisch wie geistig ähnlichen Schmerz verursacht wie besagte Explosion. Roger, was bist Du tief gesunken im hohen Alter.

Wie das als Hobby-Filmrezensent so ist, bastelte ich mir im Geiste schon einen Nachruf an einen Mann zusammen, der einst charmantes Alternativprogramm produzierte. Ich hatte „Scorpius Gigantus“ schon abgeschrieben und sah keine Hoffnung mehr für ihn, doch es geschehen manchmal Zeichen und Wunder. Ich weiß nicht ob Corman erst später zu diesem Produkt hinzu gestoßen ist, oder ob die ersten Szenen schnelle Nachdrehs waren, aber alles was nach diesem Desaster passiert ist wesentlich bekömmlicher ausgefallen.

Freilich bleibt „Scorpius Gigantus“ ein seltendämlicher Film mit vorhersehbarer Story, Klischeecharakteren und quantitativen Schauwerten, aber zumindest kam man auf die Idee CGI mit klassischem Plastikpuppen-Monstertrick zu mixen, und so fallen die Monsterszenen, das Kernstück eines jeden Streifens dieser Art, doch noch charmanter aus als vermutet. Selbst spätere computeranimierte Szenen sehen, bezogen auf das hier vorliegende Produktionsniveau, liebevoller zurechtgemacht aus als das pixelige Erbrechen zu Beginn.

„Scorpius Gigantus“ kann nur auf der schwachen Routine-Spur seines Genres mitfahren, aber damit wird er zumindest nicht zur kompletten Beleidigung für anspruchslose Zuschauer, zumal sich die unsinnige Geschichte mit ihren Protagonisten, die an den Haaren herbeigezogene Problemchen austragen, recht amüsant guckt. Dass das Ganze letzten Endes nur ein äußerst billiger Abklatsch des beliebten Kinoerfolges „Starship Troopers“ ist, ist jedoch nicht zu übersehen. Im Gegensatz zu dessen Fortsetzung lässt Corman in „Scorpius Gigantus“ die Viecher fleißig wüten in einem Meer an sinnloser Story und Klischees, die in der hier zusammengesetzten Form nur eingefleischte Genre-Kenner von dem nicht verdaulichen Murks der Konkurrenz zu unterscheiden wissen.

Wer Filme dieser Art in der Regel nicht guckt, wird nicht verstehen was an dieser bislang einzigen Regie-Arbeit von Tommy Withrow angenehmer sein soll, als z.B. an solchen Werken wie „Acarophobia“ oder „Monster Arche“. Und sicher scheiden sich auch die Geister innerhalb der Fan-Kreise. Ich hatte nach dem Totalabsturz zu Beginn jedoch mit gar nichts mehr gerechnet, so dass ich das dem Tiefpunkt folgende, muntere Treiben positiv annahm, zumal es oft genug Streifen dieser Art gibt, die eben wegen der mit diesem Genre einhergehenden Vorhersehbarkeit sterbenslangweilig zu schauen sind. Hier darf man wohl der unfreiwilligen (?) Komik danken, dass es nicht dazu kommt, so dass Vielseher des Tierhorror- und Monsterfilmbereichs einen Blick riskieren können, allerdings wirklich nur die ganz hartgesottenen! Selbst das schlichte Niveau eines „Monsterwolf“ erreicht „Scorpius Gigantus“ nicht.  OFDb