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28.01.2024

STAR WARS: EPISODE 3 - DIE RACHE DER SITH (2005)

So mies Teil 1 und schwach Teil 2 der Prequel-Trilogie auch ausgefallen sein mögen, der immer noch nicht glänzende "Star Wars: Episode 3 - Revenge of the Sith" (Originaltitel) ist zumindest unterhaltsamer Natur. Selbstverständlich bleibt er psychologisch plump, gerade was den Übergang Anakins zu Lord Vader betrifft, und erwachsen schaut sich das Ganze trotz lobenswerter politischer Ambitionen noch immer nicht, aber die Geschichte läuft zumindest rund, ist nicht komplett unclever ausgefallen, und der Wandel Anakins in einen der beliebtesten Schurken der Filmwelt ist ein Selbstläufer, das merkt man schon daran, wie viele Menschen sich Episode 3 angeguckt haben, obwohl sie die ersten beiden Filme nicht mochten. Für die Prequelverhältnisse geht es diesmal ein wenig düsterer zu. Und der Wandel Palpatins zum Imperator weiß auch zu gefallen, auch wenn ich nicht weiß warum er mit all seiner Macht das verschrumpelte Gesicht beibehalten musste, schließlich entstand es während einer Täuschung. 

Aber derartiges darf man ohnehin nicht hinterfragen, so blind wie z.B. auch die Jedis ihm bezüglich waren. Das wird zwar im Drehbuch direkt angesprochen, doch eine solch extreme Lücke wird mit einer kurzen Erwähnung in diesem Falle nicht glattgebügelt. In Richtung Logik und Glaubwürdigkeit darf man sowieso nicht schauen, das zeigt schon der olle Plan der finalen Zwillingsunterkünfte, damit Vader nie erfährt, dass sein Kind Kinder sind, und sie zudem noch leben. Dieses naive Stück Fantasy-Seifenoper im Science Fiction-Gewandt ist aber immerhin zügig erzählt, weckt die Neugierde des Zuschauers und erhält diesen Zustand konstant bei, es erzählt eine interessante Geschichte, auch wenn Kenner der Ur-Trilogie den Ausgang bereits kennen, und spannend darf es an mancher Stelle auch werden. Das Massaker an den Jedis schockt nicht nur in der ungezeigten Kinderszene, der Geheimcode für die Klone und was dieser an sämtlichen Orten des Universums auslöst, gehört wahrlich zu den packendsten Momenten von jener Star Wars-Trilogie, die George Lucas im Alleingang inszenierte. Sicherlich hilft das automatische Herunterschrauben der Erwartungen nach solch banalen Vorgängern dabei, "Die Rache der Sith" so zu akzeptieren wie er ist, aber all zu streng muss man tatsächlich nicht mit ihm sein, innerhalb seines mystisch verringerten eigenen Kosmos, welcher losgelöst von der Ur-Trilogie seiner Linie intellektuell wie inhaltlich treu bleibt. Und dass Yar Yar Binks diesmal nur im Hintergrund zu sehen ist, befriedigt ungemein.  Wiki

STAR WARS: EPISODE 2 - ANGRIFF DER KLONKRIEGER (2002)

So schlimm wie "Die dunkle Bedrohung" sollte es nie wieder werden. Und dass Yar Yar Binks stark reduziert wurde und zu jenem Part der Geschichte wurde, der durch seine Naivität das Ende der Demokratie verschuldet, kann man als Entschuldigung George Lucas' durchaus akzeptieren. Aber Binks war schließlich nicht der einzige Schwachpunkt besagten Vorgängers. Und die Entmystifizierung der Original-Trilogie, spätestens durch die wissenschaftliche Erklärung der Macht, lässt sich nicht ebenso leicht beheben, sogar nur schwer abschwächen. Auch der Overkill an Spezialeffekten, die oft nur für den Zweck eingesetzt werden, um zu zeigen was die Technik bei genügend Budget mittlerweile zu leisten in der Lage war, bestimmt nach wie vor das Geschehen. Und ein aus dem Computer stammender Yoda besitzt nun einmal nicht den Charme der Puppe, egal ob nun von Frank Oz synchronisiert oder nicht. 
 
Die Geschichte an sich ist interessanter ausgefallen, als die vorherige. Doch weder das Aufdecken der Klonproduktion, noch der gar nicht mal unclevere politische Aspekt, der eine tolle Warnung Lucas' an die leichtgläubigen Zuschauer ist, um sie für Täuschungen von Regierungen zu sensibilisieren, setzen sich durch in diesem Meer an Action, CGI und einem nun noch zusätzlichen Balast, der verkrampft erzählten Liebesgeschichte. Der fehlt es an jenen Emotionen, welche die drei originalen Filme ganz nebenbei so liebenswert machten. Die gestelzten Dialoge, von denen man diesbezüglich so häufig als Kritikpunkt liest, sind tatsächlich schwer zu ertragen, und der Altersunterschied, sowie die bisherige Charakterzeichnung der Senatorin, nagen an der Glaubwürdigkeit dieser seelenlos dargebotenen, aufkeimenden Liebschaft. Eine solche trotz einer hervorragenden Schauspielerin wie Natalie Portman in der zentralen weiblichen Rolle nicht eingefangen zu bekommen, spricht wahrlich für ein Armutszeugnis im Bereich Regie und Drehbuch. 

Was ansonsten erheblich stört, ist der Umgang mit der Jedi-Thematik. Sie werden weit actionreicher und heldenhafter gezeigt, verkörpert und interpretiert, als das was uns "Krieg der Sterne" samt seiner zwei Fortsetzungen einst über sie erzählte. Geheuchelte Demut, die ist vorhanden, gelebte im Auftrag des Friedens ist nicht erkennbar. Die Vorbereitungen auf den kommenden Übergang Anakins zu Lord Vader in "Star Wars: Episode 3 - Die Rache der Sith" sind psychologisch plump ausgearbeitet und werden in besagter Fortsetzung ebenso beibehalten. Der Weg zur dunklen Seite findet weit weniger aufregend und düster statt, als man meinen sollte. Eine Generation von übersensibilisierten Persönchen hat es möglich gemacht und findet dementsprechend noch heute ein Publikum, welches die mauen Prequels einer liebgewonnenen Trilogie verteidigen. "Star Wars: Episode II - Attack of the Clones" (Originaltitel) ist unsympathisches Formelkino, in welchem sich die Figuren den Effekten unterordnen müssen, das Weltbild der alten Filme den widersprüchlichen Tatsachen des neuen Drehbuchs weichen muss und in welcher verspielte Fröhlichkeit gegen infantile und steril anmutende Späßchen ausgetauscht werden. 

Dass auch die Verantwortlichen der deutschen Synchronisation keine Ahnung von Figurenverständnis und Psychologie besaßen, beweisen sie besonders deutlich in der Stimme von C3PO, die sich seit Episode 1 nun kindlich, anstatt intellektuell anhört.  Wiki

25.07.2020

THE DEVIL RIDES OUT (1968)

"The Devil Rides Out" mag zu den verehrten Kult-Hits der legendären Hammer-Studios schlechthin gehören, ich persönlich tue mich mit Genre-Werken, die den Okkultismus ins Zentrum setzen, jedoch meist schwer, muss man in einem solchen meist doch arg viel Hokuspokus ertragen, so auch hier. Sicherlich besitzt dieser britische Beitrag, der bei uns auch unter dem Titel "Die Braut des Teufels" erschien, nicht solch extreme Schwachpunkte, wie sie beispielsweise viele mexikanische Produktionen zu diesem Thema bieten, so ernst wie vorgetragen kann ich diese spezielle Regie-Arbeit Terence Fishers, der auch den gelungenen "Insel des Schreckens" inszenierte und manch berühmtere Klassiker besagten Produktionsstudios, jedoch nicht nehmen. Das überzeugende Spiel der meisten Mimen und ein Gefühl einer wahr existierenden Bedrohung, sorgen dafür, dass der Streifen sich nie zu sehr der Lächerlichkeit preis gibt.

Einer der Höhepunkte ist zweifelsohne das Verharren im geschützten Kreis, während das Böse mit allerlei Täuschung versucht die Personen im Kreis dazu zu bringen, dass sie diesen durchbrechen. Ansonsten ist trotz äußerst professioneller Herangehensweise viel Augenzudrücken angesagt, in diesem naiven, da sehr direkt und intensiv auf sich überholt anfühlende, klassische Grusel-Zutaten zugreifenden, Streifen. Ihm fehlt es am deutlichen Signalisieren einer verschmitzten Mentalität, obwohl ich mir sicher bin, dass er im Zeitgeist seiner Entstehung augenzwinkernd gemeint ist. Die Musik bauscht das Geschehen extremst auf, Kleinigkeiten sorgen bei den Figuren bereits für großes Entsetzen - nein, ernst nehmen kann ich "The Devil's Bride" (Alternativtitel) beim besten Willen nicht. Sympathische, Kurzweile bot er jedoch durchaus.  OFDb

25.07.2019

RASPUTIN, DER WAHNSINNIGE MÖNCH (1966)

Christopher Lee erntete Lob von Nachfahren des echten Rasputin, dessen Gesichtsausdruck perfekt wiedergegeben zu haben. Der berühmte Mime wollte mit allen Mitteln diese Rolle ergattern, weswegen er auch zustimmte im Gegenzug in "Blut für Dracula" das zweite Mal in die Rolle des berühmten Vampirfürsten zu schlüpfen. Das ist alles schön und gut, macht meiner Meinung nach aus "Rasputin, der wahnsinnige Mönch" aber noch keinen guten Film. Dass der Film in Deutschland erst für das Fernsehen synchronisiert wurde, um dann doch nicht ausgestrahlt zu werden, lässt tief blicken in das Vertrauen, das man dem Streifen verwehrte, zurecht wie ich finde, schaut er sich doch eher wie ein unfreiwillig komisches Kasperletheater, allein schon wegen des herrlich unechten Outfits Rasputins, dessen aufgeklebter Kunstbart kein Geheimnis darstellt. "Dracula"-like wird mit den hypnotischen Augen Rasputins gearbeitet, man wollte aufgrund der Erfolgsrolle Lees also scheinbar trotzdem auf Nummer Sicher gehen, aber auch der Rest des Streifens wirkt nur wie eine Wiederholung typischer Elemente aus dem Horror-Genre, da fällt besagtes Beispiel kaum auf.

Es sind eher die Nebensächlichkeiten, die dafür sorgen, dass "Rasputin - Der wahnsinnige Mönch" (Alternativtitel) nicht komplett versagt. Sei es der Trinkwettbewerb und die dem folgende Tanzszene, das devote zweite Treffen zu Entschuldigungszwecken, oder die wahrlich fiese Szene, in der eine Säure von Bedeutung wird, kleine Elemente wissen zu gefallen, freilich ergänzend zu den üblichen Pluspunkten von Hammer-Filmen, vorrangig selbstverständlich die Ausstattung der Räume genannt. Diese wurden aber auch genutzt, um budgetbedingt das Treiben örtlich einzugrenzen, da ein realistisch wirkender Zarenhof bei den vorhandenen Finanzen nicht möglich zu errichten gewesen wäre. Das schadet dem Film jedoch nicht, schenkt es ihm doch sogar ganz im Gegenteil eine gewisse Gemütlichkeit zu Zeiten, in denen der Schwanzvergleich um Realismus in Filmen noch nicht derart geführt wurde, wie man es heutzutage für nötig hält. Dass die Geschichte jedoch viel zu banal und unaufgeregt vor sich hin plätschert, schadet dem Streifen schon wesentlich mehr. Die Figur des Rasputin wirkt weder unheimlich, noch mystisch, doch genau auf diese nicht vorhandene Stärke wird gesetzt, während man einen Spannungsbogen oder wahre Gräueltaten ignoriert.

In seinem Mix aus Vorhersehbarkeit, Innovationslosigkeit und Lächerlichkeit hätte es "Rasputin - The Mad Monk" gut getan auf mehr reißerische Elemente zu setzen, denn stilistisch und subtil herausgearbeitet ist hier nichts zu holen. Klischee reiht sich an Klischee, zur Entstehungszeit bereits längst überholte Gruselelemente erschrecken nicht einmal Großmutter, und dank einer tolpatschigen Umsetzung, in der beispielsweise Nachtszenen nicht gekonnt bei Helligkeit vorgegaukelt werden, will auch der historisch authentische Hintergrund nicht zünden, der aber ohnehin stark abgewandelt werden musste, darauf bestanden Nachfahren tatsächlich Betroffener von einst. Im Originalton weiß zumindest die dunkle Stimme Lees zu gefallen, wohingegen ich diesmal nicht einmal sein Schauspiel als Pluspunkt des Streifens zählen würde. Die so gern genannte Todesszene ist billigstes Theaterschauspiel, streng genommen passt es jedoch zu dieser aufgeplusterten Umsetzung, in der keine Rolle subtil angelegt ist. Zudem fand ich die Atmosphäre immer nah an der Langeweile angelehnt, so dass "Rasputin, der wahnsinnige Mönch" in meinen Augen nur zu den schwach durchschnittlichen Werken der Hammer-Studios gehört und damit leider nicht zu den sympathisch routinierten. Viel mehr wäre mit Regisseur Don Sharp meiner Filmerfahrung nach zu urteilen aber ohnehin nicht möglich gewesen.  OFDb

16.09.2017

IM TODESGRIFF DER ROTEN MASKE (1969)

Mag man Christopher Lee auch nur in einer kleinen Nebenrolle besetzen, ihn zusammen mit Vincent Price, der hier eine Hauptrolle spielt, für einen Film zu gewinnen, ist solch ein Plus für einen Filmschaffenden, dass man sich eigentlich kaum noch Sorgen um das Ergebnis machen muss - sollte man zumindest meinen. Wenn die literarische Vorlage nun noch von Edgar Allan Poe stammt und das vorliegende Produkt dem Grusel-Krimi zuzuordnen ist, dann sollte doch eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder? Ein löchriges Drehbuch sei Dank hat dies „Im Todesgriff der roten Maske“ nicht viel genutzt. Und Regisseur Gordon Hessler dürfte auch kein Genie seines Fachs sein, hat er es doch ein Jahr später mit „Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse" erneut geschafft eine Gurke abzuliefern trotz der Anwesenheit beider soeben genannter Stars und dem zusätzlichen Mitwirken von Peter Cushing.

Mit Blick auf das Drehbuch hätte aber auch wer Talentierteres aus der lediglich an Poe angelehnten Erzählung kaum etwas Brauchbares geerntet, ist „Falsche Leichen klaut man nicht“ (Alternativtitel) doch zum einen recht umständlich erzählt, obwohl es inhaltlich keinesfalls kniffelig zugeht, zum anderen langweilt die Geschichte schneller als erwartet, da sie dem Zuschauer keinerlei Rätsel bietet, die das vorhersehbare Treiben aufwerten. Der Täter hinter der roten Maske ist bekannt, sein Wesen nicht mystisch gestaltet, seine Taten nicht aufregend zu nennen, das Abfilmen dieser nicht atmosphärisch oder zumindest angenehm morbide eingefangen und die Dialoge so realitätsfern und unsinnig runtergeschrieben, wie die Handlungsweise so ziemlich jeder hier agierenden Person.

Was nutzt eine Geschichte um Leichendiebe, Krankheit, Verschwörung und schwarzer Rituale in einem englischen Horrorfilm zu Pferdekutschenzeiten in theoretisch gotischem Flair, wenn das Treiben der Protagonisten belanglos ist und der Aggressor des Films bei seinen Auftritten in der Öffentlichkeit stets der Lächerlichkeit preisgegeben wird, was ihm noch mehr seiner Wirkung beraubt als die völlig deplatziert wirkende Maske auf seinem Gesicht? Und was nutzt einem dann noch ein stets seriös spielender Vincent Price, der selbst dann noch zu wirken weiß, wenn er sich, wie hier, nicht wirklich Mühe gibt?

Peinliche Versuche ein afrikanisches Voodoo-Ritual aufzuzeigen machen von Anfang an klar, welches Niveau einen mit „Der Fluch des Dämon“ (Alternativtitel) erwartet. Ich dachte zunächst dies sei lediglich ein schwacher Einstieg in die Geschichte, dem folgte aber leider eine umständlich erzählte Vorgeschichte, die zu lange braucht, um auf den Punkt zu kommen. Wenn nach langer Zeit endlich der Rachefeldzug der roten Maske startet, sind bereits derart viele Filmminuten vergangen, dass einem klar wird mit keiner Besserung der Zustände mehr rechnen zu müssen.

Hier setzen sich nur jene Fehler fort, die auch zuvor am Gelingen des Werkes sägten: der Mangel an Atmosphäre und Ästhetik (die Hammer Studios hätten nie solch idiotisches Inventar eingesetzt), der Mangel an psychologischem Verständnis in der Begründung der Taten der Figuren, idiotische Verwendungen von Ausreden um diversen Handlungsweisen Sinn zu geben und das Fehlen eines Rätsels oder Geheimnisses, welches den Zuschauer einladen soll Interesse für das Gezeigte zu entwickeln.

Bislang ist „Die Todesmaske“ (Alternativtitel) die einzige von mir gesichtete Verfilmung um die rote Maske von Edgar Allan Poe, aber ich bekomme Lust mir andere Versionen des Stoffes zu Gemüte zu führen, um einen kompletten Eindruck zu bekommen, wie desaströs „Dance, Mephisto“ (Alternativtitel) tatsächlich ausgefallen ist. Heutzutage würde ein Regisseur, der gleich zwei unterirdische Filme abliefert, obwohl er tolles Personal am Start hat, kaum eine weitere Chance bekommen weitere Werke für das Kino fertigzustellen. Hessler hingegen hat es auf 31 Filme geschafft plus diverse Regiearbeiten für TV-Serien. Erst 1991 beendete er diese Karriere.  OFDb

09.09.2017

DER DÄMON UND DIE JUNGFRAU (1963)

Nachdem Mario Bava nach seinem geglückten Einstieg ins Horror Genre mit „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ sich erst einmal in anderen Genres ausgetobt hatte, kehrte er 1963 mit „Der Dämon und die Jungfrau“ zu diesem zurück, erneut einen Paukenschlag gothischen Flairs abliefernd, aber dennoch etwas völlig anderes präsentierend als das was es im legendären Schwarz/Weiß gehaltenen Hexenfilm zu erleben gab.

„Der Mörder von Schloss Menliff“ (Alternativtitel) ist ein waschechter Grusel-Krimi, nicht etwa in solch verwaschener Form ausgefallen wie die deutschen Wallace-Filme gleicher Entstehungszeit, die eigentlich reine Kriminalfilme blieben, sondern unheimlich umgesetzt, wie seinerzeit „Orlacs Hände“. Tatsächlich darf man rätseln, ob der Spuk einen weltlichen Hintergrund hat, oder ob er tatsächlich übernatürlicher Herkunft ist, und obwohl uns Bava am Ende eine Antwort auf die Frage nach dem Täter liefert, bleibt die Frage nach Spuk oder Nichtspuk dennoch nicht völlig aufgeklärt.

Damit darf „The Body and the Whip“ (Alternativtitel) nach dem Schauen noch ein wenig nachwirken, aber eigentlich tut er dies vielmehr über das Seherlebnis an sich, anstatt über seine Geschichte. Will man Mario Bava als den Künstler erleben, von dessen Ruf man immer wieder hört, sitzt man mit „Der Dämon und die Jungfrau“ vor dem richtigen Film um sein Können in allen Zügen genießen und bewundern zu können. Nicht nur dass sich der gute Mann im Spiel mit Farben und Schatten geradezu austobt, so wie er es später noch des öfteren tun sollte, auch viele Perspektiven an sich und diverse Kamerafahrten sind eine Wucht für sich. Zwar war laut den offiziellen Daten wer anders für die Kameraarbeit zuständig, aber Bavas Stil ist unverkennbar wiederzuerkennen. Der Regisseur hat sich in die Arbeit besagten Kameramannes stark eingemischt.

„Night is the Phantom“ (Alternativtitel) ist somit ein optischer Leckerbissen, ein Seherlebnis der besonderen Art und damit ein Highlight des italienischen Horrorfilms, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Ein mit Würde agierender Christopher Lee verfeinert den Eindruck und bietet einen weiteren Grund einzuschalten, zumal er mit der ungewöhnlichen Frisur, die er in diesem Film tragen muss, fast schon eher wie Leonard Nimoy anstatt wie Christopher Lee aussieht. Lee selbst soll einmal geäußert haben, dass „Der Dämon und die Jungfrau“ seine liebste italienische Arbeit gewesen sei, und dass er den Regisseur zu schätzen wusste, erkennt man daran, dass er nur zwei Jahre nach „Vampire gegen Herakles“ erneut mit besagtem Regisseur zusammen gearbeitet hat.

Der analytische Teil der vordergründig als Grusel-Krimi anvisierten Geschichte, ist nicht nur eine hoch gewagte Aussage seiner Zeit gewesen, „Son of Satan“ (Alternativtitel) erzählt von unterdrückten Bedürfnissen, die auch heutzutage für viele noch ein Tabu sind, oder zumindest auf Unverständnis stoßen. Nevenka sehnt sich nach der Lust der Gewalt. Sie ist nicht schlicht einem Sadisten verfallen, wie manch einer glauben mag, sie sehnt sich in ihren ehrlichen Augenblicken nach Gewalt. Mehr noch, obwohl Christian im Schloss seines Vaters nicht willkommen ist, ist er Nevenka gegenüber keineswegs der Tyrann, den er den anderen Bewohnern des Schlosses gegenüber nur allzugerne mimt. Auch seine Lust, sein Spiel mit der Frau seines Bruders, ist ehrlich gemeint und lehnt sich gegen die Konventionen der Gesellschaft auf, welche Nevenka dazu zwangen den Zweitgeborenen zu heiraten, bzw. diesen zwangen Nevenka anstatt seine wahre Liebe zu heiraten.

Der Sadomasochismus wird nicht kritisiert, nicht als Entrückung der Norm dargestellt, sondern lediglich als eine Form der Sexualität unter vielen präsentiert, was gerade im hochgradig katholischen Italien seinerzeit nicht gerade auf Begeisterung gestoßen sein wird. „Der Dämon und die Jungfrau“ erzählt von der Unterdrückung solcher sexuellen Sehnsüchte, vom biederen Umfeld, welches derartige Wünsche dämonisiert und zeigt das Ergebnis, welches aus Zwang diese Lust zu unterdrücken erwächst. Der Horrorfilm ist das perfekte Genre zum thematisieren solcher Auswüchse, das ideale Plädoyer für mehr Akzeptanz der ignoranten Masse, in Deutschland mehr denn je, wo selbst besagtes Genre lange Zeit um seine Anerkennung und Entkriminalisierung im harten Bereich kämpfen musste, dies teilweise bis heute sogar noch muss, z.B. bei dem eigentlich recht intellektuell ausgefallenen „Nackt und zerfleischt“.

Da Bava uns keine minutenlangen Szenen des Auspeitschens zeigt, wie der reißerische und dümmliche „Mark of the Whip“ viele Jahrzehnte später, wird „Der Dämon und die Jungfrau“ in seinem Anliegen mit besagtem Thema biedere Gemüter aufzuwecken nie zu einer reißerischen oder stillosen Angelegenheit. Aufgrund seines frühen Erscheinungsjahres weiß der Ansatz zu beeindrucken, so dass der ohnehin durch seine Optik, seine stimmige Atmosphäre und der Anwesenheit Christopher Lees sehenswerte Film um einen weiteren Sehwert bereichert wird, was „What“ (Alternativtitel) endgültig zu einer Pflicht interessierter Cineasten werden lässt. Damit stellt er wesentlich mehr dar, als lediglich einen Leckerbissen für Stammzuschauer seines Genres.  OFDb

11.03.2017

DAS RÄTSEL DER ROTEN ORCHIDEE (1962)

Eddi Arent mimt den Butler, Klaus Kinski wen Zwielichtiges, Gut und Böse sind klar getrennt. Scotland Yard ermittelt. Der Kommissar flirtet mit einer in den Fall involvierten Frau. Was nach einem typischen Wallace klingt, ist außerhalb der aufgezählten Parallelen jedoch ein sehr anders gerateter Film innerhalb der Rialto-Wallace-Reihe, besitzt Helmut Ashleys Werk doch eine eigene Handschrift, angefangen bei den professioneller eingefangenen Schwarz/Weiß-Fotografien, weitergeführt mit einer wesentlich durchdachteren Geschichte als üblich und abgerundet durch kleine Gimmicks, die sich perfekt in die Geschichte einfügen anstatt lediglich bereichernde Fremdkörper zu sein.

Das zeigt sich hauptsächlich in der Rolle Eddi Arents als Todesbutler, dessen Running Gag eine Entwicklung durchmacht, bishin zur augenzwinkernden, ans Publikum gerichteten Schlusspointe. Arent spielt mit sichtlicher Freude, und dieser so wundervoll in die Geschichte integrierte Part gehört wahrlich zu den besten Auftritten Arents, zumal diesmal jeglicher Witz zu gefallen weiß. Diesbezüglich ist Arent diesmal der einsame Einsatz des Streifens, ist der Rest von „The Puzzle of the Red Orchid“ (Alternativtitel) doch um Ernsthaftigkeit bemüht, was Ashley auch blendend meistert. Man ist sowohl mittendrin in den polizeilischen Ermittlungen, als auch in den Aktionen und dem Krieg der beiden Verbrecherbanden. Damit schafft es der Stoff über seine kurze Laufzeit von 81 Minuten interessant zu bleiben, während gut gezeichnete Charaktere dafür sorgen, dass es trotzdem Identifikationsfiguren gibt, die das Geschehen nicht einzig theoretisch erscheinen lassen.

Eine ungewohnt maskulin agierende und so gar nicht püppchenhaft aussehende weibliche Hauptrolle sorgt für die nötige Abwechslung und erfüllt zum Vorteil so gar nicht die Nische der zu rettenden, zierlichen Person. Ihre beiden Bewunderer, der Ermittler Scotland Yards und der Orchideen-Züchter aus dem Amazonas, den man viel früher als Übeltäter vermutet als es dem Drehbuch lieb wäre, ähneln sich vom Typ her, was sowohl die Konkurrenz zur Frau, als auch die gegenteilige Position zum Kriminalfall interessant gestaltet. Und wenn mittendrin noch Christopher Lee mit amerikanischen Polizeimethoden agiert, gibt es eigentlich keine offenen Wünsche mehr.

„Das Rätsel der roten Orchidee“ ist ein angenehm anders gearteter Wallace-Film, der von Anfang an Neugierde weckt und in seiner lockeren, wie trotzdem ernsten Atmosphäre zu gefallen weiß. Kinski rückt diesmal etwas mehr in den Fokus, Arent fügt sich wie erwähnt ein, und der Kriminalfall bietet die ein oder andere Überraschung am Rande, während er trotz des Elementes, amerikanische Bandenkriege in London stattfinden zu lassen, erstaunlich bodenständig erzählt ist. Ashley spielt nicht mit schrägen Ideen wie es typisch für Alfred Vohrer wäre, und das Ergebnis gibt Ashley recht, so sehr ich Vohrers Werke auch achte.  OFDb

26.02.2017

DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT (1973)

Als man mit dem Vorgänger „Dracula jagt Mini-Mädchen“ der totgelaufenen klassischen Reihe um „Dracula“ neuen Pepp verlieh, sorgte dies für genügend Kasse, dass sich eine schnell nachgereichte weitere Fortsetzung lohnte. Erneut engagierte man Regisseur Alan Gibson, erneut ließ man Van Helsing gegen Dracula im England der 70er Jahre gegeneinander antreten, und da laut Film gerade einmal drei Jahre zwischen den Ereignissen liegen, konnte man auch sonst manche aus dem direkten Vorgänger bekannte Figur wieder mit einbauen. Aus der Rezeptur von Teil 7 hatte man jedoch nicht gelernt.

Es braucht nicht verwundern, dass Christopher Lee hier ein letztes Mal den Dracula mimt und auch für einen Kurzauftritt in der letzten Fortsetzung „Die 7 goldenen Vampire“ nicht mehr zu haben war. Ebenso braucht es nicht verwundern, dass man mit dem letzten Teil der Reihe erneut neue Wege suchte die Reihe fortzusetzen, fehlt „Dracula braucht frisches Blut“ doch der Charme und die Klasse des Vorgängers und macht trotz des Erfolges der Mini-Mädchen alles anders als dieser. So klassisch der deutsche Titel klingen mag, so wenig hat die Art der Inszenierung mit der Rest-Reihe gemein. Der Vorgänger gab sich modern, im Kern klassisch und kam so verspielt daher wie noch jeder Teil der Reihe. „The Satanic Rites of Dracula“ (Originaltitel) lässt jedoch jeglichen verspielten Charme und jegliches Augenzwinkern vermissen, dabei hätte ihm dies bei seiner hochgradig unsinnig ausgefallen Geschichte sehr gut getan.

Zwar erhöht man den Blut- und nackte Haut-Pegel im Vergleich zum Vorgänger nur minimal, aber „Rites of Dracula“ (Alternativtitel) ist sehr reißerisch erzählt, nimmt sich viel zu ernst und erscheint einem eher wie eine Agentengeschichte, in welcher ein okkulter Orden die Weltherrschaft an sich reißen möchte, als wie eine Vampirgeschichte. Die Vampirrezeptur wirkt so krampfhaft ins Restgeschehen eingebracht, dass die Vermutung nahe liegt, dass hier ein Drehbuch zu einem ursprünglich anders gedachten Thema auf die Schnelle in einen „Dracula"-Film umfunktioniert wurde.

Dieser Verdacht verdichtet sich, wenn man sich die Rolle des kaum auftauchenden Grafen Dracula einmal näher ansieht. Der hat nun völlig blödsinniger Weise einen Konzern errichtet, von dessen Chefetage aus er unentdeckt vom Rest der Welt das Ende eben dieser einleitet. Ohne die Vampirthematik hätten wir hier den klassischen James Bond-Bösewicht. Und dass Lee, bis auf seine Vampirzähnchen und seinen Umhang, gerade in der sehr langen Büroszene, so gar nicht wie der Graf wirken mag, lässt darauf schließen dass sein einziger Auftritt außerhalb des Finales, das klassische vampirische Verführen eines weiblichen Opfers, nachgedreht wurde, um „Count Dracula and his Vampire Bride“ (Alternativtitel) wenigstens einen Hauch klassisches Dracula-Feeling zu verleihen, zum Zweck die Figur mit dieser eingefügten, nicht zum Restgeschehen passenden, Szene auch wie Dracula wirken zu lassen.

Was auch immer die Hintergründe waren, die Geschichte ist reiner Nonsens, geht es doch um einen okkulten Club, der mittels eines neu gezüchteten, aggressiveren Pest-Virus die Menschheit ausrotten möchte. Van Helsing vermutet darin eine Todessehnsucht des Vampirs, der vor seinem Untergang noch die komplette Menschheit, vielleicht sogar das komplette Universum in den Untergang reißen möchte. Als pulpiger 70er Jahre-Streifen weiß „Dracula Is Alive and Well and Living in London“ (Alternativtitel) auch tatsächlich zu funktionieren, eben weil er all diesen Unsinn bierernst erzählt. Da sich das alles aber so gar nicht wie ein Teil der „Dracula“-Reihe anfühlt, werden Stammzuschauer der Hammer-Reihe verprellt, sofern sie nicht auch moderneren Horrorstoffen gegenüber aufgeschlossen sind.

Man kann also behaupten, dass Christopher Lee seinen letzten Auftritt als Dracula in „Dracula jagt Mini-Mädchen“ absolviert hat. Nicht nur dass er trotz Erstnennung in Vor- und Abspann nur ein Gast in seinem eigenen Film ist, er wirkt auch nicht wie Dracula, so wie der komplette Film mit seiner reißerischen Agentengeschichte nicht wie ein „Dracula"-Film wirkt. „Dracula braucht frisches Blut“ wäre ohne die Vampirthematik noch eine Spur sympathischer ausgefallen. Dann hätte man ihn vielleicht sogar einen Hauch ernster nehmen können.

Man hätte die Figur des Van Helsing lediglich als Berater okkulter Ermittlungen einbauen können, „Akte X“-like, anstatt ständig auf der Dracula-Masche herumzureiten. Dann hätte daraus eine eigene Reihe innerhalb der klassischen Reihe werden können. Aber mit der nicht wirklich kompatiblen Vampirthematik vermengt, und mit der unsinnigen Ergänzung Draculas als Großunternehmer (und einem noch viel dämlicheren, viel zu früh genannten Verdacht Van Hellsings, Dracula könne hinter all diesen Ereignissen stecken), wird aus Gibsons zweiten Ausflug der Hammer-Reihe lediglich ein unfreiwillig komischer, wahnwitziger, reißerischer und pulpig sympathischer Streifen für Freunde ungewöhnlicher, schundiger 70er Jahre-Produktionen. Aber das ist immerhin noch um einiges besser als ein mittelmäßiges oder schlechtes Ergebnis.  OFDb

DRACULA JAGT MINI-MÄDCHEN (1972)

Erstmals seit dem 1958er „Dracula“ treffen Peter Cushing als Van Helsing und Christopher Lee als Dracula in der Hammer-Reihe um den mächtigsten Vampir wieder aufeinander. Das wurde aber auch Zeit! Diese ist nicht stehen geblieben, was den Hammer-Studios, die eher auf klassischen Horror abonniert waren, nicht gut tat. Das Genre wurde vom Terrorkino beeinflusst immer härter. Wer mit Dracula Menschen ins Kino locken wollte, der musste sich etwas einfallen lassen, und da reichte es nicht zwei Horrorikonen aufeinander treffen zu lassen. Um der ganzen Chose den nötigen Schwung zu verleihen, versetzt man die Handlung nach einem Einstieg im 19. Jahrundert in das Entstehungsjahr des Filmes, was dem Werk einen modernen und entfremdenden Touch beschert.
 
Die 70er Jahre sprechen für sich. Das beginnt mit der ersten Aufnahme im Jahr 1972, die von einer Musik begleitet wird, wie man sie in einem Kriminalfilm vermuten würde. Doch das passt ganz gut, allein schon weil die Polizei in den von Dracula verursachten Morden ermittelt, auch wenn sie dabei einen weitaus geringeren Part neben Peter Cushing einnimmt, der einen Nachfahren seiner eigenen Rolle aus den Teilen 1 und 2 verkörpert. Die peppige Musik verleiht dem Film einen angenehmen sleazy Touch, der zu der Zeit häufig im Kino neue Akzente setzte und selbst Schmuddelwerke dieser Tage interessant erscheinen lässt.

Mit den Teens im Zentrum hatte man die nötigen Identifikationsfiguren der neuen Generation, und in den Hochzeiten von Drogen und freier Liebe war genügend Platz für Esotherik und damit für Okkultismus, so dass die Geschichte nicht zu konstruiert wirkt, wenn nicht an den Satan glaubende Jugendliche eine schwarze Messe veranstalten. Als Mutprobe angesetzt bleibt sie in der Geschichte nicht nur glaubwürdig, ihre düstere Inszenierung reißt gar richtig mit. Wo „Dracula jagt Mini-Mädchen“ (welch dämlicher Titel) an mancher Stelle schräg und flott inszeniert ist, da ist er es an anderer, richtiger Stelle düster und ernsthaft.

Die Messe gehört wie erwähnt zu diesen Momenten und kann sich wahrlich sehen lassen, was aber auch am überzeugenden Spiel Christopher Neames liegt, der hier den Diener Draculas Johnny Alucard spielt. Seine Szenen gehören ihm, und mit seinem jungen, düsteren, leicht schelmischen Erscheinungsbild ist er eine bereichernde Ergänzung neben Christopher Lee als Dracula, der zwar sehr wenige Auftritte beschert bekommen hat, dafür aber endlich wieder so düster wie unter Terence Fisher spielen darf.

So modern sich das Ganze auch ins 20. Jahrhundert verfrachtet, in der Großstadt spielend unter Jugendlichen mit flotter Musikuntermalung guckt, die eigentliche Geschichte verläuft innerhalb dieser Rahmenbedingungen trotzdem überraschend klassisch. Da wird nichts mit nackter Haut aufgepuscht, da gibt es nur ein, zwei Tröpfchen mehr Blut als bislang zu sehen, und wenn Dracula erst einmal auferstanden ist folgt auch der Handlungsverlauf dem typischen Muster, wie er auch im 19. Jahrhundert hätte erzählt werden können. Würde im Finale nicht zeitgenössische Musik im Stile der Soundtracks der Rialto-Wallace-Reihe im Hintergrund spielen, man würde glatt vergessen in welchem Jahrhundert wir uns befinden, findet der Endkampf doch in einer alten, verfallenen Kirche statt.

Ein klassisches Happy End muss es geben, auch hier verweigert sich „Dracula Chases the Mini Girls“ (Alternativtitel) der Moderne. Der Tod Draculas kann sich diesmal glücklicher Weise sehen lassen, so dass es auch in diesem Punkt nichts zu meckern gibt. Trotz des trashigen Titels und der eher gewagt als vielversprechend klingenden Idee Van Helsing und Dracula im 20. Jahrhundert aufeinander treffen zu lassen, ist „Dracula A.D. 1972“ (Originaltitel) eine der gelungensten Fortsetzungen des Originalfilmes mit Christopher Lee, und dies gerade einmal zwei Jahre nach dem missglückten sechsten Teil „Dracula - Nächte des Entsetzens“.  OFDb

23.02.2017

DRACULA - NÄCHTE DES ENTSETZENS (1970)

Noch im selben Jahr von „Wie schmeckt das Blut von Dracula“ entstand auch der sechste Teil der Hammer-“Dracula“-Reihe namens „Dracula - Nächte des Entsetzens“. Zwar versucht man auch hier anhand moderner Elemente sich des Staubs von einst zu entledigen, doch zum einen wäre dies nicht nötig gewesen, so gut wie sich die Klassiker, auf welche der Film basiert, noch heute gucken, und zum anderen guckt sich Christopher Lees fünfter Auftritt des legendären Vampirs trotzdem ziemlich altbacken. Da gibt es zu Beginn eine kleine harmlose Nackedeiaufnahme zu sehen, und auch Hauptdarstellerin Jenny Hanley füllt ihr Dekolleté besser aus als ihre Rolle, vor allem immer dann wenn sie die Kreuzkette zwischen ihren Brüsten hervorholt, von diesen modernen amourösen Anzüglichkeiten einmal abgesehen wird ansonsten aber eigentlich das immergleiche Szenario erzählt, wenn auch diesmal einfallsloser denn je.

Um Draculas Auferstehung wird diesmal kein großer Wirbel gemacht. Der findet direkt zu Beginn statt, verursacht durch eine Fledermaus. Das ist eine ziemlich lahme Idee, wird im weiteren Verlauf mit Vertiefung jener Thematik, dass Dracula Tiere der Nacht kontrollieren kann, trotzdem zu einem halbwegs reizvollen Tierhorror-Zusatzelement, bzw. das würde theoretisch so sein, wenn die albernen Fledermäuse nicht eher niedlich anstatt erschreckend wirken würden. Sieben Jahre nach Hitchcocks „Die Vögel“ wissen diese albernen Szenen nichts zu reißen. Und doch ist ihr Einbringen das einzig Einfallsreiche was „Draculas Blutrausch“ (Alternativtitel) zu bieten hat.

Dracula wird menschlicher verkörpert als eh und je, ist jetzt ein guter Gastgeber geworden, der das Tier in sich erst im entscheidenden Moment zum Vorschein bringt. Halb frustriert, zumindest überraschend und wenig wirkend von Christopher Lee recht melancholisch verkörpert, verbringt der Graf seinen Lebensabend auf dem vom Dorfvolk heruntergefackelten Schloss. Auf die Jagd scheint er nicht mehr zu gehen, dennoch verbarrikadieren die Dorfbewohner jede Nacht ihre Türen, auch wenn es seit der letzten großen Tragik, welche in der selben Nacht des Schlossanzündens stattfand, keinen Vorfall mehr gegeben zu haben scheint.

Ein Stubenhocker von Dracula - das wirkt nicht nur langweilig und einfallslos, es wirkt auch innerhalb des eigenen Dracula-Universums nicht sonderlich glaubwürdig. Die öde Geschichte reiht einen lahmen Charakter nach dem anderen um den müde wirkenden Grafen herum, einzig die tragische Rolle des Gehilfen Draculas versprüht ein wenig Charaktertiefe, zumindest tut der Sarah anbetende Lakaie dem Zuschauer leid, auch wenn man sich darüber wundern darf warum der olle Typ so viel eigenen Willen besitzt.

Wahrscheinlich hat es mit der Kraft der Liebe zu tun, was auch immer. Sinn macht hier ohnehin wenig, und damit habe ich dann wohl, zumindest den bisherigen, Tiefpunkt der Reihe erlebt, denn so anders die einzelnen Teile bislang auch immer ausgefallen sind, unterhaltsam waren sie noch immer. „Brutale Bisse“ (Alternativtitel) wird erst im letzten Drittel halbwegs interessanter, und selbst dann ist er nicht das Gelbe vom Ei bei solch einem blassen Gegenspieler und solch einer idiotischen Art wie Dracula diesmal das Zeitliche segnet.  OFDb

BLUT FÜR DRACULA (1966)

Während Christopher Lee und mit ihm die Figur des Dracula in der ersten Fortsetzung von „Dracula“, „Dracula und seine Bräute“, pausierte, kehrt er nun in Teil 3 der Reihe zurück. Dafür müssen wir diesmal auf Dr. van Helsing und somit auf Peter Cushing verzichten, der uns nur zu Beginn in Rückblicken aus dem Finale des Originalfilms über den Weg läuft. Inklusive des hier besprochenen Teils blieb Regisseur Terence Fisher bis zu diesem Zeitpunkt der Reihe treu, und es ist gut dass er die Wiedererweckung des titelgebenden Grafen umsetzen durfte, scheint er doch der einzige zu sein, der Christopher Lee zu jener schrecklichen Bestie animiert bekommt, die er auch in seinem ersten Auftritt 1958 verkörperte.

Aufgrund ungünstiger Umstände habe ich zunächst die beiden Fortsetzungen des hier besprochenen Streifens gesichtet bevor ich einen Blick auf "Blut für Dracula" werfen konnte, und musste in diesen ein wenig enttäuscht feststellen, dass die Filme zwar durchaus passabel ausgefallen sind, Lee in der Rolle des Grafen Dracula jedoch nicht mehr halbwegs den unheimlichen Eindruck machte, der ihm in Teil 1 so hervorragend gelang. Mag sein Treiben auch in „The Bloody Scream of Dracula" (Alternativtitel) nicht mit dieser Leistung mithalten können, so ist sie doch trotzdem nah dran, so unmenschlich wie Christopher Lee die Figur des Dracula anlegt, und so legendär mystisch wie die Rolle bei einem zweiten Auftritt noch wirken darf.

In den noch folgenden Fortsetzungen sind Worte wie die in Teil 3 eingangs erwähnten längst vergessen, die betonen Dracula habe über ein Jahrhundert über sein Land geherrscht und viele hätten versucht ihn zu töten, ohne dies zu schaffen. Dracula ist ein mächtiges Wesen und konnte erst mit Hilfe der Forschung endlich besiegt werden. Während die immer leichter zu bewerkstelligenden Mordmethoden der zukünftigen Helden immer mehr an die späteren Finalkämpfe gegen Freddy Krueger und Jason Vorhees erinnerten, was an der Glaubwürdigkeit der Unbesiegbarkeit Draculas nagte, darf hier noch das nur einmal besiegte Grauen auferstehen. Aber schon das Finale von „Dracula 3“ (Alternativtitel) wird zeigen, dass es hiermit zu Ende ist, wird der Graf doch bereits hier auf recht schlichte und etwas zu unspektakuläre Art getötet, zudem eher dem Zufall geschuldet als der Heldenhaftigkeit seiner Gegner.

Dies ist aber dann auch der einzige nennenswerte Schwachpunkt von „Revenge of Dracula“ (Alternativtitel), der seine Geschichte von Beginn an sehr stimmig erzählt. Als Zuschauer taucht man dank interessanter und schnell liebgewonnener Charaktere schnell ins Geschehen ein und vermisst aufgrund der versprühenden Kurzweile auch den Grafen nicht wirklich, der erst sehr spät ins Geschehen tritt. Aber das Warten lohnt sich, spielt Lee, wie erwähnt, den Vampir doch noch mit Herzblut, zumindest in den meisten seiner Szenen, so dass diese Momente tatsächlich ihm allein gehören, so stark wie er seine Präsenz in diesen entfaltet.

Dennoch muss angemerkt werden, dass Lee nicht der einzige Trumpf dieser wundervollen Fortsetzung ist. Die Art wie heimtückisch seine Gehilfen agieren, weiß zu gefallen. Die Schloss-Location ist so beeindruckend ausgefallen wie man es von den Hammer-Studios gewohnt ist, und der Aufbau der Geschichte, in all seinen einzelnen Phasen, ist professionell ausgefallen. Durch die dichte Atmosphäre, die der Film trotz aller nostalgischen Leichtigkeit versprüht, lässt es Terence Fisher nie zu, dass so etwas wie Langeweile oder Stillstand Einzug halten könnte, dafür sind die einzelnen Szenarien viel zu gut ausgearbeitet und die Geschehnisse zu abwechslungsreich konzipiert.

Zwar darf es aus der Sicht sonst typisch angegangener Horror-Klischees ein wenig verwundern, dass schwarze Pferde nur von den Guten geritten werden, während Dracula braune, manchmal gar weiße bevorzugt, und auch manche zu deutlich bei Tageslicht abgefilmte Nachtszene sorgt für leichte Abstriche, schaden können diese winzigen Kritikpunkte dem stark inszenierten Streifen jedoch nicht. Die Harmlosigkeit seines direkten Vorgängers fehlt dem dritten Teil völlig. Fisher baut diesmal nicht mehr auf dessen naivem Charme. Dracula soll ein ehrfürchtiger Gegner sein, und dafür war eine ernstere und düstere Fortsetzung auch zwingend nötig. So sehr mir Teil 2 auch gerade wegen seiner braven, klassischen Art gefallen hat, so sehr begrüße ich es andererseits auch diesmal, dass mit der Wiederkehr Draculas die Naivität großteils über Bord geworfen wurde.  OFDb

22.02.2017

WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? (1970)

Da die Sterbeszene Draculas im Vorgänger „Draculas Rückkehr“ sehr schön umgesetzt war, tut es gut diese zu Beginn von „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ noch einmal erleben zu dürfen. Eingebracht wird sie deshalb, weil damals jemand Zeuge dieser Prozedur wurde, von dem wir im Vorgänger keine Ahnung hatten. Es handelt sich um einen Geschäftsmann, der sich sehr wohl darüber bewusst ist welch wertvollen Fund er mit dem Mantel, dem Blut und dem Emblem Draculas gemacht hat. Bis die eigentliche Geschichte ihren Bogen zu diesen Ereignissen zu Beginn des Filmes wieder aufnimmt dauert ein wenig, dürfen wir doch nun das verlogene Spießbürgertum in der Hauptgeschichte angekommen kennen lernen, welches dem Glück eines jungen Paares im Wege steht.

Was zunächst nach klassischem Spießbürgertum klingt, entpuppt sich als ein Geheimclub dreier Männer, welche Grenzgebiete menschlichen Tuns ausloten wollen. Das gibt der Geschichte nicht nur einen modernen Touch, sondern auch einen sehr interessanten, gerade dann wenn die Herren auf einen abtrünnigen Adligen stoßen, der schwarze Messen abhält und weiß wie und wo man an das Blut von Dracula herankommt. Ob im dramatischen Bereich der jungen Liebe, oder im düsteren Bereich des alte Herren-Club, „Das Blut von Dracula“ (Alternativtitel) ist hoch unterhaltsam erzählt, und so konstruiert die Geschichte auch klingen mag, sie funktioniert und wird von Regisseur Peter Sasdy in einem solch düsteren Ton erzählt, dass man sich endlich wieder in einen richtigen Horrorfilm hineinversetzt fühlt, im Gegensatz zu den meist naiv ausgefallenen bisherigen Fortsetzungen des legendären „Dracula“ mit Christopher Lee.

Der verkörpert auch in dieser mittlerweile vierten von insgesamt acht Fortsetzungen den untoten Grafen, kann mit seinem zu zurückhaltendem Spiel jedoch nicht mit der Kraft der Geschichte mithalten. Die von ihm unter seine Kontrolle gebrachten Helfer wirken aufgrund ihrer tückischen Herangehensweise mehr als der Obervampir selbst, und im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist diesmal auch der Tod Draculas mau umgesetzt, zumal er innerhalb eines Szenarios geschieht, welches ich nicht verstanden habe.

Aber der häufige Handlungsort einer düsteren Kirche, die Art welche Wege die Geschichte geht und was sie an tolle Ideen mit an Bord bringt, und auch so mancher Spezialeffekt, wie das Wiederbeleben Draculas Blutes in der schwarzen Messe, sind alles Pluspunkte die gegen die kleinen Schwachpunkte des Streifens steuern, so dass man trotz des erneut blassen Einbringens Christopher Lees, der den Vampir im Original so genial verkörperte, es mit einem der besseren Filme der Reihe zu tun hat, so anders wie er sich schaut, bei all den Bemühungen der immergleichen Rahmenstory zusätzliche Sehwerte bescheren zu wollen.  OFDb

21.02.2017

DRACULAS RÜCKKEHR (1968)

Draculas zweite Rückkehr, in der dritten Fortsetzung der Hammerstudio-Version von „Dracula“, ist erstmals nicht von Terence Fisher inszeniert. Ihn ersetzt Freddie Francis, der ebenfalls Stammregiseur besagter britischer Filmschmiede war. Da ich „Blut für Dracula“, den Vorgänger des hier besprochenen Filmes, noch nicht sehen konnte, kann ich nicht beurteilen wie Draculas erste Rückkehr ausgefallen ist. Die Art wie der Graf in „Draculas Rückkehr“ in Szene gesetzt wird, ist zumindest leider nicht mehr halb so wirkungsreich wie im Originalfilm aus dem Jahre 1958.

Dracula ist nicht mehr dieses gierige Monster, dessen Menschlichkeit wie eine Verkleidung wirkte. Die Kamera fängt weder ihn noch seine blutroten Augen in Nahaufnahme erschreckend ein. Spielt Christopher Lee mit halber Backe? Ich weiß es nicht. Aber wahre Wirkung entfaltet der Vampir ironischer Weise erst dann, wenn er stirbt. Dann ist er mit dem Blut um die Augen toll zurecht gemacht, während Lee mit einem bitteren Blick den sterbenden Grafen mimt. Zuvor gab es gar Szenen, in denen er lächerlich wirkte, machte es doch den Eindruck man würde sich in einem Klamaukfilm befinden, sobald Dracula wie irre eine Kutsche lenkt, was immerhin zwei Mal im Film geschieht.

Aber das sind die Tiefpunkte in einem sonst recht unterhaltsamen Film, dem die Intensität des Originals fehlt und der harmlose Charme der ersten Fortsetzung „Dracula und seine Bräute“, der mir im Vergleich besser gefiel. Aber „Dracula‘s Revenge“ (Alternativtitel) besitzt eigene Stärken, wenn auch nicht beim Blutsauger selbst. Während bereits die eigentliche, harmlose Lovestory inklusive eifersüchtigem Sidekick zu gefallen weiß, wird die Story um zwei Asse im Ärmel bereichert. Zum einen tritt ein Atheist den Kampf gegen den Blutsauger an, was die Sache extrem erschwert, zum anderen ist es ein Priester, den Dracula zu seinem Lakaien macht, was von Francis recht reichhaltig ausgekostet wird, so oft wie der Abtrünnige den Wolf im Schafspelz verkörpern darf.

Zwar ist seine Rolle wahrlich tragisch angelegt, immerhin besitzt der Priester im Gegensatz zu vielen anderen Vampirfilm-Gehilfen Momente der eigenen Gedanken (was schließlich auch hilfreich für den Finalkampf wird), aber unter der Macht von Dracula stehend muss er quasi am eigenen Leib darunter leiden, wie er seinen eigenen Glauben mit Füßen tritt und Menschen schadet denen er nicht schaden will. So bleibt er eine traurige Figur selbst dann, wenn er den Willen des Grafen erfüllt, weiß umgekehrt aber auch durch diese durch Reue harmlose Außenwirkung in der Schurkenrolle zu gefallen, wenn alle anderen glauben sie hätten mit dem Priester wen Hilfreiches an ihrer Seite.

Dies plus einige kleine Gimmicks, wie dem Treiben auf den Dächern der Stadt, welches zu einem wichtigen Element des Filmes wird, macht aus „Draculas Rückkehr“, trotz des eher schwachen Einsatzes von Christopher Lee, einen angenehmen Film, der zwar etwas Zeit benötigt um in Fahrt zu kommen und aufgrund unnötiger Fehler, wie einer tageshellen Nachtszene, in welcher Dracula der Dorfschlampe auflauert, sich auch an anderer Stelle schwer tut, aber letztendlich doch ein angenehmer Vertreter der Gattung Horrorfilm ist, vorausgesetzt man mag auch die harmlos ausgefallenen Varianten von einst, die heutzutage niemanden mehr erschrecken und auch für ihre Zeit recht zahm ausgefallen sind.  OFDb

17.02.2017

DIE RACHE DER PHARAONEN (1959)

Sehr geachtet sind sie nicht, die vier Mumienfilme der Hammer-Studios, gelten sie doch allgemein hin als Schwachpunkt der sonst so geschätzten britischen Schmiede des Horrorfilms. Während ich noch meine Freude mit „Das Grab der blutigen Mumie“ und „Der Fluch der Mumie“ hatte, und somit den Argwohn gegen diese Filme nicht nachvollziehen konnte, sollte es gerade der erste Hammerfilm zu diesem Thema sein, der auch mich nicht überzeugte. Als Neuverfilmung der ersten von vier Fortsetzungen des 30er Jahre „Die Mumie“ anvisiert, von der leider nicht eine einzige in Deutschland erschienen ist, scheitert sie an allerlei Punkten, ohne dass man zum Vergleich das (mir nicht bekannte) Original herauskramen müsste.
 
Bereits die Einleitung ist lieblos angegangen, wenn der olle Ägypter mangels mystischer Betonung lächerlich auf Rache sinnt, und die Grabkammer sich weder als schmutzig, noch staubig, noch frei von Atemluft herausstellt. In der Hoffnung in England angekommen würde die mangelnde Atmosphäre durch glaubwürdigere Bilder verspätet aufkommen, muss man, von einer schlichten Rahmenhandlung um die geistige Erkrankung eines Archäologen einmal abgesehen, erst viel zu lange Rückblicke über sich ergehen lassen, die alle an den selben Schwächen scheitern wie die Einleitung: unglaubwürdige Locations, theatralisches, leider nicht ernst zu nehmendes Schauspiel, und mitten drin ein sonst so brillanter Christopher Lee, der seine Rolle, warum auch immer, mit ängstlichem Blick verkörpert, selbst dann noch, wenn er als Mumie durchs Geschehen stampft, ohne dabei ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie die Bewegungen einer Mumie auszusehen hat.
Zwar bleibt auch nach Beendigung der Rückblicke die Glaubwürdigkeit der Geschehnisse höchst naiv und unglaubwürdig, aber durch den leichten Krimi-Touch der nun aufkommt, weiß das Ganze zumindest endlich einen gewissen Charme zu versprühen. Zwar macht der Gesinnungswandel des Kommissaren keinerlei Sinn, wenn er nach ersten, verständlichen Zweifeln, nur deswegen an die Existenz eines lebenden Toten glaubt, weil seine (sehr kurz angegangenen) Untersuchungen nichts Gegenteiliges beweisen konnten, aber wenn die Rolle des stets charmant spielenden Peter Cushing mit dem Kriminalisten endlich an einem Strang zieht, dann bereitet auch „Die Mumie“ (Alternativtitel) endlich Freude.

Höhepunkt des Filmes ist dann allerdings nicht das putzig ausgefallene Finale, sondern der Besuch von Cushings‘ Figur bei seinem Erzfeind, der einen langen Dialog verlogener Herzlichkeit und aufgesetzter Höflichkeit hervorbringt, bei dem es eine Freude ist dran teilnehmen zu dürfen. Hier weiß der Darsteller des Ägypters zumindest diesen Part der ihm zugeteilten Rolle zu erfüllen, wenn er auch sonst wie ein Flüche und Gebete vor sich herplappernder Kasper wirken mag. Dass das Klischee der jungen Frau, die der Prinzessin von einst bis aufs Haar gleicht, auch noch krampfhaft mit ins Geschehen gestoßen wird, würde nur dann stören, wenn wir es bei „Terror of the Mummy“ (Alternativtitel) mit einem guten Film zu tun hätte. So reiht sich diese Idee zumindest in die Schlange der charmant lächerlichen Ideen ein, welche das maue Produkt zumindest in der letzten halben Stunde noch halbwegs gerettet bekommen.  OFDb

17.01.2017

DAS SCHLOSS DES GRAUENS (1963)

Als die Erfolge der Rialto-Wallace-Filme zu Ende gingen, da übernahmen die Italiener in den 70er Jahren das Ruder der 1959 begonnenen Reihe. Doch anstatt auf halbwegs ähnlichen Pfaden zu wandern, lieferten sie Giallos ab, was manchem Fan der ursprünglich deutschen Beiträge so gar nicht geschmeckt hat. Wie ein waschechter Rialto-Wallace in den Händen von Italienern hätte aussehen können, zeigt der mit Christopher Lee in einer Nebenrolle prominent besetzte „Das Schloss des Grauens“, der 1963 fertiggestellt wurde, als sich die Wallace-Welle in Deutschland gerade auf einem Hoch befand.

Es mag also sein, dass sich die Italiener bewusst dazu entschieden haben aufgrund der Erfolge in unserem Land ähnliches auch für ihr Land fertigzustellen, ohne dabei auf einen Roman des berühmten Schriftstellers zurückzugreifen. Herausgekommen ist, ob beabsichtigt oder nicht, ein an mancher Stelle etwas unsinnig ausgefallener, aber stimmiger Mix aus besagtem Wallace-Feeling und Gothik-Horror, zu Beginn mit einem Hauch Giallo-Prise versehen, ein Genre welches zu diesem Zeitpunkt noch nicht existierte. Erst gegen Ende, wenn der Film sich auf zeithistorische, fast frei erfundene, Ereignisse beruft, schwindet die Wallacefilm-Atmosphäre kurzfristig, flammt im ereignisreichem Finale jedoch noch einmal auf, angereichert mit einer gelungenen Mörderaufdeckung mit Schauertouch.

Antonio Margheriti, der oft Filme ablieferte die mich ungewollt belustigen (z.B. „Einer gegen das Imperium“) oder lediglich auf recht schundige Art zu gefallen wussten („Das Alien aus der Tiefe“) war für mich selten so nah an einem kompromisslos akzeptablen Ergebnis dran wie mit dem hier besprochenen „Die Gruft der lebenden Leichen“ (Alternativtitel), auch wenn manche Lücken in der Logik, gerade in der widersprüchlichen Charakterisierung der Heldin, die immer zwischen taff und höchst naiv springt, auch hier für unfreiwillige Komik sorgt. Eine dichte, charmant verspielte Grundatmosphäre mit leichtem Geisterbahn-Touch in Kombination mit einer überraschend schnell verlaufenden Aufdeckung einzelner Hintergründe sorgt für die nötige Stimmung.

Erst wenn sich die Geschichte gegen Ende im Kreis zu drehen droht, kommt kurzfristig Ernüchterung auf. Aber auch hier zieht Margheriti noch schnell genug die Reißleine und führt „Horror Castle“ (Alternativtitel) doch noch früh genug zum Finale. Somit guckt sich der Großteil der angenehm kurzen 80 Minuten Laufzeit flott und interessant. Und dass der ewig gleiche Handlungsort des Schlosses nicht zu langweilig ausfällt, liegt an der wunderschön morbiden wie stimmigen Dekoration, die gerade immer dann besonders klassisch zu wirken weiß, wenn die Heldin mit weißem Nachthemd nachts durch die Gegend schleicht.  OFDb

07.11.2016

VAMPIRE GEGEN HERAKLES (1961)

Wer unter Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Dies trifft nicht nur auf den reinherzigen, götterfürchtigen Halbgott Herkules zu, er entdeckt mit der Methode des Steinwerfens auch gleich eine Lösungsmethode unterschiedlichster Probleme. Egal ob man ein Moor überwinden muss, böse Geister loswerden will, einen untoten Meister des Okkulten in seine Schranken weisen will oder einfach nur einen unerreichbar scheinenden Apfel pflücken muss - Steine werfen löst jedes Problem, je größer der Stein, desto besser.

Die Lösung ist quasi so naiv wie die Probleme und das Weltbild von Mario Bavas ein Jahr nach seinem Meisterwerk „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ erschienden „Vampire gegen Herakles“. Sicherlich gäbe es genug Gründe sich über ein derart naives Weltbild lustig machen zu können, mit meiner augenzwinkernden Einleitung habe ich schließlich nichts anderes getan, aber es würde dem Streifen nicht gerecht werden, der einen auf geradezu kindliche und klassische Art zu verzaubern weiß, aus einer Zeit der laufenden Bilder stammend, als noch die Ur-Superhelden Herkules, Zorro, Ursus und wie sie alle heißen  sich gegen jene Superhelden behaupten konnten, die den Begriff überhaupt erst prägten und in wunderlichen Kostümen ihre Heldentaten vollbrachten, bevor diese sie vollends aus der Kinolandschaft drängten.

„Hercules in the Center of the Earth“ (Alternativtitel) ist hochtheatralisch erzählt, hüpft eigentlich nur von einer Episode zur nächsten, in welcher es je ein Problem zu lösen gibt, das gewaltiger klingt als es schließlich zu bewerkstelligen ist. In einer kurzen Laufzeit von 80 Minuten kann aus einer Freundschaft in einem lediglich kurz angehauchten Nebenplot auch schnell eine Erzfeindschaft werden und es genauso schnell wieder zu einer Versöhnung kommen. Denn in der Welt des Herkules wimmelt es nur vor Intrigen, Eifersucht, jeglicher Form von Übertreibung und mystischen Gestalten, und da dies alles in einer solch dick aufgetragenen Form so gar nichts mit unserer Realität zu tun hat, stört auch die eingangs erwähnte Naivität nicht. Sie ist Teil der klassischen Kinofilm-Gattung, der auch Bavas Beitrag angehört, und dank hübscher Bilder, die zu meiner Verwunderung trotz Bavas Arbeit an der Kamera eher durch Farben anstatt durch einfallsreiche Aufnahmen glänzen, motivierter Mimen und dem Herz am rechten Fleck weiß „Hercules in the Haunted World“ (Alternativtitel) auch zu gefallen.

Als Pluspunkt konnte man den erst drei Jahre zuvor durch seine „Dracula“-Interpretation weltberühmt gewordenen Christopher Lee mit an Bord gewinnen, der hier eher tuntig als unheimlich wirkt. Aber was er diesmal nicht zu verkörpern vermag, wird dank einer stimmigen Zusammenarbeit zwischen Schnitt und Fotografie stattdessen von den Geistergehilfen Licos eingefangen, die eigentlich aus blassgeschminkten Männern in Tüchern gekleidet bestehen, im Schluss-Szenario aber wirkungsreich eingefangen werden, eben weil man nie zu lange einen Blick auf sie erhaschen darf. Ich wette Armando de Ossorio hat deren Auferstehung als Inspiration für die Auferstehung seiner untoten Tempelritter in „Die Nacht der reitenden Leichen“ gesehen, fängt Bava deren Erwachen doch recht ähnlich ein.

Eine herzensgute, wenn auch überraschungsarme, Geschichte trifft auf leichtes Grusel-Flair innerhalb einer eigentlich kunterbunten und theatralischen Fantasy-Geschichte, und wer über dieses Zusammentreffen etlicher Klischees und Stereotype lachen möchte, der soll dies ruhig tun, „Ercole al centro della terra“ (Originaltitel) läd bei einem voreingenommenen Publikum sicherlich dazu ein. Wer dem Werk jedoch eine richtige Chance gibt, wird mit einem wunderschönen Abenteuerfilm belohnt, der zwar kindlich naiv erzählt ist, aber eben nicht infantil, wie man fehlurteilen könnte. Bava und seine Mannen waren sich sehr wohl über das bewusst was sie da fertigstellten. Und das sollte nichts anderes als klassisches Kino auf den Fährten klassischer Theaterzutaten sein. Wer darüber lediglich lachen kann, hat den kulturellen Aspekt dieses Werkes nicht verstanden.  OFDb

31.07.2016

DIE HERREN DRACULA (1976)

Was war es doch für ein Glücksgriff, dass der Franzose Édouard Molinaro für einen humoristischen Stoff über den berühmten Vampir-Grafen den Hammerfilm-Dracula Christopher Lee gewinnen konnte. Nicht dass der gute Mann mit seiner Rollenauswahl stets wählerisch gewesen wäre, schon ein Jahr nach seiner Paraderolle in „Dracula“ spielte er in dem unterirdischen Ulk „Schlechte Zeiten für Vampire“ mit, um eben diese zu parodieren. „Die Herren Dracula“ entstand 1976, zu einer Zeit als es mit den Hammer-Studios zu Ende ging. Drei Jahre nach seinem letzten Auftritt als der größte Blutsauger aller Zeiten in „Dracula braucht frisches Blut“, der im selben Jahr gedreht wurde wie der von Lee sehr gemochte „The Wicker Man“, war der Kult um Lee als Vampir zumindest noch groß genug, um mit ihm im Gepäck einen Trumpf im Ärmel zu besitzen.
 
Und Molinaro kann froh sein Lee mit an Bord zu haben, ist er doch das einzige was seinen Film halbwegs gucken lässt. Was sich wie ein lustiges Unterfangen anhört Dracula dabei zuzusehen wie er von seinem Nichtsnutz von Sohn enttäuscht wird, ein Thema das in Frankreich z.B. mit „Brust oder Keule“, freilich ohne Vampire, höchst humoristisch umgesetzt wurde, wird leider zu einer orientierungslosen Zotenparade, die zwar nicht so völlig verblödelt ausgefallen ist wie der oben genannte frühe Ausflug Lees ins Komödienfach, aber doch wesentlich flacher daher kommt als das was mit dem Stoff möglich gewesen wäre.

Molinaro ist eigentlich Komödienexperte, drehte mit Louis de Funès die beliebte Komödie „Oscar“ und auch „Onkel Paul die große Pflaume“, später auch Pierre Richards letzte klassische Komödie „Der große Blonde auf Freiersfüßen“, aber was er hier fabrizierte ist mittelmäßige Kost, eher belanglos als unterhaltsam ausgefallen und aufgrund seines Episodencharakters auch eher holprig und lahm umgesetzt. Warum Christopher Lee trotzdem mit einer derartigen Begeisterung an seinem Blutsauger-Image herummanipuliert, immer mit einem verschmitzten Blick im Spiel, lässt sich nur erahnen, sorgt aber zumindest dafür dass man ihm das Nichtfunktionieren des Streifens nicht vorwerfen kann.

Sicherlich bietet „Dracula and Son“ (Alternativtitel) auch manch gelungene Momente. So weiß z.B. jene Szene zu gefallen, als aufgrund eines Jungenstreiches des noch kleinen Ferdinand das Kindermädchen durch Sonnenlicht zu Staub verfällt, und Papa schelmisch lachen muss über die typischen Flausen eines Lausebengels. Auch dass Dracula den Beischlaf verweigert und seine penetrant nach Sex lechzende Freundin als unerfahrene Vampirin raus in die Sonne schickt und damit tötet, nur um nicht mit ihr schlafen zu müssen, belustigt durchaus. Zudem mag ich die Szene, in welcher Ferdinand erfreut feststellen darf endlich ein Mensch zu sein, sich vor Fremden darüber freut dass er im Spiegel zu sehen ist und eine Femde ihn kopfschüttelnd für einen Spinner hält.

Interessanter Weise wurde gerade aus der Idee einen echten Vampir als Filmstar einzustellen, ein Storyaspekt der später in „Shadow of the Vampire“ zum Mittelpunkt allen Geschehens wurde, relativ wenig herausgeholt, ruht sich die Komödie doch diesbezüglich darauf aus, dass es allein schon lustig ist, dass Dracula den Dracula spielen soll. Aber das ist wie gesagt keine Ausnahme im eher lahm umgesetzten „Dracula père et fils“ (Originaltitel). Der Film ist eine ziemlich lustlose Nummer, anfangs durchaus charmant ausgefallen, da man sich zu Beginn noch an den Sets der klassischen Dracula-Stoffe orientierte, letztendlich aber doch eine Spur zu lahm ausgefallen um mit ihm auf die komplette Laufzeit sympathisieren zu können. Außerdem hat mir die Besetzung von Draculas Sohn nicht sonderlich gefallen.  OFDb

30.04.2016

DAS GEHEIMNIS DER GELBEN NARZISSEN (1961)

Nur zwei Jahre nachdem mit „Der Frosch mit der Maske“ die Edgar Wallace-Reihe von Rialto startete, versuchte man sich an einer deutsch/britischen Zusammenarbeit, indem man einen gemeinsamen Film produzierte, der für das jeweilige Land jedoch mit verschiedener Prominenz besetzt wurde, so dass diverse Szenen doppelt gefilmt wurden. Dass bei solch finanziorientiertem Denken der Zuschauer auf der Strecke bleibt, braucht nicht zu überraschen, ist „Das Geheimnis der gelben Narzisse“ doch tatsächlich einer der wenigen Beiträge der Reihe, der durch gar nichts zu gefallen weiß.

Der Kriminalfall reißt nicht vom Hocker, die Inszenierung ist träge, und die Optik ist eine Beleidigung. Das Set-Design stellt uns drei Tische hin um uns einen Nachtclub zu präsentieren, und eine billig im Studio gedrehte Verabschiedungsszene an einem Zug ist so schluderig umgesetzt, dass die Illusion sich an einem echten Bahnhof zu befinden, gar nicht erst möglich ist. Der unterforderte Christopher Lee darf in seiner dümmlichen, wie nervigen Rolle, optisch zum Asiaten zurecht gemacht, kein Charisma versprühen. Und Joachim Fuchsberger hat auch schon mal besser ausgesehen, wirkt würdelos und klein, nicht einmal seine Haare wirken gekonnt frisiert. Klaus Kinski wird uninteressant in Szene gesetzt, auch hier vernachlässigten die Verantwortlichen für Kostüm und Maske ihre Arbeit.

Dass „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ zudem unglaublich langweilig ausgefallen ist, ist bei solch üblen Umständen fast schon eine Erleichterung, wäre doch alles andere nur Perlen vor die Säue gewesen. So aber geht zumindest alles gemeinsam den Bach herunter, selbst für jemanden wie mich, der stets Freude mit den damaligen Filmen der harten Welle hatte, selbst bei mittelmäßigen Produktionen. Zumindest die amouröse Theatervorstellung einer leichten Dame im Umgang mit einem Polizisten lockert das dumpfe Geschehen kurzfristig auf. Verglichen mit dem ein Jahr später in „Das Gasthaus an der Themse“ präsentierten musikalischen Auftritt von Elisabeth Flickenschildt bleibt aber selbst der blass.

Fast schon bekommt man das Gefühl der Film wurde absichtlich gegen die Mauer gefahren. Zumindest habe ich es als extrem ärgerlich empfunden, welch schwache Vorstellung Walter Grotell als Oberinspektor von sich gibt. So ein offensichtlich desinteressiertes Spiel habe ich in einer Kinoproduktion noch selten erlebt. Vielleicht hat er aber auch einfach nur erkannt in welch uninspiriertem Wallace-Film er gelandet ist. Da kann ich ihn schon fast verstehen.  OFDb

28.03.2016

EIN TOTER SPIELT KLAVIER (1961)

„Ein Toter spielt Klavier“ gehört trotz der Anwesenheit Christopher Lees zu den eher unbekannteren Horrorbeiträgen der legendären britischen Hammerschmiede, was sehr schade ist, ist er doch eine kleine Perle der dort produzierten Genre-Beiträge und ein Lehrstück dessen wie man ohne große Effekte eine Geschichte aufregend und stimmig erzählt bekommt.

Um zu einem solch erfreulich gutem Ergebnis zu kommen lässt sich die Geschichte viel Zeit bevor sich die Ereignisse Richtung Finale schließlich derart überstürzen, dass nichts mehr ist wie es zuvor schien. Dass auch nach der x-ten Wendung der Ereignisse alles schlüssig und nachvollziehbar bleibt, verdankt der Streifen dem Talent von Drehbuchautor Jimmy Sangster, der sich nicht nur viel Zeit für das Vertiefen von Charakteren und Situationen nimmt, sondern diese im psychologischen Zusammenhang auch zu verstehen weiß, so dass Widersprüche nur in sehr kleinen, kaum bedeutenden Bereichen vorzufinden sind.

Ähnlich wie Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ ist „Taste of Fear“ (Originaltitel) ein Film der es schafft den meisten Spannungsgehalt aus den Dialogen zu ziehen. Während Momente schrecklicher Ereignisse sehr klein gehalten werden, wird in „Ein Toter spielt Klavier“ ansonsten viel geredet. Da mag manch wer jammern, der sich mit dialoglastigen Werken schwer tut, aber was wir als Zuschauer hier erleben dürfen ist keineswegs Leergeschwätz um ein Minimum an Story auf Spielfilmlänge zu strecken. Die Dialoge stecken voller Informationen, versteckter Hinweise, Überlegungen, Ahnungen und Intrigen, dass es eine Freude ist dem mysteriösem Geheimnis des Hauses auf die Spur kommen zu wollen, glaubend zu wissen was vor sich ging.

Ein stimmiger Soundtrack, der wesentlich unaufdringlicher komponiert ist als das was man Anfang der 60er Jahre üblicher Weise zur Klanguntermalung verwendete, verhilft der rätselhaften Geschichte zu einer stimmigen Atmosphäre, die zwar nur selten zu wahrlich gruseligen Momenten führt, den Zuschauer aber stets zu fesseln weiß. Zudem ist es den glaubwürdigen Schauspielern zu verdanken, dass man sich für die Erlebnisse der Beteiligten derart intensiv interessiert. Und dass der Film in seiner schwarz/weißen Umsetzung meist im Dunkeln spielt, gehört mit zu den Eigenschaften, die „Ein Toter spielt Klavier“ zu etwas Besonderem werden lassen.

Mag sich das Szenario zunächst wie die übliche „jemand soll in den Wahnsinn getrieben“-Geschichte anhören, so ist dies doch nur die halbe Wahrheit. Und dass „Scream of Fear“ (Alternativtitel) mehr als diese schlichte Erzählvariante serviert, verdankt er nicht nur den wendungsreichen Ereignissen, sondern auch der Gabe der Charaktere nicht pausenlos ahnungslos zu agieren, sondern mitzudenken und relativ früh Vermutungen zu äußern, die in Routinewerken meist nur dem Zuschauer kommen, nicht aber den Protagonisten klassischer Horrorfilme. Das schaut sich erfrischend und sorgt für weiterführende Möglichkeiten, welche sicherlich selbst jene gewieften Cineasten vom Hocker hauen werden die zumindest teilweise mit ihren Vermutungen richtig lagen.

„Ein Toter spielt Klavier“ gönnt sich den Luxus sich viel Zeit für die Ereignisse zu nehmen, pausiert dennoch nie zu lang mit Situationen welche den Horrorgehalt der Geschichte fördern, und sorgt somit für einen stimmigen Grusel-Krimi voller interessanter Dialoge, Wendungen, gepackt in charmant düstere Bilder, begleitet von einem stimmigen Soundtrack und veredelt durch ein durchdachtes Drehbuch, dem man lediglich vorwerfen kann, dass es dem Durchschnittsbürger viel mehr schauspielerisches Talent zutraut als es in der Wirklichkeit tatsächlich der Fall sein dürfte. Aber so kleinkariert könnte ich nie sein, um mir davon eine solch professionell umgesetzte Erzählung vermiesen zu lassen.  OFDb

13.02.2016

DER SCHÄDEL DES MARQUIS DE SADE (1965)

Freddie Francis, der in seiner Karriere recht unterschiedliche Horrorwerke gedreht hat, lieferte mit „Der Schädel des Marquis de Sade“ einen Film zu einer Thematik ab, die er in „Craze - Dämon des Grauens“ meiner Meinung nach später noch einmal wirkungsreicher umgesetzt hat. In beiden Genre-Beiträgen steht der Besitzer eines Relikts unter dessen unheimlichen Einfluss. Während in dem Werk mit Jack Palance aus dem Jahr 1974 die beeinflussende Macht dämonischer Natur war, bleibt der Hintergrund des Eigenlebens des Schädels eher rätselhaft, weiß man doch nur dass der Marquis ein bösartiger Mensch war, der sich für schwarze Magie interessierte. Warum sein Geist noch immer im Schädel seines damaligen Körpers schlummert weiß man nicht. Und es interessiert Francis auch nicht. Die Antwort auf diese Frage ist für die Geschichte nicht von Bedeutung.

Diese Entscheidung empfinde ich als die richtige, würde zu viel Bodenständigkeit dem Film doch sicherlich schaden, einem Werk welches aufgrund seiner fast schon uninteressanten Thematik ohnehin auf wackeligen Beinen steht. „The Skull“ (Originaltitel) ist sicherlich solide umgesetzt, und ein Peter Cushing in einer Hauptrolle ist grundsätzlich ein Pluspunkt, erst recht wenn er Unterstützung von Christopher Lee erhält, der in dem hier besprochenen Streifen jedoch nur als Nebenfigur dabei ist. Aber trotz aller handwerklichen Professionalität vor und hinter der Kamera fehlt es dem eigentlichen Werk meiner Meinung nach an dem gewissen Etwas welches einen austauschbaren Horrorfilm zu einem besonderen macht.

Francis arbeitet eher mit Psychoterror als mit dem Versuch Spannung oder gar Grusel zu erzeugen. Die schrillen Töne des Soundtracks treffen Nerven im Gehirn des Zuschauers, die zu leiden beginnen. Es werden uns Szenen vorgesetzt die Traumsequenzen ähneln oder gar welche sind, das weiß man meist erst hinterher. Im gesunden Zustand misstraut Maitland dem Schädel, unter seinem Einfluss wird er zur Marionette. Zwischen diesen Bewusstseinszuständen springt er stets hin und her. Und doch weiß Francis nicht wirklich mehr aus diesem interessanten Zustand aus Selbstbestimmtheit, Fremdlenkung, Realität und Scheinrealität herauszuholen als ein olles Katz- und Mausspiel zwischen Cushing und dem Schädel, dem es am nötigen augenzwinkernden Grundton mangelt um auf diese Art zu funktionieren.

„Der Schädel des Marquis de Sade“ ist auf der einen Seite zu trocken und auf der anderen Seite zu nervenzerrend erzählt um wirklich zu gefallen. Und das ist schade, ist er doch in seinen guten Momenten nostalgisch nett erzählt, putzig getrickst, gut gespielt und in Räumlichkeiten spielend, in welchen der Verantwortliche für die Dekorationen sich einmal ordentlich austoben durfte. Aber was nutzt das lobenswert umgesetzte Gewandt, wenn die eigentliche Stimmung des Streifens fehlt, welche wahres Interesse für das was geschieht beim Zuschauer entfacht? Francis Film bleibt zu theoretisch interessant, ist damit zwar immer noch ein gefundenes Fressen für neugierige Cineasten, nicht aber für Freunde entspannter Abendunterhaltung.  OFDb