Posts mit dem Label Dieter Borsche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dieter Borsche werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

02.01.2020

SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE (1963)

Nachdem bislang jeder triviale Teil der 60er Jahre Mabuse-Reihe bei lockerer Herangehensweise zu unterhalten wusste, bekommt sie mit "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" erstmals einen Tiefpunkt beschert, keinen dessen Inhalt und Herangehensweise völlig uninteressant ausgefallen wäre, aber mit deutlicheren Schwächen versehen als zuvor - auch in der Inszenierung. Paul Mays maues Ergebnis kann man nicht einzig auf die offensichtlich vorhandene Geldknappheit zurück führen, die dem Film kaum tatsächliche Schauwerte bietet. Er setzt der mageren Chose zudem mit einer oft trägen Umsetzung noch eins drauf. Dialoge wirken wie aufgesagt, Walter Rilla mimt und spricht seinen Mabuse im Halbschlaf, ohne ihm dämonische Blicke zu gönnen, oft sitzen die Protagonisten lahm herum und redet trocken über Ereignisse und (viel zu schnell gewonnene) Erkenntnisse, die man auch auf flottere Art hätte einbringen können. Die jungen, weiblichen Figuren und der damit verbundene obligatorische romantische Part, sind nicht von Bedeutung für die Geschichte und dementsprechend auch austauschbar besetzt. Die Musik und der Plot mögen einen Teil der harten Welle suggerieren, "Dr. Mabuse vs. Scotland Yard" (Alternativtitel) kommt jedoch trotz gelegentlicher Schießereien zu brav für diese daher, oftmals sogar arg bieder anmutend, gerne dann wenn sich der Streifen äußerst locker gibt.

Um die Identität Mabuses wird diesmal kein Geheimnis gemacht, was ich für eine sinnvolle Entscheidung im x-ten Teil halte, von dem man damals sicher dachte, dass ihm noch etliche folgen würden. Leider agiert Mabuse jedoch ebenso offen vor seinen Untergebenen, sprich er ist nicht nur dem Zuschauer bekannt, er ist auch nicht mehr der anonyme, zu fürchtende Arbeitgeber. Oft wirkt er glatt wie ein Kumpel und fragt sogar in einer Szene einen Mitarbeiter nach einer Idee des weiteren Vorgehens. Nun gut, wir haben es ohnehin mit einem neuen Mabuse zu tun, der Irrenarzt aus dem Vorgänger "Das Testament des Dr. Mabuse" geht nun als dritter Kandidat heran die Herrschaft des Verbrechens zu errichten. Wie kurze Aufnahmen mit Wolfgang Preiss zeigen, ist er besessen vom toten Geist des zweiten Mabuse, dessen Kraft somit über seinen Tod hinaus reicht. Das beschert dem Film zusätzlich zur im Zentrum stehenden Erfindung einen übernatürlichen Touch. Scheinbar ist seine Macht vom Jenseits aus, die durch das Finale keine alternative Deutungsmöglichkeit erlaubt, nicht sonderlich stark, sonst würde der neue Mabuse wohl kaum eine Hypnosemaschine benötigen. Bislang konnte Mabuse die Leute noch höchst persönlich durch Gedankenkraft steuern, zumindest in den meisten Teil seit Langs Erstling von 1922.

Um Sinn und Unsinn braucht man gewohnter Maßen aber ohnehin nicht lamentieren. "Die scharlachrote Dschunke" (Alternativtitel) soll schlichtweg unterhaltsames Trivialkino sein, und mit weit herunter geschraubten Erwartungen geht das hier zu steril dargebotene Affentheater gerade noch in Ordnung. Schade ist es um die verheizte Besetzung, die mit Peter van Eyck, Klaus Kinski und Werner Peters (diesmal in einer Kommissarenrolle) besonders reizvoll ausgefallen ist. Der Drang sich erneut an der erfolgreicheren Wallace-Reihe zu bedienen fällt diesmal durch die Besetzung Kinskis auf, durch die Verlagerung der meisten Geschehnisse nach England und durch den erneuten Versuch Humor in die Reihe zu integrieren. Nachdem Eddi Arent-ähnliche Persönlichkeiten in den Vorgängern versagten, versuchte man es diesmal mit einer pseudo-sympathischen Mutter des ermittelnden Agenten. "Scotland Yard vs. Dr. Mabuse" (Alternativtitel) ist die Blaupause einer Blaupause und damit nur noch ganz treuen Fans der Reihe zu empfehlen. Zumindest kommt der Film nach einer etwas arg trägen ersten halben Stunde genug in Fahrt, um doch noch auf besonders schlichte Art unterhalten zu können.  OFDb

12.03.2017

DIE TOTEN AUGEN VON LONDON (1961)

Alfred Vohrers früher Beitrag der lang laufenden Rialto-Wallace-Reihe ist bereits ein Liebhaberstück. Zwischen düsteren und heiteren Momenten schwankend, ohne dabei unausgegoren zu wirken, bietet er verschiedenste Unterhaltungswerte, die von einer Gruppe sympathischer, wie talentierter Schauspieler unterstützt wird. Fuchsberger agiert locker, dies aber noch nicht überzogen (was auch für sein Flirten mit der weiblichen Hauptrolle gilt), Arent sorgt für die Erheiterung am Rande, Kinski spielt großartig wie eh und je, und jede Menge anderweitige Figuren, von Flimmer Fred bis hin zum blinden Jack, machen aus „Die toten Augen von London“, der bereits 1939 in England als „Der Würger von London“ mit Bela Lugosi besetzt verfilmt wurde, ein Seherlebnis für Freunde nostalgischer Stoffe.

Vielleicht ist das Rätselraten nicht ganz so groß ausgefallen wie bei manch anderem Wallace-Beitrag, bis auf eine vorhersehbare Überraschung am Schluss ist eigentlich von Anfang an klar wer hier alles einen Schurken mimen darf, aber um das klassische Mörderraten geht es hier ohnehin nur am Rande, ist Vohrer doch viel eher darum bemüht mit „Dark Eyes of London“ (Alternativtitel) eine aufregende Umsetzung zu gestalten, sprich eine ereignisreiche, bei der man nie weiß was im nächsten Moment passieren wird. Das Finale, in welchem sich Karin Baal in einem großen Wasserbehälter eingeschlossen befindet ist legendär, ständig ist man Zeuge von Mordversuchen und gelungenen Attacken diesbezüglich, Vohrer lässt einem kaum Luft zum Atmen, vergisst aber auch die ruhigen Suspense-Momente nicht, die er gekonnt einzustreuen vermag, ohne den Film an diesen Stellen gedrosselt wirken zu lassen.

Die kleinen Spinnereien am Rande, die Vohrer so liebt einzubauen, finden auch in diesem humorärmeren Werk seinen Platz. So zeigt uns der Regisseur beispielsweise einen skurrilen Zigarettenaufbewahrungsort innerhalb eines künstlichen Totenschädels, um uns per Schnitt direkt im Anschluss einen schwarzen, ausgestopften Vogel sehen und hören zu lassen, dessen Augen elektronisch leuchten können. Auch der in einem späteren Werk noch einmal eingefangene Blick aus der Kehle eines der Darsteller heraus, findet bereits hier seinen ersten Einsatz.

Vohrer selbst verfilmte den hier besprochenen Streifen nur sieben Jahre später in der Buntphase der Rialto-Wallace-Reihe mit „Der Gorilla von Soho“ noch einmal neu, und schaut man sich einmal die starke, künstliche Behaarung an den Armen und an den Händen des blinden Jack an, so darf man doch behaupten dass der weitere Schritt zum Gorilla fast schon naheliegend war, zumindest in der grotesken Welt des Alfred Vohrer. An die Schwarz/Weiß-Version weiß dieser ebenso wenig heranzukommen wie der in den 90er Jahren umgesetzte TV-Film „Das Haus der toten Augen“, in welchem Eddi Arent erneut involviert war - sichtlich gealtert, diesmal den Sir John spielend.

„Geheimnis von London“ (Alternativtitel) ist einer der frühen Höhepunkte der ohnehin großartig ausgefallenen frühen Phase der Wallace-Reihe (wir befinden uns im dritten Jahr und im gerade einmal fünften Beitrag der Serie) und bereitet mit seinen düsteren Aufnahmen, gemixt mit grotesken Ideen und dem Blick in die toten Kontaktlinsen der Blinden (während einer der Sehenden als einziger eine dunkle Sonnenbrille tragen darf) auch bei der x-ten Sichtung noch genügend Freude um ins Schwärmen zu geraten. Einzig der Soundtrack ist ein wenig müde ausgefallen.  OFDb

01.03.2017

DER SCHWARZE ABT (1963)

Ich hatte Franz Josef Gottliebs „Der schwarze Abt“ als sehr schwachen Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe in Erinnerung und muss gestehen, nun bei meiner erneuten Sichtung recht gut unterhalten worden zu sein. In dem Plot, der kaum einer ist, werden Irrungen, Wirrungen, Irrglaube, Irrsinn, Geheimnisse und Wendungen so extrem aneinandergereiht, dass allein dies fast reicht eine Geschichte zu ersetzen. Wie Schurken sich gegenseitig, meist durch Erpressung, das Leben zur Hölle machen, wie die Autoren (u.a. Gottlieb selbst) es trotzdem schaffen noch ein Familiengeheimnis zum Thema Geisteskrankheit mit in die Geschichte zu integrieren, das hat schon meinen Respekt erlangt.

Da stört es auch gar nicht weiter, dass der schwarze Abt eher Gast im eigenen Film ist, gar nicht so wichtig ist wie der Titel vermuten lässt, so dass der Film sich am Ende sogar selbst einen Spaß daraus macht damit zu spielen, dass wir es mit mehr als einer Person bei der titelgebenden Figur zu tun zu haben. Ohnehin wird die Identität des eigentlichen, echten schwarzen Abtes relativ früh gelüftet, während die Fälschung bereits 25 Minuten vor Schluss das Zeitliche segnet. Spätestens ab dann ist der Kuttenträger endgültig uninteressant für die weiteren Vorkommnisse und wird nur noch am Rande erwähnt, damit die Person, die den Originalen mimte, erfährt, dass die Polizei längst wusste wer er war.

Viel aufregender ist aber ohnehin die zentrale Geschichte um eine Erpressung ausgefallen, in welcher Werner Peters es wieder einmal schafft den hinterlistigen Schurkentypen perfekt zu verkörpern, inklusive eines minimalistischen Gehaltes Unsicherheit. „Der schwarze Abt“ lebt viel von seiner Figur, auch wenn die zweite Filmhälfte ihm weit weniger Beachtung schenkt als die erste. Schwerpunktmäßig wechselt die Bedeutung einzelner Personen ohnehin immer wieder. Die Frauen werden trotz zentraler Eckpfeiler der Geschichte niemals wichtig, Charles Regnier, der den Kommissar treffsicher mimt und in seiner Darstellung ein Unikum innerhalb der Wallace-Kommissare darstellt, darf aufgrund nicht gezeigter Ermittlungen in London auch mal für längere Zeit pausieren, während die zwielichtige, aber doch recht sympathisch gestaltete Rolle Joachim Fuchsbergers immer mit kurzen Unterbrechungen versehen wichtig für das Komplettgeschehen ist.

Das Finale wiederum kümmert sich neben der Ermittler hauptsächlich um Lord Chelford, dessen Szenen die Geduld des Zuschauers einen Hauch zu sehr auf die Probe stellen. In der Schlussphase habe ich mir dann doch gewünscht, dass das Treiben endlich ein Ende findet. Aber bis es soweit ist wird man solide unterhalten. Die Schloss-Location wirkt, der Pseudo-Handlungs-Mix aus Schatzsuche, Erpressung und Geisteskrankheit weiß zu gefallen, und Kinski und Arent dürfen ihre Stärken erneut in Nebenrollen beweisen und werden damit zu wirksamen Randerscheinungen des Filmes (bis auf einige wenige Arent-Ausrutscher, die dann doch zu viel des Guten sind).

Das führt alles nicht zu einem großen Ergebnis, aber definitiv zu einem unterhaltsamen Beitrag der Reihe, vorausgesetzt man kann sich mit Irrungen und Wirrungen begnügen und auf eine tatsächliche Handlung verzichten. Meiner Meinung nach funktioniert dies aufgrund der interessanten Figurenkonstellation recht gut, so dass die gelungenen Charaktere den Film bis zum Schluss stemmen können, ohne dass es zu einer uninteressanten Phase käme. Ob man am Ende noch durchblickt, hängt von der Konzentration des Zuschauers ab. Wer nur mit halber Backe hin geschaut hat, hat trotzdem seinen Spaß, geht es doch nicht wirklich um einen Sinn, sondern lediglich um einen abenteuerlichen Kriminalfall - oder um zwei, oder drei.  OFDb

24.06.2015

DER ROTE RAUSCH (1962)

„Der rote Rausch“ ist ein sensibles Psycho-Drama, welches darum bemüht ist beim Zuschauer Empathie für einen geisteskranken Frauenmörder entstehen zu lassen. Hierfür greift man zunächst auf einen ähnlichen Kniff wie beim späteren „Boy A“ zurück: man weiß aufgrund der Flucht aus der Anstalt dass Josef etwas getan hat, lernt ihn zunächst jedoch rein als Menschen kennen, um erst später zu erfahren was er tatsächlich verbrochen hat. Wir lernen Josef als Opfer kennen, als einen Menschen der niemandem trauen kann. Und erfahren wir erst einmal was mit ihm in der Psychatrie geschah, einer Institution die nicht unnötig, wie sonst gerne im Filmbereich, dämonisiert wird, sondern als Ort des Humanismus begriffen wird, verstehen wir um so mehr wie es in Josef aussehen muss, der nicht nur die Morde betreffend über keine Erinnerung verfügt, sondern auch über seine Identität, was aufgrund des späten Begreifens beim Zuschauer diesbezüglich eine Zweitsichtung reizvoll macht.

Im Mittelpunkt steht der menschliche Faktor. Der Charakter des Josef wird ebenso vertieft wie seine Interaktion mit den ihm nahestehenden Menschen. Herzlich wird er nur von der Tochter seines Arbeitgebers aufgenommen, dem Rest ist der etwas wunderlich auf die Leute wirkende Mann ziemlich egal. Ändern tut sich das erst mit Bekanntwerden der Missetaten Josefs. Von da an verwandelt sich die Gruppe braver Arbeiter zum gedanken- und gefühlslos wütenden Mob, welcher das Recht auf seiner Seite sieht und zur Selbstjustiz bereit ist. Hintergrundkenntnisse haben sie keine, aber sie wissen was sie wollen. Es ist das alte traurige Lied emotional aufgeladender Halbwissender, das noch heute immer wieder ertönt. Der Mensch lernt nicht dazu.

Psychologisch gesehen ist der Film seiner Zeit weit voraus. Nicht nur das Innenleben Josefs wird verdeutlicht, auch nichtig scheinende Nebensächlichkeiten verdeutlichen ein Begreifen der Thematik. Auch die Tochter von Josefs Arbeitgeber wird nicht allein von ihrem Verständnis von Moral gelenkt. Dadurch dass Josef sich Martin nennt, welches auch der Name ihres verschollenen Ehemannes ist, steht auch sie unter dem Einfluss ihres Unterbewusstseins, was interessanter Weise im Nichtgesagten am deutlichsten wird, nämlich immer dann wenn Josef die gute Frau fragt warum sie so nett zu ihm ist, und die Dame schweigt. Sie ist sich ihrer Gefühle nicht bewusst und merkt erst so nach und nach dass sie sich in den neuen Martin verliebt hat. Aber ihre Bereitschaft zu vertrauen und zu helfen greift auf das Unbewusste zurück, welches den Gesunden ebenso beeinflusst wie den kranken. Schleif stellt die beiden Hauptpersonen diesbezüglich absichtlich gegenüber. Ein großer Kniff.

Wenn die wahre Identität Josefs auch der einzigen Frau bewusst wird, die ihn liebt, dann passiert nicht das was wir erwarten, denn die gute Frau kennt Josefs Seelenleben. Sie weiß dass er mehr ist als der Stempel den ihm die Gesellschaft aufdrücken möchte, und so kommt es gegen Ende zu einem ehrlichen Gespräch zwischen den beiden, in welchem Kinski nicht nur alle Register seines großen Könnens zieht, sondern auch ganz direkt, ohne Tarnung und Drumherumreden, ein Plädoyer für Menschlichkeit und Verständnis im Angesicht von Verbrechen vorgetragen wird, welches mich an Langs legendären „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ erinnert hat.

„Flucht ohne Wiederkehr“ (Alternativtitel) ist kein typischer Kriminalfilm seiner Zeit, man sollte ihn Aufgrund des Entstehungsjahres 1962 also nicht mit den Werken nach Edgar Wallace vergleichen. Der Kriminaltwist ist ohnehin Nebensache. Die Tragik, die Ethik und das Begreifen der Zusammenhänge steht im Mittelpunkt. Wir haben es hier mit einem waschechten Psycho-Drama zu tun, dessen Schwerpunkte auf den für das Massenpublikum langweiligen Bereichen der Geschichte setzt. Schleif, der Regisseur der Immenhof-Filme und diverser Streifen mit Freddy Quinn, umgeht alles Reißerische. Er setzt dort an wo Zwischenmenschliches im Zentrum steht. Und da er dabei jeglichen Quantitäten keine Chance gibt, braucht es nicht verwundern dass „Das Geheimnis des roten Baumstammes“ (Alternativtitel) seinerzeit beim Publikum durchfiel. Ob im Mob oder vor der Leinwand, die große Masse orientiert sich immer nur am Geistlosen. Egal wie aufgeklärt eine Gesellschaft auch zu sein scheint.  OFDb

30.07.2013

DAS HALSTUCH (1962)

Eine Kriminalgeschichte in England spielend mit der klassischen „Wer ist der Mörder?“-Frage, das war in den 60er Jahren in Deutschland ein sehr beliebtes Rezept, nicht allein aufgrund der berühmten Edgar Wallace-Reihe, welche die Rialto-Studios in die Kinos brachte, aber auf jeden Fall durch diese stark beeinflusst. Was auf 90 Minuten im Kino wirkt, muss noch nicht auf etwa 210 Minuten im Fernsehen funktionieren. Aber seinerzeit ging die Rechnung auf. Damals als Sechsteiler im Fernsehen ausgestrahlt, kam das von Hans Quest inszenierte Stück derart gut an, dass es Einschaltquoten von bis zu 89 Prozent absahnte, so sehr war das Publikum an der Auflösung des Kriminalfalles interressiert, und so wurde „Das Halstuch“ als sogenannter Straßenfeger legendär.

Ebenso legendär ist die Geschichte darüber, dass Wolfgang Neuss vor Ausstrahlung der letzten Folge den Täter bekannt gab, um mehr Menschen vom Fernseher weg und ins Kino hinein zu locken. Dieser log witziger Weise, nannte per Zufall jedoch den wahren Täter. Die Zuschauer waren seinerzeit erbost und haben Neuss dieses Verhalten nicht verziehen.

Seit der Erstausstrahlung sind 52 Jahre vergangen. Da darf man mit Recht kritisch werden bei dem Gedanken ob ein Kriminalfilm auf diese Lauflänge auch heute noch zu funktionieren weiß. Von meiner Seite aus kann ich jedoch nur sagen, dass ich wunderbar unterhalten wurde. „Das Halstuch“ ist simpel, schlicht und soll lediglich unterhalten. Eine hoch knifflige Geschichte braucht hier also niemand zu erwarten, aber es funktioniert. „Das Halstuch“ weiß mit einfachem Stil zu unterhalten, so sehr, dass man den mittlerweile auf drei Teilen konzipierten Film in einem Rutsch durch schauen kann. Meiner Meinung nach sollte man dies auch tun, ist das Nostalgie-Feeling doch so schön, wenn man gerade mittendrin ist, und sind die kleinen Subplots und die kleineren Rollennamen doch damit einfacher zu merken.

„Das Halstuch“ ist ein sogenanntes Fernsehspiel, das sich von üblichen Serien, zumindest wie wir sie heute kennen, unterscheidet. Das Setting ist auf Theaterniveau und soll auch so sein, Außenaufnahmen gibt es relativ wenige und mit ihr auch Actionszenen im weitesten Sinne. In „Das Halstuch“ wird fast pausenlos geredet, und das ist sein Trumpf. Ähnlich wie Hitchcocks „Bei Anruf Mord“ entsteht der Spannungsbogen fast allein über die Dialoge, und das ist schon ein kleines Talent für sich.

„Das Halstuch“ nimmt sich nicht so ernst, soll nicht nur leicht unterhalten sondern auch von leichter Hand produziert sein. Da darf auch mal die Kamera versehentlich wo gegen kommen, ohne dass gleich neu gedreht wird, und da darf ein Schauspieler auch mal nicht sofort den Jackenärmel beim Anziehen finden. Das nimmt man alles nicht so streng. All diese kleinen Patzer, die eigentlich keine sind, sondern erst aus der heute so unnötigen Perfektion als solche betrachtet werden, sind Teilverursacher dieses naiven Charmes, den die Produktion einen auch noch beim heutigen Sichten beschert.

Mit an Bord ist Wallace-Veteran Heinz Drache als Ermittler, der ebenso spielt wie in der Kino-Reihe, was sicherlich kein Nachteil ist. Auch Horst Tappert, den man viel zu selten in anderen Rollen als in „Derrick“ sah, ist mit dabei und weiß zu überzeugen. Albert Lieven gefällt in der zweitwichtigsten Rolle als Verleger Clifton Morris. Und auch Dieter Borsche ist mit dabei, wenn auch in einer etwas uninteressanteren Rolle. Margot Trooger und Erica Beer sind als die weiblichen Zugpferde mit an Bord, und  Hellmut Lange darf auch eine wichtige Figur spielen.

Die Frage wer der Mörder ist steht tatsächlich im Mittelpunkt. Verdächtig sind nicht viele, aber genug, und einer der üblichen Verdächtigen ist es dann auch, man kann also drauf kommen, aber lediglich durch Raten. Per Kombination kommt man da nicht weit, und so ist es schön, dass die Täteraufdeckung nicht nur in ihrer Auflösung gelungen ist, sondern auch durch den Weg dorthin. Yates hat im Laufe der 3 Folgen einiges an kleinen Fallen aufgebaut und eingestreut, die für die Ermittlungen bedeutender sind als sie zunächst unscheinbar in die Geschichte integriert wirkten. Gut so!

Insgesamt weiß „Das Halstuch“ also auch heute noch zu gefallen, zwar weniger durch seinen Spannungsbogen, als viel mehr durch seinen nostalgischen Charme, der durch die Leichtfüßigkeit der Verwirklichung eines solchen Projektes geprägt ist im Vergleich zur strengen Engstirnigkeit heutiger ständig anvisierter Perfektion, die im Trivialunterhaltungs-Bereich überhaupt nicht nötig wäre. Aber auch auf dieser Basis braucht sich der Film nicht zu verstecken, zumal Figuren und Situationen auch heute noch zu interessieren wissen. Zudem läuft Quests Werk nie Gefahr lächerlich zu wirken, so wie es manchen Kinoproduktionen dieser Zeit erging. Unfreiwillig komisch ist hier nichts wirklich, lediglich befremdlich wirkt manches mit über 50 Jahren Abstand. Allein wie viel hier unverkrampft geraucht wird, eben weil die Gesellschaft in solchen Punkten damals freier war als wir heute, wirkt mittlerweile recht ungewöhnlich.  OFDb

23.11.2012

DAS PHANTOM VON SOHO (1964)

In London geht ein Mörder um, der stets in der Nähe der Sansibar in Soho zuschlägt, einem Etablissement für einsame Herren. Die Opfer werden erstochen und nach der Tat steckt das Phantom von Soho, wie die Presse den unbekannten Killer nennt, den Ermordeten einen Briefumschlag mit Geld zu. Chefinspektor Patton geht gemeinsam mit einem Gehilfen und dem Chef von Scottland Yard persönlich der Mordserie auf den Grund. Auch eine Kriminalautorin versucht sich an der Aufdeckung des unbekannten Straftäters. Die Polizei findet heraus, dass die Opfer etwas verband, etwas das mit einem untergegangenem Schiff zusammenhängt...

Erst Oper, später Paradies, mittendrin Londons Reeperbahn...
 
In den 60er Jahren war in Deutschland die harte Welle eine der wenigen Alternativen zur grausamen Fröhlichkeit anderer Kinoproduktionen unseres Landes. Neben den Mabuse-Filmen und jenen nach Edgar Wallace machten auch die Verfilmungen nach den Büchern dessen Sohnes Bryan Edgar Wallace scheinbar gut Kohle.

1964, in einer Zeit in der die Wallace-Filme mittlerweile so eingeleitet wurden, wie es heute Kult ist, nämlich mit Wallace’s Stimme aus der tropfenden Totengruft, leitete man auch diesen Film von Sohnemann Bryan ähnlich ein. Nur dass dieser persönlich abgefilmt werden konnte, während eine grimmige Stimme seinen Namen erwähnt.

Die selbe Wirkung hat das nicht, aber der trashige Versuch auf einen Erfolg aufzuspringen, innerhalb eines Bereiches, wo man auf einen Erfolg aufspringt, hat unfreiwillig komischen Charme und erinnert ein wenig an die Geschäftspolitik von Sat 1, die jeden Erfolg anderer Sender nachäfft.

„Das Phantom von Soho“ hat dann auch bei näherer Betrachtung kaum eigene Ideen. Aber inmitten trivialster Krimikost, die ohnehin nicht so ernst gemeint ist, ist das auch nicht weiter wild. Zwar kann aus dieser Saat kein Glanzstück wie „Das indische Tuch“ oder „Das Gasthaus an der Themse“ werden, aber immerhin netter Durchschnitt für den Nimmersatten dieser Genregattung. Und genau das ist dieser Beitrag von Franz Josef Gottlieb auch geworden.

Mit „Der Fluch der gelben Schlange“ drehte Gottlieb zuvor einen Kriminalfilm nach Vater Wallace, in einer Besetzung wie sie für dessen Filme in den 60er Jahren geradezu typisch war, jedoch für eine Konkurrenzfirma. Ein solches Imitat wurde für die Zukunft unterbunden, in dem Dauerstars wie Fuchsberger und Arent unterschreiben mussten nur noch in der Hausfirma bei Wallace-Filmen mitzuspielen.

Auch Gottlieb wechselte daraufhin dort hin und drehte für die klassische Wallace-Reihe, die mit „Der Frosch mit der Maske“ begann. Doch sein Beitrag „Der schwarze Abt“ war schlicht und damit weit entfernt von der dichten Erzählung seines „Der Fluch der gelben Schlange“. Mehr noch, in der Zeit bevor sich Briten und Italiener in die Wallace-Produktion einmischten, war „Der schwarze Abt“ gar eine der schwächsten Umsetzungen.

Ähnlich mittelmäßig, aber wenigstens atmosphärischer umgesetzt, geht es nun in diesem Bryan Edgar Wallace-Streifen zu. Die Musik lieferte Martin Böttcher, der sich hier stark an seinen Ohrwurm aus dem zwei Jahre zuvor gedrehten „Das Gasthaus an der Themse“ orientiert, leider ohne den Charme des Liedes dort zu erreichen (Mittelmaß, wie der komplette „Das Phantom von Soho“). Auch dass zu seiner Melodie gesungen wird, erinnert an den Themse-Film, doch auch hier schaut die Kopie blasser aus, allein weil der Text des Songs hier arg plump, ja sogar leicht lächerlich wirkt.

Zum Glück ist immerhin die Restinszenierung nicht ähnlich lächerlich, sie ist nur ein wenig zu gewöhnlich und überraschungsarm ausgefallen. Unterhaltsam ist das ganze dennoch, sind doch die Schauspieler mit Spaß an der Sache dabei, wirken auch nicht so untalentiert wie in dem im gleichen Jahr entstandenen Bryan Edgar Wallace-Krimi „Das Ungeheuer von London-City“. Ihre Charaktere erinnern stark an das typische Konzept der Filme seiner Zeit, etwas negativ fällt lediglich der lustige Part auf, ein Eddi Arent-Ersatz mit bierernstem Aussehen und der nicht immer richtigen Betonung beim Sprechen, aufgrund seiner Nebensächlichkeit aber auch kein echtes Manko.

Etwas negativer fällt da schon die mangelnde Anzahl an Verdächtigen auf. Die meisten zwielichtigen Figuren stehen auf der Liste des Phantoms, lediglich vier Personen sind verdächtig, zwei davon von der Liste. Diese Zwei sind im letzten Drittel zu offensichtlich Opfer statt Täter, bleiben nur noch zwei, von denen einer aufgrund seiner Position in der Geschichte viel zu unwahrscheinlich wäre, so dass die Mörderauflösung am Schluss zwar einen passablen Hintergrund liefert, die Person selbst jedoch bereits zu erwarten war. Spätestens wenn der starke Kapitän stirbt, ohne sich zu wehren, ist klar was Sache ist.

Dank atmosphärischer Locations, für seine Zeit harte Mordszenen, gut aufgelegter Stars und einem engen Festhalten an die gewohnten Regeln des Genres Grusel-Krimi, weiß „Das Phantom von Soho“ als eine Art Light-Version der bekannteren Wallace-Filme zu gefallen, zumindest dem Stammpublikum dieser Filme.

Franz Josef Gottlieb lieferte uns im selben Jahr noch den Wallace-Film „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ und den Bryan Edgar Wallace-Film „Das siebente Opfer“, bevor er sich von diesem Subgenre entfernte. Eigentlich schade, denn auch wenn keiner seiner Streifen ein Meisterwerk geworden ist, so ist doch meist immerhin sympathischer Durchschnitt entstanden.  OFDb

14.10.2012

DAS SIEBENTE OPFER (1964)

Auf einem Schloss wird die dort ansässige Adelsfamilie, die ohnehin nur noch wenig Nachkommen hat, nach und nach von wem Unbekanntes umgebracht. Zeitgleich versuchen mehrere zwielichtige Individuen das dem Lord gehörende Pferd Satan zu schwächen. Es gilt als ungeschlagener Favorit im nächsten Rennen und viele sähen gern sein Scheitern...

Wenn ein Pfarrer Satan ruft...
 
Warum der Film „Das siebente Opfer“ heißt erfährt man erst in der letzten Szene als eine Art Schlusspointe. Irgendwie klamaukig, irgendwie grotesk, trotzdem leider unpassend und unwitzig. Aber was soll’s, der Film ist nun ohnehin vorbei, und das was man zuvor sichten durfte hat Spaß gemacht.

Was man sah ergab nicht alles Sinn, und vieles davon wirkte arg konstruiert, aber es war kurzweiliger, nicht all zu ernst gemeinter, Krimi-Nonsens aus der Trivial-Ecke, und allein die Bezeichnung Kurzweile trennt dieses Werk von den bisher von mir gesehenen Werken nach Bryan Edgar Wallace.

Die Verfilmungen seiner Romane erlangten nie das selbe Niveau wie die kultigen Werke nach Edgar Wallace. Mit „Das siebente Opfer“ habe ich den ersten gelungenen Beitrag gesehen. Auch dieser ist nun kein echter Geheimtipp, aber wer solch antike Krimi-Kost gerne konsumiert, sollte diesem unbekannten Stück Film ruhig einmal eine Chance geben.

Wie man es von den beiden Wallace gewohnt ist schwirren allerhand zwielichtige Personen durch die Handlung. Diese werden erst gar nicht versucht realistisch zu halten, dafür dürfen sie von Anfang an viel zu augenzwinkernd gemeinte Kommentare ablassen, sich in jeglichem Krimi- und Sozial-Klischee suhlen, schlichtweg wirken sie dafür einfach viel zu comichaft. Allein dass der Pfarrer während des gegen Ende stattfindenden Pferderennens „Satan! Satan!“ ruft, spricht schon für die augenzwinkernde Erzählweise dieses etwas trashigen Streifens.

Aber das geht schon in Ordnung. Die Figuren bringen Schwung in die Bude, worum es wirklich gehen soll wird nicht so schnell klar, und mit diesen zwei Trümpfen ist der Zuschauer nun auch beschäftigt und unterhalten genug, um über kleine Mängel hinwegzusehen. Einzig die Kommissaren-Rolle wirkt eingangs zu dick aufgetragen, pöbelt dieser doch in Überheblichkeit alles und jeden an, der ihm in den Weg kommt. Mit der Zeit schafft er es jedoch, dass seine Figur einen schrulligen Touch bekommt, so das die anfangs fehlende Sympathie nachrückt.

So mancher Spruch wäre des Zitates wert, ein Tag später und ich konnte mich schon an keinen mehr konkret erinnern. Worum es in dem Kriminalstück geht ist ein wenig wirr umgesetzt, eigentlich auch Nebensache, man lauscht belustigt den Dialogen und schaut, was die Schar bunter Figuren wohl als nächstes treibt. Trude Herr bleibt in ihrer recht kleinen Rolle eher unbedeutend. Als großer Trumpf erweist sich hingegen der Schauspieler in der Rolle des Hausdieners, dessen Namen ich leider nicht kenne. Er dürfte die beste Rolle erwischt haben und füllt diese mit seinen verschlagenen und verschmitzten Blicken mit Leben.

Für viele ist „Das 7. Opfer“ sicherlich unbedeutende und zurecht vergessene Krimi-Kost, für andere ein untergegangenes Stück deutsches Film-Juwel. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit. Eine kleine Empfehlung für Freunde des Genres ist dieser Schwarz/weiß-Film definitiv.  OFDb