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05.01.2025

LIFEFORCE - DIE TÖDLICHE BEDROHUNG (1985)

Eine Weltraum-Crew entdeckt im Inneren des Halleyschen Kometen ein Raumschiff. Neben allerhand Fledermauskreaturen stößt man dort auch auf drei humane, tadellose Körper in gläsernen Särgen. Man lädt sie an Bord. Als das Erdenschiff nach langer Zeit ohne Funkkontakt geborgen werden kann, lebt nur noch ein einziges Crew-Mitglied. Die geborgenen Wesen erweisen sich als lebendig. Sie können dem Forschungsinstitut entfliehen und werden zu einer Gefahr für die Menschheit, da es sich um Außerirdische handelt, welche die Lebensenergien ganzer Welten abzapfen können...

Seelenfresser in der Kirche...

"Lifeforce" (Originaltitel) verfügt über allerhand Schauwerte, angefangen bei der wunderhübschen Nackten, deren schönen Körper man nicht nur kurzfristig erhascht bekommt, weiter zu entdecken im Bereich der Effekte, insbesondere was die ausgesaugten Menschen betrifft, sowie bezüglich der Krawalle, die sich im Laufe der Geschichte in der Bevölkerung bis hin zum Kriegszustand zuspitzen. Trotz lautem Getöse strahlt der Film immer eine gewisse Ruhe, ja sogar Nüchternheit aus, was im Widerspruch dazu steht, dass man eigentlich stets auf mehr, mehr und mehr setzt. Es scheint sich um ein Werk zu handeln, bei dem Produzenten viel mitreden wollten, das ließe zumindest das bunt zusammengewürfelte Szenario vermuten, das stets auf zur Entstehungszeit beliebte Kriterien setzt, auch wenn manche davon, wie der unübersehbare Zombieaspekt, auch gerade zu den abebbenden Modewellen der Kinowelt dieser Dekade gehörten. Ich habe gelesen, dass es Probleme mit den Kosten während der Produktion gab. Das würde auch erklären, warum der Streifen trotz seines immensen Einsatzes von Spezialeffekten immer dann Sprünge in der Geschichte wagt, wenn eine optische Umsetzung besonders aufwändig geworden wäre. 

Besonders auffällig ist dieser Verzichten beim Verladen der drei nackten Körper auf das Erdenschiff. In Zeiten handgemachter Effekte war ich neugierig auf die Umsetzung dieser Prozedur, sie wurde jedoch einfach übersprungen. Zum Mehrwert wird diese Herangehensweise eigentlich nur in jenem Szenario, in welchem wir mit dem zeitlichen Sprung auf der Erde, aufgrund der Auslassung von Informationen während des Fluges, einer wundervoll rätselhaften Situation beiwohnen, wenn wir erst so nach und nach erfahren, was auf dem Schiff bis zur Landung los war. Die Ähnlichkeit zum klassischen, literarischen  "Dracula"-Stoff, der auf der Schiffsreise nach England ebenfalls etliche Seefahrer aussaugte, kommt nicht von ungefähr, denn Horrorregie-Legende Tobe Hooper liefert hier einen Stoff über Weltraumvampire ab, und geht dabei sehr direkt die Verwandtschaft zu den klassischen Blutsaugern dieses Genres an. Doch während die Sprunghaftigkeit im besagten Beispiel förderlich für das Wecken der Neugierde beim Zuschauer ist (obwohl dieser zu diesem Zeitpunkt ohnehin nach mehr Informationen lechzt), wirkt die ruppige Erzählweise des Gesamtwerkes eher schroff. 

Hier wird dann doch deutlich, wie die finanziellen Zustände der Produktion ausgesehen haben mögen und was aus "Space Vampires" hätte werden können, wenn er alle Möglichkeiten gehabt hätte, die ursprüngliche Vision umzusetzen. Ob dann auch die eigentliche Geschichte, in ihrem Drang sämtliche Zuschauerinteressen zu integrieren, weniger zerfahren ausgefallen wäre, bleibt jedoch fraglich, denn die etwas wirre Natur der Sachlage, mit sich gegenseitig Energie abziehenden Opfern, zwei Vampirwesen die parallel zueinander abgestimmt sein müssen, sowie der, meiner Meinung nach, unnötige Part, dass es ein Hauptopfer gibt, das in geistiger Verbindung mit dem Wesen stehen muss, verkomplizieren das reizvolle Geschehen zu sehr, bzw. vereinfacht es auch an anderer Stelle, ist die geistige Verbundenheit, die ich für diese Geschichte als so unattraktiv empfinde, doch gleichzeitig Ausrede des Drehbuchs möglichst schnell möglichst viel über die Außerirdischen zu begreifen, sowie zügig ihren jeweiligen Standort zu erfahren, um der Menschheit doch noch womöglich ein glückliches Ende zu bescheren. Dabei wäre es gerade der Forschungsaspekt gewesen, der dem Stoff gut getan hätte. Das beweist die Vorgeschichte im All ebenso wie die ersten Untersuchungen und Ermittlungen auf der Erde. 

Stattdessen wird noch unnötig ein wenig Körpersprungthematik mit in den wilden Cocktail gepackt, und fertig ist das etwas zu gewollte, inhaltlich, wie finanziell überfrachtete Etwas, das auch unter dem Alternativtitel "Vampires from Outer Space" erschienen ist. Obwohl vieles gegen ihn spricht, funktioniert er rein zum Unterhaltungszweck eigentlich ganz gut, zumal er ,wie erwähnt, trotz dem vielen Brimborium genügend ruhige Phasen besitzt. Aber ein gut strukturierter Film sieht freilich anders aus. Und gerade der ruppige Wandel von der uns gewohnten Welt zu England im Chaos, vergeigt was an Intensität mit diesem Stoff möglich gewesen wäre, wenn man den Zuschauer empathischer an den Beginn der Endzeit herangeführt hätte, wenn dieser hätte dabei zusehen müssen, wie die bisherige Realität in Angst, Tod und Hysterie versinkt. Das doch recht leichte Aufhalten der Außerirdischen, lässt ihre bislang Welten verschlingende Erfolgsquote final nicht gerade glaubwürdig erscheinen. Nichtsdestotrotz schließt "Lifeforce - Die tödliche Bedrohung" nicht gerade mit einem Happy End. Das hätte auch nicht zum düsteren und pessimistischen Grundton gepasst, den Hooper konsequent aufrecht erhält. Der Autor der Buchvorlage äußerte sich nur negativ über das Ergebnis dieser Verfilmung. Das kann ich verstehen, auch wenn ich mit diesem Flickenteppich an Science Fiction-Horror als Trivialunterhaltung durchaus zufrieden war. Statt auf drei Autoren hätte man einfach einzig auf Dan O'Bannon setzen sollen, der wusste wie man gute Drehbücher schreibt.   Wiki

01.08.2022

THE RETURN OF THE LIVING DEAD (1985)

"Die Nacht der lebenden Toten" beruht auf einer wahren Begebenheit, behauptet jemand in "The Return of the Living Dead" und das nachdem zu Beginn dreist behauptet wird, dass alles was im Film passiert wirklich geschah und weder Namen, noch Organisationen umbenannt wurden. Der Film ist eine satirische Abrechnung und wurde, entstanden mit rennenden Toten und humoristisch aufbereitet in der längst abflauenden ersten Zombiewelle, zum absoluten Highlight neben Romeros "Zombie". Den Vergleich braucht er wahrlich nicht scheuen, inszeniert von Dan O'Bannon, der zwar nur selten in seinem Leben Regie führte, als Drehbuch-Autor jedoch für so legendäre Filme wie "Dark Star", "Alien" und "Das fliegende Auge" verantwortlich war. Freilich hat er auch den hier vorliegenden Film zumindest mitgeschrieben, und der erweist sich als wesentlich intelligenter, als er nach Außen hin tut. 

Allein die versteckte politische Verarbeitung, wenn die Masse nach "Gehirn! Gehirn" ruft und Randgruppen der Gesellschaft (ob nun Punks oder Menschen aus abseitigen Berufen) die Wahrheit kennen und versuchen etwas dagegen zu unternehmen, zeigt dass der Film auch hintergründig in zweiter Reihe funktioniert. Ob Punks oder Army, sie alle kommen nicht ohne satirische Seitenhiebe weg, ebenso wie das Zombie-Genre und vieles mehr. Abgesehen vom Verweis auf Romeros Original in Schwarz-Weiß arbeitet man hierfür jedoch nicht mit Metaebenen wie "Scream" und liefert zusammen mit diesem und mit "Tanz der Teufel 2" etwas ab, was nur den wenigsten Filmschaffenden, die es versuchten, gelang: den perfekten Mix aus Horror und Komödie. "Verdammt, die Zombies kommen" (Alternativtitel) ist schwarzhumorig und pointenstark und schafft es gleichzeitig die Bedrohung spürbar aufrecht zu erhalten. Im einen Moment erleben wir das Grauen stimmig umgesetzt nachts auf dem Friedhof, im nächsten Moment entsteigen die Leichen den Gräbern zu einem Lied mit der Botschaft "It's Partytime!" Die Verwandlung zu den Toten ist für die Vergifteten, die mit im Zentrum der Erlebnisse stehen, eine schmerzhafte und dramatische Prozedur, während ihr Gejammer oder die Feststellung, dass sie Zimmertemperatur haben, den humoristischen Part bedienen. 

"Die Rückkehr der lebenden Toten" (Alternativtitel, den auch ein französischer Horrorfilm von 1987 trägt, also nicht verwechseln) weiß in seinen düstersten Momenten zu gruseln und zu verstören. Das geht auf wunderbare, wie erwähnt seltene, Weise Hand in Hand mit dem Humor, der aber auch nie zu aufdringlich wird und dem Horror stets den Vorrang lässt. Der individuelle Clou, der dafür sorgt dass die Lage so hoffnungslos ist, ist die Tatsache, dass die Zombies sich nicht wie bei Romero mit einem zerstörten Gehirn aufhalten lassen und sich selbst dann noch bewegen und sich als Bedrohung erweisen, wenn sie zerstückelt wurden. Wie schwer es ist ihnen Herr zu werden, beweist bereits der Beginn, der sich mit nur einem Toten beschäftigt, bevor wir es mit einer ganzen Horde Wiedererweckter auf dem Friedhof zu tun bekommen, sowie mit einem herrlich anzuschauenden Original, das einst von der Army eingefangen wurde und wie seine Artgenossen in ein Fass zur Verwahrung gesteckt wurde. Erst das Verbrennen des Körpers hält einen Zombie endgültig auf, doch hat diese Prozedur Nachwirkungen, eben weil alles auf einer chemische Vergiftung fußt, die sich mit Verbrennen weiter ausbreiten kann, wenn der Dampf in die Wolken steigt, als ätzender Regen nieder prasselt und im Erdreich damit weitere Tote erweckt. 

Somit wird nicht nur die Frage zum Problem, wie man so viele Zombies verbrannt bekommt, sondern auch wie es ein Ende ohne den Untergang der menschlichen Zivilisation geben kann. Dementsprechend bitter fällt der Schluss aus, den O'Bannon aber ebenfalls nutzt, um die sture, dümmliche Haltung des Militärs zu persiflieren, was ein weiterer Beweis ist wie düstere Ernsthaftigkeit und Humor in diesem Werk Hand in Hand gehen. Geniale Randideen, wie das Verhör mit einer halbierten Toten, skurrile Charakterzeichnungen inmitten von Stereotypen, wie der Einbalsamierer Ernst Kaltenbrunner (der nicht zufällig nach einem berüchtigten Nazi benannt wurde, dessen Vergangenheit aber immer nur unterschwellig aufgegriffen wird) und kleine Spielereien am Rande, wie die Tatsache, dass die beiden entscheidenden Erwachsenen im Hauptplot Ernie und Bert heißen, oder dass ein Lesetestplakat für Augenärzte im Hintergrund eine versteckte Botschaft bereit hält, zeigen wie verspielt und mit wie viel Energie man an das fast perfekt umgesetzte Projekt heranging. 

Kurze Widersprüche im Verhalten der manchmal überraschend intelligenten Zombies, sowie das etwas unsensible Einbringen der Randfigur des Verantwortlichen vom Militär sind Schwächen, die man gut verzeihen kann, zumal sie zum Laufzeitstrecken so stiefmütterlich behandelt wurden wie geschehen, damit dem Plot nie die Puste ausgeht. Doch auch diesbezüglich erweist sich der Regisseur als begnadeter Geschichtenerzähler, wirkt "The Return of the Living Dead" doch nie gehetzt, gepuscht oder künstlich flott vorwärts getrieben. Die Geschichte gleicht einem Dominoeffekt und entwickelt sich nach der Ausgangslage konsequent weiter gedacht wie von selbst. Die Geschichte gönnt sich für das maximale Auskosten seiner Möglichkeiten zudem auch im größten Stress immer wieder Momente der Ruhe. Außerdem gönnt sie sich einen langsamen, ausschweifenden Einstieg ins Geschehen. Es dauert allein 8 - 10 Minuten bis überhaupt der Vorspann loslegen darf. 

Ob als Partyfilm oder als ernstzunehmender Zombiebeitrag, ob als Grusler oder als Komödie, "The Return of the Living Dead" funktioniert auf mehreren Ebenen, und das schafft er, weil er auch handwerklich auf verschiedenen arbeitet. Qualitäten und Quantitäten geben sich die Hand. Schauwerte wie die modrigen Untoten oder der Teenagerstrip auf einem Friedhof sind ebenso am Gelingen eines der besten Zombiefilme überhaupt beteiligt, wie das intelligent reflektierte Drehbuch und die atemberaubende Umsetzung die den Zuschauer stets auf Trab hält. Der darf lachen, mitleiden, sich fürchten und bekommt allmählich die bittere Gewissheit, dass alles ein böses Ende nehmen wird.  OFDb

13.12.2020

THE RESURRECTED (1991)

Bereits als Jugendlicher sichtete ich "The Resurrected", wurde er doch seinerzeit auf Video aufgrund des wieder verwendeten Totenkopf-Motivs des Posters von "Tanz der Teufel 2" und aufgrund seines dreisten Alternativtitels "Evil Dead - Die Saat des Bösen", als Fortsetzungs-Täuschung von Raimis großartigen, damals noch zwei, Dämonen-Horrorfilmen veröffentlicht. Das weckte freilich falsche Erwartungen, steckte hinter der zweiten und letzten Regie-Arbeit von "The Return of the Living Dead"-Regisseur Dan O'Bannon doch stattdessen die dritte Verfilmung eines Stoffes nach H.P. Lovecraft um Forschung über Wiedererweckung. Trotz anderer Erwartungen gefiel mir der Film seinerzeit recht gut, Erinnerungen hatte ich nach all den Jahren jedoch kaum noch an ihn. Einzig dass ein verstorbener Magier über einen Nachfahren zurück ins Leben gerufen wird und diesen letztendlich austauscht, blieb mir in Erinnerung. Und dass sich die rätselnden Protagonisten diesem Geheimnis nähern, ist für Stammzuschauer schnell zu erkennen, so geheimnisvoll in klassischer Detektivgeschichte gepackt das Ganze auch erzählt sein mag. 

Aber die Erkenntnisse dessen, was Charles so alles entdeckt hat, gehen wesentlich weiter über diesen Ansatz hinaus, und somit wird das sich in Sicherheit wiegende Publikum dann doch überrascht und herausgefordert. Denn der Stoff wird weit fantasievoller ausgearbeitet, meist nur mit Andeutungen versehen, welche die Fantasie des Zuschauers selbst beflügelt und mit den Halbinformationen umso mystischer, unheimlicher und geheimnisvoller wirken. Zudem wird aus einem für ein breites Publikum angenehm routiniert scheinenden Stoff eine an "Hellraiser" und "Re-Animator" erinnernde Monster-Show beeindruckender Effekte um Mutationen und Fleisch, welche dem Mainstream-Publikum den Magen umdrehen wird. Wundervoll anzuschauende handgemachte Effekte wissen zu begeistern und anzuekeln gleichermaßen. Das sollte man als Horror-Fan gesehen haben, zumal die Ekeleffekte mit dem mystischen Bereich der Geschichte Hand in Hand gehen, in spannungsgeladene Momente gepackt werden und damit nicht einzig zum Selbstzweck verwendet werden. Die letzte halbe Stunde bietet so einiges, das man nach der ersten eher gemütlich erzählten Stunde nicht erwarten würde. 

Schon zuvor wusste "The Resurrected - Die Saat des Bösen" (Alternativtitel) zu gefallen, aber mit dem Wandel im letzten Drittel wird der Streifen zu mehr als zum kleinen Genre-Beitrag für zwischendurch. Er wird eine wahre Empfehlung für den Horror-Freund, wenn auch nur in der Originalfassung. Denn die deutsche Synchronisation ist von der Sprecherwahl her äußerst mittelmäßig ausgefallen und fängt die Stimmung somit keineswegs ein. Umso atmosphärischer guckt sich der auf der DVD ebenfalls vorhandene englische Ton, dem man zudem einen deutschen Untertitel zuschalten kann, gerade auch weil hier keine 08/15-Mimen besetzt wurden, sondern geschulte Schauspieler, die nicht nur mimisch wissen was sie tun, sondern ihre Texte auch dementsprechend professionell betonen. Allen voran sei als Bösewicht nach "Fright Night" wieder einmal Chris Sarandon erwähnt, der einige wahrlich schauderhafte Auftritte absolviert. Gefreut habe ich mich zudem über das Mitwirken von Robert Romanus, der mir seit "Ich glaub' ich steh' im Wald" cineastisch nicht mehr bewusst begegnet ist. Dass Dan O'Bannon, den die meisten nur als Drehbuch-Autor von "Alien" kennen werden, nach zwei solch guten Filmen keine weiteren mehr inszenierte, ist äußerst schade zu nennen. Gesehen haben sollte man beide, wenn auch nur als Horror-Interessierter.  OFDb

11.06.2018

DARK STAR - FINSTERER STERN (1974)

"Dark Star" ist die Filmhochschul-Abschlussarbeit des legendären John Carpenter ("Halloween - Die Nacht des Grauens"), der auch zusammen mit dem nicht minder cineastisch bedeutenden Dan O'Bannon ("The Return of the Living Dead") das Drehbuch schrieb. Der komödiantisch gehaltene Science Fiction-Film soll eine Antwort auf Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" sein, quasi die Anarchoversion der Antwort auf die Frage wie sich die Menschheit dort oben im leeren Raum wohl anstellen wird. Aus Forscherdrang und gepflegtem Umgang sind im Laufe der Jahre Resignation und Unmut geworden. Aus Langeweile sprengt man instabile Planeten, oder geht depressiv im verträumten Umgang mit der Sternenunendlichkeit auf. Der Kontakt zur Erde ist abgebrochen, ein letzter Funkspruch zeigt den herrlich witzigen Kontrast der Moral und dem Engagement der Daheimgebliebenen, eingekleidet im feinen Anzug zur geschniegelten Frisur, im Vergleich zu jenen, die abgeschottet von ihrer Heimat so lange durchs All fliegen, dass sie gar ihre Vornamen vergessen haben. Sie sehen ungepflegt aus, mit langen Haaren und Vollbärten passend zu ihrem mentalen Zustand, und das weiß zu Zeiten kurz nach der Hippie-Bewegung, bzw. inmitten ihres Nachhalls zu amüsieren. Scheinbar mussten die Darsteller vor dem Dreh gar nicht in die Maske, lief man als junger Mensch damals doch nun einmal bei hier eingefangener Mentalität so herum.

Die Tricks sind herrlich billig ausgefallen, aber gerade deshalb ein Hingucker, zumal nicht schludrig gearbeitet wurde. Als Außerirdischer darf ein Wasserball mit angeklebten Füßchen herhalten. Allgemein weiß man Kostengünstigkeit über brauchbare Optik zwar nicht zu verstecken, aber endschuldbar, da visuell angenehm, zu demonstrieren. Die jungen Schauspieler machen ihre Arbeit gut. In einer der wichtigsten Rollen ist gar Dan O'Bannon höchstpersönlich zu erblicken. Warum er bei kompatiblem Berufsfeld andere Wege ging als Carpenter, weiß ich nicht, nach dem sympathischen Einstieg in die Welt der beiden cineastischen Geschichtenerzähler ist es aber zumindest schade zu nennen, dass es zu keiner weiteren Zusammenarbeit kam. Stattdessen steuerte O'Bannon Drehbücher für Tobe Hooper-Filme bei, was immerhin auch eine sympathische kreative Zusammenführung ist.

Früher wurde ich mit "Dark Star - Finsterer Stern" nicht warm, konnte ich ihm trotz der Sympathie zu dem Projekt doch wenig abgewinnen, und heute mit frischem, wie erfahrenen Blick etliche Jahre danach, erkenne ich auch woran das liegt, und das ist der etwas zu sperrig geratene Einstieg in die Geschichte. Klar, die Mannschaft ist lethargisch, das versucht man stilistisch in dröger Erzählform mit passiv gearteten Dialogen und anderen Methoden einzufangen (es wäre schließlich unsinnig eine solche Grundhaltung der Crew in flotter Umsetzung zu präsentieren), dennoch fand ich anfangs keinen Zugang, auch weil die Figuren zunächst austauschbar erscheinen. Es dauert bis der auf ruhige Art provokante Film sich diesbezüglich ändert. Und das Warten lohnt sich, werden doch nicht nur die Figuren zu greifbaren Charakteren, die herrlich irrsinnigen Situationen, denen sie sich selbst verschuldet stellen müssen, sind unglaublich unterhaltsam ausgefallen, allen voran freilich das philosophische Gespräch zwischen einem der Astronauten mit einer kurz vor der Detonation stehenden KI-Bombe.

Wenn einer der Astronauten zum Schluss auf einem Wrackteil zu Countrymusik seinem Ableben im All entgegen surft, dann ist das an anarchistischem Ton und als Gegenantwort zu Kubricks Ehrenmännern im All bei klassischer Musikuntermalung nicht zu überbieten, zumal dieser Gegenpol keine Rebellion darstellt, sondern trotzdem die Verbeugung und den Respekt vor dem Original deutlich macht, anstatt zur stumpfsinnigen Protestbewegung zu werden. Dafür ist "Der schwarze Stern" (Alternativtitel) zu subtil und gewitzt ausgefallen, und es ist schön zu wissen, dass die Verantwortlichen einer sich unerwartet eigenständig anfühlenden Veralberung der Gedanken eines angesehenen Meisterwerkes selbst im Laufe der Zeit zu Meistern ihres jeweiligen Faches wurden. Alles verdienter Maßen, wie ich finde, was schließlich keine Selbstverständlichkeit im US-Kino ist.  OFDb

10.06.2018

DAS FLIEGENDE AUGE (1983)

Bereits vor dem hohe Wellen schlagenden "Der Staatsfeind Nr. 1" gab es Filme über die Perversitäten von Überwachungssystemen und die zwangsläufig damit einhergehende Ausnutzung dieser Gerätschaften. Einer dieser Filme ist "Das fliegende Auge", der einem noch einmal bewusst macht wie lange bereits das aktueller denn je geratene Thema für Kopfzerbrechen sorgt und wie schon damals die heutige Lügenpropaganda der Terror- und Verbrechensbekämpfung als Vorwand vorgebracht wurde, um die Bürger eines angeblich freien Staates hemmungslos ausspionieren zu können. Die Selbstverständlichkeit mit der diese Gefahr ohne direkte Benennung in Dialogen im hier besprochenen Werk wahrgenommen wird, zeigt wie sensibler man einst auf das Verbrechen reagierte, zu versuchen die Privatsphäre eines jeden Mitmenschen zu durchbrechen. Heute, in Zeiten in denen Menschen zum Erhalt von Schutz regelrecht um jedes Verbot und jede Überwachung betteln, schaut sich ein solcher Film wesentlich subtiler, so dass man sich automatisch die kritische Grundhaltung der Mitbürger von einst zurückwünscht.

Das mag ein bitterer Beigeschmack sein, aber da "Blue Thunder" (Originaltitel) trotz seines Hauptaugenmerks auf Spannung und Action nicht einzig des Unterhaltungswertes wegen gedreht wurde, sondern auch zur Warnung (was die Texteinblendung zu Beginn des Streifens belegt) tut es gut dass es Werke wie ihn gibt, auch wenn sie einem die schrecklichen Zustände heutiger Tage ungewollt bewusst machen. John Badham, der mittlerweile nur noch für TV-Serien wie "12 Monkeys", "Nikita", "Psych" und "Heroes" arbeitet, inszeniert den Film mit einer Ernsthaftigkeit, die in diesem Genre irgendwann Ende der 80er Jahre fast endgültig verloren ging, zumindest in dieser mündigen Ausfertigung, die aus "Das fliegende Auge" weit mehr macht als eine olle geistfreie Rächerstory oder einen simplen Kampf um Verrat. Der in verschiedenen Genres tätige Regisseur ("Dracula '79", "Nummer 5 lebt", "Codename: Nina", ...) entfacht einen Spannungsbogen, der wahrhaft zu packen weiß. Wenn der Film in seinem mindestens über 20 Minuten laufenden Finale actionlastiger wird, dann steht doch stets trotzdem noch der Nervenkitzel im Zentrum, so gekonnt weiß Badham die endlos scheinende Verfolgungsjagd in der Luft und auf der Straße in Szene zu setzen. Hirnloses Herumgeballer findet hier nicht statt.

Ebenfalls zugute kommt dem Film sein langsamer Einstieg ins Geschehen, dauert es doch überraschend lange bis der Testhubschrauber überhaupt in die Story integriert wird, einfach weil man zuvor intensiv die Figuren und den seltenen Job, welchen der Protagonist leistet, beleuchtet. Und dies wird derart interessant erzählt, dass der Film auch wunderbar als simpler Polizeifilm ohne High Tech-Hubschrauber und Überwachungsthematik funktioniert hätte. Dieser Schritt erlaubt es der Geschichte in der zweiten Hälfte um so flotter erzählt werden zu können, so dass das Geschehen nicht nur ohne Umschweife erzählt wird, sondern auch zu erwartende Standardphasen überraschend über Bord geworfen werden, so dass man sich schneller im entscheidenden Prozess des Ganzen befindet, als man zuvor vermutet hätte. Dies beschert dem angenehm ruhig erzählten, aber stets spannungsgeladenen Film eine Energie, die man in dieser Art weder im ruhigen 70er Jahre-Kino, noch im oberflächlich flotten 80er Jahre-Kino all zu oft zu sichten bekam. Die leicht mit trockenem Humor angereicherte Perspektive aus einer unverfälschten Männermentalität beschert dem Streifen zudem seinen zweiten Sehwert, der einen die Gesellschaft von einst zurückwünschen lässt, so dass man es als Gewinn des Streifens erachten kann, dass er nicht zeitlos wirkt, sondern in seiner Entstehungszeit verankert ist.  OFDb