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29.06.2019

JUDGE DREDD (1995)

Es darf verwundern, dass im Vorspann so direkt damit gespielt wird, dass "Judge Dredd" eine Comicverfilmung ist, schließlich sind es gerade die Fans der Printvorlage, die mit der Verfilmung hart ins Gericht gehen, wird dem Film doch vorgeworfen sich nicht genau genug an die Regeln der Heftreihe zu halten, so z.B. weil der Dredd der Filmversion des öfteren seinen Helm abnimmt. Das sind typische Überreaktionen fanatischer Anhänger einer Sache, und ich kann im Gegensatz zu diesen Menschen frei des Vergleiches über dieses Werk nachdenken, kenne ich doch die Comicvorlagen nicht. Ich bin Freund von Stallones Schaffen, Werken und Talenten und somit froh, dass er für die Hauptrolle auserkoren wurde. Gehörte das Genre der Action-Science Fiction in den 80er Jahren mit "Running Man", "Terminator" und "Die totale Erinnerung" noch in die Hände von Konkurrent Arnold Schwarzenegger, so war Sylvester Stallone nach seinem erfolgreichen Comeback durch "Demolition Man" ein gern gesehener Anwärter für die drei Jahre später veröffentlichte Produktion gleichen Genres. Jahrzehnte nach "Frankensteins Todesrennen" war Stallone wieder für dieses Genre gefragt. Warum nach "Judge Dredd" nichts ähnliches mehr in Angriff genommen wurde, ist mir nicht bekannt.

Zudem verstehe ich nicht, warum es nie zu einer Fortsetzung kam, besitzt der Streifen doch all das, was zu einem gut geratenen Popkornfilm dazu gehört. Ein Actionheld in der Hauptrolle besetzt, ein rasantes Erzähltempo, eine hintergründige, aber nicht zu anspruchsvolle Geschichte, ein interessantes Weltbild der Zukunft, ein phantasiereiches Set Design und einen kleinen Hauch philosophischer Ansätze, gerade gegen Ende, wenn zwei interessante Sichtweisen des Lebens aufeinander treffen, welche die Geister scheidet und nur über die Hauptfigur des Dredd eine eindeutige Position innerhalb der Geschichte erfährt. "Judge Dredd" ist düster und kunterbunt zugleich. Er lässt einen erahnen was aus "Lexx" mit mehr Geld hätte werden können, plündert sicherlich diverse Filmerfolge wie "Metropolis" und "Flucht ins 23. Jahrhundert" für kleinere Einstellungen, ist aber eigenständig genug ausgefallen, um nicht rein der Nachahmung wegen zu gefallen. An Schauwerten mangelt es nicht. Das beginnt mit der futuristischen Stadt und dem Judge-Design, und es schaukelt sich hoch zum liebevoll retro-gestalteten Roboter (mit phantasieanregendem Hintergrund eines ehemaligen Roboterkrieges versehen) und zu den gruselig ausschauenden unfertigen Klonen. "Judge Dredd" ruht sich nie einzig auf einer Idee aus, lässt aber alles kompatibel zu einem Plot zusammenfließen, um auch tatsächlich wie ein Ganzes zu erscheinen. Hier war man sich der Entscheidungen sicher, hier ist kein Konzeptwerk entstanden, das auf Nummer sicher getrimmt ist. Vielleicht mit Ausnahme des Gewaltaspekts, schien man doch ein geringes Rating anzuvisieren, um das Jugendpublikum mit an Bord zu haben.

In Deutschland steht man zu Gewalt anders, hier hat der Streifen trotzdem (zu Recht) seine FSK 16 erhalten, leider aber auch eine zweifelhafte Synchronisation, zumindest was den rückgratlosen Begleiter Dredds betrifft, der sich im Original weit angenehmer anhört. Er ist mit seinen oft zu plump geratenen Sprüchen zudem das Zugeständnis ans Massenpublikum, stört aber nicht genug, um das Ergebnis zu zerstören und ist gelegentlich auch brauchbar eingesetzt. Die Besetzung ist nicht von schlechten Eltern und glänzt gerade in der Entscheidung Dredds Gegenspieler von Armand Assante spielfreudig verkörpern zu lassen. Wer die kurz zuvor erschienene Komödie "Crazy Instinct" kennt, der kann mit Vergleich zur hier dargebotenen Performance die Vielfältigkeit seines Könnens entdecken. Seine Besetzung ist jedoch noch ein weit interessanterer Clou, wenn man bedenkt, dass Assante ein gemeinsames Frühwerk an der Seite von Sylvester Stallone zu verbuchen hatte, ein Drama namens "Vorhof zum Paradies", in welchem er ebenfalls Stallones Filmbruder darstellte. Warum Regisseur Danny Cannon nach dem wunderbaren Ergebnis von "Judge Dredd" ausgerechnet für so etwas dümmliches wie "Ich weiß noch immer, was Du letzten Sommer getan hast", engagiert wurde, weiß ich nicht, könnte aber erklären, warum man ihn heutzutage in der Regel nicht kennt. Schade, aber sein hier geschaffener Film ist definitiv das Reinschalten wert. Er ist kein großer Klassiker seines Genres, weiß aber mehr als bloßen Durchschnitt zu bieten in diesem kunterbunten und harten, wie hintergründigen Meer an Schauwerten, Tempo und Einfallsreichtum.  OFDb

11.11.2015

CHAIN REACTION (2006)

Mit Amateurfilmer Olaf Ittenbach hatte ich schon als junger Horror-Fan so meine Probleme. Während befreundete Genre-Begeisterte seine Werke „The Burning Moon“ und „Premutos - Der gefallene Engel“ richtig gut fanden, konnte ich mit diesen viel zu ernst umgesetzten Schlachtplatten aufgrund all ihrer Unzulänglichkeiten nichts anfangen. Ittenbach war in meinen Augen ein Dilettant dem es nur um Gore-Effekte ging und dessen Storys nicht einen Hauch geistreicher Einfälle besaßen.

In jener Zeit in der ich seine weiteren Werke ignorierte wurden seine finanziellen Möglichkeiten ein wenig größer und er konnte halbwegs talentierte Menschen für seine Projekte gewinnen. Das wird einem bewusst wenn man „Zombie Onslaught“ (Alternativtitel) sichtet. Flugaufnahmen von Landschaften, eine ordentliche Kameraführung, ja selbst der ein oder andere akzeptable Mime ist mit an Bord. Ittenbach konnte sogar Jürgen Prochnow für eine Gastrolle gewinnen, so wie Ralf Möllenhoff ein Jahr später für „Dead Eyes Open“ George A. Romero gewinnen konnte.

Den Charme eines Möllenhoff-Filmes sucht man bei Ittenbach jedoch weiterhin vergebens. Was nutzen die professionelleren Helfer, wenn die erzählte Geschichte so geistlos ist wie die Frühwerke des Amateurfilmers? Krampfhafte Stereotype erleben grob das Grundszenario von „From Dusk Till Dawn“, in einer Kulisse von „Tanz der Teufel“ spielend und frei jeglicher Ironie erzählt. Das Talent von Figurenentwicklung, Darstellerführung und wenigstens einem Hauch psychologischem Zusammenhang fehlt dem Horror-Grobmotoriker völlig. Schon früh darf man die Augen verdrehen, wenn man dämlichsten Dialogen in peinlichsten stereotypischen Akzenten lauschen muss, wahrend krampfhaft versucht wird eine erwachsene, harte Handlung zu erzählen, die jedoch nur kindlisch und peinlich wirkt.

Bis wir zur Horrorphase des Streifens kommen, dauert es einige Zeit, hält sich das Drehbuch doch mit unnötigen Längen auf, z.B. wenn ewig über ein und die selbe Thematik diskutiert wird und uns Rückblicke zu Lücken bereits gesichteter Erlebnissen gezeigt werden, die man nicht hätte füllen müssen. In solchen Momenten wirkt „House of Blood“ (Alternativtitel) peinlich bemüht. Stets wird woanders beobachtete handwerkliche Filmkunst imitiert, nur leider ohne zu begreifen wann man diese warum einsetzen sollte.

Interessanter Weise wirkt „House of Horrors" (Alternativtitel) selbst dann noch unbeholfen, wenn der Horrorpart einsetzt, also Ittenbachs eigentliche „Stärke“. Schlecht maskierte Monster sollen nun für Schrecken sorgen, ein Mangel an Mystik und Atmosphäre lässt aber auch diese Phase des Streifens lediglich als Tanz der Kasperle wirken, ein relativ kurzer Tanz wenn man bedenkt dass ein großer Teil der Horrorphase daraus besteht dass man vor den Monstern flüchtet und dabei endlos labert.

Um Himmels Willen! Was kann man nur an einem Ittenbach-Film finden, wenn man in der Lage ist halbwegs zu denken? „Chain Reaction“ ist eine Blamage für den deutschen Horrorfilm, und im Gegensatz zu Ittenbachs Frühwerken kann nicht einmal mehr das Alter als Entschuldigung für den infantilen Gehalt der Story herhalten. Ich weiß ja nicht ob ich einfach nur die falschen Ittenbach-Filme sichte. Von Andreas Schnaas habe ich vor Sichtung von „Violent Shit 3“ und „Antropophagous 2000“ ähnlich wenig gehalten wie heute immer noch von Ittenbach. Beizeiten werde ich einen weiteren seiner Filme sichten, aber es wird nach solch einem Bockmist wie „Chain Reaction“ einige Zeit dauern bis ich wieder genügend Geduld und Optimismus besitze dem Regisseur eine weitere Chance zu geben. Vielleicht hat wer einen Tipp welchen von Ittenbachs Filmen man gesehen haben sollte?  OFDb

16.09.2015

DER WÜSTENPLANET (1984)

Es ist gar nicht so leicht über Lynchs „Der Wüstenplanet“ zu schreiben, den ich in der 130 minütigen Kinoversion geguckt habe anstatt in der parallel existierenden drei stündigen TV-Version, die ebenfalls auf meiner DVD enthalten ist. Von daher kann ich nichts darüber sagen, ob das letzte Drittel in der Langfassung ebenso gehetzt erzählt wird, nachdem der Hauptteil der Geschichte in aller Seelenruhe mit Liebe zu wichtigen und unwichtigen Details umgesetzt wurde. Wie auch immer: das Ergebnis der Kinoversion schaut sich wie ein Kampf des Kunst-liebenden Lynchs gegen Mainstream-liebende Produzenten, denn auch wenn der Streifen wahrlich nichts fürs Massenpublikum ist, so ist es doch interessant zu beobachten, wie die Modewelle der frühen 80er Jahre Einzug ins Endprodukt hält und billigste Stereotype durch eine teilweise recht plumpe Rebellen-Story stampfen.

Dem gegenüber stehen skurrile, teilweise gar richtig groteske Gestalten und Situationen, die „Dune - Der Wüstenplanet“ (Alternativtitel) wahrlich zu etwas eigenem machen, versehen mit recht experimentellen Spezialeffekten, die sich zwar heute stark veraltet schauen, damals aber sicher faszinierend anzusehen waren. Am erstaunlichsten fand ich die Szenen rund um den verwöhnten und von Hautkrankheiten entstellten Baron, ein Fiesling wie ihn das Kino in dieser Extreme und Comicartigkeit viel zu selten hervor bringt, voller Spielfreude interpretiert und einem Ekel und Freude zugleich bereitend, während seine Art zu regieren einem das Gefühl einer wirklich fremden Welt gibt.

Auch hier schaut sich „Dune“ (Originaltitel) sehr wackelig. Teilweise wirken die Mentalitäten und Rituale so stark befremdlich wie es heutige Kinoproduktionen kaum noch hin bekommen, sprich dass sie tatsächlich fern der uns bekannten Kulturen angesetzt sind. Manchmal streifen jedoch Modefigürchen durchs Bild, die uns wieder all zu deutlich machen aus welchem Land der Film stammt und wie dünn die Geschichte trotz aller Ablenkung dann doch ausgefallen ist.

Ich weiß wie negativ sich das liest, aber irgendwie hat es bei mir die Faszination für diesen Streifen verstärkt. Das Interesse des aus Talent und Geld wild zusammengewürfelten Ergebnisses schwappt zwar häufig eher in eine theoretische Faszination über, letztendlich ist der Film aber interessant genug erzählt, dass er auch auf der Unterhaltungsebene zu gefallen weiß, auch wenn er sich mit seiner arg plumpen Heldenstory zwischendurch immer wieder ein wenig ausbremst. Stets hat man das Gefühl, dass da mehr möglich gewesen wäre. Und da man weiß wie außergewöhnlich Lynchs Werke im allgemeinen ausfallen, ob man sie jetzt mag oder nicht, kann man wohl wirklich von einmischenden Produzenten ausgehen bei solch holpriger Umsetzung, die immer ein wenig orientierungslos zwischen phantastisch und gewöhnlich hin und her springt.

Ich glaube ich mag „Der Wüstenplanet“ eben weil er so ein merkwürdiges Produkt zweier Interessenseiten geworden ist. Wer weiß wie die Vision Lynchs in totaler Vollendung ausgesehen hätte, dann würde ich vielleicht auf den 130 Minüter fluchen, wie er heute existiert. Aber so wie vorhanden fasziniert mich der fertige Film mehr, als dass er mich enttäuscht. Dennoch hätte man sich gegen Ende mehr Zeit für die Geschichte nehmen sollen. Wie schnell der Prinz zum Anführer wird, wie ebenso schnell er die großen Sandwürmer beherrscht und wie extrem schnell der Imperator jede Gegenwehr sein lässt ist doch aufgrund des Tempos alles viel zu unglaubwürdig erzählt. Dank der Stärken des Hauptteils, und merkwürdiger Weise fast noch mehr dank der Schwächen eben selbiger Phase, geht man jedoch nicht all zu streng mit dem gehetzten Schluss um. „Dune“ bleibt trotzdem ein hochinteressanter Ausnahmefilm seiner Zeit, der zwar intelektuell völlig über dem Budenzauber eines „Krieg der Sterne“ steht, aber scheinbar trotzdem nicht mehr sein will als dieser.  OFDb

07.02.2014

THE DA VINCI CODE - SAKRILEG (2006)

Schöner wäre es gewesen, man wäre das Thema realistischer angegangen, ohne dem Christentum hintenherum göttliche Wahrheit zu bescheinigen. Denn die Schnitzeljagd in einem Genremix aus Thriller und Abenteuerfilm würde dank des ewigen Rätselratens auch so funktionieren. Selbst die Schlusspointe die weibliche Hauptrolle betreffend könnte trotzdem funktionieren, auch wenn man der Geschichte ihren magischen Anteil berauben würde. Wirklich schaden tut der Hauch Esoterik der spannenden Geschichte nicht, das Weglassen hätte „The Da Vinci Code“ lediglich etwas mehr Klasse verliehen. Zumindest ist Tom Hanks in der Hauptrolle eine sehr gute Wahl. Leider schafft es die geheimnisvolle Geschichte nicht den Zuschauer zum Miträtseln zu animieren, da dieser pausenlos mit überraschenden Schwenks unterhalten werden soll und nie das Hintergrundwissen eines Robert Langdon besitzt. Dass nicht jede Überraschung überrascht dürfte in einem Kinofilm typisch amerikanischer Inszenierung nicht verwundern. Regisseur Ron Howard ist dafür bekannt relativ gewöhnliche Filme zu großem Kino zu zaubern. Im Herzen gewöhnlich bleiben seine Filme dennoch meist. Trotzdem ist "The Da Vinci Code" hauptsächlich ein abenteuerlicher Film mit guten Ideen und einer Geschichte der man mit Interesse folgt. Verschwörungstheoretiker und Filmfreunde die ihre Erfüllung hauptsächlich in Hollywood-Prouktionen finden werden begeisterter sein als ich. Aber auch ich habe mich rundum gut unterhalten gefühlt. Von dem Nachfolger "Illuminati", der in der Buchreihe zuerst erschien, ist jedoch leider abzuraten.  OFDb

20.03.2013

DIE FÄHRTE DES GRAUENS (2007)

Nachdem er Mist gebaut hat, muss ein Reporter einen Auftrag übernehmen, den er nicht will. Zusammen mit einem Experten reisen sie nach Afrika um ein legendäres Riesenkrokodil zu suchen. Dieses gibt es auch wirklich und frisst einem nach dem anderen auf. Dass gerade Krieg herrscht stört das Reptil dabei herzlich wenig...
 
Schnapper, das große Krokodil...
 
Schablonencharaktere aus dem Lehrbuch müder Drehbuchautoren müssen sich gegen ein großes Krokodil zu Wehr setzen. Dass in der Ausnahme auch einmal eine solch dünne Handlung funktionieren kann, zeigte uns die Videoproduktion „Crocodile 2“. Wie man es nicht machen sollte zeigt hingegen „Die Fährte des Grauens“.

Gute Krokofilme wie „Black Water“ und „Rogue“ wissen, dass wesentlich mehr Spannung entsteht, wenn man das Krokodil nicht zu oft zeigt. Daran hat sich Michael Katleman auch gehalten. Was er jedoch nicht verstand war, wie man die Füllzeit um die Krokoszenen herum gestaltet. Ein seltenes Auftauchen der Kreatur macht nämlich nur dann Sinn, wenn entweder Figuren und Geschichte so interessant sind, dass sie einige Zeit vom Hauptthema ablenken können, oder damit gespielt wird, dass das Reptil jederzeit wieder zuschlagen kann.

Katleman versuchte es mit der ersten Variante, erreicht aber nicht die nötige Ablenkung. Somit beobachtet man gelangweilt Filmfiguren, mit denen man wegen ihrer unechten Art nicht warm wird, wie sie so manches Hindernis in Afrika überwinden müssen. Dort tobt gerade Krieg, ein Fakt der Grundlage für eine interessante Umsetzung geboten hätte. Kritisch und politisch wird aber so gut wie gar nichts angegangen, stattdessen bietet man allerhand Actionszenen, meiner Meinung nach das falsche Füllmaterial in einem Horrorfilm.

„Die Fährte des Grauens“ wird sicherlich sein Publikum damit finden. Denn neben allerhand Action hat er auch einige blutige Szenen zu bieten, blutiger als bei einem Krokohorror üblich. Aber mit solchen Mitteln punktet er nur quantitativ und nicht qualitativ. Was nutzt das Kitzeln der Sinne, wenn der Geist nicht wenigstens ein wenig getätschelt wird. So ziemlich alles ist vorhersehbar und alles zu oberflächlich abgearbeitet, so dass man ernsthaft beginnt das Krokodil zu vermissen. Ein Manko das „Rogue“, „Crocodile 2“ und „Black Water“ nicht kannten, obwohl das Tier dort auch jeweils nur Gastauftritte absolvierte.

Immerhin ist die Animation des Killerreptils gelungen, da kann man nicht meckern. Es ist am Computer animiert und dennoch keine Beleidigung an den Filmfreund geworden.

Tierhorror-Freunde und Actionfans mit niedrigen Ansprüchen können einmal reinschnuppern. Gorehounds bekommen auch einiges geboten, aber Filmliebhaber, die auf einen spannenden oder kurzweiligen Horrorfilm hoffen brauchen nicht einschalten. Die werden schnell müde. Nicht nur dass der Bereich des Horrors ohnehin fast nur gestreift wird, er bietet auch nichts, was man nicht schon einige Male (besser) gesehen hätte.  OFDb

18.01.2013

HOUSE OF THE DEAD (2003)

Teenager fahren zum Party feiern auf eine Insel. Dort werden sie bereits von hungrigen Zombies erwartet...

Ein unterirdisches Beispiel...
 
Hier haben wir den Prototyp eines sehr dummen und seelenlosen Teenie-Horrors, quasi ein Produkt dieser Art in seiner Reinform. Wo Werke wie "Doom" und "Alone In The Dark" wegen zutreffender Punkte dazuzählen, verkörpert "House Of The Dead" all die in solchen Werken vereinzelt auftauchenden negativen Elemente in einem einzigen Film. Das ist schon fast eine Meisterleistung, und gesehen haben muss man das auch um es zu glauben. Es kommt nur selten vor dass man in einem Kinoprojekt etwas vergleichbar Dummes findet.

Ich will die positiven Dinge nur mal vorweg erwähnen: Die Zombies sehen klasse aus, und die Musik klaut zwar ordentlich von der Band Prodigy, ist aber sehr flott und passt zum Geschehen. Das war alles! Vielleicht mag der ein oder andere noch die diversen hübschen Körper, die hier gezeigt werden, mit dazuzählen, aber 1. macht so etwas meines Erachtens keinen Film aus, und 2. werden die attraktiven Herren und Damen durch ihre Dummheit, ihre Arroganz und ihrem an Faschismus grenzendem Verhalten wieder extremst unerotisch.

Zudem spielen sie alle ohne Ausnahme ihre Rollen nicht glaubwürdig. Ebenso wie in "Doom" gibt es hier nur Proleten. Das allein würde schon reichen um die Augen zu verdrehen, aber die Sprüche die diese Hirnis hier ablassen sind an Plumpheit nicht zu unterbieten. Zombies attackieren einen jungen Mann im Wasser, vom Ufer aus schießen einige Leute auf die Zombies. Der Typ im Wasser ruft dem Kapitän zu, er solle schießen, und dieser sagt mit knallharter Stimme, so als würde nun ein ganz trockener Spruch folgen: "Was glaubst Du was ich hier tue?

Meine dümmsten Lieblingsszenen habe ich hier einmal aufgelistet:

- Eine Polizistin bittet einen unschuldigen jungen Mann sie durch den Zombiewald zu begleiten, sie würde ihn schon beschützen. Bei der ersten Untoten-Regung ruft sie dem hinter ihr trabenden Kerl zu, er möge weglaufen, und zwar schnell. Das tut er auch. Er läuft und läuft. Die Polizistin hat ihn damit natürlich überhaupt nicht beschützt, denn nun läuft er den Zombies in die Arme. Was für eine Heldentat von der Frau! Angekommen bei den Freunden des Kerls fragen diese die Polizistin selbstverständlich nach dem Verbleib ihres Freundes, nachdem die Gesetzeshüterin nichts von selbst zu diesem Thema zu berichten hat. Und die Frau sagt "Er hat es nicht geschafft!"

- Eine Frau sucht ihren vor 10 Sekunden verschwundenen Freund nach einem Bad an einer völlig anderen Stelle auf der Insel. Sie läuft auf ein Haus zu und fragt: "Was ist das? Was ist das?" Hätte sie mich vor dem Fernseher hören können, hätte ich ihr zugerufen: "Ein Haus! Ein Haus!"

- Der Held trifft auf den Oberbösewicht und es kommt zu folgendem extremst hirnlosen Dialog: "Sie haben das Blut im Labor erschaffen um ewig zu leben. Warum?" - "Damit ich unsterblich bin." Aaaaargh! Herr lass Hirn vom Himmel regnen!

Dass zudem das ganze Verhalten der Technofreunde zur zweiten Hälfte höchst unrealistisch ist, muss auch noch kurz erwähnt werden. Alle wie sie hier vorkommen, egal welchen eindimensionalen Charakter sie zuvor hatten, haben plötzlich Talente, Reflexe und Erfahrungen wie die "Drei Engel für Charlie" oder Neo und seine Truppe aus "Matrix". Es sind alles Kampfsportexperten, die z.B. einem schwingenden Beil bei Normaltempo (für uns in Zeitlupe) entkommen können, indem sie sich Limbo-artig nach hinten beugen. Zudem können sie exakt schießen und auch auf andere Arten wie professionell gelernt töten.

Emotionale Regungen über menschliche und sehr persönliche Verluste klingen maximal in kurzen Kommentaren auf. Ansonsten ist nichts zu merken von Freundschaftsverlust, angeschlagen sein und traurig sein. Wenn überhaupt ist mal wer wütend, die häufigste Gefühlsregung dieses fragwürdigen Produktes.

Dass die Party auf dieser gottverlassenen Insel stattfinden sollte, ist noch so eine Fast-Unlogik, über die man hinwegsehen kann. Es fehlte halt nur eine Begründung, mag sein dass Spielekenner diese kennen. Der Cineast, der das Computerspiel, auf dem dieser Film basiert, nicht kennt, bekommt zumindest keine Information zugespielt. Man wollte für Erklärungen keine Zeit verschwenden. 

So ziemlich alles andere im Film ist jedoch Unlogik in Reinform, bei dem selbst eine Zusatz-Information nichts mehr zu retten wüsste. Gäbe es ernsthaft nur so dumme, junge Menschen auf der Welt wie hier, würden sie haufenweise tot auf der Straße liegen, weil sie vor dem Überschreiten nicht nach Autos Ausschau gehalten hätten, ja wahrscheinlich nicht einmal an die Wahrscheinlichkeit gedacht hätten, dass überhaupt ein Auto auf der Straße fahren könnte. Die Gründe warum man sich trennt, etwas tut, sich keine Sorgen macht usw. sind alle an den Haaren herbeigezogen.

Noch ein Beispiel für eine tolle idiotische Szene: Man will in ein Haus flüchten, in das man nicht rein kommt. Der Kapitän sagt er könne zwar sprengen, aber dann gäbe auch das Haus keinen ausreichenden Schutz mehr. Bis hier hin kann man nicht widersprechen. Etwa 10 Minuten später sind alle im Haus, der Kapitän ist schwer verletzt, begibt sich nach draußen da nun ohnehin alles egal ist, und opfert sich mit einer Sprengung, bei der er viele Untote gleich mitreißt. Dies macht er jedoch ziemlich genau vor der Haustür, so dass der Schutz nun doch hinüber ist. Was soll’s, er war ja eh fast tot, und was kümmern einen schon die anderen, gell? Nur wieder einmal eine von wirklich vielen fragwürdigen, dummen und besonders prolligen Szenen.

Auch die inszenatorische Umsetzung ist ein Paradebeispiel eines extrem schlechten Werkes für das Zielpublikum Teenager. Da der Film auf einem Computerspiel basiert (wie dicht auch immer) werden uns oft in Sekundenbruchteilen Szenen aus dem Spiel gezeigt. Das gehört zu der größten Kinderkacke am Gesamtergebnis. Zum einen nervt es, zum anderen wird dieses Verfahren teilweise genutzt um Geschehnisse nicht aktiv umsetzen zu müssen. Und die Animation dieser Computerspiel-Sequenzen lassen zudem zu wünschen übrig.

Die Geschichte selbst läuft nach 08-15-Muster ab, mit der Einschränkung, dass es eigentlich keine Geschichte gibt. So eine hauchdünne Story werfen andere Kritiker anderen mäßigen Filmen gerne vor. Wie hauchdünn eine solche wirklich sein kann, beweist "House Of The Dead", der erst in den letzten 20 Minuten das an Story bekommt, was andere Werke von Anfang an haben. Zu sehen gibt es nach kurzer Anlaufzeit (in der es dank ruckeliger Kamera und schnell geschnittener MTV-Ästhetik trotzdem nichts zu sichten gibt) eigentlich nur hirnloses und prollig unverantwortliches Rumgeballer und umherlaufende Zombies, die zur Attacke zwar gerne mal durch eine Brücke durchbrechen, die brav aufgebauten Zelte der Raver aber brav und unangetastet stehen lassen.

Zudem sind die Zombies überall und nirgendwo, immer so wie es „Regisseur“ Uwe Boll gerade passte, aber nicht wie es sinnig wäre. Nach der ersten Flucht und einem Schusswechsel, der es in sich hat, mutieren gegen Ende alle menschlichen „Charaktere“ zu Superkämpfern, die nun mit besonders hohlen und starren aber dafür harten Blicken umherballern, den Zombies in den Arsch treten, um irgendwann ins titelgebende Haus zu gelangen, wo es dann doch mal eine Information zum Geschehen gibt (freilich nur eine hauchdünne). Hier darf der Mediziner, der für einen solchen viel zu prollig verkörpert wird, dem Obermuckel noch den Arsch versohlt.

Wenn zum Schluss nur noch zwei überleben, in Pseudo-Trauer um die Opfer befangen, stehen sie den herbeigeeilten Helfern aus der Luft nicht mal ansatzweise Rede und Antwort, obwohl es hier doch einige Leichen und zu klärende Sachverhalte gäbe. Die Helfer wissen bei ihrer Ankunft aber ohnehin schon längst von dem Zombietreiben, woher auch immer. Vielleicht war ich ja auch mal kurz unaufmerksam. Sollte ich da etwas verpasst haben ist es nicht meine Schuld. Wer erwartet nach vielen Minuten mangelnder inhaltlicher Geschehnisse plötzlich so etwas wie eine für die Zukunft der Geschichte wichtige Information?

Schlimmer kann es auf Kinoniveau kaum noch kommen. Dagegen wirkt "Transformers" noch richtig clever und wie gutes Kino. Was man bei "House Of The Dead" zu sichten bekommt ist ein steriler MTV-Videoclip mit Zombies, Proleten und jeder Menge Action. Wie ein Horrorfilm wirkt das Endergebnis allerdings überhaupt nicht.  OFDb