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01.04.2024

STARSHIP TROOPERS (1997)

Mit den medialen Nachrichten-Zwischensequenzen per Internet schlägt "Starship Troopers" eine Brücke zum ebenfalls von Paul Verhoeven inszenierten "RoboCop", der so wie dieser eine actiongewaltige Science Fiction-Satire ist. Von einer Kopie ist man aufgrund der völlig anderen Thematik jedoch weit entfernt, konzentriert sich das auf einem Buch von Robert A. Heinlein basierende Geschehen doch auf einen Krieg der Menschheit der Zukunft gegen einen außerirdischen Insektenstaat. Ein Krieg gegen Käfer wird geführt, die sich evolutionär komplett anders als wir entwickelt haben, über eine andere Art Intelligenz verfügen, biologische Technik verwenden, so dass sie von der überheblichen Menschheit als dümmer eingestuft werden, als es tatsächlich der Fall ist. Die Gegenüberstellung dieser beiden Entwicklungssysteme dient jedoch nicht nur dem faszinierenden Gedanken, dass sich Leben anderswo im All anders entwickelt haben kann, es stellt zwei totalitäre Systeme gegenüber. Denn die Gesellschaft der Menschheit ist deutlich an jener der USA zur Entstehungszeit des Filmes orientiert und wird in einer pervertierten Variante dargeboten, die gekonnt Grundlage bietet die Fragwürdigkeiten von heute zu thematisieren. 

Der Weg zum Militär ist noch immer freiwilliger Natur, das Weltbild der USA der Zukunft bleibt militärgeprägt, ohne zur reinen Militärdiktatur zu werden. Und der kleine Blick auf die andere Seite, den man uns erhaschen lässt, zeigt die Dekadenz der Reichen, der Wohlstand im Schatten derer die dafür sorgen. Dass es auch andere Gesellschaftsschichten gibt, erfahren wir durch die Begründungen des Militäreintritts, wenn solch interessante Ideen angesprochen werden, wie das verfrühte Recht aufs Kinderkriegen, wenn man eine Militärzeit absolviert hat. Auch das Propagandaprogramm im Internet zeigt, dass die ach wie freie Gesellschaft doch mehr vom Militär eingenommen ist, als es zunächst scheint. Verhoeven zeigt uns drei unterschiedliche Karrieren innerhalb dieses Militärgefüges, in einer Erzählung, die nach einem Jahr Vorgeschichte zu Kriegszeiten spielt. Hauptsächlich konzentriert auf den Werdegang Johnnys in der Infanterie, wird uns nicht nur eine schwarzhumorige Actiongeschichte im Science Fiction-Gewandt geboten, der Film zeigt uns die Austauschbarkeit der Menschen, die sich trotz ihrer individuellen Prägung nicht wirklich von den Käfern unterscheidet, die einzig dem Wohl ihres Oberhauptes dienen. 

Johnny ist dumm, er geht aus dümmlichen Gründen zum Militär, er tut was ihm gesagt wird, er plappert nach was er dort lernt, und auf diese Weise macht er Karriere, bis auch er ausgetauscht werden wird. Das System wird kritisch betrachtet, und dies beiläufig während wir einer lauteren, wuchtigeren Geschichte folgen, die von anderen Kreaturen, Krieg, aber auch von Liebe handelt. Erstaunlich ist das Greifbare der absichtlich oberflächlich gehaltenen Charaktere. Sie funktionieren als Identifikationsfiguren, lassen einen sogar emotional dann mitfühlen, wenn sie selbst nur funktionieren, anstatt Empathie zu empfinden, bei manchem Zuschauer werden sie vielleicht sogar zu Sympathiefiguren. Letztendlich dienen sie aber nur dem Zeigen einer eiskalten Welt, einer Gesellschaft, in der man sich durchaus einfinden kann, zu einem Preis der zu hoch ist, was sie intellektuell jedoch nicht verstehen. Der Intellekt findet sich woanders positioniert im System, und auch der ist eiskalt. Running Gags, erstaunliche Effekte, eine geistreiche Geschichte, das mit einem immensen Budget finanzierte Projekt bietet jene Art Blockbuster-Kino, das nicht nur der oberflächlichen Unterhaltung dient und es schafft das lediglich konsumierende Massenpublikum ebenso für sich einzunehmen, wie auch den reflektierenden Cineasten. "Starship Troopers" ist großes Kino, oberflächlich in dem was es sein will und damit etwas vortäuschend, was es nicht ist.  Wiki

20.09.2020

FULL ECLIPSE (1993)

Seine TV-Herkunft sieht man "Full Eclipse" nicht an, der von "Hellraiser 3"-Regisseur Anthony Hickox inszeniert wurde. Der Film geht die Werwolf-Thematik sehr anders an, Unwissende merken erst mit der Zeit, dass dies überhaupt ein Genre-Beitrag zu diesem Thema ist, es wird jedoch lediglich als Grundlage genutzt, um darauf eine zweifach weiter gestrickte Idee auszubauen. Das zur Entstehungszeit typische Action-Flair trifft auf Werwolffilm, trifft auf Superhelden-Geschichte, trifft auf Drogen-Thematik. Ein ausführlicher, detailreicher Einstieg weckt die Neugierde für das Szenario, das nie zu schnell erklärt worum es geht und hilft über diese angenehmen Umwege zur Hauptgeschichte dabei den Einstieg der Hauptfigur Max in die Elitegruppe glaubwürdig zu gestalten. 

Aufgrund diverser anderer Unglaubwürdigkeiten hat der gar nicht mal so unclevere Plot dies auch unbedingt nötig, um nicht vollkommen geistlos einzig von seiner überzeugend dreckigen, dunklen Großstadt-Actionfilm-Atmosphäre zu leben. Kaum bemerkbare Ungereimtheiten sind Sprunghaftigkeiten in der Erzählung geschult. Wenn es Richtung Finale immer hektischere Ereignis-Übergänge gibt, verdichtet sich das Gefühl, dass hier eine weit aus länger erzählte Geschichte krampfhaft auf 90 Minuten zusammen gekürzt wurde, "Full Eclipse" erscheint immerhin innerhalb des Präsentierten stets ordentlich und durchdacht inszeniert. Die fehlenden Übergänge passen nicht zu seinem Gesamtbild. Der einzig wahre Kritikpunkt an diesem Werk, solange man ihn lediglich als den angenehmen Unterhaltungsfilm für zwischendurch betrachtet, ist jedoch die Werwolf-Kreatur am Schluss, die eher wie ein Bär, als wie ein Wolf aussieht und damit wenig überzeugt. Die Maskerade der leicht in Wölfe verwandelten Polizisten im Restfilm ist in ihrer schlichten Art hingegen stets überzeugend ausgefallen.  OFDb

23.08.2020

DEATH WISH (2018)

Was ist nur mit den Autoren heutiger Kinoproduktionen aus den USA los? Können sie nicht mehr hintergründig schreiben, oder werden sie von den Studios dazu angehalten es möglichst einfach zu gestalten? Dabei wäre auch beides auf einmal drin, wie die Erstverfilmung "Ein Mann sieht rot" gezeigt hat. Er provozierte und schloss das gemeine Publikum nicht aus, er suchte aber auch nach Ursache und Wirkung, zeigte eine durchdachte Charakterentwicklung und arbeitete daran nicht widersprüchlich zu wirken, wenn er aus einem Waffenverweigerer einen Mörder machte. Die beunruhigende Wirkung aufgrund der Täuschung in der Hauptfigur und deren direkte Taten machten den Thriller so interessant, das Jagdgefühl bei Nacht und die indirekte Mittäterschaft des Publikums sorgten mitunter dafür, dass er so packend erzählt war. Und was macht die Neuverfilmung? Sie spult die oberflächliche Prozedur des Vorgängers ab, ohne zu verstehen, zu hinterfragen, zu analysieren. Was passiert, passiert einfach, egal warum. Selbst so offensichtliche Banalitäten, wie das perfekte Zielen eines Menschen, der vorher nie geschossen hat, werden nicht der Glaubwürdigkeit wegen vorbereitet. Modernisiert wird das Ganze über die Internet-Thematik, die man gut dafür hätte nutzen können, wie im Original gesellschaftspolitisch die Auswirkungen des Rächers auf die Mediennutzer zu thematisieren. Doch selbst dieser Aspekt wird in "Death Wish" unreflektiert abgearbeitet. 

Warum aus dem Architekten ein Krankenhaus-Arzt wurde, weiß man ebenso wenig, denn auch diese Änderung wird nicht einer tiefer gehenden Konzeption wegen angegangen, lediglich unwichtige Faktoren zehren von diesem Neuansatz. Warum man zudem auf Bruce Willis setzt, abgesehen von seiner noch immer Zuschauer-magnetischen Popularität, will sich mir ebenfalls nicht erschließen. Der Mann ist alt geworden und überzeugt in der Rolle Kerseys nicht. Er wird eingesetzt, als sei er noch Mitte 30, als hätte ein Alterungsprozess nie stattgefunden. Sein Körper verrät jedoch gegenteiliges. Und wenn man bedenkt, dass es die 70er Jahre-Version auf vier Fortsetzungen gebracht hat, darf man sich erst recht fragen, was dieser nachteilige Besetzungs-Schachzug soll, gerade in Zeiten, in denen stets auf eine eventuelle Fortsetzung eines möglichen Kinoerfolgs bereits im Vorfeld geschielt wird. Mit all diesen Nachteilen könnte ich noch halbwegs leben, wenn Regisseur Eli Roth, der immerhin die ersten beiden "Hostel"-Filme packend inszenierte, ein spannend erzähltes Ergebnis abliefern würde. Aber selbst diesbezüglich fällt "Death Wish" mager aus, von seiner mangelnden einfühlsamen Dramaturgie ganz zu schweigen. Zudem verpuffen die polizeilichen Ermittler, so unwichtig wie sie für die schlichte Geschichte eingebracht werden, was sehr schade ist, da einer von ihnen von Dean Norris verkörpert wird. Dass der finale Entschluss, der vom Original übernommen wurde, hier aufgrund der Vorereignisse und der gewählten Argumentation, sowie aufgrund des Nichtverstehens von Psychologie, weit weniger Sinn ergibt als dies bereits in der Erstverfilmung der Fall war, braucht man aufgrund der Umstände, wie der hier besprochene Streifen geschrieben wurde, schon kaum noch erwähnen.  OFDb

20.06.2019

BREAKING BAD - STAFFEL 5 (2012)

Mit dem Verlust der Figur des Gustavo Fring ging großes Potential verloren, was aber nicht das Ende einer interessanten Geschichte bedeutet. Mag der große Sehwert des mächtigen Gegenspielers auch wegfallen, zwischenmenschlich weiß die Geschichte der fünften Staffel von "Breaking Bad" so einiges zu bieten, so dass es auch in der letzten Staffel nicht an nervenkitzelnden Momenten, emotionalen Erlebnissen und schwarzhumorigen Seitenhieben mangelt. Die Staffel wurde in zwei Hälften präsentiert ausgestrahlt, startet mit der zweiten Hälfte doch eine im Zusammenhang stehende neue Geschichte, in welcher Hank wie zu erwarten zum Gegenspieler Heisenbergs wird. Das Hinhalten hat ein Ende, und doch hat es sich nie wie ein Hinhalten angefühlt, auch nicht in der ersten Hälfte der finalen Staffel, die gekonnt Dinge für die zweite vorbereitet, die man nie voraus ahnen könnte. Doch auch die vorauszusehenden Zutaten wissen stets zu überraschen, spielen die Autoren doch weiterhin gekonnt mit den Erwartungen des Zuschauers, immer alles anders präsentierend als angenommen, ohne dabei der Glaubwürdigkeit der fast widerspruchslosen, durchdachten Comicwelt des "Breaking Bad"-Universums zu schaden.

Interessant ist anzumerken, dass das konkrete Finale, also die letzten Episoden, weit weniger actiongeladen daher kommen, als manch einer vermutet hätte, vielleicht sogar erhofft. Die Serie geht auf ruhig erzählten Wege zu Ende, lässt es erst kurz vor Schluss ordentlich krachen, dann aber richtig, spart auf dem sachlich konzentrierten und ruhigen Pfad bis dahin aber nicht mit nervenaufreibenden Szenarien. Überall kocht es, so ziemlich jeder Beteiligte erlebt ein schweres Schicksal, Solidaritäten werden durchbrochen, überraschende Bündnisse eingegangen, es wird mit allen Mitteln gekämpft, und drei Episoden vor Schluss wird man zudem vor den Kopf gestoßen mit einem Ausgang einer entscheidenden Situation, die man für den Schluss der Serie gehalten hätte. Stattdessen holt die fünfte Staffel an diesem Punkt noch einmal aus, um völlig andere Elemente abzuarbeiten, Ereignisse und Wendungen die äußerst interessanter Natur sind, aber oftmals in solch einer geduldigen Nichtigkeit zelebriert werden, dass manch einem das Gezeigte eventuell nicht schmecken könnte. Allerdings war "Breaking Bad" ohnehin nie die Art Serie, die sich den ungeduldigen, auf reißerisch Elemente fixierten Zuschauer zum Zielpublikum machte, auch wenn diese Art Klientel überraschender Weise ebenfalls für die überdurchschnittlich intelligente Serie zu begeistern war.

Nun im Finale - und dies eigentlich nicht nur in den letzten drei Folgen - beweist sich der wahre Freund der Reihe, wenn auf eher nüchterne Art immer wieder gut reflektiert die jeweils nächste Phase der kaum vorauszusehenden Ereignisse zelebriert wird. In besagter Schlussphase der letzten Staffel wird diese Herangehensweise gekonnt auf die Spitze getrieben, wenn sich übelste Ironien abzeichnen, ernüchternde Wahrheiten ans Licht geraten, inmitten dieser Sachlichkeit aber doch immer wieder die realitätsentrückte Comicwelt der Serie über allen Ereignissen schwebt. Bis zum Schluss pendelt die großartig erzählte Serie zwischen realitätsnah und comicartig überzogen, in bitteren, wie in lustigen oder spannungsgeladenen Momenten. Und wer mit der subtilen Art der Serie etwas anfangen konnte, beispielsweise mit der Kissenszene der ersten Staffel, der wird den überraschend ruhigen Schluss, mit seinem völlig anderen Anlaufpunkt, geradezu zu genießen wissen.

Dennoch sei angemerkt, dass mit diesem gelungenen und lobenswerten Schritt nicht jene Intensität entfacht werden kann, wie sie in den hoch kochenden Phasen der dritten und vierten Staffel erreicht wurden, die man als das Highlight der kompletten Serie betrachten kann. So gut der Schluss auch ausgefallen ist, ohne kaum Fragen offen zu lassen und in keinster Weise zu verärgern, er schaut sich längst nicht mehr so ununterbrochen packend erzählt wie in dieser Bestzeit. Staffel 5 gönnt sich immer wieder Atempausen und neue Anläufe, dies jedoch bei weitem nicht als unbeabsichtigter, schwächelnder Punkt des Ganzen. "Breaking Bad" geht nicht der Atem aus, die Qualität wird nicht geringer, das Pulver ist längst nicht verschossen. Ganz im Gegenteil war es sogar eine Produzentenentscheidung die Serie mit Staffel 5 enden zu lassen, nicht die Entscheidung des TV-Senders aufgrund womöglich schwächelnder Quoten. Das Gegenteil war der Fall, die Serie war nach wie vor heiß begehrt. Alles was Staffel 5 erzählt und wie hier vorgegangen wird, ist pure Absicht, bestehend aus gekonnten Manövern, einfallsreichen Ideen, psychologisch cleveren Kniffen und unerwarteten Wendungen, die der Chose immer wieder neues erzählenswertes Potential bereiten. Somit bleibt auch Staffel 5 ein sehenswertes TV-Highlight einer Fernsehserie, die eine Qualität vorlebte, an die bislang keine weitere von mir gesichtete Serie im Thriller- und Dramenbereich heran reichen konnte. "Breaking Bad" ist ein TV-Juwel, eine erstaunliche Ausnahme im Serienmeer, und gerade die völlig andere Herangehensweise der beiden Hälften der fünften Staffel machen dies noch einmal deutlich.  OFDb

19.01.2019

BREAKING BAD - STAFFEL 4 (2011)

Die vierte Staffel von "Breaking Bad" ist derart intensiv ausgefallen, dass sie eigentlich das hohe Niveau der dritten Staffel noch toppen könnte. Sie tut es auch an vielen Stellen, auf die Gesamtstaffel gesehen ist der Beginn der Erzählung jedoch ein wenig monoton und zu bekannt ausgefallen, als dass das ansonsten vor Höhepunkten in Sachen Spannung und Dramatik nur so strotzende vierte Jahr der Erfolgsserie tatsächlich mit ihrem Vorgänger mithalten kann. Erkennt man was in dieser etwas schwächeren Phase vorbereitet wird, was sehr versteckt passiert und kaum vorhergesehen werden kann, ist es wichtig, dass Staffel 4 erzählt ist, wie es dies wurde. Deswegen dachte ich nun bei meiner zweiten Sichtung ich würde mit dem Beginn wärmer werden, eingeweiht in die Pläne der Autoren. Aber das war auch diesmal nicht der Fall. Erstsichter sollten sich von den ersten drei Folgen jedoch nicht täuschen lassen, was diesen folgt ist großes Kino im TV, oft Nervenkitzel pur, entfacht durch wahnwitzige Ideen, mit denen man nie gerechnet hätte und durch ein Hochkochen an Problemen an allen Ecken und Enden. 

Freilich ist mein Beklagen der ersten Folgen Schimpfen auf hohem Niveau. Immerhin sind auch diese interessant genug erzählt, um nicht einzig aufgrund der Neugier und des Suchtfaktors der Serie dran zu bleiben. Aber Staffel 3 hat nun einmal ein Niveau vorgelebt, dessen Fortführung man sich als treuer Freund der Reihe wünscht, und diesen Wunsch erfüllt der Anfang der Folgestaffel nun einmal nicht. Spannend ist hingegen in ruhigeren Momenten ebenso wie in aufregenderen der Blick hinter die Kulissen von Frings Unternehmen. Selbiges betrifft dessen trickreiches Vorgehen, welches immer wieder offenbart welch raffinierten Gegner Walter tatsächlich hat. Fring und White sind ebenbürtig, keiner darf den anderen unterschätzen. Oft weiß man als Zuschauer ohnehin nicht was man glauben soll, ist Heisenberg doch eine ebenso zwielichtige Gestalt wie der Führer des Drogenimperiums selbst. Und mit Jesse als Figur zwischen den Fronten erleben wir ein Aufwühlen dieser Situation in einer Extreme, in der wir Zuschauer selbst nicht mehr wissen wer hier wen bei was manipuliert, bis wir die Auflösung dessen, mal früher und mal später, vorgesetzt bekommen. Staffel 4 bleibt nicht nur in diesem Punkt nicht vorhersehbar. Besagter Trumpf der bisherigen Serie bleibt es glücklicher Weise auch hier.

Mittlerweile wird mit allen Mitteln gekämpft, überall nagt es an Vertrauen, aus jeder Ecke brodelt Gefahr, selbst aus der Richtung Skyler, die eigentlich bemüht ist die Katastrophe, die sie ihrem Ehemann zu verdanken hat, einzudämmen. Hierfür wird, wie so oft, eine scheinbar ehemalige Figur der Serie wieder überraschend eingebracht, und diese schafft es auf angenehm passive Art für ordentlich Unruhe zu sorgen, so dass nicht gleich jede Figur im "Breaking Bad"-Universum zu irgend etwas Zwielichtigem mutiert. Immerhin ist es weiterhin Trumpf der Serie innerhalb ihrer Aberwitzigen Idee, abgewechselt mit überdrehten und grotesken Comicelementen, stets eine gewisse Authentizität und damit Glaubwürdigkeit der Ereignisse aufrecht zu erhalten. Und dieser Linie bleibt man sich weiterhin treu. Bleibt also nur zu sagen, dass auch die vierte Staffel dieser wundervollen Thriller-Drama-Serie zu den Highlights amerikanischer Fernseherlebnisse zählt und in seinen besten Phasen auch den Höhepunkt von "Breaking Bad" selbst darstellt. Hier wird eine derart großartige Geschichte erzählt, dass es eigentlich schön gewesen wäre, wenn Staffel 4, trotz aller offenen Situationen und Fragen, das Finale gewesen wäre, ist das Schlussszenario theoretisch gesehen doch auch ein toller Schluss für die Serie an sich. Als begeisterter Anhänger dieser bin ich freilich trotzdem glücklich, dass es zu einer (länger ausgefallenen) fünften Staffel kam und auch lang erwartete Konfrontationen in dieser endlich angegangen werden. Allerdings wird es hierbei nie wieder so gut wie in Staffel 4. Aber davon berichte ich ein andermal.  OFDb

14.10.2018

LETHAL WEAPON 2 - BRENNPUNKT L.A. (1989)

Bereits meine erneute Sichtung des ersten "Lethal Weapon" erwies sich als ein überraschendes Erwachen, fiel er doch weit schlichter aus als von mir erwartet, da er zu sehr in pubertierenden Sehgewohnheiten feststeckte. Während dort jedoch noch die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren auf Actionfilm-Niveau psychologisch gesehen Sinn ergab, so wird "Lethal Weapon 2" diesbezüglich erst recht ein Großer-Jungs-Film, denn nun sind auch die Charakterzeichnungen und Beweggründe der Helden nur noch infantiles Getue, wie man es aus dem Kindergarten kennt. Da wird grundlos absichtlich verletzt, es herrscht keine Achtung und Wertschätzung vor dem Besitz anderer, Wahrheiten werden der eigenen Mentalität angepasst, es wird gebockt, man versucht dem Gegner mit Verfolgerspielchen Angst zu machen, Regeln und Gesetze werden ignoriert, gebrochen und verdreht, wie gesagt: das ist alles höchst kindisch.

Vorgewarnt durch Teil 1 hatte ich keine hohen Erwartungen mehr an "Brennpunkt L.A." (Alternativtitel), zumal ich schon bei der letzten Sichtung vor geschätzten 10 Jahren bemerkte, dass die Fortsetzung, im Gegensatz zu dem wie ich es ganz früher empfand, schwächer ausgefallen ist als das Erstling. Zwar wird quantitativ einiges gepuscht, so ist allein der Actiongehalt gegenüber dem Vorgänger enorm gestiegen, aber derartiges ersetzt freilich nicht Qualität. Weiß man aber, dass man sich mit "Lethal Weapon 2" (Originaltitel) auf geistlose Kurzweile einlässt, dann geht das Rezept sehr wohl auf. Freilich darf man nichts hinterfragen, weder was die unsinnigen Rachemethoden der Bösewichter sollen, noch warum sie ein Auto in ihrem Geldcontainer parken, oder ähnliches. Zwar ist die von Richard Donner selbst inszenierte Fortsetzung seines Erfolgsfilmes bei weitem nicht so dümmlich ausgefallen wie ein "Phantom Kommando", aber erstaunt war ich schon wie viel Idiotie ich bei meinen bisherigen Sichtungen kaum bemerkte, ohne dass es Punkte wären, die aufgrund der Inszenierung oder des enorm gewachsenen Humoranteils gegenüber zu Teil 1 zu erklären wären.

Wie auch immer, Spaß hat's auch nach all den Jahren wieder gemacht. Mit einer Verfolgungsjagd, die in anderen Filmen der Showdown gewesen wäre, startet man zu Beginn durch, so dass man schnell den Einstieg ins Geschehen findet, vor und hinter der Kamera blieb das Team großteils das selbe, und ein gut aufgelegter Joe Pesci weiß das bisherige Team gut zu ergänzen. Die Theatralik rund um den Frauenverlust Riggs wirkt zu aufgesetzt, um tatsächlich an den leichten Dramengehalt des Vorgängers anknüpfen zu können, aber da Rika van den Haas ohnehin eher wie ein Püppchen, als wie eine echte, atmende Frau wirkt und über keinerlei Charakter verfügt, ist das ohnehin egal. Außerdem steht der Action diesmal wie bereits erwähnt der Humor verstärkt zur Seite, so dass die Dramaturgie sich ruhigen Gewissens einzig auf die Rachementalität harter Männer stützen kann, was im Finale, wenn wahrlich der Krieg tobt, dann auch besser funktioniert als zunächst erwartet. Mag dem allen auch ein fragwürdig ethisch verdrehtes, selbstgerechtes Denken vorausgehen, akzeptiert man einmal dass die Helden keinesfalls die Sympathiefiguren sind, für die ihre Schöpfer sie halten, funktioniert die unkorrekte Story um so besser. Wie man das wilde und unterhaltsame Treiben von seiner Rechtfertigung her jedoch ernst nehmen kann, ist mir ein Rätsel, so verlogen wie sich der Film diesbezüglich guckt.  OFDb

18.08.2018

BREAKING BAD - STAFFEL 3 (2010)

Während sich, zumindest für den guten Beobachter, die Zwielichtigkeit des Walter White-Charakters immer mehr herauskristallisiert, schwankt die höchst ereignisreiche dritte Staffel an sich stets zwischen Ruhephasen und aufregenden. Zwei Mexikaner auf Rachefeldzug, ein unter Drogeneinfluss abgedrifteter Jesse, ein für lange Zeit beeinflussendes Schicksal Hanks, welches für Walter die entscheidenden Veränderungen im neu gewonnenen Job beim mächtigen Gustavo bedeutet und letztendlich zu einem Vertrauensverlust der lebensgefährlichen Sorte führt, an Ereignissen mangelt es hier nicht. Wo vorher eher Kleingangster des Milieus beleuchtet wurden, da bekommen es die beiden Giftmischer nun mit gut organisierten Profis zu tun, in deren Umfeld sich Mike und Saul ebenfalls als weitaus tiefer im Sumpf steckende Mitbeteiligte entpuppen, als von den meisten bisher angenommen. Auch Skyler wird innerhalb dieser Staffel zu mehr als nur zur wütenden Ehefrau, was ebenfalls die Karten in manchem Bereich völlig neu zu mischen vermag.

Die hohe Qualität der Vorgängerstaffeln wird bei gleichbleibender, hochkarätiger Besetzung nicht nur beibehalten, sondern noch einmal ein Stückchen nach oben verlagert, gehört das hier besprochene Jahr der Reihe doch zu dem besten was Serien im Bereich Thriller und Drama je hervorgebracht haben. Detailgetreu beschrieben begleiten wir in seiner Langsamkeit erzählt einen sich flott anfühlenden, durchdachten Plot, der so gut wie nicht vorherzusehen ist, so dass man jederzeit mit allem rechnen muss, ohne dass die Protagonisten gleich reihenweise dafür sterben müssen wie in "Games of Thrones". Durch die Konsequenz in allen Bereichen, wie Charakterwandel, Ursache und Wirkung, ja selbst sogar in comicartigen Momenten wie der Kult-Folge "Die Fliege", die so austauschbar wie genial ausgefallen ist, einen lückenlos durchdachten Plot zu bieten, bleibt der "Breaking Bad"-Kosmos stets glaubwürdig, so dass man intellektuell ebenso gefordert wird wie vom Unterhaltungsgrad her, zumal die Serie nach wie vor kaum Serienkrankheiten bereit hält.

Krebs und das zweite Kind spielen nun eine derart untergeordnete Rolle, dass man sich weiträumiger auf andere Aspekte der Geschichte konzentrieren kann, freilich ohne die Dramaturgie der Charaktere zu vernachlässigen, die auch einen tiefer gehenden Blick auf Randfiguren nicht scheut. Was Jesse und Hank in dieser Staffel alles durchmachen müssen ist nicht nur schockierend erzählt, sondern auch empathisch, wie alles bislang emotionale. Und dass selbst die zwei Rache suchenden Mexikaner in nur einer Rückblicksequenz eine derartige Dramatik an den Leib geschrieben bekommen, macht die erneute Glanzleistung der Autoren deutlich, deren Talent man im Mainstream-Kino Amerikas seit Jahrzehnten verzweifelt sucht. Allein deshalb braucht es nicht verwundern, dass Fernsehserien aufgrund von Produktionen wie "Breaking Bad" wieder eine alternative Verlockung zum immer dümmlicher werdenden Mainstream-Kino wurden, auch für die Masse selbst, auch wenn nur wenige Veröffentlichungen der letzten Jahre gerade einmal ansatzweise an das Niveau der mit Cranston so hervorragend besetzten Serie heran reichten.

Wo andere Serienschaffende sich lediglich darauf ausruhen bereits bekannte Stoffe neu zu variieren, in den besonders dreisten Gehversuchen gar per Neuverfilmung eines ehemaligen Kinohits, da setzt "Breaking Bad" auf Eigenständigkeit und Einfallsreichtum, was gerade die dritte Staffel in ihrer Vielfältigkeit demonstriert, ohne dass die Serie dadurch überfrachtet ausfällt oder der Überblick verloren geht. Das Gegenteil ist der Fall, und deswegen bleibt die Serie auch in ihrem dritten Jahr ein Produkt des konzentrierten, interessierten Zusehens, anstatt der Zwischendurchverzehr zu sein, den man auch unkonzentriert neben einer anderen Tätigkeit beiläufig sichten kann. Da das Verstehen von Situationen und Figuren sich auch erneut in der deutschen Synchronisation wiederfindet, geht dieser Anspruch des Stoffes auch in der Synchronfassung nicht verloren. Kurzum: das vorgelebte Niveau wurde beibehalten, bzw. ein Stückchen nach oben gehievt, so dass man in den oft dramatischen und mal nüchternen und thrilligen Erlebnissen der dritten Staffel regelrecht aufgehen kann. Heutzutage beneide ich das Publikum für ihre Freiheit schnell die vierte Staffel nachrücken zu können. Seinerzeit so viele Monate auf die Antwort des besten Cliffhangers der Serie zu warten war tatsächlich eine kleine Qual.  OFDb

01.07.2018

BREAKING BAD - STAFFEL 2 (2009)

Während die erste Staffel zur Mitte hin eine kleine Verschnaufpause einlegte um in ruhiger Gangart die Zwischenerlebnisse zu erzählen, ist Staffel 2 fast gänzlich in diesem ruhigen Stil erzählt. Drama und Thriller bekommen ungeheuer gute Spannungsmomente beschert, diese ruhige Herangehensweise darf man also nicht missverstehen und mit Stillstand oder dem Hang zur Langeweile verwechseln, aber derart außer Atem vor lauter Nervenkitzel, so wie im Großteil der Vorgängerstaffel, ist man in "Breaking Bad" in seinem zweiten Jahr nur zu Beginn, wenn die Geschichte um Tuco zu einem Ende geführt werden muss. Gerade wenn man, so wie ich, die komplette Serie schon einmal gesehen hat, überrascht der gemütliche Marsch durch die vielen Ereignisse der zweiten Staffel schon ein wenig, weiß man doch wie nervenkitzelnd es in den kommenden Jahren noch des öfteren zugehen wird. Aber in der hier besprochenen Season bleibt das Geschehen selbst dann relativ ruhig und besonnen, wenn es innerhalb des Gangstermilieus Probleme zu bereinigen gibt, wofür gerade jene sehr stille Folge ein gutes Beispiel ist, in der Jesse Junkys zur Rede stellen muss, die einem seiner Dealer Geld und Ware abgezockt haben.

Gerade in dieser Folge wird auch dem letzten Zuschauer klar wie soft Jesse in seinem Inneren tickt, und dass er nicht ewig der neue Tuco bleiben wird. Folgerichtig wird ab dem entscheidenden Wendepunkt der zweiten Staffel, mittels einer von drei neu eingeführten, wichtigen Figuren für die Zukunft der Serie, betont was für ein Wunder es ist wie weit Walter und Jesse selbstständig auf ihre unerfahrene Art innerhalb des Milieus gekommen sind. "Breaking Bad" beweist durch derartiges immer wieder, dass man sich dessen was erzählt wird in jedweder Konsequenz bewusst ist, und dieses psychologische Verständnis, das sich auch in den Figurenzeichnungen wiederspiegelt, macht die Serie so wertvoll, gerade jetzt, wo der Dramenbereich über jenen des Thrillers dominiert.

In Staffel 2 werden auf interessante, nicht hinhaltende Art die Karten neu gemischt, um die Serie auf die Ereignisse ab Staffel 3 vorzubereiten, die ein anderes Level erreichen werden als alles bislang Erlebte. Hierfür werden nicht nur, wie eben erwähnt, neue für die Serie sehr wichtige Figuren eingeführt (Saul, Gustavo und ganz zum Schluss auch Mike), sondern auch Figurenentwicklungen bei bereits gut gekannten Personen vorgenommen, oft als Vorbereitungen für zukünftige Geschehnisse, die der Zuschauer innerhalb eines kaum vorhersehbaren Plots logischer Weise zu diesem Zeitpunkt längst nicht erahnen kann. Allen voran geht freilich die Entwicklung Walters Ende der Staffel in die entscheidende Phase. Seine Bewusstseinsgesinnung in der Folge im Baumarkt kann man als das Erwachen des Heisenbergs bezeichnen. Von nun an muss sich auch der Zuschauer umorientieren mit wem er es zu tun hat. Manch einem ging bezüglich des Gut- und Böseverständnisses dieser Rolle erst in Staffel 5 ein Licht auf - unverständlich wie ich meine, für die Staffeln 1 und 2 aber noch aufgrund der anderen Auslegung kaum anders möglich.

Zudem muss die zweite Staffel Aufräumarbeit leisten, denn so wichtig für den dramaturgischen Effekt und dem Aufhänger der Geschichte auch die Faktoren Krebserkrankung und Schwangerschaft waren, sie müssen nun durchstanden werden, um im Kommenden halbwegs befreit von diesen Erzählhemmnissen weiter berichten zu können. Hier kann man erneut die großartigen Drehbuchautoren loben, die es selbst in den unangenehmsten Momenten diesbezüglich schaffen mittels eines hohen Spannungsbogens ein Maximum an Unterhaltung aus solchen Situationen herauszupressen. Hier ruht man sich nicht einzig auf die großartig vertiefte Charakterisierung jedweder Figur aus, hier gibt man erzähltechnisch wirklich alles um dem Zuschauer ein hohes Unterhaltungsniveau zu servieren. Dass das Publikum in dieser ganzen Phase des zweiten Jahres noch in Watte gepackt wird, ahnt es zu diesem Zeitpunkt nicht, sind die hier erzählten Geschehnisse doch zwar aufwühlend, bewegend und aufregend genug um einen stets auf Trab zu halten, gewitzt zu täuschen und auch für scheinbare Banalitäten zu interessieren, aber das ist im direkten Vergleich noch arg zahm gehalten. Sicherlich bleibt die Serie auch nach ihrem zweiten Jahr großteils ruhig erzählt, aber der hier pausierende Nervenkitzel wird von nun an des öfteren an die Oberfläche geraten und noch einiges vom Zuschauer abverlangen. Die Schonzeit ist bald vorbei.  OFDb

30.05.2018

BREAKING BAD - STAFFEL 1 (2008)

"Breaking Bad" ist eine Serie, mit der sich damals (das ganze ist immerhin wieder ganze erschreckende 10 Jahre her) jede andere ernst erzählte Serie messen musste. Und das ist meiner Meinung nach trotz einer seit dem vielfältig gewachsenen Serienlandschaft noch immer der Fall. Nur selten findet man so viel Feingefühl für die kleinen Nebensächlichkeiten innerhalb einer mal aufregend und mal ruhig erzählten Serie, die konstant interessant bleibt, frei von Widersprüchen und Serienkrankheiten ist und ein Gespür für die psychologische Raffinesse ihrer Figuren und Situationen besitzt, so dass trotz etlicher Ausflüge in den Comicbereich und anderweitiger Übertreibungen das Geschehen als Ganzes doch innerhalb seines eigenen Universums glaubwürdig bleibt. Einiges von dem hier Aufgezählten ist erst im Laufe der Zeit zu entdecken, die erste Staffel ist im Vergleich zu später mit ihren sieben Folgen recht kurz und schlicht ausgefallen, aber sie weiß von Anfang an den Zuschauer zu packen und signalisiert trotz relativ kurzer Laufzeit kompromisslos ein Interesse an seinen komplexen Figuren, bishin zu kleinen Nebenrollen und damit einen Hang zum liebevollen Umgang mit Details.
 
Mehr noch ist es die fast schon penetrant angegangene Intensität, mit welcher die Geschichte so detailreich erzählt ist, ohne sich währenddessen einem Zielpublikum anzubiedern, welche die extreme Wirkung des Erzählten dieser Serie ausmacht. Nach flotten drei Folgen fährt "Breaking Bad" herunter und nimmt sich erst einmal die Zeit, dass seine Figuren verarbeiten können was Aufregendes geschehen ist und nimmt in der vorletzten Folge noch einmal ordentlich Anlauf mit einer gewaltigen Wirkkraft, um mit der letzten Episode das Ende einer Geschichte zu präsentieren, die zwar noch viele Fragen und Möglichkeiten offen lässt, aber an einem Punkt endet, der fasziniert hätte, falls es nie zu einer zweiten Staffel gekommen wäre, eben weil sie endgültig bewusst macht was sich Walter White mit seiner fixen Idee eigentlich selbst angetan hat. Glücklicher Weise blieb es nicht nur bei dieser einen Staffel, und die Verantwortlichen der Serie bewiesen mit der Zeit wieviel mehr sie noch aus diesem Thema möglich machen konnten. Der Freund guter Geschichten dankte es ihnen, bis "Breaking Bad" schließlich sogar zu einem Massenphänomen wurde, was mich unglaublich überrascht hat, so komplex und tiefsinnig wie die Serie erzählt ist, und so sehr wie die Masse, auf Kinoproduktionen bezogen, sonst eher das inhaltlich schlichte Event bevorzugt.

Wie erwähnt blitzen besagte Vorzüge in der ersten Staffel zunächst noch eher schlicht auf, auch wenn man ihre Qualität nicht unter den Scheffel stellen muss, so großartig wie sie sich bereits in diesen wenigen Folgen präsentiert, schließlich gilt es zunächst einem die wichtigsten Figuren nahezubringen (und die Möglichkeiten die sich mit ihnen untereinander jeweils bieten), später wichtige Randbereiche müssen bereits ausgelotet werden, und die Geschichte muss einen glaubwürdigen Beginn erhalten und eine ebenso glaubwürdige Fortsetzung der Taten, nach dem Walters Pläne einen anderen Verlauf nahmen als anvisiert wurde. Das Geheimnis der Serie liegt neben den bisher aufgezählten Vorzügen von ihrem unglaublich ausgewogenem und kompatiblen Mix aus Drama, Thriller und Komödie, gerade obwohl man sich mit den Themenbereichen Schwangerschaft und Lungenkrebs schnell ein Beinchen stellen kann, welches Zuschauer eher auf Distanz gehen lässt. Im späteren Bereich werden beide Beispiele zu einem leicht lästigen Ballast, mit welchem die Autoren aber gekonnt umzugehen wissen, in Staffel 1 ist davon noch nichts zu spüren, alles greift nahtlos ineinander. Mit erschreckender Realität bekomme wir einen Einblick in die Behandlungsmethoden eines Krebskranken. Dramatische Momente mixen sich mit zynischen und satirischen, ohne der Sache den nötigen Respekt zu nehmen. Auch hier beweist sich "Breaking Bad" als hervorragend erzählt.

Es ist interessant nach all den Jahren nun einen erneuten Ausflug ins "Breaking Bad"-Universum zu nehmen, nun alles wissend was kommen wird, und mein erneuter Blick auf die Dinge macht allein schon deswegen umso mehr Spaß, als dass mich während der zweiten Sichtung zwei Freunde begleiten, welche die Serie noch nicht kennen. Deren Ahnungslosigkeit was noch alles auf sie zukommt und ihre Spekulationen darüber geben der Serie einen ebensolchen Mehrwert wie die Beobachtung aus dem Zustand heraus über alles Kenntnis zu besitzen. Denn mal ehrlich, den wilden Ritt von "Breaking Bad" vergisst man nicht, da hat man noch das meiste an Erlebtem in Erinnerung. Deswegen kommt gerade hier der Hang zur Detailversessenheit der Autoren einer zweiten Sichtung sehr gelegen, da man nun die Raffinesse hinter allem Erzählten näher erblicken kann, wie all das Kommende vorbereitet und nach und nach entfesselt wird, seien es nun Zuschauertäuschungen, Nebensächlichkeiten oder Hauptattraktionen. Es war interessant zu sehen wie stark "Breaking Bad" bereits beginnt, aber auch wie seicht und simpel sich die gar nicht unkomplexe erste Staffel im unfairen Vergleich mit späteren schaut, strenge Adjektive, die nur im direkten Vergleich mit dem Kommenden zutreffend sind, das gebe ich zu. Aber allein dass man in Staffel 1 noch manches voraussehen kann, später aber so gut wie gar nicht mehr, macht doch deutlich dass die erste Staffel im direkten Vergleich eine Spur einfacher begonnen hat, als sie fortgesetzt wird.  OFDb