Der Kriminalaspekt interessiert nicht wirklich, ein Mabuse-ähnlicher Strippenzieher kann ebenso wenig Interesse auf jene Art entfachen, mit welcher er halbherzig eingesetzt wird, "Die schwarze Kobra" ist schlichtweg zu banal, um geistlos angenehm zu unterhalten. Zumindest weiß seine augenzwinkernde Figurenzeichnung auf Seiten der Kriminalisten zu gefallen, aber auf die allein kann man nicht bauen, erst recht bei so mangelhaftem, da zu wechselhaftem, Einsatz von Identifikations- und Nichtidentifikationsfiguren, bei gleichfalls wechselhaften Schwerpunkten und einer Geschichte, die stets lieber um reißerische Schauwerte bemüht ist, als um einen interessanten Plot. Da muss es auch mal eine Schlangenattacke geben, oder eine Art Billig-Catch-Kampf unter zwei Dicken, die obligatorische Verfolgungsjagd darf nicht fehlen, und wie der Oberschurke im Finale aus der Geschichte geschrieben wird, darf man wohl zu den brutalsten Momenten der harten Welle zählen, leider zu billig getrickst um zu wirken. Mit viel Geduld erhascht man zumindest immer wieder genügend charmant anmutende Sequenzen, die stets dafür sorgen, dass das uninspirierte Etwas zumindest nie langweilig wird. 20 Minuten weniger hätten dieser österreichischen Produktion aber dennoch gut getan. Inszeniert wurde der Film von "Dudu"-Regisseur Rudolf Zehetgruber, der mit "Das Wirtshaus von Dartmoor" ein Jahr später meiner Meinung nach einen wesentlich unterhaltsameren Kriminalfilm dieser Art angefertigt hat. "Die schwarze Kobra" ist definitiv nur etwas für Komplettisten. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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02.01.2022
DIE SCHWARZE KOBRA (1963)
Texte wie aufgesagt, ständig das Mikrofon im Bild, eine Glasscheibe, die unsichtbar für Spezialeffekte eingesetzt sein soll, verrät sich durch eine Spiegelung, "Die schwarze Kobra", der vom Geldkuchen der erfolgreichen Wallace-Welle auch etwas einspielen sollte, ist wahrlich die Billigversion der Kriminalfilme dieser Art. Und das muss schon was heißen, sind doch auch die besseren Beiträge nie um Perfektion bemüht und stets absichtlich Trivialunterhaltung geblieben. Aber eben auch für eine solche benötigt man ein gewisses Niveau, und dieses relativ geringe unterbietet "The Black Cobra" (Alternativtitel) leider, der mit Klaus Kinski und manch anderem bekannten Gesicht Darsteller aus der Rialto-Wallace-Reihe auch für sich gewinnen konnte. Kinski gehört zu den wenigen, die hier tatsächlich spielen können, doch seine Figur verkommt etwas zu sehr der Lächerlichkeit, so plump wie er als Kokser hier zur Junkie-Fantasie von Vorgestern wird. Aber er ist ein Lichtblick inmitten eines Films mit zu billig zusammengeschusterten Plot, der darin bemüht ist möglichst viele Personen und zwielichtige Aspekte zu integrieren, dabei aber stets wirr wirkt, anstatt gekonnt für Verwirrungen zu sorgen und desorientiert daher kommt, anstatt verschachtelt und reichhaltig.
23.02.2020
NOSFERATU - PHANTOM DER NACHT (1979)
Als F.W. Murnau in den 20er Jahren seinen legendären "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" drehte, besaß er nicht die Rechte am Stoff "Dracula", so dass alle Namen geändert wurden, das Werk aufgrund einer Klage gar beinahe komplett vernichtet worden wäre. Werner Herzog benennt seine "Dracula"-Verfilmung bewusst nach dem berühmten Stummfilm, den ich für die beste Verfilmung des Stoffes halte, arbeitet er doch stark orientiert an Murnaus Werk. Er orientiert sich an dessen Stärken, wie z.B. das Aussehen des Grafen (inklusive der gewöhnungsbedürftigen Reißzahnanordnung), das Schattenspiel der Kreatur und manch variierter Kameraeinstellung des Originals. Dennoch versucht Herzog nie per Kopie die Genialität der ersten Verfilmung des legendären Vampir-Romans zu erreichen, gibt er seiner Version doch genügend eigenständige inhaltliche, technische und spielerische Ideen, um zu einem eigenständigen Werk zu werden. Atmosphärisch ist sein "Nosferatu - Phantom der Nacht" stets in Traum-artiger Melancholie getaucht, von einem mächtigen Vampir berichtend, der des untoten Daseins lebensmüde geworden ist, kränklich und alt wirkt, was ihn jedoch nicht seiner übernatürlichen Stärke beraubt.
Herzogs Version spielt gekonnt mit dem Wahn jener Betroffenen, die den Weg Draculas kreuzten und in seinen Bann gerieten. Gleichzeitig zeichnet er eine bizarre Welt dem Untergang durch die Pest geweiht. Die Realität wird zu einem alptraumhaften Abbild durch Wahn, wohingegen das eigentlich düstere Übernatürliche oft in bunte Bilder getaucht wird, untermalt wird von leicht fröhlicher Musik, was insgesamt bizarr anmutet und Draculas Innenleben nur umso mehr analytische Rätsel beschert, die schwer zu greifen sind, jedoch reizvoller Motor der Faszination sind, die das Werk zu entfachen vermag. Man fragt sich in Draculas letzter Szene, ob eine Art Dankbarkeit im Ableben, ausgetrickst von einer Frau reinen Herzens, zu erkennen ist. In einer der visuell und kommunikativ großartigsten Szenen des Filmes, offenbart Dracula Lucy einige Zeit zuvor sein Leid, als Wesen der Nacht ausgeschlossen von der Liebe zu sein. Im Kontrast mit dieser hervorragend eingefangenen Szene schaut sich die Falle, die Lucy dem Grafen final aufbaut, um so interessanter. Dracula ist ein Tier, lebt Liebe nur noch per Gier und Verlangen. Lüsterne Berührungen münden in einen von Leidenschaft geprägten, bestialischen Biss, dem ein fast schon vergnügliches Schlürfen beim Trinken des Blutes folgt. Authentisch aussehend und sich ebenso anhörend zapft er die Ader seines Opfers an, optisch dem Bild Murnaus entliehen, mit einer modernen Direktheit eingefangen und den Vorteil des Tonfilm nutzend, dem genialen Bild jedoch doppelbödigen Mehrwert und damit Individualität bescherend.
Werner Herzog ist einmal mehr ein Kunstwerk gelungen, eines welches bewusst künstlerische Kraft atmet, das zeigt bereits die interessante Musikuntermalung, die Gruselmusik, Operette, schräge Geigenklänge und besagte leicht fröhliche Melodien gekonnt mixt. Das zeigen ebenso die imposanten Bilder, die sehenswerte Orte individuell abgefilmt einfangen, sowie Momente, die der Geduld des Filmemachers geschult sind, im perfekten Augenblick Tageszeiten treffsicher einzufangen. Auch das stets hintergründige Geschehen, welches sich nicht auf den Aussagen der Buchvorlage ausruht, sondern eigene mit hinzu zieht, offenbart unübersehbar den Bereich des Kunstfilms. Deswegen darf sich Herzog auch inhaltliche Freiheiten gönnen. Besonders reizvoll geraten ist diesbezüglich die Neuinterpretation der Figur des exzellent verkörperten Van Helsing. Selbiges gilt für das überraschende Schlussszenario, welches einen rätseln lässt, ob Dracula sein Wesen lediglich weitergegeben hat, oder ob er über den vollzogenen Wandel gar auf irgendeine Art überlebt hat. Das bleibt, wie so vieles, Interpretationssache inmitten eines geistreichen Filmes, dessen Ideen, Bilder und Anziehungskraft magisch zu nennen sind. Insbesondere ab der Ankunft des Grafen in Strassburg gewinnt das Werk eine immense Stärke, deren Pessimismus und Melancholie man sich nur schwer entziehen kann. Dialoge und Darsteller agieren wie auf der Bühne, und man ist ihnen dankbar dafür, obwohl ein derartiges Agieren in Filmform meist negativer Natur ist. Im künstlerischen Flair Herzogs wird das klassische Schauspiel zu einem Pluspunkt, der die Realitäts-entrückte Traum-artige Atmosphäre bizarr unterstützt. OFDb
02.01.2020
SCOTLAND YARD JAGT DR. MABUSE (1963)
Nachdem bislang jeder triviale Teil der 60er Jahre Mabuse-Reihe bei lockerer Herangehensweise zu unterhalten wusste, bekommt sie mit "Scotland Yard jagt Dr. Mabuse" erstmals einen Tiefpunkt beschert, keinen dessen Inhalt und Herangehensweise völlig uninteressant ausgefallen wäre, aber mit deutlicheren Schwächen versehen als zuvor - auch in der Inszenierung. Paul Mays maues Ergebnis kann man nicht einzig auf die offensichtlich vorhandene Geldknappheit zurück führen, die dem Film kaum tatsächliche Schauwerte bietet. Er setzt der mageren Chose zudem mit einer oft trägen Umsetzung noch eins drauf. Dialoge wirken wie aufgesagt, Walter Rilla mimt und spricht seinen Mabuse im Halbschlaf, ohne ihm dämonische Blicke zu gönnen, oft sitzen die Protagonisten lahm herum und redet trocken über Ereignisse und (viel zu schnell gewonnene) Erkenntnisse, die man auch auf flottere Art hätte einbringen können. Die jungen, weiblichen Figuren und der damit verbundene obligatorische romantische Part, sind nicht von Bedeutung für die Geschichte und dementsprechend auch austauschbar besetzt. Die Musik und der Plot mögen einen Teil der harten Welle suggerieren, "Dr. Mabuse vs. Scotland Yard" (Alternativtitel) kommt jedoch trotz gelegentlicher Schießereien zu brav für diese daher, oftmals sogar arg bieder anmutend, gerne dann wenn sich der Streifen äußerst locker gibt.
Um die Identität Mabuses wird diesmal kein Geheimnis gemacht, was ich für eine sinnvolle Entscheidung im x-ten Teil halte, von dem man damals sicher dachte, dass ihm noch etliche folgen würden. Leider agiert Mabuse jedoch ebenso offen vor seinen Untergebenen, sprich er ist nicht nur dem Zuschauer bekannt, er ist auch nicht mehr der anonyme, zu fürchtende Arbeitgeber. Oft wirkt er glatt wie ein Kumpel und fragt sogar in einer Szene einen Mitarbeiter nach einer Idee des weiteren Vorgehens. Nun gut, wir haben es ohnehin mit einem neuen Mabuse zu tun, der Irrenarzt aus dem Vorgänger "Das Testament des Dr. Mabuse" geht nun als dritter Kandidat heran die Herrschaft des Verbrechens zu errichten. Wie kurze Aufnahmen mit Wolfgang Preiss zeigen, ist er besessen vom toten Geist des zweiten Mabuse, dessen Kraft somit über seinen Tod hinaus reicht. Das beschert dem Film zusätzlich zur im Zentrum stehenden Erfindung einen übernatürlichen Touch. Scheinbar ist seine Macht vom Jenseits aus, die durch das Finale keine alternative Deutungsmöglichkeit erlaubt, nicht sonderlich stark, sonst würde der neue Mabuse wohl kaum eine Hypnosemaschine benötigen. Bislang konnte Mabuse die Leute noch höchst persönlich durch Gedankenkraft steuern, zumindest in den meisten Teil seit Langs Erstling von 1922.
Um Sinn und Unsinn braucht man gewohnter Maßen aber ohnehin nicht lamentieren. "Die scharlachrote Dschunke" (Alternativtitel) soll schlichtweg unterhaltsames Trivialkino sein, und mit weit herunter geschraubten Erwartungen geht das hier zu steril dargebotene Affentheater gerade noch in Ordnung. Schade ist es um die verheizte Besetzung, die mit Peter van Eyck, Klaus Kinski und Werner Peters (diesmal in einer Kommissarenrolle) besonders reizvoll ausgefallen ist. Der Drang sich erneut an der erfolgreicheren Wallace-Reihe zu bedienen fällt diesmal durch die Besetzung Kinskis auf, durch die Verlagerung der meisten Geschehnisse nach England und durch den erneuten Versuch Humor in die Reihe zu integrieren. Nachdem Eddi Arent-ähnliche Persönlichkeiten in den Vorgängern versagten, versuchte man es diesmal mit einer pseudo-sympathischen Mutter des ermittelnden Agenten. "Scotland Yard vs. Dr. Mabuse" (Alternativtitel) ist die Blaupause einer Blaupause und damit nur noch ganz treuen Fans der Reihe zu empfehlen. Zumindest kommt der Film nach einer etwas arg trägen ersten halben Stunde genug in Fahrt, um doch noch auf besonders schlichte Art unterhalten zu können. OFDb
Kategorien:
1960-1969,
annehmbar,
Bryan Edgar Wallace,
Deutschland,
Dieter Borsche,
Fantasy,
Filmbesprechung,
Klaus Kinski,
Kriminalfilm,
Peter van Eyck,
Science Fiction,
Thriller,
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28.12.2019
FITZCARRALDO (1982)
Werner Herzogs ehrfürchtiges Werk "Fitzcarraldo" schaut sich in seiner Erscheinungsart halb-dokumentatorisch, was ihm das entscheidende Flair beschert, weswegen die entscheidenden Aussagen einer schlicht scheinenden Geschichte so stark auf den Zuschauer einfließen können. Beginnend mit einer ausführlich dargebotenen Oper, die manch anderer Regisseur nur kurz hätte anklingen lassen, befinden wir uns mitten in einer Realität außerhalb des eigentlichen Filmes, zumindest fühlt es sich so an. Herzog hält quasi auf ein Fremdwerk drauf und lässt es Teil seines werden, der Beginn eines fast-dokumentatorischen Stilmittels beginnt. Ebenso verhält es sich mit den Aufnahmen am Fluss des brasilianischen Regenwaldes. Unverfälscht fängt man an Originalschauplätzen diesen ein. Und dank der Zusammenarbeit mit tatsächlichen Waldindianer-Stämmen wird auch mit Einbinden der Indianer als Helfer eine Authentizität herbei geführt, die nur zum Teil Fiktion ist und deshalb derart authentisch anmutet. Hilfreich kommt diesem Blickwinkel zudem Herzogs Kniff zugute, dass das Filmteam seinerzeit tatsächlich ein Schiff über besagten Hügel zog. Hier wurde nicht mit faulen Tricks gearbeitet. Mag dieser oft hervorgehobene, zentrale Aspekt der Geschichte auch weit weniger Laufzeit einnehmen, als man vor der ersten Sichtung vermuten würden, Herzog und sein Team ernten Respekt durch so viel Eigeninitiative, ein Ehrfurcht zollendes Werk erntet selbiges beim Publikum.
"Fitzcarraldo" fängt wahren Respekt vor der Natur, den Naturvölkern und vergangener Methoden industrieller Bewältigungsmöglichkeiten ein, nicht ohne Kritik an der Dekadenz der Bestverdiener jener industriellen Zeit zu üben, sich jedoch weit weniger auf Ungutes konzentrierend, als viel mehr auf die zu respektierenden Elemente der Geschichte. Diese mag mit der Figurenkonstellation des erfahrenen Seebären, des trunkenen Schiffskoch und des spionierenden Ingenieurs geradezu filmklassiche Figuren mit an Bord haben, ihr detailreiches Spiel und besagter authentischer Anstrich der stets unaufgeregten Erzählung, lassen auch sie glaubwürdig erscheinen und zum überzeugenden Teil des sehenswerten Ganzen werden. Indianer, die nie übersetzt in ihrer Sprache sprechen, der Zuschauer als passiver Teil der Mannschaft, der aufgrund dessen, dass er nie mehr erfährt als Fitzcarraldo selbst, mit rätselt warum gerade geschieht, was geschieht - die Kamera begleitet ein wahres Abenteuer zwischen Fiktion und Wirklichkeit, die Trennlinie ist kaum auszumachen. Herzog schafft es auf nüchterne Art selbst dann noch Spannungsmomente durch das Verhalten der Indianer aufkommen zu lassen, wenn man ihre Kultur und ihre Beteiligung längst respektiert. Man kennt ihre Gepflogenheiten nicht, man weiß nicht ob aus Frieden wieder Feindschaft werden kann, durch welchen unbeachteten Impuls auch immer ausgelöst, und das bereichert die Pausen zwischen den eindrucksvollen Szenen, in welchen wahre harte körperliche Arbeit im Dschungel dargeboten wird.
Es ist der respektvollen Herangehensweise Herzogs zu verdanken, dass auch Momente des Misstrauens ehrfürchtig eingefangen sind, ohne feindselige Vorurteile aufkommen zu lassen oder sich an solchen zu bedienen. Die Kraft der mit all diesen Mitteln erlangten Erzählweise ist enorm. Hinterher fragt man sich fast schon, was einen an diesem Minimum tatsächlicher Geschichte derart gereizt hat, doch dann würde man all die unscheinbaren (cineastischen) Trümpfe ignorieren und sich nur auf den eigentlich erzählten roten Faden konzentrieren, und das wäre so unsinnig wie unfair, lebt "Fitzcarraldo" doch nur bedingt von einer klassischen Geschichte, als viel mehr vom Weg zum Ziel, mit überraschendem Schluss versehen. Die Aufmerksamkeit und das Mitdenken während dieses intellektuellen Abenteuers wird vom Zuschauer vorausgesetzt, zumal das Werk nie Urteile über irgendwen oder irgendetwas ablegt. Was man sieht, hat man selbst einzuordnen. Dementsprechend werden auch undeutlich beigemischte Informationen nicht mit zusätzlicher Hilfestellung erklärt. "Fitzcarraldo" ist ein Werk für mündige Zuschauer. Alles andere würde auch seiner Ehrfurcht vor der Schönheit, den Kulturen und den Errungenschaften dieser Welt widersprechen. OFDb
19.08.2018
LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG (1968)
"Leichen pflastern seinen Weg" ist mehr als eine simple Rachegeschichte, wie es sie im Genre des Westerns zuhauf gibt. Corbuccis Werk ist ein politisches Statement früherer Missstände im Westen Amerikas, zu einer Zeit spielend als Gesetz und Unrecht verdreht schienen, Kopfgeldjäger im Namen des Gesetzes Massaker anrichteten und dabei oftmals schlimmer vorgingen als die gesuchten Menschen. Mögen Letztgenannte im hier besprochenen Film auch etwas zu sehr die Opferrolle zugespielt bekommen (immerhin ist immer wieder von unschuldig verurteilten Menschen die Rede), so wird doch trotz dieser extremen Gut- Bösetrennung die Thematik treffsicher eingefangen, u.a. auch weil verzweifelte Situationen zu verzweifelten Taten führen, und der Kampf um Gerechtigkeit nur auf ungerechtem Wege zu erkämpfen zu sein scheint. Frei von Sünde ist in dieser Geschichte niemand, dementsprechend kommt das recht blutig ausgefallene Werk ohne nervige Moral daher, auch wenn es Stellung zur zentralen Thematik bezieht. Diese Haltung weiß inmitten einer hervorragenden Inszenierung zu gefallen.
Freilich ist Klaus Kinski in der Rolle des entscheidenden Bösewichts eine vortreffliche Wahl und ist somit einer der Pluspunkte von "Il grande silenzio" (Alternativtitel). Aber er stemmt den Film nicht hauptsächlich allein, wie so manches Mal in seiner Karriere. Tatsächlich wurde er diesmal für eine anspruchsvoll angegangene Produktion engagiert, welche uns Ennio Morricone für die Musik zu bieten weiß und einen Kameramann der die Poesie der Gewalt in edle Bilder zu kleiden weiß. Hilfreich steht ihm die schneeweiße Kulisse zur Verfügung, durch die sich der Western allein schon optisch von anderen Genrebeiträgen unterscheidet. Das Fallen der Schneeflocken passt zu manch sinnlichem Moment des Stoffes, auch zur immer wieder aufblitzenden Romantik des Morbiden, während der gnadenlos hoch gewachsene Schnee wie ein Sadist wirkt, der hoch unangenehme Situationen noch unangenehmer macht. Pferde kommen kaum noch durch, Menschen frieren, man bekommt als Zuschauer das Gefühl die Kälte würde gegen das eigene Gesicht peitschen, so sehr wissen die authentischen Schneeaufnahmen zu wirken.
Sergio Corbucci, der sich zwei Jahre zuvor mit dem legendären "Django" einen Namen gemacht hat und später eher zweitklassige Beiträge der Bud Spencer und Terence Hill-Welle ablieferte ("Zwei sind nicht zu bremsen", "Zwei Asse trumpfen auf", "Der Supercop"), liefert hier alles andere als austauschbare Routine ab. Recht trocken inszeniert schaukelt sich die geladene Atmosphäre immer weiter hoch, mit einem diabolisch grinsenden Bösewicht mitten im Geschehen, einem handzahmen Charmeur von Sheriff und einem stillen Helden, dem man seine harten, wie sanften Momente gleichermaßen mimisch abkauft, so sehr wie hinter dem schmuddeligen Drei-Tage-Bart ein zartes Gesicht steckt.
Zunächst wie eine klassische, zwielichtige Heldengeschichte aufgebaut, entpuppt sich "The Big Silence" (Alternativtitel) als weitaus düsterer als es zunächst scheint. Spätestens der Schluss wird in seiner Konsequenz überraschen und spielt gekonnt mit den Klischees, die der Zuschauer herangezüchtet erwartet. Mag die Mentalität auch manches Mal schlicht erscheinen, gerade im Originalton wenn auf italienisch heftig ungebildet geflucht wird und ständig Blut mit Blut vergolten werden soll, so schlicht wie es manchmal scheint ist "Leichen pflastern seinen Weg" dann doch nicht ausgefallen. Und es ist sicher Auslegungssache ob der erste Eindruck eine beabsichtigte Täuschung ist, oder der beeindruckende Stil des Films letztendlich derartige Schwachstellen wieder verzeihbar, ja geradezu leicht vergessen, macht. Denn am Ende bleibt zu sagen: "The Great Silence" (Alternativtitel) ist wahrlich ein sehenswertes Werk. OFDb
15.10.2017
SCHIZOID (1980)
Es ist schade, dass man ziemlich zu Beginn den behaarten Arm des Killers sehen kann, werden doch somit von Anfang an die weiblichen Figuren des Filmes ausgeschlossen beim heiteren Mörderraten verdächtig sein zu dürfen, was „Schizoid“ einige Möglichkeiten beraubt, so potentiell verdächtig hier gar mehr als eine Frau erscheint. Gerade die Tochter des von Klaus Kinski gespielten Psychiaters bot theoretisch gesehen viel Spielraum zur Spekulation, so dass es schade ist so früh auf das Geschlecht des Täters hingewiesen zu werden, wenn auch scheinbar nicht beabsichtigt, so verdächtig wie man die Tochter gerade zum Finale hin in Szene setzt.
Wie auch immer, „Murder by Mail“ (Alternativtitel) ist ein netter kleiner Thriller für zwischendurch, der mittendrin immer wieder kleine Horrorelemente durchblitzen lässt. Diese kommen nicht, wie man aufgrund der Tatwaffe und der Art der Opfer vermuten könnte, auf Giallo-Art daher, sondern nehmen eher etwas von der ein Jahr später aufkommenden Slasher-Welle vorweg, die sich in der Regel jedoch mehr für jugendliche Protagonisten interessierte, wohingegen die Psychiatertochter im hier besprochenen Film die einzig junge Besetzung bleibt. Für beide verwandte Bereiche ist „Schizoid“ zu blutleer ausgefallen. Selbst dann wenn die Schere nach einem ersten Einstich zum zweiten Mal ansetzt gibt es keine blutige Klinge zu sehen. David Paulsens Werk ist diesbezüglich recht zahm ausgefallen.
Andererseits sind die Mordsequenzen recht düster und zumindest angedeutet brutal inszeniert. Allerdings sieht man den Szenen an, dass man sich eher an Hitchcocks „Psycho“ orientieren wollte, anstatt an den härteren Gangarten des Genres, die in Amerika zur Entstehungszeit des Streifens so langsam aufkamen. Trotzdem trumpft „Schizoid“ gerade in jenem Bereich, der eher Hitchcock-untypisch ist, und das ist der dreckige Look in den er gehalten wurde, der wiederum geradezu typisch für die damalige Kinophase war. Die Straßen sind dreckig. Die meisten Szenen spielen bei Nacht, dabei gerne in Dunkelheit und in abgelegenen Ecken der Stadt. Zusammen mit den atmosphärisch ausgefallenen Mordsequenzen weiß somit zumindest der Killerbereich des Streifens bereits zu gefallen.
Zunächst bietet „Schizoid“ gar mehr, fallen doch die Figuren glücklicher Weise interessant genug aus, um auch außerhalb der Killersequenzen interessante Szenarien mitzuerleben. Trotzdem bleibt das Ergebnis des fertigen Filmes stets nur ganz nett, strampelt er sich doch umsonst darin ab verschiedene Fährten zu legen, schließlich ist dem Kenner des Genres der Täter früh klar, so verdächtig wie die anderen beiden möglichen männlichen Täter agieren. Gegen Ende verlässt „Schizoid“ gar seine dreckige, leicht Horror-orientierte Art und wandelt sich inhaltlich eher in einen gewöhnlichen Thriller, wenn auch nicht ohne routiniert funktionierenden Spannungsbogen versehen.
Sicherlich wäre mehr drin gewesen, aber „Schizoid“ ist zumindest für ein einmaliges Gucken brauchbar ausgefallen, gefällt darin in nebensächlichen Szenen mit dem Zuschauer und den Figuren zu spielen, z.B. bei der Frage ob der Psychiater seine nackte, duschende Tochter aus besorgten oder aus lüsternen Gründen beobachtet. Das sind Spielereien am Rande, welche das etwas zu vorhersehbare restliche Geschehen zumindest ein wenig aufzuwerten wissen. Bewunderer Kinskis sollten ruhig einen Blick riskieren, Paulsens Werk ist zumindest keiner dieser Blender, welche nur vorgeben Kinski in einer großen Rolle zu enthalten. Der wahre Star des Streifens ist jedoch Donna Wilkes als Psychiatertochter, die mit vollem Körpereinsatz aus ihrer Rolle mehr herauszuholen weiß als es manch anderer Jungdarsteller geschafft hätte. Kürzlich spielte sie nach langer Filmabstinenz in der Horrorgurke „90210 Shark Attack in Beverly Hills“ mit, wahrscheinlich weil sie zwei Jahre vor „Schizoid“ in „Der weiße Hai 2“ Teil der Besetzung war. OFDb
22.07.2017
GERN HAB' ICH DIE FRAUEN GEKILLT (1966)
„Gern hab‘ ich die Frauen gekillt“, wie könnte man diesen Titel nicht mögen? Und nicht nur er und sein Entstehungsjahrzehnt machten neugierig auf mehr, auch die Aufzählung der in ihr agierenden Stars von einst ließ die Erwartungshaltung wachsen. Klaus Kinski, Karin Dor, Lex Barker, um nur einmal ein paar zu nennen, nehmen in teils größeren, teils kleineren Rollen an dem bunten Treiben des Streifens teil, der sich zu meinem Bedauern jedoch als Episodenfilm entpuppte. Stammleser wissen wie schwer ich mich mit dem Aneinanderreihen von Kurzfilmen getarnt als Langfilm tue, zumal meist keine der Geschichten dieses Formats sein volles Potential auszuschöpfen weiß - und so war es dann auch in diesem Stück cineastischer Vergangenheit.
Wie so oft bei dieser Gattung Film werden die zusammenhanglosen Geschichten durch eine dünne Rahmenhandlung zusammen gehalten, und diese enttarnt ihren Sinn erst am Ende mittels einer Schluss-Pointe, welche den erzählten Geschichten doch noch einen dünnen Zusammenhang beschert. Aber viel gehaltvoller als die dämliche Idee, dass eine Geisel seinem Geiselnehmer drei Geschichten erzählt, ist auch diese nicht ausgefallen. Dass „Karneval der Killer“ (Alternativtitel) mir nicht so gut gefallen hat ist nicht nur zu bedauern da eine kunterbunte Schar Stars mitspielte, es ist auch schade um manch sympathische Idee, die durchaus ihren Reiz für mehr geboten hätte.
So wird die zweite Episode offensichtlich humoristisch erzählt, u.a. in dem man den sie unterstützenden Off-Kommentar dafür nutzt eine Art Lehrbuch der Agentenrichtlinien vorzutragen. Sätze wie „Agentenbosse irren sich nie“ verfehlen in übertrieben selbstsicherer Betonung nicht ihre Wirkung, die dazu gehörende Bilduntermalung stärkt ihre Pointensetzung dabei meist. Die Geschichte dazu fällt eher blass und routiniert aus, leider weiß die witzige Untermalung sie nicht komplett zu stützen. Episode 1 ist ähnlich inhaltsleer ausgefallen, unterhält dafür von allen drei Episoden jedoch am besten, was hauptsächlich daran liegt, dass der Humor hier weitaus subtiler eingestreut wird. Manch einer mag sich täuschen und glauben eine ernst gemeinte Kriminalgeschichte mitzuerleben. Stattdessen amüsiert sich der Autor über die Stereotype des aalglatten Kinohelden, den Stewart Grenger gekonnt souverän, und doch überspitzt, zu spielen weiß.
Tiefpunkt des Filmes ist schließlich die mit Lex Barker in der Hauptrolle so müde erzählte Geschichte eines Detektivs, der nach diversen Frauenmorden versucht das Leben des Präsidenten zu retten. Von Humor fehlte hier jede Spur, oder ich war mittlerweile zu unaufmerksam ihn zu bemerken, auf jeden Fall dümpelt Geschichte 3 müde vor sich hin, arbeitet dabei erneut nur Klischees ab, was ohne funktionierenden Humor diesmal nicht einmal aufgrund der 60er Jahre-Stimmung des Streifens Freude bereitet. „Gern hab‘ ich die Frau‘n gekillt“ (Alternativtitel) ist in seiner Absicht eigentlich durchaus sympathisch zu nennen, in seiner Umsetzung ist er jedoch zu arg oberflächlich und routiniert erzählt, als dass er mir wirklich hätte gefallen können. Sein mageres Ergebnis mag manch anderer aufgrund anderer versteckter Stärken aufgewertet sehen, ich habe für mich jedoch nicht viele weitere als die hier benannten entdecken können. OFDb
Kategorien:
1960-1969,
Action,
annehmbar,
Episodenfilm,
Filmbesprechung,
Frankreich,
Italien,
Karin Dor,
Klaus Kinski,
Komödie,
Kriminalfilm,
Lex Barker,
Österreich,
Pierre Brice
23.04.2017
ZWEI DURCH DICK UND DÜNN (1974)
Ich hatte meinen Spaß mit dem eher tolpatschig umgesetzten, aber äußerst charmanten Versuch mit „Karate Jack“ die Genres Eastern und Western zu vereinen. Dementsprechend war ich erfreut zu lesen, dass es eine Fortsetzung gibt. Leider hatten die Produzenten mit „Zwei durch dick und dünn“ andere Pläne als mit dem Original, denn der deutsche Titel sollte sich nicht nur wie ein Bud Spencer/Terence Hill-Film anhören, man versuchte mit diesem Projekt tatsächlich an den Erfolgen des schlagfreudigen Duos anzuknüpfen, welches zu Beginn seiner Erfolgswelle in Spaß-Western unterwegs war. „Karate Jack“ war mit seinem anderen Genre-Mix als Alternative zur Western-Komödie gedacht und gewann lediglich durch die deutsche Synchronisation ein wenig an Humor. Eine leichte Verwandschaft zu den Spencer/Hill-Filmen war aber tatsächlich dort bereits erkennbar.
Das Einstreuen so ziemlich jeden Eastern-Klischees ließ den Vorgänger jedoch trotzdem anders wirken. Seine unbeholfene Art, das scheinbare Fehlen einer zu erzählenden Geschichte und die Besetzung des so gar nicht wirksamen Chen Lee machten aus dem Film etwas Besonderes. Er war zu charmant um ihn wirklich als missglückt zu bezeichnen und zu wackelig angegangen um ihn wirklich ernst nehmen zu können.
Die unter Regisseur Bitto Albertini entstandene Fortsetzung ist hingegen ein Formelprodukt, eine von Produzenten durchdachte Marketing-Idee zu einer Zeit, in welcher es noch nicht bewiesen war, dass man das Konzept der Spencer/Hill-Komödien nicht einfach mit ähnlichen Hauptfiguren kopieren kann. Auch Werke wie „Vier Fäuste schlagen wieder zu“ und „Vier Fäuste und ein heißer Ofen“ versuchten sich an einer solchen Kopie, dies sogar noch direkter angeknüpft als der hier besprochene Streifen, nach diesen missglückten Gehversuchen war man jedoch schlauer und ließ es bleiben die beiden beliebten Haudegen ersetzen zu wollen.
Anbei wurde Shanghai Joe für die Fortsetzung ebenfalls ausgetauscht. Statt Chen Lee agiert nun Chen Lie, klingt gleich, liest sich anders - aber vor allen Dingen schaut er sich auch anders, denn nun ist Shanghai Joe professioneller besetzt, was den Reiz dieser Figur im Wilden Westen mindert. Mit ernsterer Mine als sein Vorgänger agierend, obwohl die Fortsetzung im Gegensatz zu Teil 1 eine Komödie sein soll, besitzt er nicht mehr den Charme des Original Shanghai Joes, auch wenn die Neubesetzung definitiv besser kämpfen kann.
Leider ertönt aber auch mit jedem Kampf des Helden ein eigens für ihn komponiertes Shanghai Joe-Lied, deutlich orientiert an den Soundtracks der Spencer/Hill-Filme, aber eben leider so gar nicht passen wollend in einen schundigen Karatefilm, der im Wilden Westen spielt. Nicht nur dass die Fortsetzung dadurch um den flotten Soundtrack des Originals beraubt wurde (welches Caiano damals einfach von einem seiner früheren Filme übernahm), die Erkenntnis, dass eine musikalische Untermalung während der Kampfszenen diesen die Atmosphäre raubt, ging ebenfalls verloren.
So schaut sich „Return of Shanghai Joe“ (Alternativtitel) arg bemüht und leider auch anstrengend für den Zuschauer, der weder einen kurzweiligen Spencer/Hill-Klon vorgesetzt bekommt, noch solch unbeholfenen Spaß wie „Karate Jack“. Es wird diesmal eine echte Geschichte erzählt, die andererseits wiederum ziemlich uninspiriert ausgefallen ist. Und als Pluspunkt hat man Klaus Kinski diesmal für eine größere Rolle gewinnen können. Aber was nutzt dies, wenn das Endprodukt in seiner zu konstruierten Art lediglich langweilt, eben weil sie die Leichtfertigkeit eines funktionierenden Trivialproduktes vermissen lässt? Wer auch immer auf die Idee kam der Reihe ein neues Etikett aufkleben zu müssen, er wurde mit dieser Schnapsidee zumindest nicht belohnt, denn eine weitere Geschichte um Shanghai Joe ist nicht mehr entstanden. Zu wissen, dass dieses Produzentendenken nicht gefruchtet hat, beschert mir zumindest eine innere Zufriedenheit und somit eine Art Trostpreis nach dem Sichten eines missglückten Filmes. OFDb
17.04.2017
KARATE JACK - ICH BIN EUER HENKER (1972)
Die gewagt klingende Idee eines Mixes aus den Genres Western und Eastern, umgesetzt in Italien, klang zwar reizvoll, aber dass „Karate Jack - Ich bin euer Henker“ tatsächlich unterhaltsam ausfällt, hätte ich nicht gedacht. Dementsprechend positiv überrascht wurde ich von einem Film, den man aufgrund seiner Schlichtheit und Banalität nie wirklich weiter empfehlen würde, der andererseits aber auch genau weiß was er eigentlich will und was er ist.
Die Geschichte geht eher episodenhaft vonstatten, ist Karate Jack doch unbesiegbar mit seinen ominösen Kampftechniken, die jegliches physikalische Gesetz außer Kraft setzen, und dementsprechend humoristisch guckt sich das gar nicht als Komödie ausgelegte Werk. Von unfreiwilliger Komik zu sprechen, würde die Verantwortlichen des Streifens dümmer aussehen lassen als sie es waren, ist der ironische Umgang im Spiel mit den Klischees beider Genres doch nicht zu übersehen, so dass der nach Außen ernste Plot recht augenzwinkernd erzählt ist.
Die Figur des Karate Jack ist klassisch demütig dargestellt. Er kämpft nur wenn es sein muss. Gutes wird mit Gutem vergolten, Schlechtes mit Schlechtem, und in seinem Reisesack trägt der Held allerhand Heilmittelchen, Teekräuter und anderweitige Mysterien Asiens mit sich herum. So freiwillig übertrieben, und damit unsinnig, wie „Der Mann mit der Kugelpeitsche“ (Alternativtitel) erzählt ist, in der ungekürzten Fassung schaut er sich zumindest ein wenig sinnvoller als in der damaligen deutschen Version, welche sowohl den Rückblick auf Jacks Ausbildung ausblendete, als auch den darauf aufbauenden Dialog im Endkampf gegen wen Ebenbürtiges.
Doch so weise und demütig Jack auch auftritt, immer wieder erfährt sein Tun aufgrund der Extreme der Inszenierung Widersprüche. Da reißt der gute Mann seinem Gegner völlig unnötig Augäpfel heraus, oder schickt seinem Erzgegner den abgeschnittenen Schopf eines Auftragskillers als Botschaft. Da man „Knochenbrecher im Wilden Westen“ (Alternativtitel) nicht als ernste Angelegenheit guckt, ist das aber nicht nur egal, es steigert den pulpigen Charme eines ungewöhnlichen und sympathischen Filmes.
Wer aufgrund der Werbeplakate und Mediencovers in Deutschland und im Ausland glaubt Klaus Kinski hätte tatsächlich eine größere Rolle ergattert, den muss ich enttäuschen. Klaus, ebenfalls mit dem Namen Jack beschenkt, kommt nach etwa einer Stunde für einen Auftritt weit unter zehn Minuten in „Karate Jack - Ich bin euer Richter“ (Alternativtitel) vor, und dieser gehört auch nicht gerade zu seinen großen Leistungen. Andererseits habe ich Kinski selten freiwillig so augenzwinkernd agieren sehen wie hier geschehen. Fast schon neigt seine Darbietung zur Albernheit.
Zum Ende hin wird Karate Jack als eine Art Lucky Luke dargestellt, der weiter reiten muss, um dort tätig zu werden, wo Menschen Hilfe benötigen. Dafür lässt er sogar seine große Liebe sitzen, ein weiterer Beweis dafür wie ethisch wundervoll der angeblich hochgradig ehrbare Mann agiert. Dass seine Aufgabe eigentlich gar nicht erfüllt ist, Menschen also weiterhin versklavt werden und weiterhin ein Kopfgeld auf Karate Jacks Kopf ausgesetzt ist, interessierte die Verantwortlichen von „Mein Name ist Karate Jack“ (Alternativtitel) nicht, die haben einen derart episodenhaften Flickenteppich abgeliefert, dass es ihnen egal ist, dass der Hauptgegner überhaupt nicht besiegt wurde.
Letztendlich ist es egal, eben weil „Shanghai Joe“ (Alternativtitel) nur als spaßiger Nonsens funktioniert, auch wenn man ihm in der Ausnahme manch gut inszenierte Szene zugestehen kann, in welcher dann auch die Kameraperspektiven etwas einfallsreicher ausfallen als im Restfilm. Es hat zwar tatsächlich mit „Zwei durch dick und dünn“ eine Fortsetzung gegeben, ob es darin aber tatsächlich noch um den Erzgegner aus Teil 1 geht, kann man wohl anzweifeln, ist aber auch egal, denn nach dem überraschend positiven Ergebnis des hier besprochenen Streifens bin ich so oder so neugierig auf Teil 2 und freue mich schon auf den Moment, wenn er sich in meinem Besitz befindet. OFDb
12.03.2017
DIE TOTEN AUGEN VON LONDON (1961)
Alfred Vohrers früher Beitrag der lang laufenden Rialto-Wallace-Reihe ist bereits ein Liebhaberstück. Zwischen düsteren und heiteren Momenten schwankend, ohne dabei unausgegoren zu wirken, bietet er verschiedenste Unterhaltungswerte, die von einer Gruppe sympathischer, wie talentierter Schauspieler unterstützt wird. Fuchsberger agiert locker, dies aber noch nicht überzogen (was auch für sein Flirten mit der weiblichen Hauptrolle gilt), Arent sorgt für die Erheiterung am Rande, Kinski spielt großartig wie eh und je, und jede Menge anderweitige Figuren, von Flimmer Fred bis hin zum blinden Jack, machen aus „Die toten Augen von London“, der bereits 1939 in England als „Der Würger von London“ mit Bela Lugosi besetzt verfilmt wurde, ein Seherlebnis für Freunde nostalgischer Stoffe.
Vielleicht ist das Rätselraten nicht ganz so groß ausgefallen wie bei manch anderem Wallace-Beitrag, bis auf eine vorhersehbare Überraschung am Schluss ist eigentlich von Anfang an klar wer hier alles einen Schurken mimen darf, aber um das klassische Mörderraten geht es hier ohnehin nur am Rande, ist Vohrer doch viel eher darum bemüht mit „Dark Eyes of London“ (Alternativtitel) eine aufregende Umsetzung zu gestalten, sprich eine ereignisreiche, bei der man nie weiß was im nächsten Moment passieren wird. Das Finale, in welchem sich Karin Baal in einem großen Wasserbehälter eingeschlossen befindet ist legendär, ständig ist man Zeuge von Mordversuchen und gelungenen Attacken diesbezüglich, Vohrer lässt einem kaum Luft zum Atmen, vergisst aber auch die ruhigen Suspense-Momente nicht, die er gekonnt einzustreuen vermag, ohne den Film an diesen Stellen gedrosselt wirken zu lassen.
Die kleinen Spinnereien am Rande, die Vohrer so liebt einzubauen, finden auch in diesem humorärmeren Werk seinen Platz. So zeigt uns der Regisseur beispielsweise einen skurrilen Zigarettenaufbewahrungsort innerhalb eines künstlichen Totenschädels, um uns per Schnitt direkt im Anschluss einen schwarzen, ausgestopften Vogel sehen und hören zu lassen, dessen Augen elektronisch leuchten können. Auch der in einem späteren Werk noch einmal eingefangene Blick aus der Kehle eines der Darsteller heraus, findet bereits hier seinen ersten Einsatz.
Vohrer selbst verfilmte den hier besprochenen Streifen nur sieben Jahre später in der Buntphase der Rialto-Wallace-Reihe mit „Der Gorilla von Soho“ noch einmal neu, und schaut man sich einmal die starke, künstliche Behaarung an den Armen und an den Händen des blinden Jack an, so darf man doch behaupten dass der weitere Schritt zum Gorilla fast schon naheliegend war, zumindest in der grotesken Welt des Alfred Vohrer. An die Schwarz/Weiß-Version weiß dieser ebenso wenig heranzukommen wie der in den 90er Jahren umgesetzte TV-Film „Das Haus der toten Augen“, in welchem Eddi Arent erneut involviert war - sichtlich gealtert, diesmal den Sir John spielend.
„Geheimnis von London“ (Alternativtitel) ist einer der frühen Höhepunkte der ohnehin großartig ausgefallenen frühen Phase der Wallace-Reihe (wir befinden uns im dritten Jahr und im gerade einmal fünften Beitrag der Serie) und bereitet mit seinen düsteren Aufnahmen, gemixt mit grotesken Ideen und dem Blick in die toten Kontaktlinsen der Blinden (während einer der Sehenden als einziger eine dunkle Sonnenbrille tragen darf) auch bei der x-ten Sichtung noch genügend Freude um ins Schwärmen zu geraten. Einzig der Soundtrack ist ein wenig müde ausgefallen. OFDb
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11.03.2017
DAS RÄTSEL DER ROTEN ORCHIDEE (1962)
Eddi Arent mimt den Butler, Klaus Kinski wen Zwielichtiges, Gut und Böse sind klar getrennt. Scotland Yard ermittelt. Der Kommissar flirtet mit einer in den Fall involvierten Frau. Was nach einem typischen Wallace klingt, ist außerhalb der aufgezählten Parallelen jedoch ein sehr anders gerateter Film innerhalb der Rialto-Wallace-Reihe, besitzt Helmut Ashleys Werk doch eine eigene Handschrift, angefangen bei den professioneller eingefangenen Schwarz/Weiß-Fotografien, weitergeführt mit einer wesentlich durchdachteren Geschichte als üblich und abgerundet durch kleine Gimmicks, die sich perfekt in die Geschichte einfügen anstatt lediglich bereichernde Fremdkörper zu sein.
Das zeigt sich hauptsächlich in der Rolle Eddi Arents als Todesbutler, dessen Running Gag eine Entwicklung durchmacht, bishin zur augenzwinkernden, ans Publikum gerichteten Schlusspointe. Arent spielt mit sichtlicher Freude, und dieser so wundervoll in die Geschichte integrierte Part gehört wahrlich zu den besten Auftritten Arents, zumal diesmal jeglicher Witz zu gefallen weiß. Diesbezüglich ist Arent diesmal der einsame Einsatz des Streifens, ist der Rest von „The Puzzle of the Red Orchid“ (Alternativtitel) doch um Ernsthaftigkeit bemüht, was Ashley auch blendend meistert. Man ist sowohl mittendrin in den polizeilischen Ermittlungen, als auch in den Aktionen und dem Krieg der beiden Verbrecherbanden. Damit schafft es der Stoff über seine kurze Laufzeit von 81 Minuten interessant zu bleiben, während gut gezeichnete Charaktere dafür sorgen, dass es trotzdem Identifikationsfiguren gibt, die das Geschehen nicht einzig theoretisch erscheinen lassen.
Eine ungewohnt maskulin agierende und so gar nicht püppchenhaft aussehende weibliche Hauptrolle sorgt für die nötige Abwechslung und erfüllt zum Vorteil so gar nicht die Nische der zu rettenden, zierlichen Person. Ihre beiden Bewunderer, der Ermittler Scotland Yards und der Orchideen-Züchter aus dem Amazonas, den man viel früher als Übeltäter vermutet als es dem Drehbuch lieb wäre, ähneln sich vom Typ her, was sowohl die Konkurrenz zur Frau, als auch die gegenteilige Position zum Kriminalfall interessant gestaltet. Und wenn mittendrin noch Christopher Lee mit amerikanischen Polizeimethoden agiert, gibt es eigentlich keine offenen Wünsche mehr.
„Das Rätsel der roten Orchidee“ ist ein angenehm anders gearteter Wallace-Film, der von Anfang an Neugierde weckt und in seiner lockeren, wie trotzdem ernsten Atmosphäre zu gefallen weiß. Kinski rückt diesmal etwas mehr in den Fokus, Arent fügt sich wie erwähnt ein, und der Kriminalfall bietet die ein oder andere Überraschung am Rande, während er trotz des Elementes, amerikanische Bandenkriege in London stattfinden zu lassen, erstaunlich bodenständig erzählt ist. Ashley spielt nicht mit schrägen Ideen wie es typisch für Alfred Vohrer wäre, und das Ergebnis gibt Ashley recht, so sehr ich Vohrers Werke auch achte. OFDb
05.03.2017
DIE TÜR MIT DEN SIEBEN SCHLÖSSERN (1962)
In dem relativ frühen Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe findet noch einiges anders statt als man es später mit dem Wachsen von Standards innerhalb der Serie gewohnt ist. So ermittelt Heinz Drache noch weit weniger konservativ und bekommt sogar eine erheiternde Note zu seinem Charakter zugeschrieben, wenn der Kommissar ständig nebenbei Zaubertricks zelebriert, sehr zum Neid seines tolpatschigen Assistenten Holms (!!!), gespielt von Eddi Arent. Auch die Inszenierung Alfred Vohrers kommt noch reichlich unverspielt daher und beschränkt sich auf einige wenige Gimmicks, wie seiner auch aus späteren Beiträgen bekannte optische Spielerei mit Lupen.
Zumindest das versteckte Maschinengewehr in einer Armprotese braucht sich nicht vor ähnlichen Spielereien, wie dem mit Waffen versehenen Rollstuhl in „Wartezimmer zum Jenseits“ (kein Wallace, aber ein Vohrer), verstecken. Aber da befinden wir uns schon am Ende des Streifens, und dies ist weit schräger ausgefallen als der komplette Restfilm, gesellen sich nun zu den Krimielementen mit der Anwesenheit eines verrückten Wissenschaftlers doch auch Elemente der Science Fiction hinzu, auch wenn man nie so ganz erklärt bekommt, welch ungewöhnliche Experimente der Durchgeknallte da eigentlich durchführt.
Zu gefallen weiß genau in diesem Punkt die verspielte Art des Streifens. Nicht nur dass im Geheimversteck des Mad Scientist Reagenzgläser und ähnliches geheimnisvoll wirkend vor sich hinkochen, immerhin an einem Ort an dem der Irre auch Gefangene nimmt, auch das Halten eines Gorillas in einer der Zellen sorgt für schräge Ambiente. Wenn der Gefangenen dann auch noch die Flucht gelingen kann, weil der Geisteskranke sein Ego gerade streichelt, indem er seinem Opfer erklärt wie genial er sich selber findet, dann haben wir endgültig den augenzwinkernden Bereich der Darstellung eines geistig entrückten Wissenschaftlers erreicht, das nur noch dadurch getoppt wird, dass der verrückte Mensch schließlich dadurch gestoppt werden kann, dass er mit der Tatsache konfrontiert wird, gar kein Wissenschaftler zu sein. Vohrer versteht es einen Wahnsinnigen wirklich verrückt erscheinen zu lassen.
In dem ansonsten relativ gewöhnlich laufenden Kriminalfall taucht als ungewöhnliches Element sonst noch ein monströser Glatzkopf auf, der eher wie ein Monster als wie ein Mensch agiert (was herrlich bescheuert kurz vor dem Finale erklärt wird). Obwohl mit Schürenberg, Arent und Drache auch humoristische Elemente mit ins Geschehen treten und mit besagter Wissenschaftsthematik auch augenzwinkernde, kann man „Die Tür mit den sieben Schlössern“ nicht wirklich als Krimi-Komödie bezeichnen. Das macht die trottelige Art mit welcher das kriminelle Ehepaar vorgeht, von welchem Werner Peters den männlichen Part übernimmt, um so merkwürdiger, ist deren tolpatschiges Verhalten doch ebenfalls maximal augenzwinkernd gemeint.
Wie auch immer, „The Door with Seven Locks“ (Alternativtitel) weiß als sympathisches Produkt seiner Reihe zu funktionieren, ohne dass Vohrers Beitrag ein früher Höhepunkt wäre. Etwas enttäuscht darf man über das frühe Ausscheiden Klaus Kinskis Rolle sein, zumal er mal wieder bravourös spielt. Die Geschichte selbst verläuft für solch ein simples Geschehen ziemlich wackelig, allein wie die weibliche Hauptrolle in das Geschehen integriert wird, und mit welchen Methoden die Verbrecher vorgehen, ist völlig unsinniger Natur, wird in einem verspielten Wallace-Krimi aber freilich nicht hinterfragt, da es zu den üblichen Spinnereien der Reihe gehört, die man als Fan nicht missen möchte. „Die Tür mit den 7 Schlössern“ (Alternativtitel) ist somit solide Routinekost innerhalb der Reihe, was doch ein passables Ergebnis für einen solch unbekannten Film innerhalb der Frühphase ist. OFDb
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03.03.2017
DAS GASTHAUS AN DER THEMSE (1962)
„Das Gasthaus an der Themse“ ist ein kleines Liebhaberstück aus der Schwarz/Weiß-Phase der Wallace-Reihe aus den Rialto-Studios. Von dem Aufhänger um einen tauchenden Mörder einmal abgesehen, wohnen wir hier einem sehr klassischen Fall bei, einem bei dem es eigentlich nur einen naheliegenden Verdächtigen gibt, welcher der Hai sein kann. Aber das Mörderraten ist in einem Wallacefilm nicht alles, so wie der hier besprochene Streifen zeigt, und wenn man zudem noch einen Beitrag dieser Serie inszeniert von Alfred Vohrer beiwohnen darf, dann weiß man, dass es noch genügend weitere Gründe gibt warum ein Kriminalfilm trotz nicht überraschender Täteraufdeckung ein überdurchschnittlicher Genre-Beitrag sein kann.
Vohrers optische Spielereien fallen weitaus subtiler aus, als das wofür er im Laufe der Reihe noch berüchtigt werden sollte, aufgrund dessen gehören sie jedoch auch zu den Qualitäten des Streifens und nicht zu den kleinen Gimmicks am Rande. Wie verspielt Vohrer die Kamera Spiegel, Luftblasen im Wasser und Lupen einfangen lässt, besitzt nicht nur Reiz, sondern beschert dem Film mitunter auch seine Atmosphäre. Auch die zunächst weniger auffallenden Bilder sind alle sehr hübsch fotografiert, und so manche Einstellung mit Licht, Schatten und Dunkelheit weiß auch im Bewusstsein der weniger auf so etwas achtenden Zuschauer zu gefallen.
Recht schnell steigt man in das eher schlichte, wenn auch reißerisch eingefangene, Szenario ein. Wenn Elisabeth Flickenschildt ziemlich zu Anfang ein Lied in einer üblen Spelunke vortragen darf, dann erkennt man bereits welch besonderem Werk man beiwohnt, weiß sie doch in ihrer Interpretation des Liedes den Zuschauer an ihre Lippen zu binden, so fesselnd wie sie das augenzwinkernde Lied vorträgt. Es begegnet einem zudem als mit witzigen Geräuschen angereichtertes Titellied in Intrumental und im Hintergrund im Film ertönend von einem Akkordeon gespielt.
Die Hintergründe der zunächst nicht durchschaubaren Verbrechen sind verworren wie eh und je in einem Wallace-Film, im Vergleich zu manch anderem Werk der Reihe aber nachvollziehbar. Als Zuschauer darf man immer den Überblick behalten, auch wenn man manche Information erst spät erhält. Gekonnt inszenierte Wasseraufnahmen, deren Tempo weit besser ausgefallen sind als im James Bond-Film „Feuerball“, sorgen für aufregende Ausnahme-Momente der Reihe, während oberhalb des Wassers gekonnt routiniert vorgegangen wird.
Eddi Arents Part mag etwas zu krampfhaft ins Geschehen eingebaut sein, dennoch ist er, wie man es von diesem Mann gewohnt ist, mit dem nötigen Charme verkörpert. Fuchsberger weiß als taffer Ermittler zu gefallen, der sich diesmal weit weniger plump in die (eigentlich minderjährige) weibliche Zielperson verlieben darf. Kinski spielt gekonnt skurril, und auch wenn es nicht sein Zutun ist, so hält das Drehbuch doch was seine Rolle betrifft eine unerwartete Überraschung bereit. Siegfried Schürenberg wird als Sir John diesmal sehr klein gehalten, weiß seine Rolle aber wie gewohnt gekonnt zu verkörpern, und Elisabeth Flickenschildt weiß ihre Mimik für eine Schurkenrolle perfekt einzusetzen. Ohnehin ist jeder offensichtliche Kriminell wunderbar schurkisch besetzt.
„The Inn on the River“ (Alternativtitel) mag man aufgrund seiner zwielichten Personen, aufgrund des klassischen Einhaltens von Gut und Böse und aufgrund seiner professionellen Umsetzung, in welche sich nur wenige, kaum bedeutende Inszenierungsfehler eingeschlichen haben. Der Hai mag nicht der aufregendste Oberverbrecher des Wallace-Universums sein, aber er taucht ohnehin in einer Geschichte auf, die nicht sonderlich innovativ eingefangen ist. „Das Gasthaus an der Themse“ weiß genau deshalb zu gefallen. Anstatt um krampfhafte Innovationen bemüht zu sein, serviert er uns das klassische Krimi-Geschehen hervorragend umgesetzt, dabei nie vergessend, dass es sich bei einem Wallacefilm nie um mehr handelt als um Trivialunterhaltung. OFDb
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OTTO - DIE SERIE (1994)
Nicht nur die halbe Filmwelt war begeistert von Carl Reiners Geniestreich „Tote tragen keine Karos“ mit Steve Martin in der Hauptrolle besetzt. Auch Otto Waalkes sympathisierte mit der dort umgesetzten Idee moderne Schauspieler auf Personen klassischer Filme treffen zu lassen. Inspiriert vom großen Vorbild drehte er über 10 Jahre später „Otto - Die Serie“, ein TV-Produkt, und baute sich in diverse Szenen der Rialto-Wallace-Reihe ein, die mit „Der Frosch mit der Maske“ 1959 ihren Anfang nahm.
Allein dass Otto Waalkes derjenige war, der sich an solch ein Projekt heranwagte, verursacht im Vorfeld bereits Bauchschmerzen, gehört der ostfriesische Komiker doch nicht gerade zu den einfallsreichen Männern seines Fachs. Bereits in Komödien wie „Otto - Der neue Film“ und Co bewies er, dass er sich immer wieder auf alte Lacher verließ, die ihm einst den Ruhm bescherten - und selbst mit denen kann ich wenig bis gar nichts anfangen.
Mit dieser Meinung mag ich vorbelastet sein, aber es tut mir leid, an „Otto - Die Serie“ gibt es nun wirklich nichts schön zu reden. Aus einer sympathisch klingenden Idee wurde ein verflixt mieses Werk. Nicht nur dass mich die typische Otto-Komik in ihrer alten, unkreativen Leier nervte, ihr würdeloser, inflationärer Umgang ließ es erst gar nicht zu, sich unvoreingenommen der innovativ klingenden Idee zu öffnen. Denn wo bleibt auf diese Art der Respekt vor der Vorlage? Otto bezieht sich meist nicht auf irgendwelche Wallace-Themen, er hat nicht vor diese in ihren Stärken oder Schwächen am Schopf zu packen und damit im Kern zu parodieren, nicht einmal in der Ausnahme. Sie dienen einzig der Pointenunterstützung für Ottos Kalauer.
Auch dies ginge noch halbwegs in Ordnung, wenn Mühe hinter dem Projekt zu erkennen wäre. Aber wenn fast jede klassische Szene neu synchronisiert wird, damit sie erst zur Pointenvorlge der Dialoge werden kann, dann ist das schon eine sehr dünne Nummer, die man mit jeder Art Füllstoff hätte umsetzen können. Dann hätte man z.B. nicht Ottos peinlichste Rolle, jene des Baby Otto, ausgerechnet frei jedweder Würde auf Klaus Kinski loslassen müssen, der bereits Probleme mit der Wallace-Reihe selbst hatte, so sehr wie er sich immer als Künstler der Schauspielerei sah. Was würde der sich wütend schnaubend im Grab umdrehen, wenn er sehen müsste, wie nach seinem Tod ehemaliges Filmmaterial dafür hergegeben wird, damit ein peinlich, herumkaspernder Mann in Babyklamotten seine dünnen Witzchen auf seine Kosten reißen kann?
Was lieblos mit jeglicher Neuvertonung der klassischen Wallace-Vorlagen beginnt, zeigt sich ebenso enttäuschend billig umgesetzt in dem Einsatz der Doubels, beispielsweise wenn Schauspieler der Wallace-Reihe mit neuen Personen bei Aufnahmen von hinten ersetzt werden müssen, damit Otto vor ihrer Nase herumkaspern darf. Ich will es mal so ausdrücken: selbst die 70er Jahre Schnellschuss-Produktion „Wir hau‘n die Pauker in die Pfanne“, die sich im selbigen Punkt ebenfalls keine große Mühe gab als sie Theo Lingen in einer Doppelrolle doubeln musste, hat bessere Doppelgänger vorzuweisen als Otto Waalkes mit all seinem vielen Geld bereit ist in seine TV-Sendung einzubauen.
In einem Projekt, in welchem die Liebe nur an sich selbst gerichtet ist, anstatt an die Vorbilder, die Leidenschaft vorhandene Idee umzusetzen oder die Freude den Zuschauer zu belustigen, da kann Komik nicht fruchten, erst Recht nicht wenn man eine wundervolle Filmreihe mit Füßen tritt anstatt sie zu ehren. Ich habe von Otto Waalkes nun nie viel gehalten, aber ich war naiv genug zu glauben, Otto hätte zumindest dieses Produkt nicht der schnellen Mark wegen gedreht. Wie man sieht habe ich mich diesbezüglich geirrt, so dass sich „Otto - Die Serie“ in die Schlange Ottos cineastischer Gehversuche einreihen kann, von der ebenfalls keines aufgrund einer guten Idee, einer erzählenswerten Geschichte oder dem Einbringen frischer Gags entstanden ist. Ob TV-Produkt oder Kino - das Ergebnis bleibt gleichermaßen enttäuschend. OFDb
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02.03.2017
DER ZINKER (1963)
„Der Zinker“ wird gerne als einer der Höhepunkte der Rialto-Wallace-Reihe bezeichnet, ich habe da aber meine anderen Kandidaten. Der Kriminalfilm mit Heinz Drache in seiner klassischen Rolle als Ermittler macht durchaus Spaß, und Klaus Kinski hat man innerhalb der über 30teiligen Kino-Serie nie kranker agieren sehen, was schon was heißen mag, aber mehr als kurzweilig und amüsant fand ich das Werk nicht, obwohl es von meinem liebsten Wallace-Regisseur Alfred Vohrer inszeniert ist.
Dessen Stil erkennt man zwar an den herrlichen Nonsensspielereien am Rande, wie der Innenaufnahme des Gebisses eines Vegetariers, aber wo der gute Mann es sonst schafft jegliche Szene bestmöglich zu inszenieren, da will bei „The Squeaker“ (Alternativtitel) manche Szene etwas blass wirken, manches wird zudem zu sehr angedeutet anstatt deutlicher benannt, so dass man sich nicht so leicht orientiert bekommt, wie bei einem Wallacefilm üblich.
An den Figuren liegt das keineswegs, wissen doch gerade die wieder zu gefallen. Vielleicht mag man mit Draches typisch bieder angelegter Kommissareninterpretation nicht einverstanden sein, zu den Sympathieträgern gehört der Ermittler diesmal aber ohnehin nicht, so überheblich wie er niemanden Sätze zu Ende sprechen lässt. Die alte Dame, die Rolle Pfitzmanns, die Kriminalautorin und der diesmal nicht den Sir John spielende Siegfried Schürenberg lenken gut dagegen, wissen in all ihren Szenen zu gefallen, und dank nebliger Außenlocations, zwielichtiger Spelunken und schön dekorierter Adelshäuser agieren sie im üblichen Wallace-Flair, dem das Schwarz/Weiß sehr gut tut.
Etwas schwammig ist diesmal die Verdächtigenzahl ausgefallen. Zwar hat man als Zuschauer mehrere Vermutungen wer der Zinker sein könnte, die Auflösung präsentiert einem aber leider den offensichtlichsten von ihnen. Das wundervolle Szenario der Überführung lässt einen zwar versöhnlich mit der etwas enttäuschenden Auflösung zurück, andererseits ist es aber gerade sie schuld, dass der Mensch hinter dem Pseudonym viel zu erbärmlich wirkt, als dass man ihm die Abgebrütheit des Zinkers zugetraut hätte.
In Alfred Vohrers Film ist nicht alles Gold was glänzt, und allein weil nicht aus allem das Maximum heraus geholt wird, zählt „Der Zinker“ zu Vohrers schlechtesten Beiträgen der Reihe. Ein schlechter Vohrer-Wallace ist aber noch immer ein sympathischer, so dass sich Freunde der Reihe trotzdem nicht davon abhalten lassen sollten diese dritte Verfilmung des Stoffes zu sichten. OFDb
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01.03.2017
DER SCHWARZE ABT (1963)
Ich hatte Franz Josef Gottliebs „Der schwarze Abt“ als sehr schwachen Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe in Erinnerung und muss gestehen, nun bei meiner erneuten Sichtung recht gut unterhalten worden zu sein. In dem Plot, der kaum einer ist, werden Irrungen, Wirrungen, Irrglaube, Irrsinn, Geheimnisse und Wendungen so extrem aneinandergereiht, dass allein dies fast reicht eine Geschichte zu ersetzen. Wie Schurken sich gegenseitig, meist durch Erpressung, das Leben zur Hölle machen, wie die Autoren (u.a. Gottlieb selbst) es trotzdem schaffen noch ein Familiengeheimnis zum Thema Geisteskrankheit mit in die Geschichte zu integrieren, das hat schon meinen Respekt erlangt.
Da stört es auch gar nicht weiter, dass der schwarze Abt eher Gast im eigenen Film ist, gar nicht so wichtig ist wie der Titel vermuten lässt, so dass der Film sich am Ende sogar selbst einen Spaß daraus macht damit zu spielen, dass wir es mit mehr als einer Person bei der titelgebenden Figur zu tun zu haben. Ohnehin wird die Identität des eigentlichen, echten schwarzen Abtes relativ früh gelüftet, während die Fälschung bereits 25 Minuten vor Schluss das Zeitliche segnet. Spätestens ab dann ist der Kuttenträger endgültig uninteressant für die weiteren Vorkommnisse und wird nur noch am Rande erwähnt, damit die Person, die den Originalen mimte, erfährt, dass die Polizei längst wusste wer er war.
Viel aufregender ist aber ohnehin die zentrale Geschichte um eine Erpressung ausgefallen, in welcher Werner Peters es wieder einmal schafft den hinterlistigen Schurkentypen perfekt zu verkörpern, inklusive eines minimalistischen Gehaltes Unsicherheit. „Der schwarze Abt“ lebt viel von seiner Figur, auch wenn die zweite Filmhälfte ihm weit weniger Beachtung schenkt als die erste. Schwerpunktmäßig wechselt die Bedeutung einzelner Personen ohnehin immer wieder. Die Frauen werden trotz zentraler Eckpfeiler der Geschichte niemals wichtig, Charles Regnier, der den Kommissar treffsicher mimt und in seiner Darstellung ein Unikum innerhalb der Wallace-Kommissare darstellt, darf aufgrund nicht gezeigter Ermittlungen in London auch mal für längere Zeit pausieren, während die zwielichtige, aber doch recht sympathisch gestaltete Rolle Joachim Fuchsbergers immer mit kurzen Unterbrechungen versehen wichtig für das Komplettgeschehen ist.
Das Finale wiederum kümmert sich neben der Ermittler hauptsächlich um Lord Chelford, dessen Szenen die Geduld des Zuschauers einen Hauch zu sehr auf die Probe stellen. In der Schlussphase habe ich mir dann doch gewünscht, dass das Treiben endlich ein Ende findet. Aber bis es soweit ist wird man solide unterhalten. Die Schloss-Location wirkt, der Pseudo-Handlungs-Mix aus Schatzsuche, Erpressung und Geisteskrankheit weiß zu gefallen, und Kinski und Arent dürfen ihre Stärken erneut in Nebenrollen beweisen und werden damit zu wirksamen Randerscheinungen des Filmes (bis auf einige wenige Arent-Ausrutscher, die dann doch zu viel des Guten sind).
Das führt alles nicht zu einem großen Ergebnis, aber definitiv zu einem unterhaltsamen Beitrag der Reihe, vorausgesetzt man kann sich mit Irrungen und Wirrungen begnügen und auf eine tatsächliche Handlung verzichten. Meiner Meinung nach funktioniert dies aufgrund der interessanten Figurenkonstellation recht gut, so dass die gelungenen Charaktere den Film bis zum Schluss stemmen können, ohne dass es zu einer uninteressanten Phase käme. Ob man am Ende noch durchblickt, hängt von der Konzentration des Zuschauers ab. Wer nur mit halber Backe hin geschaut hat, hat trotzdem seinen Spaß, geht es doch nicht wirklich um einen Sinn, sondern lediglich um einen abenteuerlichen Kriminalfall - oder um zwei, oder drei. OFDb
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28.02.2017
DAS INDISCHE TUCH (1963)
„Das indische Tuch“ ist zweifelsohne mein liebster und am meisten gesichtester Wallace-Film. Wie könnte man ihn bei seiner klassischen Ausgangslage auch nicht mögen? Eine Testamentsverkündung, ein Ort abgeschottet vom Rest der Welt, ein 10 kleine-Negerlein-Szenario, der Handlungsort ein Schloss - das alles weiß zu wirken. Die Creme de la Creme die Alfred Vohrers Werk aber überhaupt erst zu einer solch unterhaltsamen Größe macht ist die hoch interessante Figurenkonstellation und ein Drehbuch, welches vorzügliche Dialoge und Monolge zauberte.
Es ist erstaunlich wie wenig konstruiert die gewitzten Worte wirken, selbst dann wenn sie ein wenig zu aufgesagt klingen. Aber im hier besprochenen Kammerspiel-artigen Kriminalfilm weht immer auch ein Hauch Theateratmosphäre mit, so dass man diese Art des Spiels nie als mangelndes Schauspieltalent abtun könnte, zumal die Wirkung ihren Zweck erfüllt. Eddi Arent mimt den höchst skurrilen Butler, dessen Humor auch gerne mal morbider Art ist, die Hausherrin ist ein eiskaltes Biest und eine übervorsorgliche Mutter, ihr Sohn ein in einer eigenen Welt lebender Wunderling, dessen erstes Klavierkonzert kurz bevor steht. Kinski mimt den Bastard der Familie, Schürenberg einen stets auf Safaris reisenden Engländer, und der amerikanische Ehemann einer Verwandten der Familie Lebanon sorgt für die ersten Höhepunkte des Streifens.
Wenn nach einer Mordanschuldigung dem Amerikaner gegenüber ein Gespräch unter vier Augen zwischen den Eheleuten stattfindet, dann ist die Dramaturgie und die Charaktertiefe auf einem Hoch. Auch hier erweisen sich die Dialoge als des Zitierens wert, und Alfred Vohrer beweist, dass er auch in seiner überspitzten Inszenierung, die stets Augenzwinkern und Humor zulässt, bittere Momente kompatibel einbauen kann - erstaunlicher Weise ohne den augenzwinkernden Aspekt zu pausieren. Ihm gelingt eine Meisterleistung, die selbst der höher geschätzte, ebenfalls von Vohrer inszenierte, „Der Hexer“ trotz seiner gelungenen Art nicht zu erreichen weiß.
Vohrer ist bekannt dafür die Reihe spätestens in der Buntphase durch seine immer drastischeren Überspitzungen in eine andere Richtung gelenkt zu haben. Das schmeckte vielen Fans der Schwarz/Weiß-Phase nicht, führte aber schließlich zum zweiten Höhepunkt der Reihe, den völlig in Komik badenden „Der Mann mit dem Glasauge“. Ob man diese Entgleisung einer halbwegs ernster gestarteten Krimireihe nun mag oder nicht, bereits in „The Indian Scarf“ (Alternativtitel) schwingen die Experimente Vohrers stark mit, noch jedoch ohne das Geschehen vollends zu dominieren.
Dennoch fallen solch schräge Ideen wie der selbstfahrende Wagen des Butlers, oder dessen Ritual des Gedeckabdeckens eines jeden Verstorbenen als lustige Besonderheiten auf, ebenso wie besagte lustige Dialoge, wie z.B. der Kommentar darüber, dass das Telefon in den kommenden Tagen aufgrund einer Funktionsstörung nur noch als Zimmerschmuck dienen wird. „Das indische Tuch“ könnte von diesen schrägen Stärken alleine leben, was ihn jedoch nicht zu einem der Höhepunkte der über 30 Filme beinhaltenden Reihe werden lassen würde. Was an Vohrers Beitrag neben all der verspielten Art und der gut gelaunten Schauspieler so viel am brillanten Ergebnis ausmacht, ist zudem das Spiel des Mörderratens für den Zuschauer.
Nicht nur dass die Auflösung sich sehen lassen kann, so toll wie sie selbst dann in ihrer Konsequenz zu wirken weiß, wenn man den Braten bereits zuvor gerochen hat, die Motivation bei solch einer Gruppe interessanter Figuren mitzuraten, ist enorm groß, wahrscheinlich größer als bei jedem anderen Wallace-Beitrag der Rialto-Reihe. Zwar muss man faier Weise sagen, dass das Mörderraten nie zu den Haupttrümpfen der Reihe gehörte und damit kein Pflichtrezept war, aber „Das indische Tuch“ atmet diesbezüglich Agatha Christie-Flair, und das kann auch in der komödiantisch angehauchten Form kein Fehler sein, wie auch der legendäre „16 Uhr 50 ab Paddington“ mit Margaret Rutherford beweist.
Wallace-Stars auf einem Hoch ihrer Spielfreude, alle klassisch besetzt und damit ihre Stärke voll einbringen könnend, ein augenzwinkernder Grundton der auch Dramaturgie und einen Spannungsbogen zulässt, an „Das indische Tuch“ gibt es bishin zum flotten Titellied und der ewig im Hintergrund ertönenden Klaviermusik des Sohnes nichts zu meckern. Alles greift perfekt ineinander, so dass der Film wahrlich ein Liebhaberstück der Reihe, aber auch seines Genres geworden ist. Sicher lohnt sich aufgrund vieler geglückter Beiträge ein intensiver Blick auf Rialtos Wallace-Filme, wer aus welchem Grund auch immer diese jedoch meidet, sollte zumindest beim hier besprochenen Film eine Ausnahme machen. Man verpasst sonst einen wahrhaften Schatz des deutschen 60er Jahre-Kinos. OFDb
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08.08.2016
DIE GRUFT MIT DEM RÄTSELSCHLOSS (1964)
Fand ich die Leistung Eddi Arents im Folgefilm „Das Verrätertor“ lobenswert, da für das Gesamtwerk sehr erfrischend, wird der gute Mann im Vorgänger „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ für meinen Geschmack etwas zu inflationär ins Geschehen eingebunden. Nicht dass er nicht wieder wundervolle Momente beschert bekommen hätte, welche dem Zuschauer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, aber die Hälfte dessen hätte locker gereicht, überspannt Arent den Bogen doch etwas zu sehr und ruiniert damit manchen Moment, der mehr Ernsthaftigkeit hätte vertragen können.
Aber auch ohne Arents Zutun steht Franz Josef Gottliebs zweiter und letzter Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe auf wackeligen Beinen und gehört damit ebenso wie sein „Der schwarze Abt“ zu den weniger aufregenden Filmen der Serie. Während er für Konkurrenzprodukte so unterhaltsame Werke wie „Der Fluch der gelben Schlange“, "Das Phantom von Soho" und „Das siebente Opfer“ zauberte, hatte er der berühmten deutschen Wallace-Reihe somit nichts Nennenswertes hinzuzufügen, was schon schade ist, denn die Idee einer voll mörderischer Gymmicks angereicherten Gruft, an der jegliche Banditen sich die Zähne ausbeißen, klingt doch recht reizvoll für eine Serie, die schon sehr früh damit begann seichte Komik mit morbidem Kriminalfilm zu mixen.
Im hier besprochenen Beitrag der Reihe stört mich jedoch bereits der Aufhänger, will es doch nicht ganz ins Bild des Wallace-Universums passen, dass ein greiser Verbrecher plötzlich ein schlechtes Gewissen entwickelt und sein ganzes Vermögen einer jungen Frau vermachen möchte, dessen Vater er einst ausbeutete. Grund: die Frau habe am Grab ihres Vaters im Kindesalter einst so traurige Augen gehabt. Da haben andere Filme der Serie zu ähnlicher Thematik bessere Aufhänger parat gehabt, um wen Erbberechtigtes nach London reisen zu lassen.
Ärgerlich ist zudem, dass es außerhalb der Gruft keinerlei Rätsel zu lösen gibt. Die Bösewichter sind schnell präsentiert. Die Beweggründe und wer auf wessen Seite steht ebenso, und von da an kümmert sich die Geschichte einzig um den Kampf ums Vermögen und um das Festhalten der Erbberechtigten. Einzig die Rolle von Harald Leipnitz, der hier zum ersten Mal in der Wallace-Reihe auftaucht, bleibt undurchsichtig, irgendwo zwischen den Fronten stehend. Aber da es in dieser Geschichte zusätzlich einen Kommissar mit lupenreiner Arbeitsmoral gibt, weiß der erfahrene Wallace-Gucker trotzdem recht schnell wie er die Rolle des fremden Helfers einzuschätzen hat.
Während viele der Vorgänger smarte Kommissare präsentierten, geht man in „Curse of the Hidden Vault“ (Alternativtitel) scheinbar bewusst anders vor, lässt den Ermittler fast schon charakterlos lediglich seinen Job machen, stellt ihn aber so dar als habe man es mit einem rechthaberichen, humorlosen Fatzke vom Finanzamt zu tun, der selbst das augenzwinkernde Spiel in den Szenen mit Siegfried Schürenberg als Sir John einspart und diesem auf hanebüchene wie unsympathische Art auf der Nase herumtanzt. Das nimmt Sir John die Würde und damit seinen Haupttrumpf humoristisch aktiv werden zu können, womit sich der Streifen des schönsten Running Gags der Reihe beraubt.
Wenn schließlich die Gruft in einer sich ewig anfühlenden Einbruchsszene zu blinken und musizieren beginnt, wird der bis dahin routiniert zu schauende „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ kurzfristig sogar recht nervig, macht aber immerhin nachvollziehbar warum der Eindringling nach einiger Zeit des Gefangenseins zum Suizid neigt. Da auch Klaus Kinski als schweigender Killer der ganzen Chose nicht viel hinzuzufügen hat und es der rätsellosen Geschichte an Reiz und Esprit fehlt, kann man Gottliebs Film somit wahrlich nur den Komplettisten unter den Wallace-Fans nahe legen. Zwar ist er nicht so schlecht ausgefallen wie „Das Geheimnis der gelben Narzissen“, aber mit Ruhm hat man sich hier nicht bekleckert, so dass ich verstehen kann, dass Gottlieb für die Weiterführung der Reihe nicht mehr benötigt wurde. OFDb
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07.08.2016
DAS VERRÄTERTOR (1964)
Der recht unbekannte „Das Verrätertor“ gehört zur berühmten Wallace-Reihe der Rialto. Zwar weist er die Stammschauspieler Klaus Kinski und Eddi Arent in ihren typischen Rollenmustern auf, ansonsten steht der Film jedoch ziemlich für sich allein. Er gehört zu den wenigen deutsch-englischen Co-Produktionen besagter Reihe und verzichtet diesmal auf jeglichen Hokuspokus. Erzählt wird von einem lupenreinen Kriminalfall, in welchem die Polizei lediglich Gastauftritte absolviert. Die Verbrecher stehen diesmal nicht nur im Fokus, was durchaus hin und wieder in der Rialto-Reihe der Fall war, sie bestimmen diesmal hauptsächlich die Handlung, während die Helden lediglich Nebenrollen absolvieren dürfen.
„Traitor‘s Gate“ (Alternativtitel) ist ein sympathischer Beitrag der lang laufenden Kriminalfilm-Serie geworden, der fast schon auf „Ocean‘s Eleven“-Art die Planung und Durchführung eines hochkomplexen Diebstahls thematisiert. Vor Ort in England gedreht, mit wundervoller Musik untermalt und ohne dass Kosten und Mühen gescheut wurden weiß der Film schnell das Herz des Krimi-Liebhabers zu erobern, ist man doch schnell mittendrin im Geschehen und wird Schritt für Schritt an die Hand genommen, bis man die Bande Gangster gut genug kennt um nun die im Titel bereits erwähnten Verräter die sorgfältige Planung durchbrechen zu lassen, so dass es aufgrund diverser Trümpfe auf beiden Seiten tatsächlich recht spannend wird dabei zuzusehen wer vorübergehend als Sieger hervorgeht und wer nicht, nur um kurz darauf den nächsten Sieger zu sehen, der seinen Vorgänger überrumpelt hat.
Dass man weiß das Gute wird siegen und auch dass man die Strippenzieher hinter allem von Anfang an kennt, bereitet „Das Verrätertor“ keine Abstriche. Zeitgemäß hätte man den obersten Boss auf Dr. Mabuse-Art auch anonym ein Verbrechersyndikat führen lassen können. Aber es sind eben diese Kino-typischen Phantastereien denen man diesmal konsequent aus dem Weg geht. Stattdessen gibt es spektakuläre Ausbruchs- und Einbruchsszenen inklusive Hubschrauber, Schiffe und Explosionen.
Anstatt bei all diesen ernst gehaltenen Zutaten als Fremdkörper im Gesamtwerk zu wirken, erweist sich Eddi Arent mit seiner gekonnt mimischen Choreographie als großer Trumpf des Streifens und schafft es somit das Geschehen unverkrampft aufzulockern. Kinski hingegen spielt zwar souverän, besitzt aber nur wenige Momente, in denen er sein Können wahrlich unter Beweis stellen kann. Insgesamt ist „Das Verrätertor“ ein nettes Stück Ausnahme-Wallace geworden, welches inhaltlich wie inszenatorisch keinerlei Tiefen besitzt. OFDb
14.07.2016
NEUES VOM HEXER (1965)
Die Rialto-Version des relativ oft verfilmten „Der Hexer“ war ein Kassenschlager, und so folgte nur ein Jahr später, erneut unter der Regie Alfred Vohrers, „Neues vom Hexer“, der ebfalls auf einem Roman von Edgar Wallace beruht und somit nicht eigens für die Kinoreihe erfunden wurde. Der Aufhänger ist weniger spektakulär als im Original, da etwas erzwungen wirkend. Aber das tut dem eigentlichen Film keinen Abbruch, ist doch nach der weit hergeholten Idee wie der Hexer ins Geschehen eingebunden wird, alles beim alten. Eine Familie wird nach und nach ermordet, der Hexer ist nicht der Täter und ermittelt auf seine Art. Da er wie gehabt ein Meister der Maskerade ist, weiß man nie hinter welchem Gesicht er sich verbirgt.
Das besitzt zwar nach wie vor seinen Reiz, meist vermutet man ihn jedoch an der richtigen Stelle. Inspektor Wesby jedoch auch, der stets schmunzelt wenn er den Hexer in einer seiner Rollen entdeckt, die erst kurz darauf als solche enttarnt werden. Somit ist es durchaus gewollt den Hexer früher zu erkennen als er offiziell enttarnt wird. Das gibt den Meinungsverschiedenheiten zwischen dem intelligenten Wesley und dem dusseligen Sir John eine zusätzliche Spielfläche, beraubt den Film jedoch um das mögliche Verwirrspiel um die Maskeraden des Hexers.
All zu hart braucht man mit „Neues vom Hexer“ jedoch nicht umgehen, ist er doch ein sympathischer Beitrag der Wallace-Reihe, mit Heinz Drache als Ermittler anstatt mit Joachim Fuchsberger besetzt, der aber immerhin im Zusammenhang mit einer Fotografie Higgins eine Erwähnung erhält. „Neues vom Hexer“ ist die einzige tatsächliche Fortsetzung eines vorangegangenen Kriminalfalls der Reihe und damit ein Unikum inmitten der Rialto-Wallace-Serie. Leider blieb der Film an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurück, so dass die noch in diesem Teil angekündigte Fortsetzung nie umgesetzt wurde und stattdessen zu „Der Bucklige von Soho“ umfunktioniert wurde.
Das ist insofern schade, als dass „Neues vom Hexer“ halbwegs offen endet und man sich schon eine Antwort auf die vom Gauner-Trio gestellte Frage am Schluss erhoffte, zielt die Schluss-Szene doch scheinbar darauf ab, dass der Hexer auch in Zukunft mit Scotland Yard zusammen kooperieren soll. Nun werden wir es nie erfahren.
„Neues vom Hexer“ wird gerne als die schwache Fortsetzung des ersten Teils bezeichnet. Ich mochte sie schon immer, früher sogar mehr als den beliebten ersten Teil, und ich bin bei meiner aktuellen Rückwärtssichtung der Rialto-Reihe schon gespannt wie mir der erste Teil diesmal gefallen wird, hat sich meine Einschätzung der einzelnen Filme seit meinen Sichtungen in den 90er Jahren doch gravierend verändert.
Vohrers zweiter Hexer-Streich ist auf jeden Fall ein amüsanter Zeitvertreib mit einigen kleinen typischen Vohrerspielereien (allein dieser Erholungsort, in dem jeder Gast zur Entspannung eine Tageszeitung auf dem Gesicht liegen hat, ist eine herrlich bescheuerte Idee) und so manchem bekannten Gesicht innerhalb der Reihe. Lediglich Kinski wirkt ein wenig verschenkt in seiner Rolle, auch wenn es theoretisch eine wundervolle Provokation ist gerade ihn als Butler zu besetzen - und dann auch noch diesen schrecklichen, zu seinem Beruf so gar nicht passenden, Bart tragend. OFDb
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Alfred Vohrer,
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unterhaltsam
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