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03.10.2023

DIE ADDAMS FAMILY (2019)

Wer hätte gedacht, dass ein farbenfroh gezeichneter Computeranimationfilm in gewöhnungsbedürftiger Optik das Seelenleben der Addams Family besser einzufangen weiß, als die Real-Serien-Vision eines Tim Burton? Aber so ist es geschehen. Hier dürfen die Addams wieder alternativ morbide neben der üblichen Gesellschaft co-existieren, bestreiten wie gehabt den üblichen passiven Kampf gegen diese mit Leichtigkeit und Selbsttreue und beweisen sich als autonom und lebenswert, so wie sie als "Freaks" sind, während "Wednesday" in seiner ersten Staffel davon berichtete, wie jemand Andersartiges der Norm angeglichen werden musste. Manche Figur mag zu niedlich und, typisch CGI-Stil, zu steril ausgefallen sein, das Herz der Zeichentrickversion sitzt aber an der rechten Stelle, was sich auch durch überraschend kompatible Neuerungen beweist. Dem Haus ein eigenes Leben zu bescheren und dem Sohn Selbstbewusstsein im Umgang mit Sprengstoff bereichert das Grundkonzept. 

Nur selten gibt es Fehlentscheidungen zu sichten, wie etwa jene, dass das eiskalte Händchen ein Auge beschert bekam und damit optische Nähe zu den dämlich aussehenden Minions erhält (glücklicher Weise bleibt das Auge meist zu). Völlig daneben ist Onkel Fester geraten, der eher an die fröhlich-dämliche Disneyversion aus "Die Addams Family und die lieben Verwandten" erinnert, anstatt an den ungehobelten Schelm, dem der Stil seines Bruders fehlt. Der wiederum ist der typische Verweis auf die Rückbesinnung auf die Addams-Historie, ist er doch weder an Raul Julia, noch an John Astin angelehnt, sondern an den Comics, mit denen in den 30er Jahren alles seinen Anfang nahm. Auch verweist man andernorts in vielerlei Hinsicht auf die 60er Jahre-Serie, manches Mal auch auf die Kinofilme der 90er Jahre, so z.B. in der Bewegungsform des eiskalten Händchens geschehen. Die Besetzungen mit Chloë Grace Moretz als Wednesday und Snoop Dog als Vetter It sind ein kleiner Geniestreich für sich, und die Handlung wirkt wie ein chaotisch, typisch auf Cartoon-Stil, aufgeblasener Klassiker eines ansonsten typischen Addams-Abenteuers. 

Freilich bekommt der Mainstream mit seinem Hang zur Angleichung sein Fett weg (so gar nicht subtil), der Wandel Richtung Addams-Mentalität wird treffsicher durch einen klassischen Look der Gothic-Szene dargestellt, und am etwas zu fröhlichen Ende akzeptieren beide Seiten ihre Andersartigkeit - ja, auch die Addams den Mainstream, und dies gar nicht so moralinsauer und anbiedernd verpackt wie man meinen sollte und wie leider in Burtons Netflix-Produktion geschehen. Dennoch wirkt das Ganze am Schluss eine Spur zu verwässert, während typische Mainstreameinflüsse heutiger US-Trickfilme sich im Rest des Streifens gerade eben noch passend kompatibel als wackeliger Drahtseilakt mit der Addams-Kultur arrangiert bekommen. Viele eigenständige Ideen, klassische Verweise, recycelte Gags, allerhand Hintergrundideen, Schelmereien, Insiders und manch überraschend morbide Randerscheinungen sorgen für kurzweilige Unterhaltung, weit über dem Niveau welches ich pessimistisch im Vorfeld erwartet hatte. 

Zwar ist "The Addams Family" (Originaltitel) kein großes Kino geworden, wie die beiden Werke aus den Lichtspielhäusern der 90er Jahre, aber nach den ganzen Fehlversuchen der Wiederbelebung seit den zwei Realfilmen, tat es gut mal wieder eine positiv ausgefallene Version über die Addams zu sichten, welche sich mit dem Franchise auch tatsächlich auskennt, anstatt es lediglich zu plündern ohne dessen Mentalität zu teilen oder gar zu verstehen. Dass das Abspannlied so überhaupt nicht zum Flair der Addams passen will, kann man wiederum schon fast als Verweis auf den schrecklichen Abspann des 90er Jahre "Addams Family"-Films verstehen.  Wiki

24.05.2021

SHADOW IN THE CLOUD (2020)

Angelehnt an der berühmten "Twilight Zone"-Geschichte aus dem Kinofilm "Unheimliche Schattenlichter", in welcher ein Gremlin sich am Flügel eines Flugzeuges zu schaffen macht, von einem Passagier entdeckt wird, diesem aber keiner glauben will, ist "Shadow in the Cloud" erzählt. Der wiederum zeigt uns zu Beginn einen Zeichentrick-Propaganda-Lehrfilm für Soldaten, in welchem das Thema des zerstörenden Gremlin als eine Art Sündenbock genutzt wird, wenn jemand seine Arbeit nicht richtig gemacht hat und sich aus der Verantwortung ziehen will. Es sieht original aus, ob es derartigen Schwachsinn tatsächlich für angehende Soldaten zu sichten gab weiß ich nicht, zuzutrauen ist den Amis alles, aber die Idee weiß in ihrem augenzwingernden Stil, in den sie eingebracht ist, so oder so zu gefallen. Verfrachtet wird die Geschichte ins Jahr 1943, aus der Linienmaschine wird ein Bomber und aus dem Passagier eine zwielichtige Offizierin. Die wird verkörpert von Chloë Grace Moretz, einer talentierten (nicht mehr ganz so) Jung-Mimen der USA, und wer sie so gern sichtet wie ich, den wird es freuen zu hören, dass man ihr mit "Shadow in the Cloud" fast eine Art Solofilm beschert hat. 

Denn nach einer kurzen Einführung spielt der Hauptteil des Streifens im Geschützturm, in welchem die Rolle Moretz' alleine drin sitzt und lediglich über Funk Kontakt mit der restlichen Crew hält. Wenn es nicht gerade um die ominöse Kiste geht, welche Garret von A nach B bringen soll, setzt man uns lediglich Moretz vor. Auch wir erleben die Crew hier nur über Funk. Aufgrund der ungeklärten Umstände und der Hektik der Situation weiß das Minimum an Geschichte und Hintergrund überraschend gut zu funktionieren, so sehr sogar, dass der Gremlin kaum nötig gewesen wäre, um Spannung zu erzeugen. Die Neuseeländerin Roseanne Liang, die hier erstmals einen Film mit US-amerikanischer Beteiligung inszenierte, weiß das Szenario packend zu servieren und lässt Spannungsbogen und Action harmonisch miteinander arbeiten. Ebenso wie der eingeschränkte Blickwinkel aufgrund der Konzentration auf Garret, ist die restliche Optik ebenfalls absichtlich eingeschränkt vorhanden. Die Wolken werden "Der weiße Hai"-artig zu einer Fläche, aus welcher die japanischen Angreifer plötzlich überraschend auftauchen können. Und auch der Blick auf das unheimliche Wesen ist stets meist in der wackeligen, realistischen Optik des Fliegers und der schlechten Sicht aufgrund von Wetter und Distanz zu betrachten. 

Dies in Kombination mit dem Minimalismus, der in "Shadow in the Cloud" lange Zeit anhält, bedeutet jedoch nicht, dass wir hier einen realitätsnahen Film sichten dürfen. Das beschleicht einem schon von Beginn an aufgrund der etwas arg Klischee-artig ausgefallenen Figuren, das setzt Liang aber auch endgültig unter Beweis, wenn sie in der Phase, die nicht mehr im Geschützturm spielt, Moretz als Actionheldin in Szene setzt, die jeglichen physikalischen Gesetzen trotzt und als Frau in einem damaligen Männerberuf ihren Mann stehen darf. Sicherlich übertreibt man es diesbezüglich, aber der Stimmung des Films tut es keinen Abbruch, zumal dieser ohnehin nur seiner wahnwitzigen Idee nachgehen will ohne Tiefgang erreichen zu wollen. Außerdem weiß auch in dieser Phase der Blickwinkel auf die Geschehnisse zu gefallen, fühlt man sich als Zuschauer doch wirklich mitten im Geschehen, wenn in der Maschine die Hölle los ist, einer nach dem anderen stirbt, das Flugzeug immer größere Schäden erfährt, und es schließlich zur Notlandung kommen muss. Das ist alles unglaublich effektiv erzählt, und erneut kann ich nur betonen, dass die Kreatur nicht wirklich nötig gewesen wäre, um einen aufregenden Popkornfilm abzuliefern.

Vielleicht stört mich auch deswegen der Finalkampf, am Erdboden angekommen, zumal er in seiner prolligen Art ohnehin ein Zugeständnis an das Mainstream-Publikum ist und das Bild des Streifens meiner Meinung nach schwanken lasst, begegnete Garret jeder bis dahin erfolgten Konfrontation doch aus einer gewissen Konsequenz und mit Restwürde dargeboten heraus, während der Kampf mit dem Gremlin im Wasser eher wie ein billiger Schwanzvergleich anmutet. Zudem wirkt die Kreatur mit klarer Sicht auf sie nicht so gut wie als halbschattendes Wesen, aber diesen Pluspunkt hatte man bereits während des Flugs an mancher Stelle verschenkt, wahrscheinlich ebenfalls um dem schnell gelangweilten Mainstream-Publikum mehr Schauwerte zu bieten. Wie auch immer, "Shadow in the Cloud" ist mit derartigen Schwächen sicherlich nicht die große Unterhaltung, die man sich von einem derartigen Produkt erhofft, zumal das Drehbuch es sich auch dramaturgisch teilweise zu einfach macht, um der Rasanz der Erzählung nicht zu schaden. Als netter kleiner Streifen für zwischendurch geht er aber durchaus in Ordnung. Selten haben Spannung und Action im Horror-Bereich, gepaart mit einem Kriegsfilm, derart gut miteinander harmoniert wie hier, und das ist doch immerhin auch schon ein recht gelungenes Ziel.  OFDb

06.06.2020

GRETA (2018)

Vertrauen Fremden gegenüber zu schenken erwies sich gerade in den 90er Jahren mit Werken wie "Weiblich, ledig, jung sucht...", "Die Hand an der Wiege" und "Eine verhängnisvolle Affäre" als fataler, für den Zuschauer Thrill-geladener, Fehler. "Greta", von "Interview mit einem Vampir"-Regisseur Neil Joradan inszeniert, orientiert sich an diesen mittlerweile klassischen Bereich des Spannungskinos und präsentiert sich recht Old School orientiert umgesetzt. Mögen in der Jetzt-Zeit spielend auch moderne technische Möglichkeiten von den Protagonisten genutzt werden, "Greta" kommt ohne hektische Schnitte oder anderen modernen, inszenatorischen Firlefanz zu nutzen aus und besinnt sich hauptsächlich auf die zu erzählende Geschichte. Das klingt allein schon deswegen erfreulich, weil der Aufhänger mit der gefundenen Tasche und die erschreckende Masche, die darauf aufbaut, als Einstieg ins Geschehen und Beginn des Unbehagens tatsächlich gute Ideen sind, so konstruiert das Ganze auch anmuten mag. Zudem sind die weiblichen Hauptrollen mit Isabelle Huppert und Chloë Grace Moretz hervorragend besetzt, so dass man sich auf das Psycho-Duell der beiden talentierten Mimen regelrecht freut.

Nur leider nutzt die lobenswerte Konzentration auf das Drehbuch nur dann etwas, wenn man es mit einem guten zu tun hat. Das ist in "Greta" trotz zunächst guten Eindrucks nicht der Fall. So überrascht das Skript zunächst noch mit einer überraschend frühen Erkenntnis Frances' mit wem sie es zu tun hat, was dem Autor allerhand Möglichkeiten gegeben hätte, diesen Vorteil nun mit Innovationen und ungewöhnlichen Ideen zu nutzen. Stattdessen orientiert sich das Buch trotzdem weiter brav an den längst zum Standard gewordenen Vorbildern und präsentiert nichts anderes als das typische Szenario einer Unschuldigen in den Fängen einer geistig Abgedrifteten , angefangen mit dem Angst schürenden Psycho-Terror, schließlich klassisch endend in der Gefangenschaft des Aggressors. Auch in dieser Final-Phase bietet das Drehbuch keinen eigenständigen Touch und enttäuscht zudem mit einem Rettungsszenario, welches noch konstruierter wirkt, als vieles andere zu verkrampft Eingebrachte. Dieses ist nur einer von diversen Punkten, die "The Widow" (Alternativtitel) zu optimistisch und zu wenig bedrohlich ausfallen lassen. Leider ist Regisseur Neil Jordan immer nur so gut wie das Buch, das ihm vorliegt. Und somit ist, wie seinerzeit in "Zeit der Wölfe", aus einem reizvollen Stoff, trotz gelungener Optik, aufgrund einer wenig überzeugenden Print-Vorlage, lediglich ein mittelmäßiges Ergebnis geworden. Sich eigentlich an Erwachsene richtend, wird somit stattdessen ein Werk der jugendlichen Anhängerschaft um Jung-Star Moretz abgeliefert, welches aufgrund weniger Vergleichsstoffe weniger streng zuschauend Gefallen an dem innovationslosen Thriller finden wird.  OFDb

04.04.2019

SUSPIRIA (2018)

"Suspiria" ist ein bildgewaltiger Klassiker, der einen mit seiner Terrormusik, dem Farbenmeer, seiner Intensität und dem zarten Pflänzchen Jessica Harper inmitten gruseliger Ereignisse geradezu in seinen Bann zu ziehen weiß. Die Geschichte ist fast Nebensache, besteht zumindest aus einem ziemlich dünnen Faden, und da kann man schon zurecht kritisch nachfragen, welchen Sinn die Neuverfilmung eines derartigen Werkes machen soll. Er ist ein zugleich geliebter und verkannter Kunstfilm, der eben nicht von seiner Geschichte lebt, sondern von seinem Stil. Entnimmt man ihn, kann doch nichts brauchbares mehr übrig bleiben. Oder doch?

Regisseur Luca Guadagnino und Drehbuchautor David Kajganich haben es unter der Produktion Dario Argentos, dem Regisseur des Originals, dennoch gewagt und nicht einfach nur ein dahingeschludertes Wiederkäuern abgeliefert, sondern ebenso wie die Erstverfilmung einen Kunstfilm abgeliefert. Dieser ist jedoch völlig anders geartet, ist die Neuverfilmung "Suspiria" doch eher dem Arthouse-Kino zuzuordnen anstatt dem klassischen gehobenen Horrorfilm. An intensiven Momenten mangelt es nicht, auch wenn die völlig anders angesetzte Geschichte ziemlich nüchtern erzählt daher kommt. Wie auch immer man zum zweiten Anlauf der Hexe der Seufzer steht, der Film hallt definitiv nach, sowohl stilistisch, als auch inhaltlich, gibt es doch einerseits viel zu verarbeiten, andererseits einiges einzuordnen. Nach bislang nur einer Sichtung weiß ich noch nicht ob ich einzelne Fragmente, die den Schluss betreffen, nicht verstehe, etwas übersehen habe, der Film selbst unlogische Momente bereit hält oder ob er absichtlich von mir entdeckte Lücken bzw. Widersprüche auffährt. Eine solche Provokation würde nicht verwundern, so wie man den Stoff hier verarbeitet hat.

Stummfilm- und Theater-ähnlich offiziell in diverse Akte aufgeteilt, dauert es einige Zeit, bis man sich in die zunächst unübersichtliche Erzählung hinein gefunden hat, mit Kenntnis der Erstverfilmung ebenso wie als Neuling. Erstgenannte werden sich über die Neuorientierung der Geschichte wundern, damit beginnend dass vieles aus der Sicht der Hexen erzählt ist, deren übernatürliche Existenz schnell gelüftet ist und die Zielsetzung wohin die Geschichte führt, eine völlig andere ist, als jene klassisch schlichte, von welcher Argentos wunderbare Regiearbeit erzäht. Nach einiger Zeit hat man sich in den Erzählstil eingefunden, auch wenn man sich noch immer etwas orientierungslos fühlt aufgrund der völlig anderen Positionierung und der Puzzleteile der einzelnen Erzählstränge, nicht etwa weil diese völlig unabhängig voneinander verlaufen würden, sondern weil man nicht weiß wohin das hervorragend geschauspielerte und stilistisch sicher und imponierend inszenierte Szenario hinführen soll. Was schwebt den Köpfen hinter dem Projekt vor, fragt man sich fasziniert, wenn man sich von dem verkopften Sog des Stoffes anstecken lassen kann. Hat man sich erst einmal an den nüchternen Erzählstil gewöhnt, reißen einem zudem provokante Bilder geradezu aus der sicheren Zuschauerposition heraus.

Das beginnt mit verstörenden Traumsequenzen, deren Bilder scheinbar wahllos aneinander gereiht sind, stilistisch jedoch zu erstaunen wissen und Geschmacklosigkeiten und skurril anmutende Aufnahmen in Sekundenschnelle auf den Zuschauer nieder regnen lassen. Und es endet in einem Grenzen sprengenden Finale, wie es italienischer kaum sein könnte. Die Freizügigkeit an nackter Haut und Perversionen, die wir hier vorgesetzt bekommen, zeigt auf wie wenig künstlerischen Einfluss es scheinbar von Seiten der amerikanischen Finanzgeber her gab, und auf die man selbst aufgrund der sehr freizügigen, künstlerisch wertvoll inszenierten Tanzszenen und Tanzübungsszenen, die einem zuvor zuhauf präsentiert wurden, nicht vorbereitet ist. Diese schauten sich trotz fehlender Nacktheit sexuell provozierend und anregend, ein Effekt der regelrecht provoziert wird und immer wieder mit Grausamkeiten vermengt wird. Das Verstörende mixt sich stets mit dem Verkopften, und dieser hemmungslose Cocktail in den Händen von visuellen, inszenatorischen und darstellerischen Profis offenbart ein Werk, wie man es nur selten zu Gesicht bekommt und welches tatsächlich einen eigenen Wert hervor bringt und sich damit vom Original als eigenes Werk emanzipiert.

Wer den Film im Originalton schaut, bekommt neben dem Sehwert noch einen hervorragenden Hörwert beschert, klingt die Rolle des alten Professors mit seiner hellen Stimme doch unglaublich kränklich, und wird überraschend damit erklärt, dass Tilda Swinton neben ihrer Rolle als Madame Blanc in gekonnt täuschender Maskerade auch den Professor verkörpert. Hier wird die weibliche Männerstimme zu einem faszinierenden Vorteil, welcher dem dargestellten Charakter glaubwürdig zugute kommt, so authentisch kränklich und schwächlich wie sich diese Stimme anhört. Dies im Kontrast zu den starken, selbstherrlichen Gegnerinnen weiß zu gefallen, gerade wenn man sie gelegentlich, unabhängig zum Professor, dabei beobachten darf, wie sehr wir Menschen doch nur Spielfiguren für sie sind. Tiefst schwarzer Humor bricht in diesen kurzen Augenblicken in das ernste, dramatische und düstere Treiben des Filmes hinein, besonders provozierend in der Trance-Szene des ermittelnden Kommissars dargeboten. Es ist diese besagte Hemmungslosigkeit und der Schwebezustand zwischen Verstehen und Nichtverstehen des Gezeigten, der "Suspiria" eine besondere Note verleiht. Hier werden nicht sinnlos künstlerische Fragmente vermengt, hier ist alles durchdacht und scheint es in meinen Verständnislücken ebenso zu sein, und dementsprechend werden auch gekonnt die Knöpfe beim Zuschauer gedrückt, so wie Regie und Drehbuch es haben wollen.

Wie ich schon erwähnte hallt "Suspiria" nach dem Gucken auf verschiedenen Ebenen noch weiter nach, wenn man sich während des Zuschauens ernsthaft und intensiv, aber auch frei von Tunnelblick mit ihm beschäftigt hat. Mit einem einzigen Gucken ist es ohnehin nicht getan, bei all der Konzentration die er einem abverlangt und bei all der Detailfreude, mit der man hier vorgegangen ist. Der einzige Wermutstropfen, der sich mir enttäuschend offenbart hat, war die Wahl mit welcher Rolle Jessica Harper, die Hauptdarstellerin der Erstverfilmung, besetzt wurde. Hier wäre auch in Form eines Gastauftritts eine doppeldeutige oder entscheidende Rolle möglich und wünschenswert gewesen. So wie tatsächlich eingebracht, wirkt ihr spätes Erscheinen wie ein Zwang, den man dem Publikum als Wunsch gewähren muss, und das ist nicht nur schade zu nennen aufgrund ihres Talentes was sie im Original oder auch in "Das Phantom im Paradies" bewies, sondern auch aufgrund dessen, dass es sich respektlos guckt die gute Frau so zu verheizen, wenn bei unbefriedigender Darstellung auch ohne sie in einer fiesen Pointe mit dramaturgischem Nachhall angewendet. Chloë Grace Moretz erkennt man in ihrem Gastauftritt zu Beginn anbei nicht, was ich allerdings ganz gut finde.

Kurzum: wer sich als Horror-Fan nicht vor anspruchsvollem Kunstkino scheut und als Cineast nicht den Bereich des Horrorfilms, der bekommt ein erstaunliches Produkt mit winzigen Schönheitsfehlern und intensiver Nachbeschäftigung geboten. "Suspiria" kommt nicht eitel, pseudo-anspruchsvoll oder intellektuell überheblich daher, erlaubt sich aber selbstbewusst erzählt zu sein, was bei einer derart zu Ende gedachten Inszenierung, Erzählung und Psychologie auch legitim ist, ja sogar so sein muss, um das theoretisch Durchdachte auch derart effektiv praktisch umzusetzen. Ebenso wie Argentos Original wird die zweite Variante des Stoffes das Publikum definitiv spalten.  OFDb

25.03.2018

WENN ICH BLEIBE (2014)

Es würde mich nicht wundern, wenn manch einem die Ereignisse in "Wenn ich bleibe" am Arsch vorbei gehen und man das dort erzählte als innovationsloses Gefühlsgedusel empfinden würde. Man braucht schon Zugang zu den Personen und Situationen, um in die theoretisch austauschbar klingende Liebesgeschichte unter vielen eintauchen zu können. Doch obwohl der Film auf manch zu sicher gesetzte Knöpfe drückt und auch mehr als einmal in den Kitschbereich abrutscht, mich hat er gefangen genommen in seiner weit weniger dem Jugendpublikum zugeordneten Art, wie man aufgrund der Jungstars und dem Träumen davon in diesem Alter ein berühmter Musiker zu werden meinen könnte.

Cutler inszeniert die Geschichte sehr sensibel, frei von pubertären Träumen, vielleicht deswegen so stark darauf verzichtend, weil die zwei im Zentrum stehenden Jugendlichen recht reife Menschen sind und sich, soweit es ihre geringe Lebenserfahrung erlaubt, keinen Illusionen hingeben. Sie genießen den Moment, wissentlich dass ihr Glück nicht von Dauer sein wird. Letztendlich besitzt die Love Story zwischen den beiden Hauptpersonen schon genug Potential um zu funktionieren, noch bevor der eigentliche Kniff um das Erwachen im Zwischenzustand während des Komas auftritt.

Und doch könnte "If I Stay" (Originaltitel) ohne diesen Aspekt nie so tief greifen und derart emotional gut funktionieren, macht dieser Aspekt aus einem oberflächlich betrachteten Stück leichtem Liebesdrama doch einen reflektierenden Film - vielleicht nicht so anspruchsvoll ausgefallen wie von den Verantwortlichen erhofft, das zeigt besagtes Abrutschen in den Kitsch, aber doch ein tiefsinnigeres Stück Film damit abliefernd als manch anderer daraus gebastelt hätte. Seine intensivsten Momente hat der Mix aus Fantasy, Romantik und Drama immer dann, wenn Menschen zu Mia am Krankenbett sprechen. Spätestens wenn der Großvater zu Wort kommt, bleibt kein Auge trocken, Cutler schafft es mehr als einmal, dass man als Zuschauer todtraurig wird und eine tiefe Verbundenheit zu den Protagonisten empfindet.

Mit Chloë Grace Moretz in der Hauptrolle besetzt war diese Empathie zur Hauptfigur ohnehin eine Leichtigkeit für mich, bewundere ich doch das Talent dieser mir liebsten Jungdarstellerin und schaut sie doch bezaubernd wie eh und je aus, eingetaucht in einem sensiblen, liebenswerten Charakter. Das Umfeld Mias schließt man ebenfalls schnell in seine Arme, lediglich mit dem austauschbar wirkenden Adam wurde ich nie wirklich warm. Nicht dass er mir auf den Senkel ging oder schlecht spielte, aber ich habe mich in ihn und seinen Softrock nicht einfühlen können, und das macht das Ergebnis des Streifens nur noch erstaunlicher, muss ich in der Regel doch beide Menschen einer Beziehung mögen, um mich in einem Romantikthema vollends wohl zu fühlen. Vielleicht macht dieser Aspekt nur um so mehr deutlich wie gut Moretz nun einmal spielt. Vielleicht ist es auch der Beweis dafür, wie intensiv mich die Geschichte, warum auch immer, gepackt hat.

An sich setzt der leicht esoterisch angehauchte Film auf ein naives, leicht zu beeinflussendes Publikum. Zwar können sich Cutler und Autorin Shauna Cross sensibel in die Figuren einfühlen, aber "Wenn ich bleibe" bekommt nie einen authentischen Touch beschert. Er ist Kino und wird dies in seiner verträumten und theatralischen Art nicht erst durch die realitätsentrückte Idee eines Bewusstseins innerhalb einer Zwischenwelt. Ein aufgeschlossenes oder gar intellektuelles Publikum wird nur gelegentlich angesprochen und herausgefordert, vom Großteil des Filmes wird es sich jedoch eher abwenden. Ich hingegen, habe mich von den Gefühlen einfangen lassen, ja sogar von den Kitschmomenten, die ich ebenso mochte wie die greifbareren emotionalen Momente. Wahrscheinlich wird man mit einigen Tagen Abstand nicht fair auf den Film zurückblicken und sich nicht eingestehen, wie sehr er einen aufgewühlt hat. Vielleicht wird er beim nächsten Mal auch nicht so gut funktionieren. Heute passte die Stimmung bei mir aufgrund gestern privat aufgewühlter Gefühle perfekt, da ist man offener für diese Art Thematik. Zur Zeit kann ich nur urteilen wie ich den Film frisch gesehen empfinde, und da kommt er für einen nicht authentischen, gefühlseinlullenden Film in Kinorealität überraschend gut weg.  OFDb

25.03.2017

BAD NEIGHBORS 2 (2016)

Bereits „Bad Neighbors“, der erste Teil des hier besprochenen Streifens, war lediglich eine nette kleine Routine-Komödie ohne nennenswerte Höhepunkte, solide inszeniert, aber bis auf winzige Elemente überraschungsfrei und vorhersehbar erzählt. Wie zu erwarten ist das Ergebnis in „Bad Neighbors 2“ nicht anders ausgefallen. Dass ich mich trotzdem relativ früh nach Erscheinen der DVD an die Fortsetzung herangewagt habe, liegt am Mitwirken von Chloë Grace Moretz, die ich für eine der talentiertesten Jungdarstellerinnen halte, die Amerika zur Zeit zu bieten hat. Wie gut der Star aus „Kick-Ass“, „Let Me In“ und „Carrie“ schauspielern kann, fällt in Nicholas Stoller Film, an welchem auch Hauptdarsteller Seth Rogen mitgeschrieben hat, jedoch kaum auf.

Das ist sehr schade. Erst kürzlich in „Die Wolken von Sils Maria“ durfte Moretz ihre Vielseitigkeit und ihr Können in einem Art House-Stoff unter Beweis stellen, und unter der Fuchtel von Seth Rogen wusste sich „Harry Potter“-Star Emma Watson in „Das ist das Ende“ mit nur einem kleinen Gastauftritt gekonnt zu emanzipieren. Dass dies in der viel größer angelegten Rolle Moretz‘ in „Bad Neighbors 2 - Sorority Rising“ (Originaltitel) nicht ebenfalls der Fall ist, liegt an der oberflächlich gezeichneten Charakterisierung. Zwar wird ihre Rolle als Kämpferin gegen den Sexismus dargestellt, letztendlich verkörpert sie aber nur das übliche Party-geile Teenie-Mädchen, wie man es in jeder x-beliebigen Teenie-Komödie zu sehen bekommt.

„Bad Neighbors 2“ soll ein kurzweiliger Partyfilm sein, deswegen ist dies nicht wirklich hinderlich für den Unterhaltungswert des Streifens, es verkauft die sympathische Schauspielerin damit lediglich unter Preis. Interessant an der Herangehensweise Stollers ist die Perspektive aus welcher der zweite Teil erzählt ist. Waren trotz diverser Abstecher ins Lager der Studenten Mac und Kelly die Stars des ersten Films, beleuchtet die Fortsetzung das Treiben der Girlies ein wenig intensiver. Einige Zeit lang beschäftigt sich der Streifen intensiver mit ihrer Seite als mit jener der Helden aus Teil 1. Damit bekommt „Bad Neighbors 2“ tatsächlich einen gewissen Teenie-Komödien-Touch.

Da der Film insgesamt nichts Neues zu erzählen hat, hat die Erwachsenenseite, die gerne jünger wäre als sie ist, ihr Alter aber akzeptieren muss, dem wilden Treiben der Mädels nicht viel entgegenzusetzen, wirkt damit gehaltloser, so dass die Teenie-Perspektive dominiert. Erst in der letzten halben Stunde besinnt man sich dessen was man eigentlich mitteilen möchte, und lenkt damit wieder auf die Seite der Erwachsenen, die, wie schon in Teil 1, mit Hilfe eines entgegenkommenden Kompromisses als Sieger vom Platz laufen.

Mit „Bad Neighbors“ verhält es sich ähnlich wie mit der „Ted“-Reihe. Innovativ und böse sieht anders aus, und ich kann jeden verstehen der auf diese Komödien schimpft, die nur das Grundlagenprogramm abarbeiten und keine wirklich großen Lacher, Kreativität und Überraschungen zu bieten haben. Als solide Routine-Kost gehen sie aber beide für mich in Ordnung, die beiden Rogen-Filme sogar mehr als die Vergleichsreihe mit Mark Wahlberg, ist mir der Hauptdarsteller seit meiner ersten Begegnung mit ihm in „Shopping-Center King“ doch einfach ursympathisch. Und dass er auch noch zusammen mit Chloë Grace Moretz in einem Film auftaucht, ist für mich wie ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk und rettet mir somit solch einen durchschnittlichen Stoff, in Kombination mit einer soliden und flotten Inszenierung. Einfallsreich sieht anders aus, aber Langeweile bekämpft der Streifen trotz seinem braven Einhalten gängiger Erzählregeln recht ordentlich.  OFDb

10.09.2016

DIE 5. WELLE (2016)

Freunde von Endzeitfilmen sollten sich eines bewusst machen, bevor sie sich mit falschen Erwartungen an „Die 5. Welle“ heranwagen und hinterher womöglich über ihn schimpfen: J Blakesons Werk ist die Jugend-Variante eines Endzeitfilms, und damit kein knallharter, pessimistischer Film, der möglichst detailgetreu seine Geschichte reflektiert. Das machen Jugendfilme so gut wie nie. Jugendfilme verschönern, setzen Charaktere und Liebesinteressen in den Vordergrund und blenden den erwachsenen Alltag bestmöglichst aus.

Wie katastrophal so etwas enden kann zeigen peinliche Werke wie „Twilight“, die vom erwachsenen Publikum aufgrund ihrer Blauäugigkeit überhaupt nicht mehr zu konsumieren sind. Mit „Die 5. Welle“ kann man hingegen auch als Erwachsener seinen Spaß haben. Das liegt aber auch daran, dass man im Gegensatz zu besagtem Vergleichsfilm einer ernstzunehmenden Gefühlswelt begegnet, deren Dramatik greifbar ist und keinesfalls, wie für das Teenie-Alter eigentlich üblich, theatralisch ausgefallen ist. Dementsprechend ist man nicht gezwungen maximal blauäugig mitzufühlen, man darf es richtig. Hierfür erweist sich nicht nur das Drehbuch als sehr treffsicher, auch Moretz Spiel erleichtert es einem mit ihr mitzufühlen, den Druck ihres Schicksals zu spüren, auch wenn es ein häufig gesichtetes im Sub-Genre des Endzeit-Filmes ist.

Es geht nicht nur darum diesen Unterschied erkennen zu können, sondern auch darum dass die durchaus vorhandene Action und der Thrill lediglich im Hintergrund stehen. In „Die fünfte Welle“ geht es um die Dramatik des Stoffes. Wem das Ganze nicht hart genug ausfällt, der ist schlichtweg im falschen Film. Und wer den Weltuntergang nicht aus Kindersicht miterleben möchte, der ist dies erst recht.

Selbstverständlich kann die von mir geäußerte Argumentation nicht Schutz für jegliche getätigte Lücke sein. Gerade gegen Ende verläuft doch alles eine Spur zu glatt und ohne zu große Verluste, was dem Streifen einiges von seinem bisherigen Potential geraubt hat. Hier hätte „The 5th Wave" (Originaltitel) durchaus mehr Laufzeit erhalten können, um es den Protagonisten schwerer zu gestalten ihr Ziel zu erreichen. Dank der Konsequenz dessen was man erzählen wollte und der durchweg gut agierenden Mimen kann man über diese Ärgernisse in der Dramaturgie jedoch versöhnlich hinwegsehen, zumal sich auch der komplette Film rein technisch großartig schaut.

Von der unterschwellig hervorragend passenden, unaufdringlichen Musik, bis hin zur wundervollen Fotografie des Streifens gibt es wahrlich nichts zu meckern, so dass man trotz diverser Abstriche einen sehenswerten Film vorgesetzt bekommt, der das Teenie-Publikum sicher eher begeistern wird als das erwachsene, der aber auch im Herzen Junggebliebene mit offenen Armen empfängt, ohne gleich den Verzicht auf jegliches rationale Empfinden dafür einzufordern. Sicherlich ist die abschließende Weltsicht sehr gefühlsbetont und optimistisch gezeichnet. Aber sie spricht dem hoffnungsvollen jungen Alter definitiv aus dem Herzen - und völlig verkehrt ist sie in ihrem Ansatz nun wirklich nicht.  OFDb

21.08.2016

DIE WOLKEN VON SILS MARIA (2014)

Wunderschöne klassische Musik, imposante Bilder, talentierte Schauspieler in tiefgehenden Charakteren und gehaltvolle Dialoge machen es dem Zuschauer einfach sich dem eigentlich recht schwermütigen Stoff hinzugeben, den Regisseur Olivier Assayas selbst verfasst hat. Schnell merkt man, dass man etwas Großem beiwohnt. „Die Wolken von Sils Maria“, so sehr der Titel auch das Klischee manch verkrampfter Kino-Kunst verkörpert, schaut sich in seiner ruhigen wie intellektuellen Art nie bemüht. Man erkennt dass Figuren und Situationen verstanden wurden, aber auch dass ihre Eigenschaften nicht fest in Stein gemeißelt sind, sondern der Interpretation des Zuschauer unterliegen.

Das ist insofern wichtig, als dass dies auch ein wichtiger Aspekt innerhalb der Geschichte ist, gerade dann wenn wir Maria Enders dabei begleiten alte Erinnerungen an den Stoff Revue passieren zu lassen, und sie es nicht zulassen möchte aus reiferer Sicht von der von ihr geliebten Figur, die sie früher spielte, loszulassen. Obwohl sie über ihre junge Assistentin einen anderen Blickwinkel auf den Stoff erhält, tut sie diesen als naiv ab, als oberflächlich, anstatt sich dieser Alternative, abgestiegen von dem hohen Sockel auf dem sie thront, einzulassen. Symbolisch für diese Haltung Enders steht auch die gerne von kultivierten Menschen gelebte Tunnelblick-Haltung Tiefe könne in einem übernatürlichen Stoff nicht existieren.

Wie Enders am Ende des Films zu ihrer Rolle steht bleibt Interpretation, liegt also an der Sichtweise des Zuschauers wie so vieles mehr. Damit schaut sich „Die Wolken von Sils Maria“ auf mehreren Ebenen. Das was der Film erzählt, erlebt auch der Zuschauer in seiner Rolle als Zuschauer. Intensiver wird dies in den Charakterzeichnungen der Figuren und ihren Einfluss aufeinander angegangen, zeigt das eingeprobte Stück doch Parallelen zu dem was in der Filmrealität stattfindet oder sich zumindest unterschwellig andeutet, was wiederum Parallelen zu der unseren Realität und den hier agierenden Darstellern aufweist.

Nicht dass die Geschichte einen solchen Zusatzaspekt nötig gehabt hätte, die Dramaturgie des Stoffes ist hervorragend ausgearbeitet und sehr sensibel und subtil eingefangen. Aber diese doppelten Böden bereichern das Werk in seiner analytischen Deutungsvielfalt und den verschiedenen Blickwinkeln unter denen wir den Stoff verstehen oder nachempfinden können. Ohne je all zu schwermütig oder zu dick aufgetragen emotional zu werden, kommt „Die Wolken von Sils Maria“ mit einer Natürlichkeit daher, die einen fast schon glauben lässt einem leichten Stoff beizuwohnen, so entspannt ist das ethisch sensible Werk ausgefallen.

Die drei ausgezeichneten Hauptdarstellerinnen agieren nicht nur in Bestleistung, der Kenner dieser Schauspielerinnen erkennt zudem das Durchbrechen der vierten Wand. Binoche arbeitete mit dem stets verkopften Michael Haneke in „Caché“ zusammen, kennt somit das Arbeiten im Kunstfilmbereich ebenso wie die Kommerzseite des Filmgewerbes, wirkte sie im selben Jahr vom hier besprochenen Film doch auch in „Godzilla“ mit. Kristen Stewart, die mir mit ihrem bewundernswerten intensivem Spiel zum ersten Mal (positiv) aufgefallen ist, nimmt hier im Film phantastische Stoffe in Schutz, befreit sich aber gleichzeitig aus dem oberflächlichem „Twilight“-Gefängnis, in welchem sie Jahre lang festsaß. Und Chloë Grace Moretz mimt die Skandalnudel, nur um schließlich seriös zu wirken und im nächsten Schritt den Zuschauer im Unklaren zu lassen was davon nun die echte Jo-Anne Ellis ist.

Das passt zu Moretz Rollenauswahl, ist sie mit „Carrie“, „Let Me In“, „Runaway Girl“ und ganz besonders mit ihrer Rolle des Hit-Girls in „Kick-Ass“ und „Kick-Ass 2“ auf provokante Charaktere abonniert, so dass die Rolle des skandalösen Hollywood-Sternchens hevorragend in ihr bisheriges Repertoire passt. Obwohl sie die kleinste der drei wichtigsten weiblichen Rollen erwicht hat, eigentlich sogar nur eine Nebenrolle, gibt ihr der Stoff die Möglichkeit sich auf vielschichtige Art schauspielerisch zu üben und zu beweisen. In einer Kino-Sequenz den Zukunftsmutanten mimend, in einem Interview die Provozicke zur Schau stellend, im realen Leben als charmante junge Dame auftretend und im Theater die kämpferische, etwas arg arrogante, zickige aber auch gleichzeitig souveräne Schauspielerin verkörpernd, Assayas gibt Moretz die Chance aus ihrem Popkornschatten zu treten, während sie ihn gleichzeitig zelebriert. Das muss sie auch, denn dem Autor ist das Loslassen von Vorurteilen in der Kunst so wichtig wie der weiter oben erwähnte Interpretationswechsel von Zuschauer zu Zuschauer.

Locker hätte man aus dem Stoff ein Psycho-Drama zaubern können, in welchem die Parallelen zwischen Realität und Theaterstück auf morbid dominante Art in den Vordergrund treten. Assayas gibt dieser Versuchung nie nach, liebt es dass solche Gedanken im Raum schweben, wissendlich dass der Zuschauer derartiges vermuten könnte, aber er belässt es die alltäglich Dramatik zu thematisieren, macht aus „Sils Maria“ (Alternativtitel) niemals Hollywood, sondern liefert vergleichbar mit „Das Mädchen, das die Seiten umblättert“ einen vordergründig schlichten Stoff ab, dessen Tiefe man erst entdeckt, wenn man sich mit den Figuren und das was sie bewegt tatsächlich auseinander setzt.

Es ist schön dass „Clouds of Sils Maria“ (Originaltitel) trotz seines künstlerichen und intellektuellen Gehalts kein stures, verkopftes Stück Pseudo-Drama geworden ist, sondern ein gleichsam unterhaltsamer wie tiefgründiger Film, sensibel, natürlich und durchdacht erzählt, von einer scheinbaren Nichtigkeit berichtend, um tiefer gehend über Kunst, Kultur, Erfahrungswerte, Vergangenheitsbewältigung, Selbstlüge, medialer Manipulation, den Gesetzen Hollywoods und verdrängten Gefühlen zu sinnieren. Schön dass Stewart und Moretz die Chance zuteil wurde sich in einem solchen Stoff zu beweisen, während die erfahrene Binoche trotz großartigem Spiels den jungen Mitmimen hierfür genügend Raum lässt, ohne dabei in den Hintergrund zu fallen.  OFDb

18.08.2016

RUNAWAY GIRL (2011)

Chloë Grace Moretz, man muss sie einfach mögen. Nicht nur dass sie ein unglaublich süßes, talentiertes und arbeitseifriges Mädchen ist, ihr Hang zu morbiden Stoffen in solch jungem Alter gibt ihr zudem den zusätzlichen Touch Sympathie, und so braucht es gar nicht verwundern, dass bevor sie mit „Die Wolken von Sils Maria“ auch einmal in einem kompromisslosen Drama gelandet ist, nach „Kick-Ass“ und „Let Me In“ zunächst ein rustikales Drama folgen musste, dreckig, düster, mit Gewalt in der Luft liegend. Und so erleben wir in „Runaway Girl“ das Schicksal der naiven, aus ätzenden Verhältnissen stammenden Luli, die an die falschen Leute gerät.

Glücklicher Weise ist das Werk von Derick Martini keines dieser „Hilfe, die Ausreißerin wird eine Prostituierte“-Drama, Luli versinkt nicht im Drogenmeer und im Prostitutionsgeschäft, rein mental verliert sie nicht einmal ihre Unschuld trotz all dem Blödsinn den sie unter schlechtem Einfluss gemacht hat. Erst gegen Ende, nach einer angedeuteten Vergewaltigung und einem Mord zum Selbstschutz, ist es tatsächlich vorbei mit den tagträumenden Kindereien. Positiv wie „Hick“ (Originaltitel) gestrickt ist, bieten sich ihr jedoch trotzdem Chancen zur Verbesserung der Lebensqualität an, so dass sich ihr optimistisches Gemüt trotz aller Fehlschläge und Traumatas nicht unterkriegen lässt.

Dies ist vielleicht die größte Kritik, die sich „Runaway Girl“ gefallen lassen muss, wirkt er doch trotz seiner rauen Geschichte, die sich aufgrund ihrer sensiblen Erzählung nur selten rau guckt, etwas arg fern der Realität. Wo andere Kinder eine Therapie nach all diesen Erlebnissen bräuchten, da fährt Luli lächelnd mit dem Bus in eine vertrauensvolle Zukunft. Ein Helfer hat ihr dies versprochen. Wieder vertraut sie wem Fremdes, nachdem sie so oft enttäuscht wurde. Glaubwürdig? Obwohl es naiv klingt: ja, Alec Baldwins hervorragend gespielte Rolle weiß diesen Umstand glücklicher Weise halbwegs echt wirken zu lassen, auch wenn der Schluss sich damit endgültig Richtung Sozial-Drama orientiert, nachdem der Film ansonsten taff und fern solcher Klischees funktionieren wollte und dies eigentlich auch tat.

Dass er sich stattdessen anderer Klischees bedient, schien die Verantwortlichen des Werkes nicht zu stören. Und so muss man trotz düsterer Themenbereiche schon einen Hang zum morbid-romantischen Bereich solcher Aussteiger-Storys haben, fern irgendwelcher Glaubwürdigkeiten. „Hick“ ist Kino und hat mit der Realität wenig zu tun. Dank der guten Schauspieler und einer verträumten Atmosphäre, da wir all das Elend aus den Augen einer naiven 13jährigen erleben, kann man sich jedoch trotzdem auf den Film einlassen. Luli und ihre Erlebnisse lullen ein. Schreckliche Dinge werden eher abenteuerlich anstatt radikal dramatisch präsentiert.

Dass das vielen nicht schmeckt, dürfte nicht überraschen. Dass das einen Film auch im positiven Zustand nicht zu einem Meisterwerk machen kann, dürfte ebenso wenig überraschen. Und dass eine solche Geschichte, auch aufgrund ihres Nostalgieblicks, damit nicht innovativ zu nennen ist, so kalkuliert wie er auf verträumte Knöpfe drückt, müssen sich die Verantwortlichen des Streifens als Kritik einfach gefallen lassen. Dass das Ganze aber auf schlichte Art funktionieren kann, grenzt schon fast an ein Wunder, schafft es Martini doch recht gekonnt uns zu manipulieren, so dass man die Abenteuer Lulis tatsächlich aus einem romantischen Blickwinkel verfolgt. So lässt sich „Runaway Girl“ überraschend schön gucken.

Trotzdem darf man sich hinterher zu Recht fragen, was das nun sollte. Warum wird solch eine Geschichte so optimistisch erzählt und üble Ereignisse durch Ausblendung verschönt, wenn Luli doch wahrlich Schreckliches miterleben muss? Was will der Film uns mitteilen? Ich weiß es nicht und habe den Verdacht, dass der Streifen tatsächlich nur unterhalten soll. Irgendeine Form von Tiefgang und analytischer Raffinesse kann ich beim besten Willen nicht in ihm entdecken. Erstaunlicher Weise wirkt der Film in dieser verschönten, manipulativen Art trotzdem nicht verantwortungslos und fragwürdig. Er schafft es, dass man ihm nicht böse ist, so gefühlvoll wie er seinen Optimismus auf den Zuschauer zu übertragen weiß. Er ist einfach Kino, nicht mehr und nicht weniger.  OFDb

05.04.2015

MUPPETS MOST WANTED (2014)

Ich war von dem Versuch Hensons Filzpuppen wieder auf die Kinoleinwand zu bringen nicht sonderlich begeistert. „Die Muppets“ war zu brav, zu anbiedernd, ein typisches kalkuliertes Produkt, mittendrin badend in der Political Correctness, die ich so verabscheue. Dementsprechend bin ich mit geringen Erwartungen an die Fortsetzung, dem mittlerweile 8. Kinofilm der Puppen, herangegangen. Dass ich trotzdem ein wenig Hoffnung hatte der Film könne etwas taugen lag zum einen an der Geschichte, die äußerst reizvoll klang und zum anderen an Ricky „The Office“ Gervais, der den menschlichen Hauptpart übernahm und den ich für seine Komik und sein schauspielerisches Talent sehr schätze.

Und was soll man sagen? „Muppets Most Wanted“ ist nicht nur wesentlich charmanter ausgefallen als sein träger Vorgänger, er ist trotz mancher Schwachstellen sogar einer der unterhaltsamsten Filme der Filzpuppen geworden. Das böse Kermit-Double hat eine derart fiese Fresse, dass ich noch bis hin zu seinem letzten Auftritt über dessen Mimik lachen konnte, so gelungen ist diese ausgefallen und macht somit viel am Gesamtergebnis des Streifens aus. Auch bekommen die Nebenfiguren viel mehr Beachtung geschenkt als im Vorgänger, gerade Adler Sam hat eine herrliche Nebenrolle ergattern können. Lediglich die in den 90er Jahren durch „Muppets Tonight“ neu hinzugestoßenen Puppen huschen wenn überhaupt nur mal kurz durchs Bild. Das ist schon schade, allein Andy und Randy Pig sowie der Bär Bobo haben ein ungeheures Humorpotential zu bieten auf welches der aktuelle Kinofilm komplett verzichtet.

Zudem fehlt „The Muppets 2“ (Alternativtitel) etwas, das den meiner Meinung nach besten Muppetsfilm „Die Muppets Weihnachtsgeschichte“ so viel Rückhalt gegeben hat: gute Songs. Dass die Puppen singen ist ein Übel das jeder Film mitträgt, aufgrund des Ursprungs der Helden, „Die Muppet Show“, gehört es freilich trotzdem irgendwie mit dazu, ob man es mag oder nicht. Aber bislang hat es nur die Muppets-Verfilmung von Dickens Weihnachtsgeschichte geschafft gelungene Lieder hervorzubringen. Trotz der eher uninteressanten Songs im hier besprochenen Film haben die Musikszenen denen des Vorgängers „Die Muppets“ trotzdem eines voraus: sie sind in die Geschichte eingebunden und nicht lediglich zur reinen Selbstdarstellung der menschlichen Darsteller gedacht. Die einzige negative Ausnahme diesbezüglich bildet der Gastauftritt von Celine Dion, die sich selbstverliebt wie in ihrem Musikvideo zu „My Heart Will Go On“ präsentiert innerhalb einer Szene, auf die man auch hätte verzichten können.

Lustiger Weise ist sie der einzige Star der negativ auffällt, und an Gaststars hat man wahrlich nicht gespart. Til Schweiger, Christoph Waltz, Danny Trejo, Ray Liotta, sie sind alle mit dabei und mittendrin auch Newcomerin Chloe Grace Moretz, die ich nicht einmal erkannt habe. Von ihrer Anwesenheit habe ich erst im Abspann gelesen. Schade! Aber ich habe „Muppets Most Wanted“ mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gesehen, denn er ist herrlich witzig, kurzweilig und unverkrampft ausgefallen, teilweise sogar so frech wie die urigen Werke der Filztruppe, was einem kleinen Wunder gleicht. Bei meiner nächsten Sichtung werde ich also einen Blick auf Chloe werfen.

Lediglich das Einbringen der neuen langweiligen Muppet-Puppe, die mit dem Vorgänger neu zum Muppet-Universum hinzugestoßen ist, wäre nicht nötig gewesen. Die hat dem Film nichts zu bieten außer dem Wiedererkennungswert, dass man es mit einer Fortsetzung zu „Die Muppets“ zu tun hat. Trauriger Weise war der ein Hit, sonst hätte man sich davor hüten müssen mit dem in einen Topf geworfen zu werden. Andererseits hat dessen Erfolg erst die hier besprochene Fortsetzung ermöglicht, ein weiterer Grund warum man über die geglückte Stil-Verschiebung so überrascht sein darf. Danke dass „Muppets Most Wanted“ kein Klon seines Vorgängers wurde, sondern ein Streifen mit Charakter und dem Verständnis der Figuren, die er sich aus den 70er Jahren entliehen hat. Jetzt kann man nur noch hoffen dass Bobins zweite Regiearbeit eines Muppetfilms erfolgreich genug für eine weitere Fortsetzung war.  OFDb

15.06.2014

CARRIE (2013)

Wenn man Brian De Palmas „Carrie - Des Satans jüngste Tochter“, die erste Verfilmung eines Buches nach Stephen King, so wie ich auch gleich als die bislang beste Verfilmung eines King-Buches empfindet, gibt es eigentlich nur einen echten Grund einen Blick auf das mittlerweile zweite Remake zu werfen: Chloe Grace Moretz. Diese Jungmimin begeisterte mich mit ihren provokativen Auftritten als Hitgirl in den beiden „Kick-Ass“-Filmen ebenso wie mit ihrem sensibleren Spiel in „Let Me In“. Ob „Amityville Horror“ oder „Zombies“, beides Filme bei denen sie nicht sonderlich auffiel, das Mitwirken in eher morbiden Werken schien es ihr angetan zu haben. Und da „Carrie“ sowohl dies als auch die erkennbare Tendenz vorzugsweise Außenseiter-Rollen zu verkörpern ermöglicht, sollte man meinen, dass es für Moretz eine Leichtigkeit sein dürfte diese Rolle zu verkörpern.

Dass auch sie mit gerade mal 16 Jahren noch viel Berufserfahrung sammeln muss, liegt nicht nur klar auf der Hand, es zeigt sich leider auch recht deutlich im hier besprochenen Werk, weiß Moretz zwar in den stillen, gebrochenen und leicht fröhlichen Szenen zu überzeugen (eigentlich die im Vergleich schwierigeren), gerade der Rachepart im Finale gelingt ihr mimisch jedoch nicht wirklich, schaut sie doch noch viel zu niedlich drein und verkommt ihr Grummelgesicht doch eher zum offensichtlichen Schauspiel als zur Zuschauer-täuschenden Überzeugung. Fairer Weise muss man eingestehen, dass die Maske die negative Wirkung noch zu verstärken weiß, läuft Moretz doch, nachdem sie überdeutlich von einem Eimer mit CGI-Blut nicht getroffen wird, nicht als bluttriefender, halbwegs glaubwürdiger Racheengel umher, sondern eher als ein Mädchen, das sich erlaubt hat an Halloween mal die Carrie zu spielen.

Da zeigen sich Bluttropfen im Gesicht, die viel zu gemalt aussehen, so als hätte ein Laie die Maske übernommen, vergleichbar mit der Art und Weise wie manche beim Schminken eine Träne unter das Auge malen. Da weht einem nichts authentisches an, obwohl man sich lediglich an De Palmas Original hätte orientieren können, etwas das die Verantwortlichen des Streifens in anderen Bereichen recht häufig gemacht haben. Warum also nicht hier? Sicherlich sind einige Parallelen der Nähe zur Printvorlage Kings zuzuschreiben, aber „Carrie“ kopiert recht häufig „Carrie“, interpretiert den Stoff jedoch nur durch das Modernisieren anders und erreicht nicht die Tiefe des Originals, da das Zielpublikum deutlich erkennbar im Teenie-Bereich vorzufinden ist.

„Carrie“ ist die Teenie-Variante von De Palmas Werk. Das merkt man an den psychologischen Oberflächlichkeiten, an dem Drang Unnötigkeiten hochzuschaukeln, so z.B. die Fähigkeiten Carries, die an mancher Stelle nichts mehr mit Telikinese zu tun haben, oder der Hang aufgrund des aktuell brutalen Grundtons in US-amerikanischen Horrorfilmen die Bluttaten Carries näher ins Visier zu nehmen und ein wenig mehr zu zelebrieren. Was man hier, im Vergleich zur Standardware Amerikas noch recht harmlos, radikal wirken lassen möchte, steht im Gegensatz zu einer Bravheit an anderer Stelle, die zeigt wie zahm der Streifen tatsächlich ist. Am deutlichsten zeigt sich dies im Vergleich zu den beiden jeweiligen Umsetzungen der Menstruation in der Dusche-Szene, wo in der Neuverfilmung die Prüderie der Amis nur wieder all zu deutlich wird.

Ob „Carrie“ eine Neuverfilmung benötigt hätte, kann man aufgrund der Genialität des Originals wohl locker mit einem nein beantworten. Doch bös bin ich nicht dass es eine Teenie-Variante des Stoffes gibt, weiß doch auch sie, im Gegensatz zur ersten Neuverfilmung, die ebenfalls „Carrie“ hieß und eine TV-Produktion war, zu unterhalten, wenn auch viel schlichter und oberflächlicher als das Original. Mit dieser naiven Art ist er praktisch perfekt zugeschnitten auf die Wahrnehmung von Pubertierenden. Dass das Schauen der Teen-Version auch für Erwachsene ganz unterhaltsam sein kann, liegt neben dem sensiblen Spiel Moretz in erster Linie an Julianne Moores hervorragendem Agieren als religionsfanatische Mutter, die der Konkurrenz der Erstverfilmung die Hand reichen kann.

Moore ist die einzige Schauspielerin des Streifens, die an das Talent ihrer Vorgängerin heran reicht. Alle anderen, inklusive Moretz, bleiben im Vergleich ein blasser Schatten dessen was dort an hohem Schauspielniveau herrschte. Das ist eben der Nachteil wenn man solch ein Meisterwerk nachspielt. Die hier agierenden Jungmimen und die paar wenigen Erwachsenen spielen alle nicht schlecht, aber eben bei weitem nicht so gut wie die Besetzung des 70er Jahre Originals.

Das abgewandelte Ende der Geschichte gefällt mir als Horror-Nerd eigentlich ganz gut. Mögen anspruchsvolle Cineasten bei dem Gedanken auch die Augen verdrehen, und mag es ein Tritt in den Arsch für Stephen KIng sein, sowie eine Nichtachtung seines Werkes, der Gedanke Carrie könnte in der Art eines Jason Vorhees wieder auftauchen, um hirnlos in ein paar Fortsetzungen Teenager zu meucheln, fänd ich persönlich recht reizvoll, wissentlich wie plump der Gedanke eigentlich auch sein mag. Aber mit Moretz in der Hauptrolle hätte eine Fortsetzung dieser Art, die mit dem hier angewendeten Schluss durchaus möglich wäre, einen echten Trumpf zu bieten. Es bestünde durchaus die Möglichkeit Kings Vision von Carrie hinter sich zu lassen, sich quasi von der zu Ende erzählten Ur-Geschichte zu lösen, um sich im Filmbereich als Horrorikone a la Freddy selbstständig zu machen. Das wäre immer noch einfallsreicher als die damalige Idee zum gar nicht mal so schlechten „Carrie 2“, der in den 90er Jahren gedreht wurde.  OFDb

08.02.2014

AMITYVILLE HORROR - EINE WAHRE GESCHICHTE (2005)

Aufgrund seines Fakes nach wahrer Begebenheit war der Roman seinerzeit ein Bestseller und die mäßige erste Verfilmung ein Hit mit insgesamt 6 Fortsetzungen (7, wenn man „The Amityville Curse“ mitrechnet). Die Neuverfilmung guckt sich jedoch wesentlich angenehmer als das Original aus den 70er Jahren, was neben einer allgemein flotteren Umsetzung auch daran liegt, dass die Rolle des wahnsinnig werdenden Familienvaters besser besetzt wurde. Eigentlich weicht man inhaltlich recht wenig vom Original ab, was die Pluspunkte des Remakes um so legitimer macht. Ein richtig gruseliger Film sieht anders aus, aber Andrew Douglas’ „Amityville Horror“ ist immerhin der kleine Genrebeitrag für zwischendurch. Dass auch er aus der simplen Grundlage und der Lächerlichkeit, die durch das penetrante Verweisen einer wahren Begebenheit entsteht, nichts Großes zaubern kann, kann man ihm wohl kaum verübeln. Die Geschichte ist einfach zu banal und altbacken, als dass etwas wahrlich Aufregendes aus ihr zu ernten wäre. Allerdings bin ich trotzdem auf schlichte Art angenehm unterhalten worden, während ich das Original fast schon einschläfernd fand. Sicherlich hat niemand ernsthaft auf ein "Amityville Horror"-Remake gewartet. Inmitten interessanter Spukgeschichten in der Videothek wäre das Produkt unter anderem Titel mit seinem passablen Mittelmaß definitiv untergegangen. Zumindest die Teilnahme der noch sehr jungen Chloë Grace Moretz verleiht dem Werk ein kleines Zusatzinteresse, aber ihre Rolle ist freilich recht gering ausgefallen, steht doch der Vater hauptsächlich im Vordergrund des Geschehens.  OFDb

21.09.2013

LET ME IN (2010)

Selten sah ich im Bereich des Horror-Dramas eine derart sinnliche Geschichte, die mich so intensiv mitfühlen ließ wie Matt Reeves Remake des schwedischen „So finster die Nacht“, den ich bislang noch nicht gesehen habe. Warum ich mich für die Erstsichtung des Stoffes für die amerikanische Neuverfilmung anstatt für das Original entschieden habe, ist ein Grund der in der Besetzung zu suchen ist, wollte ich als Fan der „Kick-Ass“-Reihe, und damit einher als Bewunderer der Schauspielkünste von Chloe Grace Moretz, doch unbedingt sie in einer anderen Rolle als die des Hit-Girls sehen. Und da die Veröffentlichung des Remakes „Carrie“ noch etwas hin ist, in welcher Moretz die Titelrolle spielen wird, kam mir „Let Me In“ sehr gelegen, in welchem die junge Schauspielerin wie so oft eine recht morbide Rolle spielen darf, in gewisser Weise vergleichbar mit dem damals so schockierend wirkenden Charakter, den „Spider-Man“-Darling Kirsten Dunst einst in „Interview mit einem Vampir“ spielen durfte.

Allerdings besitzt Abby eine liebenswürdige Seite, ein Charakterzug der Claudia aus dem Vergleichsfilm fehlte. Allerdings darf man sich nicht vertun. Ihren Opfern gegenüber ist Abby gnadenlos, eine Schattenseite ihres Charakters die jedoch dadurch etwas abgeschwächt wird, da man aufzeigt, dass ein Vampir seine Gier nach Blut nicht unter Kontrolle halten kann, nicht einmal einer Person gegenüber die man liebt. Aber zumindest ist sie da, die Möglichkeit zu lieben, und so entführt uns „Let Me In“ in eine bittersüße und morbid romantische Liebesgeschichte, jener Liebe die am wertvollsten zu erzählen ist, nämlich die Geschichte der ersten Liebe - zumindest für Owen, der zur Identifikationsfigur wird.

Was „Twilight“ verkrampft versuchte und nicht erreichte, da er sich damit begnügte lediglich auf das junge Teen-Publikum abzuzielen, und was ein „Return Of The Living Dead 3“ und manch anderer Genre-Beitrag nicht im Ansatz erreichten, das gelingt „Let Me In“. Er berührt. Er lässt mitfühlen. Und er ist sinnlich. Er vermischt den romantischen Aspekt mit dem Morbiden und Düsteren seiner Geschichte und geht dementsprechend keine Kompromisse ein. Was einem „Die Weisheit der Krokodile“ innerhalb der Möglichkeiten seiner Geschichte gelang und „Zombie Honeymoon“ zumindest teilweise erreichte, das wird hier zum Herzstück des Films. Und da darf man sich schon glücklich schätzen, einem solch wunderbaren Cast (allen voran den beiden Hauptdarstellern)  beizuwohnen, der den Charakteren genügend Leben einhaucht, während die gut fotografierte Inszenierung einen sanft umweht. Von Karacho-Action a la „Cloverfield“ ist vom Regisseur besagten Streifens in „Let Me In“ nichts zu spüren. Dass der Film sensibel erzählt werden muss, wurde richtiger Weise als Pflicht erkannt. Jede andere Herangehensweise wäre unsinnig gewesen.

Schön auch, dass die meisten Brutalitäten des Streifens optisch harmloser eingefangen werden als es möglich wäre, jedoch nicht um den Film in Watte zu packen, sondern um die Gore-Effekte stilistisch zum Film passen zu lassen. Die Grausamkeiten des Streifens erscheinen keinesfalls weniger grausig, nur weil nicht jegliche Bluttat im Detail gezeigt wird. Der Lebenssaft fließt dennoch für eine FSK 16 recht ordentlich, und dass gerade im Finale die extreme Brutalität ausgeblendet wird, ist ein cleverer Schachzug der Verantwortlichen für diese Szene. Selten war der Zuschauer näher an der Perspektive Owens gebunden als hier. Und das muss schon was heißen, so empathisch wie der Zuschauer den Jungen durch diese Geschichte begleiten darf.

Freilich kenne ich wie oben erwähnt nicht das Original aus Schweden und kann somit nicht beurteilen an welcher Stelle Reeves bei „So finster die Nacht“ lediglich Gesehenes kopiert hat. Aber zumindest kann ich somit unvoreingenommen an „Let Me In“ herangehen. Und sollte das Remake lediglich eine Kopie des Originals sein, so ist es zumindest keine billige oder unterkühlte. Eine Geschichte und Bildeinstellungen mögen sich ja ohne großes Talent wiederholen lassen, aber am Ende ein Ergebnis mit so viel Seele zu erreichen, dafür bedarf es schon eines gewissen Talents, was „Let Me In“ scheinbar eine Remake-Legitimation zu geben scheint, wenn auch gerade mal zwei Jahre nach „So finster die Nacht“ gedreht.  OFDb

25.08.2013

KICK-ASS 2 (2013)

Kick-Ass“ war eine kunterbunte und gleichzeitig bluttriefende Wundertüte am Kino-Himmel, genau jener Einfallsreichtum den ich in einem Blockbuster längst wieder sichten wollte, ein wirrer Genre-Mix, clever erzählt, mit echten Charakteren versehen und einem hohen Unterhaltungswert gesegnet. Dass ein solch vorbildliches Ergebnis so leicht nicht zu wiederholen ist, ist klar, und so brauchte man bei der Fortsetzung nicht ernsthaft mit einem vergleichbaren Ergebnis zu rechnen. Und mit diesen heruntergeschraubten Erwartungen an „Kick-Ass 2“ heranzugehen ist genau die richtige Einstellung, denn auch er bereitet genügend Freude einen über seine Lauflänge lang gut zu unterhalten.

Allein dass Hit-Girl ein normales Leben führen soll ist das Reinschalten schon wert. Zwar ist Kick-Ass mittlerweile ein halbwegs gleichwürdiger Partner als Superheld auf dem Bildschirm, aber die interessantesten Momente bekommt weiterhin Mindy beschert, die uns diesmal das Mädchen hinter der Hit-Girl-Maske präsentiert. Das ist auch die richtige Entscheidung, haben wir Dave doch in Teil 1 genauestens kennen gelernt, der kann sich nun seinem merkwürdigen Hobby widmen. Nun lernen wir die Gefühlswelt der Mindy kennen. Und war ich noch am Zweifeln ob Hit-Girl als Teen so gut wirken kann wie als kleines Mädchen, so verstreuten sich zumindest diese Befürchtungen Mindy betreffend. Die Hit-Girl-Szenen waren tatsächlich in Teil 1 besser, aber auch sie, diesmal weniger vorhanden, wissen aufgrund origineller und blutiger Einfälle zu gefallen. Aber die Hit-Girl-Persönlichkeit tritt diesmal ein wenig zurück, um der Mindy-Persönlichkeit mehr Raum zu geben. Da werden einige sicher drüber schimpfen, mir hat diese Entscheidung jedoch sehr gut gefallen.

Unverständlich ist mir dagegen das Verheizen von Jim Carrey an Bord, dessen Charakter nicht genügend Screentime beschert bekommt um mehr zu werden als ein Stichwortgeber. Das ist nicht wirklich schlimm für die Geschichte, zumal spätestens sein Hund für einige Lacher gut ist. Warum man sich für eine solch unwichtige Rolle jedoch einen der talentiertesten Männer Hollywoods aussucht, kann ich nicht verstehen. Er als Anführer der Superheldenvereinigung teilt damit jedoch das Schicksal jeder neuen Nebenfigur. Alle sind für den kurzen Gag aufgrund ihrer schrillen und kaputten Art für einen Schmunzler gut, lediglich herausstechen tut jedoch nur Hit-Girls End-Gegnerin aus Russland.

Schicksalsschläge wie in Teil 1 gibt es auch zu erleben, die sind zwar nicht ganz so dramatisch herausgearbeitet wie dort, finden gerechter Weise diesmal aber an der Seite Davids statt, womit die erzählerischen Momente zwischen ihm und Mindy endgültig im Vergleich zu Teil 1 vertauscht werden. Dass einem das ganze nicht trotzdem wie eine schlichte Wiederholung von Teil 1 vorkommt, liegt an der völlig anderen Orientierung der Geschichte, dürfen wir doch z.B. den ehemaligen Red-Mist beim Aufbau der ersten Superschurken-Bande beobachten, was schon einiges an inhaltlichem Raum einnimmt.

Als Motherfucker ist er leider zur vollkommenen Witzfigur heruntergekommen. Zwar sind die Lacher auf seiner Seite und Christopher Mintz-Plasse wie gehabt eine gute Besetzung, aber der Motherfucker wird nicht zum würdigen Endgegner, womit ein Ungleichgewicht im Finale entsteht, zumal Kick-Ass mittlerweile zum ernstzunehmenden Superhelden geworden ist, sofern man davon in der realen Welt sprechen kann. Ohnehin ist der Bezug zur realen Welt diesmal einer der Haupteckpfeiler der im Hintergrund ablaufenden Geschichte, fragt sich Kick-Ass bei der seinem Beispiel folgendem Bande und noch mehr bei dem Trupp Psycho-Gegner, die wie eine Horde verkleideter Hooligans herüberkommen, ob er mit seinem Gedanken Superheld zu werden tatsächlich die Welt verbessert oder doch nicht eher verschlechtert hat. Die Frage ist berechtigt, je tiefer man in das oberflächliche Geschehen hineintaucht.

Die meisten Zuschauer werden das nicht. Sie werden sich an der kurzweiligen Geschichte laben, die ihren Humoranteil ein wenig zurückgeschraubt hat und mehr Raum für die Action bietet, die mal wieder recht gewalttätig daherkommt, wenn auch nicht so extrem wie es in der Comicvorlage der Fall sein soll. Etwas schade finde ich es, dass die Geschichte sich diesmal nicht so professionell entfaltet wie in Teil 1 geschehen. Der Ablauf findet recht überraschungsfrei statt und verfolgt eigentlich nur eine schlichte Erzähllinie. So qualitativ wie der Vorgänger ist diese Herangehensweise nicht. Zumal es unverständlich ist, die Regie auszutauschen, nachdem Matthew Vaughn mit „Kick-Ass“ solch ein Meisterwerk ablieferte. Zumindest bleibt das hier Gesehene der Mentalität von Teil 1 treu, das heißt es geht politisch ordentlich unkorrekt zur Sache, es weht ein Hauch Anarchie und es geht wieder darum, dass das wichtigste in einer Gesellschaft die Individualität der einzelnen Menschen ist.

„Kick-Ass 2“ weiß zu gefallen, wird nie langweilig und erzählt die Geschichte der Charaktere aus Teil 1 würdig weiter. Zwar ist der Stil des Streifens etwas infantiler ausgefallen (wahrscheinlich wollte man das finanzstarke Jugend-Publikum endgültig an Bord holen), was seinen Tiefpunkt in einer Fäkalszene erfährt, die glücklicher Weise Ausnahme bleibt, aber Tiefgang und das richtige Gespür für Situationen und Personen ist durchaus vorhanden. Gerade das Beispiel Hit-Girl macht dies deutlich. Eroberte sie als Mädchen in Teil 1 das Herz der Comic-Freaks, so darf sie, da Persönlichkeit gewinnend und zur jungen Frau herangewachsen, diesmal die Herzen der männlichen Teenager erobern, was nicht nur dem niedlichen Aussehen von Darstellerin Chloe Grace Moretz zu verdanken ist.  OFDb

Nachtrag:

Zwar ist die Geschichte des zweiten Teils längst nicht so verästelt und gekonnt miteinander verbunden wie die von Teil 1, etwas weniger linear als von mir anfänglich behauptet ist "Kick-Ass 2" aber durchaus. Der Niveau-Abstieg gegenüber Teil 1 ist also nicht ganz so extrem wie nach dem ersten Gucken wahrgenommen.

07.03.2013

ZOMBIES (2006)

Eine Frau zieht mit ihren Kindern in ein abgelegenes Haus am Wald. In diesem geistern tote Grubenarbeiter-Kinder umher, um ihre Opfer zu futtern...
 
Schritte in die richtige Richtung... 
 
„Zombies“ ist schon ein merkwürdiges Produkt für den Videomarkt. Der ominöse Mix zweier Subgenres des Horrors macht ihn so ungewöhnlich. Die Geschichte selbst ist eine klassische Geister-Spukgeschichte, doch anstatt schwebender Untoter erleben wir die Rächer aus dem Jenseits als Zombies, die zur Zeit beim Publikum ja auch sehr angesagt sind.

Sie schlurfen nicht, sie laufen, und ihr Handeln geschieht bewusst, aber ihr Ziel könnte zombiehafter nicht sein. Untoten-klassisch futtern sie ihre Opfer auf. Ihre optische Wirkung ist ebenfalls nicht klar in ein Lager einzuordnen. Es ist schwer zu beurteilen ob das Make Up mehr zombiehaft oder doch eher geisterhaft aussieht. Wichtig ist, dass es wirkt, und das tut es.

Die Wiederkehrer sind Kinder, blass geschminkt mit schwarzen Augen, und da sie viel zu futtern haben, haben sie auch meist einen blutverschmierten Mund. Da es in den Minen gestorbene ehemalige Bergarbeiter sind, laufen sie mit dem zum Beruf passenden Werkzeugen umher, am goldigsten wirken die Kleinen mit den Spitzhacken. Die Kinderzombies wirken also wirklich prima, erst recht wenn sie ihre Opfer futtern. Das ist eklig und durch das Alter der Wesen auch sehr provokant. Wollen wir mal für die Kinderdarsteller hoffen, dass sie nach dem Dreh kein seelisches Trauma überwinden mussten (sonst würden sie den Rollen die sie spielen wohl in kaum etwas nachstehen).

Für eine Videopremiere heutiger Zeit klingt das hier Beschriebene also recht außergewöhnlich gemixt. Aber „Zombies“ hat auch seine Kehrseite. Ein Horrorerlebnis ohne Kompromisse ist „Wicked Little Things“, so der Titel im Original, leider nicht geworden. Denn der Ablauf der Geschichte läuft viel zu 08-15 ab, es gibt wirklich keinerlei Überraschungen.

Das ist insofern schade, als dass es genug Momente im Film gab, in denen man hätte schocken, überraschen und umschwenken können, um dem ganzen nun genügend Pepp zu geben. Die Charakterzeichnung ist geradezu typisch für ein Billigprodukt seiner Art und für die Umgebung in der die Geschichte spielt, die Reihenfolge in der die Opfer sterben ist eine ganz typische (und auf die Gesamtgeschichte gesehen auch nicht immer logische), Auflösung, Probleme und Gefühlswelten grasen auch nur jedes Klischee ab.

Produzent und Schreiberling Boaz Davidson ist nun einmal ein Billigdreher, halbwegs über die „Eis am Stiel“-Reihe bekannt geworden, und der scheint es nun einmal nicht anders zu können. Dabei wäre es gar nicht so schwer, eine solche Geschichte etwas flotter und außergewöhnlicher zu gestalten. Und teurer wäre eine individuellere Umsetzung ja nun auch nicht. Nicht wollen oder nicht können, das ist hier die Frage. Es ist nur so ärgerlich, da neben den bisher genannten Pluspunkten auch noch andere Elemente trumpfen: Die Waldkulisse wirkt in seiner Dunkelheit und mit den Nebelschwaden, die Kinder entfalten inmitten des Waldes eine gruselige Wirkung, der Eingang des Stollens sieht unheimlich aus, der Farbfilter arbeitet mit einem wirksamen, dreckigen Braun, auch wenn das Bild ansonsten zu glatt poliert wirkt, und die Darsteller gehen für solch eine Billigproduktion auch in Ordnung, mit Ausnahme des menschlichen Oberbösewichtes, der leider viel zu eindimensional spielt.

Von gruseliger Stimmung würde ich nicht sprechen, aber die Kulisse strahlt einfach etwas theoretisch Unheimliches aus. Es verkörpert das klassische Gruselmuster, und auch wenn diese Wirkung auf eher nüchterne Art entsteht, so ist sie doch dennoch positiv für das Gesamtergebnis. Hier gibt es nichts, was den Horrorfan wirklich schockt oder gruselt, aber dafür das, was der Genrefreund zu genießen weiß, einfach weil mit solchen Symbolen der Respekt zum Urgenre deutlich wird. Es mixt sich quasi eine Ideenlosigkeit mit dem Verbeugen der klassischen Erkennungsmerkmale des Genres. Neben der Waldkulisse und typischen Geister- und Zombieelementen darf man auch andere Verweise erleben: Das Hinterherschleifen einer Hacke auf dem Boden, Stromausfall, ominöse Rituale und natürlich der Spukhintergrund selbst, der aber simpler nicht sein könnte.

Die Logik stolpert ab und an, wird aber nie wirklich zu blödsinnig, da die Geschichte für echte Peinlichkeiten schlichtweg zu dünn ist. Dennoch gibt es Ärgernisse. So ist es zwar toll zu beobachten, wie die Kleinen ihre Opfer futtern, es passt aber gar nicht zu ihrem Spukverhalten und der Auflösung. Mit mehr Zuschauerinformationen hätte das nicht so unausgegoren gewirkt. Gleiches gilt für die Schlusssequenz.

Die Musik dudelt schlicht ganz typische Melodien herunter. Sie nerven nicht, erzeugen aber auch keinen richtigen Grusel. Damit passt die Musik hervorragend zum restlichen Film, denn auch die Melodien sind ganz typisch horrorfilmorientiert, wenn auch zu routiniert. Sie entfachen halt einfach keine unheimliche Atmosphäre.

So bleibt am Ende ein nettes Filmchen für Vielseher des Genres (oder für komplette Neueinsteiger), das brav aber zu vorhersehbar seine Geschichte erzählt, mit einer atmosphärischen Kulisse arbeitet, wirksame Untote präsentiert, mit einem netten Farbfilter trumpfen kann und sich mit Unlogiken gnädigst zurückhält.  OFDb