Posts mit dem Label Eugene Levy werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Eugene Levy werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

21.10.2023

ASTRO BOY - DER FILM (2009)

Da ich noch nie etwas vom klassischen, asiatischen Franchise rund um Astro Boy gesehen habe, war ich neugierig auf den 2009 entstandenen Zeichentrickfilm, der per Computeranimation die Moderne von Heute und den Retroaspekt des Ursprungsstoffes zu vereinen versuchte. Leider vereint er aber auch den Erzählstil der US-Amerikaner im Trickfilmbereich mit jenem der Japaner. Darauf war ich nicht vorbereitet, erwartete ich doch einen Anime zu sehen, und da der asiatische Stil im besagten Werk dem US-Stil weit unterlegen ist, bot "Astro Boy - Der Film" nicht gerade das, was ich erhoffte. Ich bin durchaus in der Lage mich während einer solchen Sichtung nach Erkennen der tatsächlichen Orientierung auf eine solche umzustellen. Dass ich mit "Astro Boy" (Originaltitel) nicht warm wurde, liegt somit nicht an einer unflexiblen Art meinerseits. Schließlich ist es nicht so, dass ich mich Animationsfilmen aus dem Westen verweigern würde, hier gibt es große Schätze zu entdecken. 

Leider gehört "Astroboy" (Alternativtitel) zu jener Art CGI-Film, die zu verstärkt auf den Kitschaspekt und auf das Zielpublikum Kind schielt. Das wirkt erzieherisch, aufgesetzt, belehrend und verkrampft auf Emotionen getrimmt, anstatt sie einen tatsächlich spüren zu lassen. Schwierig wird eine solche Herangehensweise insbesondere dann, wenn man mit Figuren mitfühlen soll, die keineswegs so sympathisch herüber kommen, wie scheinbar von den Produzenten gewollt. Der Vater des ursprünglichen Jungen und Schöpfer des Astro Boy handelt derart gefühlskalt, egoistisch und systemorientiert, dass man ihm einen Wandel zu einem Mann, der seine Fehler einsieht, nicht abkaufen kann, zumal er nicht erst mit Beginn der Trauer begann fragwürdig zu handeln. Im Finale des hier besprochenen Streifens setzt man jedoch verstärkter auf sein Gefühlsleben, anstatt auf das der im Zentrum stehenden, erkämpften Freundschaft des Roboters mit menschlichem Empfinden zu den Menschenkindern. Leider sind auch diese arg stereotypisch ausgefallen und lassen eine Annäherung an ihren Charakter kaum zu. Lebensnähe und Identifikation mit den Figuren, gehören nicht gerade zu den Stärken der Verantwortlichen dieses Science Fiction-Trickfilmes. 

Das ist sehr schade, zumal einige Aspekte im fertigen Werk durchaus zu gefallen wissen, so z.B. der väterliche Freund der Erdenkinder, der das Zielpublikum gekonnt zu täuschen weiß, bis seine wahre Motivation thematisiert wird. Auch die verschrotteten Roboter (insbesondere der wichtige Riese) wissen zu gefallen, sind in dieser Art aber sicher nicht zufällig lediglich ein Jahr nach dem Erfolg von Pixars "Wall-E" auf diese Art stark in die Geschichte integriert. Spannender als die, ist ihre Herkunft mit Blick auf die Wegwerfgesellschaft der Elite oben in der Wolkenstadt und der Umgang mit der Robotertechnologie überhaupt. Hier findet gekonnt Konsum- und weitere Gesellschaftskritik auf amüsante Art statt, oberflächlich betrachtet auch manch politische, dies allerdings derart grotesk überzogen, dass es in der Comicwelt mehr fußt (was durchaus zu begrüßen ist), als in einer überzeugenden Politwarnung. Unterhaltung und Erziehung steht auf dem Programm, da ist das nicht wichtig. Aber beide Schwerpunkte der Geschichte, die Kurzweile und die Manipulation des Publikums, stehen sich zu sehr im Weg, als dass aus "Atom" (Alternativtitel) ein kompromisslos unterhaltsamer Spaß werden könnte. 

"Astro Boy - Der Film" hat definitiv seine Momente, starke Ideen, sympathischen Standard und gelegentlich treffsichere Komik zu bieten. Und optisch weiß er technisch zu überzeugen, bei Fantasiefiguren im Design mehr, als bei den zu glatt gebügelten, fürs US-Kino aber typischen, menschlichen Trickfilmfiguren. Aber der moralische Touch und die aufgesetzte Gefühlsduselei machen viel vom vorhandenen Potential kaputt. Und das sind genau die Gebiete, die es unter stärkerem japanischen Einfluss so nicht gegeben hätte.  Wiki

20.01.2018

STAY TUNED - MIT DER FERNBEDIENUNG IN DIE HÖLLE (1992)

Ein wenig klingt es nach „The Kentucky Fried Movie“ auf Spielfilmlänge das amerikanische TV zu verarschen, eingebettet in einer durchgehenden Handlung mehr jedoch noch an „UHF - Sender mit beschränkter Hoffnung“. Zu kritisieren und parodieren gäbe es am Verdummungsprogramm via Kabel, Antenne und Satellit mehr als genug, und das Höllenthema lässt eine hohe Dosis schwarzen Humor zu, so dass dem Anarchiecharakter der beiden Vergleichsfilme eigentlich nichts im Weg stehen könnte. Leider beginnt der erste Fehler der Autoren von „Stay Tuned - Mit der Fernbedienung in die Hölle“ bereits damit den beiden Kindern des im Mittelpunkt stehenden Ehepaares zu viel Bedeutung zukommen zu lassen, die in einer höchst unglaubwürdigen Nebenhandlung das Schicksal der Eltern entdecken und ihnen von außerhalb so gut wie möglich Rückendeckung geben.

Doch ist dies nur eines von etlichen Zutaten, die aus einem guten Stoff ein harmloses Familienprojekt a la „Jumanji“ machen, und mit dem erhobenen, moralischen Zeigefinger Richtung Jungpublikum versehen, wie schlecht der Fernsehkonsum für sie sei, ist das gute Laune-Feeling, welches Peter Hyams auf Seiten der satanischen TV-Programme anstrebt, stark beschädigt. Aber auch ohne deren Zutun leidet der eigentliche Plot darunter dem Konflikt des zerstrittenen Ehepaares zu viel Raum zu gewähren, so dass auch hier der Sozialkitsch mehr als nötig triefen darf. Ein Mitfiebern Richtung ehelische Wiedervereinigung findet beim Zuschauer ohnehin nicht statt, haben wir die beiden Figuren, ebenso wie ihre KInder, doch nur von ihren unangenehmen Seiten kennengelernt, so dass wir nicht wissen welcher Charakter dahinter eine Läuterung verdient hat. Die beiden unsympathischen Figuren keifen einander an und haben in lebensrettenden Situationen eher schlaumeierische Momente, anstatt charmante.

Man sollte meinen in einer Besetzung mit den sympathischen Mimen John Ritter, Jeffrey Jones und Eugene Levy könnte so etwas wie Desinteresse an den Figuren nicht stattfinden, aber wenn man diese drei Talente in einer solch braven Solidaritätssoße präsentiert, funktionieren nicht einmal jene Charaktere, die für die Gegenseite stehen. In der Hölle wird die unterkühlte Art Firmen zu leiten kritisiert, ein ebenso wichtiges Vorhaben wie die Kritik am Fernsehprogramm, aber dort wie hier übt man sich lieber in kindischen Kabbeleien, anstatt auf „Kalkofes Mattscheibe“-Art eine treffsichere Satire abzuliefern.

Lauwarm aufgekocht funktioniert so mancher Seitenhieb auf das TV-Programm, der sich meist jedoch darauf konzentriert aus einem bekannten Titel eine satanische Alternativversion zu machen (die mauesten Ergebnisse diesbezüglich darf man im Abspann „bewundern“). Ansonsten hetzen die Knables Videospiel-artig von Programm zu Programm, die 24 Stunden-Frist im Nacken, die derart sprunghaft daher kommt, dass sie mit der innereigenen TV-Realität so gar nicht konform geht. Liebevoll gestaltete Sets und Masken, die bekannte Vorbilder parodieren, sorgen zumindest für einen kleinen Ansatz guter Stimmung, den Höhepunkt erlebt man in „Höllische Spiele“ (Alternativtitel) meiner Meinung nach während einer länger ausgefallen Zeichentricksequenz, die treffsicher das Konzept von „Tom und Jerry“ und Co immitiert. Zu parodieren gibt es am Erfolgskonzept der Cartoons eigentlich nichts, und da das Vorbild anarchistischen Charakter genießt, wird es zur Ironie von „Stay Tuned“, dass er ausgerechnet dann am meisten provokant wirkt, wenn er nachahmt anstatt parodiert.

Mit Blick auf Regisseur Peter Hyams muss es nicht verwundern, dass aus einer guten Idee maximal Mittelmaß wurde, seine Filme „Unternehmen Capricorn“, „Ein Richter sieht rot“ und „End of Days“ hatten aber zumindest ein unterhaltsames Niveau erreicht, während man beim hier besprochenen Streifen froh ist, wenn die Geschichte endlich vorbei ist. Zu abgehetzt, moralinsauer, brav und oberflächlich ist das Gesamtprojekt ausgefallen. Da wird man weder warm mit Szenarien und/oder Gefühlen, noch mit den Parodieversuchen, die schließlich selbst in simplen Konzepten, wie bei „Scary Movie“, in der Regel selbst dann wenn die Komik mau ausfällt noch eine Art Wiedererkennungsspaß des zu parodierenden Originals verursachen. Nicht einmal dieses Gefühl hat „Stay Tuned“ in mir auslösen können.  OFDb

15.11.2017

ZWEI UNTER VOLLDAMPF (1986)

So richtig wusste man in der Mitte der 80er Jahre noch nicht wie man den talentierten Komiker John Candy in den Kinobereich einbinden könnte. Eine alleinige Hauptrolle traute man ihm nicht zu, meist durfte er Randfiguren verkörpern wie in „Alles hört auf mein Kommando“ oder in „Zum Teufel mit den Kohlen“. Wenn er dann mal eine Haupfigur mimen durfte, dann stets im Partnergewand, wie in „Ein Ticket für zwei“ mit Steve Martin an der Seite, oder wie in dem hier besprochenen, weit weniger bekannten „Zwei unter Volldampf“, in dem er Eugene Levy zur Seite gestellt bekommt, der hierzulande erst spät durch die Rolle des Vaters in der „American Pie“-Reihe berühmt werden sollte.

Beide machen nicht gerade den Eindruck die Idealbesetzung für eine Buddy-Actionkomödie zu sein, und tatsächlich wirken sie in den härteren Szenen wie die Waschlappen-Variante von „Lethal Weapon“. Allerdings kommt es „Zwei unter Volldampf“ zu Gute, dass trotz der Regie Mark L. Lesters, der eher für harte Stoffe wie „Die Klasse von 1984“ steht, der Komödienfaktor weit mehr in den Fokus rückte als der Bereich der Action, was die Mitarbeit von Harold Ramis am Drehbuch verdeutlicht, der in den 80er Jahren für so manchen Komödienerfolg zuständig war. Lesters Film konzentriert sich auf das Losersein seiner beiden Hauptfiguren und fährt damit, gerade mit Blick auf die Ausbildung zum Sicherheitsbeamten und der damit verbundenen trotteligen Gruppe Mitauszubildenden, im Fahrwasser der zur Entstehungszeit erfolgreich laufenden „Police Academy“-Welle mit.

Candys Figur wirkt ein wenig unausgegoren, womit ich auf die Einleitung dieses Artikels zurückkomme. In der ersten Szene ist er ein Feigling ohne Selbstbewusstsein, im Rest des Filmes ist er der zwielichtige, aber mit dem Herz am rechten Fleck agierende, Sprücheklopfer, der für einen erfolgreichen Einsatz alles geben würde, selbst wenn er dafür, wie die LKW-Szene im Stau verdeutlicht, mehr Leben riskiert als es zu retten gilt. Hin und wieder darf Candy etwas zotiger agieren, z.B. wenn er als dicke Tunte getarnt herumschwulen darf. Meist aber bleibt er der unnütz wirkende Angeber, der schlechte Umgang der Rolle Eugene Levys, wie die Rolle Meg Ryans an einer Stelle des Films zu früh anmerkt, lange bevor der Charakter Candys tatsächlich so wirkt wie er abgestempelt wird. Der gutmütige Trottel, die Paraderolle Candys, bleibt diesmal fast gänzlich zu Hause, was zur Abwechslung aber auch einmal okay ist.

Eugene Levy bleibt überraschend blass, obwohl er doch schon lange vor „American Pie“, z.B. in seiner kleinen Rolle in „Ein Geschenk des Himmels“, beweisen durfte wie lustig er sein kann. Tatsächlich mimt er hier nur den Ängstlichen, der vom Sprücheklopfer stets zu Heldentaten verführt werden muss, auch wenn diese, mit ehrlichem Blick auf das Ablenkungsmanöver der vielen chaotischen Füllszenen, recht rar gesät sind und selbst im Finale, wenn er über sich hinaus wächst, noch immer nicht ganz überzeugen wollen. Meg Ryan ist hier eigentlich nur unnötiger Anhang. Aufgrund ihrer wenigen Szenen und der vergessenen Vertiefung ihres Charakters versteht man nie so ganz, warum sie irgendwann anfängt den beiden Unglücksraben zu helfen. Und selbst wenn sie dies tut, erlangt ihre Rolle nie eine wirkliche Bedeutung. In „Die Reise ins Ich“ durfte sie kurz darauf bei ähnlicher Rollenposition weit mehr Einfluss auf eine Handlung nehmen als hier noch.

Wenn man nun noch bedenkt dass die Actionszenen in ihrer Extreme nicht wirklich mit der Leichtigkeit der Restszenen harmonieren und der billige, austauschbare 80er Jahre-Soundtrack endgültig die härteren Szenen nur routiniert umgesetzt erscheinen lässt, darf man sich schon wundern, dass „Armed and Dangerous“ (Originaltitel) eigentlich ein recht sympathischer, wenn auch austauschbarer und nicht lange im Gedächtnis heften bleibender, Film ist, der gerade in der ersten Hälfte mit manch schlichter, aber humorvollen Idee zu punkten weiß. Glücklicher Weise macht bereits die Einstiegsszene mit der Katze auf dem Baum recht deutlich was man vom Restfilm zu erwarten hat. Man sichtet dort einen lustigen Candy in einer Szene, aus der man in einer guten Komödie weit mehr geerntet hätte. Es reicht um simpel zu unterhalten, aber eben nicht für eine wahre Empfehlung. In schwächeren Szenen zuckt man mit den Achseln, in besseren grinst man vor sich hin, trotz aller Einfältigkeit und dem Fehlen wahrer zum Lachen einladender Pointensetzung.

Mark L. Lester inszeniert das unbeholfene Stück Action-Komödie recht solide, lässt die Klischees und Stereotype für sich selber wirken und lässt mittendrin die Sprüche klopfende Naturgewalt John Candy auf das Szenario los, in der Deutschfassung ein wenig gewöhnungsbedürftig synchronisiert, aber das passt ja recht gut zur ungewöhnlich ausgefallenen Rolle des kanadischen Komikers, der sonst eher die sympathische Art Loser-Typ mimen durfte. Zwar fragt man sich hinterher bei so viel dünner Luft warum „Zwei unter Volldampf“ trotz dem Fehlen großer Ideen und Gags und trotz seiner enorm klingenden Makel so unterhaltsam zu schauen war, aber das war er nun einmal, warum sollte ich es ihm nun abstreiten, nur weil theoretisch alles dagegen spricht?  OFDb

05.07.2016

GOON - KEIN FILM FÜR PUSSIES (2011)

Selten hat ein unnötig angehangener deutscher Beititel so viel Wahrheit ausgesprochen wie der von „Goon“, in welchem es heißt „Kein Film für Pussies“. Nicht nur dass er aufgrund seines Brachialhumors damit bereits jenes Publikum wegfiltert, welches bei dem Begriff Pussie sofort peinlich berührt die Nase rümpft und sich Werken angeblich höherem Niveaus zuwendet, auch inhaltlich und mental liegt der Beititel damit gar nicht falsch, ist Michael Dawses Komödie doch ein harter und brutaler, ja geradezu gewaltverherrlichender Film, der das Massaker auf dem Eis fast schon als Selbstverständlichkeit ansieht und damit Eishockey nicht mehr so schön redet wie das 80er Jahre-Drama „Bodycheck“, sondern in satirischer Überspitzung als die gewalttätige Sportart outet, für die sie im Volksmund seit je her bekannt ist.
 
Zugegeben, das hat es im legendären "Schlappschuss" auch schon gegeben, „Goon“ geht darüber jedoch hinaus. Der Film erklärt die Schlägereien besagten Sports zur Teil-Strategie der Mannschaften und outet im Laufe seiner Erzählung Schläger Doug nie als Peinlichkeit innerhalb eines edlen Sports, sondern setzt ihn als Held ins Geschehen. Der Film provoziert, lässt Doug nie zweifeln oder scheitern, sondern erzählt orientiert an der wenig athletischen Rolle des ewig einprügelnden Schwergewichts eine vortäuschend typische Sportler-Story, wie wir sie im Bereich des Sportfilms spätestens seit „Rocky“ gewohnt sind, was aufgrund der destruktiven Rolle der Hauptfigur innerhalb ihrer Sportart einer ganz eigenen Form der Satire auf diesen Filmbereich entspricht und dank der damit erzielten Treffsicherheit „Goon“ tatsächlich einen Individualitätsbonus beschert.

Wie es sich für eine gute Satire gehört darf es manchmal auch dramatische Momente geben, die „The F-Word“-Regisseur Dowse passend zur Filmmentalität einstreut, was bedeutet dass der Film zum einen nie zur wirklich ernsthaften Tragikomödie wird, sich andererseits aber auch nie der falschen Moral, Theatralik oder dem Sozialkitsch bedient, der gerade in Amerika oft dramatische Stoffe verfremdet und zum Märchen für Erwachsene macht. „Goon“ ist ehrlich wie übertreibend, treffsicher, wenn in seinem Handlungsverlauf auch nicht sonderlich überraschend ausfallend, und aufgrund der guten Besetzung in seiner Art richtig angenehm zu gucken.

Sean William Scott kann endlich erfolgreich gegen sein Stiffler-Image anspielen (und dies obwohl er „American Pie"-Dad Eugene Levy in einigen wenigen Szenen als eigenen Vater an die Seite geschrieben bekommt), Liev Schreiber ist ein glaubwürdiger Gegenspieler, der ruhig etwas mehr Screentime hätte erhalten können, und Alison Pill als die wenig romantisch veranlagte Eva weiß zu bezaubern. Ohnehin ist es die Kunst des Streifens jegliche eigentlich unsympathische Figur des Streifens sympathisch wirken zu lassen innerhalb einer Geschichte, in der es Leute toll finden dass anderen die Fresse eingeschlagen wird.

Lediglich Dauer-Seth Rogen-Anhängsel Jay Baruchel macht das was er immer tut, infantil und pseudo-provokativ herumlabern, und bereitet damit „Goon“ manchen Tiefpunkt, den der Film bei etwas weniger penetranter Zurschaustellung der negativen Seiten der englischen Sprache nicht hätte haben müssen. In einem Rogen-Film mag das meist noch irgendwie funktionieren, so aber wird der Möchtegern-Komiker zum Stifflerersatz innerhalb eines Filmes, der Scott wie bereits erwähnt von diesem Image gekonnt löst.

Aber das macht „Goon“ keinesfalls kaputt. Dieser ist eine unerwartet gut funktionierende Sport-Satire, die komödiantisch sicherlich häufig mit dem Holzhammer daher kommt und wenig sensible Seiten besitzt, aber der kleine Hauch davon den sie in sich trägt reicht bereits um zu signalisieren, dass der Streifen keinesfalls geist- oder emotionslos gemeint ist, sondern ganz im Gegenteil, die Kitsch-getränkte übliche Soße dieses Filmbereichs, die wesentlich realitätsferner, da gefühlsgedopt daherkommt, der Lächerlichkeit preisgibt. Zudem nimmt der Film trotz aller vorhandener Extremmomente seine Figuren ernst. „Goon“ ist ein Ausnahmefilm seiner Sparte, sicherlich nicht wirklich ein Geniestreich, aber mutig und professionell genug umgesetzt um zu gefallen.  OFDb

27.06.2015

CANNIBAL GIRLS - DER FILM MIT DER WARNGLOCKE (1973)

Ivan Reitman, der Regisseur der zunächst die Bill Murray-Filme „Babyspeck und Fleischklößchen“ und „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ drehte, bevor er so wunderbare Werke wie „Zwillinge“, die beiden „Ghostbusters“, „Dave“ und "Die Super-Ex“ inszenierte, drehte im Jahr 1973 fast im Alleingang den Independent-Streifen „Cannibal Girls“, seinen zweiten Langfilm, dem sechs Jahre Pause folgen sollten bis es mit den oben erwähnten Murray-Komödien weitergehen sollte. Eine Komödie ist auch dieses Stück Horrorfilm geworden. Nach Sichten der deutsch synchronisierten Fassung kann man jedoch davon ausgehen, dass das Original nicht ganz so albern ausgefallen ist wie der Nonsens, der auf deutsch ins Bild gesprochen wird.

Aber eines haben beide gemeinsam: die sogenannte Warnglocke, die laut Trailer und Sprecher zu Beginn des Films immer bei den grausamen Szenen des Horror-Parts ertönt, damit zartbesaitete Menschen weggucken können, bis ein Entwarn-Ton erfolgt. Damit kann man als Zuschauer den blutigen Momenten entgehen, während gleichzeitig der Humor mit dieser Aktion gefördert wird, ein wenig vergleichbar mit dem offiziellen Leichenzählen in „Was macht der Tote auf der Wäscheleine“. Leider spoilert die Alarmglocke jegliche plötzliche Attacke der Bösewichter, so dass es Überraschungen diesbezüglich nicht geben kann, was schon sehr schade ist, ist „Cannibal Girls“ doch ohnehin recht überraschungsfrei ausgefallen und guckt sich arg monoton.

Zwar wird man durch die augenzwinkernde Inszenierung, manch lustige Dialoge und den spielfreudigen Darstellern ein wenig bei Laune gehalten, vom Hocker reißt dieses eher langweilig ausgefallene Werk jedoch nicht. Und die von der Warnglocke angekündigten, schon damals arg zahm ausgefallenen Gore-Effekte, sind die Erwähnung nicht wirklich wert. Lediglich das frühe Auftauchen des häufigen John Candy-Partners und „American Pie“-Vaters Eugene Levy ist eine Besonderheit, sieht er mit Vollbart doch nicht nur ungewöhnlich aus, sondern auch älter als man ihn in einem 70er Jahre-Film vermutet hätte.

Neben ihm spielt Andrea Martin, die bereits in Reitmans Langfilm-Debut „Foxy Lady“ mitwirkte. Und die ist neben der drei sexy Kannibalinnen, der Haupttrumpf des Streifens, spielt sie ihre Rolle doch so wunderbar naiv und zickig, dass man sie im wahren Leben tatsächlich für solch eine Nervensäge halten könnte. Toll gemacht! Berühmt wurde sie nie. Sie übernahm eher unbedeutende Rollen in so nennenswerten Werken wie „Jessy - Die Treppe in den Tod“ (und dessen Remake „Black Christmas“), „Die Reise ins Ich" und „Wag the Dog“.

Freilich kann auch ihr belustigendes Spiel „Cannibal Girls“ lediglich aufwerten, aber nicht tragen. Und so darf man trotz des angenehmen 70er Jahre-Independentfilm-Feelings und trotz gut aufgelegter Darsteller und manch freizügig agierenden jungen Frauen eher enttäuscht als erfreut über den fertigen Film sein, von dem Regisseur Reitman am Ende wohl auch nicht viel zu halten schien, hat er ihn Arkoffs Filmschmiede American International Pictures doch als schlechten Film für den schnellen Dollar angedreht, womit der Streifen perfekt ins Programm der Firma passte. Gedreht wurde die Horror-Komödie jedoch relativ unabhängig. Und passend dazu durften die Darsteller ziemlich frei improvisieren. Feste Dialoge lagen nicht vor.

In seiner Theorie ist „Cannibal Girls“ ein sympathischer Streifen, der einen gewissen Respekt verdient. Praktisch gesehen ist er jedoch eher lahm ausgefallen, selbst dann wenn man ihn mit einer kleinen Gruppe Gleichgesinnter und mit Unterstützung von Alkohol guckt. Dank der liebevollen Aufmachung der Anolis-DVD-Veröffentlichung macht er im Regal mehr her als im Player. Das ist für einen Sammler aber auch schon was wert.  OFDb

20.03.2013

DUMM UND DÜMMERER (2003)

Harry und Lloyd sind zwei geistig minderbemittelte Teenager, die sich kennen lernen und Freunde werden. Gemeinsam nehmen sie teil an der neuen Förderklasse ihrer Schule. Dabei finden sie heraus, dass der Schuldirektor diese nur errichtet hat um an viel Geld zu kommen. Gemeinsam mit dem Rest der Förderklasse setzen sie dem fragwürdigen Treiben des Prinzipals ein Ende...
 
Dümmer geht’s noch immer...
 
Ich habe gar nichts von diesem Film erwartet, und das war wohl auch die beste Grundhaltung um sich über Routine noch überrascht freuen zu können. Der Vorgänger „Dumm und dümmer“ war lustig, aber bei weitem keine große Komödie. Bereits er erzählte keine Geschichte, sondern servierte idiotische Sprüche und Aktionen als Nonstop-Humoraction. Im groben wird in der Fortsetzung, welche die Vorgeschichte der Antihelden erzählt, das Grundkonzept beibehalten. Mit der schlichten Rahmenstory um den bösen Schuldirektor, die Richtung Ende immer bedeutender wird, verließ man sich allerdings nicht komplett auf das Konzept des Dauerregens an Idiotie und beging damit den größten Fehler.

Klar, „Dumm und dümmerer“ ist letztendlich nur eine Teenie-Komödie, aber schon bessere und ältere Werke zeigten uns, dass es dort nicht unbedingt eine wichtige Story geben muss. Vielleicht waren die Schreiber und Produzenten auch etwas verunsichert, da mit den zwei Antihelden keine Liebesgeschichte möglich war, ein Faktor der in anderen Teenie-Komödien häufig der einzige Handlungsstrang inmitten von pubertären Späßen ist.

Aber ebenso wie die körperlich erwachsenen Harry und Lloyd in Teil 1 reicht es im Prequel eigentlich vollkommen aus die beiden Außenseiter lediglich bei ihrem Dummsein zu zeigen. Dass das Niveau, was manch einer in Teil 1 nicht erkennen konnte oder wollte, in einer Fortsetzung für die schnelle Mark nicht mehr mitmischt war von Anfang an klar. Die Idiotien der beiden sind unsinniger aneinandergereiht, ergeben manchmal nicht einmal innerhalb der eigenen Welt der beiden Sinn, ein Fehler den das Original nie begangen hätte. Aber erstaunlicher Weise wissen einige der hier präsentierten Gags zu gefallen, auch wenn sie noch so plumper Natur sind. Dass man mindestens die Hälfte aller Witze in die Tonne kloppen kann ist klar, aber bei dem hier vorliegenden Konzept war ich mehr als überrascht, dass die Rechnung überhaupt halbwegs aufgeht.

Das liegt mitunter auch an der Maske, die den beiden Teens eine derartige Ähnlichkeit zu ihren späteren Ichs zaubert, dass dies schon ein Freudenfest für den Freund des Erstlings ist. Die Schauspieler sind beide nicht gerade mit Talent gesegnet, wissen aber wie man herumblödelt und mehr ist ja für diese Rolle auch nicht nötig, nicht in der plump angelegten Fortsetzung. Carrey und Daniels wurde da schon etwas mehr abverlangt: Grimassen schneiden, das Gefühl für Timing, Zurückhaltung und Übertreibung, das Verständnis für das große Warum (inkl. Humorverständnis) und, und, und. In einer ollen Teenieklamotte ist das alles nicht unbedingt nötig, zumindest nicht um Routine zu erzeugen.

Die Gefahr zu scheitern lag somit mehr am Drehbuch, und genau dieses weist ja nun auch die mangelhaften Zutaten auf, die den Film an einem noch besseren Ergebnis hindern. Wie erwähnt ist die Story um den Direktor, der recht plump von Levy verkörpert wird, völlig unnötig und nur ganz selten witzig. Viele der Gags sind Rohrkrepierer, und wie man auf die Idee kommen kann, den Vater der weiblichen großen Nebenrolle 20 mal öfter über Scheiße fluchen zu lassen, als das eine Mal, das noch Sinn gemacht hätte, ist mir schleierhaft. Der Verantwortliche gehört entweder in einen anderen Beruf oder in ein anderes Genre gesteckt.

Da „Dumm und dümmerer“ weder dem Teenie-Komödien-Bild der romantischen Art, der coolen Partykracher oder den pubertären Peinlichkeiten entspricht, erscheint es in der Umsetzung auch ziemlich sinnlos inszenatorisch einen auf „American Pie“ zu machen. Dies wurde von Produzentenseite dennoch als Pflicht angesehen. Also mussten Optik und Musik an die Erzählweise dieses Kinoerfolgs angelegt werden.

Der hier besprochene Film fällt jedoch viel mehr in die Kategorie der Chaotenkomödie innerhalb des Teenie-Genres. Es gab bis zu diesem Streifen hier nie einen Beitrag aus dieser Schmuddelecke, der mir auch nur Ansatzweise gefallen hat. Ich erinnere mich da nur ganz angewidert an „Die Chaotenhighschool“ und viele andere Werke auf diesen Spuren, die dem Wort Peinlichkeit völlig neue Bedeutungen gaben. Ich weiß nicht wie, aber die Fortsetzung von „Dumm und dümmer“ schafft es irgendwie diesen Abgrund zu umschiffen und zu einem halbwegs passablem Ergebnis zu kommen.  OFDb