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01.08.2022

RESIDENT EVIL 2 - APOCALYPSE (2004)

Im Jahr von "Dawn of the Dead", dem endgültigen Siegel, dass der Zombiefilm für einige Zeit im Blickpunkt eines größeren Publikums bleiben würde, kam die Fortsetzung von "Resident Evil" auf den Markt, der zusammen mit "28 Days Later" 2002 besagte zweite Welle der Untoten auf der großen Leinwand auslöste. Damals konnte man noch nicht wissen zu welch trashiger Reihe die Videospiel-Verfilmung verkommen würde, deswegen war ich damals im Kino, als von Teil 1 begeisterter Zuschauer, ziemlich enttäuscht vom Ergebnis. Mit Blick von heute ist "Resident Evil - Apocalypse" (Alternativtitel) noch weit von dem Schund entfernt, der ab "Resident Evil 3"auf den Zuschauer warten sollte, aber die Qualität des Erstlings war auch schon in der ersten Fortsetzung durch ein plumperes Szenario verschwunden. Es ist nicht so dass der Vorgänger frei von Unsinn und Unlogiken gewesen wär, und bereits er bot Proleten-Action in Reinkultur, aber die Stärke der Erzählung, die Verspieltheit mit den einzelnen Elementen und die Geduld mit welcher das alles erzählt ist, ist in Teil 2 weit geringer vorhanden und sollte von Teil zu Teil immer weiter abgebaut werden. 

Heute, nach meiner ersten Sichtung seit 2004, gefällt mir der von Anderson geschriebene und produzierte und der einzige von Alexander Witt inszenierte Streifen (zumindest als Haupt-Regisseur) besser als damals. Allerdings ist man nun nicht nur in die Zukunft der Kino-Reihe eingeweiht, auch die Sehgewohnheiten haben sich seit damals geändert. Früher war ich genervt von der Wackelkamera bei jeder Zombie-Attacke, heute stört mich dies nicht mehr. Damals nervte mich der Endgegner, der eher einem Kinderfilm entlaufen schien, anstatt in einen ernstzunehmenden Horrorfilm zu gehören, heute gefiel er mir als verspieltes Comicelement in einem Streifen, der dennoch genug Platz für die Zombies lässt. "Resident Evil 2" atmet die völlige Übertreibung in all seinen Poren, und dies einmal begriffen und akzeptiert funktioniert er auf banaler Trivialebene wunderbar. Alice ist nun selbst ein Experiment mit außergewöhnlichen Fähigkeiten, das Unternehmen Umbrella fällt noch weit dämonischer aus als bisher vermutet, die Fehler des Konzerns haben fatalere, teils beabsichtigte Folgen als bisher, darf doch nun eine ganze Stadt unter den illegalen Experimenten leiden und wird dies, wie wir schnell erfahren, auch nicht überleben. 

Die Geschichte mag arg konstruiert sein, aber sie bietet genug roten Faden, um das Actiongewitter zu tragen, um das es hauptsächlich gehen soll. Die Figurenzeichnung mag nicht originell sein, allein schon weil Alice erneut krampfhaft eine starke Frau zur Seite gestellt wird, aber es reicht um zu funktionieren, um sich für die Geschehnisse zu interessieren und um mitzufiebern, und dies gelingt obwohl ein Kind einen nicht geringen Anteil am Hauptgeschehen hat. Freilich waren bei dieser zweiten Sichtung meine Ansprüche stark nach unten gesenkt, aber ich habe mich gut unterhalten gefühlt, in einem Geschehen dass sich nie ausbremst, gehaltvoll genug bleibt um sich nicht vollkommen plump anzufühlen (so wie es u.a. "Resident Evil 4" erging) und seine Gut-Böse-Trennung gekonnt ausspielt in einem hoffnungslosen und gnadenlosen Szenario. Einzig dass die Zombies immer dort eingesetzt und weggeblendet werden, wo gerade nötig, egal wie glaubwürdig es scheint (einmal ist eine ganze Zombiehorde innerhalb von Minuten im Nirgendwo verschwunden), wirkt manches Mal auch inmitten der aufgrund der absichtlichen Übertreibungsmentalität zu verzeihenden Unsinnigkeiten zu widersprüchlich. 

Aber da dieses Makel vom Tempo des Streifens fast überrannt wird, kann man da großzügig drüber hinweg sehen. Glücklicher Weise sind die Computereffekte weit besser ausgefallen als im Erstling. So stark wie diesmal darauf gebaut wird, wäre es ein Desaster gewesen die billige CGI des Vorgängers ertragen zu müssen. Für ein kurzweiliges Kopf aus-Kino ist "Resident Evil 2" meiner Meinung nach genau der richtige Film, das Sichten von Teil 1 sollte man trotz geringem Anspruchs der Handlung und obwohl noch einmal alles aus diesem erklärt wird, aber mitbringen, um hier kompromisslos trivial unterhalten werden zu können.  OFDb

25.07.2022

RESIDENT EVIL (2002)

Im selben Jahr, in dem "28 Days Later" den Startschuss für die überraschend lang laufende zweite Zombiefilm-Welle gab, erschien die Videospiel-Verfilmung "Resident Evil", bei der es zwar nicht zentral um Zombies ging, dieser Aspekt aber ein wichtiger Bestandteil der Rezeptur war, so dass man auch ihn zu den Auslösern der erfolgreichen Rückkehr der Untoten auf der Leinwand bezeichnen kann. Die Genialität des britischen Konkurrenzproduktes erreicht der Streifen freilich nicht, aber gerade mit Blick auf das, was mit fünf Fortsetzungen aus der "Resident Evil"-Reihe werden sollte, kann man das Ergebnis doch als überraschend geglückt bezeichnen. Und schon damals hat mir der von Paul W.S. Anderson gedrehte und produzierte Film äußerst gut gefallen. Dabei muss man es nicht einmal schön reden: "Biohazard" (Alternativtitel) ist ein Proletenfilm. Er haut mit extrem auf cool getrimmten Schönlingen männlichen und weiblichen Geschlechts in die Kacke, ist flott inszeniertes, auf Tiefgründigkeit scheißendes Action-Kino, das von einem Schauwert zum nächsten schreitet. 

Aber selten hat ein derartiger Streifen so kompromisslos auch außerhalb des dafür anvisierten Zielpublikums funktioniert wie hier, was nicht nur daran liegt, dass die rätselhafte Geschichte tatsächlich interessant erzählt ist, die oberflächlich gehaltenen Stereotype, die hier heldenhaft und selbstgerecht durchs Bild wetzen, sind zudem sympathisch genug aufgebrochen, um ihnen einen Hauch Individualität zu bescheren und um mit ihnen mitfiebern zu können. Auch das ein oder andere Ableben lässt einen nicht kalt, so ausreichend ist man emotional an die Figuren gebunden. Somit bilden Film und Figuren genügend Charme, um dem Treiben nicht nur semi-interessiert beizuwohnen, und der Comic-Charkter völliger Übertreibung lässt einen über manch sinnlose Spielerei hinwegsehen, wie z.B. jener, dass die künstliche Intelligenz viel zu menschlich agieren darf. Ganz im Gegenteil gehören auch derartige Bereiche zu den Zutaten, die aus "Resident Evil - Genesis" (Alternativtitel) das Liebhaberstück Hirnlos-Kino machen, das er geworden ist - zumindest für jene Freunde von Popkorn-Kino, die keine Werk-getreue Version des zugrunde liegenden Computerspieles benötigen. 

Zudem mangelt es nicht an Nervenkitzel. Im Gegensatz zu den Fortsetzungen darf man hier tatsächlich noch mitfiebern und mitleiden. Ob es das fiese Verteidigungssystem der Red Queen ist, all die Situationen, bei denen es immer um Sekunden geht, oder auch zu Beginn die Szene im Fahrstuhl, hier wird man als Zuschauer auf Trab gehalten, der Film bedient nicht einfach nur desinteressiert heruntergespult die Schauwerte. Das ist auch gut so, denn die Computeranimation, ob in manch missglücktem Zombiedesign oder mehr noch bezüglich des komplett per CGI entstandenen Endgegners, sind mit Augen von heute derart schwach ausgefallen, dass sie tatsächlich den Sehwert hemmen, und das sage ich als jemand, der mit "Lexx" und "Der Rasenmähermann" keine Probleme hatte. Hier ist es etwas anderes, da der Blick auf diese unschönen Animationen einen wahrlich aus dem pompösen, sonst professionell umgesetzten Geschehen reißt, was nur umso mehr klar stellt, wie sehr man in der rasanten Geschichte dieses Erstlings aufgehen kann. Für das (nicht zwingend notwendige) Endszenario lässt man sich ähnlich viel Zeit wie für den (ebenfalls nicht zwingend notwendigen) Anfangsbereich. Im Gegensatz zu den meisten Storys der Fortsetzungen ist der Handlungsablauf hier nicht billig dahingeschludert, das Ergebnis ist flott, aber nicht gehetzt, umgesetzt. 

"Resident Evil the Movie" (Alternativtitel) kann man als Film für sich gucken, die Fortsetzungen braucht man nicht nachholen. Mit Kenntnis dieser schaut sich aber gerade der Beginn recht erschreckend, der einen die letzten normalen Momente der Menschheit zeigt, bevor die Ereignisse in Gang gesetzt werden, die das Endzeit-Szenario über alles hereinbrechen lassen. Dafür sorgt zwar auch das apokalyptische Finale, die genauen Konsequenzen erst einmal durch die Teile 2 bis 6 kennen gelernt, lassen das alles jedoch noch etwas bitterer anmuten. Es ist nur ein Nebeneffekt, wahrscheinlich von den Verantwortlichen nicht einmal gewollt, aber es reicht um einer zweite Sichtung einen fiesen Zusatzaspekt zu bescheren. Seinerzeit habe ich "Resident Evil" ein paar Mal gesehen, so begeistert war ich von ihm, nun habe ich ihn nach etlichen Jahren erstmals wieder gesehen, hatte tatsächlich viel vergessen, und freue mich erneut positiv überrascht worden zu sein. Aber mit Kenntnis der extrem auf austauschbares Proletenkino getrimmten späten Fortsetzungen guckt man "Resident Evil - Ground Zero" (Alternativtitel) sicherlich auch etwas gönnerhaft. Es mag also sein, dass man ihn seinerzeit für sich entdeckt haben muss und Neueinsteiger darin heutzutage keinen kompromisslosen Leckerbissen mehr entdecken.  OFDb

01.08.2020

DER ZEMENTGARTEN (1993)

Sieht man einmal vom fehlenden Aspekt der Problemkinder ab, kann man die Gemeinschaftsproduktion aus England, Frankreich und Deutschland namens "Der Zementgarten" als eine Art Dramenversion der niederländischen Komödie "Familien-Bande!" betrachten, zumindest was dessen zweite Hälfte betrifft. Andrew Birkins letzte Regie-Arbeit, von gerade einmal drei Langfilmen und einem kurzen, basiert auf einem von ihm verfassten Drehbuch und konzentriert sich auf den Blickwinkel des 16jährigen Jack, der mit seinem fast schon kontrolllosen Masturbationsverhalten noch immer tief in der Pubertät feststeckt. Altersbedingt fallen seine Probleme aus. Mit der Erkrankung der Mutter werden diese immer mehr zu Luxusproblemen, die hinten anstehen müssen, obwohl sie von der Gefühlswelt her geradezu typisch für einen jungen Mann dieses Alters sind, unabhängig davon wie egoistisch manche von ihnen auch sein mögen. Eine erotische Schwärmerei für die etwas ältere Schwester ist mit vorhanden und soll zu einem elementaren Bereich innerhalb der tragischen Geschichte werden. Stärker und entrückter werden diese Gefühle jedoch erst nach dem Tod der Mutter, wenn so vieles andere innerhalb der verstörenden, ungewöhnlichen Situation ebenfalls entrückt.

Bereits der Handlungsort zeigt eine sterbende Epoche, die sich verzweifelt an alte Zustände festkrallt. Ein nach außen baufälliger Betonklotz von Haus, einsam in einem Abrissgebiet liegend, wird von den letzten Menschen der näheren Umgebung bewohnt. Er wirkt trist und unwirklich inmitten dessen und ebenso wirkt das Zusammenleben der vier Geschwister, die auch nach ihrer ungesetzlichen Verzweiflungstat der Normalität immer mehr entrücken. Der Kleinste kleidet sich mit Perücke und Frauenwäsche als Mädchen und spielt meist auf der Baustelle, die jüngere Tochter verkriecht sich in den Keller, um in der Nähe des Muttergrabes ihre Gedanken mit sich allein gelassen im Tagebuch festzuhalten, Jack wäscht sich seit Wochen nicht und zieht sich nicht um und versinkt immer mehr in erotische und romantische Vorstellungen über seine Schwester Julie, was zur Eifersucht wird, als diese einen etwa 30jährigen Verehrer bekommt, der zu einer Art Familienfreund wird. Sie selbst hält den Laden von allen am effektivsten am Laufen und entrückt der Realität am wenigsten, mit Ausnahmen erotischer Provokationen, da sie mitbekommt wie ihr Bruder auf sie reagiert. Die Wohnung wird durch Machtspiele immer schmutziger, der Dreck und der Spül bleiben liegen, der Garten verkommt immer mehr.

Der sinnlich erzählte Film besitzt den Clou, ähnlich wie "Necrophile Kiss" drei Jahre später, diese Neigungen außerhalb der Normalität aus dem Blickwinkel der Betroffenen als selbstverständlich und nachvollziehbar einzufangen. Es ist der Durchschnitt, in Form des immer neugieriger und kritischer werdenden Verehrers von Julie, der Befremdung und Unbehagen ins immer friedlicher werdende Miteinander bringt. Sein Blickwinkel bringt die wahre Unruhe herein, während uns die Welt der waisen Geschwister unter sich in einer empathischen und natürlichen Art offenbart wird, die emotional gleichermaßen verstört, wie zufrieden stellt. Man wird konsequent in die Gefühlswelt der Protagonisten entführt, empfindet mit ihnen, anstatt gegen sie und empfindet somit die Außenwelt, von der man so gut wie nichts mehr mitbekommt, innerhalb dieser Isolation als rau, hart und unfair. Der Ort der Entrückung wird zur Oase des Beisammenseins und der Friedlichkeit. Die Reibereien, meist um die Macht wer was zu sagen hat, entschwindet immer stärker, hier findet sich ein Platz des gegenseitigen Verstehens und Akzeptierens und des sich gegenseitigen Näherkommens, bishin zum inzestuösen Höhepunkt. Der wird sinnlich, aber nicht reißerisch thematisiert, fast schon verschmitzt, aber nicht verharmlosend und führt zu einem perfekt gesetzten Schlusspunkt der Erzählung, mit dem Birkin den Zuschauer von nun an alleine lässt.

Ihm ist innerhalb einer ungewöhnlichen, aber eigentlich recht simplen Geschichte großes Kino geglückt, welches durch seine europäische Herkunft Stereotype und Klischees komplett umgeht und uns stattdessen Individualität und Authentizität präsentiert, so dass uns alles Gezeigte geradezu natürlich erscheint. "The Cement Garden" (Originaltitel) ist ein Werk der stillen Töne, dem die Gefühlswelt seiner Figuren und die Nähe zu diesen wichtig ist, das frei von Moral erzählt ist, den Zuschauer mündig miterleben und begreifen lässt und dabei nie den Pfad der Glaubwürdigkeit verlässt, oder in Versuchung gerät sein Geschehen reißerisch oder lüstern einzufangen. Quantitäten werden umgangen, es geht um das Verstehen und nicht um niedere Gelüste. Es geht darum das Publikum herauszufordern, den eigenen Tellerrand zu überwinden und sich in eine Lebenssituation einzufinden, die es nicht kennt. Dementsprechend wirkt "Screen Two: The Cement Garden" (Alternativtitel) nie gewollt, pseudo-intellektuell oder verkrampft, was auch dank der natürlich agierenden Jungdarsteller so gut zu funktionieren weiß. Mit Andrew Robertson bekommen wir einen tatsächlich milchgesichtigen und verpickelten Teenager präsentiert, mit Charlotte Gainsbourg eine geradezu selbstverständlich taffe und emanzipierte junge Frau. Beeindruckend ist zudem das Spiel des jüngsten, der auch in schwierigsten Situationen, die nicht der üblichen Lebenswelt eines Kindes in diesem Alter entsprechen, eine Natürlichkeit beibehält, die man einem Kind diesen Alters nicht zutrauen würde. Ohnehin geht ein großes Lob an Birkin für die Heranführung der mutig agierenden Darsteller an ihre Rollen. "Der Zementgarten" ist gelungenes, ungenormtes und authentisch anmutendes, europäisches Freidenker-Kino, wie ich es insbesondere im Bereich des Jugend-Dramas geradezu liebe.  OFDb

13.04.2019

DER BEWEGTE MANN (1994)

Die auf den Ralf König-Comics "Der bewegte Mann" und "Pretty Baby" basierende Komödie "Der bewegte Mann" war in Deutschland ein großer Überraschungserfolg an den Kinokassen und genießt auch heute noch einen ausgesprochen guten Ruf, und ich finde den besitzt sie zu recht. Der Film ist in seiner hochgradig guten Besetzung, die selbst ignorante Gestalten wie Til Schweiger-Hasser gut heißen müssten, charmant ausgefallen, besitzt ebenso wie die Comicvorlage eine hervorragende Pointensetzung und ist von seiner Geschichte her einfach ein Glücksgriff, der sich zu erzählen lohnt. Im Gegensatz zur Printvorlage wird das Geschehen etwas weniger provokant thematisiert und sympathischer vorgetragen, besetzt und beendet, aber in diesem Punkt ist die Geschichte um die kurzfristige WG zweier sexuell verschieden orientierter Männer ein Lehrstück wie anders unterschiedliche Medien funktionieren. Während der direktere Ton dem Comic besser steht, gibt man den Verantwortlichen des Filmes in den vorgenommenen Änderungen Recht, da der Streifen mit diesen runder läuft, ohne auf das Massenpublikum angepasst zu wirken.

Allerdings sollte man sich nicht vertun. Mag der Humor mit Kenntnis auf Sönke Wortmanns Vorgänger-Werke "Kleine Haie" und "Allein unter Frauen" auch geradezu nach dessen Handschrift aussehen, so sind viele der großen und kleinen Lacher des Filmes tatsächlich bereits im Comic vorhanden, so dass man dieses wahrlich unterschätzen kann. Das sollte man aber ohnehin nicht, präsentiert es, ebenso wie der Film, doch nicht einzig eine schlicht vor sich her erzählte Geschichte, die einzelne Punkte mal eben so nacheinander abarbeitet, sondern stattdessen einen durchdachten Plot mit pfiffigen Ideen, gekonnten Wendungen, interessanten wie liebenswerten Charakteren und in seiner zweigeteilten Geschichte einen guten Aufbau aufeinander und eine treffsichere Kompatibilität beider Hälften. Die beiden Hauptdarsteller Til Schweiger und Joachim Król sind ein Glücksgriff um dieses theoretisch so großartige Konzept nahe an die Perfektion zu geleiten, und Nebendarsteller wie Rufus Beck und Armin Rohde verzuckern das Ganze noch in einem skurrilem Ton, jeder wie die Faust aufs Auge zur konzipierten Rolle passend, und damit der Festlegung Wortmann zum Regisseur dieses Projektes zu machen in dieser Treffsicherheit in nichts nachstehend.

Gleiches gilt für den Humor, der auf mehreren Ebenen gekonnt zu funktionieren weiß. Hemmungsloses Herumalbern und empathische Tragikomik, die das fertige Werk jedoch nie zur Tragikomödie werden lassen, laufen gekonnt Hand in Hand und dürften wahrlich nur Humorlegastheniker nicht schmunzeln lassen, so herzerfrischend witzig wie die irrtümlich schlicht anmutende Geschichte ausgefallen ist. "Der bewegte Mann" lässt sich immer wieder gucken, schaut sich keineswegs in seinem Jahrzehnt feststeckend und hat das Herz am rechten Fleck, so gut wie hier Tragik in dritter Reihe parkend den Humor gehaltvoll zu unterstützen weiß und damit aus dem erreichten Produkt keine hohle Gagparade macht oder einen tuntig anmutenden, anbiedernd schrillen Schwulenfilm. "The Turbulent Man" (Alternativtitel) ist eine geistreiche Komödie mit psychologischem und empathischen Verständnis für Figuren und Situationen, vortrefflich mit Offenheit für Andersartigkeit umgehend, auch im Alltag ungern gesehene Eigenschaften betreffend. Er teilt entlarvend nach allen Seiten aus, ohne dabei zu verurteilen oder zu sanft vorzugehen, sondern versucht erfolgreich inmitten einer übertriebenen Comicatmosphäre alles ein wenig alltäglich und lebensnah einzufangen. Dass derartiges beim Folgefilm "Kondom des Grauens" ausblieb, mach deutlich dass man damals scheinbar dachte, der Erfolg des hier besprochenen Filmes wäre einzig der Comicvorlage und ihrem lauterem Humor zu verdanken. Somit muss es nicht verwundern, dass der Schwulen-Krimi nicht im Ansatz so erfolgreich ankam wie das Liebhaberstück für Freunde treffsicherer Komik, welches Wortmann uns beschert hat.  OFDb

13.11.2014

DIE KLASSE VON '99 - 'SCHULE' WAR GESTERN - LEBEN IST JETZT! (2003)

Drei Jahre nach seinem Erfolg „Schule“ schob Regisseur Marco Petry dieses Drama nach, welches nicht zufällig drei Jahre nach einem Schulabschluss spielt. Eine Verwandtschaft zwischen den beiden Filmen ist trotz unterschiedlichem Genre-Schwerpunktes durchaus gewollt, es bleibt jedoch bei Andeutungen. Ob Schmidt der Dirk aus „Schule“ ist, beide von Axel Stein verkörpert, weiß man nicht. Karbrüggen trägt in seinem Kurzauftritt einen anderen Namen, Daniel Brühl wird in seinem Schnubbie genannt, die wohl deutlichste Andeutung des Streifens auf den Vorgänger. Dass Felix Schnubbie nicht kennt, macht deutlich, dass es hier um eine völlig andere Clique als im Vorgänger geht, und ob „Die Klasse von ‘99“ nun im selben Ort spielen mag oder eine Quasi-Fortsetzung von Petrys großem Erfolg ist, ist nie ganz klar, eigentlich aber auch egal.

Zumindest erklärt dieser Umstand den mehr als nervigen vollständigen Titel „Die Klasse von ‘99 - ‘Schule‘ war gestern - Leben ist jetzt!“ Man wollte mit Petrys Folgefilm also einen Nachschlag vom Erfolgskuchen des Vorgängers abernten, was nicht der erste Fall bescheuertster Namensgebung für einen Film aus gleichem Gier-Grunde ist. Ob da ein „Jack allein im Serienwahn“ an Erfolgen von „Kevin - Allein zu Haus“ und „Allein mit Onkel Buck“ anknüpfen musste, oder ein noch groteskerer „Kevins Cousin allein im Supermarkt“ verzweifelt um Anerkennung bettelte, mit deutschen Titeln wurde schon immer Schindluder getrieben. Und da es schon einen sehr schönen Science Fiction-Trash namens „Die Klasse von 1999“ gibt, nervt mich der schreckliche Titel des hier besprochenen Filmes um so mehr. Leider gibt es als Alternativtitel nur „90/99“, also bleibt „Die Klasse von ‘99“ so oder so ein Streifen unter schlechter Namensgebung.

Immerhin ist besagter Film ein gelungener Streifen schlechter Namensgebung, denn trennt man sich einmal von der Vorstellung hier eine Fortsetzung von „Schule“ vorgesetzt zu bekommen, erlebt man ein sentimentales, unkitschiges Jugend-Drama, mit jungen Menschen, die ihren Platz im Leben suchen, manche wissendlich, manche unwissendlich. Freundschaften halten sich noch aufgrund Jahre-langen Kennens und nicht aufgrund wahrer Werte, so dass sich eine Personenkonstellation mischt, die es eben nur bis etwa zum 30.Lebensjahr gibt.

Nun baut „Die Klasse von ‘99“ aber nicht auf das Erwachen dieser Erkenntnis auf, auch wenn ich eine lange Zeit glaubte dass er dies tun würde. Der Film handelt jedoch nur von wenigen Wochen, und mit diesem Zeitraum wäre er mit dieser Thematik ohnehin etwas Entwicklungs-überstürzt vorgegangen. Nein, Freunde bleiben Freunde, so sehr man sich in drei Jahren auch auseinander gelebt hat, und Widersprüche bleiben Widersprüche, die das Leben nun einmal mit sich bringt. Probleme kann man lösen, man kann auch vor ihnen flüchten. Was von beidem Felix tut bleibt Auslegungssache, denn Petry serviert uns einen recht nüchternen, kommentarlosen Einblick, den wir selbst zu deuten haben.

Streng betrachtet ist das komplette Leben von Felix nicht hervorhebenswert. Petry zeigt uns mit diesem Zusammenschnitt weniger Wochen im Heimatstädtchen ein typisches Schicksal, wenn auch angereichert mit der Idee zur Beihilfe des Drogenschmuggels, was mehr Laufzeit mit sich bringt als mögliche Parallelen zu „Schule“ oder als die Polizeiausbildung Felix‘. Dementsprechend kurz gehalten werden auch die sozialen Interaktionen unter den gleichaltrigen Kadetten. Sie sollen nur Alternativen wiederspiegeln und Felix in seiner Position festigen. Ebenso wie die mahnenden Worte der Mutter. Und Felix muss irgendwann erkennen: die Zeiten der Fremdbestimmung und im speziellen die Aufgabe der Clique zu entsprechen sind vorbei. Er ist nun erwachsen, und nur er kann wählen was er wirklich möchte.

In dieser Konsequenz schließt „Die Klasse von ‘99“ ähnlich wie „Schule“. Beide Hauptfiguren müssen erkennen dass das Leben sich weiterentwickelt, dass nicht alles bleiben kann wie es war, dass dieser Umstand sogar positiv zu betrachten ist und dass deshalb auch Orte gewechselt werden müssen. Man kann nicht ewig im Heimatort verweilen, wenn dieser einen nicht glücklich macht. Kurzum: Hintergründig handelt Petrys Drama und damit Felix Leben von mehr als es zunächst scheint, und wie in jedem guten Genrebeitrag unseres Landes, hat man das meiste davon selbst zu entdecken.

Wer gelangweilt nach dem fehlenden Handlungs-Kick fragt und sich hinterher ärgerlich wundert, dass es zu diesem nie kam, ist nicht reif genug für einen solchen Film. „Die Klasse von ‘99“ serviert seine Handlung und Aussagen nicht auf dem silbernen Tablett, er möchte, dass der Zuschauer diese selbst entdeckt. Und diese Mündigkeit genieße ich, ich beschäftigte mich mit dem Stoff und fühle mich deshalb gut unterhalten, nicht auf einem Niveau richtig großer Werke a la „Requiem“ und „Die Ausbildung“, im Vergleich zu diesen ist Petrys Film tatsächlich noch immer einen klitzekleinen Rest zu mainstreamig, aber gut genug um von einem anspruchsvollen Werk zu sprechen.  OFDb

14.03.2013

FRECHE BIESTER! (2002)

Starla ist Anführerin der Cheerleader, und was die arrogante junge Frau anpackt gelingt ihr auch. Für ihre Ziele ist ihr jedes Mittel recht, und ihre Beliebtheit scheint ihr recht zu geben. Als Starlas Familie eine französische Austauschschülerin bei sich wohnen lässt ist es mit dem schönen Leben der erfolgreichen Schülerin schnell vorbei. Die Französin Geneviève sieht nicht nur süß aus, sie hat es auch faustdick hinter den Ohren. Systematisch krallt sie sich alles Schöne in Starlas Leben, während es mit der bergab geht...
 
Rache ist sexy...
 
Das Thema Rache wird in Teenager-Komödien häufig verwendet. In Form einer schwarzen Komödie wurde „Heathers“ in den 80ern ein großer Hit und Christian Slater und Winona Ryder zu Stars. Lindsay Lohan zahlte es den Nobelzicken in „Girls Club“ schon ein wenig braver heim. Bevor Regisseurin Melanie Mavron das Thema Rache zwei Filme später mit „Highschool News“ noch einmal ausgrub um es mit seichter Gesellschaftskritik zu mischen, drehte sie den sehr seichten Rachefilm „Freche Biester“, nicht zu verwechseln mit dem sympathischen Teen-Girl-Film „Kleine Biester“ von 1980.

„Slap Her, She’s French“, so der Titel im Original, bedient sich nur noch sehr rar am Bereich der schwarzen Komik. Bitterböse Rache sieht anders aus. Aber Mavron beweist, dass auch die Lightversion noch durchaus Spaß machen kann, selbst dann wenn einiges gegen das positive Ergebnis arbeitet. So ist die männliche Rolle für den kleinen romantischen Nebenstrang beispielsweise mit Trent Ford schlecht besetzt, da er einfach der falsche Typ für diesen sanften Charakter ist.

Das Drehbuch weiß nichts aus dem Thema zu machen, was es nicht schon öfters gegeben hätte, und der Sturz der beliebtesten Schülerin wirkt nicht sehr brutal, eher in Watte gepackt. Schließlich muss sie sich als Sympathiefigur zum guten Menschen wandeln, und selbst das ist den Verantwortlichen des Films nicht wirklich glaubhaft gelungen. Am Ende macht Starla den Eindruck eines geläuterten Rauchers, der es stolze 4 Wochen schafft aufzuhören, um schließlich doch wieder zum Glimmstengel zu greifen. „Freche Biester!” ist simple Routine, aber was soll ich sagen: ich mag solche Filme einfach. Gut aufgelegte und austauschbare junge Erwachsene in leicht variierten Geschichten zu erleben, das ist das Teenie-Komödien-Genre, in das sich nur selten große Ausnahmewerke wie „Ferris macht blau“ oder „Heathers“ verlaufen.
 
In den weiblichen Hauptrollen ist Mavrons Film recht gut besetzt. Jane McGregor wirkt als Püppchen ebenso wie als Normalo, dank ihrer natürlichen Mimik. Piper Perabo ist süß und darf sich in der Rolle der scheinheiligen Geniviève ein wenig austoben. Schön dass ihre Schönheit von der Rolle des männlichen Softie bereits erkannt wird, bevor sie a la „Eine wie keine“ ihren Look ändert. Schön auch dass Piper eine solch spaßige Rolle ergattern durfte, nachdem sie in dem sehr schlechten Jugend-Drama „Lost And Delirious“ mitwirkte.

Als etwas arg dreist entpuppt sich die Musik, die schonungslos bei Hans Zimmers großartiger Komposition von „True Romance“ klaut und die Melodie dabei kaum verändert. Die großen Lacher hat „Freche Biester!“ nicht zu bieten, letztendlich lebt er von dem gewollt Uncharmanten seiner charmanten Geschichte und trumpft eher in unauffälligen Bereichen, z.B. in der Beziehung Starlas zu ihrem kleinen Bruder und der Art aus welchen Gründen diese einen Wandel erfährt.

Man muss sich jedoch nichts vormachen. Auch als Sympathisant dieses kleinen Teeniefilmchens ist mir seine Bedeutungslosigkeit und seine Mittelmäßigkeit bewusst. Freunde des Genres bekommen jedoch da typische Werk für zwischendurch beschert. Trotzdem hätte etwas mehr Härte Wunder bewirken können. Ein Blick auf „Can't Buy Me Love“ mit Patrick Dempsey zeigt, wie böse ein Beliebtheitssturz sich in der Schule auswirken kann. Von diesem bösen Erwachen ist Starla Meilen entfernt.  OFDb

11.03.2013

HARTE JUNGS (2000)

Eines Morgens wacht Florian auf und nichts ist mehr wie es einmal war. Sein Penis spricht mit ihm, und er will Frauen. Für den scheuen Florian wird dies zum Problem, er muss erst einmal herausfinden wie man zu einem Date kommt. Und was tun, wenn man eins hat?...
 
Willi, sein bester Freund...
 
Wenn in einer Komödie Axel Stein mit seinen Sprüchen zu den Highlights zählt, dann kann man wirklich nicht von einem tollen Erlebnis sprechen. Allerdings hätte „Harte Jungs“ sogar recht nett werden können, wenn die Hauptfigur nicht so unglaubhaft naiv personifiziert worden wäre.

Den Aufhänger des sprechenden Pimmels hätte man streichen können, ist er für die Geschichte an sich doch gar nicht wichtig. Trotzdem ist der Punkt die Naivität des Protagonisten betreffend wesentlich gravierender am Scheitern des Films. Ein so alter Teen, der nicht nur nie von Sex gehört hat, sondern auch in jedem anderen Punkt mit dem anderen Geschlecht von nichts eine Ahnung hat, nichts kapiert und der derart treu auf die irre plumpen Ratschläge seines Kumpels hört, das ist alles zu viel des unmöglichen.

Obwohl die Welt, in der Florian lebt, von seinen ominösen Mitmenschen beeinflusst wie eine Comicwelt wirkt, hätte es genau an dieser Figur gelegen das Normale zu verkörpern (ähnlich Kerkelings Rolle in „Kein Pardon“). An Tobias Schenke mag das Scheitern nicht wirklich liegen. Er wirkt zwar relativ blass, aber sein volles Potential nicht in einer derart dummen Pflichtrolle entfalten zu wollen wird ihm wohl keiner übel nehmen. So wirkt er hier rein optisch wie ein deutscher Corey Haim, und man musste noch bis „Ein Leben lang kurze Hosen tragen“ warten, um sein wahres Talent zu Gesicht zu bekommen.

Ohne dieses Hauptfiguren-Manko hätte aus dem Werk ein durchaus unterhaltsamer Film werden können. Dann hätte man zwar noch immer kein wirklich gutes, aber immerhin ein recht kurzweiliges Ergebnis gehabt, mit Witzen aus dem unteren Niveau-Regal, aber immerhin noch witzig. Die kompletten Nebenrollen waren zumindest auf TV-Film-Niveau nett besetzt, allen voran die enttäuschte Freundin des Helden, die noch immer auf ihren Busen wartet.

Dafür dass es sich bei diesem Film um einen Kinofilm handelt, ist der Cast wiederum recht blass ausgefallen, und im Kino wäre ich mir komplett verarscht vorgekommen. Auf dem heimischen Bildschirm weiß „Harte Jungs“ trotz seiner etlichen Mankos immerhin seine Laufzeit lang zu unterhalten, wenn auch nur auf billigstem Niveau und mit viel Augen zudrücken.  OFDb

10.03.2013

FANTASTIC FOUR (2005)

Im Weltall werden vier Astronauten einer Strahlung ausgesetzt, die ihnen unterschiedliche Fähigkeiten beschert. Ihr Chef, der ebenfalls Superkräfte erlangt hat, nutzt diese zum Bösen, so dass die Vier sich zusammentun um ihn zu bekämpfen...
 
Die mittelmäßigen Vier...
 
Die Art der Superkräfte unserer „Fantastic Four“ weisen schon darauf hin, dass die Stammleser der Comics zu dem eher anspruchslosen Kundenstamm gehören. Meist werden diese Heftchen ohnehin von Jugendlichen gelesen, die mit anderen Dingen zufrieden zu stellen sind als Erwachsene. Von daher scheint es konsequent, dass sich die Verfilmung ebenso auf das selbe Stammpublikum konzentriert, und der Plot so naiv erzählt ist, dass jeder Jenseits der 25 nur noch die Augen verdrehen kann oder eines davon gnädigst zu kniepen muss, um halbwegs Gefallen an dem Werk zu finden. Auf der anderen Seite denke ich mir, dass das Medium Kinofilm im Popkornbereich ruhig generationenübergreifend arbeiten könnte, so wie es mit den Verfilmungen zu „Spider-Man“ und „X-Men“ geschah, die ebenfalls aus dem Hause Marvel stammen. Ein derartiges Missachten jeglichen Anspruchs aufgrund des Teenager-Zielpublikums beleidigt nebenbei die Intelligenz der Jugend.

Zunächst einmal wundert es, bei all seiner Jugendlichkeit und Naivität, dass die Geschichte nicht einschlägt wie eine Bombe. Wie für einen Teil 1 typisch wird „nur“ die Entstehung der Superhelden und ihres Gegners erzählt, bis es schließlich zur finalen Auseinandersetzung mit diesem kommt. Das bedeutet, dass Charaktere zunächst vorgestellt und vertieft werden, eine Tatsache die das Erstling in vielen Superheldenreihen zum besten Teil machte, weil in Fortsetzungen oft zu viel Action geboten wurde.

Doch den lobenswerten Gedanken muss man bei den „Fantastic Four“ wieder streichen, denn passend für das junge Stammpublikum wird jede kleinste Ecke genutzt für Rambazamba-Szenen. Es soll ordentlich knallen, dem Kinozuschauer soll spektakuläre Action geboten werden. Das bringt den Erwachsenen auf Dauer zum Gähnen, sinkt das Niveau damit doch immerhin erheblich. Aber der Teen wird funkelnde Augen kriegen. Positiv hervorzuheben ist die bei all den Action- und Verwandlungsszenen geglückte Computeranimation. Wo der „Superman Returns“ eine Enttäuschung für das Auge war und auch „Spider-Man“ in seinen drei Kinoabenteuern nicht über eine Computerspielanimation hinaus kam, wissen die „Fantastic Four“ optisch zu überzeugen. Da muss man ein ganz großes Lob aussprechen.

Aber Dramaturgie und billigste Charakterzeichnung (auch auf eine Superheldenstory gesehen) machen diesen quantitativen Punkt völlig irrelevant. Umgekehrt müsste es sein: Bei guter Dramaturgie und Charakterzeichnung kann man über mangelnde Animation hinwegsehen. Auf jeden Fall sind die Figuren des Filmes so angelegt, wie sie eben nur wer mit geringer Lebenserfahrung oder geringen Ansprüchen annehmen kann.

Der weibliche Part soll Sympathieträger sein, geht mit den Männern gefühlstechnisch jedoch wie eine emotionslose Hexe um, um den Spieß umzudrehen, der Mann habe etwas Böses verbrochen. Zudem trifft sie, würde ihre Selbstwahrnehmung stimmen, ihren Traummann in der Gestalt des Steinmannes The Thing, und sie merkt es nicht einmal, weil sie vielleicht doch etwas mehr auf oberflächliche Dinge wie die Attraktivität achtet, als sie sich selbst zugestehen würde.

Dem Klotz von Steinding gibt man gnädig, wie im fragwürdigen amerikanischen Popkornkino üblich, eine blinde Frau zur Seite. Sollen doch zwei Ausgestoßene miteinander glücklich werden. Die Elite bleibt untereinander, der Ausgestoßene bekommt seinesgleichen (faschistische Parallelen sind mehr als deutlich). Für eine Gesellschaft, die sich als sehr politisch korrekt empfindet, ist das Unterteilen der Menschen in verschiedene Qualitätsklassen, meist durch das Äußere getrennt, höchst fragwürdig, auch in einem so simplen Streifen wie „Fantastic Four“. Und warum? Eben weil das junge Publikum anvisiert wurde, und diese unauffällig zu derart denkenden Menschen erzogen werden (was mit diesem Medium durch den Stellenwert der Kinofilme und ihrer Erscheinungen auf DVD in unserer Gesellschaft besonders möglich ist), anstatt sie darüber aufzuklären, dass Faschismus nicht erst eines Hakenkreuzes bedarf.

So, die Aufklärung wurde von mir nun nachgeholt, also weiter zu den Fehlern: Bei den Figuren wäre da in erster Linie noch der Feuermensch zu nennen. Es fällt zunächst einmal schwer sich einen so unreifen Jüngling als Astronauten im Weltall vorzustellen. Was hat ihn qualifiziert? Wie soll er da oben helfen, wenn er doch so gar nicht teamfähig ist? Das ist typische Jugendliteratur-Charakterzeichnung, am Comic orientiert wie gesagt auch nicht so verkehrt, aber hätte man nicht, dem restlichen Publikum zu Liebe, doch die ein oder andere Änderung vornehmen können, um dessen Intelligenz nicht vollends zu beleidigen? Die Unterhaltungen des Feuermannes und des Dings erinnern zudem nicht zufällig an die Kindereien von Murdock und Mr. T in der Kinderactionserie „A-Team“. Die Konstellation ist die selbe, nur dass der Feuermanncharakter in „Fantastic Four“ jeden Funken Sympathie ergebnislos suchen lässt. Das arrogante, teamunfähige Arschloch will einfach nicht einen Funken reifer werden, nicht einmal zum Schluss, wo er sich immerhin halbwegs mit dem Steinding verträgt.

Über die Logik braucht man nicht allzu viel zu schreiben, sie ist völlig blödsinnig und findet einen ihrer Höhepunkte in den Kleidungsstücken der Superhelden, die sie von nun an tragen werden.

Die Dramaturgie ist wie oben erwähnt genauso flach wie die Charakterzeichnung. Da wäre an vorderster Stelle das unnötige aufopferungsvolle Verhalten des Dings zu nennen. Da wird er aus unnötigsten Gründen erneut ein Steinmensch, freilich um seine Freunde zu retten. Aber nur der Mensch mit Tunnelblick lebt in dem Glauben, es wäre nur auf diese Art möglich gewesen.

Der elastische Anführer der Truppe wandelt sich charakterlich so, wie es dem weiblichen Part gefällt (mal wieder eine Frau die sich ihren Mann formen will, anstatt einen zu suchen, der zu ihr passt, na ja, wenigstens passt die Formulierung „formen“ bei dieser Comicfigur in zweifacher Hinsicht). Mit dem Begriff des Anführers fällt mir noch ein weiterer sehr dämlicher Punkt ein. Die Truppe wird ganz automatisch gefragt, wer der Anführer sei. Als ob dieser zwingend nötig wäre! Aber das war schon Fakt im fragwürdigen Weltbild von „Raumschiff Enterprise“, warum soll es bei Trivialst-Unterhaltung wie den „Fantastic Four“ anders sein?

Passend zu der faschistischen Mentalität der politisch korrekten Gesellschaft findet sich der Anführer allerdings durch bloßes Erkennen mit dem Auge. Jener, der die Gruppe nach dem Anführer fragte, erkennt diesen schließlich ganz von selbst, nach 1 –gesprochenen Sätzen. Oh weh, oh weh! Man kann nur beten, dass Menschen, die in solchen Werken inhaltlich ausgeschlossen werden, nie aussterben werden, damit solcher Wahnsinn nie für all zu lange zum Standard in unserer Gesellschaft wird.

Wie erwähnt, der anspruchslose Zuschauer wird sich daran nicht stören. Der Teen nicht, weil er die vielen Fragwürdigkeiten noch nicht erkennen kann, der Erwachsene weil er einfach mal geistlos unterhalten werden will. Auch wenn die Vorlage zu der plumpen Ecke Superheldencomic gehört, so hätte man doch etwas tauglicheres für das Kino daraus zaubern können. Immerhin schaffte es der simpelste und unlogischste aller Superhelden, der Superman, auch zu zwei brauchbaren Verfilmungen („Superman“ und „Superman 2“).

Für sein geringes Niveau weiß „Fantastic Four“ allerdings kurzweilig zu unterhalten. Es wird nie langweilig, und die Spezialeffekte sind erste Sahne. Aber auch innerhalb der Trivialunterhaltung kann man Werke nach Anspruch trennen, und da unterscheidet sich „Fantastic Four“ von den guten Vertretern seines Kalibers in einem entscheidenden Punkt: Der hier besprochene Film fällt nur in quantitativen Bereichen positiv auf, nicht in qualitativen.  OFDb

17.09.2012

RESIDENT EVIL 3 - EXTINCTION (2007)

Die Menschheit ist fast komplett ausgelöscht. Zombies beherrschen die Welt. Alice macht sich Richtung Alaska auf, wo es sich wohl noch halbwegs normal leben lassen soll. Eine von Umbrella geschaffene Armee von Klonen kommt ihnen in die Quere...

Zombies, Klone, tote Vögel...
 
Da haben wir also Teil 3 der anspruchslosen aber unterhaltsamen „Resident Evil"-Reihe, die Zombiefilm mit Fantasy-Elementen mixt. Verkehrt sind die Filme eigentlich nie, wissen sie doch zu unterhalten. Allerdings war im Vergleich zu Teil 1 schon bei Teil 2 zu erkennen, dass das Geschehen wesentlich unsinniger wurde. Dieses weit weniger schwer zu übersehene Schundgefühl war mitunter durch den Schluss-Gegner begründet, der mehr an "Power Rangers" erinnerte als an einen Gegner eines halbwegs erwachsenen Horrorfilmes. Teil 3 ist im direkten Vergleich diesbezüglich wieder einen Deu besser ausgefallen, ist aber noch immer reinste Trivialunterhaltung.

In einer "Mad Max"-ähnlichen Welt will man uns weiß machen, dass gestylte Weicheier überlebt haben. Keine knallharten Arschlöcher, wie sie einst in der Welt eines George A. Romero überlebten, sondern Kerle, die ihre Bärte pflegen und Püppchen, die scheinbar immer irgendwo noch Make-Up auftreiben konnten und dies bestimmt auch noch für nötig halten. Nun ja, an solchen Nonsens gewöhnt man sich recht schnell, ebenso wie an bedeutendere Unlogiken. Warum z.B. das Hologramm eines Menschen vom Computer mit einem Wärmesensor gekennzeichnet werden muss, weiß kein Mensch. Und warum gibt es auf der Oberfläche der Hauptzentrale stets eine Zombiezuwanderung, wenn man dann in der Vogelperspektive immer nur die gleiche Anzahl an Untoten vor dem Zaun herumlungern sieht? Warum schwindet diese Zombieanzahl in den actiongeladenen Nahaufnahmen? Und eine meiner Lieblingsfragen: wo sind die Kadaver der toten Zombies, wenn der Tankwagen in der Zombiemasse explodierte?

Aber ganz im ernst: „Resident Evil 3“ leidet nicht viel unter seinen Fehlern, sondern fängt diese durch seinen freiwilligen Anteil an Schund auf. Milla Jovovich ist hübsch anzusehen wie eh und je. Die Nichtstory ist putzig erzählt und wird nie langweilig. Der Schluss-Gag guckt sich interessant, lässt aber die Frage offen ob unsere Heldin die Welt überhaupt noch retten will, oder ihre Aufgabe "nur" darin sieht es der Umbrella-Firma ordentlich heimzuzahlen.

Der Endgegner ist so plump ausgefallen wie jener aus Teil 2, ist jedoch besser animiert und erinnert neben Doc Oc aus "Spider-Man 2" noch an ein Dutzend anderer Filmmonster, beispielsweise an das von "From Beyond" oder "Slither". In Sachen Innovationen war die "Resident Evil"-Filmreihe aber ohnehin noch nie erwähnenswert, und ob das Ganze nun irgendwas mit einem der vielen Computerspiele zu tun hat, auf welchen die Filme theoretisch basieren sollen, interessiert mich als Nicht-Gamer nicht die Bohne. Was hatte der „Rasenmähermann“ mit Stephen Kings Kurzgeschichte zu tun? Nichts, und es war dennoch ein netter Film. Was juckt mich da ein Telespiel?

Negativ hervorzuheben ist die Animation der Zombiehunde, deren Auftritt nach den ersten 10 Minuten aber glücklicher Weise ohnehin beendet ist. Die Killervögel sind dafür um so netter animiert, werden auch in einer atmosphärisch gelungenen Szenen eingesetzt, die leider jedoch mäßig endet. Zwar wird diese Szene genutzt um die Kräfte der Hauptfigur noch einmal deutlich zu machen, da dies aber auch bereits in anderen Szenen demonstriert wurde, lässt sich der Abschluss besagter Sequenz jedoch nicht entschuldigen.

Diese Szene war so ärgerlich wie so ziemlich jede Kampfszene aus „Matrix 2“, wobei die Position der Hauptfiguren als Auserwählte ohnehin vergleichbar sind. In der ersten „Matrix"-Fortsetzung war es ja nun so, dass am Ende einer jeden ausweglosen Situation Neo angeflogen kam um seine Leute zu retten, oder aber wegflog um sich selbst zu retten. Alice macht selbiges in besagter Vogelszene (freilich ohne zu fliegen), was zunächst vermuten lässt, dass es erzähltechnisch nun so unterirdisch weitergeht wie im Vergleichsfilm, aber dann darf man doch erleichtert aufatmen. Nein, sie wird nicht ständig zur Hilfe eilen, nein sie wird nicht jeden Hanswurst retten, sie hat genug andere Probleme am Hals. Glück gehabt! Wo „Matrix 2“ sich todernst nahm, weiß "Resident Evil 3" wenigstens, dass er Schrott erzählt, und diese Haltung rettet den Film letztendlich.

In Sachen Ideenklau kann man ebenfalls beide Filmreihen miteinander vergleichen. Wo „Matrix“ schamlos von "Welt am Draht" und "Dark City" klaut, klaut "Resident Evil 3" neben einer endlosen Reihe von Zombiefilmen u.a. bei "Die Herrschaft des Feuers", und in einer Szene auch sehr deutlich bei "Lexx" (spätestens beim dritten Teil "Karussell des Todes").

Was soll man sagen? Freunde der Kino-Reihe werden nicht enttäuscht, zumindest würde es mich wundern wenn man bei diesem Teil 3 etwas anderes erwartet hat als das was er auch bietet. Er erzählt seine Geschichte konsequent weiter, zeigt uns optisch gelungene Zombies, er hält einige wenige Schockmomente parat und wandelt auf den üblichen Spuren, die man nach Erkennen der neuen Grundsituation sowieso erahnen kann.

Es ist nur schade, dass außer Alice diesmal keine Sympathiefiguren vorhanden war. Ein Haufen Asis würde mich nicht zwingend stören (siehe "Zombie 2", bei dem übrigens auch ordentlich geklaut wurde), aber die Idioten die uns Teil 3 als Möchtegern-Sympathiefiguren vor die Nase setzt sind ein kompletter Reinfall. Spätestens wenn man den ollen Möchtegern-Popstar aus "Muppets - Der Zauberer von Oz" zu Gesicht bekommt, ist die letzte Hoffnung weg noch wen sympathisches zu Gesicht zu bekommen. Da das Zielpublikum allerdings ohnehin im Teenie-Alter zu suchen ist, soll es mir egal sein und den Produzenten sowieso. Eine solch junge Altergruppe lässt sich nun einmal gerne noch mit eindimensionalen Schickimicki-Charakteren abspeisen, und das ist auch nicht weiter wild, fehlt besagten Zuschauern doch noch die Lebenserfahrung es besser zu wissen.  OFDb