Posts mit dem Label James Franco werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label James Franco werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

18.04.2020

WHY HIM? (2016)

"Why Him?" versucht in einer an "Meine Braut, ihr Vater und ich" und "Schwiegersohn Junior" erinnernden Geschichte von einem Sonderling zu erzählen, den man mit der Zeit lieb gewinnen soll. Aufgrund einer psychologisch undurchdachten und unsensiblen Charakterisierung der Figur des eigentlich gut gespielten Lair und dem Drang stetig aufdringlich Tabus aufzubrechen, will das jedoch so gar nicht funktionieren, ist die Figur doch zu recht ein Unsympath, so wenig wie er sich in andere einfühlen kann. Man entschuldigt seine Art mit seiner familiären Hintergrundgeschichte und damit, dass er es doch gut meint und nicht besser kann. Aber es gibt einfach keinen vernünftigen Grund diesem Holzklotz von Mensch zu mögen, so sehr das Drehbuch auch darum bemüht ist, ihm Sympathie zuzuspielen. Auch eröffnet sich dem Zuschauer nie, warum sich Stephanie emotional zu ihm hingezogen fühlt. Man versteht vielmehr die Haltung des als Spießers gebrandmarkten Ned, und kann freilich mit dessem obligatorischem Wandel zum Schluss nichts anfangen. Autor Jonah Hill schreibt etwas nach, was andere Filme vormachten, ohne Ursache und Wirkung, gegenseitigen gesellschaftlichen Einfluss und andere psychologische Elemente zu verstehen. Wie auch? Er ist viel zu sehr damit beschäftigt jene Art aufdringlichen, pubertären Provokations-Humor einzubauen, für den er mit "Superbad" und Co berühmt wurde, um zu bemerken, dass der Fluss der Geschichte und die Gefühlswelt, die er verursachen soll, nicht funktionieren.

Wo durch gelegentlicher (nicht immer funktionierender) Zuführung derartigen Humors Werke von Hills Kumpel Seth Rogen zu funktionieren wissen, da will der inflationär eingebrachte Humor in "Why Him?" kaum funktionieren und macht, trotz einiger wahrlich gelungener Momente, aus dem fertigen Film eine ziemlich peinliche Nummer. Das verärgert umso mehr, als dass mit James Franco ein talentierter Mime mit an Bord ist, der eigentlich gerade laute Provo-Komik gekonnt zu beherrschen weiß. Noch ärgerlicher ist es mit Blick auf Bryan Cranston, der allein in "Breaking Bad" bewies wie facettenreich er schauspielern kann. Durch eine Rollenauswahl wie diese, ist es kein Wunder, dass er trotz seines überragenden Talents keinen Erfolg im Filmbereich verbuchen kann. Regisseur John Hamburg gehört mit Arbeiten wie "Und dann kam Polly" und dem etwas besseren "Trauzeuge gesucht!" auch nicht gerade zum Personenkreis seines Fachs, dessen Filme über Durchschnitt funktionieren, aber das Fremdschäm-Desaster haben wir definitiv Jonah Hill zu verdanken, der es als fester Teil der hier tätigen Gruppe Filmemacher schaffte James Franco und Ben Stiller als Produzenten zu gewinnen. Als Gaststars huschen noch zwei Kiss-Mitglieder durchs Bild, ein Gastauftritt der so anbiedernd anstatt erfreuend zu funktionieren weiß, wie die Krankheit unter welcher der komplette Film leidet. Es ist erstaunlich dass eine gewisse Restsympathie bei einem sehr wohlwollenden Publikum den Streifen trotz allem vor dem totalen Untergang bewahrt.  OFDb

THE DISASTER ARTIST (2017)

Bei der Kombination Franco und Rogen denkt man zunächst an die Party-Komödien "Ananas Express", "The Interview" und "Das ist das Ende". Wie schon manch andere Regiearbeit von James Franco, so ist "The Disaster Artist" jedoch eine Tragikomödie und somit etwas ganz anderes als die Gemeinschaftsarbeiten der beiden zuvor. Allerdings ist der hier besprochene Film, dem die gemeinsame Tragikomödie "Zeroville" zwei Jahre später folgen sollte, ohnehin kein Seth Rogen-Film, auch wenn dieser an dritter Stelle genannt wird. Der Mit-Produzent spielt eine Nebenrolle, die erst zum zweiten Drittel ins Geschehen tritt und spielt diese angenehm zurückhaltend. Im Zentrum stehen James Franco und sein Bruder Dave, die uns zeigen wie es zu dem Film "The Room" kam, der in den USA aufgrund seines schlechten Ergebnisses zu alternativem Ruhm kam, während er hierzulande nicht einmal den meisten Cineasten ein Begriff ist.

Bis jetzt zumindest, denn durch "The Disaster Artist" könnte sich das ändern, ist er doch interessant genug ausgefallen, um aufzufallen. Zumindest ist er ungewöhnlich genug umgesetzt, um dies zu tun. Zwar folgt Franco dem klassischen Handlungsablauf einer solch biographischen Geschichte und hält sich großteils überraschend stark an die Norm, die im eher konservativen Hollywood herrscht, nicht aber ohne subtil im Unterton bereits jenen alternativ verschmitzten Stil atmen zu lassen, der in gelegentlichen lauteren Szenen schließlich überdeutlich hervor bricht. Franco war nie der angepasste Filmemacher im Stil eines Adam Sandlers, er "provozierte" in seinen eigenen Werken schon immer und ließ sie eine Mündigkeit atmen, die sich gegen verbohrte Standards richtete. Wo es in wilderen Filmen gerne auch mal um körperliche Tabus, Drogenkonsum und lockere Lebensarten ging, da leuchten in "The Disaster Artist" diese Aspekte nur kurz auf, um im erwachsener geratenen Rahmen alternativen Denk- und Lebensweisen einen Appell um Akzeptanz zu gewähren. Diese Botschaft kommt unterschwellig und frei von Moral daher, wird noch weit weniger bedeutungsschwanger integriert als im diesbezüglich bereits wunderbar funktionierendem "Adams Äpfel", und wer Franco kennt, weiß dass auch ein erwachsenes Ergebnis in seinen Händen noch genügend charmant unreife Momente beherbergen wird, aber letztendlich ist der Respekt und die Toleranz vor alternativen Menschen der Kernpunkt des Streifens.

Freilich ist er auch eine Erfolgsgeschichte, zumindest wenn man dem Film glauben kann, dass "The Room" heutzutage tatsächlich derart gefeiert wird. Aber wie eine solche fühlt er sich erst zum Schluss an, wenn aus einem sehenswerten Film für einen kurzen Zeitpunkt ein unglaubwürdiger wird, kann ich mir doch nicht vorstellen, dass der unermüdliche Tommy bei so viel Herzblut so schnell und leicht akzeptieren kann, dass sein Film anders gemocht wird, als er gedacht war. Und kam dieses Party-Feeling tatsächlich bereits während der Premiere auf? Wie unglaubwürdig sich dieses, wahrscheinlich aus dramaturgischen Gründen veränderte, Szenario auch anfühlen mag, der exzentrische Charakter, den der Regisseur hier verkörpern darf, überzeugt umso mehr. Das darf schon verwundern, so grotesk er doch manchmal angelegt ist (überzeugend und mutig dargeboten von einem wie immer überargierenden, aber nicht minder talentierten James Franco), aber der Film lebt hauptsächlich von ihm. Dave Franco mag die Hauptrolle als Identifikationsfigur einnehmen, aber er ist ein Normalo, der die Geschichte nicht in Bewegung bringt, nicht einmal durch sein Empfinden der Ereignisse.

Der sich selbst überschätzende und untalentierte Tommy sorgt für das besondere Etwas, eingebettet in eine psychologisch durchdachte und somit funktionierende Dynamik, versteht das Drehbuch doch den Motor, der die ganzen Ereignisse zum laufen bringt und im weiteren Verlauf die entscheidenden Wendungen beeinflusst. Dass man sich als Zuschauer während der fiktiven Dreharbeiten ebenso wie das Publikum des Originalfilms fragt, worum es in "The Room" eigentlich gehen soll, ist nur ein Beweis dafür, dass "The Masterpiece" (Alternativtitel) erreicht was er will und somit zu funktionieren weiß. Mag sich die Geschichte in der Theorie auch ein wenig wie Burtons "Ed Wood" anhören, er ist völlig anders geartet, allein schon weil er die Figur des Tommy nicht feiert und sie absichtlich nie durchleuchtet oder hinterfragt. Denn Tommy soll ein Rätsel bleiben, das Werk über ihn soll keine Sozialstudie sein, in der wir lernen die Psyche des ungewöhnlichen Mannes zu verstehen. Wir sollen nur kurz jene Luft atmen, die man in seinem Radius abbekommt. Dank eines passiven und dennoch aufdringlichen, sensiblen aber nicht empathischen und reflektierenden aber fehlerhaft selbst-reflektierendem Charakters ist das auch gar nicht anders möglich, wenn man erst einmal in Kontakt zu ihm steht.  OFDb

26.01.2020

SPIDER-MAN 3 (2007)

Die symbiotisch wundervoll zusammen passenden Filme "Spider-Man" und "Spider-Man 2" erhalten im Abschluss der Trilogie leider nicht selbigen Zusammenhalt vom letzten Teil der Gesamtgeschichte, kommt dieser trotz gleicher Besetzung und Crew doch recht anders daher. Interessierten sich die Vorgänger überraschend eindringlich für die Psychologie der Figuren und deren Leiden, so wird bei "Spider-Man 3" hauptsächlich auf den Kampf gegen Superschurken geachtet, von denen es gleich drei an der Zahl gibt. Das überfrachtet den Film leider, da er stets darum bemüht ist, jeglichen Hintergrund der jeweiligen Figuren gerecht zu werden. In einem 3-Stunden-Film hätte das vielleicht sogar funktioniert, aber auf 130 Minuten kommen durch diese Hintergrund-Hatz der Tiefgang der eigentlichen Hauptfiguren zu kurz, die man, im Versuch die Situation zu retten, charakterlich zu sehr veränderte. Peter ist ein vom Erfolg geblendeter Egomane geworden, noch bevor er vom Alienparasit befallen wird, was aufgrund mangelnder Heranführung an diesen Charakterstatus unglaubwürdig wirkt. Und so selbstbezogen Mary Jane auch immer charakterisiert war, die Egonummer, die sie hier in der Vorgeschichte zum Besten gibt, ist kaum zu ertragen.

Freilich kommen trotz gegenteiliger Bemühung auch die Superschurken zu kurz. Die meiste Laufzeit nimmt dabei ausgerechnet der Sandmann ein, dem man einen tragischen Hintergrund wie einst Doktor Oktopus beschert, leider, wie bei den Hauptfiguren, jedoch ohne psychologische Stimmigkeit zu beachten. Das Leiden des Sandmanns ist plakativer, oberflächlicher Art, gebadet in den Klischees die zum Spider-Man-Universum dazu gehören. Der krampfhafte Versuch einer CGI-Kreatur eine tragische Mimik untermalt von theatralischem Hintergrund-Sound zu bescheren, wird zu einer der unangenehmsten Szenen in einem Film, der nur noch mit dem Holzhammer daher kommt, anstatt so sanft und leichtfüßig wie die beiden Vorgänger. Es ist das Glück des Streifens, dass er sich in seinen Actionszenen gelungen guckt, womit genau das zum rettenden Element wird, was in den Vorgängern fast schon Nebensache war. Das macht das Ergebnis nicht gleichwertig gelungen, da vieles zu gewollt daher kommt, inklusive der Phase, in welcher Peter billig frisiert zum Egomanen wird, macht aus dem Film aber zumindest eine unterhaltsame Sache, weit unter dem Niveau der Vorgänger.

Erst gegen Ende bekommt "Spider-Man 3" jene Chemie zurück, welche auch die Teile 1 und 2 trotz aller Klischees und Stereotype zu solch wundervollem Popkorn-Kino machte. Hier dürfen nun wieder die Gefühle überbrodeln, und Schicksale ereilen die Hauptfiguren, die durch diese geprägt nun endgültig ins Erwachsenenleben wechseln. Das toll anzusehende Action-Szenario des Finales macht nun verspätet deutlich, warum es wichtig war Spider-Man derartig viele Gegner um die Ohren zu hauen, was ein weiterer Bestandteil dafür ist, dass man aufgrund der letzten halben Stunde so versöhnlich mit einem Film abschließt, der eigentlich viel zu vieles falsch macht. Aber auch diese bessere Phase des Streifens lässt nicht über den Fehler hinweg sehen, dass die Figur des Venom, die zu den interessantesten der Comicvorlage zählt, eine derart geringe Beachtung erhielt, ausgerechnet jene Figur, über deren Präsenz in Filmform sich jeder Fan im Vorfeld gefreut hat. Es sollte 11 Jahre dauern, bis dem Comicfreund mit "Venom" ein würdiger Film vorgesetzt wurde, jedoch frei von der Figur des Spider-Man erzählt.

Dessen Teil 3 ist eine wackelige Angelegenheit, die wie ein Fremdkörper in der eigenen Trilogie wirkt. Ob man trotz aller Schwächen aufgrund der funktionierenden Elemente wohlgesonnen wie ich auf das Werk blickt, oder komplett enttäuscht, hängt wahrscheinlich von den Erwartungen ab und davon, ob man sich für das oberflächliche Tamtam interessieren kann, welches hauptsächlich von funktionierender Action und guten Spezialeffekten lebt. Interessanter Weise ist "Spider-Man 3" genau wegen dieser Haupteckpfeiler eher dem heutigen Marvel-Fan zu empfehlen, der sich lieber an Schauwerten ergötzt, anstatt an einer erzählenswerten Geschichte, als den Bewunderern der ersten beiden "Spider-Man"-Teile. Es ist schon schade, dass man diesen außen vor ließ, um sich einem anderen Publikum anzubiedern.  OFDb

SPIDER-MAN 2 (2004)

Die Figuren sind vorgestellt und vertieft, das Gefühlsdilemma Peters gestreut und am wirken, nun kann Teil 2 auf all dem bauen, was "Spider-Man" vorbereitet und gesät hat. Da bleibt mehr Zeit für den Gegner, der ausführlicher beleuchtet wird, zwar nicht besser besetzt ist als der olle Kobold im Vorgänger, aber die interessantere Figur verkörpert. Dass mir der Dramen-, Komik- und Abenteuerbereich der Geschichten um Spider-Man mehr zusagt als die Kämpfe gegen Superschurken, wurde in meinem Text zum Erstling sicherlich deutlich. Deswegen freut es mich auch so sehr, dass in einem Film, in welchem der Superschurke mehr in den Vordergrund rückt, der Gegner kein reiner Fiesling ist, sondern eine Figur mit dramatischem Hintergrund. Er ist nicht nur eine leidende Figur, sein an Schizophrenie erinnerndes Verhalten, bei dem man nie weiß wie viel Einfluss von den künstlichen Intelligenzen ausgeht und wie weit eine selbstständige psychische Erkrankung mitspielt, ausgelöst durch das Selbstverschulden des Todes der geliebten Ehefrau, macht die Figur ebenfalls zu einem interessanten Gegner.

Parallel zu dieser Geschichte mag Peters Entscheidung nicht mehr Spider-Man sein zu wollen etwas aufgesetzt wirken, (und sein Grund zurückzukehren, nach einer billig manipulierenden Ansprache seiner Tante, wirkt ebenso wenig überzeugend), der Comicstil, in welchen Sam Raimi das Geschehen wieder einmal badet, fängt dieses Klischee jedoch gut ein, ist doch auch die Fortsetzung leichtfüßig und augenzwinkernd erzählt, sich auch nicht zu schade für manche Albernheiten in seinem erhöhten Humoranteil, und so leidet die Stimmung und Qualität des Streifens nicht an solchen Pseudo-Dramaturgien. Zudem punktet die Fortsetzung mit den selben Stärken des Vorgängers, funktioniert die restliche Dramaturgie doch um so besser, sei es die verzweifelte Liebe zu Mary Jane, das Schuldgefühl am Tode Bens, oder Harrys Rachegelüste an Spider-Man, den er für den Mörder seines Vaters hält. Inmitten dieser wundervollen Gefühls-Auf und -Abs zwischen Abenteuer, Traurigkeit und Fröhlichkeit, gesellen sich kompatibel düstere Momente mit ein, die einen daran erinnern, dass der Regisseur einst mit "Tanz der Teufel" und manch anderem Werk, aus der Ecke des Horrorfilms kommt. Fast unauffällig sind solche Momente integriert, beispielsweise wenn wer Unbekanntes auf ein unheimliches Geräusch reagiert, welches sich als Doktor Oktopus entpuppen wird, aber sie sind da, meist um das Grauen um den Bösewicht als Gegenpol zu seiner tragischen Figur stärker zu gewichten.

Somit wurde auch in "Spider-Man 2" alles richtig gemacht, damit er sich gemeinsam mit Teil 1 funktionierend wie eine große Geschichte guckt, so dass Freunde des Vorgängers nichts an der Fortsetzung zu beklagen haben dürften. Eine Ausnahme bietet lediglich manche Ungereimtheit zeitlicher Natur, was aber auch eventuell an der deutschen Synchronisation liegen kann. Laut dieser jammert Mary Jane ihr langjähriger Freund würde nie ihr Stück besuchen, obwohl die beiden erst seit zwei Jahren befreundet sind (zuvor ignorierte sie ihn). Und dass Mary Jane in diesen zwei Jahren gleich ein derartiger Theaterstar geworden ist, der Peter von großen Plakaten aus anguckt, ist auch nicht gerade glaubwürdig. Glücklicher Weise betreffen derartige Fehler lediglich nur Randgebiete der Geschichte, während alles andere durchdacht genug ist, um innerhalb eines kurzweiligen Unterhaltungsfilmes glaubwürdig für gute Laune zu sorgen. Manch einem mag das Ende sauer aufstoßen, meiner Meinung nach atmet diese Schlusssequenz jedoch genau jene Kinomagie, für welche das Popkorn-Kino existiert, vergleichbar mit dem wundervollen Schluss des ersten "Fluch der Karibik", dem "König der Welt"-Moment aus "Titanic" oder dem finalen Off-Kommentar aus "Matrix". "Spider-Man 2" ist eine runde Sache, gerade auch in Zusammenarbeit mit Teil 1, und es wäre, gerade auch aufgrund der Schlusssituation, schön gewesen Teil 3 hätte daran ebenso kompatibel angeknüpft. Leider ist dies nicht passiert.  OFDb

25.01.2020

SPIDER-MAN (2002)

Hätte man mich gefragt, aus dem Kopf heraus hätte ich das Erscheinen des ersten für das Kino produzierten "Spider-Man" auf zwei Jahre zuvor geschätzt. Kein Wunder dass es einem länger vorkommt, folgten ihm doch nach zwei Fortsetzung bereits zwei weitere Neuansätze der Reihe mit bislang vier weiteren Filmen. Ich mag sie fast alle, und auch Sam Raimis Erstling halte ich für eine sehenswerte Angelegenheit. Man mag dem Film vielleicht vorwerfen, dass er nicht gerade mit einer ausgetüftelten Geschichte daher kommt, sondern stattdessen sehr klassisch strukturiert erzählt ist. Das ist meiner Meinung nach jedoch kein Schwachpunkt des Filmes, sondern ganz im Gegenteil die richtige Entscheidung, lebt dieser erste Teil der Trilogie doch u.a. davon überhaupt erstmals ausgereift zeigen zu können, wofür die Kraft Spider-Mans steht. Wie er sich über die Hochhausschluchten schwungvoll hinweg bewegt, gefolgt von einer ebensolch schwungvoll scheinenden Kameraführung, war seinerzeit eine wahre Wucht und weiß noch heute zu gefallen, trotz manch offensichtlicher Computeranimation. Die Schnelligkeit, mit welcher der Held loslegen kann, ist revolutionär genug als Innovation, ordnet sie sich doch nicht den Sehgewohnheiten des Zuschauers unter, stattdessen muss dieser mit dem Tempo und der Fortbewegungsart Spider-Mans optisch mithalten können. Da dient eine inhaltliche klassische Erzählung als eine Art angenehmer Ruhepol und als Möglichkeit trotz aufwändiger neuer Technik klassische Kino-Magie auszustrahlen.

Dass "Spider-Man" auch dies einzufangen vermag, liegt mitunter an einer sympathischen Besetzung in den wichtigsten Rollen und daran, dass es das Drehbuch schafft die vielen Ansätze innerer Zerissenheit des Protagonisten für den Zuschauer mitempfindbar einzubauen, zumal dieser an der Entstehung dieser Gefühlsdilemmas teilnimmt. Peter Parker ist kein hohles Gefäß, wie uns die klassische Strukturierung der Figuren innerhalb der Durchschnitts-Geschichte zunächst vermuten lässt. Sein Doppelleben findet innen, wie außen statt. Freunden und Familie kann er nicht die Wahrheit sagen, Schuld und Verrat lassen ihn leiden. Und seine große Liebe zur Mitschülerin Mary Jane kann er nicht ausleben, da er sein Geheimnis hüten muss, um sie zu schützen. Klassisches Helden-Ehrempfinden trifft auf jugendliche Flappsigkeit, in einer Inszenierung, die Raimi ohnehin nicht frei von Humor umsetzt. So werden Leichtfüßigkeit, nachvollziehbare Emotionen und tolle Spezialeffekte zu einem gut funktionierenden Motor üblicher Geschichtenerzählung, so dass ein aufregender und aufwühlender Wohlfühlfilm entstanden ist, der gerade deshalb so gut ist, weil er Kino nicht neu erfindet, sondern klassisch lebt.

Aufgrund einer recht ausführlichen Durchleuchtung der neuen Fähigkeiten und der damit einhergehenden neuen Lebenssituation Parkers, tut es zudem gut, dass dem Bösewicht nicht übermäßig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Verglichen mit anderen Gegnern Spider-Mans und seiner Konkurrenz, ist der grüne Kobold gar ein richtiger Waschlappen, ein weinerlicher Rächer mit geisteskranker Neigung für Gewaltmomente. Er ist somit ein perfekter Gegner für den Anfang, als Übung für kommende Superschurken. Wirksam ist er jedoch, als einzig nennenswerter Schwachpunkt des Streifens, nicht eingesetzt. Sein Herumgehampel im blöde ausschauenden Anzug erinnert eher an die ollen "Power Rangers" und ihre japanischen Vorbilder, und Willem Dafoes Overacting fand ich auch eher lästig, anstatt den Comic-Charakter des Filmes unterstützend. Zumindest sind die Kampfsequenzen zwischen beiden recht ordentlich umgesetzt, und die soziale Dynamik, die ihre Feindschaft in die Gänge bringt, unterstützt "Spider-Man" wieder an der richtigen Stelle, nämlich im Herzen des Streifens, in der Gefühlswelt der Figuren. So darf der Film auch in den schwächeren Momenten von dieser zehren. Der Herzschmerzbereich und die Komik des Entdeckens der neuen Fähigkeiten, sowie das abenteuerliche Verbrecherjagen, gehören ohnehin zu den wahren Höhepunkten und Wichtigkeiten der Geschichte, nicht der Konflikt mit dem Gegner. Der wird eingebaut, weil sich das so gehört und weil er uns aufregende Momente beschert. Am Ende bleiben jedoch eher Momente, wie der legendäre Kopfüber-Kuss, in Erinnerung, oder die unglaublich traurige und mitreißende Schluss-Szene am Friedhof - eben die großen Gefühle, anstatt die Action - im besten Fall bei genügend kindlichem Gemüt aber auch beides.  OFDb

13.01.2018

ALIEN - COVENANT (2017)

Es hätte so schön werden können, wenn Ridley Scott seine Vision von „Prometheus“ hätte fortsetzen können. Zugegeben, dort existierten kleine Unsinnigkeiten, und das Alien als perfekt überlebensfähige Spezies wurde entmystifiziert. Trotzdem war der Film mit seinem Ansatz das Alien beiseite zu lassen und sich auf den Entdeckergeist beim Vorstoß in den Weltenraum zu konzentrieren die meiner Meinung nach bislang beste Fortsetzung des Originals, so dämlich, wenn auch unterhaltsam, Camerons Actionorgie daher kam, so langweilig, wenn auch intelligent, Finchers Version auf dem Gefängnisplaneten war und so gar nicht zur Reihe passend das quietschbunte, unterhaltsame Treiben John-Pierre Jeunets war - von den müden Ablegern der Begegnung mit den Predatoren ganz zu schweigen. „Prometheus“ weckte die Faszination beim Zuschauer auf den möglichen Schöpfer der Menschheit zu stoßen und schloss mit dem Aufbruch in Richtung deren Planeten geradezu abenteuerlich und faszinierend.

Und dann kam es, das Gemaule der „Alien"-Fans, die Verrisse in den Medien und damit die Panik der Produzenten, die das Projekt nun wieder mehr Richtung tatsächliche „Alien"-Reihe schoben, damit alle guten Ansätze des Vorgängers über Bord warfen und einen verwässerten Kompromiss mit Scotts Vision verursachten, der den maulenden Fans zumindest das bot, was sie verdienten: noch mehr Entmystifizierung der geliebten Kreatur und einen dümmlichen Plot, wie es ihn seit den beiden Ablegern „Alien vs. Predator" und „Aliens vs. Predator 2“ nicht mehr gegeben hatte. Zwar hat das Raumschiff aus „Prometheus“ den Planeten der Schöpfer tatsächlich erreicht, womit der Vorgänger aufgrund seiner Vorgeschichte zum hier besprochenen Film zu einem tatsächlichen „Alien 5“ wird, aber alles geschieht anders als erwartet und sicher auch als ursprünglich geplant.

Die Ausgangslage der Geschichte ist eigentlich gar nicht von schlechten Eltern und hätte in einem eigenständigen Science Fiction-Film eine fruchtbare Grundlage für ein tolles Kinoerlebnis werden können. Denn der Reiz eines attraktiveren und zeitersparenden Planeten kann jeder sicherlich nachempfinden, wäre dort wie hier aber freilich nur eine Überlegung wert, wenn es von dort kein Signal menschlicher Herkunft gäbe, die es dort vor Ort nicht geben dürfte und damit jeden gesunden Geist warnen würde den Ort nicht zu betreten. Das machen unsere Amis im All in „Alien - Covenant“ trotzdem, aber die haben es ohnehin nicht so mit Intelligenz und Vorsicht, was man schon daran sieht dass sie ohne Überprüfung des Lebensumfeldes auf einem fremden Planeten durch die Walachei stampfen, Wasser trinken und als erstes nach Lokalisieren des Standortes dem Signal folgen, anstatt zunächst die Botanik, die Luft und die (Kleinst)Lebewesen zu erforschen. Eine Forschungsstation, wie wir sie aus „Phase 4“ kennen, wäre sinnvoll gewesen. Stattdessen wandern die hirnlosen Pioniere in ihr Verderben - was wohl auch besser ist, da sie bereits 10 Minuten nach ihrer Ankunft mit dem Planeten so umgehen, wie es der moderne Mensch heute mit der Erde tut.

Freilich folgt diesem dümmlichen Verhalten so einiges mehr, so dass nach einem ordentlichen Geschichts- und Stimmungsaufbau in der ersten halben Stunde nur noch Dummfug auf den Zuschauer einregnet, der sich nun nicht mehr mit irgendwem aus der Mannschaft identifizieren kann - nicht einmal mit dem Androiden Walter, der selbst dann von keiner Gefahr Davids ausgeht, wenn dieser sich optisch seinem Androidenbruder angleicht, um später dessen Position einzunehmen - eine Tatsache die mancher Zuschauer erst in der Schlussszene begreift, wenn auch die hohle Heldin versteht was Sache ist, und dies obwohl sie zuvor noch gegen ein Alien kämpfen musste, welches nur über den Androiden an Bord gelangen konnte. Herr wirf Hirn vom Himmel!

Nicht nur, dass nun auch die Androiden dumm geworden sind, ihre dominante Präsenz überfrachtet den Film zu sehr. Fassbender war der Trumpf des Vorgängers, dessen waren sich auch die enttäuschten Stimmen des Streifens einig. Also bauten ihn die panisch gewordenen Produzenten nun noch dominanter ins Geschehen ein, versehen mit einer Doppelrolle und zur wichtigsten Figur werdend, wenn es um den Ursprung der Aliens geht. Wer sich hier nur über die Entmystifizierung ärgert, aber nicht über all die Dummheiten und zudem noch über diverse Widersprüche zum Originalfilm (so wüsste ich gerne mal, wie das Raumschiff der Schöpfer auf den Planeten gekommen ist, auf welchem „Alien“ spielt), dem kann man nicht mehr helfen, dem wird jedoch „Alien 6“ noch mit am besten gefallen können - abgesehen von jenen kritiklosen Zuschauern, denen auch die Entmystifizierung egal ist.

Wer frei von jeglichem Denken ist, der wird aufgrund der Schauwerte, des Tempos und des durchaus vorhandenen Unterhaltungsgrades einen neuen, tollen Blockbuster für sich entdeckt haben. Wer es wagt auch nur ansatzweise mitzudenken wird trotz einer Verbesserung auf dem amerikanischen Markt filmischer Großproduktionen wieder in seinen Vorurteilen über Blockbuster bestätigt werden und kann sich wieder schmollend einzig Nischenprodukten zuwenden. Ich muss „Alien 6“ zumindest eingestehen mich nicht gelangweilt zu haben, in der ersten halben Stunde gar richtig gut unterhalten zu haben und danach zumindest bei hohem Tempo geistlose Routine abgeliefert zu haben. Das ist zwar kein tolles Ergebnis, aber trotz aller Fehler noch kein Rohrkrepierer.  OFDb

31.07.2017

SAUSAGE PARTY - ES GEHT UM DIE WURST (2016)

Ich mag die von Seth Rogen geschriebenen Komödien, gerade dann wenn er mit James Franco ein Team bildet. Ob sich Rogens Humor jedoch auf einen Zeichentrickfilm übertragen lässt, ließ in mir Zweifel aufkommen. Und auch wenn ein Blick auf den Trailer zum Film durchaus belustigend ausfiel, so blieb ich doch trotzdem kritisch. Man kennt sie, diese auf erwachsenerem Humor getrimmten Trickfilme, die entweder in ihrer Provo-Art zu kindisch, zu unterkühlt oder zu Genre-anbiedernd daher kommen. Und was soll man sagen? Letztgenanntes ist auch in „Sausage Party“ der Fall.

Es ist nicht so, dass es nicht hervorragende Ideen gäbe, die durchaus zum Lachen anregen, einzelne sind sogar recht brillant und intelligent ausgefallen, warum man eine so lustig auf grenzwertigen Humor angelegte Komödie jedoch in einen Handlungsverlauf zwängen muss, der für den Animationsbereich leider geradezu typisch geworden ist, will ich nicht verstehen. So trifft Anarchie auf Mainstream und wechselt sich immer wieder ab, so dass man als Zuschauer ständigen Stimmungsschwankungen ausgesetzt ist. Da wird brav gesungen (provokativ gemeint, aber doch nur brav ausgefallen), da gibt es die typischen Actionmomente aus dem Animationsfilmbereich, der in der Regel für den jungen Part des Publikums eingebaut wird, also einer Gruppe von Menschen, die nicht zum Zielpublikum von „Sausage Party“ gehören, und da muss die Geschichte harmonisch schließen, wie ein jeder Trickfilm aus Amerika.

Würde zwischendurch nicht gefickt, gekifft und gestorben werden, es wäre der typische Handlungsablauf einer familientauglichen 08/15-Geschichte für den übersättigten Zeichentrickmarkt. Da zudem manche Provokation, wie meist in solchen Filmen, zu infantil ausfällt, bleibt das Ergebnis leider ein mageres. Das ist schon schade, schließlich weiß die Religionskritik in ihrer abgedrehten Art zu gefallen (bis zu jenem Moment, wo die alte Laier des Respekts vor dem Glauben anderer stattfindet), der Gegenpart in Form eines ausgespuckten Kaugummis als Stephen Hawkings-Parodie ist ebenfalls gelungen, und wenn in der Küche das Massaker losgeht, welches alle Gläubigen extremst schockiert bevor sie sterben, ist „Sausage Party“ ohnehin auf seinem Hoch.

Der Rest stolpert zwischen amüsant, gewollt und kindisch hin und her und lässt sich zwar mit gelegentlichen Lachern bis zum Schluss schauen, doch auch wenn ich zwischendurch mit allerlei Ideen sympathisierte, so hatte ich am Ende doch eher ein unbefriedigtes Gefühl, der letzte Schwung zur akzeptablen Unterhaltung war nicht vorhanden. Zudem hatte ich das Gefühl, dass die Idee nicht genügend ausgeschöpft wurde, und die Figurenzeichnung pendelte auch immer wieder zwischen gelungen und einfallslos.

Im nachhinein fragte ich mich zudem, warum man die Geschichte bei all seinen Schwerpunkten aus der Sicht künstlich hergestellter Lebensmittel erzählt hat. Wäre eine provokante Konsumkritik nicht noch erfolgreicher gewesen, wenn man sich auf die Massentierhaltung und dem Ende im Schlachthaus konzentriert hätte? Das hätte sicherlich weniger Leuten geschmeckt, hätte für Diskussionen gesorgt und wäre eine radikalere Kritik am Konsumverhalten der Amerikaner gewesen, ohne die Schönmalerei eines Zeichentrickfilms, welche die Anarchovariante eigentlich ohnehin nicht benötigen müsste.

So wie tatsächlich angegangen überschattet der Mainstream jedoch die zu brav ausgefallenen  Grenzüberschreitungen, womit „Sausage Party“ eher ein Jugendfilm geworden ist, anstatt eine Komödie für Erwachsene. Zumindest ist er nicht ganz so anbiedernd ausgefallen wie „Angry Birds - Der Film“, hierfür nervt der Plot des hier besprochenen Filmes glücklicher Weise kaum. In Zukunft möchte ich aber doch lieber wieder realverfilmte Rogen-Komödien sichten. Die schaffen es trotz und manchmal auch aufgrund infantiler Ausrutscher den Bildschirm zu einer wilden Party werden zu lassen. Das müde Getue in „Sausage Party“ kann da nicht ansatzweise mithalten.  OFDb

20.06.2015

THE INTERVIEW (2014)

Wenn jemand seine Popularität nutzt um frei Schnauze jene Art Film zu drehen die er möchte, dann ist das zur Zeit Seth Rogen, der mit Busen-Kumpel James Franco diese Freiheit im Gegensatz zu George Clooney nicht nutzt um geistreiche Nebenprojekte zu finanzieren, sondern um die Mechanismen rund um Hollywood zur großen Party seines Lebens zu nutzen. Warum auch nicht? Wer weiß wie lange er das noch kann. Nachdem die beiden mit „Das ist das Ende“ den persönlichen Partyfilm schlechthin abgeliefert hatten und sich dabei ganz nebenbei über das Christentum lustig gemacht haben, stand beim Folgeprojekt ein politisches Thema an. Und wie so oft in amerikanischen Fun-Filmen mit Politinteresse, macht man sich über den Führer eines anderen Landes lustig.

Zwar versucht der Story-Mitbeteiligte Produzent und Hauptdarsteller Seth Rogen all zu pro-amerikanische Stellungnahmen zu umgehen, was schließlich auch nicht zu seinem kifferfreudigen Anarcho-Touch passen würde den er stets zelebriert, trotz diverser Seitenhiebe auf sein Heimatland kommt die CIA und der fragwürdige Journalismus der USA allerdings doch viel zu positiv weg, ganz davon abgesehen dass die Methoden die in „The Interview“ zum Happy End führen in ihrer Fragwürdigkeit nicht parodiert werden, obwohl der Film sich an anderer Stelle diesbezüglich zunächst zumindest hin- und hergerissen zeigt.

Dieses Pro-Amerika-Getue steht Seth Rogen ebenso wenig wie der krampfhafte Versuch jene Komik unbedingt in eine satirisch angehauchte Komödie zu integrieren, die ihn berühmt machte. Überzeugung oder der erbärmliche Versuch das Stammpublikum nicht zu verprellen? Keine Ahnung, aber Sprüche die in Kiffer-Komödien lustig rüberkommen wirken in „The Interview“ oft fehl am Platz. Und der Fäkalwitzchen gibt es einfach zu viele, als dass man sie lediglich als nervige Randerscheinung belächeln könnte.

Schön ist es hingegen zu sehen, dass man es auch in diesem Film schaffte den skurrilen Running Gag aufrecht zu erhalten, welcher darin besteht dass die Rollen Francos die Rollen Rogens stets anhimmeln. Das zündet hier nicht mehr so gut wie in „Ananas Express“ und „Das ist das Ende“, aber es gehört bei einer Zusammenarbeit der beiden beliebten Schauspieler einfach dazu.

Leider ruht sich „The Interview“ viel zu sehr darauf aus die Komik aus dem Privatverhalten des nord-koreanischen Diktators zu ziehen. Was Hussein betreffend als Randerscheinung in den „Hot Shots“-Filmen zu funktionieren wusste, und in den meisten Szenen auch hier zu funktionieren weiß, kann alleine keinen kompletten Film stemmen. Zwar versucht man mit allerhand Action und Aktionskomik dem ganzen mehr Schwung zu bescheren, aber mehr als leichte Unterhaltung will der so spitzfindig klingende Plot dann doch nicht werden.

Die thematische Verwandtschaft zu „Frost/Nixon“ wird am Rande erwähnt, und auch in anderen Nebensächlichkeiten gibt man sich Selbstreflektier-freudig, aber in den wichtigsten Punkten ist „The Interview“ zu aalglatt ausgefallen. Hinter der anarchischen Fassade ist er doch zu sehr Mainstream und leider eben doch gar nicht so selbstreflektierend wie er an anderer Stelle tut. Das verärgert ein wenig, jedoch auch nur wenn man zu hohe Erwartungen am Film hegt, egal ob es Erwartungen in den Satiregehalt des Streifens oder in die Partytauglichkeit eines Seth Rogen-Streifens sind. Der Film lässt sich nämlich viel eher mit jener leichten Kost aus „Bad Neighbors“ oder „Zack and Miri Make a Porno“ vergleichen, als mit jenen Rogen-Filmen in welchen der gute Mann neben Franco agierte.

Das soll heißen: als schlichter Film für zwischendurch kann „The Interview“ funktionieren, sofern man die Überzahl an Fäkalwitzchen gnädigast ignorieren kann (vergleichbar mit Sandlers „50 erste Dates“). Die Regiearbeit von Rogen und Goldberg hat sicherlich einige kleine Höhepunkte im Gepäck, von denen man gerne mehr in der Art gesichtet hätte, und das glaubwürdige Kim Jong-un-Double ist viele Lacher wert, aber letztendlich ist der Streifen ein viel kleinerer und unbedeutenderer Film als er eigentlich gerne wäre. „The Interview“ mag ja die aufgeblähtere Story und den wirksameren Aufhänger präsentieren, aber das größere Kino lieferte Rogen ironischer Weise mit dem reinen Party-Film „Das ist das Ende“ ab. Der blieb sich in seiner Ganzheit treu. „The Interview“ ist an zu sicheren Stellen mutig, und in jenen, an denen Mut von Nöten gewesen wäre, kneift er dann doch den Schwanz ein. Nicht schlimm, aber deshalb auch nicht groß!  OFDb

Nachtrag:

Ich habe "The Interview" mittlerweile einige Male gesehen, und von ein paar Witzchen unter der Gürtellinie einmal abgesehen, ganz besonders vom nervigen Running Gag darüber ob Kim Jong-un nun Kacka macht oder nicht, gefällt er mir nun wesentlich besser. Sicherlich muss man auf die übliche Komik eines von Seth Rogen selbstgeschriebenen Filmes eingestellt sein und auch Zugang dazu haben, aber für eine Anarchokomödie inklusive Entgleisungen ist der Plot doch wesentlich intelligenter ausgefallen als es mir zunächst schien, und auch die Lacher sind in ihrer Population im entspannteren Zustand wesentlich häufiger vorhanden als beim sehr kritischen und kopflastigen ersten Sichten. "The Interview" ist somit für unvoreingenommene Filmfreunde wesentlich gelungener ausgefallen als es mir zunächst bewusst war, da er sehr verspielt pointensicher mit viel mehr Themen arbeitet, als mir zunächst aufgefallen ist.

27.04.2014

DAS IST DAS ENDE (2013)

Wenn man reich und berühmt ist, kann das Leben eine fröhliche Spielwiese sein. Genau so guckt sich Seth Rogens Regie-Debut, welches er auf dem Hoch seiner Karriere nutzt, um mit befreundeten Kollegen mit einem immensen Kostenaufwand einmal das zu drehen, wo man Lust drauf hat. Zwar hat Rogen sich ähnliches mit dem gelungenen „Ananas Express“ bereits gegönnt, diesmal wird es jedoch eine Spur privater. Mögen die Charakterzeichnungen der Stars auch fröhlich selbstzerstörende Fakes sein, die jeden einzelnen als schrecklichen Egomanen abstempeln, dennoch umweht dem Film eine zwischenmenschliche Ehrlichkeit, die das ganze zu einem wunderbaren Cocktail aus Lüge und Wahrheit werden lässt - inmitten eines herrlich schrägen Szenarios, welches dankenswerter Weise die Regeln der biblischen Apokalypse nicht neu erfindet.

In diesem simplen Gedankengut der gläubigen Christen liegt der Reiz dieses Endzeit-Streifens, der fast zeitgleich als Konkurrenz zum (besseren) „The World‘s End“ im Kino lief. Die Braven kommen in den Himmel, auf der Erde tut sich der Boden auf, die Welt brennt, und wenn die Zeit reif ist bekommen wir auch toll getrickste Dämonen präsentiert, die alle geradezu klassisch aussehen wie ewig von Kirchenseite angepriesen. Lustiger Weise verkommt die Apokalypse in der ersten Stunde fast schon zur Nebensächlichkeit, handelt der Film doch zunächst vom Überleben in Francos Haus, vom Zusammensein einer Gruppe befreundeter Egoisten mit dem Drang gemeinsam überleben zu wollen.

Erst wenn Lebensmittel knapp werden konzentriert sich der Streifen was mehr um das was draußen tatsächlich passiert, aber das bedeutet nicht dass der Film nicht auch zuvor wunderbar zu gucken wäre. Nach der ersten halben Stunde wusste ich noch nicht so ganz wie ich finde was ich da sehe, geht mir diese ewige Pro-Kiffer-Mentalität Rogens doch grundsätzlich auf den Keks, auch wenn ich ihn als Komiker all zu gerne sichte.

Bedenkt man jedoch wie gnadenlos ein jeder Schauspieler mit sich selbst und seinem Ruf abrechnet, steckt schon ein gewisser Grad Mut hinter einem Projekt, das eigentlich nur dafür da ist Freundschaft und Party auf Zelluloid zu bannen (okay, heutzutage eher digital einzufangen), und alle Fans der Stars daran teilhaben zu lassen. Selbstbeweihräucherung kommt dabei überraschender Weise nicht heraus, stattdessen steckt die Stimmung an, und sie bleibt beim Zuschauer aufrecht erhalten wenn die Figuren des Films diese nach und nach verlieren.

Das Abhängen im Haus macht Spaß, auch wenn es manchmal Stillstand zu geben scheint. Aber wie schon in „Ananas Express“ reißen die Dialoge so einiges raus, auch wenn sie hin und wieder zu aufgesetzt wirken. Und die Anspielungen auf andere Filme und Rollen, die Gastauftritte diverser Schauspieler als sie selbst und diverse Querverweise auf das Leben in Hollywood geben der Sache genügend Zunder um fröhlich dran zu bleiben. So richtig rocken tut der Film jedoch eher in der zweiten Hälfte, in der nun ordentlich die Post abgeht, Vorteile der ersten Hälfte aber dennoch genug Platz finden um sich auch hier zu entfalten. Somit steigert der Film gekonnt seine Stimmung, so wie es sich für eine richtig gute Party auch gehört.

Was mir im Komplettfilm neben dem wundervollen Endzeit-Spektakel im letzten Drittel zwischen Dämonen, Besessenen und Kannibalen zudem äußerst gut gefallen hat, sind die unerwartet witzigen und abwechslungsreichen Momente mit Jonah Hill, für den ich mich sonst noch nie begeistern konnte. Außerdem ist der geglückte Gastauftritt von „Harry Potter“-Darling Emma Watson, die mal anders spielen darf als sonst, ein Spaß für sich, auch wenn sie zu meinem Bedauern viel zu wenig Screentime beschert bekommen hat. Klar, „Das ist das Ende“ soll ein Männerfilm sein, mit Männerkomik wie Sprüchen a la „Tränen aus der Spitze meiner Eichel“, aber etwas mehr Platz für Watson hätte sich bestimmt gefunden, auch wenn die Pointe, auf die ihre Szenen hinausläuft, herrlich konsequent ist und einen längeren Auftritt innerhalb des Films nicht zulässt.

Selbst der Schluss des Streifens weiß noch zu rocken, oder besser gesagt zu poppen, denn auch hier wartet auf den Zuschauer  ein unerwarteter Gastauftritt, mit dem die Geschichte dann auch schließt. Dass man hier keine erwähnenswerte Handlung geboten bekommt und man die Stars und ihre Werke besser gesehen haben sollte (ganz besonders „Ananas Express“ auf den sehr häufig auf wirklich lustige Art und Weise angespielt wird) ist nicht von der Hand zu weisen. Aber „Das ist das Ende“ ist auch nicht die Art Film, die das Kino inhaltlich oder stilistisch neu erfinden will. Es ist Anarcho-Kino, eine Stilrichtung die kaum noch im heutigen Filmgeschäft unter Großproduktionen vorzufinden ist. Es ist im Vergleich zu 70er Jahren-Größen dieser Gattung aber auch die moderne Variante Anarcho-Film, die sich leider mit den Kompromissen der modernen Welt arrangieren muss. Dem Spaß-Faktor selbst bereitet das jedoch überhaupt keinen Abbruch.  OFDb

10.03.2013

DIE FANTASTISCHE WELT VON OZ (2013)

Der Jahrmarktmagier Oz gerät mit seinem Fesselballon in einen Wirbelsturm und wird in das fabelhafte Land Oz geweht, dessen Bewohner sehnsüchtig auf den prophezeiten Zauberer warten, soll er ihnen doch den Frieden zurück bringen, in dem er die böse Hexe des Landes besiegt. Da es zudem Macht und jede Menge Gold gibt, spielt Oz den Bewohnern vor er könne zaubern...
 
Das zauberhafte Prequel...
 
Das zauberhafte Land“ war eine von vielen Verfilmungen des Buches „The Wonderful Wizard Of Oz“ und war zudem auch nicht die erste. Aber er ist die bis heute eindruckvollste und zeitloseste Kinoversion des Stoffes und einer der ganz großen cineastischen Klassiker, so dass man es als mutig betrachten kann 84 Jahre später die Vorgeschichte ins Kino zu bringen, in einer Zeit eines völlig anderen Publikums und in einem Genre, das auch gerne von jüngeren geguckt wird, die sich mit dem Original zur Vorbereitung auf „Die fantastische Welt von Oz“ sicherlich schwer tun werden.

Das ältere Publikum hingegen darf zunächst mal zu recht kritisch sein, kommt der kunterbunte Streifen doch in moderner 3D-Technik daher und auch noch aus dem Hause Disney, zwei Aspekte die eher für sterile als für einfühlsame Kinounterhaltung stehen. Zudem hatten die Disney-Studios bereits 1985 die Fortsetzung des Originals mit dem Titel „Oz - Eine phantastische Welt“ vermurkst, da sie die so seelenlos haben aussehen lassen wie seiner Zeit die Verantwortlichen ihr Werk von „Die unendliche Geschichte 2“. Es herrscht eine stille Verwandtschaft zwischen beiden Werken.

Generell muss man bei der Geschichte um den Zauberer von Oz jedoch an „Alice im Wunderland“ denken, ebenfalls ungeheuer oft verfilmt, thematisch sehr verwandt und kürzlich erst erfolgreich verfilmt von dem kultig verehrten Tim Burton. Deswegen war es wichtig für das Projekt „Die fantastische Welt von Oz“ einen ebenso talentierten Regisseur zu finden, und der bot sich mit dem nicht ganz so kultig verehrten Sam Raimi geradezu an, bewies der mit der „Tanz der Teufel“-Reihe doch seinen Hang zur Düsternis und mit seiner Umsetzung der „Spider-Man“-Trilogie den richtigen Umgang mit Fantasy und Mainstream-Tauglichkeit.

Ob ein Märchenfilm in seine Hände gehört, konnte er jedoch erst mit dem hier besprochenen Werk beweisen, aber was soll man da kritisch sein, bei einem Mann der so viele Genres beherrscht und bei einem Projekt, das scheinbar nicht komplett von Disney Studio-Vorstellungen dominiert wurde.

Vielleicht haben die Disney Studios auch einfach endlich dazu gelernt. Ginge es nach ihren konservativen Ansichten wäre „Zurück in die Zukunft“ nie verfilmt worden, wäre „Fluch der Karibik“ aufgrund einer anders gewünschten Darstellung Johnny Depps gefloppt, und es gibt noch jede Menge anderer Beispiele bei denen die Studios gerade noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen sind, oft mit dem Ergebnis am Ende für etwas gefeiert zu werden, an dem sie eigentlich nicht verantwortlich waren.

Was nun den hier besprochenen Film betrifft, so hat es Sam Raimi meiner Meinung nach geschafft die Erwartungen des heutigen Publikums mit einer ehrlich gemeinten und wirksamen Verbeugung vor dem Original und damit den Erwartungen der Cineasten zu einen. Letzteres sieht man offensichtlich an der in schwarz/weiß gehaltenen Einleitung, die erst in Oz ihre Farbe erhält, aber es zeigt sich noch mehr im Laufe der Geschichte, die manche Ereignisse des Originals mit neuem Hintergrundwissen in einem anderen Licht erstrahlen lassen.

Trotz modernster Farbsetzung und der aktuellen Technik wird „Die fantastische Welt von Oz“ zu einem nostalgischen Filmerlebnis, in welchem so manche Erinnerung an den Vorgänger wach wird, gleichzeitig aber auch nicht lediglich kopiert oder sich an der Rezeptur des ersten Teils bedient wird. Figuren erfahren nur dann ein Wiedersehen, wenn es Sinn macht, womit glücklicher Weise z.B. auf den Zinnmann verzichtet wurde. Zudem macht die neu erzählte Geschichte in Bezug zu „Das zauberhafte Land“ Sinn und widerspricht sich nur in eher unnötigen Randerscheinungen mit diesem.

Einziger kleiner Wermutstropfen neben manch zu kitschigem, kleinen Moment sind die Figuren, die dem Zauberer als Wegbegleiter an die Seite geschrieben wurden. Der viel zu brav aussehende und sich für einen Esel-Klon aus „Shrek“ auch zu brav benehmende fliegende Affe ist hierbei das größte Ärgernis, das aber immerhin mit zwei oder drei funktionierenden Gags ein wenig versöhnlich stimmt. Ein Porzellanpüppchen hingegen ist im positiven Sinne für gar nichts gut, ist Pate für das wandelnde Gewissen des Zauberers, jedoch auf derart kitschige und brachiale Weise, dass es echt schade ist, dass Raimi nicht mehr Feingefühl bewiesen hat in einem Film, der sonst die richtigen Töne zu treffen weiß.

Anbei macht er dies nicht musikalisch, was naheliegend wäre, war „Das zauberhafte Land“ doch schließlich ein Musical. Wie das in heutiger Zeit ausgesehen hätte in den Händen von Disney zeigen die Zeichentrickfilme seit „Arielle die Meerjungfrau“ und unter ihnen auch „Das Dschungelbuch 2“, das nichts vom Charme des ersten aufzufangen wusste. So kann man also von Glück reden, dass in „Oz The Great And Powerful“ (Originalfilm) nur einmal ein Gesang anklingt, um augenzwinkernd auch gleich wieder damit aufzuhören.

Die Bilder des Streifens sind wunderschön, bleiben nicht so kitschig wie bei der Ankunft in Oz und wechseln ebenso wie die Geschichte immer wieder in düstere Gebiete. Auch mit einer FSK 6 sollte man nicht zu blauäugig mit Kindern dieses Alters den Film aufsuchen. Allein die Laufzeit von über zwei Stunden spricht dagegen, aber so mancher Schockeffekt und eine mit Kinderaugen schwierige Unterteilung von Gut und Böse dürften eher für Alpträume als für ein freudiges Kinoerlebnis sorgen. Sinn macht das Sichten des Streifens sicherlich erst mit etwa 8 Jahren.

Die 3D-Effekte kann man als geglückt bezeichnen, wissen im schmalen Bild der Schwarz/weiß-Momente jedoch mehr zu wirken als im bunten Breitbild. Außerdem muss mir mal wer erklären warum die alte Sehgewohnheit eines unscharfen Hintergrundes und eines deutlich sichtbaren Vordergrundes auch in einem 3D-Film so gehandhabt wird. Technisch ist es mittlerweile kein zwingender Zustand mehr. Dass man von dieser Herangehensweise in einem 2D-Film nicht loslässt, halte ich für legitim. In einem Film der einen die dritte Dimension vorschwindeln will gehört so etwas aber nun gar nicht hinein.

Über 3D oder nicht mag man wie immer streiten können, ich selbst bin auch kein Fan dieses Verfahrens. In „Die fantastische Welt von Oz“ gehört es meiner Meinung nach aber fast automatisch dazu, entpuppt sich Oz doch als eine andere Art Zauberer als von den Bewohnern des zauberhaften Landes vermutet, und mit der Deutung was alternativ ebenfalls den Begriff Zauberei tragen darf (anbei eine recht nette Idee) erklärt sich Raimi und seine Berufsgattung ebenfalls zum Zauberer. Und wo wäre diese Botschaft sinnvoller aufgehoben, als in einem 3D-Film, der ebenso billiger Taschenspielertrick ist um etwas toller dastehen zu lassen als es ist, wie der Zauberer von Oz selbst.

Der Film ist toll besetzt (allen voran mit dem verspielt eitel agierenden James Franco und mit Mila Kunis in einer Rolle, die gewisse Parallelen zu Darth Vader aufzeigt), mal still und mal imposant inszeniert und behält immer das nötige Gleichgewicht zwischen Abenteuer und Komik. Das Finale beweist richtig Zunder und schließt den Film mit einer Gefühlsintensivität, die man sich an manch anderer Stelle mitten im Film ähnlich gewünscht hätte.

Wo das Finale und die Geschichte um die böse Hexe mitzureißen weiß, da wird die Geschichte um die gute Hexe, um den Wandel des Zauberers zum Guten und um das Porzellanpüppchen einen Quent zu kitschig angegangen. Nicht in einer Konsistenz welche den Unterhaltungswert zerstört, aber nervig genug um diesen leicht zu drücken. Auch für einen kunterbunten und kindgerechten Ausflug in den meist fröhlichen Fantasybereich wäre ein ehrlicher Umgang mit den Gefühlen besagter inhaltlicher Bereiche angebrachter gewesen.

Es kann aber auch sein, dass man das in vielen Jahren anders sieht, wenn auch „Die fantastische Welt von Oz“ ein nostalgisches Filmchen geworden ist. Immerhin sind die Kitschmomente im Original wesentlich dicker aufgetragen, und sie zerstören diesen Meilenstein des Unterhaltungskinos nicht nur, sie gehören auch zu den positiven Elementen des Originals. Vielleicht benötige ich einfach noch einige Jahre, um die hier verwendete Gefühlsduselei auch im Prequel als angenehm empfinden zu können. Immerhin bin ich Nostalgiker, träume gerne dem Vergangenen hinterher, und da ist man manchmal etwas ungerecht mit den Dingen des Heute.  OFDb

18.11.2012

DEAD GIRL (2006)

Als die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, beeinflusst dies das Leben von vier Frauen, die in irgendeiner Weise mit der Toten in Verbindung standen oder zumindest glaubten dies zu tun...

Lebende Tote, tote Lebendige...
 
Ich bin kein besonderer Freund von Episodenfilmen, und zum Sichten von "Dead Girl" hat mich ein guter Freund überredet. Trotz meiner Abneigung gegen besagte Art Film und obwohl mich die Geschichte nicht gereizt hat, bin ich froh ihn nun doch gesehen zu haben, wusste der Film mich doch trotz seiner oberflächlich simplen Geschichte noch einige Zeit nachdem der Fernseher aus war zu beschäftigen.

Wie erwähnt, die Geschichte selbst ist recht banal, aber der Schein trügt. Erzählt wird nach dem Fund einer Frauenleiche die Geschichte von fünf Frauen: jene, die sie gefunden hat, die Schwester, die Mutter, die Ehefrau des Mörders und die Tote selber. Die Geschichten dieser Personen verlaufen unabhängig voneinander. Und da sie keinen Einfluss untereinander besitzen und jede nur für sich steht, kommt ein gewisses Gefühl von Leere auf, eine Leere die mich von einer besseren Bewertung abhielt, wissentlich dass "Dead Girl" keineswegs unüberlegt erzählt ist.

Was die Einzelepisoden nicht verbindet, verbinden die Entdeckungen durch Analyse, so z.B. der sehr interessante Aspekt dass die vier Frauen aus einer Art Lethargie erwachen, ein Leben fern der Selbstständigkeit führend, immer beeinflusst durch andere Umstände. Wohingegen die Tote einst trotz der miesen Umstände in denen sie lebte ein lebendiges Wesen mit eigenem Willen war, stark genug zu kämpfen und wissend was sie möchte.

Der Tod von ihr verdreht nun das bisher Gelebte. Die Lebensfreudige stirbt, aber jene Frau welche die Leiche fand und bisher unter der Fuchtel ihrer dominanten und unterdrückenden Mutter lebte, entwickelt trotz mangelndem Selbstbewusstseins ein eigenständiges Leben. Die Mutter der Toten, welche den Tatsachen des Lebens nie gegenüber gestanden hat, muss dies nun tun und beginnt einen neuen Lebensabschnitt. Die Frau des Mörders muss hinter eine furchtbare Wahrheit kommen, die sie aber aus einer Teilnahmelosigkeit herauszieht und zu einer Handlung zwingt. Die Antidepressiva-schluckende Schwester wird aus der Lethargie des langen Wartens und aus der Quälerei der Ungewissheit herausgerissen, wenn auch nur für kurze Zeit, was sich ohne zu spoilern nicht näher vertiefen lässt.

Das angeblich Unzusammenhängende wird somit sehr wohl eins, und der Allerwelts-Titel "Dead Girl", den so einige Produktionen tragen, bekommt eine Doppeldeutigkeit, da er sich nicht nur auf das tote Mädchen bezieht, sondern auch auf die fast tot lebenden Frauen. Da mag man nun philosophieren können dass alles Vergangene etwas neues hervorbringt, Nebensächlichkeiten entscheidende Wendungen nach sich ziehen können sowie Gemütszustände und Charaktereigenschaften immer einem Wandel unterliegen und die Entwicklung eines Menschen nie nur mit der Kindheit endet.

Oberflächlich betrachtet mag "Dead Girl" nur ein Frauenfilm sein, fertiggestellt von einer Frau mit Frauen im Mittelpunkt und für ein Frauenpublikum gedreht. Das mag bei einem Teilpublikum zutreffen, nämlich jenem, welches sich lediglich auf die Tragik der Geschichte stürzt und sich vom Drama anstecken lässt oder eben nicht. Aber wer hinter die Kulissen schaut und sich näher mit dem Film befasst, der erkennt auch die Kraft und die Tiefe hinter dem Werk, das mehr bezweckt als das Publikum kurzfristig emotional zu berühren.

Freilich ist es ein Pluspunkt, dass "Dead Girl" auch dies schafft. Und auf dem Weg zum Ziel erleben wir immerhin fünf einzelne Geschichten, die alle zu interessieren wissen, ob sie nun mit banalerer Geschichte daher kommen oder mit ereignisreicherer. Gepackt ist der komplette Film von Regisseurin Karen Moncrieff in wundervoll fotografierte Bilder. Der Einsatz gelernter und begabter Schauspieler gehört ebenso zum Pluspunkt, weiß doch jede wichtige Figur den Zuschauer zu interessieren und in seinen Bann zu ziehen, eine Eigenschaft, die durch die oft alltäglichen Vorkommnisse im Film, nur gutes Schauspiel in dieser Intensivität verursachen kann.

Dass der Film sich in den ereignisreicheren Momenten nie einem reißerischen Gebiet zuwendet, spricht für den richtig gesetzten Schwerpunkt. Charaktere stehen an erster Stelle, die versteckte Geschichte an zweiter und die vordergründige Geschichte der einzelnen Episoden an dritter. Lediglich die vordergründige Geschichte im Gesamten interessierte die Verantwortlichen von "Dead Girl" nicht die Bohne, so dass trotz eines tief gehenden Filmes und anregender Einzelepisoden eine Leere für den Gesamteindruck entsteht. So lobenswert es auch ist eine Geschichte versteckt durchs Analytische erkannt zu erzählen, den nach außen hin oberflächlichen Zusammenhang sollte ein guter Episodenfilm trotzdem nicht vernachlässigen. "Dead Girl" tut dies leider und ist somit "nur" gelungen anstatt gut.  OFDb

15.08.2012

PLANET DER AFFEN - PREVOLUTION (2011)

Der Wissenschaftler Rodman experimentiert mit Affen an einem Gegenmittel für Alzheimer. Seine Motivation ist privater Natur, ist sein Vater selbst doch daran erkrankt. Als die Mittel gestrichen und die Versuchstiere eingeschläfert werden, forscht Rodman mit dem einzig überlebenden Primaten zu Hause weiter und erzielt mit dem Affen Caesar Ergebnisse, die alles übertreffen was das Mittel leisten sollte. Als der kluge Caesar um seine Menschenfamilie zu beschützen einen Nachbarn angreift, wird er in ein Tierheim für Affen eingesperrt. Er fühlt sich von Rodman betrogen, und die üblen Zustände in diesem Gefängnis lassen ihn auch über den Rest der Menschen nicht gerade besser denken...

Wie alles begann...
 
Als 1968 der erste „Planet der Affen“ ins Kino kam, sahen nicht wenige eine Reaktion auf die aktuelle politische Lage die Rassentrennung betreffend darin. Als des Erfolges wegen „Rückkehr zum Planet der Affen“ auf der Bildfläche erschien, schloss dieser auch gleich mit der Zerstörung der Erde, so dass es eher eine Notlösung war mit „Flucht vom Planet der Affen“ zu zeigen wie es überhaupt zum „Planet der Affen“ kommen konnte. Teil 3 stellte nur die Weichen, zur eigentlichen „Eroberung vom Planet der Affen“ kam es erst in Teil 4. Eine unnötige „Schlacht um den Planet der Affen“ zerstörte den Kreis, der sich mit Teil 4 schloss.

Auch „Planet der Affen - Prevolution“ erzählt uns die ersten Vorzeichen wie es zum Primatenplaneten kommen sollte. Allerdings orientiert sich dieser weder an der alten Reihe bzw. dessen Erstlings, noch am missglückten Remake von Tim Burton, in welchem der Affenplanet nicht mehr die Erde war. Mit „Rise Of The Planet Of The Apes“ (Originaltitel) präsentiert man den Anfang einer neuen Kinoreihe. Teil 1 orientiert sich an „Eroberung vom Planet der Affen“, ist inhaltlich jedoch eine Art Vorstufe dessen was dieser erzählte. Das passt meiner Meinung jedoch recht gut zum Erstling der alten Reihe, denn auch hier wie dort kann man politische Parallelen zum aktuellen Geschehen hineindeuten.

Allerdings geht es nicht mehr um Schwarz und Weiß, sondern um Arm und Reich. Und die Botschaft lautet nicht: „Arme, lasst Euch von den Reichen nicht mehr unterdrücken! Macht sie fertig!“, sondern sie hat einen viel weniger aggressiven Inhalt für die Unterdrückten unter den Zuschauern: „Bildet eine Einheit, damit ihr für eure Anliegen einen stärkeren Einfluss habt.“

Wer das moderne Popkorn-Kino der vergangenen Jahrzehnte kennt, weiß dass politische Anliegen nie Mittelpunkt eines US-Filmes sind, und so ist es bei „Planet der Affen - Prevolution“ auch, was auch vollkommen okay ist, zumal das Werk von Regisseur Rupert Wyatt sein Hauptanliegen der Unterhaltung zu erfüllen versteht, teilweise im ganz untypischen Stil üblicher US-Kinokost heutiger Tage.

Wyatt lässt sich viel Zeit für eine eigentlich unspektakuläre Erzählung. Das ist sicherlich für viele ein Grund zu klagen, wo doch mit „Transformers“ und Co der Bildschirm geradezu beben muss. In einer Zeit in der Materialschlachten nicht mehr reichen, um das Blut zum Kochen zu bringen und effektgeile Zuschauer zur 3D-Brille greifen, da kommt ein „Planet der Affen - Prevolution“ daher, der Effekte nie zum Selbstzweck verwendet, mit quantitativen Schauwerten spart und Action erst der Geschichte untergeordnet präsentiert.

Damit ist der Neubeginn von „Planet der Affen“ ein Schritt in die richtige Richtung und nur deshalb nicht am Ziel angelangt, weil trotz intensiver Konzentration auf die Vorgeschichte der Vorgeschichte keine menschlichen Charaktere vertieft werden. Die sind wieder einmal nur reine seelenlose Stereotype, nicht so schlimm wie in „Terminator 4“ und „Final Destination 4“, aber immer noch weit davon entfernt glaubhafte Individuen zu sein mit eigenen Ticks und Macken und Interessen und Motivationen jenseits dessen, was für die erzählte Geschichte von Nöten ist.

Dass dies dem Film nicht wirklich schadet liegt an der großartigen Idee, dass die Identifikationsfigur ohnehin nicht menschlicher Natur ist. Orientieren darf sich der Zuschauer am Affen Caesar, der zwar komplett am Computer animiert wurde, jedoch nie gekünstelt wirkt. Man glaubt einen echten Affen zu sehen, so original wirken Fell, Bewegung und Mimik. Der Funke springt somit über innerhalb einer Geschichte, die den dramatischen Aspekt zum Mittelpunkt erklärt, obwohl das Erzählmuster eher am typischen Tier-Horror orientiert ist. Nein, man lässt uns mit Caesar mitleiden, und das verfehlt seine Wirkung nicht, eben weil nie der sonst im Kino übliche Größenwahn herrscht, auf emotionaler Ebene genauso wie auf Erlebnisebene.

„Planet der Affen - Prevolution“ schließt so unspektakulär wie er begonnen hat. Wie lange es dauern wird, bis aus dem schlichten Neuzustand ein „Planet der Affen“ wird, lässt sich schwer einschätzen. Aber davon wird sicherlich eine Fortsetzung erzählen, ist  Wyatts Film doch bereits als Kino-Reihe konzipiert, was sich unschwer an dem kleinen Subplot erkennen lässt, in welchem auf „12 Monkeys“-Art erklärt wird, warum der Mensch/die Menschheit irgendwann schwach genug sein wird, um gegen die Affen zu verlieren.

Ich würde mich zwar auf die Weiterführung dieser neuen Interpretation einer alten Kinoreihe freuen, befürchte aber, dass man mit den selben Fehlern aus Teil 1 so entscheidende bauen kann, die man in einem Teil 2 nicht so leicht verzeihen kann. Denn so unterhaltungsfreundlich und ansatzweise anspruchsvoll der Erzählstil des hier besprochenen Streifens auch sein mag, so krankt er doch an seiner Glaubwürdigkeit, die meist dadurch brüchig wird, dass man das Tempo der Geschichte zu sehr beschleunigen wollte. Das klingt wie ein Witz, wo es doch die Stärke des Filmes ist seine eigene Vorgeschichte so ruhig zu präsentieren und noch unbegreiflicher ist, wenn man bedenkt es in Zeiten von Überlänge mit einem Werk zu tun zu haben, welches brav die 90 Minuten-Vorgabe erfüllt.
 
Wie schnell das Medikament beim Vater wirkt, noch mehr wie schnell mit weitaus weniger Dosierung das zweite (Wunder)Mittel bei den anderen Affen wirkt, sind nur zwei Beispiele dessen, was völlig unglaubwürdig zum Beschleunigen der Geschichte eingesetzt wurde, und damit eben jene Naivität beim Zuschauer voraussetzt, an die man sich leider im US-Kino schon viel zu sehr gewöhnt hat. Und meiner Meinung nach kann Amerika erst dann wieder ernstzunehmendes Popkorn-Kino abliefern, wenn es dies vom Publikum nicht mehr erwartet. „Planet der Affen - Prevolution“ ist voll mit solch unlogischen Momenten innerhalb einer Geschichte, die an sich glaubhaft sein möchte. Und das beraubt den Streifen seiner Möglichkeiten zu den rundum gelungenen Filmen seiner Zeit zu gehören.

Das ist schade, denn vom Unterhaltungswert her ist er definitiv gelungen. Wyatts Film ist Erlebnis- und Emotions-Kino und darin auch richtig gut. Aber Popkorn-Kino muss nicht automatisch Kopf-Kino ausgrenzen. Zwar sollte dieser Aspekt nicht zum Zentrum eines Unterhaltungsfilmes werden, dennoch sollte eine fiktive Geschichte, um sie wärend ihrer Laufzeit ernst nehmen zu können, (und das muss man damit die Illusion vollends wirken kann) auch den Verstand des Zuschauers nicht unterfordern. Aber genau das passiert, wenn man immer wieder gnädig über nicht nötige Unsinnigkeiten hinwegschauen muss.

Bevor es anders klingt sei zum Schluss aber noch einmal betont: das Anschauen von „Planet der Affen - Prevolution“ lohnt sich. Auf DVD sicherlich mehr als im Kino, aber es lohnt sich. Denn Wyatt nimmt die Geschichte ernst genug um diese durch nichts anderes dominieren zu lassen. Alles hat sich dieser unterzuordnen, was eine enorme Gegenposition zum üblichen US-Popkorn-Kino ist. Weiter so, Wyatt!  OFDb

23.07.2012

ANANAS EXPRESS (2008)

Ein Kiffer wird Zeuge eines Mordes und vom Täter verfolgt, da dieser die Identität des Mitwissers anhand einer seltenen Cannabis-Marke herausfindet. Zusammen mit seinem Dealer flüchtet der Kiffer vor einer Bande mordgieriger Mafiosis und deren Konkurrenz...

Noch besser als gemeinsam Glücksrad zu gucken...
 
Eine Action-Komödie mit Kiffern im Zentrum - was für andere lustig klingt wusste mich zunächst einmal nicht zu locken. Dass ich mir „Ananas Express“ dennoch zu Gemüte geführt habe, liegt einzig an der Anwesenheit Seth Rogens, der mir durch „Superbad“ und „Shopping-Center King“ so positiv aufgefallen ist, so dass ich mehr von ihm sichten wollte. Und siehe da, ich wurde nicht enttäuscht, denn der Streifen, an welchem Rogen selber mitschrieb und den er gleich mitproduzierte, macht richtig Laune.

Und dies macht er auf eine Art welche den später folgenden „Shopping-Center King“ ebenfalls so sympathisch machte: die Hauptgeschichte ist 08-15, während die Gimmicks innerhalb des halbwegs Bekannten immer wieder zu überraschen und zu amüsieren wissen. Anbiedernde Komik gibt es nicht, der Humor des Streifens ist wild und provozierend, allerdings auch reflektierend und ehrlich.

Das ist um so erfreulicher, da „Ananas Express“ keineswegs eine Pro-Kiffer-Komödie ist, wie man meinen könnte, so nah wie sie am Empfinden und Reden eines Cannabis-Konsumenten orientiert ist. Wenn der Hauptfigur irgendwann klar wird, dass man all dem Ärger nicht entkommen kann, wenn man dauerhaft zugedröhnt ist, wird dies nicht auf die moralische Schiene durchgekaut, sondern wirkt natürlich frisch, da orientiert an den Figuren, für deren Charakterzeichnung man sich jede Menge Zeit lässt.

Der Blick auf den Drogenkonsum der Helden, der in keiner Form eine Wertung erhält, ordnet sich wie alles andere der minimalen Geschichte unter, die ihre Stärke durch interessante Charaktere und einer pointen- und ideenreichen Story erhält. Ob es die Einführung von Nebenfiguren ist, der Actionanteil, was auch immer: alles wird erst dann ausgepackt, wenn es förderlich für die Geschichte und den Unterhaltungswert ist. Das Verweigern einer Suche nach einem Zielpublikum und das damit einhergehende Anbiedern an diesem findet nicht statt und hilft dabei, dass das Nichts am eigentlich Erzählten so aufzublühen weiß.

Der Ideen gibt es genug. So darf man beispielsweise einem minutenlangen Kampf sichten, bei welchem sich drei kampfunerfahrene Loser gegenseitig auf unbeholfene Art verprügeln und anderweitig Schaden zufügen. Oder man darf einer Autoverfolgungsjagd beiwohnen, bei welcher die Idee die Windschutzscheibe vom Fahrer heraustreten zu lassen, zu einer höchst witzigen Szene führt.

Wenn das ganze später völlig überzogen in einem gewaltigen Actiongewitter mit jeder Menge Toten endet, wird es in dieser Phase keinesfalls unwitzig. Running Gags und einfallsreiche Situationskomik machen das Massensterben zum fröhlichen Happening, oftmals wie zuvor durch das Gegenlenken von Zuschauererwartungen.

Weinende Profikiller werden zu ebensolchen nebensächlichen Lustigkeiten, wie das Herausreißen aus einer depressiven Stimmung mittels des Wortes „heiraten“, oder das Zukotzen eines Druckers, oder herumblödelnder Mafiachefs, oder hirnverbrannter Diskussionen und Entdeckungen aus Kifferköpfen. Wenn ein nicht startendes Auto zum Aha-Moment führt, dass man nach Plan B dann halt zu Fuss geht, gefühlte Ewigkeiten darüber geredet wird welche Uhrzeit man wohl gerade habe, oder rein theoretisch darüber spekuliert wird dem besten Freund einen runter zu holen, kann man sich das Lachen nicht verkneifen.

Interessant ist, dass eine solche Geschichte, die sicherlich nicht so leicht ihre Geldgeber gefunden hat, professionell umgesetzt wurde. Das sieht man an gekonnten Stunts, toller Fotografie und dem geglückten Drehbuch, welches unnötiger aber auch interessanter Weise in den 30er Jahren beginnt, nur um auf herrlich ulkige Art in den Film einzusteigen.

James Franco, der hier den Klein-Dealer spielen darf, macht seine Arbeit ebenso gut wie Seth Rogen. Letztendlich wurde aber ohnehin jeder passend besetzt, was viel am positiven Gesamtergebnis ausmacht. Da scheinbar auch gute Laune am Set herrschte, sieht man den Akteuren ihre Spielfreude auch pausenlos an.

Einen interessanten Blick ist zudem die Schluss-Szene wert, in welcher man der Gruppe Kiffer dabei zuhören darf wie sie die vergangenen Stunden noch einmal Revue passieren lassen und auch auf Situationen verweisen bei welchen nicht jeder Dasitzende anwesend war. Allein diese Szene zeigt wie nah das Drehbuch an den Protagonisten orientiert ist und es mit solchen Methoden schafft inmitten eines völlig überzogenen Szenarios immer wieder Realitätsnähe aufblitzen zu lassen - mit dem Nebeneffekt auch diese wieder lustig werden zu lassen.  OFDb