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01.07.2015

NOCH TAUSEND WORTE (2012)

Man kennt sie zu genüge diese meist mit Fantasyelementen angereicherten Filme wie „Der Dummschwätzer“, „Klick“, „Mr. Destiny“ und „Der Ja-Sager“, Geschichten in denen Menschen mit charakterlichen Schwächen eine besondere Eigenschaft dazu dient sich moralisch zu überdenken. Der Nörgler muss akzeptieren dass sein Leben doch sehr schön ist, der Workaholic muss erkennen dass er seine Mitmenschen vernachlässigt, usw. In amerikanischen Filmen ist es üblich dass der Protagonist meist zum Familienmenschen umerzogen werden muss, ist die Familie für Amerikaner doch das wichtigste im Leben, solange sie nicht im Vorstand eines Großkonzernes sitzen. Und da ist auch „Nur tausend Worte“ keine Ausnahme, welche überraschend mit Mainstream-Eddie Murphy besetzt wurde - kein gutes Zeichen!

Auf ihn wäre man sicherlich nie für einen der oben genannten Vergleichsfilme gekommen, aber zu einem Werk mit der Thematik eines Mannes der nicht mehr viel sagen darf, ist Murphy freilich passend besetzt, wurde er doch als Laberbacke durch Filme wie „Nur 48 Stunden“, „Beverly Hills Cop“ und „Die Glücksritter“ bekannt. Als die ewig gleiche Nummer des schnell vor sich hinplappernden Komikers mit „Auf der Suche nach dem goldenen Kind“ langsam nicht mehr auf so viel Gegenliebe stieß wie zuvor, wandte er sich kluger Weise von diesem Image ab und drehte den großartigen „Der Prinz aus Zamunda“. Dem folgten nur leider eher biedere und politisch korrekte Werke wie „Dr. Dolittle“, „Mensch, Dave!“ und „Die Geistervilla“, oder unausstehliche Klamaukwerke wie „Der verrückte Professor“ und „Norbit“. Sympathische Filme wie „Bowfingers große Nummer“ und „Aushilfsgangster“ blieben leider Ausnahmewerke.

Obwohl Eddie Murphy der richtige Mann für „Noch tausend Worte“ zu sein schien, durfte man also zu Recht misstrauig sein. Kann dieser Mann eine Geschichte tragen, die es so schon des öfteren gegeben hat und deren Verlauf man in etwa vorhersehen kann aufgrund der offensichtlichen moralischen Läuterung Jacks, die bevorsteht? Nun, ja, er kann! Murphy spielt seine Rolle sowohl in den komischen als auch in den ernsten Momenten glaubwürdig und mit sichtbarer Spielfreude. Er entpuppt sich als der Pluspunkt eines Filmes, der schlechter ausgefallen ist als er es hätte sein können, biedert man sich dem Massenpublikum doch mit manchen unfeinen Witzchen an, die hin und wieder der innereigenen Logik schaden. So gilt ein Stinkefinger beispielsweise als zwei ausgesprochene Worte, wohingegen Jacks Pantomime-Versuche stets als wortlos durchgehen.

Am unwitzigsten ist jene zu konstruierte und unglaubwürdige Szene ausgefallen, in welcher Jack ein Telefonat mithilfe von diversen sprechenden Spielzeugen meistert. Erleichtert darf der Zuschauer jedoch feststellen dass es solcher peinlicher Momente nur wenige gibt und sich die vorhersehbare Geschichte ansonsten recht angenehm seinem moralischen Ziel nähert. Ein an Murphys „Der Guru“ erinnernder Guru entpuppt sich als nicht so selbstgerecht wie jener aus „Schwer verliebt“, und auch im Kitschbereich hält man sich vergleichsweise zurück, in dem man die aus einer solchen Geschichte nicht wegzudenkenden Läuterung noch halbwegs ehrlich umsetzt. Man meint in Jack wahrlich einen ehrlichen Wandel zu erkennen, und dies obwohl seine Läuterung wesentlich weniger Laufzeit einnimmt, als man meinen sollte.

Damit bleibt „A Thousand Words“ (Originaltitel) ein überraschend angenehmes Filmerlebnis, das sicherlich keinen Innovationspreis gewinnen wird, aber dank sympathischer Umsetzung dem Freund dieser Art Film ein kurzweiliges Vergnügen bescheren wird. Trotz der nicht zu übersehenden Moral kommt sie nicht all zu selbstgerecht, streng und verkitscht daher, und sie weitet sich lediglich auf einen Bereich aus, den man nachvollziehen kann. Sprich man soll nicht gehirngewaschen werden um von oben alles mit sich machen zu lassen wie es z.B. bei „Mensch, Dave!“ der Fall war.

„Nur tausend Worte“ möchte einfach, dass man den Wert dessen was man sagt wieder zu schätzen lernt. Er möchte dass wir den Menschen unseres nahen Umfeldes genauso respekt- und gefühlvoll gegenübertreten wie sie es auch tun. Er spricht also wahre Werte an und keine konstruierten einer verdreht denkenden Gesellschaft. Ein europäischer Film wäre im Finale sicherlich strenger mit Jack umgegangen und konsequent geblieben. Das darf man bei den Amis freilich nicht erwarten. Denn neben den Familienwerten gibt es noch etwas an das sie uneingeschränkt glauben, und das ist die Vorstellung dass sich alles Schlimme wieder rückgängig machen lässt. Im Falle eines verträumten Werkes wie „Nur tausend Worte“ mag das noch okay sein darauf zu bauen, in vielen anderen Werken wird genau dieser Punkt zu einem fragwürdigen Propaganda-Werkzeug.  OFDb

25.06.2015

AUSHILFSGANGSTER (2011)

Mittlerweile erwarte ich sehr wenig von einem Film, in welchem Ben Stiller mitspielt, der einst mit „Verrückt nach Mary“, „Zoolander“ und „Voll auf die Nüsse“ so toll durchgestartet hat und danach meist nur noch Routine-Filmchen wie „The Watch - Nachbarn der dritten Art“ abgedreht hat. Ähnlich geht es mir mit Filmen mit Eddie Murphy, der nach so großen Würfen wie „Der Prinz aus Zamunda“ im Mainstream landete und so plumpe Werke wie „Mensch, Dave!“ und „Der verrückte Professor“ verzapfte. Gelungene Komödien wie „Bowfingers große Nummer“ machen ein arg geringen Anteil seiner Filmographie aus.

Zugegeben, „Aushilfsgangster“, in welchem beide die Hauptrollen bekleiden, kann man auch nicht gerade als das große Überwerk bezeichnen, aber verdammt, er macht auf seine kurzweilige Art richtig Spaß, erst recht wenn man sie nebeneinander spielen sehen darf, die einst so hoffnungsvollen Stars. Zu ihnen gehört auch Matthew Broderick, der nach „Ferris macht blau“ noch in „Election“ und "In Sachen Liebe" trumpfen durfte, ansonsten aber in eher mäßigen Filmen wie „Cable Guy“ und „Die Frauen von Stepford“ ewig den Langeweiler spielend mitwirkte. Nein, was sieht er alt aus, wenn er im hier besprochenen Streifen den Versager spielt, der einst ein Finanzgenie war. Es tut gut ihn in solch einer Rolle zu sehen, die wenigstens ein klein wenig von ihm abfordert. Stiller und Murphy hingegen bauen auf ihre üblichen Trümpfe, und dies vereint mit einer Geschichte, welche einem aufgrund sympathischer Charaktere und einer nachvollziehbaren Situation in der heute so kriminellen Wirtschaftszeit ziemlich schnell zu packen weiß, weiß aus „Aushilfsgangster“ ein solch angenehmes Ergebnis zu machen.

„Tower Heist“ (Originaltitel) ist kein „Oceans Eleven“, strebt eine ernsthafte Konkurrenz mit solchen Werken aber auch gar nicht an. Die leichte Komödie soll im Vordergrund stehen. Und mag einem der bittere Hintergrund eines frustrierenden Themas heutiger Ungerechtigkeit auch manches mal kurzfristig die Laune am Lachen verderben, ähnlich wie in Jim Carreys „Dick und Jane“, gut aufgelegte Stars und die flotte Inszenierung von Brett Ratner, der für so unterschieliche Werke wie „Rush Hour“, „Roter Drache“, „X-Men - Der letzte Widerstand“ und dem „Hercules“ aus dem Jahr 2014 verantwortlich war, bringen einen schnell wieder zum Schmunzeln, mehr aber noch zum Mitfiebern.

„Aushilfsgangster“ ist keine Komödie der großen Lacher. Eine amüsante Grundstimmung ist lediglich Grundlage für einen Plot der Solidarität beim Zuschauer entfachen möchte. Und wenn es diesbezüglich Klick gemacht hat, steht einer angenehmen Unterhaltung auch nichts mehr im Weg. Hier wird keine innovative Geschichte aufgetischt, vieles ist vorhersehbar, trotzdem weiß der Streifen auch manches Mal zu überraschen. Und wie er zu Beginn den Weg zur Hauptstory findet, ist gar nicht mal schlecht geschrieben. Die Patzer auf der DVD zeigen uns außerdem, dass hin und wieder auch improvisiert werden durfte.

Viel ist davon im fertigen Werk nicht zu merken. Das ist ebenso schade wie die Tatsache, dass die Ausbildung der halben Hemden zum Einbrecher durch einen angeblich erfahrenen Einbrecher nicht näher vertieft wurde, ein Aspekt den man aufgrund des deutschen Titels vermutet hätte. Aber letztendlich ist es egal, weil der Grundton von „Aushilfsgangster“ einfach stimmt, um einem wohlige 100 Minuten Film zu bescheren, die nie durch Unnötigkeiten ausgebremst werden. Das merkt man auch an der am Rande spielenden Love Story, die sogar derart kurz anklingt, dass ihr Ausgang für die Geschichte egal ist und gegen Ende nicht weiter verfolgt wird, auch wenn entfallene Szenen zeigen dass dies einmal anders geplant war. Wer auch immer darüber entscheiden durfte, er hat richtig entschieden und mit solch kleinen Unterschieden aus „Tower Heist“ mehr gemacht als den austauschbaren Durchschnittsfilm.  OFDb

10.03.2013

SHREK DER DRITTE (2007)

Shrek ist nicht zum König geboren, er möchte zurück in seinen Sumpf. Also zieht er mit Esel und dem gestiefelten Kater los um Artus zu suchen, der ein Anrecht auf den Königstitel hätte. Die sorgenvoll daheimgebliebene Fiona muss unterdessen Prinz Charming bekämpfen, der versucht die Macht an sich zu reißen...
 
Artus und der Runde von der Königstafel...
 
Nach den ganzen Negativkritiken habe ich mich lange nicht an den dritten Teil von „Shrek“ heran gewagt. Gestern siegte die Neugierde, ich war bereit mir den Abend mit einem schlechten Film zu verderben. Was ich zu sehen bekam war allerdings ein sehr kurzweiliger und sehr lustiger Film, der richtig Laune machte.

Im direkten Vergleich muss man schon betonen, dass wir es hier mit dem bisher schlechtesten „Shrek“-Teil zu tun haben. Aber Sequel 2 gehen ja auch richtig gute Werke voraus. Abnutzungserscheinungen sind bei Fortsetzung meistens sichtbar, und vieles geniales, wie manche Figur, wird einfach zur Gewohnheit. Aber genau deshalb finde ich es so erstaunlich dass der Lebkuchenmann und Pinocchio noch immer eine so große Wirkung auf die Lachmuskeln haben. Außerdem finde ich es genau deshalb so erstaunlich, dass auch dieser Teil 3 eine richtig gute Geschichte erzählt. Sie steht den Vorgängern in nichts nach.

Punkteabzug gibt es für die Figur des Artus. Bisher wurde noch jede Rolle humoristisch untermalt eingesetzt, egal ob Held, Loser, Randfigur oder was auch immer. Mit Artus wird erstmals eine Figur ins „Shrek“-Universum eingebaut, der jede Lustigkeit fehlt. Das finde ich sehr schade! Wenigstens darf man Merlin herrlich schräg erleben, das macht das Artus-Manko wenigstens etwas wett.

Um dem Stammpublikum etwas frischeres als das ewig neu aufgewärmte zu bieten, versuchte man sich an einer Methode, die auch in „American Pie 3“ Verwendung fand. Man vertauschte die Charaktere zweier Figuren. Was bei „American Pie 3“ mittels eines Rollenspiels umgesetzt wurde, wird in der Märchenwelt Shreks naheliegend über Zauberei erreicht. So steckt Esel nun im Körper des gestiefelten Katers und umgekehrt. Ob dies nun wirklich nötig war sei einmal dahingestellt, ein paar Lacher gibt es aus dieser Idee allerdings zu ernten. An erster Stelle sei hier nur einmal die sehr lustige Szene genannt, in welcher der gestiefelte Kater sich aus einer gefährlichen Situation herausretten will, in dem er wieder den süßen Katzenblick auflegt. Dies über einen Esel verkörpert zu sehen ist schon recht lustig, und die Wirkungslosigkeit sorgt für den gelungenen Schlussgag der Szene.

Überhaupt gibt es wieder jede Menge guter Lacher, u.a. die Sterbebett-Szene mit dem Froschkönig, die Verhörszene mit Pinocchio und die Szenen rund um Merlin. Einige der Witze, gerade zu Beginn, spielen mit den Erwartungen des Zuschauers. Sie klingen so an, dass man den weiteren Fortlauf vermutet und machen dann einen unerwarteten Schwenker, manchmal auch um mit erneutem Schwenk wieder das zunächst vermutete Ziel zu erreichen. Das hält den Zuschauer bei der Stange, bleibt das Gesehene doch damit frisch und kurzweilig. Auf diesem Wege die Aufmerksamkeit des Zuschauers aufrecht zu erhalten finde ich wesentlich effektiver, als der häufig verwendete Weg der Konkurrenz ewig schwungvolle Actionszenen zu zeigen, wie irgendwelche Rutschbahnsituationen, unnötige Verfolgungsjagden, „Stunts“, usw.

Nun wird dieser Weg meist in Trickfilmen gewählt, die dem jungen Publikum gefallen wollen. „Shrek 3“ orientiert sich allerdings, so wie seine beiden Vorgänger, auf ein älteres Publikum, was dem Ergebnis sichtlich gut tut. Es ist zwar erkennbar, dass der anarchistische Humor von Teil zu Teil abbaut, von einem Kinderfilm ist „Shrek 3“ aber immer noch weit entfernt.

Was mir an der zweiten Fortsetzung nicht mehr so gut gefiel war die Synchronstimme vom Esel. Viele Gags zünden mit dieser veränderten Stimme nicht. Esel hat sowieso nicht mehr den selben Stellenwert wie in den Vorgängern, dafür wurden seine Gags zu sehr reduziert. Figuren die nachrücken gibt es diesmal nur sehr wenige. Merlin ist eine der wenigen neuen Figuren, viele andere neue, gerade aus der Bösewicht-Ecke, bekommen viel zu wenig Aufmerksamkeit. Etwas weniger Blick auf bewährte Figuren hätten für ein besseres Endergebnis sorgen können.

Der Wolf und die blinden Mäuse kommen nur noch am Rande vor, auf den Spiegel wurde diesmal ganz verzichtet. Im Ansatz wurde in diesem Bereich zumindest richtig gearbeitet. Ich persönlich glaube dass der Verzicht der großen Rolle Fionas ein interessanter Schritt wäre, um wieder auf einen grüneren Nenner zu kommen. Sie ist immerhin schon rein optisch ziemlich unwitzig und uninteressant, wieso muss sie ständig eine eben so große Bedeutung für die Geschichten erhalten wie Shrek? Nur weil sie seine Lebensgefährtin ist?

Ich will mich an solchen Kleinigkeiten nicht zu sehr aufhängen, denn eigentlich war ich mit dem Ergebnis zufrieden. Ich habe viel gelacht, die Animation hat mir gefallen (auch wenn kein neuer revolutionärer Fortschritt zu erkennen war) und langweilig wurde mir nicht eine Sekunde lang. Für einen dritten Teil aus dem Gebiet der Familienunterhaltung und dazu noch aus der heutigen Zeit ist das Ergebnis erstaunlich positiv. Schade dass es der Fortsetzung von „Ice Age“ nicht ähnlich erging.  OFDb

13.11.2012

FÜR IMMER SHREK (2010)

Shrek hat ein gemeinsames zu Hause mit der Frau die er liebt, hat drei wundervolle Kinder und viele Freunde. Und doch sehnt er sich in jene Zeit zurück, in der er der gefürchtete Oger war. Rumpelstilzchen bietet dem unglücklichen Monster einen Vertrag an, der es Shrek ermöglicht für einen Tag wieder das furchterregende Monster zu sein. Als Gegenleistung muss der Oger auf einen Tag aus seiner Vergangenheit verzichten. Shrek willigt ein, ohne zu wissen, dass Rumpelstilzchen damals das Königreich überschrieben bekommen hätte, wenn Shrek nicht Prinzessin Fiona aus dem Drachenturm befreit hätte. Nach Unterzeichnung des Vertrags findet sich der Grünling in einer fremden Alternativwelt wieder, in der jeder wie gewünscht vor ihm Angst hat, in der aber keiner seiner Freunde ihn kennt und Rumpelstilzchen Herrscher über Weit Weit Weg ist. Nur ein Kuss bis Sonnenaufgang zwischen Shrek und Fiona kann verhindern, dass dieser Zustand dauerhaft besteht. Fiona ist jedoch keineswegs an einen Kuss des ihr unbekannten Oger interessiert, ist diese doch eine knallharte Kämpferin, die gerade in den Vorbereitungen zur Revolution gegen Rumpelstilzchen steckt...

Shreklich brav...
 
Bereits vor Teil 3 kündigten die Dreamworks-Studios an, mit Teil 4 würde die Reihe um den grünen Oger Shrek ihr Ende finden. Eine solche Ankündigung weckt Interesse, erwartet man doch eine Geschichte, die einen deutlichen Abschluss präsentiert, ein Ende, dass ein bestimmtes Kapitel schließt.

Als ich erstmals von der Geschichte von „Für immer Shrek“ erfuhr, wuchs meine Neugierde noch ein Stückchen an, klang die Idee doch verlockend, die Figuren der Reihe mal alternativ in einer anderen Gegenwart zu erleben. Da ich zu der Minderheit gehöre, der Teil 3 gefallen hat, bremste auch dieser die Vorfreude nicht aus.

Doch was soll man sagen: wer sich schon im Vorgänger darüber beklagte, die Reihe sei zu brav geworden, der wird mit der dritten Fortsetzung nun gar nichts mehr anfangen können. „Shrek 4“ (Alternativtitel) ist nun endgültig zu einem Mainstream-Produkt geworden, das die frechen Züge, die Teil 1 und 2 zu etwas besonderem machten, nur noch für kurze Augenblicke aufleuchten lässt. Teil 4 bietet eine biedere Moral, niedliche Momente und keineswegs eine innovative Geschichte, wie der Trailer noch hätte vermuten lassen können.

Nicht nur dass aus der Grundidee der alternativen Realität viel zu wenig herausgeholt wurde, eine Idee, die allein schon deshalb gut zu nennen ist, weil die Figuren an Abnutzungserscheinungen leiden. Es ist nach Sichten auch kein Abschluss erkennbar, der die große Vorankündigung des letzten Teils und die Formulierung eines „Final Chapter“ rechtfertigt. Teil 4 ist eine Folge wie es „Shrek 2“ und „Shrek 3“ war. Da bekommt man zwar auf „Rocky 5“- und „Lethal Weapon 4“-Art nach Ende der Geschichte die schönsten Momente aller Vorgänger im Abspann präsentiert, es stellt sich dabei aber nie ein Gefühl der Nostalgie ein, eben weil im Bewusstsein des Zuschauers kein Schlussstrich gezogen wurde. Teil 4 ist zu Ende. Ja, und?

Ein gutes Ergebnis weiß dieser Kritikpunkt nicht zu verhindern, dafür sorgt lediglich die viel zu routinierte Herangehensweise, die sich nun fleißig am beliebten amerikanischen Zeichentrick-Rezept bedient, das in Teil 1 noch so wundervoll durch den Kakao gezogen wurde. So schaut sich „Für immer Shrek“ eher wie „Ab durch die Hecke“, „Jagdfieber“, „Bee Movie“ und wie sie alle heißen mögen, nicht aber wie sein großes Erstling, dass den Computeranimations-Markt ein neues Rezept zuwarf, an dem sich alle Produktionsstudios mit Ausnahme von Pixar, fleißig bedienten. Dadurch war das „Shrek“-Rezept selbst Mainstream geworden, was viele über den eigentlich konsequenten Teil 3 schimpfen ließ. In Teil 4 ist nun gar keine Mühe mehr erkennbar eigenständig wirken zu wollen.

Das ist schade, führt jedoch nicht zum Totalreinfall, wie bereits die oben erwähnten Vergleichsfilme deutlich machen. Das waren alles sympathische Werke für die ganze Familie, nicht mehr und nicht weniger. Somit kann „Für immer Shrek“ mit heruntergeschraubten Erwartungen und erst recht für das Massenpublikum Freude bereiten. Die Geschichte ist kurzweilig, wenn auch alles andere als einfallsreich, und selten gibt es auch mal die großen Lacher am Rande. In Teil 4 ist es meist der gestiefelte Kater, der für diese zuständig ist. Esel hat er längst abgelöst, der wirkt nur noch wie ein pflichtmäßiges Anhängsel.

Gleiches gilt für Fiona, die lediglich für emotionale Momente zuständig ist. Witzig durfte sie bereits in Teil 3 nicht sein, diesmal ist ihre Figur zumindest für die Geschichte wichtig. Während Pinocchio noch immer für kleine Gags am Rande gut ist, verlieren Figuren wie der Lebkuchenmann fast gänzlich ihren Reiz, ein Fakt, der einen auf die neu eingebrachten Figuren schielen lässt.
 
Doch diese haben auch nicht den großen Knüller zu bieten. Unter den Oger-Rebellen gibt es den ein oder anderen halbwegs interessanten Gag-Lieferanten und der Rattenfänger von Hameln könnte recht witzig sein, würden seine Auftritte nicht dafür verschwendet werden, hippe Party-Tänze entstehen zu lassen, die bei den Kids das Gefühl für Coolness entstehen lassen sollen, nur ein Beispiel für das Anbiedern ans Massenpublikum. In seiner skurrilen Art sehr lustig ist das Haustier und der ständige Wegbegleiter von Rumpelstilzchen, das gerade wegen seiner realistisch gehaltenen tierischen Art zu begeistern weiß.

Ärgerlich verhält es sich mit der Figur des Rumpelstilzchens, das nun der erste Bösewicht der Reihe ist, der nicht zu gefallen weiß. Optisch nett animiert (wie alles im Film) aber ohne das gewisse Etwas, charakterlich uninteressant und das schlimmste: erschreckend unwitzig. Ewig wartet man auf Pointen, lustige Sprüche oder schlichtweg den Wahnsinn den die gute Fee und Lord Farquaard versprühten. Wie schon bei Disney, so war es auch in der „Shrek“-Reihe einer der Trümpfe, immer einen interessanten Bösewicht zu präsentieren.

Ich weiß wie negativ sich das alles liest, aber wie erwähnt weiß es auf Light-Niveau trotzdem zu funktionieren. Die gegebene Rezeptur des „Shrek“-Universums ist zu mehr im Stande, ist aber nun mal so gut, dass es eben auch auf Mainstream-Art noch schmeckt. Handwerklich gibt es nichts zu meckern, für Action und einen gewissen Spannungsgehalt ist gesorgt und witzig (wenn auch nicht so enorm wie in den Vorgängern) ist Teil 4 auch. „Für immer Shrek“ ist jedoch kein Film fürs Kino, sondern eher ein Griff für einen gemütlichen Video-Abend mit der ganzen Familie. Für mehr ist er einfach zu brav und gewöhnlich. Da kann auch das ach wie moderne 3D-Verfahren nichts daran ändern.  OFDb

04.09.2012

MENSCH, DAVE! (2008)

Gina fährt Dave mit dem Auto an. Dieser überlebt überraschender Weise. Kein Wunder, denn Dave ist ein Raumschiff, das aussieht wie ein Mensch und dessen Crew verzweifelt nach einem verloren gegangenen Objekt sucht. Von all dem hat Gina nicht die geringste Ahnung. Aber ihr Sohn erkennt die Wahrheit hinter Dave und hilft...

Raumschiff Eddie Murphy...
 
Über die grundlegende Idee dieses Streifens kann man wahrlich nicht meckern. Es geht um ein Raumschiff, welches aussieht wie ein Mensch, gesteuert von einer Crew Miniatur-Aliens, dessen Captain so aussieht wie Dave, das Raumschiff. Daraus ließe sich einiges machen. Doch schon die Anwesenheit Eddie Murphys lässt einen daran zweifeln, hatte der Komiker doch nach „Der Guru“ und „Bowfingers große Nummer“ kaum noch Nennenswertes gedreht, da er entweder im Mainstream oder im Fäkalhumor badete.

Um so interessanter ist es, dass wir das negative Ergebnis von „Mensch, Dave!“ diesmal nicht Murphy zu verdanken haben. Im Gegenteil, dieser agiert mit viel Spielfreude, darf sich mal wieder richtig austoben und weiß zu wirken, zumindest so weit es Regisseur Robbins inmitten von selbstzweckhaften Spezialeffekten, Moral und Kitsch zulässt, womit die Negativpunkte des Films bereits fast alle aufgezählt sind.

Der Film folgt einem viel zu braven Muster, das überraschende Storywendungen ebenso ausgrenzt wie die Möglichkeit all jenen Humor einzubauen, den diese Geschichte verdient hätte. „Meet Dave“ (Originaltitel) musste leider ein Familienfilm werden, in welchem Murphys Herumgealber wahren Humor ersetzen darf. Das macht Murphy wie erwähnt auch mit viel Spaß und Talent, aber leider, und da kann der gute Mann nun gar nichts für, nur innerhalb infantiler Grenzen. Entweder bedient man sich der Komik, die mit der Story fast automatisch einhergeht, oder man konzentriert sich auf plumpe Albernheiten, die auch einem 10jährigen eingefallen wären.

Ein augenzwinkernder Umgang mit „Raumschiff Enterprise“ ist damit ebenso wenig möglich wie das Spiel mit Gesellschaftskritik. Im Gegensatz zu Erstgenanntem ist zweites aber ohnehin nicht erwünscht, ganz im Gegenteil wird genau das Gegenteil zelebriert: alles in unserer Kultur ist gut, die menschliche Rasse ebenso wie ihr Hang zu Oberflächlichkeiten, die in der Spaßgesellschaft zum Zentrum menschlicher Freude aufgepuscht werden.

Wieder einmal wird dem Gefühl mehr Bedeutung zugeschrieben als dem Verstand, und damit ist der Weg frei gegeben zu einer Manipulation, die nicht nur den Zuschauer beeinflusst und/oder beleidigt, sondern auch in ihrem Inhalt fragwürdiger Natur ist. Kommt alle her! Wir sind das Land der Freiheit! Hier wohnen alle Kulturen fröhlich vereint, vorausgesetzt man ignoriert seine eigene Kultur und lebt die Spaßgesellschaft im Kapitalismus.

So dick wie ich hier meine Kritik am Film auftrage, trägt dieser die besagte Manipulation auf. Beim Entdecken irdischer Freuden, die im gefühlskalten Weltall längst vergessen waren, darf der schwule Klischeemann ebenso wenig fehlen wie der unverbesserliche Bösewicht, denn was wäre das amerikanische Weltbild ohne vorhandenes Feindbild? Klingt amerikafeindlich? Aber wieso arbeitet dieses Land in seinen Filmen dann immer wieder mit solchen Stereotypen? „Mensch, Dave!“ soll scheinbar nicht nur dem Zweck der Unterhaltung dienen, sondern dem Erziehen des Zuschauers. Und je mehr Filme dieser Art das Publikum guckt, um so besser funktioniert diese Gehirnwäsche.
 
Man ist solche Filme aus Amerika längst gewohnt. Es schockt nicht mehr wirklich, wenn eine intelligente Rasse aus dem All die Liebe lernen muss, und dies in einer psychologisch wie naturwissenschaftlich völlig sinnlosen Art mit hanebüchenen Begründungen. Die Disney-Studios arbeitet seit den 90er Jahren daran dieses Weltbild zu formen. Zumindest begann in dieser Zeit die Tendenz den Zweck über die Geschichte zu stellen. Warum ich mich darüber nach all der Zeit noch aufrege? Mich ärgert es, dass hier eine Filmidee kaputt gemacht wurde, die in guten Händen das Ergebnis eines „Zurück in die Zukunft“ hätte haben können.

Eben weil ich diese Manipulation als Vielseher bereits gewohnt bin, kann ich sie in gewisser Weise noch halbwegs ausblenden. Theoretisch hätte ein mit solchen Mitteln arbeitender Film nicht viel Beachtung verdient. Aber ich bin durch die häufige Begegnung mit derartigen Streifen diesbezüglich etwas abgehärtet und konnte somit manch nette Idee im fertigen Streifen entdecken, die mich versöhnlicher mit "Mensch, Dave!" stimmt als die Qualität des Filmes eigentlich zulässt. Neben der grundlegenden Idee des Streifens ist es meist das wirre Gerede des „Außerirdischen“, das einen zumindest noch halbwegs versöhnlich stimmt.  OFDb