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11.08.2016

ALLES ROUTINE (1999)

Regisseur Mike Judge wurde hauptsächlich durch seine Zeichentrickserie „Beavis und Butt-Head“ berühmte und überraschte mich, als jemand der mit diesem Kult-Cartoon nichts anfangen konnte, Jahre später mit der klamaukigen Gesellschaftssatire „Idiocracy“. Jahre zuvor drehte er bereits seinen ersten Realfilm „Alles Routine“, eine Satire auf die Arbeitswelt, die auf Judges Cartoon „Office Space“ beruht, diesen Titel auch im Original übernommen hat und dessen Hauptcharakter hier zur lustigen Nebenfigur degradiert. Diese ist tatsächlich lustig, hätte in ihrer zu penetranten Art aber keine Komödie auf Spielfilmlänge getragen, so dass man das Hauptaugenmerk auf wen anders im Zentrum als die richtige Entscheidung bezeichnen kann.

Wieder einmal ist Mike Judge keinesfalls ein großer Wurf gelungen, aber „Alles Routine“ ist definitiv ein unterhaltsames Stück Komödie, freilich zu geistlos ausgefallen um ihn als Satire all zu ernst zu nehmen, aber auch nicht zu oberflächlich ausgefallen, als dass man Judges Beobachtungen nicht als treffsicher bezeichnen könnte. Hauptsächlich wird gekonnt mit der Bürowelt abgerechnet, aber dank der Nebenrolle von Jennifer Aniston bekommt auch die Gastronomie ganz nebenbei ihr Fett weg und bietet mit der dämlichen Button-Idee auch gleich eine der besten des ganzen Streifens.

Dieser ist so entspannt erzählt wie ihr Held sich nach der Hypnose verhält, bleibt dank sympathischer Figuren und einer erzählenswerten, wenn auch etwas zu glatt gebügelten Geschichte auch immer interessant und unterhaltsam, so dass es nicht wirklich etwas zu meckern gibt an einem Stoff, den man sich ohne großes Nachdenken nach der Arbeit zu Gemüte führen kann. Vielleicht ist es etwas schade, dass die Figur des Nachbarn der hellhörigen Wohnung zu kurz kommt, aber das wäre schon alles was es meiner Meinung nach zu verbessern gäbe.

An sich bietet „Alles Routine“ all das was ich mir von einer kleinen Komödie für den Zwischendurchverzehr wünsche. Die nicht all zu dominant ausgefallene Komik ist treffsicher eingebracht und wirkt so sympathisch wie die Figuren, die Chemie zwischen dem Liebespaar einer nicht all zu sehr ins Zentrum rückenden Love Story stimmt, und das würde man alles sicher so richtig gut finden, wenn der Streifen letztendlich nicht doch ein wenig zu unaufgeregt ausgefallen wäre und mehr wäre als der schnelle Zwischendurchverzehr. So schön sich der Film auch guckt, und so sehr ich seine Abrechnung mit einer menschenfeindlichen Arbeitswelt auch achte und genieße, letztendlich ist „Office Space“ kein Film der wirklich im Gedächtnis bliebe oder überragende Kino- oder Humormomente zaubern würde.

Dank seiner gut gespielten und treffsicher ausgearbeiteten Charaktere, von denen in erster Linie jegliche Nebenfiguren das Herzstück des Streifens bilden, ist er allerdings definitiv ein Film den ich mir in den kommenden Jahren noch des öfteren anschauen werde, eben weil er gute und gleichzeitig seichte Unterhaltung bietet, die einen geistig nicht überfordert wenn man gestresst von der Arbeit keine Lust mehr auf Tiefgang hat. „Alles Routine“ geht jedoch tief genug um mehr zu sein als oller gehaltloser Klamauk, und im direkten Vergleich zu „Idiocracy“ ist er auch der bessere Film, da hier äußere Schauwerte im Gegensatz zu dort nie eine Rolle spielen. Außerdem mag ich die Idee, dass Peter nie aus der Hypnose erwacht.  OFDb

15.11.2012

DIE REISE ZUM MOND (1902)

Eine Forschergruppe fliegt zum Mond und wird dort von den Bewohnern des Erdtrabanten attackiert...

Ein Film der Spezialeffekte wegen – nicht nur ein Thema der Moderne...
 
Als der putzige Streifen „Die Reise zum Mond“ gedreht wurde, steckte das Medium Film noch in den Kinderschuhen. Um so erstaunlicher ist es, was Georges Méliès auf die Beine gestellt hat. Was man hier zu sehen bekommt sind optische Experimente. Hier werden Spezialeffekte getestet, die zur damaligen Zeit sicherlich großes Erstaunen verursachten. Es fällt schwer sich hineinzudenken, welche Gefühlsregungen „Die Reise zum Mond“ damals verursacht haben muss, wenn man in einer Welt aufgewachsen ist, in der technischer Fortschritt nur noch geringe Bewunderung erntet und zum Alltagsgeschehen gehört.

So ist Georges Méliès sicherlich als einer der Pioniere visueller Filmkunst zu nennen. Und es ist schön dass sein Experimentieren nicht in völliger Sinnlosigkeit endete, sondern dass basierend auf einem Buch von Jules Verne auch eine wertvolle Grundlage vorhanden war. Filmhistorisch gesehen ist dieses Werk als sehr wichtig einzustufen. Geht man allerdings vom reinen Unterhaltungswert aus, kann dieser Science Fiction nicht so ganz überzeugen.

Was mich wirklich beeindruckt hat, war die Aufnahme vom Mond selber. Sicherlich mag es veraltet wirken dem Mond naiv ein Gesicht zu geben, aber eben weil dies heute so fremd ist, wirkt dieses Mondgesicht doch auf merkwürdige Art unheimlich. Es ist kein freundliches Gesicht, die Art wie es in den Mond hineingetrickst wurde verkommt aus heutiger Sicht, wenn man das naive Kind in sich wecken kann, zu etwas leicht angsteinflößendem.

Auf dem Mond selber müssen gemalte Kulissen als Mondlandschaft herhalten. Das mag billig klingen, baut aber eine gewisse Atmosphäre auf, die mehr ist als bloßer nostalgischer Charme. Aber so ergeht es fast allem im Film. Die olle Rakete, das Mondgesicht, die Mondkreaturen, die Raketenlandung, dies alles sind zwar nostalgische, sehr naive Elemente, sie wecken aber noch heute eine Faszination, die mehr als bloßes Belächeln vergangener Tricks und Erzählweisen ist.

Nicht dazu zählen darf sich der Tod der Mondbewohner. Wie die Kreaturen hier vermöbelt werden, um danach in Rauch aufzugehen, ist aus heutiger unfairer Sicht nur noch lächerlich, wenn auch wegen der simplen Spezialeffekte interessant zu gucken.

Auch ein Film solchen Alters muss sich aber einen wichtigen Kritikpunkt gefallen lassen. Es ist der selbe Kritikpunkt, der auch heute noch häufig Filme betrifft, die tolle Spezialeffekte präsentieren möchten: Das andere wurde zu sehr vernachlässigt. Wenn Georges Méliès nur hätte tricksen wollen, hätte er theoretisch gesehen auch einen reinen Experimentalfilm drehen können. Scheinbar war sein zweites Anliegen aber auch das Erzählen einer Geschichte. Heutzutage kann man auf ein breitgefächertes, erforschtes Gebiet zurückgreifen, was das Entwickeln einer guten Atmosphäre heutzutage einfacher macht.

Méliès verlässt sich allerdings nur auf seine Effekte. Die Charaktere wirken matt und zeichnen sich auch nur durch ihre Kleidung aus. Und viel wichtiger: Die Begegnung mit den Mondbewohnern wird viel zu plötzlich inszeniert. Der Mond war fremd, und die Idee, dass es dort oben Leben gibt, dürfte damals noch echte Spannung erzeugt haben. Warum nutzte man diese dann nicht auch filmisch aus? Da hätte man schon damals einen Hauch gruseliger mit umgehen können.

Zugegeben, das sind harte Worte für einen solch alten Film, aus dem Mund eines verwöhnten Cineasten unserer Zeit. Wichtig an meiner Stellungnahme ist allerdings die Hintergrundaussage, nicht meine speziellen Vorschläge. Es geht mir um das Nichtbeachten der nicht zu den Spezialeffekten zugehörenden Elementen. Es geht mir allgemein darum, dass man das Drumherum um die Effekte hätte mit irgend etwas füllen können, mit etwas das nicht rein auf Optik beruht. Das ist auch in einem Stummfilm machbar, der ja nun stark auf Optik achten muss. Trotz dieses harten Kritikpunktes steht allerdings fest: „Die Reise zum Mond“ ist eine wichtiges Werk frühen filmischen Schaffens.  OFDb

20.10.2012

ALICE IM WUNDERLAND (1903)

Die kleine Alice sichtet ein weißes Kaninchen, dem sie in einen dunklen Gang folgt. Am Ende dieses Ganges liegt ein Raum mit einer kleinen Tür, der Eingang in eine wundersame Welt, in der es ganz unglaubliche Kreaturen gibt, wie eine merkwürdige Katze die sich immer wieder unsichtbar machen kann, oder eine Gruppe Spielkartenmännchen, die sich als die Soldaten einer Königin entpuppen...

Nicht alles war früher besser...
 
Diese sehr frühe Verfilmung des bekannten Buches „Alice im Wunderland“ ist für Nichtkenner der Geschichte schwer bzw. fast gar nicht verständlich umgesetzt. Man versuchte in 8 Minuten so viel wie möglich einzubauen und versuchte mit Texttafeln die Brücken von einer Szene zur nächsten zu bauen. Mal davon abgesehen, dass die Schrift viel früher verschwindet, als dass man sie in Ruhe zu Ende lesen kann, schafft sie es ohnehin nicht dem nichtsahnenden Zuschauer einen Zusammenhang verständlich zu machen. Klar ist nur, dass alles der Traum der kleinen Alice ist, und dass sie, bis sie erwacht, eine wundersame Welt besucht.

Das kann allerdings auch im groben reichen, um das Publikum zu unterhalten. Dies muss dafür allerdings Erwartungen zurückschrauben. Selbst dann gibt es aber auch innerhalb der einzelnen Sequenzen zu viele Fragezeichen. So bleibt für den Zuschauer, der die Buchvorlage nicht kennt z.B. unklar, was an der Teeparty so verrückt sein soll. Sie wird es einen Hauch, wenn Alice nicht mehr anwesend ist. Und auch die Spielkartenmännchen-Situation wird trotz der vorher eingeblendeter Texttafel in ihrer inhaltlichen Bedeutung nicht wirklich deutlich.

In einer vor über 100 Jahren entstandenen Verfilmung erwartet man sicherlich nicht zu viel. Aber neben der unverständlichen Handlung kommt noch erschwerend eine unbefriedigende Optik hinzu. Eine Teilschuld trägt das Public Domain-Filmmaterial, das natürlich nicht überarbeitet wurde und einem jede Menge weiße Flecken vor die Nase setzt. Dafür können die beiden Regisseure natürlich nichts. Aber auch andere Elemente sind eher störend als aufklärend:

Die Kamera steht meist viel zu weit weg, beispielsweise bei der verrückten Tee-Party, und ausgeleuchtet wurde ebenfalls schlecht. Das sind Fehler, die man zu Zeiten, als das Medium Film in den Kinderschuhen steckte, noch machte. Gerade der Beleuchtungspunkt ist deswegen klar zu verzeihen, die Kamera, die ihre Figuren zu klein im Bild einfängt, meiner Meinung nach nicht.

Spannend bleibt das Gucken mit heutigen Augen dennoch. Ähnlich wie beim 1910er „Frankenstein“ ist es zunächst einmal interessant zu schauen, wie man versuchte eine Geschichte mit Spielfilmlängen-Niveau kompakt in so wenige Minuten zu formen. So etwas hat, zumindest für interessierte Cineasten, schon seinen ganz eigenen Reiz.

Positiv, nicht nur mit dem Abstand vieler Film-erfahrener Jahre, fallen die schlichten, aber doch wirksamen Kostüme auf. Das weiße Kaninchen, das uns ziemlich zu Beginn vorgesetzt wird, zeigt das was uns „Mein Freund Harvey“ später vorenthalten sollte. Es ist schade, dass die Bildqualität so schlecht ist, denn das große weiße Kaninchen hatte ein sehr interessantes Kostüm, mich hätte da ungemein die leider nicht zu erkennende Mimik des Hopplers interessiert.

Besonders schön, da auch endlich einmal angenehm hell, fällt auch die Parkszene aus, in der Alice den Karten-Männchen begegnet. Auch ihre Kostüme sind schlicht aber wirksam zu nennen. Verkörpert werden sie von Kindern, so dass sie kleiner als Alice sind. Denn ebenso wie im berühmten „Das zauberhafte Land“ wird die Hauptfigur von einem, für unsere heutigen Sehgewohnheiten, recht alten Mädel gespielt. Aber das ist ein Zeichen seiner Zeit. Wenn man von alten Damen erzählt bekommt, sie hätten mit 18 noch geglaubt vom Küssen schwanger werden zu können, dann kann man auch verstehen, warum in so frühen Filmen die naiven Gören so alt besetzt wurden.

Mit eines der Hauptanliegen, diesen Streifen zu drehen, dürfte wohl im Anwenden und Experimentieren von Spezialeffekten gelegen haben. Z.B. die Art wie Bewegung und dunkler Hintergrund bei dem Spezialeffekt des Kleiner- und Größerwerdens helfen, ist interessant zu schauen. Allerdings meiner Meinung nach auch höchst uneffektiv, auch verglichen mit anderen Tricks seiner Zeit, teilweise auch mit welchen aus dem selben Film. Simpel sind die Spezialeffekte aus so frühen Zeiten meistens. Das Entstehen der Kreatur im 7 Jahre später entstandenen „Frankenstein“, die kompletten Tricksequenzen des 1 Jahr zuvor erschienenen „Reise zum Mond“, sie alle waren simpel aber glaubhaft getrickst. Das enorme Wachsen und Schrumpfen der Heldin Alice ist es nicht. Dafür wird aber z.B. die Grinsekatze glaubhaft, wenn auch plump, eingesetzt. Ich hätte es zwar schöner gefunden sie in einem so netten Kostüm, wie dem des weißen Kaninchens zu sichten, anstatt verkörpert durch eine echte, recht emotionslos wirkende Katze, dafür ist ihr Erscheinen und Verschwinden für seine Zeit effektiv gelungen zu nennen.

Schlussendlich ist „Alice In Wonderworld“ (Originaltitel) fast ausschließlich wegen seines Alters interessant. Das Buch oder zumindest den groben Inhalt sollte man kennen, um nicht völlig belanglos unterhalten zu werden. Aus Cineasten-Sicht ist das ganze recht interessant, unterhaltsam ist diese frühe Verfilmung jedoch kaum. Selbst wenn man das Alter des Streifens bedenkt wäre mehr möglich gewesen, auch in 8 Minuten bei gleichen Kosten.  OFDb