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19.05.2023

HALLOWEEN - H20 (1998)

"Scream" hatte frisch das Genre des Slashers wieder aufleben lassen, da entschied man sich auch den Ur-Vater dieser Gattung Horrorfilm fortzusetzen, 20 Jahre nach dem Original. Und was soll man sagen? Meiner Meinung nach ist dabei die beste Fortsetzung von Carpenters Original herausgekommen, meisterlich inszeniert von Steve Miner, der bereits mit "Freitag der 13. 2" und "Freitag der 13. 3" bewies, dass er diese Art Film beherrscht. Und ihm gelingt etwas, das wahrlich zu beeindrucken weiß, er bekommt den alten Stil und den seinerzeit modernen gekonnt miteinander kombiniert und konnte damit sowohl die alte Generation Horrorfan, als auch die neue zur Entstehungszeit als Zuschauergruppe gewinnen. Dabei spielen die Teenager gar nicht mal eine solch große Rolle, im Vergleich zur Erwachsenenriege. Und ob heute noch Kids mit dem Ergebnis zu locken wären, sei ohnehin einmal dahingestellt, denn "Halloween H20: 20 Years Later" (Originaltitel) lässt sich Zeit. 

Nach einer intensiven Eingangssequenz, folgt während des Vorspanns eine nostalgisch anmutende Erklärung dessen was Michael ist, damit auch Nichtkenner der Materie mit an Bord geholt werden können. Und dann lässt sich das Drehbuch viel Zeit. Wir lernen die Figuren kennen, erfahren was aus Laurie wurde und wie sie mit den Geschehnissen von einst umging. Und erst wenn sie beginnt zu verstehen, warum Michael ausgerechnet in dieser Nacht nach 20 Jahren auftauchen wird, beginnt das nervenkitzelnde letzte Drittel, das sämtliche Spannungsfäden gekonnt zieht. Dass das Ganze vorher und in dieser Phase trotz bereits bekanntem Muster so derart gut funktioniert, liegt daran, dass das Familiendrama derart intensiv mitschwingt. Mag manches Problem zwischen Mutter und Sohn auch aufgesetzt wirken, das Dilemma zwischen Bruder und Schwester wirkt umso mehr, gerade in den zwei Momenten, in welchen Laurie und Michael sich Auge in Auge gegenüber stehen. Hier herrscht ein Hoch der Gefühle. Selten erlebte die Reihe derart intensive und gleichzeitig psychologisch intelligente Sequenzen wie hier. 

Augenzwinkernd zur Familienthematik treffen Mutter und Tochter aus dem wahren Leben, Jamie Lee Curtis ("Halloween") und Janet Leigh ("Psycho"), aufeinander, inklusive Wortspielerei diesbezüglich und einem versteckten melodischen Zitat aus Hitchcocks Werk, welches neben den italienischen Gialli als cineastischer Vorreiter des Slasher-Genres gilt. Damit an Anspielungen nicht genug: während in "Scream" "Halloween" als Ehrverbeugung im Fernsehen laufen darf, revanchiert man sich im hier besprochenen Werk mit Cravens Slasher im TV. Trotz solch augenzwinkernder Spielereien ist "Halloween 7" (Alternativtitel), der "Halloween 2" fortsetzt und die Teile 4 bis 6 dementsprechend ignoriert (Teil 3 handelte nicht von Michael Myers), ein waschechter Horrorthriller, der nicht wie "Scream" das Sub-Genre ironisch aushebelt, sondern es ein weiteres Mal auf klassische Art serviert. Es ist schön dass dabei nicht eine x-beliebige Fortsetzung entstanden ist, mit original Darstellern von einst an Bord (wie leider mehrfach in der "Terminator"-Reihe geschehen), sondern eine durchdachte, erzählenswerte und konsequente Geschichte, welche die Ereignisse von einst zu Ende erzählt und hintergründig, wie vordergründig das Gesamtwerk abrundet und bereichert. 

Um dies zu unterstreichen, setzt man einen finalen Punkt, der nicht fortzusetzen ist, was mit "Halloween - Resurrection" zwar dennoch geschehen ist, aber nur unter hanebüchenen Ausreden. Die Geschichte ist zu Ende erzählt, und sie würdigt die Straude-Figur weit mehr, als die "Halloween"-Trilogie, die 2018 ebenfalls mit Jamie Lee Curtis an Bord startete und hierfür alle Teile außer den Originalfilm Carpenters ignorierte. Wer sich nicht die kompletten Filme dieser unübersichtlich gewordenen Kino-Reihe geben will, ist mit den ersten beiden Werken und dem hier besprochenen gut bedient. Mag auch "H20" (Alternativtitel) nicht an den genialen ersten Auftritt Myers' heran reichen, er ist dennoch eine hervorragende Fortsetzung, die all das bietet, was man sich von einem guten "Halloween"-Film erhofft - außer man ist nur auf eine Schlachtplatte aus. Für ein derart primitives Ziel ist er viel zu anspruchsvoll ausgefallen und funktioniert dennoch als Unterhaltung- anstatt als Pseudo-Arthouse-Film.  Wiki

17.12.2017

SOULMAN (1986)

Steve Miner schafft es dank eines guten Drehbuches eine gekonnte Balance zu halten um „Soulman“ niemals würdelos, anbiedernd, zu klamaukig oder zu schwermütig erscheinen zu lassen. Der Unterhaltungsfaktor steht im Vordergrund, wird aber mit der nötigen Ernsthaftigkeit, die das Thema zwingend mit sich bringt, gestützt. Man will für das anvisierte Ziel weder all zu gesellschaftskritisch werden, noch soll die Schwere einer solchen Thematik in den Mittelpunkt rücken. Mark ist ein Teenager der Mist gebaut hat. Es geht im Film um seine persönlichen Erfahrungswerte, um seine eigenen Lektionen, nicht um die Erziehung des Publikums, nicht um mahnende Worte an den Zuschauer, nicht um eine Kurskorrektur der amerikanischen Realität der 80er Jahre.

Dies lässt den amüsant zu schauenden Film unverkrampft wirken, ohne dabei gedankenlos zu erscheinen. Wenn der Film gegen Ende aufgrund seiner Rassenthematik und der parallel laufenden Lovestory ernste Töne anschlägt, dann tut dies dem Film nicht nur  gut weil er sich eben in einer solchen umgeschwungenen Thematik befindet, das Verhindern eines Gagfeuerwerks zuvor, wie es manche Teenie-Komödien zu ihrem Funktionieren benötigen, stützt zukünftige Schwerpunkte bereits zuvor, so dass der humorvollere Part kompatibel mit dem ernsteren ist.

„Soulman“ guckt sich lustig,  jedoch nie albern oder humoristisch überfrachtet. Er erntet seinen eher stillen Humor aus Situationen und Personen, ohne übertriebene Begebenheiten herbeizuzwingen. Nur gelegentlich erlaubt man sich klamaukige Ausrutscher, was durchaus legitim ist, wenn man sich in einem solchen Film in die Psyche eines Teenagers hineinversetzen möchte. Herumzualbern gehört zu dieser Lebensphase nun einmal zwingend mit dazu, so dass auch der Film hin und wieder darauf zurückgreifen muss, um das Lebensgefühl seiner Hauptfigur glaubwürdig wiedergeben zu können.

Wie erwähnt machen an dem sympathischen Ergebnis dieses damaligen Kinoerfolges in vielen Punkten auch die Figuren etwas aus, die auch in ihren absichtlich unsympathischen Phasen doch stets menschlich erscheinen. „Soulman“ springt zwischen greifbaren Charakteren und Comicfiguren ebenso hin und her, wie er es im emotionalen Bereich thematisch tut. Dass Rassisten dabei oftmals lediglich zu Witzfiguren werden, tut der entspannten Atmosphäre gut, und die mögliche Einseitigkeit einer solchen Vorgehensweise verhindert man, indem prinzipielle Weltenretter zusätzlich ihr Fett abbekommen.

„Soulman“ ist diesbezüglich ein Kind der 80er Jahre. Das heuchlerische Getue heutiger Tage liegt ihm fern. Wer sich den Minderheiten zu sehr anbiedert, wird ebenso veralbert, wie der Rassist selbst. Und da „Soulman“ ohnehin auf alles schießt, was überhaupt erst aufgrund einer zu starken Extreme entsteht, so z.B. auch das Vorortleben reicher Spießer und die Gedankenlosigkeit verwöhnter Teenager, dreht sich der Mikrokosmos des Films auch nie nur um das eine Thema, ein weiterer Punkt der am fertigen Produkt so zu gefallen weiß. Dass „Soulman“ am Ende nur der nette kleine Film für zwischendurch ist und keinesfalls ein Geheim-Tipp, stört wenig. Miners Film weiß in seiner schlichten Art zu gefallen, steckt mit seiner Romantik gar mehr an als mit seiner seichten Komik und schafft es einfach stets den richtigen Ton zu treffen, fern jener Theatralik zum zentralen Thema, wie sie in heutigen irrationalen Tagen oft legitim in Diskussionen eingebunden wird.  OFDb

19.03.2016

LAKE PLACID (1999)

Steve Miner, ich mag seine Filme, gerade jene aus dem Horror-Bereich. Deswegen wollte ich nach vielen Jahren der Vernachlässigung noch einmal den semi-bekannten „Lake Placid“ sichten, der ebenso wie Miners „House“ das Genre humoristisch nutzt. Interessanter Weise ist dem guten Mann das theoretische Hauptaugenmerk, das Krokodil, ziemlich egal. Hauptsächlich geht es in dem Streifen um die Wortgefechte innerhalb der aus unterschiedlichsten Menschen zusammengewürfelten Gruppe, und glücklicher Weise sind auch genau sie der Motor der den Film zum Laufen bringt. Die Kabbeleien untereinander sind sympathischer Natur. Wer keift wird nicht zum Nervfaktor des Zuschauers wie in anderen Filmen. Und mögen die meisten Figuren auch egoistisch gezeichnet sein, so wachsen sie einem doch alle ans Herz, auch wenn mit keinem von ihnen eine intensive Charakterstudie durchgeführt wird.

Humor hin oder her, Miner hat von Spielberg scheinbar etwas gelernt, denn er lässt uns das Krokodil nur sehr selten sehen, und wenn ist es auch schnell wieder verschwunden. Damit kann man zwar auch über technische Schwächen hinweg täuschen, für sein Erscheinungsjahr ist das Krokodil jedoch glaubwürdig animiert, so dass der Grund der raren Erscheinung entweder in der Kostenfrage zu suchen ist, oder das spärliche Einsetzen des Aggressors atmosphärisch gewollt war, um Szenen möglichst effektiv einfangen zu können und im Zuschauer eine Erwartungshaltung aufzubauen. Was auch immer tatsächlich der Grund war: die Krokoszenen sind geglückt, in ihrer Population gut über den Film verteilt ohne all zu lange Durststrecken vom ungeduldigen Part der Zuschauer abzuverlangen, und sie lassen der Gruppe Menschen in ihren Pausen genügend Raum sich entfalten zu können.

Dabei wird der Schlagabtausch untereinander nie zur Königsübung der Komödienkunst. Man verlässt sich einfach darauf dass die Figuren auf den Zuschauer zu wirken wissen, und bei jenem Teil bei dem das der Fall ist ist dies für das Endergebnis auch die halbe Miete. Wer keine Freude mit den Charakteren hat wird sicherlich auch dem kompletten Film wenig abgewinnen können, folgt die Geschichte doch bis auf wenige Ausnahmen eher überraschungsarm dem typischen Verlauf einer solchen Geschichte, inklusive der obligatorischen Love Story, die sich mit der Zeit langsam aufbaut.

Wer einzig auf Kroko-Action steht, dem werden nicht nur die Auftritte des Reptils zu selten sein und zu harmlos erscheinen, der wird auch mit dem Finale nicht viel anfangen können, das darauf verzichtet noch einmal für einen letzten Paukenschlag auszuholen, wenn alles zu Ende erzählt scheint. Bei „Lake Placid - Der Schrecken aus der Tiefe“ (Alternativtitel) ist mit der Gefangennahme des Krokodils die Geschichte tatsächlich zu Ende erzählt, und das ist in diesem Falle auch gut so, da diese Entscheidung konsequent zu nennen ist. Ein unnötiges, aber sympathisches Schlussgeplänkel zwischen den Liebenden gibt es noch kurz zu erleben, und dann folgt auch schon der Abspann, der ein Schlussbild präsentiert, welches manchen sicher staunen und/oder schmunzeln lässt.

„Lake Placid“ spielt nicht in der ersten Liga der gelungenen Reptilien-Horrorfilme mit. Da gefallen mir Werke wie „Black Water“, „Der Horror-Alligator“ und „Rogue - Im falschen Revier“ doch wesentlich besser. Aber einen Blick kann man durchaus riskieren, wenn man mit humoristisch untermalten Horrorbeiträgen etwas anfangen kann. Sympathische Darsteller bereiten in einem Nichts an Story genügend Freude um das Ende des Streifens nett unterhalten zu erreichen. Und auch die gelungene deutsche Synchronisation hilft dabei.  OFDb

19.04.2015

FREITAG DER 13. 3 - UND WIEDER IST FREITAG DER 13. (1982)

Dieser Teil der Reihe ist meines Erachtens einer der besten, was nicht einzig daran liegt, dass Jason optisch nun endlich zu der bedrohlichen Gestalt wird, für die er schließlich berühmt wurde, aber auch dies ist ein wichtiger Punkt für die Wirkung des Streifens. Freilich braucht niemand besondere schauspielerische Leistungen erwarten, die Darsteller spielen entweder schlecht oder routiniert. Und auf ein besonders pfiffiges Drehbuch braucht man auch nicht hoffen, wird doch oberflächlich betrachtet die immergleiche Geschichte schon wieder abgespuhlt. Es ist dem Händchen von Regisseur Steve Miner zu verdanken, der auch „Freitag der 13. 2“ zu einem angenehmen Ergebnis verhalf, dass „Und wieder ist Freitag der 13." (Alternativtitel) so toll zu funktionieren weiß.

Miner versteht es tatsächlich der zuvor bereits zwei Mal erzählten Geschichte, die sich lediglich vom ausübenden Killer unterschied, noch einmal Spannung einzuhauchen. Ein Blick auf den Vorspann lässt die düstere Wirkung keineswegs erahnen, wird uns dort doch eine peppige 80er Jahre Komposition vorgesetzt, und so umstritten diese auch ist: ich finde sie prima und wesentlich stimmungsvoller als die monotonen, mich stets anödenden Vorspänne der anderen Teile. Zudem schaut es sich nett wie die Schrift in ihrer 3D-Art zu der flotten Musik über den Bildschirm saust. Bei solch einem Vorspann ist man doch gleich positiv ins Filmgeschehen eingestimmt.

Jason befindet sich einige Zeit in der Scheune zum Haus, in welchem die Teenager Urlaub machen. Die Charaktere, wenn man sie so nennen kann, stoßen dort nach und nach auf den nie sterben wollenden Killer, aber noch bevor man denkt dass sich das komplette Geschehen im Kreis dreht wendet sich die Story dann doch in eine andere, wenn auch kaum nennenswerte Richtung, was aber bereits reicht um den Zuschauer bei der üblichen monotonen Geschichte vor der Langeweile zu bewahren.

Bevor das eigentliche Gemetzel mit seinen sympathisch umgesetzten Morden losgeht, dürfen wir einer humoristischen Szene beiwohnen (allein das Grinsen des schwarzen Rockers) in welcher böse Rocker einen Hals auf den Außenseiter Shelly kriegen, der wohl, so wenig er auch gemocht wird, die einzig überzeugende Person des Streifens ist. Zumindest wird er darstellerisch gekonnter verkörpert als die anderen Figuren. Ohnehin sind es die Shelly-Szenen, welche die komplette Vorgeschichte ein wenig interessanter werden lassen, eben weil er so ein Vollhonk ist, der stets die falschen Versuche unternimmt die Aufmerksamkeit der Gruppe zu erhaschen.

Was Shelly an Kurzweile beschert, beschert uns ein kleiner Rückblick die weibliche Hauptrolle betreffend auf atmosphärische Art. Dort erfahren wir recht stimmig inszeniert, dass unsere Heldin schon einmal auf Jason gestoßen ist. Da wird zwar ein unglaublicher unglaubwürdiger Mumpitz erzählt, aber die Waldkulisse weiß zu wirken, die Atmosphäre ist auf einem Hoch, und das Interese des Zuschauers ist gewonnen. Noch ahnt die gute Frau nicht, dass das Erlebnis ihrer Vergangenheit noch nicht beendet ist. Denn recht bald wird sie wieder auf den unheimlichen Mann stoßen, der ihr einst im Wald auflauerte.

Sind die üblichen Übergangsmorde, die sich wie bereits erwähnt sehen lassen können, erst einmal vorbei, kann die Hetzjagd beginnen, mit der wir den Höhepunkt eines Filmes erleben, der schon zuvor zu überzeugen wusste. Nicht nur dass das ganze recht flott erzählt ist, spätestens jetzt ist der Spannungsbogen auf einem Hoch. Wenn der angeblich tote Jason am Scheunentor hängt und die Frau an ihn vorbei muss, hält man den Atem an, ähnlich wie in der vergleichbaren Autoszene aus "Scream 2". Dass Jason nicht tot bleibt ist klar, und genau davon lebt eine solche Szene. Nach Logik darf hier nur der Korinthenkacker fragen. Hier geht es einzig um die Stimmung und den Unterhaltungswert.

„Friday the 13th Part 3" (Originaltitel) ist ein gelungener Slasher der frühen 80er Jahre, und für seine Zeit genau so ausgefallen wie man ihn als Fan dieser Art Film auch erhofft hat. Manches guckt sich heutzutage sicherlich etwas altbacken, die Zeiten haben sich geändert, und das Genre des Schlitzerfilms ist nach wie vor aktuell. Aber die Filme dieser Zeit besitzen ein Flair, an das neue Produktionen nicht heran kommen. Sie versprühen einen vergänglichen Charme der über reine Nostalgie hinaus geht. Der Trumpf der Reihe war schon immer seine trockene, langsame Erzählweise. Was quasi Gift für Produktionen heutiger Tage wäre, wird zum wirksamen Erfolgsrezept der ersten „Freitag der 13.“-Filme. Und bei solch tollen Arbeiten wie sie Steve Miner abgeliefert hat, darf man als Fan schon traurig sein, dass er nicht auch noch Teil 4 inszeniert hat. Miner hat es geschafft den von ihm ebenfalls inszenierten, ohnehin schon stimmigen zweiten Teil noch einmal zu toppen. Aufgrund der mäßigen Ausgangslage, die ihm zur Verfügung stand, war das Endergebnis sicher das Maximum dessen was überhaupt zu erreichen war.  OFDb

08.02.2013

DAY OF THE DEAD (2008)

Ein Virus macht Tote lebendig. Die Seuche verbreitet sich schnell. Eine Gruppe Menschen sucht Schutz in einem Militärbunker...
 
Miners Ausrutscher...
 
Steve Miner, Regisseur solch gelungener Werke wie „House“, „Und wieder ist Freitag der 13.“ und „Lake Placid“ hat sich an einer angeblichen Neuverfilmung von George A. Romeros „Zombie 2“ gewagt und ist aus meiner Sicht zum ersten mal gescheitert. Da liefert Miner nun erstmals eine schlechte Arbeit ab und dann ist sie auch gleich unterirdisch schlecht. Dabei habe ich persönlich nicht einmal sonderlich viel erwartet. Ich wollte nur nett von einem kleinen Untoten-Horror unterhalten werden.

Es hat mich kein bisschen gewundert, dass der Titel nur Augenwischerei ist, so wie bei „Day Of The Dead 2“ oder „Dawn Of The Dead“ von 2004. „Day Of The Dead“ ist keine Neuverfilmung geworden. Der Film beginnt nicht in einer von Zombies beherrschten Welt, hier geht die Epidemie erst los. Zudem ist im fertigen Werk nicht klar erkennbar, ob die Bedrohung nun von Zombies oder von Infizierten ausgeht. Kleine, winzige Elemente sind vorhanden, die leicht an den großen Vorgänger erinnern, aber die sind so minimalst, da könnte man auch „Fright Night“ als Neuverfilmung von „Dracula“ betrachten.

Der Etikettenschwindel war mir ziemlich schnuppe, auf niveauloser Ebene wusste z.B. auch das angebliche Remake von „Zombie“ zu unterhalten, wenn auch nur mit etwas Augen zudrücken. Aber was uns hier mit „Day Of The Dead“ präsentiert wird, ist eine reine Unverschämtheit. Ähnlich wie in „Zombie Night“ erleben wir das gängige „Zombies bedrohen die Welt“-Szenario und das übliche „Menschen kämpfen gegen die Bedrohung“. Eine Story, die es schon hundert mal gab kann dann funktionieren, wenn entweder kleine Innovationen in der Geschichte auftauchen oder die Figuren im Film zu gefallen wissen. Beides ist in diesem kleinen Drecksfilm nicht passiert.

Die Helden sind entweder unglaublich blass (z.B. die Frau vom Militär) oder höchst fragwürdige Gestalten (der schwarze Soldat (macht ständig menschenverachtende Dinge und Sprüche, wird aber als Sympathiefigur eingeführt, ein Film für Faschos?)). Die Geschichte ist so banal, dass wirklich kein Hauch von Eigenständigkeit erkennbar ist.

Innerhalb dieser wichtigsten Enttäuschungen werden nun noch zusätzliche Fehler gemacht, die das Werk nicht einmal mehr zur mageren Routine mutieren lassen. Trotz einigen blutigen Sequenzen wirkt der Film arg clean, zu sehr wie ein Computerspiel. Die Zombies bewegen sich extremst ruckartig, können an der Decke entlang laufen und sind enorm schnell. Letzteres ist, entgegen vielem was man häufig liest, nichts neues im Genre. Bereits in den 80ern in der „Return Of The Living Dead“-Reihe konnten Zombies rennen. Aber diese bewegten sich immerhin im Normaltempo für das Auge mitverfolgbar. Dies war auch bei Zack Snyders „Dawn Of The Dead“ der Fall. Was man sich bei „Day Of The Dead“ unter der hektischen, unnatürlichen Fortbewegungsart dachte wird wohl ein Rätsel bleiben.

Oben erwähnte ich, dass kleine Elemente vom Originals vorhanden sind. Neben diversen Übereinstimmungen von Rollennamen und der Anwesenheit des Militärs (wow, was für ein übereinstimmender Punkt) gibt es ein sehr großes Ärgernis: der dressierte Zombie. Trotz des ab und an aufkommenden Humors im Film reicht es einfach nicht den braven Zombie damit zu erklären, dass er zu Lebzeiten Vegetarier war. Immerhin kommen als Zombie die Urinstinkte, allen voran das Fressen, zurück. Wo andere zivilisierte, angelernte Dinge von Zombies nicht mehr gelebt oder beachtet werden können, wird ein solcher Weichbrötchenbereich moderner sozialkultureller Errungenschaften, wie das Nichtessen von Fleisch, als gesonderte Auswirkung auf das Verhalten Untoter bzw. mutierter Infizierter speziell berücksichtigt. Das ist doch vollkommener Schwachsinn.

Das Problem liegt aber auch darin, dass im heutigen Popkornkino alles auf Kosten der Logik schnell, schnell, schnell gehen muss. Wo im Original der dressierte Zombie das Ergebnis langer Dressur war, mit winzigen Ergebnissen, denen weitere winzige folgten, hat man in diesem gedankenlosen Schnellschussfilm Miners direkt das fertige brave Wesen auf dem Tablett präsentiert bekommen. Da der Typ schon als Mensch gewaltig nervte und nur unsympathisch wirkte, hat er null Chancen plötzlich als Untoter Sympathie zu ernten. Immerhin ist der Kerl der einzige Punkt, der etwas direkter auf seinen Vorgänger verweist. Unter solchen Bedingungen könnte man „Day Of The Dead“ aber auch als Remake von „28 Days Later“ bezeichnen. Da gab es auch Militär, einen leicht dressierten Zombie und die Untoten bzw. mutierten Infizierten waren auch flott auf den Beinen. Im Prinzip hat er mit diesem Werk viel mehr gemein als mit dem Romero Zombiefilm aus den 80ern.

In einem Zombiefilm achtet man nicht ganz so auf die Logik, aber wenn sie derart mit den Füßen getreten wird wie in diesem Möchtegern-Remake, dann kann man auch nicht mehr die Augen verschließen. Die Infizierten sehen aus wie Menschen, dann ist die Inkubationszeit vorbei und sie werden von einer Sekunde auf die nächste hässliche Mutanten. Zombies früherer Filme hatten immerhin noch genügend Zeit unter der Erde zu verschimmeln, Mutanten anderer Filme dieser Art welkten vom Virus hingerafft langsam vor sich hin. Diese plötzliche Blitzmutation ist zu realitätsfern.

Hinzu gesellen sich übliche Unlogiken, wie das sinnlose Munitionsverpulvern trotz einer Bedrohung, die zur weltweiten Katastrophe führen kann. Wenn geschossen wird, wird dabei auch nicht auf die Umgebung geachtet. Da ist ein unterirdischer Gang eines Bunkers, unser schwarzer Fascho, der für die Gangstermentalität fälschlicher Weise als Sympathiefigur eingebracht wurde, ballert mit seinem Maschinengewehr hirnlos umher, obwohl sichtlich jede Menge Röhren im besagten Gang angebracht sind. Der Zuschauer mag diese aus Dekozwecken und der vielen ablenkenden Dinge, die in einem solchen Film nun einmal passieren, ruhig übersehen und deren Nutzen nicht mehr hinterfragen. Die Figur im Film selbst müsste aber mit der Tatsache vertraut sein, dass ein falscher Schuss in einem Gang voller Röhren zu fatalen Folgen führen kann.

Nicht aber im Popkornkino dieses Jahrtausends. Das anspruchslose Publikum von Werken wie „Doom“ und „Transformers“ beachtet diese relevanten Dinge nicht. Intelligenz ist hinderlich für flotte Unterhaltung. Eine traurige Einstellung! Dick aufgetragene Charaktere, die Art warum das Militär wann eingesetzt wurde im Vergleich zum Zeitpunkt des tatsächlichen Ausbruches der Seuche (was war der Auslöser für das Einschalten des Militärs? Wie früh war man sich der Bedrohung bewusst, wenn das Militär wissentlich NICHT von den Wissenschaftlern gerufen wurden, welche die Katastrophe auslösten?) und viele andere Punkte reihen sich in die endlose Schlange unlogischer Elemente mit ein.

Die Geschichte ist uninteressant erzählt, die Figuren langweilig, blöde und beleidigend, das Szenario ebenso. Die Zombies bewegen sich zu hektisch, die Musik ist zu durchschnittlich um gewisse Momente retten zu können, und die Logik ist so hohl, dass sich ihre Abgründe nicht ignorieren lassen. Anfangs gibt es noch den ein oder anderen freiwilligen Lacher, das wäre aber auch das einzig positive, was ich zu diesem Film schreiben kann. Ich habe wirklich keine Ahnung was man an diesem Film finden könnte, er ist unterste Schublade.

Als „Zombie Night 2“ hätte er mich mit seinem Ergebnis nicht sonderlich überrascht, als „Day Of The Dead“ war er allerdings besonders peinlich. Immerhin schreibe ich das als einer der wenigen, denen der Jahre zuvor herausgekommene „Day Of The Dead 2 –Contagium“ auf Trashbasis gefallen hat. Über Steve Miners „Day Of The Dead“ hätte ich genau so geschimpft, wenn er als namenloses Etwas auf dem DVD-Markt erschienen wäre. Der große Name hatte keinen direkten Einfluss auf meine Meinung, nur der Informationen und Vergleiche wegen wurde er in diesem Review ständig mit dem Original verglichen.

Finger weg! Aufgrund seiner großartigen anderen Horrorbeiträge verzeihe ich Steve Miner dieses Filmverbrechen. Aber nächste mal bitte wieder was anständiges drehen, Herr Miner!  OFDb

15.11.2012

FREITAG DER 13. 2 - JASON KEHRT ZURÜCK (1981)

Obwohl das Camp Crystal Lake erst kürzlich Schauplatz einer Mordreihe wurde, begibt sich wieder ein Trupp Teenager dorthin. Was soll schon passieren? Der Mörder wurde seinerzeit getötet. Aber falsch gedacht, kaum im Camp angekommen darf ein Jugendlicher nach dem nächsten sein Leben lassen...

Im Namen der Mutter...
 
In Teil 2 ist es so weit. Killer Jason, den jeder mit der Reihe "Freitag der 13." in Verbindung bringt, darf, nachdem seine Mutter in Teil 1 das Morden übernahm, auferstehen (was weder gezeigt noch begründet wird) und von nun an Teenager morden. Jason hat nach seinem todbringenden Unfall aus Kinderzeiten noch gehörig Wut im Bauch, und dass seine Mutter von einer Camp-Mitarbeiterin getötet wurde, wird kaum dazu führen seine Wut zu mildern. Die Eishockeymaske ist ihm in seinem ersten großen Film allerdings noch fremd. Unser Killer läuft debil mit einem Sack über dem Kopf herum und knallt wegen eines clever eingebrachten Guckloches nicht ständig gegen die Bäume. Bevor er daheim am Crystal Lake mordet, lauert er der Überlebenden aus Teil 1 in ihrer Wohnung auf. Mit dieser Szene wäre dann auch bewiesen, dass er den Crystal Lake bereits vor Teil 8 verlassen hat, was allerdings im Widerspruch zu seinem restlichen Verhalten der Teile 2 bis 7 steht. Ja, die „Freitag der 13.“-Reihe war noch nie der Vertreter von Logik im Gesamtgerüst, eine gewitzte Story und talentierte Darsteller sieht man ebenfalls nur selten.

Wie schafft man es mit solchen Defiziten dennoch einen brauchbaren Film zu machen? Die Antwort darauf zeigte Teil 1, und etwas schwächer, aber noch immer höchst unerhaltsam umgesetzt, schließt sich die Fortsetzung dessem ruhigen und trockenem Erzählstil in stimmiger Atmosphäre an. Steve Miner ist ein Glückstreffer für das Fortführen der Reihe, was er auch mit der zweiten Fortsetzung bewies, die er ebenfalls inszenierte, besitzt er doch das nötige Gespür für die morbide Stimmung, die ein funktionierender Film dieser Reihe besitzen muss. Es ist ein Wunder, dass dieser Regisseur noch immer bei so vielen Menschen unbekannt ist. Außerhalb des Horror-Genres ist das vielleicht noch verständlich, obwohl er mit „Soulman“ einen großen Publikumserfolg und mit „Forever Young“ auch einen geglückten Beitrag im sentimentalen Kinobereich abgeliefert hat. Jeder Horrorbegeisterte sollte diesen Namen allerdings kennen. Außer „Freitag der 13. 2“ und 3 drehte er zudem den ersten Teil von „House“, den dialogfreudigen „Lake Placid“ und er wiederbelebte die „Halloween“-Reihe mit „Halloween – H20“. Das sind unglaublich gute Genrebeiträge. Lediglich seine Neuverfilmung von „Day Of The Dead“ ist schlecht zu nennen und das gleich richtig.

So modern „Halloween – H20“ umgesetzt ist, und so lustig „House“ und „Lake Placid“ erzählt sind, so staubtrocken klassisch sind Miners „Freitag der 13.“-Slasherbeiträge der frühen 80er. Er fängt den See, den dunklen Wald und innere Räumlichkeiten gekonnt ein. Er schafft es in der ersten Hälfte, in der kaum etwas passiert, null Langeweile aufkommen zu lassen, und das bei einem schlicht gestrickten Drehbuch mit nicht gerade vor Talent strotzenden Jungdarstellern. Wenn Jason dann ziemlich verspätet loslegen darf, bekommt Teil 2 den richtigen Schwung, um den Zuschauer auch mitzureißen, so dass dieser mit der Hauptdarstellerin mitfiebern kann.

„Freitag der 13. 2“ punktet kaum mit blutigen Szenen, und der Jasoncharakter hat noch nicht das Kultpotential späterer Fortsetzungen. Diese beiden Punkte machten späteren Regisseuren der Reihe die Arbeit um einiges leichter. Miner liefert ein eher klassisches Erzählmuster im damals modernen Terrorkino ab. Er lässt die wichtigsten Szenen bei Dunkelheit spielen, er zeigt uns gut umgesetzte Verfolgungsjagden durch den Wald, wohl durch Hoopers Kettensägenfilm inspiriert, und mit dem Kopf der Mutter wird auch ein echter Bezug zu Teil 1 hergestellt (was aber wohl eher dem Drehbuchautor zu verdanken sein dürfte).

Obwohl der Vorspann mal wieder kein Ende nehmen will, die Unlogik einen von jeder Seite anspringt, Darsteller eben so viel Mist bauen wie der Schreiber des ganzen konfusen Konstrukts, schenkte Miner dem Horrorfreund einen atmosphärischen, wenn auch nicht sonderlich spannungsreichen, Beitrag des Genres, den man mehr als ein Mal gucken kann. Dass ihm die geglückte Terrormusik des Vorgängers hilfreich zur Seite steht, sollte man fairer Weise erwähnen. Teil 2 ist ein interessanter, wenn auch nicht überragender, Film, der leicht schwächer ausgefallen mit dem Vorgänger mithalten kann und sich zusammen mit diesem und dem dritten Teil der Reihe in einem Guss schaut, bevor der Reihe Auf und Abs beschert wurden und auch bessere Beiträge nie wieder das Niveau der ersten drei Filme erreichten.  OFDb

25.08.2012

HOUSE (1986)

Nachdem seine Tante stirbt, zieht Schriftsteller Roger Cobb in das Haus der Verstorbenen. Dass es hier spuken würde, hat seine Tante immer behauptet, und nun muss Cobb feststellen wie recht sie hatte. Ein ungünstiger Zeitpunkt: Rogers Roman über den Vietnamkrieg muss endlich fertiggeschrieben werden, und ein nerviger Nachbar macht sich Sorgen um den Geisteszustand des Autors...

Tanz der Teufel Junior...
 
"House" ist ein kleiner Klassiker im Bereich der Horror-Komödien. Und auch wenn er sich überwiegend auf den Komödienteil konzentriert, so wird der Horrorpart doch trotzdem mehr als nur gestreift. Vom Typ her ist "House" für mich eine jugendfreundlichere Variante von "Tanz der Teufel 2". Rein thematisch gehen beide Filme in verschiedene Richtungen, aber beide spielen auf die selbe Art und Weise mit dem Zuschauer.

Aufgebaut auf einer  relativ dünnen Geschichte werfen sie beide dem Zuschauer jede Menge Zutaten zum Lachen, Gruseln und Erschrecken zu, so dass man meist nicht vorhersehen kann, was wohl als nächstes passiert. Man muss jederzeit mit allem rechnen, weil man weder Regeln noch Beweggründe kennt. Dass "Tanz der Teufel 2" dabei schlussendlich besser abschneidet, liegt an seiner klareren Linie. Aber auch "House" weiß zu punkten.

Neben seiner sympathischen und eher ruhigen Erzählweise hat Steve Miners Horror-Komödie als Trumpf zwei wirksame Charaktere vorzuweisen. Da wäre zum einen die Hauptfigur Roger Cobb, die in der deutschen Fassung auch eine passende Synchronstimme beschert bekommen hat. Roger ist intelligent, aufgrund privater Probleme zur Zeit etwas neben der Spur, aber vom Herzen her ein guter Mensch. Zum anderen gibt es den herrlich nervigen Nachbarn, der es auf seine schlampige Art nicht einmal schafft seine Bücher zu lesen ohne diese komplett zu zerstören - was laut seiner Ansicht freilich an der Schluderigkeit wie Bücher heutzutage gebunden werden liegt. Diese unterschiedlichen Typen werden allein in ihren gemeinsamen Dialogen konsequent durch ihre Wortwahl stilistisch getrennt, ihr Verhalten entfernt sie noch mehr voneinander.

Weiterer Trumpf des Films ist die düstere Cello-lastige Musik. Sie weiß den Zuschauer zu fangen, so dass dieser sich schnell in der Atmosphäre des Streifens wiederfindet. Hat man sich gerade an den dunklen Sound gewöhnt, wird auch gerne einmal plötzlich ein kleines, flotteres Lied eingespielt. Somit wechselt der Soundtrack ebenso wie die Handlung zwischen Horror und Komödie und weiß mit beidem gelegentlich zu überraschen.

Auch die vielen Kreaturen des Filmes sind fantastisch und mit viel Liebe umgesetzt. Sie wirken heutzutage freilich ein wenig überholt, aber sie sind zumindest noch handgemacht, was sie charmant genug erscheinen lässt um über kleine optische Defizite hinwegzusehen. Wer qualitativ als echter Hingucker herausragt, ist der Endgegner, der Jason schon etwas von sein Aussehen aus „Freitag der 13. 7 - Jason im Blutrausch“ vorwegnimmt und auch gleich den lustigsten Spruch des Films präsentieren darf: "Da komme ich extra aus dem Grab zurück und dann geht mir die Munition aus!"

Was die Geschichte betrifft, so kann ich nicht nur lobende Worte äußern, leider, dabei wurde vieles recht gut umgesetzt. Die wechselnden Erzählstränge zwischen Vietnamkrieg und Gruselhaus laufen interessant parallel nebeneinander her und werden später gut miteinander verbunden. Auch der Aufbau der Charaktere weiß zu gefallen, und ebenso lobend kann man darauf verweisen wie gelungen die ersten Gruselmomente im Haus inszeniert wurden. Im Gegenzug dazu ist das Finale erfrischend flott umgesetzt und mit dem Herabsteigen in die Welt hinter dem Spiegel sogar sehr mystisch eingeleitet. Gerade diese Szene regte meine Phantasie in der Jugend extremst an, und Momente wie jener, als der geflügelte Dämon aus dem Nichts zu kommen schien, verfehlten ihre Wirkung nicht, ganz im Gegenteil.

Andere Elemente werden hingegen leider recht stümperhaft eingeführt. Sehr deutlich zeigt sich z.B. ein Defizit im witzig gemeinten, aber zu ruppigen Übergang, in welchem der Schriftsteller kurzfristig zum Babysitter wird. So witzig einzelne Momente dieses überraschenden Zwischenplots auch ausgefallen sind, er wirkt zu zwanghaft eingebracht, bringt den Erzählrhythmus arg durcheinander, und zum Charaktzer Cobbs will es so gar nicht passen sich derart plump überrumpeln zu lassen. Spätestens wenn Cobb den kleinen Jungen nachts im Gruselhaus badet, macht überhaupt nichts mehr Sinn. Spätestens hier ist man an dem Punkt angekommen zu resignieren, da man in Sachen Nachvollziehbarkeit und Storyzusammenhang nicht mehr viel zu erwarten und zu erhoffen hat.

Am Schluss bleibt einem ein atmosphärisch dichter Film in Erinnerung, der neben einigen ruppigen Elementen im Erzählstrang auch irgendwie etwas lückenhaft und wackelig wirkt. Da man aber die Mühe hinter all dem sieht, die Darsteller mit Spaß an der Freude dabei waren und der Zuschauer immer wieder mit Überraschungen bei Laune gehalten wird, gehört der Film trotz aller negativen Elemente meiner Meinung nach zu Recht zu den kleinen Klassikern seines Genres.

Manche Szenenwechsel sind zu ruppig angegangen, was sich manchmal auch recht unpassend an der ebenso plötzlich abgebrochenen Musikuntermalung zeigt. Im Gegenzug ist der inhaltliche Situationswechsel, von der Babysitter-Situation einmal abgesehen, stets gelungen und weiß den Zuschauer immer wieder auf andere Art zu überraschen. Humor und Grusel geben sich die Hand und vereinen sich trotz Herstellungszeit-bedingter Gemütlichkeit zu einem flotten Cocktail, der nicht nur Horrorfans gefallen wird.  OFDb