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21.10.2023

EVIL DEAD RISE (2023)

Da ich das Remake "Evil Dead", welches gleichzeitig eine Fortsetzung der Erfolgsfilme Raimis sein soll, nicht gerade toll fand, bin ich ohne große Erwartungen an die späte Fortsetzung "Evil Dead Rise" herangegangen. Die lässt das allbekannte Szenario diesmal in der Stadt, anstatt im Wald spielen, beschränkt sich dabei auf eine Wohnung in einem größeren Wohnkomplex. Und wie die Figuren, für die sich das Drehbuch nicht wirklich interessiert, sich den von einem Dämon reanimierten Toten widersetzen, ist so kurzweilig wie inhaltsarm ausgefallen, weiß also durchaus bei geringem Anspruch zu unterhalten (quasi auf dem Niveau der Neuverfilmung "Night of the Demons"), aber stünde nicht Evil Dead im Titel, würde kaum wer von diesem Fließbandprodukt reden. Ja, es bietet Gore in Massen, aber das tut die Konkurrenz im Meer an Veröffentlichungen dieses Genres dieser Härte auch. 
 
Der Film würde kaum bemerkt werden, wenn er nicht als angebliche Fortsetzung der mit "Tanz der Teufel" begonnenen Kultreihe gelten würde. Dabei hat er nicht wirklich etwas mit diesen tollen Filmen zu tun. Hier gibt es nicht nur einen anderen Dämon, der aufgrund eines anderen Buches wütet, hier bewegen sich die Besessenen zudem wie aus einem asiatischen Horrorfilm a la "Ring" entlaufen, was keine Verwandtschaft zu den Wesen aufweist, die Ash zu bekämpfen hatte. Wenn dann noch geäußert wird, Ziel dieser Kreaturen wäre es Chaos zu verbreiten, dann kann man nur den Kopf schütteln, dann wurden die ersten zwei Langfilme dieser Reihe so gar nicht begriffen, die deutlich machten, es hier mit etwas Übernatürlichem zu tun zu haben, das davon lebte Menschen in den Wahnsinn zu treiben. Analytisch findet in "Evil Dead Now" (Alternativtitel) ohnehin nichts statt, der Film kommt ähnlich geistlos daher wie seinerzeit die enttäuschende Wende der Reihe mit "Armee der Finsternis". Obwohl der mehr Innovationen bot, gefällt mir das unkreative Treiben im hier besprochenen Film trotzdem eine Spur besser, einfach weil das alles sehr flott und kurzweilig umgesetzt ist, wenn auch gleichzeitig arg belanglos und schnell vergessen. 
 
"Evil Dead Rise" ist Horror-Fast Food. Schade dass eine einst so einflussreiche Kinoserie scheinbar nicht mehr in der Lage ist zu mehr zu taugen, zumindest so lange, bis man den Zuschauern wieder mehr Grips und Aufmerksamkeitsspanne zutraut.  Wiki

17.09.2022

DOCTOR STRANGE IN THE MULTIVERSE OF MADNESS (2022)

Obwohl der Doktor für die derzeitige Marvel-Welle unglaublich wichtig ist und quasi in die Fußstapfen von "Iron Man" tritt, hat es sechs Jahre gedauert, bis eine Fortsetzung von "Doctor Strange" gedreht wurde. Zwischenzeitlich war er als Sidekick in anderen Werken der Marvel-Schmiede tätig und trumpfte insbesondere in "Spider-Man 3 - No Way Home". Sein zweiter eigener Film war für viele Fans also eine lang erwarteter Traum, und nun wo er erschienen ist, ist er leider nicht so gut ausgefallen wie sein Vorgänger, auch wenn man den Verantwortlichen des Streifens nun wirklich keine mangelnde Kreativität vorwerfen kann. Was hier oftmals nur für Augenblicke für Welten und Kreaturen erschaffen werden, um den wilden Ritt dem wir beiwohnen gekonnt zu thematisieren, bereitet jede Menge Vergnügen. Und eine wendungsreiche Geschichte, in der es für Stammies im Marveluniversum auch zu manch überraschendem Gastauftritt kommen kann oder zu verdrehten Spielereien mit liebgewonnenen Figuren, sorgt dafür dass die Geschichte selbst zu interessieren weiß. 

Leider setzt diese eine Person als Hauptaggressor ins Zentrum, die weder optisch oder mystisch zu überzeugen weiß, noch von ihrer Motivation her. So baden viele Momente kurzfristig in Familienkitsch, dargeboten anhand schrecklicher Kinder, die ich so nie haben wollen würde. Und mag der Kitsch auch nur phasenweise aufkeimen, der dem zugrunde liegende Antrieb des Bösewichts zielt derart penetrant auf ein Frauenpublikum, dass es sich wie eine Anbiederung der derzeitigen unangenehmen Entwicklung in Hollywood anfühlt. Das würde es nicht einmal, wenn der Kampf um eine Familie, die man nicht besitzt, etwas erwachsener angegangen würde, aber wir befinden uns nun einmal in einem Marvelfilm, und die Eigenschaft alles in ein trivial naives Erlebnis zu tauchen, die manch andere Elemente überhaupt erst reizvoll macht, lässt die Gefühlswelt des Antagonisten der Chose scheitern. Und das betrifft somit einen großen Teil des Films und nicht nur eine Randerscheinung. Glücklicher Weise hält Cumberbatch in seiner herrlich arroganten Art wunderbar dagegen, ebenso Regisseur Sam Raimi, der freilich wieder manchen Horrormoment innerhalb eigentlich anderer anvisierter Genres zaubert. An abgedrehten Szenarien mangelt es nicht, Humor, Action und kreative Sehwerte gibt es zu genüge. Das Ganze läuft nur nicht mehr so kompromisslos rund wie im Erstling. Dies einmal akzeptiert wird man aber dennoch kurzweilig unterhalten innerhalb eines Streifens, dem es nicht an Ideen mangelt, auch wenn der grobe rote Hauptfaden dem üblichen Ereignismuster folgt.  OFDb

18.06.2022

BLACK FRIDAY - ÜBERLEBENSCHANCE STARK REDUZIERT! (2021)

Bruce Campbell ist Kult. Das zeigen Werke wie "My Name is Bruce" deutlich. "Black Friday - Überlebenschance stark reduziert!" hat der gute Mann mitproduziert, inszeniert hat ihn Casey Tebo, der zuvor lediglich den Horrorfilm "Happy Birthday" gedreht hat, der im Gegensatz zum hier besprochenen Streifen ein ernster Beitrag seines Genres ist. "Black Friday" (Originaltitel) schwimmt in der Welle der Zombie-Komödien mit, die seit "Shaun of the Dead" noch immer beliebt genug sind, distanziert sich ähnlich wie Campbells Ur-Bühne "Tanz der Teufel" inhaltlich zwar vom klassischen Zombie-Bereich, hebt sich trotz einiger Varianten zur immergleichen Thematik kreativ im Gegensatz zu Raimis großem Kultfilm jedoch nicht aus der Masse hervor. Zu sehr folgt der nicht unsympathische Film dem klassischen Erzählmuster, zu wenig hat er an Innovationen hinzuzufügen. Mit den Figuren wird man erst zu spät warm, als dass sie einen das zu bekannte Szenario ignorieren lassen könnten. Zumindest ist das Ganze flott inszeniert, man verliert weder zu viel Zeit bis die Post abgeht, noch verursacht man damit einen Leerlauf durch Übersättigung. Nach etwa 30 oder 40 Minuten gönnt man sich jene Ruhe, die es braucht die Charaktere kennen zu lernen. Hier bedient sich das Drehbuch deutlich an der Methode von Hughes "Der Frühstücksclub", wenn ein jeder in künstlich zusammengefügter, aber allmählich vertraut gewordener Gesprächsrunde die Fassade fallen lässt, wenn im Gegensatz zum Vorbild auch fremd- anstatt selbstverurteilend angegangen. 

Campbell selbst spielt nicht die Hauptrolle, darf lediglich eine große Nebenrolle bekleiden, was das Ergebnis jedoch nicht schwächt, füllt er diesen Part doch gewohnt brauchbar, wenn auch sichtlich gealtert, aus. Er lässt den Hauptcharakteren höflich den nötigen Raum für ihr Wirken. Letztendlich sind aber auch die besser herausgearbeiteten Figuren lediglich Statisten in einer großen Horrorshow, die inmitten meist handgemachter Spezialeffekte von glibbrigen Mutanten, Würmern und anderem Geschleim bevölkert wird, was wahrlich nett anzusehen ist. Wenn der Endgegner in Erscheinung tritt, wird nicht, wie es im heutigen Blockbuster-Kino üblich ist, ordentlich in die Kacke gehauen, sondern urplötzlich im 80er Jahre-Stil des Genres vorgegangen, was zu gefallen weiß, auch wenn man für diesen Zweck auf sehenswerte Einsätze des finalen Giganten verzichtet. Dass der Spielort des kompletten Filmes nicht ohne Grund an Romeros prägendes Untoten-Werk "Zombie" erinnert, ist kein Zufall. Letztendlich funktioniert "Black Friday", trotz der Gegenüberstellung von Kundenverhalten und Zombies, jedoch weit weniger als Satire als dieser, geht aber gelungen und vielseitig mit der Spielerei zu dieser Thematik um, ähnlich wie es der deutsche Beititel versucht. Da "Black Friday" nichts anderes als kurzweilige Monsterunterhaltung bieten will, ist das auch kein Kritikpunkt. Den Vorwurf inhaltlich nicht all zu kreativ vorgegangen zu sein, müssen sich die Verantwortlichen dieses Streifens jedoch gefallen lassen. Das Ergebnis ist trotz sympathischer Kurzweile im Durchschnittsbereich etwas zu spürbar Produkt, schlichtweg zu sehr kalkulierter Standard. Den Mut den man in Zeiten von CGI in die handgemachten Effekte gesetzt hat, wäre ebenso im Drehbuch-Bereich wünschenswert gewesen.  OFDb

26.01.2020

SPIDER-MAN 3 (2007)

Die symbiotisch wundervoll zusammen passenden Filme "Spider-Man" und "Spider-Man 2" erhalten im Abschluss der Trilogie leider nicht selbigen Zusammenhalt vom letzten Teil der Gesamtgeschichte, kommt dieser trotz gleicher Besetzung und Crew doch recht anders daher. Interessierten sich die Vorgänger überraschend eindringlich für die Psychologie der Figuren und deren Leiden, so wird bei "Spider-Man 3" hauptsächlich auf den Kampf gegen Superschurken geachtet, von denen es gleich drei an der Zahl gibt. Das überfrachtet den Film leider, da er stets darum bemüht ist, jeglichen Hintergrund der jeweiligen Figuren gerecht zu werden. In einem 3-Stunden-Film hätte das vielleicht sogar funktioniert, aber auf 130 Minuten kommen durch diese Hintergrund-Hatz der Tiefgang der eigentlichen Hauptfiguren zu kurz, die man, im Versuch die Situation zu retten, charakterlich zu sehr veränderte. Peter ist ein vom Erfolg geblendeter Egomane geworden, noch bevor er vom Alienparasit befallen wird, was aufgrund mangelnder Heranführung an diesen Charakterstatus unglaubwürdig wirkt. Und so selbstbezogen Mary Jane auch immer charakterisiert war, die Egonummer, die sie hier in der Vorgeschichte zum Besten gibt, ist kaum zu ertragen.

Freilich kommen trotz gegenteiliger Bemühung auch die Superschurken zu kurz. Die meiste Laufzeit nimmt dabei ausgerechnet der Sandmann ein, dem man einen tragischen Hintergrund wie einst Doktor Oktopus beschert, leider, wie bei den Hauptfiguren, jedoch ohne psychologische Stimmigkeit zu beachten. Das Leiden des Sandmanns ist plakativer, oberflächlicher Art, gebadet in den Klischees die zum Spider-Man-Universum dazu gehören. Der krampfhafte Versuch einer CGI-Kreatur eine tragische Mimik untermalt von theatralischem Hintergrund-Sound zu bescheren, wird zu einer der unangenehmsten Szenen in einem Film, der nur noch mit dem Holzhammer daher kommt, anstatt so sanft und leichtfüßig wie die beiden Vorgänger. Es ist das Glück des Streifens, dass er sich in seinen Actionszenen gelungen guckt, womit genau das zum rettenden Element wird, was in den Vorgängern fast schon Nebensache war. Das macht das Ergebnis nicht gleichwertig gelungen, da vieles zu gewollt daher kommt, inklusive der Phase, in welcher Peter billig frisiert zum Egomanen wird, macht aus dem Film aber zumindest eine unterhaltsame Sache, weit unter dem Niveau der Vorgänger.

Erst gegen Ende bekommt "Spider-Man 3" jene Chemie zurück, welche auch die Teile 1 und 2 trotz aller Klischees und Stereotype zu solch wundervollem Popkorn-Kino machte. Hier dürfen nun wieder die Gefühle überbrodeln, und Schicksale ereilen die Hauptfiguren, die durch diese geprägt nun endgültig ins Erwachsenenleben wechseln. Das toll anzusehende Action-Szenario des Finales macht nun verspätet deutlich, warum es wichtig war Spider-Man derartig viele Gegner um die Ohren zu hauen, was ein weiterer Bestandteil dafür ist, dass man aufgrund der letzten halben Stunde so versöhnlich mit einem Film abschließt, der eigentlich viel zu vieles falsch macht. Aber auch diese bessere Phase des Streifens lässt nicht über den Fehler hinweg sehen, dass die Figur des Venom, die zu den interessantesten der Comicvorlage zählt, eine derart geringe Beachtung erhielt, ausgerechnet jene Figur, über deren Präsenz in Filmform sich jeder Fan im Vorfeld gefreut hat. Es sollte 11 Jahre dauern, bis dem Comicfreund mit "Venom" ein würdiger Film vorgesetzt wurde, jedoch frei von der Figur des Spider-Man erzählt.

Dessen Teil 3 ist eine wackelige Angelegenheit, die wie ein Fremdkörper in der eigenen Trilogie wirkt. Ob man trotz aller Schwächen aufgrund der funktionierenden Elemente wohlgesonnen wie ich auf das Werk blickt, oder komplett enttäuscht, hängt wahrscheinlich von den Erwartungen ab und davon, ob man sich für das oberflächliche Tamtam interessieren kann, welches hauptsächlich von funktionierender Action und guten Spezialeffekten lebt. Interessanter Weise ist "Spider-Man 3" genau wegen dieser Haupteckpfeiler eher dem heutigen Marvel-Fan zu empfehlen, der sich lieber an Schauwerten ergötzt, anstatt an einer erzählenswerten Geschichte, als den Bewunderern der ersten beiden "Spider-Man"-Teile. Es ist schon schade, dass man diesen außen vor ließ, um sich einem anderen Publikum anzubiedern.  OFDb

SPIDER-MAN 2 (2004)

Die Figuren sind vorgestellt und vertieft, das Gefühlsdilemma Peters gestreut und am wirken, nun kann Teil 2 auf all dem bauen, was "Spider-Man" vorbereitet und gesät hat. Da bleibt mehr Zeit für den Gegner, der ausführlicher beleuchtet wird, zwar nicht besser besetzt ist als der olle Kobold im Vorgänger, aber die interessantere Figur verkörpert. Dass mir der Dramen-, Komik- und Abenteuerbereich der Geschichten um Spider-Man mehr zusagt als die Kämpfe gegen Superschurken, wurde in meinem Text zum Erstling sicherlich deutlich. Deswegen freut es mich auch so sehr, dass in einem Film, in welchem der Superschurke mehr in den Vordergrund rückt, der Gegner kein reiner Fiesling ist, sondern eine Figur mit dramatischem Hintergrund. Er ist nicht nur eine leidende Figur, sein an Schizophrenie erinnerndes Verhalten, bei dem man nie weiß wie viel Einfluss von den künstlichen Intelligenzen ausgeht und wie weit eine selbstständige psychische Erkrankung mitspielt, ausgelöst durch das Selbstverschulden des Todes der geliebten Ehefrau, macht die Figur ebenfalls zu einem interessanten Gegner.

Parallel zu dieser Geschichte mag Peters Entscheidung nicht mehr Spider-Man sein zu wollen etwas aufgesetzt wirken, (und sein Grund zurückzukehren, nach einer billig manipulierenden Ansprache seiner Tante, wirkt ebenso wenig überzeugend), der Comicstil, in welchen Sam Raimi das Geschehen wieder einmal badet, fängt dieses Klischee jedoch gut ein, ist doch auch die Fortsetzung leichtfüßig und augenzwinkernd erzählt, sich auch nicht zu schade für manche Albernheiten in seinem erhöhten Humoranteil, und so leidet die Stimmung und Qualität des Streifens nicht an solchen Pseudo-Dramaturgien. Zudem punktet die Fortsetzung mit den selben Stärken des Vorgängers, funktioniert die restliche Dramaturgie doch um so besser, sei es die verzweifelte Liebe zu Mary Jane, das Schuldgefühl am Tode Bens, oder Harrys Rachegelüste an Spider-Man, den er für den Mörder seines Vaters hält. Inmitten dieser wundervollen Gefühls-Auf und -Abs zwischen Abenteuer, Traurigkeit und Fröhlichkeit, gesellen sich kompatibel düstere Momente mit ein, die einen daran erinnern, dass der Regisseur einst mit "Tanz der Teufel" und manch anderem Werk, aus der Ecke des Horrorfilms kommt. Fast unauffällig sind solche Momente integriert, beispielsweise wenn wer Unbekanntes auf ein unheimliches Geräusch reagiert, welches sich als Doktor Oktopus entpuppen wird, aber sie sind da, meist um das Grauen um den Bösewicht als Gegenpol zu seiner tragischen Figur stärker zu gewichten.

Somit wurde auch in "Spider-Man 2" alles richtig gemacht, damit er sich gemeinsam mit Teil 1 funktionierend wie eine große Geschichte guckt, so dass Freunde des Vorgängers nichts an der Fortsetzung zu beklagen haben dürften. Eine Ausnahme bietet lediglich manche Ungereimtheit zeitlicher Natur, was aber auch eventuell an der deutschen Synchronisation liegen kann. Laut dieser jammert Mary Jane ihr langjähriger Freund würde nie ihr Stück besuchen, obwohl die beiden erst seit zwei Jahren befreundet sind (zuvor ignorierte sie ihn). Und dass Mary Jane in diesen zwei Jahren gleich ein derartiger Theaterstar geworden ist, der Peter von großen Plakaten aus anguckt, ist auch nicht gerade glaubwürdig. Glücklicher Weise betreffen derartige Fehler lediglich nur Randgebiete der Geschichte, während alles andere durchdacht genug ist, um innerhalb eines kurzweiligen Unterhaltungsfilmes glaubwürdig für gute Laune zu sorgen. Manch einem mag das Ende sauer aufstoßen, meiner Meinung nach atmet diese Schlusssequenz jedoch genau jene Kinomagie, für welche das Popkorn-Kino existiert, vergleichbar mit dem wundervollen Schluss des ersten "Fluch der Karibik", dem "König der Welt"-Moment aus "Titanic" oder dem finalen Off-Kommentar aus "Matrix". "Spider-Man 2" ist eine runde Sache, gerade auch in Zusammenarbeit mit Teil 1, und es wäre, gerade auch aufgrund der Schlusssituation, schön gewesen Teil 3 hätte daran ebenso kompatibel angeknüpft. Leider ist dies nicht passiert.  OFDb

14.01.2018

ARMEE DER FINSTERNIS (1992)

Nachdem mit „Within the Woods“, „Tanz der Teufel“ und „Tanz der Teufel 2“ Sam Raimi drei Mal die selbe Geschichte leicht variiert erzählte, bescherte er mit „Armee der Finsternis“ der dritten Version eine richtige Fortsetzung, die inhaltlich mit leichten Veränderungen versehen dort anknüpft, wo der Vorgänger tatsächlich endete. Leider sind es nicht nur die veränderten Momente im Vergleich zur Schlussszene von „Tanz der Tejufel 2“, die beide Werke wenig kompatibel miteinander wirken lässt, auch die fehlende Hartnäckigkeit der übernatürlichen Gegner, ihre Art wie man sie töten kann und ihre Motivation zu tun was sie tun sind nicht kompatibel mit den kaum kaputt zu kriegenden Wesen der Geschichte in der Hütte. Aus einem leicht großmäuligen Ash wird nun zudem ein arg dümmlicher Prolet, der nun mehr denn je unreflektiert die Fresse aufreißt und beleidigendes, wie dusseliges Zeug von sich lässt. Er suhlt sich in seinem Heldentum, ist zu dumm sich drei fremdsprachige Worte zu merken (die man augenzwinkernd aus „Der Tag, an dem die Erde stillstand“ entlieh) und baggert Frauen mit plumpsten Methoden an.

Nachdem Sam Raimi bereits „Tanz der Teufel 2“ mit allerhand Komik versehen hatte, zerstört er in der Fortsetzung nun das angenehme Gleichgewicht beider Genres und lässt es komplett in Komik baden. Was zu Beginn unakzeptabel, aber halbwegs funktionierend in Ordnung geht, verkommt bei der Ankunft in einer Mühle zu einer Blödelorgie, die jegliches bisher gekanntes Niveau vermissen lässt. An sich ist die Mühlenszene als Parallelszene zum Vorgänger gedacht, der einzige Ort an dem Ash alleine ähnliches wie in der Hütte passieren kann. Nur achtet Raimi in „Army of Darkness“ (Originaltitel) lediglich auf optische Raffinessen, missachtet beim durchaus kreativen Spiel gegen die Dämonen jeglichen psychologischen Aspekt und übrig bleiben trotz der Idee teuflischer kleiner Ashs und dem Wachsen eines zweiten Ashs aus dem eigenen Körper heraus lediglich kindlische Spielereien, die mich damals in der Jugend noch zu belustigen wussten, mich bei der Neusichtung jetzt jedoch nur noch genervt haben.

Ein Blick ins Zusatzmaterial der DVD verrät, dass die Mühlenszene ursprünglich als unheimliche Szene gedacht war. Hier erlebt man den einzigen Moment, der wahren Horror aufkommen lässt und stilistisch perfekt zu den Vorgängern passt. Allerdings hätte diese wunderbare Szene tatsächlich keinesfalls zu „Armee der Finsteenis“ gepasst und dessen Tempo für einen unnötigen Stilwechsel abgebremst. Es ist schade dies eingestehen zu müssen, wenn man doch sehen darf wie stilsicher Raimi dort immer noch zu arbeiten weiß, aber es macht deutlich wie sehr dem Regisseur daran gelegen war mit „Evil Dead 3“ (Alternativtitel) etwas anderes abliefern zu wollen. Das wäre gar ein lobenswerter Ansatz, wenn die Alternative zum bisher dargebotenen auch die Substanz der Vorgänger besitzen würde, aber an „Der Totentanz der Teufel 3“ (Alternativtitel) ist alles nur vordergründiger Zauber, optische Augenwischerei, die jegliches geistige Hinterfragen nicht besteht.

Ashs Wanderung zum Necronomicon funktioniert lediglich aus Comicsicht und hält keinerlei Logik stand, nicht einmal bei der Frage warum nicht wer anders längst zum besagten Friedhof ritt. Zwar macht das Einbauen von Comic- und Cartoonkomik, wie das Vogelgezwitscher nachdem Ash etwas gegen den Kopf gestoßen ist, deutlich sich eben jenem Bereich absichtlich zuwenden zu wollen, aber das reicht in einer solch dünnen und konstruierten Geschichte wie der hier erzählten leider nicht um den kompletten Wahnsinn stemmen zu können. Warum Ash final gegen seinen bösen Zwilling kämpfen darf, dieser zum obersten Machthaber einer optisch nett anzusehenden Skelettarmee wird und warum diese mit relativ harmlosen Methoden so leicht außer Gefecht zu setzen sind, lässt sich alles nicht erklären, will Raimi auch gar nicht erklärt wissen, denn ihm geht es um optische Verrücktheiten, um den Spaß am Nonsens und um den Drang möglichst viele Spezialeffekte einsetzen zu dürfen und dafür Momente zu schaffen, die 1987 mit dem damaligen Budget nicht umzusetzen gewesen wären. Wieder ist alles handgemacht, das freut, aber das arge Bemühen besonders schwer umzusetzende Szenen zu realisieren, lässt die Effekte viel veralteter wirken als jene aus dem Vorgänger, die noch immer ein Staunen zu  verursachen wissen.

So oder so, mit allem was Raimi will macht er den „Tanz der Teufel“-Mythos etwas mehr kaputt, und leider will „Armee der Finsternis“ auch für sich allein stehend für mich nicht funktionieren. Raimi erreicht trotz des Verzichtes auf Splatstick die Geistlosigkeit von Peter Jacksons „Braindead“, dabei wäre es eher schön gewesen Jackson hätte sich dem Niveau Raimis angepasst. Aber so waren die 90er Jahre des Horrors bevor „Scream“ daher kam. Das Genre war kaputt, wurde mit zu viel Humor verwässert, und wie typisch für dieses Filmjahrzehnt gab man auch nichts mehr um intelligente Hintergründe, analytische Grundlagen, ja nicht einmal mehr was um interessante Charaktere. Selbst Ash ist keiner mehr. Bei einem derartig verwässerten Ergebnis freut es mich um so mehr, dass man sich 30 Jahre später in der Serie „Ash vs. Evil Dead“, trotz des kommerziellen Erfolges des hier besprochenen Filmes, wieder mehr an „Tanz der Teufel 2“ orientierte anstatt an „Armee der Finsternis“, der leider nur die dümmliche Kinderfilmvariante eines einst so interessanten Stoffes wurde.  OFDb

03.01.2018

TANZ DER TEUFEL 2 (1987)

Nach „Within the Woods“ und „Tanz der Teufel“ erzählt Sam Raimi nun zum dritten Mal seine Geschichte um böse Dämonen im Wald und lässt hierfür erneut eine Figur namens Ash in die legendäre Waldhütte reisen. Zwar ist es diesmal jener Ash, mit dem es in den fortsetzenden Projekten zu „Tanz der Teufel 2“ auch weitergehen soll, so dümmlich wie in „Armee der Finsternis“ und „Ash vs. Evil Dead“ wird er jedoch nicht gezeichnet. Er wirkt etwas unsicher, ist, wie es jeder in dieser kaputten Situation wäre, völlig überfordert, und sein Grundcharakter ist einfältig zu nennen, aber dumm ist er eigentlich nicht, dafür handelt und argumentiert er in Relation zu der wahnwitzigen Situation, der er gegenübersteht, relativ rational, und auch seine großmäulige Ader ist noch nicht derart ausgeprägt wie in den Fortsetzungen und zeigt sich nur gelegentlich in manch sexistischen Harmlosigkeiten am Rande.

Raimi tut gut daran den Stoff einmal humoristisch aufzuarbeiten, ist sich aber auch des perfekten Mixes aus Horror und Komik bewusst. Es dauert gar einige Zeit bis sich aus dem düsteren Treiben die schwarze Komik herauskristallisiert, so gekonnt wechseln sich beide Genres ab, bzw. gehen sie Hand in Hand, womit „Evil Dead 2“ (Originaltitel) stilistisch weit vom humordominanteren Nachfolger „Armee der Finsternis“ entfernt ist. Am besten passt wohl der Vergleich zum ersten „The Return of the Living Dead“ wenn man das Zusammenspiel von Humor und effektiven, spannungsgeladenen Horrorszenen beschreiben müsste. Hier wie dort stehen Grusel, Schock, Wahnsinn und Momente des Schmunzelns und des Lachens zielsicher nebeneinander, ohne einander zu behindern, sondern ganz im Gegenteil ein fruchtbares Miteinander zu führen, welches den Zuschauer in ein Abenteuer entführt, welches bis heute von der Konkurrenz unerreicht bleibt.

Raimi und seiner Crew stehen sichtbar mehr Dollar zur Verfügung, so dass Spezialeffekte für seine Zeit zu überzeugen wissen, weniger überzeugende Momente gar absichtlich unprofessionell eingebracht scheinen, um die Einfältigkeit von Ashs Charakter auch in die Grundatmosphäre des Streifens integriert zu bekommen. Nicht nur dass es den Verantwortlichen des Streifens keineswegs an kranken Ideen mangelt - die bekommt man hier am laufenden Meter geboten - die visuelle Umsetzung bringt den Zuschauer mehr als gelegentlich zum Staunen und weckt in jungen Gemütern hin und wieder ihre Phantasie. Allein den lebenden Wald beobachten zu dürfen, ist eine optische Wucht für sich, freilich alles 1987 noch handgemacht umgesetzt.

Die Handlung des ersten Langfilmes wird komprimierter umgesetzt. Bereits der Vorgänger des hier besprochenen Filmes stieg zügig ins Geschehen ein. Raimi erwartet, dass der Zuschauer den Grundplot nach zwei Erzählungen bereits kennt und schafft es die Ausgangslage in etwa 5 Minuten abzuarbeiten, ohne dass sich „Der Totentanz der Teufel 2“ (Alternativtitel) deswegen ungemütlich und zu gehetzt schaut. Der Grundton stimmt, der Zuschauer wird nicht enttäuscht, und selbst wenn es in der Ausnahme einem Zuschauer nicht schmecken sollte, er würde nicht lange meckern, nutzt Raimi diesen rasanten Einstieg doch für die Chance sich für einen Aspekt mehr Zeit zu lassen, den er in „Tanz der Teufel“ nur bedingt thematisieren konnte: Ashs einsamen Kampf gegen das Böse in der Hütte. Von einigen wenigen Szenen zukünftig wichtiger Figuren einmal abgesehen, besteht die Hälfte der Laufzeit von Teil 2 aus einer One Man-Show Bruce Campbells, der sich als Ash sämtlichen Bedrohungen entgegensetzen muss.

Klassisch beginnt das Szenario mit dem Körperbesitz der Freundin durch einen Dämon (im weiteren Verlauf darf es diesmal auch männliche Körper treffen), ein Szenario welches auch nach derer Beerdigung mit allerhand skurriler Ideen vielschichtig ausgeschlachtet wird, während Ash es ansonsten mit dem Inventar der Hütte zu tun bekommt, da die Dämonen diesmal wirklich alles besetzen können, bishin zu Ashs eigenem Körper. In einer der legendärsten Szenen besetzen die Dämonen Ashs Hand. Hier kann Campbell sein komplettes Können in Sachen Schauspielerei und Grimassenreißerei unter Beweis stellen, gönnt man ihm bei dieser grandiosen Darbietung doch seine One Man-Show, die freilich stilistisch viel dicker aufgetragen ist, als all das kranke Geschehen des bereits nicht zurückhaltenden Vorgängers. Selten ist dies der Fall, doch diesmal gefällt mir die lautere, wildere und schrillere Variante ein und des selben Stoffes mehr als die noch ansatzweise subtilere, wesentlich düstere Vergleichsversion, sprich ich liebäugel mit „Tanz der Teufel 2 - Jetzt wird noch mehr getanzt“ (Alternativtitel) mehr als mit dem ebenfalls hervorragenden „Tanz der Teufel“, eben weil hier so ziemlich alles perfekt ineinander greift. Lediglich manche zeitlichen Aspekte, meist wenn Ash aus der Kameraperspektive heraus von etwas Unbekanntem verfolgt wird, sind nicht glaubwürdig umgesetzt.

Lauter und weit weniger subtil ist freilich auch das Zentrum des Vorängers eingefangen: das Spiel mit Normalität und Irrsinn, dem Abrutschen in den Wahnsinn, dem Versuch diesem zu entkommen, die Normalität wieder halbwegs herzustellen, die Frage nach den Grenzen beider Bereiche und der Frage welche Tat inmitten von Irrsinn als rational angesehen werden kann und welche nicht. Wenn Ash in der ersten Filmhälfte seine One Man-Show zelebrieren darf, bricht diese Thematik deutlicher denn je hervor. Sein Spiegelbild beginnt mit ihm zu sprechen, erwürgt ihn, woraufhin die Optik sich ändert und Ash sich selber erwürgt. In einer anderen Szene erwacht Ash nach einem schrecklichen Erlebnis schreiend im Sessel sitzend, so als hätte er sich das zuvor Geschehene lediglich eingebildet. Gerade wieder zur Vernunft gekommen, den Verstand wieder halbwegs gerade gerückt, fällt ihm der Kopf seiner Freundin in den Schoß, um zu beweisen, dass doch geschah was geschah. Den deutlichsten Verweis auf die Thematik rund um den Irrsinn findet jedoch in Ashs letzter Soloszene in der Hütte statt, wenn das komplette Inventar, angefangen beim Elchskopf, beginnt ohne Grund zu lachen, und Ash damit derart beeinflusst, dass dieser innerhalb kürzester Zeit komplett den Verstand verliert und beginnt hysterisch mitzulachen.

Das wäre das Ende seines Geisteszustandes gewesen, würden nun zur zweiten Hälfte nicht die in den Randszenen bereits kurz aufgetauchten Zusatzpersonen ins Geschehen treten, die Ash auf ungemütliche Weise dazu zwingen sich wieder der unangenehmen Realität zu stellen. Mit dem Wechsel von der Einmann-Show zum gemeinsamen Kampf gegen die sadistischen Dämonen und ihrem Drang von der Angst und den Nerven ihrer Opfer zu zehren, wendet sich der Film von dem Aspekt Wahn und Normalität ab, der im Vorgänger noch über dem kompletten Werk schwebte. In Teil 2 ist dieser Aspekt in der ersten Hälfte derart dominant thematisiert worden, dass es wohl die richtige Entscheidung war nun losgelöst von diesem Aspekt den wilden Ritt fortzusetzen, denn nun nachdem Ash in kürzester Zeit unfreiwillig zu einer Art Profi im Kampf gegen die Dämonen ausgebildet wurde, liegt es nun hauptsächlich an ihm die ungleiche Gruppe, die sich in der Hütte eingefunden hat, zu beschützen.

Aus wild aneinander gereihten, schrägen und kreativen Spielereien wird nun mehr und mehr so etwas wie eine tatsächliche Handlung, so dass der Gefahr auf der Stelle zu treten und Langeweile zu erzeugen, welche die erste Hälfte durch die hervorragende Inszenierung perfekt umgangen ist, entgegengetreten wird und somit kaum noch eine Chance gewährt wird. Dank interessanter Charaktere, weiterhin hochgradig wahnsinniger und kreativer Ideen und dank einer stets aufrecht erhaltenden interessanten Optik kommt es dementsprechend auch weiterhin nie zu einem Stillstand. Die Figurenzeichnung zweier Backwoods ermöglicht es Raimi zudem dümmliche Verhaltensweisen ganz legitim ins Geschehen einzubauen. Dies nutzt er u.a. dafür die legendäre Baumvergewaltigungsszene des Erstlings in leicht harmloserer Version zu variieren, ohne hierfür das Niveau des Drehbuchs senken zu müssen, wie noch im Vorgänger geschehen.

Ash mag nun nicht mehr allein sein, das ändert aber nichts am wilden Ritt den er und seine Mitmenschen weiterhin durchstehen müssen. Raimi gewährt weder ihnen noch dem Zuschauer eine Atempause. Wenn das Szenario ruhiger wird liegt die Bedrohung spürbar in der Luft, welche das Publikum in ihrer Anspannung kaum atmen lässt, ansonsten passiert immer irgendetwas Bizarres, Groteskes, Krankes oder Ungewöhnliches, und diese gnadenlose Art behält der Film konsequent bei bishin zum pointensicheren Schluss-Gag, den eine überleitende Idee ermöglichte, welche wahrlich die Phantasie des Zuschauers zu kitzeln weiß. Gleichzeitig baut sie auf dem genialen Kniff auf, dass eine scheinbare Lösung der Probleme stets auch unbedachte Nebenwirkungen mit sich ziehen kann, gerade wenn man mit etwas spielt, mit dem man sich nicht auskennt. Der Weg zum Schluss-Gag zeigt mehr denn je, wie durchdacht und intelligent der Hintergrund und die Gesamtheit des ganzen wilden Treibens ist, welchem Raimi uns aussetzt.

Hierin liegt wohl auch die Erklärung, warum andere Werke wie „Braindead“ und Co, die darin bemüht waren etwas ähnliches wie Raimi abzuliefern, daran scheitern, wenn sie sich einzig den vordergründigen Schauwerten hingeben, ohne diesen einen psychologisch stimmenden Rahmen, ein analytisches Gesamthema und ein hintergründiges Verständnis zu bescheren. Einzig „House“ schaffte es in familienfreundlicherer Art und ohne geistreiche Hintergründigkeit ansatzweise das Niveau der wilden Geisterbahnfahrt des ein Jahr später entstandenen „Tanz der Teufel 2“ einzufangen, wurde von dessen Perfektion jedoch gnadenlos überholt. Die meisten anderen Horrorkomödien, die in diese Richtung tendieren, scheitern spätestens an der fehlenden Substanz, welche den schrägen Gimmicks einen sinnvollen Zusammenhang und Hintergrund beschert. Wäre es zu einfach dieses Ziel zu erreichen, wäre „Evil Dead 2“ wohl kaum der Kultfilm und das Meisterwerk, das er im Filmbereich auch außerhalb der Horrorszene geworden ist.  OFDb

02.01.2018

TANZ DER TEUFEL (1981)

Am Anfang gab es 1978 den Amateur-Kurzfilm „Within the Woods“, der seinen Regisseur Sam Raimi dazu inspirierte mit seinem Kumpel Bruce Campbell, der ebenfalls am Original mitwirkte, daraus einen Langfilm zu zaubern. Zwar bekam man hierfür Geld aufgetrieben, aber man musste mit bescheidenen Mitteln leben, so dass die Crew sich manch interessante Idee einfallen ließ „Tanz der Teufel“ dennoch aufgeregt gestaltet zu bekommen. Um es gleich vorweg zu nehmen: dies ist ihnen wahrlich gelungen, und die Mittel zum Ziel beeinflussten ebenso wie jene der Fortsetzung andere Filmschaffende, was dem Kultstreifen gar noch mehr Daseinsberechtigung beschert als ohnehin schon.

Die Geschichte ist schlicht ausgefallen, aber hochinteressant in Szene gesetzt innerhalb eines Plots, der auch auf der Stelle hätte treten können und damit auf Dauer hätte langweilen können wie im Remake „Evil Dead“ geschehen. Eine düstere Atmosphäre, simple optische Spielereien und die Extreme des Geschehens verzaubern das, was andere in ein ödes Etwas verwandelt hätten, zu einem wilden Horrorritt mit gruseligen Momenten, schockierenden Szenen und einem verspielten Umgang mit dem Kampf Mensch gegen Dämonen.

In diesem Kampf kristallisiert sich hervorragend das Spiel von Geist und Irrsinn heraus. Die Besessenen sehen übernatürlich aus, aber ihr Wirken ist geisteskrank, ihre Stimmen und das was sie sagen ebenso. Sind die ersten Taten der Menschen noch rationaler Natur, müssen sie schnell einsehen welchem Wahnsinn sie hier gegenüber stehen, der ebenso wahnsinnige Taten von ihnen abverlangt. Schauspieler Bruce Campbell ist sich dieses Schwerpunktes der Story bewusst und arbeitet mimisch immer wieder mit dem Kampf nicht in den Irrsinn abzurutschen, bzw. immer wieder den Weg zurück zum Normalsein zu versuchen, was sich als gar nicht so einfach herausstellt, bei all dem was seine Figur Ash durchstehen muss.

Diese ist in „Evil Dead“ (Originaltitel) im Grundcharakter noch alltäglich gezeichnet. Erst der Ash von „Tanz der Teufel 2“, der Aufgrund einer Neuerzählung anstatt einer Fortführung des Erzählten nicht der selbe Ash aus Teil 1 ist, bekommt eine dümmliche Note beschert, die sich über „Armee der Finsternis“ bis hin zur TV-Serie „Ash vs. Evil Dead“ noch gewaltig hochschaukeln sollte.

Wer also wie dort geschehen bei „Der Totentanz der Teufel“ (Alternativtitel) eine Horrorkomödie erwartet, der wird sich wundern welch düsteres Werk Sam Raimi mit der ersten Langfilmversion seiner bislang vier Mal erzählten Story geschaffen hat. Allerdings fällt hier bereits das verspielte Einfangen und Agieren der Besessenen auf, die mit kindlicher, schwarzhumoriger Tücke die Menschen quälen und von derem Leiden zehren. Es braucht beim Betrachten dieser Wesen und ihrer Methoden somit nicht erstaunen, dass es Raimi sechs Jahre später in den Fingern juckte das Ganze einmal bewusst humoristisch einzufangen.

Mögen die Knetgummi-ähnlichen Effekte am Schluss auch nicht überzeugen und die Frage aufwerfen, ob sie dies damals taten, mit ihnen hätte man den einzigen Negativpunkt genannt, den es in „Book of the Dead“ (Alternativtitel) zu entdecken gibt - abgesehen von manch irrationaler Tat der Protagonisten vor dem Bewusstwerden der Gefahr. Die diesbezüglich idiotischste Stelle, das Hineinlaufen in den Wald, weil man bedrohliche Stimmen gehört hat, führt immerhin zu einer der besten und legendärsten Szenen des Streifens, so dass man sich mit diesem Drehbuchunsinn recht gut versöhnen kann. Ohnehin ist „Tanz der Teufel“ ein Film, den man einfach auf sich wirken lassen sollte. Kopf aus wäre der falsche Rat, dann würde man das psychologische Spiel mit Sinn und Irrsinn übersehen, aber all zu kritisch sollte man hier nicht auf Logik achten. Die Crew entschädigt mit so vielem anderen, dass es eigentlich nichts zu meckern gibt.  OFDb

22.10.2017

ASH VS EVIL DEAD - STAFFEL 1 (2015)

Ich war definitiv misstrauisch ob die zur Zeit mit viel Gegenliebe beim Horror-Fan aufgenommene Serie zu den „Tanz der Teufel“-Filmen etwas taugen könnte, immerhin steckten die Schöpfer der Originalfilme als Produzenten auch hinter dem missglückten Remake „Evil Dead“, und bereits ihr „Armee der Finsternis“ hatte mir seinerzeit in seiner zu klamaukigen Art nicht sonderlich zugesagt. Dementsprechend kritisch bin ich an „Ash vs Evil Dead“ herangegangen, und ich muss sagen, dass ich ziemlich überrascht bin, wie sehr die Serie „Tanz der Teufel 2“-Luft atmet, wenn auch immer abwechselnd mit dem zu zotigen geratenen Stil aus Teil 3. Das fällt ganz besonders in der von Sam Raimi persönlich inszenierten Pilotfolge auf, die zu 2/3 fast den Stil des Spät-Achtziger-Werkes wiederspiegelt, im Finale aber dann zu Fan-anbiedernd die Mängel der zweiten Fortsetzung aufblitzen lässt.

Glücklicher Weise steht der von mir weniger gern gesehene flappsige Stil der „Armee der Finsternis“-Ausrichtung einer auf 25 Minuten laufenden Serienfolge besser als einem Spielfilm. Ohnehin ist die kurze Laufzeit das Geheimrezept dafür, dass die Serie auf simplem Niveau zu funktionieren weiß. Bereits hier haben sich aufgrund zu monotoner Ereignisse (gerade gegen Ende der ersten Staffel) kleine Längen eingeschlichen. Dementsprechend möchte ich mir gar nicht erst vorstellen wie 45-Minüter ausgesehen hätten. Einzig die Pilotfolge besitzt besagte Laufzeit, als die beste erzählte der ganzen Staffel wird dies glücklicher Weise nicht zu ihrem Nachteil.

Wie schon im dritten Film der Reihe, so sind die Regel ein wenig versimpelt worden, damit die Geschichte zeitlich und örtlich weitreichender funktionieren kann. Dank einiger Kompromisse guckt sich „Ash vs Evil Dead“ jedoch trotzdem sehr kompatibel mit „Tanz der Teufel 2“, dessen Ereignisse zur Vereinfachung mit denen von „Tanz der Teufel“ vermischt werden, obwohl Teil 2 eigentlich eine Alternativerzählung zu Teil 1 war und somit keine direkte Weitererzählung der Geschehnisse aus dem Erstling. Zählt man den Kurzfilm „Within the Woods“ dazu, war „Tanz der Teufel 2 somit die dritte Verfilmung der selben Geschichte, so dass es nicht verwundern muss, dass auch die Serie irgendwann in Richtung Waldhütte tendiert - und dort überraschender Weise im Vergleich zu den vorherigen Episoden eher nachlässt.

Trotz einiger direkter Parallelen zu den Vorgängern und einigen Verweisen, Verbeugungen und Anspielungen auf diese setzt „Ash vs Evil Dead“ die Geschehnisse eigenständig fort, käuert also nicht nur das bereits dreifach Erzählte noch einmal herunter, sondern versteht sich als Fortsetzung von „Armee der Finsternis“. An Einfallsreichtum mangelt es nicht. Die olle Dämonen-Chose wird immer wieder durch Zusatzaspekte aufgepeppt (eine besessene Spielzeugpuppe) oder durch verwandte Ergänzungen erweitert (andere Dämonentypen), während das Grundgerüst definitiv „Evil Dead“-Luft atmet. An die Computereffekte muss man sich ein wenig gewöhnen. Gemixt mit handgemachtem Gematsche ist dies jedoch einfacher zu akzeptieren als eine einzig aus dem Rechner getrickste Effektorgie.

Trumpf der Reihe bleibt die Besetzung des spielfreudigen, wie markanten Bruce Campbell als Ash. Die neuen Hauptfiguren neben ihm schlagen sich wacker, ernten aber nicht seinen Individualitätsbonus, dafür sind sie zu oberflächlich charakterisiert und zu durchschnittlich besetzt. Ähnlich ergeht es der kompletten Serie. Sie bedient die Kurzweile mit allerhand Action, Splatter und Humor, greift jedoch nie zu tief und hat dem Genre keine neuen Aspekte hinzuzufügen, wie es die ersten beiden Langfilme der Reihe noch taten. Es reicht um alte Fans glücklich zu machen und neue Fans zu gewinnen, ohne einen Hauch Tiefe in der Geschichte bleibt das Treiben jedoch zu trivial, um darin mehr zu sehen als simple, kurzweilige Unterhaltung. Mit diesem schlichten, wie erfreulichen Ergebnis ist die Serie aber noch immer besser ausgefallen, als ich zuvor vermutet hätte.  OFDb
 
Nachtrag:
Die zweite Staffel habe ich nach nur wenigen Folgen abgebrochen. Hier konzentrierte man sich nur noch auf dumme Sprüche und Effekte, die Geschichte und Figuren waren den Autoren egal. Die Abflachung der ersten Staffel bleibt somit kein Ausrutscher, sondern bildet den Übergang zu einer austauschbaren Chose, die dem Reiz der Originalfilme auch in der Lightversion nicht mehr aufgefangen bekommt. 

03.04.2014

NIGHT OF THE INTRUDER (1989)

Das Sub-Genre des Slashers lag während der Entstehungszeit des hier besprochenen Filmes bereits im Sterben beim Interesse des Massenpublikums. Dennoch wagte sich Regie-Neuling Scott Spiegel an diese Filmrichtung, und die lobenswerten Worte von Horror-Fan-Seite schienen seinem Projekt Recht zu geben, wird „Night Of The Intruder“ doch gerne als besonders harter Film seiner Gattung gefeiert, was gerne das einzige ist was der Extrem-Fan an solchen Werken wichtig findet. In Deutschland gab es durch die Beschlagnahmung des Streifens noch einmal einen Zusatz-Hype um „Intruder“ (Originaltitel), seinen Ruf kann ihm keiner mehr nehmen.

Ein großer Erfolg wurde dem Film dennoch nicht beschert, letztendlich erlangte er nur Beachtung beim Stammpublikum, und wenn man ihn gesehen hat weiß man auch warum. Der Film arbeitet sich storytechnisch uninspiriert von einer harten Mordmethode zur nächsten, die, das muss ich schon zugeben, von ihrerer Extreme bis heute nichts verloren hat. Wenn ein Kopf in einer Presse zermatscht und ein Gesicht in der Mitte durchgesägt wird, dann weiß das auch heute noch in diesen drastischen Bildern zu schocken, erst recht nachdem die ersten Morde im Schongang noch im Off geschahen.

Diese Off-Morde geschehen durch nette Szenenwechsel-Ideen, die mit ihrem provozierendem Schnitt ordentlich im schwarzen Humor baden, was nur eine von allerhand originellen Methoden ist, mit denen Spiegel sein Werk optisch aufpeppt. So sucht er ungewöhnliche Kameraperspektiven, spielt oft mit dem was man nicht sieht (z.B. im Running Gag einer immer wieder aus dem Regal fallenden Verpackung), und mit diesen Methoden hofft er, dass sich niemand langweilt. „Bloodnight“ (Alternativtitel) ist recht atmosphärisch inszeniert, deswegen geht der Plan zu Beginn auch auf. Aber wenn man so gar keinen Charakter näher kennen lernt und selbst im Supermarkt nichts weiter geschieht als dass die Leute vor dem Abmurksen ihrer Arbeit nachgehen, dann kann das auf 90 Minuten nicht wirklich funktionieren.

Ganz besonders die Heldin bleibt blass. Sie ist ein Opfer über ihren Ex-Freund, sie ist eine Kassiererin aufgrund ihres Jobs, aber sie ist keine Persönlichkeit. Keine Eigenschaft kommt von ihr, nichts, aber auch gar nichts hebt sie von den restlichen Charakteren des Streifens ab, außer ihre offensichtliche Anwesenheit im Fokus und der Tatsache, dass ihr gewalttätiger Ex als der Hauptverdächtige gehandelt wird. Dass der es niemals in Leben ist, ist jedem klar der mehr als zwei Filme dieser Art gesehen hat. Kommt es im Finale zur Mörderauflösung wäre er als überraschungsfreier Kandidat aber immer noch die bessere Lösung gewesen, als jene die uns an den Haaren herbeigezogen begründet vorgesetzt wird.

Mag diese Auflösung auch blöde sein, zumindest weiß der Mörder nach seiner Enttarnung durch humoristische Übertreibung in seinem Spiel zu gefallen, was besonders wichtig ist für den Schluss-Gag des Streifens, der innerhalb seines Genres längst überfällig war. Somit macht Spiegel einiges wieder wett, was er zuvor vernachlässigt hat. Somit bleibt ein stimmiger Einstieg, ein sympathisches Finale und ein öder Mittelteil mit drastischen Mordmethoden. Da hat es im Bereich des Slashers schon Schlechteres gegeben.

Bedenkt man aber dass „Night Of The Intruder“ unter der Beteiligung von Regisseur Sam Raimi entstand, Bruce Campbell kurz vorbei huscht und auch Ted Raimi mit an Bord ist, hätte man schon ein wenig mehr erwarten können als eine Leere gefüllt mit Blut und netter Optik. Andererseits, mit Blick auf das vor kurzem erschienende „Tanz der Teufel“-Remake „Evil Dead“, in welches die Bande ebenfalls involviert war, scheinen die Namen selbst bis heute keine Qualitätsgarantie zu sein, sobald sie nicht in ihrer üblichen Hauptfunktion tätig sind. Übrigens hat auch Charles Band seine Finger mit im Spiel gehabt. Der wird in den Credits von „Intruder“ zwar nicht genannt, war aber Mit-Produzent des Streifens.

Freunde harter Bilder können rein schalten, selbst mit den Erfahrungen die sie im modernen Horrorfilm gemacht haben. Was Spiegel da an Mordszenen ablichtet ist schrecklich und blutig und damit genau nach dem Geschmack der Gorehounds konzipiert. Wer jedoch einen Spannungsbogen benötigt und wenigstens den Hauch einer Geschichte und eines Charakters, der wird hier nicht bedient. Dass die Psychologie des Mörders aus allen Löchern pfeift, darf einen auch nicht stören. Aber zumindest kann ich dem Film eine phasenweise vorhandene Atmosphäre bestätigen, die gerade dem Aufbau des ersten Drittels zugute kommt. Wirklich toll wird der Streifen aufgrund der vorhandenen Defizite damit freilich trotzdem nicht.  OFDb

22.12.2013

EVIL DEAD (2013)

Es begann alles mit „Within The Woods“. Manch einer behauptet es begann mit „Equinox“, gibt es doch einige inhaltliche Übereinstimmungen zu „Tanz der Teufel“ mit dieser kleinen Amateur-Produktion, so dass behauptet wird Sam Raimi habe sich von „Equinox“ beeinflussen lassen. Für uns soll dies an dieser Stelle uninteressant sein. Was Sam Raimis Arbeit an der Geschichte um eine kleine Hütte im Wald betrifft, begann alles mit dem Kurzfilm „Within The Woods“, welchen Sam Raimi 1978 als Amateurfilmer mit seinem Kumpel Bruce Campbell fertig stellte. Drei Jahre später zauberten sie aus der Story mit einigen inhaltlichen Änderung versehen den Langfilm „Tanz der Teufel“, der zum Kulthit werden sollte und mit dem Bereich des Amateurfilms trotz geringem Budget nichts mehr zu tun hatte.

Aufgrund des großen Erfolges durfte eine Fortsetzung her, für die man mehr Geld zur Verfügung hatte. Also beschloss Raimi die Geschichte ein drittes Mal zu erzählen, im Gegensatz zu den beiden Vorgängern diesmal jedoch mit ordentlich Humor untermalt. Mit diesem Mix schuf er eine Achterbahnfahrt von Schrecken, grotesken Situationen und schwarzem Humor, die in ihrem Genre seinesgleichen sucht. „Tanz der Teufel 2“ sollte ebenso Maßstäbe setzen wie vor ihm „Tanz der Teufel“. Er war allein durch seine stilistischen Methoden mehr als ein lauwarmer Aufguss des Überraschungserfolges von 1981.

Erst mit der Fortsetzung von „Tanz der Teufel 2“, dem sehr beliebten und noch einmal um eine gehörige Dosis Humor erweiterten „Armee der Finsternis“, wurde die Geschichte um ein paar Leutchen in einer Hütte, die versehentlich Dämonen erweckten, erstmals wirklich fortgesetzt. Die Geschichte wurde nicht zum vierten Mal wiedergekäut, dazu sollte es erst 2013 kommen, als im Zuge der jahrelangen Neuverfilmungs-Welle auch „Tanz der Teufel“ ein Remake erfahren sollte. Wie nötig das war, sei einmal dahingestellt. Da aber bereits das Original das Remake eines Kurzfilmes war, dem mit der Fortsetzung ein erneutes Remake beschert wurde, ist es wohl legitim, dass etliche Jahre später erneut eine Neuverfilmung angegangen wurde, legitim deshalb, weil sich Sehgewohnheiten und der optische Stil in all den Kinojahren verändert hatten und ein härterer Blutgehalt zum Standard gehörte, der den ersten „Tanz der Teufel“ mittlerweile recht harmlos erscheinen ließ.

Auf dem ersten Blick zumindest! Was den Blutgehalt betrifft, so darf man wohl zu recht behaupten, dass “Evil Dead“ seine Vorgänger diesbezüglich locker übertrifft. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher die Grundstory durch die tolle Idee ergänzt wurde, dass das Treffen der Leute im Wald aufgrund der Entziehung einer guten Freundin stattfindet, dauert es nicht sonderlich lange und die Teufel dürfen tanzen. Von nun an bietet Regie-Neuling Fede Alvarez, der zuvor lediglich ein paar Kurzfilme drehte, ein Schlachtfest sondergleichen, das die anderen blutrünstigen Produktionen heutiger Tage mit seinen abartigen Ideen in konsequenter Umsetzung locker in den Schatten stellt.

Aber was bedeutet mehr überhaupt noch in seiner Wirkung? Ist man deswegen mehr geschockt oder angeekelt als bei den lediglich im Vergleich harmloseren Abartigkeiten heutiger Konkurrenzprodukte? Meiner Meinung nach lautet die Antwort: nein. Irgendwann ist es aus mit dieser Wirkung. Da mag es nach „Evil Dead“ noch ein mehr von mehr geben. Der Punkt mit mehr zu schocken wurde schon vor etlichen Jahren erreicht. Da macht die ein oder andere noch kränkere Idee den Kohl nicht wirklich fett. Um tatsächlich schocken zu können, bräuchte ein Horrorfilm heutzutage etwas mehr als lediglich eine Orgie an heftigen Gore-Effekten. Mehr fällt dem Regisseur und Autor Alvarez zu „Evil Dead“ jedoch nicht ein. Und obwohl Bruce Campbell und Sam Raimi als Produzenten mit an Bord sind, ein Fakt der einen positiv an das Remake herangehen ließ, gab es von Produzentenseite scheinbar auch keine Nachhilfe.

Zu dumm, denn wer zu früh mit seiner Blutorgie beginnt, der braucht sich nicht wundern wenn sich nach einer gewissen Laufzeit eine Gleichgültigkeit beim Zuschauer breit macht, wenn außer Blut und Brutalitäten nichts weiter erzählt wird. Die Idee des Entzugs lässt man nach zwei bis drei Spielereien zu dem Thema komplett unter den Teppich fallen, und danach verlässt man sich auf das Nichts an Story, welches die beiden Langfilme aus den 80er Jahren besser zu füllen wussten. Es waren experimentelle Filme, die wussten dass die dünne Story nur Grundlage für einen wagemutigen Film bieten würde.

Da mag „Evil Dead“ noch so im Blut sudeln, „Tanz der Teufel“ guckt sich intensiver, ist er doch knallhartes Terrorkino, der das Publikum nicht mit Samthandschuhen angefasst hat. Das Remake „Evil Dead“ tut dies trotz heftigster Bluteffekte schon, sprechen wir doch hier von einem abgehärteten Publikum, das schon x bluttriefende Filme in gelackter Optik gesehen hat. Was die Psychologie eines solchen Filmes betrifft, werden sie von den Filmschaffenden heutiger Zeit jedoch in Watte gepackt. Helden sind klar definiert, zukünftigen Opfern werden bösartige Taten zugeschrieben, damit man mit ihrem Ableben besser fertig werden kann. Und letztendlich sorgt der übertriebene Goregehalt dafür, dass man sich mit dem Gesehenen nicht mehr auseinandersetzen muss. Eigene Angst wird nicht verarbeitet, wenn alles zu einem grotesken Etwas aufgeblasen wird, das es nicht mehr schafft wahre Angst zu schüren.

Ein gutes Beispiel für das in Watte packen des Publikums zeigt sich in der legendären Szene, in welcher eines der Opfer vom Wald vergewaltigt wird. Was war das im Original für eine radikale und moralisch fragwürdige Idee, und was ist es im Remake für ein braves Szenario geworden, das Geschehenes nur andeutet und den Wald geradezu zärtlich und vorsichtig vorgehen lässt, anstatt so kaltblütig wie einst in „Tanz der Teufel“. Überhaupt wird bis auf diese Szene der Aspekt, dass der Wald lebt, im Remake so gut wie gar nicht beachtet. Was wusste doch spätestens „Tanz der Teufel 2“ damit gekonnt zu spielen und der dünnen Geschichte inhaltliche Zusatzreize zu bescheren, die nicht nur in ihrer Optik für Wow-Momente sorgten. Alvarez belässt es wie gesagt bei seinen blutigen Attacken und hofft ein Massaker ans nächste gereiht müsste reichen.

Als ganz schlichter Horrorbeitrag gibt ihm das Ergebnis sogar recht. Auch wenn der Zuschauer im Laufe der „Geschichte“ aufgrund ewig neuer Bluttaten abstumpft, langweilig wird es trotzdem nicht, kranke Ideen wissen immer wieder zu begeistern, auch wenn sie schnell vergessen sind, so schnell wie hier eine Gore-Idee von der nächsten abgelöst wird. Die meisten Effekte wissen dafür aber auch echt zu überzeugen, sind sie doch nur selten, und dann kaum erkennbar, am Computer entstanden. Hier wird viel auf handgemachte Effekte gesetzt, und das übt in Zeiten von CGI seinen eigenen Reiz aus. Als Film für zwischendurch geht „Evil Dead“ also durchaus in Ordnung. Allerdings wird er damit seinem Namen bzw. seiner Marke so gar nicht gerecht.

Jeder der vier alten Raimi-Filme war etwas besonderes, jeder wusste auf eigene Art auf das Publikum zu wirken. Ob es nun der grölende Partyfaktor eines eher massenkompatiblen „Armee der Finsternis“ war, der eiskalte Terror in „Tanz der Teufel“, oder das Spiel der Überraschungen, immer hin und her pendelnd zwischen lautem Lachen und wahrer Angst, in „Tanz der Teufel 2“, jeder, auch der kleine, eher poplige Kurzfilm "Within The Woods" der all dem voraus ging, bot etwas eigenständiges, das andere Werke des Genres beeinflussen sollte. „Evil Dead“ ist diesbezüglich anders, er ist schwächer. Er ließ sich selbst beeinflussen, jedoch auf die negative Art. Er ist nur funktionierende Dutzendware, die sich an die bewährte Rezeptur heutiger Horror-Großproduktionen klammert. Damit wird „Evil Dead“ freilich keinen Einfluss auf die Zukunft des Genre ausüben.  OFDb

04.06.2013

THE WOODS (2006)

Heather kommt in ein Internat welches mitten in den Wäldern liegt. Recht schnell muss sie feststellen, dass mit der Schule etwas nicht stimmt. Mädchen verschwinden im Wald, Lehrer benehmen sich merkwürdig, und Heather hört neuerdings Stimmen...
 
Hier lernen die Teufel nicht das Tanzen...
 
Nach seinem gelungenem Debut „May - Schneiderin des Todes“ habe ich die Werke des Regisseurs Lucky McKee nicht weiter verfolgt. Deswegen kann ich über seine Entwicklung so ziemlich gar nichts sagen. Zu bemerken ist lediglich, dass beide Filme verschiedene Wege beschreiten, etwas völlig anderes erzählen und auf jeweils andere Art klassischen Erzählmethoden folgen. Beide Werke sind ruhig erzählt und setzen die Dramatik dessen was die Hauptfigur erlebt in den Vordergrund. Nur wurde dies in „May“ getan um den Charakter selbst und dessen Entwicklung in den Mittelpunkt zu stellen, in McKees Folgefilm „The Woods“ wird die Dramatik dafür eingesetzt  eine unheimliche Atmosphäre zu begleiten bzw. zu bereichern.

Somit ist es schön zu sehen, dass McKee scheinbar nicht immer gleiche Wege gehen wollte, und bis zu einem gewissen Grad ist sein „The Woods“ durchaus geglückt. Positiv fällt auf, dass er sich diesmal ganz bewusst an zwei Vorbildern orientiert, die für den Kenner des Genres auch nicht zu übersehen sind. Das ist gerade zu Beginn der inhaltliche Ablauf und das Verhalten der Lehrer, welches ebenso an „Suspiria“ erinnert wie der Hintergrund der Geheimnisse um das ominöse Internat. Ab einem gewissen Punkt in der Story rückt dann jedoch immer mehr Raimis „Tanz der Teufel“ in den Fokus, was letztendlich auch erklärt warum Bruce Campbell in einer kleinen, bedeutenden Nebenrolle mit an Bord ist.

Hatte ich nach dem Covertext und ersten Storyentwicklungen eher mit einer esoterisch angehauchten Geschichte gerechnet (Stammleser wissen sicher dass mir solche eher nicht schmecken), entpuppte sich „The Woods“ stattdessen als zunächst stimmiger Grusler, dies sogar weit bis über die erste Hälfte hinaus, so dass mancher ins Leere greifende Handlungsstrang oder manch zu konstruierte Wendung nicht wirklich ins Gewicht fiel. Dafür war die Atmosphäre viel zu stimmig, auch wenn diese eher eine Vorstufe zum echten Grusel war und nicht der aktiv erlebte Grusel eines „The Grudge - Der Fluch“ oder eines „Bis das Blut gefriert“.

Je mehr die Hintergrundgeschichte um einen möglichen Hexenfluch in den Mittelpunkt rückt und sich dabei auf eine bestimmte Figur fixiert, um so mehr geht vom Potential des Films verloren. Zu vieles wird nun zu holprig klar, der zentrale Hexencharakter zu kühl von seiner Schauspielerin interpretiert, und spätestens mit dem Eingreifen von Heathers Vater verliert „The Woods“ nun endgültig seine inhaltliche Orientierung und weiß nun gar nicht mehr, was er wirklich erzählen will.

Enttäuschend mündet dieses verirrte Rezept in einer Finalszene, die zu surreal erzählt ist, als dass man wirklich weiß ob sie nun Finalszene oder Traumsequenz sein soll. Nach einiger Zeit bemerkt man jedoch, dass es sich tatsächlich um finale Ereignisse handelt, doch da ist der Film leider schon fast vorbei und schließt mit einem theoretisch netten Off-Kommentar, der aber ebenso ruppig abgehandelt wird wie der komplette Film, den man viel zu schnell zu einem Schluss führen wollte, und dies nachdem er zuvor gerade durch einen ruhigen Aufbau seine Stärke bezog.

Der simple Weg die Hexe zu besiegen mag noch eine Verbeugung vor „Suspiria“ sein, der im Gegensatz zum Original nicht richtig zündet. Stattdessen weiß in der schlechten Phase des Streifens aber zumindest die Verbeugung vor „Tanz der Teufel“ zu überzeugen, sind die Szenen in welcher der Wald selbst zur personifizierten Gefahr wird allein durch schlichte Computeranimationen bereits zufriedenstellend umgesetzt und bieten einen Vorgeschmack auf das, was mit der Neuverfilmung „Evil Dead“ seit 2013 professioneller umgesetzt sicherlich auf den Horror-Fan wartet.

So versöhnlich zumindest diese Sequenzen ein vermurkstes letztes Drittel bereichern, so sehnsüchtig wirft man den Blick zurück auf die lange gelungene Phase des Filmes, die einen solch mauen Abschluss so gar nicht verdient hat. Beim Gucken hatte ich immer wieder den Eindruck einen unbeachteten Geheim-Tipp entdeckt zu haben, doch so sehr kann man sich irren, wenn man voreilig urteilt. „The Woods“ ist zunächst stimmig erzählt, badet in einer schönen bräunlichen Retro-Optik und wandelt sich irgendwann zum gewöhnlichen Stück Film mit inhaltlichen Verirrungen und einem schnellen unbefriedigenden Schluss. Somit erzielt „The Woods“ bei weitem nicht das positive Ergebnis von McKees Erstling „May“.  OFDb

08.12.2012

MY NAME IS BRUCE (2007)

Ein Teenager erweckt versehentlich einen mächtigen, chinesischen Geisterkrieger. Da er Fan der Filme mit Bruce Campbell ist, redet er den Leuten im Dorf ein Bruce könne ihnen helfen. Der B-Movie-Darsteller hält das Angebot für ein Schauspiel...

Der echte Peter Vincent...
 
Es war einmal ein Filmfan, der lebte in einem kleinen Kaff und betete den B-Star Bruce Campbell an. Jenen Star, der als Ash in „Tanz der Teufel“ gegen Dämonen kämpfte, als Elvis in „Bubba Ho-tep“ gegen eine Mumie, als Jack in „Maniac Cop“ gegen einen Zombie-Polizisten und meist in ähnlich gearteten Filmen auftrat. Was sich bis zu dem kleinen Kaff Good Lick, in dem der Filmfan lebte, noch nicht herumgesprochen hatte: Bruce war ein Schauspieler und kein echter Kämpfer gegen Monster. Eine fatale Wissenslücke, denn der Teenager bestellte Bruce Campbell in das Dorf, nachdem er einen alten chinesischen Geister-Krieger erweckt, und damit die ganze Stadt ins Verderben gerissen hatte.

Dass Bruce nun glaubt eine Rolle spielen zu müssen, erinnert nicht von ungefähr an „Drei Amigos!“ und „Galaxy Quest“. Aber das stört ebenso wenig wie die Tatsache, dass der andere Teil der Geschichte grob gesehen aus „Fright Night“ a la „Die rabenschwarze Nacht“ entwendet wurde. Es stört deshalb nicht, da B-Star Bruce Campbell nicht nur so irre locker an das Projekt herangeht, er beweist auch, wie toll er über sich selbst lachen kann.

Hin und wieder wollen Berühmtheiten zeigen, dass sie dies können. Bohlen beging mit „Dieter – Der Film“ einen selbstverliebten Schritt in diese Richtung und veräppelte sich nur im Rahmen dessen, was vertretbar war ohne sein Gesicht und seinen coolen Ruf zu verlieren.

Campbell geht in „My Name Is Bruce“ gewagtere Schritte. Stellt er sich doch charakterlich ziemlich gleich mit dem zur Extreme geratenen Ash aus „Armee der Finsternis“. Er parodiert seinen Ruf und die Qualität seines Schaffens und das Niveau der Filme in denen er agiert. Er stellt sich selbst als notgeilen, selbstsüchtigen Versager dar mit infantilem Charakter, besser gesagt sogar eigentlich ohne eigene echte Persönlichkeit. Bruce sonnt sich im Ruhm eines Stars und verzweifelt an selbigen, da er nicht in der A-Liga spielt.

Sein Spiel ist überzogen wie zu besten Zeiten in „Tanz der Teufel 2“. Letztendlich löst er sich damit aber auch nicht komplett von seinem coolen Ruf, schafft es aber nicht so selbstverliebt zu agieren wie Dieter Bohlen, so dass er immerhin einen Schritt weiter ist als dieser, wenn auch damit immer noch nicht am Ziel angekommen, das man mit einem selbstparodierenden Projekt erreichen könnte.

Das ist jetzt sehr kritisch und ist auch arg streng geschimpft, deshalb wende ich mich wieder den guten Seiten zu: Die Geschichte ist trotz oder wegen ihrer Trivialität sehr kurzweilig zu schauen. Neben Bruce und seiner Filme bekommt auch die Merchandising-Industrie ihr Fett weg, ebenso wie das Fanverhalten Jugendlicher. Dies findet in „My Name Is Bruce“ sogar ihren Höhepunkt, wenn der Campbell-Fan voller Stolz seinem Helden die selbstgebastelte Kettensäge a la „Evil Dead 2“ überreicht. Lustig auch, dass der schundmüde Bruce diese dankend ablehnt.

Der Horrorpart rückt weit zurück. Im Vordergrund steht der Spaß. Schön dass man sich im Horrorbereich trotzdem Mühe gab. Der Chinamann wirkt bedrohlich und als Parodie zugleich. Sein köpfendes Umherwandern ist nicht ohne, wenn auch keine Blutorgie, und die Art ihn aufzuhalten erinnert an „Jack Frost 2 - Die Rache des Killerschneemanns“, „Angriff der Killertomaten“ und „Little Devils“, ist hier aber nicht ganz so lustig wie in den drei anderen Filmen, was nicht weiter wild ist, da die Art wie der Film endet alles wieder wettmacht. In einem Werk wie „My Name Is Bruce“ kann man sich alles erlauben, und das beweist Mr. Campbell mit der mehrfachen Pointe der etwas längeren Schlussszene. Elemente davon wurden bereits auf ähnliche Art in „Der kleine Horrorladen“ parodiert, aber gute Komödien definieren sich nicht immer rein durch neue Ideen, sondern auch durch die Art der Umsetzung. Und da hat „My Name Is Bruce“ nun einmal einen höllisch guten Trumpf: Bruce Campbell.

„My Name Is Bruce“ macht Spaß und macht’s auch sicherlich dann, wenn man Bruce Campbell gar nicht kennt. Wer es tut bekommt mehr zu lachen und darf mehr versteckte Gimmicks entdecken. Wer über Trash lachen kann, kann über „My Name Is Bruce“, der ja letztendlich eine Parodie auf Trash ist, ebenso herzhaft lachen. Wer Trash nicht mag, sollte zumindest einen Hang zum Experimentellen haben. „My Name Is Bruce“ erzählt seine Geschichte nicht brav nach Schema F, sondern wagt Stilbrüche ebenso wie inhaltliche.

Was mir letztlich etwas bitter aufgestoßen ist, ist die schlechte Ausarbeitung des Grundes, warum Bruce als Held ins Dörfchen zurückkehrt. Da hätte man am Drehbuch etwas einfallsreicher basteln können. Letztendlich ist der fertige Film aber durchaus einen oder mehrere Blicke wert.  OFDb

15.10.2012

MANIAC COP 2 (1990)

Polizist McKinney macht eine grausame Entdeckung: Cordell lebt! Allerdings ist er nach dem Tod von Jack Forrest und dessen Freundin der einzige, der daran glaubt. Der Maniac Cop stößt währenddessen auf einen Prostituiertenmörder, der glaubt in Cordell einen Seelenverwandten gefunden zu haben...

Der Tod ist kein Hindernis...
 
Die Fortsetzung erzählt nicht viel neues, baut aber immerhin konsequent auf den Geschehnissen des Vorgängers auf. Die Figuren, die uns in Teil 1 begleiteten, werden zwar abgelöst durch neue, allerdings schauen sie in kleinen Nebenrollen in gleicher Besetzung kurz vorbei. Man kann nun rätseln ob es dreist oder ein psychologisch cleverer Kniff ist Bruce Campbell im Vorspann ziemlich vorne zu nennen, um dann zu sehen, dass seine Rolle ziemlich zu Beginn sterben darf. Sehen wir es einmal als einen Mix aus beidem an, denn "Tanz der Teufel 2" war nun wirklich noch nicht all zu lange her, und der Name Campbell ließ sich sicherlich noch gut verkaufen.

Was Teil 2 fehlt, ist der Spannungsgehalt, der in Teil 1 neben der Action so toll funktionierte. Teil 2 weiß in Punkto Action seinen Vorgänger locker zu toppen (man sollte nur einmal die ganzen Stuntmänner im Abspann zählen, für einen B-Movie sind das wirklich viel), aber Spannung kann dieser kleine Film leider nicht erzeugen. Er entschädigt dies jedoch dafür damit, dass er seine Geschichte erzählt, ohne auf politische Korrektheit oder das zarte Gemüt des Mainstream-Zuschauers zu achten. Die meisten Figuren sind bösartig und die wenig positiveren sind fragwürdig. Der Held ist deutlich an "Dirty Harry" angelehnt und in der deutschen Synchronisation bescherte man ihm auch gleich Eastwoods Stimme. Das wirkt.

Gelungen ist der Nebenstrang, in dem Cordell einen (anderen) Psychopathen kennen lernt. Dieser mordet aus eher geisteskranken Gründen, und so ist die Atmosphäre elektrisch geladen, da jeder Kenner des Ersten weiß, dass diese Freundschaft von Cordells Seite aus nicht fruchten kann, war erdoch schließlich einst ein geehrter Polizist. Aber er nutzt die fragwürdige Freundschaft zunächst einmal zu seinem Vorteil, und so dauert es bis der Psychopath die Rechnung präsentiert bekommt. Das ist auch gut so, denn der Schauspieler spielt diesen trotz jeglicher Übertreibung B-Film-glaubhaft.

Cordells Make-Up ist diesmal gelungener als die ollen Gesichtswunden im Erstling. Besonders zur Geltung kommt sein Aussehen, wenn Cordell im Finale brennend ein Massaker in Singsing anrichtet und seine Wunden somit einmal genauer ausgeleuchtet werden. Das Finalspektakel ist dick aufgetragen, aber es weiß zu unterhalten und sorgt dafür, dass nun auch der letzte Zuschauer endlich begreift, dass Cordell ein Zombie ist und nicht einfach nur ein totgeglaubter Polizist.

Schade dass der Schluss etwas zu plump und viel zu schnell daher kommt. Es wirkt, als wolle man nach einem geduldigen Film das Ende ganz schnell herbeiführen, so als wäre das Geld ausgegangen, was bei den ganzen actionlastigen Ereignissen nicht einmal wundern würde. Hier werden Autos zu Schrott gefahren, Abschleppwagenfahrer am Haken ihres Dienstautos durch die Stadt gefahren, Helden erdolcht, Psychologen bei Rekordgeschwindigkeit ans fahrende Auto gefesselt, Menschen in Brand gesetzt, mit Events wird hier wirklich nicht gespart. Actionfans kommen fast mehr auf ihre Kosten als die des Horrorgenres, aber auch nur fast.

Was mir fehlte war einfach die spannende Atmosphäre des Vorgängers. Dies und der plötzliche Schluss sind die Gründe, warum der Film trotz seiner Härte und konsequenten Erzählweise in meinen Augen nur angenehme Routine geworden ist. In jüngeren Jahren mochte ich die Fortsetzung noch mehr als Teil 1. Teens und junge Twens könnten also eventuell an diesem Film mehr Gefallen finden als am Vorgänger. Wenn man reifer wird und trotzdem noch auf Horrorschund-B-Movies abfährt wie ich, ist aber ein Qualitätsverlust von Teil 1 zu Teil 2 deutlich sichtbar.  OFDb

14.10.2012

MANIAC COP (1988)

Panik macht sich in der Bevölkerung breit. Ein Wahnsinniger geht als Polizist verleidet um und ermordet harmlose Passanten. Unter Verdacht steht u.a. Jack Forrest. Der findet jedoch die Wahrheit heraus, und die ist schaurig...

Die Polizei - Dein Freund und Mörder...
 
Dieser kleine Horrorfilm könnte auch dem ein oder anderen Actionfan gefallen. Der Horrorpart ist relativ gering ausgefallen und mit einer kleinen Portion Spannung in eine Actionthriller-Story eingebaut. In der ersten Hälfte weiß der Zuschauer nur, dass es einen mordenden Cop gibt, der es auf hilflose Bürger abgesehen hat. In diesem Teil des Films soll man noch raten wer der Mörder ist.

Hauptverdächtiger ist ein deutlich unterforderter Bruce Campbell, und den anderen Personen werden Kleinigkeiten angedichtet, um sie ebenfalls verdächtig wirken zu lassen. Da sowohl Charaktere als auch Beweggründe aber relativ dünn sind, kommt dieses Mörder-Mitrategefühl beim Zuschauer gar nicht erst auf. Ist aber auch egal, da der Film ohnehin nicht von diesem Aspekt lebt.

Die Story beginnt flott, wenn auch etwas reißerisch, die Schauspieler sind okay, und die Grundidee ist ohnehin nicht schlecht. Spätestens wenn eine provokante Nachrichtensendung in der Geschichte auftaucht, die den TV-schauenden Figuren des Streifens so viel Angst einjagt, dass die Polizisten auf den Straßen nicht mehr sicher sind, ist spätesten dann für einen guten Film gesorgt.

In der zweiten Hälfte führt die Fährte langsam zu einem gut gehüteten Geheimnis. Hier beginnt der eigentliche Horrorpart, der über einen reinen Schlitzer-Psycho a la "Stepfather" und Co hinausgeht. Es ist schon lustig, dass Zeitschriften wie TV Hören & Sehen dieses Werk gerne mal als Actionfilm betiteln, wo im Laufe der Geschichte doch deutlich wird, dass wir es hier mit einem mordenden Zombie zu tun haben. Dessen Hintergrundgeschichte ist tragisch gestaltet (und wird in diesem Punkt in Teil 2 auch noch mal ein wenig vertieft).

In diesem 1. „Maniac Cop“ ist das Make-Up Cordells, so der Name des Zombies, noch schlicht, meist sieht man ihn ohnehin im Dunkeln. Dank seiner Größe und der Uniform wirkt er dennoch stets bedrohlich. Das musikalische Thema von "Maniac Cop" unterstreicht diese durch ihn und die dunklen Bilder der Stadt verursachten bedrohlichen Atmosphäre noch. Lange nach Gucken des Films hatte ich noch immer dieses Lied im Kopf. Schade dass es im Abspann relativ schnell zu einem eher gewöhnlichen Lied verkommt.

Bruce Campbells Rolle hat in der zweiten Hälfte des Films allerhand zu tun. Der Zuschauer weiß dort nicht nur dass er unschuldig ist (was er auch schon im Vorspann hätte erkennen können, wo der Name Cordell auf der Polizeimarke deutlich zu erkennen ist), er muss auch noch mit ihm mitfiebern, da er immer noch als geflohener Hauptverdächtiger gilt und es nur einen Cop außer ihn selbst gibt, der ihm seine Unschuld glaubt. Zwischen Jagd und gejagt werden entsteht eine rasante Situation, die sich hochschaukelt zu einem deftigen Massaker mitten auf dem Polizeirevier.

Dass das Ende im Laufe einer Verfolgungsjagd recht schnell und unspektakulär daher kommt, ist verzeihlich, tut dem Film bei all seiner reißerischen Erzählweise vielleicht sogar gut, ist aber eh egal, weil Teil 2 sich als Anschlussfilm wunderbar anbietet und ohnehin am Ende von Teil 1 anknüpft. Das mag bzw. muss zwar anders gewesen sein als Teil 1 gerade neu heraus kam, aber mittlerweile leben wir nun mal in einer Welt, in der es 3 Teile „Maniac Cop“ gibt.

William Lustigs Film ist simple Top-Unterhaltung in Sachen Action und Horror, mit einem ordentlichen Schuss Spannung. Außerdem eignet er sich alle paar Jahre zum immer wieder gucken.  OFDb

25.08.2012

WITHIN THE WOODS (1978)

Eine kleine Holzhütte im Wald, hier verbringen 4 Freunde ein Wochenende. Doch es soll alles andere als Party oder gar Erholung werden. Denn ein Indianerfluch lässt einen der Freunde zum Zombie mutieren...

Tanz der Teufel 1.0
 
Für sich betrachtet ist "Within The Woods" ein zwischen Durchschnitt und Unterdurchschnitt pendelnder Amateurfilm. Er ist ein typisches Kurzfilm-Produkt dieses "Genres" und krankt an selbigen Dingen, wie viele andere unprofessionelle, selbst finanzierte Filme. In erster Linie wäre hierbei zu erwähnen, dass selbst Profi-Regisseur Sam Raimi es als junger Spund nicht lassen konnte seine Mini-Story nur als Vorwand zu nehmen, um einen blutigen Effekt nach dem nächsten zu zeigen. Das Timing um Spannungsaufbau zu erzeugen fehlt ihm noch vollkommen (gut zu erkennen an jener Szene, in welcher der todgeglaubte Dämon nach der Hauptdarstellerin greift). Ohnehin ist seine Regie, auch für einen Amateurfilm, lausig zu nennen. Das überrascht schon, wo er doch in so vielen verschiedenen Genres später beweisen konnte wie viel Talent er besitzt. Beachtet man, dass aus der Grundlage dieses Filmes später "Tanz der Teufel" wurde und einige Elemente sich (erst) in "Tanz der Teufel 2" wiederfinden, bekommt der Film einen ganz eigenen Reiz. 
 
Es ist interessant zu sehen was sich inhaltlich von den Folgefilmen unterscheidet (z.B. die indianischen Elemente statt des Tonbandgerätes) und was, teilweise überraschender Weise, bereits im Kurzfilm-Original enthalten ist (z.B. die berühmte lange Kamerafahrt). Interessant ist auch, dass Campbell in „Within The Woods“ der erste Tote ist, um dann als Dämon wiederzukehren. In "Tanz der Teufel" ist er der Held, in "Tanz der Teufel 2" erleben wir ihn als Mix aus diesem und seiner vom Dämonen besessenen Rolle aus dem hier besprochenen Werk. Auch die "Dolch in den Bauch"-Szene inklusive der "sperrig vor der Tür liegen"-Szene aus Teil 2 sind bereits in diesem Teil 0 enthalten. Leider sieht man diesen guten Ideen in diesem mauen Werk noch nicht ihr Potential an. Hätte es die großen Kult-Horrorfilme im Anschluss nicht gegeben, würde "Within The Woods" nur ein heiteres Gähnen ernten, dem man zwar die Mühe zugestehen muss, welche die Hobby-Filmer an den Tag legten, aber das ist ohnehin der Bonus, der fast jedem Amateurfilm zusteht.  OFDb