"Der tödliche Freund" spielt eher in einer alternativen Realität als in der unseren, besitzt somit andere Gesetzmäßigkeiten, und das betrifft hier nicht nur Biologie und Physik, sondern eben auch Sozialwissenschaften. Innerhalb dieses eigenen, völlig künstlichen Kosmos fällt auch das oftmals unbeholfene Spiel der Mimen nicht sonderlich negativ auf, die pulpige Interpretation von Kristy Swansons Rolle, nach ihrer Auferstehung, wirkt in der gekünstelt dargebotenen Art gar reizvoll und passend zum Gesamtprodukt, erreicht somit also nicht, wie es möglich gewesen wäre, ein unfreiwillig komisches Niveau, sondern wird zu einem der Trümpfe dieses harmlosen Streifens, der seinen einzig wahren optischen Schauwert erst am Ende präsentiert. Bis zu diesem vergehen 86 Minuten, von denen sich keine unnötig anfühlt, obwohl sich der "Frankenstein"-ähnliche Stoff eher nach dem Potential eines Kurzfilmes anfühlt. Craven ist aber, wie so oft, nah an der Gefühlswelt seiner Figuren dran, und mögen sie noch so Stereotype in einer Klischeewelt sein, und dementsprechend funktioniert das erst späte Einbringen des Horrorelements in die bereits von Anfang an auf Science Fiction ausgelegte Teenie-Abenteuergeschichte. Hier fühlt sich nichts nach Hinhalten an, ebenso wenig wird unnötig beschleunigt. "Amiga mortal" (Alternativtitel) nimmt sich für die jeweilige Phase seiner simplen Geschichte immer jene Zeit, die er benötigt, und das tut dem Ergebnis gut, das auf jede erdenkliche Weise in den 80er Jahren verankert ist. OFDb
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
29.12.2023
DER TÖDLICHE FREUND (1986)
18.07.2023
DAS DING AUS DEM SUMPF (1982)
"Swamp Thing" (Originaltitel) strahlt kein Leben aus, ist schlichtweg austauschbar inszeniert, so sehr wie er Klischees lediglich lebt, anstatt sie atmen zu lassen. Weder weiß der Spielort Sumpf in seinen vielfältigen Möglichkeiten zu wirken, noch strahlt der Plot eine seiner aus. Da weht weder Nostalgie durchs Geschehen, noch ironischer Aufbruch, geschweige denn naiv phantastisches Comic-Flair, auch wenn Schrifteinblendung und Szenenübergänge gerade auf Letztgenanntes abzielen. Es gibt sogar eine Szene, in welcher das "Monster" mit der Frau, die es liebt, im Arm weg spaziert, so wie es auf etlichen Filmpostern selbst bei Werken zu sehen war, die derartige Szenen gar nicht im Programm hatten. Und doch, "Das Ding aus dem Sumpf", dem 1989 das Remake "Das grüne Ding aus dem Sumpf" von Trasher Jim Wynorski und 1990, sowie 2019 jeweils eine TV-Serie folgen sollte, fällt durch nichts besonderes auf.
Ewig machen Söldner im Auftrag eines selbsternannten Genies Jagd auf den Pflanzenmann, der die Gabe besitzt zu heilen. Der Plot dreht sich also ewig im Kreis und kann durch besagte Gabe gar nicht erst für großes Leid auf Seiten der Guten sorgen. Verwässert wird das Ganze außerdem durch eine austauschbare Heldin, die zwar stets ihre Reize mit wackelnden Brüsten im weiten Ausschnitt präsentiert, wenn sie rennt (was sie oft tut), manchmal erleben wir sie sogar oben ohne, und doch wirkt sie optisch, wie charakterlich plump, versteht zu spät was offensichtlich vor sich geht, trotz aller Infos die sie hat, und erwidert die Gefühle des Mutierten derart grobklotzig, dass keine wahren Emotionen als Motivation beider Seiten auf den Zuschauer übertragen werden.
Das Einbringen eines Kindes spült die ohnehin zu brav erzählte Geschichte zu weich und sorgt für allerhand blauäugige Momente der Unglaubwürdigkeit, die sich nicht mehr durch die Fähigkeiten der Kreatur erklären lassen. Diese Familienfreundlichkeit mag zum Comic-Flair passen, das man anvisierte, schadet der Stimmung aber eher, anstatt sie zu fördern. Das lahme Kostüm des Helden sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben, es steht den schlichten Gummikostümen sämtlicher Gummi-Monster der 50er Jahre in nichts nach und beschert uns nie die Illusion eines Mannes, der körperlich, wie seelisch, Schreckliches erleben musste. Der verspielte Umgang mit dem Bösewicht, dessen Selbstreflexion zu seinem Verhängnis wird, gehört zu den positiven Seiten des Filmes. Leider baut sein Schicksal auf der dümmsten Idee des Streifens auf, wenn es darum geht wie das neu entdeckte Serum wirkt.
Aber sein Wandel, und noch mehr der seines Helfers, wissen zu gefallen, zumindest bis zu dem Punkt, in welchem wir erfahren in was sich der überhebliche Gegner verwandelt. Danach badet "Das Ding aus dem Sumpf" endgültig im Schund, wenn zwei billig und uncharmant ausschauende Wesen gegeneinander kämpfen. Wenn der Schluss nach obligatorischem Sieg gegen das Böse mitten im Happy End noch einmal jene selbstgerechte, über den Kopf der Frau entscheidende Überheblichkeit des vom Drehbuchautor eigentlich milde und empathisch gemeinten Helden fokussiert, die sich bereits mitten im Film immer wieder bemerkbar machte, dann atmet "Swamp Thing" etwas Veraltetes in seinem Wesen, das nichts mit Retrocharme zu tun hat, sondern sich lediglich nach Ignoranz anfühlt.
Kaum zu glauben, dass sich "Das Ding aus dem Sumpf" in dieser fehlerhaften Art noch halbwegs interessant gucken lässt. Trotz seiner Schwächen, vielleicht einfach wegen des strikten Einhaltens des Grundlagenprogramms, ist er zumindest kein langweiliges oder zu dümmliches Stück Film geworden. Wie ein Horrorfilm mutet er trotz mancher Härte in seiner zu kindgerechten Art jedoch nicht an, was auch die FSK 12 erklärt. Wiki
08.08.2017
FREDDY'S NEW NIGHTMARE (1994)
Damals empfand ich den Streifen dann auch als Highlight der Reihe, mochte ich doch das Spiel mit den Metaebenen, die Erklärung warum Freddy in die Realität gelangt und das immer größer werdende Verschwimmen zwischen Privatperson und Filmrolle. Heute sichte ich ihn eher mit müdem Blick und betrachte ihn als Übung für die „Scream“-Reihe, in der ebenfalls ordentlich mit Metaebenen gespielt wird, denn so reizvoll die Idee von Teil 7 auch klingen mag, sie wurde nicht lange genug überdacht, bevor man sich an die Verfilmung dieses Stoffes heranwagte.
Langenkamp wirkt in ihrer aufgebretzelten Hollywood-Diva-Art längst nicht mehr so sympathisch wie in jüngeren Jahren, was von Craven eventuell noch gewollt sein kann. Warum die Geschichte jedoch weit weniger verwirrend ausgefallen ist als man vermuten würde, das Kind der Langenkamp so extrem im Zentrum steht, bis es stark zu nerven beginnt und das ganze Spektakel viel Specialeffect-lastiger ausgefallen ist anstatt spannend zu geraten, will mir nicht in den Sinn kommen. Kurz gesagt: wie konnte man nur solch eine sympathische Geschichte derart verwursten und fast schon familientauglich umsetzen, bis nur noch das Grundgerüst zu interessieren weiß?
Die einzelnen Randideen wissen alle in der Theorie zu gefallen (das Höllenfinale, der Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit Langenkamps und damit der Kampf um das Sorgerecht ihres Kindes, das geträumte Drehbuch, der Budenzauber am Set des Filmes, stark erinnernd an manche Szene aus dem 10 Jahre später erschienenden und wesentlich besser ausgefallenen „Chuckys Baby“), die Umsetzung will jedoch meist nicht funktionieren, was schon verwundert wenn man bedenkt welche Horrorfilm-prägenden Perlen Craven allein mit „Hügel der blutigen Augen“, „Nightmare - Mörderische Träume“ und „Scream“ geschaffen hat (Buch und Regie!!!), drei völlig unterschiedliche Geschichten in völlig unterschiedlichen Horror-Kategorien. Aber Cravens Qualität seiner Arbeiten schwankte stets, und „New Nightmare“ (Originaltitel) gehört leider zu den weniger geglückten Werken.
Die Maske Freddys und der mittlerweile fünf Krallen besitzende Handschuh wissen leider nicht so gut zu wirken, wie von Craven gewollt. Er wollte sich vom Sprüche-klopfenden Clown der letzten drei Nightmare-Filme entfernen, aber gruselig ist Freddy auch hier nicht ausgefallen. In einem penetrant aufgezwängtem „Hänsel und Gretel“-angelehnten Finale hat er hierfür ohnehin keine Chance mehr. Aber inmitten des Höllenspektakels, das optisch nicht zu überzeugen weiß und in seiner wuchtigen Art eher nervt anstatt zu packen, bleibt er die Clownsfigur die er gegen Ende immer war, u.a. auch weil Englund die Rolle meiner Meinung nach ohnehin nie gelungen ausgefüllt hat.
Der Spaß der Beteiligten und die wirklich großartigen Drehbuchideen sorgen zumindest dafür, dass Freddys kurzes filmisches Aufbaumen nach dem Tod, wie es im Slasher-Genre bei den Killern zur Regel werden sollte, mittelmäßig ausfällt und den ein oder anderen schlechten Moment aufgefangen bekommt. Bedenkt man jedoch was mit der Grundidee möglich gewesen wäre, wenn man sich nur etwas intensiver und konsequenter mit ihr auseinandergesetzt hätte, darf man zurecht über den Versuch, den Craven hier kreativ unternimmt, schimpfen. Aber wer weiß, vielleicht wäre ohne diese Vorübung „Scream“ zwei Jahre später nie so gut geworden wie geschehen. Diese Starthilfe gäbe „A Nightmare on Elm Street 7“ (Alternativtitel) zumindest eine Daseinsberechtigung. OFDb
29.07.2017
NIGHTMARE 3 - FREDDY KRUEGER LEBT (1987)
Das liegt aber nicht an den wundervollen, comicartigen, den Bereich der Horror-Komödie fast streifenden Ideen, mit welchen Freddy den Kids diesmal zu Leibe rückt. Die wissen in ihrer kreativen Form und den hervorragend gelungenen Spezialeffekten zu gefallen, auch wenn hierfür die Figur des Freddy Krueger endgültig zum Sprücheklopfer verkommt und vom schwarzen, unheimlichen Mann, den Englund ohnehin nur bedingt mimen konnte, nicht mehr viel übrig bleibt. Leider tobt sich die Fortsetzung auf eine unausgegorene Art mit derart vielen neuen Ideen aus (auch unter der finanziellen wie kreativen Mitbeteiligung des Freddy-Schöpfers Wes Cravens), dass schon einiges an Wohlwollen und Augenzudrücken vom Zuschauer abverlangt wird.
Das beginnt beim Grundplot, der schon vor dem Erscheinen Nancys, deren Einbringen ein Nichtverstehen der Schlussereignisse von Teil 1 voraussetzt, vorne und hinten keinen Sinn ergeben will. Alle Kids wissen von Freddy, haben Angst zu sterben, wurden bisher aber nicht getötet. Warum? Wieviel Kinder hat denn die olle Elm Street? Und warum gibt es eigens eine Abteilung in einer psychiatrischen Klinik für sie, wenn man doch weder von Massenpsychose ausgeht, noch den Kids je Gehör über die angebliche Ursache schenkt, über die sie klagen. Sie werden ganz klassisch wie selbstmordgefährdete Jugendliche gehalten, könnten also auch sonstwo gelandet sein, um sie zu therapieren. Von dem Muster, dass alle aus der selben Straße stammen, nimmt außerdem kein Erwachsener je Kenntniss.
Dabei bleibt es jedoch nicht allein. Neue Regeln, die das Horror-Thema nun mit dem Fantasybereich vermischen, verwässern das Horror-Feeling und verlangen ebenfalls einiges an Ignorieren von Ungereimtheiten vom Zuschauer ab. So sehr mir der Finalkampf auf zwei Ebenen auch gefällt: warum Freddy plötzlich die Macht besitzt auch in der Realität zu spuken, wird nie erklärt, einfach vorausgesetzt und ergibt auch keinerlei Sinn. Dass er nun mit religiösen Symbolen besiegt werden kann, gibt dem Christentum recht, tut der Story somit auch nicht gut und hätte so wenig sein müssen wie die Idee, dass jemand andere in seine Täume ziehen kann, ohne dabei Gesetzmäßigkeiten und/oder Begründungen aufzuweisen, warum und wie derjenige dies kann. Alles in Teil 3 wird als selbstverständlich vorausgesetzt, und zu allem Übel muss man nun auch noch eine völlig idiotische weltliche Begründung schlucken, warum Freddy das wurde was er wurde. Denn Wahnsinn ist in den Augen Amerikaner eine Vererbungskrankheit, und diesem Fehlwissen macht man sich hier auf peinlichste Art zueigen, kombiniert mit der geisterhaften Warnung einer längst verstorbenen Nonne.
Wären die Effekte, Traumbilder und der Grundton des Streifens nicht so gut ausgefallen, man könnte der Geschichte fast nicht folgen, so wackelig kommt sie daher und so viel Unsinn schlägt sie einem vor die Augen. Zudem haben es die Verantwortlichen der Maske Mitte der 80er Jahre geschafft, die zuckersüße, sehr natürlich wirkende Heather Langenkamp aus Teil 1 in ein grottig aussehendes, jedem kurzfristigen Modestile hinterherlaufenden Püppchen zu verwandeln, was das ganze zu realitätsferne Treiben sich nur um so unechter anfühlen lässt. Ein Blick auf die Besetzung bietet dennoch einen ähnlichen Reiz wie im Erstling der Reihe, mischen doch nun auch die damals unbekannten Patricia Arquette (im Gegensatz zu „True Romance“ aufgrund der Schlafprobleme herrlich unerotisch zurecht gemacht) und Laurence Fishburne („Matrix“) mit. Auch John Saxon konnte man für seine kleine Rolle als Nancys Vater zurückgewinnen.
Lässt man sich auf das sinnlose, wie einfallsreiche Gedankenspiel von „A Nightmare on Elm Street 3 - Dream Warriors“ (Originaltitel) ein, wird man recht ordentlich unterhalten, dürfen sich Autoren wie Spezialeffektler doch ordentlich austoben. Freddy als menschenfressendes, schlangenartiges Wesen weiß dabei ebenso zu beeindrucken wie das handgemachte Skelett, gegen welches Nancys Vater im Finale kämpfen muss (mein persönliches Highlight des Streifens). Leider vermisst man den Spannungsbogen des ersten Teils und das Verwirrspiel von Schlaf und Realität.
So bleibt ein kunterbunter, höchst kreativer, aber unsinnig gehaltener Fantasystreifen mit Horror-Touch, der durchaus kurzweilig zu unterhalten weiß mit allerhand quantitativen Tamtam, diesen Zirkusattraktionen aber keinen Rahmen schenkt, in welchem er ohne die Augen zu verdrehen kompromisslos zu funktionieren weiß. Wenn man während einer geglückten Szene immer wieder auf Lücken stößt, weil die Autoren ihre Ideen nicht zu Ende gedacht haben, entsteht auch bei kurzweiliger Unterhaltung stets ein Riss, der dem Gesehenen schadet. Die Kunst sein Gehirn auszuschalten oder die Widersprüche gar nicht erkennen zu können erweist sich somit als zwiespältiger Vorteil für den Genuß dieser allseits beliebten Fortsetzung, und das ist leider typisch 80er Jahre-Kinokrankheit. OFDb
23.07.2017
NIGHTMARE - MÖRDERISCHE TRÄUME (1984)
Bevor es diese gab war Freddy Krueger noch eine düstere Schreckensgestalt, die nur höchst selten einen lockeren Spruch über ihre Lippen brachte. Er ist in ein unheimliches Szenario eingebettet und dabei meist nicht zu sehen. Craven geht es um die Suspense, und da tut es gut Robert Englund kurz zu halten. Denn wenn die meisten auch behaupten ein „Nightmare“-Film ginge nicht ohne ihn, so fand ich ihn doch schon immer eher störend besetzt, weiß er seine Körperhaltung doch nicht unheimlich einzusetzen. Bereits hier wirkt er in manchen Momenten wie der Horror-Zirkusclown zu dem er später fast wurde, und das passt nicht in die Stimmung des ersten Teiles, die trotz diverser Seitenhiebe auf die Gesellschaft und das Horror-Genre gewollt düster und ernsthaft gezeichnet ist.
Der missglückten Momente diesbezüglich gibt es nur zwei oder drei, das beraubt Wes Cravens Kultfilm glücklicher Weise nicht seiner Qualität, denn starke positive Faktoren lassen geringe Schwachpunkte, die es auch in der Traumlogik zu finden gibt, regelrecht verschwinden, ist die düstere Grundstimmung doch regelrecht unheimlich zu nennen, wissen die Traumsettings und die Kameraarbeit in diesen doch hervorragend zu wirken und ist der Plot doch durchdacht auf allen drei Ebenen: der erzählten Geschichte, der Traumwelt und ihre Überschneidungen zur Realität, sowie der analytisch erzählten Geschichte in zweiter Reihe.
Nebenbei darf mal mehr, mal weniger sinnig über Träume philosophiert werden, und da sich Craven nicht nur auf den einfachen Grundplot ausruht, bekommen wir auch noch eine toll inszenierte Szene präsentiert, in welcher Nancys Träume von Fachärzten beobachtet werden, ein Abstecher von der Grundgeschichte, den diese nicht nötig gehabt hätte - mit Ausnahme ihres entscheidenden Hinweises für den Endkampf. Und auch hier kann man Craven als Autor nur beglückwünschen, schrieb er doch die beste und konsequenteste Methode der Reihe auf, wie Krueger möglicher Weise zu besiegen ist. Dementsprechend temporeich, spannend und unterhaltsam findet auch das Finale statt, dass nicht nur den Vater Nancys zum Staunen bringen wird.
In dieser Phase des Films befindet sich „A Nightmare on Elm Street“ (Originaltitel) jedoch bereits derart zwischen den Fronten Traum und Realität, dass es dem Zuschauer überlassen bleibt, wie er die finalen Geschehnisse inklusive Schluss-Gag zu verstehen hat. Der "angehangene" Schluss mag auf manch einen unnötig wirken, letztendlich ist er jedoch die entscheidene Konsequenz, die aus dem zuvor Gesehenen entsteht und ist wichtig, damit auch der Letzte begreift, dass das Finale nie auf der Wahrnehmungsebene stattgefunden hat, unter welcher man es zunächst vermutet. Zwar weist darauf bereits eine Todesszene im Elternschlafzimmer hin, aber es braucht nicht zu wundern, dass bei all dem Spektakel, welches Craven uns um die Ohren haut, der Zuschauer verwirrt wird und die Orientierung diesbezüglich verliert, schließlich schafft Craven es den empathischen Teil der Zuschauer streckenweise selbst in eine Art Alptraumzustand zu versetzen.
"Nightmare - Mörderische Träume" ist ein überdurchschnittlich ausgefallener Horrorfilm, der mit heute noch beeindruckenden Spezialeffekten aufwartet und mit Heather Langenkamp und John Saxon auch überzeugend besetzt ist. Lediglich der noch sehr junge Johnny Depp spielt blasser als erwartet, hat aber ohnehin nur die Rolle des begleitenden Sidekicks Nancys erwicht, also was soll‘s. Was bleibt ist ein Horror-Kultfilm der sich heute noch so spannend schaut wie zur Entstehungszeit und der rein von seiner Geschichte her gar nicht hätte fortgesetzt werden müssen, so vielschichtig wie Craven das Thema hier bereits ausarbeitet. Freilich bin ich trotzdem nicht böse drum, dass es zu weiteren Filmen mit Freddy Krueger kam. OFDb
20.11.2016
DAS HAUS DER VERGESSENEN (1991)
Das ist verständlich, handelt es sich doch um einen höchst ungewöhnlichen Film, der mit harten Ideen (jedoch nur selten in blutigen Bildern) ebenso jongliert wie mit bunten, so dass der märchenhaft angehauchte Horror-Trip zu einer Groteske aufgeblasen wird, welche die Realität zwar nicht völlig aushebelt wie manch extremere Groteske, dem Zuschauer aber so einiges Überraschendes und Genre-sprengendes präsentiert, an das man sich erst einmal gewöhnen muss. Was als relativ typische Horrorgeschichte losgeht, entpuppt sich als sympathisch kranke Story, die spätestens aufgrund des Overactings des Vermieterpaares zu einem wahren Comicstrip wird.
Positiv fällt auf, dass Craven diesen Touch weder künstlich schrill erreicht, wie er es zuvor in „Shocker“ versuchte, und u.a. aufgrund dessen auch daran scheiterte, noch mit zu harten Provokationen arbeitet, wie es ein Rob Zombie heutzutage angehen würde, um sich beim Horrorpublikum anzubiedern. Craven geht, wie typisch für die Entstehungszeit von „The People Under the Stairs“ (Originaltitel), verspielt mit den Situationen um, schenkt ihnen immer einen Hauch Humor, seltenst sogar eine Dosis Klamauk, und bewahrt in allem was hier geschieht stets die nötige augenzwinkernde Distanz, die offen suggerieren soll, dass es sich bei dem hier Erzählten lediglich um einen kleinen Spaß handeln soll, der niemandem weh tut.
Dank harter Momente und der Thematik um Kindesmisshandlung, fällt „Das Haus der Vergessenen“ nie derart bunt aus, dass er zu einem harmlosen Familienfilm werden könnte. Der Streifen richtet sich in seiner trotz aller Verspieltheit radikalen und ansatzweise düsteren Art definitiv an ein erwachsenes Publikum. Zwar distanziert sich Craven in seinem etwas arg gekünstelten sozialkritischen Hintergrund für meinen Geschmack gegen Ende etwas zu sehr von der grotesken Handschrift des Streifens, dennoch passt auch der fast schon kitschige Schluss wiederum zu den märchenhaften Zutaten, die Craven von Beginn an wenig märchenhaft in die Geschichte einstreut, wie z.B. die Legende um den im Haus versteckten Goldschatz.
Zumindest wird man während der kompletten Geschichte immer wieder von Craven auf Trab gehalten. Lebt das erste Drittel von den Geheimnissen des Hauses, wird der Mittelteil nach Aufdeckung dieser zu einer abwechslungsreichen und spannend inszenierten Treibjagd, wohingegen das letzte Drittel mit einer Wendung in der Geschichte startet, die dort einsetzt wo andere Autoren ihren Film hätten enden lassen. Durch die Armut im Ghetto und das Geschehen in den vier Wänden eines skurrilen, unbehaglichen Wohnortes, schaut sich „Das Haus der Vergessenen“ angenehm zeitlos, da weder Mode noch überholte Lebenssituationen auf das Entstehungsjahrzehnt verweisen. Und dass die schrillen Ideen eines „The People Under the Stairs“, trotz aller Extreme die das Horror-Genre in den letzten Jahrzehnten hervorbrachte, noch immer schrill, provokativ und frisch wirken, ist ein weiterer Beweis für die zeitlose Qualität des Streifens. OFDb
07.04.2016
THE HILLS HAVE EYES - HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN (2006)
Aja weicht kaum von den Geschehnissen des 70er Jahre Filmes ab. Die Todesarten und die gestellten Fallen werden fast 1 zu 1 übernommen. Ob es nötig war den Ur-Plot um eine Geisterstadt zu ergänzen sei einmal dahingestellt. Mit dem dort spielenden Szenario kommt man Hoopers „Blutgericht in Texas“ näher als es der Stoff von „The Hills Have Eyes“ nötig gehabt hätte. Wer sich nicht an einer selbstgerechten Rachestory stört mit Verletzungen mit denen kein normaler Mensch je weiter kämpfen könnte, der wird gut unterhalten mit einem Horrorbeitrag, der trotz einiger satirischer Spitzen spannungsgeladen umgesetzt ist und trotz etwas zu übertriebener Maskerade furchteinflößender aussehende Gegner bietet als das Original.
Starke Nerven und einen harten Magen sollte man besitzen um dem eiskalten Treiben bis zum gar nicht so optimistischen Schluss folgen zu können. Dabei ist es schön mit anzusehen, dass uns Aja trotz seiner Hochglanzoptik ganz im Gegensatz zu Michael Bays „Texas Chainsaw Massacre“ derart dreckige Bilder zaubert, dass man fast glaubt sich selbst in der staubigen Wüste zu befinden. Bis zu einem gewissen Grad bleibt die bluttriefende Story gar realitätsorientiert, z.B. in den Kampfsequenzen mit einem kampfunerfahrenen Helden, welche erst in der x-ten Zuspitzung den Pfad allem Glaubwürdigen verlassen, um rein des Unterhaltungseffekts wegen komplett im Blut zu sudeln.
Wer sich daran stört ist beim harten Horrorfilm im falschen Genre unterwegs, gehören Unlogiken gerade in Sachen Härte und ein ungesundes Maß Selbstjustiz zu solch einem Film doch zwingend dazu um vollends funktionieren zu können. Damit können aufgestaute Gefühle beim Zuschauer entladen werden, selbst dann wenn man nicht weiß ob das alles zu einem Happy End führen kann oder nicht.
„The Hills Have Eyes“ kommt weit weniger subtil daher als Cravens Erstverfilmung. Die Hintergründe müssen erst per Einleitung erwähnt, später per Zeitungsartikel belegt und gegen Ende von einem Mutanten noch direkt ausgesprochen mitgeteilt werden. Ansonsten geht aber auch das Remake nicht all zu schonend mit dem Publikum um. Gerade Nichtkenner des Originals werden von so einigen Überraschungen geschockt werden, auch wenn es nicht jede abartige Idee von dort ins Remake geschafft hat. Und man darf es Aja danken, dass er es schafft trotz der engen Orientierung an die 70er Jahre-Verfilmung dem Ganzen einen eigenen Stempel aufzudrücken.
Der höhere Spannungsbogen, das bessere Make-Up der Gegner und vor allen Dingen der schwer im Magen liegende Vorspann, der mit echten Aufnahmen von Atombombentests einen zunächst in die Realität reißt bevor es fiktiv weiter geht, sowie die augenzwinkernde Musikauswahl im Abspann, das sind alles Zutaten welche die Neuverfilmung legitimieren, zumal „The Hills Have Eyes“ bereits rein von der Besetzung her zu überzeugen weiß. So wenig wir auch über die Charaktere erfahren, wir fiebern eng mit ihnen mit in einem hervorragend fotografierten Film. Ajas Remake lässt nur wenig Wünsche offen und ist eine der gelungensten Neuverfilmungen der 00er Jahre Horror-Remake-Welle, auch für Kenner des Originals. OFDb
02.02.2016
IM TODESTAL DER WÖLFE (1984)
Noch ein solch großartiges Erlebnis habe ich bei der Fortsetzung gar nicht erwartet, aber was uns mit dem Sequel vorgesetzt wird, und dies immerhin von Wes Craven persönlich inszeniert, ist schon arg enttäuschend. Nicht nur dass man mit allerhand Rückblenden aus Teil 1 ordentlich Laufzeit streckt und den Kenner des Originals damit zu langweilen beginnt, auch der Umgang mit den Figuren des Vorgängers weiß nicht zu gefallen. Die Bösen haben wie durch Zauberhand überlebt, Bobby dient nur der Rückblicke wegen und wird für die Hauptstory nicht benötigt (was wäre er auch blöde mitzukommen) und das Mädel, welches einst zum Kannibalen-Clan gehörte, genau jene Figur aus der man viel Interessantes hätte herausarbeiten können, verhält sich so als hätte sie die selbe Kindheit wie jeder Durchschnitts-Ami erlebt und sticht zwischen all den charakterlosen Abziehbildern nicht hervor.
Die Rednecks gehen längst nicht mehr so strategisch clever vor wie in Teil 1, lediglich ihre Art der Fallen fallen nun professioneller aus, was jedoch keinen wahren Zusatzreiz bildet. An den Nerven zerrt „Todestal der Wölfe“ (Alternativtitel) ebenfalls nicht mehr, und dass die Fortsetzung auch auf schlichterer Jason-Basis nicht so gefallen will wie die Filmreihe aus der er entstammt, liegt allein schon daran, dass die Familienmitglieder optisch nicht bedrohlich wirken. Das taten sie bereits in Teil 1 nicht, mussten es dort aber auch nicht. Aber eine olle „Freitag der 13.“-Nummer durchzuziehen, ohne dass der Angreifer optisch Wirkung besitzt, haut nicht wirklich hin.
Mit ausgeschaltetem Kopf und viel Geduld kann man dieses innovationsfreie Stück Massenkost freilich trotzdem durchstehen. Aber es gibt interessantere Werke gleicher Einfallslosigkeit, die das 10 kleine Negerlein-Prinzip besser auszunutzen wussten. Man fragt sich unweigerlich warum Craven aus all den Zutaten die er bereit stellt nicht etwas halbwegs besseres gezaubert hat. Warum wählt man als Final Girl eine Blinde, wenn man kaum mit dieser Blindheit spielt? Und warum wählt man eine Blinde, wenn man 1 zu 1 das Szenario aus der „Freitag der 13.“-Reihe übernimmt, in welcher die Final Girls am Schluss immer über diverse Leichen stolperten? Craven weiß den einzigen Unterschied darin zu sehen, dass die Blinde die Gesichter ertasten muss anstatt diese sehen zu können. Na toll, für diesen Wahnsinns Unterschied hätte man auch auf die Idee einer blinden Heldin verzichten können.
„The Hills Have Eyes Part 2“ (Originaltitel) ist lustloser heruntergekurbelt, unglaubwürdig erzählt und dümmlich ausgefallen. Man kann ihn zwar als routiniertes Produkt mit einem Hauch Langeweile halb interessiert durchstehen, schließlich gibt es schlechteres in diesem Bereich zu sichten, aber auch als Durchschnittsprodukt will er nicht wirklich unterhalten. Und als Fortsetzung von „Hügel der blutigen Augen“ ist er freilich nur noch ein schlechter Witz. OFDb
01.02.2016
HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN (1977)
Ebenso direkt ist der Film selbst ausgefallen, der anfangs nicht den Eindruck macht mehr zu sein als einer von vielen schnell und kostengünstig heruntergedrehten Horrorfilmen zur Zeit der ersten Terrorwelle in den 70er Jahren. Warum weiht uns Craven so schnell in das Geheimnis ein? Warum lässt er uns nicht im Ungewissen? Fragen die ich mir ein wenig enttäuscht stellte, und die ich nun beantwortet weiß, spielt Craven doch von Anfang an mit offenen Karten, um den Konflikt um so früher und roher zulassen zu können inmitten der staubigen und steinigen Gegend, die dem Film zum Funktionieren zu seinem Vorteil gereicht.
Die Ausgangslage ist so gnadenlos wie der Kampf ums Überleben später selbst. Eine alte Frau, ihr herzkranker Ehemann, zwei vom Leben ahnungslose Jugendliche und ein junges Paar mit Baby, welch ein schwaches Trüppchen welches da den geübten Jägern und Kannibalen gegenüber gestellt wird. Da tut es zunächst gut sie in der Obhut zweier großer Hunde zu wissen. Aber als Craven den ersten früh sterben lässt, geht die Hoffnung für den Zuschauer schnell vorüber, dass diese harmlose Familie, welche den Umweg Richtung Silbermine lediglich aufgrund eines kleinen Wortwitzes aufgrund der bevorstehenden Silberhochzeit nahm, nicht zu viel über sich ergehen lassen muss.
„Hügel der blutigen Augen mag künstlerisch gesehen nicht so wertvoll abgefilmt sein wie es Hoopers „Blutgericht in Texas“ war, aber das macht er mit seiner staubigen Location und der Gnadenlosigkeit seiner Erzählung wieder wett. Die Überlebenden am Schluss bekommen ihr Leben von Drehbuchautor und Regisseur Wes Craven nicht gnädigst geschenkt. Sie müssen es sich knallhart durch Tücke und Unmenschlichkeit verdienen, und eines sehr plötzlichen Schlusses wegen werden wir nie erfahren ob es das wert war, so psychisch kaputt nun jeder einzelne von ihnen sein wird.
Auch wenn die Gewalttaten nicht explizit im Detail gezeigt werden, wie es im heutigen Horrorfilm der Fall ist, so ist „The Hills Have Eyes“ (Originaltitel) doch wesentlich gnadenloser ausgefallen als es der Hochglanzfilm von heute überhaupt sein kann. Der Zuschauer wird nicht in Watte gepackt und auf nichts was kommt vorbereitet. Er muss ebenso wie die Protagonisten durch, durch eine atemberaubende Schlacht, auf der beide Seiten knallhart zu leiden haben. Craven lässt die Leute im Film auf übelste Weise leiden, bluten und sterben, umgeht in dieser Radikalität jedoch glücklicher Weise den Bereich des Folterfilms. Der Tod kommt brutalst aber relativ schnell. Es wird sich am Elend der anderen nie aufgegeilt. Das bestialische Töten dient lediglich dem Faustschlag ins Gesicht für den Zuschauer, der zur Entstehungszeit nur wenige solcher direkten und schonungslos mit dem Publikum umgehenden Filme gesichtet haben wird. Leid wird als Leid dargestellt, nicht als coole Spezialeffekt-Orgie für Schaulustige.
Selbst heute noch ist „Hügel der blutigen Augen“ aufgrund seiner direkten Konfrontation schwer zu ertragen. Schocks werden nicht vorbereitet, es gibt keinen auflockernden Humor, keine gesellschaftlichen Tabus die eingehalten werden. Der Zuschauer ist sich aufgrund der rohen Erzählung nicht einmal im Klaren, ob das Baby des jungen Paares überleben wird oder nicht, ein Punkt der im amerikanischen Horrorfilm, egal in welchem Jahrzehnt, stets ein geschützter Bereich war. Der Hitze der Wüste ausgesetzt, als zarter Sonntagsbraten für die Kannibalen gedacht, selbst in den Händen der Guten weiß man nie ob es überleben wird, geschweige denn jener der es beim Rennen trägt, in solch steiniger Umgebung, die stets Unfälle verursachen kann.
Zwar schafft es Craven nicht in der ruhigen Anfangsphase einen dichten Spannungsbogen aufzubauen, obwohl das allein durch die unheimliche Umgebung in der Nacht sicherlich nicht schwierig umzusetzen gewesen wäre, aber er erschafft zumindest von Anfang an eine Atmosphäre der Bedrohlichkeit, die jedoch im ersten Drittel nie so hoch ist wie danach, weil man erst dann versteht wie direkt und schonungslos „Hügel der blutigen Augen“ tatsächlich erzählt ist, und zu was die Bande ehemaliger Wolfskinder, die nie wahre Menschlichkeit kennen gelernt haben, im Stande ist.
Der politische Konsenz der Geschichte blitzt immer wieder durch, wird allein durch die Vergangenheit der Gegend in der sich alles abspielt deutlich, dennoch arbeitet Craven nie mit einem erhobenen Zeigefinger. Eine Familie wie die hier Gezeigte ist nur passiv Schuld innerhalb einer Gesellschaft, die ihre Bürger über viele Dinge nicht aufklärt. Und trotzdem kommen die Verbrechen der Regierung eines Tages ans Licht, und dann muss man sich mit ihnen auseinander setzen. Eine intelligente Geschichte erzählt Craven allein schon aufgrund der Reduzierung auf das Wesentliche nicht, aber dieses fast Nichts an Handlung wird zumindest intelligent erzählt, frei von Widersprüchen oder psychologischer Unstimmigkeiten. Gefallen wird es trotzdem nur jener Art Film-Fan, der sich nicht nur im bürgerlich sicheren Mainstream versteckt. OFDb
24.05.2015
DIE SCHLANGE IM REGENBOGEN (1988)
Die Fragwürdigkeit der Pharmaindustrie, in deren Auftrag Allen unterwegs ist, wird nicht angerissen, weder beim Aufhänger der Geschichte, noch in Form einer schwarzhumorigen Pointe. Das beweist in Kombination mit der Behauptung einer angeblich wahren Begebenheit wie blauäugig der Film daher kommt, dem der „The Last House on the Left“-Regisseur Wes Craven, wie man es aus seinen Werken „Shocker“ und ganz besonders aus „Nightmare - Mörderische Träume“ von ihm gewohnt ist, einige wirksame alptraumhafte Bilder zu bescheren weiß. Diese und manch fiese Idee, wie das Wandern einer großen Spinne auf dem Gesicht eines durchs Voodoo-Pulver Gelähmten, wissen dem Film einen gewissen Reiz zu bescheren und niemanden kalt zu lassen. Insgesamt kann man „Die Schlange im Regenbogen“ mit all seinem Hokuspokus allerdings nicht wirklich ernst nehmen.
Bereits die Besetzung des eigentlich so sympathischen Bill Pullman („Spaceballs“, „Während du schliefst“, „The Grudge - Der Fluch“, ...) erweist sich als wenig geglückt, ist er mimisch doch viel zu zurückhaltend und wirkt seine Fön-Frisur, die ihn sonst gerne mal smart wirken lässt, doch eher deplaziert. Und wenn diese selbst nach einer Nacht des Sex noch perfekt sitzt, wirkt das schon sehr belustigend, ebenso wie der Einsatz eines sichtbar gezähmten Jaguars, der bedrohlich wirken soll.
Es ist schade dass die letzten 20 Minuten der Geschichte die Möglichkeit berauben Interpretationssache des Zuschauers zu sein. Bis dahin ließe sich vieles mit Halluzinogenen erklären, ein Gedankenansatz der auch ganz direkt im Film geäußert wird. Aber das Drehbuch, für welches Craven ausnahmsweise einmal nicht selbst verantwortlich war, kann der Versuchung nicht widerstehen dem Hokuspokus schließlich Recht zu geben.
Zudem setzt er nach einem, selbst für das Zugeständnis des Zaubers akzeptablen, Schluss eine Erweiterung ein, welche die Rolle des Allen zur unnötigen Rachefigur werden lässt und uns damit wieder deutlich macht, dass wir es mit einem amerikanischen Film zu tun haben, deren Kultur eine völlig andere ist als die unsere, auch wenn das Kino uns immer wieder weiß machen möchte dem wäre nicht so. Mental lässt sich da gerade gegen Ende vieles nicht mit unserem Denken vereinbaren, was in einem amerikanischen Film auch gar nicht schlimm wäre, wenn der Schluss eine Konsequenz des zuvor Erzählten wäre. Aber das ist ja leider nicht der Fall.
Technisch gesehen ist „Die Schlange im Regenbogen“ professionell abgefilmt, und auch die Regie Cravens sorgt dafür, dass sich der Streifen in seinem Unterhaltungsgehalt wacker schlägt. Aber letztendlich fehlt dem Film die intensive Wirkung, die allein schon durch das amerikanische Bild wie sich die Filmindustrie einen Wissenschaftler und dessen Denken vorstellt nicht ernsthaft entfalten kann. Zwar gibt der Streifen den Voodoo-Kult nie wirklich der Lächerlichkeit preis und weiß ihm eine gewisse Mystik zu bescheren, und Allens Weg zum Pulver ist nicht ohne Hürden und Täuschungen versehen, und auch der Mut einen erwachsenen Horror in Zeiten von Teenfilmen ins Kino zu bringen ist lobenswert anzumerken, aber letztendlich ist „The Serpent and the Rainbow“ (Originaltitel) eine halbgare Angelegenheit, die sich nur Komplettisten des Regisseurs Wes Craven zu Gemüte führen sollten.
Der hat mal bessere und mal schlechtere Filme als diesen abgedreht, „Die Schlange und der Regenbogen“ (Alternativtitel) befindet sich also im Mittelfeld seines Schaffens, aber die ernstzunehmende Auseinandersetzung mit dem Zombie-Thema, wie mancherorts gern behauptet wird, ist der Streifen definitiv nicht geworden. Aufgrund ihrer politischen Aussagen sind da viele Werke der Romero-Welle wesentlich ernster zu nehmen, als der pseudo-realitätsorientierte Ansatz im hier besprochenen Film. OFDb
11.04.2015
SCREAM 3 (2000)
Um auch auf der Ebene der auf Filme bezogenen Morde für frischen Wind zu sorgen wird uns „Scream 3“ nicht nur als weitere Fortsetzung vorgestellt, immerhin wurde bereits im Vorgänger zu genüge über Fortsetzungen debattiert, sondern als letzter Teil einer Trilogie, die laut dem Film anderen Gesetzen unterliegt. Im Filmbereich kann man das Wort Trilogie wohl als Modebegriff sehen. Zumindest weiß ich nicht wieviel Sinn es macht etwas das ewig fortgesetzt werden kann als Trilogie darzustellen, das eigene Gesetzmäßigkeiten hätte, nur weil es drei Teile beschert bekommen hat.
Mit einer Geschichte ist nur offiziell Schluss wenn kein weiterer Teil gedreht wird. Jede Geschichte kann man weiter erzählen, wirklich jede. Und spätestens „Scream 4“ beweist, dass das ewige Reden über Trilogien Unsinn ist. George Lucas selbst erweiterte seine „Krieg der Sterne“-Trilogie um drei weitere Filme, drei weitere folgen nun produziert von den Disney Studios. Und wer eine Unterscheidung zwischen klassischer Fortsetzung und Trilogie damit untermauert in Trilogien würde etwas zum Abschluss kommen, das zwei einzelne Teile nicht erreicht haben, der kann auch gerne einen Blick auf Tarantinos beide „Kill Bill“-Filme werfen, der einen Teil weniger dazu benötigte.
Und darin liegt eines der Probleme von „Scream 3“. Trilogie, das klingt so unglaublich wichtig, aber es existieren keine Gesetzmäßigkeiten die eine solche von einer regulären Fortsetzung trennen. Wie mutig eine Fortsetzung ist entscheiden Autoren und Produzenten. Das ist alles. Und da „Scream 3“ der Teil eines lukrativen Franchises war, kann man sich denken wie mutig Autor und Produzenten hier waren - nämlich gar nicht. Bis auf die Tatsache dass es ungeahnte Hintergründe im Familienleben der Prescotts gab, entlarvt sich der Film mit dem Nichtanwenden der aufgesagten Regeln selbst mit der Unsinnigkeit seiner Thesen.
Das wäre ein toller Kniff für eine solch Kino-reflektierende Reihe. Nur leider ist dieses Entlarven der Trilogie-Lüge in Teil 3 gar nicht beabsichtigt. Und das macht die Anwendung eines Pseudo-Faktes den man vertiefen will selbstverständlich unausgegoren. Somit kann man mit lästerndem Unterton behaupten, dass die ebenso unausgegorene Inszenierung des kompletten Streifens trefflich an diesem Fehler orientiert ist. Zu ruhige Passagen bremsen den Film immer wieder aus. Parallelen zwischen Realität und Nachahmung beginnen spätestens dann zu nerven, wenn die Kino-Gale Weathers viel zu schrill eingesetzt wird, so als wolle man diesmal doch endgültig zur Horror-Komödie werden, was der Rest der Inszenierung in seiner ernsteren aber weiterhin augenzwinkernden Art glücklicher Weise aber dann doch zu verhindern weiß.
Im Gegensatz zu den Hintergründen der beiden ersten Teile, die man mit viel Wohlwollen noch als halbwegs glaubwürdig annehmen kann, wenn auch nur angewendet in der Welt des Kinos, wird das Konstrukt das in „Scream 3“ erschaffen wird, um sich an die Pseudo-Trilogie-Regel zu halten dass etwas nicht Gewusstes in der Vergangenheit schlummert, nie glaubwürdig und bedient sich zudem noch dreist an den Hintergründen von Teil 1, verändert dessen Auflösung auf lächerlichste Art und serviert uns zusätzlich schon wieder wie in Teil 2 einen Täter, der im Laufe des Films kaum von Bedeutung war. Wie unsinnig dessen Beweggrund ist weiß Sidney zumindest selbst zu äußern, da geht der Film ehrlich mit sich selbst um, aber zu befriedigen weiß selbst diese selbstkritische Positionierung nicht.
Es reicht eben nicht nur mit sich selbst und reflektiert mit den Regeln des Genres zu spielen. Und es reicht auch nicht das bisherige Geschehen damit zu bereichern, dass der Anrufer von nun auch Stimmen immitieren kann. Ich gebe zu dass diese Idee für manch tolle Szene gesorgt hat, und ohnehin hat „Scream 3“ manch gut inszenierte Szenen vorzuweisen. Aber er ist zu sehr Produkt geworden und in seiner eigenen Welt gefangen, sich selbst einen immer enger werdenden Strick bindend mit jedem Herumspinnen mit Metaebenen. Da wird teilweise fruchtbar herausgeholt was diesbezüglich aus ihnen herauszuholen ist, leider aber auch darüber hinaus in ihnen geschwommen, so sehr bis man sich selbst für viel zu clever hält. „Scream 3“ will so viel sein und vergisst darüber hinaus leider den Charme einzusetzen, den seine beiden Vorgänger stets ausgestrahlt haben.
Um so mehr darf es einen verwundern, dass die neu hinzugefügten Figuren zu interessieren wissen und interessante mögliche Täter sind. Auch die bereits von den Vorgängern bekannten Figuren erscheinen wieder in einem verdächtigen Licht, und wäre das Drehbuch so mutig wie eine der Pseudo-Regeln für Trilogien lautet, wären sie auch glaubwürdig verdächtig. Aber „Scream 3“ setzt lieber auf Nummer sicher, will das Stammpublikum nicht verschrecken indem wer Sympathisches plötzlich zum Täter wird oder zumindest sterben darf, und diese Mutlosigkeit ist schon sehr schade.
Klar, „Scream 3“ hat durch seine beiden Vorgänger eine große Konkurrenz denen er gegenüber steht. Als Film für sich kann er aufgrund der Vorkenntnisse die man besitzen muss um mit dem Inhalt etwas anfangen zu können jedoch leider nicht existieren. Und als solcher wäre er auch nur als lediglich „ganz nett“ ausgefallen. Manch einer mag ihn auch so sehen, aber dafür muss man einige Ärgerlichkeiten herunterschlucken. Bei einer Zweitsichtung klappt das besser. Da weiß man an welchen Ecken es krieselt. Und da macht die zweite Fortsetzung als überzogenes Konstrukt zumindest teilweise Spaß, mitunter weil für den Zuschauer die Geschichte um seine liebgewonnenen Charaktere weiter geht. Aber das sollte 11 Jahre später in „Scream 4“ auf angenehmere Art funktionieren. Der badete zwar auch tief in Metaebenen und der Gedankenwelt von Film-Freaks, mit der Thematik „Remake“ hatte er im Gegensatz zur Thematik „Trilogie“ aber zumindest eine wahrlich existierende Filmform vorliegen über die er sich hermachen konnte und keine krampfhaft theoretisch erstellte. Das war ein ungemeiner Pluspunkt für ihn. OFDb
SCREAM 2 (1997)
Dass die Intensität der Eingangssequenz vom Vorgänger nicht so leicht ein weiteres Mal einzufangen ist, geschweige denn getoppt werden kann, ist klar, aber sie kann sich sehen lassen, die Eröffnungssequenz von Teil 2, die einem vernachlässigten Thema zu den Überlegungen der Gesetzmäßigkeiten eines Horrorfilms nachgeht. Auch sie ist packend inszeniert, doch das ist nichts gegenüber manch spannender Sequenz die uns im Laufe der Story noch erwartet. In Sachen Spannungsgehalt toppt Teil 2 den Vorgänger sogar, innerhalb einer Inszenierung die ebenso flüssig ohne Stolpersteine daher kommt wie Teil 1.
„Scream 2“ könnte mit all seinen neuen Ideen (alles zum Thema Fortsetzungen) und Erweiterungen alter Ideen (Cotten in die Haupthandlung einzubauen), sowie mit dem Luxus sich Zeit für ausgefallene Suspense-Momente zu nehmen (die Theater-Probe) locker mit dem Erstling mithalten, wenn... ja wenn die Auflösung nicht völlig enttäuschend ausgefallen wäre. Da wird geredet und geredet um der Begründung für die Morde einen Sinn zu geben, aber das ist vergebens, weiß das alles doch nicht wirklich zu überzeugen, zumal die Figur, soviel sei verraten, zuvor nur hin und wieder unbedeutend durchs Bild huschte und deswegen eine Zuschauerverarsche als der aufgedeckte Täter ist.
Zudem ist das Finale nach der Aufdeckung zu lang geraten, ohne mit ausgefallenen Überraschungen eine solch ausgedehnte Sequenz zu legitimieren. Hier hatte Teil 1 die Nase um Längen vorn, konnte noch einmal als individuelles Produkt trumpfen, welches den Kult-Status zurecht verdient, während das Gebrabbel in Teil 2 ziemlich viel vom eigentlich positiven Restergebnis kaputt macht. Schade, aber wenn man drauf eingestellt ist macht der Streifen trotzdem viel Spaß. Mit „Scream 4“ kann er, entgegen dem was ich zuvor behauptet habe, also doch locker mithalten. OFDb
09.04.2015
SCREAM (1996)
„Scream“ ist so sehr kopiert, rezensiert und parodiert worden, dass er sich nie mehr so flüssig guckt wie damals. Ein Großteil ist selbst zum Zitat geworden. Die hier gekonnte Art Ironie mit echtem funktionierendem Horror zu vereinen hat viele Nachahmer inspiriert, die es für irre intelektuell hielten stets die Ironiefahne weit hoch zu halten, sodass mancher Kino-Hit es gar nicht mehr wagte mutig auf puren Horror zu setzen. Diesbezüglich war „Scream“ lange Zeit Fluch und Segen zugleich für den Horrorbereich, der es irgendwann aber dann doch schaffte ein breit gefächertes Sortiment dessen was alles unter Horror fällt abzudecken.
Wie gesagt funktioniert der augenzwinkernde Umgang in „Scream“ bestens. Schwächen des Genres werden aufgedeckt, ihre Wichtigkeiten für diese Art von Geschichten gleichzeitig aber auch demonstriert. Dabei geht man meist recht subtil vor. Ohnehin verkommt Wes Cravens Überraschungs-Hit nie zur reinen Horror-Komödie. Wahre Witzchen, wie eine offensichtliche Anspielung an den Killer Freddy Krueger, sind die Ausnahmen in einer Geschichte, die es sogar schafft glaubwürdig die Tragik der Rolle der Sidney auszuarbeiten, die von Newcomerin Neve Campbell gekonnt verkörpert wird.
Kennt man „Scream“ erst einmal als vierteilige Reihe, fällt einem kaum noch auf, dass beim ersten Sichten eigentlich so ziemlich jede Figur als Mörder in Frage kommt. Sprich das Mörderraten macht in Cravens Teil 1 unglaublich viel Spaß, spielt aber auch falsch wie die Auflösung zeigt, die irgendwo zwischen Traditionen brechend und Traditionen befolgend schwankt, der man aber so oder so nie bös wäre bei solch einem vielschichtigen Finale, welches auf endlose Erklärungen verzichtet und auch gerne Mal den Spieß dessen was man erwartet umdreht.
Meiner Meinung nach ist „Scream“ zu Recht ein Klassiker geworden. Er ist unglaublich spannend in Szene gesetzt, präsentiert eine Vielzahl an interessanten Figuren und weiß ehrlich zu zitieren, anstatt lediglich anbiedernd zu zeigen wie toll man sich im Genre auskennt. Freilich geht es im Tunnelblick-Land USA lediglich um amerikanische Filme, aber das ist schon okay, da es schließlich um den Slasher-Bereich geht der in diesem Land nun einmal zu Hause ist.
Wer sich an „Scream - Schrei“ (Alternativtitel) heranwagt wird schnell überzeugt sein, zieht einen doch allein schon die recht lange und drastische Eingangssequenz in seinen Bann, in welcher Drew Barrymore einen Gastauftritt absolviert. Danach lässt der Film einen nicht mehr los, zumal er nach besagter Szene weiterhin zügig genug inszeniert ist, immer etwas zu erzählen hat, den Horror nie in der zweiten Reihe parkt und es gleichzeitig trotzdem schafft sich genug Raum zur Charakterentfaltung frei zu halten.
Leider habe ich mittlerweile bei fast jeder Szene die Parodie „Scary Movie“ im Kopf, die „Scream“ fast 1 zu 1 aufs Korn nimmt. Dass es der Film trotzdem schafft auch beim x-ten Schauen noch immer relativ spannend zu wirken, zeigt um so mehr wie viel Stärke Wes Cravens Wiederbelebung des Genres doch besitzt, auch wenn er sich von Mal zu Mal immer theoretischer guckt. Auch mein Bonus von einst ist dahin, empfand ich Neve Campbell damals doch als unglaublich süß, was ich heute nach der letzten Sichtung nicht mehr verstehe. Oder sagen wir es mal so: ihren Depri-Stil in Teil 2 fand ich rückblickend dann doch süßer. Da die gute Frau ihre Rolle der Sidney aber sehr glaubwürdig verkörpert, ist es sowieso egal ob ich sie nun niedlich finde oder nicht.
Die meisten Fortsetzungen schafften es nicht mehr das Niveau des ersten Teils auch nur ansatzweise zu erreichen. Teil 2 war eine annehmbare Kopie mit mauer Auflösung und sich zu sicher ans vorgegebene Konzept klammernd. Teil 3 war eine eher unbefriedigende Angelegenheit, die zwar neue Aspekte mit einbrachte, aber doch ziemlich mutlos daher kam. Erst Jahre später mit „Scream 4“ fand Craven zur alten Form zurück, übertrieb es vielleicht das ein oder andere Mal mit dem Spiel der Metaebenen, schaffte es aber eine intelligente Fortsetzung abzuliefern, die zwar verkopft aber trotzdem unterhaltsam war. Spaß hat man mit diesem Teil freilich nur, wenn man die zu routinierten „Scream 2“ und „Scream 3“ ebenfalls geguckt hat. Aber egal was man von den Fortsetzungen auch haltem mag, Teil 1 sollte man unbedingt gesehen haben - und dies nicht nur als Fan des Genres. OFDb
28.07.2014
MY SOUL TO TAKE (2010)
Denn mit der Realität hat das was Craven da selbst zusammengeschrieben hat nichts mehr zu tun. Hier verhält sich wirklich niemand wie aus unserer Welt stammend. Die Soap-Biester und die Schul-Loser sind zum Leben erwacht, Erwachsene denken in Fernseh-Klischees, die vertuschte Vergangenheit wirkt so unglaubwürdig wie die Legende die aus den Geschehnissen vor 16 Jahren entstanden ist. Alles ist viel zu sehr Kino- und TV-Niveau, nichts fühlt sich echt an, und trotz bewusster Verweise auf „Halloween“, „Scream“ und Co fehlt es an Distanz, geschweige denn an Ironie, welches zumindest Cravens auf Meta-Ebene angesiedelter Vier-Teiler in seinen Höhepunkten so großartig machte.
„My Soul to Take“ nimmt sich in seiner konstruierten Parallelwelt viel zu ernst, glaubt in der unseren zu existieren, und deswegen kann er nicht funktionieren. Er kann keine Realität vortäuschen, fühlt sich nicht einmal wie ein halb glaubwürdiger Slasher an, und so kann er mit den Fährten die er setzt nur als Konstrukt täuschen. Dies weiß immerhin halbwegs zu unterhalten, allein weil man bei all den Vermutungen die man hat eine Antwort erhalten möchte, aber das Ergebnis ist doch trotzdem recht dürftig ausgefallen, auch wenn bewusst Genre-Regeln gebrochen werden und es somit ab und an zu Überraschungen kommt.
„My Soul to Take“ ist Film, fühlt sich wie Film an und dies so intensiv, dass er einen nicht einmal für 90 Minuten glauben lässt, dass hier amerikanische Teenager um ihr Leben bangen. Es sind Figuren, gefangen in Klischees aus der Horrorwelt. „Shocker“, von dem hier am meisten geklaut wird, fühlte sich trotz seiner wesentlich fantastischeren Story wirklichkeitsnäher an als Cravens Quasi-Remake. Mag er im Original auch intensiver mit der Wahrnehmung von Visionen gespielt haben, den Mörder übernatürlich handeln lassen und von einem magischen Schmuckstück erzählt haben, so schaut sich der hier besprochene Film, der gerne in der unseren Welt spielen würde und das Übernatürliche nur als eine von vielen Möglichkeiten der Wahrheit einsetzt, doch wesentlich unglaubwürdiger, ja geradezu unsinnig. OFDb
05.01.2013
THE BREED (2006)
Es muss nicht immer Cujo sein...
Das etwas derart offen angesprochen wird, ist in diesem von Wes Craven produzierten Werk keine Seltenheit. Augenzwinkernd darf in alter „Scream“-Art ein Mitglied der Clique, der Quotenschwarze, deutlich erklären, welche Person für welches Klischee steht, um direkt die Regeln des Teenie-Horrors zu parodieren und um indirekt zu verdeutlichen, dass er selbst der unwichtigste ist. Und was mit diesen Leuten passiert ist jedem Genrefan klar, und so muss man darauf auch nur geschätzte 3 – 4 Minuten warten.
Trotz solcher parodistischer Momente ist „The Breed“ Meilen weit von „Scream“ entfernt. Bisher war noch jede Craven-Produktion schlecht bis nettes Mittelmaß, und Mastandreas Film bietet da keine Ausnahme. Dafür steckt das Werk selbst viel zu tief im Sumpf des bereits Gesehenen und geht damit viel zu sehr auf Nummer sicher, als es einem hervorzuhebenden Streifen gut tun würde.
Trotz des bekannten Strickmusters in Aufhänger, Geschichte und Figurenzeichnung ist der Film mit dem für Hundehorror so einfallslosen Titel aber recht nett zu gucken. Hohlbrot-Sprüche der jungen Erwachsenen lassen einen das schlimmste befürchten, aber sie beweisen im Laufe der Story Trickreichtum. Clever kann man sie dennoch nicht nennen, begehen sie doch auch viele Idiotien, wie das offen lassen von Autofensterscheiben und ähnliches.
Sonderlich spannend ist „The Breed“ auch nicht ausgefallen, weshalb er nur dem Genrefan zu empfehlen ist. Dieser hat dafür seinen Spaß. Die Geschichte ist flott erzählt, natürlich mit glattpoliertem Bild wie typisch für seine Entstehungszeit, aber das weiß man ja bereits vorher.
Die Hundedressur ist recht gut, wedelnde Schwänze gibt es nur selten zu sehen, sicherlich auch wegen des flotten, aber weder nervigen noch zuckelnden Schnitts. Die Morde sind blutig, und hin und wieder gibt es böse Ideen, die überraschen, aber sie sind an einer Hand abzuzählen.
Unlogiken gibt es genug, so sind z.B. alle Menschen dieser Insel bis zu ihrem Tod unverletzbar. Wunden, Knochenbrüche, etc? Klar, kommt alles vor, aber nicht mit Langzeitwirkung. Da darf schneller wieder gerannt und gehüpft werden als man gucken kann.
Zudem weiß der Drehbuchautor nicht was er will. Einerseits wollen die Hunde die Menschen nicht auf der Insel haben, andererseits geben sie ihnen keine Chance zur Flucht. Einerseits machen gebissene Menschen eine Wandlung durch, andererseits wird darauf kaum eingegangen, im letzten Drittel gar nicht mehr. Einerseits sind die Tiere Experimente und recht klug, andererseits wird auf diese Idee kaum aufgebaut. Keine Ahnung was der Autor uns erzählen wollte, aber es ist egal.
Man hangelt sich von einem Moment zum nächsten, genießt die flotte Umsetzung und vergisst den Film ähnlich schnell, wie man ihn geguckt hat. Als kleiner Happen für Tierhorrorfans zwischendurch macht „The Breed“ jedoch genügend Spaß. OFDb
23.12.2012
VERFLUCHT (2005)
Der Fluch des Ideenmangels...
„Verflucht“ versucht sich ungeheuer flott und modern zu geben, plündert aber alle möglichen Vorgängerfilme zur Werwolfthematik (und auch andere Gebiete des Horrorfilms) lediglich gnadenlos aus, ohne auch nur den Hauch neuer Ideen einzubringen. Ein solcher Mix kann eigentlich nicht gut gehen. So erblicken wir Christina Ricci in Situationen, die Nicholson in „Wolf“ erleben durfte (die Wolfsinstinkte entdecken und im Arbeitsalltag zum Vorteil nutzen), Jesse Eisenberg darf die Geschehnisse um Michael J. Fox in „Teen Wolf“ nachspielen, dabei wechselt die Sportart vom Basketball zum Ringen, Klassiker wie „Der Wolfsmensch“ werden zitiert, zudem sind Parallelen zu erkennen zu „Ginger Snaps“, „Lost Boys“ und in der Auflösung zu „Scream“ (ein erster Täter lenkt vom Hauptverdächtigen ab, der nach der ersten Auflösung ebenfalls Täter ist, gähn). Gerade letzter Punkt ist ärgerlich, da im Bereich Regie und Drehbuch die selben Leute an beiden Filmen beteiligt waren.
Damit kämen wir dann auch zu einem besonders peinlichen Bereich. Drehbuchautor Kevin Williamson ist für seinen Größenwahn bekannt (setzte ausgelutschte Themen moderner um und verkündete nach den ersten Erfolgen, er würde sich nun jedes Genre vorknöpfen), bei ihm wundert eine solch durchschnittliche Leistung nicht. Aber dass Wes Craven einem solche Magerkost vorsetzt, ist nun wirklich ärgerlich und vor allen Dingen peinlich zu nennen. Dieser Mann ist zwar dafür bekannt Filme unterschiedlichster Qualität zu drehen, dementsprechend ist öfters auch mal Bockmist mit drunter, schaut man sich aber „Verflucht“ an, würde man einen Regieneuling vermuten, der aus dem Bereich der Musikvideoindustrie kommt, nicht aber einen jahrzehntelange erfahrenen Regisseur, der zudem noch im Genre Horror zu Hause ist.
Ja o.k., auch ich habe gelesen, dass er von den Produzenten mit Nachdrehs und anderen Korrekturen arg verarscht wurde, aber ich wüsste nicht, wie aus dem Streifen mehr hätte werden können als Routine. Würden wir hier nur von der endlosen Storyklauerei verwandter Produkte sprechen könnte die Inszenierung noch einiges raushauen. Aber Cravens Werk kann bei all den gleich aufgezählten Beispielen nicht nur das Produkt ärgerlicher Produzentenverwurstung gewesen sein.
Z.B. ist Christina Ricci nun seit Kinderbeinen an als besonders talentierte Schauspielerin bekannt. Sichtet man sie in „Verflucht“ könnte man meinen, sie sei die 08-15-Besetzung eines solchen Streifens. Relativ lustlos, wenn auch gekonnt routiniert, spielt sie ihre Rolle mit halber Backe runter (zur äußerlichen Freude wenigstens wieder mit der richtigen Haarfarbe) und bezieht ihre Wirkung lediglich über ihre Niedlichkeit. Nicht einmal in den Momenten, in denen sie das Tier im Menschen verkörpern durfte, schimmert so etwas wie gekonntes Schauspiel hervor. Warum? Wir wissen doch sie kann es anders! Jeder andere Darsteller dieses Genrebeitrags weiß anbei auch nicht zu überzeugen. Nur die wenigsten spielen schlecht, aber zu mehr als Routine kommt es bei keinem der Beteiligten vor der Kamera.
Die Spezialeffekte sind ein zweischneidiges Schwert. Huscht der Werwolf relativ kurz durchs Bild, sieht das Ergebnis schon recht toll aus. Und glücklicher Weise geht das Debakel, den Wolf lange im Bild zu halten, erst zum Finale hin los, dann wird es aber richtig brutal. In solchen Momenten wirkt das Tier wie die Figur aus einem computeranimierten Zeichentrickfilm. Es mag nach Übertreibung klingen, aber das haarige Etwas war nicht weit von der Animationsklasse von dem Vieh aus „Monster AG“ entfernt.
Ganz schlimm war allerdings die Verwandlungssequenz gegen Ende. „Hulk“ gehört wirklich zu den miesesten Großproduktionen der letzten Zeit, wenn es um die Wirkung der Computeranimation in einem Realfilm geht. „Verflucht“ stellt diesen digitalen Dünnschiss allerdings locker in den Schatten. Was hier gezeigt wird sieht unecht aus und weiß nicht einmal zu gefallen wenn einem die Echtheit einer solchen Szene egal wäre.
Es ist traurig mit was sich die Teens von heute scheinbar zufrieden geben („I Am Legend“ wäre in diesem Punkt auch ein gutes Beispiel). Man fragt sich, warum ewig krampfhaft mit dem Computer getrickst wird, wenn handgemachte Effekte bereits in den 80ern bei „American Werewolf“ wesentlich effektiver und echter umgesetzt wurden. Ich habe nichts gegen Computeranimation, diese wäre sicherlich ein Hit, wenn man genügend Geld in diesen Bereich gesteckt hätte („Jurassic Park“ ist heute immer noch eine optische Wucht), aber wenn man einen auf Schotte machen will, kann man auch gleich zu handgemachten Methoden greifen. Dann enttäuscht man wenigstens nicht den Konsumenten, der immerhin Geld ausgibt, um sich einen Film anzuschauen.
Ja, ich schimpfe auf dieses Werk, und ich denke mal das ist bei der Anzahl der Gründe auch gerechtfertigt. Ich möchte dennoch darauf hinweisen, dass „Verflucht“ funktionieren kann, wenn man seine Erwartungen weit zurückschraubt. Dann ist er immerhin guckbare Routine, der man nur immer wieder einen Hauch mehr Individualität wünscht. Alles läuft nach Strickmuster X ab, selbst das Happy End ist unerträglich zuckersüß, auch wenn man mit einem Schluss dieser Art rechnet.
Psychologisch stimmt mal wieder gar nichts, dafür geht ordentlich die Post ab (wenn auch recht unblutig), vereinzelt gibt es flotte Sprüche, und das Vieh sieht in den kurzen Sequenzen, wie bereits erwähnt, auch recht interessant aus. Insgesamt ist „Verflucht“ aber einfach viel zu brav umgesetzt, zwar für das Jugendpublikum konzipiert, dürfte aber selbst für diese Altersstufe schon ausgelutscht wirken. Dennoch kann man sich wohl an folgendem Rezept orientieren: Je jünger man ist, desto besser könnte einem Wes Cravens Ausflug in den Werwolf-Bereich gefallen. OFDb
05.08.2012
SCREAM 4 (2011)
Die von mir gesetzten Gänsefüßchen verweisen schon darauf warum so manchem die Rückkehr dieser Horrorfilm-Reihe egal sein könnte, blendete Teil 3 doch mit einer Thematik, die er nie wirklich besaß. Teil 2 komplett ignorierend glaubte Craven es reiche sich Trilogie zu nennen, in dem man in der bisher ungenannten Vergangenheit einer Familie herum stochert. Dass er schlichtweg nur eine weitere Fortsetzung ablieferte, war um so ärgerlicher, da das Thema Trilogie nach „Horrorfilm“ und „Fortsetzung“ im Zentrum der Tätermotivation stand.
10 Jahre später war die Zeit reif für eine gute Idee. Die logische Weiterführung der bisherigen Herangehensweise der Killer war das Erschaffen eines Remakes der Originalmorde. Dieser Stoff bietet einige positive Ausgangspositionen, so z.B. jenen, dass man den eher schwächeren Teil 2 und den besonders schwachen Teil 3 halbwegs ignorieren konnte, um sich am Original zu orientieren, ein Film der auch nach all den Jahren noch immer eine Perle seines Genres ist, und der für die Wiederbelebung des Horrorfilms verantwortlich war, der nun 15 Jahre später seit dem noch immer nicht an Beliebtheit eingebüßt hat.
„Scream 4“ orientiert sich an seinen Wurzeln, ist also wieder sehr ironisch erzählt, verkommt dabei jedoch nie zur Horror-Komödie, was aufgrund der Lustigkeit zwischen den Zeilen schon einem kleinen Wunder gleich kommt, bietet das clevere Drehbuch doch allerhand Seitenhiebe in jede Richtung und verliert dabei nie sein Niveau, welches es um zu gefallen nicht einmal zwingend nötig gehabt hätte.
Haupttrumpf der dritten Fortsetzung ist der Respekt vor dem Original und seinem Publikum. Musste „Halloween - H20“ damals noch den Spagat zwischen klassischem und modernen Horror bewerkstelligen, ist „Scream 4“ schlichtweg für die Freunde der Original-Reihe gedacht, setzt die Geschehnisse dieser als bekannt voraus und erzählt seine Geschichte im gewohnten Stil. Modernisierungen werden nur thematisch angegangen. Die Stars von einst agieren nicht in uninteressanten Nebenrollen, sondern werden erneut in den Vordergrund gesetzt, so dass die Teens der Geschichte in zweiter Reihe agieren, auch wenn es der Killer meist auf sie abgesehen hat.
Auch Kenner der Originalfilme wird für einen schlichten Popkorn-Film einiges an Aufmerksamkeit abverlangt, spielt der Film durch seine Remake-Thematik doch auf allerhand Ebenen und wird hauptsächlich in der filmischen Gedankenwelt des aktuellen und der vergangenen Täter von den Protagonisten ausdiskutiert, so dass „Scream 4“ sich längst eine eigene Wirklichkeit erarbeitet hat, ein polizeiliches Kombinieren aus einer völlig anderen Wahrnehmung heraus, während zwischendurch der Sinn und Unsinn von Remakes, Fortsetzungen und den diversen Arten moderner Horrorfilme thematisiert wird, innerhalb einer Jugendkultur, die medial viel aktiver und hemmungsloser geworden ist als jene, in welcher die „Scream“-Reihe startete.
„Scream 4“ fehlt eine sympathische Identifikationsfigur, und das ist einer seiner Trümpfe. Die Teenager sind diesmal nicht durch ihre Dummheit unsympathisch, was Subgenre-klassisch wäre, sie sind es diesmal aufgrund ihrer Art zu leben, zu reflektieren und ihrer Art zu fühlen. Einzig eine kleine Nebenrolle, die Teenagerin mit den kurzen Haaren, welche Interesse am Schulnerd aufbaut, bietet das was die anderen Figuren vermissen lassen und steht damit für die Ausnahme, welche die Regel bestätigt.
Auch die wichtigen Figuren der Originalreihe erscheinen eine Spur asozialer, ohne den Ur-Charakter zu verraten oder diesem zu widersprechen. Selbst Sidney verkommt zur Medienhure um eine Identität zu finden, Gale war dies schon immer, und Dewey kann sich in der Position des Sheriffs nun nicht mehr hinter seiner Unsicherheit verstecken, die noch manches egoistische Verhalten in der Vergangenheit entschuldigen konnte. Trotz alledem ist sein Part wohl noch der freundlichste von allen.
Ansonsten schwirren allerhand anderer Personen durch den Film, seien es Mitarbeiter der Polizei, Lehrer, Verwandte, verdächtig scheinen viele, manch einer offensichtlicher als der andere, aber das Spiel mit dem Zuschauer funktioniert. Zwar glaubt in Teil 4 nun niemand mehr einer der Ur-Figuren könnte der Täter sein, dennoch versucht Craven auch diesmal erneut diese verdächtig erscheinen zu lassen.
Die Auflösung des munteren Täterratens ist diesmal gelungen, ein Punkt der den an sich geglückten „Scream 2“ am Ende fast das Genick brach und Teil 3 endgültig zur Belanglosigkeit verkommen ließ. Teil 4 orientiert sich wieder an Teil 1, in dem die Geschichte nicht mit der Enttarnung des Mörders endet, sondern mit der Auflösung noch einige Minuten seiner Laufzeit weiterspielt, bis in einem finalen Satz die Ur-Weisheit über Neuverfilmungen verkündet wird, die einen schon vorher den Mörder hätte erahnen lassen können. Hinterher ist man immer schlauer.
Und da auch das Drehbuch sehr clever ist, schließt der Film mit einem erneuten Seitenhieb auf die Medien, und dies nicht auf eine so klägliche Art wie jene eines George A. Romero, sondern treffsicher und im gewissen Sinne sogar nachdenklich stimmend, zumindest wenn man sich als Zuschauer die Alternativen des Filmgeschehens oder die nicht gezeigten Folgen besagter Mediensatire durch den Kopf gehen lässt.
Also, „Scream 4“ sei gegen aller Erwartungen jedem Fan des Original-Filmes ans Herz gelegt und bildet, falls nicht mehr fortgesetzt, einen wesentlich würdigeren Abschluss der Reihe als der damalige Teil 3. Mag sein dass die Rückkehr des original Drehbuchautors der Teile 1 und 2 daran beteiligt ist, dass Teil 4 so positiv ausfiel. Zumindest liegt eine Vermutung nahe: Kevin Williamson scheint nun mit 46 Jahren erwachsener geworden zu sein. OFDb