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11.05.2019

DER GIGANT DES GRAUENS (1958)

"Der Gigant des Grauens" ist die Fortsetzung des ebenfalls von Bert I. Gordon gedrehten und Samuel L. Jackson produzierten "Der Koloss", den ich vor ewigen Jahren einmal im Fernsehen gesichtet habe und nicht mehr so gut in Erinnerung habe, so schlecht wie ich ihn damals fand. Da sich mein Filmgeschmack seit dem gravierend verändert hat, hat die Fortsetzung, die im Gegensatz zum ersten Teil in Deutschland eine Veröffentlichung auf DVD erhielt, von mir freilich dennoch eine Chance erhalten, und ich muss gestehen ich bin überrascht, dass das gerade einmal ein Jahr später nachgereichte Sequel weit weniger plump ausgefallen ist, als ich es vermutet hätte. Zwar entstand "Revenge of the Colossal Man" (Alternativtitel) zu einer Zeit, in welcher im Genre-Kino die Atombombe noch als Ursache für Riesenwuchs herhalten konnte, und auch ansonsten lässt der Film nicht den üblichen naiven Charme der 50er Jahre Science Fiction-Horrorfilme vermissen, Autor George Worthing Yates überrascht jedoch mit einem zu seiner Zeit recht empathischen Drehbuch.

Nicht falsch verstehen, im Vergleich zu heute guckt sich "Der Gigant des Grauens" noch immer höchst egoistisch, nur wenig Platz lassend für das Hineinversetzen in das Denken und Empfinden alternativer Mentalitäten und Lebewesen, aber immerhin kommt es zu Ansätzen diesbezüglich in einer Zeit, in der alles was nicht normal war üblicher Weise gleich zum Monster erklärt wurde. Dass das Ergebnis nicht wirklich zum Horror-Drama a la "Frankenstein", "Dr. Jekyll und Mr. Hyde" oder "Splice - Das Genexperiment" geworden ist, liegt einzig daran, dass der Film stets aus der Perspektive der anderen erzählt ist und den Giganten zur zerstörerischen Nebenfigur verkommen lässt. Um ihn unheimlicher wirken zu lassen, hat der Riese den Sturz von einst nicht gut verkraftet, so dass eine monströse Wunde sein Gesicht ziert, die den Wüterich unheimlicher wirken lässt, als im Vorgänger. Dieser kleine, simple Trick unterstützt die Wirkung der Erzählung ungemein, da darf man sich nicht vertun. Doch mag der Riese auch monströser und gefährlicher damit wirken, klassisch herumwüten, wie im Original, darf er zunächst nur einige Zeit nach seinem ersten Erscheinen.

Gefangen gehalten, nun wo die Menschheit halbwegs vor ihm in Sicherheit ist, geht es um die Frage ob Glen zu helfen ist oder nicht, sprich ob sein Gehirn unter Amnesie leidet, oder einen bleibenden Schaden genommen hat. Dementsprechend wird er untersucht, freilich nicht so intelligent thematisiert wie in einem "Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All", ja nicht einmal wie in Cronenbergs "Die Fliege", wir befinden uns schließlich trotzdem in den stumpfen, trivialen 50er Jahren des Horrorfilms. Doch selbst wenn das schockierende Ergebnis zu Tage tritt, erntet der Mutierte keine reine blinde Wut von der Menschheit, es wird überraschend mitfühlend ein Plan ausgedacht, wie man dem Opfer der Atomexplosion ein Leben bescheren kann, in welchem es ihm halbwegs gut geht, ohne dass er der Menschheit schaden kann. Doch Drama, wie "The Terror Strikes" (Alternativtitel) nun einmal ist, wenn auch heruntergeschraubt im Vergleich zur tatsächlichen Horror-Drama-Konkurrenz, kommt es gar nicht erst so weit. Der Aggressor bricht erneut aus, bedroht gar einen ganzen Schulbus voll mit Kindern, bevor der Film einen überraschenden Schluss erlebt, mit dem ich wahrlich nicht gerechnet habe.

"Der Gigant des Grauens" kommt weit vielschichtiger in seiner Erzählung daher, als ich vermutet hätte, sprich er besitzt mehr roten Faden als erwartet, kann aber trotz seines Ideenreichtums die eindimensionale Erzählung zu bereichern nicht vollkommen überzeugen, und ich kann nicht genau benennen warum dies so ist. Einzig der zu lange Rückblick auf Teil1 zur Mitte des Filmes weiß den Bogen etwas zu sehr zu überspannen, zeigte man doch gleich alle nennenswerten Schauwerte des Vorgängers, anstatt einfach nur fehlende Informationen für jene nachzureichen, die Teil 1 entweder nicht gesehen, oder wie ich vergessen haben. Ansonsten gibt es eigentlich nicht wirklich etwas zu klagen. Selbst die wackelige Hochprojektion, mit welcher Bert I. Gordon stets arbeitet, ist nicht so übel ausgefallen wie in seinen schlechteren Werken a la "The Cyclops" und "Beginning of the End". Zwar stampft auch sein Gigant zu überbelichtet durch eine sonst dichte Bildqualität und besitzt aufgrund fehlender Möglichkeiten bei dieser plumpen Tricksetzung keinen Kontakt zu den Menschen, die er attackiert, aber zumindest versuchte man die Optik reizvoller zu gestalten, beim Zeigen wo der Riese auftaucht und wieder verschwindet. Da gab man innerhalb schlechter Spezialeffekte sein Bestes, so dass sich die Wirkung des Giganten dann doch bei Gordons besseren Ergebnissen a la "Die Rache der schwarzen Spinne" und "In der Gewalt der Riesenameisen" einreihen darf.

Ich kann somit nicht genau benennen, warum "War of the Colossal Beast" (Originaltitel) trotz seiner überraschend reichhaltigen Zutaten bei mir nicht wirklich zünden konnte, irgendetwas störte den Erzählfluss, irgendetwas störte den Unterhaltungswert. Und ich weiß nicht ob dieser unbekannte Faktor in meiner Tagesform zu finden war, oder im Film selbst, den ich theoretisch weit besser empfand als in seiner Praxis. Dennoch ist "Der Gigant des Grauens" weit davon entfernt einer der Langeweiler seiner Gattung Film zu sein, die es ebenfalls bereits damals zuhauf zu sichten gab. An Schauwerten mangelt es dem Film ebenso wenig, wie an dem Versuch blindes Schwarz/Weiß-Denken zu durchbrechen. Und allein aus diesen Gründen sollten sich Filminteressierte dieser Dekade und dieses Genres nicht von meinen Zweifeln abhalten lassen dieses Werk zu sichten. Es gehört definitiv zu Arkoffs liebenswerteren Produktionen.  OFDb

10.09.2016

IN DER GEWALT DER RIESENAMEISEN (1977)

Bert I. Gordon setzte in seiner Karriere als Monsterfilm-Regisseur stets auf das Verfahren Mensch oder Tier (je nachdem was mutieren sollte) hoch zu projizieren um es größer erscheinen zu lassen, anstatt mit Attrappen und Puppen zu arbeiten. Was in den 50er Jahren arg erbärmlich aussah, kann sich im Vergleich dazu in den 70er Jahren angekommen schon eher sichten lassen, sind einige Aufnahmen doch recht geglückt. Vorzuziehen ist diese Methode dennoch nicht, einfach weil Interaktionen zwischen Kreatur und Schauspieler nicht möglich sind. Glücklicher Weise hat Gordon dies im hier von ihm und Samuel Z. Arkoff produzierten Film auch so gesehen, und so kommen hier sowohl die hochprojizierten Wesen als auch Attrappen zum Einsatz.

Dass die einen den anderen kaum ähneln war den beiden Billigfilmern egal, und das sollte es dem Zuschauer auch sein, denn „In der Gewalt der Riesenameisen“, der in einigen Ansätzen auf einer Vorlage von H.G. Wells beruht, will kein realitätsorientierter Horror sein, sondern lediglich ein Stück unterhaltsames Popkorn-Kino, und im Gegensatz zu dem wie ich besagtes Werk in Erinnerung hatte, ist er dies auch geworden. Ich hätte nie erwartet, dass „Angriff der Nuklearmonster“ (Alternativtitel) für eine derartige Billigproduktion so gut besetzt ist, wissen die Schauspieler in ihren interessant charakterisierten Rollen doch allesamt zu überzeugen, und dank ihrer einzelnen kleinen Geschichten, die sie zu einer großen vereint, kommt schnell Sympathie mit einem Werk auf, welches bereits vor zwei Jahrzehnten in seiner Ur-Thematik mit „Formicula“ besser verfilmt wurde.

Obwohl die Riesenameisen recht früh ins Geschehen treten, kommt nie Langeweile aufgrund möglicher sich stets wiederholender Szenarien auf. Die Dialoge zwischen den Charakteren sorgen sowohl in der Einführungsphase, als auch in der längeren Phase der Flucht dafür, dass der Stoff sich stets interessanter guckt als er eigentlich ist. Gordon versucht zudem die monotone Geschichte so abenteuerlich wie möglich zu gestalten, und das ist ihm meiner Meinung nach auch recht gut geglückt.

Im letzten Drittel stößt der eigentliche Tierhorror-Stoff durch eine ziemlich schräge Idee Wells‘ auf Invasions-Filme a la „Die Dämonischen“ und „Puppet Masters“, scheint bei Ankunft in einer Kleinstadt die Gefahr doch vorüber zu sein, bis man merkt dass sich die Bewohner des Ortes arg merkwürdig benehmen. „Twilight Zone“ lässt grüßen, so dass „Killer Termiten“ (Alternativtitel) bevor ihm die Luft ausgeht gegen Ende eine interessante Wendung hinlegt, mit der er noch einmal voll ausholt, was freilich nur für jene Monsterfilm-Freunde eine Freude ist, die gegen Ende keine Nonstop-Action benötigt.

Bevor es zum vorhersehbaren, recht ereignisreichen Finale kommt, wird schließlich erst eine kurze Atempause eingelegt, die sich in Suspense-Momente aufgrund des wachsenden Misstrauens der Helden wandelt, ein Szenario das in der Regel meist zu Beginn eines Horrorfilmes stattfindet. Diese unübliche Herangehensweise finde ich an „Empire of the Ants“ (Originaltitel) lobenswert und interessant, und dank der liebgewonnenen Charaktere weiß dies auch zu funktionieren anstatt den Film auszubremsen.

Freilich muss man trotzdem Freund kostengünstig produzierter Monsterfilme sein. Bei aller Mühe die man sich gegeben hat den Zuschauer auf Trab zu halten, ist „In der Gewalt der Riesenameisen“ doch trotzdem nur ein schlichter Trivialfilm, der keine hohen Anforderungen an sich selbst stellt. Aber ich denke dass diesen Umstand bereits der überdeutliche deutsche Titel klar macht, der sicherlich ohnehin nur den Freak unter den Cineasten zum Einschalten einlädt. Somit dürfte eigentlich kaum wer negativ überrascht werden.  OFDb

09.12.2015

TURM DER SCHREIENDEN FRAUEN (1960)

Bert I. Gordon kenne ich hauptsächlich aus Horrorfilmen in denen es um mutierte Riesen geht. Gordon schwörte in Werken wie „Beginning of the End“, „In der Gewalt der Riesenameisen“ und „The Cyclops“ auf die mieserable Tricktechnik hoch projizierter echter Tieraufnahmen, die im Gegensatz zu Puppen einfach nicht zu wirken wussten und nur den höchst amüsanten „Die Rache der schwarzen Spinne“ nicht zu zerstören wussten. In einem Film um eine Geisterthematik lockte somit der Reiz was der gute Mann aus einem Werk herauszuholen weiß, der mit besagter Trick-Technik nichts am Hut hat.

Der Vollständigkeit halber sei zunächst einmal erwähnt, dass Bert I. Gordon auch für die Spezialeffekte des hier besprochenen Streifens verantwortlich ist und dass auch hier einige nicht zu überzeugen wissen. Aber das ist letztendlich für das Ergebnis nicht wirklich wichtig, denn wo eine verpatzte Optik im Tier-Horror-Bereich die komplette Atmosphäre eines Filmes zerstören kann, da lebt ein Werk über Geister auch von anderen Elementen. Allerdings ist es schwer zu sagen, ob man „Turm der schreienden Frauen“ als geglückt bezeichnen kann oder nicht.

Gruselig ist der Film nicht ausgefallen. Ganz im Gegenteil, aufgrund der häufigen Taten des eifersüchtigen Geistes guckt sich Bert I. Gordons Spukfilm fast schon wie eine Komödie im Stile eines „Die unsichtbare Frau“. Da die Figur des Tom zudem der einzige ist der die Verstorbene sehen und hören kann, wird der eigentliche Horrorstreifen durch ein weiteres Element bereichert welches eher typisch für das Komödienfach ist. Dank seines Retro-Feelings und der etwas unbeholfenen Art fällt das Ergebnis durchaus charmant aus. Aber gewollt war „Tormented“ (Originaltitel) mit Sicherheit anders.

Ein wenig hat mich die Geschichte an Bavas „Hatchet for the Honeymoon“ erinnert, der mit seiner 10 Jahre späteren Erscheinung wesentlich moderner und morbider daher kommt als Gordons handzahmer Spukfilm, den man fast schon als familientauglich bezeichnen könnte. Gegen Ende werden dann doch noch einige Bösartigkeiten angedeutet, die nichts für Kinderaugen sind, in einem Szenario das recht nett auf die Ausweglosigkeit des Anti-Helden hin arbeitet, bis er selbst zu Taten fähig ist, die man einem so kinderfreundlichen Menschen nicht zutrauen würde.

Eine herrliche Schluss-Pointe, bei der man sich fragen darf auf welche Art Tom in Zukunft leiden wird, ergänzt die wundervollen Einfälle Toms voraus gegangener Tortur, denn der eifersüchtige Geist geht wahrlich nicht zimperlich mit dem Mörder um. Und auch wenn „Tormented Terror“ (Alternativtitel) für sein Genre viel zu brav ausgefallen ist und nicht im Ansatz gruselt, so schafft es Gordon doch immer wieder besondere Momente zu zaubern, die den an sich recht durchschnittlichen Film Zusatzsympathien bescheren. Der Einwand der Toten während der Hochzeit ist der einzige Moment des Streifens, der tatsächlich eine gewisse Düsterniss zu versprühen weiß. Und die Szene, in welcher eine Blinde sich in den Streit zwischen Tom und Vi einmischt, weiß für kurze Zeit Spannung zu erzeugen.

Eigentlich ist „Turm der schreienden Frauen“ kein besonders erwähnenswerter Film, aber durch seine locker flockige Art, meist aufgrund der Schandtaten einer Toten, weiß er mit seiner kurzen Laufzeit von unter 80 Minuten eigentlich recht gut zu unterhalten, wenn auch nur für Horror-Nostalgiker. Immerhin beweist der Film, dass Gordon durchaus zu mehr in der Lage war als seine ollen Mutanten-Streifen vermuten lassen und dass „Die Rache der schwarzen Spinne“ doch nicht sein einziges Ausnahmewerk sein sollte. Bild und Ton sind übrigens für die mir bekannte DVD-Veröffentlichung nicht aufgebessert worden, das macht es ein wenig schwer dem kleinen augenzwinkernden Grusler eine echte Chance zu geben.  OFDb

02.08.2013

BEGINNING OF THE END (1957)

Schon viele Jahre vor "In der Gewalt der Riesenameisen" arbeitete Regisseur Bert I. Gordon mit dem Effekt Tiere in Filmen größer erscheinen zu lassen indem er echte Tier-Aufnahmen vergrößerte. Das war vielleicht zu dieser Zeit revolutionär (die Betonung liegt auf vielleicht), aber auch im Entstehungsjahr mit Sicherheit bereits uneffektiv. Das Hauptproblem an dieser Art Trick liegt darin, dass es den Darstellern nicht erlaubt in Kontakt mit den Angreifern zu kommen. Es gibt keine sichtbaren Attacken, keine Körperberührung. Das wichtigste am Genre des Tierhorrors fällt quasi weg. Als wäre dies nicht schon unangenehm genug sind die Heuschrecken zudem heller fotografiert als der Rest des Streifens, somit werden sie auch diesbezüglich nie eins mit dem Rest.

Ich bin kein Mensch der viel um Spezialeffekte gibt wenn der Rest zu überzeugen weiß, aber in diesem Film hätte es keinen anderen Pluspunkt gegeben, ist er doch ansonsten der typisch billig heruntergekurbelte Monsterstreifen seiner Zeit mit überzogener Terror-Musik, Darstellern die sich gnädig Schauspieler nennen dürfen und einem Budget das möglichst schnell seine Kosten wieder einspielt. „Beginning Of The End“ beginnt recht atmosphärisch. Aber je öfter die Heuschrecken in Erscheinung treten desto plumper wird es. Man sollte meinen, dass es in einem Werk dieses Genres umgekehrt sein müsste.

Einige unfreiwillig komische Szenen, wie für Produktionen dieser Art üblich, sind auch vorhanden. So krabbelt eines der Viecher lustiger Weise über ein Haus hinaus, weil sich die Verantwortlichen für die Spezialeffekte damit begnügten die Tiere über Fotos krabbeln zu lassen. Schwamm drüber, dank Szenen wie dieser kann man den Film zumindest noch gucken, wenn auch ein wenig gelangweilt. Miot diesem Ergebnis ist er nicht so unterhaltsam wie Gordons eingangs erwähntes 70er Jahre-Werk mit den reinkopierten Ameisen. Dieser muss sich jedoch einen Vergleich mit der „Formicula"-Konkurrenz gefallen lassen. "Beginning Of The End" müsste hingegen wohl der einzige Beitrag über Riesenheuschrecken sein, oder habe ich da eine Wissenslücke?  OFDb

24.07.2012

DIE RACHE DER SCHWARZEN SPINNE (1958)

Teenager stoßen in einer Höhle auf eine Riesenspinne. Nachdem die Polizei diese erledigt zu haben scheint, erwacht sie per Rockmusik in der Universität zu neuem Leben...

Musikkritiker auf acht Beinen...
 
Wir schreiben das Jahr 1958. In den (Auto-)Kinos sind die Monster los. Und einer mischt gewaltig mit: Regisseur Bert I. Gordon, der es sich im Gegensatz zu seinen Gummianzug- und Attrappenkonkurrenten zur Aufgabe gemacht hat das Grauen übernatürlich großer Tiere darzustellen, indem er echte Tieraufnahmen hochprojizierte und in andere, üblich gedrehte Szenen hineinsetzte. Ob es nun die Heuschrecken aus „Beginning Of The End“ waren oder das Getier aus „The Cyclops“, diese Technik war so billig wie öde, vielleicht nett gemeint, aber einfach nicht das was den Monsterfilm-Fan aus der Reserve lockt.

Aber wie bei so ziemlich allem im Leben bestätigen Ausnahmen die Regel, und die ist in diesem Falle „Die Rache der schwarzen Spinne“. Mag es nun daran liegen, dass Spinnen an sich schon für viele Menschen unheimliche Tiere sind, vielleicht ist es auch die Bewegung beim Laufen der Arachniden die zu ängstigen weiß, auf jeden Fall weiß der hier vorgesetzte hochprojizierte Achtbeiner zu gefallen, ganz im Gegensatz zu echten Echsen, vergrößerten Menschen oder eben erwähnten Heuschrecken.

Man könnte munkeln das bessere Ergebnis könne damit zu tun haben, dass der legendäre Samuel Z. Arkoff als Produzent mit an Bord war. Aber diese Theorie kann man wohl verwerfen, wenn man einmal die Gemeinschaftsarbeit mit Gordon in „Der Koloss“ miterlebt hat, oder die erbärmliche Wirkung besagter Effekte im sonst so sympathischen Spätwerk „In der Gewalt der Riesenameisen“. Nie wieder wusste die besagte Technik und die Zusammenarbeit der beiden Monster-Freaks so zu fruchten wie im hier besprochenen Film, der im Original den Titel „Earth vs. The Spider“ trägt.

Allein der ist schon völlig übertrieben, kämpft doch lediglich eine kleine Stadt gegen eine Riesenspinne, weit abgeschottet vom Rest der Menschheit, die von den Geschehnissen in diesem hinterletzten Kaff keine Ahnung hat. Aber es ist eben jene reißerische, triviale Herangehensweise, die aus dem Streifen den charmanten Mix aus unbeholfen, klassisch und unterhaltsam zaubert. Nie wirkt irgend etwas wirklich gekonnt, unfreiwillige Komik weht im kompletten Werk umher, und doch kann man ihm einen gewissen Charme nicht abstreiten, selbst wenn dieser nur auf Geisterbahn-Niveau funktioniert.

Eine ewig schreiende Spinne sorgt für das gewisse Feeling, und dies mehr als der olle wie ein Löwe knurrende Hai viel, viel später in „Raging Sharks“ und Co. Ein Spinnennetz, welches aussieht wie ein Kinderklettergerüst aus dickem Tau, weiß den realitätsfremden Effekt zu ergänzen. Gänzlich naiv wird der komplette Grusel über die wahnsinnig infantile Idee, das Wesen hause in einer düsteren Höhle, nicht weit von der Kleinstadt entfernt. Klassischer geht der Einstieg in einen naiven Grusler wohl kaum umzusetzen.

Man muss „Die Rache der schwarzen Spinne“ selbst gesehen haben, um begreifen zu können warum der Film trotz solcher Zutaten und der Idee eine todgeglaubte Spinne per Rockmusik-Proben wieder zum Leben zu erwecken, nicht zur reinen Lachnummer verkommt. Es ist die gewisse Nostalgie die sich in diesem Klassiker breit macht, und die im Zuschauer eine so großzügige Haltung aufkommen lässt, die angereihten Lächerlichkeiten nicht einzig als reinen Witzfilm zu betrachten. Man muss sich nichts vormachen: der Streifen ist nicht wirklich ernst zu nehmen. Und doch (und nicht deswegen) ist er genau das was ich sehen möchte, wenn ich zu einem solchen Streifen greife.

Im Ergebnis ist Gordons Werk kurzweiliger ausgefallen als der berühmte Konkurrent „Tarantula“. Der war (nicht auch gänzlich ohne unfreiwillige Komik aufkommen zu lassen) handwerklich geglückter (mit Ausnahme der Spinnenauftritte, die technisch im hier besprochenen Film besser umgesetzt wurden). Der bessere Film von beiden ist jedoch „Die Rache der schwarzen Spinne“, trotz und wegen der arg blauäugigen Art wie die Geschichte erzählt wird. Erwachsene spotten zwar über die angebliche Riesenspinne, formieren sich aber dennoch bereit zur Jagd. Menschenskelette werden nicht beachtet und werden somit als ebenso selbstverständlich betrachtet wie die Vorstellung des besagten übergroßen Arachniden.

Ein Sheriff wird über die elementarsten Gründe warum man angeblich Wissenschaft betreibt aufgeklärt und kommt nicht von allein auf die Idee, dass es der Spinnen mehr geben könnte, so dass die menschliche Existenz in Gefahr schwebt. Teenager zucken nach einem kurzen Blick auf die angeblich tote Riesenspinne mit den Schultern und tanzen lieber anstatt das Ausstellungsstück als seltenes Phänomen zu betrachten. Und Ehefrauen stecken den Tod ihres Ehemannes binnen weniger Stunden derart weg, dass das zukünftige Fortbleiben des Gatten als ähnlich dramatisch betrachtet wird wie ein missglückter Auflauf im Ofen.

Geht die Spinne umher donnert die Musik wie typisch zu seiner Zeit los. Wirklich lustig wird die musikalische Untermalung jedoch innerhalb der Höhle, wenn sich eine Melodie einklinkt, die neben dem sonst gewollten Terroreffekt auch Gruselstimmung erzeugen soll. Da das ganze zudem (wie soll es 1958 auch anders sein?) in Schwarzweiß gedreht wurde, steht einem klassischen und nostalgischen Monsterfilm-Spaß nichts im Wege, der durch sein flottes Tempo zu gefallen weiß und zudem damit nicht mit Riesenspinnen-Szenen zu sparen. Zwar bereitet die erste Hälfte mehr Freude als die routiniertere zweite, aber das ist nicht weiter wild, zumal es bei anderen Genrevertretern eher umgekehrt der Fall ist und man sich dort erst durch die Hälfte des Streifens kämpfen muss ehe etwas passiert.

„Die Rache der schwarzen Spinne“ ist also allen Freunden von alten Monsterfilmen zu empfehlen, auch wenn er lächerlicher daher kommt als „Horror Of Party Beach“, „Tarantula“, „Attack Of The Crab Monsters“ und „Formicula“. Arkoffs Produktion ist wohl der unterhaltsamste Film zum Thema Riesenspinnen, und das will schon was heißen bei all den vielen Vertretern dieser Gattung („Arac Attack“, „Angriff der Riesenspinne“, ...).

In den Nuller-Jahren, kurz vor seinem Tod, legte Arkoff einige Neuproduktionen zu seinen frühen Genrebeiträgen nach. So gab es eine Neuverfilmung zu „Teenage Caveman“ und eine zu „Earth vs. The Spider“. Letztendlich haben beide jedoch nicht viel mit ihren Originalen zu tun. Im Falle der „Neuverfilmung“ des hier besprochenen Klassikers ist der Unterschied besonders amüsant ausgefallen. Das angebliche Remake ist eher ein Mix aus „Spider-Man“ und „Die Fliege“ geworden. Das Ganze wurde zudem recht humoristisch umgesetzt, wohingegen „Die Rache der schwarzen Spinne“ nur mit einer kleinen Dosis Humor angereichert wurde. Aber wie man schon heraus liest: letztendlich haben die beiden Werke nur den Titel „Earth vs. The Spider“ und den Produzenten Samuel Z. Arkoff gemein. Die 2001 erschienende Version kam in unserem Land übrigens als „Spinnen des Todes“ heraus und ist ebenfalls zu empfehlen.  OFDb