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03.04.2015

CLUELESS - WAS SONST? (1995)

Die Teenie-Komödien-Welle der 80er Jahre war längst vorbei und die neue durch den Erfolg von „American Pie“ war noch Zukunftsmusik. Inmitten der Zeit in welcher das Genre im Kino abgeschriebenen war erschien „Clueless“ auf der Bildfläche und wurde ein großer Erfolg. Und das verwundert nicht, weiß er einen doch geradezu zu verzaubern mit einer Schar herrlicher Charaktere, einem Hauch zuckersüßer Romantik, einer guten Prise unaufdringlichen Humors und einem gut beobachtenden Blick auf den aktuellen Zeitgeist. Zwar handelt der Film von einer verwöhnten reichen Beverly Hills-Clique, bzw. hauptsächlich von nur einer Teenagerin aus dieser, aber dennoch kann sich die Generation der Jugendlichen aus den 90er Jahren wunderbar im Geschehen wiedererkennen, zumal der Film keine konkreten Bezeichnungen damals angesagter Pop-Bands und Lebensmittel umgeht.

So abseits das Treiben reicher, verwöhnter Amis auch auf den deutschen Durchschnitts-Typen wirkt, es sind genügend Eckpfeiler vorhanden in welcher man sich oder zumindest Erlebtes und Beobachtetes wiedererkennt. Gerne werden Witzchen über das gerade in Mode gekommene Handy gerissen (noch mit putzigen Antennen versehen), aufgezogene Situationen die heute so sehr Alltag sind, dass die Folgegeneration sie gar nicht mehr als Witze erkennen dürfte, so sehr hat die Zeit durch mangelde Selbstreflexion den Humor der Vergangenheit eingeholt. Das ist traurig, spricht aber für den Film, der ohnehin recht pfiffig daher kommt, ist er doch keineswegs so oberflächlich ausgefallen wie der Charakter seiner Heldin.

Ganz im Gegenteil nutzt Amy Heckerling ihre Heldin um sie genauestens auszuleuchten, um ihr nach einer ordentlichen Dosis Kritik, die aufgrund des lockeren Grundtons des Streifens glücklicher Weise nicht all zu moralisch ausgefallen ist, ein Gewissen und den Wunsch zur Selbstveränderung zu bescheren. Auf dem Weg zu ihrer Selbsterkenntnis lernen wir amüsante Randfiguren kennen, allen vorweg die von der viel zu früh verstorbenen Brittany Murphy so gekonnt gespielte unsichere Tai und den moralischen Gegenpart Chers in Form eines Stiefbruders, gespielt von Paul Rudd, der bis heute noch immer auf vergleichbare, softe Rollen abonniert ist.

Es ist nur eine der vielen Raffinessen des Streifens, dass sich eine der Nebenfiguren als gewichtiger als vermutet herausstellt und im letzten Drittel plötzlich mehr Bedeutung erhält, bzw. den Wandel Chers überhaupt erst verursacht. Erst mit dieser Erkenntnis wird dem Zuschauer auch klar, dass „Clueless“ keineswegs recht inhaltsarm nur so Episoden-artig vor sich hindümpelte, so wie es die ganze Zeit über schien. Alles steht im Zusammenhang, alles wird wichtig für Chers Erkenntnis. Heckerlings Film wird zu mehr als zu einer oberflächlichen Komödie mit zugegebener Maßen treffsicherem Witz.

Das ist auch der Grund warum sich „Clueless“ trotz hervorgehobener Modeerscheinungen der 90er Jahre noch so gut guckt wie am ersten Tag. Es ist zudem der Grund warum der Streifen trotz dem verstärkten Blick auf eine Zicke im Zentrum nicht zum reinen Frauenfilm verkommt, der mit schrillem Getue ein männliches Publikum verjagt. Nach vielen stillen Andeutungen bekommt „Clueless“ endgültig auch für den blindesten, naivsten und ignorantesten Zuschauer Seele. Und wer sie erst so spät erkennt wird um so mehr Freude bei einer zweiten Sichtung haben, darf besagte Seele das Publikum dann doch von Anfang an mitbegleiten.

Aber auch wer die stillen Töne zuvor bemerkt hat, hat sicherlich in den Wiederholungen mehr Freude an „Clueless“ als beim ersten Mal, macht es doch wahrlich immer wieder Spaß die Wendungen und das Finale kennend die einzelnen Schritte Chers zum Ziel zu verfolgen, zumal sie von der unglaublich süß wirkenden Alicia Silverstone auch mit viel Talent und ironischem Abstand verkörpert wird. Als Mann muss man sich unweigerlich in Cher trotz all ihrer Oberflächlichkeiten und weiteren negativen Charaktereigenschaften verlieben, es geht gar nicht anders. Das ist Natur, da kommen Prinzipien nicht gegen an. Wer wird nicht weich, wenn beim Schminken Silverstones Lippen in Großaufnahme zur Geltung kommen?

„Clueless“ war ein Ausnahmefilm seinerzeit, der es zwar nicht schaffte wie „American Pie“ eine neue Teenie-Komödien-Welle im Kino zu entfachen, aber das liegt auch sicher daran dass er nicht so leicht zu kopieren ist wie der Erfolgsfilm mit Jason Biggs. Der Charakter und psychologiche Tiefgang von „Clueless“ steckt nun einmal zwischen den Zeilen, was den Streifen zudem nicht zum reinen Teenie-Filmchen verkommen lässt und damit ähnlich wie „Election“ auch dem Publikum zu empfehlen ist, das nicht zwingend Teenie-Komödien konsumiert. Aber vorsicht: Heckerling hinterlässt über eine längere Laufzeit den Eindruck dem wäre nicht so. Zur vollen Blüte entfaltet sich das scheinbare Nichts an Story erst ganz geduldig Richtung Ende.  OFDb

18.11.2012

DEAD GIRL (2006)

Als die Leiche einer jungen Frau gefunden wird, beeinflusst dies das Leben von vier Frauen, die in irgendeiner Weise mit der Toten in Verbindung standen oder zumindest glaubten dies zu tun...

Lebende Tote, tote Lebendige...
 
Ich bin kein besonderer Freund von Episodenfilmen, und zum Sichten von "Dead Girl" hat mich ein guter Freund überredet. Trotz meiner Abneigung gegen besagte Art Film und obwohl mich die Geschichte nicht gereizt hat, bin ich froh ihn nun doch gesehen zu haben, wusste der Film mich doch trotz seiner oberflächlich simplen Geschichte noch einige Zeit nachdem der Fernseher aus war zu beschäftigen.

Wie erwähnt, die Geschichte selbst ist recht banal, aber der Schein trügt. Erzählt wird nach dem Fund einer Frauenleiche die Geschichte von fünf Frauen: jene, die sie gefunden hat, die Schwester, die Mutter, die Ehefrau des Mörders und die Tote selber. Die Geschichten dieser Personen verlaufen unabhängig voneinander. Und da sie keinen Einfluss untereinander besitzen und jede nur für sich steht, kommt ein gewisses Gefühl von Leere auf, eine Leere die mich von einer besseren Bewertung abhielt, wissentlich dass "Dead Girl" keineswegs unüberlegt erzählt ist.

Was die Einzelepisoden nicht verbindet, verbinden die Entdeckungen durch Analyse, so z.B. der sehr interessante Aspekt dass die vier Frauen aus einer Art Lethargie erwachen, ein Leben fern der Selbstständigkeit führend, immer beeinflusst durch andere Umstände. Wohingegen die Tote einst trotz der miesen Umstände in denen sie lebte ein lebendiges Wesen mit eigenem Willen war, stark genug zu kämpfen und wissend was sie möchte.

Der Tod von ihr verdreht nun das bisher Gelebte. Die Lebensfreudige stirbt, aber jene Frau welche die Leiche fand und bisher unter der Fuchtel ihrer dominanten und unterdrückenden Mutter lebte, entwickelt trotz mangelndem Selbstbewusstseins ein eigenständiges Leben. Die Mutter der Toten, welche den Tatsachen des Lebens nie gegenüber gestanden hat, muss dies nun tun und beginnt einen neuen Lebensabschnitt. Die Frau des Mörders muss hinter eine furchtbare Wahrheit kommen, die sie aber aus einer Teilnahmelosigkeit herauszieht und zu einer Handlung zwingt. Die Antidepressiva-schluckende Schwester wird aus der Lethargie des langen Wartens und aus der Quälerei der Ungewissheit herausgerissen, wenn auch nur für kurze Zeit, was sich ohne zu spoilern nicht näher vertiefen lässt.

Das angeblich Unzusammenhängende wird somit sehr wohl eins, und der Allerwelts-Titel "Dead Girl", den so einige Produktionen tragen, bekommt eine Doppeldeutigkeit, da er sich nicht nur auf das tote Mädchen bezieht, sondern auch auf die fast tot lebenden Frauen. Da mag man nun philosophieren können dass alles Vergangene etwas neues hervorbringt, Nebensächlichkeiten entscheidende Wendungen nach sich ziehen können sowie Gemütszustände und Charaktereigenschaften immer einem Wandel unterliegen und die Entwicklung eines Menschen nie nur mit der Kindheit endet.

Oberflächlich betrachtet mag "Dead Girl" nur ein Frauenfilm sein, fertiggestellt von einer Frau mit Frauen im Mittelpunkt und für ein Frauenpublikum gedreht. Das mag bei einem Teilpublikum zutreffen, nämlich jenem, welches sich lediglich auf die Tragik der Geschichte stürzt und sich vom Drama anstecken lässt oder eben nicht. Aber wer hinter die Kulissen schaut und sich näher mit dem Film befasst, der erkennt auch die Kraft und die Tiefe hinter dem Werk, das mehr bezweckt als das Publikum kurzfristig emotional zu berühren.

Freilich ist es ein Pluspunkt, dass "Dead Girl" auch dies schafft. Und auf dem Weg zum Ziel erleben wir immerhin fünf einzelne Geschichten, die alle zu interessieren wissen, ob sie nun mit banalerer Geschichte daher kommen oder mit ereignisreicherer. Gepackt ist der komplette Film von Regisseurin Karen Moncrieff in wundervoll fotografierte Bilder. Der Einsatz gelernter und begabter Schauspieler gehört ebenso zum Pluspunkt, weiß doch jede wichtige Figur den Zuschauer zu interessieren und in seinen Bann zu ziehen, eine Eigenschaft, die durch die oft alltäglichen Vorkommnisse im Film, nur gutes Schauspiel in dieser Intensivität verursachen kann.

Dass der Film sich in den ereignisreicheren Momenten nie einem reißerischen Gebiet zuwendet, spricht für den richtig gesetzten Schwerpunkt. Charaktere stehen an erster Stelle, die versteckte Geschichte an zweiter und die vordergründige Geschichte der einzelnen Episoden an dritter. Lediglich die vordergründige Geschichte im Gesamten interessierte die Verantwortlichen von "Dead Girl" nicht die Bohne, so dass trotz eines tief gehenden Filmes und anregender Einzelepisoden eine Leere für den Gesamteindruck entsteht. So lobenswert es auch ist eine Geschichte versteckt durchs Analytische erkannt zu erzählen, den nach außen hin oberflächlichen Zusammenhang sollte ein guter Episodenfilm trotzdem nicht vernachlässigen. "Dead Girl" tut dies leider und ist somit "nur" gelungen anstatt gut.  OFDb