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14.10.2018

LETHAL WEAPON 4 (1998)

Neben dem ersten Teil dürfte "Lethal Weapon 4" wohl der kultigste Beitrag der Reihe sein, wenn auch der umstrittenste. Der Komödienpart rutscht noch ein wenig mehr in den Vordergrund als ohnehin schon, und der düstere Aspekt ums familiäre Umfeld herum wird weit optimistischer gezeichnet und mit dem versöhnlichen Schluss endgültig aufgehoben. Das in Teil 3 bereits zu erkennende anderweitige Familiengefühl einer alle Jahre wieder zusammen kommenden Filmcrew, wird in direktem Zusammenhang damit zu diesem Zeitpunkt zu seinem Höhepunkt geführt. Das schmeckte nicht jedem, das war für manch einen zu viel privates Getue, dabei verzichtet der Streifen im Gegenzug nicht auf seine Brutalitäten, die er in Teil 3 so gut wie ausgeblendet hat. Das ist auf der einen Seite eine Versöhnung mit dem dort enttäuschten Publikum, als Spagatversuch es auf der anderen Seite gleichzeitig jenem Publikum recht machen zu wollen, welches wie ich die Handschrift des dritten Teiles mochte.

Sicherlich ist dies einer der Gründe, warum Teil 4 trotz aller Sympathie nicht ganz so gut funktioniert, wie er hätte können. Man will es allen recht machen, man möchte wieder alle liebgewonnenen Figuren unter einen Hut bringen und gleichzeitig neue Kultfiguren schaffen. Mit anderen Worten: der Schritt zurück, den Teil 3 so lobenswert selbst in seinem Finale präsentierte, wird wieder über Bord geworfen für das große Mehr. Mehr Action, mehr Gewalt, mehr Gags, mehr Figuren, mehr Tammtamm. Überall muss noch inmittem großen Trubels irgend eine Lücke gefüllt werden, um mehr zu bieten, und so schaut sich "Lethal Weapon 4" ein wenig überfrachtet, wenn diesbezüglich auch eine Menge geglückter Momente erntend. Die Lachgasszene, die Pseudohochzeit mit dem Rabbie, die Funknetztelefondiskussion, der gefangene Hai, das alles sind Ideen welche die Geschichte theoretisch gesehen unnötig strecken, aber unglaublich zu gefallen wissen.

Ohne, wie für seine Entstehungszeit üblich, politisch korrekt daher zu kommen begradigt Teil 4 zudem so manches Unschöne aus den Vorgängern. Zu Herzen geht die Versöhnung mit dem stets gepeinigten Leo Getz, sinnloser Wandalismus ersetzt den sonst zu übertriebenen Sadismus der Helden, und der sonst so fremdenfeindliche Aspekt der "Lethal Weapon"-Mentalität bietet diesmal zumindest in Form der Familie Honk einen sympathischen Gegenpart, so dass die Asiaten nicht einzig dem Feindbild dienen. Sicher, in Teil 4 ist manches zu gewollt angegangen, so unverkrampft wie die Teile 1 und 3 schaut er sich nicht, und auch der späte 90er Jahre Farbfilter hinterlässt nicht mehr den klassischen Eindruck der Reihe, den er bis zur zweiten Fortsetzung beibehielt. Aber letztendlich ist "Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf" (Alternativtitel) eine unterhaltsame Party für Fans der Reihe, für große Kinder, also für das Stammpublikum, und da geht es schon in Ordnung, dass die Verantwortlichen des Streifens zu viel wollten. 

Die guten Aspekte dominieren, und Jet Li mit seiner beeindruckenden Kampfkunst als interessanter und wahrhaft bedrohlicher Gegner mit an Bord zu haben ist auch alles andere als ein Nachteil. Seine Kämpfe kann man als eine Entschuldigung für den Straßenköterkampf Rene Russos aus Teil 3 empfinden, der dort unverschämter Weise mit einer asiatischen Kampfkunstart betitelt wurde. Eine kurze Kampfsequenz mit Russo (erneut mit zu vielen Schnitten anstatt gekonnter Choreographie versehen) revidiert diesen positiven Eindruck ein wenig, und dieser unschöne Moment ist gleichzeitig der einzig beeindruckende Auftritt der in Teil 3 noch so gleichrangig emanzipiert aufgetretenen Frau. Im hier besprochenen Werk muss Russo dem ewig glattgebügelten, überholten Klischee-Familienbild der Amis treu bleiben, was dann auch der schwerwiegendste Kritikpunkt eines Filmes ist, der an so einigen Schwächen krankt. Trotzdem ist es schön zu sehen dass an so ziemlich jeder anderen Stelle die Charaktere inmitten einer explosiven, actionreichen Geschichte den Autoren wichtig bleiben, was spätestens dadurch bestens bewiesen wird, dass mancher zwischenmenschliche Höhepunkt des Streifens in der angenehm langen Phase nach dem Finalkampf stattfindet. Aber auch hier wird es wieder Tunnelblick-Zuschauer geben, die in ihrer Gier nach Quantitäten über solche Pluspunkte lediglich zu schimpfen wissen, ich hingegen bin dankbar dafür, dass die Autoren sich hierfür die nötige Zeit genehmigt haben.  OFDb

LETHAL WEAPON 3 (1992)

Erneut kommt ein Großteil der Crew der Vorgänger vor und hinter der Kamera zusammen, bis hin zu kleinsten Rollen wie der kultigen Polizeipsychiaterin oder dem Handwerker, dem wir in Teil 2 die Nagelpistole zu verdanken haben, so dass sich bei Liebhabern der Reihe ein gewisses familiäres Flair bemerkbar macht, welches über den unter Fans umstrittenen familiären Aspekt rund um Familie Murtaugh weit hinaus geht. Dieses Flair sorgt dafür, dass man wohlwollender mit dem Ergebnis umgeht und mit ihm nicht zu hart ins Gericht geht. Aber das muss man meiner Meinung nach ohnehin nicht, überraschte mich der dritte Teil der Reihe bei meiner x-ten Sichtung nach einer langen Pause doch geradezu positiv, was gerade deshalb erstaunt, weil ich ihn stets als zwar unterhaltsamen, aber dennoch schwächsten Teil der Komplettreihe wahrgenommen habe.

Das sehe ich heute anders, guckt er sich doch bei weitem nicht so bemüht auf locker getrimmt wie sein Vorgänger, der ebenfalls bereits den komödiantischen Aspekt mehr ins Zentrum rückte, wie es nun erneut der dritte Teil tut. "Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) kommt wesentlich entspannter daher, eben weil er keinen all zu hohen Anspruch an sich selber stellt. Der Film soll einzig unterhalten, sucht keinen Schwanzvergleich mehr darin das Action-Genre neu erfinden zu wollen und übertrumpft mit dieser banaleren Haltung das zu gewollte erste Sequel. Manchmal ist weniger einfach mehr, und da die fragwürdige Mentalität des Vorgängers wieder auf den klassischen Standard einer US-Actionfilmmentalität heruntergeschraubt wurde, ebenso wie der Grad der vorhandenen Idiotie, kann man dem munteren Treiben der nicht gerade korrekt handelnden Helden wesentlich gelassener folgen, da man sich nicht stets moralisch herausgefordert fühlt. Ohnehin hat sich seit Teil 1 so einiges verändert, immerhin war es im Erstling Riggs, der aufgrund seines aggressiven, an "Dirty Harry" orientierten, Auftretens zu provozieren wusste. In Teil 3 angekommen sind dessen Methoden bei der Polizei üblich geworden, was den comic-artigen Touch der Chose zu unterstützen weiß. Murtaugh scheut keine trockenen Oneliner nach der ein oder anderen blutrünstigen Tat, der Chef des Departments macht vor lässigen Sprüchen und gewalttätigen Methoden nicht Halt, und auch die Dame für die inneren Angelegenheiten bei der Polizei ist eine gewaltbereite Bitch.

Das muss sie auch sein, immerhin wird sie zum Love Interest für Riggs, und so wie charakterisiert passt sie auch wesentlich besser zu dem Sturschädel als das unpersönliche Püppchen aus dem Vorgänger und weiß die bisherige Crew passend und tatkräftig, da ebenbürtig zu ergänzen. Allgemein besitzt die zweite Fortsetzung ein treffsicheren Charme, der den eigentlich banalen Film besser funktionieren lässt, als den bemüht nach Anspruch hinterher hechelnden Vorgänger. Das Zwischenmenschliche funktioniert besser, treffsicherer Humor und Ernst vereinen sich gekonnter, Leo Getz wird angenehmer eingebracht, die Love Story funktioniert als Teil der hier gelebten Mentalität ohne die Geschichte zu dominieren, und selbst der dramatische Aspekt, diesmal Murtaugh betreffend, greift intensiver, freilich ebenfalls ohne zu dominieren. Da das Ganze zudem von Anfang an rund erzählt ist, sich genügend Atempausen gönnt ohne das flotte Treiben auszubremsen und auch in schrilleren Momenten noch immer die sympathische Tonlage trifft, ist "Brennpunkt L.A. - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) eine kunterbunte Action-Wundertüte, voll von Running Gags, Insidern, Action, Menschlichkeit und guter Laune geworden, das Action-Genre ernst genug nehmend um nicht einzig zur Komödie zu verkommen, die Pseudo-Ernsthaftigkeit von Teil 2 jedoch über Bord werfend, um entspannter als Actionfilm funktionieren zu können.  OFDb

LETHAL WEAPON 2 - BRENNPUNKT L.A. (1989)

Bereits meine erneute Sichtung des ersten "Lethal Weapon" erwies sich als ein überraschendes Erwachen, fiel er doch weit schlichter aus als von mir erwartet, da er zu sehr in pubertierenden Sehgewohnheiten feststeckte. Während dort jedoch noch die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren auf Actionfilm-Niveau psychologisch gesehen Sinn ergab, so wird "Lethal Weapon 2" diesbezüglich erst recht ein Großer-Jungs-Film, denn nun sind auch die Charakterzeichnungen und Beweggründe der Helden nur noch infantiles Getue, wie man es aus dem Kindergarten kennt. Da wird grundlos absichtlich verletzt, es herrscht keine Achtung und Wertschätzung vor dem Besitz anderer, Wahrheiten werden der eigenen Mentalität angepasst, es wird gebockt, man versucht dem Gegner mit Verfolgerspielchen Angst zu machen, Regeln und Gesetze werden ignoriert, gebrochen und verdreht, wie gesagt: das ist alles höchst kindisch.

Vorgewarnt durch Teil 1 hatte ich keine hohen Erwartungen mehr an "Brennpunkt L.A." (Alternativtitel), zumal ich schon bei der letzten Sichtung vor geschätzten 10 Jahren bemerkte, dass die Fortsetzung, im Gegensatz zu dem wie ich es ganz früher empfand, schwächer ausgefallen ist als das Erstling. Zwar wird quantitativ einiges gepuscht, so ist allein der Actiongehalt gegenüber dem Vorgänger enorm gestiegen, aber derartiges ersetzt freilich nicht Qualität. Weiß man aber, dass man sich mit "Lethal Weapon 2" (Originaltitel) auf geistlose Kurzweile einlässt, dann geht das Rezept sehr wohl auf. Freilich darf man nichts hinterfragen, weder was die unsinnigen Rachemethoden der Bösewichter sollen, noch warum sie ein Auto in ihrem Geldcontainer parken, oder ähnliches. Zwar ist die von Richard Donner selbst inszenierte Fortsetzung seines Erfolgsfilmes bei weitem nicht so dümmlich ausgefallen wie ein "Phantom Kommando", aber erstaunt war ich schon wie viel Idiotie ich bei meinen bisherigen Sichtungen kaum bemerkte, ohne dass es Punkte wären, die aufgrund der Inszenierung oder des enorm gewachsenen Humoranteils gegenüber zu Teil 1 zu erklären wären.

Wie auch immer, Spaß hat's auch nach all den Jahren wieder gemacht. Mit einer Verfolgungsjagd, die in anderen Filmen der Showdown gewesen wäre, startet man zu Beginn durch, so dass man schnell den Einstieg ins Geschehen findet, vor und hinter der Kamera blieb das Team großteils das selbe, und ein gut aufgelegter Joe Pesci weiß das bisherige Team gut zu ergänzen. Die Theatralik rund um den Frauenverlust Riggs wirkt zu aufgesetzt, um tatsächlich an den leichten Dramengehalt des Vorgängers anknüpfen zu können, aber da Rika van den Haas ohnehin eher wie ein Püppchen, als wie eine echte, atmende Frau wirkt und über keinerlei Charakter verfügt, ist das ohnehin egal. Außerdem steht der Action diesmal wie bereits erwähnt der Humor verstärkt zur Seite, so dass die Dramaturgie sich ruhigen Gewissens einzig auf die Rachementalität harter Männer stützen kann, was im Finale, wenn wahrlich der Krieg tobt, dann auch besser funktioniert als zunächst erwartet. Mag dem allen auch ein fragwürdig ethisch verdrehtes, selbstgerechtes Denken vorausgehen, akzeptiert man einmal dass die Helden keinesfalls die Sympathiefiguren sind, für die ihre Schöpfer sie halten, funktioniert die unkorrekte Story um so besser. Wie man das wilde und unterhaltsame Treiben von seiner Rechtfertigung her jedoch ernst nehmen kann, ist mir ein Rätsel, so verlogen wie sich der Film diesbezüglich guckt.  OFDb

28.05.2016

MEIN VETTER WINNIE (1992)

Regisseur Jonathan Lynn lässt in „Mein Vetter Winnie“ den spießgen Süden auf das Spaß-orientierte New York stoßen und macht während er sich über beide Seiten lustig macht kein Geheimnis daraus, dass er mit beiden Seiten sympathisiert. Die Komödie versteht sich nicht als Hass- oder Frust abladendes Abarbeiten diverser Amerika-Klischees, mit all zu harter Komik darf man also nicht rechnen. Stattdessen deutet der Film durch den Konflikt zwei unvereinbar scheinender Kulturen auf deren Charme. Beide Kulturen besitzen, so wie alles im Leben, ihre positiven und negativen Seiten. Dementsprechend lässt Lynn den Gegenüber stets zunächst die negativen Seiten der fremdartigen Lebensart erleben, bevor er auch die positiven erkennen darf in einem locker flockigen Familienfilm, bei dem man nie Bedenken anmelden würde ob es zu einem Happy End kommt oder nicht.

„Mein Vetter Winnie“ mag an mancher Stelle recht konventionell ausgefallen sein, und wie Winnie den Freispruch für seinen Vetter erreicht hat mehr mit Zufall als mit erlangtem Wissen oder erarbeiteter Reife zu tun. Aber all zu streng darf man diesen an sich doch sehr charmant erzählten Stoff nicht nehmen, in dem „Karate Kid“ Ralph Macchio wohl seine letzte Chance in einem Kinofilm nach seiner ewig jugendlichen Karate-Karriere erhielt und lobenswert zurückhaltend dem spielfreudigen Joe Pesci die Manege überlässt.

Der spielt als gäbe es kein Morgen, im deutschen ungewohnt, aber passend synchronisiert mit der Synchronstimme Bruce Willis‘, weiß aber auch wann er dem nicht minder grandios spielenden Fred Gwynne in der Rolle des Richters das Ruder überlassen muss. Heraus kommt im Endergebnis ein dialogfreudiges Kulturenzusammentreffen mit treffsicherem Witz, gemixt aus zurückhaltendem Humor, treffsicherem Schlagabtausch und vor lachen nur so übersprudelnder Momente, getragen von einer gut aufgelegten Besetzung, die bis in die kleinste Nebenrolle dank interessanter Charakterzeichnung, Freude bereitet. Ob es der hirnlose Dorfproll ist, der sich mit Winnie prügeln will, der scheinbar so fähige Pflichtverteidiger, für den sich Bills Kumpel Stan entscheidet, nachdem Winnie nicht einmal fehlerfrei die Frage „wofür plädieren sie“ beantworten konnte, oder der erfolgreiche Staatsanwalt, der zur harten Konkurenz für den unerfahrenen Winnie wird: im „Mein Vetter Winnie“-Universum wimmelt es nur so vor charmanten Figuren, eine Sympathie die sich geradezu zwangsweise auf den Film überträgt.

Und so macht es auch gar nichts dass „My Cousin Vinny“ (Originaltitel) das Rad nicht neu erfindet. Lynns Werk macht einfach Spaß, ebenso wie seine diesem Werk folgenden Arbeiten „Ein ehrenwerter Gentleman“, „Greedy“ und „Keine halben Sachen“, alles Filme die keine Meilensteine ihres Fachs sind, aber gekonnt und professionell umgesetzt den Durchschnitt der Komödiengattung hinter sich lassen, um mehr zu sein als akzeptable Unterhaltung. Die Pointensetzung ist zu zielsicher und die Gesamtabiente zu locker als dass man das Ergebnis für Zufall oder minderwertig halten könnte. „Mein Vetter Winnie“ ist zielsicher umgesetzt, talentiert und sympathisch besetzt und hat einzig mit der etwas arg routinierten Geschichte zu kämpfen.  OFDb