Freitag, 21. September 2012

DIE SCHRECKENSMACHT DER ZOMBIES (Shock Waves 1977 Ken Wiederhorn)


Nach einem Seebeben und nachdem es von einem Geisterschiff gerammt wurde, hängt ein Schiff auf einer Schlammbank fest. Mit dem Rettungsboot paddelt man zu einer naheliegenden Insel. Doch dort ist es nicht sicher: Soldatenzombies, ein altes Experiment der Nazis, lauern den Gästen auf...


Das feuchteste Erbe der Nazis...

Amerika scheint fasziniert zu sein von der Idee, die Nazis hätten schrägste und finsterste Ideen ausgeheckt, um den Endsieg doch noch zu erreichen. Und so gibt es allerhand idiotische Stoffe auf verschiedenste Medien verteilt, die uns zeigen, was die kranken, deutschen Hirne ausgeheckt haben. In „Shock Waves“ (Originaltitel) erleben wir die Variante „tote Supersoldaten“.

Im Gegensatz zu ihren Vettern aus „Universal Soldier“ lieben unsere Soldaten das Wasser. Sie nutzen es zur Tarnung, sie nutzen es als Ruheraum. In einem einleitenden Off-Kommentar wird dem Zuschauer erklärt, dass diese Supersoldaten sogar Panzer aufhalten könnten und kein Klima der Welt sie kampfunfähig machen könnte. Das klingt nach richtigen Supertypen, nach einer hoffnungslosen Angelegenheit für die Helden dieser kleinen Geschichte.

Davon bekommt man allerdings herzlich wenig mit. Nicht nur dass die Berufsmörder sich ihre Opfer auf herkömmliche, sprich recht menschliche, Art holen, sie tun auch nichts, das auf übermenschliche Fähigkeiten schließen lässt. Sie zerstören gerne mal sinnlos Gegenstände, zeigen nie ansatzweise so etwas wie ein Handeln nach Plan und sind zudem auf einfachste, und dem Zuschauer verarschendste, Art außer Gefecht zu setzen. Warum die Nazis nicht auf des Rätsels Lösung kamen, und stattdessen die umständliche Methode wählten ihre Produkte wenigstens für einige Zeit loszuwerden, liegt immerhin nahe: Wer würde schon so etwas simples ausprobieren?

Verraten werde ich die Methode, wie man Soldatenzombies ins endgültige Jenseits schickt nicht. Darüber soll jeder selber herzhaft lachen. Mancher Amerikaner hat dies sicherlich nicht, wird doch bereits in einem kurzen TV-Trailer dieses Landes verraten, wie das vonstatten geht.

Die wahre Pointe kommt aber noch: Was sich wie völlig unfreiwilliger Trash anhört, funktioniert auf ominöse Art trotzdem irgendwie. Woran kann das liegen? An der Beteiligung Peter Cushings? An dieser Stelle kann ich ohne schlechten Gewissens antworten: nein! Der wird gnadenlos verheizt, hat ohnehin nur ganz wenige Auftritte, diese meist im Dunkeln und seine ihm zugedachten Szenen lassen die Chance guten Schauspiels einfach nicht zu. Gerade aus der Idee, dass er der ehemalige Kommandant der Truppe war, hätte man wesentlich mehr herausholen können.

Der restliche Cast gehört auch nicht zu den Rettern des Streifens. Die Schauspieler sind alle mäßig bis schlecht, die deutsche Synchronisation ist eine sehr maue und ist also auch nicht gerade hilfreich zur Unterhaltungsförderung.

Der Film ist wegen mehrerer anderer Elemente stimmig: Die Musik ist schräg und experimentell, wie üblich in den 70ern, die Wald- und Wasserlocation ist stimmig, die Kamera fängt auf simple Art nette Bilder ein, die sicherlich nicht zufällig des öfteren an den ein paar Jahre zuvor entstandenen „Blutgericht in Texas“ erinnern, und das beste von allem: Die Zombies sind eine optische Wucht. Sie sind zwar ziemlich simpel zurecht gemacht, aber glücklicher Weise erkannten die für ihren Look Zuständigen, dass weniger manchmal mehr ist. Die Haut der Zombies ist schön zerfallen, ihre Uniformen lassen sie düster wirken und ihr Ein- und Auftauchen im Wasser ist atmosphärisch, auf etwas naive Art sogar bedrohlich zu nennen.

Zudem versteht es Regisseur Ken Wiederhorn die ein oder andere gewöhnliche Szene stimmungsvoll umzusetzen. Als bestes Beispiel dürfte wohl die Szene geeignet sein, in der aus dem Nichts das Geisterschiff erscheint, inklusive der Leuchtkugelsequenz, in der Wiederhorn uns nur so viel sehen lässt, wie die besagte Munition auch real nur zulässt. Etwas mehr bedrohliche Stimmung a la „Schreckensmacht der Zombies“ und etwas weniger Klamauk hätten in Wiederhorns Hände aus „Return Of The Living Dead 2“ sicherlich einen qualitativeren Film werden lassen. Immerhin wurde er für diesen nur engagiert, weil sein Ergebnis von „Shock Waves“ so interessant war.

Vergleichbar ist „Zombies – Die aus der Tiefe kommen“ (Alternativtitel) mit dem ebenfalls schundigen, aber sehr atmosphärischen „Die Nacht der reitenden Leichen“. Manche Idee erinnert ganz besonders an den dritten Teil der Reihe, in der aus den reitenden Leichen nichtschwimmende schwimmende Leichen wurden. Trauriger Weise vernachlässigte man es sowohl bei „Geisterschiff der schwimmenden Leichen“ als auch bei „Shock Waves“ die Untoten auf dem Meeresboden wandern zu lassen. Bei De Ossori stand diese Idee einige Zeit im Raum, wurde aus Kostengründen allerdings wieder verworfen. Ob solche Szenen bei „Schreckensmacht der Zombies“ jemals zur Debatte standen weiß ich nicht. Wenn ich mich nicht vertue, musste der Filmfreund bis zum „Fluch der Karibik“ warten, um endlich einmal wandelnde Untote auf dem Meeresgrund sichten zu dürfen. Dort ist die längst fällige Szene sehr stimmig umgesetzt, so dass ich geradezu danach lechze eine ähnliche Sequenz auch einmal in einem ernsten, bedrohlichen Genrebeitrag zu sichten.

„Shock Waves“ ist ein stimmiger, schundiger Horrorfilm, mit allem was die 70er Jahre-Werke so wertvoll machte, leider eingetunkt in eine völlig idiotische Story mit blöder Auflösung und schlechter Besetzung. Dafür wurde wenigstens auf sinnloses Gedärmeherausziehen und ähnliches verzichtet, wie es zu jener Zeit in den italienischen Zombiewerken Alltag war, somit kann Wiederhorns Werk innerhalb des Schundbereiches dennoch ein gewisses Niveau halten. Der klassische Zombiefan dürfte also eventuell enttäuscht werden. Bluteffekte fehlen komplett (die FSK 16 weist bereits daraufhin), gefressen wird niemand und ansteckend ist das untot sein diesmal auch nicht.


Trailer,   OFDb

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen