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21.01.2024

THE LODGE (2019)

Das Regie-Duo Severin Fiala und Veronika Franz bescherte uns 2014 den künstlerisch wertvollen, intellektuellen Horror-Geheimtipp "Ich seh, ich seh", und es sollte 5 Jahre dauern, bis sie diesem ein weiteres Werk nachschoben. Erfreulicher Weise handelt es sich erneut um ein Horror-Drama, die Erwartungen verringerten sich jedoch automatisch, als ich las, dass der Nachfolger mit US-Geldern finanziert wurde. Europäische Regisseure unter der Fuchtel der amerikanischen Filmpolitik sind nach dem Locken des großen Geldes oft wieder enttäuscht in die Heimat zurückgekehrt, da ihr kreativer Geist unterdrückt wurde. So geschah es u.a. mit Dario Argento und Oliver Hirschbiegel, um nur ein paar wenige zu nennen. Ob es nun an der britischen Mitbeteiligung liegt, oder einfach daran, dass wer in den USA dann doch die künstlerische Stärke in der Ruhe am Regie-Duo begriffen hat: die Geschichte um eine zukünftige Stiefmutter, die mit den zwei Kindern des baldigen Gatten eine Woche lang allein in einer einsamen Schneehütte festsitzt, ist im intellektuellen Sinne von den Amis kaum verwässert worden. Da gibt es ein paar Stützrädchen mehr, damit das Publikum begreift, was andere in den subtilen Anspielungen von selbst entdecken, für ein Werk unter US-Beteiligung ist "The Lodge" aber nicht gerade Mainstream geworden. Noch immer begeistern hübsche Fotografien, eine Langsamkeit in der Erzählung und das besagte Setzen auf Stille. Die Figuren besitzen genügend dramatischen Hintergrund, ablenkende Fäden sind schnell gespannt, lange Zeit darf der Zuschauer rätseln worauf die Geschichte hinaus will.

So raffiniert wie der verstörende "Ich seh, ich seh", der 2022 in den USA als "Goodnight Mommy" von wem anders neu verfilmt wurde, ist das Ganze dann doch nicht ausgefallen, entpuppt sich "The Lodge" trotz intellektuellem Touch doch als weniger intelligent und auch als psychologisch weniger kreativ als er vorgibt zu sein. Das Spiel mit der Täuschung ist manches Mal schnell durchschaut, die einzelnen Auflösungen nicht so interessant ausgefallen, wie es die Regisseure, welche mit wem Drittes auch die Autoren sind, gerne hätten, und was noch viel gravierender auffällt: der komplette Plot ist auf die Auflösung konzentriert. Das Füllmaterial auf dem Weg dorthin ist nicht interessant und packend genug ausgefallen, um sich vom Finale angenehm überrumpeln lassen zu können. Der Vorgänger war die komplette Laufzeit über interessant, er legte es nicht einzig darauf an am Ende plötzlich mit einem anderen Blickwinkel auf die Dinge zu überraschen, aber freilich war dies eine Stärke, die sich rückwirkend auch in vielen anderen Aspekten des Films zeigte. Auf diese allein, gemeinsam mit dem künstlerischen und intellektuellem Touch, verlässt man sich bei "The Lodge", und das haut trotz hübscher Bilder und manch überzeugender Mimen nicht hin. Die Fährten, die gelegt werden, sind reizvoller Natur, was daraus geschaffen wird, inklusive letztem Einblick ins Geschehen, besitzt nicht das psychologisch raffinierte Potential des grandiosen Vergleichsfilmes. Das ist schade, denn es gibt manchen spannenden Moment, einige rätselhafte Augenblicke, und das verfrühte Aufdecken einer als final vermuteten Auflösung, weiß auch im späteren, zu theoretisch ausgefallenem, Verlauf zu überraschen. "The Lodge" scheitert schlussendlich an seinem Intellekt, der weder so ausgeprägt ist, wie erhofft, noch im Zentrum stehend eine Geschichte des Hinhaltens bis zur anvisierten Auflösung allein zu tragen weiß.  Wiki

11.12.2020

THE KILLING OF A SACRED DEER (2017)

Mit seinem Folgefilm nach "The Lobster" wandert der Ton wieder zurück in die deutlich nüchternere Erzählrichtung von Yorgos Lanthimos brillanten "Dogtooth", die weit weniger offensichtlich humoristisch angereichert ist, sondern eher in bitterbösen Winkeln versteckt lauert, ebenso wie der gesellschaftssatirische Ansatz. Der Trumpf des Sehwerts und der von Lanthimos geschaffenen Atmosphäre, die surreale Wirkung alltäglich scheinender Abläufe, wird zugleich zu einem wichtigen inhaltlichen Element zur Mitte hin, wenn die von Martin geäußerten Regeln nach erstem Misstrauen für geradezu selbstverständlich angenommen werden, trotz ihres übernatürlich scheinenden Ursprungs. Aufgrund der surrealen Vorarbeit und der Abgeklärtheit der hier aufgezeigten Gesellschaft, nimmt man dies als Zuschauer an, findet einen derartigen Umgang mit der Materie zwar weiterhin bizarr, entdeckt aber, dass mit dem Akzeptieren von etwas, das man eigentlich nicht so schnell als Wahrheit akzeptieren würde, genau die interessanten zwischenmenschlichen Aspekte ins Laufen kommen, die "The Killing of a Sacred Deer" in dieser Phase die meisten Pluspunkte bescheren. So kommt es, weiterhin im zurückgeschraubten, nüchternen Grundton gehalten, zu einem Wettbewerb unter den Familienmitgliedern, zu Verzweiflungstaten und Gefühlsausbrüchen eines Mannes, der sich sonst stets unter Kontrolle hat und zu einer finalen Tat, die unabwendbar ist. Dass sie dies ist, wird einem als Zuschauer mit der Zeit bewusst, erst recht wenn man andere Werke des Regisseurs und Mitautors kennt, die stets seine spezielle Handschrift tragen und dem Zuschauer niemals eine Erlösung oder einen sanften Umgang schenken, um mit dem vorgesetzten Szenario leichter umgehen zu können.

Was an dem hier besprochenem, nur schwer in Genres einzuordnenden, Film so beeindruckt, ist dass er das surreale Element mit simplen Mitteln geschaffen bekommt und auf widersprüchlich scheinende Art. Die Geschichte ist rätselhaft, obwohl jeder, mit gelegentlichen Ausnahmen der Hauptfigur Steven, stets offen die Wahrheit sagt und stets mitteilt was er gerade denkt. Die Dialoge sind direkter und aufgeklärter Art, aber wie in Trance gesprochen. Trotz Wahrheiten kommt es zu Misstrauen, trotz offen gespielter Karten wirkt die Geschichte rätselhaft und mysteriös, trotz der damit geschaffenen Personennähe, betrachtet man die Figuren distanziert, in einer alternativen, ernüchterten Welt lebend, in welcher es keine positive Lebensenergie zu geben scheint. Alles wird als selbstverständlich angenommen, trotz heruntergefahrener Emotionen und nicht vorhandener Gefühlsregungen erkennt man die Herzlichkeit untereinander, das Mitgefühl, die Liebe und damit einhergehend das emotionale Dilemma, das Steven quält, aufgrund der von ihm erwarteten Entscheidung. Lanthimos schafft die entrückte Wirkung der hier geschaffenen Wirklichkeit mit solch simplen Mitteln, wie der Idee die Leute trotz vorhandenem Intellekt stets nur in kurzen Sätzen miteinander reden zu lassen. Nur selten kommt es zu einem Nebensatz. Dies gekleidet in besagter Sachlichkeit, fehlenden Emotionen und in Trance gesprochener Tonlage gibt dem Szenario bereits dann einen packenden Effekt, wenn man noch nichts vom Aufhänger, welcher die eigentliche Geschichte in Bewegung bringt, ahnt. 

Der Widerspruch in natürlichem und surrealen Verhalten zeigt sich auch wunderbar im absichtlich steifen Spiel der brillant besetzten Schauspieler. Wieder hat es Nicole Kidman nach "Birth" und "Dogville" geschafft überzeugend in einem außergewöhnlichen Stoff mitzuspielen, Colin Farrell überrascht wie eh und je, die Filmtochter wirkt allein schon dadurch, dass sie als der natürlichst und emotionalst agierende Mensch in dieser Welt etwas aus dem Muster herausragt, und der Darsteller des Martin spielt in einer Unschuld, die ihm einen unheimlichen Touch beschert, oder zumindest einen mysteriösen. Man versteht nie ob er Strippenzieher ist, oder einfach eine Regelmäßigkeit bemerkt hat und benennt, die anderen nie auffiel und über die er selbst keine Kontrolle hat, vielleicht nicht einmal ihr Verursacher ist. Er wirkt auch inmitten des entfremdeten Verhalten der anderen geistig leicht entrückt. Das wird innerhalb der Geschichte sogar benannt, wird also auch in der uns lethargisch scheinenden Gesellschaft, die uns hier präsentiert wird, dementsprechend empfunden. Letztendlich sind es aber nur sanfte Graustufen, die Martin diesbezüglich von den anderen Figuren im Film trennen. "The Killing of a Sacred Deer" ist stilistisch, inhaltlich und erzählerisch ein brillanter Stoff für Freunde andersartigem, abseitigen Kinos und somit definitiv zu empfehlen. Die Gedankenspiele sind ebenso faszinierend, wie die verstörende Wirkung des Streifens an sich. Die nüchterne Erzählweise erlangt eine eigene Energie und Dynamik, die den auf immerhin fast zwei Stunden laufenden Film nie ausbremst. Kurzum gefällt mir diese satirische Groteske Lanthimos' wieder eine Spur besser als der (auch nicht uninteressante) Vorgänger.  OFDb

03.04.2015

CLUELESS - WAS SONST? (1995)

Die Teenie-Komödien-Welle der 80er Jahre war längst vorbei und die neue durch den Erfolg von „American Pie“ war noch Zukunftsmusik. Inmitten der Zeit in welcher das Genre im Kino abgeschriebenen war erschien „Clueless“ auf der Bildfläche und wurde ein großer Erfolg. Und das verwundert nicht, weiß er einen doch geradezu zu verzaubern mit einer Schar herrlicher Charaktere, einem Hauch zuckersüßer Romantik, einer guten Prise unaufdringlichen Humors und einem gut beobachtenden Blick auf den aktuellen Zeitgeist. Zwar handelt der Film von einer verwöhnten reichen Beverly Hills-Clique, bzw. hauptsächlich von nur einer Teenagerin aus dieser, aber dennoch kann sich die Generation der Jugendlichen aus den 90er Jahren wunderbar im Geschehen wiedererkennen, zumal der Film keine konkreten Bezeichnungen damals angesagter Pop-Bands und Lebensmittel umgeht.

So abseits das Treiben reicher, verwöhnter Amis auch auf den deutschen Durchschnitts-Typen wirkt, es sind genügend Eckpfeiler vorhanden in welcher man sich oder zumindest Erlebtes und Beobachtetes wiedererkennt. Gerne werden Witzchen über das gerade in Mode gekommene Handy gerissen (noch mit putzigen Antennen versehen), aufgezogene Situationen die heute so sehr Alltag sind, dass die Folgegeneration sie gar nicht mehr als Witze erkennen dürfte, so sehr hat die Zeit durch mangelde Selbstreflexion den Humor der Vergangenheit eingeholt. Das ist traurig, spricht aber für den Film, der ohnehin recht pfiffig daher kommt, ist er doch keineswegs so oberflächlich ausgefallen wie der Charakter seiner Heldin.

Ganz im Gegenteil nutzt Amy Heckerling ihre Heldin um sie genauestens auszuleuchten, um ihr nach einer ordentlichen Dosis Kritik, die aufgrund des lockeren Grundtons des Streifens glücklicher Weise nicht all zu moralisch ausgefallen ist, ein Gewissen und den Wunsch zur Selbstveränderung zu bescheren. Auf dem Weg zu ihrer Selbsterkenntnis lernen wir amüsante Randfiguren kennen, allen vorweg die von der viel zu früh verstorbenen Brittany Murphy so gekonnt gespielte unsichere Tai und den moralischen Gegenpart Chers in Form eines Stiefbruders, gespielt von Paul Rudd, der bis heute noch immer auf vergleichbare, softe Rollen abonniert ist.

Es ist nur eine der vielen Raffinessen des Streifens, dass sich eine der Nebenfiguren als gewichtiger als vermutet herausstellt und im letzten Drittel plötzlich mehr Bedeutung erhält, bzw. den Wandel Chers überhaupt erst verursacht. Erst mit dieser Erkenntnis wird dem Zuschauer auch klar, dass „Clueless“ keineswegs recht inhaltsarm nur so Episoden-artig vor sich hindümpelte, so wie es die ganze Zeit über schien. Alles steht im Zusammenhang, alles wird wichtig für Chers Erkenntnis. Heckerlings Film wird zu mehr als zu einer oberflächlichen Komödie mit zugegebener Maßen treffsicherem Witz.

Das ist auch der Grund warum sich „Clueless“ trotz hervorgehobener Modeerscheinungen der 90er Jahre noch so gut guckt wie am ersten Tag. Es ist zudem der Grund warum der Streifen trotz dem verstärkten Blick auf eine Zicke im Zentrum nicht zum reinen Frauenfilm verkommt, der mit schrillem Getue ein männliches Publikum verjagt. Nach vielen stillen Andeutungen bekommt „Clueless“ endgültig auch für den blindesten, naivsten und ignorantesten Zuschauer Seele. Und wer sie erst so spät erkennt wird um so mehr Freude bei einer zweiten Sichtung haben, darf besagte Seele das Publikum dann doch von Anfang an mitbegleiten.

Aber auch wer die stillen Töne zuvor bemerkt hat, hat sicherlich in den Wiederholungen mehr Freude an „Clueless“ als beim ersten Mal, macht es doch wahrlich immer wieder Spaß die Wendungen und das Finale kennend die einzelnen Schritte Chers zum Ziel zu verfolgen, zumal sie von der unglaublich süß wirkenden Alicia Silverstone auch mit viel Talent und ironischem Abstand verkörpert wird. Als Mann muss man sich unweigerlich in Cher trotz all ihrer Oberflächlichkeiten und weiteren negativen Charaktereigenschaften verlieben, es geht gar nicht anders. Das ist Natur, da kommen Prinzipien nicht gegen an. Wer wird nicht weich, wenn beim Schminken Silverstones Lippen in Großaufnahme zur Geltung kommen?

„Clueless“ war ein Ausnahmefilm seinerzeit, der es zwar nicht schaffte wie „American Pie“ eine neue Teenie-Komödien-Welle im Kino zu entfachen, aber das liegt auch sicher daran dass er nicht so leicht zu kopieren ist wie der Erfolgsfilm mit Jason Biggs. Der Charakter und psychologiche Tiefgang von „Clueless“ steckt nun einmal zwischen den Zeilen, was den Streifen zudem nicht zum reinen Teenie-Filmchen verkommen lässt und damit ähnlich wie „Election“ auch dem Publikum zu empfehlen ist, das nicht zwingend Teenie-Komödien konsumiert. Aber vorsicht: Heckerling hinterlässt über eine längere Laufzeit den Eindruck dem wäre nicht so. Zur vollen Blüte entfaltet sich das scheinbare Nichts an Story erst ganz geduldig Richtung Ende.  OFDb

26.08.2013

BATMAN UND ROBIN (1997)

Joel Schumacher machte sich bereits mit „Batman Forever“ nicht viele Freunde unter den Kinozuschauern, machte er aus Burtons so düster begonnener Reihe doch ein buntes Popkorn-Kino der spaßigen Art. Ein toller Film ist ihm damit nicht gelungen, aber richtig unterirdisch sollte es erst mit dem Nachfolger „Batman und Robin“ werden, der völlig würdelos mit den Kult-Figuren umgeht und uns ein knallbuntes, schrilles und überdrehtes Etwas präsentiert, das die alte „Batman“-TV-Serie wie ein zurückhaltendes Kammerspiel wirken lässt.

Schumacher dreht derart auf, dass man sich für nichts mehr was im Film passiert interessiert. Das merkt man bereits in den ersten 12 Minuten, in welchen Mr. Freeze eingeführt wird, der vor den Titelhelden fliehen muss. Die Kamera macht den Eindruck immer zu spät zur Stelle zu sein, so dass manche Geschehnisse plump von Robin per Off-Kommentar erklärt werden müssen. Der kunterbunte Augenkrebs eines völlig überzogenen Szenarios einer Welt, die durch ihre Extreme schon gar nicht mehr erklärt werden möchte, macht einen geradezu blind für das was tatsächlich im Film passiert, und das ist viel und wenig zugleich.

Schade dass der gute Mann, der sowohl für manchen Kultfilm wie „St. Elmo‘s Fire", „The Lost Boys“ und „Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K“ verantwortlich war, wie auch für solch populäre Werke wie „8mm“, „Flatliners“ und „Falling Down“, sein Werk derart in die Tonne kloppt, so sehr, dass sein Film übelst floppte und es für lange Zeit keinen weiteren „Batman“-Film mehr gab. Denn die Besetzung kann sich eigentlich sehen lassen: George Clooney wirkt als Batman und Bruce Wayne nicht halb so schlecht wie gerne behauptet wird, bekommt aber ohnehin keine Chance dem an sich so vielschichtigen Charakter Tiefe zu verleihen. Arnold Schwarzenegger, damals noch immer auf dem Hoch seines Erfolges, hätte ein Gegner mit Schmackes werden können, und Alicia Silverstone darf zumindest süß aussehen.

Einzig das Talent von Uma Thurman darf inmitten dieses Irrsinns ab und an aufblitzen, ist aber auch hoffnungslos verloren in einem visuell überfrachteten Film, der sich um viel zu viele Figuren kümmern muss, als dass er auch nur eine wirklich zur Zufriedenheit des Zuschauers vertiefen könnte. Da dürfen nicht nur Mr. Freeze und Poison Ivy gemeinsam als Gegner tätig werden (was noch okay wäre, da doppelte Gegner im Vorgänger immerhin halbwegs und spätestens in „The Dark Knight“ tatsächlich funktioniert haben), nein auch Batgirl und Bane müssen mit eingebracht werden, Erstgenannte ganz besonders unnötig, da bereits Robin an der Seite von Batman zu viel des Schlechten ist.

Wenn man erst einmal abgehärtet den Film weiter verfolgt und die grellen Abscheulichkeiten halbwegs akzeptieren kann, dann fällt einem auf was an „Batman und Robin“ endgültig stört: die Helden sind heterosexuell, während der komplette Film das schrille Klischee und Vorurteil des Homosexuellen visualisiert. Ob Mr. Freeze dämliche Puschelpantoffel tragen darf, Bösewichter mit neonleuchtender Ketten Ivy attackieren dürfen, oder das Kostüm der beiden Helden Brustwarzen-Nippel aufweist, alles bekommt solch einen schwulen Touch beschert wie ein „Im Himmel ist die Hölle los“, freilich ohne dessen Charme zu erreichen. Selbst das Logo zu Beginn muss sich eines schwulen Vergleiches stellen. Ebenso wie Erni und Bert umwehten auch schon immer die Figuren Batman und Robin Spekulationen um eine mögliche Homosexualität. Schumacher scheint diese zu bestätigen, ohne sie dies auch sexuell ausleben lassen zu dürfen. Nein, innerhalb der Geschichte sind sie Heteros. Fast schon schade, dann würde vielleicht heute die nervige Debatte um einen schwulen Spider-Man nicht mehr geführt werden.

„Batman und Robin“ genießt den Ruf der schlechteste „Batman“-Film zu sein, der bislang gedreht wurde, und ich kann da nicht widersprechen. Im Gegensatz zu dem ebenfalls unbeliebten „Catwoman“ funktioniert Schumachers zweiter Abstecher nach Gotham City nicht einmal als Trash. Das Teil nervt und enttäuscht um so mehr, als dass Batman meiner Meinung nach der interessanteste Superheld am Kino- und Comichimmel ist. Es ist wahrlich eine Schande ihn in ein derart albernes Licht zu rücken, vor dem wahrscheinlich selbst Adam West schockiert zusammenzucken würde. Wäre der Film so düster wie sein Trailer, hätte er funktionieren können. Allein deswegen ist dieser einen Blick wert. Der Film selbst nicht.  OFDb