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04.07.2020

ANT-MAN AND THE WASP (2018)

Zwar hat "Ant-Man" keine Begeisterungsstürme in mir ausgelöst, ist er doch, trotz allem was über ihn gesagt wird, ebenso wenig der große Ausnahme-Marvel wie "Deadpool", im Gegensatz zu diesem wusste er aber kurzweilig zu unterhalten mit manch netter Idee an Bord. "Ant-Man and the Wasp", an dem auch Hauptdarsteller Paul Rudd mitgeschrieben hat, ist besser ausgefallen, nutzt er doch jeden Moment für atemberaubende, aber auch erzählenswerte Action und stellt den Titelhelden weit weniger in den Vordergrund als man vermuten würde. Er ist der Ahnungslose, der zur Rettung eilt, auch wenn er die Umstände nicht versteht. Die wahren Helden sind seine Partnerin und ihr Vater, auf deren Präsenz das Drehbuch verstärkter aufbaut. Man agiert als Team, keiner von den Dreien steht mehr im Vordergrund als der andere. Und selbst dem Wissenschaftler wird ein bedeutender Solo-Moment beschert, in welchem er auf sich gestellt eine besonders schwierige Situation meistern muss, welche üblicher Weise in Konkurrenzprodukten dem Titelhelden gebührt. Deutlich verstärkt auf Komödie getrimmt, besitzt der Streifen, der erneut von "Der Ja-Sager"-Regisseur Peyton Reed inszeniert wurde, einen pointensicheren Plot, der einen direkt in die Stimmung der Fortsetzung eintauchen lässt, noch bevor die Action, und mit ihr die gelungenen Spezialeffekte, auf den Plan treten. Selbst die übelsten Klischees kommen in diesem angenehmen Flair lockerflockig daher, "Ant-Man 2" (Alternativtitel) bereitet schlichtweg einen Heidenspaß.

Sympathischer Weise ist es den Verantwortlichen der Geschichte ebenso egal, dass Ant-Man nicht wirklich der Held der Geschichte ist, wie die Tatsache, dass einer der Widersacher, ein Mafiosi, nie zur wirklichen Bedrohung wird. Beide Positionen werden augenzwinkernd, aber nicht einem verkrampft gewollten Konzept anbiedernd, eingesetzt. Dementsprechend entwickelt der zweite Teil noch mehr als das Erstling jenen lockeren Touch, der im immer noch viel zu ernst dargebotenem Superhelden-Universum seiner Kino-Dekade suggerieren soll, dass diese Art Comic-Film eigentlich nur eine spaßige Fantasie sein soll. Dieser entspannte Ton, der zu Zeiten des 70er Jahre "Superman"-Kinofilms noch selbstverständlich war, ohne gleich zur Komödie zu werden, kooperiert überraschend gut mit den modernen Methoden, wie heutzutage ein derartiger Film umgesetzt wird. Das Drehbuch nutzt die inflationär, in schnellem Tempo dargebotene, Effekttechnik für herrlich alberne Situationskomik, wie sie in den 70er Jahren in einer Fantasy-Disney-Komödie üblicher Weise aufgetaucht wäre. Der Wissenschaftsbereich kümmert sich nicht für einen Augenblick um Glaubwürdigkeit, sondern fällt so fantastisch und in einer Selbstverständlichkeit umsetzbar aus, wie es sich ein Comic eben erlauben darf. Gut aufgelegte Darsteller, funktionierende, flapsige Dialoge (allein das Nichtverstehen des Versteckspielens zur Aushebelung von Emotionsklischees aus Hollywood), eine Geschichte die viel innerhalb ihres dünnen, roten Fadens bietet und ein Herz für Nichtigkeiten und Running Gags besitzt, sowie das Feuerwerk an Spezialeffekten, welches stets der Stimmung dient, das alles macht aus "Ant-Man and the Wasp" einen kurzweiligen, wahrlich geglückten Unterhaltungsfilm, der gar nicht erst vorgaukelt großes Event-Kino zu sein.  OFDb

19.05.2020

DER GEIST UND DIE DUNKELHEIT (1996)

Angeblich auf wahren Begebenheiten beruhend, guckt sich "Der Geist und die Dunkelheit äußerst naiv. Dies weg geblendet macht aus selbigem Streifen einen unterhaltsamen Videoabend mit gelungener Kino-Magie, die man für 100 Minuten nicht hinterfragt. Dafür ist die Umsetzung zu professionell gehalten. Landschaftsaufnahmen Afrikas und der dort lebenden Tiere beeindrucken regelrecht, das Setting wirkt realistisch, die vielen Statisten und Kleinstbesetzungen bieten ein überzeugendes Bild der Arbeits- und Lebenssituation vor Ort, und die afrikanische Mentalität wird respektvoll dem industriellen Denken der reichen Länder gegenüber gestellt, nicht mit zu zentral erhobenem Zeigefinger kritisiert und abgemildert durch Patterson, der kein übler Kerl ist. Den weiß Val Kilmer gekonnt zu verkörpern, so dass, trotz typisch überheblichem Auftreten des Weißen als Chef der Einwohner, die Sympathie auf seiner Seite ist. Einzig der von mir sonst so gern gesichtete Michael Douglas wirkt fehlbesetzt, ein Eindruck den seine wenig überzeugende Maske zu unterstützen weiß.

Das lässt die packende Entführung des Zuschauers in eine andere Zeit in eine andere Kultur zu einem ungewöhnlichen Erlebnis jedoch kaum bröckeln, so dass man sich nicht sonderlich dran aufhängen muss. Ein wenig ärgerlicher ist hingegen, dass es Regisseur Stephen Hopkins nicht vollends gelingt die eigentlich spürbare Mystik von Ort und Löwen in eine entsprechend atmosphärische Dichte zu packen. Alles ist gegeben, um sie zu erreichen. Sie ist fast zum Greifen nah. Und doch ist die Umsetzung nie düster und knisternd genug umgesetzt, um atmosphärisch vollends zu befriedigen. Dennoch ist "The Ghost and the Darkness" (Originaltitel) besser ausgefallen als Hopkins "Nightmare on Elm Street 5" oder "Predator 2", was aber weniger an ihm zu liegen scheint, als an den eingangs erwähnten Pluspunkten des Streifens. Was hätte ich diesem eine andere Regie gewünscht, um ihn zu dem Ergebnis zu führen, das er verdient hätte. Aber dank beeindruckender Tierdressuren, vieler Aufnahmen im Dunkeln, besagtem Respekts im Drehbuch und einer geduldigen Orientierung des Handlungsablaufs lohnt es sich dennoch diesen ungewöhnlichen Mix aus Abenteuer, Fantasy und Thriller gelegentlich in den Player zu werfen.  OFDb

08.03.2020

ENTHÜLLUNG (1994)

Nach "Eine verhängnisvolle Affäre" und "Basic Instinct" ist "Enthüllung" Michael Douglas dritter Pimper-Thriller, der in seiner teilweise plumpen Art zwar nicht das Niveau seiner beiden Vorgänger erreicht, aber packend genug erzählt ist, um dennoch über Durchschnitt zu funktionieren. Tom wird als angenehmer Familienmensch mit Idealen charakterisiert, eine Person der es zunächst an Kampfgeist mangelt, was sich im Laufe der Geschichte ändern wird. Tom wird nicht nur sexuelle Belästigung vorgeworfen, letztendlich will man ihn mit einem Komplott aus der Firma drängen. Nicht jeder gelungene Schachzug verspricht einen Sieg, auf beiden Seiten, und so weiß das Duell zwischen klar getrennter Gut-Böse-Linie gut zu unterhalten in einem Plot um Macht, Machtmissbrauch, Vorurteilen, Klischeedenken und Gleichberechtigung.

"Enthüllung" ist insofern ein wichtiger Film, als dass er den Emanzipationsprozess einmal von der anderen Seite beleuchtet. Neu gemischte Karten in der Gesellschaft betreffen auch stets die andere Seite, und in der Zeit, in welcher der Streifen entstanden ist, stand es noch nicht gut um Männer in Opferrollen zum Thema sexuelle Belästigung. Glücklicher Weise ist "Disclosure" (Originaltitel) trotzdem in einer aufgeklärten Zeit entstanden, in welcher man das Thema ehrlich und vorwurfsfrei thematisieren konnte. Tom zeigt für einen Augenblick Schwäche, wenn er von der attraktiven Frau verführt wird. Und er bekommt den Bogen etwas zu spät, als dass seine Ehefrau nicht das Recht hätte enttäuscht zu sein. Dennoch wird es rational als Schwäche betrachtet und nicht als Mitschuld, geschweige denn als Umfunktionieren vom Opfer zum Täter, wie es im heutigen Schwarz/Weiß-Denken wahrscheinlich stattgefunden hätte. Das Drehbuch ignoriert weder das Fehlverhalten Toms, noch über-dramatisiert es dies. Das macht ein Zurechtfinden mit den im Film geschilderten Ereignissen einfacher, auch wenn "Enthüllung - Sex ist Macht" (Alternativtitel) nicht wirklich ernstzunehmende gesellschaftskritische Denkanstöße liefert. Er ist schlichtweg ein Unterhaltungsfilm. Und als solcher funktioniert er wunderbar.

Das liegt mitunter an der stimmigen Besetzung. Das Spiel Douglas gegen Moore funktioniert wunderbar, so übertrieben schurkisch wie Meredith dargestellt wird. Man liebt es sie zu hassen, so ungeniert wie sie wie gedruckt lügt und keinerlei Anzeichen von Scham zu besitzen scheint. Wie bewusst das den Verantwortlichen des Streifens war, merkt man an der mittlerweile etwas trashig daherkommenden Szene, in welcher Tom sich per virtuelle Realität in die Dateiordner der Firma einklinkt, während eine als Person herein-digitalisierte Meredith geradezu dämonisch Beweisdateien vernichtet. In diesem Moment weht ein leichter Hauch von Science Fiction und Horror durch einen Film, der ansonsten ein lupenreiner Thriller ist. Ein Hauch Erotik und Drama weht ebenso im Gesamtwerk mit, aber hauptsächlich ist es der Überlebenskampf des Büroalltags, der tatsächlich zu wirken weiß, denn letztendlich ist alles etwas arg klischeehaft per Stereotype erzählt, als dass man die Tragik Toms tatsächlich emotional mitempfinden könnte.

Es ist der unfaire Kampf der Geschlechter, der zu gefallen weiß, ebenso das Erwachen des Weicheis zum Kämpfer (ähnlich wie in "Wolf"), und es ist ebenso der hoffnungslose Kampf des kleinen Mannes gegen die herzlose Firma. Damit setzten Drehbuch und Regisseur Barry Levinson auf einfach zu entfachende Motivationen beim Zuschauer, das edle Gewandt, in welchem alles abgefilmt ist, lässt das Ergebnis aber weit weniger plump wirken. Diverse Momente, wie z.B. Merediths Monolog über das Erkämpfen des Rechtes einer Frau auch notgeil sein zu dürfen, oder der Augenblick der Wahrheit, der die Rolle Moores als eine Art Opfer in einem Intrigenspiel mächtiger Männer herauskristallisiert, bereichern den ansonsten eher einfach gestrickten Plot gekonnt, brechen sie doch die klischeehafte Struktur, mit der es sich der Film manchmal zu einfach macht, ein wenig auf. Nimmt man "Enthüllung" nicht zu ernst, so sehr wie er in einer Kinorealität, anstatt in der unseren spielt, weiß die etwas naive Erzählung durch die gekonnte Inszenierung und durch das spielfreudige Agieren der Besetzung weit besser zu gefallen, als man annehmen müsste.  OFDb

07.03.2020

BLACK RAIN (1989)

Im selben Jahr, in dem mit "Karate Kid 3" ein intoleranter Film gegenüber einer den US-Amerikanern fremden Kultur in die Lichtspielhäuser kam, da präsentierte "Alien"-Regisseur Ridley Scott einen Action-Krimi, der den Respekt vor Asiaten ähnlich gekonnt einfängt, wie die ersten beiden Teile von "Karate Kid". Interessanter Weise schafft er dies ohne Anbiederung, ist "Black Rain" doch sowohl inhaltlich, als auch von seinen Bildern und Spielorten her ein dreckiger Film und lässt beide Kulturen zunächst nicht positiv erscheinen. Es sind die Feinheiten, die inmitten des Sumpfes, in dem ermittelt wird, die Anerkennung und den Respekt der japanischen Besonderheiten und Liebenswürdigkeiten hervor bringen. Und das Drehbuch tut gut daran, dass Nick mehr von Masahiro lernt, als es umgekehrt der Fall ist, denn der ist mit seiner penetranten und selbstgerechten Art, mit der er lange Zeit nicht in der Lage ist über den eigenen Tellerrand zu gucken, nicht gerade sympathisch gezeichnet. Aber das passt zum dreckigen und leicht pessimistischen Stil des Streifens, in welchem ohnehin nur die übelsten Bösewichter in ein reines Gut/Böse-Schema gesteckt werden, wohingegen so ziemlich jede andere Person zumindest ein Hauch Graustufen zugestanden wird, selbst dem mit Sato konkurrierenden Mafiaoberhaupt.

"Black Rain" ist mehr Kriminalfilm als Actionfilm, rummst es doch eher selten in dem atmosphärisch dicht erzählten Streifen, und ein guter Teil der Action findet über rasante Motorrad-Szenen statt. Erst Richtung Finale wird ordentlich geballert, und selbst dann liefert sich Scotts Genrebeitrag keinen unnötigen Schwanzvergleich. Sein Film bleibt für die Gattung die er bedient überraschend bodenständig und zurückhaltend erzählt und erfährt letztendlich nur über die beiden amerikanischen Polizisten jenen Leichtsinn und Unsinn, der sonst auch in Drehbüchern des Action-Kinos zu Hause ist. Der Hauptteil ist ohnehin ein Mix aus leicht zu lösendem Kriminalfall und hart inszeniertem Thriller, der auch manch brutale Szene vorzuweisen hat, die klar macht, dass hier nur der Freund von 80er Jahre-Action seine Freude haben wird, bodenständiges Drehbuch hin oder her. Mit Michael Douglas und Ken Takakura ist der Streifen überzeugend besetzt. Scott weiß es die Fremde gut in Szene zu setzen, was nicht ganz leicht ist, da die Figuren, die sich in dieser befinden, nie den Eindruck erwecken ohne fremde Hilfe verloren zu gehen. Das anfängliche Thema um Korruption erweist sich im Laufe der Handlung als wesentlich weitreichender, anstatt lediglich als Charaktervertiefung Nicks zu dienen, wird es doch gerade mit der Figur des Mafiachefs zu einem interessanten Motivationen-Kontrast beider Seiten, und freilich dient es auch der Lehre um Ehre im Umgang mit dem neu und schwerlich gewonnenen Freund Masahiro.

Auf 120 Minuten ausgewalzt ist die eigentlich recht minimalistische Story ausführlich erzählt, eben weil man sich Zeit für die zwischenmenschlichen Entwicklungen und dem damit einhergehenden Respekt unterschiedlicher Kulturen nimmt, und das weiß mir an "Black Rain" besonders gut zu gefallen. Dennoch sind die Charaktere zu oberflächlich gehalten und die Geschichte zu plump ausgefallen, als dass man Scotts Action-Thriller über den grünen Klee loben müsste. Gerade Nick betreffend fällt das Drehbuch und die Umsetzung trotz aller vorhandenen Toleranz doch ein wenig zu pro-amerikanisch aus. Denn mag sein Wesen auch Schwächen aufzeigen und ihn keineswegs als Strahlemann darstellen, so wird seine raubeinige, selbstentschlossene und egoistische Art doch stets als Vorbild des zu korrekt agierenden Masahiro verstanden, und das passt so gar nicht zu den asozialen Taten und dem selbstgerechten Denken Nicks. Hier steckt dann doch der Kopf der Amis zu tief im eigenen Arsch, um zu erkennen, dass dies den positiven Aspekten des Filmes widerspricht. Aber "Black Rain" will trotz gelegentlicher gezielt treffender Gesellschaftskritik hauptsächlich ohnehin nur Unterhaltungskino sein, und als solches funktioniert er ziemlich gut, ohne gleich zur großen Empfehlung zu werden.  OFDb

01.03.2020

EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE (1987)

Während "Eine verhängnisvolle Affäre" für Michael Douglas der Beginn seines Stempels amouröser Rollen wurde, die er in "Enthüllung" und "Basic Instinct" weiter verfolgte, war der hier besprochene Thriller für Regisseur Adrian Lyne das Folgewerk von "9 1/2 Wochen". Den Kurs hielt er später weiter fest mit der Neuverfilmung "Lolita", sowie mit seinem letzten Film "Untreu" und dem unglaublich schlechten "Ein unmoralisches Angebot". Von dessen Niveau ist "Fatal Attraction" (Originaltitel) weit entfernt, entpuppt sich der Film doch als gekonnt erzählt. Sehr langsam schaukelt er die Ereignisse hoch, zeigt uns zunächst hemmungslos das wilde Treiben der beiden Hauptfiguren und arbeitet dann, orientiert am Empfinden Dans, die negativen Seiten dieser Erfahrung sehr nachvollziehbar durch. Glaubwürdig wird aus einer sexuell reizvollen Frau eine abstoßende Person, jemand mit dem man kein Mitleid mehr empfindet, sondern nur noch zum Selbstschutz raus aus der selbst geschaffenen Situation möchte. Alex wird nicht nur zum Stalker mit deutlichen Grenzüberschreitungen, ihr ist auch jedes Mittel recht Dan an sich zu binden, und wenn sie sich hierfür selbst zerstören muss.

Der heftigste Moment diesbezüglich und ein Beweis dafür, dass die Geschichte auch beim langsamen Hochschaukeln bereits früh extreme Momente aus dem Hut zaubert, ist wohl jener, in welchem Alex sich mit aufgeschnittenen Handgelenken zärtlich bei Dan verabschiedet. Das schockt nicht nur, hier beweist sich Dans Charakter erstmals überdeutlich als sympathische Person, so dass diese Szene zwei Kernereignisse beinhaltet. Er ist kein Egoist, kein ewiger Fremdgänger. Der Zuschauer muss mit ihm warm werden, damit die Geschichte funktionieren kann, immerhin ist seine Affäre mit Alex kein Moment kurzfristiger Schwäche gewesen, er trieb es mit ihr tagelang, die Abwesenheit der Ehefrau kühl einkalkulierend, so etwas verzeiht man keinem Macho, oder keinem kühlen Workaholic, man verzeiht es bereits einem charmanten Menschen kaum. Dan ist ein liebevoller Vater, ehrlich verliebten und glücklich mit seiner Ehefrau, sowie, um auf die Beispielszene zurück zu kommen, ein liebevoller One Night Stand, der den Umständen entsprechend herzlich die Verwundete pflegt. Dan kümmert sich, soweit es ihm möglich ist, um die verletzte Alex, anstatt schnell das Weite zu suchen, und distanziert sich erst dann kühl mit klarem Schnitt von ihr, als ihm klar wird, dass rational nichts geklärt werden kann. Alex ist ein psychisch kaputter Mensch mit ernsten Problemen, und die Bekanntschaft mit Dan geht nicht weit genug, als dass er ihr in diesem Punkt helfen könnte.

Das Drehbuch unternimmt somit so einiges, um uns Dan trotz seiner Tat als angenehmen Menschen zu empfinden, und in aufgeklärteren Zeiten geschrieben funktioniert das wie angegangen auch ganz gut. Hier wird noch nicht in Schwarz/Weiß gedacht, hier darf wer mit Fehlern trotzdem noch gute Seiten besitzen, trotz Fremdgehen seine Frau tatsächlich lieben, Eigenschaften innerhalb eines Filmes, der ohnehin gekonnt Charaktere ausarbeitet, die in heutigen Filmen mit simpler Gut/Böse-Trennung im Mainstream nicht mehr denkbar wären. Weit weniger psychologisch überzeugend kommt hingegen das Ende daher, das auf Wunsch des Testpublikums verändert werden musste, und in zu schnellem Nachdreh einige Aspekte unter den Tisch fallen ließ, die eigentlich wichtig gewesen wären, um die Glaubwürdigkeit, die der Restfilm ansonsten besaß, auch hier aufrecht zu erhalten. Zumindest ist das neue Finale spannender ausgefallen, als das ursprüngliche, welches sich als Bonus auf der deutschen DVD-Veröffentlichung befindet, dennoch ist es durch sein Ignorieren vorheriger Ereignisse der Schwachpunkt eines sonst sehr starken Filmes, und dies ausgerechnet am Schluss, wo ein derartiger Tiefpunkt umso mehr nach hallt.

Da es aber zuvor ein durchgehend gekonntes Szenario in spannender Atmosphäre gibt, sich die Schlinge um Dan nachvollziehbar zuzieht, bis man ihm auch die aus dem Affekt geborenen Attacken gegen Alex zutraut, und das Drehbuch wahrlich nicht an kranken Methoden Alex' mangelt Dan das Leben zur Hölle zu machen, bleibt trotz schwachen Finales schlussendlich ein überdurchschnittlicher Film. Dafür sorgen jedoch auch die beiden hervorragend besetzten Hauptdarsteller Michael Douglas und Glenn Close. Sie habe ich erst kürzlich in ihrer großartigen Rolle als Wissenschaftlerin in "The Girl With All the Gifts" für mich wiederentdeckt, und empfand eben aufgrund der dort absichtlich unattraktiven Darstellung den Vergleich zur hier dargebotenen Rolle um so interessanter. Tatsächlich besitzt Close harte Gesichtsausdrücke, hier wie dort, und allein das macht sie bereits für beide Rollen derart gut besetzt. "Diversion" (Alternativtitel) ist ein gelungener Thriller, über dessen Existenz man gerade deswegen froh sein kann, weil derartiges heute nicht mehr möglich scheint. Er entstand in einer aufgeklärten Zeit als US-amerikanische Filme derartige Themen ohne vorwurfsvolle Tendenzen besitzen durften, man erwachsen mit den Begebenheiten umzugehen wusste und die Fähigkeit beim Autor einer Großproduktion existierte differenziert einzelne Interaktionen voneinander trennen zu können, sowie gleichzeitig das Zusammenspiel von Ursache und Wirkung gekonnt einzuflechten.  OFDb

24.02.2020

EIN RICHTER SIEHT ROT (1983)

Das Rechtssystem um angeblich falsch herbei geführte Beweismittel und Festnahmemethoden beschäftigte einige Köpfe in den USA ungemein, machte das System doch oftmals den Eindruck eher Verbrechern zu helfen, anstatt ihren Opfern. "Dirty Harry" reagierte darauf mit Verachtung und seinem Recht auf Gewalttaten, Richter Hardin in "Ein Richter sieht rot" reagiert auf passive Art, spricht Todesurteile aus, die wer anders vollzieht. Im Gegensatz zu seinem von Clint Eastwood verkörperten Film-Leidensgenossen kommt Michael Douglas' verkörperte Figur jedoch hinter seinen Irrtum, gibt es Gesetze doch, damit man sich nicht als Betroffener von Gefühlen bewegt der Genugtuung wegen rächen kann. Zwar ist er vom System nach wie vor nicht wirklich überzeugt, aber er entdeckt seinen eigenen Wertekompass zurück, selbst wenn dieser nur einen von zehn Fällen rechtfertigen sollte. Diesen Werdegang des Wiederentdeckens des Gewissens, welches kurzfristig von Gefühlen getäuscht wurde, wird relativ kurz aber überzeugend abgehandelt. Denn viel Zeit bleibt Hardin nicht, tritt er doch erst im letzten Drittel des Streifens dem Geheimbund verschworener Richter bei, so dass der Aufhänger, mit dem Peter Hyams Genre-Beitrag üblicher Weise beworben wird, lediglich Teilbereich des kompletten Thriller-Dramas ist.

Dank einer überzeugenden Erzählung, die einen nahe an die Thematik herantreten lässt (spätestens durch den hoch sensiblen Fall um einen Kinderporno-Ring), und einen somit die Gefühlswelt des Richters empathisch mitempfinden lässt, ist es auch gar nicht weiter wild, dass der Aufhänger erst so spät bedacht wird. Immerhin schaut sich "The Star Chamber" (Originaltitel) erfrischend angenehm, ist er doch weit weniger reißerisch ausgefallen, als die Geschichte zunächst vermuten lässt. Anstatt lauter Töne geht Hyams seinen Film in ruhigem Tempo an, nie zu sehr auf die Bremse tretend, aber immer darauf achtend, dass kein Szenario zu gehetzt wirkt und jeder Aspekt und Charakter genügend Raum beschert bekommt. Frei von Klischees ist ein Film, der sich im klassischen Muster der Kriminalgeschichten von Kino und TV seiner Zeit bewegt, freilich nicht ausgefallen, aber "Ein Richter sieht rot" erhebt auch keinen Anspruch auf authentische Realitätsnähe. Der Film soll auf Thriller-Basis unterhalten, berichtet zwar von einem gesellschaftskritischen Dilemma, in welchem sich das Rechtsempfinden des Volkes befindet, verarbeitet dies aber zum Zwecke seines Genres, weniger um ein tatsächliches politisches Statement abzuliefern.

Für eine solch kleine Produktion guckt sich der Streifen angenehm professionell abgedreht. Trotz seiner Kostengünstigkeit weiß die Umsetzung in manchen Momenten regelrecht zu beeindrucken. Meiner Meinung nach erkennt man dies am deutlichsten im längeren Finalszenario, welches fotografische Besonderheiten hervorbringt, die das stimmige Treiben umso interessanter gestalten. Freilich ist auch Michael Douglas Anwesenheit, dessen Kinokarriere zum Zeitpunkt der Entstehung noch bevorstehen sollte, ein klarer Pluspunkt für den Film, zumal es gut tut, dass er noch nicht auf den Stereotyp festgesetzt wurde, der ihm mit Werken wie "Eine verhängnisvolle Affäre", "Basic Instinct" und "Enthüllung" beschert wurde. Abgesehen vom stimmigen Finale, bewegt sich der Streifen vom Spannungsgehalt her im Mittelfeld, was nicht weiter schlimm ist, da er von seiner interessanten Geschichte und einem gelungenen Drehbuch lebt, welches selbst nichtig scheinende Phasen in den Händen Hyams zu einer packenden Erzählung werden lässt. Jede Menge bekannter Gesichter bereichern dieses angenehme Ergebnis. Eine gelungene Schlusseinstellung, die geradezu nach einer Fortsetzung ruft (schade dass niemand diese erzählenswerte Geschichte angegangen ist), entlässt zum richtigen Zeitpunkt beendet aus einem sympathischen Film, der irgendwo in der dritten Reihe parkend darauf wartet von interessierten Cineasten entdeckt zu werden.  OFDb

13.04.2019

DIE STRASSEN VON SAN FRANCISCO (1972)

Fünf Jahre lang flatterte die Serie "Die Straßen von San Francisco" über die amerikanischen Bildschirme, und alles begann mit einem Pilotfilm auf Spielfilmlänge, der mir einen sehr eigenständigen Eindruck macht. Ich weiß nicht ob er als Kriminalfilm gedacht war, der zu einer Serie umfunktioniert wurde, oder ob ihm spontan noch im Jahr seines Erscheinens eine Serie angehängt wurde, eine in diese Richtung gehende Information habe ich im Netz grob gesucht jedoch nicht gefunden. Zumindest basiert dieses Erstling auf den Roman "Poor, Poor Ophelia" und setzt neben den Ermittlern den Hauptverdächtigen mit in den Mittelpunkt, der ab einer gewissen Phase der Geschichte selbst Nachforschungen anstellt, um sich aus dem Verdacht der Polizei zu befreien. Gespielt wird diese Person von Robert Wagner, der im Vorspann des Piloten noch vor Michael Douglas an zweiter Stelle genannt wird. Den klassischen Vorspann der Serie enthält der Spielfilmeinsteiger, wie so einige Pilotfolgen, noch nicht.

Der etwas zu banal ausgefallene Plot lässt kaum glauben es mit einer Buchverfilmung zu tun zu haben und fühlt sich tatsächlich wie die Geschichte einer schlicht gestrickten Fernsehserie an. Wer glaubt hier zu erfahren, wie die beiden zentralen Kollegen der Serie sich kennen lernten, wird enttäuscht. "Die Straßen von San Francisco" setzt zeitlich irgendwo an, wo die beiden Hauptfiguren noch nicht lange miteinander arbeiten, es aber bereits tun. Zwischenmenschlich erfährt man kaum etwas von ihnen. Der Aufhänger und die Ermittlungen bieten kein besonderes Potential, der Täter am Schluss hat keinen nennenswerten Beweggrund zu tun was er tat und wird schlichtweg immer wieder als wahnsinnig tituliert, womit sich der Zuschauer zufrieden zu geben hat. Das wird er in der Regel wohl auch getan haben, geht das aufgrund nicht zu hoher Ansprüche an den Stoff doch auch in Ordnung, zumal "The Streets of San Francisco" (Originaltitel) sich angenehm solide umgesetzt schaut. Für ein Produkt seines Kalibers und seiner Zeit ist er recht aufwändig inszeniert. Und trotz grob gezeichneter Charakter weiß er diese auch funktionierend einzusetzen, freilich mit dem Prominentenbonus heutiger Augen verzuckert, während das Gesamtergebnis Retrocharme zu versprühen weiß.

Derartige im Nachhinein auftretende Pluspunkte sind jedoch nicht der einzige Grund sich über eine nicht nennenswerte Kriminalgeschichte positiv zu äußern. Ohnehin weiß der Erzählstil des Streifens zu gefallen, der weit weniger aufgeregt erzählt ist als ähnliche Produktionen, die nach ihm kommen sollten, dennoch nicht nur sachlich ausgefallen ist, da man ein für den damaligen Zeitgeist auch rasantes Stück Film abliefern wollte. So gar keinen Actiongehalt, mit Ausnahme von rasenden Autos, aufzeigend, ist somit eine Art amerikanisches "Derrick" entstanden, in welchem die Ermittler zwar nicht halb so rational denken und auf die Ergebnisse ihrer Arbeit nicht ansatzweise so neutral reagieren wie dort, für Ami-Verhältnisse schien man dies jedoch zu meinen. So ist ein aufgeregt unaufgeregter, ruhig inszenierter flotter, nüchtern erzählter emotionsgebundener und aus zwei Perspektiven erzählter Streifen entstanden, der sauber inszeniert ist und die Geschichte trotz fehlendem tatsächlichem Interesse für den Kriminalfall frei jeglicher Langeweile, Pausenfüllszenen oder schleppender Momente unterhaltsam zu erzählen weiß. Gepackt ist das Ganze in sympathische Stadtaufnahmen, oft bei Nacht spielend und mit einem charmanten Soundtrack versehen. Wenn sich die Serie so angenehm guckt wie der Pilot, bin ich gerne weiterhin dabei. Das Ergebnis weiß auf seine simple Art sympathisch zu funktionieren.  OFDb

07.08.2018

DIE WONDER BOYS (2000)

In seiner empathisch erzählten, meist ruhigen Art könnte "Die Wonder Boys" eine ganz typische Arthouse-Komödie sein, so sehr wie Charaktere vertieft werden, ja geradezu im Mittelpunkt stehen, während sich eine Geschichte erst über die Entwicklung dieser erkennbar macht. Geistreich ist Hansons Film erzählt, mit dem Bereich des Dramas parodistisch spielend, anstatt tatsächlich zur Tragikomödie zu werden, die Sorgen und Probleme der Protagonisten aber trotzdem ernst nehmend, wie die Figuren selbst und dies auch Randfiguren betreffend. Es ist der kleine Gehalt schrägen Humors, der das Klischee der typischen Arthouse-Komödie zu durchbrechen weiß, zunächst gelegentlich auftauchend, dann immer häufiger, bis sich das Finale des Streifens gar lauter und ereignisreicher guckt, als man zuvor vermutet hätte. Freilich wird "Wonder Boys" (Originaltitel) trotzdem nie wirklich laut und wild, aber die Geschehnisse sprudeln hoch für einen sensiblen, empathischen Film, und Curtis besitzt zusammen mit den Autoren das Geschick, dass die bis dahin gelebten Adjektive auch dann noch greifen.

Verglichen mit seinen Filmen "L.A. Confidential" und "In den Schuhen meiner Schwester" ist es ohnehin erstaunlich wie abwechslungsreich die Filmographie des relativ selten tätigen Regisseurs ausfällt, und wie gekonnt all diese andersartigen Ausflüge in die Filmwelt ausgefallen sind. Die schlichte Geschichte von "Die WonderBoys" (Alternativtitel) ist ergreifend erzählt, man badet mitten in den Seelen der zwei Hauptfiguren, während ein aberwitziges Treiben die beiden umweht, eines das man mit seinen innovativen Einfällen nur als kreativ bezeichnen kann. Oftmals sind es für die eigentliche Geschichte völlig unnötige Nebensächlichkeiten, die einen zum Lachen oder zum Schmunzeln bringen, wobei das freilich schwer einzuordnen ist, wenn ein Film wie dieser den Gehalt seiner Story derart intensiv aus der Charakterentwicklung zieht. Wann ist ein Erlebnis wichtig für diese Entwicklung gewesen und wann nicht? Wie auch immer, der Gesamteindruck dieser verrückten Tage, die jedoch nie schrill ausfallen, verändert Grady und den jungen James, der sich ohnehin noch sucht, sowieso.

"Die WonderBoys - Lauter Wunderknaben" (Alternativtitel) wäre schon aufgrund des geglückten Drehbuchs und der Details beachtenden Inszenierung ein wahrer Hingucker, aber die gekonnte, überraschend prominent ausgefallene, Besetzung rundet das Seherlebnis zusätzlich ab. Michael Douglas darf nach "Falling Down" endlich mal wieder völlig anders spielen, was ihm derart gut gelingt, dass man sich mehr solcher feinfühligen Ausflüge von ihm gewünscht hätte (der Versuch es mit "Das grenzt an Liebe" erneut sensibel anzugehen, scheiterte aufgrund einer müden Geschichte). Tobey Maguire weiß sein Lächeln gekonnt einzusetzen. Mal bestätigt es die Reaktion und die entstehenden Gefühle des Publikums, mal wirkt er damit skurril und sonderlich. Seine Mimik ist gekonnt gesetzt, und so beweist er sich früh neben Stars mit langjähriger Berufserfahrung. Katie Holmes hingegen darf nur süß aussehen, wird nicht wirklich herausgefordert, gefällt aber freilich in dieser niedlichen Art. Und Robert Downey, Jr. darf wieder einmal einen ungewöhnlichen Charakter spielen und macht aus der in anderen Filmen so typischen Rolle des Lektors, der Schriftstellern ein neues Buch entlocken möchte, zusammen mit den Autoren des Stoffes einen ungewöhnlichen Charakter, der nicht wirklich in irgendeine Schublade zu stecken ist.

Klischeefiguren darf man in den wichtigen Rollen ohnehin verzweifelt suchen, die tauchen nur im Randbereich auf, und dies nicht aufgrund müder, einfallsloser Autorengeister, sondern um die ansonsten tief gehenden, individuellen Charaktere mit diesen zu konfrontieren. Und selbst dann wird eine Klischeefigur nie zum reinen Stereotyp, selbst dann besitzt sie noch derart viel Realismus durch Eigenständigkeit, dass der von mir gewählte Begriff eigentlich viel zu hart gewählt ist. Es würde schließlich auch nicht zu einem Film passen, den ich aufgrund seiner sensiblen Blickweise und dem Interesse an seinen Charakteren derart zu loben weiß. Und wer Filme solcher Eigenschaften zu schätzen weiß, gerade dann wenn die Charakterentwicklung die eigentliche Handlung der Geschichte bedeutet, der sollte sich "Die Wonder Boys" unbedingt einmal ansehen. Stammzuschauer dieser Gattung Film werden sich sicherlich über den lockeren Umgang mit dem Dramabereich wundern, und wie erwähnt bricht manch wilde Idee manchmal durch den ruhig erzählten Stoff durch, aber das macht Curtis Hansons wundervollen Film nur um so einzigartiger.  OFDb

21.07.2016

DAS GRENZT AN LIEBE (2014)

Rob Reiner ist ein großartiger Regisseur. Und ebenso lobende Worte kann ich auch über die beiden Schauspieler Diane Keaton und Michael Douglas äußern. Wenn diese nun in einem Film zusammentreffen, der inhaltlich nach einem todsicheren Konzept klingt, dann ist die Vorfreude groß. Leider wurde „Das grenzt an Liebe“ nicht das Stück Wohlfühlkino, welches ich mir von ihm erhofft hatte. Wusste ein vergleichbarer Stoff in „Besser geht‘s nicht“ und in „Was das Herz begehrt“ für große Kinomomente zu sorgen, da wollen bei „And So It Goes“ (Originaltitel) die einzelnen positiv klingenden Zutaten nicht ineinander greifen.

Das beginnt bereits damit, dass Douglas und Keaton nicht wirklich miteinander harmonieren. Die Kamera mag ihre Zusammenkunft einfach nicht. Das ist nicht kompatibel, warum auch immer, wissen sich beide doch zu schätzen und sind doch beide, wie bereits erwähnt, auch Kompetenzen ihrer Berufsgattung. Allerdings macht es ihnen das Drehbuch auch nicht all zu leicht, gerade was die Figur der Leah betrifft, die ein weinerliches Etwas ist, in einer Penetranz die nichts mehr mit Liebenswürdigkeit sondern nur noch mit Nervensäge zu tun hat. Ihre zerbrechliche Art wäre aber immerhin ein Grund, bzw. für mich der einzige Grund, warum die Bösartigkeit der Figur des Oren so arg zurückgeschraubt wurde.

Sicherlich ist er kein feiner Kerl und unsensibel noch dazu. Aber da habe ich beim Lesen der Inhaltsangabe doch mit einem anderen Kaliber Arschloch gerechnet als die Light-Variante, die uns hier vorgesetzt wird. In seinem Inneren ist er von Anfang an gar kein so übler Bursche. Das Drehbuch schenkt ihm auch direkt einen Hintergrund zur Entschuldigung warum er so mies drauf ist, und diese Entschuldigung ist derart zwischenmenschlich lieb ausgefallen, dass sie psychologisch so gar nicht zu jener Art Verbitterung passen will, die der Tod seiner Frau in Oren ausgelöst hat.

Dieses mangelnde Feingefühl an psychologischer Glaubwürdigkeit ist es mitunter auch, was das Gezeigte zu bemüht aussehen lässt. Figurenentwicklungen kommen sprunghaft daher, folgen lediglich dem Pflichtablauf Hollywoods dieser Gattung Film ohne zu hinterfragen warum der Ablauf so sein soll oder gar muss. Die Graustufen zwischen Schwarz und Weiß sind riesig und deshalb rar vorhanden, und das macht diese Tragikomödie, die gerne irre sensibel auf den Zuschauer wirken würde, fast schon zu einem emotionslosem Erlebnis, würde nicht trotzdem noch eine Spur Restsympathie für das Projekt und die Darsteller im Raum schweben.

„Das grenzt an Liebe“ ist ein lobenswertes Werk in Bezug darauf, dass Hollywood sich inhaltlich an alten Menschen orientiert, ihnen Liebschaften in ihrem Alter so zugesteht wie es im richtigen Leben auch stattfindet und für dieses Ziel sogar seine Stars ehrlich mit ihrem Alter umgehen lässt. Die Ausarbeitung dieses Projektes ist jedoch alles andere als lobenswert zu nennen. Psychologisch undurchdacht, damit unglaubwürdig und zu bemüht inszeniert und dadurch kaum in der Lage Empathie für die Figuren zu erzeugen. Bis zum Schluss war es mir egal ob die beiden nun ein glückliches Paar werden oder nicht. Und das bedeutet eigentlich den Todesstoß für einen romantisch orientierten Film, auch wenn dieser an manchen Stellen die Filmromantik gekonnt gegen realitätsnahe Nüchternheit austauscht.  OFDb

31.01.2016

ANT-MAN (2015)

Superhelden-Filme aus dem Hause Marvel sprießen wie Pilze aus dem Boden und sind durch ihre Fließband-Produktion so austauschbar ausgefallen, dass sie nur noch in der Ausnahme zu gefallen wissen. „Ant-Man“ kommt inmitten dieser Flut an Exemplaren ein klein wenig anders daher, allein schon aufgrund der Idee dass die Größe eines Helden in dessen Miniatur steckt. Und dass aufgrund dieser Gegenidee zu den üblichen Superhelden vieles andere ebenfalls umgekehrt zum üblichen Erzählmuster dieser Art Film verläuft, weiß dem Werk von Regisseur Peyton Reed einige individuelle Momente zu bescheren - dank ideenfauler Drehbuchautoren und mutloser Produzenten jedoch leider auch nicht mehr als das.

Ein auf niedliche Rollen abonnierter Paul Rudd und ein auf Komödien spezialisierter Regisseur („Der Ja-Sager“, „Girls United“) machen recht deutlich, dass „Ant-Man“ nicht so ganz der klassische Superhelden-Film werden sollte. Seine besten Momente besitzt der Streifen auch immer dann, wenn er Gesetze des Blockbuster-Kinos veralbert. Wenn gigantische Miniatur-Kämpfe durch einen Wahrnehmungswechsel plötzlich aus der menschengroßen Perspektive eingefangen werden und damit absichtlich und humoristisch extremst popelig wirken, oder die klassische Materialschlacht einer Verfolgungsjagd durch die Stadt vergleichbarer Weke mittels Miniaturbauten parodiert werden und damit absichtlich unspektakulärer wirken, dann ist dieser unspektakuläre Blick von uns Großen auf eine Miniaturwelt zwar nicht komplett innovativ zu nennen, man erinnere nur an die aus menschlichem Blickwinkel harmlose Explosion in „Ab durch die Hecke“, aber inmitten eines Superheldenfilmes für ein mehr oder weniger erwachsenes Publikum weiß diese Spielerei trotzdem individuell zu wirken.

Leider rückt der Fokus von „Ant-Man“ viel mehr als „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“, „Die phantastische Reise“ und „Die Reise ins Ich“ vom Science Fiction-Bereich in jenen des Fantasy-Genres, was für einen Marvel-Film zwar nicht unüblich ist, alleine schon mit Blick auf die „Fantastic Four“ oder die „X-Men“, aber andererseits hatte die „Iron Man“-Reihe doch recht vorbildlich vorgemacht wie die Ballance daraus aussehen kann. In „Ant-Man“ lässt man den Titelhelden jedoch so dominant mit der Ameisenspezies spielen wie es Batmans Erzgegner Pinguin mit Pinguinen konnte. Was in Burtons „Batmans Rückkehr“ interessant bizarr wirkte, verkommt hier zum Fantasy-Tierdressur-Brimborium, aufgebläht in einer Extreme, die der Held mit seinen Möglichkeiten überhaupt nicht nötig gehabt hätte um ans Ziel zu gelangen. Zudem werden die Hintergründe diesbezüglich immer schwachsinniger je mehr man versucht zu beleuchten wie die Zusammenarbeit von Ant-Man und den Ameisen funktioniert. Dieser Negativpunkt weiß viel vom vorhandenen Potential zu zerstören.

Selbiges gilt für die 08-15 Story, die letztendlich beweist dass „Ant-Man“ trotz so mancher Andersartigkeit eben doch nur einer unter vielen austauschbaren Superheldenfilmen ist, auch wenn der Held selbst mehr sein könnte. Von daher passt es dass „Ant-Man“ nicht nur in der Marvel-Welt spielt in welcher die Avengers existieren, sondern auch dass der Mini-Held von dieser Elitegruppe der Superhelden aufgenommen wird, um an deren Seite zu kämpfen. Und um den Bereich der Austauschbarkeit durch Massenware gleich komplett auszuwalzen bekommen wir nach dem Abspann gleich noch einen Holzhammer-Hinweis auf ein zukünftiges Ant-Girl beschert.

Trotz einiger Ärgernisse und hauptsächlich aufgrund mancher Andersartigkeiten weiß „Ant-Man“ aber immerhin, wenn schon das Superhelden-Genre nicht revolutionierend, zu unterhalten. Die Klischees dieser Art Film und die Stereotype werden nicht umgangen, aber immerhin hin und wieder für kurze Momente gebrochen um in kurzen unbedeutenden Momenten die Erwartungshaltung zu umgehen. Aber letztendlich verlässt man sich ansonsten viel zu sehr auf das bewährte Rezept, welches mittels sympathischer Darsteller und einer halbwegs interessanten Geschichte zumindest zu jener Art Routine wird, mit welcher man einen Film angenehm verfolgen kann ohne sich zu langweilen. Gefordert wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers freilich nie, und alles hat man irgendwie variiert schon irgendwo bereits so ähnlich erlebt, aber zumindest ist „Ant-Man“ kurzweilige Kost geworden, die sich um besser zu sein jedoch an ihren Helden hätte orientieren müssen.

Denn weniger wäre mehr gewesen. Mit Weniger als Mehr hätte die Geschichte nicht so gehetzt erzählt werden müssen. Und Zeit für die Geschichte hätte bedeutet, dass man Sympathie zu ihr und ihren Figuren hätte aufbauen können wie zu Zeiten von Raimis „Spider-Man“. Der erste Film einer Superhelden-Reihe ist aufgrund der Entstehung des Helden und dem Erforschen der neuen Fähigkeiten in der Regel der beste Film einer solchen Reihe. „Ant-Man“ hingegen könnte es in einem zweiten Teil zugute kommen diese hinter sich zu haben. Dann könnte er sich vielleicht endlich etwas mehr auf die bislang im Ansatz recht reizvollen Charaktere konzentrieren.

Aber wie ich Marvel kenne wird man eine Fortsetzung dadurch verhunzen, dass man dem Helden in Zukunft direkt mehr als einen Gegner gegenüber setzen wird, womit wieder die selbe Hektik und damit eine unnötige emotionale Distanz zum Zuschauer entstehen wird, wie in der hier zu gehetzt erzählten Geschichte. Dass es Reed trotzdem geschafft hat sich inmitten von Chaos manch ruhigen Moment für augenzwinkernde Spielereien zu gönnen, zeigt zumindest dass er theoretisch gesehen eine gute Wahl für dieses Projekt war. Ich glaube nervige Unsinnigkeiten wie die Riesenameise als Haustier auf dem Kitsch-Niveau eines „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ haben wir eher den von Produzenten dirigierten Drehbuchautoren zu verdanken als dem positiv auf „Ant-Man“ wirkenden Regisseur.  OFDb

09.06.2014

GEGEN JEDEN ZWEIFEL (2009)

Es ist schon etwas schade, dass sich für den erfahrenen Cineast die finale Wendung so überraschungsfrei guckt, was sich ganz einfach durch die Art der Inszenierung einzelner Szenen, und am deutlichsten in jener, in welcher Nicholas vom Hund in die Wade gebissen wird, zeigt. Glücklicher Weise mindert das den Sehwert von „Gegen jeden Zweifel“ nur gering, ist das Thriller-Drama doch angenehm routiniert erzählt und stilistisch gut umgesetzt, so wie man es von einem Thriller mit Michael Douglas erwartet. Der hatte mit Regisseur und Autor Peter Hyams bereits beim eher unbekannten „Ein Richter sieht rot“ zusammen gearbeitet. Warum es erst so spät zu einem erneuten gemeinsamen Film kam ist mir nicht bekannt. Nun verkörpert Douglas aber auch nur die große, wichtige Nebenrolle, während zwei Jungmimen im Zentrum stehen, er etwas mehr als sie, was sich im letzten Drittel ändert, ein weiteres Indiz um den Braten etwas früher zu riechen als es Hyams lieb ist.

Wer also Filme wie „Das Urteil - Jeder ist käuflich“, „Ein perfekter Mord“ oder „Das Leben des David Gale“ mochte wird auch hier fündig werden. Auch wenn Hyams Werk ruhig eine Spur spannender hätte ausfallen können, so ist ihm doch ein überdurchschnittlicher Film gelungen, dem der letzte Schliff zur großen Empfehlung fehlt. Dank gut agierender Schauspieler, einer gekonnten Optik und seinem stilistischen Flair ist „Beyond a Reasonable Doubt“ (Originaltitel) besser ausgefallen als das was Hyams üblicher Weise abliefert. Ich erinnere da nur an „Stay Tuned“, „Das Relikt“ und „End Of Days“, die alle eher mau bis durchschnittlich ausgefallen sind. Dass sich Hyams nach seinem Tiefflieger „A Sound Of Thunder“ noch einmal derart erholt, sprich eine Chance bekommt einen solch professionell produzierten Kinofilm umsetzen zu dürfen, hätte ich nicht mehr erwartet, zumal „Gegen jeden Zweifel“ nach vier Jahren Spielfilm-Pause Hyams erste Regiearbeit nach dem Science Fiction-Debakel mit Heike Makatsch war.  OFDb