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17.12.2023

AELITA - DER FLUG ZUM MARS (1924)

In "Krieg der Welten" beobachtete man uns vom Mars aus kühlem Intellekt heraus, bevor man angriff, "Aelita" (Originaltitel) zeigt uns in recht friedlicher Prägung hingegen jemanden, der sich beim Beobachten der Erdlinge vom Mars aus in einen Menschen verliebt. Das kann man erzählenswert angehen, das hätte man schon vor 100 Jahren gekonnt, aber alter Film hin oder her, ich finde das Ergebnis des 111-Minüters, der es mittlerweile bei uns auf Bluray geschafft hat, schlichtweg nur langweilig. Zu Beginn genießt man ihn aufgrund der üblichen Stummfilm-Qualitäten, wenn überagiertes Spiel und überzogene Maskerade künstlerisch angenehm zu wirken wissen, Theaterkulissen schlicht, aber wirksam eingesetzt werden, man Außenaufnahmen mit vielen Statisten sichten darf, welche den Szenen Echtheit suggerieren, und uns eine alte, vergangene Kultur begegnet, die zudem von einer fiktiven erzählt. Auch die Herkunft aus der Sowjetunion, einem Land dem wir viele Science Fiction verdanken, wirkt dementsprechend mit, allein die Schriftzeichen ihrer Kultur faszinieren mich immer wieder. 
 
Negativ fiel mir zu Beginn lediglich die technisch modernen Zwischentitel auf. Da hätte ich mir Texttafeln gewünscht, die dem Alter von "Revolt of the Robots" (Alternativtitel) gerecht würden, zumindest hätte man neue auf alt trimmen können. Alles weitere Negative kam erst mit fortschreitender Laufzeit auf. Wenn man sich an der fantasiereichen Marsmode und dem an "Krieg der Sterne" erinnernden Stil der Roboterkostüme halbwegs satt gesehen hat, fällt allmählich der Leerlauf einer zu ereignislos erzählten Geschichte auf, die auch mit etwas Geduld nach einer Stunde Laufzeit nicht wesentlich aufregender ausfällt. Ich mag Stummfilme, ich mag Science Fiction, ich habe Respekt vor anderen Kinokulturen, aber ein Film ist in meinen Augen nicht automatisch frei von Kritik und automatisch sehenswert, nur weil er (in diesem Falle zur späten) Pionierzeit des laufenden Bildes entstanden ist. "Aelita - Queen of Mars" (Alternativtitel), in dem Fantasien zur Wirklichkeit werden, wenn es recht spät zum im Titel genannten Flug zum Mars kommt, ist langweilig ausgefallen, bezogen auf seine Zeit filmhistorisch interessant zu nennen, aber für einen Blick auf vergangene cineastische Tage kann ich auch auf bessere Werke dieser Dekade zurück greifen. Der sympathische Versuch von Yakov Protazanov wird von mir keine zweite Chance erhalten.  Wiki

21.10.2023

PLANET DER STÜRME (1962)

Roboter, fremdartige Lebensformen, ein düsterer Handlungsort, es mangelt "Planeta Bur" (Originaltitel) theoretisch nicht an Schauwerten. Aber für einen sowjetischen Science Fiction aus den 60er Jahren kommt er doch überraschend arg naiv daher, da habe ich den Leuten aus dem Osten mehr zugetraut, als jenen aus dem Westen. Aber auch hier herrscht lediglich ein "Raumschiff Enterprise"-Feeling, wenn relativ unreflektiert lediglich ein Abenteuerfilm im Weltraum erzählt wird und dazu noch einer, in dem zu viel geschwätzt wird, ohne dabei das Gefühl von Informationsweitergabe und wahrer Forschung zu vermitteln. Schauwerte wie ein Huckepackritt auf einem Roboter, Themen des inneren Kampfes ob man zur Rettung mit fatalen Folgen eilt, oder auf den Befehl hört als Letzte in der Rakete zu bleiben, da sind einige interessante Ansätze vorhanden. Dennoch war mir "Cosmonauts on Venus" (Alternativtitel) für meinen Geschmack eine Spur zu trocken umgesetzt, trotz amüsantem Retro-Touch ist mir das Ganze zu zäh ausgefallen, und nicht unterhaltsam genug anmutend, obwohl das Endprodukt nicht ohne Charme und eigene Ideen auskommt. Vielleicht war es der falsche Tag "Storm Planet" (Alternativtitel) zu erforschen, das will ich nicht ausschließen, aber besagte Sichtung überzeugte mich nicht. Zumindest macht es der Autor den Figuren nicht all zu leicht ihre Mission zu erfüllen. "Planet of Tempests" (Alternativtitel) beginnt bereits pessimistisch, wenn wir erfahren wann frühestens Rettung von der Erde naht, das Forschungszeitfenster ist gering, letztendlich geht es aber leider rein ums Überleben, anstatt um Forschung. Mehr Hintergrundwissen zur fremden Venus wäre wünschenswert gewesen.  Wiki

16.10.2022

HOTEL "ZUM VERUNGLÜCKTEN ALPINISTEN" (1979)

"Hotel 'Zum verunglückten Alpinisten'" ist ein Grusel-Krimi mit einer nicht eindeutigen Auflösung darüber, ob die Geschehnisse nun einen weltlichen oder einen phantastischen Hintergrund besitzen. Dieses offene Rätsel, über das man je nach Zuschauer unterschiedlicher Meinung sein kann, ist ein konsequenter Schluss bezogen auf die rational denkende und pflichtbewusste Hauptfigur, die stets an ihrem Charakter orientiert handelt und denkt und dies bis zum Schluss. Man wird also nicht eines Endes betrogen, sondern um eine offene Frage bereichert. Dennoch gehört diese wundervolle Idee zur schwächsten Phase eines geglückten Filmes. Verglichen mit dem Erwartungen aufbauenden Rest ist die letzte viertel Stunde eher verpuffende heiße Luft, nicht ohne Reiz, bitte nicht falsch verstehen, aber die Geschichte kann nicht einhalten, was sie zuvor so hoch atmosphärisch dargeboten aufgebaut hat. In einem trockenen, dialoglastigen, aber dennoch recht dynamischen Erzählstil getaucht wohnen wir den Ermittlungen und Gedanken des Protagonisten an einem Ort bei, mit dem wir trotz der unterschwelligen Fremdartigkeit dennoch schnell warm werden. 

Wir erleben hübsche Außenaufnahmen und interessante Charaktere mit denen man zunächst in Wohlfühlstimmung die Zeit im Hotel verbringt, dessen Name wie der des Filmes ist, was ein erster Verweis auf den augenzwinkernden Grundton ist und surreal anmutet. Allein mit dieser bizarren Namensgebung eines in den verschneiten Bergen stehenden, einsamen Hotels ist inhaltlich alles möglich, während die Bewohner der Unterkunft individuelle Persönlichkeiten sind, die oftmals ebenfalls einen recht schrägen Eindruck machen, mit Augen von heute mehr als damals, so frei wie sich Charaktere, Meinungen und Verhaltensweisen hier noch entwickeln durften. Regisseur Grigori Kromanov, der auch den Abenteuerfilm "Die letzte Reliquie" inszenierte, entfacht mit seinem hier besprochenen, letzten Film den Spannungsbogen fast einzig über die Erwartungshaltung bezüglich rätselhafter Ereignisse, die zum großen Teil per Dialog und Off-Kommentar abgearbeitet werden. Technisch steht ihm meist nur die unauffällige Hintergrundmusik zur Seite, die lediglich im Vorspann aufdringlicher Natur ist, ansonsten wird eher auf nüchterne Art Spannung für ein geduldiges, heutzutage alternatives Publikum erzeugt, frei von reißerischen Momenten, gelegentlich schlichte Schauwerte einarbeitend, meist jedoch so unaufgeregt erzählt, wie auch der Ermittler charakterlich ausgefallen ist. 

"'Hukkunud Alpinisti' hotell" (Originaltitel) verliert nie seine Bodenständigkeit, selbst wenn ein übernatürlicher Aspekt ins sachliche Geschehen eingeschleust wird, zunächst geisterhaft thematisiert, gegen Ende konkreter. Dass selbst dann der Blick auf die Geschehnisse theoretisch bleibt und somit vollkommen ohne nennenswerte Spezialeffekte oder tatsächlich aufregende Momente auskommt, ist der Trumpf eines Filmes, in dessen Finale sehr wohl etwas passiert und auch das Auge etwas geboten bekommt, aber eben im stets trocken bleibenden Erzählstil. Ich mag diese Art Kino, vermisse sie meist in heutigen Produktionen, muss aber eingestehen dass, so sehr mich "The Dead Mountaineer Hotel" (Alternativtitel) auch zu einem guten Teil beeindrucken konnte und mich für seine stimmige Atmosphäre gewinnen konnte, ich lediglich einen positiven Eindruck des Streifens gewonnen habe, mit dem ich ihn in Erinnerung behalten werde. Das große Stück Kino, dass er hätte werden können, ist er leider nicht geworden, ein solches Ergebnis verfehlt er nicht nur fast. Ein Liebhaberstück für neugierige Cineasten ist er in seiner an sich makellosen Erscheinung jedoch definitiv. Ich kann nicht genau beschreiben warum meine Bewertung letztendlich so streng ausfällt, so konsequent und gut wie dieses in seiner Zeit feststeckende Werk ausgefallen ist und zudem subtil mit gesellschaftspolitischen Themen arbeitet. Gleichgesinnte Cineasten werden das also sicherlich weniger streng sehen.  OFDb

06.02.2022

VIY (1967)

Der erste sowjetische Horrorfilm ist ein sympathisches Stück alternativer Grusler, der überraschend heiter erzählt ist, stets die Trinktraditionen der Kosaken ebenso im Auge behält, wie die nicht immer ehrbare Arbeitshaltung minderer Dienstleister der katholischen Kirche. Dass sich das Werk der beiden Regisseure Georgiy Kropachyov und Konstantin Ershov an der selben Sage wie Bavas "Die Stunde, wenn Dracula kommt" bedient, fällt kaum auf, gibt es doch nur wenig Übereinstimmungen. In den Sequenzen der drei Nächte, in welchen der Antiheld Choma allein mit der untoten Verstorbenen eingeschlossen ist, erinnern gar eher an Ash in "Tanz der Teufel 2", keine Ahnung ob "Viy" für Raimi eine ihm bekannte Inspiration war. Zwar auch in dieser Hauptphase noch immer augenzwinkernd erzählt, gelingt es den beiden Regisseuren in diesen drei Szenen gar gelegentlich echten Grusel zu erzeugen, was mich nach dem heiteren, kurzweiligen Geschehen zuvor überrascht hat. Daran hat die Besetzung der jungen Frau den wichtigsten Anteil, die ohne große Fremdeinwirkung je nach Einstellung tatsächlich bedrohlich wirkt, gerade dann wenn sie erstmals versucht den Kreis zu durchbrechen, den Choma mit Kreide zu seinem Schutz auf den Boden gemalt hat. Zwar sieht man hier anhand einer Spiegelung, dass ihre exakten Berührungen an der unsichtbaren Grenze mittels einer Glasscheibe erfolgt sind, das mindert jedoch nicht die Wirkung dieser meiner Meinung nach unheimlichsten Szene dieses charmanten Streifens. 

Über die restlichen Spezialeffekte kann man ohnehin nicht meckern, vielleicht mit der Ausnahme des titelgebenden Viy, den ich nicht so überzeugend zurecht gemacht fand, auch wenn das Cover der kürzlich in Deutschland erschienenen Bluray ironischer Weise gerade von seinem Aussehen lebt. Aber auch dies macht nichts, denn seinen Auftritt hat er inmitten vieler anderer nett anzusehender Fantasiefiguren, zu einem Zeitpunkt wo dem Auge allerhand Highlights geboten werden. In dieser ereignisreichen Szene wird nun überdeutlich, was zuvor schon zu erkennen war: die Spezialeffekte waren den Regisseuren definitiv wichtiger als das Einfangen stimmigen Grusels. In einem Film, der zu einem guten Teil von seiner Nostalgie und einer uns relativ unbekannten Kultur lebt, ist das aber auch kein Schwachpunkt, zumal Sequenzen, wie die gigantischen Hände, die Choma einkreisen, noch immer ihre Wirkung besitzen. Zudem erlebt man genügend Nähe zur Hauptfigur, so dass man sich mit ihr auch ohne Tiefgang im Charakter oder in der Geschichte gut identifiziert bekommt. Ein gewisser surrealer Touch schwebt zudem ebenfalls mit, gerade das Mysterium der Hexe betreffend, die anbei auch in der Besetzung der alten Frau zu wirken weiß. Mit einer Laufzeit von unter 80 Minuten ist "Viy or Spirit of Evil" (Alternativtitel) frei von Längen, vorausgesetzt man kann sich an den zwischenmenschlichen Momenten ergötzen, die meist im alkoholisierten Rahmen stattfinden. Abgesehen von dem Moment auf dem Feld bis hin zum Aufenthalt im Hexenhaus dauert es recht lange, bis "Vij" (Alternativtitel) am entscheidenden Horrorpunkt seiner Geschichte ankommt. Aber das Warten lohnt sich, gerade für Freunde optischer Leckereien, und der Weg dahin ist wie erwähnt nicht minder unterhaltsam.  OFDb

19.07.2020

DER UNSICHTBARE MENSCH (1984)

"Der unsichtbare Mensch" ist eine sowjetische Verfilmung des Buches von H.G. Wells, welches in den USA bereits in den 30er Jahren als "Der Unsichtbare" verfilmt wurde. Tricktechnisch hat sich seit dem viel getan, mit Blick auf den hier besprochenen Film ist das jedoch kaum zu erkennen. Die Silhouette des unsichtbaren Akteurs ist nicht mehr zu sehen, im Gegensatz zu früher, meist begnügt man sich jedoch mit billigen Tricks, die wenig überzeugen. In stimmigere Situationen eingebunden ginge das noch in Ordnung, aber Sacharow serviert uns das unsichtbare Treiben hier als Hokuspokus für die ahnungslosen Anwesenden der jeweiligen Momente. Sie muten wie Schelmerein an, jedoch beabsichtigt der Protagonist solche nicht. Der Eindruck entsteht schlichtweg durch die Art der Erzählung, die mit dem Gruselansatz der Erstverfilmung nichts mehr gemein hat. "Chelovek-Nevidimka" (Originaltitel) kommt eher wie ein Märchen-Abenteuerfilm daher, welches einen mehr die Handlungsweisen jener verstehen lässt, die kurzfristig auf den Wissenschaftler stoßen, als die Motivation des Unsichtbaren selbst. Man versteht nicht was er tut und warum er es tut, zumal er sich wie ein Tölpel anstellt, bei all den Möglichkeiten unentdeckt zu bleiben. Stets zieht er die Aufmerksamkeit auf sich, er ist nie vorsichtig oder trickreich.

Und seine Abenteuer werden Episoden-artig erzählt, von einem Wirtshaus zum nächsten ziehend, stets zu viele Zeugen auf sich ziehend und selbst einen betrunkenen Wegbegleiter nicht lange an sich binden könnend. Eine halbherzige Liebesgeschichte verbindet alles ein wenig miteinander, aber der zu brav erzählte Film wirkt uninspiriert aneinander gereiht, hofft darauf einen mit seinen Tricks und den Situationen, in welche der Unsichtbare gerät, zu amüsieren. Aber das Szenario ist für die 80er Jahre zu altbacken, einen überzeugenden Sehwert konnte ich an "Tschelowek Newidimka" (Alternativtitel) nicht entdecken. Es mag sein dass andere das anders sehen, aber mir ist das Werk zu unnahbar, verspielt und willkürlich ausgefallen, als dass ich mit ihm etwas anfangen könnte. Zudem weiß man nie ob "Der unsichtbare Mensch" absichtlich humoristisch ausgefallen ist, oder ob das Werk unfreiwillig komisch daher kommt. Möglich wäre beides. Nur 8 Jahre später sollte John Carpenter mit "Jagd auf einen Unsichtbaren" zeigen, was in diesem neueren Zeitgeist an Ideen zu dieser alten Thematik möglich ist, humorvoll, wie ernst angegangen. Der müde sowjetische Film ist jedoch nur etwas für Komplettisten, theoretisch betrachtet nicht ohne Reiz, da anders angegangen als das berühmte Original, aber nicht interessant genug, um die relativ kurze Laufzeit von 83 Minuten kurzweilig unterhalten zu überstehen.  OFDb