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08.04.2018

DIE VÖGEL 2 - DIE RÜCKKEHR (1994)

Alfred Hitchcocks "Die Vögel" gehört meiner Meinung nach zu den besten Tier-Horrorfilmen schlechthin, wahrscheinlich ist er gar der beste überhaupt, und da die gefiederten Freunde nur selten in diesem Sub-Genre zum Aggressor werden, muss sich ohnehin jeder Beitrag dieser Tier-Gattung einen Vergleich mit Hitchcocks Meisterwerk gefallen lassen, egal wie unfair das sein mag oder nicht. Warum man also in einem kaum betreten Terrain wie dem Vogel-Horror gleich komplett übertrieben in die Vollen gehen muss und gleich eine offizielle Fortsetzung des großen Vorbildes drehen muss, will sich mir nicht erschließen, so gnadenlos enttäuscht man aufgrund dieses Vergleiches nur sein kann, zumal "Die Vögel 2 - Die Rückkehr" nicht nur eine Alternativstory oder ein Remake des Vorgängers bildet, wie es manch andere angebliche Fortsetzung tut, sondern sich, wenn auch recht spät, bewusst auf die Geschehnisse des Filmklassikers bezieht und dessen großartigen Schluss damit gewaltig in die Eier tritt.

Entließ uns Hitchcock aus seinem Film mit einem apokalyptischen Szenario, so will uns die Fortsetzung weiß machen nach einigen Tagen sei es damals schlichtweg vorbei gewesen, so dass das Verhalten der Tiere ein temporäres Problem war, das warum auch immer ein Ende gefunden hat. "The Birds 2 - Land's End" (Originaltitel) will weder eine Erklärung für heute, noch für damals abliefern, erklärt nicht warum es einst endete und heute wieder begann, und für die versteckte Erklärung in Hitchcocks Original, dass Vögel lediglich den Respekt der arroganten Menschen einforderten, schien ohnehin nicht begriffen worden zu sein. Stattdessen gibt es ein wenig Hohlgeschwätz über die Rache der Natur, freilich fern jeden Zusammenhangs heruntergebrabbelt, was ganz gut zum Verhalten der Hauptfigur passt, die viel zu früh einen kritischen Blick auf das gefiederte Volk wirft.

Wenn ich nun noch berichte, dass der Film sich in seiner konservativen Art lange Zeit mehr für ein integriertes Familiendrama interessiert als für die Horrorattacken der Vögel, könnte man nun meinen Rosenthals Werk könnte man getrost in die Tonne kloppen. Ignoriert man aber einmal den lediglich krampfhaft angegangenen Zusammenhang zum großen Vorbild und schaut sich "Die Vögel 2" als eigenständigen Film an, dann weiß die Fernsehproduktion mit heruntergefahrenen Erwartungen eigentlich angenehm routiniert zu unterhalten. Einen zweiten Glücksgriff wie "Psycho 2" hatte man sicherlich ohnehin nicht erwartet, die Rückkehr der Vögel ist keinesfalls innovativ ausgefallen. Aber der Mann, der einst Carpenters "Halloween" fortsetzen durfte, ist zumindest ein gekonnter Routinier und weiß was er innerhalb der wenigen Möglichkeiten herausholen kann. Ebenso wie sein "Halloween 2" ist auch diese Fortsetzung blutiger ausgefallen als sein Vorgänger, im Gegensatz zu Myers Rückkehr ist dies jedoch kaum der Erwähnung wert, schaut sich "Die Vögel 2" für sein Erscheinungsjahr doch trotzdem arg zahm umgesetzt.

Aber das passt zum angenehm konservativen Grundton des Streifens, in welchem es um Familienzusammenhang, Freundschaft und Treue in guten wie in schlechten Zeiten geht und selbst der ignorante Bürgermeister weit mehr zur Nebensache wird, als es die meisten Produktionen nach "Der weiße Hai" zugelassen haben. Trotzdem darf auch der einen grausamen Tod finden, denn im rechtschaffenen Spießerkino der Amis muss jede Missetat moralisch bestraft werden. Die Vogelattacken wissen trotz simpler Tricks und Tierdressuren genug zu gefallen, um sich unterhalten zu fühlen und einen gewissen Spannungsgehalt kann man der Inszenierung Rosenthals definitiv nicht absprechen. Zudem schafft er es beim Zuschauer eine innere Verbindung zur Familie aufzubauen, und dies obwohl lediglich die Kinder sympathisch wirken, die beiden Elternteile sind einem ziemlich egal. Ob es nun an den beiden Autoren, der Regie oder schlichtweg am Spiel der Kinderdarsteller liegt, die beiden Mädchen werden authentisch als Kinder eingefangen, trotz klassisch gekünstelter Ami-Film-Konversationen, und zumindest der liebevolle Umgang mit diesen beschert dem Familienvater doch noch ein Hauch Sympathie.

Wer also einem konservativ und zahm ausgefallenen Horrorfilm eine Chance geben kann, der kann sich den an sich in der Filmwelt belanglosen "Die Vögel 2" ruhig einmal geben, langweilig ist er nicht. Aufregend sieht jedoch auch anders aus, ich persönlich mag aber die Harmonie, die er außerhalb der Vogelattacken stets auszustrahlen weiß, und das beschert dem Werk in meinen Augen einen gewissen Charme. Ihn als Fortsetzung von Hitchcocks großartigem Genre-Beitrag zu verkaufen ist freilich völliger Unsinn, auch wenn man darin bemüht ist mit einem kurzen Verweis auf den Vorgänger eine Brücke zu diesem zu schlagen. Unabhängig vom Meisterwerk erzählt hätte man es diesem Vogelhorror sicherlich leichter gemacht sein (dennoch kleines) Publikum zu finden. Verglichen mit solcher Konkurrenz wie "Die Krähen" und "Die Vögel - Attack from Above" hat der schlichte "Die Vögel 2" jedoch die Nase vorn. Warum man sich aber, wenn schon als Fortsetzung angegangen, zu Promotionzwecken den Star des Originals, Tippi Hedren, für eine Nebenrolle mit an Bord holt, und diese einen anderen Charakter als dort spielen lässt, will sich mir wieder einmal nicht erschließen.  OFDb

23.05.2017

MARNIE (1964)

Eigentlich ist „Marnie“ ein exzellent gespieltes und inszeniertes Drama, an welchem es rein stilistisch nichts zu meckern gibt. Der Inszenierungsstil ist elegant und damit an der männlichen Hauptrolle, die Sean Connery verkörpert, orientiert, der Erzählstil langsam gehalten, rätselhaft ausgefallen, das Drama im Vordergrund stehend und der Thriller- und Krimigehalt so minimalistisch gehalten, dass selbst der Romantikanteil über diesem triumpfiert, obwohl Hitchcock die Geschichte frei von Kitsch und romantisch ansteckenden Gefühlen umsetzt - und dies obwohl die Liebe der Auslöser allen Tuns der Rolle Connerys ist.

So mag „Marnie“ zu seiner Erscheinungszeit ein beeindruckendes Stück Film gewesen sein, heutzutage, wo selbst der Desinteressierteste in Sachen Psychologie grundlegende Kenntnisse über Freuds Theorien besitzt, will das so lobenswert umgesetzte Stück Film nicht mehr wirklich wirken. Hitchcocks vereinfachter Umgang mit dem Bereich der Psychoanalyse war schon immer Schwachpunkt seiner Filme, wie beispielsweise die Schlussszene im sonst so brillant ausgefallenen „Psycho“ zeigt. Dem konnte solch ein kleiner Ausrutscher nicht wirklich etwas anhaben, „Marnie“ jedoch, der sich voll und ganz auf Hitchcocks Schulmädchen-Psychologie stützt, kann in aufgeklärten Zeiten wie heute daran nur scheitern.

Die erste Hälfte, die sich einst rätselhaft schaute, ist heutzutage schnell durchschaut, lange Zeit bevor Hitchcock kurz vor Ende des Films den psychologischen Schleier Marnies lüften darf. Die zweite Hälfte wiederum ist nicht stark genug im Thriller-Bereich angesiedelt, als dass es das aufgrund vereinfachter psychologischer Ansätze nicht ernst zu nehmende Drama auffangen könnte. „Marnie“ schaut sich trotz all seiner Pluspunkte, zu denen selbst die raffinierte Namensgebung der Hauptfigur gehört, zu naiv, als dass man heutzutage noch wirklich intensiv in sein Geschehen eintauchen könnte. Und das ist schade, ist Hitchcocks zweiter Film mit Tippi Hedren nach dem grandiosen „Die Vögel“, doch ansonsten ein gutes Stück Film.

Zumindest bleibt „Marnie“ aufgrund seiner starken Umsetzung ein theoretisch interessantes Stück Drama, eines mit charmantem Retro-Touch, eines das einem noch immer Respekt einflößt, auch wenn man heutzutage nicht mehr in seine Geschichte eintauchen kann. Aber selbst mit diesem kleinen Trostpflaster steht er noch immer weit hinter den großen Werken des Meisters zurück, eben weil viele von diesen heute noch so frisch wie damals zu funktionieren wissen. „Marnie“ steckt jedoch in seiner Zeit fest, eine Zeit in welcher der Durchschnittsbürger noch mit den Kinderschuhen Freuds Psychoanalyse zu beeindrucken und zu überraschen waren. Damit scheitert „Marnie“ zumindest nach all den Jahren nicht an etwas vorrausschauend Selbstverschuldetem, wie manche Werke, die sich einzig auf Modeerscheinungen ihrer Entstehungszeit stützten, sondern kann letztendlich nichts dafür, dass er heutzutage nur noch in der Theorie funktionieren kann.  OFDb

15.01.2015

DARKWOLF (2003)

Es ist ja schön und gut wenn man als Filmemacher bei einer solch oft gebrauchten Thematik wie die über Werwölfe versucht dem ganzen andere Seiten abzugewinnen, indem man eine Mystik um den Werwolf-Kult entwickelt. Laut „DarkWolf“ wird also nun unterschieden zwischen Halbwerwölfen und ganzen (obwohl ein Werwolf ohnehin bereits halb Mensch und halb Wolf ist), es wird eine Obergattung vorgestellt, einen Werwolfsprinzen und es gibt Lehrer, die zur Stelle sind wenn ein Mensch entdeckt, dass auch er ein Werwolf ist. Das könnte alles ein wenig die Teen-Variante zu diesem Thema sein, wie es „Twilight“ für die Vampire war, aber zumindest erschien Richard Friedmans Werk bevor der Kult um die Bücher und Filme Nachahmer weckten.

Dem Kitsch und Teenie-Kult geht man sogar aus dem Weg. Ganz im Gegenteil, man möchte einen harten, dreckigen Horrorfilm vorlegen. Auch das hört sich in der Theorie zumindest noch okay an. Man muss dem Film jedoch keine fünf Minuten folgen, um jede gute Absicht direkt als Perlen vor die Säue zu erkennen. Der Werwolfs-Prinz ist ein Asi von Motorrad-Rocker. Der bald sterbende Werwolfslehrer eine wenig mystische Obdachlose und der Kopf einer Spezialeinheit der Polizei zur Bekämpfung der Bestien ein junger, harter Cop, der von einem blonden Neuling seiner Abteilung begleitet wird. Blondie ist dann auch gleich der Tiefpunkt in der Besetzung, was schon was heißen muss, denn schlecht spielt hier so ziemlich jeder.

Man kennt das: man erwischt einen Film mit einer schlechten deutschen Synchronisation, also greift man, mittelmäßiges Schauspiel hin oder her, falls vorhanden zum Originalton mit deutschem Untertitel, und selbst magere Durchschnittskost schaut sich dadurch angenehmer. Bei „Dark Wolf“ (Originaltitel) ist es egal was von beidem man schaut. Der Deutschton mag zwar schlecht sein, aber im Original klingt jeder „Schauspieler" so, als würde er seinen Text ablesen, was perfekt zur äußeren Darstellung passt, da jeder völlig steif und untalentiert daher kommt, selbst die berühmten Namen im Film (Kane Hodder und Tippi Hedren), die lustlos in dieser Billigproduktion mitspielen, wie auch immer sie da reingeraten sind.

Dass der Film trotz seines Engagements inhaltlich mehr bieten zu wollen auf völlig überholte Spezialeffekte setzt, ist ein weiteres Hindernis zu einem brauchbaren Ergebnis. Gerade wenn das Wesen sich komplett sichtbar als Wolf fortbewegt, könnte die Computeranimation kaum schlechter sein. Auch der Werwolf an sich weiß optisch nicht zu gefallen. Meist sieht man jedoch ohnehin nur Stoffarme oder rote Augen.

Dass die ganze unmystische Werwolf-Mystik nur billiger Aufhänger ist, merkt man spätestens mit Blick auf die Inszenierung, die lediglich darum bemüht ist ein dreckiger Actionreißer mit harten Helden, wilden Verfolgungsjagden und blutigen Morden zu sein. Wofür dann all das Erfinden verschiedener Werwolfs-Arten weiß der Geier, ist aber so egal wie die Absicht ein billiger Schundreißer zu sein, denn ein völlig fehlbesetzter Hauptdarsteller und Sparmaßnahmen in den Goreszenen, die meist im Off geschehen, lassen nicht einmal dieses triviale Ergebnis zu. Eine FSK 16 halte ich dennoch für unpassend. Mögen die Morde auch im Off geschehen, die zerfetzten Leichen in längeren Nahaufnahmen sehen schon so heftig aus, dass eine FSK 18 trotzdem sinnvoller gewesen wäre.

Andererseits: ungeschulte, naive Blicke eines 16jährigen, der noch auf Schauwerte anstatt auf inhaltliche setzt, sind die einzige Chance auf ein tatsächliches Publikum, das eventuell nicht vorzeitig ausschaltet, ohne cineastische masochistische Tendenzen aufzuweisen. Wenn ich rückblickend entdecke was für einen Scheiß wir in dem Alter damals super fanden, ist es tatsächlich möglich, dass zumindest Jugendliche an „DarkWolf“ irgendetwas toll finden könnten. Ach, was weiß ich!  OFDb

23.03.2014

DIE VÖGEL (1963)

„Die Vögel“ ist nicht nur mein bislang liebster Alfred Hitchcock-Film, er ist auch meiner Meinung nach bisher der beste Tier-Horror der je gedreht wurde. Dass selbst ein solch geglücktes Werk wie „Der weiße Hai“ nicht an die Genialität eines „The Birds“ (Originaltitel) heran reicht, obwohl beide nahezu perfekt umgesetzt sind und über einen ungeheuren Spannungsbogen verfügen, liegt, so lässt sich zumindest vermuten, daran, dass es Hitchcock hier nicht bloß um den Kampf Tier gegen Mensch geht. Hier geht es um eine geradezu apokalyptische Situation.

Die komplette Menschheit ist möglicher Weise dem Untergang geweiht.  Tiere organisieren sich, ähnlich wie im Kinderfilm „Konferenz der Tiere“, um uns den Kampf anzusagen. Zwischen den Zeilen spiegelt sich immer wieder die Aussage wieder, dass der Respekt zurück gefordert wird, den der Mensch den Tieren gegenüber verloren hat. Sehr deutlich wird dies im Finale, wenn ihnen dieser Respekt entgegen gebracht wird, die Menschen jedoch inmitten einer zurückhaltenden Situation immer wieder kleine Kostproben einzelner Vögel dessen erhalten, wie es sich anfühlt respektlos behandelt zu werden.

Um seinen Film zu einem theoretisch recht lächerlichen Thema effektiv wirken zu lassen, greift Hitchcock zu recht einfallsreichen Tricks. Neben den obligatorischen und heute noch wirksamen Spezialeffekten und dem oft an anderer Stelle erwähnten Trick einen Film komplett ohne Musikuntermalung zu inszenieren und stattdessen die Geräusche der Vögel wirken zu lassen,  arbeitet Hitchcock mit etwas, das er schon zuvor in „Psycho“ als psychologischen Methode angewendet hat: er lenkt mit einer völlig anderen Geschichte vom Hauptgeschehen ab. Wusste man in „Psycho“ nicht so genau was einen erwartet, so ließ ein Titel wie „Die Vögel“ nur wenig Fragen offen, so dass der Zuschauer um so intensiver von diesem Vorwissen abgelenkt werden musste. Deswegen ist es so konsequent zu nennen, dass Hitchcock einen humoristischen Einstieg wählte, um einem das hereinbrechende Chaos um so intensiver spüren zu lassen. Ähnlich bereitete Cameron später das „Titanic"-Unglück vor.

Wenn die Hauptrolle urplötzlich aus dem Nichts von einer Möve attackiert wird, schafft es Hitchcock aufgrund dieses Überraschungsmomentes aus einer recht harmlosen Szene eine sehr effektive zu zaubern. Ohnehin arbeitet Hitchcock eigentlich mit recht simplen Effekten und setzt lieber auf Akustik und bedrohliche Vorzeichen, um den Zuschauer zu verunsichern und ihn die so banal klingende Bedrohung als Grauen spüren zu lassen.

Seinen intensivsten Moment besitzt „Die Vögel“ dementsprechend in jener Szene, in welcher wir den Großteil einer Vogelattacke lediglich hören, während die Protagonisten, noch 5 (!!!) Jahre vor „Die Nacht der lebenden Toten“, sich im Haus verbarrikadiert haben, um sich vor den Angreifern von draußen zu schützen. Hin und wieder darf ein Vogel mal durch ein Fenster durchbrechen. Das ist jedoch schon das Maximum dessen was wir in dieser besagten Szene von den Tieren gezeigt bekommen.

Dementsprechend wichtig ist es auf gute Darsteller zu bauen, die es schaffen die Panik in ihrem Gesicht derart intensiv und authentisch wirken zu lassen, dass man sie nachempfinden, ja geradezu spüren kann. „Die Vögel“ geht ins Mark, und er wird jeden überrumpeln, der aufgrund des frühen Erscheinungsjahres vermutet er hätte ein harmloses Filmchen vor sich. Nichts könnte ferner der Wahrheit sein. „Die Vögel“ lässt sich viel Zeit zur Vorbereitung, aber legt er erst einmal los arbeitet er sich von spannungsgeladenen Vogelattacken zu einer pessimistischen Endzeitstimmung vor, die in einer Finalszene endet, wie sie wohl kaum besser hätte ausfallen können.

Dass auf den Weg dorthin die Geschichte trotz wiederholender Vogelattacken nie monoton ausfällt, liegt am Einfallsreichtum Hitchcocks und an einem Drehbuch, welches beweist wie wichtig es in gerade recht banale Geschichten ist mit griffigen und interessanten Charakteren zu arbeiten und ihnen auch scheinbare Unnötigkeiten innerhalb der Figurenzeichnung zu bescheren. Die guten Filme von heute verstehen diese Bedeutung noch. Das Blockbuster-Kino von heute hat diese wichtige Lektion leider längst verlernt.

„Die Vögel“ ist Hitchcocks bislang intensivstes von mir gesichtetes Werk. Er benötigt keine ellenlangen Erklärungen am Schluss wie sein ansonsten sehr geglückter „Psycho“. Er braucht keine reißerischen Mörder, sondern quetscht aus einer banale Bedrohung das Maximum dessen heraus, was im Kino an Spannungspotential möglich ist und erreicht dies nicht rein über einen Horrorfilm-typischen Spannungsbogen, sondern auch ergänzend über eine Art Unwohlsein des zukünftig Hereinbrechenden, sprich über das Unbehagen dessen was wohl kommen mag, hochschaukelnd in eine Aussichtslosigkeit die der Zuschauer immer intensiver zu spüren kriegt, dabei auf eine Erlösung oder zumindest Lösungsmöglichkeit hoffend und doch immer wieder von Hitchcock im Stich gelassen - übrigens auch in Banalitäten.

Die Vogelexpertin bleibt uns nicht nur eine Erklärung schuldig warum passieren konnte was sie immer für unmöglich abtat, sie wendet sich auch von uns, dem Zuschauer, ab, sobald sie eine Vogelattacke miterleben muss und schenkt uns lediglich einen beschämten Blick, bevor sie so schnell aus dem Film verschwunden ist wie sie auch kam. „Die Vögel“ ist Terror-Kino verpackt im klassischen Kino-Stil seiner Zeit, guckt sich deswegen auch nicht wie die später in den 70er Jahren losgetretene und bis heute anhaltende Terrorwelle, die für den modernen Horrorfilm typisch werden sollte, legt ihren zu Beginn absichtlich zugelegten naiven Panzer jedoch ab um in Sachen Wirkung dieser später aufkommenden, wesentlich blutigeren Welle, in nichts nach zu stehen.  OFDb