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05.08.2014

VERFLUCHTES AMSTERDAM (1988)

„Verfluchtes Amsterdam“, dessen Originaltitel „Amsterdamned“ wohl nicht durch irgendeinen Alternativtitel zu überbieten ist, ist einer jener Filme, die zunächst nicht gerade aufgrund ihrer Geschichte zu trumpfen wissen. Dick Maas, Regisseur solch wundervoller Werke wie „Eine Familie zum Knutschen“ und „Fahrstuhl des Grauens“, beweist wie so viele vor ihm, dass es auf die Inszenierung ankommt. Selbst die muss nicht zwingend höchst künstlerisch wertvoll sein. Auch wenn Regie und Kamera im hier besprochenen Film allerhand atmosphärische Bilder zaubern, so würde es doch etwas zu weit gehen diesem Werk den Stempel Kunst aufzudrücken.

Maas, der hier wie in dem von mir gewählten kleinen Auszug seines Filmschaffens mit seinem Stamm-Hauptdarsteller Huub Stapel arbeitet, schafft es ein Spannungshoch zu erzeugen, den Minimalismus seiner Geschichte dafür nutzend und das ganze eigenhändig komponiert sympathisch mit einem schlichten Soundtrack stimmig untermalend, so wie einst John Carpenter, der es zur Entstehungszeit von „Verfluchtes Amsterdam“ mit diesem seinem Ur-Konzept schon nicht mehr selber hin bekam.

Maas aber sehr wohl, der es schafft das spannende aber noch viel zu holprige Ergebnis seines „Fahrstuhl des Grauens“ zu toppen, indem er sich komplett auf den Spannungsbogen konzentriert, ohne dabei die Figuren zu vernachlässigen, die sich natürlich benehmen, so real wie der Regisseur auch die Stadt selbst einzufangen weiß. Diese ist hier mehr als der Ort, in dem alles spielt. Amsterdams Eigenschaften und Eigenarten werden bewusst für die Geschichte genutzt, so dass der Ort fast zu einer Art Hauptrolle wird.

„Verfluchtes Amsterdam“ ist ein Thriller. Die Härte seiner Morde, vorausgesetzt man hat die in Deutschland recht selten veröffentlichte ungekürzte Fassung erwischt, verweist jedoch auf die zur Entstehungszeit abflauende Slasher-Welle, die verzweifelt ein Jahr später mit dem Markenprodukt „Freitag der 13. 8“ noch einmal einen missglückten Wiederbelebungsversuch geschenkt bekam, bevor endgültig nur noch Regie-Anfänger sich diesem Sub-Genre des Horrors widmeten. Auch dass der Täter in einem Taucheranzug tätig ist, und dementsprechend wie im Slasher üblich „maskiert“ seine Taten begeht, kommt Maas recht gelegen. Und so schafft er mit seinem Thriller, ohne je zum Horrorfilm zu werden, eine Art holländischen Giallo, bzw. etwas eigenständiges, quasi für Holland das was der Giallo für Italien ist.

„Verfluchtes Amsterdam“ ist ur-holländisch, wird weder von italienischem noch von amerikanischen Einfluss verfremdet, und das macht ihn zu einem Original, zu einem Stück gelungener Europa-Kost, wie es gern unterschätzt wird. In dieser holländischen Art mögen die Protagonisten auf den bienenfleißigen, biederen Deutschen schluderig und nur halb bei der Sache wirken, letztendlich spiegeln sie jedoch den entspannten Lebensstil wieder und die Unaufgeregtheit mit welcher man trotzdem ans Ziel gelangt - ebenso wie der Film selbst, der nicht mehr wie Maas‘ Horrorvorgänger über den mordenden Lift von einem reißerischen Moment zum nächsten hechten muss, sondern nur punktuell auf Übertreibung setzt, während Maas sich ansonsten auf die Mentalitätsnähe seiner Landsleute und den hohen Spannungsbogen verlässt.

Das Ergebnis gibt seinem Vorhaben recht. „Verfluchtes Amsterdam“ blendet nicht mit etwas das er nicht ist. Er ist ein Thriller über einen Serienkiller, nicht mehr und nicht weniger. Den Hauptteil des Erzählten schöpft er aus dem Wesentlichen. Nur selten schweift Maas mit theoretischen Unnötigkeiten wie dem Sub-Plot um die Tochter des Ermittlers und ihres Freundes, der glaubt er könne hellsehen, ab, und selbst hier setzt Maas bewusst auf die Erwartungshaltung des Publikums, das vom amerikanischen Kino längst dahin erzogen wurde zu glauben, dass alles Erwähnte auch wichtig für die Auflösung oder den Ablauf der Hauptgeschichte sein müsse. Maas nutzt quasi die Ur-Gewohnheit des europäischen Kinos um dem zu US-lastigen Zuschauer den Stinkefinger zu zeigen. Cineasten hingegen können über diesen Spott schmunzeln ohne selbst betroffen zu sein.  OFDb