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21.10.2023

GRIZZLY 2 - REVENGE (2020)

Warum die Dreharbeiten von "Grizzly 2" 1983 begannen, der Film aber erst 2020 vollendet wurde, erklärt die ungewöhnliche Produktionsgeschichte des Streifens, die man sich im Netz oder im Beilagenheft des Mediabooks unbedingt einmal durchlesen sollte, ist sie doch weit interessanter ausgefallen, als der Film selbst. Während "Grizzly" tatsächlich ein angenehmer Vertreter der 70er Jahre Tierhorror-Welle ist, zeigen die Darstellerkunst und die eingefangenen Bilder bereits, dass "Grizzly 2 - Predator" (Alternativtitel) auch unter glücklicheren Bedingungen nicht viel besser ausgefallen wäre, als das klägliche Stück zusammengeflickter Film, der er nun als nicht komplett abgedrehtes Werk geworden ist. Das späte Erscheinen ermöglichte es den jetzigen Rechteinhabern zumindest Charlie Sheen und George Clooney an die erste Stelle des Vorspanns zu setzen, welche die ersten fünf Minuten des Streifens nicht überleben werden. Mit denen geworben, wird "Grizzly 2 - Revenge" mehr Aufmerksamkeit zuteil, als er eigentlich verdient hätte. Der Bär kommt aufgrund dessen, dass er erst später eingefügt werden sollte, es dann aber zu plötzlichem Geldmangel kam, kaum vor. Ein Konzert diente nicht nur zur Auffüllung der leeren Kasse, sondern auch als penetrantes Füllmaterial zur zweiten Hälfte, so dass die Alternativtitel "Grizzly 2 - The Concert" und "Predator - The Concert" am passendsten zu nennen sind. Alles ist derart billig, schnell und lieblos eingefangen, dass man sich wundern darf, dass ohnehin noch wer "bemüht" war, für eine Veröffentlichung, bzw. eine Vollendung des unfertigen Produkts, zu sorgen. Die Anführungsstriche verraten es bereits, bemüht trifft es nicht wirklich. Da wurden lediglich, in völlig anderer Bildqualität, im Nachhinein Tiersequenzen aus der Natur eingefügt, die tatsächlich recht gut eingefangen sind, und deswegen nicht nur von der technischen Qualität her nicht zum Rotz des restlichen Streifens passen. Dann wurde noch schnell einen Vor- und Abspann kreiert, und fertig ist der Film, der nicht fertig war und es immer noch nicht ist, bei so vielen Anschlusslücken und so wenig sichtbaren Tierattacken.  Wiki

10.12.2020

FERRIS MACHT BLAU (1986)

"Ferris macht blau" gehört zusammen mit "Das darf man nur als Erwachsener" und "Der Frühstücksclub" zu den drei wichtigsten John Hughes-Teenie-Komödien, die man gesehen haben sollte (als Produktion sei noch "Ist sie nicht wunderbar?" zu dieser Auflistung zu ergänzen). Das erstaunliche an seinem Talent die Jugend so treffsicher und einfühlsam zu verstehen, ist die Unterschiedlichkeit mit welcher jeder der drei Filme erzählt ist. Nach einer romantischen Komödie rund um einen großen Familienwirrwarr inmitten vieler kleiner Geschichten mit allerhand Randfiguren und nach dem dramatischer orientierten Nachsitzfilm kommt Ferris als zuletzt gedrehter der drei als eine Art Party-Streifen daher, der uns nahe bringen will die Zeit, die man besitzt, positiv zu nutzen, anstatt zu engstirnig lediglich der Pflicht nachzugehen, zeitlich passend thematisiert, bei der in der Realität gerade aufgekommenen Leistungsgesellschaft. Fern der bisherigen Teen-Besetzungen eines Hughes-Films weht hier in angenehmer Besetzung genau jener frischer Wind, den man von einem Werk dieses Mannes auch erwartet, und es tut gut festzustellen, dass er nach dem schlichteren, wenn auch dennoch amüsanten, "L.I.S.A. - Der helle Wahnsinn" mit seiner letzten klassischen Teenie-Komödie wieder auf jenem Hoch ist, für welches man bereits seine anderen beiden Vorzeige-Filme so liebte. 

Man muss es gesehen haben, wie Ferris mit allerhand Tricks und Tücken allen weiß macht krank zu sein und, wichtiger noch,  zu Hause zu sein, während es ihn in Wirklichkeit in die Großstadt zieht. Erstaunlicher Weise ist der mit Matthew Broderick so passend besetzte Ferris nur oberflächlich gesehen der Star des Streifens. Die wahre Magie machen andere Figuren aus. So lebt "Ferris Bueller's Day Off" (Originaltitel) eigentlich wesentlich mehr von dem tiefer gehenden Charakter des kränklichen und sorgenvollen Cameron, den Alan Ruck sehr gekonnt zu verkörpern weiß. Und Jeffrey Jones als eine Art Road Runner-Koyote zieht alle Lacher auf sich, so gekonnt wie er als real lebende Comicfigur seine Grimassen schneidet und so ideal wie das Drehbuch ihn von einem Schlamassel ins nächste schliddern lässt. Passend zur typischen Hughes-Komik, die auch absichtlich gerne mal optisch und im Dialog künstlich konstruiert in Szene gesetzt wird, bevölkern zudem allerhand aufheiternde Rand- und Kleinstfiguren das Geschehen. Der dröge Lehrer im Klassenzimmer, der faule Sportlehrer, die dämliche Sekretärin des Rektors, die neidische Schwester, der bescheuerte Restaurantmanager, Charlie Sheen als heruntergekommener Jugendlicher auf der Polizeiwache, selbst die erfolgreichen Eltern Ferris' sind mit wunderbaren Eigenarten gesegnet, so dass wirklich fast jede Figur zum Spaß, welchen der Film noch heute so frisch entfacht wie vor 34 Jahren, etwas beiträgt. Einzig Mia Fara als Ferris Freundin darf lediglich hübsch aussehen, was ihr aber immerhin gelingt (zumal sie eine glaubwürdige Freundin eines Typs wie Ferris ist). 

Neben der Wirkung der Figuren und den vom Drehbuch lustig vorgegebenen Situationen ist der Inszenierungsstil von Hughes zudem so unglaublich humorfördernd. Die gekonnte Aneinanderreihung der Szenarien, die Nutzung der Musik als Komik-förderndes Stilmittel, die eben erwähnte absichtliche künstliche Entfremdung von Dialogen oder Personenanordnungen im Bild zur Erzeugung der ganz eigenen Hughes-Komik (die er in "Allein mit Onkel Buck" auf die Spitze trieb), das alles lässt einen völlig vergessen wie oberflächlich Ferris eigentlich ist, wie asozial er seine Beliebtheit auf dem Mitgefühl seiner Mitschüler ausnutzt und wie wenig tatsächliche Geschichte der Film eigentlich bietet. Aber er lebt ein Lebensgefühl dem Zeitgeist seiner Entstehung geschult, und er nimmt sich inmitten seines Zelebrierens von Freiheit und Schadenfreude Zeit für die besonderen Momente, die kurz die Ernsthaftigkeit des Teenagerempfindens thematisieren. Mein liebster Moment in diesem Streifen ist dann auch keine lach-fördernde Szene, sondern jene großartige Bildabfolge, in welcher Cameron im Museum zu wunderschöner Musikuntermalung ein Kunstwerk betrachtet. Mein persönlicher humoristischer Höhepunkt inmitten eines Werkes, das einen ohnehin immer wieder zum lachen bringt, ist die Oma im Finale, die so wunderbar schrullig von der Maske zurecht gemacht im Auto vor Buellers Vater fährt und tüddelig lahm herumeiert. 

Aber da wären letztendlich so viele Momente zu nennen. Fast jeder Kommentar der Sekretärin ist ein Lacher für sich, Camerons Mimik, seine Wortspiele beim Football-Spiel, der Schlüssel in der Autotür des gerade abgeschleppten Wagens, das Pfützengeräusch beim Wegwerfen der Brieftasche des Direktors, die Anwesenheitskontrolle in der Schule, der Begrüßungskuss von Sloanes angeblichem Vater, die Liste an Sternstunden der Komödienkunst des hier besprochenen Streifens könnte man endlos fortsetzen. Selbst der Abspann gehört zu den Höhepunkten des Films und ist ein gutes Beispiel dafür, dass man den Film im Heimvideo gucken sollte, anstatt im Fernsehen, wo die demütigende Szene des Rektors im Schulbus leider meist weggeschnitten wird. Kurzum: "Ferris macht blau" ist eine Teenie-Komödie die man gesehen haben muss. Sie ist frisch, zeitlos, hoch amüsant und einfach charmanter Natur, egal welch fragwürdiges Weltbild in kurzen Momenten auch aufblitzen mag.  OFDb

20.07.2020

INTERCEPTOR (1986)

Mehr 80er Jahre-Luft, als "Interceptor" präsentiert, kann ein Film nicht bieten. Aber das muss nicht immer etwas Gutes sein, denn Mike Marvins Werk präsentiert uns all das, was in diesem wunderbaren Jahrzehnt parallel schief gelaufen ist. Das Publikum von "Top Gun", "Dirty Dancing" und Co würde sich fragen, was der olle Schlombie denn hat, so unterhaltsam wie das Werk doch ausgefallen ist. Aber der Film teilt sich mit den anderen Beispielen die extreme Einfältigkeit und Naivität einer Schrott-Handlung im Modemeer seiner Entstehungszeit. "The Wraith" (Originaltitel) ist tatsächlich nicht ohne Unterhaltungswert ausgefallen, den Großteil erntet er aber aufgrund der unfreiwilligen Komik, die einen im Meer an Klischees und einer dümmlichen Chose pausenlos um die Nase weht. Noch stumpfer ausgefallen als der berühmte 90er-Jahre-Film, wirkt der hier besprochene Fantasy-Streifen wie die Autofreak-Version von "The Crow". Was diesem an künstlerisch wertvoller Optik und Stimmung zum wirksamen Produkt verhalf, versucht "Interceptor - Phantom der Ewigkeit" (Alternativtitel) durch wilde Schlitten, fetzige Autojagden und schlechter Musik (mit Ausnahme eines Billy Idol-Songs) aufzufangen. Dass dies nicht gelingt ist klar.

"Interceptor" ist ein pubertärer Film, ideal für das Jugendpublikum von einst, wenn auch nie deren Mentalität tatsächlich ansprechend, wie es ein John Hughes beherrschte. So wie in "Karate Kid" die komplette Welt Karate kämpft, in "Over the Top" jeder Mensch an Armdrücken interessiert ist, so beteiligen sich hier alle Jugendlichen an Autorennen. Und nur um die geht es, mit Ausnahme des Sheriffs. Die komplette Erwachsenenwelt wird, wie in "Massaker in Klasse 13", selbst dann ausgeblendet, wenn es für die Geschichte eigentlich wichtig wäre. Das Phantom, in Form eines noch sehr jungen Charlie Sheens, bleibt ein blasser Irgendwer, meist in ebenso oberflächlicher Lovestory gefangen agierend, die das Verarbeiten des im Zentrum stehenden Verlustes nie wirklich empathisch zu greifen weiß. Die Figuren kümmert das Vergangene nicht wirklich, egal wie tragisch und ungelöst es war. In den Actionszenen ist Sheen nur in getarnter Raser-Kluft zu sehen, was allerdings Wirkung besitzt. Die Szenen, in denen er derart auftreten darf, wissen jedoch trotzdem nicht zu wirken, fehlt es dem Regisseur, der mit "Hamburger - The Movie" im selben Jahr sein Debüt ablieferte, doch an Talent eine stimmige, übernatürliche Atmosphäre zu entfachen. Während die Rennszenen als geglückt bezeichnet werden können, fehlt jegliches andere Gefühl, welches der Film eigentlich verursachen sollte: Romantik, Mystik, Dramaturgie, Spannung. Übertrieben peinlich dargestellte Punks, wie man sie in dieser Extreme auch in "Surf Nazis Must Die" und "Die Klasse von 1999" erleben darf, springen einer nach dem anderen über die Klinge des fragwürdigen, aber edel dargestellten Racheengels, der ebenso platt-getretenes Extrem-Klischee ist, wie jede Figur und Situation des Streifens.

Besonders extrem erwischt es den Bösewicht im Zentrum, der eigentlich wunderbar besetzt derart extrem charakterisiert wird, dass die typischen jugendlichen, kriminellen Stephen King-Mobber, wie man sie u.a. aus "Es" und "Christine" kennt, dagegen wie authentisch scheinende Teenager aus dem Alltag wirken. Lustiger Weise rettet diese lebensferne Übertreibung den Streifen vor der Belanglosigkeit. Ernst nehmen kann man ihn nicht, aber als überzogene, unfreiwillige Groteske amüsiert er durchaus. Selbst dann ist er mir jedoch aufgrund der ständigen Wiederholung der Geschehnisse und seiner gefühllosen Unnahbarkeit zu langatmig ausgefallen, als dass ich ihn als trashige, kurzweilige Unterhaltung betrachten könnte. Auch aus diesem augenzwinkernden Schund-Blickwinkel betrachtet will er meiner Meinung nach nicht vollends funktionieren. Dass er dies bei einigen unkritischen Cineasten völlig frei vom Trash-Blick tut, überrascht mich sehr. Das Drehbuch verrät nie was das alles soll, und warum das alles dahin führt, wo es endet. Man lernt nichts über die Gesetzmäßigkeiten des Racheengels, warum er seine Chance bekam, warum er nicht in alter Gestalt zurückkehrte, man begreift nicht einmal jene Elemente der Geschichte, die nicht übernatürlicher Ursache sind. Warum der Sheriff handelt, wie er es tut, oder warum das Rätsel um den Mord niemanden mehr beschäftigt, ist ebenso wenig nachvollziehbar, wie die meisten Handlungsweisen jeglicher Figur in diesem Film überhaupt. Man muss schon tief und unreflektiert in seinem Lieblingsjahrzehnt der 80er Jahre feststecken, um an "Interceptor" keine Ungereimtheiten und Defizite zu entdecken, bzw. um diese komplett ignoriert zu bekommen.  OFDb

03.12.2016

BEING JOHN MALKOVICH (1999)

Wer die Filme Spike Jonzes und Charlie Kaufmans kennt, der wird wissen, dass der kleinen Inhltsangabe ein Meer an Ideen folgt, ist es doch geradezu typisch für ihre Filme, dass sie Stoffe für etliche enthalten, nicht etwa weil sie ihre Werke überstrapazieren und ihnen keine Luft zum Atmen geben, sondern weil sie voller wundervoller und verrückter Ideen stecken, mit denen sie ihren Filmen Leben einhauchen. Für den Zuschauer werden diese Werke zu wahren Erlebnissen, und der geistreiche Zuschauer darf sich zudem daran erfreuen, dass die Autoren über eine analytische Beobachtungsgabe und über psychologische Kenntnisse verfügen, so dass jedes noch so groteske Szenario aus einem intellektuellen Verständnis und einem empathischen Mitgefühl geboren und begleitet wird.

Während Jonzes und Kaufmans reifere Werke „Her“ und „Vergiss mein nicht“ gefühlvoll erzählt sind, so dass der Zuschauer sich geradezu in ihnen verlieren kann, da orientiert sich der früher entstandene „Being John Malkovich“ noch hauptsächlich an seinem bizarren Grundszenario und die Wechselwirkung der Macht zwischen den Protagonisten. Angefangen mit kleinen Gimmicks, wie dem 7 1/2. Stockwerk, weitergeführt mit der eigentlichen Idee einer Tür in den Kopf Malkovichs, bis hin zur Frage was passiert wenn der Eigentümer besagten Kopfes durch besagte Pforte tritt, wird mit Ideen kreativ herumjongliert, so dass es für den Zuschauer so einiges zu staunen gibt.

Dennoch soll „Being John Malkovich“ kein bloßer Hinguckerfilm sein. Seine schrillen Attraktivitäten werden nicht einzig wie auf einem Jahrmarkt zur Schau gestellt. Die Geschichte nutzt diese kuriosen Geschehnisse um einen Blick auf eine recht tief charakterisierte Schar von Menschen zu riskieren, um zu sehen wie diese mit Macht umgehen. Wo Politkomödien sich mit wahrlich mächtigen Persönlichkeiten auseinandersetzen, da interessieren sich Kaufman und Jonez für den kleinen Mann, dem sie die Alltagslügen entziehen, indem sie hinter ihre Fassade schauen. Craig dominiert seine Ehfrau, während er selbst von seiner attraktiven Kollegin dominiert wird. Selbst der dusselig wirkende Chef wird von seiner Sekretärin dominiert. Im Laufe des Filmes kommt es aufgrund des Törchens zu Malkovichs Bewusstseins zu einem ständigen Wechsel darüber wer über wen Macht besitzt.

Für die Frage woher das Törchen kommt und ob jeder Mensch ein solches besitzt, interessieren sich die Autoren lange Zeit nicht, haben sie mit diesem Themenbereich, den andere Autoren viel früher belanglos verfeuert hätten, doch ganz eigene Pläne, die für die Geschichte und gerade auch für die Schlusspointe geradezu wichtig werden. Geistvoll, wie die pointensichere Groteske erzählt ist, orientiert sich dieser zunächst vernachlässigte Themenstrang an einer anderen Form von Macht und Gier, um auch deren Vielfältigkeit im Blick zu behalten. „Being John Malkovich“ grast viele Bereiche ab, vertieft sie, spielt mit ihnen, wirft sie wieder um, experimentiert mit ihnen, während andere für die Geschichte gar nicht mal so unwichtigen Elemente einfach rausgehauen werden ohne sie näher zu beleuchten. Das gibt dem an sich überraschend durchdachten Werk eine zusätzliche Schrulligkeit und somit einen weiteren Sympathiepunkt.

Wer Cameron Diaz in ihrer ungewöhnlichen Rolle erkennen möchte, der muss schon genau hingucken, ist „Being John Malkovich“ doch in ihrer mutigen Zeit entstanden, relativ zum ersten Hoch ihrer Karriere hin, als sie diese noch mit gewagten Rollen zu stürzen riskierte. Der Mut zur Hässlichkeit lässt sich hier nicht abstreiten, und wenn dann noch jegliche Öko-Eigenschaft, die ein naiver Charakter besitzen kann, von dieser guten Frau verkörpert wird, dann bleibt zunächst kaum noch ein sympathischer Aspekt an diesem Charakter übrig, was sich im Laufe der Zeit allerdings ändern wird, sind Kaufman und Jonze doch schließlich Magier ihres Fachs und schenken gerade dieser Rolle zum Ende hin die kleine Dosis Mitempfinden, die sie in den beiden oben erwähnten späteren Werken zum Mittelpunkt ihrer Erzählungen machen.

John Malkovich hingegen genießt es in den relativ wenigen Szenen, in welchen er Herr seiner Selbst sein darf, ein eigenes Klischeebild seines angeblichen Ichs zu zeichnen. Wo ein Bill Murray in „Zombieland“ und Bruce Campbell in "My Name is Bruce" verschmitzt einen eingebildeten, sich selbst liebenden Schauspieler aus sich machten, da geht Malkovich subtiler vor, zeigt die hoch intellektuelle Variante wie sich mancher Tunnelblickdenker den Charakter erfolgreicher Theatermimen vorstellen, eine Idee die von den Verantwortlichen der deutschen Synchronisation auch bestens verstanden wurde, und kreiert aus seinem Phantom-Ich den reinen Künstler mit feiner Etikette im Auftreten, intellektuellem Interessengebiet und pingeligster Vorstellungskraft dessen was er möchte.

Jeder weitere Schauspieler macht seine Sache ebenso gut wie die beiden von mir hervorgehobenen Persönlichkeiten. Auch der oft ähnlich spielende, mir aber immer sympathische, John Cusack wird diesmal geradezu herausgefordert mit seiner Figur zu spielen und schauspielerische Grenzen auszuloten. Ihm wie all den anderen sieht man die Spielfreude an, die am Set, trotz aller zwingender Maßen erforderten Konzentration und Professionalität, geherrscht haben muss. Kein Wunder, das einfallsreiche Drehbuch hat viele interessierte Mimen gelockt, ob in Gastauftritten oder in Hauptrollen. Für eine Geschichte wie diese wurde das Medium Kino überhaupt erfunden.  OFDb

03.04.2016

LOADED WEAPON 1 (1993)

Die durch „Kentucky Fried Movie“ und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ losgetretene Filmparodie-Erfolgswelle war nach „Spaceballs“ und Co noch längst nicht abgeschwappt und sollte durch den überragenden Erfolg von „Hot Shots“ Anfang der 90er Jahre noch einmal vorerst ein letztes Hoch erleben, so dass erneut eine Flut mal mehr mal weniger gelungener Veralberungen größerer Kinoerfolge die Lichtspielhäuser heimsuchte. Im selben Jahr von „Crazy Instinct“ und „Robin Hood - Helden in Strumpfhosen“ und ein Jahr vor „Das Schweigen der Hammel“ und „Chicken Park“ erschien „Loaded Weapon 1“ auf der Bildfläche, besetzt mit Emilio Estevez, dem Bruder Charlie Sheens, der in oben erwähnter „Top Gun“-Parodie die Hauptrolle spielte und im hier besprochenen Film neben jeder Menge anderer Prominenz als Gaststar vorbeischaute.

Was hier parodiert wird ist schnell klar. Die Teile 1 bis 3 der „Lethal Weapon“-Reihe gehörten zur Creme de la Creme des Actionkinos seiner Zeit und waren damit ein gefundenes Fressen für Filmparodien. Zudem veräppelt der Film, der bereits mit der angespielten Fortsetzung im Titel seinen ersten wirksamen Gag erntet, Größen seiner Zeit wie „Basic Instinct“ und „Das Schweigen der Lämmer“, solche aber stets in einzelnen Szenen, wohingegen die Action-Komödien mit Mel Gibson in so ziemlich jeder anderen Szene Pate standen.

Wirklich kennen muss man diese nicht um Spaß mit „Loaded Weapon 1“ zu haben, aber es bereichert die Freude am Blödsinn freilich mehr nicht unwissend an Quintanos Komödie heranzugehen. Nur selten ist es allerdings von Nöten das Original zu kennen, so z.B. in jener Szene, in welcher der berühmte „Bombe auf dem Klo“-Moment parodiert wird. Deren Pointe ist so flach wie so ziemlich alles was man hier an Komik vorgesetzt bekommt, aber sie kommt herrlich unverkrampft daher, in all ihrer Reichhaltigkeit präsentiert von spielfreudigen Darstellern, die alle in ihren Klischees badend völlig übertrieben agieren durften, so auch Samuel L. Jackson, von dem damals noch kaum wer wusste wie genial er tatsächlich schauspielern kann. Dies erkannte die Masse nur kurze Zeit später mit „Pulp Fiction“ und allem was danach kam.

Zwar muss man die Originalreihe nicht kennen, dies bedeutet jedoch nicht dass die Filmparodie von Regisseur Gene Quintano, der auch für „Police Academy 4“ verantwortlich war, sich einzig auf ihren flachen, massentauglichen Witzchen auruhen würde. Im Gegensatz zu manch schneller abgearbeiteten Produktion wie „Agent 00“ veralberte man neben inhaltlichen Elementen auch die stilistischen des zu parodierenden Stoffes, was sich in Farbgebung, Setting, Soundtrack und dem belustigendem Umgang mit der Dramaturgie der „Lethal Weapon“-Reihe zeigt. Hier wird das Original tatsächlich ansatzweise im Kern getroffen.

Hauptsächlich darf jedoch verspielt fröhlich herumgealbert werden, wobei allerhand Krimi- und Action-Klischees aufs Korn genommen werden und mit Gewaltverherrlichung ebenso gespielt wird wie mit dem Bild der Bösewichter im amerikanischen Kino. Billige Wortwitzchen finden ebenso ihren Platz wie gewaltige Aktionskomik, sowie Fehler in Serien, die Prüderie Amerikas, das sich damals bereits extreme Hochschaukeln der immer gigantischer werdenden Zerstörungsorgie in Blockbustern und vielem mehr. „Loaded Weapon 1“ erreicht trotzdem nie das Niveau der frühen Werke von Zucker/Abrahams/Zucker, Monty Python oder der besseren Filme von Mel Brooks, gehört aber zu den angenehmeren Vertretern seiner Filmgattung, die zu seiner Erscheinungszeit bereits aus einer Modewelle heraus geboren wurden.

„Loaded Weapon 1“ ist weder Shakespeare noch „Die nackte Kanone“, kann mit etwas heruntergeschraubten Erwartungen dank einer hoher Treffsicherheit innerhalb seiner absichtlich flachen Komik jedoch bestens funktionieren und wird somit zu den angenehmeren Filmparodien seiner Zeit. Im Gegensatz zu „Hot Shots“ wirkt er nicht so bemüht beim Einbringen der hohen Dosis Gags in einem Minimum an Plot. Und da die Verantwortlichen des Stoffes auch die stilistische Ausrichtung der Vorbilder erkannten, ist er zudem anspruchsvoller ausgefallen als alles was durch „Scary Movie“ losgetreten in den 00er Jahren bei der nächsten Filmparodien-Welle auf den Zuschauer losgelassen wurde.  OFDb

20.09.2015

SCARY MOVIE 3 (2003)

Als die Erfinder der „Scary Movie“-Reihe mit ihrem zweiten Teil eine besonders flache Komödie ablieferten, übernahm David Zucker das Ruder für die nächste Fortsetzung. Heute weiß man dass der Mann längst nicht mehr so anspruchsvolle Parodien abliefert wie zu Zucker/Abrahams/Zucker-Zeiten. Aber damals hoffte man tatsächlich auf einen geistigen Aufstieg der eher auf Flachköpper orientierten Reihe, die es sich zur Aufgabe machte hauptsächlich berühmte, meist aktuelle Horrorfilme zu verarschen.

Von einem „Die nackte Kanone“ und „Kentucky Fried Movie“ ist „Scary Movie 3“ dann auch weit entfernt, aber mit seinem Mix aus „The Ring“ und „Signs“ beweist er welch unterschiedliche Filme er mit pseudo-rotem Faden vereinen kann, angereichert mit Anspielungen auf „Matrix“ und dessen Fortsetzung, manch anderen Werken kürzlich vergangener Zeit und sogar einer Anspielung auf „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, wenn Leslie Nielsen hier wie dort zu einem ungüstigen Zeitpunkt den Hauptfiguren im Finale nur schnell viel Glück wünschen möchte.

Das ist alles wesentlich besser ausgefallen als der olle „Scary Movie 2“ (und auch besser als Zuckers „Scary Movie 4“, vom erbärmlichen Teil 5 einmal ganz zu schweigen), aber über das Niveau von Teil 1 ragt der dritte Film der Reihe nicht hinaus, sprich es bleibt beim fröhlichen Zitieren bereits Bekanntem und meist bei hohler Hau drauf-Komik anstatt bei analytisch beobachtendem Humor der zu parodierenden Filme. Erfreulicher Weise ist jedoch trotz des flachen Humors die Trefferquote der enormen Humordichte recht hoch, so dass nur relativ wenige Witze nicht zu ziehen wissen, vorausgesetzt man sucht keinen Anspruch und ist sich nicht zu schade auch mal unter Niveau zu lachen.

Anna Faris ist sich in ihrer erneuten Hauptrolle jedenfalls nicht zu schade für jeden Gag und weiß erneut mit ihrer Spielfreude und dem Spaß am hemmungslosen Herumalbern den Großteil des Streifens zu stemmen. Ihr zur Seite steht diesmal der mimisch starke Charlie Sheen, der allein durch das pseudo dramatische Getue um seinen verlorenen Glauben als ehemaliger Pfarrer unglaublich witzig daher kommt und zudem eine kleine Szene mit seiner damaligen Lebensgefährtin Denise Richards beschert bekommen hat.

Schön ist es zu sehen, dass trotz eines Weißen auf dem Regiestuhl die schwarze Mentalität noch fast ebenso stark enthalten ist wie in den Vorgängern. Sie wird ebenso veräppelt wie die Verkrampftheit der Weißen, ohnehin schießt „Scary Movie 3“ überall hin wo es weh tut, und politisch völlig unkorrekt darf hier auch auf Behinderte, Kinder und Leichen eingeprügelt werden. Der Humor kommt recht derbe und infantil daher. Um so erstaunter darf man sein, wie sehr es die meist talentierten Schauspieler schaffen, das ganze so umgesetzt zu bekommen, dass man nicht ständig peinlich berührt die Augen verdreht wie bei einem „Ghost Movie“, „Disaster Movie“ oder „Scary Movie 5“. Auch die Pointensetzung weiß zum richtigen Zeitpunkt zu stimmen, und Zucker behält selbst im größten Chaos immer den Überblick, so dass man fast tatsächlich glaubt so etwas wie eine Geschichte erzählt zu bekommen.

In Wahrheit stürzt sich „Scary Movie 3“ von einer bekloppten Szene zur nächsten, manchmal fast im Sketch-Stil gehalten. Aber man ist ihm nicht böse drum bei solch hemmungslosem und spielfreudigem Herumgealber. Der Film ist alles andere als eine ernstzunehmende Filmparodie wie „Spaceballs“ oder „Frankenstein Junior“, aber als Hirn aus-Nonsens für zwischendurch weiß er bestens zu funktionieren, und dies selbst bei einem Publikum über dem zielgerichteten Teen-Alter, vorausgesetzt es hat seinen Humor mit spätestens 30 nicht schon an den Nagel gehängt um von nun an ein rein intellektuelles Leben zu frönen.  OFDb

18.06.2015

SCARY MOVIE 4 (2006)

Bereits mit „Scary Movie 3“ lieferte Regisseur David Zucker nicht mehr das Niveau jener Film-Parodien ab, mit denen er im Trio mit Jerry Zucker und Jim Abrahams einst berühmt wurde. Und mit „Scary Movie 4“ geht es noch eine Nummer weiter nach unten, wird die Reihe nun doch noch mehr zur reinen Zoten reißenden, Filme zitierenden Nummern-Revue als ohnehin schon, der man aufgrund einer Vielzahl unnötiger Fäkal-Gags und billiger Hau drauf-Komik zu Recht kritisch gegenüber stehen mag. Tiefsinn blitzt nicht einmal mehr leicht auf, der Kern der zu parodierenden Genres wird nicht einmal mehr erörtert. Bekanntes soll lediglich erkannt werden und durch einen schlichten Gag humoristisch verarbeitet.

Trotzdem muss man den Autoren zugestehen, dass es gar nicht so einfach ist die völlig unterschiedlichen Filme „Saw“, „The Village - Das Dorf“, „Krieg der Welten“ und „The Grudge - Der Fluch“, welche neben einer Vielzahl anderer Werke hauptsächlich verarscht werden, unter einen Hut zu bringen. Der rote Faden, der eine erzählte Geschichte vortäuscht, ist hauchdünn zu nennen, und doch ist es faszinierend wie alles zu einem pseudo-sinnvollen Cocktail vermischt wird. Kunst ist das nicht, aber herrlich schräg mit anzuschauen durchaus.

Dank einer wie immer gut aufgelegten, verspielten und mutigen Anna Faris weiß dieses plumpe Rezept gerade noch auf schlichter Ebene aufzugehen. Trotz allerhand Rohrkrepierer kann man über viele Gags noch herzhaft lachen, wenn man bereit ist sich auch einmal unter Niveau zu amüsieren. Wenn ein Vater sich mit vorgeheuchelter Art als Nichtkenner seiner Kinder entpuppt, gebranntmarkte Flüchtlinge für Zombies gehalten werden, hinter einer Schweinemaske ein Mann namens Pigface steckt oder ein in Ketten Gefangener sich das falsche Bein beim Befreiungsversuch absägt, dann ist das durchaus lustig. Im Gegensatz zum ersten „Scary Movie“ kann man die Fehltritte jedoch nicht mehr ignorieren, sie verwässern sehr deutlich den Unterhaltungswert des Streifens in ihrer arg vulgären Art.

Selbstverständlich bleibt ein Extrem-Werk wie „Scary Movie 4“ reine Geschmackssache, so provokativ wie er sich absichtlich in schlechtem Geschmack suhlt. Aber man darf auch nicht zu engstirnig an einen Film herangehen, der lediglich simpel unterhalten will während er die erfolgreiche Geldkuh melkt. Besser funktionierend als jeglicher seelenlose Blockbuster a la „Terminator 4“, "Man of Steel" oder „Transformers“ ist diese Horror-Komödie noch immer. Wie weit es Niveau-mäßig hierfür bergab gehen darf bleibt Ansichtssache, viele rümpften bereits beim anspruchsvolleren Teil 1 die Nase oder bei der Rezeptveränderung Zuckers durch Teil 3.

Spätestens an der letzten Szene werden sich die Geister endgültig scheiden, muss man zum Verstehen der Szene doch zur Ausnahme einmal tatsächlich das Original gesehen haben, in diesem Falle den Liveauftritt von Tom Cruise in einer populären Talkshow, und selbst dann bleibt die hauptsächlich improvisierte Szene aufgrund grenzdebilem Humors reine Geschmackssache. Brilliant, wie es Regisseur Zucker formulierte, ist die Performance des Cruise-Parodisten, der mit dieser Rolle die zweite Hauptrolle des Streifens spielte, keineswegs zu nennen, dafür fehlt der Nummer die Tiefe. Aber so sehr sich der werte Herr auch zum Affen macht, immer wieder gelingen ihm kurze Momente, welche das Herumgealber zu jener Groteske macht, welche die Szene im Gesamten hätte werden müssen um als gelungen betrachtet werden zu können.

Ich konnte mich damals erst beim zweiten Sichten mit „Scary Movie 4“ anfreunden, war ich nach erster Sichtung doch wie erschlagen von der Plumpheit des Dargebotenen. Gibt man dem etwas zu bemühtem Herumgealber jedoch eine faire Chance, sich wissentlich gerade unter Niveau unterhaltend, wissen die positiven Momente das Gesamtwerk doch noch zu stemmen. Sicherlich nicht mit so kräftigen Armen gehalten wie es ein Schwarzenegger oder Hercules könnte, aber als Wackelkandidat sich gerade noch im Bereich des angenehmen Durchschnitts haltend. Allein die stark ans Original angelehnten Örtlichkeiten verdienen einen Sympathie-Bonus.  OFDb

10.01.2015

GOOD ADVICE - GUTER RAT IST TEUER (2001)

„Good Advice“ ist eine dieser US-Komödien, die dem Publikum mit den niedrigsten Erwartungen genau das geben was sie sehen wollen: eine vorhersehbare Handlung ohne den Hauch an Überraschungen, die typisch dazu passende Figurenkonstellation, eine Dramatik weichgespült ohne Gefahr laufen zu müssen kein Happy End erleben zu dürfen und ein Humorpotential bietend, das nur jene Komik zulässt, die automatisch mit der erzählten Geschichte einher geht. Natürlich darf man auch um die Psychologie der ganzen Sache nichts geben, die ist besonders dürftig ausgefallen. Da reicht das Lesen einiger Frauenzeitschriften um aus dem Chauvi Ryan einen sensiblen Frauenversteher werden zu lassen.

Wenn ich mich geistfrei und unverkrampft mit einer leichten Komödie unterhalten lassen will, gehöre ich zu besagtem anspruchslosem Publikum. Klar würde auch ich mich über mehr psychologische Glaubwürdigkeit und einige überraschende Momente freuen, aber „Good Advice - Guter Rat ist teuer“ ist unterhaltsam genug um mit zurückgeschraubten Erwartungen seinen Spaß zu haben.

Die Romantik zwischen den beiden Hauptfiguren weiß zu gefallen ohne dass man gleich wie bei einer richtig guten Romantikkomödie dahinschmelzt, und ohnehin ist es die sympathische Besetzung, die das 08/15-Gerüst der ganzen Chose gerettet bekommt. Ob es ein von mir immer wieder gern gesehener Jon Lovitz in einer Nebenrolle ist, eine Denise Richards, die ich genau wie hier erleben möchte, da ich sie nicht leiden kann, oder Charmeur Charlie Sheen in der Hauptrolle, den man gar nicht anders als wie hier oder in „Two and a Half Men“ charakterisiert sehen möchte, sie alle bescheren „Good Advice“ das nötige Flair um routiniert angenehm unterhalten zu werden.

Regisseur Steve Rash reißt sich kein Bein aus. Es braucht nicht wundern dass ein solcher Durchschnitts-Regisseur mittlerweile Videoableger zu Kinoerfolgen wie „Road Trip“ und „American Pie“ abliefert. Aber er konnte auch mal anders, hat er doch in seiner frühen Zeit die herrlich charmante Teenie-Romanze „Can‘t Buy Me Love“ mit Patrick Dempsey inszeniert, die ich mir immer wieder angucken kann. Sechs Jahre später war er bereits auf dem schlichten Niveau eines „Schwiegersohn Junior“ angekommen, den man mit viel Wohlwollen noch geguckt bekommt. Was das betrifft war „Good Advice“ auf jeden Fall wieder ein Schritt in die richtige Richtung, wenn auch kein nennenswerter.

Steve Rash schafft es, dass man sich beim Sichten einer überraschungsfreien Standard-Story wohl fühlt, und ein solch schlichtes Ergebnis reicht um mich nach Feierabend oder an kranken Tagen unterhaltungstechnisch zufrieden zu stellen. Gerne darf es der große Film der überschäumenden Gefühle sein. Manchmal reicht aber auch der kleine Ableger solcher Werke, auch wenn es mich immer wieder wundert, dass ich hin und wieder mit solcher Vorhersehbarkeit zufriedenzustellen bin.  OFDb

02.11.2013

SCARY MOVIE 5 (2013)

Die „Scary Movie“-Reihe stand nie für ein hohes Niveau und litt immer unter der Schelte von Kritikern, egal ob es nun professionelle oder welche aus Lust an der Freude waren. Mir haben die Filme auf niedrigem Niveau jedoch recht gut gefallen, darf man in ihnen doch keine Parodie sehen (dafür gehen sie nicht nah genug an die Wurzeln der Vorbilder heran), sondern als humoristische Variationen der Originale. Da sammeln sich Zoten, da gibt es immer wieder Momente des Fremdschämens, aber irgendwie hat es doch meistens funktioniert. Teil 2 war weniger mein Ding, ist aber durchaus konsumierbar, Teil 4 bekam gerade noch die Kurve zur charmanten Mittelmäßigkeit, aber Teil 1 und 3 finde ich recht kurzweilige Filmchen für den Schnellverzehr, auch gerne mal in der Wiederholung.

„Scary Movie 5“ ist nun der erste Teil, der für meinen Geschmack die Grenze überschritten hat, die einen solchen Film von Nieten wie „Date Movie“, „Mega Monster Movie“ oder „Disaster Movie“ getrennt haben. Vereinzelt schleichen sich zwar noch nette Ideen ein (z.B. ein wunderbarer Dialog, in welchem immer wieder eine Hütte im Wald betont wird), insgesamt ist das Kasperletheater sich selbst- oder fremdverletzender Leute jedoch endgültig auf Kindergarten-Niveau angekommen, zumindest weiß ich nicht was das Slow Motion-Verfahren, welches man in Anlehnung an „Paranormal Activity“ aufgriff, an solchen ausgelutschten Witzchen lustiger machen soll. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber diese bleiben rar gesät.

Das Hauptaugenmerk liegt bei "Paranormal Activity 2", und das scheint zunächst eine gute Idee zu sein, ist das Found Footage-Verfahren doch bislang nicht geglückt parodiert worden. Meist griffen Soft Erotik-Filmer auf diese Idee zurück, produzierten aber freilich nur unterirdischen Schrott wie „The Bare Wench Project“. Klar, wie eingangs erwähnt, die „Scary Movie“-Reihe war nie wirklich Parodie, aber was man hier im Found Footage-Stil auf die Beine stellt ist schon erbärmlich. Da bieten sich so viele einfallsreiche, humoristische Ideen mit diesem Verfahren an, und man greift keine von diesen auf. Dass der Film nicht komplett in diesem vergeigten Verfahren gedreht ist, könnte einen aufatmen lassen, der Rest von „Scary MoVie“ (Originaltitel) ist aber leider nicht viel besser.

Kaum zu glauben, aber am Drehbuch werkelte wieder David Zucker mit, ein Drittel des berühmten Zucker/Abraham/Zucker-Gespanns, denen wir Meisterwerke wie „Die unglaubliche Reise in einem verrücken Flugzeug“ und „Die nackte Kanone“ verdanken und solch geglückte Filme wie „The Kentucky Fried Movie“ und „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“. Als David Zucker mit Teil 3 die „Scary Movie“-Reihe übernahm, da erwartete so manch einer dementsprechend einiges. Zwar war „Scary Movie 3“ schon wesentlich treffsicher und bot sogar den ein oder anderen versteckten Verweis auf Werke aus Zuckers Vergangenheit, aber ein Film auf dem Niveau der 80er Jahre-Werke ist trotzdem nicht dabei heraus gekommen - bei weitem nicht.

Nun ist David Zucker am Bodensatz der Komödienkunst angekommen, ein trauriger Fall eines Mannes, der es wesentlich besser konnte, vorausgesetzt er wurde nicht von den anderen beiden des eben erwähnten Regisseur- und Autoren-Trios mitgetragen. Klar, das Zielpublikum eines „Scary Movie"-Films ist die Jugend, und da lacht man noch über albernere Dinge als später, aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass Teens sich jeden grenzdebilen Schrott antun. Das tut nur ein geringer Prozentsatz den es auch im Erwachsenenalter noch immer vorzufinden gibt. Also ist der Fingerzeig aufs Zielpublikum in meinen Augen lediglich Ausrede anstatt Alibi.

Zumindest kann ich in einem Punkt Entwarnung geben: wer sich vor „Scary Movie 5“ lediglich scheut weil er die Originale nicht kennt, der braucht sich nicht länger zu bremsen. Die hier zitierten Werke braucht man nicht zu kennen, wahre Insider-Jokes gibt es nicht, nur albernes Herumgehampel vor geklauter Kulisse, bzw. in kopierten Kostümen. Am enttäuschtesten war ich von den Szenen, die an „Planet der Affen - Prevolution“ angelehnt sind. Mir hat der Film gefallen, aber er bot so einiges an Potential zur Veralberung. Schade dass im hier besprochenen Werk lediglich ein Fäkal-Gag der Affengeschichte zu belustigen weiß, mehr leider nicht.

Zwei Faktoren machen deutlich was u.a. an „Scary Movie 5“ nicht funktioniert. Das ist zum einen das Fehlen von Hauptdarstellerin Anna Faris, die sich für kein Geblödel zu fein war und doch immer mit einem Hauch Reststolz aus den peinlichsten Momenten hervorstach, und die nun ersetzt wurde von einer Frau, die das Herumalbern nicht im Ansatz beherrscht und stets viel zu ernst guckt. Der zweite Fakt betrifft Autor David Zucker. Der schaffte es in den Teilen 3 und 4 die völlig unterschiedlichen Stoffe der Vorbilder zu einem interessant-schrägen Mix zu vereinen, so dass man nicht nur das Gefühl hatte einer lieblos aneinandergereihten Nummern-Revue beizuwohnen. In „Scary Movie 5“ gibt es nicht einmal mehr diesen dünnen roten Faden. Die Komödie wirkt noch mehr zusammengeflickt. Wirklich zusammengehören will da nichts, auch wenn man krampfhaft versucht dieses Wirrwarr zu vereinen.

Leute die bislang über „Scary Movie“ geschimpft haben waren mir viel zu streng und verkrampft. Schließlich macht es auch mal Freude unter Niveau zu lachen. Und wenn Beteiligte mit Spaß an der Sache dabei sind, macht das schon mal viel am Ergebnis aus im Vergleich zu Filmen, in welchen die Verantwortlichen nur aus Pflicht bei der Sache dabei sind, so wie es in vielen Leslie Nielsen-Filmen der Fall war. „Scary Movie 5“ war nun der erste Teil der Reihe, bei dem ich es berechtigt finde, wenn man auf ihn schimpft. Toll war das nicht. Allerdings ist der Tiefpunkt noch nicht erreicht. Mit etwas Langeweile als Wegbegleiter kann man „Scary Movie 5“ zumindest noch durchhalten. Und die ersten 10 Minuten machen sogar Spaß. Aber eine Komödie muss nicht erst „Disaster Movie“-Niveau erreichen um zur Gurke zu werden. Schade, da gab es nach so vielen Jahren endlich mal eine Fortsetzung, und dann liefert man uns so einen schlechten Film ab. Jetzt erwarte ich aber auch möglichst zügig einen „Scary Movie 6“ zur Wiedergutmachung.  OFDb