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01.10.2024

BANANA JOE (1982)

Bislang konnte Banana Joe die Bananen, von deren Ertrag sein Dorf abseits der Zivilisation lebt, einfach so verkaufen. Doch weil er einem Mafiosi, der in Joes Dorf eine Fabrik bauen möchte, im Weg steht, hetzt dieser die Polizei auf ihn, die ihn darauf aufmerksam macht einen Gewerbeschein besitzen zu müssen. Ungebildet und stets auf die Hilfe anderer angewiesen, stolpert der mit der Zivilisation überforderte Joe durch diverse Situationen und bekommt die Mühlen der Bürokratie zu spüren...

Günstige Bananenpreise nach Autorennen... 

Die Solofilme von Bud Spencer erreichen nie die Qualität der Gemeinschaftsfilme mit Terence Hill, erst recht in der noch billiger produzierten Fließband-Zeit der 80er Jahre, und doch bleibt stets ein Unterhaltungswert vorhanden und ein gewisser Charme, den wir dem Hauptdarsteller selbst zu verdanken haben. In "Bud, der Ganovenschreck" schrieb ich, dass er seine Filme stets gestemmt bekommt. Diese Aussage ist auch in "Banana Joe" nicht wirklich falsch zu nennen, immerhin spielt er den ungebildeten Naivling, der auf die Moderne der Gesellschaft trifft, mit einer unübersehbaren Spielfreude. Auch die dick aufgetragene Botschaft um Freiheit fern der Bürokratie, die ihre Abreibung in dieser albern geratenen Gesellschaftskritik am deutlichsten zu spüren bekommt, stellt der Komödie kein Beinchen, ebenso wenig die zwischenzeitlich immer wieder kurz aufkeimenden Kinderszenen, welche das Herz Buds für die Kleinen verdeutlichen soll, so wie es andere Werke zu extrem taten. Dass "Banana Joe" nicht so wirklich funktionieren will, liegt an seiner Zerfahrenheit, wenn er sämtliche Themengebiete abgrasen will, für die andere Werke jeweils einen Film für sich in Anspruch nehmen würden. Damit kommt der Streifen, dessen Drehbuch Bud Spencer höchst persönlich geschrieben hat, zu episodenhaft daher, weiß zwar in jeder seine Phasen zu unterhalten, so dass sein Makel erst mit der Zeit in Erscheinung tritt, aber das Ergebnis wirkt schlichtweg zusammengeflickt, so als würde man dem Zusammenschnitt einer Fernsehserie beiwohnen. 

Der Running Gag um den Mafiosi, der stets denkt Spencer wäre seinetwegen dort, wo die Geschehnisse gerade stattfinden, ist wunderbar, besser funktionieren würde das Gesamtkonzept jedoch dann, wenn es der Plan dieses Mannes wäre, Joe die Bürokratie-Safari für den Gewerbeschein durchleben zu lassen, um genügend Zeit zu besitzen, dessen Heimatdorf für den Bau der Fabrik einzunehmen. So wie tatsächlich erzählt wirkt alles zu zufällig, und der Verlust der Freiheit von einst, um Teil der so hoch gelobten, modernen Gesellschaft zu werden (von der die Einheimischen nicht profitieren), kann nur oberflächlich greifen. Das macht es dem Drehbuch zwar einfach, Joe diese Vereinnahmung seines Dorfes final auch mit schlichten Prügeleien und anderweitig einfach gestrickten, zerstörerischen Aktionen wieder rückgängig zu machen, der zu oberflächliche Blick auf jegliche Phase, nur um die jeweilige einzig für kleine, durchaus sympathische Kalauer zu nutzen, hinterlässt jedoch eine Austauschbarkeit des jeweiligen Kapitels. Da darf Spencer mal kurzfristig als Soldat die Militärausbildung veralbern, dann ist er plötzlich Rauswerfer eines Clubs, in welchem sich die Mächtigen am meisten daneben benehmen, die Zerfahrenheit des Stoffes wird am deutlichsten, wenn Joe urplötzlich nach einer Gefängnissequenz ohne Ausbruch wieder im Freien aktiv ist, und man glaubt das Ganze mit einem Nebensatz gerade biegen zu können, warum er grob erklärt wieder frei ist. An Sprüchen mangelt es nicht, Spaß bereiten die einzelnen Phasen auch, insbesondere durch das herrlich naive und kindische Mimenspiel des Hauptdarstellers, aber ein befriedigendes, durchgehendes Ergebnis wird mit "Banana Joe" leider nicht abgeliefert.  Wiki

11.10.2019

DER MUSTERKNABE (1963)

Sichtlich von "Die Feuerzangenbowle" inspiriert, ist "Der Musterknabe" die erste Zusammenarbeit von Werner Jacobs mit Peter Alexander und Gunther Philipp, dem die ebenfalls amüsanten "... und sowas muss um acht ins Bett" und "Hilfe, meine Braut klaut" folgen sollten. Das lockerleichte Lustspiel nimmt Elemente aus "Klassenkeile" und "Die Lümmel von der ersten Bank" vorweg, bietet mit Blick auf Letztgenannten sogar bereits Theo Lingen in der Rolle des Schuldirektors. Die Erinnerung an die prominente Reihe wird zudem verstärkt durch den Umstand, dass auch hier der Klassenlehrer nah an den Wahnsinn getrieben wird, und durch Peter Alexanders Anwesenheit, erst recht durch seine Szene als Stimmenimitator, die er später in "Zum Teufel mit der Penne" und "Hurra, die Schule brennt" alternativ wiederholen sollte. Das Ergebnis kommt jedoch weniger verkrampft und mit weniger Fremdschäm-Elementen daher, als besagte Lümmel-Serie, gehört aber freilich ebenfalls jener Kategorie ehemaliger deutscher und österreichischer Komödien an, mit denen sich Cineasten von heute häufig schwer tun.

Sicherlich wird hier keine hohe Kunst geboten, und selbst für einen Trivialfilm sind Sprünge, wie der Übergang von der Feindschaft zur Freundschaft beim zentralen Liebespaar, billig, einfallslos und situativ nicht nachvollziehbar vom Drehbuch ausgearbeitet. Aber ein Werk wie "Der Musterknabe" guckt man immer ein wenig blauäugig, und ich mag diese Naivität mit der solche Filme erzählt sind, bzw. ihr unverkrampfter Umgang sich weder an angepasster Coolness, noch an professionelle Filmregeln halten zu müssen, um gelassen albern und entspannt ihr Nichts an Story zu erzählen, um einen auf Spielfilmlänge amüsant zu unterhalten. Gunther Philipp dreht nur selten zu sehr auf und weiß ansonsten zielgenau pointiert zu agieren, Peter Alexander beweist sich erneut schauspielerisch zu mehr fähig, als ihm häufig angekreidet wird, und an Musikszenen wurde gespart, so dass Zuschauer, die von solchen schnell genervt sind, eine Chance bekommen hier trotzdem gut unterhalten zu werden. Die drei Musikszenen, von der nur eine kompatibel und heiter ins Geschehen eingebaut wird, werden in der Mitte des Films jedoch kurz hintereinander gesetzt präsentiert, was aber auch bedeutet, dass man vorher und hinterher seine Ruhe hat. "Der Musterknabe" ist leichte Kost, dem es weder um Logik noch um Tiefgang geht. Und in seiner treffsicheren Komik und mit den begabten drei Top-Komikern dieser Zeit in den wichtigsten Rollen besetzt, weiß er Menschen ohne cineastische Tunnelblick-Erwartungen definitiv locker leicht, naiv und trivial zu unterhalten. Damit erfüllt er seine selbst gesetzten Ziele.  OFDb

16.03.2019

EIN DICKER HUND (1982)

Dass die 60er und 70er Jahre Klamaukkomödien Deutschlands mit Heimatfilmcharakter und Schlagersingsang ihr Ende gefunden haben, wollte manch einer in den 80er Jahren einfach nicht wahr haben. So tauschte man beispielsweise besagten Schlager gegen NDW aus, um Nena und Markus in "Gib Gas - Ich will Spaß" gegen die alte Garde auszutauschen, oder, wie im hier vorliegenden Falle, sparte man sich die Musikeinlagen fast komplett und mixte alte Vertreter besagter Gattung Film mit neuen, bzw. gerade wieder aktuellen Stars. Während Relax als eine der miesesten NDW-Bands tatsächlich als Band, anstatt als gespielte Rolle, zwei Hits beitragen darf, wird von Schauspielerseite aus überhaupt nicht gesungen. Der Humor der alten Dekade bleibt jedoch erhalten und zeigt in seiner Gnadenlosigkeit das Untalent der hier beteiligten Verantwortlichen hinter der Kamera auf.

Ich selbst habe mich im Laufe der Zeit der Komödienkost der 60er und 70er Jahre geöffnet und bin von meiner bisherigen Arroganz herabgestiegen, um den Werken eine tatsächliche Chance zu geben. Tatsächlich habe ich dadurch einige sympathische Werke entdeckt, sei es der grenzwertige, aber überraschend gut funktionierende, "Otto ist auf Frauen scharf", oder der harmlosere, aber äußerst unterhaltsame, "Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut", in welchem man es sogar schaffte Paul Löwinger positiv agieren zu lassen, dem es im selten dämlichen "Musik, Musik, da wackelt die Penne" inmitten von Peinlichkeiten gelang am peinlichsten zu agieren. "Ein dicker Hund" strahlt weder die Sympathie, noch den gelungenen Humor der ersten beiden Beispiele aus, wird in seiner grenzdebilen Infantilität und dem Unvermögen der meisten Beteiligten aber auch keine Trash-Granate wie letztgenannter Streifen. Zu verkrampft auf lustig getrimmt, ohne das Gespür für Timing, Choreographie und guter Witze zu besitzen, setzt er jeden seiner Darsteller des gnadenlosen Fremdschämens aus, was je nach Schauspieler überraschend oder als Dauerzustand ausfällt.

Willy Millowitsch spielt wie früher, also peinlich und wenig überzeugend, Heinz Schenk absolviert einen Gastauftritt, der eher Leergeschwätz als tatsächliche Lustigkeit beinhaltet, Gunther Philipp, einer der Lichtblicke der vergangenen Komödien-Dekade, wird verheizt, bekommt kaum Chancen zu zeigen was er kann, ist sich aber ebenso wie der Rest für keine Peinlichkeit zu schade (was in anders gearteten Werken oftmals ein Vorteil sein konnte), Helga Feddersen lässt wahrlich alles bis zur Ekelgrenze mit sich machen, im verzweifelten Versuch dadurch ein witziges Ergebnis zu ernten, was sie inmitten all der unlustigen Zoten am würdelosesten erscheinen lässt, und als Jungstar engagierte man Thomas Ohrner, der nicht nur ebenso unbegabt wie Hansi Kraus, der Jungstar der vergangenen Dekade, schauspielert, sondern zu alle dem auch noch unsympathischer wirkt als dieser. Man muss fast gesehen haben wie dilettantisch hier alle gemeinsam ein Kräftemessen des schlechten Humors abliefern, um wahrlich ein Ergebnis untersten Niveaus zu erreichen. Selbst Zuschauer die in den vergleichbaren Werken der zwei Jahrzehnte zuvor den Kopf schüttelten, werden einen extremeren Niveauabfall bemerken, als es bei den umstrittenen Klamauk-Komödien ohnehin schon immer der Fall war.

Franz Marischka, dem wir auch die üblen Filme "Sunshine Reggae auf Ibiza", "Die unglaublichen Abenteuer des Guru Jakob" und die "Lass jucken Kumpel"-Reihe zu verdanken haben, zeigt wieder einmal dass er es nicht kann. Verzweifelt versucht er dieses Meer an Peinlichkeiten, welches von einer nicht vorhandene Geschichte ablenken soll, mit zusätzlichen Schauwerten aufzuwerten, so z.B. mit einer längeren Szene bei den Winnetou-Festspielen, freilich kann man aber mit solchem Blickfang inmitten von dauerbestrahltem Unvermögen nichts mehr retten. Zahm umgesetzt, aber doch vorhanden, versucht es der gute Mann gelegentlich gar mit etwas weiblicher Nacktheit, wohingegen sich die Frauen mit Thomas Ohrner in Unterhose begnügen müssen, aber auch hier siegt selbstverständlich das Fremdschämen - leider auch mit Blick auf Gunther Philipp, der in solchen Momenten als Lustgreis nichts von seinem üblichen grotesken Charme zu versprühen weiß. Ich weiß nicht wie ich es in geselliger Runde geschafft habe diesen Müll bis zum Schluss zu schauen, aber ich habe es geschafft, ständig über die Dreistigkeit jemandem derartiges gegen Geld vorzusetzen lachend, anstatt über die gewollten Witze.  OFDb

23.09.2018

OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF (1968)

Franz Antel ist ein berüchtigter Regisseur der extrem albernsten Zeit deutschsprachiger Komödien. Neben diverser Sexpossen gehen auch billigste Kalauerfilme wie "Musik, Musik, da wackelt die Penne" auf sein Konto, und gerade mit diesem verglichen darf man doch erleichtert feststellen, dass "Otto ist auf Frauen scharf" weit weniger penetrant daher kommt als dieser. Freilich erhält man dieses Bild durch den direkten Vergleich, das hier besprochene Werk ist noch immer recht derb, wie typische Komödienvertreter dieser Zeit, mit Klamauk aufgebauscht. Aber gerade mit Blick auf Hauptdarsteller Gunther Philipp, der immer gern zum argen Überagieren neigt, überrascht der zurückgefahrene Ton, was aber freilich nur jenen Menschen auffallen kann, die des öfteren in Filmen dieser Art unterwegs sind. Ganz im Gegenteil zu allen Vorurteilen ist es sogar Philipp selbst, der in seiner Rolle als Otto zu überraschen weiß. Es ist nicht so, dass er nicht auch hier viele Möglichkeiten für ein theoretisch unnötiges Affentheater ausnutzen würde, aber man erkennt in seinem Spiel, ja selbst sogar in seinem Klamauk ein echtes Verständnis für die Rolle die er verkörpert und das macht bereits viel am unerwarteten Gelingen des Streifens aus.

Gelingen ist vielleicht ein wenig zu hochgegriffen, immerhin ist dies ein Franz Antel-Film, und da werden schräge Possen gern mit Humor verwechselt, Geschichten undurchdacht erzählt und vieles andere findet ebenso dilettantisch statt. Aber "Otto ist auf Frauen scharf" ist trotz dieser Eigenarten irgendwie anders. Es weht eine gewisse Unschuld über dem Projekt, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem ebenfalls recht amateurhaft ausgefallenem "Die Supernasen". Sicherlich ist die hier besprochene Komödie meilenweit davon entfernt ein professioneller und tatsächlich funktionierender Film zu sein, aber seine Unbedarftheit besitzt einen gewissen Charme, mal ausgelöst durch die Naivität, mal durch überraschend kreative Ideen, dann wieder aufgrund der sichtbaren Spielfreude aller Akteure. Was über allem diesem steht ist eine kindliche Mentalität, in der alles nicht so ernst gemeint ist wie es andere Filmschaffende nehmen würden. Trotz allerlei nackter Tatsachen bleiben selbst die "Erotikszenen" zahm, der Extremhumor ist freilich gar infantil ausgefallen, ebenso die Geschichte, die keine ist.

Die schmeißt schnell das Konzept des biederen Mannes, der für promiskuitiv gehalten wird, über Bord, um einen völlig wirren, undurchdachten Plot zu servieren, in dem keine der vielen Figuren irgendetwas in der Hand hätte um die Geschehnisse bewusst zu lenken. Der Zufall schwebt tatsächlich über allem. Otto wird zum gesuchten Millionenbetrüger, sein alter Schulfreund landet in der Klappse, Verwechslungen wie diese finden sich im Minutentakt im Film wieder, stets völlig überkonzipiert eingebracht, und da man dementsprechend auch kein Gefühl für psychologische Glaubwürdigkeit besitzt, verliebt sich die US-Dame freilich in den Casanova, wissendlich dass er einer ist. Und auch der verknocherte alte Otto gewinnt am Ende das Herz seiner neuen, jungen und attraktiven Sekretärin. Denn "Otto ist auf Frauen scharf" ist ein filmisch gewordener Altherrenwitz, so grausig und sympathisch zugleich wie eben solche, dies aufgrund der hohen Naivität und des kindlichen Charmes der über allem weht und aus einer eigentlich unangenehmen Chose etwas liebenswertes entstehen lässt. 

Immerhin ist der Film zahmer als der übliche Altherrenwitz, in manchen seiner Ideen überraschend treffsicherer als ein solcher, und so unbedarft und amateurhaft wie hier alles aneinander geleimt ist, kann man niemanden wirklich bös sein hier ein derart dilettantisches Werk auf die Nase gedrückt bekommen zu haben. Neben der sympathischen Hauptbesetzung mit Gunther Philipp sind es allerhand Nebenpersonen wie Hubert von Meryerinck, die für zusätzlich unschuldigen Charme sorgen. In einem Gastauftritt weiß auch der theoretisch völlig unwitzig und aggressiv komisch überdrehte Willy Millowitsch zu gefallen, was er der dazu passenden Inszenierung und dem Szenario in das er gepackt wurde zu verdanken hat, anstatt seinem überschätzten Talent. Und Heinz Erhardts Auftritt bildet wahrlich das Sahnehäubchen des Streifens, weiß aufgrund typischer Erhardt-Wortspielereien zu gefallen ("zahnlose Zuschauer") und aufgrund des kindlich anmutenden Parodie-Streiches rund um die Erfolgssendung "Wer bin ich". 

Gerade hier findet sich konzentriert angegangen jene unschuldige, kindlich komische Rezeptur wieder, die auch auf den überraschend gut funktionierenden Gesamtfilm zutrifft, freilich nur wenn man über seinen eigenen Schatten springen kann und einem solchen Extremklamaukfilm, aus geradezu typischen Tagen dieser Gattung Kino, eine echte Chance geben kann, anstatt ihn von Anfang an als Trash abzustempeln. Mag einiges auch eher unfreiwillig komisch sein, darauf reduzieren sollte man den Film nicht. "Otto ist auf Frauen scharf" ist eine wundervolle Unverschämtheit, eine sympathische Dreistigkeit sich Film nennen zu dürfen, und ein Glücksfall für Antel trotz allem vorhandenen Dilettantismus doch noch (und weil es so ist) zu funktionieren, nicht jedoch aufgrund einer bewussten Handlung oder Denkweise von Antels Arbeit. Das Ergebnis ist dem Zufall geschult. Inmitten vieler ähnlich angegangener Projekte (auch von Antel selbst) hebt sich dieser Film auf ungewöhnliche Art von der restlichen Nerverei ab, obwohl alles dafür spricht, dass auch er ein solcher Kandidat ist. Manches muss man einfach auf sich wirken lassen und akzeptieren, anstatt verzweifelt zu analysieren was den Unterschied ausmacht.  OFDb

27.11.2016

WENN MEIN SCHÄTZCHEN AUF DIE PAUKE HAUT (1971)

„Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ erobert mit seinem verspielten Charme schnell die Herzen des Zuschauers, zumindest wenn dieser weiß worauf er sich einlässt, wenn er eine deutsche Heimat-Schlager-Komödie, besetzt mit den damals dafür üblichen Stars, sichtet. Peter Weck präsentiert uns allerhand kunterbunte Charaktere und Situationen, schenkt sich selbst eine herrlich alberne und überzogen Klischee-hafte Rolle, so als dürfte er so gegen den Strich besetzt erst agieren, wenn er selbst auf dem Regiestuhl sitzt. Sicherlich wird mit den Running Gags auf 90 Minuten etwas zu sehr übertrieben, aber das Herz sitzt am rechten Fleck innerhalb einer Geschichte, die eigentlich keine ist.

Eigentlich erzählt Weck diverse Parallelhandlungen und vereint diese irgendwann gekonnt, eigentlich sogar zu professionell für solch konstruierte Grundszenarien, die so gar keinen Sinn ergeben wollen. Aber auf jede lässt man sich nur all zu gerne ein, sind doch alle Beteiligten mit sichtbarer Spielfreude dabei und lässt sich der Film doch Zeit seine „Geschichte“ in Ruhe zu entfalten. Dementsprechend darf es verwundern, dass die, laut Vorspann, zweite Hauptrolle Uschi Glas erst nach etwa 20 Minuten in Erscheinung tritt und besser denn je ins Geschehen integriert wird, dauert es in dieser anspruchslosen Rolle doch einige Zeit, bis sie sich als schauspielerisch untalentiert outet, was in anderen Filmen stets früher klar wurde. Dass es dann ausgerechnet eine der wenig lebensnahen Situationen ist, die sie als Stümper ihres Fachs auffliegen lässt, eine Szene in der sie eigentlich nur schadenfroh hätte lachen müssen, beweist um so mehr wie schnell die Frau, deren Frisur diesmal nicht so penetrant geraten ist wie sonst, schauspielerisch überfordert ist.

Ein schelmischer Theo Lingen, ein schurkischer Peter Weck, ein überraschend sympathischer Roy Black, ein wunderbar alberner Paul Löwinger und ein positiv routiniert agierender Gunther Philipp halten dagegen, lediglich Ilja Richter kommt trotz größerer Präsenz zu kurz, hat er doch eine ziemlich langweilige Rolle erwicht, die sich ziemlich schnell abnutzt. Freilich ist auch er sich, wie alle anderen Beteiligten, für nichts zu schade. Mag so mancher lustig gemeinter Unfall auch eher für Fremdschämen als für einen echten Lacher sorgen, so stellt sich die unbekümmerte Comic-Art des Streifens diesem Nachteil doch mutig gegenüber und präsentiert uns realitätsferne Spinnereien, wie sie auch nur beim hemmungslosen, fast wie selbstgedreht wirkenden, Herumalbern funktionieren können.

Wenn Löwinger als über dem Wasser schwimmender Fisch von einem Angler verfolgt wird, Anitas Papa stets seinen Wohnwagen verliert ohne es zu merken oder Löwinger in an Sherlock Holmes angelehnten Anziehsachen einen Kriminalfall löst, der keiner ist, dann ist die Stimmung auf einem Hoch, zugegeben auf höchst naiver Ebene, aber durch den Charme, welcher den Film vollzieht, eben doch nicht nur von einem Sympathisanten dieser filmschaffenden Zeit gönnerhaft gnädigst mit einem Augezudrücken zugesprochen, sondern tatsächlich vorhanden.

Dass das eigentliche Rezept des Streifens ziemlich simpler Natur ist, ist kein Geheimnis. Allein wie unverschämt man versucht den Erfolg der Pennälerkomödien mit in eine Heimatkomödie zu integrieren, zeigt wie sehr man von jedem Erfolgskuchen ein Stückchen ab haben wollte. Allerdings gelingt es „Wenn mein Schätzchen auf die Pauke haut“ sehr gut, eben weil er eigentlich keine wirkliche Geschichte besitzt, all die verschiedenen Schwerpunkte unter einen Hut zu bringen, so dass man am Ende fast glaubt, tatsächlich einer Geschichte beigewohnt zu haben. Dass es der Streifen zudem schafft, die Instrumentalversion des höchst nervigen Songs „Schön ist es auf der Welt zu sein“, atmosphärisch stimmig einzubauen, ist ein weiteres heile Welt-Kunststück für sich das hier vollbracht wird.  OFDb

13.11.2016

ICH ZÄHLE TÄGLICH MEINE SORGEN (1960)

Im Gegensatz zu den meisten anderen Komödien in denen Peter Alexander einen Schelm spielt gerät die zentrale Figur einmal nicht aufgrund eigener Lügen in eine verzwickte Verwechslungssituation. Diesmal ist die Hauptfigur selbst das Opfer. Und dass die Wahrheit nicht all zu schnell ans Tageslicht rückt verdanken wir einem recht guten Drehbuch, welches die Irrungen und Wirrungen aufgrund stets neu aufkommender Beweggründe einzelner Beteiligter immer im Blick behält. Zwar ist den Beteiligten kein Wunderwerk der leichten Komödie geglückt, aber kurzweilig ist „Ich zähle täglich meine Sorgen“ durchaus ausgefallen.

Die Musikauswahl ist eher enttäuschender Natur, einzig der titelgebende Song weiß zu gefallen. Der Rest bewegt sich im Mittelmaß, wird oftmals aber durch einfallsreiche Tanzeinlagen aufgefangen. Gerade die imposante Gruppen-Tanzszene, welche das Finale einleitet, entpuppt sich als wahrer Hingucker, bevor die interessante, wie zum Schmunzeln anregende Choreographie in einer Massenschlägerei endet.

Zum positiven Gesamtbild trägt auch Peter Alexanders weibliche Begleitung Ingeborg Schöner bei, die nicht nur der niedliche Sidekick Alexanders sein darf, sondern in ihrer frechen Rolle verspielt aufblüht und sichtlich Spaß am Spiel und Tanz verspürt, was schließlich auch den Zuschauer ansteckt. Zudem ist ein Gunther Philipp an der Seite Alexanders stets ein Pluspunkt. Zwar sind seine Auftritte nicht so herrlich komisch ausgefallen wie in „...und sowas muss um acht ins Bett“ oder „Hilfe, meine Braut klaut“, aber auch als Schurke und eher unfreiwilliges Anhängsel Alexanders weiß er zu gefallen. Den ruppigen Part, den sonst er übernimmt, darf diesmal Paul Esser in der Rolle des Kapitäns spielen, der mit seinem Seemannsschimpfen einen eigenen recht interessanten Charakter entwickelt hat.

Ansonsten folgt alles dem üblichen Muster dieser Art Film, inklusive eines Happy Ends, in welchem sich alle Unwahrheiten schneller aus dem Weg schaffen lassen als man meinen sollte, wobei lediglich der Handlungsstrang um das nach Hollmann buhlende Modell nicht zu Ende gedacht wird. Wurde sie während der Hauptgeschichte noch als oberflächliche Person dargestellt, die lediglich der Karriere und dem Geld wegen etwas mit dem Modedesigner anfangen wollte, so scheint sie in ihrem stummen Auftritt während der Schluss-Sequenz glücklich mit ihrem falschen Hollmann zu sein, von dem wir nicht wissen ob er über eine erfolgreiche Vertragsvermittlung nun auch halbwegs reich geworden ist.

Wie auch immer, Freunde von Peter Alexander-Romantik-Musik-Komödien kommen auf ihre Kosten. Wer dies nicht ist wird auch mit „Ich zähle täglich meine Sorgen“ nicht viel anfangen können, dafür ist der Streifen zu innovationslos, bietet zu wenig wahre Lacher oder anderweitigen Sehwert. Erst wer den Charme der beiden Hauptdarsteller spürt wird auch mit diesem kleinen nostalgischen Ausflug in die 60er Jahre glücklich werden.  OFDb

12.05.2016

AUSSER RAND UND BAND AM WOLFGANGSEE (1972)

Zwei Jahre nach „Musik, Musik - Da wackelt die Penne“ trommelte Regisseur Franz Antel noch einmal einen Großteil der Darsteller von einst zusammen, um ein Remake des ingesamt drei mal von ihm verfilmten „Eva erbt das Paradies... ein Abenteuer im Salzkammergut“ zu drehen. Obwohl auch Gunther Philipp und Paul Löwinger mit an Bord sind, ist die erneute Zusammenkunft der fröhlichen Truppe keinesfalls das Produkt selbiger kaum auszuhaltender Extremkomik geworden, wie das damals mit Ilja Richter und Hansi Kraus besetzte Werk, von denen diesmal lediglich noch Hansi Kraus für eine Nebenrolle übrig geblieben ist.

Freilich ist „Außer Rand und Band am Wolfgangsee“ das typische Feel Good-Produkt seiner Zeit geworden, aber er ist nicht so penetrant erzählt wie Antels oben zuerst erwähnte Komödie. Einzig Löwinger spielt dominant wie er immer spielt, diesmal in der Rolle eines Sympathisanten, und isoliert von anderen Extremkomikern funktioniert sein gewöhnungsbedürftiger Humor sogar überraschend gut, was mich schon sehr verwundert hat. Hauptsächlich lebt der Film freilich von seinem höchst naiven Optimismus und seinem fast schon dilettantischen Flair, welches durch Spielfreude, gute Laune und einem Touch unfreiwilliger Komik den nötigen Mix ergibt um auf naivster Basis nett trivial unterhalten zu werden.

Leider gibt Michael Schanze weder musikalisch noch als lässiger Held viel her. Sein müdes Gesinge vereint sich so gar nicht mit dem frech gewollten Stil des jungen Hotels. Und die extra für den Film eingekaufen Musikstars, Roberto Blanco und irgendeine Black-Band die kaum noch wer kennt, sind billig in den Film eingebaut, spielend auf einer Bühne die nie Berührung mit den Drehorten am Wolfgangsee fand, geschweige denn Berührung mit den Figuren des Filmes.

Als einzig positiv erweist sich musikalisch das versöhnliche Zusammenspiel von Michaels lässiger Combo mit der spießiegen Dorfkappele, die zunächst eine Art Duell spielen, um schließlich wunderschön vereint mit ihrem jeweiligen Stil zu harmonieren. Mit dieser Musikszene wird symbolisch eine größere Aussage getroffen als Worte je hergeben könnten, ohne in dieser unendlichen Fröhlichkeit und dem keine schwarzen Wolken am Himmel kennenden Optimismus heuchlerisch oder lächerlich zu wirken.

Zwar gibt es nur die übliche, in solchen Komödien ewig wiedergekäuerte, Geschichte zu erleben, in welcher junge Leute sich mit List, Tücke und ohne gesunden Menschenverstand aus einer finanziellen Misere befreien, aber das spielfreudige Team aus mal wenig und mal noch weniger talentierten Mimen bringt das Ganze schon recht ordentlich und halbwegs unverkrampft rüber, manchmal mit überraschend tauglichen Witzchen versehen, meist aber einfach nur, ohne hervorhebenswerte Pluspunkte, den Geist seiner Zeit toll einfangend, selbstverständlich nur für Leute goutierbar, die mit den überholten heile Welt-Filmchen dieser Zeit etwas anfangen können. Mir hat es besser gefallen als so manch zu chaotische deutsche Komödie der 70er Jahre.  OFDb

17.03.2016

KOMPANIE DER KNALLKÖPPE (1971)

Militärkomödien wissen bei mir in der Regel nicht zu wirken, und bis auf „Combat Academy“, in den 80er Jahren mit dem jungen George Clooney gedreht, fällt mir spontan auch kein Genrebeitrag zu diesem Thema ein dem ich etwas abgewinnen konnte. Die Sichtung von „Ich glaub‘ mich knutscht ein Elch“ ist zu lange her um fair darüber zu berichten, „Eis am Stiel 4“ hatte seine Momente, nervte aber eher anstatt zu belustigen, „NVA“ fiel mir zu brav aus, „Ernest beim Militär“ schaffte es die ohnehin schon unterirdische Komödienreihe um Komiker Jim Varney um ein paar weitere Peinlichkeiten zu unterbieten. Und wenn dann eine Militärkomödie ausgerechnet aus der eher zotigen Zeit der deutschen Klamotten der 60er und 70er Jahre kommt, kann man eigentlich schon jegliche Hoffnung im Vorfeld über Bord werfen.

Dabei ist die gute Nachricht zunächst, dass sich viele Gesichter aus der recht amüsanten „Die Lümmel von der ersten Bank“-Reihe, wohl das erträglichste Produkt dieser Blödelzeit, sich auch bei der „Kompanie der Knallköppe“ versammelt haben. Zwar sind die wichtigsten Rollen mit Eddi Arent, Ilja Richter und Gunter Phillip besetzt, von denen nur einer einmal als Gast in einem Lümmel-Teil um die Ecke schielte, ansonsten ist aber reichlich Prominenz aus besagten Pennälerfilmen vertreten, so der Knörzerich Rudolf Schündler, Hansi Kraus, Ruth Stephan und Hans Terofal, den die meisten wohl als Hausmeister Bloch kennen dürften.

Nur leider weiß diese Zusammenkunft nicht wirklich etwas zu retten. Der in Bayern spielende Film nervt bereits durch die häufige Verwendung des dort gesprochenen Dialektes, die Geschichte folgt einfallslos dem klassischen Muster der Verwechslungskomödie und was wirklich lustig daran sein soll, wenn beispielsweise ein kleines Licht des Militärs bei der Apfelernte einen Apfel an den Kopf bekommt, dabei die Ehefrau seines Vorgesetzten von der Leiter stößt, die daraufhin Huckepack auf seinen Schultern landet, weiß wahrscheinlich auch nur jener, der über Filme wie „Flotte Teens und die neue Schulmieze“ lachen kann. Da wird geblödelt ohne auf dem Fundament einer guten Idee aufzubauen, frei nach dem Motto wer zu schriller Musik herumhampelt muss bereits komisch sein.

Dementsprechend gibt es auch wirklich wenig über „Blaue Jungs in Oberbayern“ (Alternativtitel) zu berichten. Eddi Arent, der in der Wallace Reihe durch seinen ungewöhnlichen Humor aufzufallen wusste und den man nur selten als Hauptfigur in einem Film dieser Zeit besetzt sieht, weiß nicht nur nichts Niveauvolleres dem hemmungslosem Herumgeblödel hinzuzufügen, er ordnet sich sogar noch brav dem Nonsens unter, schafft es aber neben dem ebenfalls sympathischen Ilja Richter zumindest noch ab und an wenigstens halbwegs brauchbare Szenen zu bescheren, so z.B. bei der Zumüllung der Wohnung einer erhofften Kundin, bei welcher das Staubsaugermodell sich als fehlerhaft herausstellt, so dass die arme Frau das Chaos am Ende selbst beseitigen darf.

Doch Momente wie diese, die gerade noch als okay durchgehen, sucht man meist vergebens in einem Film der unter Komödie versteht dass möglichst viele Deppen einander anschreien und für Verwirrung sorgend trottelig durch die Gegend tappsen. Ich kann Komödien wie „Musik, Musik - Da wackelt die Penne“ zumindest noch als unfreiwillig komischem Trash etwas abgewinnen. Werke wie „Hilfe, ich liebe Zwillinge“ und „Unsere Pauker gehen in die Luft“ gehen für mich noch als okay durch, „Klassenkeile“ und „Immer Ärger mit den Paukern“ schaue ich sogar recht gern. Aber „Kompanie der Knallköppe“ ist solch ein penetrant unsympathisches, aufdringliches Geblödel, dass einem selbst der unterirdische „Wenn die tollen Tanten kommen“ mit Rudi Carrell und Ilja Richter automatisch gleich besser vorkommt als zuvor. Lustig ist hier so gut wie gar nichts. Rolf Olsens Werk läd leider lediglich zum Fremdschämen und frühzeitigen Ausschalten ein.  OFDb

19.10.2014

HILFE, MEINE BRAUT KLAUT (1964)

Im selben Jahr des sympathischen „...und sowas muss um acht ins Bett“ drehte Peter Alexander mit Regisseur Werner Jacobs und Schauspiel-Kollege Gunther Philipp „Hilfe, meine Braut klaut“. Anstatt Schlagersängerin Gitte Haenning agiert diesmal Schlagersängerin Cornelia Froboess an seiner Seite, und anstatt diesmal den Pennäler-Komödien a la „Die Lümmel von der ersten Bank“ vorzugreifen erleben wir die klassische Verwechslungs-Komödie a la „Schäm Dich, Brigitte“, jedoch versehen mit einem romantischem Schwerpunkt a la „Hilfe, ich liebe Zwillinge“.

Gesungen wird auch, jedoch erleben wir zuvor angenehme 51 Minuten in denen dies nicht getan wird. Ab dann gibt es kein Halten mehr. Ein Lied folgt dem nächsten, innerhalb von 12 Minuten 4 Lieder, und dann kehrt wieder Ruhe ein, und die Geschichte kann ohne die Unterbrechung eines kompletten Liedes fortgesetzt werden. Mit Gesang muss man in einem Peter Alexander-Film rechnen, so war die alte Zeit, und nicht jeder Song nervt.

So wird beispielsweise ein auf russisch getrimmtes Lied recht liebevoll in das tatsächliche Geschehen integriert, noch treffender wird ein Lied in das Szenario eines 50. Hochzeitstages eingebaut. Mancher Song, der erste zum Beispiel, wird jedoch nur vor sich hin geträllert ohne wirklich kompatibel mit dem Restfilm zu sein. Das ist schade. Ein heiteres Duett mit Gunther Philipp, der Höhepunkt von „...und sowas muss um acht ins Bett“, gibt es diesmal leider nicht zu erleben.

Wesentlich angenehmer sind jedoch die unbesungenen Szenen in einer Geschichte, die etwas zu sehr bemüht mit Verwirrungen um sich schmeißt und damit manchmal etwas zu extrem in den Klamaukbereich abrutscht. Das schadet dem ansonsten recht charmant gespielten und geschriebenen Film schon ein wenig, letztendlich bleibt „Hilfe, meine Braut klaut“ jedoch sympathisch genug um simpel unterhalten zu werden. Philipp spielt stur und starrsinnig wie gehabt, mit einer liebevollen Übertreibung zu seinem Beruf als Detektiv, was fast ein wenig an „Sledge Hammer“ zu erinnern weiß. Und Peter Alexander beweist mal wieder dass er mehr als nur der vor sich hin trällernde Schlagersänger in einem Spielfilm ist, setzt Mimiken treffsicher ein, tanzt choreographisch leichtfüßig und weiß auch sonst seine schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen.

Etwas mager wirkt die Darstellung seiner Schlagerkollegin Froboess, die zwar austauschbar spielt, aber ohnehin nur das Anhängsel des männlichen Duos ist, welches für die wahren Lacher der Geschichte verantwortlich ist. Das sind dann zwar (mittlerweile?) eher kleine Schmunzler als große Lacher, aber sie wissen zu gefallen, wirken nur selten krampfhaft gewollt wie in dem Szenario um das Aneinandergekettetsein mit schlüssellosen Handschellen, sondern gefallen meist, so z.B. in der parallel zur Handschellensituation ablaufenden Szene, in welcher der mit Haase befreundete Detektiv in einem teuren Restaurant feststellen muss, dass seine Begleitung mit Vorliebe teuren Champagner trinkt, während er pleite auf seinen Kumpel wartet, der ihm Geld vorbeibringen wollte.

Der letzte Schliff zur wahrlich gelungenen Verwechslungs-Komödie fehlt, und die Grundlage warum die Millionärin lügt ist ein wenig dünn aufgetragen, aber „Hilfe, meine Braut klaut“ weiß auf klassische und damals zeitgemäße Art zu unterhalten und verkommt nicht zum pausenlosen Singsang, der manch anderen Peter Alexander-Film unerträglich macht. Der international benannte „Help, My Bride Steals“ ist der Zwischendurchverzehr für Freunde der leichtfüßigen 50er/60er-Jahre Phase deutscher und österreichischer Komödien. Wer als Cineast Gefallen an dieser Art nostalgischer Filmkunst hegt, kann bedenkenlos reinschalten.  OFDb

10.04.2014

PIRATENSENDER POWER PLAY (1981)

Ein Jahr bevor Mike Krüger und Thomas Gottschalk im Fast-Amateurfilm „Die Supernasen“ einen großen Kinoerfolg vorlegten, steckte man sie in einer professionelle Produktion zusammen, die sich schaut als habe man den klassischen und in den 70er Jahre gestorbenen Schlagerfilm mit Roy Black und Co modernisieren wollen. Nicht nur dass bis auf das von Mike Krüger vorgetragene Lied „M-M-Mädel“ alle weiteren Songs, passend zur Geschichte, vom Band kommen anstatt innerhalb des Streifens vorgesungen zu werden, die Lieder sind zur Entstehungszeit passend peppig, da rockig, gewählt. Schmusesongs, wie zuvor in solchen Werken abgeliefert, kann also suchen wer will, und der Grad des illegalen Handelns, der schon immer in solchen Filmen wichtiger Teil der Handlung war, wird ein wenig erhöht.

Nahm Peter Alexander z.B. bei „Die Abenteuer des Grafen Bobby“ betrügerisch einen Job an, der eigentlich für eine Frau gedacht war, oder täuschte man in „Musik, Musik - Da wackelt die Penne“ einen Schulbetrieb vor, um Pädagogen zu linken, so betreiben unsere Helden mit geradezu anarchischem Charme einen illegalen Radiosender, nicht nur wissendlich das Gesetz zu brechen, sondern provokativ damit etwas verändern wollend, nämlich die ihrer Meinung nach öde Radiolandschaft zu verbessern. Hierfür fallen freche Sprüche von Thomas Gottschalk, der bereits drei Jahre zuvor in „Summer Night Fever“ einen DJ spielen durfte, und der aus der Musikbranche berühmte Mike Krüger, der bislang noch in keinem Film aufgetreten ist, darf die Werbelandschaft besagter Zeit mit lustig gemeinter Radio-Reklame parodieren.

Um ein Bindeglied zwischen Schlagerfilm und dem neu anvisierten coolen Stil der Heimatkomödie vorzeigen zu können, ist Gunther Philipp mit an Bord, der in allerhand Werken, wie dem eben erwähnten „Musik,Musik, da wackelt die Penne“ auf gleiche Art teilgenommen hat, wie er auch hier in „Piratensender Power Play“ eingesetzt wird. Das gibt dem Stammpublikum ein Stück alte Rezeptur, um sich mit der Modernisierung besser anfreunden zu können.

Mit Evelyn Hamann, die schon in den 70er Jahren spätestens durch die Sketchsendung „Loriot“ einen Bekanntheitsgrad erlangt hatte, hatte man zudem eine talentierte Schauspielerin mit an Bord, was beim amateurhaften Spiel der beiden Titelhelden auch dringend nötig ist, tapsen sie doch etwas unbedarfter durchs Zelluloid im Vergleich zu einem Peter Alexander und Rudolf Schündler, die immerhin über Schauspieltalent verfügten. Amateure einzusetzen war für die musikalische Heimatkomödie trotzdem ein Stück Tradition, man denke an Werke mit Rudi Carrell, Ilja Richter, Hansi Kraus und Co, die alle in Hauptrollen besetzt wurden, obwohl sie keine Profis im Filmbereich waren. „Piratensender Power Play“ erfindet die Gesetze des Genres diesbezüglich somit nicht neu.

Mit Regisseur Sigi Rothemund wurde auch kein traditioneller Mann des Genres Heimat-Komödie engagiert. Er drehte zuvor meist erotische Werke, mal lustig gemeinte, hin und wieder aber auch aus dem Drama-Bereich. Zu seinen berühmtesten Arbeiten dürfte die Fertigstellung der TV-Serie „Timm Thaler“ zählen, die ein Jahr nach „Summer Night Fever“ entstand, in welchem er erstmals mit Thomas Gottschalk zusammen gearbeitet hat, der mit am Drehbuch zu „Piratensender Power Play“ beteiligt war.

Die Geschichte setzt auf klassische Momente. So müssen Tommy und Mike sich auch mal als Frauen verkleidet tarnen und werden auch gleich für die neuen Lehrerinnen eines Gymnasiums gehalten. Dann darf Gottschalk auch mal kurz aufgrund einer weiteren Verwechslungen einen Gott in Weiß mimen. Die Story des hier besprochenen Streifens folgt geradezu klassisch den Gesetzen des Schlagerfilms und setzt auf der anderen Seite Schwerpunkt-mäßig bereits auf das, was in den späteren Filmen um die „Supernasen“ Standard-Rezeptur werden sollte: freche Sprüche, Verwechslungen, Verkleidungen und Provokationen.

Tommy und Mike sind frech, handeln illegal und sie provozieren. Und doch wirkt alles unheimlich brav, zumal die frechen Sprüche so gar nicht ziehen wollen, die Rebellion gegen die Normen allein durch den Knebelvertrag samt Werbepflicht verwässert wird und die Provokationen stets in passivem Verhalten enden. Wild und rebellisch sind Tommy und Mike nie wirklich, und als Nachfolger von Roy Black und Co versteht man auch warum sie so zahm gehalten wurden. Dass die Zeit auf deren Spuren zu wandeln eigentlich längst vorbei war, mussten Krüger und Gottschalk ebenso am eigenen Leib erfahren wie die Teilnehmer des zwei Jahre später entstandenen „Gib Gas - Ich will Spaß“, der den Schlager lediglich durch die gerade angesagte Neue Deutsche Welle austauschte. Sicher, beide Filme machen auf ihre Art genügend Spaß um dran zu bleiben, aber eine neue Welle moderner musikalischer Heimat-Komödien haben sie nicht lostreten können. Es blieb bei ein paar kläglichen Versuchen.  OFDb

19.11.2013

MUSIK, MUSIK - DA WACKELT DIE PENNE (1970)

Die 60er und 70er Jahre-Generation deutscher Filmemacher hat viel Mist verzapft für den man sich gerade mit Blick aufs Ausland und dem was diverse Länder zeitgleich für das Kino geschaffen haben schämen müsste. Und die kleine Stinkperle „Musik, Musik - Da wackelt die Penne“ gehört neben Rudi Carrells und Ilja Richters Tuntenausflügen der tollen Tanten und Karl Dalls Film-Verbrechen „Sunshine Reggae auf Ibiza" ganz klar zu den peinlichsten "Komödien" die je das Lichtspielhaus erblickten. Im Gegensatz zu den Vergleichsfilmen weiß Antels Humorlegastheniker-Traum aber zumindest auf unfreiwillig komischer Ebene zu gefallen, zumal sich hinter all dem Schrott ein gewisser Charme nicht komplett verstecken lässt. Wenn ich nur wüsste wo ich anfangen soll...

Ilja Richter, von den Idiotenkasperles der damaligen Zeit noch irgendwo der sympathischste, hat null Probleme damit Peinlichkeiten zu unterbieten und hatte scheinbar ein dickes Fell, denn ein solches Spiel müsste ihm schon damals eine Menge Kritik eingebracht haben. Wallace-Filme liefern uns schließlich den geschichtlichen Beweis, dass nicht ganz Deutschland verstrahlt war. Leider erwarten Zugpferd Ilja und Regisseur Antel aber auch vom Publikum ein dickes Fell, um das Werk überhaupt bis zum Ende erleben zu können. Das ist vom Normalzuschauer schon etwas zu viel erwartet, und selbst Trash-Freunde wie meiner einer müssen sich trotz aller Sympathie für diesen Schrott eingestehen: so unfreiwillig komisch das auch ist, es ist gleichzeitig auch recht anstrengend zu sichten.

Bei meiner Erstsichtung ging ich an diesen Film heran mit einer ungefähren Erwartung a la "Hurra, die Schule brennt", jenem Teil der nicht nur von unfreiwilliger Komik lebenden „Die Lümmel von der ersten Bank“-Reihe, der im Gegensatz zu den anderen 6 Teilen komplett im Trash badet. Dieser war cineastisch gesehen jene Art von Müll die lustig und peinlich zugleich war. Er war aber noch guckbar in Hinsicht darauf, dass man sich trotz aller Belustigung denken konnte, dass es für diesen Irrsinn ein ernst gemeintes Publikum gab. Dieses Gefühl geht bei "Musik, Musik - Da wackelt die Penne" vollkommen flöten. Selbst Schlagerfreunde, die im hier besprochenen Film mit viel Musik bedient werden, können nicht diesen grausamsten aller grausamen Albernheiten ernsthaft auf die Art witzig finden, wie dies einst gemeint war. Oder doch? Ich bekomme Angst!

Spitzenreiter für den Bodensatz übelstem Klamauks ist der von Paul Löwinger gespielte Hausmeister. War diese (dort von wem anders gespielte) Rolle in Lümmelteilen sogar noch freiwillig komisch besetzt, so ließ man hier einen komplett unwitzigen Mann auf die Menschheit los, der immer stammelt, rumhampelt und dem man ansieht für wie witzig er sich selbst hält. In seiner Heimat Österreich war dieser Volksschauspieler seinerzeit gar Kult, prägte jene Form Theater, an dessem Konzept sich Peter Steiner später erfolgreich dreist bediente, und erfand mit dieser Komik einen Zweig der seinerzeit wohl als ähnlich modern, provokant und skurril empfunden wurde, wie heute die zurecht anerkannte Kunst eines Helge Schneiders. Diesen Respekt kann man Löwingers Humor leider nicht mehr entgegen bringen, ist er im Gegensatz zu Helges Humor doch kein beobachtender und in seiner Extreme wirklich nur noch peinlich zu nennen. Der gute Mann hatte scheinbar das Glück mit diesem Klamauk den Geist der Zeit zu treffen. Hüllen wir von nun an lieber den Mantel des Schweigens über seinen Humor.

Hansi Kraus, der ewige Lümmel, kommt in diesem Streifen etwas zu kurz, da er nicht mitsingt und andere für die Streiche verantwortlich sind. Er ist lediglich als Publikumsliebling mit an Bord. Ein längst vergessener Stimmenimitator, dessen Name ich nicht kenne, stiftet sein Talent dem Film, um daraus mieseste Witze zu ernten, und Howard Carpendale liefert einen der unsinnigsten Gastauftritte ab, indem er auf einem fahrenden Boot im Schneidersitz sitzend seinen ersten Hit "Das schöne Mädchen von Seite 1" trällert, ohne dabei in die eigentliche Geschichte integriert zu werden. Um dem ganzen doch einen losen Zusammenhang zu geben, wird kurz der büffelnde Hansi Kraus eingeblendet, der kurz klagt er könne nicht lernen, wenn Howie singt. Zumindest das ist lustig, wenn auch aus dreistem Grund eingebaut.

Der Part der bösen Lehrer ist auch zehn mal extremer gespielt als bei den Lümmel-Filmen. Dessen Oberbösewicht Knörzerich, gespielt von dem sehr talentierten Rudolf Schündler, darf diesmal den Part eines sympathischen Erwachsenen namens Onkel Emma spielen. Doch selbst als Klassenlehrer in besagter Lümmel-Reihe war seine Figur nicht losgelöst von Sympathie angelegt. Ein solcher Bezug fehlt in der hier angewendeten Lehrerbesetzung komplett, was vom Film aber auch so gewollt ist.  Die Lehrer sind derart überzogen dargestellt, dass freiwillige Komik kaum noch möglich ist, bei Gunther Philipp und der weiblichen Pädagogin sogar gar nicht mehr. Die ständigen sexuellen Anspielungen zweier Lehrer sind derart verklemmt, dass nur noch der übelste Karnevalsclub-Spießer darüber lachen kann, auch wenn die lange Unterhose des männlichen Parts auch heute noch auf freiwillige Art belustigt.

Die Streiche der "Schüler", das Highlight von Filmen wie „Klassenkeile“, „Die Lümmel von der ersten Bank“ und „Immer Ärger mit den Paukern“ sind entweder völlig überkonstruiert (Haschisch im Feuerlöcher) oder peinlich aufgrund des Alters der Schüler. Mancher Gag würde heutzutage maximal von einem 5-Klässler ausgeführt werden ohne sich zu schämen. Da mag der Blick von heute etwas ungerecht wirken, ich weiß es nicht, aber in diesem speziellen Fall kann ich mich einfach nicht in die damaligen Sehgewohnheiten hineinversetzen, so wie man es sonst bis zu einem gewissen Grad bei Klassikern der Filmgeschichte kann.

Das Grundszenario des Streifens ist auch schön peinlich zu nennen (ich weiß, ich benutze dieses Wort diesmal sehr oft, aber nur peinlich trifft es wirklich): die jungen Leute wollen ein Musical a la "Hair" inszenieren. Leider tanzen sie dafür zu viel zu schlechter Musik (das Titellied schießt den Vogel ab) und hampeln viel zu extrem und unchoreographiert dabei herum. Dieses Hampeln muss man ernsthaft gesehen haben, um zu wissen wie übertrieben es tatsächlich ist, gerade im Hinblick darauf, dass wir Proben beiwohnen dürfen. Was bei diesem improvisierten und ziellosen „tanzen“ geprobt werden muss, erschließt sich dem Zuschauer nicht. Und wenn in Sololiedern mal manch einer von den Kids ruhige Töne anstimmt, dann hampeln die anderen auf ruhigere Art mit, quasi ADHS unter Valium, und machen dabei zudem schlechte Grimassen.

Natürlich gibt es innerhalb der ohnehin schon unsinnigen und völlig überzogenen Szenen Unlogiken zuhauf zu entdecken. Hier sei nur einmal kurz meine liebste erwähnt: ein zur Entstehungszeit typischer Kassettenrekorder wird an einem Seil aus dem Fenster herunter gelassen und startet zum richtigen Zeitpunkt von selbst, obwohl keiner die Play-Taste von oben bedienen kann.

Genial unfreiwillig komisch ist auch die Besetzung eines der Mädels in der Klasse einer Grundschule, die zu einem Nebenstrang der eigentlichen Geschichte um Abiturienten gehört. Selbst für ihr junges Alter betrachtet völlig talentfrei sitzt sie als eines von vielen Kindern im Klassenraum, hat dabei ein ganz übles gekünsteltes Grinsen im Gesicht, und die Kamera hält aus der Masse heraus genau bei ihr an, so dass sie einen Sonderposten in einem der  peinlichsten Lieder bekommt, welches Unterricht in Form von Gesang demonstrieren soll. Beachtung verdient der völlig bescheuerte Text „Wir wissen 2x2 ist 4 und 4 ist 8. Bei 3x3 da haben wir schwer nachgedacht“, der von den Schülern in einer Fröhlichkeit vorgetragen wird, die verboten gehört. In einer späteren Szene sitzt Chris Roberts in der Klasse und singt dem eben erwähntem blonden Mädchen Liedzeilen wie "Baby, ich wollt ich wär, oh Baby Dein Teddybär" vor.

Wenn man einmal davon absieht welch bösen Nachgeschmack dieses Lied heutzutage hat in Zeiten von Pädophilen-Hysterie, so ist es doch anhand dieser zwei Beispiele nicht zu übersehen, dass da irgendwer, der für diesen Film Geld beigesteuert hat, erzwungen hat eine Verwandte in den Streifen unterzubringen, die Tochter, die Nichte, wen auch immer. Warum sollte sonst eine dumme Gans mit null Talent die anderen talentlosen Nullen toppen können? Wir danken dieser unbekannten Person dennoch, denn der Trash-Fan kann über solche Momente Tränen lachen.

Goldigste Beispiele der unfreiwilligen Komik dürften nun genug genannt sein. Meidet diesen Film, wenn ihr nicht über Müll lachen könnt! Und könnt ihr dies, so seid dennoch gewarnt: „Musik, Musik - Da wackelt die Penne“ ist anstrengender als die meisten anderen deutschen "Komödien" dieser Zeit. Meiner Meinung nach ist er diese Mehrkonzentration des Zuschauers aber auch wert, gehört er in meinen Augen doch zu den amüsantesten und unterirdischsten Werken seiner Zeit. Ich habe ihn nun schon mehrere Male gesehen und lache mich noch immer über die ewig gleichen Szenen kaputt. Aber ich bin ja auch ein verstrahlter Typ.  OFDb

27.11.2012

MÜNCHHAUSEN IN AFRIKA (1958)

Peter, ein Nachfahre des berühmten Baron Münchhausen, ist ein Tunichtgut, der trotz vieler Talente, wie dem Musizieren z.B., nie eine Sache richtig zu Ende bringt und nie Verantwortung übernimmt. Nachdem ihm als Aushilfslehrer gekündigt wird, landet er versehentlich in einer Fernsehsendung als Afrikaexperte. Eine Bekannte von ihm sieht die Sendung und bittet ihn mit nach Afrika zu kommen, damit auch nichts passieren kann. Eigentlich hat Peter Angst vor der Wildnis, aber als er hört dass sein heimlicher Schwarm Josefine auch mitfliegt, willigt er ein. Unter wilden Tieren und Eingeborenen kommt es zu allerlei Abenteuern. Da ist es nicht gerade hilfreich, dass Peter unwissendlich zwei Gauner, die sich als Großwildjäger ausgeben, als Begleiter engagiert...

Der Titelgeber war ein Münchhausen... 
 
Wer sich hin und wieder an Filme mit Peter Alexander wagt, kennt das Problem. Man weiß nie was einen erwartet. Den großen, guten Film gibt es nie mit ihm, hat man Glück erwischt man einen, der angenehm und locker 90 Minuten zu unterhalten weiß (z.B. „Kriminaltango“). Hat man Pech erwischt man höchst peinliche Filmmomente, die man lieber nie gesichtet haben wollte („Charleys Tante“). Im Falle von „Münchhausen in Afrika“ verhält es sich ähnlich wie in „Die Abenteuer des Grafen Bobby“, dass sich beide Möglichkeiten mixen, wobei die unangenehme Seite dominiert.

Da nutzt es auch recht wenig, dass Peter Alexander selbst ein talentierter Entertainer ist, der nicht nur singen und tanzen kann, sondern auch schauspielerische Qualitäten aufblitzen lässt. Da er diese aber, wie gerade der hier besprochene Film zeigt, nur all zu gern für Peinlichkeiten nutzt, rutscht solch ein Pluspunkt viel zu häufig in den Negativbereich.

Eigentlich ist in allem der Wurm drin. Die Geschichte ist kaum eine, hat mit Münchhausen so viel zu tun wie „Inglourious Basterds“ mit „Der Untergang“, die Musik ist selbst für Peter Alexander-Verhältnisse arg fröhlich und damit eher nervig, und der Gesangsanteil ist diesmal auch enorm hoch.

Aufnahmen wilder Tiere gibt es zuhauf, und für einen ollen 50er Jahre Klamauk-Streifen wurde auch recht anständig getrickst, wenn die Tiere Menschen die Hölle heiß machen. Eine Scheu vor Tieren lässt Alexander dabei nicht aufkommen, was spätestens der Ritt auf einem Nashorn zeigt.

Geblödelt wird viel, und ab und an gibt es auch gelungene Witzchen und Sprüche, beispielsweise wenn Peter Münchhausen von einem Mann gebeten wird, sich doch bitte hinten in der Schlange anzustellen, und der damit kontert, dass da bereits wer steht. Das sollte man glatt mal im wirklichen Leben ausprobieren.

Was die Rolle Peters betrifft, das ist eigentlich die Rolle, die er immer spielt, und in der man ihn auch immer wieder sehen möchte, da man ihm dadurch vieles verzeihen kann. Peter spielt den charmanten Taugenichts, der auf egomanische und dreiste Art sein Glück sucht und sich dabeitollpatschig anstellt. Also denkt man sich, was soll’s, es ist doch nur unser Peter. Da kann ein Film nur sehr selten komplett schlecht und nervig werden. Irgendwie schafft es Peter Alexander das Übel mit seinem Charakter, und sei es nur der Künstlercharakter, halbwegs wieder aufzufangen.
 
Im Gegensatz zu „Kriminaltango“ wissen diesmal nicht einmal die Ganoven sonderlich zu überzeugen. Sie wirken zwar wie Schelme, aber eine besondere Persönlichkeit lernt man durch sie nicht kennen. Dabei wird einer von ihnen von Gunther Phillipp gespielt, der eigentlich auch nicht zu den untalentierten Schauspielern seiner Zeit zählt.

Wen es wundert, dass sein Name im recht nett animierten Vorspann vor dem einer Frau steht, dem sei gesagt, dass die obligatorische Lovestory diesmal sehr an den Rand gedrängt wird. Peters große Liebe bekommt relativ wenig Screentime beschert und ist für die Geschichte auch kaum von Bedeutung. Da lieben sich beide heimlich, kriegen sich auch am Schluss, aber selbst das wäre für ein Happy End nicht nötig gewesen, denn das erwartet dem arbeitslosen Peter mit einem Job, der auf ihm zugeschnitten ist.

Ob im Zuge der Spaßgesellschaft, die ja nun in jedem Alexander-Film propagiert wird, die kurze Nebenhandlung eines TV-Senders betreffend als eingebaute Gesellschaftskritik oder doch eher als Nebeneffekt der fröhlichen, nicht nachdenklichen Erzählweise solcher Gute Laune-Produktionen verstanden werden kann, überlass ich jedem Leser selbst. Ich tendiere zu letzterem. In dieser Szene entscheidet sich ein Fernsehsender den Lügner und Hirnlos-Entertainer einem hoch angesehenen Wissenschaftler und Afrika-Experten vorzuziehen, zur Gestaltung eines Kulturprogramms über den besagten Kontinent.

„Münchhausen in Afrika“ lässt sich mit etwas Geduld gucken. Seine zweite Hälfte schaut sich etwas flotter als die erste, aber insgesamt ist es schon ein unangenehmer Vertreter der Peter Alexander-Filme, der nur den wenigen Komplettisten von Alexanders Lebenswerk ans Herz zu legen ist. Wer die gute Laune-Musik dieses Entertainers mag, wird wesentlich weniger genervt reagieren als ich. Wer sich für die Münchhausen-Thematik interessiert braucht überhaupt nicht reinschalten. Dessen Name im Titel ist zwar keine Lüge, aber eine etwas unverschämte Ausrede.  OFDb

21.11.2012

...UND SOWAS MUSS UM ACHT INS BETT (1964)

Dr. Eddi Frank ist ein tolpatschiger Lehrer eines Jungeninternats und damit erste Wahl des Direktors, als dieser von einer Kollegin angeschrieben wird, dass sie dringend eine Aushilfe auf ihrem Mädcheninternat benötigt. Ohne zu wissen was ihm bevorsteht, übernimmt der mit dem weiblichen Geschlecht unerfahrene Mann eine rebellische Klasse aufsässiger Mädchen, die kurz vor dem Abitur stehen. Dr. Frank wird Opfer böser Streiche, will den neuen Job schon hinschmeißen, wäre da nicht eine attraktive Kollegin, die ihn bittet zu bleiben. Als Dr. Frank von dieser Kollegin Liebesbriefe erhält, wächst das Selbstbewusstsein in ihm, und er nimmt den Kampf mit der Klasse auf seine Art auf: mit Verständnis. Er ahnt nicht dass eine Mitschülerin adliger Abstammung für die Briefe verantwortlich ist, um Dr. Frank erneut einen Streich zu spielen...

Und sowas war ein Frauenschwarm...
 
War Peter Alexander in vergleichbaren Filmen von Anfang an der Sonyboy, bei dessen Charme Frauen und Mädchen nur so dahinschmolzen, so ist er in der Rolle des Dr. Frank das Gegenteil. Ein uncooler Scheitel, an dem er nervös herumspielt, eine Brille, die sein Gesicht versteckt und seine tolpatschige Art lassen ihn alles andere als lässig wirken. Und die Figur, die er spielt, ist zudem unerfahren in Frauensachen. Hier darf der olle Peter einmal etwas anders spielen als sonst, quasi ein Spiel mit seinem typischen Filmcharakter, der aus dem Grundcharakter des Dr. Frank erst herauswachsen muss, in diesem Punkt sicherlich vergleichbar mit jener Rolle von Terence Hill aus „Verflucht, verdammt und Halleluja“.

Ihm zur Seite stellte man Gunther Philipp als sein Gegenstück. Er ist hinter jedem Rock her, wenn auch meist mit gleichem Ergebnis. Sein Kontostand durch den Beruf eines Zahnarztes öffnet ihm Tür und Schoß des anderen Geschlechts, wegen seiner unsensiblen und egozentrischen Art bleibt es jedoch nur dabei. Dass Dr. Frank mit dem gegenteiligen Charakter des sensiblen und verständnisvollen Lehrers nicht lange in der Position des Mannes bleibt, dem sich die Frauen verweigern, dürfte klar sein. Und dass dieses Ergebnis auf einem Mädcheninternat nicht nur die erwachsene Weiblichkeit trifft, ist ein ebenso vorprogrammiertes Stück finaler Verwicklungen, wie so ziemlich der komplette Handlungsablauf des Gesamtfilmes vorhersehbar ist.

Doch ein Werk mit Peter Alexander schaut man gewiss nicht einer innovativen Geschichte wegen. Und so ist das auch gar nicht schlimm, zumal sich der Film einen Hauch erfrischend anders guckt, als so mancher Streifen, der seinen Fußstapfen folgte. „...und sowas muss um acht ins Bett“ ist nämlich ein Frühwerk der späteren Welle um Pennälerkomödien, die spätestens drei Jahre später durch „Die Lümmel von der ersten Bank“ so richtig in Fahrt kommen sollte. Mit dieser Filmreihe und seinen Nachahmern verglichen schaut sich „...und sowas muss um acht ins Bett“ recht anders, setzt dieser sein Hauptaugenmerk nach Tradition doch noch immer auf die Liebesgeschichte und nicht auf die rebellische Klasse. Das sollte in späteren Werken anders sein, selbst in jenen Filmen, in welchen der Lehrer und nicht die Klasse zum Mittelpunkt wurde (z.B. „Hurra, die Schule brennt“).

Trotzdem zeigt sich schon im reduzierten Teil der Geschichte um eine freche Klasse das typische Rezept der späteren Filme. Die Streiche sind teilweise schon recht hart, aufgrund des Alters der Mädels mit heutigem Blick aber auch sehr naiv. Der Lehrer findet auf dem selben Weg Gehör und Respekt der Rebellen, wie später so ziemlich jeder neue Klassenlehrer der berühmten Lümmel um Hansi Kraus. Auf der Gegenseite weiß auch die Hauptgeschichte um die Liebe zweier Lehrer zu funktionieren, wobei der weibliche Part freilich nicht mehr zu tun hat, als sympathisch und niedlich zu wirken.

Musikalisch gibt es zu Beginn einiges an Zurückhaltung, doch wenn das erste mal gesungen wird, braucht man nicht mehr lange auf ein zweites mal zu warten. Von da an geht es Schlag auf Schlag, bzw. Schlager auf Schlager, und da auch Gitte Henning in der Besetzung auftaucht, in der wohl wichtigsten Mädchenrolle des Films, ist es nicht Alexander allein, der vor sich hinträllern darf. Im Gegensatz zu späteren Filmen darf man die Bezeichnung vor sich hinträllern noch als treffend bezeichnen, denn nicht jedem Lied wurde eine Tanzszene oder imposante Spielszene beschert.

Interessantester Aspekt des Streifens dürfte wohl der Emanzipationsgedanke des Jahres 1964 sein, der sich trotz seiner Bemühungen noch stark frauenfeindlich gibt. Aber man erkennt die ersten Anzeichen weiblicher Rebellion Richtung Gleichberechtigung, die sich aber eher noch in kleinen Tricks und Spielereien zeigt und recht wenig im Verständnis von männlicher Seite aus. Zwar sind die Männer in ihren bösesten Momenten diesbezüglich betrunken, womit man die Extreme ihrer Worte noch halbwegs entschuldigen kann, aber auch sonst zeigen sie nicht gerade Toleranz vor der Eigenständigkeit geschweige denn der Würde und dem Charakter einer Frau.

Dass der Film jedoch mit diesem veralteten Rollendenken des Mannes spielt, zeigt sich nicht erst dadurch, dass überholtes Denken über das schwache Geschlecht über ein Lied von zwei Betrunkenen thematisiert wird. Es zeigt sich z.B. auch in einer eher versteckten Gegenüberstellung, wenn ein Mann darüber singt, dass die Frau erst über den Mann zu einem kompletten Charakter wird, auf der Gegenseite jedoch angebliche Liebesbriefe den später charmanten Charakter des Dr. Frank herauskitzeln, eine Seite, die ihn sympathisch für die Frauenwelt macht, und die er ohne die Hilfe des anderen Geschlechts nie entdeckt hätte. Und das geht weit über die modischen Tipps hinaus, mit denen das alles seinen Anfang nimmt.

Ein gut beobachtendes Auge muss den Ausruf Frauenfeindlichkeit also etwas relativieren, sind es doch zwischen den Zeilen ganz klar die Frauen, die hier die Hosen anhaben. Aber sie sind noch weit von dem entfernt, was in den 70er Jahren Gleichberechtigung werden sollte, jene Zeit, in der Emanzipation seinen ehrlichsten Höhepunkt erreichte.

„Und sowas muss um acht ins Bett“ bietet inhaltlich zwar nichts neues, aber ohne sonderlich erwähnenswerte Höhen und Tiefen weiß er auf schlichte Art bis zum Schluss zu unterhalten. Wer die Lieder mag oder sie im gegensätzlichen Falle zumindest zu ignorieren weiß, der bekommt eine kleine, lustige Komödie präsentiert, die neben manch böser Schülerstreiche auch manch lustiges Wortspiel zu bieten hat und einen seiner humoristischen Höhepunkte wohl im eben angesprochenen betrunkenen Lied findet, in welchem Dr. Frank und sein Kumpel, der Zahnarzt, ihre Ansichten über die Frauenwelt austauschen.

In schwarz weiß gehalten distanziert sich der Film von späteren Peter Alexander-Filmen. Dieser optische Unterschied tut ihm gut, zumal das Werk sich noch eher an vergangene, überholte Schwerpunkte orientiert und sich somit nicht so modern gibt, wie die späteren Filme mit dem österreichischen Frauenschwarm. Auch der Verzicht grober Albernheiten, die später zum typischen Stil deutscher Komödien werden sollten, tut dem Film sichtlich gut, was nicht heißt, dass Alexander keinen Weg finden würde, sich in der Rolle des Dr. Frank nicht trotzdem austoben zu können. Das wäre ja auch schade, schaltet man doch einzig und allein seinetwegen ein.  OFDb