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21.08.2025

Querbeet im phantastischen Kino unterwegs - Kurzkommentare (8)

 

Das Geisterschloss (1999)

Wer einen der besten Horrorfilme neu verfilmt, der tut gut daran völlig andere Wege zu gehen. Doch auch wenn Suspense gegen einen Haufen Spezialeffekte ersetzt wurden, so konnten die bereits zur Entstehungszeit keinen Grusel atmosphärisch ersetzen. Mittlerweile sind sie zudem schlecht gealtert. Warum man das Ganze inhaltlich umgeschrieben hat, indem man aus Spukforschung eine Schein-Schlaftherapie machte, obwohl kaum wer der Anwesenden ein passender Patient dafür wäre, und warum aus dem Unerklärlichen eine moralinsaure Story um einen Kinderschänder wurde, weiß sicher nur der, der auf die Idee kam für einen Horrorfilm Owen Wilson zu besetzen. Komischer Weise funktioniert "The Haunting" (Originaltitel) lange Zeit auf plumpe Art dennoch. Erst in den ungefähr letzten 20 Minuten baute man nur noch Mist.  OFDb  

 

Creep Van (2012)

Aufgrund einer leichten humoristischen Anwesenheit, welche die Steifheit der Hauptfigur in diesem nur semi-professionell besetzten Film gekonnt aufbricht, dachte ich zunächst es mit einem sympathischen Vertreter der Gattung Billig-Horror zu tun zu haben. Nun, die Hauptfigur blieb überraschend zugänglich, der Rest jedoch nicht. Mal davon abgesehen, dass man es hier nicht mit einer Kopie von "Christine" zu tun bekommt, wie uns der Covertext der deutschen DVD einreden möchte, der menschliche Psychopath hinter allen Taten ist zu nervig und freakig ausgefallen, wirkt bereits am Telefon wie ein vulgärer Prolet, und das macht als Aggressor nix her, auch nicht im augenzwinkernden Sinne. Der Plot ist konfuser Natur, zwischenmenschliche Annäherungen wirken nicht glaubwürdig. Zwar ist man in "Creep Van" bemüht einen eigenen Stempel aufzudrücken, aber das Ergebnis weiß so gar nicht zu gefallen. Schade! Aber über ein böses Auto hätte ich mich ohnehin mehr gefreut.  OFDb  

 

Joker - Folie à deux (2024)

Ich war im Vorfeld so misstrauisch wie damals beim genialen ersten Teil. An den kommt die Fortsetzung trotz erneuter Glanzleistung der Hauptrolle und einer überraschend gut wirkenden Lady Gaga zwar nicht heran, aber meinen Respekt haben die Erschaffer eines mutigen Werkes inmitten des ansonsten eher auf Standard setzenden Superheldenbereiches, zumal wir es hier mit einem der beiden großen Studios diesbezüglich zu tun haben. Der Gesang, der überraschender Weise erst nach 20 Minuten einsetzt und so viele Zuschauer vergraulte, weiß nicht nur zu wirken, sondern setzt psychologische Botschaften, bzw. spiegelt den psychologischen Wandel des Schurken wider. Die Geschichte setzt sowohl anders an, als nach Teil 1 vermutet, und geht außerdem immer wieder andere Wege, als man ihr schlaumeierisch prophezeit. Gerade der Schluss wird manch einen verdutzt zurücklassen, passt aber gekonnt ins Batman-Universum, eben weil die beiden Filme sonst nur bedingt an die bekannte Marke erinnern. Insgesamt bleibt die Geschichte jedoch zu austauschbar und lebt letztendlich nur davon anders sein zu wollen.  Wiki   

 

Shin Ultraman (2022)

Im Original Ultraman, in der deutschen Version ein Shin davor gemogelt, könnte man meinen, dass nur die Deutschen auf den Erfolg von "Shin Godzilla" aufspringen wollten, aber es herrscht tatsächlich Verwandtschaft zwischen den Werken, z.B. bei der Musik und bewussten Benennungen des Vorbildes. Nun hatte es die Marke Ultraman hierzulande nie leicht, wenig ist erschienen, umso schöner war es einen Blick zu riskieren. Nicht ganz so schlimm auf Kinderfilm getrimmt, wie die Reihe rund um Gamera, aber eben mehr als in den meisten Fällen der japanischen Godzilla-Filme, funktioniert das Rezept ein wenig wackelig. Hinzu kommt, dass uns mit drei Geschichten nacheinander, getarnt als kompletter Plot, als Konzept eher die Kinoversion einer Serie vorgesetzt wird. Und da von dieser die erste Geschichte am besten funktioniert, ist der Höhepunkt des Streifens bereits nach dem ersten Drittel geliefert. Es folgt ein etwas magerer Mittelteil und ein ganz nettes letztes Drittel. Neueinsteiger ins Franchise bekommen glücklicher Weise alles erklärt.  OFDb  

 

House of the Creeping Death (1983)

Der von George A. Romero produzierte "House of the Creeping Death" ist lediglich ein Zusammenschnitt diverser Episoden aus der TV-Serie "Tales from the Darkside" und damit kein eigenständiger Film. Und sollten die Geschichten wirklich Pate für die Serie stehen, quasi als Vorzeigeepisoden, dann kann man diese wohl vergessen, bietet man uns doch nicht gerade gut funktionierende Kurzgeschichten an, zumal sie veraltet anmuten, anstatt nettes Retro-Flair zu versprühen. Die beste Geschichte findet sich am Schluss, aber selbst bei ihr muss man durch allerhand langgezogene Dialoge hindurch, bevor man sich an ihrer gelungenen Pointe ergötzen darf. Der Rest ist Standard von der Stange, u.a. von einer Mumie, Käfern und teuflischem Gebäck handelnd. Eine Konkurrenz für "Twilight Zone" oder Spielbergs "Unheimliche Geschichten" ist das nicht.  OFDb  

13.04.2024

MANIA (1986)

Episodenfilm! Episode 1: Ein Mann beobachtet einen Mord und sagt nichts der Polizei, obwohl der Mörder ihn am Fenster gesehen hat. Episode 2: Ein Paar schafft sich gegen den Willen des Gatten einen Wachhund an. Der ist ihm nicht geheuer. Episode 3: Eine Frau wird erpresst. Das Leben ihrer Tochter steht auf dem Spiel. Episode 4: Ein Mann rettet nachts in der U-Bahnstation eine Frau vor einem Wahnsinnigen. Sie werden von dem Angreifer verfolgt.

Ein Messer im Kronleuchter...

Die auf unheimlich getrimmten 4 Kurzfilme dieses 86-Minüters sind eher dem Thriller- anstatt dem Horrorgenre zuzuordnen. Auch wenn sie alle bemüht auf düster getrimmt sind, so weiß das Grauen doch nie tief zu sitzen. Zudem wird nie der Bereich des Übernatürlichen eingesetzt, nicht einmal gestreift. Geschrieben sind alle 4 Geschichten, in denen es stets um selbst verursachte, morbide Situationen geht, von John Sheppard, der bei der ersten und ödesten Episode selbst die Regie übernahm. Sie erzählt kein Dilemma, das nicht schon von etlichen Krimiserien zuvor besser, und durch eine längere Geschichte intensiver, umgesetzt wurde. Die Person kennt man zu kurz, ihr Verhalten ist nicht greifbar, da will das Gefühl, welches der Autor anvisiert, einfach nicht aufkommen. Nur einen Hauch besser mutet die zweite Geschichte an, die es aber nicht schafft den Hund bedrohlich wirken zu lassen, um den Zuschauer in der Schwebe darüber zu lassen, ob die Angst des Gatten begründet ist oder nicht. 

Wie alle der vier in "Mania" präsentierten Geschichten, so meint auch diese eine gewitzte Pointe zu liefern, und setzt letztendlich doch nur den Standardschluss einer solchen Kurzgeschichte ein. Immerhin in Episode 3 kommt die Pointe etwas gewitzter daher, auch wenn man sie kurz vor Schluss von selbst erraten kann. Leider ist das was vorher geschieht nicht sonderlich aufregend erzählt und findet sich ebenfalls in etlichen Krimisendungen besser umgesetzt wieder. Zumindest zeigt das Nebenthema rund um die einfach zu beschaffenden Informationen eines Fremden, dass dies schon lange vor dem Internet möglich war, so dass Sheppard per Zufall einen Aspekt einbaut, der heute aktueller denn je ist. Zwar geht der Spannungsgehalt in der vierten und letzten Episode ein Stückchen mehr nach oben, die beiden Fluchten, zunächst vor Punks, schließlich vor einem Angreifer, sind immerhin packend umgesetzt und versetzen einen in die Gefühlswelt der Hauptfigur hinein. Im Heim mit der Geretteten angekommen, lässt aber auch diese mittelmäßige Geschichte nach, deren schwarzhumorige Wendung zu aufgesetzt wirkt und zudem nicht zu dem passen will, was man schauspielerisch zuvor vom Verfolger sehen durfte. Somit ist "Mania - American Tales of Terror" (Alternativtitel) für keine der vier Kurzfilme das Einschalten wert. Maximal weht ein wenig Retro-Feeling um die einfallslosen Geschichten, die höchstens noch ein altes Waschweib erschrecken können.  OFDb

26.12.2023

MEINE NACHBARN DIE YAMADAS (1999)

In seinem Versuch mittels Kurzgeschichten in simplen Zeichnungen typische Familienkrankheiten zu persiflieren, erinnert "Die Familie Yamada - Meine verrückten Nachbarn" (Alternativtitel) an "Die Simpsons"-Anfangsphase um den Pilotfilm herum. Während die US-amerikanische Vergleichsfamilie verstärkt auf lauten Provokationshumor setzt, kommt Isao Takahatas Werk eher feinsinnig daher, geht es ihm doch zu einem guten Teil um die Schrulligkeiten im Alltag, um negative Seiten, die auch charmant sein können und uns als Mensch im Gesamten aus machen. Zu brav ist "Hôhokekyo tonari no Yamada-kun" (Originaltitel) dennoch nicht ausgefallen, treffsicher wie er pointiert seine kleinen Geschichten erzählt, wie sie, versehen mit satirischen Übertreibungen, auch im Alltag aussehen könnten, wenn sämtliche Schrulligkeiten sich nebeneinander versammeln würden. Der simpel anmutende Zeichenstil fängt treffsicher jegliche Mimik und Reaktion der Figuren gekonnt ein, künstlerisch wertvoll angegangen, liebevoll im Detail ausgearbeitet (wenn man das bei dieser Art Animation so nennen kann). "My Neighbors the Yamadas" (Alternativtitel) ist also eigentlich eine kleine Wundertüte des Animationsfilmes, wenn er mit seiner Laufzeit von fast 100 Minuten in seiner Eigenschaft als Episodenfilm nicht so unglaublich viele, oft arg kurze, Geschichten aneinander reihen würde. Als TV-Serie, mit einer Länge von jeweils 10 bis 20 Minuten pro Folge, könnte ich diese kleine Perle weit besser gucken, als in dem gewählten Format eines Langfilmes, eben weil man die Yamadas konzentriert im Detail verfolgen will und nicht als Massenerlebnis auf die Schnelle konsumieren möchte. Zwar kann jeder für sich selbst einen Langfilm stoppen und sich merken, wo er dran war, bei einer Serie ist das Fortführen einer Sichtung bei mir persönlich jedoch wesentlich wahrscheinlicher, als in selbst gesetzten Kapiteln, an deren Unterbrechungspunkt man sich bei eventuell unbeabsichtigt längerer Pause zwischen den Sichtungen vielleicht nicht mehr richtig erinnert. Von daher freut es zu wissen, dass das Projekt 2001 in Serienform fortgesetzt wurde, anstatt einen erneuten Film abgeliefert zu haben.  Wiki

11.02.2023

DAS GEHEIMNIS DER GRÜNEN HORNISSE (1974)

Nach einem Serial aus den 40er Jahren und lange vor dem Seth Rogen-Film "The Green Hornet", erschien 1966 im selben Jahr der legendären "Batman"-Serie mit Adam West die Konkurrenzantwort "The Green Hornet". Sie bekam in den 70er Jahren per Zusammenschnitt diverser Episoden eine Veröffentlichung in Deutschland. Doch während die Konkurrenzfilme "Spider-Man schlägt zurück" und "Spider-Man gegen den gelben Drachen" selbiges mit der in unserem Land nie ausgestrahlten Realserie "Spider-Man" taten und damit zusammenhängende Geschichten vereinten, da bekamen "Das Geheimnis der grünen Hornisse" und "Der gelbe Taifun" jeweils drei unabhängig voneinander erzählte Geschichten zum Zusammenschustern serviert, so dass sie zu Episodenfilmen wurden. Hierfür wurden Handlungsstränge herausgeschnitten, die in der "Film"-Fassung für Verwirrung sorgen, auch wenn die Geschichten kaum simpler ausfallen könnten. 

Recht lustlos inszeniert, wirkt das Ganze, nicht nur im Vergleich mit der schrillen Serie um den Fledermausmann, recht lahm. Tatsächlich bleibt der einzige Sehwert die Kampfkunst Bruce Lees, der als Sidekick Sato besetzt wurde. Mit seinem Handkantentalent waren Schnitte während der Kampfszenen kaum nötig, toll eingefangen sind die Bilder aber auch in diesen Momenten nicht. Öde Kameraeinstellungen passen zu mauen Kostümen und zu geschwätzig ausgefallenen Kriminalfällen. Ausgerechnet mit dem uninteressantesten der drei steigt der Zusammenschnitt ein. Die mittlere Episode, die uns für einen kurzen Moment den Bereich der Science Fiction vorgaukelt, lockert das bis dahin dröge Geschehen ein wenig auf und präsentiert uns als Superschurken Dr. Mabuse. Aber selbst dieses unterhaltsamste Kapitel fällt mager aus und wird zu seiner zweiten Hälfte hin dank endloser Verfolgungen uninteressant, auch optisch, wenn man sich an den silbernen Fake-Aliens satt gesehen hat. Warum eine Gehilfin Mabuses mit futuristischen Strahlen betäuben kann, und damit der Geschichte doch noch ein wahrhaftiges Science Fiction-Element beschert, wird nie verraten, möglich dass die Erklärung hierzu hinausgeschnitten wurde und in der ursprünglich ausgestrahlten Episodenlänge vorhanden ist. 

Wichtig ist das Füllen einer derartigen Erklärungslücke nicht, denn die Erzählungen aller drei vereinten Folgen ist ohnehin höchst unlogischer Natur. Man weiß nie warum sich die beiden Helden verkleiden, wenn doch offen die Namen der Maskierten genannt werden, die Masken kaum eine Identität verdecken und fast jeder eingeweiht scheint. Warum Mabuse einen wichtigen Zeugen und ehemaligen Verbündeten lebend zurücklässt, der seine Pläne verraten kann, bleibt auch ungeklärt, vielleicht begründet darin, dass der Wahnsinnige siegessicher die Weltherrschaft zum Greifen nahe sieht, warum auch immer, behauptet zumindest das Drehbuch. Dies lässt Figuren Dinge tun, die sie in hier gezeigten Situationen nie tun würden. Und da das verspielte Comic-Feeling des Konkurrenzproduktes bei der Hornisse nie aufkommen mag, werden sie zum Störfaktor, anstatt zu einem amüsanten Bonus. Das sich damals fremd anfühlende asiatische Flair durch Bruce Lee, wird in der dritten Episode verstärkt, wenn Kriminelle verschiedener Ethnien in Chinatown gegeneinander kämpfen. Aber auch das ist, wenn auch weit actionreicher ausgefallen als der Rest, nur mit halber Backe inszeniert und schaut sich so lahmarschig wie der Rest. 

Dieser ernüchternde, wenn auch theoretisch nicht völlig uninteressante, Blick auf diese Produktion genügt, um meine Neugierde zu decken. Den zweiten Zusammenschnitt werde ich mir nicht mehr geben. Anhand des Trailers zu diesem fiel mir aber zumindest auf, dass die sehenswerteren Kampfkünste Lees eher dort vertreten sind als hier.  OFDb

10.08.2022

XX (2017)

Der Episoden-Horror "XX" verweist in seinem Titel auf die weiblichen Köpfe hinter dem Projekt, ist doch jede der vier Kurzgeschichten, und wahrscheinlich auch die per Stop Motion orientierte Rahmenhandlung, von Frauen geschrieben und inszeniert. Was dieser Aufhänger soll verstehe ich nicht, unterscheiden sich die Geschichten doch nicht von Horror-Kurzfilmen vergleichbarer Art, ob in den Händen von Männern, Frauen, Rollstuhlfahrern, Langhaarigen oder von Trägern geblümter Unterwäsche. Ich hätte den Aufhänger noch verstehen können, wenn das Projekt hätte beweisen wollen, dass Frauen bestimmte Themenbereiche treffsicherer, sensibler oder was auch immer angehen können, "XX" beweist jedoch dass es keinen Unterschied macht und stellt die Frau mit dem bemühten Verweis auf das kreativ unterschätzte (?) Geschlecht eher automatisch mit der vorhandenen Ausgangslage in eine Außenseiterposition. Und ob das der Sinn der Sache war, darf sicherlich angezweifelt werden. 
 
Oder ging es den Verantwortlichen lediglich darum Frauen in Hauptpositionen innerhalb der Geschichte zu setzen? Aber warum hat dies dann so wenig Einfluss auf den Verlauf der jeweiligen Episode? Wie auch immer, letztendlich ist es trotz der Titelgebung irrelevant, blicken wir also auf die Arbeiten an sich. Die Stop Motion zwischen den einzelnen Beiträgen ist handwerklich hervorragend inszeniert, in seiner detailreichen und grotesken Art aber auch nur zu verstehen, wenn man gut konzentriert mit dabei ist. Sie ist leider der einzig wahre Hingucker von "XX", vielleicht mit Ausnahme der Kreatur von Episode drei, so dass es hauptsächlich die Effekte sind, für die sich ein Einschalten lohnt. Hauptsächlich geht es jedoch nicht um Schauwerte, so dass diese dementsprechend rar gesät sind. Zwar schaffen es zwei der Geschichten (Episode 1 mit essverweigernden Kindern und Episode 4 mit dem Bösen, was in einem Teenager aufkeimt) einen für ihr Geschehen zu interessieren, die Auflösungen sind jedoch arg schlichter Natur, was im ersten Kurzfilm noch gravierender zu enttäuschen mag als im letzten, da man aufgrund der Vorgänger in der letzten Geschichte drauf eingestellt ist, da die gar nicht so reizlosen Szenarien letztendlich alle etwas arg ins Leere laufen. 

Das finde ich sehr schade, zumal all die Beiträge gut besetzt und gut inszeniert sind, da hätte man sich auch einfallsreiche Drehbücher gewünscht. So aber verlässt man "XX" in allen Belangen eher mit einem Achselzucken und bedauert die vorhandenen Chancen. Zumindest ist der Streifen kurzweilig ausgefallen und besitzt seine interessanten Phasen. Ebenso mixt er verschiedene Horrorbereiche und kommt auch stilistisch unterschiedlich daher. Rein vom Unterhaltungswert hat mich der nicht unsympathische Film jedoch nicht erreichen können.  OFDb

21.11.2021

SURVIVE STYLE (2004)

"Survive Style" beinhaltet verschiedene Erlebnisse verschiedener Figuren fast unabhängig voneinander mit nur einigen wenigen Berührungspunkten, so dass er trotz seiner sich abwechselnden Geschichten nicht wirklich zum Episodenfilm wird. Sichtlich um besondere Momente und Bilder bemüht, schaut sich der Kern des Ganzen jedoch weit weniger stilvoll, als es nach außen hin scheint. Das Zusammentreffen der einzelnen Erzählungen ist meist simpel eingeleitet und analytisch keineswegs raffinierter Natur, Aufhänger und Schauwerte sind oft reißerischer und vulgärer Art, und so wirkt "Survive Style 5+", der nicht nur in diesem Originaltitel eine unerwartete Anbiederung an das US-amerikanische Publikum für eine Produktion aus Japan beinhaltet, oft etwas bemüht und plump. Das ist schade, sind die Situationen und viele Charakterzeichnungen doch durchaus interessant gestaltet, manchmal gar gewitzt, und ist die technische Umsetzung, ebenso wie das hier dargebotene Schauspiel selbst, doch meist professioneller Natur. 

Aber das Drehbuch, das anspruchsvoller sein möchte als es eigentlich ist, offenbart hinter optischem Gelingen und einer auf dem ersten Blick vorhandenen Kunstfertigkeit in seiner zu schlicht ausgefallenen Mentalität zu viel Oberflächlichkeit. Zwar verbessert sich der Zustand mit fortschreitender Laufzeit, aber erst kurz vor Schluss erkennt Autor Taku Tada den zwingend nötigen emotionalen Tiefgang seiner Figuren, um das zu Sehende zu etwas wirklich besonderem werden zu lassen. Gegen Ende warten die größten Momente auf den Zuschauer, eben weil nun neben sich zu leer anfühlender Besonderheiten die Gefühlswelt der Figuren griffig wird und eine entscheidende Rolle spielen darf. Schon zuvor begeistert der Streifen immer wieder mit besonderen Momenten und Ideen, wobei beiläufige oftmals besser fruchten als zentrale, als Gesamtes funktioniert dieser Mix aus Komödie, Thriller, Fantasy und Action jedoch nicht wirklich, leider. Am besten hat mir die Geschichte um eine nicht gestoppte Hypnose gefallen. Sie war der einzige Faktor dieses Filmes, für dessen weiteren Verlauf ich mich tatsächlich interessieren konnte. Alles andere habe ich in den jeweiligen Momenten genossen, immer wieder unterbrochen von zu lang ausgefallenen und zu gewollt umgesetzten Phasen des Nichtfunktionierens, trotz hoher Kreativität meist verursacht durch zu dick aufgetragene Andersartigkeit mittels Quantitäten und Provokationen.  OFDb

10.01.2021

AFTER MIDNIGHT (2014)

"After Midnight" ist die Aneinanderreihung diverser Horror-Kurzfilme verschiedener Regie-Anfänger Italiens, die mal mehr, mal weniger bemerkbar auf Underground-Film-Basis einen kurzen Einblick ihres Könnens offenbaren. Manche Ergebnisse sind mehr Filmfragment anstatt Kurzfilm, so schnell wie sie fast ereignislos abbrechen,  zu simpel und austauschbar bleiben sie alle, frei von eigenen Ideen und tatsächlich Erzählenswertem. Bei manchem Beitrag ist man gar überrascht, wenn nach der Blende der nächste Kurzfilm beginnt, so austauschbar bleibt selbst manche Pointe. Stilistisch durfte man sich hingegen munter austoben, da ist vom Grusel-Film, zum Gore mit Gedärmerausreißen, einem märchenhaft angehauchten Fantasy-Grusler, bis hin zum komödiantischen Werk alles kunterbunt zusammengewürfelt vorhanden. Warum das alles zu einem großen Ganzen in dieser Form zusammengefügt wurde, ist mir nicht bekannt. Laut dem lustig gehaltenen, Metaebenen durchbrechenden, Kurzfilm um einen getöteten Bauern ist "After Midnight" jedoch ein offizielles Projekt, sprich die Beiträge wurden speziell für dieses angegangen. Da darf es das eine Mal lediglich einen Kapitelwechsel zum nächsten Kurzfilm geben, wie in so vielen anderen Zusammenfügungen diverser Kurzgeschichten, ein andermal ist ein Beitrag mit Vor- und/oder Abspann gesegnet, das ist so unterschiedlich der Fall, wie alles im fertigen Film.

Thematisch sieht es dabei nicht anders aus. Zwar geht es meist um Spuk und Psychopathen (nur einmal bricht man aus diesem Muster heraus, wenn wir das Naturphänomen des Haselwurms als letzten Beitrag kennenlernen), aber auch in diesen beiden Themenbereichen geht man völlig unterschiedlich vor. Ob Killerclown, Kettensägen-Mörder, post-apokalyptische Kannibalen, Rachegeister oder ein Dämon in Nonnentracht, für Abwechslung ist gesorgt, jeder durfte scheinbar drehen was er wollte, solang ein morbider Ton vorhanden ist. Dass es dann ausgerechnet der erste Kurzfilm ist, der den einzig tatsächlich wirksamen Schockmoment bereit hält, darf überraschen. Mehr jedoch noch, wenn man bedenkt, dass es zudem der einzige Beitrag ist, in dem zu Metal-Musik gemordet wird, eine typische, gerade gern von Amateurfilmern genutzte, Horrorfilm-Zutat, die mir noch nie geschmeckt hat. Inhaltlich gefällt keiner der Beiträge so wirklich, manche wissen aufgrund ihrer Gehversuche oder kurz aufkommenden Atmosphäre dennoch zu gefallen, so z.B. die Verbeugung vor Hoopers "Kettensägenmassaker" (man soll es nicht meinen, so oft wie gerade dieser Bereich von Hobbyfilmern meist missglückt nachgeahmt wird), die Geschichte um einen mordenden Zombiebauern (der erst mit Auftritt des Regisseurs nachlässt), und bis auf den mauen Schluss weiß auch das Schicksal eines Geschwisterpaares zu gefallen, dass ein Jahr nach einem Autounfall von der damals Verstorbenen heimgesucht wird.

Man muss sich schon für die ersten Gehversuche im Filmbereich interessieren, um Gefallen an "17 a mezzanotte" (Originaltitel) zu finden, steckt doch jeder Beitrag zu sehr im Grundgerüst dessen fest, was erst mit zusätzlichen Elementen zu einer erzählenswerten Kurzgeschichte führen würde. Diese Kurzfilm-Zusammenführung reizt somit eher im theoretischen Bereich, nicht in einem von dem man sich tatsächlich einen kurzweiligen Unterhaltungswert wünscht. Es ist, als wäre man ein Lehrer, der die Video-Projekte seiner Schüler beurteilen müsste. Das besitzt einen gewissen Reiz, auf fast 90 Minuten schaut sich das Gesamtergebnis aber dann doch etwas zu bemüht, als dass es einen über einen derartigen Zeitabschnitt bei Laune halten könnte. Ich freue mich über das Engagement aller Beteiligten, weiß es zu schätzen, dass man bei der deutschen DVD-Veröffentlichung ihre Werke wertschätzte, indem sie keine billige deutsche Synchronisation erhielten, sondern stattdessen einen deutschen Untertitel, und völlig abgeneigt bin ich "After Midnight" sowieso nicht, empfehlen kann ich ihn jedoch nicht, und ein zweites Mal werde ich ihn mir auch nicht zu Gemüte führen. Aber allen beteiligten Regisseuren sei gesagt: macht weiter, schön dass es Euch und Euer Interesse für die (Horror)Filmwelt gibt, aber achtet in Zukunft etwas mehr auf das Drehbuch, dem wohl am meisten unterschätzten Bereich der laufenden Bilder, selbst bei Großproduktionen.  OFDb

11.10.2020

SEXANDROIDE (1987)

Ohne mich vorher über den Inhalt schlau gemacht zu machen, habe ich den französischen, nah am Amateurfilm angesiedelten, Underground-Film "Sexandroide" geschaut, naiv ein wenig in der Hoffnung er könne etwas ähnliches erzählen wie der japanische "Erotibot". Aber mit Robotern, Androiden, etc hat Michel Ricauds Werk dann doch nichts zu tun, vielmehr wohnen wir drei nicht inhaltlich tiefer gehenden Episoden bei, die sado-masochistischer Art sind. In allen dreien stehen jeweils eine attraktive Frau im Zentrum, die sich schnell nackt macht und sich recht tabu-los vor der Kamera windet und streckt. In Episode 1 wird eine von dem angeblichen Sexandroiden per Voodoo-Wachspuppe zu Tode gefoltert, in der zweiten nimmt er selbst an seinem Opfer Hand an, malträtiert sie mit Nadeln, bis er sich während ihres Ablebens schließlich selbst ausweidet. Und an seinem Sarg strippt in Kapitel 3 eine Notgeile, bevor sie sich zum seit je her degeneriert aussehenden, nicht ganz toten Sexandroiden-Spanner dazu legt und der Deckel geschlossen wird. Damit endet der 57minüter dann auch nach quälend langem Zusehen. 

Denn wie man bereits herauslesen kann, ist an all dem nichts erzählenswert, sodass sich das Ergebnis dementsprechend zäh und nervig schaut. Einige Effekte erstaunen, und rein aus deren Blutgehalt und dem Nackedei-Agieren der weiblichen Besetzung besteht der geringe Schauwert dieses französischen Provo-Filmes, den man aufgrund kaum gesprochener Worte auch ohne entsprechende Sprachkenntnisse bestens versteht. Das wenige was französisch gesprochen wird, wird in einem Lokal im Hintergrund zum Besten gegeben. Wer in derartigen Filmbereichen, warum auch immer, den Kick sucht, so wie auch meist bei Black Lava-Produkten, ist hier an der richtigen Adresse. Mir fehlt zu solchen Werken der Zugang, und schocken tun sie mich auch nicht, so pseudo-provokativ wie sie mir meist, wie hier, anmuten. Und wenn Werke dieser Art eher verklemmt angeilend daher kommen, anstatt sich hauptsächlich auf den Horror-Part zu konzentrieren, dann interessiert mich ein solches noch weniger. Es überrascht nicht, dass Ricaud danach nur noch Pornos gedreht hat. Sein "Sexandroide" ist jedoch noch keiner, auch wenn die Aufnahmen keinen Halt davor machen auch den Schambereich der weiblichen Aktricen deutlich einzufangen.  OFDb

06.07.2020

CREEPSHOW - DIE UNHEIMLICH VERRÜCKTE GEISTERSTUNDE (1982)

In den 50er und 60er Jahren waren die von Erwachsenen verpönten Monster-Hefte und Grusel-Comics erfolgreiche Trivialware. "Creepshow" (Originaltitel) widmet sich in seiner Rahmenhandlung nicht nur dieser und dem umstrittenen Umgang mit derartigen Publikationen, er kommt komplett im Gewandt einer solchen daher. Die Kurzgeschichten beginnen und enden mit Zeichnungen, einige Bilder werden nebeneinander in Comicbild-Umrahmung präsentiert, die heute nostalgisch anmutenden Werbeseiten mit skurrilen Artikeln, zum Verschleudern des Taschengeldes, werden eingebaut, und auch die präsentierten Geschichten an sich baden in genau jenem charmant verschmitzten, schwarzhumorigen Ton, wie er typisch für diese Art Produkt war. Ernstzunehmender Horror wird hier nicht präsentiert, eher Schelmereien geschmückt in Horrorthematiken. Umso schöner ist es, dass diese kindliche Herangehensweise getaucht ist in oftmals blutrünstige Bilder. Die US-Amerikaner hatten noch nie Probleme damit beides zu vereinen. Für die Effekte verantwortlich zeichnet sich Tom Savini, der Genre-Künstler seiner Zeit schlechthin, das Drehbuch steuerte der gerade besonders beliebte Stephen King bei (der in der zweiten Geschichte auch sympathisch dümmlich spielend die Hauptrolle besetzt), und mit George A. Romero hatte man einen professionellen Veteran des modernen Horrorfilms auf dem Regie-Stuhl sitzen.

So braucht es gar nicht verwundern, dass direkt zu Beginn eine Zombiegeschichte auf den Zuschauer wartet. Allerdings ist sie ganz anders als Romeros "Die Nacht der lebenden Toten" und "Zombie" ausgefallen. Im zum verspielten Grundton verpflichtenden Look erinnert sie mit ihrem charmanten Monster, das dem Grabe entsteigt, und der mündlich dargebotenen Aufforderung auf einen längst fälligen Geburtstagskuchen eher an den erst später erschienen "The Return of the Living Dead". Romero beweist, dass er die Thematik auch auf völlig andere Art beherrscht. Die darauf folgende Geschichte, um einen dümmlichen Farmer, der nach dem Berühren eines frisch herunter gestürzten Meteors zum Pflanzenwesen mutiert, schlägt einen ähnlichen Ton an. "Creepshow" (Originaltitel) liefert jedoch selbst in verschmitzter Form auch ernstere, nicht ganz so extrem auf Comic getrimmte, Gangarten. So z.B. in der meiner Meinung nach besten Geschichte, in welcher Leslie Nielsen einen rachsüchtigen, besitzergreifenden Ehemann spielt, der den Betrug seiner Frau auf besonders scheußliche Art rächt. Während die meisten Episoden auf sehr direkte Art erzählt sind, kommt eine Geschichte, um ein affenähnliches Monster mit unnötigen Ausschweifungen daher, welche die Geschichte eher lang ziehen, anstatt ihr dienlich zu sein. Eine professionelle Besetzung macht einiges wieder wett, meiner Meinung nach wird diese nett getrickste Chose jedoch zum Tiefpunkt des Streifens. Eine Abschluss-Story um ein Kakerlakenproblem entlässt wieder verschmitzt sympathisch aus dem Film.

So nett das alles klingt, "Die unheimlich verrückte Geisterstunde" (Alternativtitel) macht genau jenes Problem deutlich, welches ich meistens mit Episodenfilmen, gerade aus dem Horrorbereich, habe. Die Episoden greifen nie tiefer, als ihr eigentlicher Aufhänger und enden mit einem augenzwinkernden Schluss dann, wenn es am interessantesten wird. Die liebevolle Comicgestaltung und die professionelle Umsetzung machen zwar einiges wieder wett, aber über eine Laufzeit von zwei Stunden schießt "Creepshow - Die unheimlich verrückte Geisterstunde", der bislang zwei Fortsetzungen beschert wurden, dann doch über sein Ziel hinaus. Am Stück konnte ich mir den damit viel zu lang ausgefallenen Streifen nicht angucken. Und so charmant ich auch vieles an ihm finde, letztendlich hängen mir die sympathischen Geschichten zu sehr an ihrem Aufhänger fest. Das reicht um eine Art morbid kindliche Freude zu entfachen, überfordert in seiner Überlänge jedoch. Filmfreunde, die weit weniger skeptisch mit Episodenfilmen umgehen als ich, werden mit genügend Geduld jedoch ein feines, verspieltes, wie blutrünstiges Happening erleben, wie es eben nur Freunde dieses Genres mögen, vorausgesetzt man steht nicht nur auf die bierernsten Varianten des übernatürlichen Films.  OFDb

14.06.2020

APPLECART (2015)

Wie vielschichtig die Underground-Kunst sein kann, beweist der unter dem Black Lava-Label erschienene, amerikanische Experimentalfilm "Applecart", der nicht, wie so oft üblich in diesem dreckigen Alternativbereich cineastischem Schaffens, hauptsächlich auf harte Gore-Momente setzt, sondern einer sehr eigenen Idee nachgeht. Pantomimisch als Stummfilm dargeboten, untermalt von Klaviermusik, gelegentlichen eingearbeiteten und künstlich anmutenden Geräuschen, sowie von Gelächter eines angeblichen Live-Publikums, serviert uns Dustin Mills vier morbide Geschichten, die stets Sexualität, Dramatik und Gewalt vereinen. Wie provokativ der Film gemeint ist, bzw. wie sehr er sich vom klassischen Filmschaffen unterscheidet, beweist er direkt zu Beginn, wenn er ungeschönt und auf sehr direkte Art eine masturbierende, dicke Frau zeigt. Das ist inhaltlich unnötig und ein wenig zu pseudo-provozierend eingebracht, bereitet jedoch das bevorstehende Feeling des Streifens vor und selektiert bereits dort das Publikum.

Einmal ins tatsächliche Geschehen eingetaucht, zeigt uns der Film morbide, aber auch recht schlicht gestrickte Situationen, die nicht gerade tief gehen. Mills überlässt der Art der Inszenierung des Schwarz-Weiß-Streifens die Wirkung, und das reicht für ein akzeptables Ergebnis bereits aus. Gerade die wunderbar grotesk anmutende Idee, dass jeglicher Darsteller eine weiße Maske trägt, manches Mal mit charakteristischen Merkmalen bemalt, erweist sich als die halbe Miete Gezeigtes interessanter wirken zu lassen, als es eigentlich ist. Die Darsteller überzeugen in mal übertriebener, mal geradezu klassischer Gestik pantomimischer Darstellung und beweisen mit ihren häufigen Nacktaufnahmen zudem Mut. Mills umgeht weder Detailaufnahmen im Intimbereich, noch blendet er Ejakulation, Urinieren oder Erektion aus. Jegliche der vier gezeigten Situationen mündet in einer durch rauschende Akustik vorgewarnte Gewaltreaktion, und meist wird das Ganze durch seinen humoristischen Grundton verstörender vorgetragen, als manch drastisches Bild ohnehin schon ausgefallen ist. Nicht falsch verstehen, Mills hält sich mit blutiger Gewalt zurück und zeigt sie nur gelegentlich, ihm ist der psychische Terror wichtiger, aber gelegentlich hält er uns Aufnahmen vor die Nase, die einen tatsächlich an die eigenen Grenzen bringen. Und diesen Effekt erzielt er meist nicht mittels irgendwelcher Bluttaten, sondern aufgrund der Extremität und Direktheit des Gezeigten.

Die dritte Geschichte sticht zwischen den anderen drei Episoden heraus, ist sie doch als einzige ernst gehalten. Sie fällt ohnehin dramatischer aus und erzielt diesbezüglich einen zusätzlichen Effekt dadurch, dass nun auch Klaviermusik und Gelächter stumm bleiben. Komplett ohne Ton dargeboten, mit Ausnahme des Rauschens, welches vor jeder Entladung auftaucht, wird das Leiden der schwangeren Tochter unter der gewaltsamen Erziehung ihres christlichen Vaters verdeutlicht und wirkt dadurch tatsächlich intensiver. Theoretisch gesehen ist Mills ein interessanter Ausnahmefilm geglückt, zumal Fotografie und die bizarren Einflüsse tatsächlich künstlerisch überzeugen. Wie im Underground-Bereich meist zu bemerken, so ist aber auch "Apllecart" eine Spur zu sehr darin bemüht Provokationen vorzubringen. Als natürliche Elemente inmitten der zu erzählenden Geschichten, wären diese eine hervorragende Zutat. Es verhält sich jedoch anders herum. Die Geschichten werden simpel um die Provokationen herum gestrickt, und das wirkt zu bemüht und reißerisch. Dass es sich dennoch deutlicher um Kunst handelt, im Gegensatz zu manch anderen darum bemühten Underground-Filmen, kann man dem Werk und seinem Schöpfer jedoch nicht absprechen. Dank einer Laufzeit von etwa 50 Minuten funktioniert das Projekt zumindest, ohne die Geduld des Zuschauers zu überfordern. Auf der hier vorliegenden kreativen Basis hätte ich mir jedoch etwas Einfallsreicheres, Tiefgehenderes und Interessanteres gewünscht, als diese zu Porno-lastige Provo-Parade, die mich in ihrer Art, gerade aufgrund des Sitcoms-Aspekts, immer ein wenig an die Porno-Reihe "That Sitcom Show" erinnert hat.  OFDb

05.04.2019

DER RASIERMESSER-KILLER (1974)

Was im deutschen Titel "Der Rasiermesser-Killer" reißerisch klingt, kommt im schlichten Originaltitel "The Centerfold Girls" dem Inszenierungsstil des Streifens weit näher, ist der Film doch ein schlicht ausgefallener Thriller, unaufgeregt, da nüchtern vorgetragen erzählt und somit nicht das was manch ein Horror-Fan sich wohl aufgrund falscher Vermarktung von dem Streifen erhofft hat. Auch auf seine Art ist der in Episoden aufgeteilte Film keine große Offenbarung geworden, halbwegs sympathisch kommt er aber durchaus daher, weiß die Kamera doch recht geschickt mit interessanten Aufnahmen das eher banale Treiben einzufangen und weiß doch auch das Drehbuch bei seiner näheren Beleuchtung der jeweils gerade ablaufenden Situation zu gefallen. So bekommt jede vom Mörder anvisierte Person ihren eigenen Hintergrund beschert, sprich einen aktuellen Lebensabschnitt, den der Killer beenden wird, was psychologisch reizvoll für den Zuschauer aus jeder umkommenden Person eine greifbare Figur macht, die man zuvor menschlich kennen lernen durfte, anstatt einfach einen Irgendwer vorgesetzt zu bekommen.

In diesem Pluspunkt liegt aber leider auch der Nachteil von "Girl Hunter" (Alternativtitel) begraben, sind die einzelnen Episoden doch derart stimmig erzählt, noch bevor der Mörder ins Spiel kommt, dass mit jedem Beenden eines jeweiligen Kapitels die Luft wieder raus ist. Gut aufgebaute Atmosphäre verpufft, am Ende erwischt es schließlich ohnehin jede, und mit jedem neuen Ansatz wird ein Übergang geschaffen mit welchem sich der Zuschauer, gerade frisch warm gesehen, neu orientieren muss. Okay, dass das Publikum herausgefordert wird klingt an sich positiv, aber weniger intellektuell betrachtet, mit Blick auf den Unterhaltungswert, wird aus etwas theoretisch Reizvollem ein dem Gesamtwerk schadender Erzählfluss. Das mag manch einem anders gehen, immerhin tue ich mich mit Episodenfilmen ohnehin etwas schwer, aber so ist mein subjektiver Eindruck nun einmal. Dass ein Film über immer ein und denselben Killer wie ein Episodenfilm wirkt, liegt an der an sich guten Idee stets die Opfer in den Mittelpunkt zu rücken, und den schlicht an Clark Kent erinnernden Psychopathen nur zur (wichtigen) Nebenfigur zu machen, die häufig pausiert, um der Anvisierten mehr Hintergrund bescheren zu können.

So toll die einzelnen Sequenzen und die völlig unterschiedlichen Lebenssituationen der jungen Frauen auch ausgefallen sind, ein packender Spannungsbogen kommt aufgrund des vorhersehbaren Endes einer jeden Episode nicht wirklich auf. Einzelne Momente wissen kurz zu packen, insgesamt wird der Blick auf das Geschehen jedoch zu nüchtern, da jedes präsentierte Szenario zu austauschbar wirkt, eben weil es durch ein anderes ausgetauscht wird. Liest sich blöde und ist nun einmal das Schicksal vieler Episodenfilme mit lediglich banalen Einzelepisoden, aber so ist es nun einmal. So ist "Playgirl Murder" (Alternativtitel) eigentlich ein kaum nennenswerter Thriller, auch wenn er recht eigenständig in seiner Art daher kommt und obwohl er packende Momente präsentiert und optisch überraschend gelungen abgefilmt ist. Für ein intolerantes Publikum ist er schon einmal gar nichts, eben weil er nicht die typischen Seherwartungen erfüllt. Aber immer wieder dabei zusehen müssen wie ein gut funktionierender Spannungsbogen wieder bei null anfangen muss, hat dann auch mich Toleranteren eine Spur zu sehr gestört, als dass ich das Ergebnis charmant nennen könnte.  OFDb

02.11.2018

GESCHICHTEN AUS DER SCHATTENWELT (1990)

Sechs Jahre nachdem die Serie "Geschichten aus der Schattenwelt" startete, drehte John Harrison die Spielfilmvariante davon, die ebenfalls diverse Horrorepisoden beinhaltete. Zusammengehalten werden sie durch die Rahmenhandlung eines von einer Hexe gefangengehaltenen Jungen, der die drei Hauptgeschichten aus einem Buch vorliest. Sicherlich darf man sich fragen, ob ein solches Vorhaben Sinn macht, wenn bereits die TV-Serie nicht miteinander verbundene Horrorgeschichten präsentiert, aber vielleicht lag der Reiz im finanziellen Umfeld. Ich kenne die Serie nicht, auf welcher der hier besprochene Film beruht, aber an Geld für tolle Spezialeffekte schien es nicht zu mangeln, lassen diese doch nichts zu wünschen übrig. Mit John Harrison hatte man zudem jemanden für die Regie verpflichtet, der innerhalb der Serie bereits mehrfach tätig war, und sein Gespür für Stil ist es dann auch, der "Tales from the Darkside - The Movie" (Originaltitel) so wundervoll funktionieren lässt.

Denn auch mir als jemand, der sich mit Episodenfilmen ein wenig schwer tut, hat dieser Ausflug in harmlose, kleine Horrorideen durchaus gemundet. Wahre Highlights präsentiert uns der Film nicht, aber alle drei Geschichten sind eine wunderbare Ablenkung von der grauen Realität. Der fast schon familiengerechte Touch wird nie zu extrem zelebriert, als dass das Ergebnis zu harmlos ausfallen würde. "Geschichten aus der Schattenwelt" schwankt zwischen blutleer, aber morbide. Seine Geschichten umweht ein düsterer Touch. Und schwarzhumorige Pointen weiß jede der vier Erzählstränge aufzuweisen. Wie bei einem Episodenfilm üblich fehlt jeder Geschichte eine entscheidende Zutat, und so kann jede von ihnen aufgrund ihrer begrenzten Spielzeit nicht sein volles Potential ausschöpfen. Um so verwunderter darf man darüber sein, dass die sich oft halb anfühlenden Erzählungen gelungen genug umgesetzt wurden, selbst dann, wenn sie wie in Geschichte Nummer 1, so gut wie keine eigenen Ideen aufweisen, die es nicht anderswo bereits gegeben hätte.

Der einzige wirkliche Schwachpunkt des Streifens liegt in der Rahmenhandlung, die zwar eingangs, wenn der Vorspann läuft, liebevoll und augenzwinkernd umgesetzt ist, mit der Auflösung der Identität der Frau und ihrer Pläne jedoch die letzte schöne Idee dieser Zwischensequenzen präsentiert, da von da an nur noch stur vorgelesen wird. Und auch die Schlusssequenz lässt Einfallsreichtum kläglich vermissen. Manch nette Pointe steckt zumindest in den Dialogen zwischen Kind und Hexe, und da die Sequenzen recht kurz ausgefallen sind, macht es die angenehm routinierte Qualität des Restfilmes auch nicht kaputt. Während die Mumiengeschichte trotz ihres Mangels an Innovationen verspielt und düster ausgefallen ist, besetzt mit Christian Slater und Steve Buscemi, ist es ausgerechnet sie, die zum Höhepunkt des Streifens wird, obwohl sie die banalste Geschichte erzählt. Der sehr interessant klingende Aufhänger der zweiten Geschichte, dass ein reicher Mann einen Auftragskiller engagiert um eine angebliche Killerkatze zu töten, wird leider nicht vollends genutzt (hier gefiel mir die Katzenhorror-Kurzgeschichte aus "Der Makler" besser), aber bis man erkennt, dass aus der hervorragenden Grundidee zu wenig herausgeholt wurde, lebt sie immerhin von ihrer hervorragenden Grundidee (von den tollen Settings, die jede der drei Geschichten zu bieten hat, einmal ganz zu schweigen).

Die letzte der drei Geschichten, besetzt mit der kurzfristig berühmteren Rae Dawn Chong, fängt sehr interessant an, konzentriert sich aber zu sehr auf die Schlusspointe, als dass sie im Mittelfeld mit den stimmigen zwei Geschichten zuvor mithalten könnte. Das Monster hat mir optisch wenig zugesagt, die Charakterzeichnung des Künstlers war mir nicht interessant genug angegangen, aber die Schlusspointe gibt der Geschichte recht, und ein stimmiger Einstieg, in einer dunklen Gasse spielend, ist besonders düster inszeniert. So hat jede der hier erzählten Geschichten ihre Schwachpunkte, aber das Restergebnis weiß zu gefallen, so dass "Geschichten aus der Schattenwelt - mehr als ein Film" (Alternativtitel) dem neugierigen Horror-Fan für zwischendurch trotzdem schmecken müsste. Immerhin bietet er solides Grundlagenprogramm, in welchem die inszenatorischen Aspekte mehr beachtet wurden als die Innovation der Geschichten. Wirklich schade ist es aber eigentlich nur um den Katzenhorror, den ich gern woanders noch einmal neuverfilmt sichten möchte, das volle Potential ausschöpfend, welches in ihm schlummerte.  OFDb

22.07.2017

GERN HAB' ICH DIE FRAUEN GEKILLT (1966)

„Gern hab‘ ich die Frauen gekillt“, wie könnte man diesen Titel nicht mögen? Und nicht nur er und sein Entstehungsjahrzehnt machten neugierig auf mehr, auch die Aufzählung der in ihr agierenden Stars von einst ließ die Erwartungshaltung wachsen. Klaus Kinski, Karin Dor, Lex Barker, um nur einmal ein paar zu nennen, nehmen in teils größeren, teils kleineren Rollen an dem bunten Treiben des Streifens teil, der sich zu meinem Bedauern jedoch als Episodenfilm entpuppte. Stammleser wissen wie schwer ich mich mit dem Aneinanderreihen von Kurzfilmen getarnt als Langfilm tue, zumal meist keine der Geschichten dieses Formats sein volles Potential auszuschöpfen weiß - und so war es dann auch in diesem Stück cineastischer Vergangenheit.

Wie so oft bei dieser Gattung Film werden die zusammenhanglosen Geschichten durch eine dünne Rahmenhandlung zusammen gehalten, und diese enttarnt ihren Sinn erst am Ende mittels einer Schluss-Pointe, welche den erzählten Geschichten doch noch einen dünnen Zusammenhang beschert. Aber viel gehaltvoller als die dämliche Idee, dass eine Geisel seinem Geiselnehmer drei Geschichten erzählt, ist auch diese nicht ausgefallen. Dass „Karneval der Killer“ (Alternativtitel) mir nicht so gut gefallen hat ist nicht nur zu bedauern da eine kunterbunte Schar Stars mitspielte, es ist auch schade um manch sympathische Idee, die durchaus ihren Reiz für mehr geboten hätte.

So wird die zweite Episode offensichtlich humoristisch erzählt, u.a. in dem man den sie unterstützenden Off-Kommentar dafür nutzt eine Art Lehrbuch der Agentenrichtlinien vorzutragen. Sätze wie „Agentenbosse irren sich nie“ verfehlen in übertrieben selbstsicherer Betonung nicht ihre Wirkung, die dazu gehörende Bilduntermalung stärkt ihre Pointensetzung dabei meist. Die Geschichte dazu fällt eher blass und routiniert aus, leider weiß die witzige Untermalung sie nicht komplett zu stützen. Episode 1 ist ähnlich inhaltsleer ausgefallen, unterhält dafür von allen drei Episoden jedoch am besten, was hauptsächlich daran liegt, dass der Humor hier weitaus subtiler eingestreut wird. Manch einer mag sich täuschen und glauben eine ernst gemeinte Kriminalgeschichte mitzuerleben. Stattdessen amüsiert sich der Autor über die Stereotype des aalglatten Kinohelden, den Stewart Grenger gekonnt souverän, und doch überspitzt, zu spielen weiß.

Tiefpunkt des Filmes ist schließlich die mit Lex Barker in der Hauptrolle so müde erzählte Geschichte eines Detektivs, der nach diversen Frauenmorden versucht das Leben des Präsidenten zu retten. Von Humor fehlte hier jede Spur, oder ich war mittlerweile zu unaufmerksam ihn zu bemerken, auf jeden Fall dümpelt Geschichte 3 müde vor sich hin, arbeitet dabei erneut nur Klischees ab, was ohne funktionierenden Humor diesmal nicht einmal aufgrund der 60er Jahre-Stimmung des Streifens Freude bereitet. „Gern hab‘ ich die Frau‘n gekillt“ (Alternativtitel) ist in seiner Absicht eigentlich durchaus sympathisch zu nennen, in seiner Umsetzung ist er jedoch zu arg oberflächlich und routiniert erzählt, als dass er mir wirklich hätte gefallen können. Sein mageres Ergebnis mag manch anderer aufgrund anderer versteckter Stärken aufgewertet sehen, ich habe für mich jedoch nicht viele weitere als die hier benannten entdecken können.  OFDb

28.01.2017

AMAZONEN AUF DEM MOND ODER WARUM DIE AMIS DEN KANAL VOLL HABEN (1987)

Nicht viele Leute wissen, dass es von „The Kentucky Fried Movie“ eine Fortsetzung gibt. Man erkennt es nicht einzig am Konzept einer per Kurzfilm-Sketche parodierten Form des amerikanischen TV-Programms, das gab es schließlich auch Jahre vor Teil 1 mit der „Big Gäg Movie Station“, an welcher u.a. auch Chevy Chase beteiligt war und die mit ihrem Nachfolger nichts zu tun hat. Dass eine direkte Verbindung zwischen „Kentucky Fried Movie“ und „Amazonen auf dem Mond“ besteht, merkt man eigentlich nur an dem Running Gag, dass sämtliche Schrottfilme von einem angeblichen Samuel L. Bronkowitz produziert wurden.

Sicher, der Humor ist ebenfalls ähnlich angesiedelt. Aber man merkt grundsätzlich ob das Zucker/Abrahams/Zucker-Team für den Humor eines Filmes verantwortlich ist, oder nicht. Die arbeiteten treffsicherer in „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ im Vergleich zur von anderen Autoren verfassten Fortsetzung „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“, und so ist es auch mit „Amazonen auf dem Mond“, der bei weitem nicht mehr so pointensicher daher kommt wie sein Vorgänger.

Aber auch er kann sich sehen lassen. Mehr sogar! Denn rein stilistisch ist er flotter umgesetzt als das an mancher Stelle leicht sperrige Original. Mag auch nicht jeder Sketch gleichermaßen zünden, der Großteil des Gezeigten ist eine Lachgarantrie. Und da sich das Medienleben der Amerikaner weiterentwickelt hat, wenn auch nicht im qualitativen Bereich, gibt es auch in einem Teil 2 noch genügend zu parodieren. Unschwer erkennbar ist der Einzug der Videokassetten in das Leben der Amerikaner. Ob als Nebensache zu Beginn im ersten Sketch mit dem unglaublich komisch agierenden Arsenio Hall, oder im Sexvideo-Sketch mit Gaststar Russ Meyer, welchen man als einen Mix der „Kentucky Fried Movie“-Sketche mit dem gefühlsechten Kino und dem Liebespaar vor der Nachrichtensendung bezeichnen könnte, sie ist dem Amerikaner wichtig geworden und stellte die Revolution ihrer Tage da. Kino für zu Hause, welch faszinierende Idee.

Mag man sich auch hauptsächlich an Medien des damaligen Zeitgeistes orientieren (sogar mit einem überraschenden und sehr witzigen Ausnahmeverweis auf das Medium Buch), mit dem Hauptfilm „Amazonen auf dem Mond“ dürfen auch Film-Klassiker wieder dran glauben. Im speziellen Fall diente in erster Linie „Cat-Women of the Moon“ als Vorbild. Was hier parodiert wird lässt sich aber auch auf viele weitere Science Fiction- und Monsterfilme der 50er Jahre anwenden. Auch wenn der über 30minütige Hauptfilm in „The Kentucky Fried Movie“ nicht gestreckt wirkte, so schaut es sich doch angenehmer, dass der „Hauptfilm“ diesmal auf die 90 Minuten Laufzeit verteilt wurde, was außerdem dem Thema Zapping zugute kommt, das in den 70er Jahren sicherlich noch nicht so extrem verbreitet war wie in den 80er Jahren.

Die Höhepunkte der Fortsetzung liegen zum einen in der Darbietung schwarzer Amerikaner ohne Seele (allen voran der grinsende Schlagersänger, der im fertigen Film immer wieder auftaucht) und der Parodie zu „Der Unsichtbare“ namens „Der Sohn des Unsichtbaren“, in welchem Ed Begley Jr., selbstverständlich in Schwarz/Weiß, einen Wissenschaftler spielen darf, der lediglich glaubt unsichtbar zu sein. Doch auch neben dieser beiden Highlights gibt es viele andere großartige Ideen zu erleben, so z.B. eine Beerdigung die zur Comedyshow umfunktioniert wurde, eine hanebüchene Erklärung um das Geheimnis Jack the Rippers, die Peinlichkeit eines Kondomkaufs und seine Folgen, ein mahnender Lehrfilm gegen unsittliches Verhalten (Vorsicht! Läuft erst nach dem ersten Abspann!), eine Doku über das Pethouse-Girl des Monats und einiges mehr.

Stilistisch unterscheiden sich die einzelnen Kurzfilme manchmal stark. So setzt die Parodie einer live übertragenen Gerichtsverhandlung z.B. absichtlich auf unterirdischen Humor (meiner Meinung nach auf sehr gelungene Art), der Sketch um einen Aufreißer, der Probleme mit der modernen Technik bekommt, fällt hingegen recht bieder aus. Und was der Sketch um einen Arzt, der das neu geborene Baby eines Öko-Paares nicht finden kann, im Film zu suchen hat, weiß ich aufgrund des fehlenden inhaltlichen Anschlusses nicht, beschert uns aber immerhin die aberwitzige Konfrontation zwischen einem ahnungslosem Paar und einem schäbigen Wurzelsepp.

Der Großteil folgt inszenatorisch und humoristisch jedoch dem Vorbild des ersten Teiles, für welchen John Landis für die Regie verantwortlich war. Der hat sich diesmal einige geschätzte Kollegen mit an Bord genommen, so z.B. „Gremlins“-Regisseur Joe Dante, was auch erklärt warum die Sketche so unterschiedlich ausgefallen sind. Dem Film bietet dies stilistische Abwechslung und könnte damit auch eine Erklärung dafür sein, warum sich Teil 2 trotz schwächerer Pointensetzung flotter guckt. Glücklicher Weise hat man aber auch die lahmsten Sketche entfernt, wie ein Blick auf die entfallenen Szenen auf der DVD zeigt. Die hätte ich an deren Stelle allesamt ebenfalls nicht mit reingenommen. Es ist vielleicht etwas schade um den Sketch um eine fremdsprachige Bauchrednerpuppe, aber auch dieses Highlight der entfallenen Szenen schaute sich zu langgezogen und hätte den flotten Verlauf von „Cheeseburger Film Sandwich“ (Alternativtitel) geschadet.  OFDb

22.01.2017

THE KENTUCKY FRIED MOVIE (1977)

John Landis war damals noch ein junger Filmemacher, der einige Jahre zuvor mit „Schlock - Das Bananenmonster“ das Kino seiner Zeit parodierte und dem bekannteren „Angriff der Killertomaten“ von John DeBello damit den Weg ebnete. Kino und Fernsehen kann mit all seiner unfreiwilligen Komik nicht oft genug parodiert werden, und so kann man es als glückliche Fügung bezeichnen, dass Landis für sein darauffolgendes Projekt auf Jim Abrahams und die beiden Zucker-Brüder stieß, die uns später, selbst Regie führend, so wundervolle Komödien wie „Die nackte Kanone“ oder „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ bescheren sollten. In „The Kentucky Fried Movie“ sind sie lediglich noch „nur“ die Autoren, und ebenso wie Landis schlüpfen sie in die ein oder andere Rolle des auf Sketche ausgelegten Filmes.

Ob es um den (heute noch immer vorhandenen) Hang geht Filme nicht mehr rein als Filme zu sehen, sondern mit Events wie 3D zu verwursten (parodiert als gefühlsechtes Kino), ob es um reißerische und theatralische Umgänge mit emotionalen Themen geht (Filmvorschau zum fiktiven „That‘s Armageddon“) oder einfach nur um die sinnlose Geschwätzigkeit der Medien (Abenteuer heute), die scheinbare Anonymität vor dem Fernseher (der Sketch um das Liebespaar vor den Nachrichten) oder die Schwächen von Werbungen (die Kopfschmerzklinik) und Lehr-Filmen (Leben ohne Zinkoxyd), „The Kentucky Fried Movie“ holt pointensicher aus, weiß exakt wie der Humor zur besten Entfaltung gesetzt werden muss und hält sich nie zu lange an einem Sketch auf, nicht einmal in dem einzig größer ausgefallenem, 35 minütigen Kurzfilm „Für eine handvoll Yen“, in welchem sich ausgiebig über die Schwächen des asiatischen Kampfkunst-Kinos lustig gemacht wird, freilich nicht ohne den Amerikaner und sein Medium ebenfalls der Lächerlichkeit preiszugeben.

Der Mix aus einem raffiniertem, analtytischem Blick auf die elektronische Medienlandschaft der 70er Jahre und dem Hang zum hemmungslosem Herumalbern, geben „The Kentucky Fried Movie“ das gewisse Etwas, wird doch nie stillos herumgealbert, aber doch recht gewagt. Wenn die Alarmsirene in einem großen Gebäude nach Ausbruch einer Katastrophe daraus besteht dass ein Mann mit Flüstertüte für das Geräusch besagtem Alarms verantwortlich ist, anstatt ein elektronischer Ton, dann mag mancher Humormuffel die Augen verdrehen und dies als infantil bezeichnen, der Mensch mit Humor im Herzen muss über solchen Nonsens jedoch laut lachen, und dies selbst noch bei der x-ten Sichtung.

„The Kentucky Fried Movie“ hüpft von einem Höhepunkt zum nächsten, bietet keine missglückte Episode, schaut sich mit Augen von heute aber freilich medial überholt, was ihm aber Retrocharme beschert anstatt Desinteresse. Wer das Fernsehen und das Kino einst so miterlebte wird ebenso viel Freude an Landis Episodenfilm haben wie es junge Generationen haben. Ob es die Rohölgewinnung per Abzapfung des Fettes von Teenagergesichtern ist, der herrlich absurde Trailer des fiktiven „Katholische Schulmädchen in Not“ oder der Running Gag um durch ein Horoskop hervorgesagte Überraschung für Zwillinge, „The Kentucky Fried Movie“ sprüht nur so vor Witz im Zeitgeist, hemmungslos albern, aber auch genau wissend was wieso parodiert gehört.  OFDb

19.07.2016

DOOMSDAY BOOK (2012)

Zwei Regisseure setzten sich zusammen und schrieben und inszenierten einen Episodenfilm, der jeweils vom Ende des Alltbekannten handelt, in zwei Episoden sogar vom Ende der Zivilisation. Die Ideen sind recht gewagt. Ein Blick auf meine Inhaltsangabe verrät wie schräg das klingt, was Pil-sung Yim und Jee-woon Kim sich da ausgedacht haben, selbst der Auslöser der Zombiegeschichte ist arg skurril gewählt. Was sich jedoch wie eine Komödie liest, besitzt durchaus ernsten Hintergrund. Zwar weht immer auch ein humoristischer Wind mit durch den Film, aber der ändert nichts an der vorhandenen Ernsthaftigkeit der Themen. Fast scheint es, als solle man erfahren, dass auch jede noch so idiotische Idee richtig umgesetzt das Potential zu einem Drama, oder zumindest zu einer Tragikomödie besitzt.

Am offensichtlichsten humoristisch ist die erste Episode ausgefallen, in welcher ein Mann aufgrund schlecht hergestellten Tierfutters zu einem Zombie wird und ganz nebenbei die restliche Menschheit ansteckt. Dies geschieht zu einem ungünstigen Zeitpunkt, beginnt doch gerade die Herzensdame sich für ihn zu interessieren. Gerade flirtend mit ihr auf einer Bank sitzend sorgt der Beginn der Krankheit dafür, dass sich der eigentlich harmlose Mann in eine aggressive Bestie verwandelt und einen Passanten attackiert. Die Metamorphose kommt schleichend, und so versteht der von der Frau nun sitzen gelassene Mann nicht was mit ihm los ist. Wir erleben hier Herzschmerz auf schwarzer Humor-Basis, und nach und nach rückt die Weltuntergangsstimmung in den Vordergrund, dies jedoch nur um die Lovestory doch noch überraschend auf ein anti-romantisches Stinkefinger-Ende zuzusteuern. Diese Episode ist durchaus unterhaltsam ausgefallen, ist in einer Zeit, in der man mit Zombiefilmen zugeschmissen wird, streng genommen aber nicht wirklich der Rede wert.

Interessanter ist da schon die Geschichte eines Technikers, der wie so oft die Fehlfunktion eines der vielen in der Gesellschaft eingesetzten Roboters beheben soll und an seine Grenzen stößt. Denn besagter Roboter lebt in einem buddhistischem Tempel und steht kurz vor der Erleuchtung. Wenn nun Hersteller, Buddhisten, der Techniker und der Roboter zusammen kommen, entsteht eine ideenreiche, hintergründige und  fruchtbare Diskussion, welche „Doomsday Book“ ihren philosophischsten Part beschert. Nicht nur dass verschiedenste Blickwinkel ausgelotet werden und die ganze Chose mit äußerstem Respekt angegangen wird, es steckt auch einiges an Vorbereitung der Autoren in dieser Geschichte drin, gehen die Gedanken die hier geäußert werden doch tief und in verschiedene Richtungen, so dass da durchaus ein intensives Brainstorming stattgefunden haben muss, damit die Episode so gehaltvoll und tiefgründig ausgefallen ist, wie geschehen. Freilich wandert man auf dünnem Eis. Die Geschichte steht immer wieder kurz davor zu scheitern. Aber entscheidende, mögliche Fehler werden stets umschifft, so dass man diese Geschichte tatsächlich zu einem großartigen Erlebnis gemacht hat und damit zum Höhepunkt des Streifens.

Die dritte und letzte Geschichte ist eine Groteske, die der hanebüchensten Idee nach geht, eine Idee die mich nicht wirklich überzeugen konnte, deren Geschichte jedoch durch ihre nüchtern humoristische Umsetzung interessant wurde. In erster Linie weiß der skurrile Charakter des Onkels und sein nicht weniger skurriles Auftreten einen zum Schmunzeln zu bringen. Der Rest besteht letztendlich (noch mehr als Episode 2) aus dem Mut ein derart durchgeknalltes Thema so konsequent durchzuziehen. Etwas zu bemüht versucht man dem Geschehen einen nachvollziehbaren Rahmen zu geben, aber die geäußerten Spekulationen, warum geschehen ist was geschehen ist, mixen Esoterik mit Physik und werden nicht tief genug beleuchtet um eine mögliche Faszination zu sättigen oder überhaupt erst zu entfachen. Der konsequente Ablauf der Geschichte hingegen ist es, den man lobend erwähnen darf. Hier nutzt jede Gegenwehr nichts. Bekannter Maßen gehen die Asiaten schonungsloser mit ihrem Kinopublikum um, als es der moderne Zuschauer meist aus Hollywood gewohnt ist, und so erleben wir eine bizarre Version eines Happy Ends, welches den Weltuntergang hierfür nicht ausschließt.

Innovativ und interessant ist „Doomsday Book“ durchaus ausgefallen, neugierigen Fans asiatischer Filme kann man ihn unter Vorbehalt gar empfehlen. Dennoch fehlt der Feinschliff, um in dem ungewöhnlichen Science Fiction-Film mehr als die kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch zu sehen. Wären alle Geschichten so ausgefallen wie jene von Episode 2 würde ich von einem sehenswerten, herausragenden Film sprechen, aber Episode 3, die nie genau weiß worauf sie hinaus will und von der ich nicht verstanden habe was die Autoren mit ihr überhaupt aussagen wollen (es mag also auch an mir liegen) und die Austauschbarkeit der ansonsten recht sympathisch ausgefallenen Episode 1, hindern „Doomsday Book“ daran sein volles Potential zu entfalten. Wenn die beiden Regisseure eines Tages eine Fortsetzung mit drei weiteren Geschichten präsentieren würden, wäre ich jedoch sofort bereit mir diese anzusehen. Ihr Einfallsreichtum macht einfach neugierig auf mehr.  OFDb

07.06.2016

ALL HALLOW'S EVE (2013)

Stammleser wissen es: ich bin kein Fan von Episoden-Filmen. Ob es nun Klassiker wie „Irrgarten des Schreckens“ sind oder modernere Werke wie „Chillerama“, sie kommen mir stets zu lückenhaft daher, hören auf wenn es am schönsten wird und bieten somit immer nur den Ansatz dessen was eine Langgeschichte bieten könnte. Auch der Versuch in „Amusement“ als Episoden-Horror zu beginnen, um das Ganze letztendlich doch in eine durchgehende Horrorgeschichte zu verwandeln, wollte bei mir nicht fruchten. Gelungene Beiträge dieser Art finde ich maximal ganz nett, verspielte Filme wie „Der Makler“ punkten bei mir mehr als sich zu ernst nehmende Werke.

Fast könnte man auch „All Hallow‘s Eve“ zu letztgenannter Kategorie nennen, würde Regisseur Damien Leone seine oft aufs Torture Porn-Publikum abzielenden Szenarien nicht immer wieder verspielt aufbrechen mit Horrorfilm-Klischees oder klassischen Ängsten des Publikums. Mal kommt sein Streifen bestialisch hart daher, mal wirkt er wie eine naive Fahrt durch eine Geisterbahn auf der Kirmes, oft ist er beides auf einmal. Das zeigt sich auch in der Figur des psychopathischen Clowns, die manchmal fast schon auf kindische Art für Schrecken sorgen soll, dann wieder so dämonisch erschreckend agiert, dass einem beim Zuschauen anders werden kann. Manches Mal weiß sein Terror ins Schwarze zu treffen, in anderen Momenten wirkt er doch wieder zu bemüht darin das Klischee des erschreckenden Clowns oder jenes des Augen aufreißenden Psychopathen zu erfüllen.

Dass sich „All Hallow‘s Eve - Komm raus und spiel“ (Alternativtitel) so erfrischend anders guckt, liegt an Leones Talent den allgemeinen Spannungsbogen meisterhaft zu beherrschen und an seinem Gespür zu erkennen welche Horrorelemente wirksam bei der hier dargebotenen Thematik sind und welche es nicht wären. Da seine Geschichten stets böse enden, ohne eine Finalsequenz zu benötigen, kann der Regisseur von diesem Vorteil zehren. Wie oft sind Horrorfilme in ihrer Aufbau-Phase spannend ausgefallen und bekommen im Finale den Bogen zu einem eben solch qualitativen Schluss nicht hin? In Kurzgeschichten muss man nicht zu viel erklären. Kurzgeschichten können urplötzlich enden. Eigenschaften die ansonsten meist der Hauptgrund dafür sind warum ich Episodenfilme meide, nutzt Leone zum Vorteil. Und das finde ich erstaunlich.

Leider ist die Deutschvertonung sehr mittelmäßig ausgefallen, und da kein deutscher Untertitel auf der von mir erworbenen DVD vorhanden war, konnte ich mit meinen mangelnden Englischkenntnissen auch nicht zum Originalton wechseln. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass „All Hallow‘s Eve“ auf englisch noch eine gute Spur intensiver daher kommt als in der synchronisierten Fassung, und das muss schon was heißen, wird er zartbesaiteten Personen doch sicherlich Alpträume bescheren, so nah wie Leone sich an deren Ängsten orientiert, in Szenarien die Alpträumen selbst nicht unähnlich sind.

Zwar ist zwei Jahre später die Fortsetzung „All Hallow‘s Eve 2“ erschienen, ob diese mit dem Original, welches genau weiß welche Knöpfe es beim Publikum drücken muss um dieses zu ängstigen, aufnehmen kann, bezweifel ich im Vorfeld sehr stark, mischen dort doch gleich mehrere Regisseure mit, und Leone ist gar nicht mehr mit dabei. Dennoch werde ich bei einer deutschen Veröffentlichung definitiv zugreifen. Immerhin war der hier besprochene Film tatsächlich mal eine angenehme Ausnahme in einem Filmkonzept welches ich ansonsten nicht sonderlich mag.  OFDb

25.05.2014

TOTENTANZ DER VAMPIRE (1971)

Wahnvorstellungen, Betrug, Hexen, Psychopathen und Vampire, in Peter Duffells erstem Spielfilm nach diversen Arbeiten an TV-Serien geht es um vieles, was den deutschen Titel „Totentanz der Vampire“ Fehl am Platz wirken lässt, auch wenn er mit Zugpferd Christopher Lee werbetechnisch sicherlich erfolgreich war. Allerdings spielt „Dracula“ diesmal keinen Vampir, stattdessen einen zwielichtigen Vater, und dies auch nur in einer von vier Geschichten, denn „The House That Dripped Blood“ (Originaltitel) gehört zu dem Gebiet des mir verhassten Episodenfilmes, was ich vor der Sichtung leider nicht wusste.

Auch „Totentanz der Vampire“ krankt an den üblichen Makeln von Episodenfilmen, die ich schon an anderer Stelle angesprochen habe, trotzdem gehört er zu den angenehmeren Werken dieser Art, zumal es Duffell schafft hin und wieder einen wahren Hauch Grusel zu versprühen, was bei der Vorhersehbarkeit und dem Abarbeiten klassischer Horror-Klischees sicherlich keine Leichtigkeit war.

Diese Klischees lesen sich recht negativ, gerade sie machen jedoch den Charme des Werkes aus, das sich seiner klassischen Herangehensweise durchaus bewusst ist und ohnehin augenzwinkernd erzählt ist. Filme dieser Art sind selten so verbissen ernst gemeint wie so manche Werke dieses Genres heutiger Zeiten, und doch (oder gerade deswegen?) kann man sie als Konsument ernst nehmen, denn die Verantwortlichen gingen seinerzeit trotz schmunzelnder Distanz mit Respekt mit solchen Filmen um, so dass ihre liebevolle Gestaltung zum Einschalten einlädt.

Freilich sind die Settings neben der schauspielerischen Leistungen von Cushing und Lee wieder das Schmuckstück des Streifens, wie schon so viele britische Horrorfilme zuvor, und man erkennt all die kleinen Mühen, die in all die mal mehr mal weniger interessanten Geschichten hinein investiert wurden. Ganz besonders auf die Charaktere wurde wert gelegt, selbst wenn diese nur je 20 Minuten des Filmes ausmachen. Sicherlich sind sie nicht aus dem Leben gegriffen, es sind offensichtliche Protagonisten einer Horrorgeschichte (gerade der Schauspieler der letzten Geschichte ist zu sehr Parodie, als dass er authentisch wirken könnte), aber das ist durchaus so gewollt.

„Totentanz der Vampire“ macht Spaß - nicht mehr, nicht weniger. Das ist wahrscheinlich das Maximum dessen was ich einem Episoden-Horror abgewinnen kann. Dramatische Stoffe wie „Dead Girl“ wissen dieses Gebiet meiner Meinung nach besser zu füllen, Horror/Grusel benötigt mehr Zeit zur Entfaltung, hat es schwieriger auf so kurze Lauflänge zu wirken, und da bieten Kurzgeschichten zu wenig Chancen konsequent zu sein. Erschauern wird bei Duffells Film keiner mehr, fraglich ob das je so war oder gewollt war, spannend wird es wie erwähnt trotzdem hin und wieder, und das ist schon mehr als beispielsweise der sehr beliebte „Irrgarten des Schreckens“, welcher der selben Filmreihe wie „Totentanz der Vampire“ angehört, je erreicht hat.

Wer seichte Horrorunterhaltung im klassischen Stil mag, deren qualitativ tiefer gehende Themen eher versteckt aufzufinden sind, der kann mit „Totentanz der Vampire“ nicht viel falsch machen. Für Leute wie mich ist er der angenehme Kompromiss zum durchgehenden Horrorfilm, sprich angenehm, aber doch nur Kompromiss.  OFDb

31.12.2013

CHILLERAMA (2011)

Ein "Godzilla"-ähnliches Monster-Sperma, Hitler der einen Toten wiedererweckt und ein schwuler Werwolf, das klingt alles ziemlich lustig und kultig, ist aber nicht die Art Trash geworden, die meinem Geschmack entspricht. Mal ganz davon abgesehen dass die dritte Idee vom besseren „Curse Of The Queerwolf“ abgeguckt ist, schaut sich „Chillerama“ trotz Genre-Kenntnis und sogar häufig geglückter Verweise selbst auf seine Ideen hin gesehen viel zu infantil. Da werden falsche Schwerpunkte gesetzt, welche die beim Massenpublikum sicherlich ankommen, aber weder bei mir noch bei meinen mitleidenden Stammzuschauern in vertrauter Trash-Runde. Mit Sex- und Fäkalwitzchen wird es derbst übertrieben, die Rahmenhandlung nervt extremst, und der Tiefpunkt nach der als solchen vermuteten Schwulenstory ist die glücklicher Weise kürzeste Episode, in der es um Scheiße im wahrsten Sinne des Wortes geht. Ziemlich gelungen ist hingegen der vor einfallsreichen Einfällen sprudelnde Hitler-Kurzfilm, an dem es kaum etwas zu meckern gibt. Der Rest ist jedoch derart unterirdisch, dass ich auch mit Wohlwollen keine netteren Worte über "Chillerama" äußern kann. Übler Schund!  OFDb

15.09.2013

EMPIRE ME! - DER STAAT BIN ICH! (2011)

Ganz anders als sein mit Christoph Schlingensief zusammen umgesetzter, provokativer Dokumentarfilm „Ausländer raus! - Schlingensiefs Container“, in welchem man durch eine drastische Aktion gegen das Missachten von Menschenrechten aufmerksam machte, kommt Paul Poets zweiter Dokumentarfilm und dritte Regie-Arbeit daher. Ist die Gründung eines Mikrostaates schon fast als leise Rebellion zu verstehen, so will „Empire Me“ nicht provozieren, sondern zeigt uns still und mit Respekt vor den Mentalitäten in diesen Mikrostaaten den Alltag in diesen, nie darauf aus Kritik zu üben, sondern neutral Licht in das Dunkel der uns unbekannten Staatsformen zu bringen.

Ob auf dem Wasser oder an Land, mal bestehend aus einer handvoll Leute, mal mit über 1000 Einwohnern versehen, jedes in diesem Film aufgezeigte Land steht individuell für sich selbst. Den Wunsch nach Unabhängigkeit haben alle gemein, egal ob ausgelebt in einer Monarchie, einer Demokratie oder der Anarchie. Manche Mikrostaaten wurden der freien Liebe wegen gegründet, andere der Kunst wegen, andere leben ihre Esoterik ungehindert in ihrem Kleinststaat aus, andere benötigen keinen solcher Aufhänger sondern genießen schlichtweg die Freiheit eigene Gesetze zu erschaffen und Herr ihres eigenen Tuns zu sein.

Das ist alles sicherlich interessant anzuschauen, sein eigentliches Ziel über Mikrostaaten zu informieren hat der Film meiner Meinung nach jedoch nicht erreicht, zeigt er doch viel mehr alternative Lebensweisen auf, meist welche, die man auch in anderen Ländern als Subkultur vorfindet. „Empire Me“ möchte Respekt für solche alternativen Lebensweisen wecken, ein löblicher Schritt in einer Zeit in der Toleranz sich meist auf religiöse und große Kulturen bezieht, selten jedoch auf alternative Kulturen innerhalb der eigenen Gesellschaft. Diese Aufklärung hätte meiner Meinung nach also weniger mit Blick auf die uns unbekannten Mikrostaaten stattfinden sollen, sondern um wirklich aufzuwecken, zu informieren und die Toleranz in uns zu wecken Subkulturen in unserer eigenen Gesellschaft beleuchten sollen. Denn eins muss man Poet lassen: das hier Gezeigte verkommt nie zur Freak-Show über die man sich lustig machen will.

Mehr Sinn als der respektvolle Blick auf alternative Lebensweisen will sich mir nach Sichten von „Empire Me“ nicht erschließen. Wozu ausgerechnet der Blick auf Mikrostaaten, wenn nicht über deren Gründung gesprochen wird, Hintergründe, Problematiken und Regelungen intensiver beleuchtet werden und Aspekte ausgeblendet werden, wie die Frage wie man innerhalb eines solchen Mikrostaates aufwächst. Bekäme man zu Beginn eines jeden Kapitels nicht per Schriftzug mitgeteilt, welche Art Mikrostaat aktuell besucht wird, man könnte meinen man filmt lediglich Kommunen oder Clubgelände, in welchen sich Gleichgesinnte treffen. Es geht lediglich um die Lebensweise des jeweiligen Landes. Das tatsächliche Betrachten und Hinterfragen der Faszination Mikrostaat findet nicht bzw. kaum statt.

Das finde ich persönlich zwar schade, und somit bot „Empire Me“ nicht dass was ich mir eigentlich inhaltlich von diesem Stoff erhofft hatte, aber als Plädoyer für alternative Lebensweisen weiß er auch in diesem anderen Gewandt zu gefallen. Er konzentriert sich interessiert auf Nichtigkeiten, gibt Einblick in andere Denkweisen, entlarvt ab und an sogar das Selbstanlügen einiger Bewohner. „Empire Me“ ist also durchaus einen Blick wert, aber der Faszination Mikrostaat wird nicht wirklich nachgegangen. Das worauf sich Poet konzentriert hätte er auch innerhalb größerer Staaten locker entdecken können, um darüber zu berichten. Da Subkulturen innerhalb des eigenen Landes häufig nicht die Toleranz entgegengebracht wird wie größeren Kulturen, an welche die meisten Menschen denken wenn sie den Begriff Multikulturell hören, hätte der Film meiner Meinung nach mehr Wirkung entfaltet, wenn er für seine Betrachtung nicht erst Mikrostaaten aufgesucht hätte.

Freilich bin ich für den kurzen Blick auf Mikrostaaten, der nebenbei immer mal aufblitzt, trotzdem dankbar, ist es doch ein hochinteressantes Thema. Aber eben weil es das ist, fühle ich mich von Poet ein wenig verarscht. Nicht ohne Respekt für sein Werk zu hegen, immerhin bleibt sein Film selbst dann objektiv und neutral wenn (häufig) Musik eingespielt wird, eine Zutat die in vergleichbaren Filmen liebend gern dafür genutzt wird den Zuschauer zu manipulieren. Aber trotz seines lobenswerten Ergebnisses finde ich das Ziel einer Dokumentation über Mikrostaaten verfehlt. Schade, aber dank einer interessanten Umsetzung nicht wirklich schlimm.  OFDb