Posts mit dem Label Jürgen Roland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jürgen Roland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

21.03.2017

DER ROTE KREIS (1960)

Der zweite Film der legendären deutschen Edgar Wallace-Reihe der 60er Jahre ist gleich einer meiner liebsten Filme der Serie, was nicht zwingend daran liegt, dass er als früher Vertreter der Reihe noch so anders gestrickt ist als die meisten der Folgewerke, aber ich muss zugeben dass selbst dies den Film angenehm aufwertet, auch wenn ich gegen das eher typische Rezept der Wallace-Hochphase beileibe nichts einzuwenden habe. Dennoch schaut sich „Der rote Kreis“ im direkten Vergleich angenehm ernst. Die Geschichte wird recht verschmitzt erzählt, aber eben nicht tatsächlich mit Witzchen aufgewertet. Das ist gerade deswegen interessant, weil bereits Eddi Arent mit an Bord ist, der seine Rolle zwar äußerst skurril anlegt, aber keinen anderweitigen Aspekt der Belustigung durchschimmern lässt.

Dass mir Jürgen Rolands erster von leider nur zwei Beiträgen zur Reihe so außerordentlich gut gefällt, liegt aber hauptsächlich daran, dass der Kriminalfall tatsächlich zu interessieren weiß. Die Geschichte packt den Zuschauer ganz von selbst, ohne irgendwelchen Budenzauber zu benötigen. Wie der rote Kreis vorgeht, wie der Kommissar vergeblich versucht die Identität zu lüften und wie nach einigen Zuschauertäuschungen die Wahrheit tatsächlich aussieht, das weiß alles zu gefallen. In der richtigen Ballance aus nüchterner Sachlichkeit und spannend inszenierten Momenten, weiß die erste Tonverfilmung des insgesamt drei mal verfilmten Wallace-Romanes sowohl zu unterhalten, als auch zu interessieren, ist der Zuschauer doch herzlich eingeladen mitzuraten wer sich hinter der Maske des Meistererpressers versteckt.

Wer gut aufpasst erkennt den roten Kreis bereits an der Stimme, die man von der ersten Szene an im Heute angekommen bereits vorgesetzt bekommt. Aber selbst wenn man deswegen, oder aufgrund anderer Hinweise, bereits zu früh weiß um wen es sich handelt, den Sehspaß verdirbt dies nicht, guckt sich die deutsch/dänische Zusammenarbeit doch im Wissen um den Täter, also auch bei einer zweiten Sichtung, so gut wie ohne, eben weil man den Missetäter in diesem Falle Schritt für Schritt dabei beobachten darf wie er täuscht, manipuliert und die Leute gegeneinander ausspielt.

Handwerklich professionell inszeniert und mit gut agierenden Mimen besetzt kann der Film somit ganz schlicht von seiner eigentlichen Geschichte leben, was die Stärke des hier vorliegenden Kriminalfalles um so deutlicher macht. Mag der Kommissar auch ein wenig altbacken wirken, er muss kein interessanter Charakter sein, um zu funktionieren, geht es doch einzig um seine Kombinationsgabe und vorgespielte Ahnungslosigkeit, so dass man den Mann hinter dem Beruf gar nicht erst kennen lernen muss. Zum alten Eisen gehört zudem Fritz Rasp, der bereits in den 30er Jahren in „Der Hexer“ und „Der Zinker“ mitgespielt hat, und im hier besprochenen Film erneut meisterlich agieren darf.

Interessant ist die weibliche Hauptrolle ausgefallen, die eine Einzigartigkeit in der Wallace-Welle darstellt, dient sie doch nur sehr leicht als Love Interesst und ist hauptsächlich eine der Polizei bekannte, zwielichtige Persönlichkeit, eine Art frühe Cat Women, von der man nie weiß wo ihr jeweiliger Vorteil liegt, also auch nicht weiß wo genau sie inmitten der vielen zwielichtigen Personen steht. Leider wird einiges davon in der letzten Szene wieder revidiert, und dies zudem noch auf unsinnige, wie unglaubwürdige Weise, aber bis zu diesem Zeitpunkt weiß die Andersartigkeit dieser wichtigsten weiblichen Rolle definitiv zu gefallen.

Neben diesem Schwachpunkt kann man höchstens noch jenen Fehler des roten Kreises zu den Schwächen der Geschichte zählen, mit dem er sich endgültig verrät, widerspricht es doch der durchdachten Art des Profi-Verbrechers, dass er sich solch einen dicken Fauxpas erlaubt. Dies wird aber zumindest dadurch wieder abgeschwächt, dass die anderen Dinge, die ihn ohne des Mitwissens des Zuschauers für den Ermittler verdächtig werden ließen, weit weniger grobe Schnitzer sind und raffiniert in den durchdachten Plot mit eingebunden wurden. Ich habe „The Red Circle“ (Alternativtitel) nun schon zum dritten Mal gesehen, und ich bin jedes Mal wieder von seiner Wirkungskraft beeindruckt.  OFDb

10.12.2016

DAS MÄDCHEN VON HONGKONG (1973)

Unter der Regie des für die Edgar Wallace-Filme „Der rote Kreis“ und „Der grüne Bogenschütze“ verantwortlichen Jürgen Roland wurde ein Abenteuer-Action-Mix auf Kriminalfilmbasis erstellt, verfasst von „Derrick“-Autor Herbert Reinecker und in der Hauptrolle besetzt mit Joachim Fuchsberger, wie er auch nur in den bunten 60er und 70er Jahre entstehen konnte. Der Held ist ein harter, aber souveräner, verschmitzter Sunnyboy, für den nur die eigenen Regeln gelten, und der sich stets mit seinen Fäusten zur Wehr setzt. Seine Mission ist ein unter wirren Umständen entstandener Kriminalfall, der sich während der Ermittlungen irgendwie von selbst gestaltet, während Frank Boyd selbst keinerlei Befugnis besitzt zu ermitteln, man eigentlich ohnehin nichts von ihm weiß, außer dass er laufend überall aneckt, von der Polizei aber trotzdem tatkräftig unterstützt wird.

„Das Mädchen von Hongkong“ funktioniert dabei wie ein Comicstrip, lieben die Verantwortlichen es doch sich jeglicher Klischees aus Fernost und aus der Agenten- und Krimi-Literatur zu bedienen, was mit einer augenzwinkernden Leichtigkeit angegangen wird, wie man sie in heutigen Projekten kaum noch vorfindet. Nur verbohrte Ignoranten würden bei dem lockeren Treiben auf die Idee kommen dem Film in seiner absichtlich verspielten Art besagter Klischees Rassismus vorzuwerfen oder im Umgang mit dem schwachen Geschlecht Frauenfeindlichkeit, was diverse Stimmen tatsächlich tun, was einer Arroganz gleicht der vergangenen Generation in Sachen Ethik und Moral nicht zuzutrauen Spaß von Ernst trennen zu können und zu erkennen, dass die Sichtweise auf diese Dinge eine andere, aber keinesfalls eine ignorante, war. Damals konnte man noch trivialen Unsinn von ernsthaften Beleidigungen trennen, was in einem solch herrlich verspieltem Werk, wie dem hier besprochenem, schließlich auch Sinn macht.

„From Hong Kong with Love“ (Alternativtitel) ist mitten in seiner Zeit stehen geblieben, nicht nur von seinem Lebensgefühl her, auch von der technischen Herangehensweise einen Film zu drehen. Kunterbunt, von lockerer Hand umgesetzt, sich allein durch das damals gar nicht verpönte Anwenden von Kamerazooms manchmal wie ein selbstgedrehter Film anfühlend, auf der anderen Seite aber auch sehr professionell umgesetzt, wenn man nur einmal manch gekonnt eingefangenen Kameraschwenk beachtet. Mit seiner Musik, die so bereits 10 Jahre zuvor einen Edgar Wallace-Film der Rialto-Reihe hätte schmücken können, seinem Heldenbild, welches deutlich an James Bond orientiert ist und heute nicht mehr als Identifikationsfigur verwendet werden würde und der schlagfertigen Action, die weitestgehends auf Schießereien verzichtet, ist Jürgen Rolands wilder Genre-Mix das zu Fleisch gewordene 60er und 70er Jahrzehnt, eben die Art alternatives Kino, wofür man diese vergangene Dekade des Filmemachens als Cineast liebt.

Dass dies Joachim Fuchsbergers letzte Rolle seiner Paradefigur sein sollte, liegt nicht daran, dass er langsam zu alt für derlei Filme wurde. „Das Mädchen von Hong Kong“ beweist ebenso wie der ein Jahr zuvor entstandene „Das Geheimnis der grünen Stecknadel“, dass er noch genügend Charisma besaß, um in Kriminalfilmstoffen als im Vordergrund agierender Held zu wirken. Seine verschmitzte Altherren-Art, der man keinen Flirt krumm nimmt und von der man nie weiß zu welcher Dame das Herz denn nun schlägt, weiß nach wie vor zu wirken, und seine schlagfertige Haltung in Actionszenen war bereits in den Wallace-Filmen augenzwinkernd gemeint, so dass man dem guten Mann auch hier nie eine Rentenbescheinigung aussprechen würde. Freilich belustigen diese Momente in einem in Hongkong spielenden Streifen mehr denn je, weiß man doch schließlich welche Handkantenkunst in derlei Regionen dieser Welt praktiziert und zelebriert wird, das Grundprinzip, solche Schlägereien nur als Gimmick innerhalb eines pulpig angelegten Stoffes zu sehen, bleibt dennoch das selbe.

„Das Mädchen von Hongkong“ wirbelt seine Ereignisse und Zutaten wild umher. Der Zuschauer weiß nie wie ihm geschieht, wird immer mit neuen Wendungen einer eigentlich nicht vorhandenen Geschichte konfrontiert, und das sorgt in der hier angegangenen Leichtigkeit für einen hohen Sehspaß, so dass nie der Hauch von Langeweile oder Stillstand aufkommt, was bei solch dünner Handlung durchaus vorkommen kann, siehe „Sechs Pistolen jagen Professor Z“. Schämte man sich dort bei fehlendem Plot dafür, dass sich erwachsene Männer wie Kinder benehmen, so unterstützt das Infantile im hier besprochenen Film sogar den Charme des Streifens, von dem er mehr als genug besitzt.

Etwas ungewöhnlich fühlt sich der Schluss an, der an dieser Stelle freilich nicht verraten werden soll, besitzt er doch eine Ernsthaftigkeit, die man im restlichen Film selbst dann suchen kann, wenn Ereignisse eigentlich bestens dafür geeignet gewesen wären. Die Schluss-Szene wirkt fast wie die konsequente, dem Helden servierte Rechnung für dessen Gedankenlosigkeit, die dieser den kompletten Film über an den Tag legt. Allerdings kann der durch seine Unwissenheit der Ereignisse mit besagter Rechnung nichts anfangen, so dass er auch in Zukunft weiterhin gedankenlos durchs Leben gehen wird.

Der Schluss ist schwer einzuordnen, weiß in seiner Konsequenz aber zu gefallen, zumal er den ohnehin schon geforderten Zuschauer mehr denn je überrumpelt. Die Schluss-Ereignisse konnte dieser einfach nicht vorhersehen, eben weil sie nicht dem Geist des Restfilmes entsprechen. Umso erstaunlicher ist es, dass sich diese Wende trotzdem nicht wie ein Fremdkörper anfühlt. Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, weil ich den Schluss mag, allein schon wegen der Tragik einer Figur, deren Innenleben der Egomane Frank Boyd ohnehin nie verstanden hat und in Zukunft nie verstehen würde. Der Schluss ist das einzige Geheimnis, welches Boyd nicht aufdeckt und welches Roland und Reinecker nur mit dem Zuschauer teilen.  OFDb