Jede Menge gut aufgelegter Stars, ein Mix aus Schatzsuche, Kriminalfilm und Gaunerkomödie, das Ganze trotz moderner Umsetzung deutlich auf klassisches Kino getrimmt, das hätte schon etwas Großes werden können. Erstaunlicherweise kommt der Streifen jedoch viel verkrampfter daher, als er es mit manchem Gag, so z.B. in der Charakterzeichnung des Titelhelden, sein möchte. Klar, der Mann ist ungelenk, braucht ständig die Hilfe seiner rechten Hand, genießt trotz Unvermögen einen hohen Ruf und kann eigentlich so gar nichts wirklich. Aber die verkrampfte Umsetzung zeigt sich nicht einzig in der Figur, auch der komplette, nicht gerade rar gehaltene, Slapstick und anderweitige Choreographien wirken oftmals versteift und gewollt. Selbiges trifft auf die Pointensetzung und die auf locker getrimmten Dialoge zu. Nichts von alledem läuft wirklich rund, zumindest nicht rund genug für großes Erfolgskino, welches man mit der populären Besetzung sicherlich erreichen wollte. Es ist ihr und einer abenteuerlichen Geschichte zu verdanken, dass das Ganze trotzdem auf schlichtere Art funktioniert. Zu Beginn dachte ich noch, dass ich mich in dieses starre Getue nicht genügend hineinversetzen kann, wenn alles zu gewollt wirkt, aber die Running Gags und die verzwickte Schatzsuche, die mehr Handlung vorgaukelt als eigentlich vorhanden ist, gewährt einem zusammen mit der guten Laune der Prominenz doch noch Zugang zu der Chose, die zumindest amüsiert, wenn auch nicht für laute Lacher taugt. Auch im verkrampften Format macht es Spaß die rechte Hand Mortdecais leiden zu sehen oder den eifersüchtigen Kriminalisten beim Erobern von Mortdecais Frau scheitern zu sehen. Warum David Koepp, der sonst eher für Drehbücher zuständig ist, "Wen die Geister lieben" so geglückt inszeniert bekommen hat, bei "Mortdecai" (Originaltitel) auf dem Regiestuhl jedoch ganz deutlich den Schwachpunkt darstellt, will sich mir maximal dadurch erklären, dass Tempo und Slapstick einfach ein anderes Händchen benötigen, als die Trümpfe besagter Fantasykomödie. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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29.12.2023
MORTDECAI - DER TEILZEITGAUNER (2015)
Kategorien:
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Komödie,
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unterhaltsam,
USA
23.07.2017
NIGHTMARE - MÖRDERISCHE TRÄUME (1984)
„Nightmare - Mörderische Träume“ muss man einfach lieben. Nicht nur dass er die typische Teenager-Besetzung eines Slashers dafür nutzt in der Durchschnittsgesellschaft psychologisch tiefer zu bohren als im Teenie-Horror üblich, insbesondere die Eltern-Kind-Verbindung und die Position zwischen Kindsein und Erwachsensein betreffend, auch ruht sich Wes Craven, der auch das Drehbuch zum Film schrieb, nicht nur auf eine schlichte „ein Killer geht um“-Geschichte aus, sondern präsentiert uns einen einfallsreichen Grundplot, der als Grundlage vieler guter Ideen herhält - auch für die vielen Fortsetzungen.
Bevor es diese gab war Freddy Krueger noch eine düstere Schreckensgestalt, die nur höchst selten einen lockeren Spruch über ihre Lippen brachte. Er ist in ein unheimliches Szenario eingebettet und dabei meist nicht zu sehen. Craven geht es um die Suspense, und da tut es gut Robert Englund kurz zu halten. Denn wenn die meisten auch behaupten ein „Nightmare“-Film ginge nicht ohne ihn, so fand ich ihn doch schon immer eher störend besetzt, weiß er seine Körperhaltung doch nicht unheimlich einzusetzen. Bereits hier wirkt er in manchen Momenten wie der Horror-Zirkusclown zu dem er später fast wurde, und das passt nicht in die Stimmung des ersten Teiles, die trotz diverser Seitenhiebe auf die Gesellschaft und das Horror-Genre gewollt düster und ernsthaft gezeichnet ist.
Der missglückten Momente diesbezüglich gibt es nur zwei oder drei, das beraubt Wes Cravens Kultfilm glücklicher Weise nicht seiner Qualität, denn starke positive Faktoren lassen geringe Schwachpunkte, die es auch in der Traumlogik zu finden gibt, regelrecht verschwinden, ist die düstere Grundstimmung doch regelrecht unheimlich zu nennen, wissen die Traumsettings und die Kameraarbeit in diesen doch hervorragend zu wirken und ist der Plot doch durchdacht auf allen drei Ebenen: der erzählten Geschichte, der Traumwelt und ihre Überschneidungen zur Realität, sowie der analytisch erzählten Geschichte in zweiter Reihe.
Nebenbei darf mal mehr, mal weniger sinnig über Träume philosophiert werden, und da sich Craven nicht nur auf den einfachen Grundplot ausruht, bekommen wir auch noch eine toll inszenierte Szene präsentiert, in welcher Nancys Träume von Fachärzten beobachtet werden, ein Abstecher von der Grundgeschichte, den diese nicht nötig gehabt hätte - mit Ausnahme ihres entscheidenden Hinweises für den Endkampf. Und auch hier kann man Craven als Autor nur beglückwünschen, schrieb er doch die beste und konsequenteste Methode der Reihe auf, wie Krueger möglicher Weise zu besiegen ist. Dementsprechend temporeich, spannend und unterhaltsam findet auch das Finale statt, dass nicht nur den Vater Nancys zum Staunen bringen wird.
In dieser Phase des Films befindet sich „A Nightmare on Elm Street“ (Originaltitel) jedoch bereits derart zwischen den Fronten Traum und Realität, dass es dem Zuschauer überlassen bleibt, wie er die finalen Geschehnisse inklusive Schluss-Gag zu verstehen hat. Der "angehangene" Schluss mag auf manch einen unnötig wirken, letztendlich ist er jedoch die entscheidene Konsequenz, die aus dem zuvor Gesehenen entsteht und ist wichtig, damit auch der Letzte begreift, dass das Finale nie auf der Wahrnehmungsebene stattgefunden hat, unter welcher man es zunächst vermutet. Zwar weist darauf bereits eine Todesszene im Elternschlafzimmer hin, aber es braucht nicht zu wundern, dass bei all dem Spektakel, welches Craven uns um die Ohren haut, der Zuschauer verwirrt wird und die Orientierung diesbezüglich verliert, schließlich schafft Craven es den empathischen Teil der Zuschauer streckenweise selbst in eine Art Alptraumzustand zu versetzen.
"Nightmare - Mörderische Träume" ist ein überdurchschnittlich ausgefallener Horrorfilm, der mit heute noch beeindruckenden Spezialeffekten aufwartet und mit Heather Langenkamp und John Saxon auch überzeugend besetzt ist. Lediglich der noch sehr junge Johnny Depp spielt blasser als erwartet, hat aber ohnehin nur die Rolle des begleitenden Sidekicks Nancys erwicht, also was soll‘s. Was bleibt ist ein Horror-Kultfilm der sich heute noch so spannend schaut wie zur Entstehungszeit und der rein von seiner Geschichte her gar nicht hätte fortgesetzt werden müssen, so vielschichtig wie Craven das Thema hier bereits ausarbeitet. Freilich bin ich trotzdem nicht böse drum, dass es zu weiteren Filmen mit Freddy Krueger kam. OFDb
02.10.2016
TUSK (2014)
Der Aufhänger des Films klingt nach hartem Tobak, und so könnte man fälschlicher Weise vermuten „Tusk“ wäre eine Horror-Komödie oder würde in der Modewelle des Trashfilms mitschwimmen. Aber beides trifft nicht zu. „Tusk“ ist bizarr, „Tusk“ ist grotesk, humoristisch genug um ihn als Komödie zu sehen ist er jedoch nur zu Beginn in der Figur des Podcasters, eben weil dieser eine flinke Zunge besitzt und keine moralischen Grenzen zu kennen scheint. Aufgrund letztgenannter Eigenschaft kommt aber selbst dieser humoristische Aspekt recht bitter daher, lässt den Film aber dennoch recht locker flockig beginnen. Flotte Sprüche und freches Fehlverhalten wechseln sich ab oder paaren sich, so dass der Zuschauer mit Vorkenntnissen der Geschichte sich im Glauben bestärkt fühlt, es ginge immer so humoristisch weiter.
Doch weit gefehlt, „Tusk“ wird eine bittere Extremerfahrung für den zartbesaiteten Zuschauer, zumindest wenn er Filme wie „Blutgericht in Texas“ und „Calvaire - Tortur des Wahnsinns" nicht kennt, lenkt der ungewöhnliche Aufhänger von „Tusk“ den Kenner des Genres doch nicht davon ab, dass wir eigentlich lediglich der x-ten Version der Geschichte um einer von einem Wahnsinnigen festgehaltenen Person beiwohnen, was nun wahrlich nichts Neues im Horrorfilmbereich ist. Neu ist lediglich, dass der Stammzuschauer zunächst nicht vermutet einen solchen Film zu sichten, eben weil der Streifen so entspannt und humoristisch beginnt. Anders als in den meist anderen Werken dieser Thematik ist zudem die Konsequenz dessen was geschieht extremer, denn die Taten des Psychopathen neigen sich nur selten so stark der Vollendung dessen kranker Pläne, wie es in „Tusk“ der Fall ist.
Von daher lenkt die schräge Walross-Grundidee ein wenig von der tatsächlich vorhandenen Banalität ab. „Tusk“ ist anders und doch recht gewöhnlich ausgefallen. Die verrückte Grundidee birgt weitere mit ihr einhergehende skurrile Zusatzideen, dennoch bleibt die Geschichte an sich doch seinen Vorbildern arg treu. Während der aufgeschlossene Gelegenheitsgucker des Horror-Genres sicherlich die Leiden des Helden auf intensivere Art miterlebt, so wie auch „The Human Centipede“ dazu einlädt, schaut sich „Tusk“ für den erfahrenen Horror-Zuschauer jedoch nicht extrem beklemmend und unangenehm, zumindest nicht so stark wie meine vorhin geäußerte Formulierung Extremerfahrung suggeriert. Immerhin bleibt mit der Figur des erst spät in die Geschichte stoßenden Ermittlers und der ohnehin grotesken Grundidee immer eine Spur Resthumor zur Auflockerung der Verhältnisse enthalten, was dafür sorgt dass trotz der drastischen Bilder die man zu sehen kriegt man eher einer flotten, entspannten Geschichte beiwohnt als der Tortur eines „Calvaire“.
„Tusk“ ist anders und ist es doch wieder nicht. Er lockt mit etwas Neuem um Altbekanntes im neuen Gewand zu bieten, angereichert mit provokanten Eigenschaften und Erweiterungen der bislang gesetzten Regeln. „Tusk“ ist weder Partykracher, noch wird er mit seinen Neuerungen zum neuen Meilenstein an den sich künftige Werke messen müssen. Dank einer guten Grundstimmung und einer begrüßenswert gut ausgewählten Besetzung, in der jeder zu überzeugen weiß, ist Kevin Smiths Horrorbeitrag aber zumindest gut gourtierbar.
Hatte der gute Mann 3 Jahre zuvor noch mit „Zack and Miri Make a Porno“ aus einer gewagten Idee völlig überraschend und untypisch für den Regisseur Mainstream abgeliefert, so passiert ihm dies bei „Tusk“ trotz der gewöhnlicheren Ebene als vermutet nicht. Sein Film ist ungewöhnlich genug um zu locken und ungewöhnlich genug um bis zum Schluss die Neugierde aufrecht zu erhalten. Mittendrin ist er allerdings unerwartet banal, um es einmal sehr streng auszudrücken.
Dass ich mit dieser Äußerung nicht wirklich übertreibe, zeigt sich in der Psychologie des Bösewichts, der zwar stets gewollt pseudo-philosophisch über die Menschheit herzieht (eine wundervolle Idee), dabei aber nicht zum Nachdenken anregt oder Gut und Böse vermischt oder gar vertauscht. Innen verbirgt sich nichts was es Außen nicht zu entdecken gibt. Die Psychologie bleibt banal. Wo andere Filme aus dem Opfer und mit ihm aus der kompletten Gattung Mensch das Monster machen und aus dem Vorleben des Psychopathen das Opfer, da bleibt „Tusk“ trotz diesbezüglich möglicher Grundlagen der äußeren, oberflächlichen Linie treu. Zu grotesk ist die Weltsicht des Seemanns und zu bizarr seine Vorgeschichte, als dass man sich in sie einfühlen könnte, um das Leid dahinter zu verstehen. Dies klingt lediglich kurz in den sehr direkten Worten über seine Kindheit im Heim an. Alles was auf See folgen soll, sprengt den empathischen Rahmen und lässt es nicht zu, dass „Tusk“ psychologische Tiefe erlangt.
Damit bleibt das Opfer Opfer und der Täter Täter, ganz schlicht gehalten, was erneut eine untypische Eigenschaft in einem sonst überraschend typischen Film ist. Da Kevin Smiths Werk aber nie den Eindruck macht den von mir vermissten Aspekt zu wollen, geht das auch in Ordnung. Mehr noch, dieser Verzicht wirkt sogar gewagt in einer Welt, in der jeder Cineast geil drauf ist die Tiefen eines Filmes analytisch herauszufischen und in einer Review intellektuell angehaucht zur Diskussion zu stellen. „Tusk“ ist flach und steht dazu, und gewinnt damit ironischer Weise mehr Tiefe als vermutet.
Das ist so bizarr wie der Film selbst, mag vielleicht sogar raffiniert sein, sofern es beabsichtigt ist, immerhin zeigt der Film an vielen Stellen auf, dass er keinesfalls geistfrei umgesetzt ist. Allerdings ist der Effekt des Tiefegewinns durch psychologische Oberflächlichkeit nun kein nennenswerter Eckpfeiler, der das Genre zukünftig verändern wird. Somit bekommt diese ungewöhnliche Eigenschaft damit eine direkte Verwandschaft zur grotesken Grundidee der Geschichte: sie ändert nichts daran, dass „Tusk“ überraschend gewöhnlich ausgefallen ist - zumindest für einen Film um einen Mann, der in ein Walross verwandelt wird. OFDb
Beim zweiten Gucken hat mir "Tusk" wesentlich besser gefallen, konnte ich mich doch mehr auf die leisen Töne konzentrieren, und die haben es in sich. Eine tolle Kameraführung, eine wesentlich gewitztere Psychologie als nach dem ersten Gucken bemerkt und jede noch so kleine Rolle so hervorragend besetzt, dass selbst jede kleinste Szene großartig gemeistert wurde, kurzum: was der Geschichte an mancher Stelle an Innovation fehlt, macht der Film durch Professionalität und treffsicherem Augenzwinkern wieder wett.
23.07.2013
CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK (2005)
Seit 15 Jahren hat niemand Wonkas
Schokoladendfabrik betreten, doch nun dürfen 5 Kinder in Begleitung mit
je einem Erwachsenen an einer Tour teilnehmen, jene Auserwählte die auf
eines der fünf goldenen Tickets gestoßen sind, welche auf der ganzen
Welt verteilt in fünf Tafeln Wonka-Schokolade versteckt waren. Auch der
in ärmlichen Verhältnissen hausende Charlie darf an der Führung
teilnehmen und staunt nicht schlecht was ihn da drinnen all Wunderliches
erwartet...
Dank der Serie „Die Simpsons“ und im speziellen dank Milhouse‘s Vater wissen wir auf welch fantastische Art Kekse und Cracker in einer Fabrik entstehen. Regisseur Tim Burton entführte uns 2005 in die Welt der Schokoladenfabrik Willy Wonkas, basierend auf einem Kinderbuch der 60er Jahre, welches bereits in den 70er Jahren verfilmt wurde, damals noch kindgerecht und als Musical verpackt. Burtons Film kann sicherlich auch von Kindern geguckt werden, sein Publikum ist in erster Linie jedoch der erwachsene Zuschauer, so morbide wie Burtons Stil in all dem bunten Treiben hervorsticht.
Mag sein, dass bereits das Buch diesen Stil besitzt und sich damit speziell für Burton anbot. Ich weiß es nicht. Möglich wäre es jedoch, denn der Kult-Regisseur verlässt in der kompletten Laufzeit nie die typische Art und Weise wie ein Kinderbuch erzählt ist, vergleichbar z.B. mit „Horton hört ein Hu“. Figuren werden in größter Klischee-Übertreibung präsentiert, die Fabrik ist ein kunterbunter Spielplatz, auch wenn in ihr allerhand Gefahren lauern, und Wonka selbst, perfekt verkörpert von Johnny Depp, ist ein Sonderling mit kindlichem Gemüt, eine Art Kind im Mann a la Michael Jackson, das, seit es fern von zu Hause ist, keine Erziehung mehr genoss und scheinbar auch keine eigene Entwicklung Richtung Erwachsen werden hinter sich zu haben scheint.
Depp spielt mit sichtlichem Spaß an der Freude, verkörpert er Wonka doch mit all den Eigenschaften eines Kindes, den positiven wie den egoistischen Seiten, jedoch ohne je Würde zu verlieren und herumzualbern. Wonka wirkt optisch ebenso künstlich wie die wundersame Welt die er in der Fabrik erschaffen hat. Und nicht erst dort herrschen die typischen Gesetzmäßigkeiten, die nur für Kinderbücher und Kinderfilme gelten. Es ist wichtig, dass der Film bereits zuvor auf den Spuren der Vorlage wandert, ansonsten würde man als Zuschauer einen erheblichen Bruch erleben, bei all den Gefahren die in der Fabrik lauern und der Art und Weise wie mit den Folgen dieser Gefahren umgegangen wird. Nah an kindlicher Gesellschaftskritik orientiert ist dieses Medium in diesem Stil kein Ort für Themen wie Verklagen und anderweitige erwachsene Aspekte. Burton orientiert sich an das Kind im Manne, zwar auf recht erwachsene Art, aber eben nicht auf Kosten des Buches.
Thematisch geht es viel mehr um die Wichtigkeiten im Leben, jene die auch gerne auf Kitsch-Art in Disney-Filmen thematisiert werden. Familie ist das wichtigste im Leben, aber eben auch der richtige Einfluss dieser. Und so führt die Geschichte allerhand Produkte unrichtiger Erziehung vor, jene die in einem Disney-Werk und in den von ihnen beeinflussten anderweitigen amerikanischen Familienfilmen, aufgrund politischer Korrektheit gerne schön geredet werden. Durfte der Fettsack in Spielbergs „Hook“ (kein Disney, ich weiß) am Ende neuer Peter Pan werden, zeigt Burton auf groteske Art was wirklich der Hintergrund einer solch verantwortungslosen Verfettung ist. Auch die typische „Du kannst alles erreichen wenn Du nur willst“-Art, die der Disney-Konzern in seinen familientauglichen Werken immer wieder gerne propagiert, wird kritisch mittels einer der kindlichen Wettbewerbs-Gewinner hinterfragt und erlebt folgerichtig eine deftige Abrechnung.
Die restlichen Kritikpunkte, das Verwöhnen und der falsche Umgang mit für Kinder fragwürdigen Medien, haben mit der anzuprangernden Disney-Sicht nichts mehr zu tun, sind aber ebensolche wichtigen Beispiele wie Erziehung falsch laufen könnte. „Charlie und die Schokoladenfabrik“ zeigt deutlich warum es richtig war, dass Disney sich damals nach „Frankenweenie“ von Burton trennen musste. Ihre Mentalität passte einfach nicht zusammen. Ich habe noch keines der Spielfilm-Werke gesehen, seit beide Parteien wieder zusammen gefunden haben, aber es verwundert mich nicht, dass Burton-Fans scheinbar mit neueren Filmen nicht warm werden, in welchen der Regisseur wieder für den Micky Maus-Konzern tätig wurde.
„Charlie und die Schokoladenfabrik“ ist jedoch noch Burton pur, ein Fest für die Augen, eine Massage für das kindliche Gemüt mit Vorliebe fürs Morbide und exzellent besetzt. Neben der großartigen Darstellung Johnny Depps glänzt in erster Linie David Kelly als Charlies Großvater, jener Mann der mein Cineastenherz mit seiner Rolle in „Lang lebe Ned Devine!“ vor Jahren erobert hat und der leider 2012 von uns ging. Seine Spielfreude ist auch in diesem wundervollen Film spürbar, auch wenn er zunächst lange Zeit nur im Bett liegen darf. In einer kleinen Nebenrolle ist die Anwesenheit Christopher Lees noch erwähnenswert, der zum wichtigsten Faktor wird, wenn der Frage nachgegangen wird, warum ein kindliches Gemüt und Ideenreichtum trotzdem nicht automatisch zu Glückseligkeit führen.
Es wäre jedoch ungerecht einen gewissen Schauspieler nicht zu erwähnen, und das ist nicht die Hauptrolle des jungen Charlie wie man meinen könnte, so oft wie Kinder im Vorspann trotz hervorragender Leistungen hinter den großen Namen anstehen müssen. Freddie Highmore spielt Charlie ordentlich, aber nicht auf erwähnenswerte Art. Nein, mein Blick geht eher Richtung Deep Roy, der dank modernster Computertechnik jeden einzelnen Oompa Loompa verkörpern durfte, der für Wonka in der Fabrik arbeitet. Inmitten all der schrillen und schrägen Figuren darf er die exotischsten verkörpern. Und wer den Film gesehen hat, wird sich nicht wundern dass es in den 60er Jahren gerade die Figuren der Oompa Loompas waren, die Autor Roald Dahl erheblichen Arger mit der Kritik einbrachten, so nah wie sie an einer Art bereitwilligen Sklaventum angesiedelt sind, stets erpicht auf Arbeit und mit minimalem Lohn zufrieden.
Aber ein solcher Kritikpunkt ist viel zu sehr in der Erwachsenenwelt zu Hause und widerspricht der kindlichen Vorstellung in welcher diese Figuren angesiedelt sind. Dennoch ist es verständlich dass dieses Thema gerade zur Veröffentlichungszeit ein recht brisantes war. Ebenso wie in der Zweitauflage des Buches und denen die dieser folgen sollten, ist die Darstellung der Oompa Loompas in Burtons Film weit entfernt von einem afrikanischen Stil. Die Arbeiter werden zu reinen Fantasiewesen aus einem nicht existenten Land, und Burton nutzt ihre Anwesenheit für den einzigen Verweis auf die Erstverfilmung: mit jedem bestraften Kind fangen die Oompa Loompas an zu singen. „Charlie und die Schokoladenfabrik“ wird damit nie wie die namensgleiche erste Verfilmung zum Musical, aber die Verwandtschaft zu den singenden Munchkins aus „Das zauberhafte Land“ ist in diesen Sequenzen nicht zu übersehen.
Man merkt mit wie viel Freude und Herzblut die Beteiligten am Werk waren. Computeranimationen dienen trotz der großen Bilderschau nie zum Selbstzweck eines „Hinter dem Horizont“ oder „Harry Potter“, und nur selten bekommt man das Gefühl, dass das Treiben in der Fabrik sich zu sehr dem jungen Publikum anbiedert. Meist hat Burton den Stoff im Griff, und nachträglich ist man dankbar dafür, dass kein anderer auf dem Regiestuhl Platz nehmen durfte. Wer zu viel Realitätsnähe erwartet ist im falschen Film. „Charlie und die Schokoladenfabrik“ ist großes Fantasy-Popkornkino mit Köpfchen, eng am Stile eines Kinderbuches orientiert und doch mit Hauptaugenmerk auf das erwachsene Publikum umgesetzt. Welch wundervoller Mix! OFDb
12.05.2013
RANGO (2011)
Ein Chamäleon in Menschenbesitz
geht bei einem Umzug in der Wüste verloren. Nun muss der wunderliche und
stets einsam gewesene Selbstdarsteller sich dort zurecht finden. In
einer kleinen Stadt in der Wüste wird er durch seine fantastischen
Geschichten zum Sheriff gekürt und hilft den Bürgern die Wasserknappheit
zu beheben... nun ja... zumindest versucht er dies...
Der Zeichentrickmarkt mit Computeranimationen ist überfüllt, das Volk lechzt nach immer mehr, und wie das zu Hochzeiten so ist, wird die Qualität der Produkte immer bescheidener, was das Massenpublikum nicht weiter stört. Meist werden Filme auf den Spuren von „Shrek“ gedreht, ein Rezept von denen sich die beiden Großmeister Pixar und Dreamworks immer mehr distanzieren. Und nun kommt ausgerechnet der Kindersender Nickelodeon daher, um im ohnehin schon überfüllten Kino-Zeichentricksektor auch einen Stück vom Kuchen abhaben zu wollen.
Neulinge bringen oft frischen Wind in ein alteingesessenes Genre, und da auch „Rango“ auf „Shrek“-Pfaden wandelt und mit dem hier besprochenen Film nicht nur der Kindersender, sondern auch gleich Produzent und Regisseur Gore Verbinski ihren Einstieg in diesen Filmsektor abliefern, darf man schon neugierig werden, ob sie etwas anders machen als die vielen Vorgänger. Sich den Bereich des Westerns auszusuchen klingt da schon nach der richtigen Idee. Etwas kritisch durfte man jedoch dennoch werden als nachzulesen war, dass Genre-Legende Clint Eastwood nicht zum Synchronsprecher Rangos werden wollte.
Stattdessen holte man sich Johnny Depp an Bord, der mit Verbinski bereits „Fluch der Karibik“ drehte, mit Western zwar fast nichts am Hut hatte, dafür aber abonniert war auf skurrile Außenseiterrollen, und genau so eine ist Titelheld Rango. Also passt das schon.
Unterschiede zu Konkurrenzprodukten sind dann auch tatsächlich zu sichten, nicht in einem Umfang der wünschenswert gewesen wäre um das Zeichentrick-Kino zu revolutionieren, aber immerhin genug um ein positives Ergebnis im geklonten Einheitsmeer abzuliefern. Neben dem verstärkten Blick auf ein erwachsenes Publikum und einem Zurückschrauben der Gag-Quote fällt in erster Linie der dreckige Stil der Charaktere auf. Hier ist nicht nur die Location staubig und (wie es der Name der Stadt schon aussagt) dreckig, die Figuren sind es auch. Hässlich und vom Leben gezeichnet, jedes mit einem individuellen Touch versehen, das gibt der ganzen Sache eine frische Optik die dem Film einfach gut tut.
Ein wenig mag das an so lobenswerte Werke wie „Mary & Max“ erinnern, dessen Niveau „Rango“ freilich niemals erreicht. Wie sollte er auch, serviert er doch im Gegenzug eine 08/15-Geschichte, die zwar einige winzige Haken schlägt, aber eigentlich trotzdem nur den üblichen Spuren folgt, wie die Geschichte eines Zeichentrickfilms nach US-Ansicht angeblich zu sein hat. Schade, aber ein wenig entschuldigt dadurch, dass „Rango“ ohnehin hauptsächlich vom Zitieren, Nachahmen und im Klischee sudeln lebt, was ich durchaus positiv meine.
Wer ein Genre wie den Western parodieren will, dem bleibt gar nichts anderes übrig als dies zu tun. Und da der Humor zudem recht treffsicher eingesetzt wird, funktioniert diese schlichte Rezeptur, die es den Verantwortlichen des Filmes einen recht einfachen Weg beschert hat ihr Produkt zu vollenden. Die Königsübung des Genres ist eine solche Herangehensweise nun einmal nicht, also braucht es auch nicht wundern wenn das Ergebnis so positiv daher kommt.
Der letzte Schritt Klasse, der mit „Rango“ durchaus möglich gewesen wäre, fehlt dem Film aber dann doch. Ich persönlich finde Verbinski hätte es dabei belassen sollen Produzent der ganzen Chose zu werden, denn als Regisseur hat er meiner Meinung nach bislang nur „Fluch der Karibik“ zur vollen Zufriedenheit abgeliefert. „Mäusejagd“ und „Mexican" waren nur ganz nett, „The Time Machine“ und „Ring“ routiniert und austauschbar und die Fortsetzung des beliebten Piratenfilmes zu unoriginell. Das sind nicht gerade die besten Referenzen um einen überdurchschnittlichen Film abzuliefern, der mehr bietet als die dünnen Erwartungen, die das Massenpublikum an einen solchen Film stellt, so wie es schon immer dankenswerter Weise den bisherigen halbgaren Fraß Verbinskis annahm.
Was „Rango“ zur vollen Entfaltung im Weg steht sind seine ersten zehn Minuten, die mit ihren Gags und Actionsituationen auf das junge Publikum schielen, das ansonsten eigentlich ausgegrenzt wird. Mit Ausnahme des Dialogs mit dem Gürteltier wird der Film erst ab dem Betreten der Wüste interessant und zeigt mit einer weiteren Actionsequenz, wie man eine solche passend zum Inhalt und für ein erwachsenes Publikum interessant und lustig einsetzen kann ohne gleich den Kindergarten zu bedienen, wie jene Szene, in welcher der zukünftige Rango auf der Straße von einem Auto zum nächsten geschupst wird.
Ansonsten kann man über „Rango“ eigentlich nicht meckern, und wer sich mit dem Genre des Westerns auskennt, wird sicherlich gleich doppelt Spaß haben. Ich bin in diesem Bereich nicht so bewandert und erkannte nur Parallelen zu „12 Uhr mittags“, „Ein Fremder ohne Namen“ und dem Titel nach zu „Django“. Aber da gibt es sicher noch viel mehr, und außerhalb des parodierten Genres gibt es auch noch Verweise auf Filme wie „Apocalypse Now“.
Stimmige Figuren in einer (für gewöhnliche Wege beschreitende) kurzweiligen Geschichte sorgen für genügend Sehfreude, und da das ganze zudem noch musikalisch zitierfreudig geglückt von Hans Zimmer untermalt wurde, gibt es nach dem unglücklichen Einstieg ins Geschehen nichts mehr zu bemängeln. Nach zehn Minuten bereitet „Rango“ nur noch Freude. Selbst seine ernsteren Momente sind geglückt. Und der graphisch wie musikalisch ansprechende Vorspann, der wie so oft heutzutage erst vor dem Abspann erscheint, entlässt einen zufriedenstellend aus einem Film, dem der letzte Schliff zur wahren Größe im eher anspruchslosen Blockbuster-Kino gefehlt hat.
Besser als so olle Werke wie „Planet 51“, "Himmel und Huhn", „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ und „Madagascar“ ist „Rango“ um Weiten. Und selbst so nette Filme wie „Bee Movie“ und „Ab durch die Hecke“ lässt er locker hinter sich. Nur in der ersten Liga wie „Antz“, „Drachenzähmen leicht gemacht“, „Findet Nemo“ und „Shrek“ kann er dann doch nicht mitspielen. OFDb
06.03.2013
DAS GEHEIME FENSTER (2004)
Eines abends steht John Shooter vor der Tür des Autors Mort Rainey
und beschuldigt ihn des Plagiats einer seiner Geschichten. Mort weiß
dass die besagte Story von ihm selbst stammt und nimmt den Besucher
nicht ernst. Das hat Folgen, denn John ist zu Gewalttaten bereit um sein
Ziel zu erreichen...
Stephen King schenkt seinen Hauptcharakteren des öfteren den Beruf, den er selber ausübt. „Sie“ wurde durch Kings enge Identifizierung mit der Rolle ein spannender Roman, dessen Verfilmung wohl zu den besten des Kingkinos zählen darf, eben wegen seines hohen Spannungsbogens. Bereits in der Verfilmung zu „Stark“ war der Spannungsbogen nicht mehr so intensiv, die Geschichte erfreute dafür aber mit einer kranken, individuellen Idee.
Nun bekommen wir wieder eine Verfilmung vorgesetzt, in denen der berühmte Schriftsteller sehr direkt seine eigenen Ängste verarbeiten konnte. Ich weiß nichts von der Qualität des Buches, und von einer Verfilmung kann man nicht auf die Printmedie schließen, sollten Buch und Film allerdings nah beieinander liegen, müsste man urteilen, dass die eigenen Ängste des von der Masse gefeierten Horrorautor-Gurus nicht mehr beim nichtschreibenden Publikum ankommen.
Was sich nämlich in keiner Sekunde auf den Zuschauer überträgt ist die Angst des Protagonisten (die zugegebener maßen auch erst recht spät einsetzt). Hierfür wirkt der mysteriöse Fremde nicht bedrohlich genug. Beweist er diesen Irrglauben mit seinen Bluttaten, wird damit aber nicht der Nervenkitzel entfacht. Da erlebt man als Cineast vielleicht kurz einen Überraschungsmoment, zu etwas spannendem wird die ganze Situation allerdings nicht, da der Anti-Held Mort nie konsequent und irgendwie nachvollziehbar handelt. Sein Handeln passt zwar zunächst gut zu seinem Charakter (passiv liegen bleiben, die Situation nicht ernst nehmen), später wundert man sich aber warum er so gelassen mit dem Tod seinen Hundes umgeht, erst recht, wenn der Täter später persönlich neben ihm steht. Man begreift nicht die Vertuschung der Leichen im Auto, oder warum er seine Frau beim Hinausgehen aus dem Haus nicht nach der wichtigen Zeitschrift fragt, und, und, und.
Dieses ominöse Verhalten ist später wichtig für die Auflösung, verrät allerdings auch zu früh, welcher Natur diese ist. Spätestens nach 45 Minuten dürfte der letzte wissen, wo der Hase lang läuft. Ein überraschender Schluss sieht anders aus. Erst recht zu heutigen Kinozeiten, in denen einem diese Art Finale recht häufig vorgesetzt wird.
Interessanter weise ist der von David Koepp inszenierte Film dennoch ein kurzweiliges Produkt. Es ist zwar nur routiniert spannend und überraschungsarm, das Einfangen der Bilder und die Leistungen der Schauspieler animieren aber dazu, bis zum Schluss dran zu bleiben. Der mit Talent gesegnete Turturro hat leider etwas wenig Screentime, der andere (blassere) Bösewicht, der Freund der zukünftigen Ex, ist aber immerhin eine interessante, wenn auch klischeelastige, Ergänzung. Natürlich fragt man sich nie wirklich wie schuldig er tatsächlich ist, immerhin errät man ja das Ende viel zu früh, aber er spielt, mit der dazu passenden Visage, einfach schön schurkisch.
Johnny Depp spielt auf dem ersten Blick zunächst einen Durchschnittscharakter. Das ist ungewohnt, ist er doch normalerweise auf Außenseiterrollen abonniert, wird aber wieder etwas grade gebogen durch sein Äußeres. Wenn schon nicht charakterlich, dann muss zumindest das Aussehen auf Freak schließen lassen. Das könnte man zwar negativ auslegen, aber warum sollte man dies bei dieser gelungenen Wirkung? Der Mann sieht völlig chaotisch aus, könnte genauso gut ein verwirrter Universitätsprofessor sein, und charakterliche Kleinigkeiten und von Depp gespielte Eigenarten machen aus dem Durchschnittstyp schnell eine sehr eigenständig wirkende Figur. Das Wort individuell würde wieder zu weit führen, davon ist Depps Rolle zu weit entfernt, aber er wird ein griffiger Protagonist, der einem nicht komplett egal ist.
Die Kulisse mit dem Häuschen im Wald ist stimmig. Hier kann der Film wenigstens ab und an mit leichtem Spannungsbogen trumpfen. Wer würde in dieser Gegend nachts schon gerne allein nach Hause kommen, wenn ein Psychopath einem gerade an den Kragen will? Schön wie sich in solchen Szenen das Unbehagen auf den Zuschauer überträgt, auch wenn es nur von kurzer Dauer ist. Die Kamera fängt passend dazu schöne Bilder ein. Bei der hier gewählten Landschaft ist dies sicherlich auch ein leichtes, bei Aufnahmen anderer Örtlichkeiten bleibt das Niveau der Fotografie jedoch gleich hoch. Man sollte es jetzt auch nicht zu überbewerten, wir erleben hier optisch gesehen keinen zweiten „Bis das Blut gefriert“, aber die Optik hilft einem dabei, über das etwas maue Drehbuch hinwegzusehen.
„Das geheime Fenster“ ist sicherlich kein Must-See-Movie geworden, als kleiner Film für einen netten Fernsehabend ist er allerdings recht brauchbar, so lange man seine Erwartungen nicht zu hoch schraubt. OFDb
19.02.2013
GEGEN DIE ZEIT (1995)
Die Tochter von Gene Watson wurde entführt. Auf diese Weise versuchen
die Täter Gene dazu zu bringen eine bestimmte Politikerin zu
erschießen. Tut er dies nicht muss sein Kind sterben. Gene sucht
verzweifelt einen Ausweg, doch die Zeit rennt...
Von einem guten Cast begleitet, darf der Zuschauer mit „Gegen die Zeit“ einen Thriller sichten, mit dem sich jeder identifizieren kann. Die Idee von Verbrechern zum Politkiller erpresst zu werden ist frisch. Das Erzählen in Echtzeit weiß zu packen, da es den Druck Depps Figur auf den Zuschauer projiziert.
Noch vor Johnny Depp ist vom Leistungsgrad jedoch Christopher Walken zu nennen. Seine Rolle ist die klassische Walken-Rolle, ein Risiko wurde nicht eingegangen, es ist aber auch jene Rolle, in der man ihn immer wieder gerne sieht. Wenn man die kleinen Aktionen beachtet, die seine Figur so am Rande treibt, kann man auch davon ausgehen, dass es einiges an Freiraum zum improvisieren für ihn gab.
Depp spielt gut wie gewohnt und schafft es der an sich blassen Figur ein Gesicht zu geben. Etwas mehr Charakter wäre dennoch wünschenswert gewesen, ist aber auch nicht zwingend nötig, da der Film keine Atempause hat. Immer gibt es etwas zu erzählen, Langeweile kommt nie auf.
Man sollte meinen, dass dieses Rezept vor Spannung nur so kochen würde, tut es aber leider nicht. Man fiebert zwar mit, aber nicht in der Extreme wie es zu wünschen gewesen wäre. Nervenkitzelmomente wie im Finale von „Die Firma“ kommen leider nie auf. Das ist sehr schade, und somit wird zu viel von der guten Idee verschenkt. Was dafür auf der anderen Seite funktioniert ist die Dramatik der Geschichte. Da man der Rolle Depps als Zuschauer sehr nahe ist, erwischt man sich hin und wieder bei dem Gedanken: Oh weh, was würde ich in dieser Situation jetzt tun? Ich finde es erschreckend wie ideenlos in solchen Momenten mein Kopf war.
Wie tief die Beziehungen der Verbrecher gehen, ist zwar in gewisser Hinsicht ein interessanter Aspekt, wirft auf der anderen Seite aber auch die Frage auf, wofür die ganze Aktion dann gut ist. Wer so viele Leute und Situationen unter Kontrolle hat, wird auch einfachere Wege finden eine Politikerin zu töten. Außerdem wäre realistisch gesehen spätestens nach dem zweiten Besuch beim Schuhputzer dieser tot gewesen, da er ein zu hohes Risiko ist. Ein zweiter Besuch macht für einen Beobachter wenig Sinn, der Informationsaustausch der beiden dürfte kaum noch anzuzweifeln sein. Bei so viel Gauner-Personal wäre es für die Gangster zumindest ein leichtes gewesen diesen Mann zu beschatten, wenn man ihn schon nicht umlegt. Passiert ist keins von beidem, dieser Fehler machte es dem Drehbuchautor zum Endkampf hin leichter seiner Geschichte ein Happy End zu bescheren.
„Gegen die Zeit“ ist ein merkwürdiger Film. Obwohl er nicht spannend ist, funktioniert er als nette Routine dank flotter Geschichte und guter Darsteller. Aber eben weil er nicht spannend ist, funktioniert er auch nicht auf allen Ebenen. Die gelungene Dramatik hin oder her, aber um ein Film zu sein, der aus der Masse herausragt, hätte er einfach Nervenkitzel versprühen müssen. OFDb
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