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02.02.2025

COMBAT ACADEMY (1986)

Zwei für ihre Streiche bekannte Schüler werden, nachdem sie es mit ihren Aktionen zu weit getrieben haben, von einem Gericht dazu verurteilt ein Jahr lang auf einer Militärschule zu verbringen. Während der Kopf des Duos dort angekommen rigoros an seiner gewohnten Tour festhält, löst sich der stillere Part der beiden von diesem, um die Zeit so gut wie möglich hinter sich zu bringen...

Soldat wider Willen...

Der Schriftzug ist jener aus "Police Academy", der Autor von diesem, Neal Israel, ist der Regisseur des hier besprochenen Streifens, aber nicht sein Autor. Und mit dem Spielort Schule hören die Gemeinsamkeiten der beiden Werke damit auch schon fast auf, ausgenommen jene Person betreffend, die nicht an diesem Ort verweilen möchte und deswegen provokativ überall absichtlich aneckt. Mögen dessen Schülerstreiche auch um einiges extremer sein, als die von Pepe Nietnagel aus der "Die Lümmel von der ersten Bank"-Reihe, "Combat Academy" ist in seinem Herzen dennoch spießiger Natur und platziert allerhand Klischee-Gefühlsduselei hinter der vordergründig frechen Story. Die mag nicht ohne Charme sein, obwohl seine wichtigsten Figuren keinerlei Sympathie verströmen, aber sie ist angepasster Natur, nach typischem Schema F erzählt und damit frei von wahrer Kreativität. Dass der Film zumindest in Ansätzen nicht frei von Oberflächlichkeiten ist, zeigt er sowohl im extremen Klamauk des sich merkwürdig verhaltenden Chemie-Lehrers, als auch in der Liebesgeschichte der Hauptperson, der kein Vorbild-Püppchen beiwohnt, sondern, ganz im Gegenteil, eine unvorteilhaft gewachsene, junge Frau. 

Der aus "Christine" bekannte Keith Gordon schlägt sich wacker, ist aber kein verkanntes Schauspiel-Talent und arbeitet mittlerweile meist als Regisseur, so z.B. in der TV-Serie "Dexter". Sein schelmischer Blick ist kein Vergleich zu Steve "Mahoney" Guttenbergs Talent aus dem Vergleichsstoff, fehlbesetzt ist er aber nun auch nicht. Dennoch wirkt sein Spiel, dass theoretisch eine gewisse Dosis Coolness im Herumalbern suggerieren soll, gerade in den Konfrontationen mit der Rolle des vom jungen George Clooney verkörperten Kontrahenten unangenehm flappsig, anstatt auf alternative Art Respekt einflößend. Die Aussagen hinter denen er steht, sei es wenn er seine Aktionen in Verbindung zu seinem Vater bringt, oder wenn er über die Russen spricht, sind hingegen vorbildlicher Natur und bieten all dies, was ein Rocky in seinem Teil 4 nie verstehen würde. Kurzum: "Combat Academy" ist viel zu brav, als dass man ihm glauben würde hinter der anarchischen Art seiner Hauptfigur stehen zu wollen, in seiner stumpfen, angepassten Art gefällt er aber zumindest Vielsehern dieser Art Komödie, immerhin weiß der ein oder andere Dialog, das Spiel der Jungmimen und manche Albernheit zu gefallen, um den Film für ein großzügiges, leicht zufrieden zu stellendes Publikum, so wie ich es manchmal bin, bis zur Ziellinie zu geleiten. Wirklich in Erinnerung bleibt "Combat High" (Originaltitel) nicht. Auf DVD ist er hierzulande bislang nicht erschienen.  OFDb

21.10.2023

GRIZZLY 2 - REVENGE (2020)

Warum die Dreharbeiten von "Grizzly 2" 1983 begannen, der Film aber erst 2020 vollendet wurde, erklärt die ungewöhnliche Produktionsgeschichte des Streifens, die man sich im Netz oder im Beilagenheft des Mediabooks unbedingt einmal durchlesen sollte, ist sie doch weit interessanter ausgefallen, als der Film selbst. Während "Grizzly" tatsächlich ein angenehmer Vertreter der 70er Jahre Tierhorror-Welle ist, zeigen die Darstellerkunst und die eingefangenen Bilder bereits, dass "Grizzly 2 - Predator" (Alternativtitel) auch unter glücklicheren Bedingungen nicht viel besser ausgefallen wäre, als das klägliche Stück zusammengeflickter Film, der er nun als nicht komplett abgedrehtes Werk geworden ist. Das späte Erscheinen ermöglichte es den jetzigen Rechteinhabern zumindest Charlie Sheen und George Clooney an die erste Stelle des Vorspanns zu setzen, welche die ersten fünf Minuten des Streifens nicht überleben werden. Mit denen geworben, wird "Grizzly 2 - Revenge" mehr Aufmerksamkeit zuteil, als er eigentlich verdient hätte. Der Bär kommt aufgrund dessen, dass er erst später eingefügt werden sollte, es dann aber zu plötzlichem Geldmangel kam, kaum vor. Ein Konzert diente nicht nur zur Auffüllung der leeren Kasse, sondern auch als penetrantes Füllmaterial zur zweiten Hälfte, so dass die Alternativtitel "Grizzly 2 - The Concert" und "Predator - The Concert" am passendsten zu nennen sind. Alles ist derart billig, schnell und lieblos eingefangen, dass man sich wundern darf, dass ohnehin noch wer "bemüht" war, für eine Veröffentlichung, bzw. eine Vollendung des unfertigen Produkts, zu sorgen. Die Anführungsstriche verraten es bereits, bemüht trifft es nicht wirklich. Da wurden lediglich, in völlig anderer Bildqualität, im Nachhinein Tiersequenzen aus der Natur eingefügt, die tatsächlich recht gut eingefangen sind, und deswegen nicht nur von der technischen Qualität her nicht zum Rotz des restlichen Streifens passen. Dann wurde noch schnell einen Vor- und Abspann kreiert, und fertig ist der Film, der nicht fertig war und es immer noch nicht ist, bei so vielen Anschlusslücken und so wenig sichtbaren Tierattacken.  Wiki

26.01.2019

DIE RÜCKKEHR DER KILLERTOMATEN (1988)

War "Angriff der Killertomaten" aufgrund seines recht grotesken Humors, seiner Episodenhaftigkeit und des wechselnden Erzähltempos noch ein ziemlich unebener Film, so kommt der zehn Jahre später entstandene "Die Rückkehr der Killertomaten" wesentlich glattgebügelter daher. Nicht falsch verstehen, zum Mainstream sollte die Reihe um das killende Obst, das oft versehentlich als Gemüse bezeichnet wird, erst mit dem zwei Jahre später erschienenen Teil 3 "Die Killertomaten schlagen zurück" werden, aber John De Bellos zweiter Streich zu diesem Thema schaut sich weit mehr wie eine zusammenhängende Erzählung, als es der Vorgänger tat und schaut sich zudem weit geradliniger als dieser. Erneut badet man, wie sollte es bei diesem Thema auch anders sein, ordentlich im Klamauk, allerdings ist dieser nicht mehr so grotesk ausgefallen wie im Vorgänger. Von der schlichten Humorform der "Police Academy"-Filme ist der hier angewandte Klamauk aber ebenfalls weit entfernt, dafür ist er zu einfallsreich, individuell und teilweise sogar zu hintergründig ausgefallen. Klamaukgegner mögen vielleicht maulen, aber was Mitautor und Regisseur De Bello hier auf 90 Minuten Laufzeit an humoristischem Wahnsinn auf die Beine stellt ist nicht von schlechten Eltern, das Ganze geradezu derart in schrägen Witzigkeiten überschwemmt, dass man sich darüber wundern darf, dass der Streifen damit überhaupt so gut funktioniert, wie er es tatsächlich tut.

Mag der Titel auch eher Augenwischerei sein, denn Killertomaten wie in Teil 1 gesichtet, oder als klassische Monstren umfunktioniert wie in Teil 3 und 4, bekommt man hier nicht zu sichten. Die Tomaten sind hier lediglich Menschen, und der größte Spezialeffekt findet sich in verfärbenden Augen und einer absichtlich lächerlichen Attrappe der Frontaufnahme von Dr. Gangreens Haus. Aber ebenso wie im kultigen Originalfilm, so war sich De Bello auch in seiner Fortsetzung der angeblichen Unzulänglichkeiten bewusst, mehr noch, er musste sich nicht mit ihnen arrangieren, sondern nutzte bewusst diese Methode, um auf verschiedenen Ebenen, auch der Metaebene, mit dem Medium Film und der gewählten Geschichte zu spielen. So wird die vierte Mauer durchbrochen wenn höchst treffsicher immer wieder Produktwerbung in den Film integriert wird, oder ein angeblicher Zuschaueranruf eingebracht wird, in welchem sich jemand nach etlichen Rückblenden darüber beschwert, dass der Film kaum aus neuem Material bestehen würde. Und nach dem Nachfragen einer Nebenfigur an einen Statisten ob es in diesem Film schon eine Verfolgungsjagd gab, präsentiert uns De Bello auch gleich die kürzeste der Filmgeschichte überhaupt, ein Rekord der bis heute ungebrochen sein dürfte.

Wo "Angriff der Killertomaten" sich hauptsächlich über den Bereich des Tier-Horrors und Amerikas Kriegsmentalität lustig machen durfte, da verarbeitet man mit dem Nonsens in der Fortsetzung den Schwachsinn aus dem Bereich des TVs, schablonenhafter Kinounterhaltung und unreflektierter Kriegsverarbeitung. Letzter Punkt erschafft eine herrlich surreale Alternativwelt, in welcher niemand begriffen hat, bzw. niemand je herausfinden wollte, was die Hintergründe des Tomatenkrieges aus Teil 1 waren, und man stattdessen in engstirniger Idiotenperspektive allgemein das Feindbild Tomate aufrecht erhält. Der Tomatenhandel wird streng kontrolliert. Pizzen bestehen aus ekligen Zutaten, da Tomaten in der Gesellschaft verpönt sind und nicht mehr gegessen werden. Allein das Vorhandensein einer Tomate löst bereits eine Massenpanik aus, und dementsprechend sieht freilich auch die Feindseligkeit gegenüber einer harmlosen Tomate aus. Man soll es nicht meinen, aber auf diese Art findet sich inmitten höchst alberner Verspieltheit fruchtsame Gesellschaftskritik wieder, die tatsächlich zu funktionieren weiß. Nebenbei wird aufgrund der vorhandenen Liebesgeschichte noch das verklemmte Getue der Amerikaner aufs Korn genommen, Mechanismen romantischer Filme vorgeführt und gekonnt ad absurdum geführt und für mehr Toleranz für Andersartige geworben.

Hierfür dient auch die, gerade beim weiblichen Publikum beliebte, Mutation namens Fusseltomate, die für cartooneske Momente herhalten darf und in ihrem Niedlichkeitsfaktor glücklicher Weise noch zurückhaltend und treffsicher eingesetzt wird, im Gegensatz zu ihren Auftritten innerhalb der zweiten Fortsetzung. Ohnehin ist man von dessem niedrigen Niveau noch weit entfernt, was auch ein Blick auf Igor, dem blonden Gehilfen des irren Wissenschaftlers, zeigt, der mit gleichem Schauspieler besetzt hier zu einer wirksamen Lachgranate wird, spätestens wenn er in die Kamera grinst, und in Teil 3 völlig austauschbar und unlustig wirkt. Ein Blick auf die Besetzung des Streifens lohnt ohnehin, ist in einer größeren Nebenrolle doch der damals noch unbekannte George Clooney mit an Bord, dem laut Interview, im Gegensatz zu manch engstirnigen Cineasten, sein Mitwirken an diesem Streifen nicht peinlich ist, sondern er ganz im Gegenteil damals stolz darauf war eine solch große Rolle ergattert zu haben und überhaupt mitwirken zu dürfen. Außerdem mit an Bord ist der Ur-Mr. Addams John Astin in der Rolle des Professor Gangreen.

Der spielt nicht mehr so versteckt skurril wie in der Erfolgsserie "Die Addams Family", dafür aber mit sichtbarer Spielfreude mit dem Holzhammer jegliches Klischee eines irren Wissenschaftlers präsentierend. Es ist eine Freude ihm und all den anderen Mitwirkenden zuzusehen, allen voran dem unbekannten Anthony Starke in seiner Hauptrolle als Chad. Der muss kein wirklich talentierter Schauspieler sein, es braucht also nicht verwundern dass er nach kleinen Rollen in "Endlich wieder 18" und "Von allen Geistern besessen" nur noch für das Fernsehen arbeitete, aber seine Darbietung in "Return of the Killer Tomatoes" (Originaltitel) ist wahrlich treffsicher und sympathisch ausgefallen, eben weil er, ebenso wie Astin, in totaler Spielfreude überagieren darf. Und wenn in mancher Ausnahmeszene auch Clooney auf gleiche Art aufdreht, meist neben Starke, dann bereitet dies mit Blick auf seinen heutigen Bekanntheitsgrad und Betätigungsfeld gleich noch mehr Spaß ihm dabei zuzusehen als es zur Entstehungszeit der Fall war.  OFDb

24.01.2019

MONEY MONSTER (2016)

Dass Jodie Foster und George Clooney zu den aufmüpfigen Hollywood-Stars gehören, die ihr Mainstream-verdientes Geld häufig in Projekte investieren, die für die üblichen Finanzgeber Hollywoods unangenehme Themen ansprechen, ist weitläufig bekannt. In dem von Foster inszenierten und von Clooney produzierten "Money Monster" wird über die Aktienabzockerei berichtet, die auf Kosten des kleinen Mannes abgezogen wird, ein wichtiges Thema zu Zeiten, in denen es legal ist unwissende Menschen durch Mehrwissen in den Ruin zu treiben. Allerdings kann auch ein Werk wie dieses nicht gnadenlos ungeschönt Licht hinter die Machenschaften eines weltweit funktionierenden Systems, welches allerlei Betrüger anzieht, werfen, zumal längst nicht alles korrupt ist, was dort abläuft. Zu komplex und undurchsichtig sind die Fäden, die hierbei ineinander laufen, u.a. bestehend aus Mitläufern, Computeralgorithmen, in der Öffentlichkeit gesichtslosen Aufsichtsräten von Unternehmen, Profi-Aktionären und Kleinanlegern. Hier kommen allerlei Faktoren zusammen, die ein Gut oder Böse nicht so leicht entschlüsseln lassen, wie bei einem Banküberfall.

Und um nicht unprofessionell zu wirken, so dass man ihre Kritik unkompliziert angreifen könnte, orientiert man sich in Fosters sechstem Film als Regisseur an einem speziellen Einzelfall mit einem filmtypischen Einzeltäter, dessen Machenschaften über die Extremhandlung eines Betrogenen aufgedeckt werden. Das kann schnell heuchlerisch wirken, streift diesen Bereich auch recht stark, doch trotz vieler Klischees und Stereotype weiß "Money Monster" überraschend gut zu funktionieren, was noch mehr verwundern darf, wenn man bedenkt, dass er eigentlich nicht gerade überraschende Wendungen aufweist, sondern eigentlich ziemlich genau das erzählt was man, zumindest nach Sichtung des Trailers, bei diesem Stoff vermutet. Dank professioneller Routine in Inszenierung und Schauspiel ist das alles ordentlich erzählt, und das Reizthema, das gerade in Amerika zu einer Zeit der Armut und Entrüstung des einfachen Volkes ein wahrer Zündstoff ist, sorgt für den Rest.

Foster versucht das ganze Szenario trotz seiner gewählten Aufhänger möglichst sachlich anzugehen, seine reißerischen Seiten kann man dem Thriller-Drama jedoch nicht absprechen. Auch der Wandel des clowneresken Egomanen, der die Sendung leitet, zum empathischen Erfolgsjournalisten ist aufgrund des kurzen Zeitraums nicht gerade glaubwürdig ausgefallen und könnte höchstens über das allgemein bekannte Phänomen erklärt werden, welches häufiger auftritt wenn Geiseln positive Gefühle zu ihrem Geiselnehmer aufbauen. Dieser Aspekt ist von den Storyverantwortlichen jedoch nicht gewollt, was die Szenen nach dem Schlussszenario beweisen. Aber all diese theoretisch mies klingenden Faktoren können tatsächlich nicht verhindern, dass die Dynamik des Stoffes funktioniert. Zu tief sitzen die Wunden der Bevölkerung, selbst jener Bürger, die nicht persönlich betroffen sind, sondern frustriert mit ansehen müssen, wie ein System, das spätestens aufgrund seiner weltweiten Auswirkung, mächtiger ist als allerlei größere Volksgruppen zusammen, Existenzen frisst und Gier in Gewinn verwandelt. Das lässt einen nur all zu gerne befriedigt etwas blauäugig das engagierte Treiben verfolgen, was Kritiker auch als Opium fürs Volk bezeichnen könnten. Aber diese Form der Unterhaltung ist noch immer weit weniger blauäugig, als dem ausbeuterischen System zu vertrauen und es zu verteidigen. Zudem muss man den Autoren zugute halten, dass sie das Selbstverschulden des sich rächenden Kleinanlegers nicht unter den Teppich kehren, sondern, ganz im Gegenteil,  in einer entscheidenden Phase des Streifens sogar kurzzeitig in den Vordergrund hieven.  OFDb

25.12.2016

FROM DUSK TILL DAWN (1996)

Es ist egal ob Robert Rodriguez auf dem Regiestuhl sitzt oder ein Tony Scott bei „True Romance“. Am Ende schaut sich ein Drehbuch Tarantinos immer wie ein Quentin Tarantino-Film, und das ist auch bei „From Dusk Till Dawn“ der Fall, der alle liebgewonnenen Eigenschaften besitzt, die man bis heute an einem Tarantino-Film zu schätzen weiß. Ich weiß nicht warum einige Cineasten glauben aus dem Tarantino-Alter herausgewachsen zu sein, entsprechen seine Filme doch keinesfalls einer Phase, die man einzig nutzen konnte um sich cineastisch weiterzuentwickeln und dabei über diese Sehhilfe hinauszuwachsen. All seine Werke, die ich einst schätzte, besitzen noch immer eine enorme Sogkraft, sind höchst kurzweilig ausgefallen und auf ihre eigene Art sogar recht intelligent erzählt. Die Verbeugung vor Vergangenem geht stets Hand in Hand mit neuen Einflüssen, und dies von Werk zu Werk trotz wiederkehrender Zutaten auf jeweils eigene Art.

Die Dialoge in „From Dusk Till Dawn“ gehören zur Creme de la Creme dessen was der für seine besonderen Dialoge bekannte Tarantino je geschrieben hat. Lediglich die Dennis Hopper/Christopher Walken-Szene aus „True Romance“ weiß diese zu toppen. Die pointensichere Textabfolge ist im hier besprochenen Werk derart geglückt, dass sie zum Höhepunkt des Streifens wird und sämtliche noch so perfekt umgesetzte Actionszenen in den Schatten stellen. Hinzu kommt eine Gruppe interessant charakterisierte Figuren und einige Spielereien mit Wahrnehmung und Optik und schon schaut sich die eigentlich recht simpel ausgefallene Geschichte um Gangster und ihre Geiseln, die Vampiren zum Opfer fallen, wesentlich ereignisreicher als sie eigentlich ist.

Die Besetzung ist hochkarätig ausgefallen, schenkte George Clooney einst die Chance aus seinem Serienarzt-Schatten treten zu dürfen, nutzte das kindliche Gesicht Juliette Lewis‘ ähnlich gekonnt wie „Kap der Angst“, zeigte uns einen Harvey Keitel einmal von einer völlig anderen Seite und gab Quentin Tarantino die Chance einmal selbst vor der Kamera tätig zu werden, was er nach heftigsten Kritiken nicht mehr in dieser Größe wiederholte, obwohl er die comichafte Übertreibung, die sein Charakter benötigte, verstand und dementsprechend gekonnt umsetzte. Verstehe einer manche Kritiker.

Eine Prise gekonnt eingefangener Erotik und ein Soundtrack, der für die perfekte Grundstimmung sorgt, machen aus „From Dusk Till Dawn“ ein Liebhaberstück zum Immerwiedersehen, auch wenn er durchaus seine Schwachstellen besitzt. Nicht nur dass mir das Design der Vampire nicht zusagt und ich auch manch zelebrierte Coolness diverser Nebenfiguren im Titty Twister als zu albern, ja regelrecht infantil empfinde (typische Rocker-, Tatoo-, Metalmentalität eben), ohnehin gefällt mir der dominantere Teil ohne Vampire besser als alles was nach dem Ausbruch vonstatten geht. Nicht falsch verstehen, „From Dusk Till Dawn“ bleibt auch in dieser Phase ein kurzweiliger Film in guter Pointensetzung und mit vielen einfallsreichen Ideen versehen, die Kraft die seine Atmosphäre zuvor besaß verpufft jedoch in einem Szenario, das nun fast ausschließlich nur noch auf Actionsequenzen im Kampf Mensch gegen Vampir setzt.

Das könnte alles besser funktionieren, wenn man nun die zuvor anders eingefangene Coolness der Figuren nicht dafür nutzen würde, sie sympathisch und heldenhaft wirken zu lassen. Was zunächst ironische Distanz besaß, wird nun zum Profilieren genutzt und verliert damit seine Unschuld und Harmlosigkeit. Eine Schrulle wird zur Identifikation, Coolness wird plötzlich zelebriert und gepuscht, und das ist schon recht ärgerlich.

Zumindest bleibt der Kampf gegen die Überzahl Vampire für einen verspielten Genrebeitrag recht glaubwürdig, und an Ideen mangelt es ebenfalls nicht, auch wenn man die ein oder andere aus „Fright Night“ und „Night of the Demons 2“ entliehen hat. Letztendlich ist das in einem Film, der soviele eigene Ideen bietet auch völlig egal, und wenn man erst einmal weiß in welch ein toll umgesetztes Schluss-Szenario das alles mündet, geht man ohnehin versöhnlicher mit der etwas schwächeren Vampirthematik um, ist die Schlussszene auf dem Parkplatz doch Gold wert und auch das letzte eingefangene Bild eine wundervolle Idee.

Es braucht nicht verwundern, dass viele Fans den Streifen fast auswendig mitsprechen können, ist „From Dusk Till Dawn“ doch ein Film den man immer wieder gucken kann und der es schafft theoretisch realitätsferne Sätze perfekt ins Geschehen zu integrieren. Trotz kleiner infantiler Ausrutscher ist „From Dusk Till Dawn“ ein Hingucker für jede Altersstufe ab 18 Jahren. Er ist einer dieser Kultfilme, der seinen Begriff verdient hat, so kultisch wie der Soundtrack verehrt wird, so fanatisch wie sich selbst Rammstein bei ihrem „Engel“-Musikclip an ihm bedienten und, wie bereits erwähnt, so auswendig wie seine Fans ihn wiedergeben können. Es ist nur schade, dass die Vampire nicht anders aussehen. Das ist der einzige Fehler, den ich Rodriguez und Co nicht verzeihen kann.  OFDb

07.11.2015

OCEAN'S TWELVE (2004)

Ocean‘s Eleven“ war ein kurzweiliges Werk mit interessanten Figuren, deswegen habe ich mich auch mit Freude auf die Fortsetzung gestürzt. Auch Teil 2 sehr stilvoll erzählt. Die an sich dünne Geschichte ist in exzellente Bilder getaucht, die reichhaltige Anzahl talentierter Mimen laufen gut gestilt umher ohne deswegen gleich realitätsfern zu wirken, und ein wirklich hervorragender Soundtrack unterstützt das Treiben der Ocean-Bande zu jedem Zeitpunkt bestmöglichst.

Allerdings ist die Fortsetzung im Vergleich zum Erstling auch ein kleines Ärgernis. Neben dem etwas zu konstruierten Plot wird ähnlich wie im Vorgänger ein wenig mit der Starbesetzung geblendet, wenn man einmal bedenkt wer wieviel Platz im Film ergattert bekommt. Julia Roberts zu den Hauptdarstellern zu nennen ist eigentlich genau so dreist wie selbiges von Matt Damon zu behaupten, schade da beide gut spielen. Brad Pitt und George Clooney stehen um so mehr im Vordergrund, was sich dank gewitzter Dialoge auch recht entspannt schaut. Während ihre gemeinsamen Szenen in Teil 1 erstaunlich gestellt wirkten funktioniert ihr Miteinander diesmal mehr. Ein Gastauftritt von Bruce Willis und die Idee wie Julia Roberts in das kriminelle Geschehen mit hineingezogen wird gehören zu den Pluspunkten des Streifens. Negativ hingegen fällt Zeta-Jones auf, die zwar hervorragend in den Rollenpart der arroganten Ermittlerin hineinpasst, leider aber so gar nicht in den Rollenpart der verletzten Frau.

Die kleinen Ideen in „Ocean‘s 12“ sind meist gelungen, aber die eigentliche Geschichte, die nur sehr angestrengt ins Rollen kommt, lebt von zu vielen Zufällen, Ungewöhnlichkeiten und zu gewollten Verwirrungen. Die Wendungen sind meist flach und unglaubwürdig ausgefallen, der eigentliche Hauptcoup so uninteressant und uninspiriert, dass es kaum wundert dass diesem auch kaum Beachtung innerhalb der Geschichte geschenkt wird.

Was bleibt ist ein optisch hervorragender Krimi- und Komödien-Mix, in locker flockiger Atmosphäre getaucht, angereichert mit seichtem Humor, so wie es der Zuschauer von Teil 1 gewöhnt ist. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger stand den Machern diesmal leider nur ein wesentlich schlechteres Drehbuch zur Verfügung. Darauf bezogen kann man jedoch dankbar sein, dass der Streifen aufgrund seiner Vorzüge trotzdem noch so unterhaltam ausgefallen ist.  OFDb

01.01.2014

MICHAEL CLAYTON (2007)

Die Geschichte erfordert in seiner verschachtelt erzählten Umsetzung viel Aufmerksamkeit vom Zuschauer, so dass die im Prinzip halbwegs schlichte Geschichte anspruchsvoller erzählt ist, als sie es theoretisch gesehen wert gewesen wäre. Deswegen braucht man auch nicht zu maulen, wenn das Finale etwas zu einfach erzählt ist. Aber da die Psychologie dort ohnehin alles zu entschuldigen weiß, ist auch dies kein wirklicher Wermutstropfen. Insgesamt lebt „Michael Clayton“ von der souveränen Darstellung George Clooneys und von einem guten Drehbuch, welches die zentrale Figur keinesfalls als Sympathieträger versteht, sondern, ähnlich wie im lustigen „Up In The Air“, nur das Abbild eines modernen Menschen der neuen Moral zeigt. Dass sich Clayton im Laufe des Filmes wandelt, liegt keinesfalls an positiven Charakterzügen, sondern viel mehr daran, dass das Drehbuch ihm keine andere Chance lässt, wenn der in die Ecke gedrängte Clayton eine Entscheidung treffen muss. Trotz der modernen Thematik ist Tony Gilroys („Das Bourne Vermächtnis“) Film sehr ruhig und seine Charaktere und ihre Erlebnisse ernst nehmend erzählt, und orientiert sich damit eher am niveauvollerem, da gehaltvollerem Kino aus Zeiten vor der Blogbuster-Ära, was ihn auf sehenswerte Art vom psychologisch mageren Einerlei heutiger zu Action-orientierter Thriller-Produktionen unterscheidet.  OFDb

26.08.2013

BATMAN UND ROBIN (1997)

Joel Schumacher machte sich bereits mit „Batman Forever“ nicht viele Freunde unter den Kinozuschauern, machte er aus Burtons so düster begonnener Reihe doch ein buntes Popkorn-Kino der spaßigen Art. Ein toller Film ist ihm damit nicht gelungen, aber richtig unterirdisch sollte es erst mit dem Nachfolger „Batman und Robin“ werden, der völlig würdelos mit den Kult-Figuren umgeht und uns ein knallbuntes, schrilles und überdrehtes Etwas präsentiert, das die alte „Batman“-TV-Serie wie ein zurückhaltendes Kammerspiel wirken lässt.

Schumacher dreht derart auf, dass man sich für nichts mehr was im Film passiert interessiert. Das merkt man bereits in den ersten 12 Minuten, in welchen Mr. Freeze eingeführt wird, der vor den Titelhelden fliehen muss. Die Kamera macht den Eindruck immer zu spät zur Stelle zu sein, so dass manche Geschehnisse plump von Robin per Off-Kommentar erklärt werden müssen. Der kunterbunte Augenkrebs eines völlig überzogenen Szenarios einer Welt, die durch ihre Extreme schon gar nicht mehr erklärt werden möchte, macht einen geradezu blind für das was tatsächlich im Film passiert, und das ist viel und wenig zugleich.

Schade dass der gute Mann, der sowohl für manchen Kultfilm wie „St. Elmo‘s Fire", „The Lost Boys“ und „Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K“ verantwortlich war, wie auch für solch populäre Werke wie „8mm“, „Flatliners“ und „Falling Down“, sein Werk derart in die Tonne kloppt, so sehr, dass sein Film übelst floppte und es für lange Zeit keinen weiteren „Batman“-Film mehr gab. Denn die Besetzung kann sich eigentlich sehen lassen: George Clooney wirkt als Batman und Bruce Wayne nicht halb so schlecht wie gerne behauptet wird, bekommt aber ohnehin keine Chance dem an sich so vielschichtigen Charakter Tiefe zu verleihen. Arnold Schwarzenegger, damals noch immer auf dem Hoch seines Erfolges, hätte ein Gegner mit Schmackes werden können, und Alicia Silverstone darf zumindest süß aussehen.

Einzig das Talent von Uma Thurman darf inmitten dieses Irrsinns ab und an aufblitzen, ist aber auch hoffnungslos verloren in einem visuell überfrachteten Film, der sich um viel zu viele Figuren kümmern muss, als dass er auch nur eine wirklich zur Zufriedenheit des Zuschauers vertiefen könnte. Da dürfen nicht nur Mr. Freeze und Poison Ivy gemeinsam als Gegner tätig werden (was noch okay wäre, da doppelte Gegner im Vorgänger immerhin halbwegs und spätestens in „The Dark Knight“ tatsächlich funktioniert haben), nein auch Batgirl und Bane müssen mit eingebracht werden, Erstgenannte ganz besonders unnötig, da bereits Robin an der Seite von Batman zu viel des Schlechten ist.

Wenn man erst einmal abgehärtet den Film weiter verfolgt und die grellen Abscheulichkeiten halbwegs akzeptieren kann, dann fällt einem auf was an „Batman und Robin“ endgültig stört: die Helden sind heterosexuell, während der komplette Film das schrille Klischee und Vorurteil des Homosexuellen visualisiert. Ob Mr. Freeze dämliche Puschelpantoffel tragen darf, Bösewichter mit neonleuchtender Ketten Ivy attackieren dürfen, oder das Kostüm der beiden Helden Brustwarzen-Nippel aufweist, alles bekommt solch einen schwulen Touch beschert wie ein „Im Himmel ist die Hölle los“, freilich ohne dessen Charme zu erreichen. Selbst das Logo zu Beginn muss sich eines schwulen Vergleiches stellen. Ebenso wie Erni und Bert umwehten auch schon immer die Figuren Batman und Robin Spekulationen um eine mögliche Homosexualität. Schumacher scheint diese zu bestätigen, ohne sie dies auch sexuell ausleben lassen zu dürfen. Nein, innerhalb der Geschichte sind sie Heteros. Fast schon schade, dann würde vielleicht heute die nervige Debatte um einen schwulen Spider-Man nicht mehr geführt werden.

„Batman und Robin“ genießt den Ruf der schlechteste „Batman“-Film zu sein, der bislang gedreht wurde, und ich kann da nicht widersprechen. Im Gegensatz zu dem ebenfalls unbeliebten „Catwoman“ funktioniert Schumachers zweiter Abstecher nach Gotham City nicht einmal als Trash. Das Teil nervt und enttäuscht um so mehr, als dass Batman meiner Meinung nach der interessanteste Superheld am Kino- und Comichimmel ist. Es ist wahrlich eine Schande ihn in ein derart albernes Licht zu rücken, vor dem wahrscheinlich selbst Adam West schockiert zusammenzucken würde. Wäre der Film so düster wie sein Trailer, hätte er funktionieren können. Allein deswegen ist dieser einen Blick wert. Der Film selbst nicht.  OFDb

24.11.2012

RETURN TO HORROR HIGH (1987)

Vor Jahren wurde eine Highschool zum Schauplatz einer bizarren Mordserie. Nun ist die Polizei erneut vor Ort. Eine Filmcrew wurde fast komplett eliminiert. Ist der Täter zurückgekehrt oder einer von der Crew durchgedreht? Verdächtige gibt’s ebenso genug wie Leichen. Ein Überlebender berichtet was passiert ist...

Cathy steckt dort wo Baby Maggie verschwand...
 
Dass der Überlebende nicht alles was wir nun zu sehen bekommen wissen kann, ist ziemlich egal. Der komplette Film nimmt sich nicht ernst, und da er auf verschiedenen Erzählebenen spielt, verliert man ohnehin ein wenig den Überblick. „Return To Horror High“ wird über einen Rückblick erzählt, der von einem Filmdreh berichtet. Hier erleben wir nun Szenen des gerade gedrehten Films und welche aus der Realität während des Drehs. Da ehemalige Schüler am Film beteiligt sind, gibt es auch Rückblicke im Rückblick. Und damit die Verwirrung komplett stimmt, darf auch eine Traumsequenz nicht fehlen.

Bald ist man ähnlich verwirrt wie in Cronenbergs „eXistenZ“, was hier weniger für einen Spannungsaufbau als vielmehr als Stilmittel der Komik verwendet wird. Bis auf einige zu häufige Wendungen am Schluss funktioniert das alles auch ganz gut. Denn Regisseur Froehlich weiß wie er den Zuschauer verarscht bekommt. Erst rechnet man jeder Zeit mit echten Gefahren, irgendwann unterschätzt man diese durch x-fache Täuschungen.

Parodiert wird letztendlich der Bereich des Slasher-Horrors, jener Gattung Schocker, in welcher maskierte Killer meist junge Menschen lynchen. Mit John Carpenters „Halloween“ ging es Mitte der 70er Jahre los, und mit einer Fantasy-Variante Mitte der 80er Jahre war das Subgenre dank Freddy Krueger noch immer sehr beliebt. Die Spielerei mit den Realitätsebenen darf wohl durch seinen Einfluss Kern dieser Genre-Komödie geworden sein, das meiste andere fanden wir schon in Horror-Komödien zuvor oder des öfteren zu seiner Zeit.

Schon Anfang der 80er Jahre erblickten zwei Slasher-Parodien das Licht der Welt, die nie den Ruhm eines „Scary Movie“ erreichen sollten, obwohl sie auf ähnlich alberner Schiene angelegt waren. Der eine hieß „Was macht der Tote auf der Wäscheleine“, der andere „Wacko - Da wackelt die Bude“. Die deutschen Titel lassen bereits erahnen, warum man zumindest in Deutschland die Hände von diesen Filmen ließ. Wer weiß welchen Titel „Scary Movie“ zu dieser Zeit in Deutschland erhalten hätte!?!

Was diese Komödien ebenso auszeichnete wie ihren berühmten Bruder aus dem Jahre 2000: man wollte das Genre veralbern und zwar so wie es Mel Brooks und das Gespann Zucker/Abrahams/Zucker mit anderen Genres taten. Da stand die Komödie weit im Vordergrund, der Horror war nur die Grundlage, der in keiner Szene ernst zelebriert wurde, und teilweise wurde sehr direkt parodiert, nah an echten Szenen der Vorlagen.

„Return To Horror High“ geht einen weniger massentauglichen Weg, einen mit dem viele Zuschauer nicht umzugehen wissen. Froehlich setzt mit seinem Film auf recht grotesken Humor, während er gleichzeitig den Horror-Part nicht komplett ignoriert. Dominant ist hier der Komödien-Anteil, jedoch abgeschwächter als in einer typischen Parodie. Kurze spannende Momente kommen auf. Erst hinterher weiß man, dass auch diese zum Ziel der Komik genutzt wurden. Und die purzelt nun munter aus allen möglichen Bereichen.

Meist geht es arg albern zu. Klamauk wird häufig mit geistlos verwechselt. Doch genau hier steckt die Falle von „Return To Horror High“. Was auf dem ersten Blick albern ist, ist eine gar nicht mal dumme Parodie auf das Genre und die Methoden unter denen es entsteht. Beim noch genaueren Hingucken geht dieser Ansatz jedoch nie tief genug, so dass beim dritten Blick wieder eigentlich nur der Klamauk stehen bleibt.

Dieser teilt sich das Revier jedoch mit dem oben erwähnten Humor, der aus der Verwirrung und Veräppelung des Zuschauers und der verschiedenen Erzählebenen geerntet wird. Gleichzeitig bekommen wir es mit viel schwarzem Humor, grotesker Komik, einer handvoll Ironie und manch gängiger Filmkomik zu tun. Mal kommt der Witz sehr trocken daher, mal sehr albern. Das zeigt sich bereits an den Figuren, die entweder sehr ernst, leicht vertrottelt oder totale Versager und Freaks sind.

In all dem Brei aus Komik und Hollywood-Verweisen geht der eigentliche Aspekt, der augenzwinkernde Umgang mit dem Killer-Movie, manchmal unter. Der Massenmörder wird zur Nebensache, ab und an wird gar von Es gesprochen. Doch während Protagonisten auch übernatürliche Varianten vermuten, weiß der Zuschauer längst, dass ein menschlicher Killer sein Unwesen treibt. Dies ist nur eine von vielen ominösen Methoden, mit denen Fröhlich sein Werk umsetzt. Wozu Fährten legen, auf die der Zuschauer nicht hereinfallen kann?

Vielleicht weil jederzeit ohnehin alles eine Falle der verschiedenen Erzählebenen sein kann? Goldrichtig! Denn wie ich eingangs schon erwähnte ist irgendwann im Meer von Erzählebenen und Komik alles möglich. Trotzdem schön, dass die Verantwortlich deshalb nicht gleich alles möglich machen, sondern sich dann doch auf den eigentlichen Kern konzentrieren.

Wo „Scary Movie“ und Co ihre Filme nah an der Wurzel verarschen, geht man in „Return To Horror High“ immer eine Spur pfiffiger, manchmal auch alberner vor. Wenn ein Killer sich z.B. nach seinem Tod erhebt, tut er dies genau vor den Augen einer Gruppe schwer bewaffneter Polizisten. Den Verweis mag nicht jeder begreifen, obwohl er genau vor seinen Augen stattfindet. Ebenso schräg und witzig ist die Idee den Täter nach seiner Aufdeckung im verwirrten Zustand zu beobachten, wenn er eines seiner letzten Opfer für komplett geisteskrank hält, einem Zustand der eigentlich ihm zuzuschreiben ist, und er deshalb vor ihm Angst bekommt. Das gibt der Situation eine ungeheure Dynamik in Sachen Komik. Als Freund von Dutzendware ist man jedoch irritiert. Was ist witzig gemeint, was nicht? Das verrät Froehlich nur Gleichgesinnten, und denen wird’s Spaß bereiten.

Ähnlich wie „Skinner - Lebend gehäutet“ spielt „Return To Horror High“ neben seinem Verweis aufs Slasher-Genre mit den Gesetzen des B-Movies. Der später entstandene „Skinner“ konnte dies nur aus einer Perspektive erzählen. Dank des Dreh-Teams einer wahren Begebenheit vor Ort (viele Jahre vor „Scream 3“), schafft es Froehlichs Film auch mit den Verweisen auf Geschehnisse hinter der Kamera zu punkten. So wird ein Running Gag bzw. eine Filmlogik z.B. daraus gezogen, dass in Billigproduktionen häufig Mitwirkende das Handtuch schmeißen. Dies wird als Grund genutzt, dass der Mörder recht lange unbemerkt Crewmitglieder abmurksen darf. Der im Titel als zweite Genannte George Clooney darf mit als erstes sterben.
 
Damals noch unbekannt, war es nicht sein Ruf, der ihn an die Front der Erstgenannten brachte. Froehlich und seine Mannen drehten den Spieß lediglich um, und so werden die Schauspieler im Vorspann nach der Reihenfolge des Ablebens ihrer Rolle aufgezählt. Clooney stirbt in den ersten 20 Minuten.

Wo der 1991 erschienene „Skinner“ sich für einen gerechten Mix aus Komödie und Horror entschied, ist „Return To Horror High“ ein Bastard des Genres Horror-Komödie. Weniger auf witzig getrimmt als ein „Scary Movie“ (was durch die Ansammlung trockenem und versteckten Humors auch eine Täuschung sein kann), nicht so ernst wie ein „Return Of The Living Dead“. Und man merkt, dass Froehlich und seine Mannen dies exakt so wollten und dies kein Ergebnis einer fehlgelaufenen Spekulation ist.

Bei all seiner Raffinesse und seinem freiwilligen Trash (was ein herrlich grotesker Mix), findet ein solch leicht missverstandenes Werk nur schlecht sein Publikum. Zu diesem zähle ich mich hinzu, und selbst dem Zielpublikum wird jedoch kein Wunderstreifen präsentiert. Ich weiß nicht genau was fehlt, aber über eine angenehme Mittelmäßigkeit kommt „Return To Horror High“ nie hinaus. Das mag an der teilweise übertriebenen Synchronisation liegen, oder an der arg billigen Umsetzung. Für meinen Geschmack waren Rollen wie der Schuldirektor oder die blonde Polizeigehilfin bei der Klärung des Crew-Massakers viel zu übertrieben dargestellt.

Von einem großen Wurf kann also freilich nicht die Rede sein. Aber Froehlichs Film hat auf simplem Unterhaltungsniveau schon jede Menge Spaß gemacht. So viel Potential mit dem Ergebnis der simplen Unterhaltung ist wiederum weit unter Wert. Die Welt war für diesen Film ebenso wenig bereit wie das Budget, so scheint's. Durch seine Entstehungszeit in den Tiefen der 80er Jahre, wird er immerhin Freunden dieses Jahrzehnts einen angenehmen Soundtrack bescheren (sowohl instrumental als auch mittels unbekannter Popsongs), und das macht auch schon viel an der Atmosphäre eines Filmes aus.  OFDb

10.10.2012

GOOD NIGHT, AND GOOD LUCK. - DER FALL MCCARTHY (2005)

Der Journalist Murrow thematisiert in den 50er Jahren in seiner TV-Sendung das zweifelhafte Treiben des Senators McCarthy, der auf undemokratischem Wege nach Kommunisten in den USA gesucht hat...

Ein Kämpfer für die Freiheit...
 
Schauspieler und Produzent George Clooney ist dafür bekannt sein Geld von Blockbuster-Erfolgen in Independent-Filme zu stecken, die geistreicher sind und nicht allein der Unterhaltung dienen sollen. In „Good Night, And Good Luck.“ übernahm er gleich die Regie, und um noch einmal deutlich zu machen, dass es hier um eine höhere Sache und nicht um ihn als Star geht, spielte er selbst nur eine kleinere Rolle, in welcher er zwar viel Screentime abbekommt, jedoch so zurückhaltend agiert, dass er fast irrelevant wirkt.

Clooney war dieses Projekt scheinbar sehr wichtig, denn im kompletten Film kann man bemerken, mit wie viel Respekt und Ruhe er die wahre Geschichte erzählt, die zum Sturz des Senators McCarthy führte. Das mag eine Spur zu extrem angegangen sein. Zwar schaut sich der Film keinesfalls uninteressant oder schlecht inszeniert. Die Erzählung bleibt immer sachlich, lässt jedoch keinen Raum für Nebenplots, die einem die Figuren näher bringen würden. Das ist auch nicht zwingend nötig, hätte aber dennoch zu einem besseres Ergebnis verhelfen können.

„Good Night, And Good Luck.“ ist kein schlechter Film, nicht einmal Mittelmaß, aber er wirkt ein wenig zu sehr abgefilmt, auch wenn man den Aspekt der Zurückhaltung und sachlichen Wiedergabe der vergangenen Geschehnisse durchaus als lobenswert bezeichnen kann, ja geradezu als vorbildlich verglichen mit der üblichen Herangehensweise amerikanischer Dramen.

Der Film lässt in seiner Besetzung nichts zu wünschen übrig. Das Bild ist in angenehmen Schwarz/weiß gehalten, was nicht nur ein Stilmittel ist, um sich von großen Kinoprojekten zu distanzieren, sondern auch den Kniff unterstützt, dass die wenigen Auftritte McCarthys im Original gezeigt werden können und nicht von einem Schauspieler geleistet werden. Das unterstreicht die Authentizität des Streifens.

Dass Clooney dieses Thema nicht allein der amerikanischen Vergangenheitsbewältigung wegen wählte, dürfte offensichtlich sein. Berichtet er doch von dem Versuch eines wahnsinnigen Mannes, der unter der Ausrede die Demokratie zu schützen ihr stark schadet. Clooney erkannte die Parallelen zu der Vorgehensweise des zur Entstehungszeit des Filmes amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, George W. Bush und wollte mit seinem Film die müden Geister der Gegenwart wecken, vielleicht auch die wachen Geister dieser Zeit bestätigen, um zu signalisieren: ihr seid mit eurem Denken nicht allein.

Wandte sich die Rolle Kevin Costners in Oliver Stones „JFK“ in einer kurzen Szene noch mit Blickkontakt direkt an das Publikum, um es daran zu erinnern, dass ein jeder die Demokratie erhalten sollte, so ist dies in Clooney Werk gar nicht nötig. Gezeigt wird recht wenig vom Senator, viel mehr konzentriert man sich in dem Drama auf Journalist Murrow, der seine Monologe hält, die schon damals ans Publikum vor dem Fernsehschirm gerichtet waren. So muss gar nicht erst getrickst werden, um den Zuschauer des Kinofilmes zu erreichen, der den durchdachten, kritischen Worten Murrows auf gleiche Art begegnen muss/darf.

Wenn Clooney sein Anliegen umlenkt, um auf die Fehler der amerikanischen TV-Nutzung aufmerksam zu machen und zu zeigen, womit diese bereits begonnen haben und wie die Alternativen aussehen könnten, darf man erneut einen Monolog Murrows hören, diesmal jedoch in einer Ansprache statt in seiner TV-Sendung. Der Effekt den Zuschauer von heute dabei zu erreichen bleibt jedoch der selbe.

In Zeiten von Sicherheitswahn, Terroristen-Hysterie, freiwilliger Aufgabe von Freiheiten und geistloser Lebensweisen ist „Good Night, And Good Luck.“ ein mutiger Film. Dass er sich jeglichem reißerischen Moment verweigert und selbst in seinem positiven Schluss-Ergebnis McCarthy betreffend einem Happy End aus dem Weg geht, unterstreicht diesen Mut und das Engagement Clooneys. Etwas weniger Ehrfurcht hätte dem Film jedoch noch den letzten Schliff zum großen Event bescheren können. Nicht dass die Themen des Streifens diese Ehrfurcht nicht verdient hätten, sie hemmten Clooney scheinbar jedoch ein wenig in seiner Umsetzung. Nur ein wenig...  OFDb