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18.04.2020

WHY HIM? (2016)

"Why Him?" versucht in einer an "Meine Braut, ihr Vater und ich" und "Schwiegersohn Junior" erinnernden Geschichte von einem Sonderling zu erzählen, den man mit der Zeit lieb gewinnen soll. Aufgrund einer psychologisch undurchdachten und unsensiblen Charakterisierung der Figur des eigentlich gut gespielten Lair und dem Drang stetig aufdringlich Tabus aufzubrechen, will das jedoch so gar nicht funktionieren, ist die Figur doch zu recht ein Unsympath, so wenig wie er sich in andere einfühlen kann. Man entschuldigt seine Art mit seiner familiären Hintergrundgeschichte und damit, dass er es doch gut meint und nicht besser kann. Aber es gibt einfach keinen vernünftigen Grund diesem Holzklotz von Mensch zu mögen, so sehr das Drehbuch auch darum bemüht ist, ihm Sympathie zuzuspielen. Auch eröffnet sich dem Zuschauer nie, warum sich Stephanie emotional zu ihm hingezogen fühlt. Man versteht vielmehr die Haltung des als Spießers gebrandmarkten Ned, und kann freilich mit dessem obligatorischem Wandel zum Schluss nichts anfangen. Autor Jonah Hill schreibt etwas nach, was andere Filme vormachten, ohne Ursache und Wirkung, gegenseitigen gesellschaftlichen Einfluss und andere psychologische Elemente zu verstehen. Wie auch? Er ist viel zu sehr damit beschäftigt jene Art aufdringlichen, pubertären Provokations-Humor einzubauen, für den er mit "Superbad" und Co berühmt wurde, um zu bemerken, dass der Fluss der Geschichte und die Gefühlswelt, die er verursachen soll, nicht funktionieren.

Wo durch gelegentlicher (nicht immer funktionierender) Zuführung derartigen Humors Werke von Hills Kumpel Seth Rogen zu funktionieren wissen, da will der inflationär eingebrachte Humor in "Why Him?" kaum funktionieren und macht, trotz einiger wahrlich gelungener Momente, aus dem fertigen Film eine ziemlich peinliche Nummer. Das verärgert umso mehr, als dass mit James Franco ein talentierter Mime mit an Bord ist, der eigentlich gerade laute Provo-Komik gekonnt zu beherrschen weiß. Noch ärgerlicher ist es mit Blick auf Bryan Cranston, der allein in "Breaking Bad" bewies wie facettenreich er schauspielern kann. Durch eine Rollenauswahl wie diese, ist es kein Wunder, dass er trotz seines überragenden Talents keinen Erfolg im Filmbereich verbuchen kann. Regisseur John Hamburg gehört mit Arbeiten wie "Und dann kam Polly" und dem etwas besseren "Trauzeuge gesucht!" auch nicht gerade zum Personenkreis seines Fachs, dessen Filme über Durchschnitt funktionieren, aber das Fremdschäm-Desaster haben wir definitiv Jonah Hill zu verdanken, der es als fester Teil der hier tätigen Gruppe Filmemacher schaffte James Franco und Ben Stiller als Produzenten zu gewinnen. Als Gaststars huschen noch zwei Kiss-Mitglieder durchs Bild, ein Gastauftritt der so anbiedernd anstatt erfreuend zu funktionieren weiß, wie die Krankheit unter welcher der komplette Film leidet. Es ist erstaunlich dass eine gewisse Restsympathie bei einem sehr wohlwollenden Publikum den Streifen trotz allem vor dem totalen Untergang bewahrt.  OFDb

01.01.2017

VERRÜCKT NACH MARY (1998)

Laute grenzwertige Albereien machten die Farrelly-Brüder mit ihren Werken wie „Kingpin“, „Dumm und dümmer“ und „Ich, beide und sie“ berühmt, trafen sie in den 90er Jahren doch scheinbar den richtigen Nerv beim Publikum, so dass sich der Zuschauer kaum daran störte, dass die gerne Starbesetzten Filme eigentlich so gut wie keine Geschichte erzählten, eher sogar Nummerncharakter besaßen, die von einer Idee zur nächsten hüpften, gern als Road Movie versehen. Doch so sympathisch sich diese Werke guckten, sie zogen auch immer ein wenig an den Nerven des Zuschauers, besaßen ihre Durststrecken, und je nach Werk konnte der treffsichere Humor mal genügend dagegenhalten und manchmal nicht. Nur ein einziges Mal ist es den Farellys in ihren ur-typischen Komödien geglückt ein Sahnestück hervorzubringen, welches sich flott wie aus einem Guss schaut, und das ist „Verrückt nach Mary“, ihr bester Film bevor sie u.a. mit „Schwer verliebt“ humoristische Werke auch auf andere Art umsetzten.

„Verrückt nach Mary“ hat nach all den Jahren nichts von seiner Wirkungskraft verloren. Cameron Diaz spielt verführerisch rein, Ben Stiller agierte selten so gut wie hier, Matt Dillons Interpretation eines ungebildeten Unsensiblen ist eine wahre Wucht, und jegliche Nebenfigur weiß humoristisch mit den Hauptfiguren mitzuhalten, erleben wir hier doch nicht nur ein Meer episodenhaft aneinandergereihter schräger Ideen, die Charakterzeichnungen stehen den Situationen in ihrer individuellen Art in nichts nach. Das Faszinierende am Ergebnis des Streifens: „Verrückt nach Mary“ schaut sich wie eine Geschichte, gerade wenn gegen Ende manche Fäden zusammenkommen die bislang parallel liefen, und diese Täuschung schafft es, im Gegensatz zu vergleichbaren Farrelly-Werken, dass zu keinem Zeitpunkt ein Hauch von Langeweile aufkommt.

Allerdings haben die beiden Autoren und Regisseure auch selten solch einen wirksamen Humorcocktail zusammengestellt, wie im hier besprochenen Werk, verlässt sich „Verrückt nach mehr Mary“ (Alternativtitel) doch nicht einzig auf den lauten Humor (der anbei selten so treffsicher und fast schon niveauvoll eingesetzt wurde wie hier), trotz lauter Gangart wehen stets auch subtile Seitenhiebe mit einher. Es fällt kaum ein Satz der nicht vor Humor sprüht, stets wird ein Witz eingebaut, ob zur Unterstreichung von Chatrakteren, als Querverweis oder als sinnfreier Mumpitz.

Die Geschichte geht währenddessen lockerleicht von der Hand, fängt trotz seiner provokativen Querschläge mit Witzchen über Behinderte und anderweitig Benachteiligten eigentlich ziemlich harmlos und optimistisch an und legt erst im Laufe der Spielzeit offen wie hinterhältig die Welt ist und welche Wahrheiten hinter der scheinbar lügenfreien Fassade stecken. Einzig Mary bleibt rein und lieb, und das muss auch so sein, damit die Geschichte so funktionieren kann wie sie es tut. Zumal Cameron Diaz trotz dieser Einschränkung so wunderbar mitblödeln darf wie der Rest der Crew. Dass so ziemlich jeder mit viel Freude am Projekt dabei gewesen zu sein scheint, bestärkt noch einmal der Abspann, der zu einem gemeinsam mitgesungenem Lied einen Blick hinter die Kulissen wirft, ein Standard in den Arbeiten der Farrellys.

„Verrückt nach Mary“ besitzt einen Humor der cleverer ausgefallen ist als seine Lautstärke zunächst suggeriert (meine Lieblingsszene ist jene, in der es um die 7-Minuten-Übung geht), die Geschichte ist einfallsreicher ausgefallen, als sie in ihrer zunächst wilkürlich scheinenden Art vermuten lässt, und die Gagdichte gleicht jener der Werke des Zucker/Abrahams/Zucker-Gespanns, zumindest wenn man erst einmal bemerkt hat, dass neutral scheinende Äußerungen bereits einen Witz beherbergen. Wie gesagt fällt kaum ein Satz ohne Humorgehalt. „There‘s Something About Mary“ (Originaltitel) ist ein charmantes Liebhaberstück für jene Freunde humoristischer Werke, die verstanden haben dass Klamauk und Intelligenz sich nicht widersprechen. Bei der x-ten Sichtung muss ich noch immer laut lachen, selbst dann wenn man nichts Neues für sich entdeckt hat. Letztendlich lebt der Film davon, dass er sich wie ein zu Fleisch gewordener Comicstrip guckt.  OFDb

12.07.2016

GREENBERG (2010)

Greenberg ist frustriert. Greenberg ist wütend. Greenberg kommt gerade aus der Anstalt. Greenberg ist ich-bezogen. Greenberg ist isoliert. Greenberg ist verliebt. Vielleicht auch nicht, vielleicht sucht er nur die Abwechslung und Florence bietet sich da gerade an, ist sie mit ihrem Leben doch so unzufrieden wie Greenberg selbst. Aber ist er verliebt? Er ist zumindest an ihr interessiert. Aber das kann Florence nicht wissen. Denn Greenberg kann es nicht zeigen. Er zeigt stattdessen Wut und Enttäuschung. Der tiefgründige Greenberg hat eine hohe Erwartungshaltung an das Leben und an seine Mitmenschen. Und innerlich eigentlich nur um sich selber kreisend wird er schnell wütend, wenn Menschen seine Erwartungen nicht erfüllen. Dann wird Greenberg unhöflich, verletztend und flüchtet.

Greenberg weiß dies aber auch. Im nachhinein tut ihm das leid. Er will nicht so sein. Er will daran arbeiten, tut dies jedoch nie. Sein Egoismus ist ihm im Weg, selbst als sein bester Freund, mit dem ihm nur ein oberflächliches Abhängen verbindet, und der Greenbergs letzter Freund ist, nachdem jeder andere ihm den Rücken gekehrt hat, ihn auf Wahrheiten stößt, kann sich Greenberg nicht aus seinem emotional gelähmtem, ich-bezogenen Gefängnis befreien. Ob er sich je für das Kind seines besten Freundes interessiert habe, wird er von ihm gefragt. Greenberg scheint gar nicht zu verstehen was sein Kumpel damit meint. Greenberg verarbeitet gerade andere Dinge, glaubt diese würden ihn im Umgang mit anderen hemmen und übersieht damit das wesentliche.

Florence ist jung, offen und natürlich. Das weiß zu gefallen. Aber sie ist auch oberflächlich, intellektuell desinteressiert, das passt nicht zu Greenbergs Vorstellungen wie ein Mensch sein müsse. Florence pflegt Freundschaften, geht einem Hobby nach, ist tüchtig und engagiert in ihrem Job. Und doch ist sie unzufrieden, geradezu lethargisch. Frisch aus einer Beziehung heraus frustriert sie Gelegenheitssex, den sie dennoch zulässt, um etwas fühlen zu können. Aber er fühlt sich nicht gut an. Mit Greenberg will sie diesen Fehler nicht wiederholen.

In Gesprächen, die mehr wie Selbstgespräche als wie ein Dialog klingen, nähern sie sich vorsichtig einander, aber kühl und emotionslos, frustriert und distanziert, die eigenen Hemmungen störend im Raum schwebend. Greenberg ist viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um sensibel sein zu können, also das nicht geben könnend was Florence gerade braucht. Kann ein Greenberg ihr dennoch gut tun? Keine Ahnung, aber sie fühlt sich zu ihm hingezogen, weiß auch nicht genau warum, aber es ist so. Aber je mehr sie von Greenberg verletzt wird, desto mehr distanziert sie sich von ihm. Es sind äußere Umstände, die sie immer wieder zu ihm führt, meist weil der nicht Auto fahrende Greenberg dringend Hilfe braucht.

Das ist in der Theorie alles so interessant wie es klingt. Und Autor und Regisseur Noah Baumbach bewirkt in „Greenberg“ keine künstlichen Wunder, erzählt kein Märchen in welchem am Ende alle glücklich sind. Er liefert stilistisch eher europäisches Kino ab, lässt sich die Figuren nur so nah nähern wie es diesen möglich ist innerhalb ihres aktuellen Entwicklungsprozesses. Ob das Ende ein Happy End ist, lässt sich schwer erkennen. Und in solchen Punkten ist die Umsetzung geradezu lobenswert zu nennen.

Baumbach betrachtet mir Greenbergs isoliertes und egoistisches Leben jedoch eine Spur zu nüchtern. Sachlich ist gut, unromantisch auch, frei von Kitsch sowieso, aber die Einsamkeit die einen innerlich zerfrisst und bei der man nicht in der Lage ist sie zu beheben, hätte ich gerne intensiver emotional mitgefühlt. Hier ist mir der Film zu distanziert und theoretisch ausgefallen. Und so kreisen letztendlich alle Personen um sich selbst, ohne nennenswerte Entwicklung im Geschehen, alles an sich positive Eigenschaften für eine erwachsene Tragikomödie. Aber in dem stumpfen Zustand den „Greenberg“ vermittelt, wirkt dies eher wie ein Stillstand auf dem Bildschirm.

Somit kann „Greenberg“ nie den Tiefsinn erreichen, der Baumbach vorschwebte, bleibt intelligent, durchdacht und interessant, aber eben nicht emotional greifbar, miterlebend und empathisch. „Greenberg“ bleibt zu verkopft, verrät sich selbst als stumpf wie seine Protagonisten und verfehlt damit die Möglichkeit ein großes Werk seines Genres zu werden. Baumbachs „Gefühlt Mitte Zwanzig“, ebenfalls mit Ben Stiller besetzt, gefällt mir da schon etwas besser, auch wenn dieser zunächst nicht so tiefsinnig scheint wie er eigentlich ist. Diese Eigenschaft macht den Folgefilm zum Gegenstück zum hier besprochenen Werk. „Greenberg“ entlarvt das fehlende Mitgefühl als stumpfer als er eigentlich ist. Kühler Intellekt ist eine eigene Form von Dummheit und steht somit der intelligenten Theorie im Weg Fleisch zu werden.  OFDb

11.07.2016

GEFÜHLT MITTE ZWANZIG (2014)

Während „Gefühlt Mitte Zwanzig“ mit seinem Aufhänger, der sich auch im deutschen wie im Originaltitel wiederfindet, für Neugierde sorgt, obwohl das Thema in einer Pop-kulturellen Gesellschaft häufig aufgegriffen wird, geht es in dem Werk von Autor und Regisseur Noah Baumbach, der mit Stiller bereits in „Greenberg“ zusammengearbeitet hat, fast schon um etwas anderes. Klar, das Thema der Reifeverweigerung, bzw. ein anderes Reifeverständnis zu haben als die Masse, scheint stets im Zentrum zu stehen und ist wohl der wichtigste Auslöser für die Entwicklung Joshs. Aber eigentlich geht es hauptsächlich um Täuschung und Frustration.

Josh ist Idealist, und so lange er es ist lebt er in einem Weltbild der Selbsttäuschung. Alles hat sich seinen Gesetzen zu unterwerfen. Die Welt habe nach den Regeln zu funktionieren, die Josh für richtig hält. Und im Gegensatz zu vielen anderen Idealisten erhält Josh die Chance aus diesem Irrblick herauszutreten, ironischer Weise durch den Betrug eines anderen. Wo andere Filme am Ende Klarheit schaffen, da wirkt die Welt am Schluss von „Gefühlt Mitte Zwanzig“ unsortierter. Da kann Betrug etwas nicht ganz so Schlimmes sein, ein Freund ein Arschloch und ein Arschloch ein Freund sein, ohne dass dies im Widerspruch steht, auch wenn besagter Freund für den weiteren Lebensabschnitt nicht mehr benötigt wird. Ein Prozess ist beendet. Man muss dem Vergangenen nicht hinterher weinen. Und doch findet Josh durch das Erwachen aus seinem Trugbild nun innerhalb der unsortierteren Welt seinen Platz.

Wo sich ein „Greenberg“ tiefsinniger gibt als er tatsächlich zu sein scheint, da geht die Thematik von „While We‘re Young“ (Originaltitel) tiefer als er vorgibt zu sein. Während der Film stilistisch eher locker und leicht daher kommt, ist sein inhaltliches Anliegen schon wesentlich schwerere Kost, die nicht unbedingt leicht zugänglich ist, gerade für eine absichtlich wie unabsichtliche kindlische Generation, die nicht mehr gerne über das Leben nachzugrübeln scheint. Baumbach stößt einen auf Lebenslügen mit denen man vielleicht nicht konfrontiert werden will. Und doch macht er einem bewusst, dass dies vollkommen okay ist, so okay wie aus diesem subjektiven Blick wieder zu erwachen. Leben ist Leben. Da ist nichts objektiv. Da gibt es keine einzige Wahrheit.

Gerade deswegen finde ich es etwas schade dass das Thema in seiner letzten Szene ein wenig verwässert wurde. Hier tritt wieder die typische amerikanische Lebensordnung ans Tageslicht, die besagt dass das Heil dieser Welt einzig in der Familie zu finden ist. Ich hätte es für erwachsener gehalten den Film damit enden zu lassen, dass Josh und Cornelia in ihrer Entwicklung erkennen, dass die Einsicht keine Kinder mehr bekommen zu können, keine Resignation sein muss. Zumal sie zu sich selbst zurück gefunden haben, und nun wieder bewusster und damit angenehmer leben können, auch ohne Baby. Stattdessen steigen sie in den Flieger um ein Kind zu adoptieren. Nicht dass es nicht zu den beiden passen würde, aber ein Abspann nach dem Treppengespräch nach der Party von Cornelias Vater hätte besser nachgewirkt.

Dank eines lustigen wie tragischen Drehbuchs, welches seine Figuren ernst nimmt, und einer gut aufgelegten Besetzung, ist „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ein sehenswerter Film geworden, der nicht unbedingt einen neuen Blick auf die Welt offenbart, uns aber augenzwinkernd ein Bein stellt, wenn wir uns in der ein oder anderen Figur wiederentdecken dürfen. Es wird genug Menschen geben, die innerlich schmunzeln müssen, wenn Vierzigjährige darüber reden, dass sie sich noch immer wie Kinder fühlen, die Erwachsene immitieren.

Und während Stiller seine Rolle als Tragikomiker seit „Die Royal Tenenbaums“ bis hin zu seinem „Greenberg“ hier nun weiter ausbauen darf, ein Bereich der ihm gerechter wird als die reine Blödelfigur eines „Verrückt nach Mary“ und „Zoolander“, darf man besonders begeistert von der Darbietung des mir seit je her sympathischen Charles Grodin sein, der in seiner Rolle als Cornelias Vater den weisen Sidekick spielen darf, wie er üblicher Weise sonst von Michael Caine gespielt werden würde.  OFDb

25.06.2015

AUSHILFSGANGSTER (2011)

Mittlerweile erwarte ich sehr wenig von einem Film, in welchem Ben Stiller mitspielt, der einst mit „Verrückt nach Mary“, „Zoolander“ und „Voll auf die Nüsse“ so toll durchgestartet hat und danach meist nur noch Routine-Filmchen wie „The Watch - Nachbarn der dritten Art“ abgedreht hat. Ähnlich geht es mir mit Filmen mit Eddie Murphy, der nach so großen Würfen wie „Der Prinz aus Zamunda“ im Mainstream landete und so plumpe Werke wie „Mensch, Dave!“ und „Der verrückte Professor“ verzapfte. Gelungene Komödien wie „Bowfingers große Nummer“ machen ein arg geringen Anteil seiner Filmographie aus.

Zugegeben, „Aushilfsgangster“, in welchem beide die Hauptrollen bekleiden, kann man auch nicht gerade als das große Überwerk bezeichnen, aber verdammt, er macht auf seine kurzweilige Art richtig Spaß, erst recht wenn man sie nebeneinander spielen sehen darf, die einst so hoffnungsvollen Stars. Zu ihnen gehört auch Matthew Broderick, der nach „Ferris macht blau“ noch in „Election“ und "In Sachen Liebe" trumpfen durfte, ansonsten aber in eher mäßigen Filmen wie „Cable Guy“ und „Die Frauen von Stepford“ ewig den Langeweiler spielend mitwirkte. Nein, was sieht er alt aus, wenn er im hier besprochenen Streifen den Versager spielt, der einst ein Finanzgenie war. Es tut gut ihn in solch einer Rolle zu sehen, die wenigstens ein klein wenig von ihm abfordert. Stiller und Murphy hingegen bauen auf ihre üblichen Trümpfe, und dies vereint mit einer Geschichte, welche einem aufgrund sympathischer Charaktere und einer nachvollziehbaren Situation in der heute so kriminellen Wirtschaftszeit ziemlich schnell zu packen weiß, weiß aus „Aushilfsgangster“ ein solch angenehmes Ergebnis zu machen.

„Tower Heist“ (Originaltitel) ist kein „Oceans Eleven“, strebt eine ernsthafte Konkurrenz mit solchen Werken aber auch gar nicht an. Die leichte Komödie soll im Vordergrund stehen. Und mag einem der bittere Hintergrund eines frustrierenden Themas heutiger Ungerechtigkeit auch manches mal kurzfristig die Laune am Lachen verderben, ähnlich wie in Jim Carreys „Dick und Jane“, gut aufgelegte Stars und die flotte Inszenierung von Brett Ratner, der für so unterschieliche Werke wie „Rush Hour“, „Roter Drache“, „X-Men - Der letzte Widerstand“ und dem „Hercules“ aus dem Jahr 2014 verantwortlich war, bringen einen schnell wieder zum Schmunzeln, mehr aber noch zum Mitfiebern.

„Aushilfsgangster“ ist keine Komödie der großen Lacher. Eine amüsante Grundstimmung ist lediglich Grundlage für einen Plot der Solidarität beim Zuschauer entfachen möchte. Und wenn es diesbezüglich Klick gemacht hat, steht einer angenehmen Unterhaltung auch nichts mehr im Weg. Hier wird keine innovative Geschichte aufgetischt, vieles ist vorhersehbar, trotzdem weiß der Streifen auch manches Mal zu überraschen. Und wie er zu Beginn den Weg zur Hauptstory findet, ist gar nicht mal schlecht geschrieben. Die Patzer auf der DVD zeigen uns außerdem, dass hin und wieder auch improvisiert werden durfte.

Viel ist davon im fertigen Werk nicht zu merken. Das ist ebenso schade wie die Tatsache, dass die Ausbildung der halben Hemden zum Einbrecher durch einen angeblich erfahrenen Einbrecher nicht näher vertieft wurde, ein Aspekt den man aufgrund des deutschen Titels vermutet hätte. Aber letztendlich ist es egal, weil der Grundton von „Aushilfsgangster“ einfach stimmt, um einem wohlige 100 Minuten Film zu bescheren, die nie durch Unnötigkeiten ausgebremst werden. Das merkt man auch an der am Rande spielenden Love Story, die sogar derart kurz anklingt, dass ihr Ausgang für die Geschichte egal ist und gegen Ende nicht weiter verfolgt wird, auch wenn entfallene Szenen zeigen dass dies einmal anders geplant war. Wer auch immer darüber entscheiden durfte, er hat richtig entschieden und mit solch kleinen Unterschieden aus „Tower Heist“ mehr gemacht als den austauschbaren Durchschnittsfilm.  OFDb

30.05.2015

THE WATCH - NACHBARN DER 3. ART (2012)

Zunächst einmal klingt das Konzept im Schatten der geglückten Science Fiction-Komödie „Attack the Block“ gar nicht schlecht. Man nehme drei Komödien-erfahrene Schauspieler, die jeweils ihre eigene Art Komik mit an Bord bringen, und lasse diese eine Gruppe Versager spielen, die ihr Selbstwertgefühl (ob bewusst oder unbewusst) durch die Gründung einer Bürgerwehr puschen. Dann lasse man diese auf eine Alieninvasion stoßen, was schon härtere Kerle überfordern würde. Daraus hätte sicherlich etwas individuell Sehenswertes wie „The World's End“ werden können, hätten nicht unzählige Produzenten am Rezept herumgedoktort, um am Ende den möglichst massentauglichsten Kompromiss auf die Beine zu stellen, der bloß keinem Zuschauer vor den Kopf stoßen soll.

Herausgekommen ist deshalb selbstverständlich eine überraschungsfreie Komödie mit zurückhaltendem Witz, die viel zu brav ausgefallen ist und mögliche Kritik an Gesellschaft, Medien und Politik an einer solch kurzen Leine führt, dass davon eigentlich nichts mehr zu spüren ist. Glücklicher Weise ist die Charakterzeichnung der jeweiligen Figuren genau auf den jeweiligen Schauspieler zugeschrieben, so dass zumindest die Komiker in ihrer gebremsten Art noch zu wirken wissen. Jonah Hill bleibt dabei am lustigsten, wenn er als bei seiner Mutter wohnender Möchtegern-Ultraharter mit billigen Tricks immer versucht die Film-Ehefrau von Ben Stiller zu knutschen, um auch einmal etwas vom anderen Geschlecht zu haben.

Stiller selbst mimt den Spießer-Kontrollfreak mit solch herrlichen Macken, dass es eine Freude ist ihm in sein Gesicht zu sehen, dessen Mimik jegliche Anwesenheit von Selbstbewusstsein vermissen lässt. Vince Vaughn hingegen darf wieder die Partysau herauslassen, was er auf seine eigene Art zu meistern weiß. Und als stille Andeutung an das eigentliche Vorbild „Ghostbusters“ stößt noch ein Quotenschwarzer ins Quartett hinzu, verkörpert von Richard Ayoade, der sich neben der berühmten Gesichter zu beweisen weiß, spielt er den wunderlichen Sonderling doch gekonnt zwischen Zurückhaltung und Übertreibung, was ihn zu einer schrägen, aber nicht zu dominanten Comicfigur werden lässt.

„The Watch - Nachbarn der 3. Art“ plätschert routiniert amüsant vor sich hin, peppt das manchmal zu müde Geschehen mit ordentlichen Spezialeffekten auf, so dass der Streifen gerade eben, ohne Besonderheiten im Gepäck zu haben, zu funktionieren weiß. Dass der Film dabei gegen Ende an Tempo verliert, wenn er alles zum vorhersehbaren Schluss führen muss und dabei mental auch gerne den Bereich der Fragwürdigkeit streift, ist nicht weiter wild, hat man sich als Zuschauer, der es bis dahin geschafft hat, doch ohnehin bereits mit wenig abgegeben und im Finale nicht mehr als das Abgelieferte erwartet.

Es ist nicht von der Hand zu weisen wie schade es um die verworfenen Möglichkeiten ist. Gerade Ben Stiller hätte ich es gewünscht endlich einmal wieder in einer richtig guten Komödie mit zu spielen, Talent genug besitzt der gute Mann definitiv. Aber zumindest kann man „Neighborhood Watch“ (Alternativtitel) als kleinen anspruchslosen Film für zwischendurch durchaus schauen. Langweile sieht anders aus, die Effekte sind zumindest auf echtem Kinoniveau, und amüsant genug ist dieses sich etwas zu sehr auf den Plot verlassende Drehbuch immerhin doch noch ausgefallen, z.B. mittels der lustigen Nebenfiguren, allen voran die völlig untauglichen Polizisten, die es glücklicher Weise auch ins Finale geschafft haben.  OFDb

19.02.2014

CABLE GUY (1996)

Ende der 80er Jahre und Anfang der 90er Jahre war die Zeit schlechthin in welcher im Kino Normalbürger in Thrillern Opfer von Psychopathen wurden, die das Privatleben der Zielperson unerträglich machten. Sei es auf Distanz als penetranter, lärmender Mieter den man nicht los wird, so wie es in „Fremde Schatten“ der Fall war, oder auf privaterer Ebene wie eine ihr Vorbild kopierende WG-Bewohnerin in „Weiblich, ledig, jung sucht...“ oder ein nicht verschwinden wollender Seitensprung a la „Eine verhängnisvolle Affäre“, man wurde die Quälgeister einfach nicht los, die einem ordentlich Schaden zufügen wollten.

1996 war es also höchste Zeit mit diesem Genre komödiantisch aufzuräumen. Ben Stiller, den die meisten als Komiker aus Hauptrollen kennen, führte kurz vor seinem Durchbruch mit „Verrückt nach Mary“ die Regie und bekam für die Rolle des Psychopathen Jim Carrey engagiert, der sich gerade auf seinem ersten Aufwind befand, zwei Jahre durch Werke wie „Ace Ventura“ und „Die Maske“ berühmt war, und der seiner Karriere fast hätte Lebewohl sagen müssen, nachdem „Cable Guy“ beim Publikum so gravierend abstank.

War er eines dieser verkannten Meisterwerke, die erst im Nachhinein zum Kultstatus werden sollten, weil er seiner Zeit mit der Kritik des Amis liebsten Kindes, dem TV, für das Massenpublikum zu kritisch umging? Nein, das kann man leider nicht behaupten. „Cable Guy“ leidet lediglich daran ebenso penetrant zu sein wie die zentrale Nervensäge, wie der deutsche Beititel die Figur des Chip etwas ungünstig nennt. Das macht Ben Stillers zweite Langfilm-Regiearbeit nicht ungenießbar, ist er doch nicht viel schlechter als der mit Spezialeffekten überschwemmte „Die Maske“, aber er hätte das Potential zu mehr gehabt, gerade wegen der sehr passenden Besetzung in der Psychopathen-Rolle.

Stiller ruht sich jedoch viel zu sehr darauf aus zwei extrem unterschiedliche Charaktere aufeinander knallen zu lassen, und den unsensiblen Part derart zu überzeichnen, dass er von Anfang an als unangenehm auffällt, und der rein vom Mitleid seiner Mitmenschen lebt. Auch ich kenne solche Menschen, und man muss nicht erst so eine ehrliche Haut wie Steve sein, um sie rein aus Mitleid zu sehr in sein Leben zu lassen, von daher ist das Grundszenario sogar aus dem Leben gegriffen. Was suchen solche Menschen auf penetrante Art Freundschaft, nicht begreifend was sie psychologisch und auf sozialer Ebene falsch machen, so dass sie immer bei neuen Leuten bei Null anfangen müssen.

Im Extremfall „Cable Guy“ mischt sich Chip in das Leben Stevens ein, macht ihm übertriebendste Geschenke, hilft ihm beim Zurechtrücken der in Scherben liegenden Partnerschaft und schenkt ihm Selbstsicherheit mit Hilfe einer Prostituierten, die der ahnungslose Steve für eine an ihm interessierte Frau hielt. Spätestens diese Aktion sorgt dafür dass Steve die Notbremse zieht. Nun hat er seine in Trennung lebende Freundin mit einer Nutte betrogen. Wie soll er der guten Frau dies erklären? Die Freundschaft zu Chip muss beendet werden.

Was Chip von da an treibt, passt ins Zeichen der Zeit und bereitete uns darauf vor was mittels der Technik in Zukunft noch viel einfacher zu vollbringen werden würde. Chip besitzt genügend Informationen und auch genug Quellen um an diese zu geraten, um Freundschaftsverräter Steve in Schwierigkeiten zu bringen. Fotos, private Videoaufnahmen, Stalking, das sind alles Themen der Moderne, die in „Cable Guy“ früh erkannt wurden und in der Extreme der Möglichkeiten später selbst in ernstzunehmenden Dramen wie „Homevideo“ thematisiert wurden, eben weil der Eingriff in die Privatsphäre mittels Internet Jahre später zu Möglichkeiten führte, mit denen man schwache Existenzen regelrecht zerstören kann.

Scheitert „Cable Guy“ daran dass er sich übernimmt, in dem er dieser Thematik zusätzlich jene des übermäßigen Fernsehkonsums hinzufügt? Nein, der Aspekt dass Chip seit Kindheit an so viel TV guckt, dass er den Bezug zur Realität verloren hat, ist nicht zu viel Fülle für eine simple, kleine Komödie, ist theoretisch sogar ein recht interessanter Ansatz, wenn auch nicht wirklich nötig für das bereits vorhandene Potential.

„Cable Guy“ krankt letztendlich daran all diese Bereiche viel zu unsensibel einzusetzen. Die TV-Moral wird gegen Ende zu sehr aufs Auge gedrückt, spätestens dann fragwürdig werdend wenn das Medium Buch mal wieder als etwas wertvolleres dargestellt wird als die olle Flimmerkiste. Die unangenehmen Seite einer Freundschaft mit Chip wird völlig unnötig mit einer viel zu langen Szene ins Extreme hochgehievt, wenn Steve sich während eines Mittelalter-Kampfes gegen den realitätsfernen Gewalttäter zur Wehr setzen muss. Und es gibt der Beispiele noch sehr viele mehr zu nennen, in welcher „The Cable Guy“ einfach subtiler hätte umgesetzt werden müssen, um ihn ernster nehmen zu können, etwas das Ben Stiller trotz aller Komik und trotz ewiger Grimassenschneiderei Jim Carreys durchaus am Herzen lag.

Dieses in die Kacke hauen, wie man es definitiv nennen kann, nimmt „Cable Guy“ nicht nur seine Möglichkeiten zur Tiefe, er nimmt den Situationen auch die Möglichkeit zur Identifikation, womit nur Figuren in ihrem Stereotype-Kostüm innerhalb einer hanebüchenen, zur Groteske überschwemmten Geschichte bleiben, welcher der nötige treffsichere Satiregehalt fehlt um auch als Groteske zu wirken, anstatt zum Nonsens-Klamauk mit Thriller-Touch zu werden. „Cable Guy“ ist zu unsensibel, zu penetrant, und in dieser Art zwar noch immer überraschend guckbar, aber nicht wirklich kurzweilig unterhaltend. Ein Glück, dass dieser Film nicht der Karriere Jim Carreys schaden sollte, erwies der sich den blindesten der blinden Cineasten doch spätestens in „Der Mondmann“ sichtbar endgültig als großes Schauspiel-Talent, das zu mehr fähig ist als zur reinen Grimassenschneiderei.  OFDb

20.03.2013

NACH 7 TAGEN AUSGEFLITTERT (2007)

Eddie ist seit langer Zeit überzeugter Single, bis Freunde und Verwandte ihm irgendwann den Floh ins Ohr setzen, dass er einsam sterben würde, wenn er sich nicht endlich fest bindet. Als er der sympathischen und attraktiven Lila begegnet, macht er ihr schneller einen Heiratsantrag als gut für ihn wäre. Denn in den Flitterwochen entpuppt sich die Traumfrau als Alptraum. Und im Hotel lernt Eddie zudem seine wahre Liebe kennen: Miranda...
 
Verrückt nach Miranda...
 
Wie so ziemlich jeder Farrelly-Film hat auch dieser kaum eine Geschichte. Mal funktioniert das, mal nicht. So überdurchschnittlich gut wie in „Verrückt nach Mary“ war es nur das eine mal. Andere Werke gleicher Qualität der humorvollen Brüder waren „Osmosis Jones“ und „Schwer verliebt“, quasi beides Werke auf anderen Spuren.
 
„Nach 7 Tagen ausgeflittert“ ist jedoch eine Farrelly-Komödie in klassischer Form. Sie weiß zu unterhalten, aber sie bietet auch nichts derart außergewöhnliches, das man irgendwann wiedersehen oder im Kopf behalten möchte. Sie bietet auch nichts, was sie von Vergleichsfilmen wie „Ich, beide und sie“, „Dumm und dümmer“ und „Kingpin“ unterscheiden würde. Das sind alles nette Filme, aber keiner von ihnen bietet im Vergleich zueinander etwas neues.

Das ist in so fern schade, als dass Ben Stiller wieder mit an Bord ist, wohl einer der talentiertesten Humoristen Amerikas zur Zeit. Auch er wirkt hier nicht ganz so frisch und fröhlich wie sonst, weiß durch seine professionelle Routine aber dennoch zu überzeugen. Sein Kumpel Owen Wilson ist diesmal nicht dabei, stattdessen hat Stiller seinen Vater an seiner Seite agieren, den die meisten wohl am ehesten als Arthur aus „King Of Queens“ kennen. Der spielt stark angelehnt an seine bekannteste Rolle, sie ist dank gewollter Sexualprovokationen allerdings nicht so witzig wie in der überdurchschnittlichen Sitcom.

“Nach 7 Tagen ausgeflittert“ erzählt eine einfache Geschichte, die brav die Geschehnisse ohne große Abschweife abarbeitet, mit den farrellyüblichen Zeitsprüngen und Abartigkeiten. Das ist witzig zu gucken, wobei es die großen Lacher nicht so häufig gibt wie gut für diese Komödiengattung wäre.

Gut herausgearbeitet ist der Übergang vom verliebt zum genervt sein. Und die letzte halbe Stunde verläuft überraschend anders als erwartet, auch wenn das Happy End nicht fehlen darf. Aber es findet auf Umwegen statt, erneut mit einem Zeitsprung und einer Schlusspointe, mit der ich nicht gerechnet hätte. Ohne diese zu verraten, möchte ich dazu nur folgendes sagen: Die Pointe ist in so fern genial, als dass sie dem Charakter Stillers gerecht wird. Wer da geschockt ist, hat nur zu blauäugig mitgeguckt.

Laut OFDb-Eintrag fehlt leider ein sehr genialer Schlussgag zum Thema Koksen, dafür erwartet den Zuschauer, der nicht direkt abschaltet, ein eher unwitziger Gag in der Mitte des Abspanns, der uns zeigt welcher Liebschaft die Verflossene nachgeht.

Bleibt nur zu sagen, dass die Farrellys auf üblichen Pfaden wandern. Wäre ihr Humor im allgemeinen nicht so mutig, würde man wohl davon sprechen können, dass sie auf Nummer sicher gegangen sind. Für eine solche Aussage ist ihr Humor jedoch viel zu provokativ, auch heute noch, wo man sich mehr oder weniger daran gewöhnt hat. Etwas mehr Pfiff in der Story täte dennoch Not.

Schon die eben erwähnten Vergleichsfilme waren zwar lustig, aber wegen der Storydefizite auch irgendwie anstrengend zu sichten. Und genau dort reiht sich „Nach 7 Tagen ausgeflittert“ ein. Das bedeutet aber immerhin, dass der Fan dieser Filme auch hier unbesorgt zuschlagen kann.  OFDb

19.03.2013

NACHTS IM MUSEUM (2006)

Larry wird Nachtwächter in einem Museum. Was wie ein ruhiger Job klingt, entpuppt sich als nervenaufreibende Aufgabe. Denn durch ein magisches Objekt erwachen jede Nacht alle Ausstellungsstücke zum Leben. Soldaten bekämpfen sich, Dinosaurierskelette wandern umher, bei all dem Treiben ist es gar nicht so einfach für Ordnung zu sorgen...
 
Lebendige Geschichte...
 
Bei "Nachts im Museum" rechnete ich mit einem dieser fantasielosen und kitschigen als Familienfilm getarnten Effekt-Werke aus Amerika a la "Hook" und "Jumanji". Stellenweise funkelt das politisch korrekte, gefühlspolierte Niveau dieser Werke zwar durch, aber überraschender Weise macht das ganze sogar ziemlich Spaß. Unterstützt durch wirklich hervorragende Tricks und einem Staraufgebot, das in dieser Extreme wieder einmal nicht nötig gewesen wäre, bekommt man hier eine kunterbunte Geschichte präsentiert, bei der die Formulierung "für die ganze Familie" endlich mal wieder passt.

Ben Stiller glänzt wie immer, ist aber eigentlich ein viel zu talentierter Komiker, um in einem solch routinierten Film eines Genres mitzumachen, in welchem schon Robin Williams (der auch hier mitmacht) des öfteren auf die Nerven ging und seinen Ruf zerstörte. Man kann nur hoffen, dass er diesem Subgenre nicht so treu bleibt wie Williams, der hier in seiner Nebenrolle überzeugt.

Die schauspielerische Überraschung dieses Films war Owen Wilson. Der gute Freund Stillers, der in vielen seiner Filme auftaucht, ist einer jener Schauspieler, die so bekannt sind weil man sie ständig sieht, nicht aber unbedingt wegen ihres herausragenden Talentes. In meinen Augen ist Wilson auch weniger ein Schauspieler als viel mehr ein (sympathischer) Darsteller, und in "Nachts im Museum" wurde ihm eine Rolle beschert, die er mit sichtbarer Spielfreude im kindischen Cowboyspiel zum Besten gibt. Einige der Lacher und Schmunzler sind ihm zu verdanken.

Die Geschichte selbst ist relativ banal, wird im groben auch inhaltlich erklärt, damit das ganze nicht komplett sinnlos wirkt. Allerdings herrscht bei inhaltlichen Kleinigkeiten dennoch Erklärungsnot. Viel zu vieles muss man einfach hinnehmen. Stinken die Tiere nicht, wenn sie lebendig werden? Hört draußen vor dem Museum keiner das Treiben dessen was innen geschieht? Nur zwei von wirklich vielen offenen Fragen. Zumindest achtete man darauf, dass auch jeder kleine Handlungsstrang nicht (all zu sehr) ins Leere läuft. Was angefangen wird, wird auch beendet, und sei es im Falle der drei gelungen besetzten Nachtwächter erst nach den ersten Schriftzügen des Abspanns.

Der "Vater ist der Beste"-Schnulz, wie er für einen US-Familienfilm typisch ist, ist diesmal erträglich, da nicht komplett dick aufs Brot geschmiert, eingebracht. Viel nerviger jedoch ist die Haltung der Mutter, die für uns als nicht ganz so pseudopolitisch korrekten Europäer schwer nachvollziehbar ist. So wie sie ihr Kind vor allem Bösen beschützen will, würde jeder vernünftige Pädagoge Amok laufen. Dieses Überbehüten des Kindes und der mit Schnulzgerede diskriminierende Umgang mit dem männlichen Elternpart ist aber, laut amerikanischer Filme, Alltag in den USA. Man kann nur hoffen, dass dies ein Filmklischee ist und nichts weiter. Filme wie "Der Dummschwätzer" sind aber auch in diesem Bereich extremer als „Nachts im Museum“.

Letzten Endes hat man es hauptsächlich Ben Stiller mit seiner Darbietung zu verdanken, dass der ganze Trubel guter Elemente auch zu einem gelungenen Ganzen wird. Das nächste mal möchte ich ihn aber lieber wieder in einer seiner schrägeren Komödien sehen oder gern auch wieder tragikomisch wie in "Die Royal Tenenbaums". Eine bessere Beurteilung würde ein solcher Film von mir erst dann bekommen, wenn er den unzumutbaren typischen US-Kitsch endlich einmal komplett aus dem Drehbuch verbannen würde. Etwas mehr Individualität hätte "Nachts im Museum" zu einem besseren Ergebnis verhelfen können. Denn eins ist klar: Eine routinierte Geschichte bekommt man nicht wesentlich flotter durch tolle Effekte und namhafter Darsteller.  OFDb