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12.03.2017

DER GRÜNE BOGENSCHÜTZE (1961)

Wenn einem hohen Tier von Scotland Yard mitten in einem gewaltigen Schusswechsel ein Tee gereicht wird, oder eine Frau direkt nach einer lebensbedrohlichen Situation zur Schminke greift, da sich die Presse nähert, dann hält recht skurriler Humor Einzug ins Wallace-Universum. Zwar dominiert der Kriminalpart, so dass „Der grüne Bogenschütze“ deshalb nicht zur Krimi-Komödie verkommt, und die hier aufgezählten Beispiele und einige andere wissen zu gefallen, aber Eddi Arent (man verzeihe mir das Wortspiel) überspannt den Bogen dann doch zu sehr, wirkt erstmals kurz vor Schluss meiner Rückwärtssichtung der Rialto-Wallace-Reihe störend anstatt bereichernd, zumal er pausenlos die vierte Wand durchbricht, was schließlich nur noch nervt.

Ansonsten gibt es eigentlich keine Schwachpunkte zu vermelden, ist der Plot doch derart angereichert mit zwielichtigen Personen und Situationen, dass die Geschichte den titelgebenden Verbrecher eigentlich gar nicht nötig gehabt hätte, so interessant wie hier jegliche Nebenhandlung und freilich auch die Haupthandlung ausgefallen ist. Zwar wirken sowohl Wolfgang Völz als Higgins, als auch der von Klausjürgen Wussow verkörperte Featherstone etwas blass, obwohl sie als Ermittler große Rollen erwischt haben, aber der Rest der Besetzung macht das wieder wett, allen voran Gert Fröbe, dessen Rolle hier wie eine Übung für die drei Jahre später angegangene Titelrolle im James Bond-Film „Goldfinger“ ausgefallen ist, so übertrieben schurkisch, geradezu wahnsinnig wie er seine Rolle ausfüllt. Wenn er im Finale einen offenen Krieg gegen die Polizei führt, dann ist wahrlich kein Unterschied mehr zwischen beiden Rollen zu bemerken.

Aber nicht nur Fröbe weiß in seiner brummig egoistischen Art zu gefallen. Die attraktive Karin Dor darf bezaubernder denn je wirken, Harry Wüstenhagen verkörpert einige der wenigen Figuren im Wallace-Universum, bei denen Gut und Böse verschwimmen und auch die restliche Besetzung weiß dem Zuschauer einiges zu bieten. Nach „Der rote Kreis“ sollte „The Green Archer“ (Alternativtitel) Jürgen Rolands letzter Beitrag zur Wallace-Reihe gewesen sein, verstehe einer warum, so unterhaltsam wie beide Werke ausgefallen sind. An der immer weiter ansteigenden Überspitzung des beiläufigen Humors kann es nicht gelegen haben, so sehr wie Roland im hier besprochenen Werk darauf baut. Es wäre interessant gewesen zu erleben, in welche Richtung sich die Serie entwickelt hätte, wenn Roland weiter für sie tätig gewesen wäre.  OFDb

DIE TOTEN AUGEN VON LONDON (1961)

Alfred Vohrers früher Beitrag der lang laufenden Rialto-Wallace-Reihe ist bereits ein Liebhaberstück. Zwischen düsteren und heiteren Momenten schwankend, ohne dabei unausgegoren zu wirken, bietet er verschiedenste Unterhaltungswerte, die von einer Gruppe sympathischer, wie talentierter Schauspieler unterstützt wird. Fuchsberger agiert locker, dies aber noch nicht überzogen (was auch für sein Flirten mit der weiblichen Hauptrolle gilt), Arent sorgt für die Erheiterung am Rande, Kinski spielt großartig wie eh und je, und jede Menge anderweitige Figuren, von Flimmer Fred bis hin zum blinden Jack, machen aus „Die toten Augen von London“, der bereits 1939 in England als „Der Würger von London“ mit Bela Lugosi besetzt verfilmt wurde, ein Seherlebnis für Freunde nostalgischer Stoffe.

Vielleicht ist das Rätselraten nicht ganz so groß ausgefallen wie bei manch anderem Wallace-Beitrag, bis auf eine vorhersehbare Überraschung am Schluss ist eigentlich von Anfang an klar wer hier alles einen Schurken mimen darf, aber um das klassische Mörderraten geht es hier ohnehin nur am Rande, ist Vohrer doch viel eher darum bemüht mit „Dark Eyes of London“ (Alternativtitel) eine aufregende Umsetzung zu gestalten, sprich eine ereignisreiche, bei der man nie weiß was im nächsten Moment passieren wird. Das Finale, in welchem sich Karin Baal in einem großen Wasserbehälter eingeschlossen befindet ist legendär, ständig ist man Zeuge von Mordversuchen und gelungenen Attacken diesbezüglich, Vohrer lässt einem kaum Luft zum Atmen, vergisst aber auch die ruhigen Suspense-Momente nicht, die er gekonnt einzustreuen vermag, ohne den Film an diesen Stellen gedrosselt wirken zu lassen.

Die kleinen Spinnereien am Rande, die Vohrer so liebt einzubauen, finden auch in diesem humorärmeren Werk seinen Platz. So zeigt uns der Regisseur beispielsweise einen skurrilen Zigarettenaufbewahrungsort innerhalb eines künstlichen Totenschädels, um uns per Schnitt direkt im Anschluss einen schwarzen, ausgestopften Vogel sehen und hören zu lassen, dessen Augen elektronisch leuchten können. Auch der in einem späteren Werk noch einmal eingefangene Blick aus der Kehle eines der Darsteller heraus, findet bereits hier seinen ersten Einsatz.

Vohrer selbst verfilmte den hier besprochenen Streifen nur sieben Jahre später in der Buntphase der Rialto-Wallace-Reihe mit „Der Gorilla von Soho“ noch einmal neu, und schaut man sich einmal die starke, künstliche Behaarung an den Armen und an den Händen des blinden Jack an, so darf man doch behaupten dass der weitere Schritt zum Gorilla fast schon naheliegend war, zumindest in der grotesken Welt des Alfred Vohrer. An die Schwarz/Weiß-Version weiß dieser ebenso wenig heranzukommen wie der in den 90er Jahren umgesetzte TV-Film „Das Haus der toten Augen“, in welchem Eddi Arent erneut involviert war - sichtlich gealtert, diesmal den Sir John spielend.

„Geheimnis von London“ (Alternativtitel) ist einer der frühen Höhepunkte der ohnehin großartig ausgefallenen frühen Phase der Wallace-Reihe (wir befinden uns im dritten Jahr und im gerade einmal fünften Beitrag der Serie) und bereitet mit seinen düsteren Aufnahmen, gemixt mit grotesken Ideen und dem Blick in die toten Kontaktlinsen der Blinden (während einer der Sehenden als einziger eine dunkle Sonnenbrille tragen darf) auch bei der x-ten Sichtung noch genügend Freude um ins Schwärmen zu geraten. Einzig der Soundtrack ist ein wenig müde ausgefallen.  OFDb

01.03.2017

DER SCHWARZE ABT (1963)

Ich hatte Franz Josef Gottliebs „Der schwarze Abt“ als sehr schwachen Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe in Erinnerung und muss gestehen, nun bei meiner erneuten Sichtung recht gut unterhalten worden zu sein. In dem Plot, der kaum einer ist, werden Irrungen, Wirrungen, Irrglaube, Irrsinn, Geheimnisse und Wendungen so extrem aneinandergereiht, dass allein dies fast reicht eine Geschichte zu ersetzen. Wie Schurken sich gegenseitig, meist durch Erpressung, das Leben zur Hölle machen, wie die Autoren (u.a. Gottlieb selbst) es trotzdem schaffen noch ein Familiengeheimnis zum Thema Geisteskrankheit mit in die Geschichte zu integrieren, das hat schon meinen Respekt erlangt.

Da stört es auch gar nicht weiter, dass der schwarze Abt eher Gast im eigenen Film ist, gar nicht so wichtig ist wie der Titel vermuten lässt, so dass der Film sich am Ende sogar selbst einen Spaß daraus macht damit zu spielen, dass wir es mit mehr als einer Person bei der titelgebenden Figur zu tun zu haben. Ohnehin wird die Identität des eigentlichen, echten schwarzen Abtes relativ früh gelüftet, während die Fälschung bereits 25 Minuten vor Schluss das Zeitliche segnet. Spätestens ab dann ist der Kuttenträger endgültig uninteressant für die weiteren Vorkommnisse und wird nur noch am Rande erwähnt, damit die Person, die den Originalen mimte, erfährt, dass die Polizei längst wusste wer er war.

Viel aufregender ist aber ohnehin die zentrale Geschichte um eine Erpressung ausgefallen, in welcher Werner Peters es wieder einmal schafft den hinterlistigen Schurkentypen perfekt zu verkörpern, inklusive eines minimalistischen Gehaltes Unsicherheit. „Der schwarze Abt“ lebt viel von seiner Figur, auch wenn die zweite Filmhälfte ihm weit weniger Beachtung schenkt als die erste. Schwerpunktmäßig wechselt die Bedeutung einzelner Personen ohnehin immer wieder. Die Frauen werden trotz zentraler Eckpfeiler der Geschichte niemals wichtig, Charles Regnier, der den Kommissar treffsicher mimt und in seiner Darstellung ein Unikum innerhalb der Wallace-Kommissare darstellt, darf aufgrund nicht gezeigter Ermittlungen in London auch mal für längere Zeit pausieren, während die zwielichtige, aber doch recht sympathisch gestaltete Rolle Joachim Fuchsbergers immer mit kurzen Unterbrechungen versehen wichtig für das Komplettgeschehen ist.

Das Finale wiederum kümmert sich neben der Ermittler hauptsächlich um Lord Chelford, dessen Szenen die Geduld des Zuschauers einen Hauch zu sehr auf die Probe stellen. In der Schlussphase habe ich mir dann doch gewünscht, dass das Treiben endlich ein Ende findet. Aber bis es soweit ist wird man solide unterhalten. Die Schloss-Location wirkt, der Pseudo-Handlungs-Mix aus Schatzsuche, Erpressung und Geisteskrankheit weiß zu gefallen, und Kinski und Arent dürfen ihre Stärken erneut in Nebenrollen beweisen und werden damit zu wirksamen Randerscheinungen des Filmes (bis auf einige wenige Arent-Ausrutscher, die dann doch zu viel des Guten sind).

Das führt alles nicht zu einem großen Ergebnis, aber definitiv zu einem unterhaltsamen Beitrag der Reihe, vorausgesetzt man kann sich mit Irrungen und Wirrungen begnügen und auf eine tatsächliche Handlung verzichten. Meiner Meinung nach funktioniert dies aufgrund der interessanten Figurenkonstellation recht gut, so dass die gelungenen Charaktere den Film bis zum Schluss stemmen können, ohne dass es zu einer uninteressanten Phase käme. Ob man am Ende noch durchblickt, hängt von der Konzentration des Zuschauers ab. Wer nur mit halber Backe hin geschaut hat, hat trotzdem seinen Spaß, geht es doch nicht wirklich um einen Sinn, sondern lediglich um einen abenteuerlichen Kriminalfall - oder um zwei, oder drei.  OFDb

08.08.2016

DIE GRUFT MIT DEM RÄTSELSCHLOSS (1964)

Fand ich die Leistung Eddi Arents im Folgefilm „Das Verrätertor“ lobenswert, da für das Gesamtwerk sehr erfrischend, wird der gute Mann im Vorgänger „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ für meinen Geschmack etwas zu inflationär ins Geschehen eingebunden. Nicht dass er nicht wieder wundervolle Momente beschert bekommen hätte, welche dem Zuschauer ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, aber die Hälfte dessen hätte locker gereicht, überspannt Arent den Bogen doch etwas zu sehr und ruiniert damit manchen Moment, der mehr Ernsthaftigkeit hätte vertragen können.

Aber auch ohne Arents Zutun steht Franz Josef Gottliebs zweiter und letzter Beitrag der Rialto-Wallace-Reihe auf wackeligen Beinen und gehört damit ebenso wie sein „Der schwarze Abt“ zu den weniger aufregenden Filmen der Serie. Während er für Konkurrenzprodukte so unterhaltsame Werke wie „Der Fluch der gelben Schlange“, "Das Phantom von Soho" und „Das siebente Opfer“ zauberte, hatte er der berühmten deutschen Wallace-Reihe somit nichts Nennenswertes hinzuzufügen, was schon schade ist, denn die Idee einer voll mörderischer Gymmicks angereicherten Gruft, an der jegliche Banditen sich die Zähne ausbeißen, klingt doch recht reizvoll für eine Serie, die schon sehr früh damit begann seichte Komik mit morbidem Kriminalfilm zu mixen.

Im hier besprochenen Beitrag der Reihe stört mich jedoch bereits der Aufhänger, will es doch nicht ganz ins Bild des Wallace-Universums passen, dass ein greiser Verbrecher plötzlich ein schlechtes Gewissen entwickelt und sein ganzes Vermögen einer jungen Frau vermachen möchte, dessen Vater er einst ausbeutete. Grund: die Frau habe am Grab ihres Vaters im Kindesalter einst so traurige Augen gehabt. Da haben andere Filme der Serie zu ähnlicher Thematik bessere Aufhänger parat gehabt, um wen Erbberechtigtes nach London reisen zu lassen.

Ärgerlich ist zudem, dass es außerhalb der Gruft keinerlei Rätsel zu lösen gibt. Die Bösewichter sind schnell präsentiert. Die Beweggründe und wer auf wessen Seite steht ebenso, und von da an kümmert sich die Geschichte einzig um den Kampf ums Vermögen und um das Festhalten der Erbberechtigten. Einzig die Rolle von Harald Leipnitz, der hier zum ersten Mal in der Wallace-Reihe auftaucht, bleibt undurchsichtig, irgendwo zwischen den Fronten stehend. Aber da es in dieser Geschichte zusätzlich einen Kommissar mit lupenreiner Arbeitsmoral gibt, weiß der erfahrene Wallace-Gucker trotzdem recht schnell wie er die Rolle des fremden Helfers einzuschätzen hat.

Während viele der Vorgänger smarte Kommissare präsentierten, geht man in „Curse of the Hidden Vault“ (Alternativtitel) scheinbar bewusst anders vor, lässt den Ermittler fast schon charakterlos lediglich seinen Job machen, stellt ihn aber so dar als habe man es mit einem rechthaberichen, humorlosen Fatzke vom Finanzamt zu tun, der selbst das augenzwinkernde Spiel in den Szenen mit Siegfried Schürenberg als Sir John einspart und diesem auf hanebüchene wie unsympathische Art auf der Nase herumtanzt. Das nimmt Sir John die Würde und damit seinen Haupttrumpf humoristisch aktiv werden zu können, womit sich der Streifen des schönsten Running Gags der Reihe beraubt.

Wenn schließlich die Gruft in einer sich ewig anfühlenden Einbruchsszene zu blinken und musizieren beginnt, wird der bis dahin routiniert zu schauende „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ kurzfristig sogar recht nervig, macht aber immerhin nachvollziehbar warum der Eindringling nach einiger Zeit des Gefangenseins zum Suizid neigt. Da auch Klaus Kinski als schweigender Killer der ganzen Chose nicht viel hinzuzufügen hat und es der rätsellosen Geschichte an Reiz und Esprit fehlt, kann man Gottliebs Film somit wahrlich nur den Komplettisten unter den Wallace-Fans nahe legen. Zwar ist er nicht so schlecht ausgefallen wie „Das Geheimnis der gelben Narzissen“, aber mit Ruhm hat man sich hier nicht bekleckert, so dass ich verstehen kann, dass Gottlieb für die Weiterführung der Reihe nicht mehr benötigt wurde.  OFDb

11.06.2016

DER HUND VON BLACKWOOD CASTLE (1968)

Schrieb ich in meiner Besprechung zu „Der Gorilla von Soho“ bei meiner aktuellen Rückwärtssichtung der Rialto-Wallace-Reihe (bei welcher „Im Banne des Unheimlichen“ ausgelassen werden musste, da er mir noch nicht vorlag), dass Vohrer gar nicht mehr versucht den dunklen Grusel-Krimi-Touch der beliebten Schwarz/Weiß-Vertreter der Reihe, der er angehört, zu erreichen, so lebt „Der Hund von Blackwood Castle“, der im selben Jahr erschien, ganz im Gegenteil, gerade von dem Versuch die stimmige Gruselatmosphäre der alten Beiträge mit den Pluspunkten der peppigeren späten Welle zu vereinen.

Die Sumpflandschaft und das Schloss sind dafür wunderbare Spielorte, darf die Nebelmaschine draußen doch Höchstleistungen erzielen, während die Stimmung drinnen von der kargen, da heruntergekommenen Ausstattung profitiert, was als kostengünstige Angelegenheit Produzent Wendlandt sicherlich nicht traurig gestimmt hat. Auch die Geschichte selbst könnte mit all ihren zwielichtigen Personen, unheimlichen Vorkommnissen und der unüberschaubaren Situation aus der frühen Phase der Serie stammen, zumindest wenn da nicht das farbenprächtige Abdrehen und der albernere Grundton wären, die wiederum geradezu typisch für die Buntphase steht.

Auch „Der Hund von Blackwood Castle“ ist noch weit von dem völlig überzogenen Stil des leider unterschätzten „Der Mann mit dem Glasauge“ entfernt, er bietet dem Zuschauer aber zumindest mehr fürs Auge als der im Vergleich recht zahm ausgefallene Gorilla-Film, der ein wenig zu Original-verliebt die erste Rialto-Verfilmung des Stoffes, „Die toten Augen von London“, nacherzählte. „Der Hund von Blackwood Castle“ mag alle typischen Eigenschaften eines Rialto-Wallace beinhalten und sich auch sehr bewusst an die Sherlock Holmes-Geschichte „Der Hund von Baskerville“ anlehnen, seine Eigenständigkeit kann man ihm dennoch nicht abstreiten, steckt er doch voller eigenständiger skurriler Ideen wie dem ominösen Schachspiel, dem Geheimnis um die Leiche des Kapitäns und dem höchst ominösen Mordwerkzeug mit welchem der titelgebende Hund seine Opfer ins Jenseits befördert.

Auch der menschliche Part steht dem in nichts nach, wenn ein Haufen Zwielichtiger auf eine Gruppe harmlos scheinender Rentner stößt, und mitten drin der zu Zoten neigende Sir John ermittelt, der gleich seine Sekretärin mitgebracht hat, die für so mancherlei frivolen Spaß sorgt. Mit die interessanteste Rolle hat der hier zum letzten mal in einem Wallace-Film mitwirkende Heinz Drache erwischt, der so spielfreudig seiner einfallsreich charakterisierten und undurchschaubaren Figur Leben einhaucht, dass man sich zu Recht fragen darf warum er danach nie mehr auftauchte.

Wovon sich „Der Hund von Blackwood Castle“ ganz entscheidend von seinen Vorgängern unterscheidet, ist der Aufbau der Geschichte, der sich für seine Vorgeschichte sehr viel Zeit nimmt, bevor mit Sir John erst nach fast einer halben Stunde Scotland Yard ins Geschehen tritt. Selbstverständlich gibt es bereits zuvor so manche Tode mitzuerleben, eine Leiche wird jedoch erst aufgefunden, wenn sich wer Drittes in eine bereits routiniert durchgeführte Mördermasche einmischt und dafür sorgt, dass der Körper des zuletzt Ermordeten nicht unentdeckt entsorgt werden kann.

Allein dieser Ausgangspunkt sorgt für genügend Rätsel die gelöst werden müssen. Und es bereitet viel Freude dabei zuzusehen, wie aus einer völlig verspielten, den Kriminalfall zu keiner Zeit ernst nehmenden Geschichte, eine halbwegs logische Auflösung wird, freilich betrachtet innerhalb des völlig irrsinnigen mit Zwielichtigkeiten überfrachteten Wallace-Universums. Mag die Motivation der zentralen Figur sich auch im Finale noch zum x-ten Mal überraschend wandeln und der eigentliche Auslöser der ganzen Chose ein recht umständlicher Plan sein, der nur aus der Feder von Pulp-Autoren stammen kann, innerhalb dieses Comic-Flairs herrscht jedoch so etwas wie ein nachvollziehbares Ende, das sich nicht in billige Ausflüchte rettet, sondern konsequent und lückenlos das beendet, was zuvor aufgekocht wurde.

Als großen Wurf der Spätphase würde ich „Der Hund von Blackwood Castle“ nicht bezeichnen, aber er gehört zu den charmanten Vertretern dieser Zeit, dem man zumindest zugestehen kann, dass er versucht hat ein Rest-Flair der ersten Dekade wieder aufzugreifen. Engstirnige Befürworter der Schwarz/Weiß-Phase, die mit ihren Vorurteilen der Buntphase nie eine wirkliche Chance gegeben haben, werden dies als gescheitert betrachten. Ich hingegen finde den ungewöhnlichen Mix beider sehr unterschiedlicher Stilmittel reizvoll, und die Geschichte, mit welcher dieses Experiment gewagt wurde, interessant und kurzweilig.  OFDb

10.01.2013

DER EXPERTE (1988)

KFZ-Mechaniker Willi wird nach einer fatalen Probefahrt von einem Wahlkampfexperten, der bei der Bürgermeister-Wahl helfen soll, im Auto mitgenommen. Es kommt zu einem Unfall, Willi verliert sein Gedächtnis und wird für den anderen gehalten...

Politik wie sie wirklich ist... 
 
In „Der Experte“ darf man Dieter Hallervorden, nach seinem qualitativen Ausrutscher mit „Didi auf vollen Touren“, ein letztes Mal in Hochform erleben. Hallervorden selbst sah in „Der Experte“ einige Zeit seinen besten Film. So weit würde ich nicht gehen, an das Geblödel aus „Didi – Der Doppelgänger“ und „Didi und die Rache der Enterbten“ kommt der Streifen nicht heran, er ist aber immer noch ein gelungener Film geworden.

Im Vorgängerwerk wandte sich Hallervorden bereits dem Bereich der Satire zu. Diese wird im hier besprochenen Film ebenfalls aufgegriffen, die Orientierung in diese Richtung wurde sogar verstärkt. Vom Genre her kann man dennoch nicht wirklich von einer Satire sprechen, dafür wird in Hallervordenart einfach zu viel herumgeblödelt, wäre ja auch schade wenn nicht. Mir persönlich gefällt der kaputte Mix aus ernstem Anliegen und dem Mut zum Klamauk gut. Einen Qualitätsverlust durch das dominante Herumalbern werden nur jene empfinden, die bereits beim Doppelgänger und den Enterbten nicht den Charme und das psychologische Niveau der Figuren entdecken konnten. Man muss schon frei vom Tunnelblick sein, um die versteckten Qualitäten Hallervordens zu entdecken. Leider wird er viel zu oft auf seinen Klamauk reduziert.

In „Der Experte“ werden auch ernste Töne angeschlagen. Das dürfte sicherlich neu sein. Trotz seines ernsten Grundthemas gab es solche Szenen in „Didi auf vollen Touren“ nicht. Hier darf Didi, der diesen Spitznamen eben wegen der Stiländerung bewusst nicht mit in den Kinotitel eingebaut hat, auch mal Gefühle zeigen, zwar keiner Frau gegenüber, dafür aber väterliche Gefühle einem Waisenkind gegenüber. Das wirkt manchmal leider zu aufgesetzt, gerade zu Beginn, entgleist aber nicht immer in unglaubwürdigen Sozialkitsch. Gerade in Szenen, die geradezu nach solchen Ausrutschern schreien, bekommt das Drehbuch immer wieder den Bogen die nötige Würde und Glaubhaftigkeit zu behalten.

Seltsamer Weise findet man besagte Ausrutscher in den eher banalen Szenen (gemeinsames Frühstück, etc.). Ein weiterer kleiner Minuspunkt sind diverse Fehltritte im Humorbereich. Hin und wieder verlaufen sich greise Witze in den Film, z.B. „Warum treten Polizisten immer zu zweit auf?“ – „Weil der eine lesen und der andere schreiben kann.“ Das ist Humor für die Generation meines Großvaters, verkrampft und viel zu unwitzig. Leider behielt Hallervorden dieses Niveau in seiner späteren Satire-TV-Sendung bei und machte ihn dort zum Zentrum seiner Komik, weswegen mir späte Produktionen mit dem einstigen beliebtesten deutschen Komiker persönlich auch nicht mehr gefallen. Zum Glück gibt es Witze dieser Art im Experten nur am Rande, somit ist das hier Beklagte nur ein kleiner Wermutstropfen.

Punkten kann Hallervorden neben der gewohnten Qualitäten (tolles Geblödel, Figuren mit Tiefe und psychologischem Niveau, gute Geschichte, gutes Timing für Gags, gute Vorbereitung auf die Rolle) mit einem sehr ernsten und stillem Schluss, den ich ihm vor Sichtung des Streifens zwar vom Talent her zugetraut hätte (dass Hallervorden auch anders kann sieht man ja auch in „Das Millionenspiel“), in seinen klassischen Filmen aber nie erwartet hätte. So abgedreht seine Filmfiguren auch sind, sie leben in unserer Welt, und Hallervorden ist sich der Polit-Korruption durchaus bewusst. Der Schluss hat Klasse, und dass der Humor dort nicht auftauchen darf ist ausnahmsweise gut zu nennen.

Zudem hat diese Art Ende einen weiteren Vorteil. Verglichen mit den üblichen Filmen des Komikers (mit Ausnahme von „Mein Gott, Willi“) und auch verglichen mit den Mehrteilern in „Nonstop Nonsens“ verzichtet Hallervorden auf die Action. Hallervorden ist ein stolzer Eigenstuntman, lässt sich von Drehbuchautoren unter Mitsprache chaotischste Stunt-Situationen zuschreiben, und vergisst dabei, dass man ihn wegen seiner Komik sehen will. Hallervorden schaffte es, seine großartigsten Filme „Didi – Der Doppelgänger“ und „Didi und die Rache der Enterbten“ mit diesem Heckmeck dank Pausieren der Komik abzubremsen. In „Der Experte“ wird diese Action nun durch Dramatik ersetzt, wieder kommt die Komik im Finale zu kurz. Der Wechsel ins Ernste ist in Hallervordens Politfilm allerdings konsequent zu nennen, während die Stuntszenen in den Vergleichsfilmen völlig unnötig eingebracht sind, scheinbar im Irrglauben, man müsse dem Zuschauer zum Finale hin mehr bieten als zuvor.

Auch wenn Dieter Hallervorden im Mittelpunkt steht, wie in all seinen Kinofilmen ist er nicht der einzige Pluspunkt im Darstellerbereich. Wieder einmal hat der Komiker allerhand talentierte Schauspieler um sich gescharrt, wieder einmal dürfen sie tollste Figuren verkörpern. Zwar fehlen dieses mal so schräge Gestalten wie Theo aus der Tonne oder Herr Langenhagen, die hätten in der etwas ernsteren Thematik von „Der Experte“ aber ohnehin nur bedingt hineingepasst. Mit einem guten Blick auf typische wiederholende Charaktergrundkonstellationen in der deutschen Politik werden uns hier gerade in den beiden Parteien die witzigsten Figuren vorgesetzt.

Neben Hallervorden dürfte der größte Trumpf des Filmes Walo Lüönd sein, der einen solch penetranten, unsensiblen, unehrlichen, karrieregeilen und politisch unkorrekten Kandidaten spielt, dass es eine Freude ist, ihm zuzusehen und viel mehr noch zuzuhören. Er schreit sich unsensibel einen zurecht, dass es eine wahre Freude ist sich von ihm seine Ohren vergewaltigen zu lassen. Aber auch der Gegner aus der anderen Partei, wenn auch mit wenig Auftritten versehen, ist perfekt besetzt und charakterlich perfekt ausgearbeitet. Aber so geht es so ziemlich allen wichtigen Figuren der zwei Parteien.

Die Politkomik wird im breiten Bereich umgesetzt. Ob Wahlkampfreden, private Politiker, Heuchelei, Wahlkampfsprüche/plakate, Konkurrenz, falsche Werte, Manipulation, falsche Freundschaft, fast alles was Politik so unangenehm macht wird mit eingebracht. Lediglich die politische Abhängigkeit durch Firmen und die Kompromisse mit Religion werden nur kurz angedeutet. Nebenbei bekommt noch der Bereich der Nervenheilkunde eins auf den Deckel und wird ein weiteres Mal beim Versuch der Verhaltenskorrektur Fehlgeleiteter als Anwendung von Gehirnwäsche geoutet. Manche Verbrechen geschehen halt auch heute noch vor unseren Augen, sogar mit Einwilligung der Gesellschaft.

Das faszinierende an Hallervordens Werk ist, dass diese Bereiche durch den ebenfalls anwesenden Klamauk nicht ihr Niveau verlieren. Die ernsten Thematiken gehen zwar ein wenig unter, können aber immerhin von dem Zuschauertyp, der sich nicht nur berieseln lassen will, noch immer genügend beachtet werden. Hallervorden verzichtet nicht komplett auf die großen Lacher, verzichtet nicht auf den Klamauk, den man an ihm so schätzt, wagt es aber diese Bereiche herunterzuschrauben, um sein ernstes Anliegen diesmal deutlicher zu machen als in seinem Film zuvor.

Für einige mag dies unausgegoren wirken. Der eine will das Klamaukpotential aus dem Enterbten-Streifen, der andere will eine reine Satire sehen. Wichtig ist allerdings zu beachten, dass trotz beider Komponenten beides nicht seine Wirkung verliert. Und das ist ein Kunststück, dass nicht jeder Filmschaffende hinbekommen hätte. Die Teamarbeit aus Drehbuchautoren, Hallervorden und Regisseur Reinhard Schwabenitzky (der schon „Didi – Der Doppelgänger“ inszenierte) hat in diesem Punkt echte Klasse bewiesen, auch wenn der Unterhaltungswert im direkten Vergleich zum Doppelgänger und den Enterbten etwas reduzierter ist.  OFDb