Ob es den Fans von Roddenberrys Universum, aufgrund eines anderen Weltbilds als dort, gefallen hat, dass "Star Trek" derart dicht an "Star Wars" heranrückt, mit all der Action, den Sternenkriegen und der Roboterthematik, sei einmal dahin gestellt. Ich bin keiner von ihnen und nehme die Annäherung mit Freude an. "Star Trek - Nemesis" ist von den Picard-Teilen der beste Film der Kinoreihe geworden, auch wenn er sich sämtlicher fröhlicher Elemente versagt, seine Naivität großteils über Bord wirft und für kindliche Spielereien wenig übrig hat. Dieser düstere, grimmige Touch ist wiederum weder "Star Trek", noch "Star Wars" und erinnert eher an die immer düster werdenden Filme rund um "Batman". Ich könnte mir vorstellen, dass diese düstere Herangehensweise dafür gesorgt hat, dass die Picardmannschaft nicht mehr ins Kino zurück kehrte. Einen offiziellen Abschluss, wie bei Kirks Crew mit "Star Trek 6", wurde ihr mit "Star Trek 10" (Alternativtitel) zumindest nicht beschert. Dennoch existiert eine Parallele zu besagtem sechsten Film, denn während dieser die Annäherung zu den Klingonen thematisierte, welche eine Brücke zur Picard-Zukunft schlagen sollte, enthält das Ende des hier besprochenen Teiles einen Hoffnungsschimmer, dass ein Frieden zwischen der Föderation und dem romulanischen Imperium möglich ist. Ohnehin findet sich inmitten einer düsteren Geschichte immer wieder Raum für die für das "Star Trek"-Franchise so wichtige Menschlichkeit. Und abermals darf ein bitterer Verlust am Schluss den Stammzuschauer der Reihe schwer schlucken lassen, so heldenhaft ein dort vorzufindender, unerwünschter Abschied auch vonstatten gehen mag. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
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26.11.2023
STAR TREK - NEMESIS (2002)
"Star Trek - Nemesis" lässt den bis dahin düstersten Kinofilm des "Star Trek"-Universums, "Star Trek - Der erste Kontakt", im Vergleich zahm aussehen, so gewalttätig und bösartig das Szenario ausgefallen ist, so tiefdunkel wie der Farbfilter jegliche Fröhlichkeit aus Kostümen und Sets saugt, so sehr wie der Plot einen fröhlichen Ausgleich im Gegensatz zum Vergleichsfilm meidet. Dachte ich beim Sichten und Resümieren des Vorgängers "Star Trek - Der Aufstand" daran, wie viel intensiver die Geschichte dort hätte ausfallen können, wenn man im politischen Sinne etwas mehr wie "Angriff der Klonkrieger" und "Die Rache der Sith" vorgegangen wäre, zeigt "Star Trek - Nemesis" hingegen ironischer Weise im selben Jahr von Episode 2 des Konkurrenz-Franchise, wie Geoge Lucas Beiträge der 00er Jahre hätten aussehen können, um erfolgreich an den ersten drei Sternenkriegen anzuknüpfen. Der zehnte Kinofilm um "Raumschiff Enterprise" und dessen Nachfolger-Generation, bietet all das, was die mageren Lucas-Filmchen vermissen ließen. Es gibt aufgrund einer Klon-Thematik einen Konflikt innerhalb einer Blutlinie, die Föderation soll besiegt werden, damit das Böse herrschen kann, letztendlich sieht Picard im verzerrten Spiegelbild seines Klons sogar, wie er geworden wäre, wenn er sich der dunklen Seite der Macht zugewandt hätte.
09.04.2017
DIE STADT DER VERLORENEN KINDER (1995)
Nach ihrem Langfilm-Debut „Delicatessen“ drehten Marc Caro und Jean-Pierre Jeunet den wesentlich düsterer angehauchten Fantasyfilm „Die Stadt der verlorenen Kinder“, der zwar ebenfalls humoristisch ausgelegt war, aber keine Komödie mehr in Reinform war. Viel mehr haben wir es mit einem Märchen für Erwachsene zu tun. Wer glaubt aufgrund der Kinder am Rande und im Zentrum Kinomagier Jeunet habe ein Werk für die ganze Familie geschaffen, der irrt. Zwar ist sein zweiter Langfilm ebenfalls gefüllt mit allerhand verzaubernder Spielereien, aber die alternative Welt, die uns vorgesetzt wird, ist ein düsterer Ort, bewohnt von egoistischen Wesen. Und die Reise unserer Helden soll zu einem grotesken Ort führen, gegen deren Bewohner die Bevölkerung aus der Heimat geradezu normal erscheint.
Während Louison im Vorgängerfilm aus dem Zirkus kam, wird One als Jahrmarktsattraktion in die Geschichte eingeführt. Jeunet ist sich der Verwandtschaft dieser Orte mit dem seiner Leinwandarbeiten somit sehr wohl bewusst, verzaubert doch auch er mit hübsch eingefangenen Tricks sein Publikum, nur eben im Kino anstatt auf einer Bühne, und künstlerisch wesentlich wertvoller umgesetzt als die kleinen Kunststücke für zwischendurch. In einem Oliver Twist-ähnlichem Umfeld lässt er zwei einsame Herzen aufeinander stoßen, was der einzig warmherzige Aspekt an „The City of Lost Children“ (Alternativtitel) ist. Die hier gezeichnete Welt mag düster und pessimistisch ausgefallen sein, aber erneut baut Jeunet auf die Menschlichkeit, diesmal auf den Zusammenhalt. Jeunet zeigt sich erneut optimistisch darin was trotz allem Düsteren den Menschen ausmacht, lässt jedoch den lebensbejahenden Aspekt diesmal aus, der aus „Delicatessen“ und dem später nachgereichten „Die fabelhafte Welt der Amelie“ solch gefühlsintensive Werke werden ließ.
Dies ist einer von zwei Aspekten, welcher „Die Stadt der verlorenen Kinder“ im direkten Vergleich zu den beiden anderen grandiosen Werken von Jeunet abschwächt. Der zweite ist die teilweise zu bemühte Fortschreitung der Geschichte. „Delicatessen“ fühlte sich entspannt erzählt an, so als würde sich die Geschichte ganz natürlich von alleine entwickeln. Das Fortschreiten der Geschehnisse im hier besprochenen Film benötigt immer wieder Zufälle und zu konstruierte Situationen, um in die richtige Richtung geschuppst werden zu müssen. Das schaut sich schon wesentlich bemühter.
Allerdings sprechen wir trotzdem von einem meisterhaft umgesetzten Film, der außerhalb von Jeunets Werken seinesgleichen sucht, so künstlerisch wertvoll wie hier die Bilder durchkomponiert sind und so durchdacht wie hier originellste Ideen durchgeführt werden. Allein die Figurenschar, die der gute Mann uns hier präsentiert, weiß zu erstaunen. Mir persönlich hat es das hypnotisierende Gehirn im Glas angetan, aber auch die künstlischen Zyklopen, die krakenähnlichen, bösen siamesischen Zwillinge, die von einer Schlafkrankheit befallenen Klone, oder aber der unter dem Meer lebende Sammler, sie alle sind etwas besonderes in einer Geschichte, von der man selbiges behaupten darf.
Skurrile Ideen, wie die aufs Giftspritzen dressierten Flöhe (die Jahrmarkts-Jeunet-typisch per Drehorgel ihr Kommando erhalten), eine Duftwolken-Erinnerungs-Flaschenpost, oder die fantasievollen Umschreibungen der Klone, welche diese dem bösen, alternden Klon per Gute Nacht-Geschichte vortragen müssen, bereichern das ohnehin schon einfallsreich ausgefallene Geschehen. Manches Mal darf es geradezu düster werden. So gibt es beispielsweise eine Untergrundbewegung von Zyklopen, welches blinde Menschen sind, die mittels einer elektronischen Apparatur wieder sehen können. Als einer von ihnen durchdreht und seine Artgenossen tötet, stöpselt dieser das eigene Kabel seines Sehapparates bei einem seiner Opfer ein, so dass der Sterbende sich selbst beim Sterben zusehen muss.
„La cité des enfants perdus“ (Originaltitel) kommt weit morbider, düsterer und trister daher als sein Vorgänger. Dennoch schafft es Jeunet erneut, dass gerade durch die Isolation im Düsteren der herzliche Umgang zweier Menschen emotional zu packen weiß. Es ist süß mit anzuschauen wie der dümmliche, kindgebliebene, starke One sich um die viel zu früh erwachsen gewordene Miette kümmert, z.B. wenn er sie auf seine ganz eigene Art in der kalten Nacht zu wärmen weiß. Die beiden scheinen die einzigen Empathen in einer Welt voller Egoisten zu sein, dennoch ist die Geschichte auch nicht frei von Sympathie manch anderen Figuren gegenüber, was das wissenschafts-kritische Finale zeigt, welches aus gutem Grund nicht nur die Helden überleben lässt.
So genial künstlerisch wertvoll der Restfilm auch ausgefallen ist, das Schlussbild betreffend hat Jeunet die falsche Wahl getroffen. Dort lässt er noch einmal den kleinen, entführten, dauerfressenden Denrée rülpsen, was ein (meiner Meinung nach unlustiger) Running Gag des Streifens ist. Das ist in sofern schade, als dass Jeunet uns nur kurz zuvor das ideale Schlussbild präsentiert, wenn er One und Miette flüchtend in einem Boot sitzen zeigt, hoffentlich in eine bessere Zukunft rudernd. Dies ist neben der beiden weiter oben genannten Kritikpunkte aber auch der einzige Schwachpunkt eines wundervollen Filmes, der seine Zuschauer mit einfallsreichsten Ideen zu verzaubern weiß, so dass es für Jeunet sicherlich nicht schwer war erneut wieder so viele der begeisterten Mimen aus dem Vorgänger, sowie spielfreudige neue Akteure für das Projekt gewinnen zu können. OFDb
30.05.2014
PACIFIC RIM (2013)
Blockbuster - ich stehe ihnen immer kritisch gegenüber in Zeiten in denen nur der Schauwert siegt, billigste Drehbücher als Vorlage dienen und Pathos und Kitsch die Leinwand beherrschen. Zwar gibt es Ausnahmen am Großproduktionenhimmel, wie beispielsweise „The Dark Knight“ und „Kick-Ass“, aber die meisten aufgepuschten Kino-Großereignisse richten sich an die Film-Proleten, Menschen die einzig die schnelle, geile und coole Unterhaltung suchen und jeglicher geistiger Herausforderung aus dem Weg gehen. „Pacific Rim“ ist anders, jedoch nicht auf einem Niveau mit den eben aufgezählten Ausnahme-Titeln. Regisseur Guillermo del Toro hat meiner Meinung etwas ganz anderes geschafft. Er hat ein Werk geschaffen, welches beide Fronten Zuschauer glücklich machen dürfte: das Stammpublikum des Blockbuster-Kinos und das vernachlässigte, welches sich Großproduktionen mit Magie wie einst wünscht.
Die dritte Kategorie Zuschauer, jener Kinogänger, für den es nur geistreiche Kost sein darf, bleibt freilich ausgeschlossen. Der wird hinter der hier verwendeten Geschichte aber auch nie auf die Idee kommen, dass er Zielpublikum sein dürfte. „Pacific Rim“ möchte große Kinder bedienen, Träumer, Freaks, Nerds, Phantasten und Popkorn-Cineasten. Del Toros Film soll 2 Stunden lang durchpowern, und das schafft er meiner Meinung nach ohne dabei all zu oberflächlich zu werden. Tiefgehende Charaktere hat auch „Pacific Rim“ nicht zu verzeichnen, aber sie gehen tief genug um den Zuschauer emotional an sie zu binden. Sie werden zu mehr als durch den Film stolzierende Schönlinge, wie es sie in „Transformers“ zu sichten gibt. Sie gewinnen oberflächlich an Potential, ebenso wie die Geschichte, die nie tief genug geht, es aber weiß Raum für die Phantasie des Zuschauers zu schaffen.
Hier wird nicht nur der bedient, der annimmt was der Film ihm bietet. Der Hintergrund der teilweise gar nicht mal so dümmlichen Geschichte, bietet viel Potential für Sequels, Prequels - oder eben die Phantasie des Zuschauers. Hauptaugenmerk bleiben aber freilich die bombastischen Spezialeffekte, die einen eine alberne Story im Stile vergangener „Godzilla“-Fortsetzungen auf die optisch glaubwürdigere Art servieren. Monster-Nerd-Träume umgesetzt für viele Millionen Dollar, der feuchte Traum eines jeden Freaks. Wer hätte je damit gerechnet, dass solche Storys als Großproduktion umgesetzt würden?
Und was fast noch besser wirkt als die Hai-artigen Monster und die tatsächlich wie Maschinen wirkenden Roboter ist die Animation des Wassers, die man im Griff haben muss, damit die Perfektion auf der einen Seite nicht durch ein solch unterschätztes Element zerstört wird. Das Wasser ist glaubhaft animiert. Die Roboter wirken wie aus dem Wasser entstiegen. Hier haben die Computeranimatoren wirklich hervorragende Arbeit geleistet.
Dass sich „Pacific Rim“ auf über 2 Stunden halten kann, gleicht schon einem Wunder, setzt er doch quasi im Showdown ein und hält sich dort bis zum Schluss auf. Die Dramatik läuft passabel im Hintergrund ab, die obligatorische Liebesgeschichte wird nur angedeutet und noch viel wichtiger: die selbstherrlichen Kriegsreden, die mir viele Filme mit ihrer Propaganda kaputt gemacht haben, werden hier an der kurzen Leine gehalten. „Pacific Rim“ soll Spaß machen und nicht erziehen. Und er setzt auf Werte wie Gemeinsamkeit, ohne dabei zum Kinderfilm zu verkommen - zum Kinderfilm für kleine Kinder zumindest.
In seinem eigentlichen Verlauf orientiert sich „Pacific Rim“ erstaunlich nah an den Vorbildern aus der guten alten Autokino-Monsterfilmezeit Amerikas. Das Militär schlägt die Schlacht, die Wissenschaft steht unter ihnen und ist nur Mittel zum Zweck, und der Held tritt den Monstern mal ordentlich in die Eier, Happy End nie angezweifelt. Das weiß auch ins Heute transferiert zu funktionieren, und so schafft es del Toro trotz übergroßem Budget und einem Dauerfeuerwerk an Spezialeffekten trotzdem eine Art Retrocharme zu entwickeln, etwas um das Werke wie „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ viel mehr bemüht waren als der hier besprochene Film, aber etwas das del Toro wesentlich wirkungsvoller zu meistern weiß.
„Pacific Rim“ ist die Art Kopf aus-Action, wie es sie nicht all zu oft gibt. Der Ton stimmt, der Film kaut trotz intensiver Schauwerte nicht alles vor, und die Figuren werden trotz aller Oberflächlichkeit lebendig. Die ebenso banale Geschichte schafft es, dass man sich für sie interessiert, ja sogar in sie einzutauchen weiß, und zur Belohnung gibt es an manchen Ecken und Enden einen Hauch unerwarteten Tiefsinn, der die bescheuerte Geschichte in Ansätzen cleverer macht als es zunächst scheint. Guillermo del Toro hat es damit geschafft den nach Charme und Phantasie lechzenden Popkorn-Fan ebenso zu bedienen, wie den hirnlosen Stammzuschauer im Blockbuster-Kino heutiger Tage. Danke dafür! OFDb
11.02.2013
HELLBOY (2004)
Während des zweiten Weltkriegs wird der kleine Dämon Hellboy aus
einem Dimensionentor ausgespuckt. Ein Forscher für den Bereich
Paranormales nimmt ihn auf und so wird Hellboy viele Jahre später
Mitarbeiter für die Regierung. Wenn irgendwo Monstrositäten Amerika
unsicher machen, schlägt der Hellboy los. Doch sein neuer Auftrag bringt
ihn an die Grenzen seiner eigenen Herkunft...
Die Story und die Umgebung in der Hellboy haust erinnern stark an „X-Men“. Waren die Filme um die Mutanten noch halbwegs clever erzählt, so setzt „Hellboy“ komplett auf hirnlose Comic-Action-Unterhaltung, was an sich nichts verkehrtes ist. Leider neigen die Amerikaner aber schon seit je her dazu den Schauwerten mehr Beachtung zu schenken als dem Rest, und in den letzten zwei Jahrzehnten wurde der Bogen diesbezüglich immer mehr überspannt.
Nun ist „Hellboy“ zwar ein guckbarer Fantasy-Streifen geworden, aber auch ein sehr nerviger. Riesengroße Explosionen bis zum Erbrechen, so weit das Auge reicht, Computeranimationen ohne Ende, dafür so unreal ins Bild gehauen, dass die „unheimlichen“ Bestien wie aus einem Kinderfilm entlaufen scheinen. Und in einer solchen Rezeptur dürfen auch die coolen Sprüche nicht fehlen, aber diese ruhen sich fast nur bei x-fachem Aussprechen des Wortes „Kacke!“ aus, das ist dann auch nicht sonderlich prickelnd.
Filme wie „Hellboy“ gibt es wie Sand am Meer, eigentlich ist es also egal, dass dieser Streifen nichts taugt. Ein wenig schade ist es allerdings schon. Die Szenen im zweiten Weltkrieg sind toll in Szene gesetzt und mit trashig schrägen Elementen versehen. Allein dass die Nazis wie Phantasten dargestellt werden, indem sie sich mit dem Okkultismus beschäftigen, ist schon so comichaft schurkisch dämlich, dass es einfach Spaß macht. Für solche Szenarien sind Comics gemacht!
Erst im Heute wird aus „Hellboy“ ein eher unsympathischer Film, und das liegt mitunter auch an Hellboy selbst, verkörpert von Ron Perlman, ein Mann der ohnehin immer nur so gut wie die Vorraussetzungen ist. Mal überrascht er mit brillantem Spiel, mal wirkt er wie ein Durchschnitts-Schauspieler. Diesmal wurde er mit dem Computer zusätzlich überarbeitet, so dass es nicht an ihm alleine liegt, dass er so fade daher kommt.
Dass bei „Hellboy“ der Riecher fürs Feine fehlt, merkt man recht schnell. So wird als gelungener Gag im Zuge von gefaketen Zeitungsartikeln über den mysteriösen Hellboy auch ein Comicheft aus der Reihe abgelichtet, auf die der Film basiert. Nun geschah aber etwas, dass häufig passiert: Anstatt diesen Witz (versteckt) für sich alleine wirken zu lassen, wird er noch einmal in Worten wiederholt, wenn ein neuer Mitarbeiter auf die Rolle Perlmans stößt. Vorbei der Zauber eines kultigen Filmes, willkommen in einem Streifen, der sich dem Publikum zu sehr anbiedert.
Und genau diese Haltung macht die meisten Großproduktionen kaputt. Filmemachern sollte mal wieder bewusst werden, dass das Publikum zwar ein Feedback für die Kreativen sein kann, die Kreativität sich aber niemals nach ihm richten darf. Denn da schreit der Zuschauer nach dem Banalen, die Kunst wird vernachlässigt und es kommt zu einem Stillstand. Genau den erleben wir in Amerika nun schon seit zwei Jahrzehnten, und trotz Zuspruch des Massenpublikums wird dies auch exakt der Grund sein, woran die Nachfrage eines Tages kaputt gehen wird. Noch ist es nicht so weit. „Hellboy“ war ein Erfolg an den Kinokassen und hat auch schnell eine Fortsetzung beschert bekommen.
In meinen Augen ist das unverständlich, spätestens wenn eine Art Jar Jar Binks auftaucht, die neue Nervensäge im Fantasybereich: ein verfaulte Eier essender Fischmensch, schlecht animiert, charakterlich wie ein esoterischer Mr. Spock eingebaut und im Deutschen zudem noch mit einer nervigen Stimme versehen. Zu allem Überfluss gehört das Wesen auch noch zum festen Team, so dass es nicht bei einem Gastauftritt bleibt. Del Toros Werk ist ein zu seelenloses Produkt um zu gefallen. Hirnlose Kurzweile sieht anders aus.
04.02.2013
MUTANT CHRONICLES (2008)
In der Zukunft wird die Erde von Großkonzernen beherrscht, die
gegeneinander Krieg führen. Eine vergessene Maschine aus dem Weltall
wird unter der Erde wiederentdeckt, ein Apparat der Menschen in Mutanten
verwandelt. Während jene, denen es möglich ist, den Planeten verlassen,
geht der Mönch Samuel mit einem Trupp harter Männer und Frauen los, um
den Untergang der Menschheit zu verhindern...
Anspruchsloseste Kost...
„Mutant Chronicles“ gehört mit zu den dümmsten Filmen, die ich seit langem gesehen habe. Die Geschichte wird ungeduldig vorwärts getreten, alles wird viel zu früh verraten, alles wird doppelt und dreifach erwähnt, damit man es auch ja begreift, und alles ertrinkt im Sumpf an Klischees und Heuchelei. Die Mutanten sehen recht billig aus und erinnern stark an die Viecher aus „Webs“. Ansonsten kann man über die Tricks nicht meckern. Sie sind halt computeranimiert und in düstere Bilder getaucht, trotz alledem bleiben sie aber völlig wirkungslos und stumpf. Aber so muss man sich wohl auch das Zielpublikum vorstellen: stumpf. Denn nur mit völliger Ignoranz in Sachen Logik und Ethik lässt sich das Filmchen gucken.
Da werden fragwürdigste Helden mit fragwürdigsten Taten gezeigt, das ganze wird angereichert mit jeder Menge Blut, Goreszenen aus dem Computer, die nur dafür da sind, voyeuristische Geilheit an eben solchen Bildern zu befriedigen. Auch ich mag Goreeffekte, am liebsten handgemachte. Wenn diese aber im Zusammenhang mit einer, wie in „Mutant Chronicles“, fragwürdigen Ideologie stehen, kann man ruhig mal die Seiten wechseln. Klar, eine fragwürdige Ideologie wurde auch schnell und dumm bei Werken wie „Starship Troopers“ diagnostiziert, aber irgendeine Form von Satire will mich im hier besprochenen Film einfach nicht anspringen, als dass ich diesen Vorwurf fallen lassen könnte.
So ziemlich alles was man zu sehen bekommt ist dumm. Eine der wenigen Ausnahmen bildet die Idee, dass in naher Zukunft Konzerne die Welt regieren werden. Neu ist das alles allerdings auch nicht. Bereits in „RoboCop“ wurde damit gearbeitet, und wer mit offenen Augen das Weltgeschehen verfolgt, braucht nicht bis drei zählen zu können, um dies als eine mögliche Zukunft der Menschheit zu sehen. Wenn man die Idee dennoch wohlwollend zu den positiven Aspekten zählen will, wird diese innerhalb des Filmes jedoch leider komplett kaputt gemacht.
Da erleben wir also eine scheiß Welt, auf der nur noch fragwürdige Menschen hausen. Gleichzeitig soll man zur Menschheit halten, sie müsse gerettet werden. Die Welt ist bevölkert von Prolls, ähnlich den Figuren aus „Doom“. Selbst ominöse Priester sind Prolls. Die unschuldigen und unterdrückten Leute haben keine Chance sich zu wehren. Die Welt ist kaputt, versinkt im endlosen Krieg, egal wer ihn gewinnen würde, die Kleinen würden weiter unterdrückt werden. Ein Sieg gegen die Mutanten würde nur erneut die Macht der Konzerne wiederbeleben, aber die Menschheit muss gerettet werden.
Sozialkritik findet nicht statt, auch wenn der vorangegangene Absatz anderes vermuten lassen würde. Den fragwürdigen Weltherrschaftskonzernen werden gute Seiten angedichtet, von denen sie dann auch meist gezeigt werden. Eine Gesellschaft, die von einer solchen Firma regiert wird dürfte zudem anders aussehen, als hier gezeigt. Das Gesamtbild der hier kreierten Zukunft zeigt nur, dass die Macher von der Materie, wie man ein glaubhaftes Zukunftsbild erstellt, überhaupt keine Ahnung hatten. Da werden nur Klischees an Klischees gereiht, die nur derjenige schluckt ohne zu maulen, der kein Talent besitzt, Zusammenhänge zu erkennen, die einem nicht auf die Nase gebunden werden.
Die Schauspieler gehen in dem ganzen Getöse völlig unter, was nicht weiter wild ist. Thomas Jane spielte schon in „Der Nebel“ etwas lahm, wusste dank guter Inszenierung aber dennoch zu überzeugen. Unter der schlechten Regie eines Simon Hunter geht er jedoch gnadenlos unter, spielt völlig eindimensional prollig und wirkt so austauschbar wie jeder Star einer Soap.
Ron Perlman ist ohnehin immer nur so gut, wie die Regie unter die er arbeitet, was unter Hunter natürlich sein Untergang bedeutet. Man müsste schon ein sehr guter Schauspieler sein, um an diesem Meer aus Idiotie und Klischee noch etwas herumreißen zu können. In seiner zu kleinen Rolle schafft dies nicht einmal John Malkovich. Wieso hat der sich für so etwas überhaupt hergegeben? In einen solchen Film gehört eigentlich ein Vin Diesel oder eine Lucy Liu, aber bestimmt niemand, der als anerkannter Theaterschauspieler gilt.
Filme wie „Mutant Chronicles“ sind das Paradebeispiel dafür, was am Hollywood-Kino zur Zeit nicht stimmt. Blockbuster in den Fußstapfen von „Krieg der Sterne“ und „Indiana Jones“ sind zu etwas mutiert, das eigenständiges Denken nicht nur komplett aussperrt, sondern sich auch noch jedweder Logik verweigert. Erschreckend, dass es für solche Werke überhaupt ein so großes Publikum gibt. Wer ohne wenn und aber auf Action und Effekte steht wird prächtig unterhalten, aber so niedrig sollte man seine eigenen Erwartungen vielleicht dann doch nicht ansiedeln. „Mutant Chronicles“ ist insgesamt einfach zu plump für ein nettes „Kopf ausschalten und unterhalten lassen“. OFDb
16.12.2012
AM ANFANG WAR DAS FEUER (1981)
Ein Menschenstamm wird von einem anderen angegriffen. Dabei geht das
Feuer aus, das wichtigste Gut des Stamms zu einer Zeit, in der man es
noch nicht selbst erzeugen kann. Drei Überlebende ziehen los auf der
Suche nach Feuer und stoßen auf eine Frau, die von Menschenfressern
angegriffen wird. Sie retten sie und entdecken, dass sie das Geheimnis
selbst Feuer zu machen kennt...
Lange vor dem Rad...
„Am Anfang war das Feuer“ ist ein beeindruckender Film. Bis auf die Tatsache, dass zur Straffung der Geschichte mehrere Evolutionsstufen innerhalb kurzer Zeit ablaufen, ist der Streifen soweit sehr authentisch erzählt. Die Welt sieht urig aus, die Kostüme wild, die Schauspieler, die in ihnen stecken, sind große Talente, weit weg von dem Lechzen nach Starruhm. Eigens für den Film wurde eine Ursprache entwickelt, in der sich die kompletten Lauflänge an unterhalten wird. Untertitel Fehlanzeige! Aber die braucht man nicht! Die Geschichte ist verständlich, jedoch nichts für die triviale Unterhaltung zwischendurch. Wer sich heranwagt wird belohnt, Amnauds Werk wirkt nie zäh und wird nie langweilig. Im Gegenteil, er versetzt einen in eine glaubhafte andere Zeit, verändert für kurze Augenblicke das Bewusstsein des Zuschauers, der Respekt vor seinen Vorfahren gewinnt, aber auch vor den Errungenschaften seiner Zeit. Was selbstverständlich war, wird noch einmal mit anderen Augen gesehen. In einer Zeit bevor man selber Feuer machen konnte, sind andere Dinge wichtig für die Dramaturgie einer Geschichte. Allein deshalb ist der Film schon ein ganz besonderes Werk. Sicherlich ist er nach fast 20 Jahren nicht auf dem neuesten Stand der Wissenschaft, aber gerade wenn es um Ur-Zeit-Forschung geht ist aktuelles Wissen schnell wieder widerlegt, nie ganz bewiesen und ewig diskutabel. Ich erinnere da nur an den Streit ob Neandertaler und Homo Sapiens sich zusammen hätten vermehren können oder nicht. Die Diskussion ist bis heute nicht abgeschlossen. „Am Anfang war das Feuer“ ist ein Filmerlebnis der anderen Art, sicherlich ein klein wenig anstrengend, aber man kann sich ja nicht immer nur berieseln lassen. OFDb
01.11.2012
ALIEN - DIE WIEDERGEBURT (1997)
Eine Gruppe Weltraumgauner landet auf einer Raumstation um Ware
abzuliefern. Genau an diesem Tag geht in der Forschungsabteilung etwas
schief: Geklonte Aliens schaffen den Ausbruch. Ob die ebenfalls geklonte
Ripley helfen kann? Ganz die Alte ist sie nicht mehr...
Kunst und Kommerz...
Wenn die Alien-Reihe seit je her etwas ausmacht, dann ist es der wechselnde, regiegebundene Stil, der jeden Teil, wie gut er nun sein mag, zu einem völlig anderen Abenteuer werden lässt. Was liegt also näher, um an diesem Rezept festzuhalten, als sich einen Künstler an Bord zu holen? Man kann es sicherlich als geglückte Wahl ansehen, dass man Regisseur Jean-Pierre Jeunet für das Projekt gewinnen konnte, einem Mann der bizarre Welten und Situationen zauberte in „Delicatessen“, „Die Stadt der verlorenen Kinder“ und später auch in „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Dieser Mann hat Visionen, schwarzen Humor, abartige Ideen, einen Hang zum Morbiden und zur Romantik. Wo gibt es eine solche Person ein zweites Mal? Vielleicht wäre der schlichtere Tim Burton ein Vergleich, aber einer ohne gleichrangige Qualität.
Jean-Pierre Jeunet passierte nun das, was jedem talentierten Regisseur Europas passierte, der sich nach Amerika wagte. Produzenten funkten ihm dazwischen. Ob man nun Dario Argentos „Aura“ betrachtet, Jeunets „Alien 4“ (Alternativtitel) und auch Oliver Hirschbiegels „Invasion“, immer wieder holen sich die Amis Profis, um ihnen dann doch wieder in die Suppe zu spucken. Die Filmbranche in Europa wird immer stärker, dennoch lassen sich immer noch so viele talentierte Schauspieler und Regisseure vom großen Amerika locken, obwohl in diesem Land seit Jahren kaum qualitative Großproduktionen mehr entstanden sind. Zwar sieht man in der dritten Fortsetzung von „Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ Jeunets Handschrift all zu deutlich, es ist allerdings so, als ob man eine Lightversion sichten würde, was sicherlich nicht am Fehlen von Jeunets Partner Marc Caro gelegen haben mag, zeigte Jeunet doch mit „Die fabelhafte Welt der Amelie“ dass er auch alleine Großes bewerkstelligen kann.
Das tolle an Jeunet ist, dass selbst eine Lightversion seiner Visionen noch immer zu überzeugen wissen. Jeunets Filme sind vollgestopft mit Ideen und Sehenswürdigkeiten, dass man daraus zig Filme drehen könnte. „Alien 4“ kocht auf Sparflamme. Aber auch Magerkost kann schmecken. Immerhin wird hier Jeunet mit Jeunet verglichen. Und so darf man neben der gewohnt düsteren Optik viele bekannte Gesichter entdecken, die schon das ein oder andere Mal in einem Jeunet-Film aufgetaucht sind. Auch der bitterböse schwarze Humor lauert immer wieder auf und zeigt sich mit seinen besten Ideen u.a. in der Szene, in der ein Mann erfahren muss, dass in ihm ein Alien haust und der dazugehörenden späteren Szene, in der man auf beeindruckende visuelle Weise den Ausbruch der Kreatur aus dem Körper miterleben darf. Ebenfalls höchst schwarzhumorig ist jene Szene, in der sich das säureartige Alienblut wieder durch allerhand Material durchfrisst, diesmal auch durch das Bein eines Gelähmten, der erst ein wenig später mitbekommt, was mit ihm geschieht.
Beeindruckend sind in Teil 4 auch die computeranimierten Aliens. Dank dem Fortschritt der Technik in diesem Gebiet, darf man die Viecher in Aktionen erleben, wie sie zuvor nicht möglich gewesen wären. Der Kampf zweier Aliens, der zur Befreiung führt, die Verfolgungsjagd im Wasser mit tauchenden und schwimmenden Außerirdischen. Optisch wird einem hier allerhand geboten, und einfallsreichem Drehbuch und guter Regie sei Dank ist das ganze phasenweise sogar richtig spannend erzählt. Angeblich wegen des Rollenwandels konnte man Sigourney Weaver wieder mit an Bord holen. Die Klontechnik machte es möglich, dass man sie wieder einbauen konnte, ohne inhaltlich Blödsinn a la „Halloween - Resurrection“ zu verzapfen. Dank der Idee darf sie streckenweise richtig böse spielen. Den letzten Schritt wagte man leider dennoch nicht, Ripley bleibt eine Heldin.
Die Fans behaupten meist eine Fortsetzung von Alien sei ohne Weaver nicht möglich. Ich halte dies für Blödsinn, glaube aber, dass die Produzenten eine weibliche Berühmtheit wie Winona Ryder deshalb zusätzlich an Bord holten, um im Notfall mit ihr weiterdrehen zu können, falls Weaver für einen Teil 5 absagen sollte. Ob dem so war weiß man natürlich nicht. Falls ja, ist die Rechnung jedoch nicht aufgegangen. Ryder bekam die einzig uninteressante Rolle beschert, die sie mit ihrer zu liebenswürdigen Erscheinung auch nicht mit Leben zu füllen bekommt. Ihre Rolle ist blass und fast vollkommen unnötig.
Weiterer Wermutstropfen ist das Endmonster. Ich weiß nicht wie man auf die Idee kommen konnte es weißgräulich zu kreieren. Das Schwarz zu meiden ist schon schlimm genug. Dass das Vieh allerdings auch noch viel zu knuddelig aussieht ist der Genickbruch des Finalszenarios. Auch dies ist nicht ohne Highlights, hat sogar ein gewisses Spannungspotential, aufgrund der schlecht gewählten Kreatur guckt man den Schluss jedoch zu theoretisch. Das unwirksame Vieh reißt einen aus dem Film. Schade! Was bleibt ist passable Unterhaltung, die trotz Jeunet an Bord nicht die Klasse erreicht, die Teil 1 noch hatte und die Teil 2 von vielen Fans angedichtet wird. Ein Reinschalten lohnt, man sollte jedoch kein großes Science Fiction-Highlight erwarten. OFDb
Kategorien:
1990-1999,
Action,
Brad Dourif,
Filmbesprechung,
Horror,
Jean-Pierre Jeunet,
Ron Perlman,
Science Fiction,
Sigourney Weaver,
unterhaltsam,
USA,
Winona Ryder
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