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27.11.2017

WAGONS EAST (1994)

Die Idee der Geschichte weiß zu gefallen, und dass Candy den chaotischen Organisator mimen kann, wusste man theoretisch schon lange vor „Cool Runnings“. Dessen Umgang mit seinen Figuren und die Pointensetzung waren aber auch besser zu nennen. „Wagons East“ besitzt seine Sympathien, stets wollte ich ihn mehr mögen, eben weil so vieles theoretisch funktionieren müsste und einiges andere dies auch tatsächlich tut. Am Ende war ich aber doch eher enttäuscht als beglückt, zu flickenhaft wirken mir die aneinander gereihten Szenen, zu wenig Substanz besaß die Story, zu wenig Tiefe die Figuren.

Ob manches so wurde, wie es wurde, weil John Candy noch während der Dreharbeiten verstarb (oder zumindest sehr kurz darauf), weiß ich nicht. Vielleicht mussten Füllszenen her, das würde einiges erklären. Schaut man sich die Art der Pointensetzung jedoch an, muss dies nicht unbedingt der Fall gewesen sein, hangelt man sich teilweise doch auch absichtlich von Nonsens zu Nonsens für den schnellen flachen Gag, z.B. dann wenn ursympathisch lediglich für ein paar Lacher urplötzlich der Winter über die Gruppe Aussiedler einbricht, nur um nach Vollendung der Witzchen, wieder bei normalen Wetterbedingungen, fern jeden Schnees und Eis, unterwegs zu sein.

Das würde alles mehr gefallen als es dies tatsächlich im Ansatz tut, wenn entweder die Gags zeitlich besser pointiert wären, oder zumindest die durchaus Potential besitzenden Figuren funktionieren würden. „Wagons East“ badet in einer sympathischen Comic-Welt, die sich mal auf „Police Academy“-Art, dann wieder im „Road Runner“-Flair, ungehemmt austobt. Zündende Flachwitze (allein zu Beginn beim Benennen der Einwohnerzahl, oder bei Candys erstem Fopa, wenn er die Gruppe Richtung Westen führt anstatt Richtung Osten) gibt es zu genüge, andere, wie der Running Gag eine große Bande unangenehmer Hinterwäldler nach und nach durch diverse Unglücke sterben zu lassen, sind mäßig bis schlecht inszeniert. Man weiß was gemeint ist, es wäre anders umgesetzt auch tatsächlich witzig, aber es zündet nicht in der Form wie angegangen.

Der verspielte Umgang mit den Klischees des Wilden Westens, die Leichtigkeit im Umgang mit seinen Figuren, die comicartige Regelsetzung fern tatsächlicher Realitäten und auch manch köstlicher Dialog, wie jener gegen Ende, ob man dem Trekführer tatsächlich stets vertraut hätte, das alles weiß zu gefallen. Aber ohne Bezug zu den Figuren und ohne eine Möglichkeit des Mitempfindens, schaut sich alles eine Spur zu steril und distanziert. Man taucht nicht genügend ein, zumal dem Trek zustoßen kann was will, billigste Drehbuchausreden reißen alles wieder raus. Wissen diese anfangs aufgrund ihrer augenzwinkernden Dreistigkeit noch zu funktionieren, öden sie zum Ende hin immer mehr an, innerhalb eines zu hochgeschaukelten Szenarios.

Ab da wo sich die Artillerie mit ins Geschehen einmischt, wird der Plot nur noch unangenehm und viele gut gemeinte Gags stinken aufgrund fehlerhafter Inszenierung ab. Allein die Idee, dass sich Candy mit seinem Erzfeind so lange prügelt, bis aus einem jubelnden Publikum ein angeödetes wird, hätte in den Händen anderer Regisseure zu einer zum Lachen anregenden Szene geführt. Peter Markle schafft es selbige völlig uninspiriert umzusetzen, dass man als Zuschauer gelangweilt mit den Achseln zuckt. Mit ernsteren Stoffen wie „Bodycheck“ erzielte er im Laufe seiner Karriere bessere Ergebnisse, wahrscheinlich war das Genre der Komödie einfach nicht sein Fall. „Wagons East“ ist zumindest durchschnittlich ausgefallen und somit nicht wirklich schlecht zu nennen, es ist nur insofern schade, als dass der Stoff und die enthaltenden, zahlreichen Witzchen und Figuren Potential zu mehr besaßen. Einige Ideen gefallen mir teilweise richtig gut.  OFDb

23.11.2017

MAMA, ICH UND WIR ZWEI (1991)

Nachdem Chris Columbus seinem Produzent John Hughes mit „Kevin - Allein zu Haus“ einen riesen Hit beschert hat, schien er mit „Mama, ich und wir zwei" von diesem einen Freifahrtsschein erhalten zu haben zu drehen was immer er möchte, immerhin baut die Romantikkomödie weder auf den typischen Hughes-Formeln auf, noch garantiert sein eigenwilliges Erscheinungsbild einen Erfolg bei einer bestimmten Gruppe Filmfreund.

Die von Chris Columbus selbst verfasste Geschichte um ein fast 40jähriges Muttersöhnchen, das sich in eine ähnlich alte, schüchterne Frau verliebt, wurde geradezu untypisch mit dem sonst eher auf charmanten Trottel abonnierten John Candy besetzt, den man aufgrund seiner körperlichen Proportionen wohl nie in einer Romantikkomödie erwartet hätte - zumindest nie in einer, in welcher das Körpergewicht nicht zum Thema werden würde. Aber genau dies ist hier der Fall, und so darf Candy seine stillen Töne und schauspielerischen Fähigkeiten beweisen, die in anderen Filmen sonst inmitten von chaotischen Handlungssträngen unterzugehen drohen.

Besetzungstechnisch agiert viel mit, was zu dieser und anderer Zeit im Hause Hughes unterwegs war. John Candy spielte bereits zwei Jahre zuvor die Hauptrolle in „Allein mit Onkel Buck“ (was längst nicht seine erste Rolle in einem Hughes-Film war), Kevin-Darsteller Macaulay Culkin taucht zusamen mit seinem Bruder Kieran in einer Minirolle als Sohn von Dannys Bruder auf, James Belushi, der im selben Jahr von „Only the Lonely“ (Originaltitel) in Hughes hauseigenem Kevin-Nachzügler „Curly Sue - Ein Lockenkopf sorgt für Wirbel“ die Hauptrolle mimte, ist in einer Nebenrolle als Dannys Partner vertreten, und Ally Sheedy durfte bereits in Hughes legendärem „Der Frühstücksclub“ mitspielen und hat seither nichts von ihrer Niedlichkeit und ihrem Schauspieltalent verloren.

Trotz amerikanischer Handschrift in der Inszenierung und einem kanadischen Iren, sowie einem amerikanischen Italiener, wirkt das Milieu, in welchem der Film spielt, treffsicher. Mit irischer Hintergrundmusik versucht man auf Nummer Sicher zu gehen, und auch wenn dem eigentlichen Film das typisch irische Flair fehlt, welches beispielsweise „The Guard“ so wundervoll zu versprühen weiß, so wissen die Figuren mit ihrer Bissigkeit doch den Ton des jeweiligen Herkunftlandes zu treffen, so dass „Mama, ich und wir zwei“ keineswegs nur als blauäugiges Stück Kinofilm funktioniert, welches versucht andere Kulturen zu imitieren.

Ohnehin ist es Columbus geglückt ein sehr gelungenes Stück tragikomische RomCom gepaart mit Familienthematik abzuliefern. Die Dialoge sind treffsicher und interessant geraten, trotz aller überzogener Comicartigkeit wirken sie gar oftmals authentisch. Die Geschichte weiß zu bewegen, da sie es versteht die Figuren individuell und menschlich wirken zu lassen, so als würden sie tatsächlich existieren - gleichzeitig verlässt Columbus immer wieder den nötigen Realitätsgehalt, um uns auf Kino-art zu verzaubern. Er weiß wann er welche von beiden Seiten abliefern muss, und ein sensibler Grundton, sowie eine oftmals überraschend großartige Besetzung, hilft ihm dabei „Mama, ich und wir zwei“ zu einem kleinen Geheim-Tipp werden zu lassen, der leider nie genügend Beachtung geschenkt bekommen hat, was man spätestens John Candy gewünscht hätte, der teilweise atemberaubend spielt, wenn man einen Blick dafür hat auf winzige Details zu achten.

Leider wirkt er in der ansonsten sehr geglückten deutschen Synchronisation manches Mal eine Spur zu soft, z.B. bei seiner Reaktion darauf, dass Theresa ihn heiraten möchte. Auch die Verantwortlichen für Candys Make-Up arbeiten ein wenig gegen die nennenswerte Arbeit, die der Komiker hier leistet, ist er, gerade gegen Ende, oftmals doch etwas zu dick aufgetragen geschminkt und verliert dadurch seine authentische Ausstrahlung. Die gefühlvolle Geschichte weiß solche kleinen Fehler jedoch sowohl durch ihre ehrliche Fröhlichkeit, ihren stimmigen schwarzen Humor, als auch über die romantischen und tragischen Gefühlsmomente bestens aufzufangen, ein sympathisch schwermütiger Soundtrack hilft in besagten Gefühlsmomenten dabei ungemein.  OFDb

15.11.2017

ZWEI UNTER VOLLDAMPF (1986)

So richtig wusste man in der Mitte der 80er Jahre noch nicht wie man den talentierten Komiker John Candy in den Kinobereich einbinden könnte. Eine alleinige Hauptrolle traute man ihm nicht zu, meist durfte er Randfiguren verkörpern wie in „Alles hört auf mein Kommando“ oder in „Zum Teufel mit den Kohlen“. Wenn er dann mal eine Haupfigur mimen durfte, dann stets im Partnergewand, wie in „Ein Ticket für zwei“ mit Steve Martin an der Seite, oder wie in dem hier besprochenen, weit weniger bekannten „Zwei unter Volldampf“, in dem er Eugene Levy zur Seite gestellt bekommt, der hierzulande erst spät durch die Rolle des Vaters in der „American Pie“-Reihe berühmt werden sollte.

Beide machen nicht gerade den Eindruck die Idealbesetzung für eine Buddy-Actionkomödie zu sein, und tatsächlich wirken sie in den härteren Szenen wie die Waschlappen-Variante von „Lethal Weapon“. Allerdings kommt es „Zwei unter Volldampf“ zu Gute, dass trotz der Regie Mark L. Lesters, der eher für harte Stoffe wie „Die Klasse von 1984“ steht, der Komödienfaktor weit mehr in den Fokus rückte als der Bereich der Action, was die Mitarbeit von Harold Ramis am Drehbuch verdeutlicht, der in den 80er Jahren für so manchen Komödienerfolg zuständig war. Lesters Film konzentriert sich auf das Losersein seiner beiden Hauptfiguren und fährt damit, gerade mit Blick auf die Ausbildung zum Sicherheitsbeamten und der damit verbundenen trotteligen Gruppe Mitauszubildenden, im Fahrwasser der zur Entstehungszeit erfolgreich laufenden „Police Academy“-Welle mit.

Candys Figur wirkt ein wenig unausgegoren, womit ich auf die Einleitung dieses Artikels zurückkomme. In der ersten Szene ist er ein Feigling ohne Selbstbewusstsein, im Rest des Filmes ist er der zwielichtige, aber mit dem Herz am rechten Fleck agierende, Sprücheklopfer, der für einen erfolgreichen Einsatz alles geben würde, selbst wenn er dafür, wie die LKW-Szene im Stau verdeutlicht, mehr Leben riskiert als es zu retten gilt. Hin und wieder darf Candy etwas zotiger agieren, z.B. wenn er als dicke Tunte getarnt herumschwulen darf. Meist aber bleibt er der unnütz wirkende Angeber, der schlechte Umgang der Rolle Eugene Levys, wie die Rolle Meg Ryans an einer Stelle des Films zu früh anmerkt, lange bevor der Charakter Candys tatsächlich so wirkt wie er abgestempelt wird. Der gutmütige Trottel, die Paraderolle Candys, bleibt diesmal fast gänzlich zu Hause, was zur Abwechslung aber auch einmal okay ist.

Eugene Levy bleibt überraschend blass, obwohl er doch schon lange vor „American Pie“, z.B. in seiner kleinen Rolle in „Ein Geschenk des Himmels“, beweisen durfte wie lustig er sein kann. Tatsächlich mimt er hier nur den Ängstlichen, der vom Sprücheklopfer stets zu Heldentaten verführt werden muss, auch wenn diese, mit ehrlichem Blick auf das Ablenkungsmanöver der vielen chaotischen Füllszenen, recht rar gesät sind und selbst im Finale, wenn er über sich hinaus wächst, noch immer nicht ganz überzeugen wollen. Meg Ryan ist hier eigentlich nur unnötiger Anhang. Aufgrund ihrer wenigen Szenen und der vergessenen Vertiefung ihres Charakters versteht man nie so ganz, warum sie irgendwann anfängt den beiden Unglücksraben zu helfen. Und selbst wenn sie dies tut, erlangt ihre Rolle nie eine wirkliche Bedeutung. In „Die Reise ins Ich“ durfte sie kurz darauf bei ähnlicher Rollenposition weit mehr Einfluss auf eine Handlung nehmen als hier noch.

Wenn man nun noch bedenkt dass die Actionszenen in ihrer Extreme nicht wirklich mit der Leichtigkeit der Restszenen harmonieren und der billige, austauschbare 80er Jahre-Soundtrack endgültig die härteren Szenen nur routiniert umgesetzt erscheinen lässt, darf man sich schon wundern, dass „Armed and Dangerous“ (Originaltitel) eigentlich ein recht sympathischer, wenn auch austauschbarer und nicht lange im Gedächtnis heften bleibender, Film ist, der gerade in der ersten Hälfte mit manch schlichter, aber humorvollen Idee zu punkten weiß. Glücklicher Weise macht bereits die Einstiegsszene mit der Katze auf dem Baum recht deutlich was man vom Restfilm zu erwarten hat. Man sichtet dort einen lustigen Candy in einer Szene, aus der man in einer guten Komödie weit mehr geerntet hätte. Es reicht um simpel zu unterhalten, aber eben nicht für eine wahre Empfehlung. In schwächeren Szenen zuckt man mit den Achseln, in besseren grinst man vor sich hin, trotz aller Einfältigkeit und dem Fehlen wahrer zum Lachen einladender Pointensetzung.

Mark L. Lester inszeniert das unbeholfene Stück Action-Komödie recht solide, lässt die Klischees und Stereotype für sich selber wirken und lässt mittendrin die Sprüche klopfende Naturgewalt John Candy auf das Szenario los, in der Deutschfassung ein wenig gewöhnungsbedürftig synchronisiert, aber das passt ja recht gut zur ungewöhnlich ausgefallenen Rolle des kanadischen Komikers, der sonst eher die sympathische Art Loser-Typ mimen durfte. Zwar fragt man sich hinterher bei so viel dünner Luft warum „Zwei unter Volldampf“ trotz dem Fehlen großer Ideen und Gags und trotz seiner enorm klingenden Makel so unterhaltsam zu schauen war, aber das war er nun einmal, warum sollte ich es ihm nun abstreiten, nur weil theoretisch alles dagegen spricht?  OFDb

13.11.2017

WER IST HARRY CRUMB? (1989)

Das Konzept von „Wer ist Harry Crumb?“ ist einfach gestrickt. Ein chaotischer Detektiv soll einen simplen Fall lösen, in dessen Hintergründe wir als Publikum bereits eingeweiht sind. Durch die daraus für den Zuschauer ersichtlichen Verwicklungen entsteht ein ähnliches Schurkenchaos, wie im etwas besser pointierten „Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone“. Durch das Zentrum des Tolpatsches erhält Paul Flahertys Werk jedoch eine etwas andere Gewichtung als dieser, kommt jedoch ähnlich hemmungslos albern daher wie der Vergleichsfilm.

Mag mancher Slapstick auch eine Spur zu verkrampft erscheinen, weil auf eine gute Choreographie verzichtet wurde und stattdessen helfende Schnitte eingesetzt wurden, letztendlich wissen diese Szenen aber noch immer zu trumpfen, haben sie doch den unermüdlichen, mit vollem Körpereinsatz agierenden, John Candy als Star, und der macht seine Arbeit so gut wie man es von ihm gewohnt ist. Wer sich wundert dass Candy bereits in den 80er Jahren eine Hauptrolle beschert bekommen hat, obwohl Hollywood ihn lange Zeit nur als Co-Star präsentierte, dem sei gesagt, dass „“Who‘s Harry Crumb?“ (Originaltitel) von Candy mitproduziert wurde, was zu dieser Zeit wohl seine einzige Chance auf eine Hauptrolle war, so traurig und ungerecht dies bei seinem Talent auch sein mag.

Bezahlt hat es sich sicherlich nicht gemacht, hat der Film doch nie einen nennenswerten Bekanntheitsstatus erreicht und dürfte er doch finanziell untergegangen sein in einer Phase Hollywoods, in der amerikanische Komödien durch Erfolge wie „Die nackte Kanone“ auf eine andere Ebene katapultiert wurden, während der hier besprochene Film die ganz klassische 80er Jahre-Komödie präsentiert. Durch eine etwas zu identische Parallelszene aus der moderneren Konkurrenz von Zucker/Abrahams/Zucker entsteht gar unweigerlich ein direkter Vergleich beider Komödien, und da kann John Candys Produktion gegen das dauerpointierte Lachfeuerwerk mit Leslie Nielsen nur abstinken.

Mit Abstand und etwas fairer betrachtet ist aber auch „Wer ist Harry Crumb?“ ein spaßiges Ereignis, zwar mehr von der Sympathie der Darsteller John Candy und Jeffrey Jones lebend als von seinen tatsächlich funktionierenden Gags, aber Crumb als chaotisches Gesamtbild weiß zu funktionieren, auch wenn nicht jede Slapstickszene zu überzeugen weiß. Da der Aspekt seiner Verkleidungskunst zu kurz kommt, hätte man diesen billigen Versuch von „Fletch - Der Troublemaker“ zu klauen ruhig unter den Tisch fallen lassen können, bereichert doch keine dieser Tarnszenen den Humorgehalt des Filmes. Das zeigt aber auch wie verzweifelt man unbedingt einen Hit erzielen wollte, ein Vorhaben das scheiterte.

„Wer ist Harry Crumb?“ mag nicht das Zeug zum großen Erfolgsfilm haben, als sympathische, kleine Komödie für zwischendurch weiß er aber gut zu funktionieren, einfach weil Personen und Situationen interessant und witzig genug geschrieben sind, um aus einem austauschbaren Verwirrspiel eine kurzweilige Komödie mit Charme zu zaubern. Letztendlich macht es immer wieder Spaß John Candy in Komödien zu sehen, in denen er den Chaoten und/oder die Nervensäge spielen darf. So abwechslungsreich sein Talent auch geartet war, diese klassische Charakterzeichnung kleidete ihn stets am besten.  OFDb

12.11.2017

FERIEN ZU DRITT (1988)

In der Erfolgswelle der Griswold-Filme sind einige weitere Urlaubskomödien mitgeschwommen. „Ferien zu dritt“ kommt aus dem Hause Hughes, von dem die Originalreihe stammt. Der Produzent schrieb das Drehbuch höchst persönlich, und anstatt Chevy Chase dürfen hier seine Komikerkollegen John Candy und Dan Aykroyd im Zentrum der abenteuerlichen Geschehnisse stehen. Während ich mit den Griswold-Filmen nie wirklich warm wurde, auch mit dem recht unterhaltsamen Erstling namens „Die schrillen Vier auf Achse“, hat mir „Ferien zu dritt“ eigentlich schon immer recht gut gefallen. Als Aykroyd-Fan seit frühen Jahren war es ohnehin eine Pflicht den Steifen zu sichten, auch wenn ich allgemein den familientauglichen Urlaubsfilmen nur bedingt etwas abgewinnen kann. Aber mag auch hier manches Gefühl zu weichgespült und die Tristessen des Spießeralltags zu sehr gefeiert werden, „The Great Outdoors“ (Originaltitel) hat das Herz am rechten Fleck und besitzt einen stimmigen, humorvollen Unterton, der manche Entgleisung vergessen macht.

So sei es einmal dahin gestellt, ob es tatsächlich für irgendein Teenager-Publikum den Sehwert erhöht hat eine Teenager-Love Story zu integrieren, welche den Sohn Chets zwar diesbezüglich in den Mittelpunkt stellt, dieser aber innerhalb der Gesamtgeschichte jedoch so unnötig ist wie die peinlich untertitelten Waschbär-Sequenzen, die „Ist sie nicht wunderbar?“-Regisseur Howard Deutch stets zwischendurch einstreut, um einen Übergang vom Vor- zum Folgetag herzuleiten. Tatsächlich stehen aber nun einmal Chet und Roman und ihr unterschiedlicher Blick auf die Welt im Zentrum. Die Familie ist lediglich Beiwerk. Chet hat unter Roman zu leiden, was John Candy allerhand Möglichkeiten bietet sein humoristisches Können mit komplettem Körpereinsatz unter Beweis zu stellen. Aykroyd darf sich erst im Finale während eines Kampfes mit einem Bären austoben, sein Humor als arroganter Kaufmann ist ansonsten stiller ausgelegt, hindert Aykroyd aber freilich nicht daran gekonnt Grimassen zu ziehen.

Sicherlich ist die grundlegende Geschichte Banane, die Botschaft urkonservativ und typisch Hughes auch voller Vorurteile der reichen Gesellschaftsschicht gegenüber, aber die Pointensetzung innerhalb dieses bieder angehauchten Szenarios weiß zu stimmen. Die Episodenhaftigkeit des Filmes wird nicht zum Nachteil, wie man eigentlich meinen sollte, sondern wird ganz im Gegenteil zum Vorteil, um von einer chaotischen Situation zur nächsten zu springen. Ob da klassisch beim Wasserskifahren herumgeblödelt wird oder etwas mutiger pointiert mit einem toten alten Mann oder einem Riesensteak, meist trifft Deutch den richtigen Ton der zum Schmunzeln anregt, ohne große Lacher am Stück zu benötigen.

„Big Country“ (Alternativtitel) mag in seinem Herzen recht bieder und konservativ sein, das muss er letzten Endes aber auch, immerhin geht es um das Thema Familienurlaub und Zusammenhalt der Familie. Und während die Firma Disney zu dieser Zeit damit ein unerträglich triefendes Stück Kitsch abgeliefert hätte, beherrscht Hughes den Kunstgriff daraus ein spaßiges Happening zu zaubern, ohne die anvisierten Grundprinzipien zu verraten. Dass er sein Fach auch selbst dann beherrscht, wenn es tatsächlich einmal kitschiger wird, bewies er später mit seiner Produktion „Der Giftzwerg“. Hughes mag mit „The Great Outdoors“ keine mutigen Wege beschreiten, immerhin kopiert er lediglich seine eigenen Griswold-Filme, während Dan Aykroyd seine Rolle aus „Die verrückten Nachbarn“ für die gegnerische Seite ummodelliert und John Candy seine Rolle aus dem themenähnlichen „Ein total verrückter Urlaub“ wiederholen kann, aber das Ergebnis gibt den Komödienprofis schließlich recht.  OFDb

05.11.2017

VALKENVANIA - DIE WUNDERBARE WELT DES WAHNSINNS (1991)

Das Regiedebüt Dan Aykroyds sollte auch gleich seine einzige Regiearbeit bleiben. Basierend auf der Idee eines Verwandten und dem darauf aufbauenden Drehbuch von Aykroyd höchstpersönlich konnte er zwar zwei befreundete Comedystars, Chevy Chase und John Candy, für die Besetzung gewinnen, und zudem die damals schon nicht unbekannte Demi Moore, dem Publikum schien der schrille Monsterspaß Aykroyds jedoch nicht zu schmecken, floppte das Projekt doch an den Kinokassen und ist bereits nach wenigen Jahren in Vergessenheit geraten.

Zugegeben unterliegt Aykroyd auch in „Valkenvania“, wie schon in „Ghostbusters“ und Co, der Versuchung äußerer Schauwerte auf Kosten einer gehaltvolleren Geschichte. Insbesondere die beiden degenerierten Baby-Zwillinge, von denen Aykroyd ebenfalls eins mimt, sind definitiv zu viel des Guten darin Valkenvania und den Hintergründen des Richters einen grotesken Touch zu bescheren. Doch von diesem zu extremen Ausrutscher einmal abgesehen geht die Sache, ebenso wie bei den Geisterjägern, doch noch gut, zumindest wenn man kein großes Komödienhighlight erwartet.

Interessanter Weise ist „Nothing But Trouble“ (Originaltitel) immer dann am besten, wenn die schrägen Momente pausieren, was höchst selten der Fall ist. Die Einführung in die Geschichte bildet somit den besten, wenn auch nicht gerade humorvoll übersprudelnden, Part, was viel am versprühenden Charme von Chevy Chase liegt, der stilvoll seine Rolle ausfüllt und die damals sehr attraktive Demi Moore zur Seite gestellt bekam. Die charakterlichen Eigenarten, auch jene der dicker aufgetragenen Charaktere zweier Brasilianer, trafen viel sicherer mein Humorempfinden als all die grotesken Eigenarten, die Aykroyd uns frei jeder Subtilität um die Augen und Ohren schmeißt, sobald sich die vier Personen auf dem Grundstück des Richters befinden.

Zwar lässt das Niveau und die Treffsicherheit des bis dahin stillen Humors damit schlagartig nach, wer sich jedoch umorientieren kann und in dem ganzen Nonsens nicht nach irgendeinem Sinn sucht, kann Aykroyds lautes Schreckenskabinett trotzdem etwas abgewinnen, sind es doch nicht nur die Stars die genügend Charme versprühen, auch die detailverliebten Settings, ob innen oder außen, wissen zu gefallen, und manch verspielt morbides Gimmick, eine Art Funversion der Einrichtung von Leatherfaces Elternhaus, lassen den erzählerischen Stillstand nie zu dröge wirken. Wenn dann noch John Candy als stumme, ewig albern vor sich hinkichernde Enkelin des Richters auftaucht, und damit seine vorherige Rolle als Sheriff mehr oder weniger ablöst, weiß das teilweise zu gewollte Chaos trotzdem zu belustigen.

Dass es an nötigem Gehalt für einen Mehrwert fehlt, lässt sich jedoch nie übersehen. Und ein angehangener Schlussgag vor der kompletten Zerstörung Valkenvanias erweist sich als so unnötig, wie der tatsächliche Schluss-Gag. Aber bereits das Niederbrennen des Tatortes beweist, wie verzweifelt man war das zum Selbstzweck groteske Treiben zu einem sinnvollen Ende bringen zu können. Aykroyd geht es lediglich ums Feuerwerk, um seine lauten Attraktionen, und dafür sind die zuvor so detailiert eingeführten Charaktere viel zu schade, eigentlich sogar die namhafte Besetzung, der man ebenfalls einen qualitativeren Spielplatz gewünscht hätte, um Aykroyd einen Gefallen zu tun.

Dass ich dennoch so sanft mit „Valkenvania - Die wunderbare Welt des Wahnsinns“ ins Gericht gehe, liegt sicherlich daran, dass dies nicht meine erste Sichtung war und ich somit auf die Ernüchterung nach der Einleitung vorbereitet war. Den Stillstand und das viel zu laute Spektakel skurriler Gimmicks hatte ich als weit weniger funktionierend in Erinnerung. Mit viel Wohlwollen, und nur so bin ich an diese bislang letzte Sichtung heran gegangen, kann man dem sinnlosen Spektakel aber durchaus seine sympathischen Seiten zugestehen, wenn man sich, ähnlich wie bei Aykroyds Frühwerk „Die verrückten Nachbarn“, einfach Szene für Szene auf den wilden Zirkus einlässt, ohne dabei das wackelige Gesamtbild zu beachten. Denn erst mit Blick auf dieses beginnt der ganze Nonsens zu schwächeln.  OFDb

26.08.2017

ALLEIN MIT ONKEL BUCK (1989)

Die Komödie des Teenagerverstehers John Hughes kam trotz dessen Erfolge mit „Ferris macht blau“ und „Der Frühstücksclub“ zunächst nicht in die deutschen Kinos. Erst der Erfolg von „Kevin - Allein zu Haus“ sorgte dafür, dass der eigentlich zuerst gedrehte „Allein mit Onkel Buck“ hinterhergeschoben wurde, da hier ebenfalls Macaulay Culkin, wenn auch in einer wesentlich kleineren Rolle, präsent war, was schließlich auch den recht unnötig formulierten deutschen Titel erklärt (der im Vergleich zu „Kevins Cousin allein im Supermarkt“ jedoch noch recht harmlos ausfiel). Dass man zuvor nicht wirklich an einen Erfolg des Filmes in deutschen Lichtspielhäusern glaubte, muss nicht verwundern. Das Drehbuch wirkt unausgegoren, der typische Hughes Teenageraspekt wird durch allerlei Nebenhandlungsstränge verwässert, und die Kernaussagen sind ur-bieder ausgefallen in ihrer arg extremen Pro-Familien-Mentalität.

Wenn man nun noch manche unfein gesetzten, ruckartigen Zwischenpointen sichtet, die den diesbezüglich sonst vorhandenen Feinsinn John Hughes‘ vermissen lassen (oft gut zu vergleichen mit von ihm gedrehten oder produzierten Filmen, die ähnliche Sequenzen enthalten) und im Vergleich zur zuvor getätigten Zusammenarbeit zwischen Hauptdarsteller und Regisseur („Ein Ticket für zwei“) auch auffällt, dass John Candys Chaoskomik nicht so ausgeklügelt eingebracht wird wie dort, dann kann man langsam verstehen, warum man einen Film, dessen vordergründig einziger Inhalt aus dem Parodieren amerikanischer Familienkrankheiten besteht, dem deutschen Publikum nicht gerade im Kino präsentieren wollte.

Betrachtet man aber nur diese eine, recht theoretische Seite von „Allein mit Onkel Buck“ wird man ihm nicht gerecht. Wenn auch nicht Hughes‘ Vorzeigefilm verkörpernd, so hat er doch trotz aller Kritikpunkte das Herz am rechten Fleck. Zudem tauchen einige der geäußerten Kritikpunkte nur aufgrund der Vergleiche anderer Werke des Regisseurs auf der Negativliste auf. So ist John Candy als Zugpferd z.B. immer noch ein Hingucker, auch wenn nicht jedes Chaos, welches er anstiftet, ein humoristischer Treffer ist. Der Mann ist trotzdem noch immer saukomisch und füllt mit Onkel Buck eine Rolle aus, die ihm auf den Leib geschrieben ist.

Und auch wenn die Teenagerthematik sich diesmal nicht so echt anfühlt wie in Hughes großen Erfolgen, auch die konstruiert wirkende Kinovariante des Einfühlens in die Probleme erwachsen werdender Kinder weiß humoristisch wie emotional zu punkten, zumal die provokative Tia mit Jean Louisa Kelly wahrlich gut besetzt ist, erst recht wenn man bedenkt, dass dies ihr allererster Auftritt in einem Film ist. Hughes mixt das sonst im Vordergrund stehende Teenagerelement mit besagter Chaoskomik Candys und verwirrt den Zuschauer ein wenig damit nun extremste Spießereien gemixt mit irren Comicsituationen ebenfalls hinzuzugießen.

Das lässt „Uncle Buck“ (Originaltitel) gelegentlich etwas desorientiert wirken, da Spießerdenken manches Mal radikal der Kampf angesagt wird (Elterngespräch mit Schuldirektorin) und manches Mal der Spießer als Vorzeigemensch präsentiert wird, den es zu immitieren gilt, wohingegen dessen Vorurteile am Ende zur Versöhnung nicht konsequent genug über Bord geworfen werden. Eine Spur ehrlicher hätte die Geschichte in Bezug auf die Beziehung zwischen Bruder/Schwägerin und Onkel Buck ruhig schließen können, auch wenn der Film lediglich ein Feel-Good-Movie sein soll, der analytisch nicht sehr tief geht.

Letztgenanntes ist jedoch auch der Grund dafür, warum man mit „Allein mit Onkel Buck“ nicht all zu streng umgehen sollte, zumal er zu unterhalten weiß und uns gut aufgelegte (Nicht)Stars präsentiert, die fast schon eher episodenartig spaßige Momente versprühen. So braucht es auch nicht verwundern, dass ein Jahr später anders besetzt eine Fernsehserie folgte, das Konzept war letztendlich ideal für eine solche. Im Kino wäre ich sicherlich ein wenig enttäuscht gewesen, da erwartet man von einem Film mehr, zumal „Allein mit Onkel Buck“ mit zu wenig tragischen Elementen ein wenig auf den Pfaden eines „Eine Wahnsinnsfamilie“ wandelt ohne dessen Niveau zu erreichen, bzw. dies überhaupt zu wollen. Buck ist die Komödienvariante dieser Art Film ohne nennenswerten Tiefgang oder tatsächlicher Ursachenergründung. Er ist ein oberflächlicher Spaß mit manchen nicht funktionierenden Pointen und einigen sehr spaßigen. Ich mag ihn, auch wenn mich nach wie vor die unnötig eingebrachte, zu konservativ wirkende Familienmoral stört.  OFDb

03.12.2015

SPACEBALLS (1987)

Im Vergleich zur eher stimmig erzählten Mel Brooks-Parodie „Frankenstein Junior“ kommt „Spaceballs“ laut und übertrieben albern daher. In seiner Gag-Konzeption ist er aufgrund des Wunsches auf Wiedererkennung der zu parodierenden Filme eher vergleichbar mit „Scary Movie“ anstatt mit „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“, zumal man hier wie dort nicht die Mechanismen des Genres nutzt um zu parodieren und nur selten einen intelligenten Hintergedanken zu seinen Witzeleien hatte. Es wird einfach hemmungslos albern herumgeblödelt, auf allem herumgeritten was halbwegs mit dem Thema Weltraum zu tun hat, und man kann es Mel Brooks hoch anrechnen, dass er im Gegensatz zu „Robin Hood - Helden in Strumpfhosen“ und zu „Dracula - Tot aber glücklich“ den richtigen Ton und die richtige Trefferquote gefunden hat, so dass sich „Spaceballs“ rein vom Blödelniveau her trotzdem deutlich vom wesentlich unterirdischeren „Scary Movie“ abhebt.

Das Konzept der geistfreien Filmparodie an sich schafft nicht automatisch einen schlechten oder zumindest minderwertigen Film, wie „Spaceballs“ beweist, der es vom Unterhaltungswert her locker mit den geistreicheren Filmparodien dieser Welt aufnehmen kann. Mel Brooks ist ein kleines Wunder geglückt, so perfekt pointiert hier hemmungslos herumgeblödelt wird. Das Spiel mit den Stunt Doubles und die Kritik am Marketingwahn der damaligen „Star Wars“-Filme sind Beispiele höchst seltener Momente in denen ein tieferer Gedanke, bzw. eine Idee aus dem Hintergrund des Filmschaffens Pate für einen Gag stand. Der Rest kommt so angenehm sinnlos daher wie die eigentliche Geschichte des Streifens, die keines der Vorbilder Szene für Szene nachäfft wie es „Scary Movie“ tat, sondern trotz ganz direkt parodierter Filme eine eigenständige Geschichte erzählt, die so selbstständig daher kommt, dass kein dünner roter Faden sie mühsam beisammen halten muss.

Da wird Chewbacca zum Weltraumhund, genannt Möter, degradiert, Prinzessin Leas Frisur entpuppt sich bei Prinzessin Vespa als Kopfhörer, das endlos große Raumschiff wird zum Transformer, der wiederum an einer berühmten „Planet der Affen“-Szene mehr beteiligt ist als man vermuten darf. Und aus dem furchteinflößenden Herrscher Jabba wird der Mafiosie Pizzamampf, von dessen Haut auch seine rechte Hand ruhig einmal kosten darf. Wenn die einleitende „Krieg der Sterne“-Schrift damit parodiert wird, dass darauf hingewiesen wird dass man keine Brille benötigt, wenn man den Text lesen kann, dann weiß man in etwa welches Witzeniveau einen weiterhin erwarten wird. Feingeistigen Humor kann hier suchen wer will, man wird ihn nicht finden. „Spaceballs“ ist ein Film der lauten Lacher, und die bekommt er aus dem Zuschauer auch gekonnt herausgekitzelt.

Hierfür werden hauptsächlich Szenerien aus "Krieg der Sterne", aber auch aus „Raumschiff Enterprise“, „Alien“, „Der Zauberer von Oz“ und vielen anderen Filmen parodiert, und der Geräuschemacher Michael Winslow, den die meisten wohl aus den „Police Academy“-Filmen kennen werden, darf in einem kurzen Auftritt ausnahmsweise einmal witzig wirken kurz bevor geistfrei über Marmelade gewitzelt werden darf, so wie später an anderer Stelle über Joghurt. Der Möter und das Durchkämmen der Wüste haben es bei der damaligen „Spaceballs“-Generation zu geflügelten Worten geschafft, Witzbeispiele die mit als erstes genannt werden, wenn man sich über diesen recht berühmten Film unterhält.

Die Besetzung ist mit kindlisch verspielter Freude dabei, allen vorran der gern unterschätzte Rick Moranis, der die Darth Vader-Antwort Lord Helmchen aufgrund seiner Brille nicht nur optisch äußerst komisch verkörpern darf, sondern auch durch seine völlig infantile und verwöhnte Art, die zu solch großartigen Witzeklassikern wie der wahnsinnigen Geschwindigkeit führten und dem romantischen Puppenspiel mit Merchandising-Puppen. Meine liebste Helmchen-Szene ist das völlig kindische Verhalten während des Betrachtens des Mr. Radars nach einem Kaffee aus dem Mr. Coffee.

„Spaceballs“ wurde dank Witze wie der Szene im Jetzt, dem Beamen in den Nebenraum und dem schwulsten Lichtschwerterkampf der Filmgeschichte zum Kultfilm, und selten durfte so hemmungslos unter Niveau gelacht werden ohne sich hinterher dafür schämen zu müssen wie hier. Brooks Weltraum-Parodie ist ein pointensicheres Fest für die Lachmuskeln, wie es dies auf diesem unterirdischen Niveau nur selten so perfekt umgesetzt vorzufinden gibt und ist damit Werken seiner Zeit wie „Die nackte Kanone“ und „Kentucky Fried Movie“ ebenbürtig. „Spaceballs“ geht trotz hohem Gag-Tempo nie die Puste aus, die Story wird trotz der Hauptbemühung bekannte Vorbilder zu parodieren niemals langweilig, und somit kann man den König der Flachköpper als rundum gelungen bezeichnen, zumal man ihn alle paar Jahre immer wieder schauen kann, um erneut herzhaft zu lachen.  OFDb

03.10.2014

EIN TICKET FÜR ZWEI (1987)

„Ein Ticket für zwei“, im Deutschen so genannt weil „Solo für Zwei“ ein großer Erfolg war, gehört zu den besten Werken mit Steve Martin, der diesmal den für die Rolle der stillosen Nervensäge ideal gecasteten John Candy zur Seite gestellt bekommen hat, während Martin vom Grund-Typ her noch einmal den relativ konservativen Menschen spielen darf, wie er bereits in „Solo für Zwei“ angedeutet wurde. Während beide Komiker jeweils ihr persönliches Ding durchziehen, sprich ihren speziellen, individuellen Humor einbringen dürfen, trägt das Gesamtwerk die klassische Handschrift von Regisseur John Hughes, der mit „Planes, Trains and Automobiles“ (Originaltitel) sein Ausnahmewerk schuf, nachdem er ansonsten nur Filme mit Teenagern und jungen Erwachsenen gedreht hat.

Sein Humor funktioniert auch in der Erwachsenenwelt (und wie spätere Produktionen des guten Mannes zeigen sollten auch in der Kinderwelt), und wer „Ferris macht blau“ kennt, der darf sich auf ein Wiedersehen drei bekannter Gesichter freuen, von denen zwei eigentlich den selben Typ Mensch verkörpern wie in der berühmten Teenie-Komödie um den Schulschwänzer. Aber John Hughes-Produktionen gucken sich ohnehin immer wie kleine Familienzusammenkünfte, lediglich Steve Martin kehrte nie wieder in einem Film aus dem Hause Hughes zurück, dabei passt er hervorragend in dessen Welt.

„Ein Ticket für zwei“ lebt jedoch nicht nur vom kompatiblen Zusammenfinden der drei individuellen  Humor-Richtungen dreier Profis ihres Fachs, Hughes komponiert einen Großteil der Szenen gar bis zur Perfektion durch, ob sie nun zur untermalten Musik passen oder ohne solche ihren idealen Rythmus finden. Zudem gesteht er dem Film lange Szenen zu, z.B. jene in welcher Page ausrastet und sich nach einer nervigen Nacht Luft macht, indem er seinen Reisebegleiter aufs Übelste beleidigt, wenn auch nicht völlig grundlos. Gleichzeitig steht diese Szene Pate für das gelungene Zusammenspiel von zum lauten Lachen einladender Komik und dem Tiefgang, der immer wieder mit einhergeht, gefühlvolle Szenen jenseits von Kitsch, zumindest wenn es um den Haupterzählstrang geht.

Unangenehm fallen lediglich die völlig unnötigen, da nicht einmal einen Kontrast bildenden, Szenen auf, in welchen die auf Neal wartende Ehefrau gezeigt wird. Nicht nur dass sie den mit heutigen Augen so unterkühlten Frauentyp repräsentiert, bei dem jede Sympathie flöten geht, jegliche Szene mit der Frau und den Kindern wäre nicht nötig gewesen. Man hätte die Geschichte komplett ohne sie erzählen können. Eine Frauenrolle am Telefon hätte durchaus gereicht, und den Schluss hätte man einige Minuten vor dem eigentlichen Schluss stattfinden lassen können. Der ganze Hickhack im trauten Heim ist unnötig, zumal der Zuschauer sich denken kann was dort passiert. An anderer Stelle baut Hughes auf das Mitdenken des Zuschauers. Das macht den völlig unlustigen und unsentimentalen Schluss um so unnötiger. Lachend gemeinsam den Koffer tragen und Ende, damit hätte der Film meiner Meinung nach perfekt geschlossen.

Diese Kritikpunkte sind für den Hauptfilm jedoch nicht wirklich von Bedeutung, schwächeln das Werk darunter doch nur minimalst, und eine Flut an skurrilen Figuren, geistreichen Witzen, herrlich flachen (aber niemals stillosen) Albernheiten, amüsante Dialoge und die Charakterzeichnungen, sowie das Spiel mit und die Entwicklung von ihnen, all das und vieles mehr macht „Ein Ticket für zwei“ so unglaublich sehenswert und lässt besagte Negativpunkte bestens verkraften.

Selten traf eine amerikanische Großproduktion so genial den Lachmuskel und die Gefühlswelt des Zuschauers zugleich. John Hughes Komödie ist ein Evergreen, auch wenn man ihm die 80er Jahre all zu gut ansieht, und eine der größten Empfehlungen was familientaugliche Komödien der 80er Jahre betrifft. Ein schöner Soundtrack rundet die Sache ab, selbst der wird erst in besagter letzter Szene schlecht, aber auch damit kann ich ganz gut leben. „Planes, Trains & Automobiles“ kann ich immer wieder gucken. Schön wenn geistreich und albern, sowie lustig und gefühlsbetont in so großartiger Harmonie Hand in Hand gehen.  OFDb

23.09.2014

ZUM TEUFEL MIT DEN KOHLEN (1985)

Ehrlich gesagt bin ich kein großer Fan des Komikers und Schauspielers Richard Pryor. Er ist einer der Schwachpunkte von „Superman 3“, spielt oft in lausig geschriebenen Komödien mit wie „Der Spielgefährte“, ein Remake von Pierre Richards bestem Film „Das Spielzeug“, und auch in „Zum Teufel mit den Kohlen“ hätte ich mir manch anderes Gesicht in der Hauptrolle vorstellen können, z.B. den zur Entstehungszeit noch recht unterschätzten John Candy, der hier in einer Nebenrolle völlig unterfordert wirkt und vom Drehbuch her nur selten einen Schmunzler ernten darf.

Okay, die großen Lacher gibt es ohnehin nicht, „Brewster‘s Millions“ (Originaltitel) lebt hauptsächlich von seiner Grundidee und die Welle welche diese schlägt, hat die lauten Gags somit auch gar nicht nötig, und das ist es was den etwas zu durchschnittlich geratenen Film schließlich auch rettet. Ein mauer Star, zu viel Sport in die Geschichte integriert und ein unterdurchschnittlicher Soundtrack können nicht die großartige Idee zerstören auf welcher diese Komödie baut. Klar hätte das alles auch bissiger inszeniert werden können, einen teilweise richtigen Satire-Gehalt erfährt der Streifen beispielsweise nur in seinen kurzen Momenten des Wahlkampfes. Aber Walter Hill schien ohnehin nur eine kleine, amüsante Komödie drehen zu wollen, und genau diese ist ihm auch geglückt.

Trotzdem ist das Ergebnis im Vergleich zu der tollen Idee auf die er baut mager ausgefallen. Die unnötige, aber aus Produzentensicht obligatorische, Love Story weiß nicht zu wirken, allein schon weil die Chemie zwischen den beiden Schauspielern nicht stimmt, aber auch weil es auf beiden Seiten weder einen Grund gibt den anderen zu lieben, noch sich die Gefühle von wenigstens einem von beiden auf den Zuschauer übertragen. Dem geht dieser Bereich der Story völlig am Arsch vorbei. Und auch die Verteilung von Gut und Böse hätte ruhig ein wenig subtiler ausfallen können, anstatt mit dem Holzhammer präsentiert wie hier geschehen.

Andererseits besitzt sowohl die Grundidee als auch die Handschrift des Filmes einen gewissen Grad Comiccharakter, womit die Übertreibung von Gut und Böse doch wieder legitim ist. Die Rolle des Warren will trotzdem nicht wirklich ziehen, und das verwundert, gibt es in „Summer School“ zum Beispiel doch eine ähnlich charakterisierte Figur, die rein äußerlich von der Maske her sogar noch stärker übertrieben ist als Warren, und der funktioniert wesentlich treffsicherer als zur Fleisch gewordenden Comic-Figur.

Man darf also zurecht behaupten, dass „Brewster‘s Millions“ kein großer Wurf geworden ist. Dass er trotzdem Spaß macht liegt neben besagtem Haupttrumpf an den vielen kleinen Randideen, so z.B. jener mittels einer teuren Briefmarke einen großen Teil des Geldes zu verschwenden, oder dem völlig bescheuerten Gastauftritt von Rick Moranis in der Rolle einer Nervensäge, die alles nachplappert was man ihr sagt.

Von solchen Ideen hätte es ruhig noch ein paar mehr geben dürfen, aber es reicht um mit diesem Werk von Walter Hill, jenem Mann der auch „Red Heat“ und „Nur 48 Stunden" gedreht hat und kürzlich mit dem kleinen schlichten Stallone-Film „Shootout“ überraschte, auf 90 Minuten amüsiert zu werden. Wie der Auszug aus seiner Filmographie zeigt ist der gute Mann im Bereich des Actionfilms jedoch besser aufgehoben als in dem der Komödie. Um so erfreulicher ist es, dass der hier besprochene Streifen trotz aller Makel noch so brauchbar ausgefallen ist.  OFDb

10.08.2014

JACK ALLEIN IM SERIENWAHN (1991)

Wer ist nicht schon einmal mit dem Bereich der Seifenoper in Berührung gekommen, seien es die täglichen a la „Springfield Story“ und „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, oder die wöchentlichen a la „Lindenstraße“ und „Dallas“. Intrigen, Romantik, Kitsch und pure Langeweile, je nach Soap Ewigkeiten von Stillstand handelnd bis es endlich eine Weiterentwicklung gibt, man liebt sie und man hasst sie, diese Serien von denen nie wer behaupten würde sie wären große Kunst.

„Jack allein im Serienwahn“ richtet sich weder an die Befürworter noch an die Gegner dieser Art TV-Unterhaltung, er parodiert nur die typischen Elemente dieser Gattung Serie, und ob man sie nun für Stärken oder Schwächen hält, so oder so weiß das für gute Lacher zu sorgen, zumal wir es hier mit einem gut aufgelegten John Candy zu tun haben, dessen Anwesenheit wir leider diesen schrecklichen deutschen Titel zu verdanken haben, da er mit „Allein mit Onkel Buck“ in Deutschland einen kleinen Erfolg verbuchen konnte, wenn auch nur in der Kevin-Welle mitschwimmend.

John Candy ist für den üblichen Slapstick zuständig, spielt wie gewohnt den liebenswerten Chaoten und Loser, der unterdrückt und getäuscht wird und der aufgrund ungewöhnlicher Umstände über sich hinauswachsen muss. In „Delirious“ (Originaltitel) sind die Umstände besonders ungewöhnlich, erwacht der gute Mann doch in einer von ihm selbst kreierten Serienwelt, die konsequent die Regeln der Soaps befolgt. Und wie gefährlich das bei all der Rache und den Intrigen sein kann, ist ihm aufgrund seiner konfusen Gefühlswelt nicht wirklich bewusst.

Er ist Autor und kennt die Tücken seiner Welt, aber er lebt nach kurzer Zeit der Eingewöhnung in dem Glauben er könne diese Welt steuern, kann er doch aufgrund dessen dass sich dieser Film nicht nur auf einer Idee ausruht auf seiner Schreibmaschine einen Teil des Lebens in der fiktiven Stadt steuern. Aber er hat einen Gegenspieler der gegen ihn schreibt, und so wird das Leben in der kleinen nicht wirklich existierenden Stadt zu einem Kampf auf zwei Realitätsebenen.

Ein solcher Stoff besitzt Zunder, und dank der konsequenten Einhaltung aller durch Übertreibung parodierten Soap Momente, durch allerhand Running Gags, die nur selten nicht zünden, und aufgrund einer tollen B-Star-Riege, deren bekannteste Besetzung aufgrund des Überraschungseffekts an dieser Stelle nicht verraten werden soll, ist das Ergebnis von „Des Wahnsinns fette Beute“ (Alternativtitel) trotz einer eher handwerklich routinierten und kostengünstigen Umsetzung sehr gelungen ausgefallen.

David Rasche darf als untalentierter Soap-Darsteller so absichtlich steif spielen, wie er es in seiner Serie „Sledge Hammer“ bereits getan hat, die ihn kurzfristig berühmt werden ließ. Und Raymond Burr lässt zwei Jahre vor seinem Tod seine Paraderolle als „Perry Mason“ weit hinter sich, um den reichen und mächtigsten Mann der Stadt zu mimen. Allein sein Umgang mit einem nicht geliebten Sohn sorgt für einige Lacher. Ohnehin ist die Besetzung gut aufgelegt, nur wenige ergatterten langweilige, nicht erwähnenswerte Rollen.

Aufgrund der üblichen Anwesenheit vieler Charaktere einer Soap ist „Jack allein im Serienwahn“ alles andere als eine One Man-Show für John Candy, auch wenn dieser so spielt als gäbe es kein Morgen. Kurze romantische Momente werden passend in die Geschichte integriert ohne den Film in seiner Funktion als Komödie auszubremsen, und ein Hauch Mystik am Schluss erlaubt es dem Zuschauer, wenn er denn will, nach Ende des Films ein wenig zu träumen, wenn auch nur kurzfristig, denn Tom Mankiewicz‘ („Schlappe Bullen beißen nicht“) Regiearbeit ist keines dieser Werke die noch lange nach hallen. Stattdessen ist „Delirious“ aber jene Art Unterhaltungsfilm, die man sich alle paar Jahre immer wieder zu Gemüte führen kann - zumal das Prinzip der Soap Operas ein zeitloses zu sein scheint, dessen Thema immer aktuell bleibt.  OFDb

25.07.2014

COOL RUNNINGS (1993)

Die Figuren sind Klischee-Abziehbilder mit maximal zwei Charaktereigenschaften, und die Geschichte das Paradebeispiel des Sieger-orientierten Sportfilms a la Hollywood, welches geradezu typisch den Gedanken bloß nicht aufzugeben ins Zentrum seiner dünnen Erzählung stellt. Da kann man kaum glauben, dass besagte Story auf einer wahren Begebenheit beruht. Trotz alledem ist es Regisseur Jon Turteltaub gelungen eine frische, kurzweilige Komödie abzuliefern, eine die man auch gerne ein zweites und ein drittes Mal sichtet.

Dabei liegt das Geheimrezept gar nicht mal in einer Flut an sprühender Komik. Der Humor ist recht familiengerecht brav orientiert und bietet nur gelegentlich echte Lacher. Aber dank der amüsanten Grundlage der Geschichte, ist ein Meer an großen Gags auch gar nicht nötig. Und da das Gefühlsleben besagter zweidimensionaler Charaktere den Verantwortlichen von „Cool Runnings“ wichtig war, wäre zu viel Humorpotential auch kontraproduktiv gewesen.

Turteltaub, dem wir so schöne Filme wie „Während Du schliefst“ und „Phenomenon“, aber auch Bockmist wie „Instinkt“ und „The Kid“ verdanken, schafft es durch den lockeren Umgang mit der Thematik, frei von schwermütigen Eckpfeilern wie eine mögliche Rassismus-Dramatik oder ähnlichem, eine dynamische Good Feeling-Komödie umzusetzen, frei von Innovationen, aber auch frei von Durchhängern und biederer Moral.

Das Sahnehäubchen der ganzen Sache bildet ein gut aufgelegter John Candy, der zwar nicht ganz so abdrehen darf wie in „Allein mit Onkel Buck“ und seiner besten Rolle in „Ein Ticket für zwei“, dafür aber auch sentimentale Momente geschenkt bekommt, etwas das ihm nur selten zugetraut wurde und das er bereits in „Mama, ich und wir zwei“ unter Beweis stellen konnte. Mit ihm steht und fällt der Film, und Turteltaub versteht es seine Auftritte vom Timing her perfekt zu setzen. Candys Rolle ist im übrigen auch der einzige Charakter, der glaubwürdig auch etwas unter die Oberfläche geht und dadurch im Vergleich zu den restlichen Protagonisten einen Hauch Tiefe besitzt.

Wie man sieht kann eine solche Zusammenstellung reichen um gekonnt simple Unterhaltung abzuliefern. Es muss einen nicht erst rundherum Blödheit anstrahlen, um von einem Film zum Kopfausschalten zu sprechen. Hinter dieser Ausrede verstecken sich gerne Bewunderer übelster Blockbuster-Filme. Nein, geistfrei heißt dass die Geschichte nicht zu tief greift, im Prinzip sogar das Vorhersehbare erzählt. Und ab und zu schafft es ein Film mit diesen eigentlich gar nicht so tollen Eigenschaften kurzweilig zu unterhalten, ohne dass man beim Sichten das Gefühl von Durchschnitt und Routine spürt. Wie plump das ganze war nimmt man - vorausgesetzt der Kopf war wirklich ausgeschaltet - erst hinterher wahr.  OFDb