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11.01.2025

MORD IST IHR HOBBY - STAFFEL 1 (1984)

Verwitwet und seit einiger Zeit in Rente lebend, beginnt Jessica Fletcher Kriminalromane zu schreiben, die zum Publikumsrenner werden. Zurückzuführen ist dies auf ihr Kombinationsvermögen, weswegen sie bei den meisten Kriminalisten bei echten Mordfällen eine gern gesehene Helferin ist. Aber auch wenn sie von deren Seite nicht willkommen ist, mischt sich die neugierige, aber stets freundliche Dame in Ermittlungen ein und beweist, dass sie mit ihrer geschulten Beobachtungsgabe und ihrem scharfen Verstand stets den richtigen Riecher besitzt...

Bestsellerautorin mit Bescheidenheit...

Früher zappte ich immer weiter, wenn die Serie im Fernsehen lief, kam mir Jessica Fletcher doch stets wie ein plumper Abklatsch von Miss Marple vor, unter der ich nicht Agatha Christies Variante verstand, sondern Margaret Rutherford aus den vier klassischen-Filmen der 60er Jahre. Doch auch wenn der Originaltitel "Murder, She Wrote..." absichtlich als Verweis an das Vorbild an "Murder She Said" angelehnt ist, so hören die Übereinstimmungen doch mit Alter und Kombinationstalent der Protagonistinnen auf, ist "Immer wenn sie Krimis schrieb..." (Alternativtitel) doch eine eigenständige und wundervoll erzählte Krimiserie, die leichtfüßig und sanft humoristisch gehalten ihren Trumpf darin besitzt, nicht immer das gleiche Muster abzuarbeiten. Wie bei jeder Serie mag es Wiederholungen geben, aber die Autoren sind sichtlich bemüht für Abwechslung zu sorgen, und gelegentlich schaffen sie es sogar einen mit einer Mörderauflösung zu überraschen. Freilich gibt es, wie bei vielen Serien aus den USA, die klassisch schurkisch besetzten Rollen, so dass man oft vorher weiß, wer der Täter ist, aber wie mein Satz zuvor andeutete, ist dies nicht immer so, und selbst wenn, sind die Geschichten stets kurzweilig und interessant erzählt, oftmals trivial, zugegeben, aber nie komplett geistlos gehalten. 

Schlicht genug erzählt, um nach einem anstrengenden Arbeitstag bei "Mord ist ihr Hobby" abzuschalten, kreativ und unterhaltsam genug inszeniert, um dabei nicht zu unterfordern, das schien das Motto zu sein. Und Gaststars wie Leslie Nielsen und Martin Kove versüßen das Ganze, stets sind bekannte Gesichter mit an Bord, ob man deren Namen nun kennt oder nicht. Der Pilotfilm "Der Mord an Sherlock Holmes" geht verspielt mit seinem Titel um, weiß allein schon deswegen zu gefallen, und besitzt sogar entgegen aller Erwartungen manch düsteren Moment. Während Fletcher sich in diesem Werk auf Spielfilmlänge am Start ihrer Schriftstellerkarriere befindet, bzw. an den Weichen zu dieser zuvor, ist sie ab Folge 2, wenn die Abenteuer als 45-Minüter konzipiert sind, bereits landesweit für ihre Bücher bekannt. Wie sie auf die jeweiligen Mordfälle stößt, ist unterschiedlicher Natur, meist ist sie aber zufällig vor Ort. Somit spielt die Serie nicht immer in der Kleinstadt, in der Jessica lebt, das Gegenteil ist der Fall, dieser Wechsel weiß zu gefallen. Und er erlaubt den Autoren nur ab und an auf bewährte Figuren zurückzugreifen, Jessica selbst ist die einzige Person, die in allen Episoden auftaucht. Die Idee den Gesetzeshüter im Heimatort zu einem Freund zu machen, der aufgrund seiner schlichten Auffassungsgabe bei Ermittlungen trotzdem stets im Clinch mit der Schriftstellerin ist, zeigt dass hier nicht alles nur schwarz und weiß gehalten ist. 

Zudem gefällt der abwechslungsreiche Umgang mit den Möglichkeiten, die das Genre des Kriminalfilms bereit hält. Da darf es dramatische Fälle ebenso wie humoristische geben, verzweifelte Täter ebenso wie eiskalte, und am besten ist die Serie eigentlich immer dann, wenn sie verspielter Natur ist, so geschehen in jener Folge, in welcher auf Agatha Christie-Art eine kleine Gruppe Busreisende, abgeschnitten von der Außenwelt, einen Mordfall untereinander selbst lösen muss, bei dem kein Zweifel besteht, dass einer der Anwesenden der Mörder sein muss, aber auch zu bewundern in jener Episode, in welcher Fletcher die Mühlen Hollywoods kennenlernen muss, wenn einer ihrer Romane für einen reißerischen Billigfilm komplett verhunzt wird. Letztendlich weiß man nie, was einem in der nächsten Folge erwartet, in Staffel 1 ist alles möglich, außer Langeweile. Von den 22 Geschichten, welche das erste Serienjahr erzählt, hat mir jede gefallen, von schlichter Routine bis hin zu raffinierten Irreführungen war alles vorhanden. Und Jared Martin, den unbekannten Star aus der 80er Jahre-Serie "Krieg der Welten", passend besetzt als verwöhnten, erwachsenen Sohn eines reichen Vaters zu erleben, war eins meiner persönlichen Highlights.  Wiki

31.12.2023

AMERICAN POLTERGEIST 4 - THE CURSE OF THE JOKER (2015)

Nach Lizzie Borden als Dämon, einem stalkenden Geist und einer Gruppe Außerirdischer darf sich nun auch die Thematik der Killerclowns in die wahllos zusammengewürfelte "American Poltergeist"-Reihe, die eigentlich keine ist, mit einreihen. Verglichen mit den Vorgängern ist Christopher S. Linds Werk, welches scheinbar seine einzige Regiearbeit bislang blieb, die handwerklich geglückteste Produktion. Der Aufhänger weiß zu gefallen, soll aufgrund ähnlicher Geschehnisse in den USA jedoch geschmackloser Natur sein, "Joker's Poltergeist" (Alternativtitel) ist härter umgesetzt, inklusive einer Ausweideszene, und man hat mit Martin Kove sogar einen Semi-Star mit an Bord, dessen berühmteste Rolle wohl jene des John Kreese aus den "Karate Kid"-Filmen und der darauf aufbauenden "Cobra Kai"-Webserie ist. Der darf jedoch nur Monologe in die Kamera sprechen, bekommt keinen Berührungspunkt mit dem Rest der Crew beschert, hat im Vergleich zu George A. Romero in "Dead Eyes Open" jedoch mehr Screentime, auch wenn er trotzdem nur Gast in diesem Werk bleibt. 

Der Film schafft es trotz kostengünstigem Erscheinungsbild in billiger Optik eine gewisse Zeit lang interessant zu bleiben, zumal man zunächst rätseln darf, ob wir hier leibliche Täter in Clownskostümen haben, Geister, Phantome der Vergangenheit oder Einbildungen. Das Ergebnis von "Joker's Wild" (Originaltitel) könnte mit viel Wohlwollen noch als annehmbar durchgehen, wenn das Finale nicht zu wirr ausgefallen wäre und sich in einem surrealen Szenario aus diversen Wirklichkeiten einer komplett einleuchtenden Erklärung widersetzen würde. Okay, da gibt es eine Auflösung, die Täuschung einer zentralen Figur betreffend, die kompletten Gesetzmäßigkeiten, die zur Überführung führen, bleiben jedoch rätselhaft. Parallele Welten? Spukraumgefangenschaft, in welcher die Zeit langsamer verläuft als in der Realität? Das ist mir alles zu lose beendet, wenn auch glücklicher Weise nach einer Laufzeit von lediglich 68 Minuten, denen noch 6 Minuten Abspann folgen. Langeweile kommt da tatsächlich nicht auf.

Der Handlungsort des Kinos bleibt trotz reizvollen Eindrucks zu monoton eingefangen, die Clownsmasken wissen zu wirken, die klassische Diskussion um legalen Waffenbesitz oder ein Verbot dessen bekommt von beiden Seiten Gehör, mag für manch einen also auch Mehrwert der Chose sein, anstatt ein Zeit füllender Platzhalter, die Synchronisation ist für eine derartige Billigveröffentlichung okay ausgefallen, einige Darsteller schlagen sich auch recht wacker. Aber wirklich reizvoll ist "American Poltergeist 4" nicht ausgefallen. Insbesondere wegen seines unbefriedigenden Endes fällt er bei mir persönlich durch, wenn handwerklich auch eine Spur besser umgesetzt als alle bisherigen Teile dieser Fake-Reihe.  OFDb

24.09.2022

COBRA KAI - STAFFEL 5 (2022)

Also wenn keine 6. Staffel angekündigt wäre, würde ich sagen dass Staffel 5 ein rundum gelungener Schluss ist, der alle wichtigen Handlungsstränge zusammen führt und selbst mit seinem Cliffhanger eher eine zusätzliche Schluss-Pointe bereithält, anstatt damit eine neue Dynamik zu entfachen. Zumindest ist es nun wie seinerzeit in "The Walking Dead - Staffel 8": sollte alles was danach kommt misslingen, hat man trotzdem einen guten Schluss der Serie. Klar bin ich neugierig was noch kommen mag, aber ich bin zufrieden. Wer da meckern mag, dass vieles in der fünften Runde zu versöhnlich stattfindet (immerhin finden hier pausenlos Rivalisierungen ihr Ende), der darf nicht vergessen auf welchen Filmen die auf You Tube begonnene und auf Netflix fortgesetzte Reihe beruht. Denn diese atmeten reine Kinoluft, inklusive Blauäugigkeit und Happy End, und so will man klassisches Popkorn-Entertainment erleben. 

Zwar kocht nun auch mit härteren Cobra Kai-Schülern der Härtegrad nicht über, ganz im Gegenteil bleibt vieles heiße Luft, inklusive der Pläne Silvers, die nicht halb so groß sind wie die Erwartungshaltung aufbauschte. Inmitten des gut funktionierenden Gefühlsprogramms mit liebgewonnenen Figuren reicht es jedoch stets aus, um den Zuschauer zufrieden zu stellen. Außerdem bekommt er in vielen Bereichen das erzählt, was er sich an vielen Stellen der Vorgänger-Staffeln gewünscht hat und dessen masochistisches Ich, welches jeder Serienjunkie besitzt, sich seinerzeit trotzdem über Hindernisse und unglückliche Umstände gefreut hat. Aber irgendwann ist einfach Schluss mit endlosen Verstrickungen, Missverständnissen und mangelnder Kommunikation. Irgendwann ist es an der Zeit die Probleme zu entknoten und auf ein Happy End zuzusteuern, und das hat man im fünften Zyklus "Cobra Kai" begriffen. 

Zudem kommt dieses Ergebnis nicht über Nacht daher, erneut darf man erstaunt sein wie viel innerhalb von 10 Folgen passiert, wie viele Entwicklungen Situationen und Personen verändern. Und trotz meist sanftem Fortgangs der Ereignisse seit Staffel 3 bangt man auch in Staffel 5 an mancher Stelle, was die Autoren einem mit manch böser Idee antun werden, aber eben auch weil man im Hinterkopf mit der angekündigten sechsten Staffel rechnet. Aber auch im hier fortgeführten Schonmodus der letzten Staffeln ist das Ergebnis aufregend ausgefallen, stets will man wissen wie es weiter geht, stets wissen einen die Schicksale zu beschäftigen und zu bewegen. Diesbezüglich steuert das fünfte Jahr immer deutlicher in die Fußstapfen von "Die Welle" mit seiner Sektenthematik um manipulierte Teenager, wenn den politischen Bereich auch dabei außer Acht lassend. Das weiß zu gefallen, gerade in der letzten Episode. Und dass es das psychologisch eigentlich gar nicht so raffinierte Drehbuch schafft, mentale Fragwürdigkeiten der Vergangenheit auszuloten (und damit meine ich welche aus der Serienphase, nicht die gewohnten Wiedergutmachungen von Fehlern der drei Kinofilme), lässt das sich wie ein Schluss anfühlende Ergebnis umso gelungener, da sich runder anfühlend, erscheinen. 

Das Niveau der ersten beiden Staffeln wird nach wie vor nicht erreicht, dafür wird die Ironie zu oft an falschen Stellen angesetzt, vieles zu ernst genommen, was nicht ernst genommen gehört und zu verstärkt auf die Dramatik, anstatt auf Komik gesetzt. Aber als Zuschauer, der es bis hier her geschafft hat, hat man sich längst mit der anderen Tonlage der Serie arrangiert und kann deswegen das Ergebnis so versöhnlich annehmen, zumal es einen trotzdem rundum gut unterhält. Von daher freut es mich, dass mich die fünfte Runde ohne Ärgernisse ans Ziel geführt hat, wissentlich dass es nicht das Ziel ist. Von daher, bezogen auf meinen ersten Satz dieser Besprechung, sage ich: Was soll's! Ich sage es trotzdem: Staffel 5 ist ein rundum gelungener Schluss.  OFDb

19.02.2022

KARATE KID 3 - DIE LETZTE ENTSCHEIDUNG (1989)

Nach zwei für US-Verhältnisse recht empathischen Filmen, zumindest was den Respekt vor anderen Kulturen betrifft, kommt mit "Karate Kid 3 - Die letzte Entscheidung" die reißerische Hohlbackenversion hinterher, die von Einfühlungsvermögen diesmal weit weniger erkennen lässt. Sich stets, ob im Dramen- oder im Actionbereich, dem reißerischen Schauwert zuwendend, ist aus der zweiten Fortsetzung zwar kein rein unfreiwillig komisches Werk geworden, aber definitiv nur noch ein triviales. Dass auch diese plumpere Version eines guten Stoffes so kurzweilig zu konsumieren ist, liegt mitunter an der Chemie zwischen Ralph Macchio und Noriyuki "Pat" Morita, die zumindest immer den Anschein erwecken, dass da irgendwo noch gefühlsechter Tiefsinn vorhanden ist, und dies obwohl die Weisheiten Miyagis aufgesetzter und weit weniger tiefsinnig klingen, als noch in den Vorgängern. Zudem arbeitet das Drehbuch nicht gut genug heraus, warum der Lehrer seinen Schüler diesmal nicht für das Turnier unterrichten möchte, zumindest ab jenem Zeitpunkt, an dem Miyagi mitbekommt wie sehr Daniel unter Druck gesetzt wird. Aber von psychologischer Raffinesse ist in diesem Dumpfbacken-Drehbuch ohnehin nichts zu spüren, so dass man John G. Avildsen dafür danken kann der Reihe als Regisseur treu geblieben zu sein. Dessen Handschrift, die sich an den beiden Vorgängern und unübersehbar auch an der "Rocky"-Reihe orientiert, weiß einiges zu retten, so dass man zumindest oberflächlich gut genug unterhalten wird.

Silver, der erwachsene Gegner des dritten Teils, mutet nur lächerlich an und kann inmitten einer zu bierernsten Umsetzung lediglich als Parodie auf ernstzunehmende Gegner begriffen werden. Allerdings beweist Thomas Ian Griffith Kampfkunstkenntnisse und Beweglichkeit. Dass er schauspielern kann, bemerkt man hier nicht und überrascht umso mehr in seiner Rückkehr dieser Rolle in "Cobra Kai - Staffel 4", die einiges von dem, was "The Karate Kid 3" (Originaltitel) an Schaden für die Reihe anrichtet, dort wieder gut macht. Einer der wenig guten Entscheidungen des Autors findet sich in der weiblichen Teenie-Nebenrolle, schrieb man Daniel diesmal doch keine erneute Liebesgeschichte hinzu, sondern lässt die Dame lediglich als freundschaftliche Begleitung ins Geschehen treten. Dass Ralph Macchio eigentlich längst zu alt war, um den Teenager zu mimen, fällt nur bedingt auf, wirkt er für seine 28 Jahre doch noch überraschend jung, wenn auch nicht derart, dass "Karate Kid 3 - Die letzte Entscheidung" glaubwürdig im Folgejahr des Originalfilmes spielen kann. Aber wer ist schon pingelig bei solch sehenswerter Filmreihe, die es sogar schafft in der Dummfugversion des hier besprochenen Teiles noch mit genügend Restcharme zu unterhalten? Die direkten Bezüge auf die Vorgänger, die Stammbesetzung, der beibehaltene Soundtrack und manch andere Zutat sorgen dafür, dass auch die zweite Fortsetzung bei einem genügsamen Publikum fruchten kann.  OFDb

30.01.2022

COBRA KAI - STAFFEL 4 (2021)

Dachte ich bei Staffel 3 noch, man hätte es dort mit einer Übergangsstaffel zu tun, die deshalb nicht ganz die Kraft der ersten beiden Jahre erreicht, so muss ich mit Sichten der vierten Staffel nun feststellen, dass das dahin plätschernde, weit unaufgeregtere Geschehen auch hier dominiert und der Cliffhanger des Vorgängerjahres somit nicht die große Wendung vorbereitet. Zwar geht man viele Fortsetzungen einzelner Bereiche wieder recht überlegt an und oftmals anders als erwartet, die manchmal fehlende ironische Distanz und der kaum noch vorhandene Humoranteil lassen einen die Chose jedoch nicht mehr all zu ernst nehmen. Zumindest gelingt den Beteiligten aber das kleine Wunder den Gegner aus "Karate Kid 3" interessant neu auszulegen, sein Affentheater aus dem Kinofilm halbwegs glatt zu bügeln und sein Erscheinen zu einem wichtigen Punkt in der Gesamtgeschichte zu machen. Seine schwer einzuordnende Motivation hilft es die an sich eher auf schlichte Teenie-Soap ausgerichtete Geschichte interessanter und schwieriger vorhersehbar zu gestalten. Zwar verschiebt Staffel 4 das Ergebnis des dritten Jahres bezüglich der beiden Hauptfiguren lediglich, ansonsten kann sich der Schluss aber sehen lassen, der auf ein Neues Neugierde für die weiteren Ereignisse zu wecken weiß. 

Dass man hierfür auf eine in Staffel 3 vernachlässigte Figur zurückgreift, weiß zu gefallen. Und am Rande dürfen immer wieder weitere Ehemalige auftauchen, mit deren Wiedersehen wohl die wenigsten gerechnet haben. Dass das anvisierte Turnier nicht erneut auf die nächste Staffel verschoben wird, tut der ansonsten auf der Stelle tretenden Geschichte gut, umso mehr da es überraschender Weise bereits in der vorletzten Folge startet. Zudem ist es schön zu sehen, dass der uninteressant gewordene Robbie nun wieder zur alten Stärke zurück findet. Etwas mehr Energie hätte ich mir dennoch bei der mittlerweile zu ernsten und psychologisch simpler geschriebenen Art der Erzählung gewünscht, gerade was die Aggressionen der Cobra Kais betrifft. Sicherlich ist es lobenswert, dass hier keine reißerischen Erwartungen erfüllt werden, die mit dem Schluss von Staffel 3 ermöglicht worden wären (manche Charakterentwicklungen gehen den zu erwartenden Aggressionsbereich sogar in die andere Richtung), aber etwas zu brav und ereignislos dümpelt die Geschichte dann doch vor sich hin. Sie unterbricht lediglich mit etlichen Kampfsequenzen das mittlerweile emotional nicht mehr so stark mitzureißende Gefühlsleben der Figuren, die man glücklicher Weise noch immer gut genug kennt und mag, um zumindest bei netter Unterhaltung, anstatt bei aufregendem Seherlebnis, dran zu bleiben. Staffel 4 ist jedoch unübersehbar die bislang schwächste Staffel von allen. Es wäre für die Zukunft wünschenswert, wenn man zumindest das Niveau der dritten Staffel wieder erreicht bekäme, wenn man schon nichts Großes mehr auf die Beine gestellt bekommt, wie in den Prä-Netflix-Folgen der hier besprochenen Serie.  OFDb

Nachtrag:
 

Die zweite Sichtung dieser Staffel hat mir besser gefallen, lag es doch mehr an meiner Tagesform, anstatt an der Umsetzung, dass ich mich für die Schicksale der Figuren diesmal nicht so stark interessieren konnte. Silvers Sinneswandel zu Beginn wirkte weniger aufgesetzt auf mich, die Figurenentwicklungen fand ich interessant und oftmals bewegend, kurzum hat mir Staffel 4 sogar etwas besser gefallen als das Vorgängerjahr, auch wenn ihr solch besondere Momente wie die Okinawa-Folgen der dritten Staffel fehlen.

13.11.2021

COBRA KAI - STAFFEL 3 (2021)

An die neue Synchronisation kann man sich als jener Zuschauertyp, der mit den DVDs begonnen hat, glücklicher Weise schnell gewöhnen. Dennoch guckt sich das dritte Jahr der Serie, die auf "Karate Kid" aufbaut, nicht so rund wie zuvor. Das liegt zum einen daran, dass man mit den Aufräumarbeiten der Ereignisse aus Staffel 2 zu lang beschäftigt ist, aber auch daran, dass es qualitativ in kleinen Bereichen Rückschritte zu vermelden gibt. Choreographien fallen schwächer aus, Neumischungen von Zusammenkünften und Charakterveränderungen finden recht ruppig statt, ohne psychologische Rückendeckung zu erhalten. Zudem atmet "Cobra Kai" von nun an die Kinowelt jener Filme, auf denen sie aufbaut, so dass das ironische Aufbrechen der ersten Staffeln damit zu einem gut Stück zunichte gemacht wird. Mit einer gut funktionierenden Dramatik, der nötigen Priese Humor und dank lieb gewonnener Figuren bereitet freilich auch Staffel 3 genügend Freude, um den Stammzuschauer zufrieden genug zu stellen. Aber es ist nicht zu übersehen, dass es sich hierbei nur um eine Übergangsstaffel handelt, welche die Karten neu mischt, um erst mit Staffel 4 tatsächlich die eigentliche Geschichte weiter zu erzählen. Zumindest endet es hier wie von vielen schon lange ersehnt, so dass man wahrlich neugierig auf das vierte Jahr wird. Da in diesem aber die unsinnigen Gegner aus "Karate Kid 3" zurück kehren werden, darf man aufgrund der sich in der hier besprochenen Staffel abzeichnenden psychologischen Ignoranz dennoch etwas misstrauisch werden. Andererseits war ich dies im Vorfeld bereits hier, aufgrund der Rückkehrer aus den ersten beiden "Karate Kid"-Filmen, und die wurden, anstatt der Serie zu schaden, zu Pluspunkten der dritten Staffel, gerade auch was den jugendlichen Gegner aus "Karate Kid 2" betrifft. Hingegen fällt der Storystrang rund um Robbie, auf den ich besonders gespannt war, um so erbärmlicher aus. So oder so habe ich mich jedoch weiterhin gut unterhalten gefühlt, wenn auch nicht mehr auf selbigem Niveau, welches "Cobra Kai" in den ersten beiden Staffeln bot.  OFDb

28.02.2021

COBRA KAI - STAFFEL 2 (2019)

Die Staffel 1 der Serie "Cobra Kai", welche die drei "Karate Kid"-Filme fortsetzte, war eine runde Sache, die gekonnt an den Kinoerfolgen anknüpfte und manche Ungereimtheiten aus diesen ausbügelte, während sie augenzwinkernd, aber nie Kompromisse machend, die Geschichte interessant und intelligent fortsetzte, Blickwinkel erweiterte und alten wie neuen Figuren Chancen zur Entfaltung bot. Während es dort keine strickte Gut- und Böse-Trennung mehr gab, bietet die Rückkehr von Krees der Geschichte einen wahren Schurken. Interessanter Weise schadet dies der Serie nicht, seine Rückkehr bereichert die zweite Staffel geradezu, da die Autoren die vielen Möglichkeiten erkannten, die mit der Wiedereinführung dieser Figur möglich sind. Durch seinen Einfluss entsteht im Laufe der Zeit eine Energie, die sich gegen Ende wuchtiger denn je entlädt. Man ahnt nicht zu welch extremen Höhen die Geschichte hoch schlagen wird, die zunächst erst einmal wieder ruhig und besonnen beginnt, und damit nach den aufwühlenden Ereignissen des ersten Jahres wieder einen Schritt zurück setzt. Der Humor der in der ersten Staffel sehr dominant den Ton bestimmte, verrückt in den Hintergrund. Er ist immer noch präsent, aber die Dramatik und der Thrill des Stoffes stehen diesmal mehr denn je im Vordergrund, und vielschichtige Blickwinkel sorgen stets dafür, dass all das Erzählte nie zu plump anmutet.

Ganz im Gegenteil wird uns eine hoch interessante Geschichte serviert, die weiterhin die einzelnen Figuren stets da abholt, wo sie sich jeweils befinden und manch eine wahrlich überraschende Entwicklungen durchmachen lässt. Dabei bleiben die Figuren stets psychologisch glaubwürdig. Den einzig unglaubwürdigen, derbst comic-artigen Aspekt der ersten Staffel, das übertrieben schnelle Erlernen von Karatetechniken und das Anwenden dieser auf überdurchschnittlichem Niveau, wird in Staffel 2 zu einem Pluspunkt der Geschichte. Denn unterschwellig arbeitet man stets mit der Frage, ob es wohl ratsam ist eine Altersgruppe, die stark emotional und unreflektiert reagiert, mittels Karate zur eigenen Waffe heranzuerziehen. Wohin das führt, sowohl aufgrund von Daniels Halbwissen, Johnnys Naivität und Krees Einmischen, zeigen die Geschehnisse des zweiten Jahres auf schockierende Weise, so dass am Ende aufgewühlte Zuschauer zurück bleiben, die gar nicht anders kann, als dran zu bleiben, um in Staffel 3 all ihre Fragen beantwortet zu bekommen. Gleichzeitig bietet die Serie erneut angenehme Retro-Gefühle, erwachsene und reflektierte Blickwinkel (hier sei die Folge um Johnnys ehemalige Freunde als einer der Höhepunkte der zweiten Staffel lobenswert zu erwähnen), wundervolle Seifenoper-Momente, Annäherungen und Entfremdungen, und eine überzeugende Weiterführung von Geschichte und Charakteren, sowie eine interessante Erweiterung der Figurenschar, die das Geschehen der Serie beherrscht. Manch einer tritt in den Hintergrund, mancher aus zweiter Reihe in den Vordergrund, jeder bekommt je nach Phase genügend Beachtung, an vielfältigen Ideen mangelt es den Autoren nicht. So bleibt nur zu wünschen, dass sich mit der Übernahme der Serie durch Netflix gerade an diesem bedeutenden Aspekt nichts ändern wird. Eine zu übertriebene Anzahl an Figuren-Rückkehrern aus den 80er Jahre-Filmen, von denen ich bezüglich Staffel 3 und 4 bereits gelesen habe,  lässt mich eher Negatives befürchten. Zudem bleibt es fraglich, ob "Cobra Kai" als Netflix-Serie auf DVD fortgeführt wird. Die ersten beiden Staffeln haben es mit guter alternativer Synchronisation glücklicher Weise auf dieses Medium geschafft.  OFDb

17.01.2021

COBRA KAI - STAFFEL 1 (2018)

Man ist nie wirklich gut mit der Marke "Karate Kid" umgegangen. Nach zwei sympathisch empathischen Dramen rückte mit "Karate Kid 3" ein ignoranter Action-Trasher nach, im selben Jahr folgte eine durchschnittlich geartete Zeichentrickserie mit einem viel zu phantastischen Ansatz versehen, in den 90er Jahren schob man mit Pat Morita besetzt einen vierten Teil mit einer weiblichen Schülerin nach, der unter etlichen typischen Mainstream-Krankheiten seines Jahrzehnts litt. Und als man 2010 eine Neuverfilmung der ganzen Chose veröffentlichte, verärgerte dieses bereits aufgrund der Fehlentscheidungen in der Konzeption mit einem viel zu jungen Schüler und einer anderen Kampfsportart als im Franchise betitelt. Will Smith war damals einer der führenden Köpfe dieses Remakes, und dass er als Produzent der Webserie "Cobra Kai" fungiert, klingt nicht gerade so, als könne man mit einer Verbesserung der Situation rechnen. Das ist aber auch das einzige, was sich im Vorfeld negativ anfühlte. Denn mit der Besetzung der original Darsteller und dem aus "Creed 2" bekannten Kniff einem Gegenspieler aus einem 80er Jahre-Film mehr Hintergrund zu bescheren, und diesen Aspekt sogar auf die Hauptrolle auszuweiten, klang soweit reizvoll. Und was soll man sagen? Das Projekt ist tatsächlich geglückt. Hier waren Menschen am Werk, denen die alten Filme und ihre Mentalität wichtig waren und die gleichzeitig den Mut besaßen andere Wege zu gehen und nicht einzig ein Nostalgie-Wiederkäuen entstehen zu lassen.

Ebenso wie die Original-Filme, so schafft es auch die Serie aus Stereotypen sympathische und sich im Laufe der Zeit immer echter anfühlende Figuren zu gestalten. Selbiges gilt für das Szenario, das stets (und gerade zu Beginn) typischen Klischees folgt, mit der Zeit aber immer individueller wird, für Überraschungen sorgt und den Zuschauer herauszufordern weiß, mal mit kreativen Ideen, mal mit dem augenzwinkernden Aushebeln von Erwartungen von Klischees und manchmal sogar durch das Verwenden eben dieser. Eine aufgrund des sozialen minimalen Zufalls-Radius zu konstruierte Ausgangssituation wird zu einem Selbstläufer, der dadurch entfacht wird, dass man das Schwarz-Weiß-Denken von Gut und Böse aufbricht, indem man Positionen aus dem Original vertauscht, so dass aus einem ehrbaren Bürger aufgrund von Vorurteilen und Halbwissen ein Mann wird, der seinen ehemaligen Rivalen daran hindert seiner Arbeit nachgehen zu können, die unglücklichen Kindern hilft Selbstbewusstsein zu entwickeln. Dank eines durchdachten Drehbuches handelt dabei jegliche Figur aufgrund ihres jeweiligen Wissensstandes, ihrer derzeitigen Entwicklung und individuellen Wahrnehmung, was immer zu Fortschritten, Rückschritten, Missverständnissen und schönen wie unschönen zwischenmenschliche Situationen führt. Die Geschichte der Jugend und der altbekannten erwachsenen Charaktere sind dabei im verwobenen Teil miteinander kompatibel und im getrennten Part gleichermaßen interessant erzählt. Die aufeinander treffenden Mentalitäten werden satirisch verarbeitet, ebenso wie der unausweichliche Generationenkonflikt.

Aus einer Geschichte, die zu Beginn stark humoristisch geprägt ist, entwickelt sich ein zunehmend dramatischer Plot (ohne dabei je völlig den belustigenden Aspekt abzustreifen), der dermaßen interessant erzählt ist, dass man nicht anders kann als Neugierde daran zu entwickeln, wie es weiter geht. Manches Mal kommt es wie man es erahnt, ein andermal überrascht das Drehbuch mit unerwarteten Wendungen. Cliffhanger lassen einen mehr als einmal schockiert zurück, und am Ende der Staffel darf man erstaunt feststellen wie viel innerhalb einer Laufzeit von 270 Minuten erzählt werden kann und an welch völlig anderer Stelle die Geschichte sich im Vergleich zum Beginn befindet. Nur so viel sei verraten, diese ruht sich nicht auf dem anfänglichen Aspekt der verdrehten Positionierung der Hauptfiguren aus, und Charakterentwicklungen sei Dank gibt es nie nur eine Seite die Fehler macht und eine die richtige Entscheidungen trifft, beides trifft auf jeden zu. Und der Dominoeffekt, den die Ausgangssituation aufgrund veränderter Situationen zu einer sehenswerten Geschichte macht, reißt einen emotional hin und her und lässt einen manches Mal darüber staunen, zu welch erzählenswerten Höhen es die simpel scheinende Geschichte immer wieder schafft. Das wird in Staffel 2 sogar derart (auf positive Art) auf die Spitze getrieben, dass Staffel 1 im  Nachhinein dagegen schon wieder arg simpel wirkt. Aber davon erzähle ich ein andermal.  OFDb

02.06.2019

RAMBO 2 - DER AUFTRAG (1985)

Okay, ich nehme alles zurück. Hatte ich erst kürzlich in Reviews zu diversen Stallone-Filmen aufgrund einer länger zurück liegenden Erinnerung behauptet, dass "Rambo 2 - Der Auftrag" ein ziemlicher Hohlbrotfilm ist, so musste ich bei meiner aktuellen Sichtung doch feststellen, dass der zweite Auftritt Rambos zwar keineswegs einen Intelligenzpreis verdient hätte, tatsächlich aber ziemlich gut erzählt ist. Zugegeben, mit fortschreitender Laufzeit wird die Geschichte immer hanebüchener, Rambo zum unzerstörbaren Helden der alles trifft, wohingegen die Gegner fleißig an ihm vorbei schießen, selbst wenn der Vietnamveteran gar nicht erst versucht sich zu schützen. Aber der Übergang zum unglaubwürdigen Alleingang kommt langsam, gut eingearbeitet in einem sich hoch schaukelnden Szenario, welches noch halbwegs bodenständig beginnt. Zwar habe ich Stallone bei seiner ersten Sichtung des Gefangenenlagers seine professionelle Phantomfähigkeit in diesem verkrampften Schauspiel nie abkaufen können, aber Cosmatos knisternde Inszenierung hält gekonnt dagegen.

Der Mann, der uns auch den herrlich hirnlosen "Die City Cobra" bescherte und ebenso den kleinen Geheim-Tipp "Unheimliche Begegnung", macht aus "Rambo: First Blood Part 2" (Originaltitel), unterstützt von einem von James Cameron mitverfassten Drehbuch, keinen reinen actiongeladenen Kriegsfilm, der Thrill ist ebenso dominant mit dabei und beschert dem simplen, aber nicht uninteressanten Plot einen guten Spannungsbogen und eine dichte Atmosphäre. Da aufgrund des Dramenschwerpunktes im Erstling Rambo eine tragisch gezeichnete Figur ist, kann auch Teil 2 von diesem Rezept noch ein wenig zehren und beschert uns somit kein vollkommen gefühlskaltes Szenario. Rambo leidet nach wie vor, und Stallones Hundeblick hilft uns dabei seine treue, solidarische und trotzdem fragwürdige Mentalität auf Filmlänge anzunehmen.

Zusätzlich hilft dabei jedoch auch die Zurückhaltung derbster Feindbilder-Klischees. Wo ein "Rocky 4" gnadenlos unreflektiert in die Kacke haut und Hass schürt, da hält sich ausgerechnet jener Film in diesem Punkt zurück, der als Kriegsfilm die Vorzeigefeinde Vietnam und Russland vereint, jegliche Menschenrechte missachtend, gegen die Amerikaner kämpfen lässt. Dank eines kritischen Blicks auf die eigene Mentalität, vorzugsweise die modernen Vorgehensweisen des Militärs (die symbolisch zum Schluss von Rambo höchstpersönlich kaputt geschossen wird) und einem Blick auf hilfsbereite Vietnamesen, arme Dorfbewohner als Opfer des eigenen Militärs, sowie sogar eines halbwegs erkennbaren Verständnisses der anderen Seite eines russischen Erzschurken, wirkt das Ganze nicht so Schwarz/Weiß-gemalt wie viele andere Werke dieses Genres - freilich ohne tatsächlich ein fairer Film zu werden.

Auch in dieser verständnisvolleren Version werden noch ordentlich Klischees bedient, fragwürdige Heldenbilder geschaffen, billigster Pathos verbreitet und unrealistische Szenarien geschaffen, angereichert mit schwersten Waffen mit scheinbarer Endlosmunition, fehlendem Rückstoß und eingebauter Allestreffquote, wenn auch nur in den Händen Rambos bedient. Aber das gehört zu dieser Art Film einfach dazu, weiß den Unterhaltungswert sowohl in gewollter Art, als auch mit unfreiwillig komischen Touch, zu stärken, und dank hohem Tempo und dichter Atmosphäre hängt man sich an die stets aufkommende Genrekrankheiten nicht auf. Mag Stallone in einer Musikmontage seine Tarnung auch schneller wechseln als es allein von der Vorbereitung dieser kaum möglich wäre, einige Aktionen des unzerstörbaren Mannes sind wahre Hingucker, so dass die Action nicht nur in ihrer häufigen und hoch explosiven Art zu gefallen weiß, sondern auch aufgrund manch einfallsreicher Ideen.

Dass Jahre vor "The Expendables" bereits hier von Stallone als Entbehrlichen die Rede ist, weiß zu amüsieren, ebenso die Anwesenheit des bösen Lehrers aus "Karate Kid", der in Werken wie diesen gut aufgehoben ist. "Rambo 2" verfolgt eine einfache Mentalität, versucht diese zu untermauern, sucht den Sinn im Unsinn, verteidigt etwas, das attackiert, soll am Ende aber ohnehin nur eine Ein-Mann-Action a la "Phantom Kommando" sein, und ist beruhend auf das was er sein will noch ein erstaunlich sinnvoll sinnloser Actioner, dank seiner Entstehungszeit knallhart und schonungslos inszeniert. Ich habe weit weniger erwartet.  OFDb

10.02.2019

SHADOWCHASER (1992)

Inmitten der ganzen Cyborg-Welle der 80er und 90er Jahre entstand eines Tages "Shadowchaser", welcher der Idee nachging das gängige Thema eines wie ein Mensch aussehenden Killerroboters mit der Thematik aus "Stirb langsam" zu verbinden. Das klingt wunderbar trashig, und man erwartet ein so simples Ergebnis wie in "Cyborg", "Cyber Tracker", "American Cyborg" und Co, darf aber überrascht sein ein auf sein Produktionsniveau recht gutes Produkt zu stoßen. Die recht b-prominent besetzten Darsteller können alle nicht mehr mimen als ihre vorgegebenen Standard-Stereotype hergeben, überzeugen aber zumindest in dieser nicht talentierten Form genügend um einem reißerischen Actionfilm nicht zu schaden. Frontmann ist der bullige Martin Kove, den die meisten Cineasten wohl als bösen Trainer aus dem ersten "Karate Kid" kennen werden. Als Präsidententochter steht ihm Meg Foster zur Seite, die Frau mit den erschreckend künstlich wirkenden Augen, die Carpenters gelungenen "Sie leben!" mit ihrer Fehlbesetzung leicht ins Wanken brachte und hier als Kampfamazone augenzwinkernd den Namen Sarah tragen darf, als Verweis auf die Heldin der "Terminator"-Reihe.

Joss Ackland darf wie so oft das Arschloch spielen, so wie wir ihn bestens aus "Lethal Weapon 2" kennen, und Frank Zagarino blieb der "Shadowchaser"-Reihe noch bis zu seinem letzten Teil, dem vierten, treu und spielte außerdem in "Cyborg Cop 3" thementreu geblieben mit. Regisseur John Eyres inszenierte lediglich den vierten Teil der Reihe nicht mehr, und interessanter Weise kann man es hauptsächlich ihm verdanken, wie überraschend geglückt der Streifen ausgefallen ist. Das Tempo ist genau richtig ausgefallen, die Actionmomente über den Komplettfilm reichhaltig vorhanden und gut verteilt, es kommt einfach zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf. Das liegt freilich auch am Drehbuch, welches die an sich monotone Geschichte mit kleinen Nebensächlichkeiten stets leicht aufzuwerten weiß und den Klischeefiguren trotz fehlender Charaktertiefe in kurzen Pausen zumindest die Möglichkeit gibt vom Zuschauer besser kennengelernt zu werden. Das erfreuliche Ergebnis darf um so mehr verwundern, wenn man am Ende des Filmes feststellen darf, dass es keinerlei Spezialeffekte rund um den Cyborg zu sehen gab. Einzig gefärbte Kontaktlinsen und die schneeweiß gefärbten kurzen Haare verleihen ihm einen Hauch Fremdartigkeit, sein Metallskelett oder die Computeroptik seiner Perspektive, die selbst kostengünstigste Werke zu diesem Thema aufwarten, sind hier nicht vorhanden.

Wäre die Cyborg-Thematik nicht zumindest Richtung Finale entscheidend für diesen kostengünstig inszenierten Streifen, man hätte auch von Terroristen erzählen können und die Science Fiction-Thematik völlig wegblenden können. Einzig die übernatürliche Kraft, die freilich nur an simplen Beispielen gezeigt wird, outet den Anführer der Terrorgruppe als Roboter. Mit Blick auf die Filmographie John Eyres' verwundert das gute Regieergebnis umso mehr, sind doch Werke wie "Octopus" oder "Ripper - Brief aus der Hölle" sehr schlecht umgesetzte Filme, so dass ich erst einmal neugierig auf die beiden von ihm inszenierten Fortsetzungen bin. Wird er es erneut schaffen einen solch kurzweiligen, überzeugenden Actioner aus dem Nichts zu zaubern? Nicht falsch verstehen, auch "Shadowchaser" bietet allerhand Unsinnigkeiten, gerade in seinen Actionmomenten. Aber er ist weder völlig peinlich wie ein "Ex-Terminator" umgesetzt, noch schwächelt zwischendurch sein Tempo. "Project: Shadowchaser" (Originaltitel) mag ein naives Filmchen sein, ein Reißer, aber er ist für diese simple Art Unterhaltung genau das richtige und hat mich mit seinem flotten Ergebnis wahrlich überrascht.  OFDb

02.07.2017

FRANKENSTEINS TODESRENNEN (1975)

Ein Jahr bevor Sylvester Stallone mit „Rocky“ zum Weltstar werden sollte, ergatterte er eine große Nebenrolle in „Frankensteins Todesrennen“, einer Roger Corman-Produktion, die zwar so kostengünstig ausgefallen ist wie alle Filme unter dessen Geldgebung, dem man diesen Zustand jedoch nicht so offensichtlich ansieht wie in den meisten Werken des Schundproduzenten. Regisseur Paul Bartel verleiht der spöttischen Science Fiction-Satire einen absichtlich trashigen Anstrich, so dass die Kostengünstigkeit Teil des Stilmittels wird, anstatt als Abstrich eventueller Möglichkeiten zu wirken.

Mit dem damals prominenten David Carradine in der Hauptrolle besetzt, erzählt der Film auf humoristische Art etwas Vergleichbares wie der im selben Jahr erschienene „Rollerball“. Beide kritisieren totalitäre Systeme, verurteilen den Spaß am Voyeurismus (der Gegenwart) anhand einer Sportart der Zukunft und stellen diesen durch tödliche und brutale Übertreibung dar. Beide Werke schaffen es gekonnt ihre Gesellschaftskritik an den Mann zu bringen, auch wenn es „Death Race 2000“ (Originaltitel) diesbezüglich etwas schwerer hat, eben weil er freiwillig schundig, teilweise gar recht albern inszeniert ist. Dennoch wird es nie zu zotig, der Klamauk wird dezent eingebracht und nie zu sehr vertieft. Carradine als ernster Mime hält ebenso dagegen, wie die spannend ausgefallenen Rennszenen.

Da wird zur Überspitzung extrem albern das Mediengeschehen mittels überdrehter Moderatoren dargestellt, meistens arbeitet man aber recht augenzwinkernd und sarkastisch mit der traurigen Normalität der Zukunft, gepaart mit bitteren Andeutungen am Rande, wie der Erwähnung staatlicher Erziehungsanstalten, in welchen die zukünftigen Fahrer regelrecht gezüchtigt werden. Während die Manipulation der Wahrheit recht lustig thematisiert wird, in dem Feinde aus dem eigenen Land als Franzosen umgedichtet werden, zeigt sich manche Kritik auch in ihrer Härte, wenn beispielsweise recht blutig den Passanten auf der Straße das Leben genommen wird.

Dank des Mixes aus allen verwendeten Faktoren wird „Herrscher der Straße“ (Alternativtitel) damit zu keinem zweischneidigen Schwert wie „Running Man“. Bartels Film lebt nicht von dem Voyeurismus, den er gleichzeitig anklagt. Die kurzgehaltenen Gräueltaten sind Mittel zum Zweck, um inmitten eines komödiantisch angelegten Plots auf die Ernsthaftigkeit des Themas hinzuweisen. Sie sind weder das einzige Mittel zu diesem Zweck, noch zu dominant eingebracht. Teilweise geschehen diese Bluttaten gar beiläufig. Das Desinteresse der Figuren diesbezüglich stärkt die Kritik an der ignoranten Zukunftsgesellschaft, und eine übertriebene Charakterzeichnung sorgt für die satirische Distanz.

Herrlich kaputt zurecht gemachte Autos, welche die Karren aus „Die Autos, die Paris auffraßen“ müde aussehen lassen, eine temporeiche Umsetzung und ein pointensicherer Umgang mit der Gesellschaft der Zukunft machen aus „Frankensteins Todesrennen“ eine unterhaltsame, gelungene Science Fiction-Satire, die es auf spaßige Art schafft ernste Bedenken der Gesellschaft der damaligen Gegenwart an den Mann zu bringen. Gerade die kostengünstige, fast schon unprofessionell wirkende Umsetzung wirkt zum Erreichen dieses Ziels vorteilhaft. Bartel hält jedoch immer die Grenze gekonnt im Auge, so dass der Streifen nie wirklich amateurhaft oder dilettantisch ausfällt. Er und Corman wussten genau wie sie stilistisch vorgehen mussten, um das gewünschte Ziel zu erreichen.  OFDb

04.08.2013

CROCODILE 2 (2002)

Ich habe mich mal gefragt, ob Produzent Boaz Davidson nach "Eis am Stiel" jemals wieder an einem guten Filmprojekt beteiligt war. „Crocodile 2“ ist zwar nicht die Antwort auf diese Frage, aber wenn dieser Film auch nicht wirklich als gut zu bezeichnen ist, so ist er doch zumindest ganz nett ausgefallen.

Es tat richtig gut die erste Krokodilattacke zu sehen. Eine vergleichbare Szene gibt es in Horrorfilmen viel zu selten. Da werden ca. 20 Minuten lang die Charaktere eingeführt, man befindet sich mitten in einer Entführungsgeschichte in welcher jeder seine eigenen kleinen Probleme hat, und wie aus dem Nichts taucht plötzlich das Krokodil auf. Gary Jones verzichtet glücklicher Weise auf vorherige Hinweise wie ein kurzes Rascheln, ein Blubbern oder gar eine Sequenz aus dem Blickwinkel der Bestie. Nein, der titelgebende Angreifer kommt unverhofft. Und so sehr man auch wusste dass er in einem Film über ein menschenfressendes Krokodile zwangsweise auch auftauchen musste, der Moment ist ideal gewählt und damit völlig überraschend.

Wenn es beim ersten Angriff auch am gelungensten umgesetzt ist, so sind im weiteren Verlauf des Filmes manch andere plötzliche Attacken durchaus vorhanden. Für einen ollen kleinen B-Horror von der Stange fordert Jones den Zuschauer regelrecht heraus. Das ist auch dringend nötig um aus der Masse an vergleichbaren Produktionen mit sympathischem Ergebnis hervorzustechen. Die Charaktere sind nämlich die typischen B-Film-Charaktere nach Lehrbuch. Die Helden sind gar unsympathischer als die Gauner charakterisiert. Zumindest machen diese ebenso wenig wie „Mosquito"-Regisseur Jones Kompromisse. Damit bleiben auch die Situationen innerhalb der Gruppe interessant genug um dieses Durchschnitts-Werk nicht gelangweilt frühzeitig auszuschalten.

Das Krokodil ist passabel animiert, wie gesagt recht gut in Szene gesetzt, mit Ausnahme einer Attacke auf einen Hubschrauber, die wohl den Tiefpunkt in Sachen Spezialeffekte setzt. Immerhin weiß die Puppe im Gegensatz zu Produktionen wie „Killer Krokodil“ auf schlichte Art zu gefallen und allgemein hält „Crocodile 2“ ohnehin immer wieder manch kleinen Moment bereit, den man ihm aufgrund seines restlichen Routine-Niveaus nicht zugetraut hätte.

Am Schluss bleibt nur noch zu erwähnen dass „Crocodile 2“ mit „Crocodile“, dem Vorgänger von Tobe Hooper, so viel zu tun hat wie "Interview mit einem Vampir" mit "From Dusk Till Dawn". Aber das ist ja eigentlich auch ganz gut so, der erste Teil hat ja auch ziemlich genervt.  OFDb

08.09.2012

BLOOD TIDE (1982)

Da Neils Schwester verschollen ist, reist er mit seiner Freundin Sherry auf eine Insel, um sie zu suchen. Das Volk auf der Insel ist verschwiegen, und auf dem Eiland geht ein Monster um...

Vorsicht, Monster!
 
Man nehme die Kulissen und Rituale der „reitenden Leichen"-Filme, ein Monster optisch irgendwo schwankend zwischen einem Drachen und dem "Schrecken vom Amazonas" mit spitzen Beißerchen im klassischen Kiefer-Auf-und-Zu-Stil und untermale dies u.a. mit Zirkusmusik wie aus dem Stephen King-Film "Es". Das alles tauche man in eine typische "lang schlafendes Monster wird wiedererweckt"-Story wie sie altbackener nicht sein könnte und gebe nun noch eine weitere Eigenschaft der „reitenden Leichen"-Filme hinzu: eine hohe Naivität gepaart mit stimmiger Atmosphäre!

All dies ergibt den sehr skurrilen Film "Blood Tide", der nur den knallharten Horror-Fans zu empfehlen sei. Nicht weil er so brutal wäre, sondern weil er staubtrocken erzählt ist, wie es dies in den 80er Jahren kaum noch gab und weil er seine an sich simple Geschichte sehr ominös erzählt. Und ominös meine ich nun nicht im Sinne von mystisch, sondern mehr im Sinne von schrullig, allerdings ohne die Sympathie zu besitzen, die das Wort schrullig mit andeutet.

Der normalste Aspekt am kompletten Werk ist das Verhalten des Monsters. Es wird erweckt, holt sich seine Opfer, und zum Ende hin findet es den Tod. Seltsamer Weise verkommt die Kreatur jedoch zur Nebensache. Ein Mann sucht seine Schwester auf einer Insel (warum gerade dort weiß nur ein ominöser Geistlicher, der im Film nur kurz erwähnt wird). Als diese auf merkwürdige und vor allen Dingen sehr zufällige Art gefunden wird, benimmt sie sich merkwürdig. Sie untersucht ein Gemälde, das aus verschiedenen Farb-Schichten besteht, wovon letzte wesentlich älter sein soll als der olle Jesus. Die letzte Schicht wird ein Geheimnis enttarnen.

Wir erleben über einen Rückblick ein Ritual, das in der Jetztzeit nur angedeutet und somit nicht wirklich vollzogen wird - was aber auch völlig egal ist, da der Film ohnehin nur von einem Monster erzählt, das scheinbar weder angebetet werden will, noch irgendwelche Opfer verlangt, sondern sich wahllos jedes Weib holt, das sich zu lange ins Wasser getraut hat. Auf höchst ungöttliche und unsatanische Weise wird es am Ende ins Jenseits gesprengt. Also ist alles was der Film um die sehr kleine Monsterstory herumspinnt sehr sinnlos und unnötig.
 
Diese Sinnlosigkeit wird allerdings recht ordentlich erzählt. Man merkt zwar allein schon am sehr plötzlichen Ende der ersten Szene, dass dem Regisseur jegliches Feingefühl fehlt, und den bösen Lehrer aus "Karate Kid" in der Hauptrolle zu besetzen zeigt, dass man keine hohe Schauspielkunst zu erwarten hat. Aber die Inselkulisse wirkt, die Musik mixt verschiedenste Stile (spannungsgeladene Melodien, skurrile Klänge und eben erwähnte Zirkusmusik), und die Erzählweise ist weit entfernt von der heute gängigen Pflicht den Zuschauer auf alles zu stoßen, was er wissen muss.

In diesem zunächst lobenswert klingenden Punkt übertreibt es „Blood Tide“ allerdings. Selbst als Freund dieser dem Zuschauer nicht alles zu deutlich zuwerfender Erzählweise hab ich oftmals gar nicht verstanden was die Personen sich da erzählen. Sie selbst wissen aber immer sofort was der andere mit seinen rätselhaften Worten meint. Manches versteht man als Zuschauer durch das Gesehene aus anderen Szenen, treffen sich aber zwei Leute im Film, die aneinander vorbeizureden scheinen, wissen sie am Ende immer was der andere wollte, dies freilich ohne die Zuschauerkenntnis der vorrangegangenen Szenen. Ich bin sicherlich nicht Einstein, aber überrascht hat mich mein mangelnder Durchblick da schon. Andererseits gibt es auch nicht wirklich viel zu kapieren, da die ganze Geschichte im Grunde sehr simpel gestrickt ist.

Wie auch immer: irgendwo zwischen lahm und interessant, stümperhaft und atmosphärisch, banal aber umständlich dümpelt dieses Werk vor sich hin, für Freunde verstaubter Filme, die nicht ganz ohne Grund nicht nur in Vergessenheit geraten sind, sondern wohl schon zu ihrer Zeit nie von irgendwem ernsthaft beachtet wurden. Seine Sympathie erreicht „Blood Tide“ ohnehin erst durch sein Alter. Ich glaube kaum, dass er in seinem Herstellungsjahr so viel Spaß gemacht haben könnte wie heute. Der Film ist ein staubig skurriler Monster(mit kaum Monster im Bild)-Film mit wenig Potential zum Kult, für den geduldigen Freund ungewöhnlicher Genrebeiträge.  OFDb