Die
Art wie Talentsucher und zukünftiges Talent zusammen finden, das eher
stillose Herumgehoppel der Dame, wenn sie freien Herzens singen darf,
wie es ihre Natur geradezu verlangt, der Trick mit welchem man per Radio
auf sich aufmerksam macht, und ganz besonders der angeblich kindliche
Look einer offensichtlich erwachsenen Frau, das ist alles zu viel der
Blauäugigkeit und raubt "Liebe, Tanz und 1000 Schlager" einiges von
seinem Potential, trotz flotter Erzählung mit sympathischem Touch.
Letztendlich ist der Streifen dann doch etwas zu austauschbar ausgefallen, um auf diese
höchst naive Art zu funktionieren, angereichert mit arg viel Musik, selbst
für diesen Typ Film, und zu wenig Peter Alexander bietend in für die dünne Story oft weniger entscheidenden Szenen. Etwas Herumgealber darf nicht fehlen, gerade
bezüglich des neumodischen Campers mit Elektrofunktionen, aber gerade in
solchen Szenen hätte ich lieber Alexander gesichtet, anstatt den
Talentsucher. Unterfordert wirkt ebenfalls Hubert von Meyerinck als
engstirniger Leiter einer Plattenfirma, der aber immerhin das Beste aus
seinen Szenen macht, die ganz deutlich ihm gehören. Letztendlich
interessiert man sich nicht wirklich für die Geschichte, und für
eine Annäherung zwischen Caterina Valente und uns Peter leider auch
nicht. Da gibt es definitiv romantischere Werke. Fans der hier anwesenden
Prominenz oder des Genres an sich werden hingegen auf banaler Ebene
zufrieden mit "Love, Dance and 1000 Songs" (Alternativtitel) sein. Wiki
Von einem der daheim blieb, um die weiten Welten des Films zu entdecken...
14.09.2023
LIEBE, TANZ UND 1000 SCHLAGER (1955)
22.10.2021
HILFE, ICH BIN UNSICHTBAR (1951)
Und kommt die Geschichte endlich einmal an jenem Punkt an, auf den man so lange gewartet hat, überrascht "Help, I'm Invisible" (Alternativtitel) eher negativ mit dem schlichten Umgang der Thematik, wird sich doch nie richtig ins Unsichtbarsein hineingedacht und nutzt man diesen Bereich doch eher für manche Verwirrung aufgrund des wechselnden Zustands von sichtbar und unsichtbar sein, sowie für Humor bezüglich unmöglichen Verhaltens unter Alkoholeinfluss. Der erwachsene Kindskopf wird lediglich aufgeschreckt, hoffnungslos im Teufelskreis aus Alkohol und Nichtsichtbarsein gefangen, und selbst dieser Faktor wird nicht analytisch als Sinnbild für das Unsichtbarsein innerhalb des eigenen Umfeldes verarbeitet, sondern schlichtweg für zahme Scherze. Würden diese etwas treffsicherer ausfallen, gäbe es nicht wirklich etwas zu meckern, schließlich erwartet man hinter einem Projekt wie diesem, besetzt in der Hauptrolle mit Theo Lingen, ohnehin automatisch einen leichten Stoff. Aber für meinen Geschmack war das alles nicht lustig oder sympathisch genug, und der Erzählstrang selbst arg ungünstig gewählt. Sicher kann man sich den Streifen bei wenig Erwartung einmal geben, am besten mit einem Auge, während man noch nebenbei einer anderen Beschäftigung nachgeht (der ideale Bügelfilm?), aber man hat wahrlich nichts verpasst, wenn man die an sich gut besetzte Komödie ignoriert. Auch die Auflösung weiß nicht zu gefallen, zumal man sie aufgrund des Zeitpunkts, an dem das Titelthema beginnt, leicht vorhersehen kann und sie somit nur erneut die Einfallslosigkeit des Autors unterstreicht. "Die unsichtbare Frau" war elf Jahre zuvor wesentlich kurzweiliger. OFDb
23.09.2018
OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF (1968)
14.07.2016
NEUES VOM HEXER (1965)
Das besitzt zwar nach wie vor seinen Reiz, meist vermutet man ihn jedoch an der richtigen Stelle. Inspektor Wesby jedoch auch, der stets schmunzelt wenn er den Hexer in einer seiner Rollen entdeckt, die erst kurz darauf als solche enttarnt werden. Somit ist es durchaus gewollt den Hexer früher zu erkennen als er offiziell enttarnt wird. Das gibt den Meinungsverschiedenheiten zwischen dem intelligenten Wesley und dem dusseligen Sir John eine zusätzliche Spielfläche, beraubt den Film jedoch um das mögliche Verwirrspiel um die Maskeraden des Hexers.
All zu hart braucht man mit „Neues vom Hexer“ jedoch nicht umgehen, ist er doch ein sympathischer Beitrag der Wallace-Reihe, mit Heinz Drache als Ermittler anstatt mit Joachim Fuchsberger besetzt, der aber immerhin im Zusammenhang mit einer Fotografie Higgins eine Erwähnung erhält. „Neues vom Hexer“ ist die einzige tatsächliche Fortsetzung eines vorangegangenen Kriminalfalls der Reihe und damit ein Unikum inmitten der Rialto-Wallace-Serie. Leider blieb der Film an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurück, so dass die noch in diesem Teil angekündigte Fortsetzung nie umgesetzt wurde und stattdessen zu „Der Bucklige von Soho“ umfunktioniert wurde.
Das ist insofern schade, als dass „Neues vom Hexer“ halbwegs offen endet und man sich schon eine Antwort auf die vom Gauner-Trio gestellte Frage am Schluss erhoffte, zielt die Schluss-Szene doch scheinbar darauf ab, dass der Hexer auch in Zukunft mit Scotland Yard zusammen kooperieren soll. Nun werden wir es nie erfahren.
„Neues vom Hexer“ wird gerne als die schwache Fortsetzung des ersten Teils bezeichnet. Ich mochte sie schon immer, früher sogar mehr als den beliebten ersten Teil, und ich bin bei meiner aktuellen Rückwärtssichtung der Rialto-Reihe schon gespannt wie mir der erste Teil diesmal gefallen wird, hat sich meine Einschätzung der einzelnen Filme seit meinen Sichtungen in den 90er Jahren doch gravierend verändert.
Vohrers zweiter Hexer-Streich ist auf jeden Fall ein amüsanter Zeitvertreib mit einigen kleinen typischen Vohrerspielereien (allein dieser Erholungsort, in dem jeder Gast zur Entspannung eine Tageszeitung auf dem Gesicht liegen hat, ist eine herrlich bescheuerte Idee) und so manchem bekannten Gesicht innerhalb der Reihe. Lediglich Kinski wirkt ein wenig verschenkt in seiner Rolle, auch wenn es theoretisch eine wundervolle Provokation ist gerade ihn als Butler zu besetzen - und dann auch noch diesen schrecklichen, zu seinem Beruf so gar nicht passenden, Bart tragend. OFDb
DER BUCKLIGE VON SOHO (1966)
Ursprünglich soll „Der Bucklige von Soho“ einmal als dritter Teil von „Der Hexer“ angedacht gewesen sein, das sieht man der hier erzählten Geschichte jedoch nicht an. Es mag sein, dass manche dem Hexer angehaftete Tat der verworfenen Idee auf den titelgebenden Buckligen übertragen wurde. Der wandelt sich schließlich vom hirnlosen Befehleausführer zum Rächer in den eigenen Reihen, und wird damit nicht nur äußerlich, sondern auch von seinen Taten her, aus dem Horrorbereich des sich gegen seinen Schöpfer wendenden Monsters entliehen. Und genau durch diese Parallele zum unheimlichen Genre fällt selbst in den Rachemomenten an der Unterwelt die mögliche verworfene Hexer-Herkunft nicht auf.
Wie auch immer, Vohrer erkennt bereits hier, dass ein Wallace-Film nicht wie bisher erzählt werden muss, wenn er eine Farbumsetzung erhält. Und somit taucht er das Geschehen bereits hier in schrille Farben, die sicherlich auch seiner Zeit geschult sind in Sachen Deko und Mode, aber dennoch provozierend und Effekt-orientiert von dem Regisseur ins Szenario eingebettet wurden.
Stilistisch wandelt sich der Streifen von einem überraschend stark humoristisch traditionellen Kriminalfilm zu einem immer düster werdenden Spektakel voll von abgedrehten Bonbons, als da wären überall versteckte Mikrophone und Geheimgänge, Arbeitersklavenhaltungen in einem Frauenheim und viele andere kunterbunte Gimmicks, die immer nah am reißerischen Schundfilmbereich orientiert sind, aber doch recht zweckmäßig der Gesamtgeschichte zugefügt wurden und somit nicht rein dem Selbstzweck dienen.
Wo andere den Pulp-Gehalt in die humoristische Phase gesteckt hätten, und den traditionellen Kriminal-Teil düster gehalten hätten, da erkennt Vohrer den Reiz genau Gegenteiliges zu veranstalten und teilweiser sogar zu vermischen. Als besonders reizvoll erscheint aufgrund dieser Vorgehensweise die Besetzung Eddi Arents in seiner vorletzten Rolle der Reihe als Bösewicht, so dass der Zuschauer zunächst den klassischen humoristischen Sidekick-Arent präsentiert bekommt, bevor dieser sich im Laufe der Handlung zu einem düster dreinblickenden Strippenzieher wandelt und dem damaligen Publikum damit sicherlich eine düstere Überraschung bescherte, auch wenn er sich in „Der unheimliche Mönch“ zuvor ebenfalls (und dort erstmals) als Bösewicht entpuppte.
Wirkt der Bucklige im direkten Vergleich zu den üblichen titelgebenden Fieslingen im Wallace-Universum eingangs doch eher enttäuschend, da nicht sonderlich agil oder raffiniert, so entpuppt sich diese Figur schließlich doch noch als sehr interessant und vielschichtig, allein schon aufgrund ihres tragischen Gehalts, den man ebenfalls aus dem Horrorbereich entlieh. Diese Ernsthaftigkeit, die in diesen eigentlich grotesk wirkenden Buckligen investiert wird, ist nur ein Paradebeispiel dafür, wie Vohrer dies in so ziemlich alle Elemente des Streifens anwendet. Trotz aller Verspieltheit ist „Der Bucklige von Soho“ in einer düsteren und tragischen Ernsthaftigkeit gehalten, die dafür sorgt dass man seinen vor Unsinnigkeiten angereicherten Plot nie wirklich belächeln würde.
Das liegt aber auch daran, dass Vohrer uns die hier aufgezeigten Schicksale ernsthaft spüren lässt und nicht nur zum Comic-haften Gimmick verkommen lässt. Das Leben und die Arbeit im Heim ist höchst unangenehm. Die Unterdrückung durch die dort Herrschenden ist ebenso spürbar wie die Wut und der Frust der Bewohnerinnen. Die Aussichtslosigkeit der Situation in der sich Wanda befindet ist spürbar, das Rachegefühl des Würgers ist nachvollziehbar, und man kann sogar mit den größten Fieslingen mitfühlen, wenn diese gegen Ende eiskalt verraten werden. Selbst das grellbunte, an einen James Bond-Film erinnernde, Gimmick des Folterstuhls, für den das Element des Feuers eine wichtige Rolle spielt, wirkt nicht nur als verspielte Übertreibung, sondern auch als spürbare Bedrohung, da sich jeder Zuschauer in diese Art Folter hineinversetzen kann.
Vohrer ist somit ein wundervoller, da spürbar düsterer, wie tragischer, und trotzdem humorvoller Beitrag der Reihe geglückt, dem ich lediglich vorwerfe, dass er seine letzte Wendung nicht mehr benötigt hätte. Die Geschichte war zu Ende erzählt, und die letzte Aufdeckung bezog sich nicht auf vorhandene Lücken in der Handlung oder auf besonders wichtige Figuren. Somit hätte man diese Szene tatsächlich weglassen können, ohne etwas am Rest des Filmes verändern zu müssen. Letztendlich schadet dieser unnötige Schluss dem Streifen nur leicht, eben weil es nur ein erweitertes Ende ist, aber ein wenig ärgerlich schaut sich dieses Anhängsel schon. OFDb
19.06.2016
IM BANNE DES UNHEIMLICHEN (1968)
Alfred Vohrer, der für alle der letzten klassischen Wallace-Filme verantwortlich war, dreht die Schraube der abgedrehten Elemente erneut ein wenig auf. War der Vorgänger „Der Hund von Blackwood Castle“ noch der Versuch die stimmigen Schwarz/Weiß-Grusel-Krimis der Reihe mit dem schrilleren Stil der Buntphase zu vereinen, so kommt „Im Banne des Unheimlichen“ bereits viel eher wie eine absichtlich alberne Jahrmarktsattraktion daher, zwar noch weit entfernt von der Komödienvariante eines „Der Mann mit dem Glasauge“, aber schon wesentlich irrsinniger inszeniert als sein eigener Nachfolger „Der Gorilla von Soho“.
Higgins selbst wird comichafter dargestellt als üblicher Weise, pustet sinnlos in Trillerpfeifen und hübsche Damen, kann keinem weiblichen Arsch optisch widerstehen und bringt herrlich dämliche Sprüche, z.B. dann wenn er endlich sein Versprechen einhält mit der Sekretärin Sir Arthurs auszugehen, sie ihn im Restaurant bittet er möge nicht ans Telefon gehen, und Higgins flappsig damit kontert es könne sich ja eine attraktivere Frau am anderen Ende der Leitung befinden.
Zum alberneren Grundton gesellt sich zudem eine zentrale Mördermaskerade, die selbst in der Rialto Reihe, welche vor Fröschen, Bogenschützen, Gorillas und Mönchen mit Peitschen nicht Halt machte, ihresgleichen sucht. Das Totenkopfgesicht, welches mit Hut und langen Haaren so aussieht wie es sicherlich auch Udo Lindenberg bald tut, zumindest mit Blick auf das Cover dessen aktuell erschienender CD, wirkt in Nahaufnahmen tatsächlich trotz aller comichafter Verspieltheit noch halbwegs mystisch, selbst dann wenn es schwer ausatmend den Mund weit öffnet. Um so lächerlicher wirkt diese Maskerade wenn der Totenkopfmann reichlich agil hinfort laufen darf, was er öfter macht als es für eine Gruselwirkung gut für ihn wäre.
Erstaunlicher Weise wird dies gar nicht zum Nachteil des Streifens, eben weil der Grundton viel augenzwinkernder ausgefallen ist als ohnehin schon und Vohrer inszenatorisch deutlich macht, dass der Spaßfaktor im Vordergrund steht. Ein ernstzunehmender Grusel-Krimi soll „The Zombie Walks“ (Alternativtitel) gar nicht sein. Er ist als Parodie eines solchen gedacht, wenn auch noch nicht als lupenreine Komödie ausgelegt wie Vohrers letzter Streich der Reihe.
Ein souverän spielender Joachim Fuchsberger und ein wie immer gut agierender, wenn auch etwas unterforderter, Wolfgang Kieling sorgen dafür, dass das Niveau trotz alledem nicht ganz nach unten rutscht. Das Drehbuch hingegen puzzelt zum Finale hin einen scheinbar in der Not geborenen Erklärungsversuch der ganzen Umstände zusammen, die halbwegs erklären sollen was die ganze Geisterbahn-Parade nun eigentlich sollte. Es braucht also nicht verwundern, dass gerade Befürworter der Schwarz/Weiß-Phase mit „Hand of Power“ (Alternativtitel) so gar nichts anfangen können.
Was diese als Schwächen von „Im Banne des Unheimlichen“ ansehen, erkenne ich als Stärke innerhalb eines Streifens, der mir im direkten Vergleich mit seinem affigen Nachfolger besser gefällt, u.a. weil er innovativer und verspielter ausgefallen ist als dieser. Der Gorilla wirkte eher wie der Versuch mit kleinen Spielereien einen solchen Touch vorgaukeln zu wollen, der hier besprochene Film befindet sich jedoch mitten drin im provokativ anarchistischen, augenzwinkerndem Umgang mit sämtlichen Wallace-Elementen.
Was „Der Hund von Blackwood Castle“ mit seinen herrlich skurrilen Gimmicks bereits vorbereitet hat, nimmt „Im Banne des Unheimlichen“ auf und erweitert diesen Stil durch das Entfernen jeglicher ernsthaft stimmigen Gruselszenen. Damit ist er ein ehrlicher und selbstreflektierender Beitrag der Wallace-Reihe, ein Mut der den Anfang vom Ende bedeuten sollte, denn die Kinogänger von einst waren Innovationen gegenüber längst nicht so aufgeschlossen wie es Regisseur Alfred Vohrer war. OFDb
04.06.2016
DER GORILLA VON SOHO (1968)
Zwar bestimmen abgedrehte Komponenten den Streifen, so der im Titel genannte Gorilla, ein Club in dem Nachwuchsmaler Nackedeis mit Hilfe lebender Modelle zeichnen und Gimmicks wie ein Maschinengewehr in einem Geldschrank, darauf vorbereitet es mit einem äußerlich wie inhaltlich kunterbunten Film zu tun zu haben kommt einem das Ganze im Vergleich jedoch noch nicht völlig überzogen vor. Immerhin darf es noch Szenen im nebligen London geben, die Geschichte driftet nur selten für unnötige Spielereien von der zentralen Kriminalgeschichte ab, und noch ist es auch das Genre des Kriminalfilms das dominiert. Der humoristische Gehalt plätschert leicht im Hintergrund vor sich hin. Auch dies sollte sich im Folgefilm ändern.
Mit Vohrers Original aus dem Jahre 1961 kann „Der Gorilla von Soho“ nicht mithalten, und das behaupte ich als jemand der sowohl mit der alten, als auch mit der bunten Phase der Wallace-Reihe etwas anfangen kann. Hartgesottenen Freunden der Serie ist die Buntdekade ohnehin ein Dorn im Auge. Unabhängig davon trumpfte die deutsche Erstverfilmung einfach mit seinem düsteren stimmigen Look, da kann sich der noch halbwegs zurückhaltende farbige Popkorn-Stil nicht gegen durchsetzen. Zumindest versucht Vohrer gar nicht erst die erneute Verfilmung ebenfalls düster wirken zu lassen. Er verlässt sich diesmal mehr auf das hier agierende Personal und die kleinen sleazy Gimmicks, vermischt auch gerne mal beides, wie die Figur des immer Sonnebrille tragenden Kriminellen zeigt, oder noch mehr die Figur die unter dem Gorillakostüm steckt und deren Identifikation im Gegensatz zu den üblichen Beiträgen der Reihe diesmal kein Geheimnis ist.
Die Verspieltheit der zweiten Vohrer-Verfilmung zeigt sich zudem in mancher Namensgebung. Da gibt es z.B. einen Dr. Jeckyll. Und ob man von Zufall sprechen kann, dass ein gewisser Sergeant ausgerechnet Pepper heißt, so wie im berühmten Song und Album der Beatles, lässt sich in diesem Zusammenhang wohl deutlich verneinen. Horst Tappert spielt seinen Charakter als Hauptermittler bereits humoristisch angereichert, aber noch nicht so penetrant (weiterhin angenehm lustig) wie nur einen Film später. Ihm zur Seite steht ein anders besetzter Gehilfe, der nicht besser und nicht schlechter wirkt als sein Nachfolger. Und Hubert von Meyerincks Interpretation seines Sir Arthur scheidet in seiner völlig überzogenen Art seit je her die Geister.
Überraschen darf ausnahmsweise einmal Uschi Glas, die freilich nicht urplötzlich gelernt hat zu schauspielern. Aber dadurch dass sie gerade in den ersten beiden Dritteln wenig redet und oftmals nur verschmitzt gucken darf, gelingt zumindest kurzfristig des öfteren die Illusion der süßen, zierlichen Schönheit, obwohl sie in ihrer plumpen Art doch nie die Klasse von Karin Dor und Co erreichen könnte. Somit ist ihr hier vorliegendes akzeptables Ergebnis schon weitaus besser ausgefallen, als alles was sie in allen anderen Werken, die ich je mit ihr bislang sichten durfte, zu bieten hatte.
Auf der Seite der Kriminellen sticht diesmal niemand als besonders nennenswert hervor, das ist ein deutlicher Schwachpunkt von „Gorilla Gang“ (Alternativtitel). Aber so oder so schippert „Ape Creature“ (Alternativtitel) nur angenehm vor sich hin, ist quasi nur im Vorspann so konsequent flippig wie sein Nachfolger, fällt aber zumindest sympathisch genug aus, so dass man so kurz nach „Die toten Augen von London“ den selben Stoff noch einmal fern jedem Anflug von Langeweile amüsiert folgen kann. Das ist insofern positiv zu sehen, als dass „Der Gorilla von Soho“ trotz deutlicher Veränderungen noch genügend wiederholende Elemente beherbergt, die diesem positiven Ergebnis nach so wenigen Jahren auch hätten negativ entgegen wirken können. OFDb
28.05.2016
DER MANN MIT DEM GLASAUGE (1969)
Der theoretisch richtige Abschluss der Reihe, der stilistisch für all das steht wofür die in Farbe gedrehten Filme der Wallace-Reihe berüchtigt sind, ist eigentlich „Der Mann mit dem Glasauge“, der von dem die Reihe mit prägenden Alfred Vohrer inszeniert wurde, was Kennern des Mannes einen sehenswerten Abschluss verspricht, ist dieser Regisseur doch nicht nur ein einfallsreicher und talentierter Mann seines Fachs, in seiner letzten Arbeit für die Reihe zieht er zudem noch einmal alle Register und liefert für die Wallace-Reihe in etwa das ab, was „Octopussy“ Jahre später für die James Bond-Reihe wurde.
Ein solch knallbuntes Feuerwerk an schrägen Attraktionen hat man in dieser Vielfalt scheinbar nicht einmal in der dafür bekannten Buntphase der Rialto-Wallace-Filme erlebt. Fast schon überladen tummeln sich hier Tänzer, Bauchredner und Messerwerfer, wir wohnen einer Prügelorgie bei die aus der „Batman“-Serie der 60er Jahre hätte stammen können, der Bösewicht darf auf Mabuse-Art in seinem Versteck alles über Monitore verfolgen, es wimmelt vor doppelten Böden, Scherzartikeln, Skrupellosigkeiten und Gangster-Klischees. Und wenn recht spät selbst noch der Stereotyp einer skrupellosen Adligen mit dem Klischee der endlosen Frauen-verhassten Mutterliebe gekreuzt wird, dann erkennt auch der Letzte wie augenzwinkernd Vohrer die vergangenen, ernsteren Beiträge der Reihe auf die Schippe nimmt.
Das Ergebnis ist zugegebener Maßen recht albern ausgefallen, zotig wird es jedoch nur selten, z.B. dann wenn Sir Arthur jegliche Form menschlicher Intelligenz vermissen lässt oder Perkins Gehilfe zu Wort kommt, der seine Dämlichkeit u.a. durch eine Sprechweise verkörpert, die ihn klingen lässt als befinde er sich im Stimmbruch. Diese Tiefpunkte schaffen es tatsächlich in all dem Irrsinn negativ herauszuragen.
Trotzdem nimmt man diese negativen Seiten des Streifens gerne in Kauf, ist Vohrer doch nicht nur ein äußerst unterhaltsamer Streifen geglückt, sondern zudem noch ein selbstreflektierender, der durchaus mehr Geist besitzt als sein äußerer Hokuspokus zunächst vermuten lässt. Wer genau hinschaut weiß wie raffiniert mancher Seitenhieb, Verweis und Storyaspekt ausgefallen ist. Und Vohrer versteht es zu unterscheiden welcher Handlungsmoment Ernsthaftigkeit benötigt und in welchem er gar so weit gehen darf die Barriere zwischen Fiktion und Wahrheit zu durchbrechen, z.B. wenn im Schluss-Gag die entführten Schönheiten alle Sir Arthur umgarnen und dabei jegliches ernsthafte Schauspiel über Bord werfen, so dass sich die Szene wie ein Jux während der Dreharbeiten schaut.
Vohrer schafft es diese unvereinbar scheinenden Extreme zu einem sehenswerten Ganzen zu verknüpfen und beschert dem Publikum zwar keinen atmosphärisch düsteren Grusel-Krimi mehr, jene Art Popkornfilm für welche die Rialto-Reihe zu ihren Schwarz/Weiß-Zeiten stand, stattdessen aber einen sympathischen, experimentell ausgefallenen Nonsens in Reinform, von dem sich Pseudointellektuelle mit der Begründung von Niveaulosigkeit in ihrem Tunnelblick abwenden werden, wohingegen der unvoreingenommene Beobachter erkennen kann dass auch in solcher Art Film Tiefe liegen kann.
Diese sollte man sicherlich nicht überbewerten, hauptsächlich geht es um den hohen Unterhaltungswert. Und der wird sowohl jenen beschert die das versteckte Niveau der Inszenierung erkennen können, als auch jenen die lediglich geistlos zusehen. Anbei gibt es in „Der Mann mit dem Glasauge“ noch einen kleinen Leckerbissen zu erleben: der sehr augenzwinkernd mit sichtbarer Spielfreude agierende Horst Tappert trifft hier 6 Jahre vor dem Start der Krimiserie „Derrick“ auf Fritz Wepper, eine legendäre Begegnung, dessen cineastische Tragweite sich in den 60er Jahren keiner bewusst war. OFDb
18.12.2015
MEIN MANN, DAS WIRTSCHAFTSWUNDER (1961)
Da aber selbst der etwas wackelige „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ funktionierte, trotz selbigen Problems, muss das noch nichts heißen. Aber auch als Film für sich betrachtet, losgelöst von den Stärken Erhardts, will mir „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ so gar nicht gefallen. Viel zu verkrampft konstruiert empfand ich den Plot, ohne dass aus dessen Übertreibung und Realitätsferne Humor, Charme oder eine innereigene Logik geerntet werden konnte. Zudem nervte mich so ziemlich jede weibliche Rolle durch ihr schrilles Auftreten (was zu den viel zu schrillen Stimmen passte) und durch ein vorgelebtes Frauenbild, das unglaublich frech wirken will, das weibliche Geschlecht jedoch nur beleidigt.
Zwar kommt das Männerbild nicht viel besser weg, aber die Klischees in denen ihre Charaktere baden dürfen wirken verspielt, augenzwinkernd, provokativ und die kleine Rolle Heinz Erhardt betreffend aufgrund ihrer Schwächen sogar sympathisch. Leider sind dies keine Stärken die den Film tragen können, fehlt es der leichtfüßig erzählten Komödie doch an Würde und brauchbarer Witze, geschweige denn gut gesetzter Pointen. Eine Menge unnötiger Singsang gibt einem schließlich den Rest. Und wer glaubt Hansi Kraus wäre als Pepe Nietnagel in den Lümmel-Filmen bereits etwas zu gewollt auf dreist getrimmt worden, der sollte sich die Darstellung von Cornelia Froboess als unartige 16jährige im hier besprochenen Werk besser nicht antun.
Somit ist „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ nicht nur eine Heinz Erhardt-Täuschung, sondern auch eine komödiantische Enttäuschung, der es an so ziemlich allem fehlt was den Charme der damaligen Lustspiele ausgemacht hat. OFDb
19.10.2014
EIN MANN GEHT DURCH DIE WAND (1959)
Zwar testet Buchsbaum seine Grenzen, tut verrückte Sachen und versucht mit seinem neuen Talent die Frau seines Herzens zu erobern, alles so wie es ein Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ getan hat, die Taten einer Rühmann-Figur werden jedoch nie wirklich ausgeflippt und arbeiten innerhalb der braven, konservativen Welt eines jeden Rühmann-Filmes, eine Welt mit einer Ur-Moral ohne Alternativen, der Welt des ehrlichen Durchschnittsbürgers, einer Welt der Tugend und Aufrichtigkeit. Die Orientierung seiner Figur ist die eines fast jeden Filmes mit ihm. Und wie so oft wird sie der fehlerhaften Welt gegenüber gestellt, die nicht so läuft wie sie es ethisch sollte.
Und in dieser Welt voller Normen und Bodenständigkeit wird selbst das durch die Wand laufen innerhalb seiner wahnsinnigen Idee in Grenzen gehalten. Aus dem sinnbildlichen Rat des durch die Wand schreiten sollens, wird das tatsächliche Können dieser Sache in der Realität. Anfangs ungern gesehen, später gerne genutzt, viel später als Unnötigkeit angesehen, meistert Buchsbaum mit dieser Fähigkeit eine Art Midlife Crisis, nur dass er sich keine bunten Hosen anzieht und junge Damen aufreißt, sondern sich zur Wehr setzt und seinen Mann steht.
Nachdem mit der neuen Fähigkeit in der Arbeitswelt für Gerechtigkeit gesorgt wird, erreicht „Ein Mann geht durch die Wand“ den obligatorischen Romantik-Bereich, in welchem wieder mal die soziale Ader Rühmanns zelebriert wird, die fast wichtiger erscheint als die Gefühle zu der Dame selbst. Aber so ist sie, die Welt der Rühmann-Filme, und so muss sie auch sein, schließlich erwartet man diese beim Einschalten eines seiner Werke. Mir würde sein moralisches Tun fehlen, zumal er es immer mit einem schelmischen Schmunzeln anreichert, was solche Filme schließlich rettet.
Neben typischer zwischenmenschlicher Schelmereien geht man diesmal, weil die Geschichte es auch erstmals zulässt, ebenso amüsiert mit der Grundthematik um. Man spielt mit dem Umgehen von Spezialeffekten, sich scheinbar darüber bewusst sein, dass die angewendeten nicht wirklich Gold wert sind, und man spielt mit den Tücken der Fähigkeit durch die Wand zu gehen, z.B. wenn ein Bild ungünstig hängt, oder die bequeme Pose des sich an die Wand Anlehnens nicht mehr angewandt werden kann.
Somit versprüht „Ein Mann geht durch die Wand“ auf verschiedenen Ebenen Komik, angereichert mit einem kleinen Hauch Dramatik, was zur Dosis Fantasy passt, die aufgrund der Thematik geringer ausgefallen ist, als man vermuten würde. Wie typisch für diese Art Film wird der Hintergrund der neu erlangten Fähigkeit nicht erörtert, auch wenn zumindest kurz darüber spekuliert wird, was zeitgemäß auf religiöser Ebene stattfindet. Und ähnlich wie in Murrays Vergleichsfilm wird das Fantastische der Geschichte wie ein Fluch behandelt, der nach der Läuterung des Betroffenen beendet ist.
„Ein Mann geht durch die Wand“ ist ruhig erzählt, zahm ausgefallen wie so ziemlich jede Rühmann-Komödie, und so wird sich jener heimisch fühlen, der die Werke des beliebten Schauspielers regelmäßig aufsucht. Freunde fantastischer Stoffe wird das ganze eventuell zu lahm oder brav vorkommen, aber auch die können, vorausgesetzt sie finden gefallen an der Nostalgie alter Filme, nett unterhalten werden.
Vajdas Film ist schließlich ein sympathisches Stück Kurzweile geworden, in welcher der Mensch im Zentrum steht mit all seinen Pros und Kontras, und dies im Retro-Gewandt schaut sich sehr angenehm, gerade mit Rühmann in der Hauptrolle. In gewisser Weise tut es gut zu erkennen, dass all dies was wir heute verfluchen schon damals Alltag war. Die Welt der Ethik und des Wettbewerbs ändert sich nicht, und sie wird sich nie ändern. Da wirkt „Ein Mann geht durch die Wand“ wie ein seelisches Trostpflaster - auch wenn er fälschlicher Weise an das Gute im Menschen glaubt und sich damit einer Träumerei hingibt. OFDb
07.09.2012
DER MÜDE THEODOR (1957)
Der bemühte Theodor...
„Der müde Theodor“ erweist sich jedoch selbst in seiner Nische der leichten Unterhaltung als besonders trivial, sind im Gegensatz zu solch netten Verwirrspielen wie beispielsweise in „Der große Blonde auf Freiersfüßen“ und "Schäm Dich, Brigitte!" die Verwechslungen doch arg konstruiert, während Situationen, in denen die Wahrheit ans Tageslicht zu kommen droht, sehr banal gelöst werden, manchmal, wenn auch überraschend, verfrüht durch tatsächliches Entdecken der Wahrheit.
Dass diese Lightversion eines ohnehin schon leichten Sub-Genres trotzdem kurzweilig zu unterhalten weiß, ohne den Zuschauer komplett zu unterfordern, liegt an der gelungenen Besetzung, allen voran freilich Heinz Erhardt, der von all seinen Künsten etwas zum besten geben darf. Neben der Schauspielerei darf man sich einige seiner Kurzgedichte anhören, und gesungen wird natürlich auch, was sich trotz der hervorgehobenen Künstlerthematik glücklicher Weise in Grenzen hält, wahrscheinlich da dieser Bereich nur die Grundlage dessen bietet, worauf die eigentliche Geschichte erst aufbaut.
Regie führte Géza von Cziffra, der allerhand Filme mit Peter Alexander drehte („Kriminaltango“, „Peter schießt den Vogel ab“, ...). Auch mit Heinz Erhardt verwirklichte er den ein oder anderen Film, und in „So ein Millionär hat‘s schwer“ brachte er beide Schauspieler zusammen unter. Ein Jahr nach „Mädchen mit schwachem Gedächtnis“, einer Zusammenarbeit mit Heinz Erhardt, drehte er „Der müde Theodor“, und dass immer wieder feste Schauspieler zu den Arbeiten des von Cziffra zurückkehrten, mag ein Ansatz auf die Frage sein, warum ein so triviales Werk wie das hier besprochene, doch noch als amüsant durchgeht. Das Team vor und hinter der Kamera schien zu passen, und so etwas sieht man dann auch dem fertigen Film an.
Seine Schwächen kann er deshalb jedoch nicht verschleiern. Gerade manch inhaltliche Lücke am Schluss weiß ein klein wenig zu verärgern. Dass der Drachen, die böse Ehefrau (ein typisches Klischee seiner Zeit) mit Narkosemitteln betäubt wird, um ihr eine Psychose zu unterstellen, ist schon harter Tobak. Dass sie den Braten jedoch gerochen hat und in ihrer Rolle als Hausfrau nun komplett aufgeht (Man beachte! Sie leitete zuvor einen Konzern), guckt sich in heutigen Zeiten der Emanzipation jedoch besonders fragwürdig. Ärgerlich ist jedoch die eben vorangekündigte Lücke, die sich daraus ergibt. Mit diesem heute so besonders bitter wirkenden Trick umgeht man mal eben das klärende Gespräch zwischen den beiden Kontrahenten, das aufgrund der vorangegangenen Geschehnisse recht schwierig anzugehen gewesen wäre.
Aber „Der müde Theodor“ ist nun einmal Trivialunterhaltung und nicht Goethe, und deswegen kann man trotz alledem ein Auge zudrücken, sich quasi so verhalten wie alle Figuren dieses Filmes. Eine geistige Verwandtschaft zum Zuschauer wird also vorausgesetzt. Zufrieden ist am Ende nur der, der die Mentalität des Streifens zu teilen weiß, zumindest einem schlichten Film gegenüber, der keine Kunst sein will und deswegen auch nicht wie Kunst behandelt werden will. Etwas mehr Mühe hätte man sich an den von mir kritisierten Stellen aber trotzdem ruhig geben können. Dann würde „Der müde Theodor“ an manchen Stellen nicht so bemüht wirken wie seine Titelfigur, die allerhand auf sich nimmt für etwas, das ihr eigentlich egal sein könnte. OFDb
