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14.09.2023

LIEBE, TANZ UND 1000 SCHLAGER (1955)

In diesem recht frühen Werk mit Peter Alexander ist der Musiker bereits ein bekannter Star, und darf sich selbst spielen. Dass er in der hier erzählten Geschichte als Schlüpferstürmer so berühmt ist, dass man sich nicht mehr traut ihm eine erwachsene Frau zur Seite zu stellen, was zu einem ähnlich verjüngenden Aufhänger wie in "Die Feuerzangenbowle" führt, könnte man voreilig als riskant, da rufschädigend bezeichnen, zumal Peter Alexander in der Realität den Ruf einer treuen Seele genoss. Aber wir reden von einer Zeit, in der es fesch und keck war alles Attraktive zu begatten, und man sieht dem guten Mann an, wie sehr er es genießt diese Rolle auf seine üblich charmante Art auszufüllen. Allerdings fällt seine Anwesenheit weit geringer aus, als man vermuten würde, denn vordergründig geht es um einen bislang erfolglosen Talentsucher und seine neue Entdeckung. Und so naiv diese Filmzeit in Deutschland, und insbesondere das Genre des Musikfilms, geradezu typisch war, so sehr wird doch genau dieser Bereich überstrapaziert. 

Die Art wie Talentsucher und zukünftiges Talent zusammen finden, das eher stillose Herumgehoppel der Dame, wenn sie freien Herzens singen darf, wie es ihre Natur geradezu verlangt, der Trick mit welchem man per Radio auf sich aufmerksam macht, und ganz besonders der angeblich kindliche Look einer offensichtlich erwachsenen Frau, das ist alles zu viel der Blauäugigkeit und raubt "Liebe, Tanz und 1000 Schlager" einiges von seinem Potential, trotz flotter Erzählung mit sympathischem Touch. Letztendlich ist der Streifen dann doch etwas zu austauschbar ausgefallen, um auf diese höchst naive Art zu funktionieren, angereichert mit arg viel Musik, selbst für diesen Typ Film, und zu wenig Peter Alexander bietend in für die dünne Story oft weniger entscheidenden Szenen. Etwas Herumgealber darf nicht fehlen, gerade bezüglich des neumodischen Campers mit Elektrofunktionen, aber gerade in solchen Szenen hätte ich lieber Alexander gesichtet, anstatt den Talentsucher. Unterfordert wirkt ebenfalls Hubert von Meyerinck als engstirniger Leiter einer Plattenfirma, der aber immerhin das Beste aus seinen Szenen macht, die ganz deutlich ihm gehören. Letztendlich interessiert man sich nicht wirklich für die Geschichte, und für eine Annäherung zwischen Caterina Valente und uns Peter leider auch nicht. Da gibt es definitiv romantischere Werke. Fans der hier anwesenden Prominenz oder des Genres an sich werden hingegen auf banaler Ebene zufrieden mit "Love, Dance and 1000 Songs" (Alternativtitel) sein.  Wiki

22.10.2021

HILFE, ICH BIN UNSICHTBAR (1951)

Man kann nicht gerade behaupten, dass "Hilfe, ich bin unsichtbar" auf direkten Weg zu seinem titelgebenden Aufhänger findet. Zwar ist es schön zu sehen, dass hier weder gehetzt wird, noch zusätzliche Faktoren der Geschichte vernachlässigt werden, aber es dauert schon arg lange bis Fritz unsichtbar wird, und auf dem Weg dahin versprüht er nicht gerade Sympathie. Das mag mitunter auch am Zeitgeist liegen, aber mit Augen von heute erscheint Fritz nicht schelmisch egoistisch, wie es z.B. bei diversen Rollen Peter Alexanders der Fall war, Fritz wiegt sein unsoziales Verhalten einfach mit nichts auf. Er mag ein sanfter Geldeintreiber sein, und seine stets kurzfristige Reue ist echt, aber warum seine Ehefrau so enorm an ihm hängt, das versteht man aufgrund seines wiederholenden Verhaltens nicht. Ebenso ergeht es einem mit eigentlich negativ gezeichneten Figuren, die den Phantasten nicht verstehen. Deren Sichtweise teilt man als Zuschauer eher, als jene der eigentlichen Identifikationsfigur Fritz. Zudem kommt die Geschichte trotz leichtfüßiger Erzählung etwas arg schleppend voran. Nichtigkeiten, wie der Streich des kleinen Jungen, ziehen die ohnehin schon umständlich schnörklig angegangene Chose unnötig in die Länge, ohne den Erzählwert damit zu bereichern. 

Und kommt die Geschichte endlich einmal an jenem Punkt an, auf den man so lange gewartet hat, überrascht "Help, I'm Invisible" (Alternativtitel) eher negativ mit dem schlichten Umgang der Thematik, wird sich doch nie richtig ins Unsichtbarsein hineingedacht und nutzt man diesen Bereich doch eher für manche Verwirrung aufgrund des wechselnden Zustands von sichtbar und unsichtbar sein, sowie für Humor bezüglich unmöglichen Verhaltens unter Alkoholeinfluss. Der erwachsene Kindskopf wird lediglich aufgeschreckt, hoffnungslos im Teufelskreis aus Alkohol und Nichtsichtbarsein gefangen, und selbst dieser Faktor wird nicht analytisch als Sinnbild für das Unsichtbarsein innerhalb des eigenen Umfeldes verarbeitet, sondern schlichtweg für zahme Scherze. Würden diese etwas treffsicherer ausfallen, gäbe es nicht wirklich etwas zu meckern, schließlich erwartet man hinter einem Projekt wie diesem, besetzt in der Hauptrolle mit Theo Lingen, ohnehin automatisch einen leichten Stoff. Aber für meinen Geschmack war das alles nicht lustig oder sympathisch genug, und der Erzählstrang selbst arg ungünstig gewählt. Sicher kann man sich den Streifen bei wenig Erwartung einmal geben, am besten mit einem Auge, während man noch nebenbei einer anderen Beschäftigung nachgeht (der ideale Bügelfilm?), aber man hat wahrlich nichts verpasst, wenn man die an sich gut besetzte Komödie ignoriert. Auch die Auflösung weiß nicht zu gefallen, zumal man sie aufgrund des Zeitpunkts, an dem das Titelthema beginnt, leicht vorhersehen kann und sie somit nur erneut  die Einfallslosigkeit des Autors unterstreicht. "Die unsichtbare Frau" war elf Jahre zuvor wesentlich kurzweiliger.  OFDb

23.09.2018

OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF (1968)

Franz Antel ist ein berüchtigter Regisseur der extrem albernsten Zeit deutschsprachiger Komödien. Neben diverser Sexpossen gehen auch billigste Kalauerfilme wie "Musik, Musik, da wackelt die Penne" auf sein Konto, und gerade mit diesem verglichen darf man doch erleichtert feststellen, dass "Otto ist auf Frauen scharf" weit weniger penetrant daher kommt als dieser. Freilich erhält man dieses Bild durch den direkten Vergleich, das hier besprochene Werk ist noch immer recht derb, wie typische Komödienvertreter dieser Zeit, mit Klamauk aufgebauscht. Aber gerade mit Blick auf Hauptdarsteller Gunther Philipp, der immer gern zum argen Überagieren neigt, überrascht der zurückgefahrene Ton, was aber freilich nur jenen Menschen auffallen kann, die des öfteren in Filmen dieser Art unterwegs sind. Ganz im Gegenteil zu allen Vorurteilen ist es sogar Philipp selbst, der in seiner Rolle als Otto zu überraschen weiß. Es ist nicht so, dass er nicht auch hier viele Möglichkeiten für ein theoretisch unnötiges Affentheater ausnutzen würde, aber man erkennt in seinem Spiel, ja selbst sogar in seinem Klamauk ein echtes Verständnis für die Rolle die er verkörpert und das macht bereits viel am unerwarteten Gelingen des Streifens aus.

Gelingen ist vielleicht ein wenig zu hochgegriffen, immerhin ist dies ein Franz Antel-Film, und da werden schräge Possen gern mit Humor verwechselt, Geschichten undurchdacht erzählt und vieles andere findet ebenso dilettantisch statt. Aber "Otto ist auf Frauen scharf" ist trotz dieser Eigenarten irgendwie anders. Es weht eine gewisse Unschuld über dem Projekt, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem ebenfalls recht amateurhaft ausgefallenem "Die Supernasen". Sicherlich ist die hier besprochene Komödie meilenweit davon entfernt ein professioneller und tatsächlich funktionierender Film zu sein, aber seine Unbedarftheit besitzt einen gewissen Charme, mal ausgelöst durch die Naivität, mal durch überraschend kreative Ideen, dann wieder aufgrund der sichtbaren Spielfreude aller Akteure. Was über allem diesem steht ist eine kindliche Mentalität, in der alles nicht so ernst gemeint ist wie es andere Filmschaffende nehmen würden. Trotz allerlei nackter Tatsachen bleiben selbst die "Erotikszenen" zahm, der Extremhumor ist freilich gar infantil ausgefallen, ebenso die Geschichte, die keine ist.

Die schmeißt schnell das Konzept des biederen Mannes, der für promiskuitiv gehalten wird, über Bord, um einen völlig wirren, undurchdachten Plot zu servieren, in dem keine der vielen Figuren irgendetwas in der Hand hätte um die Geschehnisse bewusst zu lenken. Der Zufall schwebt tatsächlich über allem. Otto wird zum gesuchten Millionenbetrüger, sein alter Schulfreund landet in der Klappse, Verwechslungen wie diese finden sich im Minutentakt im Film wieder, stets völlig überkonzipiert eingebracht, und da man dementsprechend auch kein Gefühl für psychologische Glaubwürdigkeit besitzt, verliebt sich die US-Dame freilich in den Casanova, wissendlich dass er einer ist. Und auch der verknocherte alte Otto gewinnt am Ende das Herz seiner neuen, jungen und attraktiven Sekretärin. Denn "Otto ist auf Frauen scharf" ist ein filmisch gewordener Altherrenwitz, so grausig und sympathisch zugleich wie eben solche, dies aufgrund der hohen Naivität und des kindlichen Charmes der über allem weht und aus einer eigentlich unangenehmen Chose etwas liebenswertes entstehen lässt. 

Immerhin ist der Film zahmer als der übliche Altherrenwitz, in manchen seiner Ideen überraschend treffsicherer als ein solcher, und so unbedarft und amateurhaft wie hier alles aneinander geleimt ist, kann man niemanden wirklich bös sein hier ein derart dilettantisches Werk auf die Nase gedrückt bekommen zu haben. Neben der sympathischen Hauptbesetzung mit Gunther Philipp sind es allerhand Nebenpersonen wie Hubert von Meryerinck, die für zusätzlich unschuldigen Charme sorgen. In einem Gastauftritt weiß auch der theoretisch völlig unwitzig und aggressiv komisch überdrehte Willy Millowitsch zu gefallen, was er der dazu passenden Inszenierung und dem Szenario in das er gepackt wurde zu verdanken hat, anstatt seinem überschätzten Talent. Und Heinz Erhardts Auftritt bildet wahrlich das Sahnehäubchen des Streifens, weiß aufgrund typischer Erhardt-Wortspielereien zu gefallen ("zahnlose Zuschauer") und aufgrund des kindlich anmutenden Parodie-Streiches rund um die Erfolgssendung "Wer bin ich". 

Gerade hier findet sich konzentriert angegangen jene unschuldige, kindlich komische Rezeptur wieder, die auch auf den überraschend gut funktionierenden Gesamtfilm zutrifft, freilich nur wenn man über seinen eigenen Schatten springen kann und einem solchen Extremklamaukfilm, aus geradezu typischen Tagen dieser Gattung Kino, eine echte Chance geben kann, anstatt ihn von Anfang an als Trash abzustempeln. Mag einiges auch eher unfreiwillig komisch sein, darauf reduzieren sollte man den Film nicht. "Otto ist auf Frauen scharf" ist eine wundervolle Unverschämtheit, eine sympathische Dreistigkeit sich Film nennen zu dürfen, und ein Glücksfall für Antel trotz allem vorhandenen Dilettantismus doch noch (und weil es so ist) zu funktionieren, nicht jedoch aufgrund einer bewussten Handlung oder Denkweise von Antels Arbeit. Das Ergebnis ist dem Zufall geschult. Inmitten vieler ähnlich angegangener Projekte (auch von Antel selbst) hebt sich dieser Film auf ungewöhnliche Art von der restlichen Nerverei ab, obwohl alles dafür spricht, dass auch er ein solcher Kandidat ist. Manches muss man einfach auf sich wirken lassen und akzeptieren, anstatt verzweifelt zu analysieren was den Unterschied ausmacht.  OFDb

14.07.2016

NEUES VOM HEXER (1965)

Die Rialto-Version des relativ oft verfilmten „Der Hexer“ war ein Kassenschlager, und so folgte nur ein Jahr später, erneut unter der Regie Alfred Vohrers, „Neues vom Hexer“, der ebfalls auf einem Roman von Edgar Wallace beruht und somit nicht eigens für die Kinoreihe erfunden wurde. Der Aufhänger ist weniger spektakulär als im Original, da etwas erzwungen wirkend. Aber das tut dem eigentlichen Film keinen Abbruch, ist doch nach der weit hergeholten Idee wie der Hexer ins Geschehen eingebunden wird, alles beim alten. Eine Familie wird nach und nach ermordet, der Hexer ist nicht der Täter und ermittelt auf seine Art. Da er wie gehabt ein Meister der Maskerade ist, weiß man nie hinter welchem Gesicht er sich verbirgt.

Das besitzt zwar nach wie vor seinen Reiz, meist vermutet man ihn jedoch an der richtigen Stelle. Inspektor Wesby jedoch auch, der stets schmunzelt wenn er den Hexer in einer seiner Rollen entdeckt, die erst kurz darauf als solche enttarnt werden. Somit ist es durchaus gewollt den Hexer früher zu erkennen als er offiziell enttarnt wird. Das gibt den Meinungsverschiedenheiten zwischen dem intelligenten Wesley und dem dusseligen Sir John eine zusätzliche Spielfläche, beraubt den Film jedoch um das mögliche Verwirrspiel um die Maskeraden des Hexers.

All zu hart braucht man mit „Neues vom Hexer“ jedoch nicht umgehen, ist er doch ein sympathischer Beitrag der Wallace-Reihe, mit Heinz Drache als Ermittler anstatt mit Joachim Fuchsberger besetzt, der aber immerhin im Zusammenhang mit einer Fotografie Higgins eine Erwähnung erhält. „Neues vom Hexer“ ist die einzige tatsächliche Fortsetzung eines vorangegangenen Kriminalfalls der Reihe und damit ein Unikum inmitten der Rialto-Wallace-Serie. Leider blieb der Film an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurück, so dass die noch in diesem Teil angekündigte Fortsetzung nie umgesetzt wurde und stattdessen zu „Der Bucklige von Soho“ umfunktioniert wurde.

Das ist insofern schade, als dass „Neues vom Hexer“ halbwegs offen endet und man sich schon eine Antwort auf die vom Gauner-Trio gestellte Frage am Schluss erhoffte, zielt die Schluss-Szene doch scheinbar darauf ab, dass der Hexer auch in Zukunft mit Scotland Yard zusammen kooperieren soll. Nun werden wir es nie erfahren.

„Neues vom Hexer“ wird gerne als die schwache Fortsetzung des ersten Teils bezeichnet. Ich mochte sie schon immer, früher sogar mehr als den beliebten ersten Teil, und ich bin bei meiner aktuellen Rückwärtssichtung der Rialto-Reihe schon gespannt wie mir der erste Teil diesmal gefallen wird, hat sich meine Einschätzung der einzelnen Filme seit meinen Sichtungen in den 90er Jahren doch gravierend verändert.

Vohrers zweiter Hexer-Streich ist auf jeden Fall ein amüsanter Zeitvertreib mit einigen kleinen typischen Vohrerspielereien (allein dieser Erholungsort, in dem jeder Gast zur Entspannung eine Tageszeitung auf dem Gesicht liegen hat, ist eine herrlich bescheuerte Idee) und so manchem bekannten Gesicht innerhalb der Reihe. Lediglich Kinski wirkt ein wenig verschenkt in seiner Rolle, auch wenn es theoretisch eine wundervolle Provokation ist gerade ihn als Butler zu besetzen - und dann auch noch diesen schrecklichen, zu seinem Beruf so gar nicht passenden, Bart tragend.  OFDb

DER BUCKLIGE VON SOHO (1966)

Der erste Farbfilm der Rialto-Wallace-Reihe entpuppt sich als großartig erzählter Mix aus mit Pulp-Elementen angereicherter Schundfilm, sowie als lustig und düster zugleich erzählter Kriminalfilm, ein Mix der in dieser Art eigentlich nur von Alfred Vohrer stammen kann, der diesen Typ Film in den kommenden Buntfilmen der Reihe später noch etwas experimenteller angehen sollte, dort jedoch immer mehr das düstere Element von „Der Bucklige von Soho“ fallen lassen sollte, was den hier besprochenen Film somit zu einer Besonderheit der Buntphase besagter Serie macht.

Ursprünglich soll „Der Bucklige von Soho“ einmal als dritter Teil von „Der Hexer“ angedacht gewesen sein, das sieht man der hier erzählten Geschichte jedoch nicht an. Es mag sein, dass manche dem Hexer angehaftete Tat der verworfenen Idee auf den titelgebenden Buckligen übertragen wurde. Der wandelt sich schließlich vom hirnlosen Befehleausführer zum Rächer in den eigenen Reihen, und wird damit nicht nur äußerlich, sondern auch von seinen Taten her, aus dem Horrorbereich des sich gegen seinen Schöpfer wendenden Monsters entliehen. Und genau durch diese Parallele zum unheimlichen Genre fällt selbst in den Rachemomenten an der Unterwelt die mögliche verworfene Hexer-Herkunft nicht auf.

Wie auch immer, Vohrer erkennt bereits hier, dass ein Wallace-Film nicht wie bisher erzählt werden muss, wenn er eine Farbumsetzung erhält. Und somit taucht er das Geschehen bereits hier in schrille Farben, die sicherlich auch seiner Zeit geschult sind in Sachen Deko und Mode, aber dennoch provozierend und Effekt-orientiert von dem Regisseur ins Szenario eingebettet wurden.

Stilistisch wandelt sich der Streifen von einem überraschend stark humoristisch traditionellen Kriminalfilm zu einem immer düster werdenden Spektakel voll von abgedrehten Bonbons, als da wären überall versteckte Mikrophone und Geheimgänge, Arbeitersklavenhaltungen in einem Frauenheim und viele andere kunterbunte Gimmicks, die immer nah am reißerischen Schundfilmbereich orientiert sind, aber doch recht zweckmäßig der Gesamtgeschichte zugefügt wurden und somit nicht rein dem Selbstzweck dienen.

Wo andere den Pulp-Gehalt in die humoristische Phase gesteckt hätten, und den traditionellen Kriminal-Teil düster gehalten hätten, da erkennt Vohrer den Reiz genau Gegenteiliges zu veranstalten und teilweiser sogar zu vermischen. Als besonders reizvoll erscheint aufgrund dieser Vorgehensweise die Besetzung Eddi Arents in seiner vorletzten Rolle der Reihe als Bösewicht, so dass der Zuschauer zunächst den klassischen humoristischen Sidekick-Arent präsentiert bekommt, bevor dieser sich im Laufe der Handlung zu einem düster dreinblickenden Strippenzieher wandelt und dem damaligen Publikum damit sicherlich eine düstere Überraschung bescherte, auch wenn er sich in „Der unheimliche Mönch“ zuvor ebenfalls (und dort erstmals) als Bösewicht entpuppte.

Wirkt der Bucklige im direkten Vergleich zu den üblichen titelgebenden Fieslingen im Wallace-Universum eingangs doch eher  enttäuschend, da nicht sonderlich agil oder raffiniert, so entpuppt sich diese Figur schließlich doch noch als sehr interessant und vielschichtig, allein schon aufgrund ihres tragischen Gehalts, den man ebenfalls aus dem Horrorbereich entlieh. Diese Ernsthaftigkeit, die in diesen eigentlich grotesk wirkenden Buckligen investiert wird, ist nur ein Paradebeispiel dafür, wie Vohrer dies in so ziemlich alle Elemente des Streifens anwendet. Trotz aller Verspieltheit ist „Der Bucklige von Soho“ in einer düsteren und tragischen Ernsthaftigkeit gehalten, die dafür sorgt dass man seinen vor Unsinnigkeiten angereicherten Plot nie wirklich belächeln würde.

Das liegt aber auch daran, dass Vohrer uns die hier aufgezeigten Schicksale ernsthaft spüren lässt und nicht nur zum Comic-haften Gimmick verkommen lässt. Das Leben und die Arbeit im Heim ist höchst unangenehm. Die Unterdrückung durch die dort Herrschenden ist ebenso spürbar wie die Wut und der Frust der Bewohnerinnen. Die Aussichtslosigkeit der Situation in der sich Wanda befindet ist spürbar, das Rachegefühl des Würgers ist nachvollziehbar, und man kann sogar mit den größten Fieslingen mitfühlen, wenn diese gegen Ende eiskalt verraten werden. Selbst das grellbunte, an einen James Bond-Film erinnernde, Gimmick des Folterstuhls, für den das Element des Feuers eine wichtige Rolle spielt, wirkt nicht nur als verspielte Übertreibung, sondern auch als spürbare Bedrohung, da sich jeder Zuschauer in diese Art Folter hineinversetzen kann.

Vohrer ist somit ein wundervoller, da spürbar düsterer, wie tragischer, und trotzdem humorvoller Beitrag der Reihe geglückt, dem ich lediglich vorwerfe, dass er seine letzte Wendung nicht mehr benötigt hätte. Die Geschichte war zu Ende erzählt, und die letzte Aufdeckung bezog sich nicht auf vorhandene Lücken in der Handlung oder auf besonders wichtige Figuren. Somit hätte man diese Szene tatsächlich weglassen können, ohne etwas am Rest des Filmes verändern zu müssen. Letztendlich schadet dieser unnötige Schluss dem Streifen nur leicht, eben weil es nur ein erweitertes Ende ist, aber ein wenig ärgerlich schaut sich dieses Anhängsel schon.  OFDb

19.06.2016

IM BANNE DES UNHEIMLICHEN (1968)

Während Sir Arthur ganz offiziell als Nachfolger des pensionierten Sir John eingeführt wird, und dabei bereits mit seinem Humor punkten kann, der noch nicht so zotig ausgefallen ist wie bei seinen zwei weiteren Auftritten in „Der Gorilla von Soho“ und „Der Mann mit dem Glasauge“, ermittelt Inspektor Higgins das letzte Mal für die Rialto-Wallace-Reihe. Zwar kehrte Joachim Fuchsberger im vorletzten Teil der Serie noch einmal für den deutsch-italienischen Giallo „Das Geheimnis der grünen Stecknadel" zurück, dies jedoch in einer anderen Rolle und zu einer Zeit, in welcher die Filme nichts mehr mit der eigentlichen Kriminalfilm-Reihe zu tun hatten.

Alfred Vohrer, der  für alle der letzten klassischen Wallace-Filme verantwortlich war, dreht die Schraube der abgedrehten Elemente erneut ein wenig auf. War der Vorgänger „Der Hund von Blackwood Castle“ noch der Versuch die stimmigen Schwarz/Weiß-Grusel-Krimis der Reihe mit dem schrilleren Stil der Buntphase zu vereinen, so kommt „Im Banne des Unheimlichen“ bereits viel eher wie eine absichtlich alberne Jahrmarktsattraktion daher, zwar noch weit entfernt von der Komödienvariante eines „Der Mann mit dem Glasauge“, aber schon wesentlich irrsinniger inszeniert als sein eigener Nachfolger „Der Gorilla von Soho“.

Higgins selbst wird comichafter dargestellt als üblicher Weise, pustet sinnlos in Trillerpfeifen und hübsche Damen, kann keinem weiblichen Arsch optisch widerstehen und bringt herrlich dämliche Sprüche, z.B. dann wenn er endlich sein Versprechen einhält mit der Sekretärin Sir Arthurs auszugehen, sie ihn im Restaurant bittet er möge nicht ans Telefon gehen, und Higgins flappsig damit kontert es könne sich ja eine attraktivere Frau am anderen Ende der Leitung befinden.

Zum alberneren Grundton gesellt sich zudem eine zentrale Mördermaskerade, die selbst in der Rialto Reihe, welche vor Fröschen, Bogenschützen, Gorillas und Mönchen mit Peitschen nicht Halt machte, ihresgleichen sucht. Das Totenkopfgesicht, welches mit Hut und langen Haaren so aussieht wie es sicherlich auch Udo Lindenberg bald tut, zumindest mit Blick auf das Cover dessen aktuell erschienender CD, wirkt in Nahaufnahmen tatsächlich trotz aller comichafter Verspieltheit noch halbwegs mystisch, selbst dann wenn es schwer ausatmend den Mund weit öffnet. Um so lächerlicher wirkt diese Maskerade wenn der Totenkopfmann reichlich agil hinfort laufen darf, was er öfter macht als es für eine Gruselwirkung gut für ihn wäre.

Erstaunlicher Weise wird dies gar nicht zum Nachteil des Streifens, eben weil der Grundton viel augenzwinkernder ausgefallen ist als ohnehin schon und Vohrer inszenatorisch deutlich macht, dass der Spaßfaktor im Vordergrund steht. Ein ernstzunehmender Grusel-Krimi soll „The Zombie Walks“ (Alternativtitel) gar nicht sein. Er ist als Parodie eines solchen gedacht, wenn auch noch nicht als lupenreine Komödie ausgelegt wie Vohrers letzter Streich der Reihe.

Ein souverän spielender Joachim Fuchsberger und ein wie immer gut agierender, wenn auch etwas unterforderter, Wolfgang Kieling sorgen dafür, dass das Niveau trotz alledem nicht ganz nach unten rutscht. Das Drehbuch hingegen puzzelt zum Finale hin einen scheinbar in der Not geborenen Erklärungsversuch der ganzen Umstände zusammen, die halbwegs erklären sollen was die ganze Geisterbahn-Parade nun eigentlich sollte. Es braucht also nicht verwundern, dass gerade Befürworter der Schwarz/Weiß-Phase mit „Hand of Power“ (Alternativtitel) so gar nichts anfangen können.

Was diese als Schwächen von „Im Banne des Unheimlichen“ ansehen, erkenne ich als Stärke innerhalb eines Streifens, der mir im direkten Vergleich mit seinem affigen Nachfolger besser gefällt, u.a. weil er innovativer und verspielter ausgefallen ist als dieser. Der Gorilla wirkte eher wie der Versuch mit kleinen Spielereien einen solchen Touch vorgaukeln zu wollen, der hier besprochene Film befindet sich jedoch mitten drin im provokativ anarchistischen, augenzwinkerndem Umgang mit sämtlichen Wallace-Elementen.

Was „Der Hund von Blackwood Castle“ mit seinen herrlich skurrilen Gimmicks bereits vorbereitet hat, nimmt „Im Banne des Unheimlichen“ auf und erweitert diesen Stil durch das Entfernen jeglicher ernsthaft stimmigen Gruselszenen. Damit ist er ein ehrlicher und selbstreflektierender Beitrag der Wallace-Reihe, ein Mut der den Anfang vom Ende bedeuten sollte, denn die Kinogänger von einst waren Innovationen gegenüber längst nicht so aufgeschlossen wie es Regisseur Alfred Vohrer war.  OFDb

04.06.2016

DER GORILLA VON SOHO (1968)

Bereits sieben Jahre zuvor verfilmte Alfred Vohrer den hier vorliegenden Stoff als „Die toten Augen von London“, damals noch in Schwarz/Weiß gedreht. In der schrilleren Buntphase der Rialto-Wallace-Reihe nahm er erneut hierfür auf den Regiestuhl Platz. Wie typisch für die späte Phase der Reihe kommt „Der Gorilla von Soho“ peppiger daher als die früheren deutlich düsteren Grusel-Krimis. Im Vergleich mit dem ein Jahr später von Vohrer umgesetzten letzten Wallace-Film dieser Dekade, „Der Mann mit dem Glasauge“, hält sich der hier besprochene Film jedoch noch mit seinem Affentheater zurück.

Zwar bestimmen abgedrehte Komponenten den Streifen, so der im Titel genannte Gorilla, ein Club in dem Nachwuchsmaler Nackedeis mit Hilfe lebender Modelle zeichnen und Gimmicks wie ein Maschinengewehr in einem Geldschrank, darauf vorbereitet es mit einem äußerlich wie inhaltlich kunterbunten Film zu tun zu haben kommt einem das Ganze im Vergleich jedoch noch nicht völlig überzogen vor. Immerhin darf es noch Szenen im nebligen London geben, die Geschichte driftet nur selten für unnötige Spielereien von der zentralen Kriminalgeschichte ab, und noch ist es auch das Genre des Kriminalfilms das dominiert. Der humoristische Gehalt plätschert leicht im Hintergrund vor sich hin. Auch dies sollte sich im Folgefilm ändern.

Mit Vohrers Original aus dem Jahre 1961 kann „Der Gorilla von Soho“ nicht mithalten, und das behaupte ich als jemand der sowohl mit der alten, als auch mit der bunten Phase der Wallace-Reihe etwas anfangen kann. Hartgesottenen Freunden der Serie ist die Buntdekade ohnehin ein Dorn im Auge. Unabhängig davon trumpfte die deutsche Erstverfilmung einfach mit seinem düsteren stimmigen Look, da kann sich der noch halbwegs zurückhaltende farbige Popkorn-Stil nicht gegen durchsetzen. Zumindest versucht Vohrer gar nicht erst die erneute Verfilmung ebenfalls düster wirken zu lassen. Er verlässt sich diesmal mehr auf das hier agierende Personal und die kleinen sleazy Gimmicks, vermischt auch gerne mal beides, wie die Figur des immer Sonnebrille tragenden Kriminellen zeigt, oder noch mehr die Figur die unter dem Gorillakostüm steckt und deren Identifikation im Gegensatz zu den üblichen Beiträgen der Reihe diesmal kein Geheimnis ist.

Die Verspieltheit der zweiten Vohrer-Verfilmung zeigt sich zudem in mancher Namensgebung. Da gibt es z.B. einen Dr. Jeckyll. Und ob man von Zufall sprechen kann, dass ein gewisser Sergeant ausgerechnet Pepper heißt, so wie im berühmten Song und Album der Beatles, lässt sich in diesem Zusammenhang wohl deutlich verneinen. Horst Tappert spielt seinen Charakter als Hauptermittler bereits humoristisch angereichert, aber noch nicht so penetrant (weiterhin angenehm lustig) wie nur einen Film später. Ihm zur Seite steht ein anders besetzter Gehilfe, der nicht besser und nicht schlechter wirkt als sein Nachfolger. Und Hubert von Meyerincks Interpretation seines Sir Arthur scheidet in seiner völlig überzogenen Art seit je her die Geister.

Überraschen darf ausnahmsweise einmal Uschi Glas, die freilich nicht urplötzlich gelernt hat zu schauspielern. Aber dadurch dass sie gerade in den ersten beiden Dritteln wenig redet und oftmals nur verschmitzt gucken darf, gelingt zumindest kurzfristig des öfteren die Illusion der süßen, zierlichen Schönheit, obwohl sie in ihrer plumpen Art doch nie die Klasse von Karin Dor und Co erreichen könnte. Somit ist ihr hier vorliegendes akzeptables Ergebnis schon weitaus besser ausgefallen, als alles was sie in allen anderen Werken, die ich je mit ihr bislang sichten durfte, zu bieten hatte.

Auf der Seite der Kriminellen sticht diesmal niemand als besonders nennenswert hervor, das ist ein deutlicher Schwachpunkt von „Gorilla Gang“ (Alternativtitel). Aber so oder so schippert „Ape Creature“ (Alternativtitel) nur angenehm vor sich hin, ist quasi nur im Vorspann so konsequent flippig wie sein Nachfolger, fällt aber zumindest sympathisch genug aus, so dass man so kurz nach „Die toten Augen von London“ den selben Stoff noch einmal fern jedem Anflug von Langeweile amüsiert folgen kann. Das ist insofern positiv zu sehen, als dass „Der Gorilla von Soho“ trotz deutlicher Veränderungen noch genügend wiederholende Elemente beherbergt, die diesem positiven Ergebnis nach so wenigen Jahren auch hätten negativ entgegen wirken können.  OFDb

28.05.2016

DER MANN MIT DEM GLASAUGE (1969)

Mit „Der Mann mit dem Glasauge“ ging eine Ära zu Ende. Zwar wurde der letzte klassisch ausgefallene Beitrag der Rialto Wallace-Reihe, „Die Tote aus der Themse“, erst 1971 gedreht, aber der war nach dem Erfolg von Argentos „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ nur der Versuch die Reihe nach zwei Jahren wiederzubeleben, was scheiterte, so dass nach ihm lediglich noch zwei Giallos folgten, die sich so stark von der restlichen Wallace-Serie, egal welcher Dekade, distanzierten wie der in den zwei Jahre Pause entstandene „Das Gesicht im Dunkeln“, der ein alleinstehendes Unikum im Wallace-Universum blieb.

Der theoretisch richtige Abschluss der Reihe, der stilistisch für all das steht wofür die in Farbe gedrehten Filme der Wallace-Reihe berüchtigt sind, ist eigentlich „Der Mann mit dem Glasauge“, der von dem die Reihe mit prägenden Alfred Vohrer inszeniert wurde, was Kennern des Mannes einen sehenswerten Abschluss verspricht, ist dieser Regisseur doch nicht nur ein einfallsreicher und talentierter Mann seines Fachs, in seiner letzten Arbeit für die Reihe zieht er zudem noch einmal alle Register und liefert für die Wallace-Reihe in etwa das ab, was „Octopussy“ Jahre später für die James Bond-Reihe wurde.

Ein solch knallbuntes Feuerwerk an schrägen Attraktionen hat man in dieser Vielfalt scheinbar nicht einmal in der dafür bekannten Buntphase der Rialto-Wallace-Filme erlebt. Fast schon überladen tummeln sich hier Tänzer, Bauchredner und Messerwerfer, wir wohnen einer Prügelorgie bei die aus der „Batman“-Serie der 60er Jahre hätte stammen können, der Bösewicht darf auf Mabuse-Art in seinem Versteck alles über Monitore verfolgen, es wimmelt vor doppelten Böden, Scherzartikeln, Skrupellosigkeiten und Gangster-Klischees. Und wenn recht spät selbst noch der Stereotyp einer skrupellosen Adligen mit dem Klischee der endlosen Frauen-verhassten Mutterliebe gekreuzt wird, dann erkennt auch der Letzte wie augenzwinkernd Vohrer die vergangenen, ernsteren Beiträge der Reihe auf die Schippe nimmt.

Das Ergebnis ist zugegebener Maßen recht albern ausgefallen, zotig wird es jedoch nur selten, z.B. dann wenn Sir Arthur jegliche Form menschlicher Intelligenz vermissen lässt oder Perkins Gehilfe zu Wort kommt, der seine Dämlichkeit u.a. durch eine Sprechweise verkörpert, die ihn klingen lässt als befinde er sich im Stimmbruch. Diese Tiefpunkte schaffen es tatsächlich in all dem Irrsinn negativ herauszuragen.

Trotzdem nimmt man diese negativen Seiten des Streifens gerne in Kauf, ist Vohrer doch nicht nur ein äußerst unterhaltsamer Streifen geglückt, sondern zudem noch ein selbstreflektierender, der durchaus mehr Geist besitzt als sein äußerer Hokuspokus zunächst vermuten lässt. Wer genau hinschaut weiß wie raffiniert mancher Seitenhieb, Verweis und Storyaspekt ausgefallen ist. Und Vohrer versteht es zu unterscheiden welcher Handlungsmoment Ernsthaftigkeit benötigt und in welchem er gar so weit gehen darf die Barriere zwischen Fiktion und Wahrheit zu durchbrechen, z.B. wenn im Schluss-Gag die entführten Schönheiten alle Sir Arthur umgarnen und dabei jegliches ernsthafte Schauspiel über Bord werfen, so dass sich die Szene wie ein Jux während der Dreharbeiten schaut.

Vohrer schafft es diese unvereinbar scheinenden Extreme zu einem sehenswerten Ganzen zu verknüpfen und beschert dem Publikum zwar keinen atmosphärisch düsteren Grusel-Krimi mehr, jene Art Popkornfilm für welche die Rialto-Reihe zu ihren Schwarz/Weiß-Zeiten stand, stattdessen aber einen sympathischen, experimentell ausgefallenen Nonsens in Reinform, von dem sich Pseudointellektuelle mit der Begründung von Niveaulosigkeit in ihrem Tunnelblick abwenden werden, wohingegen der unvoreingenommene Beobachter erkennen kann dass auch in solcher Art Film Tiefe liegen kann.

Diese sollte man sicherlich nicht überbewerten, hauptsächlich geht es um den hohen Unterhaltungswert. Und der wird sowohl jenen beschert die das versteckte Niveau der Inszenierung erkennen können, als auch jenen die lediglich geistlos zusehen. Anbei gibt es in „Der Mann mit dem Glasauge“ noch einen kleinen Leckerbissen zu erleben: der sehr augenzwinkernd mit sichtbarer Spielfreude agierende Horst Tappert trifft hier 6 Jahre vor dem Start der Krimiserie „Derrick“ auf Fritz Wepper, eine legendäre Begegnung, dessen cineastische Tragweite sich in den 60er Jahren keiner bewusst war.  OFDb

18.12.2015

MEIN MANN, DAS WIRTSCHAFTSWUNDER (1961)

„Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ wird in einer DVD-Box als einer der großen Erfolge des Komikers Heinz Erhardt verkauft und beworben, und da erwartet man einen gewissen grundlegenden Charme, der die Komödien des heute noch so beliebten Mimen von unbedeutenden Beiträgen des Genres damaliger Zeit trennte. Da Erhardt jedoch nur eine relativ kleine Nebenrolle spielt, kann der Film von Regisseur Ulrich Erfurth die vorgegaukelten Erwartungen nicht erfüllen.

Da aber selbst der etwas wackelige „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ funktionierte, trotz selbigen Problems, muss das noch nichts heißen. Aber auch als Film für sich betrachtet, losgelöst von den Stärken Erhardts, will mir „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ so gar nicht gefallen. Viel zu verkrampft konstruiert empfand ich den Plot, ohne dass aus dessen Übertreibung und Realitätsferne Humor, Charme oder eine innereigene Logik geerntet werden konnte. Zudem nervte mich so ziemlich jede weibliche Rolle durch ihr schrilles Auftreten (was zu den viel zu schrillen Stimmen passte) und durch ein vorgelebtes Frauenbild, das unglaublich frech wirken will, das weibliche Geschlecht jedoch nur beleidigt.

Zwar kommt das Männerbild nicht viel besser weg, aber die Klischees in denen ihre Charaktere baden dürfen wirken verspielt, augenzwinkernd, provokativ und die kleine Rolle Heinz Erhardt betreffend aufgrund ihrer Schwächen sogar sympathisch. Leider sind dies keine Stärken die den Film tragen können, fehlt es der leichtfüßig erzählten Komödie doch an Würde und brauchbarer Witze, geschweige denn gut gesetzter Pointen. Eine Menge unnötiger Singsang gibt einem schließlich den Rest. Und wer glaubt Hansi Kraus wäre als Pepe Nietnagel in den Lümmel-Filmen bereits etwas zu gewollt auf dreist getrimmt worden, der sollte sich die Darstellung von Cornelia Froboess als unartige 16jährige im hier besprochenen Werk besser nicht antun.

Somit ist „Mein Mann, das Wirtschaftswunder“ nicht nur eine Heinz Erhardt-Täuschung, sondern auch eine komödiantische Enttäuschung, der es an so ziemlich allem fehlt was den Charme der damaligen Lustspiele ausgemacht hat.  OFDb

19.10.2014

EIN MANN GEHT DURCH DIE WAND (1959)

Heinz Rühmann sieht man eigentlich nie in übernatürlichen Stoffen agieren. Der Fantasy-Gedanke jemand könne durch Wände gehen wirkt mit ihm in der Hauptrolle fremd. Das verrückteste jenseits der möglichen Realität in einem seiner sonstigen Filme dürften die Träumereien seiner Filmtochter in „Der Lügner“ gewesen sein, wenn er einen Astronaut im All spielt oder den Chef des Weltrates. Die Geschichten in denen er mitspielt sind immer bodenständiger Natur. Und so wundert es nicht, dass es „Ein Mann geht durch die Wand“ trotz des fantastischen Elements im Zentrum vom Grundton her ebenfalls ist.

Zwar testet Buchsbaum seine Grenzen, tut verrückte Sachen und versucht mit seinem neuen Talent die Frau seines Herzens zu erobern, alles so wie es ein Bill Murray in „Und täglich grüßt das Murmeltier“ getan hat, die Taten einer Rühmann-Figur werden jedoch nie wirklich ausgeflippt und arbeiten innerhalb der braven, konservativen Welt eines jeden Rühmann-Filmes, eine Welt mit einer Ur-Moral ohne Alternativen, der Welt des ehrlichen Durchschnittsbürgers, einer Welt der Tugend und Aufrichtigkeit. Die Orientierung seiner Figur ist die eines fast jeden Filmes mit ihm. Und wie so oft wird sie der fehlerhaften Welt gegenüber gestellt, die nicht so läuft wie sie es ethisch sollte.

Und in dieser Welt voller Normen und Bodenständigkeit wird selbst das durch die Wand laufen innerhalb seiner wahnsinnigen Idee in Grenzen gehalten. Aus dem sinnbildlichen Rat des durch die Wand schreiten sollens, wird das tatsächliche Können dieser Sache in der Realität. Anfangs ungern gesehen, später gerne genutzt, viel später als Unnötigkeit angesehen, meistert Buchsbaum mit dieser Fähigkeit eine Art Midlife Crisis, nur dass er sich keine bunten Hosen anzieht und junge Damen aufreißt, sondern sich zur Wehr setzt und seinen Mann steht.

Nachdem mit der neuen Fähigkeit in der Arbeitswelt für Gerechtigkeit gesorgt wird, erreicht „Ein Mann geht durch die Wand“ den obligatorischen Romantik-Bereich, in welchem wieder mal die soziale Ader Rühmanns zelebriert wird, die fast wichtiger erscheint als die Gefühle zu der Dame selbst. Aber so ist sie, die Welt der Rühmann-Filme, und so muss sie auch sein, schließlich erwartet man diese beim Einschalten eines seiner Werke. Mir würde sein moralisches Tun fehlen, zumal er es immer mit einem schelmischen Schmunzeln anreichert, was solche Filme schließlich rettet.

Neben typischer zwischenmenschlicher Schelmereien geht man diesmal, weil die Geschichte es auch erstmals zulässt, ebenso amüsiert mit der Grundthematik um. Man spielt mit dem Umgehen von Spezialeffekten, sich scheinbar darüber bewusst sein, dass die angewendeten nicht wirklich Gold wert sind, und man spielt mit den Tücken der Fähigkeit durch die Wand zu gehen, z.B. wenn ein Bild ungünstig hängt, oder die bequeme Pose des sich an die Wand Anlehnens nicht mehr angewandt werden kann.

Somit versprüht „Ein Mann geht durch die Wand“ auf verschiedenen Ebenen Komik, angereichert mit einem kleinen Hauch Dramatik, was zur Dosis Fantasy passt, die aufgrund der Thematik geringer ausgefallen ist, als man vermuten würde. Wie typisch für diese Art Film wird der Hintergrund der neu erlangten Fähigkeit nicht erörtert, auch wenn zumindest kurz darüber spekuliert wird, was zeitgemäß auf religiöser Ebene stattfindet. Und ähnlich wie in Murrays Vergleichsfilm wird das Fantastische der Geschichte wie ein Fluch behandelt, der nach der Läuterung des Betroffenen beendet ist.

„Ein Mann geht durch die Wand“ ist ruhig erzählt, zahm ausgefallen wie so ziemlich jede Rühmann-Komödie, und so wird sich jener heimisch fühlen, der die Werke des beliebten Schauspielers regelmäßig aufsucht. Freunde fantastischer Stoffe wird das ganze eventuell zu lahm oder brav vorkommen, aber auch die können, vorausgesetzt sie finden gefallen an der Nostalgie alter Filme, nett unterhalten werden.

Vajdas Film ist schließlich ein sympathisches Stück Kurzweile geworden, in welcher der Mensch im Zentrum steht mit all seinen Pros und Kontras, und dies im Retro-Gewandt schaut sich sehr angenehm, gerade mit Rühmann in der Hauptrolle. In gewisser Weise tut es gut zu erkennen, dass all dies was wir heute verfluchen schon damals Alltag war. Die Welt der Ethik und des Wettbewerbs ändert sich nicht, und sie wird sich nie ändern. Da wirkt „Ein Mann geht durch die Wand“ wie ein seelisches Trostpflaster - auch wenn er fälschlicher Weise an das Gute im Menschen glaubt und sich damit einer Träumerei hingibt.  OFDb

07.09.2012

DER MÜDE THEODOR (1957)

Rosa Hagemann, welche die Marmeladenfirma ihres Vaters geerbt hat, ist verärgert. Immer wieder gibt ihr Ehemann Theodor Geld für erfolglose Künstler aus. Als sie auf Geschäftsreise muss, streicht sie ihm deswegen alle finanziellen Mittel, und das gerade jetzt, wo Theodor eine junge Musikerin unterstützen muss, damit sie nicht ihr Klavier verliert. Geld ist dank des Pfandhauses schnell aufgetrieben, doch um die Wertgegenstände pünktlich genug vor der Rückkehr von Rosa zurück kaufen zu können, nimmt Theodor einen Nachtjob in einem Hotel an. Dies stellt sich als eine Entscheidung mit allerhand Verwicklungen heraus, in deren Verlauf auch sein Neffe, seine Tochter, deren Verlobter und die unterstützte junge Musikerin für Verwirrungen und Schwierigkeiten sorgen...

Der bemühte Theodor...
 
21 Jahre nach dem gleichnamigen Original schlüpfte Heinz Erhardt in die Rolle von Weiß-Ferdl und mimt Theodor Hagemann, die Hauptfigur dieses Filmes nach einem Bühnenstück. Dies orientiert sich wie so viele Lustspiele an den Irrungen und Verwirrungen einer banalen Grundlage, was allgemein als beliebtes Rezept gilt.

„Der müde Theodor“ erweist sich jedoch selbst in seiner Nische der leichten Unterhaltung als besonders trivial, sind im Gegensatz zu solch netten Verwirrspielen wie beispielsweise in „Der große Blonde auf Freiersfüßen“ und "Schäm Dich, Brigitte!" die Verwechslungen doch arg konstruiert, während Situationen, in denen die Wahrheit ans Tageslicht zu kommen droht, sehr banal gelöst werden, manchmal, wenn auch überraschend, verfrüht durch tatsächliches Entdecken der Wahrheit.

Dass diese Lightversion eines ohnehin schon leichten Sub-Genres trotzdem kurzweilig zu unterhalten weiß, ohne den Zuschauer komplett zu unterfordern, liegt an der gelungenen Besetzung, allen voran freilich Heinz Erhardt, der von all seinen Künsten etwas zum besten geben darf. Neben der Schauspielerei darf man sich einige seiner Kurzgedichte anhören, und gesungen wird natürlich auch, was sich trotz der hervorgehobenen Künstlerthematik glücklicher Weise in Grenzen hält, wahrscheinlich da dieser Bereich nur die Grundlage dessen bietet, worauf die eigentliche Geschichte erst aufbaut.

Regie führte Géza von Cziffra, der allerhand Filme mit Peter Alexander drehte („Kriminaltango“, „Peter schießt den Vogel ab“, ...). Auch mit Heinz Erhardt verwirklichte er den ein oder anderen Film, und in „So ein Millionär hat‘s schwer“ brachte er beide Schauspieler zusammen unter. Ein Jahr nach „Mädchen mit schwachem Gedächtnis“, einer Zusammenarbeit mit Heinz Erhardt, drehte er „Der müde Theodor“, und dass immer wieder feste Schauspieler zu den Arbeiten des von Cziffra zurückkehrten, mag ein Ansatz auf die Frage sein, warum ein so triviales Werk wie das hier besprochene, doch noch als amüsant durchgeht. Das Team vor und hinter der Kamera schien zu passen, und so etwas sieht man dann auch dem fertigen Film an.

Seine Schwächen kann er deshalb jedoch nicht verschleiern. Gerade manch inhaltliche Lücke am Schluss weiß ein klein wenig zu verärgern. Dass der Drachen, die böse Ehefrau (ein typisches Klischee seiner Zeit) mit Narkosemitteln betäubt wird, um ihr eine Psychose zu unterstellen, ist schon harter Tobak. Dass sie den Braten jedoch gerochen hat und in ihrer Rolle als Hausfrau nun komplett aufgeht (Man beachte! Sie leitete zuvor einen Konzern), guckt sich in heutigen Zeiten der Emanzipation jedoch besonders fragwürdig. Ärgerlich ist jedoch die eben vorangekündigte Lücke, die sich daraus ergibt. Mit diesem heute so besonders bitter wirkenden Trick umgeht man mal eben das klärende Gespräch zwischen den beiden Kontrahenten, das aufgrund der vorangegangenen Geschehnisse recht schwierig anzugehen gewesen wäre.
 
Auch der ausgetrickste Schwiegersohn erlebt keine Wiedergutmachung des Verbrechens seines Vaters und hat sich wohl mit der Karriere in der Keksfabrik abgefunden. Eigentlich wollte er sich beruflich musikalisch orientieren. Wahrscheinlich dachte sich der Autor des Films, sein in die Geschichte am Rande eingebrachter Nebenkommentar würde als Wiedergutmachungen reichen, in welchem es heißt, ein Experte habe dem Vater bestätigt, dass der Sohnemann ohnehin kein Talent besitzen würde. Eine faire Chance hätte der gute Mann aber dennoch verdient, oder? Und das ist gerade in einer Geschichte eine Lücke, in welcher die Hauptfigur Sympathie erfährt durch seine Unterstützung erfolgloser Künstler, die oft auch aus gutem Grund erfolglos sind. Mehr noch, Theodor wird durch diese Charaktereigenschaft nicht nur zum Sympathieträger, sie soll auch gleichzeitig als Legitimation all seiner gebrochenen und gedehnten Gesetze dienen. Da beißt der Film quasi seine eigene Philosophie.

Aber „Der müde Theodor“ ist nun einmal Trivialunterhaltung und nicht Goethe, und deswegen kann man trotz alledem ein Auge zudrücken, sich quasi so verhalten wie alle Figuren dieses Filmes. Eine geistige Verwandtschaft zum Zuschauer wird also vorausgesetzt. Zufrieden ist am Ende nur der, der die Mentalität des Streifens zu teilen weiß, zumindest einem schlichten Film gegenüber, der keine Kunst sein will und deswegen auch nicht wie Kunst behandelt werden will. Etwas mehr Mühe hätte man sich an den von mir kritisierten Stellen aber trotzdem ruhig geben können. Dann würde „Der müde Theodor“ an manchen Stellen nicht so bemüht wirken wie seine Titelfigur, die allerhand auf sich nimmt für etwas, das ihr eigentlich egal sein könnte.  OFDb