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25.11.2023

STAR TREK - TREFFEN DER GENERATIONEN (1994)

Die Mannschaft um Captain Kirk nahm 1991 mit ihrem sechsten Kinoabententeuer Abschied aus dem "Star Trek"-Universum, doch die Crew um Picard bekam für ihr erstes großes Leinwandabenteuer Unterstützung von zumindest einigen Gesichtern dieser ersten Crew. Während Chekov und Scotty nur zu Beginn ihre Auftritte absolvieren, findet Kirk seinen Platz außerhalb der Vorgeschichte auch im Finale, wo er nicht nur als Gast fungieren darf, sondern entscheidend den Schluss der Geschichte beeinflusst und den Stammzuschauer des Franchise emotional stark berühren wird. Das fürs Kino theoretisch etwas zu banale Abenteuer wird somit spätestens in der Schlussphase ein immerhin emotionales. Schlecht ist es nicht, aber sicherlich hat man etwas mehr erwartet nach solch einfallsreichen Kirk-Abenteuern im Kino und Picard-Folgen im Fernsehen. "Star Trek: Generations" (Originaltitel) sättigt, besitzt keine Durchhänger, weiß auf seine fast zweistündige Laufzeit angenehm zu unterhalten, aber er hinterlässt bei mir den Eindruck, dass sämtliche Figuren beider Generationen zu sehr zu Nebenfiguren ihres eigenes Abenteuers verkommen, selbst Picard, der noch am ehesten im Zentrum der Ereignisse steht. 

Seine komplette Crew wird für die Finalereignisse nicht benötigt. Kirk, der die ganze Zeit aussetzte, wird stattdessen plötzlich unglaublich wichtig. Sicher bewegt es, beide Captains gleichrangig solidarisch zusammen agieren zu sehen, das ist schon ein besonderer Kinomoment. Aber es zeigt gleichzeitig den mangelnden Respekt gegenüber der anderen Figuren. Und so schön es auch ist, dass man mit dem siebten Kinofilm von "Raumschiff Enterprise" noch einmal ein Retrogefühl für die alte Zeit entwickeln möchte, es geht leider auf Kosten der wichtigen Figuren von "Star Trek - The Next Generation". Von denen bekommt der Darsteller des Data die meiste Aufmerksamkeit, sicherlich nicht zufällig, ist er doch neben Patrick Stewart der vielseitigste Mime einer TV-Mannschaft, die sich nun im Kino beweisen muss. Wirklich geglückt finde ich seine Sub-Story darüber, dass er von nun an Gefühle empfinden kann, jedoch nicht. Denn sie kommt inmitten der anvisierten Hauptgeschichte zu kurz. Und selbst diese vernachlässigt manch wichtigen Aspekte auf Kosten des Retroziels. Warum konnte man sich nicht näher mit dem kosmischen Band befassen? Welchen Wert hat es, wenn es doch nur Illusionen vorweist? Und warum will die weise Guinan, die nach ihrem Fehlen in Staffel 7 nun zurück ist, dorthin zurück, wenn doch selbst simpler gestrickte Naturen, wie die beiden Captains, die trügerische Natur dieses Phänomens erkennen? 

Hier hätte man einiges vertiefen können, was nicht nur philosophisch bereichert hätte, sondern auch emotional. Durch das zu geringe Beachten dieses theoretisch zentralen Punktes der Geschichte, wirkt manches undurchdacht, unlogisch, ohne dass dies so sein müsste. Es ist das Glück des Films, dass jeder seine Rolle herzlich und professionell, wie gewohnt, durchzieht, die Geschichte kurzweilig, abenteuerlich und emotional genug ausgefallen ist, und auch die Gäste (u.a. Alan Ruck und Malcolm McDowell als Oberschurke) passend besetzt geben was sie können. Warum man mit den weiblichen Klingonen ausgerechnet die mitunter gewöhnlichsten Schurken der TV-Serie um Picard mit an Bord holte, verstehe ich wiederum nicht, aber es beschert mir eine Genugtuung, dass sie die Geschichte nicht lebend verlassen werden und nie wieder wertvolle Sendezeit verschwenden werden. Um eine andere Figur, die ihr Leben lassen muss, tut es umso mehr leid. Ihr Tod beschert dem theoretisch austauschbaren Abenteuer eine Schwere, sowie eine tiefe Bedeutung im "Star Trek"-Kosmos und wirft eine düstere Wolke über die eigentlich bunt gehaltenen Erlebnisse dieses Filmes. Erst recht wenn man bedenkt, was die Alternative dieser Figur im Nexus hätte sein können. Oder nicht? Nun, um das zu beantworten hätte der Film dieses Phänomen nicht so kurz halten dürfen.  Wiki

15.04.2023

THE MENTALIST - STAFFEL 6 (2013)

Jahrelang wird ein riesiger Wirbel um Red John gemacht, endlich kommt man ihm näher, nur noch wenige Personen stehen zur Auswahl, inklusive zwei sehr naheliegender. Es gibt ein paar Täuschungen, man fiebert mit, und dann wird uns die Auflösung weit weniger emotional zu Ende erzählt dargeboten als möglich und erwartet, eine Person offenbarend, der man nicht alles zutraut was Red John tat und Fragen offen lassend, wie jene warum Red John so viele ihm in den Tod folgende Komplizen in all den Episoden hatte, wenn er sich doch nicht nur als Mitglied des drei Punkte-Clubs entpuppt, sondern auch als deren Anführer, so dass er dort genügend Folgschaft gehabt hätte. Aber das ist nur eine von vielen Fragen eines nicht durchdachten Gesamtplots, der im ersten Drittel dieser Staffel sein Ende nimmt. Wofür diese Auflösung und der hoch interessante Aspekt einer Geheimorganisation um korrupte Verbrechensbekämpfer, überhaupt thematisiert wurde, wenn die Serie dann plötzlich eine Kehrtwende macht, bleibt ohnehin die Frage bei so vielen verschenkten Möglichkeiten. 

Plötzlich werden nach einem Zeitsprung von 2 Jahren wichtige Stammfiguren über Bord geschmissen, bzw. sie werden mit einem letzten großen Fall abspeist (von dem man erst denkt er könne an Red John anschließen, und die Zweifel des Publikums bezüglich der unnötigen Veränderungen verwerfen) und gegen Figuren ersetzt, die nicht halb so interessant ausfallen und die komplette Staffel über lediglich als Stichwortgeber genutzt werden. Dass einer von ihnen ein Nerd-Milchbrötchen ohne Charisma ist, verärgert daran am meisten. Was für Fehlentscheidungen! Zwar ist der neue Chef interessant besetzt und in den Standardfolgen sympathisch charakterisiert, nur steht dies, trotz der Täuschungen des Mannes, im totalen Widerspruch zu seiner Einführung, gerade dann wenn er schließlich doch nur stets den Hampelmann für Jane macht, wenn auch immer dabei Restwürde bewahrend. Und was soll bitte am FBI statt dem CBI reizvoll sein? Jane passt in deren Struktur nicht rein, und aus diesem Aspekt nutzt man nicht einmal die Spielfreude, die sein Charakter möglich gemacht hätte. Aus dem Täuscher ist ein Spieler geworden, dem nun jeder brav bei seinen Ideen folgt. Der Zuschauer bekommt die üblichen Methoden gezeigt, die längst nichts individuelles oder gar innovatives mehr beinhalten. Und dass Lisbon Jane nach zwei Jahren Verarsche folgt, in einer Übergangseinleitung, die den Tiefpunkt der sechsten Staffel darstellt, wird ihrem stolzen Charakter nicht gerade gerecht. 

Der Witz ist der, dass die Serie auf diesem total schlicht gehaltenen Niveau dennoch unterhält. Man begleitet das neue Team durch Fälle, die nicht übermäßig interessant sind, die aber vom Restcharme der Figuren zu genüge getragen werden. Ein zwischenmenschlicher Aspekt um zwei größere Rollen wird gar zum emotionalen Motor des letzten Drittels, diesem Gefühlsmeer kann man sich einfach nicht entziehen. Es steckt trotz totaler Formelhaftigkeit typischer Erzählmuster dieser Art Situation in US-Serien an. Man ist als Stammzuschauer einer Serie ab einem gewissen Zeitpunkt einfach schlichter gestrickt als zu Beginn, man ist ein wenig abhängig, fühlt sich befreundet, baut Emotionen zu Figuren und wiederholenden Mustern auf. Und dies schlachtet "The Mentalist" in seinem sechsten Jahr deutlich aus. Frei von nennenswerter Kreativität beschert er einem den grundlegenden Sehwert. Die Fälle sind gerade eben interessant genug, um dran zu bleiben, die Figuren bekommen ihren nötigen Raum. Nur psychologisch hinterfragen sollte man nicht all zu viel. Und ohne einen roten Faden, wie Red John, wirkt alles noch mehr wie eine episodenhafte Serie, als ohnehin schon. Und so sehr ich Cho auch mag, auch in dieser Staffel, ihm fehlt einfach Rigsby an seiner Seite zur besten Entfaltung. Aber ich mag zumindest diesbezüglich den Seitenhieb, der nur am Rande kurz erwähnt wird, dass sein bester Freund im CBI in seinen ersten Tagen, als Cho ihn nur grob kannte, der Grund war warum er zunächst aufhören wollte dort zu arbeiten.  Wiki

09.04.2023

THE MENTALIST - STAFFEL 5 (2012)

Zunächst geht das fünfte Jahr den üblichen Weg. Loreley ist eine von vielen verloren gegangenen Chancen Janes die Identität Red Johns zu lüften, mit dem Unterschied dass sie nicht tot, sondern zunächst unauffindbar ist. Parallel zum Entdecken ihrer Fährte löst Jane seine Kriminalfälle, von denen zwei besonderer Natur sind. In der einen halluziniert sich der Täuscher mit der versehentlichen Einnahme von Drogen seine tote Tochter so herbei, wie sie heute sein könnte, was emotional stark zu berühren weiß, insbesondere in der sehr traurigen Schlussidee. In der anderen erfahren wir wie Jane acht Jahre zuvor Teil des CBI-Teams wurde, was leider unter seinen Möglichkeiten erzählt wird. Trifft Jane Anfang des ersten Drittels der Staffel endlich auf Loreley, erhält er erstmals einen entscheidenden Hinweis, während die Verbündete des Serienkillers aufgrund eines interessanten Aspekts wegen überraschend eigene Wege gehen darf. Von nun an wird der Stammzuschauer mit der neuen Information angefixt gekonnt hingehalten, nicht ohne ihn immer wieder neugierig zu machen, man gibt ihm im Gegenzug aber Ermittlungen von klassisch gehaltenen, nichts mit Red John zu tun habenden, Füllfällen auf den Weg, die oft  unter dem Niveau der Serie bleiben. 

Jane ermittelt weit weniger trickreich als man es von ihm gewohnt ist (was zum Glück aber immerhin auch bedeutet, dass noch weniger hypnotisiert wird, als ohnehin schon). Oftmals muten die Fälle arg austauschbar an, sie bleiben aber routiniert genug erzählt, um für die jeweilige Folge zu genüge zu unterhalten. Letztendlich hält man damit in diesem Punkt das schlichte Niveau der vierten Staffel ein, in welcher all diese Eigenschaften bereits auffielen. Etwas deutlicher wir diese Routine in Season 5 jedoch in Bezug auf Wiederholungen. Wenn zum x-ten Mal die Menschen am Arbeitsplatz eines Opfers behaupten, man wäre wie eine große Familie, oder ein zu Befragender dem CBI davon läuft, wenn es auf der Straße von den Ermittlern angesprochen wird, dann beweist dies den zu kleinen Wahrnehmungsradius einiger Autoren, was sehr ironisch anmutet, wenn man bedenkt dass Jane dafür steht dem CBI dabei zu helfen über den üblichen Tellerrand hinaus zu blicken. Da kommt es der hier besprochenen Staffel hilfreich zugute, dass zumindest die persönlichen Geschichten der Ermittler wieder weit mehr zu wirken wissen, als im diesbezüglich mauen vierten Jahr. Gerade der Aspekt Rigsby und Van Pelt bekommt endlich wieder neuen, emotionalen Schwung. 

Nach langem Hinhalten schenkt Staffel 5 dem Zuschauer zumindest eine recht deutliche Erkenntnis am Schluss, die Identität Red John betreffend, so dass das Folgejahr nun intensiver denn je in diese Thematik einsteigen kann. In der vorletzten Folge wird man, noch ohne diesen Bereich vordergründig zu streifen, mit einer Folge belohnt, in welcher LaRoche noch einmal wichtig wird, eine Figur die mir mit am besten im Mentalist-Universum gefällt. Umso erfreuter war ich, dass er bereits zuvor schon einmal auftauchte, wenn dort auch nur kurz gehalten. Nicht nur seinetwegen fällt Ende der fünften Staffel auf, dass die zu ermittelnden Fälle wieder etwas reizvoller ausfallen, auch für die Hintergründe und Geheimnisse einiger Morde interessiert man sich wieder mehr. Leider betrifft das nicht die Tricks Janes, die auch dort nur bereits bekannte Methoden abgrasen. Staffel 5 guckt sich wieder etwas besser als das vierte Jahr, bleibt somit interessant genug und unterhaltsam genug erzählt, bekommt trotz tieferen Einstiegs in die Red John-Thematik jedoch noch immer nicht jenen Sehwert hin, der die ersten drei Staffeln zu so etwas Besonderem machte. Das ist schon etwas schade, auch wenn die Serie mich nach wie vor anfixt und ich sie immer noch zufrieden genug weiter sichte.  Wiki

11.03.2023

THE MENTALIST - STAFFEL 4 (2011)

Ich weiß nicht ob es eine Abnutzungserscheinung aufgrund des zügigen Sichtens ist, oder ob Staffel 4 tatsächlich etwas routinierter daher kommt, aber ich empfand das vierte Jahr als das schwächste bislang, auch wenn ich mich immer noch gut unterhalten gefühlt habe. Allerdings haben mich Auflösungen und ihre Methoden längst nicht mehr so oft so stark überrascht wie bisher, und eine hart gewordene Van Pelt, Geschwisterprobleme Lisbens und die Fortpflanzungsgeschichte rund um Rigsby reizten mich nicht sonderlich, so dass auch manch privates Thema rund um die Stammfiguren mich nicht immer emotional greifen konnte. Es ist aber auch die Schuld der ersten Folge, dass man kritischer guckt als bisher, arbeitet diese doch ziemlich plump die Probleme ab, die durch die letzte Folge des Vorgängerjahrs entstanden ist, um wieder am Status Quo angekommen das übliche servieren zu können. Wesentlich sympathischer mutet da schon die zweite Folge an, die Jane ermittelnd mit einem anderen Team darin zeigt, wie er seine Manipulierfähigkeiten dazu nutzt das alte Team wieder zusammenzustellen. Herrlich! 

Ohnehin sollte man nicht zu streng schimpfen, sind die Red John-Ermittlungen doch weiterhin interessanter Natur und manch verspielte Folge kommt inmitten von Routine individuell daher. So erleben wir Jane aufgrund eines Gedächtnisverlustes für eine Folge einmal so gewissenlos, wie er vor seinem tragischen Schicksal drauf war. Und eher verspielt als engagiert löst der Mentalist einen Fall unter Zeitdruck, bevor ein Geschworenenurteil gefällt wird, auch diese Folge weiß zu gefallen. Dramaturgisch kommen die Schicksale der Gäste meist besser weg, als die des Stamm-Teams, wiederkehrende Gesichter wissen zu erfreuen, wohingegen neue Dauergastfiguren, wie die FBI-Ermittlerin im Falle Red Johns, nicht so charismatisch anmuten wie die bisherigen. Und dass man wenig aus der wundervollen Liebschaft zwischen Cho und seinem Spitzel herauszuholen weiß, gefolgt von einem ernüchternden und dennoch emotional geladenem Schluss, lässt mich auch nicht gerade über das vierte Jahr jubeln. Die beiden Finalfolgen zum Thema Red John machen einiges am getrübten Gesamteindruck wieder gut, und allgemein sei gesagt, dass sich das hier alles wesentlich härter liest, als ich es empfunden habe. Abgesehen von der ersten Folge, die ich tatsächlich als zu plump empfunden habe, hat mich auch das vierte Jahr nach wie vor sehr unterhalten.  OFDb

18.02.2023

THE MENTALIST - STAFFEL 3 (2010)

Während mancher Fall und manche Methode des Täuschers aufgrund des wiederholenden Musters etwas zu austauschbar anmutet (was sich wohl bei einer Serie mit dieser Schlagzahl an Folgen nicht verhindern lässt und auch in diesen schwächeren Momenten uneingeschränkt zu unterhalten weiß), weißt das dritte Jahr der Serie, um einen Berater des CBI, der auf privatem Rachefeldzug aus ist, einige bisherige Höhepunkte der Serie auf. Das betrifft zum einen den folgenübergreifenden Aspekt des Red John, der gegen Ende völlig überraschend zu derart konkreten Informationen führt, dass man wohl von einer Täuschung ausgehen kann, so lang wie die Serie noch läuft. Nichtsdestotrotz bietet der Weg dorthin Nervenkitzel, Überraschungen und füttert die Neugierde des Stammzuschauers ungemein. Was final passiert, wird gerade mit Blick auf die Hauptfigur interessante Konsequenzen für Staffel 4 nach sich ziehen müssen. Zum anderen ist der hiermit verwobene Part um einen Anschlag auf einen Zeugen, der Kontaktmann zu Red John war, einer der treibenden Aspekte der dritten Staffel und macht uns mit einem internen Ermittler bekannt, der zu einer der interessantesten neuen Figuren wird, auch wenn es zunächst den Anschein macht, er würde eine bisherige Figur, die in Staffel 2 entfernt wurde, lediglich ersetzen. Einzelne Highlights dieser Season sind u.a. eine Folge um eine Datenspezialistin, die während einer Ermittlung Jane zur Seite steht und wie der intellektuelle Gegenpart zur Wahrsagerin anmutet, die Rückkehr des Sektenführers aus Staffel 2 und eine hoch emotionale Folge, die zunächst mit einem heiteren Stoff täuscht, wenn der Ermordete eine Person war, die glaubte von Außerirdischen entführt worden zu sein, und das ganze stattdessen in einem Drama um Freundschaft und eine unheilbare Krankheit mündet, und hierfür auf eine Figur zurückgegriffen wird, bei der man nie geglaubt hätte, dass sie mal derart stark in den Fokus einer Erzählung gerät. 

Im persönlichen Bereich erfährt Staffel 3 eher Schwächen, was freilich ein rein subjektiver Eindruck meinerseits ist. Denn die Folge um Rigbys Vater fand ich ebenso bemüht, wie die Pause die man dessen Sohn und Van Pelt beschert, um auf Standardserienniveau mittels eines Dritten im Bunde für emotionale Momente zu sorgen. Leider ist es zu offensichtlich worauf das Ganze hinauslaufen soll. Ich hatte gegen Ende gehofft mich zu irren, konnte glücklicher Weise trotzdem im Spannungsbogen um Verwirrung und Täuschung gut aufgehen, der den Schluss der Staffel so stark macht, war auch erleichtert dass das zu Vorhersehbare zumindest gut inszeniert war, aber freilich war die Figur aufgrund ihrer Position zwischen den beiden Stammfiguren zu offensichtlich inmitten häufig von Autoren verwendeter Szenarien, die als übliche emotionale Verstärker herhalten sollen. So sicher ich mir auch war, die Serie hat mich bis dorthin oft genug getäuscht, deswegen war ein Irrtum definitiv möglich, und die Geschichte konnte mich somit dennoch auf Trab halten, worüber ich hier klage ist also eher eine Ernüchterung rückblickend, anstatt währenddessen. Und dank Alternativkandidaten und allein schon deswegen, weil die Serie x andere Schauwerte und Stärken besitzt, ist dies Jammern auf hohem Niveau, innerhalb einer Serie, die immer wieder beweist, dass sie trotz ihres Standardmusters herausfordert und oft mehr als routinierte Unterhaltung abliefert. Und es ist schön zu sehen, dass Lisbon und Jane wieder entspannter kooperieren als in Staffel 2. Das gibt der ganzen Staffel eine besser funktionierende Leichtigkeit zwischen den Hauptereignissen, die sich meist in humoristischen Seitenhieben abzeichnet.  OFDb

06.02.2023

THE MENTALIST - STAFFEL 2 (2009)

Das Rezept der Serie bleibt so ziemlich das gleiche, was erfreut, so gut wie Staffel 1 funktionierte. Lediglich die Figur der Lisbon wurde minimalst verändert. Sie guckt jetzt nicht mehr so extrem derb abfefuckt wie zuvor und wird damit süßer in Szene gesetzt, was sich durch die vielen Kommentare diverser Folgen bestätigt, in welchem ihr gutes Aussehen betont wird. Und ihr Umgang mit Jane ist strenger, was zu Beginn der Staffel mit der letzten Folge des Vorgängerjahres begründet wird, später noch intensiviert wird durch die neuen Auflagen einer neuen Vorgesetzten. Red John wird erstaunlich wenig thematisiert, wenn dann jedoch meist mit intensivem Szenario, das auch mit unvorhersehbaren Verlusten auf Seiten der Gesetzeshüter und Helfer nicht geizt. Nicht nur hier zeigt die Serie, dass sie bei weitem nicht nur die Standardrezeptur einer derartigen TV-Reihe abgrast, auch im zwischenmenschlichen Bereich gibt es einige Überraschungen, insbesondere jene zwischen Rigsby und Van Pelt, die in Konkurrenzprodukten weit weniger früh thematisiert worden wäre. Die einzelnen Kriminalfälle gucken sich interessant wie eh und je, egal ob man den jeweiligen Täter zu früh vermutet, oder nicht. Gelungen fand ich insbesondere die Folge, die Scientology mit einer Vergleichssekte persifliert, in einer Starbesetzung, die dank ihres Auftritts in "Reine Chefsache" bereits Erfahrung für diese Art Rolle mitbringen durfte. Insgesamt wusste mich die zweite Staffel ebenso gut zu unterhalten wie die erste. Noch immer wird etwas zu viel hypnotisiert, an sich geht Jane aber trickreich wie gehabt vor und bringt einen weiterhin zum Staunen. Hin und wieder ahnt man was er vorhat, weil man seine Methoden nun besser kennt, logisch, aber das ändert nichts an der herrlich verschmitzten, gern auch unverschämten Art, die einen ganz besonderen Unterhaltungswert versprüht, innerhalb einer Serie, die ansonsten eigentlich eher auf den Dramenbereich der Kriminalfälle setzt.  OFDb

08.03.2022

MONK - STAFFEL 4 (2005)

Abnutzungserscheinungen lassen sich bei einer Serie, die brav ihrem festgelegten Konzept folgt, nicht vermeiden. Andererseits weiß mir gerade an dieser Serie zu gefallen, dass sie nicht versucht sich neu zu erfinden, das endet meist ärgerlich. Dennoch habe ich beschlossen mir nach Staffel 4 erstmal eine Pause zu gönnen, bevor ich mich weiteren Abenteuern Monks widme. So sehr ich auch bewährte Rezepte wertschätze, "Monk" begeistert mich zur Zeit nicht mehr genug. Das liegt aber eher an der Häufigkeit meiner Sichtungen, als an der Serie selbst. So gibt es beispielsweise gerade gegen Ende einige wirklich tolle Folgen zu sichten, z.B. jene mit Monk als Geschworenen, oder jene mit dem Astronauten, der laut Monk der Mörder ist, obwohl dieser zur Tatzeit im Weltall war. Manchmal werden die Nebenfiguren etwas zu privat mit an Bord geholt, z.B. in der an sich geglückten Zahnarzt-Folge. Das ärgert umso mehr, da es sich um die Finalfolge handelt, die sich schon wieder nicht um den Trudi-Aspekt kümmert. Der Fan von damals schien diese privaten Ausschweifungen zu wollen, so dass der Entwicklung, die sich bereits in Staffel 2 deutlich abzeichnete, nach wie vor nachgegangen wird, diesmal sogar bishin zu Randy Disher. Zumindest endet eine weitere Episode um die Ehe Stottlemeyers nicht so blauäugig wie andere zu privat ausgefallene Episoden, das vertröstet ein wenig. 

In der Modewelt-Folge begegnen wir nach langer Zeit mal wieder einem nennenswerten Gaststar, es ist Malcom McDowell. Aus der Idee Monk sein Gedächtnis verlieren zu lassen wird meiner Meinung nach zu wenig heraus geholt, so wie es ein Jahr zuvor in der Folge mit dem Medikament geschehen ist, welches dem Kriminalisten seine Ticks nahm. Aber selbst solche Geschichten bleiben stets sympathisch genug erzählt, um nett unterhalten zu werden. Ich vermisse lediglich die kreative Ader, die in den ersten zwei Jahren der Serie noch vorhanden war und nach welcher Geschichten wie die besagten beiden geradezu schreien. Zumindest weiß die Folge, in welcher Monks tote Frau angeblich zurückkehrt, auf mehreren Ebenen zu gefallen, zumal das Drehbuch gnadenlos mit Monk und dem Zuschauer umgeht, wenn es die Erzählung damit beginnt, dass Monk endlich erstmals psychische Fortschritte macht und sich einer Heilung nähert. Zu den weiteren Highlights zählt die Folge mit Monk auf einer Weinprobe, jene in welcher Monk Freunde findet während er inkognito in einem Büro arbeitet, und der Mordfall zu Halloween gehört zu den kriminalistisch interessantesten Folge von Staffel 4. Verhunzt hat man hingegen den Rückblick auf Monks Kindheit. Manche Geheimnisse sollte man eben doch nicht lüften, eine zu viel könnte dem Wirken der Figur vielleicht irgendwann schaden.  OFDb

15.08.2021

IM VISIER DES FALKEN (1970)

Ich habe keine Ahnung ob man die Buchvorlage kennen muss, um zu erkennen dass "Im Visier des Falken" ein Science Fiction ist, denn dies wird fast überall von diesem Film behauptet. Zu erkennen gibt es diesbezüglich in diesem Thriller nichts, zumindest in der von mir gesichteten deutschen Fassung. Die absichtlich versimpelte Handlung spielt lediglich an einem ungenannten Ort zu einer ungenannten Zeit, jedoch spielt sich nichts ab, was nicht bereits 1970 irgendwo auf dieser Welt denkbar gewesen wäre. Wie auch immer, man weiß wenig beim Sichten des Streifens, dessen Drehbuch Hauptdarsteller Robert Shaw, bekannt aus "Der weiße Hai", höchst persönlich auf sich zugeschnitten hat. Es grenzt an Arroganz, wie er sich damit selbst in Pose bringt, auch wenn seine Figur keineswegs positiv gezeichnet ist. Dies ist keine von beiden. Und dass diese Zwei in einem minimalistischen Plot Richtung Freiheit flüchten, ohne dass man je erfahren wird vor wem sie flüchten, welche Verfehlungen ihnen vorgeworfen werden und wie sie aneinander geraten sind, könnte eine reizvolle Grundlage für einen anspruchsvollen Stoff sein, der jenseits des Mainstreams unterhält. Das tut "Figures in a Landscape" (Originaltitel) jedoch nicht.

Regisseur Joseph Losey, der u.a. auch "Sie sind verdammt" inszenierte, schafft es nicht, trotz eines erkennbar talentierten Piloten, den Hubschrauber als Verfolger bedrohlich darzustellen. Dies in Kombination mit den Schwächen des Drehbuchs weder interessante, minimalistische Dialoge und interessante, bzw. tiefgründige Charakterzeichnungen vorzuweisen, noch ein psychologisch durchdachtes Szenario zu kreieren, beraubt "Im Visier des Falken" all der Grundlagen, die ein solch schlicht gehaltenes Gedankenspiel benötigt, um zu funktionieren. Aus dieser Grundlage heraus kann weder ein intensiver Spannungsbogen entstehen, noch ein Zugang zu Personen und Situationen aufgebaut werden. Am Ende trumpft der Film lediglich mit der Flugkunst des Piloten und manch wunderschön anzuschauenden, und sich manches Mal sogar befremdlich anfühlenden, Landschaftsaufnahmen, die jedoch von sich aus zu beeindrucken wissen, nicht aufgrund der Kameraführung, die doch recht simpel ausfällt. Wenn man nun noch Leergeschwätz beiwohnen darf, dem es an Tiefgründigkeit, Glaubwürdigkeit und Verständnis für seine Figuren mangelt, dann sitzt man irgendwann nur noch ernüchtert vor diesem missglückten Produkt, das konsequenter Weise seinen Tiefpunkt an Idiotie auf fast schon theatralisch überzogene Art am Schluss als böse Pointe bereit hält.  OFDb

16.09.2020

DIE KLASSE VON 1999 (1990)

1982 drehte Mark L. Lester "Die Klasse von 1984" und thematisierte damit den immer roher werdenden Umgang der Jugend und wagte einen Blick in die Nahe Zukunft von Amerikas Alltag an städtischen Schulen. Realistisch fällt der Film nicht wirklich aus, ist er doch zu reißerisch angegangen, als dass man ihn all zu ernst nehmen könnte, ein gelungener Beitrag ist Lester rein unterhaltungs-technisch dennoch geglückt. Sein Nachfolger "Die Klasse von 1999" (den man nicht mit dem Drama "Die Klasse von '99" verwechseln sollte) versucht gar nicht mehr das Thema ernsthaft anzugehen. Das Buch baut auf einer völlig übertriebenen, realitätsfernen Spinnerei auf und gibt sich gar nicht erst die Mühe Ungereimtheiten auszubügeln. So unsinnig das Ganze auch völlig freiwillig, dem äußeren Schauwerten wegen, ausgefallen ist, die Nicht-Wirklich-Fortsetzung des acht Jahre zuvor entstandenen Streifens macht unglaublich viel Spaß. Auch wenn wer anders das Drehbuch verfasst hat, die Idee zu dieser hanebüchenen Geschichte stammt von Lester selbst, der den Science Fiction-Actioner auch gleich mit produziert hat.

Viel Geld stand nicht zur Verfügung, und das was man hatte wurde in ein paar Karacho-Momente gesteckt, in herrlich billig, aber sympathisch anzusehende Cyborg-Effekte investiert (die Großteils erst im Finale auf den Zuschauer warten) und in die prominenten (Neben)Besetzungen mit Pam Grier und Malcolm McDowell. Stacy Keach war kurzfristig durch die Serie "Mike Hammer" ebenfalls semi-berühmt, mag sein dass auch er als Prominenter eingekauft wurde. Nötig hätte man diese Gesichter nicht zwingend gehabt, ist die Geschichte zusammen mit der recht simplen, aber effektiv ausgewählten Besetzung ein Selbstläufer für den Freund anspruchsloser Actionkost. Das garantiert Lesters kompromisslose, flotte und wuchtige Umsetzung, bei der man nie ganz weiß was unfreiwillig komisch ist und augenzwinkernd gewollt. Zur Lachnummer verkommt "Class of 1999" (Originaltitel) nie, dafür ist er zu charmant und selbstironisch umgesetzt. Allein dass sich die Lehrer in ihrer Militär-strategischen Intrige gegen Ende dadurch verraten, dass sich die Gangs nachts in der Schule gegenseitig zum Duell treffen sollen, obwohl keines der Kids freiwillig in seiner Freizeit das Gelände betreten würde, zeigt schon wie herrlich leichtfüßig die Parodie auf gesellschaftspolitisch kritische Werke daher kommt, der übertriebene Härtegrad der Jugendlichen und der Cyborgs spricht ebenfalls für sich selbst. Am schönsten fallen stets jene Momente aus, in denen beides gleichzeitig aufeinander stößt, so z.B. bei einem Einblick in die Disco der Zukunft, in welcher wir Gangs während des Tanzens mit Maschinengewehren herum feuern sehen.

"Die Klasse von 1999", der vier Jahre später mit "Class of 1999 2" eine tatsächliche inhaltliche Weitererzählung des hier Erlebten beschert wurde (welche man trotzdem als Mogelpackung bezeichnen kann), ist fortwährend flott und interessant erzählt und zieht seine Stärken aus seiner konsequent stumpfen Umsetzung, sowohl im herrlich dämlichen, als auch im effektiven Sinne, so völlig ohne Umschweife, wie hier alles erzählt ist. Nie bremst sich die Geschichte aus, nie sieht man sich an irgend etwas satt, stets geht es interessant genug weiter ohne auf der Stelle zu treten, immer werden dem Zuschauer augenzwinkernde optische Gimmicks beschert, wie z.B. den Banane essenden Forschungsleiter. Eine zur Filmmentalität passend gewählte Hauptrollenbesetzung und drei herrlich mit anzusehende Mimen in den Rollen der Erziehungsroboter sorgen dafür, dass auch alles Film-intern glaubwürdig genug herüber gebracht wird. Lediglich der völlig unsinnig gesetzte Schnitt, durch welchen wir nicht erfahren wie es die Hauptrolle lebend aus der Disco seiner eigenen ehemaligen Gang geschafft hat, ist jene Art Patzer, die dem Gesamtwerk keinen Mehrwert beschert, sondern stattdessen Irritation. Mit jeder anderen Unsinnigkeit kann man sich bei solch hohem Unterhaltungswert jedoch bestens arrangieren, meist geht beides ohnehin Hand in Hand vonstatten.  OFDb

13.06.2020

LEXX - THE DARK ZONE 4 - GIGASCHATTEN (1997)

Mit Teil 4 setzt die TV-Mini-Serie "Lexx - The Dark Zone" nun endlich dort wieder an, wo sie begann: im weitaus interessanteren Bereich der Mystik um die Herrschaft seines dunklen Schattens, der Geschichte um die ihm vorausgehenden Insektenkriege und um die Rolle der Lexx-Crew bezüglich des Schicksals der Menschheit. Dass "Gigaschatten" bei dieser Rückbesinnung auf diese Aspekte der Geschichte keine Wiederholung von "Rebellen der Galaxis" geworden ist, verwundert bei der hohen kreativen Energie der Schöpfer dieser Serie keineswegs. Ganz im Gegenteil erwartet uns ein völlig anderes Szenario als im Erstling, hat sich auf dem Cluster doch so einiges getan, was nicht nur die Umstände völlig verändert, sondern auch alles bisher gewusste. Zwar konnte man erahnen, was der historische Hintergrund seines Schattens ist, wofür diese düstere Dekade der Menschheit jedoch diente und was nach ihr kommt, berichtet der vierte Teil der innovativen, und nur von einem kleinen Publikum geliebten, Science Fiction-Serie. Wie immer geben sich Düsternis, Anarchie und Lustigkeit die Hand. Brutale Szenarien reihen sich an angenehm alberne, Mystik wird geschaffen, ausgehebelt und variiert. Man erwartet weiterhin Flexibilität vom Publikum, Zuschauer mit eingefahrenen Sehgewohnheiten werden nicht glücklich bei so viel Wagnis, tiefgründigem Blödsinn und Einfallsreichtum.

Mit welcher Verachtung das Kommende auf das Vergangene spuckt, ist nicht nur eine konsequente Haltung der Geschichte, sondern gleichzeitig eine geistreiche Erweiterung jener Szenarien, bei denen sich die "Lexx"-Schöpfer fleißig bedienten, um darauf aufbauend etwas völlig eigenes zu schaffen. Wo andere Stoffe stoppen, da geht das Szenario des vierten Teils der Miniserie, die mittlerweile als Staffel 1 einer vier Staffel langen Serie gezählt wird, gerade erst los. Wie für die etwas holprig inszenierte Serie üblich geht aber auch diese Dekade der vielschichtigen Gesamt-Geschichte nicht ohne Schaumschlägerei und Stillstand über die Bühne. Glücklicher Weise steht das hier präsentierte Szenario aber trotzdem nicht derart penetrant auf der Stelle wie seinerzeit "Supernova", ja nicht einmal wie der etwas flottere "Karussell des Todes". Es kommt kein Anflug von Langeweile auf, dennoch stellt man fest, dass manches Ereignis etwas zu sehr wiederholend, oder zu penetrant auf Hinhalten angekündigt, eingebracht wird. Ein an sich reichhaltiger Plot, der auch die Vergangenheit manches Crew-Mitglieds näher beleuchtet, lässt darüber jedoch gütig hinweg sehen, zumal Humor und Einfallsreichtum wieder in gut funktionierendem Maße erhalten sind. Regie führte Robert Sigl, der uns mit seinem "Schrei - denn ich werde Dich töten!" eine sympathische, deutsche Trivialversion von "Scream" präsentierte und auch für die simple, aber unterhaltsame RTL-Serie "Geisterjäger John Sinclair" tätig war. Er erweist sich als die richtige Wahl. Als Gaststar ist diesmal Malcolm McDowell mit an Bord.

Ansonsten bleibt nur zu erwähnen, was ohnehin jeden Teil betrifft: "Lexx" ist nichts für Freunde guter Spezialeffekte und denkverweigernder Philosophie. Geistreich, aber in einer hohen Dosis Klamauk badend, bedient sich die Reihe nicht an den Sehgewohnheiten des Mainstreams, sondern bietet in hoher Kreativität einem alternativen Publikum herausfordernde, mehrschichtige Szenarien in etwas zu holpriger Umsetzung. Die Schöpfer sind sich jeglicher Aspekte ihrer Geschichte, Figurenkonstellation, Mystikschöpfung und Charaktereigenschaften bewusst, erwarten vom Zuschauer aber ein Durchblicken des Vordergründigen, da man nur selten erklärend für Hintergründiges an die Hand genommen wird. Die Serie verschreibt sich jedoch dem Unterhaltungswert und kommt somit nicht kopflastig oder im Arthouse-Stil daher. Wenn Stanley Hymnen an sich selbst von den einst mächtigen Vorschatten singen lässt, ist das ein gutes Beispiel eines humorvollen Szenarios, welches für Humor-Legastheniker lediglich albern erscheint, jedoch weit mehr erzählenswerte Tiefe durch einen interessanten gesellschaftspolitischen Umgang mit Herrschaftsverhältnissen, Gesellschaftswandel und modernem Medienverhalten besitzt. Sofern man fähig ist mit zu denken und man Klamauk nicht als plumpen Stumpfsinn vor-verurteil,  wird man genügend Freude mit dieser Mini-Serie erleben, gerade in den Teilen 1 und 4. Selbiges gilt auch für die meisten Episoden der Staffel 2 und für die komplette dritte Staffel, die selbst für "Lexx"-Verhältnisse mit einer besonders schrägen Idee daher kommt. Staffel 4, die bislang nie eine deutschsprachige Veröffentlichung erhielt, habe ich bislang nicht gesichtet, trotz ihrer durchaus reizvollen Ausgangsidee.  OFDb

10.06.2018

DAS FLIEGENDE AUGE (1983)

Bereits vor dem hohe Wellen schlagenden "Der Staatsfeind Nr. 1" gab es Filme über die Perversitäten von Überwachungssystemen und die zwangsläufig damit einhergehende Ausnutzung dieser Gerätschaften. Einer dieser Filme ist "Das fliegende Auge", der einem noch einmal bewusst macht wie lange bereits das aktueller denn je geratene Thema für Kopfzerbrechen sorgt und wie schon damals die heutige Lügenpropaganda der Terror- und Verbrechensbekämpfung als Vorwand vorgebracht wurde, um die Bürger eines angeblich freien Staates hemmungslos ausspionieren zu können. Die Selbstverständlichkeit mit der diese Gefahr ohne direkte Benennung in Dialogen im hier besprochenen Werk wahrgenommen wird, zeigt wie sensibler man einst auf das Verbrechen reagierte, zu versuchen die Privatsphäre eines jeden Mitmenschen zu durchbrechen. Heute, in Zeiten in denen Menschen zum Erhalt von Schutz regelrecht um jedes Verbot und jede Überwachung betteln, schaut sich ein solcher Film wesentlich subtiler, so dass man sich automatisch die kritische Grundhaltung der Mitbürger von einst zurückwünscht.

Das mag ein bitterer Beigeschmack sein, aber da "Blue Thunder" (Originaltitel) trotz seines Hauptaugenmerks auf Spannung und Action nicht einzig des Unterhaltungswertes wegen gedreht wurde, sondern auch zur Warnung (was die Texteinblendung zu Beginn des Streifens belegt) tut es gut dass es Werke wie ihn gibt, auch wenn sie einem die schrecklichen Zustände heutiger Tage ungewollt bewusst machen. John Badham, der mittlerweile nur noch für TV-Serien wie "12 Monkeys", "Nikita", "Psych" und "Heroes" arbeitet, inszeniert den Film mit einer Ernsthaftigkeit, die in diesem Genre irgendwann Ende der 80er Jahre fast endgültig verloren ging, zumindest in dieser mündigen Ausfertigung, die aus "Das fliegende Auge" weit mehr macht als eine olle geistfreie Rächerstory oder einen simplen Kampf um Verrat. Der in verschiedenen Genres tätige Regisseur ("Dracula '79", "Nummer 5 lebt", "Codename: Nina", ...) entfacht einen Spannungsbogen, der wahrhaft zu packen weiß. Wenn der Film in seinem mindestens über 20 Minuten laufenden Finale actionlastiger wird, dann steht doch stets trotzdem noch der Nervenkitzel im Zentrum, so gekonnt weiß Badham die endlos scheinende Verfolgungsjagd in der Luft und auf der Straße in Szene zu setzen. Hirnloses Herumgeballer findet hier nicht statt.

Ebenfalls zugute kommt dem Film sein langsamer Einstieg ins Geschehen, dauert es doch überraschend lange bis der Testhubschrauber überhaupt in die Story integriert wird, einfach weil man zuvor intensiv die Figuren und den seltenen Job, welchen der Protagonist leistet, beleuchtet. Und dies wird derart interessant erzählt, dass der Film auch wunderbar als simpler Polizeifilm ohne High Tech-Hubschrauber und Überwachungsthematik funktioniert hätte. Dieser Schritt erlaubt es der Geschichte in der zweiten Hälfte um so flotter erzählt werden zu können, so dass das Geschehen nicht nur ohne Umschweife erzählt wird, sondern auch zu erwartende Standardphasen überraschend über Bord geworfen werden, so dass man sich schneller im entscheidenden Prozess des Ganzen befindet, als man zuvor vermutet hätte. Dies beschert dem angenehm ruhig erzählten, aber stets spannungsgeladenen Film eine Energie, die man in dieser Art weder im ruhigen 70er Jahre-Kino, noch im oberflächlich flotten 80er Jahre-Kino all zu oft zu sichten bekam. Die leicht mit trockenem Humor angereicherte Perspektive aus einer unverfälschten Männermentalität beschert dem Streifen zudem seinen zweiten Sehwert, der einen die Gesellschaft von einst zurückwünschen lässt, so dass man es als Gewinn des Streifens erachten kann, dass er nicht zeitlos wirkt, sondern in seiner Entstehungszeit verankert ist.  OFDb

25.07.2016

SUCK - BIS(S) ZUM ERFOLG! (2009)

Wer ein Grusical wie „Der kleine Horrorladen“, „Das Phantom im Paradies“ oder „Sweeney Todd“ erwartet, muss sich während des Guckens umorientieren oder gleich die Finger von „Suck“ lassen. Auch wer eine Rock-Oper wie „Tommy“ oder „Repo! The Genetic Opera“ hinter dem von Rob Stefaniuk inszenierten Film vermutet irrt sich. „Suck - Bis(s) zum Erfolg“ ist lediglich eine mit allerhand Rockmusik angereicherte Horror-Komödie. Gesungen wird bis auf eine einzige Ausnahme lediglich auf der Bühne oder im Studio, und da die Songs sich weder mit den Erlebnissen im Film auseinandersetzen, geschweige denn diese weiterführen, sind es keine Musical-Sequenzen. Nicht einmal der fortlaufende auf der DVD enthaltene Untertitel übersetzt die Texte während die Lieder spielen.

Wer mit großen Rock-Hits rechnet oder einem überdurchschnittlichen Horrorfilm, der erwartet zu viel, bietet „Suck“ in beiden Bereichen doch lediglich angenehmen Durchschnitt, was bedeutet dass das Sichten dieses gar nicht so ungewöhnlichen Filmes zwar keine Zeitverschwendung ist, aber auch keine Offenbarung. Die Geschichte schreitet ohne große Überraschungen flott und unterhaltsam voran und wird lediglich durch sympathisch schundige Stop Motion-Effekte individueller, die zeigen wie der Tourwagen der Band zu sehen ist, wenn es von einem Gig zum nächsten geht. Wirklich mit dem Rest vereinen wollen sich diese Sequenzen stilistisch aber nicht, so dass sie eher wie ein sympathischer Fremdkörper in einem sonst ziemlich normal ausgefallenem Musikfilm wirken.

Nennenswert bleibt ansonsten lediglich die Idee die auf dem Papier animierte, voranschreitende Reiseroute, so wie wir sie z.B. aus den „Indiana Jones“-Filmen kennen, in Blut zu tauchen. Das weiß zu gefallen. Und Rock-Fans werden sich sicherlich über die überraschend groß ausgefallenen Gastauftritte der musikalischen Prominenz freuen. Alice Cooper und Iggy Pop wissen in ihren Rollen wahrlich zu wirken, die anderen Stars wie Moby machen aus ihrer Rolle nicht mehr als das was sie können und erfreuen somit den Musik-Fan ohne dabei den Ablauf der Geschichte mit ihrem gering ausgefallenem Schauspieltalent zu stören.

Als Ur-Gestein aus der Film-Szene ist Malcolm McDowell als Vampirjäger Eddie Van Helsing mit an Bord, der nicht nur herrlich schräg mit seiner ollen Augenklappe daher kommt, sondern zudem zu überraschen weiß indem ältere Filmaufnahmen von ihm für Rückblenden verwendet werden und dies für Aufnahmen, die früher einmal für einen anderen Zweck gedacht waren, gar nicht mal schlecht. Spätestens hier wird der Nichtkenner seines Namens den guten alten Alex aus „Uhrwerk Orange“ wiedererkennen, stammen die Filmschnippsel doch ungefähr aus dieser Zeit.

Der Rest besteht aus harmlosen, teilweise tatsächlich funktionierenden Witzchen, einer 08/15-Story, welche dem Rock‘n Roll-Vampire-Hype nicht die Show stielt, allerdings auch aus der etwas arg penetrant angegangenen Coolness wie toll es wäre Rock-Star oder Vampir zu sein, so dass sich „Suck“, gerade bei zu penetranter weißer Schminke der Protagonisten, eher wie der feuchte unreife Teenie-Traum nicht Erwachsengewordener guckt als wie eine ernstzunehmende Satire, wie „Suck“ es versucht an manch anderer Stelle zu sein, z.B. wenn der Band-Manager voreilig erst auf eine japanische Hip Hop-Band setzen möchte. Spaß macht dieses kleine kanadische Filmchen aber durchaus, vorausgesetzt man erwartet nicht zu viel.  OFDb

05.04.2016

KATZENMENSCHEN (1982)

Ehrlich gesagt habe ich damit gerechnet, dass Tourneurs „Katzenmenschen“ mit seiner Neuverfilmung das selbe Schicksal teilen würde, wie es „Die Dämonischen“ dies mit „Die Körperfresser kommen“ erlitt. Dort wurde die phantastische Ursprungsgeschichte einzig durch äußere Schauwerte neu aufgepeppt, in Paul Schraders „Katzenmenschen“ geschieht dies nicht, auch wenn er auf erotische Bilder setzt und deutlich mehr Spezialeffekte verwendet als es das Original nötig hatte. Schrader geht trotz alledem respektvoll mit dem Original um, auch wenn das Szenario wie wir es aus der ersten Verfilmung kennen stark abgeändert wurde und erst nach 25 Minuten Laufzeit aufgegriffen wird.

Schraders Film, der zeitgemäß den Fluch nur noch auf den Geschlechtsakt bezieht und nicht mehr zusätzlich auf simple Küsse, ergänzt die Geschichte um eine reizvolle wie naheliegende Inzesttragödie, sowie gegen Ende um eine Andeutung des SM-Bereiches, was ganz gut zur Thematik passt, dass beim Sex das Tier im Menschen auflebt. Provokationen sowie harte und sinnliche Bilder werden nicht rein des reißerischen Effektes wegen eingebracht. „Katzenmenschen“ ist stilvoll fotografiert und inszeniert, veranlasst den Zuschauer aufgrund seiner Hingucker jedoch zum Kopfausschalten, worauf Schrader geradezu setzt, wenn man einmal bedenkt wieviel unsinniger seine Geschichte im Gegensatz zum Original ausgefallen ist.

Zwar beweist er immer wieder Respekt vor Tourneurs Film, z.B. wenn er dessen berühmte Bus-Szene mit einer Straßenbahn variiert, meist fallen einem als Zuschauer die Unzulänglichkeiten des Streifens aber gerade dann auf, wenn Schrader dem eigentlich völlig anders erzähltem Remake Szenen beschert, die vom Original übernommen wurden. Alice besitzt für die Geschichte wesentlich weniger Bedeutung als in der Erstverfilmung, so dass die inszenatorisch gelungene Szene im Pool weder nötig gewesen wäre, noch Sinn ergibt, zumal „Katzenmenschen“ nie wirklich die Liebschaft des Originals zwischen Oliver und Alice aufgreift, in modernen Zeiten, in welchen Mann und Frau auch lediglich befreundet sein können, nicht einmal auf subtile Art. Erst ganz am Schluss äußert sich die Geschichte konkret zu beiden, zuvor geschah in die Richtung tendierend jedoch nichts, so dass Irenas Rückkehr aus dem Trieb der Rache heraus recht sinnlos erscheint.

Hierzu gab es auch nichts dergleichen aufgrund subtiler Andeutungen zu übersehen, auch wenn der Film in anderen Bereichen viel mit dem Nichtgesagten aufgrund deutlicher Hinweise arbeitet, gerade den Hauptplot betreffend. Jedem, auch dem Nichtkenner der Erstverfilmung, ist schnell klar worum es geht, das macht einem der Autor mit überdeutlichen Andeutungen immer wieder bewusst. Deswegen war ich auch ein wenig enttäuscht, dass in einer Traumsequenz doch noch ausgesprochen wird, was nicht hätte ausgesprochen werden müssen - was mich zusätzlich verwundert hat, schließlich hat die Beschützerin Pauls nur kurz vorher in direkten Worten selbiges geäußert. Frage nicht nach etwas dessen Du Dich längst bewusst bist. Der Film hält diese Worte nicht ein, erklärt uns völlig unnötig und unsensibel vor die Nase gesetzt das was wir längst wussten und ergänzt es durch eine Regelerweiterung des Originals, welche der Neuverfilmung dabei hilft ihren völlig anderen Ausgang der Geschichte vorzubereiten.

Leider ist besagte Traumsequenz nicht nur inhaltlich ein Ärgernis, sie stellt auch den Tiefpunkt der inszenatorischen Umsetzung dar. Nie so stark wie hier werden die poppigen 80er Jahre deutlich, wenn die erotisch stark anziehende Nastassja Kinski plötzlich mit wehenden Haaren und stärkerer Farbsetzung auf pseudo-erotisch getrimmt wird, während das sich heute arg veraltet schauende Spektakel mit peppiger Musik untermalt wird, die ebenfalls einen Bruch im bisherigen Stil des Filmes darstellt, war der Rest des Streifens doch mit einem sehr stimmigen Soundtrack untermalt.

Die besagte Szene gehört zu den einsamen Tiefpunkten eines ansonsten sehenswerten Filmes. Erst wenn zum Ende hin das Bild einfriert und ein wenig gelungener David Bowie-Sound erfolgt, wiederholt sich das Tief und wird für einen kurzen Moment gar peinlich, wenn das eingefrorene Bild kurz noch einmal aufgetaut wird, um sich in ein reißerisches Bild zu verwandeln - ein Szenario das Leute nur dann als ästhetisch empfinden können, wenn sie glauben in einem schwarzen Puma etwas Cooles sehen zu können, was ungefähr der Metal- und Tattoo-Mentalität entspricht.

Da kann man zu stehen wie man will, ansonsten gibt es nichts zu meckern an der mystisch erzählten Geschichte, die gekonnt eine alte modernisiert und in ein edles wie aufreizendes Gewand kleidet, was neben der tollen Kameraarbeit hauptsächlich an der Wirkung der wahrlich aufregend spielenden Nastassja Kinski liegt, die mit ihrer Mimik mehr tierisches Verlangen im Zuschauer entfacht als es ihr hübscher nackter Körper je könnte. Hieran sieht man auch, dass Schrader gekonnt mit dem Tier im Zuschauer spielt, ihm also nicht nur durch verkopfte Theorie, sondern anhand von Gefühlen den Spiegel vorsetzt, womit er ganz anders ansetzt als das Original.

„Katzenmenschen“ ist ein Film den man emotional erleben muss. Man kann sich am edlen Stil ergötzen, an erotischen Bildern berauschen, sich in spannungsgeladener Atmosphäre verlieren und in den wenigen aber effektiven und sinnvoll eingesetzten harten Momenten seine Grenzen spüren und/oder Bewunderung empfinden für das Talent handgemachter Spezialeffekte. Allein die Umwandlung von Kinski in einen Panther ist in ihrer ersten Phase ein Mix aus Erotik und abstoßender Faszination, von Make Up-Künstlern hervorragend umgesetzt und somit eine Szene die es verdient dass man sie gesondert erwähnt.

Dass Malcolm McDowell mit seiner Pantherfresse eine ebenso perfekte Besetzung ist wie es der Wolfs-ähnliche Jack Nicholson für „Wolf“ war, sollte man nur der Komplettheit wegen einmal erwähnen, schließlich macht er trotz seines Hangs zum Überagieren neben Kinski viel am Gelingen des Streifens aus, zumal er von sich wieder ähnlich viel abverlangt wie seinerzeit in „Uhrwerk Orange“, der ihn kurzzeitig berühmt machte. Paul war eine seiner letzten großen Rollen, bevor er eher in Nebenrollen wirtschaftlich unwichtigerer Werke eingesetzt wurde.

„Katzenmenschen“ mag nicht so professionell gekonnt umgesetzt sein wie Tourneurs gleichnamiges Meisterwerk. Das liegt am weniger durchdachten, etwas widersprüchlichem Drehbuch. Schrader weiß diese kaum auffallenden Schwächen jedoch durch eine starke Bildsprache und einen edlen Inszenierungsstil aufzufangen, so dass seine Neuverfilmung ein Werk der Sinne geworden ist, ein Film in den man all zu gerne eintaucht, da allein der Kern der Geschichte bereits ein faszinierendes Mysterium besitzt. Schraders Werk ist atmosphärisch dicht erzählt, mystisch, erotisch prickelnd, aufregend, spannend, einfach ein emotionales Erlebnis, welches nur kurzfristige Einbrüche seines sonst so gekonnten Stils vorweist, und dies meist in der letzten halben Stunde.  OFDb

31.01.2016

SILENT NIGHT - LEISE RIESELT DAS BLUT (2012)

Remakes sind immer so ein Thema für sich, selbst im Horrorbereich, in welchem die meisten Produkte an der Erwartungshaltung des Publikums orientiert sind und dementsprechend meist sehr ähnlich ausfallen. Obwohl Sequels sich meist kaum von Neuverfilmungen unterscheiden lassen, ist es eher Letzteres was Fans auf die Palme bringt als Ersteres. Dabei fallen viele von ihnen eigentlich recht sympathisch aus. Im Bereich des Slashers gab es u.a. durch Rob Zombies „Halloween“ durchaus Erfreuliches zu entdecken, auch wenn das Remake dem Original nicht das Wasser reichen konnte. „My Bloody Valentine“ fiel sogar wesentlich besser aus als die Erstverfilmung „Blutiger Valentinstag“, auch wenn sich hier die Geister scheiden.

Verfilmt man jedoch einen Horrorfilm neu, dessen Original man schon lediglich als maximal durchschnittlich bezeichnen kann, ist es nicht schwer in Form moderner, flotterer Sehgewohnheiten ein besseres Ergebnis als das Erstling zu erzielen. So ist es bei „Silent Night“ der Fall, der dem ollen, extremst lahmen und hirnrissigen „Stille Nacht, Horror Nacht“ locker das Wasser reichen kann, ohne selbst zum großen Ereignis für den Genre-Fan zu werden. Ähnlich wie das Remake „Night of the Demons“ wird er zum kurzweiligen Zwischendurchverzehr, ohne auch nur einen Hauch von Anspruch an sich selbst zu stellen. „Silent Night“ ist schnell und kurzweilig gesichtete Unterhaltung und genau so schnell auch wieder vergessen.

Vergleicht man die Handlung von „Stille Nacht, Horror Nacht“ mit der des hier besprochenen Filmes, kann man aber ohnehin kaum von einem Remake sprechen, bleibt als einzige Parallele doch lediglich der Axt-schwingende Mörder im Weihnachtsmannkostüm übrig, während sich der Rest völlig unterschiedlich voneinander guckt. Das ist dann so als ob man „Der Fluch von Siniestro“ als Remake von „Der Wolfsmensch“ verstehen würde. Übrig bleibt lediglich der Aggressor, der Rest ist ein eigenständiges Werk, sofern man das im Falle von „Silent Night“ überhaupt von einem Produkt behaupten kann, welches einer Gattung Sub-Genre angehört, in dem es eigentlich kaum Eigenständigkeiten gibt.

Was beide Verfilmungen sehr stark von einander trennt ist das Hauptaugenmerk auf die Hauptfiguren. Im Original stand der Psychopath im Fokus, den man bei seinen Taten begleitet hat. Im Remake ist es die dem Sheriff untergeordnete Polizistin, welche den Psychopathen aufhalten möchte. Das Original scheiterte u.a. an einem dümmlichen psychologischen Hintergrund der Taten, weswegen man es als die bessere Idee bezeichnen kann den leichteren Weg des Blickwinkels des Gesetzeshüters zu wählen.

„Silent Night“ versucht gar nicht erst sich in die Gefühls- und Gedankenwelt des Täters hineinzuversetzen. Wir bekommen zwar einen Auslöser aus der Vergangenheit präsentiert, aber der ist so wenig einleuchtend wie er beleuchtet wird, zumal er Alibi-mäßig auf die Schnelle, völlig unpassend zum Rest, ins Geschehen eingefügt wurde, und erst ganz am Schluss krampfhaft versucht wird ihn in Verbindung mit der Heldin zu bringen. Das Ganze wird dabei völlig unpassend in die Erzähldynamik integriert und so stümperhaft überflogen, als wolle man zwar diese Ereignisse für eine mögliche Fortsetzung vorbereiten, sich aber auch gleichzeitig absichern Besagtes der Lückenlosigkeit wegen doch besser genannt zu haben, falls es doch zu keinem Sequel kommt.

Ähnlich mutlos kommt der Rest daher, der ziemlich das erzählt was im Bereich des Slashers seit Carpenters „Halloween“ üblich ist. Freilich kommt „Silent Night“ ähnlich dümmlich daher wie man es von dieser Gattung Film gewohnt ist, auch wenn diesmal keine Teenager im Zentrum stehen, welche inhaltliche Dümmlichkeiten eher entschuldigen lassen. Spaßig ist das routinierte Treiben dennoch anzusehen, zumal man nicht auf übertriebene Goremomente setzt und Malcolm McDowell in der Rolle des arschigen Vorgesetzten der Heldin besetzt ist, was aufgrund der ihm zugeschriebenen Dummheit und dem häufigen Auftreten seiner Figur zu gefallen weiß.

Wirkliche Pluspunkte hat das Werk von „Under the Bed“-Regisseur Steven C. Miller nicht vorzuweisen, aber er ist in seiner Belanglosigkeit inmitten der immergleichen Produktionen ordentlich und flott inszeniert, ohne je einen individuellen Touch zu entwickeln. „Silent Night“ ist der typische Schnellverzehr dieser Fließbandproduktionen, der im Gegensatz zu den meisten Erscheinungen weder weh tut noch langweilt und deswegen auf ganz schlichte Art als okay durchgeht. Nach der mehr schlechten als rechten Original-Reihe habe ich mit einem wesentlich übleren Ergebnis gerechnet.  OFDb

07.12.2015

UHRWERK ORANGE (1971)

Obwohl die Andeutungen immer eher im Hintergrund schweben, so baut doch alles was wir sehen auf einem totalitären Staat auf, womit „Uhrwerk Orange“, eben weil er auch die Alternative zum vorgelebten Staatssystem kritisiert, ein Staaten-kritischer Film ist. Damit einhergehend fließt freilich auch bürgerliche Gesellschafts-Kritik mit ein, in einem Szenario welches an eine nahe Zukunft aus dem Blickwinkel der 70er Jahre orientiert ist.

Kubricks Umsetzung wirkt künstlich, nie taucht man in eine real greifbare Realität ein. Der Soundtrack ist auf die Sekunde genau abgestimmt, die Farben sind grell, die Figuren agieren in ihrer stereotypischen Art theatralisch. Dementsprechend tut es gut, dass der Film als Satire mit teilweise recht grotesken Elementen angelegt ist, so dass von der Absicht des Erzählten trotzdem nichts verloren geht. Im Gegenteil, damit tritt das Unnormale einer solchen Welt in den Vordergrund, das Verfremdete, welches per Staat gegen das natürliche Leben ausgetauscht wurde.

Aufgrund der scheußlichen Gewalttaten die Alex begeht wirkt das Gang-Leben der zentralen Figur trotz der künstlichen Umsetzung Kubricks radikal und krank. Seine Taten berühren einen, sie tun dem Zuschauer weh, da der Regisseur hier nichts verschönt. Mögen die Szenarien auch aufgebretzelt gestilt erscheinen, die Gewalt wird nicht entfremdet, erst recht nicht auf jene Art wie sie im Mainstream-Film der Erscheinungszeit schöngemalt wurde.

Der Effekt dabei ist nicht schlecht. Man beginnt Alex zu hassen, an dessen Worten und Taten man haftet, ob man will oder nicht, so dass sich das letzte Drittel mit Alex in der Opferrolle mit gemischten Gefühlen guckt. Alex mag man weiterhin nicht, aber was die Gesellschaft aus ihm gemacht hat ist ein Verbrechen. Ironischer Weise hätte man selbiges schon zu Beginn des Filmes über Alex‘ Werdegang empfinden können. Aber erst an die Hand genommen und durch Kubrick die Hintergründe gezeigt bekommen beginnt man den Täter auch als Opfer zu sehen und umgekehrt.

Wie die Welt tatsächlich funktioniert, egal wie liebäugelnd sie sich nach außen gibt, zeigt Kubrick recht deutlich am Ende seines Filmes, den er wie so vieles nur andeutet, da er vom Zuschauer ein mündiges, aufgewecktes Verhalten erwartet. Die mahnenden Bilder des Regisseurs tragen ihre Früchte trotz und wegen des augenzwinkernden Tons. Die Welt besteht aus Korruption, Fehlern, Gewalt, Macht, Opfern und Tätern, und endlich darf Alex wieder Letztgenanntes sein, allerdings diesmal vom Staat finanziert.

„A Clockwork Orange“ (Originaltitel) ist ein wirkungsvoller, künstlerisch umwerfend umgesetzter Film in großartiger irrealer Kulisse, untermalt mit wunderschöner Musik und in der Hauptrolle mit Malcolm McDowell so treffsicher besetzt, der, das sieht man in einzelnen Szenen, für die Rolle alles gegeben hat. Ins Gesicht gespuckt zu werden, ein sich ewig anfühlendes Gesichtuntertauchen im Wasser, McDowell wird gedemütigt für seine Rolle, und er zieht es professionell durch um ebenso wie sein Regisseur die maximale Wirkung zu erzielen, was sicherlich nicht leicht war, so pingelig Kubrick seine Arbeiten angegangen ist.

Das Ergebnis spricht für sich. Ein fremdartig anzuschauender Film zeigt uns in seiner Künstlichkeit die Wahrheit, stößt uns vor den Kopf, lässt uns aber auch über das Gesehene nachdenken in einer Inszenierung, die in all ihren Extremen immer wieder zu verstören weiß, gerade wegen des satirischen Untertons und der charakerlichen Überzeichnungen. Das mag auf manch einen plump wirken, so dass „Uhrwerk Orange“ für einige eher Gerüst als ausgefüllter Film ist. Versteht man das Werk jedoch wie Kubrick es tat trifft er in seiner Art genau ins Schwarze. Die Geschichte von Alex‘ Weg vom Bandenkönig zum Politfreund ist alles andere als ein Durchschnittsfilm. „Uhrwerk Orange“ ist eines der wenigen Beispiele was man tatsächlich unter Kultfilm verstehen kann. Die Meinungen über das fertige Werk gehen dementsprechend weit auseinander.  OFDb

08.02.2015

ZOMBEX - WALKING OF THE DEAD (2013)

Hin und wieder wird versucht billigsten Produktionen quantitativen Mehrwert zu bescheren indem man semi-bekannte, ehemals bekannte oder Genre-bekannte Persönlichkeiten in Gastauftritten einbaut. Jesse Dayton, der vier Jahre nach seinem Mitwirken in Rob Zombies „Halloween 2“ glaubte der Menschheit ebenfalls einen Horrorfilm bescheren zu müssen, hat sich für sein Debut „ZombeX“ Corey Feldman, Sid Haig, Malcolm McDowell und einen Lew Temple, der angeblich durch die Erfolgsserie „The Walking Dead“ berühmt wäre, eigentlich aber nur in acht Folgen mitgespielt hat, an Bord geholt, was sicherlich dafür gesorgt hat dass manch einer zur DVD gegriffen hat.

Aber wo ein „Zombie King“, der auf gleiche Art ein Publikum locken wollte (in diesem Falle mit Corey Feldman und Edward Furlong), gerade noch die Kurve kriegt um einem wenigstens ein Hauch Interesse herauszupressen, da scheitert „ZombeX“, der im deutschen im Zuge eben erwähnten TV-Serien-Erfolges in „ZombeX - Walking of the Dead“ umgetauft wurde, auf der ganzen Linie. Schon die ersten Bilder hinterlassen keinen guten Eindruck. Der Farbfilter wirkt sperrig, dunkel und trist, der Schnitt versucht all zu deutlich Unzulänglichkeiten in der Umsetzung zu kaschieren, was die zu langsam geratenen Actionmomente nicht weniger langsam inszeniert wirken lässt, und insgesamt wirkt doch alles arg uninspiriert und stümperhaft umgesetzt.

Immerhin reiht sich diesmal nicht die Deutschvertonung in die schlechten Botschaften die ich hier verkünden muss mit ein. Rein vom Klang her griff man diesmal nicht auf Porno-Synchro-Niveau zurück, eine Seltenheit bei solchen Billigst-Produktionen. Auch die Zombies können sich sehen lassen. Die hätten es eigentlich verdient in einem mittelmäßigen Film auftauchen zu dürfen, anstatt in einem dem Zuschauer Energie raubenden Schundprodukt, dem jeglicher Unterhaltungswert fehlt.

Wie zu erwarten hat die Geschichte selbst der immergleichen Zombie- und Infiziertenleier nichts Neues hinzuzufügen. In alter Sub-Genre-Tradition wird selbstverständlich Gesellschaftskritik mit eingebaut. „ZombeX“ konzentriert sich diesbezüglich hauptsächlich auf die Pharmaindustrie und dem unachtsamen Umgang der Amerikaner mit deren Produkten. Einen zusätzlichen Reiz beschert das dem müden Streifen in seiner unterhaltungsfeindlichen Umsetzung kein bisschen. Für kurze Momente weiß da schon eher das Aufkommen einer Männerfreundschaft zwischen Radiomoderator und Musiker den Zuschauer aus seiner Lethargie zu wecken, zumindest wenn man mit solch stillen Faktoren eines Filmes etwas anzufangen weiß - was bedeutet: dem durchschnittlichen Horror-Fan wird dies erst recht nicht über seine Enttäuschung hinweg helfen.

Um den Film damit in einen halbwegs erträglichen Bereich gekippt zu bekommen fehlt dieser Zutat die Konsequenz die Geschichte an ihr orientiert weiter zu erzählen. Dieser kurze Ausflug den oberflächlichen Figuren ein wenig Tiefgang bzw. handfesten Charakter zu bescheren wird nicht weiter ausgeführt und nach kurzem Aufflammen links liegen gelassen. Aber was soll‘s! Schade wäre dies nur in einem besseren Film gewesen, so aber bleibt „ZombeX“ das was er bereits zuvor war: ein Langeweiler, eine billig zusammengeschusterte Produktion für den DVD-Markt zu einem Sub-Genre, das ohnehin schon besagten Markt so sehr überflutet, dass es dem Zombieinteressierten bereits nicht mehr gelingt den Überblick für brauchbare Produktionen zu behalten. Im Vergleich zu „ZombeX“ bereiten selbst unangenehme Zombieerfahrungen wie „Terror Z“ mehr Vergnügen. Die hielten zumindest bis zum Schluss wach.  OFDb

20.08.2014

EINFACH ZU HABEN (2010)

Zwar träumt Olive vom perfekten Gentleman, wie sie es aus Teenie-Filmen wie „Das darf man nur als Erwachsener“ und „Can‘t Buy Me Love“ kennt, der Stil dieser genannten Werke trifft jedoch nicht auf den von „Einfach zu haben“ zu. Der ebenfalls im Film genannte „Ferris macht blau“ kommt der Sache mit seinem Fun-Kern da schon näher, wirklich treffsicher ist jedoch ein Vergleich mit „Clueless“, der seine Zeit kritisch, aber doch positiv betrachtete, genau das was Will Glucks zweite Regie-Arbeit ausmacht. Ständig werden Klischees heutiger Kinozeiten eingestreut, um sie im nächsten Moment als Konstrukt zu enttarnen und ihnen den Rücken zu kehren, während der aktuell, flotte Erzählstil positiv genutzt wird, um die Energie der Geschichte richtig zu nutzen und auf den Zuschauer übertragen zu können.

Der Nachteil an dieser Vorgehensweise ist, dass so ziemlich jeder Nebencharakter zu kurz kommt, was schon recht schade ist, da die meisten durch ihre Charakterzeichnung und Besetzung sehr gelungen sind und durchaus mehr Beachtung verdient hätten. „Einfach zu haben“ möchte den kompletten Kosmos dessen was ein Gerücht für Wellen schlagen kann einfangen, so dass die meisten Figuren eher Episoden-weise vorbei schauen, während Emma Stone als Olive die einzige Figur ist, die wir wirklich intensiv kennen lernen. Wirklich schaden tut diese Herangehensweise dem Film nicht, er weiß definitiv zu wirken und zu gefallen, zumal er sich in seiner intelligenten Umsetzung deutlich von Konkurrenzprodukten abhebt.

Zwar fehlt „Einfach zu haben“ der letzte Schliff um in der obersten Liga der Teenie-Komödien mitspielen zu können, sehenswert ist er in seiner charmanten, wie geistreichen Umsetzung aber definitiv, auch wenn ihm mit dem Ausblenden wahrer Problemlösungen echter Tiefgang mit der Thematik fehlt. Was geschehen ist lässt sich gegen Ende recht leicht wieder gerade biegen. Und eine Schuldzuweisung des schwulen Freundes, der Olives Vertrauen gebrochen hat und damit überhaupt erst für das ganze Chaos verantwortlich ist, findet nicht statt. Andererseits besitzt gerade diese Gleichgültigkeit mehr Tiefe als man zunächst vermuten würde. Sie steht für mehr als für die gedankenlose Lässigkeit, welche der hier aufgezeigten Generation gerne vorgeworfen wird. Sie steht Pate dafür, dass man auch als mündiger, interessierter Bürger nicht alles im Leben zu ernst nehmen sollte, dass man sich mehr auf sein nahes Umfeld konzentrieren sollte um sein Glück zu finden und dass das Gegenteil von geistlosem Leben nicht ein verkopfter Lebensstil sein muss.  OFDb
 
Nachtrag:

Mittlerweile habe ich "Einfach zu haben" mehrere Male gesehen und finde ihn sehr intelligent und unterhaltsam erzählt, weit über dem Durchschnitt. Das Problem mit zu kurz kommenden Randfiguren kann ich mittlerweile nicht mehr nachvollziehen, lässt das Drehbuch doch jede Figur mehr Tiefe schnuppern als es der durchschnittliche Teenie-Film tut. "Einfach zu haben" punktet auf der emotionalen Ebene ebenso wie auf der intellektuellen und der des Humors und ist somit ein empfehlenswerter Ausnahmefilm inmitten eines viel zu Party-geilen Genres.

04.05.2014

DOOMSDAY - TAG DER RACHE (2008)

„Doomsday“ macht kein Geheimnis daraus Trash zu sein. Seine leichtfüßige Art sich jedwedem Tiefsinn verweigernd ist bereits nach wenigen Minuten spürbar, und ein Gefühl von Ehrlichkeit macht sich breit, eine tolle Voraussetzung um mit Werken dieser Art seinen Spaß zu haben. Und eine Zeit lang bleibt dieses wohlige Gefühl beim Schauen komplettem Irrsinns auch bestehen. Doch ist die Vorphase der Geschichte erst einmal beendet und die Soldaten drüben in der Quarantänezone, eigentlich jene Phase Film auf die man sich gefreut hat, geht es unterhaltungstechnisch schnell bergab und zurück bleibt unmotivierte Blödheit für Leute die alles fressen.

Langweilig schwenkt die Geschichte um und erzählt von einer anarchistischen Cyber-Punk-Gesellschaft, in deren Gefangenschaft man nun gerät. Warum Elite-Soldaten so leicht zu überrumpeln sind ist nur eine der vielen unbeantworteten Fragen die sich von nun an geradezu aufdrängen. Man sollte meinen Idiotien wie der völlige Widerspruch von Energieknappheit im Gegensatz zum Besitz von Literweise Benzin und das Vorhandensein von etlichen Waffen mit Munition ohne Ende im Gegensatz zu der Tatsache nie die Quarantäne-Mauer erfolgreich durchbrochen zu haben, würde das Trash-Vergnügen gar bereichern. Aber der viel zu ernste Grundton, der sich mittlerweile eingestellt hat und den Trash nicht mehr wirklich wie Trash behandelt, sprich die charmante, distanzierte Leichtfüßigkeit die der Anfang noch ausstrahlte, sind nicht mehr vorhanden. Vielleicht waren sie das nie, und man hat die erste halbe Stunde völlig anders wahrgenommen als gedacht, aber mit dem zweiten Drittel des Streifens geht sie nun vollkommen flöten.

Vielleicht würde das Gesehene interessieren, wenn eine neue Idee erzählt würde oder eine alte besser präsentiert würde als bisher geschehen. Zu dumm dass „Doomsday“ sich an Genre-Größen wie „Mad Max“ und „Die Klapperschlange“ vergreift, anstatt an den vielen Videoproduktionen die seinerzeit aufgrund deren Erfolge den Markt überschwemmten. Die wussten zumindest wo sie hingehörten. Aber wenn schon ein solches Produkt, das weiß in welcher Liga es spielt, meist nur Mittelmaß präsentiert, kann ein Streifen, der sich dank genügend Budget in die falsche Nische verlaufen hat, schlußendlich nur scheitern.

Regisseur Neil Marshall, der uns immerhin den sehr geglückten „The Descent“ beschert hat, scheint zu glauben ein großes Kinoereignis erschaffen zu haben. In Wirklichkeit befindet er sich auf Uwe Boll-Niveau, und selbst der hat mit „Alone In The Dark“ schon einmal etwas besseres abgeliefert als das Ergebnis von „Doomsday“. Wenn trotz bzw. wegen endloser Action Langeweile aufkommt und ein sinnfreies Szenario damit endgültig zum Kinderfilm degradiert (mental, vom Gewaltgrad freilich nicht), dann hat ein solches Produkt einen Zustand erreicht, der mich in keinster Weise mehr interessiert. Dann sollen jene zuschauen, denen Sinnlos-Action reicht. Mir fehlt da leider der Zugang. Vielleicht ist es auch deswegen unfair ihm jenen Trash-Unterhaltungswert abzusprechen, den ich in anderen Werken noch meine erkennen zu können. Aber letztendlich ist Kino ohnehin meist subjektiv, und sollte ich mich objektiv geirrt haben, kann ich mit diesem Fehler gut leben.  OFDb

12.01.2013

HALLOWEEN 2 (2009)

Zwei Jahre ist das Massaker her, da taucht der todgeglaubte Michael Myers an Halloween zurück, um seine Tat zu beenden. Der ohnehin schon gestörten Laurie hätte nichts schlimmeres passieren können. Loomis eilt ihr zu Hilfe...

Fucking Bitches in the Town...
 
Mir hat bisher noch jeder Film der “Halloween”-Reihe gefallen. Ob das nun die eher schlichten Fortsetzungen waren, der Neuansatz von Steve Miner und dessen Fortsetzung, das sehr langsame Original (mein Lieblings-Horror), Zombies Remake, oder gar „Halloween 3“, der mit der Reihe nichts zu tun hatte und sehr umstritten ist.

Am Remake störten mich die kurzen Übertreibungen in der Myers-Familie, am meisten die Art, wie der Stiefvater präsentiert wurde. Ein weiteres Ärgernis, eine peinliche Vergewaltigungsszene in der Nervenheilanstalt, war zum Glück nur im Director’s Cut enthalten, so dass ich den von da an mied. Gefallen hat mir an Zombies Remake der Mix aus Neuheiten und Bekanntem und die Treue zur Myers-Mystik.

Dennoch hätte ich kein Problem mit dem Fehlen dieser gehabt. Und als ich las, dass die Fortsetzung der Neuverfilmung völlig eigene Wege einschlagen würde, insbesondere in der Figur des Michael Myers, da war ich vorgewarnt und ging vorurteilsfrei an den Film heran, weil ich es interessant fand diese schöne Horrorgeschichte einmal völlig anders weitererzählt zu bekommen. Soll die Maske doch zur Nebensache degradiert werden, soll Myers doch wie ein Obdachloser herumlaufen. Es würde mich nicht stören.

Leider konnte ich schon mit Rob Zombies „Haus der 1000 Leichen“ nicht viel anfangen. Aber sein gelungenes Carpenter-Remake „Halloween“ machte mir trotzdem etwas Mut auf Teil 2. Aber leider badet Zombie in Teil 2 wieder im Zombie-Stil (sicherlich toll für seine Fans), und mit dem kann ich so gar nichts anfangen. Ich weiß nicht wofür er gut sein soll. Ich weiß nicht was daran unterhaltsam oder schockierend sein soll. Wenn nur noch Arschlöcher auf der Welt leben, die Menschen sich physisch und psychisch gegenseitig weh tun und außer Fucking und Bitch nichts weiter in ihrem Wortrepertoire zu bieten haben, dann ist das in meinen Augen Kindergarten-Kacke. Und sie bestätigt sich dann, wenn außer einem sinnfreien Blutbad nichts weiter vertreten ist, das den Begriff Horror ausmacht.

Idioten prügeln Myers auf einem Feld nieder. Während Myers grunzender Racheaktion fällt das Wort Fucking im Sekundentakt, ohne auch nur im Ansatz augenzwinkernd zu wirken. Und selbst wenn es augenzwinkernd gewollt war, so macht es ein solch infantiles Getue nicht besser.

An einem neuen Stil gibt es sicherlich nichts auszusetzen. Dass mir der hier angewandte Ansatz nicht zusagt, habe ich bereits deutlich gemacht. Was mich jedoch richtig geärgert hat war, dass Zombie seine Veränderungen auf Kosten des Vorgängers angeht. Seine Stilveränderungen stehen häufig im Widerspruch zu Teil 1, oft auch dank mangelnder Sensibilität des Regisseurs. Das zeigt die Rolle der Laurie Strode sehr deutlich. Dass diese unter ihrem Erlebnis zu leiden hat und ein unangenehmer Zeitgenosse geworden ist, ist sicherlich kein schlechter Ansatz. Dennoch wirft man damit nicht die komplette Persönlichkeit über Bord. Es klingt einfach nicht logisch, dass ein taffes, intelligentes Mädel zur Ghetto-Schlampe verkommt, die sich nicht mehr in Dritte hineinversetzen kann und spricht wie ein Hauptschüler, der seinen Abschluss nicht geschafft hat.

Die Charakterveränderung von Dr. Loomis klang immerhin in Teil 1 bereits an. Dass die Extreme, in die er nun rutscht, mir nur aus persönlichem Empfinden nicht gefällt, kann ich nicht abstreiten. Anderen mag das gefallen und das ist auch o.k., da seine Veränderung kein Inszenierungsfehler ist. Schade fand ich den Ansatz dennoch, denn Malcom McDowell in diesem schweren Erbe einer Rolle, die Donald Pleasance so wundervoll auszufüllen wusste, zu erleben, überrumpelte mich im Remake, als ich feststellen musste, dass er mir sogar besser gefiel als sein Vorgänger.
Meine Bewertung ist keinesfalls als Trotzreaktion zu verstehen. Ich habe den Film gesehen und mich hinterher gefragt was eine bessere Bewertung rechtfertigen könnte. Und mir ist nichts eingefallen. Sicherlich ist der Film handwerklich geglückt, er ist schließlich ein gut finanziertes Projekt und hat somit mancher Videoproduktion im Stil einiges voraus. Aber innerhalb professioneller Kameraführung, einem professionell routinierten Soundtrack, gutem Schnitt und was all theoretisch fast schon automatisch gut gemacht wird, konnte ich individuell an „Halloween 2“ nichts gutes erkennen.

Die Geschichte ist plump, der neue Stil eine Ausrede allem Originalen aus dem Weg zu gehen, ohne im Gegenzug wirklich neue Akzente zu setzen. Hier gibt es nichts, was man woanders nicht auch schon gesehen hätte. Zombie erzählt eine überraschungsfreie Geschichte und erhöht die Anzahl der Worte Fucking und Bitch und die Anzahl der White Trash-Figuren. Das ist kein Kunstgriff sondern lediglich ein Armutszeugnis, da der Herr wohl außerhalb dieser Rezeptur nicht zu werkeln versteht. Scheinbar war sein positives Ergebnis des ersten Teils den Produzenten zu verdanken (welch seltene Ausnahme im Filmbusiness).

Gegen einen völlig anderen „Halloween“-Teil hätte ich nichts gehabt, aber dann hätte auch ein einfallsreicher Stil oder eine interessante Geschichte auf den Zuschauer warten müssen. „Halloween 2“ bietet nichts von alledem, und versucht sein mageres Ergebnis mit literweise Blut zu übertünchen. Wenigstens lockt der Werbespruch der DVD-Firma die richtigen in den Film. Die hat dem Werk als Quasi-Beititel den sehr peinlichen Verweis hinzugefügt der lautet: „Der Blutigste von allen“. Boa! Geil ey! Fucking, war das viel Blut beim Bitches-Kill! Ach, erschießt mich einfach! Gebt mir eine Fortsetzung von Teil 6 oder Teil 8, oder gebt mir noch mal einen komplett neuen Ansatz. Aber auf diesen Mist hier kann ich als treuer „Halloween“- und Genre-Fan gut verzichten.  OFDb

PS: Erwähnte ich schon, dass Myers nun kitschige weiße Pferde sieht, begleitet von seiner toten Mama, die ihm engelhaft den Weg weist? Das ist kitschiger als Argentos Esoterik-Ansätze in „Mother Of Tears“, teilweise geklaut aus der Jason-Mystik und keineswegs unterstützend für die Geschichte oder gar dem angeblich neuen Ansatz Zombies.