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02.04.2015

DER TODESENGEL (1999)

Bethmann hat das Horror-Genre als Geschäft für sich schon vor Jahren entdeckt. Er schreibt inhaltsarme und informationsschwache Bücher, die er mit vielen Bildern versucht aufzuwerten, und er dreht Filme, die er schon zu VHS-Zeiten in x Fassungen herausbrachte um dem Horror-Fan auch noch den letzten Cent aus der Tasche zu ziehen. Und damit das besser funktioniert kommen verschiedene Fassungen auch gerne mal unter verschiedenen Titel heraus, so wie z.B. "Insel der Dämonen" auch als "Rückkehr der Dämonen" wiederverwertet wurde.

Mit "Der Todesengel" hat er zumindest sein erstes brauchbares Werk herausgebracht. Nach den unerträglich schlechten Werken "Tanz der Kürbisköpfe" und "Insel der Dämonen" tat ich mich zunächst schwer mich doch noch einmal an einen seiner Filme zu wagen. Aber Bethmanns Mix aus Porno und Horrorstreifen wollte ich mir dann doch nicht entgehen lassen. Und auch wenn ich das nach den Vorgängern kaum für möglich gehalten hätte, Bethmann hat dazu gelernt. „Der Todesengel“ ist etwas augenzwinkernd gemeint, leiser Humor ist zu vernehmen, das ist ein ganz klarer Pluspunkt im Vergleich zu den viel zu ernst angegangenen Langweilern die er zuvor verzapfte.

Humor hilft Amateurfilmen oft weiter, gerade weil Umsetzung und Darbietungen meist auf wackeligen Beinen stehen. Das kann zwar nicht verhindern dass das harte Kerl-Getue trotzdem arg lächerlich da kindisch wirkt, aber das ist man schließlich auch aus anderen Werken der deutschen Amateurfilm-Szene gewohnt, z.B. aus „Psycho Jack", gedreht von Timo Rose, der im hier besprochenen Werk einen der Gangster spielen darf. Scheinbar haben sich die richtigen für solch ein Projekt zusammen gefunden.

Im Gegensatz zu Joe D‘ Amatos frühem Versuch mit „Porno Holocaust" das Horror-Genre mit dem des Pornofilms zu vereinen weiß die weibliche Besetzung in Bethmanns Film zu gefallen, gerade jene Damen, die geradezu eine niedliche Art ausstrahlen. Das ist auch ganz gut so, denn leider widmet sich Stelzbock Bethmann mehr der Erotik als dem Horror, bzw. dem Genre des harten Thrillers, Horror ist dies ja nur bedingt. Da verwundert es nicht, dass er später immer wieder mal reine Pornofilme abseits der Horror-Szene drehte und damit ebenfalls in D‘Amatos Fußstapfen trat.

Ich erinnere mich noch mit Schaudern an den völlig verhunzten "In der Gewalt der Zombies", der es neben seiner geradezu erbärmlichen Erotik nicht einmal schaffte in Sachen Effekte zu überzeugen. Diesen Bereich hat Bethmann, zumindest für Amateurfilm-Verhältnisse, im Griff. Sie fallen zumindest nicht negativ auf und sind für ein Werk dieser Art auch verhältnismäßig selten zu sehen. Provokante Szenen, wie das Befriedigen mit einem abgehackten Kopf, kann man ohnehin nicht ernst nehmen. Hier genießt „Angel of Death“ (Alternativtitel) einen gewissen Trash-Gehalt, ein weiterer Grund warum der augenzwinkernde Grundton dem Film nur gut tun kann. Etwas konsequenter hätte er dennoch umgesetzt werden können, vermisst man bei einigen Darstellern doch die nötige Distanz, so dass immer ein Hauch Gewaltverherrlichung mit einher weht.

Somit wird es manch einem sicherlich schwer fallen, sich auf diesen morbiden Mix aus Sex und Gewalt einzulassen, zumal er rein reißerischer Natur ist. Bethmann hat weder das Zeug zur subtilen Federführung noch das kognitive Potential Tiefe mit einfließen zu lassen. Geht man nicht all zu bierernst an „Der Todesengel“ heran kann er durchaus unterhalten, dies freilich unter Niveau, aber das ist immer noch ein besseres Ergebnis als komplette Hohlbrot-Filme wie „Slasher“ oder Einschlaf-Garantien wie „Infekt“ zu bieten haben. Verwöhnt wird man als Horror-Fan in der deutschen Amateurfilm-Szene nicht. Da geht es meist immer nur um reißerische Storys und Gewalt, schade. Und mir fällt da auch nur Ralf Möllenhoff („Dead Eyes Open“, „Lifeless“) ein, der für die Ausnahme steht. Aber ein Blick nach Polen auf die erschreckend plumpe „Fantom Killer“-Reihe, die so wie der hier besprochene Streifen ebenfalls Porno mit Horror mixt, zeigt dass das Niveau woanders noch viel weiter unten ist als bei uns in Deutschland.  OFDb

13.01.2013

FOG² - REVENGE OF THE EXECUTED (2007)

Urlauber beobachten am Strand einen Mord und kommen einer ominösen Nazi-Rachestory auf die Spur...

Vernebelte Hirne...
 
Konnte Astro-Chef Oliver Krekel trotz mittelmäßigem Ergebnis noch durch die an sich akzeptable Umsetzung seines Erstlings „Crossclub - The Legend Of The Living Dead“ auf sich aufmerksam machen, u.a. durch die Beteiligung der C-Promis Sybille Rauch und Zachi Noy, so blieb seine zweite Regie-Arbeit „Fog² - Revenge Of The Executed“ ziemlich unbeachtet. Hat man das Pech ihn gesehen zu haben, weiß man auch warum.

Von dem schlichten Charme des Debuts ist nichts mehr zu spüren. Krekel ist auf dem Tiefpunkt deutschen Amateurfilm-Schaffens angelangt, jenem Dilettantismus, der sich auch über die Arbeit privater Laien nicht mehr entschuldigen lässt. „Fog²“ ist billig dahin gerotzt und besitzt nicht einen Aspekt, der ihm Charme bescheren kann.

Das beginnt mit dem ziemlich uninteressantem „Star“-Auftritt von Regie-Kollege Andreas Schnaas, der als Pseudo-Prominenz wesentlich weniger lockt als die berühmteren Namen des Vorgängers, das geht weiter bei den mehr als schlechten Effekten, mit denen man in den ersten 5 - 8 Minuten nonstop gequält wird bis man endlich einmal eine Aufnahme mit normalem Bild sichten darf, und das endet mit der völlig irrsinnigen Idee einen deutschen Film nachzuvertonen, freilich mit den schlimmen Porno-Stimmen, die man so oft bei DVD-Premieren unbekannter Horrorfilme ertragen muss.

Ich weiß nicht ob die Darsteller sich da selbst noch einmal gesprochen haben, aber diesen Stimmen fehlt jegliches Gefühl für Betonung und jegliche Fähigkeit sich in Situationen einzufühlen. Das passt zu Schauspiel und Regie, also macht diese Ohren vergewaltigende Vertonung den Streifen auch nicht kaputter als er ohnehin schon ist.

Wer hin und wieder Amateurfilme guckt, weiß dass Laien immer etwas steif spielen und betonen. Aber in der Regel wissen sie besser zu wirken als hier, vielleicht auch weil die Herstellung eines privat finanzierten Filmes, der in der Freizeit gedreht wird, eine Herzensangelegenheit ist. „Fog²“ wirkt eher wie eine Auftragsarbeit. Sicherlich wurden die Darsteller bezahlt, anstatt dass man eine fröhliche Runde Freiwilliger um sich gescharrt hat. So kann das natürlich nichts werden.

Andererseits, wer soll sich da auch Mühe geben? Sollte man das Drehbuch gelesen haben, sofern es eines gab, müsste klar gewesen sein, dass jegliche Mühe Perlen vor die Säue war. Wir bekommen unsinnigste Dialoge um die Ohren geschmissen, müssen ertragen wie sich so ziemlich jede Figur im Film unsinnig benimmt, was die ohnehin schon unsympathische Bande endgültig unerträglich macht. Und all diese miesen Zutaten sind eingetaucht in eine fade Geschichte, die weder originell noch sinnig ist und eine Beleidigung an John Carpenters „The Fog“ ist, vor dem sich hier ganz leicht verbeugt wird.

Dass der Titel „Fog²“ eher gewählt wurde um vom Ruhm des Carpenter-Streifens zu profitieren, liegt auf der Hand, soll aber auch nicht wichtig sein. Im Gegenteil, sich an einem Klassiker orientieren kann für einen Amateurfilm schließlich auch von Vorteil sein, da muss man nur einmal einen Blick auf Schnaas‘ „Antropophagous 2000“ werfen, der auf billige Amateurfilm-Ebene eine sympathische Neuverfilmung von D'Amatos „Man-Eater“ war.

Doch so wirklich will die Geschichte des hier besprochenen Streifens nichts mit dem berühmten Namensvetter von Carpenter zu tun haben. Stattdessen orientierte man sich lieber an der immer wieder beliebten, reißerischen Nazi-Thematik, so dass es mich nicht wundern würde, wenn der Film demnächst unter einem neuen Titel erneut auf DVD erscheint, jetzt wo „Iron Sky“ so viele Mitläufer wie „Nazi Zombies“, „Zombie War Games“ und „Nazi Bloodstorm“ nach sich zog, alles Filme, die zuvor unter anderem Titel vermarktet wurden und dementsprechend mal mehr und mal weniger Jährchen bereits auf dem Buckel haben. Also los Krekel, verarsch die Horrorgemeinde noch mehr und leg ihn wieder auf! Aber vergiss nicht den Titel zu ändern, damit Leute die schon einmal auf den Film hereinfielen auch bloß noch einmal Geld für Scheiße investieren.  OFDb