THE SPECIALIST (1994 Luis Llosa)


Die attraktive May engagiert den Bombenspezialist Ray ihr bei der Ausführung an der Rache am Tod ihrer Eltern zu helfen. Als Kind musste sie mit ansehen, wie die beiden von der Mafia ermordet wurden. Trotz aller Vorsicht Rays welchen Klienten er hilft und welchen nicht, entpuppt sich manche Information im Laufe der Zeit als Schwindel. Und auch ein Erzfeind Rays, der noch eine Rechnung mit seinem ehemaligen Partner offen hat,spielt eine entscheidende Rolle bei diesem Auftrag...


Gezielte Kleindetonationen...

Sylvester Stallone hatte gerade mit "Demolition Man" und "Cliffhanger" zwei Erfolge an den Kinokassen zu verzeichnen, da drehte man mit ihm einen Action-Thriller an der Seite von Sharon Stone. Ihr Erfolg "Basic Instinct" lag gerade einmal zwei Jahre zurück, also ließ man auch Einflüsse dieses Erotik-Thrillers mit einfließen, die sich aber hauptsächlich auf das Undurchschaubare der von Stone gespielten Rolle wiederfinden und nur bedingt in Erotikszenen. Dennoch gibt es eine längere Beischlafszene zwischen beiden Hauptrollen zu sichten, und auch nebenbei werden die meisten Auftritte Stones immer wieder für Ami-Augen erotisch provozierend eingefangen, ein "Color of Night", wie er mit Bruce Willis im selben Jahr erscheinen sollte, ist "The Specialist" glücklicher Weise aber nicht geworden. Ein wirklich nennenswerter Beitrag ist Regisseur Luis Llosa jedoch ebenfalls nicht geglückt. Sicher ist er wesentlich besser als sein Folgewerk "Anaconda" ausgefallen, und auch von mir nicht gesehene, vergangene Werke wie "Crime Zone", "Sniper - Der Scharfschütze" und "Mörderischer Amazonas" lassen erahnen, dass mehr als das Ergebnis des hier besprochenen Filmes in den Händen dieses Mannes nicht möglich war, aber seinem Erfolg an den Kinokassen wird der hier besprochene Film nicht gerecht.

Nicht falsch verstehen, als kleiner Thriller mit Action-Touch für zwischendurch geht "The Specialist" durchaus als okay durch, letztendlich besteht er meiner Meinung nach jedoch lediglich aus Versatzstücken anderer Filme und atmet keine individuelle Luft. Stets schwebt eine Pseudo-Dramatik über den Dingen, die nicht griffig ist. Und trotz ruhiger, relativ stilvoller Herangehensweise will sich der Streifen immer wieder mit seinen Explosionsszenen dem lauten Publikum anbiedern, immer knapp den Vorwurf des reißerischen Elements umgehend, aber doch nie wirklich eins werden wollend mit der stilvoll gehaltenen Restatmosphäre. Dass die Geschichte nicht so undurchsichtig ausgefallen ist, wie es der Autor gern gehabt hätte, und "The Specialist", wenn auch unterhaltsam umgesetzt, lediglich seicht vor sich hin dümpelt, anstatt ein spannungsgeladener Thriller zu sein, lässt aus ihm nicht gerade ein solch überzeugender Film werden, wie ihn Stallone kurz darauf mit vergleichbarer Handlung mit "Assassins - Die Killer" abgeliefert hat. Letztendlich wird "The Specialist" fast ausschließlich durch die gute Besetzung gerettet, wobei Sharon Stone stets eher wie Beiwerk wirkt. Da freut es um so mehr, dass sie kurz darauf in "Casino" die Chance bekam einen wahrlich interessanten Charakter darstellen zu dürfen.

James Woods als Gegenspieler macht da schon eine bessere Figur und darf in seinen besten Szenen schön aggressiv ausrasten. Doch was sich als spaßige Comicvariante entpuppt, in welcher der sonst unterforderte Woods zumindest im Bereich des Überagierens, zeigen darf was er kann, steht der Ernsthaftigkeit des Streifens im Weg. "The Specialist" möchte ein bodenständiger Thriller sein, den man ernst nehmen soll, aber die gar nicht subtile und unprofessionelle Art von Woods Figur und jene von Mafiasohn Tomas verfrachten die Geschichte immer wieder ansatzweise in ein überzeichnetes Comicuniversum, welches Unglaubwürdigkeiten in eher nichtigen Szenen verursacht. Das verwundert eher, als dass es schadet, schließlich hat hier niemand Shakespear erwartet, es macht aber doch die Unentschlossenheit deutlich, die sich manches Mal in dieses Projekt eingeschlichen hat. Da darf man erleichtert sein, dass der Großteil dieses ruhigen Actioners weiß was er will und brav dem Reststil folgt. Mehr als angenehme Routine ist bei all der unausgegorenen und Individualität vermissenden Herangehensweise jedoch nicht zu ernten, so dass nur leicht zufriedenzustellende Freunde dieser Art Kinounterhaltung einschalten sollten.


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DIE NACKTE KANONE (The Naked Gun 1988 David Zucker)


Ein vertrottelter Polizeilieutenant kommt dahinter, dass ein hoch angesehener Bürger der Stadt ein Attentat auf Queen Elizabeth II. plant. Da er stets für viel Chaos sorgt, ist er beim Empfang der Königin jedoch nicht erwünscht...


Police Squad - Der Film...

Wenn man einmal "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" gesehen hat, kann man kaum glauben, dass es den Autoren und Regisseuren dieses Streifens 8 Jahre später gelingen sollte eine noch bessere Komödie auf die Beine zu stellen. Aber was soll man sagen? Gagquote allein ist nun einmal nicht alles, und "Die nackte Kanone" schafft das, woran es der Flugzeugkatastrophen-Parodie fehlte: sie läuft wesentlich runder, ist nicht so episodenhaft ausgefallen und fühlt sich somit mehr wie ein gut geöltes Ganzes an. Als Zugeständnis hierfür ist man glücklicher Weise nicht in den Mainstream eingetaucht, "The Naked Gun" (Originaltitel) ist ein sich echt anfühlendes Werk des Zucker/Abraham/Zucker-Teams, ohne Eingeständnisse, diesmal allerdings jedoch David Zucker die Regie allein überlassend. Verglichen mit ihren anderen Werken dieser Art ("Die unglaubliche Entführung der verrückten Mrs. Stone" sollte sich komödiantisch anders orientieren) fällt auf, dass man weitestgehendst darauf verzichtete Filme direkt zu parodieren. Von ein paar Ausnahmen abgesehen, parodiert "Die nackte Kanone" das Genre des Polizeifilms ganz allgemein. Der Grund dafür könnte in der Vorlage liegen, setzt der Film doch die Abenteuer von Frank Drebbin fort, der als Polizist in der TV-Serie "Police Squad" für allerhand Chaos sorgte.

Die Serie wurde nach nur sechs Folgen schnell eingestellt. Und der Kinofilm kommt sechs Jahre später mit stark veränderter Besetzung daher. Stars hatte man sich eingekauft. George Kennedy übernahm die Rolle des Captains, O.J. Simpson wurde der neue Nordberg, und in einer neu eingebrachten Rolle konnte man Priscilla Presley als Darstellerin der Jane gewinnen, an namhaften Gesichtern mangelt es nicht. Weitere, wie Sexualexpertin Dr. Joyce Brothers, tauchen in kurzen Gastauftritten auf. Meiner Meinung nach wurde "Police Squad" seinerzeit zu recht abgesetzt. Nicht nur dass mit dem Konzept kein Massenpublikum zu gewinnen war (was schließlich kein Grund für ein Beenden wäre), trotz vieler guter Gags, von denen auch einige ihre Wege in die drei Kinofilme Drebbins gefunden haben, kam die Serie sehr trocken und ungelenk daher, zu sehr im drögen 70er Jahre-Stil badend, als dass es gut für jene Art Komik gewesen wäre. "Die nackte Kanone" lässt davon nichts mehr erkennen. Der Film läuft wie erwähnt rund, gönnt sich nie eine Atempause, schaut sich umwerfend komisch und flott zugleich und wird dabei trotz unglaublich flacher Witze nie plump oder zu oberflächlich. Der Film ist mit viel Herzblut umgesetzt, und das sieht man nicht nur den hervorragend wirkenden Mimen an, bereits das Drehbuch ist ein Fest brillanter Einfälle, und kaum ein Moment ruht sich auf einer einzigen Humoridee aus.

Komik wird hier zelebriert. Verschiedene Humorrichtungen, meist gern die alberne Variante, beherrschen den Bildschirm. Eine jede Mimik fließt mit ein, versteckte Hintergrund-Gags, Set-Designs, Masken, und so ziemlich jeder Witz bekommt einen erweiterten angehangen, oder besteht von Anfang an aus gleich mehreren Lachern. Auch die Regie erweist sich hier als äußerst gekonnt. Man mag es kaum glauben, aber man kann sich hier tatsächlich darüber halb tot lachen, dabei zuzusehen wie jemand die Treppe herunter fällt. Die Umsetzung macht es aus, bestehend aus kleinsten Faktoren, die am Ende eine solch simple Idee so unglaublich komisch werden lassen. Zumal der Humor die oberste Liga an Albernheiten darstellt, z.B. dann wenn ein Mordanschlag als solcher nicht begriffen wird, und man stattdessen den Gegenüber korrigiert, er möge nicht schießen während er redet. Oder wenn eine Taschenkontrolle in die falsche Tasche greift und es zu einer persönlichen Reaktion eines der Beamten kommt.

Es sind oft die kleinen Witzchen, die unglaublich zu ziehen wissen, aber auch groß geplante Szenarien, wie das endlose, angebliche Ableben Nordbergs, oder die Autoverfolgungsjagd mit einer Fahrschülerin am Steuer. Off-Kommentare, Running Gags und das unsensible Verhalten der Hauptfigur tun ihr übriges, um aus "The Naked Gun: Fom the Files of Police Squad" (Alternativtitel) jene genial funktionierende Komödie zumachen, die sie geworden ist. Misslungene Witzchen gibt es kaum, alles greift gekonnt ineinander über, genau so muss eine Komödie aussehen, die immer wieder zum laut Loslachen animiert, selbst bei der x-ten Sichtung. Und es vergeht kaum ein Moment, indem nicht erneut ein weiter Witz mit seiner Attacke auf die Lachmuskeln wartet. Etwas Besseres hat es in diesem speziellen Komödienbereich bislang nicht gegeben, zumal man es geschafft hat, die Gagparade nicht zu unterkühlt stattfinden zu lassen. Die Figuren fühlen sich trotz ihrer Comicpräsenz relativ echt an, die Dramaturgie verleiht ihnen Seele, obwohl sie tief im Klischee badet, um herzhaft über tragische Kino-Standards herzuziehen. Und der trockene Grundton des Hauptcharakters verleiht der Figur des versteiften Drebbins ein Humorpotential, das seinesgleichen sucht und ihr somit hilft einen großen Teil des Films zu stemmen.


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TOP SECRET! (1984 David Zucker u.a.)


Als internationaler Gaststar in die DDR eingeladen, erfährt US-Rockstar Nick Rivers vor Ort zufällig von verschwörerischen Plänen der Regierung und wird damit wertvoll für eine Gruppe Widerstandskämpfer...


Kuh in Stiefeln...

Der Humor des Trios David Zucker, Jerry Zucker und Jim Abrahams ist legendär. Sie waren die Autoren des Kultfilms "The Kentucky Fried Movie", und mit ihrem gemeinsamen Regie-Debüt "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" erschufen sie sogleich eine der lustigsten Komödien, die wohl je gedreht wurden. "Die nackte Kanone" sollte die Genialität des Streifens um eine Flugzeugkatastrophe gar noch toppen, und mittendrin entstand der Bastard "Top Secret!", von dem ich aufgrund der so perfekt umgesetzten beiden anderen Werke nicht weiß was ich von ihm halten soll. Warum ist er so ausgefallen, wie er ausgefallen ist? Mit den anderen Komödien besagten Trios kann er nicht mithalten, auch wenn er eine Menge einfallsreicher und gut funktionierender Witze präsentiert. Es haben sich aber auch allerlei nicht funktionierender humoristischer Einlagen eingefunden, die oftmals aufgrund der Inszenierung nicht zünden wollen, so als stelle "Top Secret" einen Übungsfilm dar. Als erste Regie-Arbeit des Trios hätte das Ergebnis durchaus Sinn gemacht, zwischen beiden Meisterwerken entstanden verwundert der Grund manchen Scheiterns jedoch gewaltig.

Die gute Nachricht ist jedoch, dass der Streifen derartig viel Charme zu versprühen weiß und in seinen guten Momenten auch unglaublich witzig ausgefallen ist, dass man über seine Mankos gerne großzügig hinwegsieht. Übersehen kann man sie in ihrer ruppigen, aufdringlichen Art jedoch nicht, so dominant wie uns die meisten Gags nun einmal vorgesetzt werden, und eine missglückte längere Szene kurz vor Schluss, eine Unterwasser-Western-Schlägerei, bildet den Tiefpunkt und somit den einzigen Moment, den ich mir tatsächlich gerne herausgeschnitten gewünscht hätte. Ansonsten sorgt auch das nicht so rund laufende Ergebnis für Lachanfälle, und selbst so mancher nicht zündender Moment erntet einen Restrespekt, weil es sich oftmals um gute Ideen handelt, die lediglich fehlerhaft umgesetzt wurden. Sei es im falschen Moment eingebracht, in zu aufdringlicher Art präsentiert, der Gründe des Nichtfunktionierens gibt es so einige, an Beispielen soll die so herrliche Idee reichen, wie Menschen im Hintergrund auf einer Vogelstatue landen und diese verdrecken.

Berühmt geworden ist "Top Secret!" unter Filmfreunden und Filmschaffenden aufgrund seines optischen Humors, den man als einen Schwerpunkt des Werkes bezeichnen kann. Immer wieder wird mit den Sehgewohnheiten des Publikums gespielt. Ein im Vordergrund bimmelndes Telefon wird nicht kleiner, wenn sich ihm jemand vom Hintergrund her kommend nähert, ein Auge bleibt groß wenn die Lupe herunter genommen wird, Schuhe auf einem Tisch entpuppen sich als selbstständig auf dem Tisch stehend, anstatt angezogen Teil einer gemütlichen Sitzhaltung zu sein, und ein Bahnhof entfernt sich von einem Zug, anstatt dass der Zug sich vom Bahnhof entfernen würde. Als Höhepunkt darf man wohl die einzige Szene mit Peter Cushing bezeichnen, die ohne einen Schnitt zu setzen durchgedreht wurde, und bei der man erst im Laufe der Zeit merkt, dass sie rückwärts abgespielt wird. Das erklärt auch die sich zuvor merkwürdig anfühlende Gangart der Protagonisten, die mit Rückwärtslaufen quasi ein Vorwärtslaufen vorgaukeln. Gerade Cushing schafft es die Illusion des Rückwärtsspielens fast gekonnt zu beherrschen und erlebte in dieser Szene somit selbst als erfahrener Schauspieler noch einmal eine wahre Herausforderung am Schluss seiner Karriere.

Aber auch Val Kilmer entpuppt sich hier (erstmals in einer Hauptrolle besetzt) als unglaublich talentierter Mime. Sein Schauspiel geht weit über ein Herumalbern hinaus, auch wenn ein Großteil seiner Leistung auch darin liegt. Aber was der gute Mann an Mimik, Körpereinsatz, Humorverständnis und anderweitigen schauspielerischen Leistungen vollbringt, ist einen Blick wert, erst recht für Leute wie mich, die diesen Mann bislang unterschätzt, bzw. nicht im Visier gehabt haben. Großteils dank ihm werden auch die Gesangseinlagen zu Höhepunkten anstatt zu Geduldsproben für den Zuschauer, wobei bei dem gelungensten dieser Auftritte wiederum die Regie trumpft, die es schafft das Anhimmeln des Stars durch fanatische, weibliche Zuhörer so perfekt den Kitsch verarschend umzusetzen, dass kein Auge trocken bleiben dürfte. Zu weiteren Highlights zählt der Einsatz eines Kuhkostüms gemixt mit den echten Aufnahmen einer Kuh in Gummistiefeln, das nebensächliche Einfangen eines kleinen, alten Mannes, der in einem Restaurant zwischen einer Gruppe großer junger Männer sitzt, der an "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" erinnernde Rückblick, in welchem "Die blaue Lagune" selbst für jene Zuschauer hervorragend parodiert wird, die den Film nicht gesehen haben und viele weitere Momente, wie die Hinrichtungsszene, in welcher ein Pfarrer eine wichtige Rolle spielt, der nebensächliche Einsatz des sogenannten Analintruders und vieles mehr.

"Top Secret!" mag nicht der beste Streifen besagten Humor-Trios sein, an Einfallsreichtum mangelt es ihm jedoch nicht, und er bietet allerhand Szenen, die einen wahrlich laut auflachen lassen. Ob die unausgegorene Umsetzung dazu führte, dass bei "Die nackte Kanone" nur noch David Zucker Regie führte, weiß ich nicht, wäre aber möglich, ist "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" doch noch deutlicher in den einzelnen "Sketchen" gefangen, umringt von einer äußerst dünnen durchgehenden Handlung, und sind die beiden anderen Werke doch schon viel mehr einheitliche Handlungen mit richtigem roten Faden versehen, in welchen die Episodenhaftigkeit der Gags nur noch einen Nebeneffekt darstellt. Vielleicht hat es das eine Mal deswegen so hervorragend geklappt, und das andere mal nicht mehr. Das wäre zumindest ein Erklärungsansatz dafür, warum die Qualität des hier besprochenen Streifens so sehr von jener der Werke vor und nach ihm abweicht.


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SEOUL STATION (Seoulyeok 2016 Yeaon Sang-ho)


Die junge Hye-seon landet nach einem Streit mit ihrem Freund in einer U-Bahn-Station unter Obdachlosen, als in der Stadt eine Zombieepidemie beginnt. Während sie mit den anderen ums Überleben kämpft, wird ihr Freund von ihrem Vater kontaktiert. Den Untoten zum Trotz kämpfen sich die beiden durch die verseuchte Stadt auf der Suche nach Hye-seon...


Der Schatten der Prostitutionsvergangenheit...

Parallel zu "Train to Busan" im selben Jahr entstanden und vom selben Regisseur umgesetzt, soll "Seoul Station" einen Tag vor den Ereignissen des bekannter gewordenen Realfilms spielen. Das will mit Blick auf die Zombiepopulation und den Eingriff des Militärs zwar so gar nicht mit dem übereinstimmen, was zu Beginn des Hauptfilms passiert ist, letztendlich ist dieser Bruch in der Logik jedoch irrelevant. Für einen Fehler, der die Handlung nicht mehr funktionieren lässt, müssten tatsächliche Zusammenhänge zwischen beiden Filmen bestehen, und das ist bei unterschiedlichen Figuren in alternativer Handlung nicht gegeben, zumal es nicht einmal kleine Details gibt, die den jeweils anderen Film beeinflussen. Die Zusammengehörigkeit beider Filme entpuppt sich als bloßer Werbe-Trick, der wahren Herausforderung, was mit solch einem Projekt möglich gewesen wäre, hat man sich nicht gestellt.

Zombies in Zeichentrickfilmen will meiner Meinung nach bislang einfach nicht funktionieren. Dass ein amateurhafter "City of Rott" nichts reißen konnte, braucht nicht verwundern, aber "Seoul Station" ist professionell inszeniert, nicht unbedingt detailreich animiert, aber sauber und gekonnt, und selbst in diesem Zustand will er nicht wirklich überzeugen. Sicher ist ein elementarer Grund jener, dass er etwas zu dröge umgesetzt ist, meist nur das Altbekannte erzählt, sich währenddessen auf Figuren und ihre Dramaturgie verlässt, letztendlich dafür aber nicht interessant genug ausgefallen ist. Es sind aber auch die Zombieattacken an sich, die nicht zu gefallen wissen. Dafür ist die Animation zu lahmarschig umgesetzt. Alles schaut sich trotz des Bemühens eine flinke Animation auf die Beine zu stellen zu verlangsamt. Das wirft einen stets aus der Filmillusion heraus und lässt "Seoulyeok" (Originaltitel) eine Spur zu theoretisch schauen.

Zumindest kann man im hier besprochenen Film tatsächlich von Zombies sprechen. Wusste man in "Train to Busan" lediglich von ihrem Amoklauf aufgrund einer Infizierung, so wird in der Zeichentrickvariante deutlich thematisiert, dass die Menschen sterben, bevor sie mutieren. Auch der seit Romero übliche Schuss in den Kopf reicht aus, um die Untoten zu eliminieren, aufgrund fehlender Waffen im Realfilm (eine seiner schönsten Ideen), haben wir derartiges im Parallelfilm nie erfahren können. Man hat derartiges im Realfilm auch nicht vermisst, "Seaoul Station" zeigt sich mit derartigen Informationen deutlicher dem Zombie-Standard zugeordnet, was sicherlich verständlich ist, wenn man sich an eine Zeichentrickversion der Thematik wagt. Da erfindet man das Rad nicht neu, wenn bereits die anderweitige Optik stark beeinflusst in einem finanziell riskanten Projekt. Etwas weniger gewöhnlich hätte der südkoreanische Anime dennoch ausfallen können. Wahren Einfallsreichtum beweist er eigentlich erst mit einer Wendung allem Geglaubten in seinen letzten zehn Minuten, die mir trotz starker Zombiereduzierung eigentlich mit am besten am Gesamtwerk gefallen hat.


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TRAIN TO BUSAN (Boosanhaeng 2016 Yeon Sang-ho)


Ein Geschäftsmann begleitet seine Tochter bei einer längeren Zugfahrt zur geschiedenen Mutter. Leider hat sich auch ein Infizierter einer gerade begonnenen Zombieepidemie in den Zug eingeschlichen. Noch eben ahnungslos losgefahren, müssen die Fahrgäste um ihr Leben kämpfen und gleichzeitig feststellen, dass die Welt draußen von beißfreudigen Infizierten überrannt ist, und ein Halten an den vorgesehenen Bahnhöfen keinen Sinn ergibt. Einzig in Busan soll sich das Militär noch erfolgreich gegen die Epidemie wehren, somit bleibt dieser Ort die letzte Hoffnung für eine immer mehr dezimierte Gruppe Überlebender...


Zusammenraufen...

Hatte in England gerade einmal ein Jahr zuvor ein Werwolf den Gästen einer Zugfahrt in "Howl - Endstation Vollmond" ordentlich Schrecken eingejagt, so kam 2016 selbiges zum Zombie-Thema aus Südkorea in die Kinos und ist ebenso geglückt ausgefallen wie der pelzige Vorgänger. Ob "Train to Busan" auf einem Comic beruht, und somit als Printvorlage vor besagtem Werwolf-Film erschien, weiß ich nicht, ist aber auch egal, wenn man bedenkt wie unterschiedlich die Hauptaspekte beider Streifen ausgefallen sind. Es ist aber in sofern interessant, als dass Regisseur Yeon Sang-ho eigentlich Spezialist für Zeichentrickfilme ist ("The King of the Pigs", "The Fake") und den hier vorliegenden Horrorfilm kombiniert hat mit dem ein Tag zuvor spielenden Zeichentrick "Seoul Station", in welchem ebenfalls er die Regie übernahm, und der im selben Jahr von "Train to Busan" erschienen ist. Bislang habe ich den animierten Anhang zum real umgesetzten Hauptfilm noch nicht gesichtet, ich weiß also nicht wie viel mehr tatsächlicher Sehwert dadurch entfacht wird, den hier besprochenen Film kann man jedoch frei von Verständnislücken für sich alleine gucken, soviel ist sicher. Er ist ein temporeich ausgefallener, sympathischer Zombiefilm.

Zumindest trenne ich die Gattung der rennenden Infizierten nicht von Zombies, sonst müsste man letzten Satz korrigieren, haben wir es doch mit der flinken Gattung der Menschenfresser zu tun. Und auch wenn in diesem Sub-Genre schon alles erzählt scheint, und "Boosenhaeng" (Originaltitel) inhaltlich kein Ausnahmewerk darstellt, welches wie "Fido", "Pontypool" oder "Maggie" einen Weg gefunden hat mit Innovationen innerhalb einer viel erzählten Geschichte zu trumpfen, so lohnt sich doch trotzdem ein Einschalten. Inmitten von fortdauernder Zombie-Action nach einem kurz gehaltenen Einstieg kommt glücklicher Weise weder Oberflächlichkeit, noch ein Sättigungsgefühl auf, eben weil der Streifen nah an seinen Figuren orientiert ist, die nicht nur eindimensional ausgefallen sind. Stattdessen erhalten sie mitten im Chaos mit nur wenig Möglichkeiten versehen die Chance zu greifbaren Persönlichkeiten werden, mit denen man tatsächlich mit bangt. Zudem ist die Interpretation der Infizierten diesmal eine besonders interessante, machen sich die Mutierten doch keine Sorge mehr um mögliche Schmerzen, und dementsprechend konsequent bewegen sie sich und reagieren sie anderweitig auf Unfälle, Stürze und Verletzungen. Zudem agieren sie zwar instinktiv, sind auf der einen Seite also leicht auszutricksen, da kein Funke Intelligenz mehr ihr Hirn beherrscht, andererseits agieren sie, typisch Sinnbild Virus, mittels ihres Massenverhaltens sehr erfolgreich. Das kann als eine an "World War Z" angelehnte Idee auch dazu führen, dass sie unbewusst wie ein solidarisch agierender Körper wirken, wenn sie übereinander stapelnd sich zu ihrer Beute räumlich hoch arbeiten können.

Psychologisch gewitzt ist an "Train to Busan" eigentlich wenig. Es werden lediglich interessante Szenarien vorbereitet und umgesetzt und manch dramaturgischer Moment eingeflochten, um das Zombietreiben nicht zu steril ausfallen zu lassen. Dass eine der Hauptfiguren Fond-Manager ist, hat nie einen versteckt analytischen Grund, ebenso die Zugfahrt an sich als symbolisch weiter gedachte Funktion. Deswegen weiß ich auch nicht, ob die Eingangssequenz absichtlich ein wieder auferstandenes, tot gefahrenes Tier zeigt und im aggressiven Weltuntergangs-Part des Streifens nie wieder, um lediglich einen gekonnten Aufhänger für den Anfang zu präsentieren, oder um versteckt augenzwinkernd zu suggerieren, dass die anderen Lebensformen friedlich reanimiert wurden und nur der Mensch nach der Verwandlung zur aggressiven Spezies wurde. Gesellschaftskritik oder nicht, man weiß es nicht genau. Letztendlich sind all solche Überlegungen auch nicht wichtig, um "Train to Busan" zu beurteilen. Er bietet rasante, kurzweilige und packende Zombie-Action, ist in tolle Bilder gekleidet, geht zu Herzen, langweilt nie und weiß einfach ungeheuer gut zu unterhalten. Dass Yeon Sang-ho eigentlich Spezialist für Zeichentrickfilme ist, wird nie zum Manko, lässt sich an mancher Szene aber bestens erkennen, z.B. in der Art wie der großartig besetzte Kindercharakter eingefangen wird, der oftmals wie aus einem Anime entlaufen scheint. Ich hoffe das bedeutet Gutes für "Seoul Station", den ich zeitnah ebenfalls antesten werde.


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DEMOLITION MAN (1993 Marco Brambilla)


Der für seine Zerstörungswut bekannte, erfolgreiche Polizist Spartan wird von seinem Erzgegner Phoenix ausgetrickst, kann zwar dessen Verhaftung erreichen, wird selbst aber ebenfalls zu einer langjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Durch eine neue Methode wird man die Haftzeit über eingefroren, anstatt in eine Gefängniszelle gesteckt, und als im Jahre 2032 Phoenix in einer Zukunft erwacht, in der eine friedliche Gesellschaft jegliches gewalttätige Verhalten verlernt hat, da taut man aus Verzweiflung auch Spartan wieder auf, um den Amok laufenden Schurken dingfest zu machen...


Die drei Muscheln...

Nach eher erfolglosen Versuchen, ebenso wie Konkurrent Schwarzenegger, in der Komödienwelt mittels "Stop! Oder meine Mami schießt" und "Oscar" Fuß zu fassen, und nachdem er ein erfolgreiches Action-Comeback mit "Cliffhanger" feierte, besetzte man Sylvester Stallone in einem Mix beider Genres, angesiedelt im Science Fiction-Bereich. Hätte es nicht bereits 1987 "Eine schrecklich nette Familie" gegeben, könnte man "Demolition Man" als frühe Verarbeitung der Thematik um die neu aufgekommene Mentalität der Political Correctness verstehen. Doch erst zu einer Zeit als aus besagter Serie sinnloser Nonsens wurde, der nichts mehr mit dem Kampf der Streitkultur gegen die neue Mentalität zu tun hatte, da wurde das Thema mit besagtem Stallone-Film neu aufbereitet, diesmal die Fragwürdigkeit dieser Entwicklung mehr ins Zentrum rückend als das bloße Aufzeigen ihrer Ignoranz. Das Science Fiction-Genre war hierfür das ideale Medium, geht es doch nicht um den eigentlich lobenswerten Aufhänger der politischen Korrektness, sondern um die Überspitzung dieser durch Fanatiker. Und so wie uns "Idiocracy" später die phantastische Zukunftswelt einer verdummten Gesellschaft satirisch überspitzt vorsetzt, so zeigt uns "Demolition Man" wie mit fanatischer Übertreibung besagter Mentalität ein totalitäres System aussähe.

Durch berechtigte Umwelt-Panik ist der Film interessanter Weise heute aktueller als einst, funktioniert mit seiner Kritik am Bestreben des sündenfreien, perfekten Menschseins also noch immer. Der gut aufgelegte Grundton tut sein Erstes daran, dass "Demolition Man" ein gelungenes Stück Unterhaltungskino geworden ist. Er ist weder ein verbitterter, noch ein griesgrämiger Film. Und er ist in erster Linie ein Unterhaltungsfilm, der die Gesellschaftskritik in zweiter Reihe laufen lässt, also nicht als Nebensächlichkeit, aber als Aufhänger der amüsanten Kritikvariante. Gut aufgelegte Darsteller und ein Drehbuch mit allerlei gelungenen Randideen unterstützen besagte Leichtfüßigkeit, die damit beginnt in der Gegenwart angelegt die typischen 80er Jahre-Rollen von Hauptdarsteller Stallone zu parodieren, dies aber erst auf die Spitze treibt, wenn Spartan in einer völlig friedfertigen Gesellschaft erwacht, die ihn durch seine lebensfrohe, freie und konsequente Lebensweise als Tier betrachtet. Leider ist Gegenpol Wesley Snipes eine eher nervige Randbesetzung, welche sich im Originalton aber zumindest erträglicher schaut, als in der deutschen Synchronfassung. Dennoch nervt er auch auf englisch, auch wenn sein Überagieren durch den Comicgehalt der Handlung gewollt ist und damit tatsächlich leicht abgefangen wird.

Im Gegenzug dazu erleben wir an Stallones Seite die sich ungewöhnlich anfühlende Kombination mit einer gut aufgelegten Sandra Bullock, die sich hier noch am Anfang ihrer Karriere befand und erst ein Jahr später mit "Speed" weltberühmt werden sollte. Auch bei dieser Figurenkonstellation hilft der humoristische Grundton im Comic-Flair, u.a. durch solch drollige Ideen unterstützt, wie jener, dass Stallone der jungen Kollegin spontan einen hübschen Pullover strickt. An Action mangelt es nicht, aber gerade der Humor ist es, der "Demolition Man - Ein eiskalter Bulle" (Alternativtitel) erst seinen wahren Charme beschert. Ob es die geheimnisvollen drei Muscheln anstelle von Klopapier sind, die Idee in der Zukunft Werbelieder als Hauptprogramm im Radio zu spielen und fröhlich mit zu singen, Beleidigungen per Strafzettel zu ahnden, oder Pizza Hut zum Luxusrestaurant der Zukunft zu erklären (zumindest in europäischen Fassungen des Streifens), all diese Ideen bereichern, fußend auf dem kritischen Aufhänger, einen herrlich unterhaltsamen Film, der es freilich auch nicht vermissen lässt den Eingangs erwähnten Stallone-Konkurrenten Arnold Schwarzenegger gekonnt zu veräppeln.

Dass der Zukunftsstaat nicht nur aufgrund der Unterdrückung seiner Menschlichkeit fragwürdig ausgefallen ist, sondern auch weil er eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen hat, klingt nach einer arg Klischee-beladenen Ergänzung, wird aber aufgelockert aufgearbeitet durch eine im Untergrund lebende Außenseitergesellschaft, die ein wenig (aber nicht so skurril gekonnt wie dort) an die Vegetarier aus "Delicatessen" erinnert. Hier sind es die Fleischfresser, die Freidenker, die Fronten sind im Vergleich zum französischen Werk verdreht, aber in beiden Fällen bilden die Unterweltler die Rebellion gegenüber der Zustände oberhalb des Erdbodens. Es ist das besagte Comic-Flair, welches aus solch geglückten Ideen trotz dem Vorhandensein von noch so ausgelutschten Klischees und Stereotypen, solch eine gewinnbringende Erzählung zaubert. Das durchdachte Zukunftsbild, welches die fanatisch geartete Lebensweise der Political Correctness sowohl thematisch an den richtigen Punkten aufgreift, als auch im veralbernden Ton gekonnt bekämpft (der Anonymous-Kampf gegen die Scientology findet heutzutage ähnlich geartet statt), ist stabil genug, um Schwächen gekonnt wegstecken zu können. Besagte Pointensicherheit des Drehbuches und die gut aufgelegten Stars sorgen für den Rest, so dass "Demolition Man" meiner Meinung nach zu Recht ein Erfolg an den Kinokassen wurde.


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TANGO UND CASH (Tango and Cash 1989 Andrei Konchalovsky)


Die beiden unterschiedlichen Polizisten Tango und Cash sind in ihrem Kampf gegen Drogen derart erfolgreich in ihrer Stadt, dass der mächtige Gangsterboss Perret sich ihrer annimmt und mit einem abgekarterten Spiel dafür sorgt, dass sie beide hinter Gittern landen. Von nun an müssen die beiden Konkurrenten zusammen arbeiten. Nach einem gemeinsamen Ausbruch unternehmen sie alles, um herauszubekommen wer sie hereingelegt hat...


Böser Bulle, böserer Bulle...

Der Einfluss der Ironisierung des Genres durch "Lethal Weapon" ist in dem Werk von 1989 ebenso zu spüren, wie der bravere, weit weniger gewalttätige Stil der Actionfilme der kommenden 90er Jahre. "Tango & Cash" fühlt sich nicht mehr wie die alten Filme Stallones aus den 80er Jahren an, und die Zusammenkunft mit Kurt Russell ist keineswegs das Kombinieren zweier Stars, sondern das Misstrauen gegenüber zweier Noch-Stars, die nicht mehr ganz so in der Gunst des Zuschauers standen wie noch einige Jahre zuvor, als dass man ihnen Solo-Hauptrollen zugetraut hätte. Diesen unsicheren Umgang mit der Angst vor einem Flop sieht man dem zu konstruierten Film fortwährend an, beginnend mit dem Einsetzen von Humor in einer unorientierten Konsequenz, mal voll auf Buddy-Komödie mit lässigen Sprüchen getrimmt, meist alles lediglich augenzwinkernd präsentierend, nie stark genug eingebaut um tatsächlich von einer Action-Komödie sprechen zu können, sich dennoch nicht zu schade sein auch mal Russell in Frauenfummeln zu präsentieren.

Wer auf letztgenannten Gag steht, oder auf den motorisierten Kampf gegen Monstertrucks, wer einen sexy Tanz gemixt mit Breakdance und Elektrogetrommel als Bühnenshow bevorzugt und ein auf "irre James Bond-Erfindungen" getrimmtes Automobil, der ist bei "Tango und Cash" im richtigen Film, der stets noch unreifer daher kommt, als das Action-Genre ohnehin schon orientiert ist. Alberne Spiegeltricks, neunfach-Monitore zur Überwachung und Rückbesinnung und das Einschleichen ins Gefängnis zur persönlichen Selbstüberzeugung darüber ob die beiden Erzfeinde auch wirklich gefoltert werden, widersprechen der grundlegenden Charakterzeichnung des übermächtigen Bösewichts, spiegeln aber genau das infantile Getue und psychologische Unverständnis wieder, das es einem unmöglich macht den Streifen als brauchbare Unterhaltung ernst genug nehmen zu können. Gute Ideen werden meist auf die Schnelle abgefrühstückt, ohne sich Zeit für deren Potential zu nehmen, nicht logisch erklärbare Zwischensequenzen werden ausgeblendet, damit niemand Unaufmerksames sie hinterfragt, und ein viel zu billig heruntergekurbelter Hintergrund-Soundtrack ruiniert die Atmosphäre endgültig, der es ohnehin an einem düsterdreckigen Touch oder alternativ an der nötigen Lässigkeit mangelt, um wahrhaftig cool rüberzukommen.

So ziemlich alle Beteiligten hat man woanders schon weit besser erlebt, allen voran Jack Palance, der den Gangsterboss selbst als anspruchsloser Vieldreher spürbar lustlos spielt. Einzig Brion James ist wie immer gekonnt besetzt als Fiesling eine Sichtung wert, hier im selben Jahr agierend wie in seiner comichaften Glanzleistung aus "Horror House". "Tango and Cash" (Originaltitel) ist zu sehr Produkt, als dass der Film wirklich überzeugen könnte, uninspiriert umgesetzt, unorientiert im Fahrwasser verschiedener Stile gleichen Genres schwimmend und dank Innovationslosigkeit deswegen keinen Hafen ansteuernd, der sich als Heimat erweist. Das Ergebnis ist weder vollkommen blöde, noch langweilig ausgefallen, als Lightversion seines Genres mit weit heruntergeschraubten Erwartungen ist Konchalovskys Werk durchaus zu gourmieren, aber warum sollte man das tun, wenn es doch so viele bessere Filme gibt, die tatsächlich wissen was sie wollen? Stallone mag ja jede Menge Unsinn in seiner Karriere gedreht haben, aber meist waren doch selbst diese Werke unterhaltsamer Natur. "Tango & Cash" setzt sich unterkühlt und lieblos umgesetzt zwischen die Stühle, ohne dabei eine Provokation oder Eigenständigkeit zu entfachen. Schade ist es einzig um die Umorientierung der Rolle Stallones, der diesmal charakterlich leicht anders eingesetzt wurde als üblich.


Weitere Besprechungen zu Tango und Cash:


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WE ARE THE FLESH (Tenemos la carne 2016 Emiliano Rocha Minter)


In einer düsteren Zeit kommt ein Geschwisterpaar dankbar im verfallenen Heim des sonderbaren Mariano unter, der einen Alltag organisiert hat, in welchem er immerhin anders als andere regelmäßig an Nahrung gerät. Im Angesicht der hoffnungslosen Situation bleibt man bei ihm, obwohl er ein höchst unangenehmer, dem Wahnsinn verfallener, Mensch ist, was die beiden recht schnell zu spüren bekommen...


Im tiefen Sumpf der Filmkunst...

"We Are the Flesh" ist stilistisch dem Kunstfilm näher, als es manch andere Underground-Produktionen gerne wären, letztendlich hat er aber das selbe Problem wie die meisten Werke seiner Art: man kann ihn aufgrund seines Fokus stets provozieren zu wollen nicht wirklich ernst nehmen. Inszenatorisch gibt es wenig auszusetzen. Hier wird nicht Unvermögen mit entrückter Inszenierung überschattet und krampfhaft zu einem Kunstfilm erklärt, wie es mancher Amateurfilm vormacht. Kamera, Maske, Set-Design, all diese Aufgabenbereiche sind weit professioneller angegangen, als man es von solch einer Art Produktion erwarten würde, und die Schauspieler sind passend zu diesem Niveau besetzt, wissen also ebenso zu überzeugen. Das Grundszenario des Streifens ist düster, dreckig und verstörend, präsentiert uns eine Zukunft, in der etwas Schreckliches, aber nie Genanntes, geschehen ist, und diesen Minimalismus an Informationen behält man bei, indem man uns einzig aufzeigt was während der ungewöhnlichen Wohngemeinschaft mit den drei Protagonisten eingekerkert in der baufälligen Behausung passiert.

Demokratie gibt es hier nicht, Mariano ist der Hausherr, der Versorger. Und in der eigentlich neutralen, nüchternen Betrachtung aus der Sicht Dritter scheint sein Wahnsinn immer in unseren Blickwinkel mit einzufließen, so derart geistig entrückt, befremdlich und schwer zu fassen sind die oft nichtig erscheinenden Ereignisse eingefangen. Die Stimmung ist schwermütig, dreckig und unangenehm, "We Are the Flesh" wendet sich nie dem Unterhaltungskino zu, will fortwährend schwere Kost sein, und fordert den Zuschauer mit allerhand sexuell und blutig provokanter Szenen heraus, in welchen es fern der Pornographie auch mal zu einem echten, unzensierten Blowjob vor laufender Kamera kommen kann. Da ist hauptsächlich der Mut der Akteure gefragt, immerhin lief der Streifen auch offiziell auf Filmfestivals, weniger der Intellekt, den ein Kunstfilm eigentlich in der Lage sein soll zu beinhalten. Sicher kann man aufgrund der nicht erklärten Umstände und Auslöser viel in den Streifen hinein interpretieren und ihn damit intellektuell begründen, erfinden und deuten, letztendlich schiebt Minters Drang zur Provokation diesem Blick jedoch einen unglaubwürdigen Riegel vor. Sein Werk soll anstößig sein, im besten Falle verstörend, um mehr geht es dem guten Mann nicht wirklich.

Solch ein Underground-Film ist immer eine Spur mehr Geschmackssache, als es ein Film an sich ohnehin schon immer ist, und stilistisch gibt es da wie gesagt an "We Are the Flesh" nicht wirklich etwas zu meckern. Glücklicher Weise drehen sich die Ereignisse auch nicht all zu sehr im Kreise, wie sich zunächst vermuten lässt, das überraschende Ableben eine der drei zentralen Figuren sorgt endgültig für eine Wende der Ereignisse. Aber in seiner voyeurgeilen Einseitigkeit, in ellenlangen lahmarschig eingefangenen Aufnahmen, wusste mich das Ergebnis, trotz manch theoretisch packend angegangenem Szenario, an sich nur zu langweilen, anstatt zu interessieren, nicht ohne eine Restfaszination entfachen zu können und auch nicht ohne einen gewissen Respekt der Beteiligten in mir wachsen zu lassen, als Gesamtergebnis jedoch zu mau ausfallend, als dass ich all zu lobende Worte von mir geben könnte. Trotz aller Provokationen und zu viel gewollten Elementen hebt sich "We Are the Flesh" aber stilistisch angenehm von den vorgaukelnden, billig abgedrehten Möchtegern-Kunstfilmen ab, schließlich gibt es handwerklich wenig zu bemängeln. Aber diese erdrückende Atmosphäre, die manch einer sicher als den Pluspunkt des Streifens ansehen wird, und die vom Regisseur sicherlich auch so gewollt ist, ließ "Tenemos la carne" (Originaltitel) für mich zu einer unangenehmen Filmerfahrung werden. Das kann man aber maximal nur bedingt dem abgelieferten Werk ankreiden, der Wahrheit entspricht es vielmehr, dass ich nicht wirklich zum Zielpublikum dieser Art Film gehöre.


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SPACE FIREBIRD 2772 (Hi no tori 2772: Ai no kosomozôn 1979 Taku Sugiyama)


Ein in Gefangenschaft geborener junger Mann bekommt den Auftrag mit einem Raumschiff einen legendären Vogel aufzusuchen, da man durch ihn Unsterblichkeit erlangen kann. Als er hierfür auf seine Roboterfreundin, die ihm von Kindheit an zur Seite stand, verzichten soll, da diese zerstört gehört, verweigert er sich den Regeln des totalitären Systems und landet stattdessen in einem Strafgefangenenlager. Hier kann er sich mit einem etwas wirren Wissenschaftler zusammentun, der ihm dennoch den Flug zum Feuervogel ermöglicht...


Der Phoenix aus der Asche...

Gerne wird "Space Firebird 2772" zu Werbezwecken mit der Erfolgsserie "Captain Future" verglichen. Außer dass beide Produkte aus Japan stammen und von einer Raumschiffbesatzung im Weltraum erzählen, will dieser Vergleich jedoch so gar nicht fruchten. Die Verantwortlichen des Streifens schienen recht frei agieren zu können, konnten frei von einengenden Vorgaben umsetzen wonach ihnen war, ohne ein bestimmtes Zielpublikum im Visier zu haben. So kommt es oft zu ziemlich abgedrehten Momenten, die einem LSD-Trip gleichen, womit der Vergleich zu "Yellow Submarine" treffender erscheint. Und auch in besonneneren Momenten werden derartig viele skurrile Elemente eingeführt, dass man sich an die Disney-Version von "Alice im Wunderland" erinnert fühlt, eine Geschichte an deren Verfilmung Regisseur Taku Sugiyama anbei auch in der japanischen Zeichentrickserien-Version "Alice im Wunderland" beteiligt war. Besagte schräge, geradezu psychedelische, Momente dominieren jedoch hauptsächlich die zweite Filmhälfte. Die erste hingegen ist relativ geradlinig erzählt, sachlich durchdacht und angereichert mit subtil eingebauter Gesellschaftskritik beim Kreieren eines zukünftigen totalitärem Systems, dem es nicht an Einfallsreichtum und Eigenständigkeit mangelt.

Wem das wirr und inkonsequent erscheint, der hat Recht und Unrecht zugleich. Sicherlich fällt die Zweiteilung des erzählten Stoffes unübersehbar auf, und nicht jeder, der mit der ersten Hälfte etwas anfangen konnte, kann auch mit der zweiten glücklich werden. Doch so wirr und fantastisch der zuvor eher futuristische, und damit Science Fiction-orientierte Stoff mit seinem Wandel auch überraschen mag, den Schöpfern entgleitet nicht das anvisierte Prinzip ihres Filmes und auch nicht die zu erzählende Geschichte. "Space Firebird" (Alternativtitel) entpuppt sich damit als mutiges Projekt für ein aufgeschlossenes Publikum, welches sich eben nicht auf Erwartungen stützt, sondern so vielfältig wie möglich erscheinen möchte. Die Kreativität steht an der Spitze der Ziele, sie dominiert die Faktoren eines Zeichentrickfilmes, denen üblicher Weise mindestens ebenso viel Beachtung geschenkt wird. Und wer hinter den Vorhang der Farbspielereien mit esoterischen Touch blicken kann, sprich sich von solchen Momenten nicht verwirren lässt, sondern sich lediglich zum Hineinfiebern einladen lässt, der wird erkennen, dass anscheinend vernachlässigte Faktoren lediglich in der zweiten Reihe parken, und sehr wohl jene Beachtung geschenkt bekamen, wie dies auch bei Konkurrenzprodukten der Fall ist.

Allerdings ist es für Gewohnheitszuschauer schwierig sich auf diesen Blickwinkel einzulassen, denn die Schöpfer von "Phoenix 2772" (Alternativtitel) treiben es wahrlich bunt und bringen selbst Befürworter des Streifens gelegentlich an ihre Grenzen. Da wird eine Ernsthaftigkeit plötzlich durch träumerischen Kitsch ausgetauscht, Science Fiction wie erwähnt durch Fantasy, Mögliches gegen Unsinniges. Bereits der Vogel, um den es zentral geht, scheidet die Geister, wenn er durch das Weltall fliegt, als befände er sich am Himmel der Erde. Doch schon lange bevor der Streifen solche Wagnisse eingeht, vermitteln uns die Verantwortlichen bereits in der bodenständigen Phase ihr Faible für Vielfältigkeit, für Ernst neben Spaß, für Düster neben Bunt, für Emotionen neben Sachlichkeit. Allein die Figurenkonstellation ist ein guter Beweis für diese Aussage, sind unsere eigentlichen Helden doch im klassischen Anime-Stil gezeichnet, wie wir sie auch aus "Captain Future" und etlichen anderen Produktionen kennen, begleitet von niedlichen Sidekicks, wie es auch nicht gerade unüblich für japanische Animationsstoffe ist, gleichzeitig jedoch auch Figuren ins Zentrum treten lassend, die eher an amerikanische und europäische Zeichentrickfilme erinnern. Ob es der Bösewicht ist, oder der verrückte Wissenschaftler (der seine dicke Knollennase anheben muss, wenn er aus einem Glas trinken möchte), sie wirken so gar nicht dazugehörend zum eigentlichen Anime-Stil, beweisen sich aber als überraschend kompatibel mit dem Rest.

Für meinen Geschmack hätte es gegen Ende zwar eine Spur weniger esoterisch zugehen können, letztendlich bin ich jedoch trotzdem begeistert von diesem relativ früh entstandenen, gezeichneten Science Fiction-Abenteuer, vergehen die leicht unter zwei Stunden laufenden Filmminuten doch wie im Flug, so interessant und liebevoll das Ergebnis umgesetzt ist und tatsächlich auch immer etwas zu erzählen hat. Ohne zum reinen Kunstfilm a la "Belladonna" oder "Tamala 2010" zu werden, fordert "Space Firebirth" (Alternativtitel) mit seiner Vielseitigkeit und seinen optischen Spielereien geradezu heraus. Letztendlich ist ihm aber der Abenteuerbereich und der Unterhaltungswert wichtiger. Doch wie man am besagten Vergleich sieht, setzt sich der Film auch diesbezüglich zwischen die Stühle, denn von Mainstream kann man bei solch einem erwartungsdurchbrechenden, eigensinnigen Werk nun wahrlich ebenfalls nicht sprechen.

Ob die bemerkenswerte Subtilität in der Anfangsphase, in welcher wir das zukünftige Staatssystem meist mit Nebensächlichkeiten kennen lernen, gewollt beiläufig einfließt, oder nur der Nebeneffekt dessen ist, dass es sich bei "Fire's Bird 2772: Love's Cosmozone" (Alternativtitel) um den Mittelteil einer Trilogie handelt, könnte man nur mit Kenntnis des Vorgängers beantworten. Da aber weder der ein Jahr zuvor entstandene "Hi no tori", noch der erst 1986 erschienene "Hi no tori: Hôô-hen" hierzulande erschienen sind, bleibt diese Frage offen. Freunde asiatischer Filmkost sollten "Hi no tori 2772: Ai no kosomozôn" (Originaltitel) auf jeden Fall ruhig einmal eine Chance geben. Er vereint die Filmrichtungen Science Fiction, Abenteuer, Fantasy, Komödie, Liebesfilm und Drama, mal harmonisch vereint, mal ruppig austauschend, gekonnt miteinander im Zeichentrick-Genre. In seiner Einzigartigkeit hätte er einen größeren Stellenwert in der Anime-Historie verdient. Stattdessen ist er von den meisten vergessen. Ein Wiederentdecken lohnt sich für Freunde nicht genormter Kinoereignisse.


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BREAKING BAD - STAFFEL 5 (Breaking Bad - Season 5 2012 Michael Slovis u.a.)


Nach dem Tod von Gustavo Fring tun sich Walter, Jesse und Mike trotz aller Differenzen zusammen, um weiter am Drogenmarkt Geld zu verdienen. Die Partnerschaft gerät durch die verschiedenen Methoden und Ansichten immer wieder ins Wanken. Nach entscheidenden Wendungen wird Hank zum größten Problem, da er mittlerweile vermutet dass Walter Heisenberg ist...


Vom Kammerjäger zum Gejagten...

Mit dem Verlust der Figur des Gustavo Fring ging großes Potential verloren, was aber nicht das Ende einer interessanten Geschichte bedeutet. Mag der große Sehwert des mächtigen Gegenspielers auch wegfallen, zwischenmenschlich weiß die Geschichte der fünften Staffel von "Breaking Bad" so einiges zu bieten, so dass es auch in der letzten Staffel nicht an nervenkitzelnden Momenten, emotionalen Erlebnissen und schwarzhumorigen Seitenhieben mangelt. Die Staffel wurde in zwei Hälften präsentiert ausgestrahlt, startet mit der zweiten Hälfte doch eine im Zusammenhang stehende neue Geschichte, in welcher Hank wie zu erwarten zum Gegenspieler Heisenbergs wird. Das Hinhalten hat ein Ende, und doch hat es sich nie wie ein Hinhalten angefühlt, auch nicht in der ersten Hälfte der finalen Staffel, die gekonnt Dinge für die zweite vorbereitet, die man nie voraus ahnen könnte. Doch auch die vorauszusehenden Zutaten wissen stets zu überraschen, spielen die Autoren doch weiterhin gekonnt mit den Erwartungen des Zuschauers, immer alles anders präsentierend als angenommen, ohne dabei der Glaubwürdigkeit der fast widerspruchslosen, durchdachten Comicwelt des "Breaking Bad"-Universums zu schaden.

Interessant ist anzumerken, dass das konkrete Finale, also die letzten Episoden, weit weniger actiongeladen daher kommen, als manch einer vermutet hätte, vielleicht sogar erhofft. Die Serie geht auf ruhig erzählten Wege zu Ende, lässt es erst kurz vor Schluss ordentlich krachen, dann aber richtig, spart auf dem sachlich konzentrierten und ruhigen Pfad bis dahin aber nicht mit nervenaufreibenden Szenarien. Überall kocht es, so ziemlich jeder Beteiligte erlebt ein schweres Schicksal, Solidaritäten werden durchbrochen, überraschende Bündnisse eingegangen, es wird mit allen Mitteln gekämpft, und drei Episoden vor Schluss wird man zudem vor den Kopf gestoßen mit einem Ausgang einer entscheidenden Situation, die man für den Schluss der Serie gehalten hätte. Stattdessen holt die fünfte Staffel an diesem Punkt noch einmal aus, um völlig andere Elemente abzuarbeiten, Ereignisse und Wendungen die äußerst interessanter Natur sind, aber oftmals in solch einer geduldigen Nichtigkeit zelebriert werden, dass manch einem das Gezeigte eventuell nicht schmecken könnte. Allerdings war "Breaking Bad" ohnehin nie die Art Serie, die sich den ungeduldigen, auf reißerisch Elemente fixierten Zuschauer zum Zielpublikum machte, auch wenn diese Art Klientel überraschender Weise ebenfalls für die überdurchschnittlich intelligente Serie zu begeistern war.

Nun im Finale - und dies eigentlich nicht nur in den letzten drei Folgen - beweist sich der wahre Freund der Reihe, wenn auf eher nüchterne Art immer wieder gut reflektiert die jeweils nächste Phase der kaum vorauszusehenden Ereignisse zelebriert wird. In besagter Schlussphase der letzten Staffel wird diese Herangehensweise gekonnt auf die Spitze getrieben, wenn sich übelste Ironien abzeichnen, ernüchternde Wahrheiten ans Licht geraten, inmitten dieser Sachlichkeit aber doch immer wieder die realitätsentrückte Comicwelt der Serie über allen Ereignissen schwebt. Bis zum Schluss pendelt die großartig erzählte Serie zwischen realitätsnah und comicartig überzogen, in bitteren, wie in lustigen oder spannungsgeladenen Momenten. Und wer mit der subtilen Art der Serie etwas anfangen konnte, beispielsweise mit der Kissenszene der ersten Staffel, der wird den überraschend ruhigen Schluss, mit seinem völlig anderen Anlaufpunkt, geradezu zu genießen wissen.

Dennoch sei angemerkt, dass mit diesem gelungenen und lobenswerten Schritt nicht jene Intensität entfacht werden kann, wie sie in den hoch kochenden Phasen der dritten und vierten Staffel erreicht wurden, die man als das Highlight der kompletten Serie betrachten kann. So gut der Schluss auch ausgefallen ist, ohne kaum Fragen offen zu lassen und in keinster Weise zu verärgern, er schaut sich längst nicht mehr so ununterbrochen packend erzählt wie in dieser Bestzeit. Staffel 5 gönnt sich immer wieder Atempausen und neue Anläufe, dies jedoch bei weitem nicht als unbeabsichtigter, schwächelnder Punkt des Ganzen. "Breaking Bad" geht nicht der Atem aus, die Qualität wird nicht geringer, das Pulver ist längst nicht verschossen. Ganz im Gegenteil war es sogar eine Produzentenentscheidung die Serie mit Staffel 5 enden zu lassen, nicht die Entscheidung des TV-Senders aufgrund womöglich schwächelnder Quoten. Das Gegenteil war der Fall, die Serie war nach wie vor heiß begehrt. Alles was Staffel 5 erzählt und wie hier vorgegangen wird, ist pure Absicht, bestehend aus gekonnten Manövern, einfallsreichen Ideen, psychologisch cleveren Kniffen und unerwarteten Wendungen, die der Chose immer wieder neues erzählenswertes Potential bereiten. Somit bleibt auch Staffel 5 ein sehenswertes TV-Highlight einer Fernsehserie, die eine Qualität vorlebte, an die bislang keine weitere von mir gesichtete Serie im Thriller- und Dramenbereich heran reichen konnte. "Breaking Bad" ist ein TV-Juwel, eine erstaunliche Ausnahme im Serienmeer, und gerade die völlig andere Herangehensweise der beiden Hälften der fünften Staffel machen dies noch einmal deutlich.


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CREED 2 - ROCKY'S LEGACY (Creed 2 2018 Steven Caple Jr.)


Als Adonis Creed zum Schwergewichtsweltmeister im Boxen wird, sieht Ivan Drago seine Chance gekommen. Er hat von klein auf seinen Sohn Viktor trainiert, der nun dem Namen Drago in der Welt des Boxsports wieder Ehre bereiten soll, also fordern die beiden Adonis zum Titelkampf heraus. Aufgrund der tragischen Verwebungen beider Familien nimmt Adonis die Herausforderung an, muss aber ohne Rockys Hilfe in den Ring steigen, da dieser keinen Anlass für den Kampf sieht...


Der Kampf der Vorväter...

Nachdem "Rocky 6" und "Creed" solch überraschend gut funktionierende Fortsetzungen einer wunderschönen Filmreihe waren (auch wenn ab "Creed" unnötiger Weise immer wieder von einem Spin-Off anstatt von einer legitimen Fortsetzung gesprochen wird), sollte man meinen, dass einen "Creed 2" diesbezüglich nicht mehr positiv überraschen müsste. Aber der Ansatz Ivan Drago in die Welt Rockys und Creeds zurückkehren zu lassen, ließ mich dann doch kritisch werden, immerhin war "Rocky 4" die Lachnummer der Reihe, Drago lediglich der böse Russe in einem unreflektiertem Film der im kalten Krieg entstand, und das schien so gar nicht in die gut funktionierende, nostalgische Welt der Dramenfilme des gealterten Rocky zu passen, die tatsächliche Aussagekraft besaßen. Doch erneut ist es den Schöpfern und dem Mitautor Sylvester Stallone gelungen dieser Kinoserie einen weiteren gelungenen Teil zu bescheren, produziert von den beiden männlichen Hauptdarstellern, und mit Dolph Lundgren und Brigitte Nielsen auch mit Original-Stars aus dem 80er-Vorgänger besetzt.

Letztgenannte schaut nur zwei mal kurz vorbei, ist aber entscheidend für die Dramaturgie des Stoffes und dem dramaturgischem Ausgang der Geschichte für die Dragos, eine gemeinsame Szene mit Stallone gibt es jedoch nicht. Lundgren hingegen wird als Trainer seines Sohnes häufig eingebracht, hat aber seine größte Szene ziemlich zu Anfang, wenn es zur ersten Begegnung zwischen seiner Rolle und Rocky kommt, die meiner Meinung nach psychologisch glaubwürdig umgesetzt wurde. Das trifft aber auch auf den kompletten Film zu, der aus Drago nicht mehr macht, als er ist, ihn aber auf überraschend gewitzte und eher versteckte Art menschlicher erscheinen lässt, als er uns in Teil 4 verkauft wurde. Wirklich erkennen kann man das eigentlich erst in Lundgrens zweitbester Szene gegen Ende, zuvor lässt man uns im Unklaren darüber ob der Russe dazu gelernt hat oder nicht. Den Hintergrund der Dragos seit damals zu erfahren ist interessant, der Sohn gut besetzt und glaubwürdig charakterisiert, der innere Konflikt Creeds so konfus, wie nachvollziehbar, so dass die Kernfrage, die Rocky im Film zwei Mal stellt, zum entscheidenden Auslöser der zwei Phasen des Streifens wird.

Ansonsten lebt "Creed II" von den Trümpfen, die bereits der direkte Vorgänger besaß. Die Geschichte Creeds bleibt ebenso interessant wie die nostalgische des gealterten Rocky. An seiner Lebenssituation änderten die Verantwortlichen des Streifens nichts mehr. Wir sehen das, was wir bereits zuvor sahen, und das schaut sich deswegen keineswegs unnötig oder unkreativ, sondern beschert der fiktiven "Rocky"-Biographie erneut die bisherige Konsequenz und Glaubwürdigkeit. Zudem arbeitet "Creed 2 - Rocky's Legacy" an der Eigenständigkeit des Adonis Creed-Charakters, indem er ihm und Rocky ein jeweils eigenständiges Leben beschert, so dass eine erneute Fortsetzung ohne den bisherigen Trainer und das Zugpferd der ersten sechs Teile stattfinden könnte. Dass sich dies keiner tatsächlich trauen wird, ist klar, aber vielleicht ist die Rolle Stallones in einer kommenden Fortsetzung zumindest kleiner geraten. Zwar würde ich ihn mir erneut gern ebenso positioniert wie bisher auch in "Creed 3" zurückwünschen, aber das sind eigentlich Gefühle, die wenig Sinn ergeben und die Reihe in eine Sackgasse drängen könnten. Schließlich ist die Creed-Figur mitsamt der Familie interessant genug und reichhaltig charakterisiert, sowohl im beruflichen, wie auch im privaten Bereich sind Möglichkeiten zur Weiterentwicklung und Vertiefung möglich, so dass man das Klammern an die Figur Rocky nicht mehr nötig hätte und eine unabhängige Fortsetzung angehen könnte. Genau aus diesem Grund ist es gut, dass man im zweiten Teil noch ein letztes Mal die Chance nutzte, Drago zurückkehren zu lassen, um die Peinlichkeit des vierten Teils zumindest ein wenig reinwaschen zu können. Dass das lediglich für "Creed 2" gilt, ohne dass sich dadurch "Rocky 4" vernünftiger schaut, dürfte jedoch von Anfang an klar sein.


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SUMMER SHARK ATTACK (Ozark Sharks 2016 Misty Talley)


Eine Familie reist an einen See, den Großmutter mit Kindheitserinnerungen verbindet. In diesen Gewässern unüblich auftauchende Haie machen sich sogleich über Omi her. Zusammen mit einem zwielichtigen Ortsansässigen versucht man die Beißer auf eigene Faust zu bekämpfen - zumal die Polizei die Meldungen über Haie im heimischen Gewässer nicht für voll nimmt und etwas weiter unten am See ein großes Touristenevent starten soll...


Diverse Haitötungsmethoden...

An billig heruntergekurbelten Hai-Horrorfilmen hat es seit der 80er Jahre noch nie gemangelt, und seit dem Erfolg von "Sharknado" gibt es erst recht kein Halten mehr. Immer mehr kostengünstigst produzierte Tier-Horrorfilme mit den beliebten Beißern erblicken das Licht der Welt. Während manche (oft scheiternd) um einen reizvollen Aufhänger bemüht sind ("Sand Sharks", "Ghost Shark", "Zombie Shark", ...), kommen andere nach wie vor ungetarnt so simpel wie jedes Mal daher. So auch "Summer Shark Attack", dessen einzige Ungewöhnlichkeit zunächst darin besteht, dass die Viecher im Süßwasser unterwegs sind, was aber spätestens seit "Swamp Shark" auch kein neuer Ansatz mehr ist. Ohnehin hat sich bei Dauergästen und Stammproduzenten solcher Werke eine Gewohnheit eingeschlichen, die manch damals ungewöhnlich (meist auf die dämliche Art) Anmutendes zur Standardrezeptur hat werden lassen, das man mittlerweile einfach akzeptiert. Ob das nun der nimmersatte Appetit der Bestien ist, oder das hundeähnliche Verhalten, mit welcher sich die Haie anlocken lassen, längst spielen Filme wie der hier besprochene ganz selbstverständlich mit diesen Elementen, so dass wer Unerfahrenes, der sich als Zuschauer in einen solchen Film verlaufen hat, den Unfuggehalt der ganzen Chose noch stärker wahrnimmt, als der Stammgast.

Aufgrund dieser Gewöhnung ist man auch innerhalb eines wenig innovativen Aufhängers der immer gleichen Geschichte bemüht andere Schauwerte zu integrieren, was freilich schwierig ist in einem Filmbereich, der nur in wenigen, professionellen Ausnahmewerken, mit guten CGI-Effekten ausgestattet ist. Wie in fast allen TV- und Videoproduktionen dieser Art, so sind auch die Computereffekte in "Ozark Sharks" (Alternativtitel) ein trauriger Witz, aber auch eben einer, den man mittlerweile automatisch annimmt, da er ebenso wie eben erwähnte, moderne Sub-Genre-Klischees automatisch zu dieser Art Film dazugehört. Da also steigernde Sehwerte in diesem Bereich bei geringem Budget für Filmschaffende ohne individuelles Denken nicht möglich sind, muss woanders ein Aufhänger gefunden werden. Und diesen setzt man im hier besprochenen Werk bei der seit "Shaun of the Dead" beliebten Möglichkeit der ungewöhnlichen Bekämpfung gegen die Aggressoren an. Während die Haie bei ihren Angriffen typische Blutteppiche auf dem Wasser hinterlassen und aggressiv aus dem Wasser springen, da geht es den gefräßigen Fischen diesmal von Menschenseite aus abwechslungsreich an den Kragen. So plump dieser Aufhänger auch sein mag, er macht zumindest aus einem zunächst eher langweiligen Film einen halbwegs akzeptablen.

Unterhaltsam sieht anders aus. Was Misty Talley, die zuletzt den interessant klingenden "Santa Shark" abdrehte und auch ansonsten bislang nur Hai-Horrorfilme ablieferte (u.a. "Mississippi River Sharks"), hier abliefert ist, abgesehen von den abgedrehten Tötungsmethoden, der typisch einfallslose Standard mit nicht nennenswerter Handlung und uninteressanten Charakteren versehen. Letztgenannte bekommen zumindest ab und an lustige Zeilen in den Mund gelegt, und ohnehin ist "Summer Shark Attack" stets humoristisch untermalt. Aber wirklich aufregend ist das Ganze nicht ausgefallen. Die Haie leiden weit mehr als die Menschen, das ist der extremste Unterschied zu den Anfängen mit "Der weiße Hai" und Co. Und das ist es auch, was dem Streifen zumindest einen Restcharme beschert (wenn auch sicher nicht bei engstirnigen Tierschützern), denn auch in schlechter Animation bereitet es auf wundersame Art Freude beispielsweise einen Hai parallel zu einem Feuerwerksspektakel explodieren zu sehen. Dass solche Elemente bei uninteressanter Besetzung, einfallsloser Charakterisierung und allseits bekannter Handlung keinen kompletten Film gestemmt bekommen, dürfte jedoch jedem, außer der Geldgeber dieses Streifens, klar sein. Daran ändert auch manch überraschendes Ende einer angeblichen Hauptfigur nichts.


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OVER THE TOP (1987 Menahem Golan)


Truckfahrer Hawk hat einst seine Frau samt Sohn verlassen. Im Sterben liegend bittet sie ihn sich ab sofort um den Jungen zu kümmern. Der hat gerade die Militärakademie abgeschlossen, und erzogen in der elitären Mentalität seines reichen und mächtigen Großvaters, hat er kein Interesse daran seinen Vater kennen zu lernen. Auf der gemeinsamen Truckfahrt zum Krankenhaus nähern die beiden sich trotzdem langsam an, irgendwo zwischen den Versuchen des Opas dies zu verhindern und Hawks Wunsch mittels Armdrückwettbewerben finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen...


Eine Maschine, die gestartet wird...

Nach "Rocky" war Sylvester Stallone scheinbar zunächst ins Visier der Sportfilm-Produzenten geraten, denn 5 Jahre nach besagtem Erfolg, der bereits die erste Fortsetzung "Rocky 2" nach sich zog, sollte er in "Flucht oder Sieg" den europäischen Fußball thematisieren. Zu Zeiten, in denen der gute Mann längst mit Werken wie "Rambo 2" und "Die City Cobra" zum Actionhelden wurde, da besann man sich dieses noch relativ kurz zurück liegenden Ursprungs, und Stallone sollte erneut einer Sportrichtung zugeteilt werden. Mehr noch, Stallone selbst steckte hinter der Idee von "Over the Top", und die kann man beim besten Willen nur als naiv bezeichnen, denn wer hält Armdrücken bitte für eine ernstzunehmende Sportart? Und wer möchte bitte ernsthaft einen Film zu dieser Thematik sichten? Ich weiß es nicht, aber es müssen schlichte Gemüter sein, weswegen es vielleicht gar nicht der verkehrte Weg war den fertigen Streifen in eine höchst blauäugige Mentalität zu tauchen, die sich extrem vom ohnehin schon naiven Kern vieler anderer Stallone-Filme abhebt.

Das von Stallone mitverfasste Drehbuch strotzt nur so vor Einfältigkeiten, simplen Blickwinkeln und psychologisch unsinniger Entwicklungen und steckt mitten im Wunschdenken von Stallone und den (nicht mitverantwortlichen) Disney-Studios fest, dass man alles im Leben erreichen kann, wenn man nur daran glaubt. Bereits in seiner ersten Phase, in der "Over the Top" mehr vom späteren "Der Giftzwerg" hat, als von einem Armdrückfilm, sprudelt die Naivität des Streifens in ihrer weltfremden Mentalität und dem festgefahrenen Schwarz/Weiß-Blick bezüglich Arm und Reich geradezu über. Mit unfreiwillig komischen Touch versehen, macht dieser blauäugige Dummfug jedoch überraschend viel Spaß - auch aufgrund der guten Besetzung des bösen Großvaters. Leider nervt der Filmsohnemann Stallones dafür um so mehr. Je mehr er in Papa einen tollen Menschen sieht, desto mehr nervt seine fröhliche Art. Aber eben auch diese unsympathische Besetzung wirkt wundervoll für herrlichen Film-Trash, den man beim besten Willen nicht ernst nehmen kann.

Richtig in die Scheiße setzt sich "Over the Top - Mein Daddy schlägt sie alle" (Alternativtitel) jedoch im letzten Drittel, welches aus dem Vater/Sohn-Drama endgültig einen Sportfilm macht. Und dieser will uns u.a. weiß machen, dass die Weltmeisterschaften im Armdrücken derart bedeutend ist, dass sie sogar auf Monitoren am Flughafen übertragen wird. Zwar macht der Streifen kein Geheimnis aus dem Proletentum des Pseudosports, da aber der einfache Mann von der Straße in seiner stumpfen Art gefeiert wird, bedeutet das keineswegs, dass der Film den Sport in einem realistischen Licht betrachten möchte. Dementsprechend schwankt der Streifen in dieser Phase zwischen harte Kerle-Plot und Proleten-Ehre, zwischen familiärer Tragik und dem Konzentrieren auf rein körperliche Lösungsmöglichkeiten aller Probleme, und da das Ganze wie ein Comicfilm anmutet, macht es tatsächlich Spaß diesem Blödsinn zu folgen. Wo in "Rocky" ein unter Extrembedingungen angestrengter Blick des Protagonisten Respekt erntet, da lebt in "Over the Top" bei ähnlichen Kameraeinstellungen und Gesichtsverzerrungen das Fremdschämen und Kaputtlachen auf, ebenso wie in den Interviewsequenzen von Hawks Gegnern. Eine ironische Distanz braucht man im Gesamtwerk nicht erwarten, "Meet Me Half Way" (Alternativtitel) ist so gemeint wie er abgedreht wurde und kann nur von höchst blauäugigen Menschen als ernstzunehmendes Drama angenommen werden.


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JOHN RAMBO (Rambo 2008 Sylvester Stallone)


Der in Thailand lebende Ex-Soldat John J. Rambo wird von einer Gruppe Pazifisten beauftragt sie mit seinem Boot ins benachbarte Birma zu fahren, da sie in diesem Kriegsgebiet medizinische Hilfe leisten wollen. Zunächst widerstrebt es dem Vietnamveteran der unbewaffneten Truppe diesen Dienst zu erfüllen, aber er willigt schließlich ein. Kurz nach der Ankunft wird das Dorf, in welchem die Helfer tätig sind, vom dort blutig herrschenden Regime eliminiert. Einzig die Amerikaner überleben und gelangen in Gefangenschaft. Als eine Truppe Söldner beauftragt wird diese Menschen zu befreien, wird erneut Rambo angeheuert sie mit seinem Boot ins besagte Gebiet zu schaffen. Obwohl ihm ein Einmischen untersagt wird, beschließt Rambo persönlich zu handeln, um die Menschen zu befreien...


50 Vergewaltigungen vs. zwei handvoll Morde...

Es ist wohl dem Erfolg von "Rocky Balboa" zu verdanken, der nach 16 Jahren erstmals wieder die "Rocky"-Reihe weiter führte, dass auch Stallones zweites Steckenpferd, die Rolle des "Rambo", eine Wiederbelebung erfahren sollte. 20 Jahre nach dem auch unter Fans umstrittenen, da ziemlich oberflächlich abgefrühstückten, "Rambo 3" kehrt Stallone in dieser Paraderolle erneut auf die Leinwand zurück, und von körperlicher Einschränkung im Alter lässt "John Rambo" nichts spüren, geht es doch nicht wie im sechsten Teil der "Rocky"-Saga um die Thematisierung des Älterwerdens, sondern einzig um einen erneuten Einsatz des talentierten Kriegsexperten unter erschreckenden Bedingungen. Der von der einstigen Billigfirma Nu Image produzierte Film spart entsprechend seiner Geschichte nicht mit harten Bildern. Was uns hier vorgesetzt wird, ist nicht leicht zu ertragen, so gnadenlos wie hier die Kriegsverbrechen gezeigt werden, sicherlich typisch für die Reihe seit ihrer ersten Fortsetzung "Rambo 2" reißerisch inszeniert, aber nicht zwingend oberflächlich. Die blutigen Bilder dienen tatsächlich nicht einzig dem Sättigen gieriger Gelüste von Freunden harter Filmkost, sie zeichnen ein gnadenloses Bild der Zustände vor Ort, was für die Aussage des Streifens unverzichtbar ist.

Wie man zu dieser steht, bleibt jedem selbst überlassen, ein Stück Wahrheit wird damit jedoch schon thematisiert, braucht man Krieg doch nicht schön zu reden, und sind es doch nicht die Pazifisten, die diesen führen oder führen könnten und wollten. Mit seinem kritischen Blick auf Vorurteile gegenüber Soldaten bleibt "John Rambo" somit der bisherigen Reihe treu, mitverfasst von Sylvester Stallone persönlich, der noch jeden Teil der Reihe mitgeschrieben hat. Als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller kennt er sich bestens mit der Psychologie der Reihe und ihres Helden aus, und das merkt man dem überraschend gelungenen Ergebnis des vierten Teiles auch dementsprechend an, welches weder einen inhaltlichen Bruch zu den Vorgängern wagt, noch das Rad neu erfindet. Inmitten eines actiongeladenen und düsteren Szenarios, wird "John Rambo" nicht zum Alleingang des Titelhelden, interessant charakterisierte Figuren begleiten ihn, nicht komplett oberflächlich gezeichnet wie man erwarten würde, inmitten der Möglichkeiten und des hohen Tempos des Streifens aber freilich auch keine tiefgehenden Charakterstudien abgebend. Der Trupp Pazifisten und Söldner bereichert den Erzählfluss und bricht die theoretisch monotone Handlung auf, mittendrin mit Julie Benz besetzt, die seinerzeit durch die Serie "Dexter" semi-berühmt wurde. Sie bereichert den Film weniger durch ihr Schauspieltalent als vielmehr aufgrund ihres attraktiven Aussehens, was nicht herablassend gemeint ist, sondern einen entscheidenden Motor der Geschehnisse startet. Ohne eine Besetzung wie diese, wäre die erste Kernszene, in welcher die Amerikaner auf einen Trupp Piraten stoßen, nicht derart treffsicher thematisiert wie geschehen, was wiederum Auswirkungen auf die Aussagekraft des Reststreifens hat.

Letztendlich lebt "Rambo 4" (Alternativtitel) jedoch hauptsächlich von Sylvester Stallone. Sein knallhartes Drehbuch, seine düstere Inszenierung und seine treu bleibende Interpretation der Titelrolle, die jener des Rocky Balboa nicht ferner liegen könnte, zeigen zu was der gute Mann auch im hohen Alter fähig ist, und dass der Name Rambo zu unrecht einen solch spöttischen Ruf genießt. Sicherlich würde niemand von einem geistreichen Plot sprechen, aber im Gegensatz zu solch naiven Streifen, wie es die ersten beiden Fortsetzungen waren, überrascht der späte Nachzügler trotz des hohen Alters seines Protagonisten doch mit einem sich authentisch anfühlenden Szenario, mitten eingetaucht in die Hölle des Krieges, wo nichts schön geredet wird und es keine Barmherzigkeit gibt. Der Aufhänger Rambo zu kontaktieren, ohne zu wissen wer er ist, ergibt nicht wirklich Sinn, und der entfesselte Rambo, der schließlich fast alles im Alleingang nieder ballert, gehört zum Grundrezept und ist deshalb als realitätsfernes Element entschuldigt. Ohnehin schaltet man schließlich nun einmal seinetwegen ein, und abgesehen seiner fast übermenschlichen Leistungen wird uns ein sich realistisch anfühlendes Szenario präsentiert, das in seiner radikal direkten Art wahrlich niemanden kalt lassen dürfte.

"John Rambo" ist packend, geradeaus und düster erzählt, spart gerade in der Uncut-Fassung nicht mit schockierenden Bildern, ist zunächst jedoch etwas gewöhnungsbedürftig zu gucken. Stallone mag sich zwar an die alte Zuschauergeneration richten, der visuelle Stil des Streifens ist jedoch an der Entstehungszeit orientiert und entfremdet das Gezeigte dementsprechend modern. Das schafft eine gewisse Distanz und zeigt uns ganz klar gewollt den Zustand der Fiktion, erträglicher werden die blutigen Bilder mit dieser ruckelartigen Entfremdung jedoch nicht. Bei dem überraschend positiven Ergebnis dieses Streifens hätte ich mich im Nachhinein über einen klassisch abgedrehten Filmstil mehr gefreut, das gebe ich zu. Wahrscheinlich musste es einfach ein Zugeständnis an das jüngere Publikum geben, damit auch dieses in Versuchung gerät einzuschalten. Schaden tut der moderne Stil dem Endergebnis nicht, also was soll's. Immerhin hat uns Stallone mit diesem Film bewiesen, dass auch dieses totgeglaubte Franchise noch atmet, und dass entgegen des Rufes der Reihe sich ein durchdachter Plot und ein Feuerwerk an Action und gnadenlosen Bildern nicht gegenseitig ausschließen müssen.


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F.lm 


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RAMBO (First Blood 1982 Ted Kotcheff)


Als der ehemalige Spitzensoldat John J. Rambo, noch immer von Vietnam traumatisiert, in einer Kleinstadt vom Sheriff und seinen Mitarbeitern grundlos gefoltert wird, dreht der Mann durch, flüchtet in die nahen Wälder und beginnt einen Kleinkrieg gegen die Gesetzeshüter...


Die alles gaben...

Am Anfang war Rambo noch nicht jene unzerstörbare Killermaschine späterer Werke, die seinen Namen zum Wortspiel im Alltagsgebrauch werden ließen. Er war ein guter Soldat, zur Elite ausgebildet, ein harter Hund, dem der Durchschnittssheriff nicht gewappnet war, aber er war ein Mann aus Fleisch und Blut, körperlich und seelisch leidend, und dies war ein Kernpunkt der gar nicht geistlosen Geschichte des Originals. Als Heimkehrer vom Krieg vom Volk nicht gemocht, nirgendwo wirklich hin gehörend, von der Polizei, ohne von seiner Vergangenheit zu wissen, aufgrund seines pennerhaften Auftretens für einen Landstreicher gehalten und grundlos ausgerechnet von jenen Menschen vertrieben und misshandelt, die eigentlich für das Gesetz stehen müssten. In "Rambo" gibt es kein Gut gegen Böse, nur zwielichtige Menschen, die ihre Macht missbrauchen. Die einen missbrauchen ihre Marke und ihren vom Gesetz gegebenen Einfluss und Waffenzugang, der andere jene Fähigkeiten, die ihm antrainiert wurden und zu einem überdurchschnittlichen Überlebenstechniker werden ließen.

Was Rambo widerfahren ist, dessen Großteil wir erst am Schluss dramaturgisch toll dargeboten erfahren, soll uns die Hauptfigur verstehen lassen. Es ist eine eiskalte Abrechnung mit Amerika. Es soll Verständnis entfachen, nicht als Entschuldigung dienen. Rambo ist so wenig im Recht, wie es die Gesetzeshüter sind. Aufgrund eines vom Staat verschuldeten Traumas, entstanden aufgrund der unmenschlichen Erfahrungen im Vietnamkrieg, sieht der Veteran, der ranghöchste Auszeichnungen erhielt, bei einem Übergriff auf seinen Körper und seine Freiheit rot. Es entlud sich, und aus einer entschuldbaren, da psychisch nicht kontrollierten, Kurzschlusshandlung wurde schließlich kalkulierter Krieg, nicht ohne zugegebener Maßen immer wieder den Versuch auf Frieden zu wagen, dies ignoriert von gewaltbereiten und gelangweilten Gesetzeshütern, aber doch nie das Massaker rechtfertigen lassend, welches der Ex-Soldat zum Schluss in der Kleinstadt stattfinden lässt, dabei das Leben von unschuldigen Zivilisten riskierend. Aber auch dies gehört zum Krieg dazu, zur Ausbildung eines Soldaten, ungenannt in den Film eingebettet, von Regierungen und Militärs gern verschönt und verneint, aber trotzdem nun einmal zu jedem Krieg dazu gehörend.

"Rambo" erzählt von einem traumatisierten Mann der rot sieht, von gelangweilten, gewaltbereiten Gesetzeshütern, von einem Amerika welches das erntet, was es selbst gesät hat, und setzt mit Colonel Trautman eine undurchsichtige Figur ins Geschehen. Dies nicht nur, weil der Sheriff nicht einordnen kann auf welcher Seite der einstige Ausbilder Rambos stehen mag, sondern auch aufgrund der eiskalten, militärischen Art seinem ehemaligen Schützling gegenüber. Im Gegensatz zu den Fortsetzungen gibt es da keine Gefühle, lediglich Strategie, und das Zuhören des Leidensweges Rambos. Aber selbst dies lässt den ranghohen Soldaten mimisch kalt. Eine Umarmung erwidert er nur widerwillig und zögernd, einzig die Faszination dessen, was er da gezüchtet hat, vermutet man ab und an in seinem Blick, letztendlich von Rambo jedoch nicht wie einen Menschen sprechend, sondern wie ein Projekt, eine Maschine, die man entwickelt hat. Und wie Trautman so schön äußert: Rambo glaubt in dieser kalten Person einen Familienersatz zu sehen. Er hat schließlich sonst niemanden, wie auch die Eingangssequenz zeigt. Er ist der Letzte seiner Art. Manch einen Überlebenden hat hinterher der Krebs geholt, eingefangen durch die in Vietnam eingesetzten Waffen.

"Rambo" ist auf der einen Seite eine eiskalte Abrechnung mit den Schattenseiten von Krieg, im Falle von Vietnam zudem einem äußerst sinnlosen Krieg, einem vom amerikanischen Volk verachteten Krieg, er ist ein Blick auf das was auf Soldaten nach dem Krieg wartete. Er ist aber auch abseits seiner politischen Seite ein knallharter Action-Thriller, düster und direkt erzählt, ohne lange Umschweife zu wagen, sich schnell hoch schaukelnd und toll inszeniert von Regieroutinier Ted Kotcheff, der zur Entstehungszeit von "First Blood" (Originaltitel) bereits 26 Jahre in diesem Beruf tätig war. Sylvester Stallone war schon Jahre vorher durch "Rocky" berühmt geworden und schrieb mit zwei weiteren Autoren am Drehbuch mit, welches auf einem Roman basiert. Weder intellektuell noch stumpfsinnig kommt dieser Film daher, genau das richtige Gleichgewicht aus Reflexion und Unterhaltungswert bildend, so dass das Ergebnis auch deswegen noch immer ein lohnender Klassiker ist, den man als Cineast einmal gesehen haben sollte.


Weitere Besprechungen zu Rambo:


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RAMBO 3 (1988 Peter MacDonald)


Als Colonel Trautman versucht in ein von Russen besetztes Gebiet in Afghanistan einzuschreiten, um die Gräueltaten der Sowjets dort zu beenden, gerät er in Gefangenschaft. Rambo, der eigentlich Frieden in seinem Leben im Kloster finden wollte, reist hinterher um seinen Freund und Ausbilder zu befreien...


Von blauem Licht, Statuen-Philosophie und dem Unterschied zwischen Rambo und Gott...

Mag Rambo auch bluten, er bewegt sich weiterhin wie unverwundet. Mag er auch erwähnen Schmerz nicht derart ignorieren zu können, wie es ihm eigentlich beigebracht wurde, er lässt sich dies zu kaum einem Zeitpunkt anmerken. Mag Rambo auch körperlich leiden, nur wenige Sekunden darauf ist er wieder voll einsatzbereit. Mag ihm auch eine Armee Rebellen den Rücken stärken, er hätte sie nicht nötig. Rambo trifft alles, ist die stählerne Kampfmaschine einzig durch seine antrainierten Muskeln, und er kann nicht nur perfekt und zielgenau schießen, er beherrscht auch den Stockkampf, Kampfmethode mit den eigenen Fäusten und hat freilich auch wieder sein Messer mit am Start. Als Freund der Unterdrückten und fremder Kulturen nimmt er auch an einem afghanischen Sport teil, freilich siegend. Und einen trockenen Spruch auf den Lippen hat er selbst dann noch drauf, wenn er dem möglichen Tod eiskalt ins Auge blickt. Gäbe es Raum dafür dies zu zeigen, Rambo könnte sicher auch singen und tanzen, er ist ein Alleskönner, längst kein Mensch mehr und unterscheidet sich von Gott nur insofern, als dass dieser Gnade kennt, Rambo nicht.

Das diesmal ohne die Mithilfe von James Cameron geschriebene Drehbuch von Sylvester Stallone (diesmal zusammen mit Sheldon Lettich verfasst) versucht auf der einen Seite die stumpfe Charakterisierung Rambos, der als Paradebeispiel der Hirnlos-Actionfigur mit seinem Namen zum Wortspiel im sprachlichen Allgemeingebrauch geworden ist, mit manch oben genannten Beispielen zu durchbrechen, alles andere Präsentierte bestätigt jedoch wiederum all die Vorurteile. Rambo ist längst nicht mehr die tragische Figur von einst. Mag er den Krieg auch satt haben, er ist nur noch eine Kampfmaschine, angetrieben durch den Motor Freundschaft und Solidarität. Dementsprechend benötigt er auch keine wirkliche Handlung mehr, die Geschichte von "Rambo 3" ist arg dünn gehalten. Und diesmal wäre auch eine Mitfinanzierung des US-Militärs möglich gewesen, denn kritische Worte gegenüber dem eigenen Land, dessen Regierung und dessen Militär fallen nicht mehr. Nun sind nur noch die anderen böse, die Unterdrückten dankbar, und die Gegner trotz ihrer überragenden Bewaffnung und Abschottung nicht in der Lage irgend etwas erfolgreich gegen den Supersoldaten auszurichten.

In dieser ironiefreien Umsetzung kann ich jeden verstehen, dem das stumpfe Treiben des Streifens missfällt oder zur unfreiwilligen Komik einlädt. Allerdings muss ich gestehen den hier präsentierten Unfug gut inszeniert empfunden zu haben. Die Geschichte ist rasant und packend erzählt, die Action lässt einem kaum Atempausen, gleichzeitig wurde der Spannungsbogen nicht vernachlässigt, so dass einen die endlosen Kämpfe, Explosionen und Schießereien nicht gleichgültig lassen. Das Einsetzen einer Kinderrolle, eine Methode die zu dieser Zeit zum Standard wurde, wird glücklicher Weise auf ein Minimum reduziert, so dass der Knabe kaum die Chance bekommt zu nerven. Und die staubige Location, in Kombination mit den Höhlenaufnahmen, sind eine willkommene Abwechslung zum ebenfalls glaubwürdig gewählten Drehort in den Wäldern aus "Rambo 2". "Rambo 3" ist Nonsens, patriotisch, sowie den Freiheitskämpfern Afghanistans gewidmet und dabei den Krieg nicht ansatzweise realistisch nachzeichnend, wie es sich mit derartigem Anliegen gehören würde, um nicht heuchlerisch zu wirken. In seinem packenden, spannenden und wuchtigem Gewand gefällt mir dieses Stück Blödsinn jedoch überraschend gut. Wer sich nicht politisch verärgern lässt, kann hier geistfreie Unterhaltung genießen. Für ordentlich Kurzweile und Schauwerte ist gesorgt. Frei von unfreiwilliger Komik funktioniert Peter MacDonalds Debütfilm jedoch freilich nicht.


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