2018/10/14

LETHAL WEAPON 4 (1998 Richard Donner)


Per Zufall stoßen Murtaugh und Riggs während einer Bootstour auf ein chinesisches Schiff auf dem Schüsse zu hören sind. Nach vielen Toten und enormen Materialschaden entpuppt sich der Kahn als Transporter für illegale Einwanderer, von denen eine Familie ungeahnt in etwas verstrickt ist, das weit krimineller geartet ist als der olle Personenschmuggel...


Fröschi, Tüdelüdüüü und Ehezeremonie mit Blablabla...

Neben dem ersten Teil dürfte "Lethal Weapon 4" wohl der kultigste Beitrag der Reihe sein, wenn auch der umstrittenste. Der Komödienpart rutscht noch ein wenig mehr in den Vordergrund als ohnehin schon, und der düstere Aspekt ums familiäre Umfeld herum wird weit optimistischer gezeichnet und mit dem versöhnlichen Schluss endgültig aufgehoben. Das in Teil 3 bereits zu erkennende anderweitige Familiengefühl einer alle Jahre wieder zusammen kommenden Filmcrew, wird in direktem Zusammenhang damit zu diesem Zeitpunkt zu seinem Höhepunkt geführt. Das schmeckte nicht jedem, das war für manch einen zu viel privates Getue, dabei verzichtet der Streifen im Gegenzug nicht auf seine Brutalitäten, die er in Teil 3 so gut wie ausgeblendet hat. Das ist auf der einen Seite eine Versöhnung mit dem dort enttäuschten Publikum, als Spagatversuch es auf der anderen Seite gleichzeitig jenem Publikum recht machen zu wollen, welches wie ich die Handschrift des dritten Teiles mochte.

Sicherlich ist dies einer der Gründe, warum Teil 4 trotz aller Sympathie nicht ganz so gut funktioniert, wie er hätte können. Man will es allen recht machen, man möchte wieder alle liebgewonnenen Figuren unter einen Hut bringen und gleichzeitig neue Kultfiguren schaffen. Mit anderen Worten: der Schritt zurück, den Teil 3 so lobenswert selbst in seinem Finale präsentierte, wird wieder über Bord geworfen für das große Mehr. Mehr Action, mehr Gewalt, mehr Gags, mehr Figuren, mehr Tammtamm. Überall muss noch inmittem großen Trubels irgend eine Lücke gefüllt werden, um mehr zu bieten, und so schaut sich "Lethal Weapon 4" ein wenig überfrachtet, wenn diesbezüglich auch eine Menge geglückter Momente erntend. Die Lachgasszene, die Pseudohochzeit mit dem Rabbie, die Funknetztelefondiskussion, der gefangene Hai, das alles sind Ideen welche die Geschichte theoretisch gesehen unnötig strecken, aber unglaublich zu gefallen wissen.

Ohne, wie für seine Entstehungszeit üblich, politisch korrekt daher zu kommen begradigt Teil 4 zudem so manches Unschöne aus den Vorgängern. Zu Herzen geht die Versöhnung mit dem stets gepeinigten Leo Getz, sinnloser Wandalismus ersetzt den sonst zu übertriebenen Sadismus der Helden, und der sonst so fremdenfeindliche Aspekt der "Lethal Weapon"-Mentalität bietet diesmal zumindest in Form der Familie Honk einen sympathischen Gegenpart, so dass die Asiaten nicht einzig dem Feindbild dienen. Sicher, in Teil 4 ist manches zu gewollt angegangen, so unverkrampft wie die Teile 1 und 3 schaut er sich nicht, und auch der späte 90er Jahre Farbfilter hinterlässt nicht mehr den klassischen Eindruck der Reihe, den er bis zur zweiten Fortsetzung beibehielt. Aber letztendlich ist "Lethal Weapon 4 - Zwei Profis räumen auf" (Alternativtitel) eine unterhaltsame Party für Fans der Reihe, für große Kinder, also für das Stammpublikum, und da geht es schon in Ordnung, dass die Verantwortlichen des Streifens zu viel wollten. 

Die guten Aspekte dominieren, und Jet Li mit seiner beeindruckenden Kampfkunst als interessanter und wahrhaft bedrohlicher Gegner mit an Bord zu haben ist auch alles andere als ein Nachteil. Seine Kämpfe kann man als eine Entschuldigung für den Straßenköterkampf Rene Russos aus Teil 3 empfinden, der dort unverschämter Weise mit einer asiatischen Kampfkunstart betitelt wurde. Eine kurze Kampfsequenz mit Russo (erneut mit zu vielen Schnitten anstatt gekonnter Choreographie versehen) revidiert diesen positiven Eindruck ein wenig, und dieser unschöne Moment ist gleichzeitig der einzig beeindruckende Auftritt der in Teil 3 noch so gleichrangig emanzipiert aufgetretenen Frau. Im hier besprochenen Werk muss Russo dem ewig glattgebügelten, überholten Klischee-Familienbild der Amis treu bleiben, was dann auch der schwerwiegendste Kritikpunkt eines Filmes ist, der an so einigen Schwächen krankt. Trotzdem ist es schön zu sehen dass an so ziemlich jeder anderen Stelle die Charaktere inmitten einer explosiven, actionreichen Geschichte den Autoren wichtig bleiben, was spätestens dadurch bestens bewiesen wird, dass mancher zwischenmenschliche Höhepunkt des Streifens in der angenehm langen Phase nach dem Finalkampf stattfindet. Aber auch hier wird es wieder Tunnelblick-Zuschauer geben, die in ihrer Gier nach Quantitäten über solche Pluspunkte lediglich zu schimpfen wissen, ich hingegen bin dankbar dafür, dass die Autoren sich hierfür die nötige Zeit genehmigt haben.


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HYPOTHERMIA - THE COLDEST PREY (Hypothermia 2010 James Felix McKenney)


Wie jedes Jahr, so kommt auch in diesem Jahr Ray mit seiner Familie an den zugefrorenen See zum Eisangeln her. Diesmal beißt kein Fisch an, und auch eine unerwartete Konkurrenz, in Form eines anderen Vaters mit seinem Sohn, die auf modernere Fischfangmethoden setzen, hat kein Glück. Der Grund dafür liegt in den Tiefen des Sees, denn dort haust eine Kreatur, die auch vor Menschenfleisch nicht halt macht...


Das Ding unter der Eisplatte...

Zwei zerstrittene Familien auf dem Eis, während unter ihnen ein Monster lauert, das klingt so klassisch wie interessant und weckte bei mir ein wenig zu viel Neugierde, wie sich zeigte, ist "Hypothermia" doch alles andere als geglückt. Und das muss schon was heißen, immerhin hält er eine nostalgische Mensch-im-Kostüm-Kreatur bereit, jene Art Monsterdarstellung, die mir besser schmeckt als das Gepixel aus dem Computer, selbst bei detailreicherer Umsetzung - und damit jene Art Umsetzung, die heutzutage Mut erfordert, so sehr wie das aktuelle Horrorpublikum modernen Sehgewohnheiten zugewandt ist. Während die oberflächlich geratene Charakterzeichnung der Mitglieder beider Familien, trotz ihrer Herkunft aus dem Stereotype-Lager für einfallslose Autoren, noch als interessant genug durchgeht, um durchschnittliche Filmkost zu präsentieren, ist es leider der eigentliche Hauptaspekt, die Geschichte um die Gefahr aus der Tiefe, welche die Rechnung selbst als belangloser Durchschnittsverzehr nicht aufgehen lässt und den weiter oben erwähnten Mut vermissen lässt. 

James Felix McKenney arbeitet in seinem fünften und bislang letzten Film leider nie mit der unterschwelligen Bedrohung zu Beginn. Da darf kein ungewisses Unbehagen herrschen, da darf nicht mit dem Unsichtbaren oder dem eventuell sogar noch nicht anwesenden Bösen gespielt werden, nein, von Anfang an muss er klar machen, dass da definitiv etwas unter der Erde ist. Ein Schatten durch das Eis, ein Blick aus der Perspektive der Kreatur, viel zu schnell spielt er mit offenen Karten. Und trotz der Anwendung klassischer Monsterdarstellung verwendet er für die Perspektive aus der Sicht des Monsters die ewig ätzende computerentfremdete Technik, die bereits etlichen Werken wie "Mexican Werewolf" keinen atmosphärischen Touch bescherten. So etwas sieht lediglich billig aus, beeindruckt weder, noch weiß es Stimmung zu erzeugen. Reißerisch wird immer wieder auf die Kreatur verwiesen, indem wir mehr wissen als die Protagonisten, dabei wäre bei einem Horrorfilm der tagsüber wie nachts auf dem Eis spielt, das Gegenteil vorteilhaft gewesen, dann hätte der Streifen zumindest ansatzweise Gruselfilm-Flair versprühen können. Für ein solches interessiert sich McKenney jedoch überhaupt nicht und liefert stattdessen dumpfe, einfallslose und deshalb austauschbare Monsteraction aus der Masse ab.

Mag der ein oder andere diplomatisch angegangene Zwist der zwei sehr unterschiedlichen Familien noch seinen Reiz besitzen, eben weil hier zumindest ein Hauch von Feingefühl unterschiedlichem Empfindens zu spüren ist, so weiß die Umsetzung des eigentlichen Horrorparts mit nichts zu trumpfen. Ohne eigene Ideen hämmert man den schon x-mal erzählten Plot etlicher anderer Horrorfilme herunter, und trotz ungewöhnlicher Fangmethoden weiß nicht einmal jene Phase zu gefallen, in welcher die Menschen noch daran glauben die Kreatur zu jagen. Hier hätte man einiges von Spielbergs "Der weiße Hai" lernen können, verschenkt diese Möglichkeit jedoch, um sich auf uninteressantere Aspekte der Geschichte zu konzentrieren, so z.B. auf die Mutation eines vom Wesen gebissenen Menschen, der nach seiner Verwandlung ohnehin schnell wieder ableben darf. Orientiert sich die Handlung schließlich auf die Jagd des Monsters auf die Protagonisten geht "Hypothermia - The Coldest Prey" endgültig die Puste aus und aus einem hauchdünnen Restinteresse wird komplette Gleichgültigkeit für das Geschehen. Aus dem schlichten Aufhänger der Geschichte hätte ein begabter Geschichtenerzähler weitaus mehr ernten können.


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MONSTER X GEGEN DEN G8-GIPFEL (Girara no gyakushû - Tôya-ko Samitto kikiippatsu 2008 Minoru Kawasaki)


Während acht der mächtigsten Regierungschefs der Welt zu einem Gipfel in Japan zusammen treffen, landet ein außerirdisches Monster per Meteoriteneinschlag auf der Erde. Während es dabei ist eine große Stadt in Japan zu zerstören wechseln die Regierungschefs das Thema vom Klimawandel zur gemeinsamen Bekämpfung der monströsen Bedrohung aus dem All...


Ein durch Tanz erschaffener Gegner...

Das besagte Monster X im deutschen Titel ist niemand geringeres als Guila, eine der beliebtesten klassischen Kreaturen für Fans japanischer Monsterfilme, die sich, auch wenn andere Quellen von einer Fortsetzung sprechen, Regisseur Kawasaki und sein Autor Migita vom Film "Guila - Frankensteins Teufelsei" entliehen haben, um eine Parodie auf besagte Monsterfilme im Fahrwasser von "Godzilla" zu drehen. Wie es sich für eine echte Parodie gehört wird hierfür das Vorbild nicht nur veralbert, sondern auch geehrt, und so macht es Spaß dem Schauspieler im Guila-Kostüm dabei zu beobachten, wie er sowohl klassische Monsterbewegungen dieser Film-Ära imitiert, als sich auch mittels Übertreibungen und comic-orientiertem Klischeeverhalten per Überagieren einer theoretisch im Original schon überagierten Spielweise darüber lustig macht. "Monster X gegen den G8-Gipfel" gelingt der Spagat zwischen Albernheiten und echter Verehrung, und dabei ist dies nicht einmal der tatsächliche Sehwert des Streifens.

Denn erst die Verballhornung tatsächlich existierender politischer Prominenz, wenn auch in Alibinamen gekleidet, macht aus dem albernen Affentheater das was ihn letztendlich so liebenswert macht, orientiert sich Trash-Filmer Kawasaki zwar an Klamauk, der dem Feingeist nicht schmecken dürfte, dem humorvollen Part von Monsterfilm-Fan aber sehr wohl. Zumindest ist dies sehr wahrscheinlich, so nett wie der Streifen die Mentalität damaliger Filme atmet, bzw. sie orientiert an der uns bekannten Politprominenz parodiert. Die Menschheit muss im Kampf gegen die gemeinsame Bedrohung zusammen halten, und das kann sie inmitten von Egomanen nur durch jeweils einen Anführer. Der wechselt im Laufe der Geschichte ständig, da jedes einzelne Land seine eigenen Vorstellungen davon hat wie man eine Schlacht gewinnt, was in einem herrlichen Running Gag um ein Aushang-Pergament mündet, das ständig gewechselt wird. Eben erwähnter Schwanzvergleich wird genutzt um in einem Atemzug die jeweils gängigen Länderklischees durchzukauen, vom notgeilen Franzosen bis hin zum dummen, gewaltbereiten Ami.

Gerade der Merkel-Klon weiß treffsicher zu belustigen, aber auch das Schielen auf Berlusconi weiß zu gefallen. Zudem darf ein politischer Aggressor, der definitiv nicht zum G8-Gipfel gehört, das Szenario im letzten Drittel zusätzlich aufmischen, und das weiß den Unterhaltungswert in dieser späten Phase noch einmal deutlich hochzuschaukeln. Wenn die Bekämpfungsideen der Wirtschaftsmächte auf ein eher gleichgültiges Monster stoßen, das einfach nicht kleinzukriegen ist, dann geht die Rechnung humoristisch gesehen auf und katapultiert "The Monster X Strikes Back: Attack the G8 Summit" (Alternativtitel) zur Gattung der unterhaltsamen Variation dieser Art Film. Wo andere Projekte, gerade aufgrund ihrer überdrehten Art, eher nerven anstatt zu bespaßen, da stimmt die Chemie des hier besprochenen Streifens, auch wenn dieser sich nicht ganz von Leerläufen frei sprechen kann. Die sind jedoch kaum der Erwähnung wert. Und ein Sub-Plot um die wahren Helden des Streifens, die fast schon zur Nebensache verkommen, schafft es trotz trockenerer Thematik spätestens mit einem herrlich dämlichen Gruppentanz zu punkten, so dass jeglicher Handlungsstrang, und mag er auch noch so abgegrenzt von den restlichen sein, zu funktionieren weiß.


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Trailer,   OFDb

LETHAL WEAPON 3 (1992 Richard Donner)


Ein Ex-Cop versorgt Gangmitglieder aus dem Ghetto mit beschlagnahmten Waffen aus dem Lager des Polizeipräsidiums. Murtaugh und Riggs kommen ihm auf die Schliche und versuchen gemeinsam mit einer Kollegin vom internen Dienst sein Treiben zu beenden...


Babykiller Copkiller...

Erneut kommt ein Großteil der Crew der Vorgänger vor und hinter der Kamera zusammen, bis hin zu kleinsten Rollen wie der kultigen Polizeipsychiaterin oder dem Handwerker, dem wir in Teil 2 die Nagelpistole zu verdanken haben, so dass sich bei Liebhabern der Reihe ein gewisses familiäres Flair bemerkbar macht, welches über den unter Fans umstrittenen familiären Aspekt rund um Familie Murtaugh weit hinaus geht. Dieses Flair sorgt dafür, dass man wohlwollender mit dem Ergebnis umgeht und mit ihm nicht zu hart ins Gericht geht. Aber das muss man meiner Meinung nach ohnehin nicht, überraschte mich der dritte Teil der Reihe bei meiner x-ten Sichtung nach einer langen Pause doch geradezu positiv, was gerade deshalb erstaunt, weil ich ihn stets als zwar unterhaltsamen, aber dennoch schwächsten Teil der Komplettreihe wahrgenommen habe.

Das sehe ich heute anders, guckt er sich doch bei weitem nicht so bemüht auf locker getrimmt wie sein Vorgänger, der ebenfalls bereits den komödiantischen Aspekt mehr ins Zentrum rückte, wie es nun erneut der dritte Teil tut. "Lethal Weapon 3 - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) kommt wesentlich entspannter daher, eben weil er keinen all zu hohen Anspruch an sich selber stellt. Der Film soll einzig unterhalten, sucht keinen Schwanzvergleich mehr darin das Action-Genre neu erfinden zu wollen und übertrumpft mit dieser banaleren Haltung das zu gewollte erste Sequel. Manchmal ist weniger einfach mehr, und da die fragwürdige Mentalität des Vorgängers wieder auf den klassischen Standard einer US-Actionfilmmentalität heruntergeschraubt wurde, ebenso wie der Grad der vorhandenen Idiotie, kann man dem munteren Treiben der nicht gerade korrekt handelnden Helden wesentlich gelassener folgen, da man sich nicht stets moralisch herausgefordert fühlt. Ohnehin hat sich seit Teil 1 so einiges verändert, immerhin war es im Erstling Riggs, der aufgrund seines aggressiven, an "Dirty Harry" orientierten, Auftretens zu provozieren wusste. In Teil 3 angekommen sind dessen Methoden bei der Polizei üblich geworden, was den comic-artigen Touch der Chose zu unterstützen weiß. Murtaugh scheut keine trockenen Oneliner nach der ein oder anderen blutrünstigen Tat, der Chef des Departments macht vor lässigen Sprüchen und gewalttätigen Methoden nicht Halt, und auch die Dame für die inneren Angelegenheiten bei der Polizei ist eine gewaltbereite Bitch.

Das muss sie auch sein, immerhin wird sie zum Love Interest für Riggs, und so wie charakterisiert passt sie auch wesentlich besser zu dem Sturschädel als das unpersönliche Püppchen aus dem Vorgänger und weiß die bisherige Crew passend und tatkräftig, da ebenbürtig zu ergänzen. Allgemein besitzt die zweite Fortsetzung ein treffsicheren Charme, der den eigentlich banalen Film besser funktionieren lässt, als den bemüht nach Anspruch hinterher hechelnden Vorgänger. Das Zwischenmenschliche funktioniert besser, treffsicherer Humor und Ernst vereinen sich gekonnter, Leo Getz wird angenehmer eingebracht, die Love Story funktioniert als Teil der hier gelebten Mentalität ohne die Geschichte zu dominieren, und selbst der dramatische Aspekt, diesmal Murtaugh betreffend, greift intensiver, freilich ebenfalls ohne zu dominieren. Da das Ganze zudem von Anfang an rund erzählt ist, sich genügend Atempausen gönnt ohne das flotte Treiben auszubremsen und auch in schrilleren Momenten noch immer die sympathische Tonlage trifft, ist "Brennpunkt L.A. - Die Profis sind zurück" (Alternativtitel) eine kunterbunte Action-Wundertüte, voll von Running Gags, Insidern, Action, Menschlichkeit und guter Laune geworden, das Action-Genre ernst genug nehmend um nicht einzig zur Komödie zu verkommen, die Pseudo-Ernsthaftigkeit von Teil 2 jedoch über Bord werfend, um entspannter als Actionfilm funktionieren zu können.


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DAS KÖNIGREICH DER KATZEN (Neko no ongaeshi 2002 Hiroyuki Morita)


Nachdem Haru einer Katze das Leben gerettet hat, wird ihr verkündet, dass sie abends ins Königreich der Katzen eingeladen wird um des Königs Sohn zu heiraten. Um dies zu verhindern kontaktiert sie das so genannte Katzenbüro, eine Idee zu der ihr eine mysteriöse Stimme verhilft. Dort trifft sie zwar auf hilfsbereite Katzen, aber auf keine die verhindern können, dass Haru doch noch im Königreich den Prinzen ehelichen soll...


Wunder, Spiegel, Katzen...

Was Studio Ghibli ganz offen orientiert an dem Buchklassiker "Alice im Wunderland" auf die Beine gestellt hat, wird nicht gerade dem hohen Ruf gerecht, den es sich u.a. mit dem ein Jahr zuvor erschienenen  "Chihiros Reise ins Zauberland" und allerhand früheren Werken wie "Kikis kleiner Lieferservice" erarbeitet hat. Das beginnt bereits bei der weit weniger liebevollen Animation, die zwar ein gewisses Grundniveau einzuhalten weiß, jedoch keineswegs charmant ausgefallen ist. Haru sieht eher wie der Star aus einer Animeserie aus, die Vierbeiner sind viel zu ernst gezeichnet, insgesamt fehlt es meist an einer funktionierenden Dosis Verspieltheit, die im Gegenzug in Zeichnungen wie dem König betreffend auf übertriebene Art nachgeholt werden. Ungewöhnlich schrullige Trickfilmfiguren wie der Assistent des Königs tauchen nur selten auf, oder werden, wie im Falle des gefräßigen Helfers Harus, mit klischeebeladener Extremkomik anderweitig ihrer Sympathie geschädigt.

Inhaltlich funktioniert zunächst trotzdem alles recht gut. Haru wird als typisch unreife, aber liebenswerte Teenagerin eingebracht, die erste Katze wirkt in ihrer Reaktion lustig und mysteriös, ebenso wie das Chaos welches die Glücksphase für das Mädchen auslöst, welche als erster Dank des Katzenkönigs gedacht ist. Hier versucht man sich noch ein wenig ins Katzenwesen hinein zu denken und transferiert deren Irrtümer auf das etwas ruppig aber treffsicher gezeichnete Leben einer an sich unauffälligen Teenagerin. Wenn Haru sich auf den Weg zum geheimnisvollen Katzenbüro macht erlebt "The Cat Returns" (Alternativtitel) gar seine Hochphase, ist es von den Zeichnern doch toll herausgearbeitet, wie verschlungen der von Menschen nie gegangene Katzenweg durch die Winkel der Stadt und ihrer Mauern und Dächer ausgefallen ist, so dass diese Methode der Vierbeinerfortbewegung zu einem fremden Ort führt, an dem ansonsten noch nie ein Mensch gewesen ist. Das weckt Erwartungen, das lässt auf mysteriöse anderweitige interessante Aspekte hoffen, doch die bleibt der Film dem Zuschauer von nun an schuldig, denn nun baut das Werk des hauptsächlich für TV-Serien tätigen Hiroyuki Morita enorm ab.

Das Katzenbüro offenbart uns einen Grafen, dessen Charakter plump ins Geschehen geworfen wird, ohne dass es eine Orientierung für den Zuschauer gibt warum er ist wie er ist und warum er tut was er tut. Das überträgt sich auch auf die entstehende Freundschaft zwischen ihm und Haru, die man bis zum Schluss nicht als Entstehung einer solchen bemerkt und dementsprechend nicht nachvollziehen kann. Eben erwähnter gefräßiger Partner wird mit teils funktionierender, teils zu sehr an Animeserien wie "Pinocchio" erinnernder Hauruckkomik versehen, was "Return of the Cats" (Alternativtitel) zwar immer wieder den an anderer Stelle vernachlässigten nötigen Schwung beschert, letztendlich aber doch nur das maue Niveau liefert, welches auch die restliche Rezeptur dem Werk beschert. Wo aufrecht gehende Katzen noch wirksam surreal erscheinen, da wirken Katzenbüro und das Königreich arg phantasielos präsentiert, zumal die zunächst recht passend orientierte Katzenmentalität bis auf die kulinarischen Andeutungen nicht mehr weiter beachtet wird, und die Vierbeiner auch gegen jedwede andere Spezies hätten ausgetauscht werden können.

Das könnte ich alles noch entschuldigen, wenn die Geschichte griffig erzählt wäre. Aber die kommt so hanebüchen daher, dass ihre Orientierungslosigkeit nicht mehr dem anvisierten surrealen Stil zuzuschreiben ist, sondern stattdessen einer Ignoranz zugeordnet werden kann irgendwelchen Geschehnissen einen psychologisch nachvollziehbaren Zusammenhang zu bescheren. Da werden Ereignisse und Informationen aus dem Hut gezaubert, die man einfach zu akzeptieren hat, egal ob sie wenig bis keinen Sinn machen oder keinen Hintergrund besitzen. Letztendlich versucht man mit Extremsituationen irgendwie auf eine Zeichentrickfilm-gerechte Laufzeit zu kommen und prügelt per Keulenschlag das Geschehen irgendwie in die Länge, so ereignisreich wie möglich, aber auch plump und gehaltlos ausgefallen, uncharmant anstatt gewitzt surreal angehend, mau gezeichnet anstatt sich austobend, grobschlächtige Ideen anvisierend anstatt fantasiereich und mysteriös arbeitend. Warum der dicke Kater einst urplötzlich das gefräßige Ungeheuer des Königsreichs war wird in keinster Weise vertieft, wird auch nie länger wichtig als für seine drei benötigten Sekunden Aufmerksamkeit, und so ergeht es etlichen Ideen, aber auch vorbereiteten Wendungen, wie der geheimnisvollen Stimme und der Kindheitserinnerung um ein hungriges Kätzchen, oder dem Willen des Königs Haru möge den Prinzen heiraten, sowie dem aggressiv geführten Kampf per Soldaten im Labyrinth und erst recht dem Ausgang aus dem Katzenreich, egal warum es einer sein soll.

Es fehlt an jeglicher Ecke sowohl am nötigen Feingefühl einen in diese absichtlich unrealistische Welt an die Hand zu nehmen, noch an funktionierenden phantastischen Ideen, geschweige denn an einer Faszination entfachenden Groteske. Erst nach dem Sehen habe ich gelesen, dass "Neko no ongaeshi" (Originaltitel) ein Spin Off des mir bislang unbekannten Animes "Stimme des Herzens" ist, der sieben Jahre vor dem hier besprochenen Werk entstanden ist. Es mag also sein, dass manch fehlende Orientierung durch die Kenntnis dieses Vorläufers behoben wird, aber ich glaube nicht, dass ein Sichten dieses Filmes den Blick auf "Das Königreich der Katzen" derart verstärken kann, dass daraus dann doch ein guter Film wird. Dafür sind wie erwähnt Wendungen und Überraschungen zu unsensibel und zu psychologisch sinnlos angegangen und die Charaktere zu unnahbar ausgefallen. Selbst Harus aus den Ereignissen gewonnene Reife wird in besagtem ruppigen Stil thematisiert, und schaut sich nicht wie eine bewusst erfahrene Erkenntnis, die zu einem veränderten Verhalten führt. Aber die Orientierung an Haru verliert man im Laufe der Geschichte leider ohnehin, wird sie doch mit Ankunft im Königreich dümmer und naiver charakterisiert als zuvor, wohingegen der Baron als Identifikationsersatz nicht funktionieren will, da man die Motivation seines Handels nicht kennt und bis zum Schluss auch nicht kennen lernen wird.

Bei all den Fehlern die gemacht wurden, verwundert es ein wenig, dass sich Moritas einzige Langfilmarbeit durchaus gucken lässt. Zwar war ich weder begeistert, noch fühlte ich mich tatsächlich unterhalten, aber "Das Königreich der Katzen" funktioniert auf seine Lauflänge auf der banalen Ebene einer durchschnittlichen Animeserie. Aber das zeigt auch wie gering der Anspruch im Vergleich zu üblichen Ghibli-Produktionen angesiedelt ist. Ohne Charme und wahres Interesse an den Ereignissen innerhalb besagten Königreiches schafft es der Film immerhin ohne Langeweile zu verursachen sein uninspiriertes holpriges Treiben bis zum Ende zu führen, so dass man trotz aller Enttäuschung nicht motiviert ist frühzeitig auszuschalten. Zwar kam ich mir von der ganzen Chose ein wenig verarscht vor, aber eine gewisse Restfaszination war irgendwie noch vorhanden, wollte ich doch wissen wie alles endet, welche Geheimnisse gelüftet werden und welche nicht, aber auch welche Fehler den bisherigen noch folgen würden. Bei geringen Erwartungen und wenig Anspruch auf einen phantasievollen und nachvollziehbaren Plot kann der Film halbwegs funktionieren.


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LETHAL WEAPON 2 - BRENNPUNKT L.A. (Lethal Weapon 2 1989 Richard Donner)


Riggs und Murtaugh scheuchen nach einer hoch turbulenten Verfolgungsjagd ein Drogenkartell auf, welches diplomatischen Schutz genießt. Den stets auf Vorschriften pfeifenden Riggs hält das freilich nicht auf, allerdings verursacht er mit seinem Alleingang einen Krieg zwischen den Diplomaten Südafrikas und der Polizei...


Diplomatische Immunität abgelaufen...

Bereits meine erneute Sichtung des ersten "Lethal Weapon" erwies sich als ein überraschendes Erwachen, fiel er doch weit schlichter aus als von mir erwartet, da er zu sehr in pubertierenden Sehgewohnheiten feststeckte. Während dort jedoch noch die Charakterzeichnung der beiden Hauptfiguren auf Actionfilm-Niveau psychologisch gesehen Sinn ergab, so wird "Lethal Weapon 2" diesbezüglich erst recht ein Großer-Jungs-Film, denn nun sind auch die Charakterzeichnungen und Beweggründe der Helden nur noch infantiles Getue, wie man es aus dem Kindergarten kennt. Da wird grundlos absichtlich verletzt, es herrscht keine Achtung und Wertschätzung vor dem Besitz anderer, Wahrheiten werden der eigenen Mentalität angepasst, es wird gebockt, man versucht dem Gegner mit Verfolgerspielchen Angst zu machen, Regeln und Gesetze werden ignoriert, gebrochen und verdreht, wie gesagt: das ist alles höchst kindisch.

Vorgewarnt durch Teil 1 hatte ich keine hohen Erwartungen mehr an "Brennpunkt L.A." (Alternativtitel), zumal ich schon bei der letzten Sichtung vor geschätzten 10 Jahren bemerkte, dass die Fortsetzung, im Gegensatz zu dem wie ich es ganz früher empfand, schwächer ausgefallen ist als das Erstling. Zwar wird quantitativ einiges gepuscht, so ist allein der Actiongehalt gegenüber dem Vorgänger enorm gestiegen, aber derartiges ersetzt freilich nicht Qualität. Weiß man aber, dass man sich mit "Lethal Weapon 2" (Originaltitel) auf geistlose Kurzweile einlässt, dann geht das Rezept sehr wohl auf. Freilich darf man nichts hinterfragen, weder was die unsinnigen Rachemethoden der Bösewichter sollen, noch warum sie ein Auto in ihrem Geldcontainer parken, oder ähnliches. Zwar ist die von Richard Donner selbst inszenierte Fortsetzung seines Erfolgsfilmes bei weitem nicht so dümmlich ausgefallen wie ein "Phantom Kommando", aber erstaunt war ich schon wie viel Idiotie ich bei meinen bisherigen Sichtungen kaum bemerkte, ohne dass es Punkte wären, die aufgrund der Inszenierung oder des enorm gewachsenen Humoranteils gegenüber zu Teil 1 zu erklären wären.

Wie auch immer, Spaß hat's auch nach all den Jahren wieder gemacht. Mit einer Verfolgungsjagd, die in anderen Filmen der Showdown gewesen wäre, startet man zu Beginn durch, so dass man schnell den Einstieg ins Geschehen findet, vor und hinter der Kamera blieb das Team großteils das selbe, und ein gut aufgelegter Joe Pesci weiß das bisherige Team gut zu ergänzen. Die Theatralik rund um den Frauenverlust Riggs wirkt zu aufgesetzt, um tatsächlich an den leichten Dramengehalt des Vorgängers anknüpfen zu können, aber da Rika van den Haas ohnehin eher wie ein Püppchen, als wie eine echte, atmende Frau wirkt und über keinerlei Charakter verfügt, ist das ohnehin egal. Außerdem steht der Action diesmal wie bereits erwähnt der Humor verstärkt zur Seite, so dass die Dramaturgie sich ruhigen Gewissens einzig auf die Rachementalität harter Männer stützen kann, was im Finale, wenn wahrlich der Krieg tobt, dann auch besser funktioniert als zunächst erwartet. Mag dem allen auch ein fragwürdig ethisch verdrehtes, selbstgerechtes Denken vorausgehen, akzeptiert man einmal dass die Helden keinesfalls die Sympathiefiguren sind, für die ihre Schöpfer sie halten, funktioniert die unkorrekte Story um so besser. Wie man das wilde und unterhaltsame Treiben von seiner Rechtfertigung her jedoch ernst nehmen kann, ist mir ein Rätsel, so verlogen wie sich der Film diesbezüglich guckt.


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2018/10/09

KIKIS KLEINER LIEFERSERVICE (Majo no takkyûbin 1989 Hayao Miyazaki)


Wie alle Hexen, so muss auch Kiki, die bislang nichts anderes gelernt hat außer wie man fliegt, mit 13 Jahren in die Welt hinaus, um sich in einer selbst ausgesuchten Stadt als Hexe zu beweisen. Mit etwas Glück bei einem freundlichen Bäckerpaar untergekommen beschließt Kiki einen Lieferservice zu eröffnen und erlebt die Tücken der Arbeitswelt ebenso wie schöne zwischenmenschliche Momente...


Kiki auf vollen Touren...

Liebevoll, lehrreich und emotional - so kindlich orientiert kann ein Anime ausfallen, wie Studio Ghibli ein Jahr nach "Akira" bewiesen hat, ohne dabei den Disney-Stil zu kopieren oder einzig ein junges Zielpublikum ins Visier zu nehmen. Aufgrund seiner frischen, cleveren und durchdachten Art für aufgeweckte Zuschauer trifft beides nicht zu, so dass Japan Jahre vor solchen Glücksgriffen wie "Das Mädchen, das durch die Zeit sprang" beweisen durfte, dass ihr Zeichentricksektor zu mehr fähig ist als zu Kitsch a la "Die Erzählung einer weißen Schlange" oder tentakellastigen Science Fiction- und Hentaiprodukten. "Kikis kleiner Lieferservice", der mittlerweile auch eine Realverfilmung erhalten hat, ist wahrlich ein Produkt für die ganze Familie, ohne dass eine von beiden Seiten über- oder unterfordert wird. Mag manches Mal auch der rote Faden ein wenig unter dem episodenhaften Charakter der Geschichte zu leiden scheinen, die Erlebnisse sind nie belangslos oder austauschbar, sondern fügen sich immer wieder einem übergeordneten Ganzen zu, so dass am Schluss sehr wohl eine zusammenhängende Geschichte erzählt wurde und ihr Ende findet.

Es darf abenteuerlich, lustig und traurig zugehen in der nie langweilig werdenden Welt einer jungen Hexe in der Großstadt, und das Finale weist gar ein überraschend hohes Spannungspotential auf, wie man es bei einem Familienfilm wohl nicht derart erwarten würde. Auch mancher Nebenstrang der Geschichte wird das Publikum, das eher im amerikanischen und deutschen Zeichentrickbereich unterwegs ist, manches Mal überraschen, bekommt die Erzählung doch nicht immer zwingend die glückselige Kurve, wie man es von dort gewohnt ist, so z.B. im Nebenaspekt um Kikis mangelnde Anpassung anderer Kindergruppen gegenüber, die ab einem gewissen Punkt in der Geschichte einfach nicht weiter verfolgt wird, eben weil sie für Kikis Entwicklung nicht wichtig ist. Manch kleine Nebenhandlung muss von allein verstanden werden, ohne dass einem bis zum letzten Detail alles erklärt wird, in einem kindgerechten Produkt wie diesem hält sich dieser Teil der Geschichte jedoch in Grenzen, gerade verglichen mit den vielen mündigen Trickfilmwerken für Erwachsene wie "Paprika", "Jin-Roh" und Co. Schönmalerei liegt den Autoren und Zeichnern fern, doch auch Pessimismus wird vermieden, so dass ein schönes emotionales Gleichgewicht innerhalb einer Geschichte um Freundschaft, Verantwortung und den anderen Wichtigkeiten des Lebens entsteht, die zu den schönen Dingen des Erwachsenseins gehören, wenn man sie erst einmal beherrscht.

Es geht also wie gerade erwähnt um das Erwachsenwerden, mitunter unter dem Aspekt wie jung die kleine Hexe noch ist, und wie sehr sich die Verantwortung in diesem Alter bei Menschenkindern im Vergleich zu damals gewandelt hat. Aber nicht nur in inhaltlichen Bereichen wie diesem gibt sich "Kikis kleiner Lieferservice" pfiffig, gut beobachtend und kritisch, auch die Animation weiß in ihrer detailreichen Art manches Mal diese Adjektive aufzugreifen, so z.B. in der erstaunlich abwechslungsreichen Darstellung der Stadt, in welcher der Hauptteil der Geschichte spielt. Hier wird nicht nur mit interessanten Perspektiven aufgrund von Kikis Flugfähigkeit gespielt, auch die unterschiedlichen Winkel einer Großstadt finden Beachtung, vom dreckigen Hinterhof, über urige Altstadtpflaster, bis hin zur Hauptverkehrsader und der Küstenseite des nie mit Namen ausgesprochenen Ortes. Wer also aufgrund der roten Bäckchen-Verwandtschaft zur populäreren Japan-"Heidi" im ansonsten individuell ausgefallenem Gesicht Kikis zunächst eine plume Animation vermutet, irrt sich damit ebenso, wie mit dem Vorurteil die Abenteuer um Kiki könnten kitschig ausgefallen sein. Das werden sie selbst bei größter Fröhlichkeit nie, so dass das auf Spielfilmlänge erzählte Abenteuer von Regisseur Hayao Miyazaki zu einem besonderen Erlebnis für Jung und Alt wird, welches man sich als Freund des gezeichneten Filmes nicht entgehen lassen sollte.


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2018/10/03

PRIMITIVE (2011 Benjamin Cooper)


Der Monstereffektverantwortliche eines Horrorstreifens soll sich einer Antiaggressionstherapie unterziehen und wird in dieser hypnotisiert. Irgendetwas läuft währenddessen nicht wie geplant, so dass die Hypnose dafür sorgt, dass der junge Mann im hocherregten Zustand ab sofort unbewusst ein Monster steuert, welches seinen Aggressionen bestimmten Menschen gegenüber tödliche Vergeltung beschert...


Hypnose-Hyde...

Sinn macht hier wenig in diesem kleinen Horrorprodukt, welches uns eine handgemachte Kreatur anstatt lieblose Computeranimationen beschert und Schauspieler Reggie Bannister, semi-bekannt als Anti-Held der "Das Böse"-Reihe, auf die Leinwand zurückkehren lässt. Dass Letztgenanntes nicht immer etwas Positives bedeuten muss, bewies der gute Mann mit seinem selbstproduzierten Nervprodukt "Bloody Bloody Bible Camp". Demgegenüber ist "Primitive" definitiv besser ausgefallen, wenn auch nicht gerade aufgrund der Anwesenheit Bannisters, der geradezu austauschbar agiert. Da der Horrorbeitrag von "The Brink"-Regisseur Benjamin Cooper aber ohnehin nichts Großes sein möchte, ist das auch gar nicht schlimm, da Bannister keine Rolle besetzt, die einen guten Schauspieler benötigt hätte - so wie die restlichen Rollen anbei auch. Dennoch wurden diese für eine Billig-Horror-Produktion überdurchschnittlich gut besetzt, so dass glaubwürdige Mimen das Routineprodukt stemmen können.

Freilich können auch sie nicht gegen die Ungereimtheiten des Stoffes arbeiten, aber das müssen sie auch gar nicht, gehört die hier vorhandene Portion Nonsens doch für diese Art ernst umgesetzten Horrorfilm dazu. Das Werk orientiert sich an Videothekenproduktionen der 90er Jahre, und da herrschte eine gewisse Unschuld in derartigen Werken, eben weil die Zeit eine andere war und das Publikum nicht so verkrampft kritisch reagierte, wie sie es humorbefreit heute tut. Ohne zur Horror-Komödie zu werden gönnt sich "Primitive - Beware the Evil Within" (Alternativtitel) kleine Humoreinlagen, lässt ansonsten jedoch kaum Augenzwinkerei erkennen, was ein ungewöhnlicher Weg ist einen Monsterfilm zu erzählen, der eine derartig putzig geratene Kreatur zum Zentrum seines Schreckens erklärt. Haarig mit allerlei langen Zähnen versehen, ohne dabei optisch zu einem Werwolf-Klon zu werden, sieht es bizarr und albern aus. 

Da werden einige beinharte Horror-Fans sicherlich drüber schimpfen. Aber gerade dieser ironische Abstand zum üblichen ernst erzählten Horrorfilm, personifiziert über die Kreatur, tut der undurchdachten Horror-Chose gut und unterstützt den lockerflockigen Stil des Regisseurs, der sein Werk ohnehin zu keinem Zeitpunkt in all zu düstere Momente getaucht hat. So ist es mehr denn je Geschmackssache, ob man mit diesem Genrebeitrag etwas anzufangen weiß oder nicht. Die Geschichte ist nicht durchdacht (vorder- wie hintergründig), lässt Ideen schnell fallen und ist typisch vorhersehbar ausgefallen, das Monster weiß nicht zu erschrecken, sondern ganz im Gegenteil eher zu belustigen, aber letztendlich ist "Primitive" ein charmantes Werk, welches sich all dieser Defizite bewusst ist und sie dennoch absichtlich verwendet. Vielleicht liegt es an der zurückhaltenden Art, eben weil sich der Streifen nicht als liebevolle Retroverneigung feiert, sondern schlicht und unauffällig diesen Aspekt erfüllt, dass sich das Endergebnis recht angenehm guckt. Auf jeden Fall weiß die Besetzung einiges zu retten, so dass "Primitive" zwar kein kleiner Tipp seines Genres wird, aber zumindest den Freund von 90er Jahre-Videothekenware passabel zu unterhalten weiß, der bei der übermäßigen Auswahl im Horrorbereich eher zufällig zu diesem Produkt gegriffen haben wird.


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2018/09/23

OTTO IST AUF FRAUEN SCHARF (1968 Franz Antel)


Christian ist Chef einer deutschen Firma, die zu einer größeren amerikanischen gehört. Für ein geheimes Liebesnest hat der Schwerenöter Firmengeld unterschlagen. Als Kontrolleure aus den USA kommen und in Lager 6 besagtes Nest entdecken, wird der spießige, aber sehr fleißige und firmentreue Otto als Sündenbock auserkoren. Der nimmt zum Schutz seines Chefs besagte Rolle freiwillig an, tut sich in seiner verklemmten Art jedoch schwer von nun an den lockerleichten Casanova zu spielen. Zu seinem Glück und Pech zugleich spielt jedoch stets der Zufall mit, so dass Christian seine Unschuldsrolle lange aufrecht erhalten kann. Die attraktive Kontrolleurin aus Amerika ahnt jedoch den Schwindel... 


Lager Sex...

Franz Antel ist ein berüchtigter Regisseur der extrem albernsten Zeit deutschsprachiger Komödien. Neben diverser Sexpossen gehen auch billigste Kalauerfilme wie "Musik, Musik, da wackelt die Penne" auf sein Konto, und gerade mit diesem verglichen darf man doch erleichtert feststellen, dass "Otto ist auf Frauen scharf" weit weniger penetrant daher kommt als dieser. Freilich erhält man dieses Bild durch den direkten Vergleich, das hier besprochene Werk ist noch immer recht derb, wie typische Komödienvertreter dieser Zeit, mit Klamauk aufgebauscht. Aber gerade mit Blick auf Hauptdarsteller Gunther Philipp, der immer gern zum argen Überagieren neigt, überrascht der zurückgefahrene Ton, was aber freilich nur jenen Menschen auffallen kann, die des öfteren in Filmen dieser Art unterwegs sind. Ganz im Gegenteil zu allen Vorurteilen ist es sogar Philipp selbst, der in seiner Rolle als Otto zu überraschen weiß. Es ist nicht so, dass er nicht auch hier viele Möglichkeiten für ein theoretisch unnötiges Affentheater ausnutzen würde, aber man erkennt in seinem Spiel, ja selbst sogar in seinem Klamauk ein echtes Verständnis für die Rolle die er verkörpert und das macht bereits viel am unerwarteten Gelingen des Streifens aus.

Gelingen ist vielleicht ein wenig zu hochgegriffen, immerhin ist dies ein Franz Antel-Film, und da werden schräge Possen gern mit Humor verwechselt, Geschichten undurchdacht erzählt und vieles andere findet ebenso dilettantisch statt. Aber "Otto ist auf Frauen scharf" ist trotz dieser Eigenarten irgendwie anders. Es weht eine gewisse Unschuld über dem Projekt, vielleicht ein wenig vergleichbar mit dem ebenfalls recht amateurhaft ausgefallenem "Die Supernasen". Sicherlich ist die hier besprochene Komödie meilenweit davon entfernt ein professioneller und tatsächlich funktionierender Film zu sein, aber seine Unbedarftheit besitzt einen gewissen Charme, mal ausgelöst durch die Naivität, mal durch überraschend kreative Ideen, dann wieder aufgrund der sichtbaren Spielfreude aller Akteure. Was über allem diesem steht ist eine kindliche Mentalität, in der alles nicht so ernst gemeint ist wie es andere Filmschaffende nehmen würden. Trotz allerlei nackter Tatsachen bleiben selbst die "Erotikszenen" zahm, der Extremhumor ist freilich gar infantil ausgefallen, ebenso die Geschichte, die keine ist.

Die schmeißt schnell das Konzept des biederen Mannes, der für promiskuitiv gehalten wird, über Bord, um einen völlig wirren, undurchdachten Plot zu servieren, in dem keine der vielen Figuren irgendetwas in der Hand hätte um die Geschehnisse bewusst zu lenken. Der Zufall schwebt tatsächlich über allem. Otto wird zum gesuchten Millionenbetrüger, sein alter Schulfreund landet in der Klappse, Verwechslungen wie diese finden sich im Minutentakt im Film wieder, stets völlig überkonzipiert eingebracht, und da man dementsprechend auch kein Gefühl für psychologische Glaubwürdigkeit besitzt, verliebt sich die US-Dame freilich in den Casanova, wissendlich dass er einer ist. Und auch der verknocherte alte Otto gewinnt am Ende das Herz seiner neuen, jungen und attraktiven Sekretärin. Denn "Otto ist auf Frauen scharf" ist ein filmisch gewordener Altherrenwitz, so grausig und sympathisch zugleich wie eben solche, dies aufgrund der hohen Naivität und des kindlichen Charmes der über allem weht und aus einer eigentlich unangenehmen Chose etwas liebenswertes entstehen lässt. 

Immerhin ist der Film zahmer als der übliche Altherrenwitz, in manchen seiner Ideen überraschend treffsicherer als ein solcher, und so unbedarft und amateurhaft wie hier alles aneinander geleimt ist, kann man niemanden wirklich bös sein hier ein derart dilettantisches Werk auf die Nase gedrückt bekommen zu haben. Neben der sympathischen Hauptbesetzung mit Gunther Philipp sind es allerhand Nebenpersonen wie Hubert von Meryerinck, die für zusätzlich unschuldigen Charme sorgen. In einem Gastauftritt weiß auch der theoretisch völlig unwitzig und aggressiv komisch überdrehte Willy Millowitsch zu gefallen, was er der dazu passenden Inszenierung und dem Szenario in das er gepackt wurde zu verdanken hat, anstatt seinem überschätzten Talent. Und Heinz Erhardts Auftritt bildet wahrlich das Sahnehäubchen des Streifens, weiß aufgrund typischer Erhardt-Wortspielereien zu gefallen ("zahnlose Zuschauer") und aufgrund des kindlich anmutenden Parodie-Streiches rund um die Erfolgssendung "Wer bin ich". 

Gerade hier findet sich konzentriert angegangen jene unschuldige, kindlich komische Rezeptur wieder, die auch auf den überraschend gut funktionierenden Gesamtfilm zutrifft, freilich nur wenn man über seinen eigenen Schatten springen kann und einem solchen Extremklamaukfilm, aus geradezu typischen Tagen dieser Gattung Kino, eine echte Chance geben kann, anstatt ihn von Anfang an als Trash abzustempeln. Mag einiges auch eher unfreiwillig komisch sein, darauf reduzieren sollte man den Film nicht. "Otto ist auf Frauen scharf" ist eine wundervolle Unverschämtheit, eine sympathische Dreistigkeit sich Film nennen zu dürfen, und ein Glücksfall für Antel trotz allem vorhandenen Dilettantismus doch noch (und weil es so ist) zu funktionieren, nicht jedoch aufgrund einer bewussten Handlung oder Denkweise von Antels Arbeit. Das Ergebnis ist dem Zufall geschult. Inmitten vieler ähnlich angegangener Projekte (auch von Antel selbst) hebt sich dieser Film auf ungewöhnliche Art von der restlichen Nerverei ab, obwohl alles dafür spricht, dass auch er ein solcher Kandidat ist. Manches muss man einfach auf sich wirken lassen und akzeptieren, anstatt verzweifelt zu analysieren was den Unterschied ausmacht.


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ABWÄRTS (1984 Carl Schenkel)


Vier Personen bleiben an einem Freitagabend im Fahrstuhl eines Bürohochhauses stecken. Als sich auf ihr Notsignal hin nichts tut, versuchen sie sich selbst aus ihrem Gefängnis zu befreien...


Hahnenkampf...

Im Fahrstuhl stecken zu bleiben gehört wohl zu den unangenehmsten Vorstellungen dessen was einem passieren kann. Da muss man nicht einmal klaustrophobisch für veranlagt sein: der enge Raum, die ungewisse Wartezeit, sich derart nah unter fremden Menschen zu befinden oder im Gegenteil eventuell ganz allein in dieser Situation zu sein, das klingt alles nicht einladend. Da kommt es sehr gelegen, dass Carl Schenkel auf die Idee kam einen Thriller aus dieser Situation zu machen, was sicherlich kein leichtes Unterfangen auf solch engem Raum ist. Aber sein Verantwortlicher für die Kameraführung löst das Problem wunderbar, stets spürt man die Enge, nie wirkt die Kulisse größer als gewollt, man wird Teil des engen Raumes ohne das Gefühl zu haben die Darsteller würden einem zu penetrant vor die Nase gesetzt. Die Möglichkeit aus dem Ganzen ein Kammerspiel zu machen wird nur teilweise genutzt, da zwischendurch immer wieder andere Bereiche des Hauses durchleuchtet werden und ein überraschend großer Teil der Laufzeit zudem im Fahrstuhlschacht spielt.

Das von Regisseur Schenkel selbst verfasste Drehbuch geht trotz gelegentlichem Abrutschens in reißerische Momente angenehm sachlich vor. Die vier Hauptfiguren reagieren ziemlich normal, angelehnt an ihren Grundcharakteren. Bis aus zu langem Warten Unmut und schließlich auch ein ungutes Gefühl wird dauert und fühlt sich im angegangenen Zeitraum authentisch an, persönliche Probleme drängen sich dem Gefühl der Gefahr vor, bevor den Protagonisten letzteres bewusst wird. Die Frage warum sich auf das abgeschickte Notsignal hin nichts tut ist schnell auf angenehm menschliche Art beantwortet, und auch die Angst der Möglichkeit vor Erstickung ist schnell gelöst, so dass sich das Drehbuch mit den grundlegenden Elementen nicht all zu lang auseinandersetzen muss. Zudem hält es den ein oder anderen Kniff bereit um die Eingesperrten manch naheliegende Handlung erst später als zu Beginn der Situation angehen zu lassen, auch das weiß zu gefallen und die 90 Minuten Laufzeit somit sinnvoll zu füllen. Mancher Thrillmoment dürfte eventuell Dick Maas für seinen nur wenige Jahre später folgenden "Fahrstuhl des Grauens" inspiriert haben, Schenkels Film selbst war ein Erfolg in Deutschland und verhalf dem Mann dazu auch in Amerika tätig zu werden, so z.B. mit dem Thriller "Knight Moves".

Einen guten Teil des Erfolges hat Schenkel Götz George zu verdanken, der trotz der Anwesenheit des stets großartigen Wolfgang Kieling die beste Leistung der hier Anwesenden vollbringt, durchbricht er doch den Stereotyp des erfolgreichen Angestellten-Prolls, der deutlich an seine Schimanski-Rolle aus der "Tatort"-Reihe angelegt ist, und zeigt deren zerbrechliche Seite. Seine Rolle erlebt viele verschiedene Gefühlsmomente, die der gute Mann allesamt hervorragend meistert. Kieling ist da im Vergleich weniger gefordert, darf seine Rolle in der ersten Hälfte doch bewusst nur passiv agieren, aber auch er ist freilich ein Glücksgriff für das Funktionieren eines Filmes, welches auf einem guten Drehbuch fußt. 

Meist ist es der andere männliche Anwesende, ein junger passiver Rebell, toll verkörpert von Hannes Jaenicke, mit dem es in Interaktion mit der George-Rolle geht. Der weibliche Part hingegen funktioniert eher aufgrund des Drehbuchs, auch wenn man Renée Soutendijk keineswegs mangelndes Schauspieltalent vorwerfen kann. Sie wird einfach nicht genügend gefordert um mit der männlichen Konkurrenz mithalten zu können, das ist alles. Aber ihre Figur erfüllt ihren Zweck, auch wenn ich manche Annäherung an den jungen Ranschmeißer nicht immer als realistisch empfand. Aber das ist wenn überhaupt ein Schwachpunkt des Buches und nicht ihrer, und es mag sein dass sich diesbezüglich der Zeitgeist geändert hat und sich dieser Aspekt in den 80er Jahren anders geguckt hat. In einer kleinen Rolle ist zudem noch Ralf Richter mit an Bord, aber der ist kaum der Rede wert.

Es ist die Figurenkonstellation und deren persönliche Probleme auf die Schenkel wesentlich mehr baut als auf die Angst des Eingeschlossenseins. Der Aufhänger des Festsitzens in einem Fahrstuhl und der Versuche sich zu befreien gerät zwar nie in den Hintergrund, ist auf solch engem Raum erzählt und eine derartige Extremsituation schaffend freilich immer präsent, aber doch wundert es, dass Schenkel sich oftmals mehr auf die Dynamik der Gruppe konzentriert als auf den Thrill der eigentlichen Ausgangslage und dabei gern auf den dramatischen Aspekt achtet, aber auch auf den gesellschaftskritischen. Der besteht nicht nur aus den anfänglichen Konstellationen unterschiedlicher Typen und Ansichten (welche immerhin zu interessanten, klassischen Reibungspunkten führen), Schenkel würfelt im Laufe der Zeit den Zusammenhalt einzelner Leute untereinander immer wieder neu. 

Misstrauen, neue Tatsachen, Verdächtigungen, Eifersucht und anderes sorgen immer wieder für eine Neuorientierung der Gruppe, und die Kieling-Rolle brilliert mit ihrem sich so wunderbar menschlich anfühlendem Geheimnis und bildet beim späten Aufdecken von diesem eine der bedeutendsten Wendungen für die Geschichte und ihrer gut gewählten Schlusspointe. Ohnehin endet "Abwärts" einerseits erschreckend, andererseits augenzwinkernd, aber weit weniger spannungsintensiv als man es in einem Thriller zu diesem Thema erwarten würde. Das verstehe ich keinesfalls als Schwachpunkt, der Film ist auf jene Art geglückt, wie er auch angegangen wurde und ist in seiner ganzen Art typisch deutsches Kino, ohne die Anbiederung an amerikanische Sehgewohnheiten. Und das ist etwas das Schenkel manch anderem nach Amerika wechselnden deutschen Filmschaffenden bereits hier im Lande voraus hatte.


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MITTEN INS HERZ - EIN SONG FÜR DICH (Music and Lyrics 2007 Marc Lawrence)


Alex Fletcher war in den 80er Jahren ein Popstar und tritt mittlerweile auf billigen Veranstaltungen für sein Restpublikum auf. Unverhofft bekommt er die Chance für den neuen Popstern Cora einen Song zu schreiben. Bei den Vorbereitungen dazu stößt er zufällig auf Sophie, die in Vertretung für eine Freundin Fletchers Blumen gießen soll und sich überraschend als talentierter Songwriter entpuppt. Während der Arbeit an dem Song verlieben sich beide ineinander...


Way Back into Love...

"Mitten ins Herz" beginnt direkt mit einem Paukenschlag, wenn der fiktive Erfolgssong "Pop Goes my Heart" von der fiktiven Erfolgsband Pop den Vorspann begleitet und sich nicht nur wie ein tatsächlicher Song aus diesen vergangenen Tagen anhört, sondern auch wirklichen Ohrwurmcharakter besitzt. Vorgetragen wird diese herrlich augenzwinkernde Pop-Perle mittels eines Musikvideos, das ebenfalls so gedreht wurde, als wäre es in den 80ern entstanden, und da darf nicht nur jedes Klischee und jede sympathische wie unsympathische Pflicht aus alten Zeiten Einzug halten und den Zuschauer zum Schmunzeln bringen, auch Hauptdarsteller Hugh Grant beweist bereits hier seinen Zugang zum Stoff und darf so verspielt agieren, wie man ihn nur all zu selten erleben darf. Man sieht ihm seine Spielfreude dabei an möglichst schlecht, aber TV-tauglich zu schauspielern, während ihm gleichzeitig die Kunst gelingt sich nicht in den Mittelpunkt des Spots zu setzen. 

Auch im weiteren Verlauf beweist "Music and Lyrics" (Originaltitel) seine Treffsicherheit im Umgang mit der Musikszene. Damals zur Entstehungszeit des Films moderne Popsongs und ihre Livedarbietungen a la Britney Spears und Co werden ebenso gekonnt treffsicher komponiert und parodistisch umgesetzt, stets den lästernden Spott respektvoll einsetzend, so dass man dem Film beim Veralbern diverser Musikrichtungen nie bös sein kann. Und das muss auch so sein, sind doch all diese Elemente nur Teil einer diesen übergeordneten Love Story, einer (ich hasse diese Bezeichnung) RomCom, eines Feel Good-Movies, und meine Fresse, das ist "Mitten ins Herz - Ein Song für dich" wahrlich geworden. Man schmilzt nur so dahin bei der locker leicht erzählten Geschichte, die inhaltlich sicher keinen Innovationspreis verdient hat, sich aber unglaublich gut und kurzweilig anfühlt. Wichtig ist, dass der romantische Aspekt ohne zu dick aufgetragener Theatralik und Kitsch eingefangen wird, und selbst wenn das Finale mit einem soften Schmusesong eingeleitet wird, so gelingt doch selbst hier der exakte Treffer die zu erzählenden Gefühle richtig einzufangen und damit auf den Zuschauer zu übertragen.

Amüsante, leichte Wortgefechte begleiten die Arbeit der beiden Songwriter. Sie sind ebenso wie die Musikparodie dabei niemals wirklich bissig, sondern sogar arg soft eingefangen. "Mitten ins Herz" ist kein "Harry und Sally", weiß in dieser braven Art jedoch überraschend gut zu funktionieren, was freilich auch an den beiden Hauptdarstellern liegt, die selten derart hochgradig sympathisch wirkten wie hier. Beide spielen so natürlich wie es ihre Rolle zulässt, und die auch nicht mehr völlig junge Drew Barrymore (immerhin bereits 32 Jahre damals) schafft es bezaubernder als je zuvor auszusehen, und das soll schon was heißen bei dieser niedlich anzuschauenden, attraktiven und talentierten Frau. Die beiden Mimen versprühen den nötigen Charme damit man in die humorvolle Liebesgeschichte eintauchen kann, welche das Drehbuch trotz des Abarbeiten typischer Pflichten dieser Art Stoff überraschend unverkrampft serviert. Und Regisseur Marc Lawrence, dessen zuvor gedrehter "Ein Chef zum Verlieben" (ebenfalls mit Hugh Grant in der Hauptrolle) mir nicht wirklich zusagte, schafft es diesem theoretischen Stück Routine die richtige Tonlage zu bescheren, so wie die Protagonisten des Film es mit dem zu kreierenden Lied schaffen, welches schlussendlich tatsächlich ein schöner Song geworden ist.

Sicherlich muss man mit dem Genre der Liebeskomödie etwas anfangen können, immerhin erfindet "Mitten ins Herz" das Kino nicht neu, sondern setzt auf Jahrzehnte erprobte Elemente. Dennoch ist der Streifen kein reines Formelkino geworden, guckt er sich dafür doch viel zu natürlich, in seinen Musikbereichen treffsicher augenzwinkernd, und in den romantischen Szenen mutig genug zum Ernst, intensivst lebend von den beiden Hauptdarstellern, diese jedoch eingebracht in einen Film voll von vielschichtigen anderen Seh- und Hörwerten. Einzig der Inder und ansatzweise auch der konkurrierende Komponist als schrullige Randfiguren wirken zu gewollt, ansonsten weiß alles, auch das was sich eigentlich falsch anfühlen müsste, in diesen unterhaltsamen Film hinein zu passen und das positive Ergebnis zu unterstützen. Mir hat "Music and Lyrics" derart gut gefallen, dass ich ihn mittlerweile schon einige Male gesehen habe. Und auch jetzt bei meiner letzten Sichtung ging es mir hinterher wie währenddessen einfach wieder gut. Und selbst ein Hauch von Langeweile kam trotz der Gewöhnung an den bereits oft gesehenen Stoff wieder einmal nie auf.


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Trailer,   OFDb

2018/09/22

GRUESOME (Salvage 2006 Jeff Crook u.a.)


Claire hat Visionen von ihrem Tod. Immer wieder fällt sie in diesen einem Serienkiller zum Opfer. Ihre Sorgen verstärken sich, als sie herausfindet dass besagter Serienkiller vor kurzer Zeit verstorben ist. Verliert Claire den Verstand?...


Wahrnehmungsstörung der besonderen Art...

Auf dem DVD-Cover von "Gruesome" ist die Rede von einer Murmeltierthematik. Gab es abgesehen von "Wake Up and Die" gar tatsächlich schon einen weiteren Horrorvertreter der Zeitschleifenthematik vor dem recht sympathischen "Happy Deathday"? Die Antwort lautet nein, eine wirklich exakte Wiederholung bereits erlebter Vorkommnisse findet nur sehr selten statt, und selbst dann führt diese zu schnell zu starken Veränderungen im weiteren Verlauf. Selbst "Retroactive" ist thematisch näher am Bill Murray-Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" orientiert als es "Gruesome" überhaupt versucht. Da es sich in hier besprochenem Film jedoch um Visionen anstatt um tatsächlich erlebte Situationen handelt, wäre der Vergleich ohnehin etwas daneben gegriffen. Von daher, Murmeltier hin oder her, was taugt "Salvage" (Originaltitel) anderweitig?

Dafür dass ich kein Freund von Horrorfilmen bin, in welchen der Zuschauer ständig mit Visionen und Alpträumen hingehalten wird, anstatt dass tatsächlich etwas interessantes passiert, fühlte ich mich recht gut unterhalten. Das wenige Geld das der Crew zur Verfügung stand, sieht man dem billig abgedrehten Streifen bereits an der zu sterilen digitalen Videooptik an, der ein anständiger Farbfilter gut getan hätte, damit sich der Film nicht all zu theoretisch schaut. Immerhin tut er das bereits mit seiner Visionen-Thematik, da wäre ein echtes Einfühlen in die Situationen mithilfe einer gelungenen Optik von Vorteil gewesen. Aber wie gesagt weiß "Gruesome" angenehm routiniert zu unterhalten, und das will schon was heißen ohne die Hilfsmittel eines stimmigem Sounds, interessanter Optik und professioneller Mimen.

Mag das Drehbuch auch keine Offenbarung sein, einige Überraschungen hat es zu bieten, so dass der nicht wirklich neue Plot sich recht erfrischend guckt, vorausgesetzt man kann mit solchen semi-professionell abgefilmten Werken überhaupt etwas anfangen. Man kann es den beiden Crooks, die hier Regie führten, zugute halten, dass sie nicht mit einem Spezialeffekte-Meer dagegen halten, nicht einmal im Gorebereich. Worauf man hier setzte, und das ist eine Seltenheit bei diesem Produktionsniveau, war die zu erzählende Geschichte, die in ihrer Gesamtheit nicht fortlaufend Sinn ergibt, mit dem überraschenden Schluss-Twist aber zumindest eine übergeordnete Logik über den Dingen vorgaukeln kann, so dass man das Ende tatsächlich als geglückt betrachten kann. Freilich weiß der Streifen bereits zuvor bei heruntergeschraubten Erwartungen zu gefallen, zumal man des Rätsels Lösung hinter Claires merkwürdigen Visionen erfahren möchte. Die Neugierde wird somit definitiv geweckt.


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FINAL DESTINATION 2 (2003 David R. Ellis)


Die junge Kimberly sieht eine ausufernde Autokarambolage kurz vor ihrem tatsächlichen Geschehen voraus und rettet durch diese Vision verunsichert mehreren Menschen das Leben. Als die Überlebenden kurz darauf nach und nach anderweitig sterben, kontaktiert sie, wissentlich dass der Tod sich seine entgangenen Opfer zurück holen will, die einzige Überlebende des Fluges 180, die einst ähnliches erlebte...


Neues Leben als Ausweg...

Nach dem großen Erfolg von "Final Destination" war es nur eine Frage der Zeit wann eine Fortsetzung nachrücken würde. Drei Jahre nach dem Erscheinen des Erstlings war es so weit, und rein von der innereigenen Logik der mit Teil 1 begonnenen Phantasterei her, dem Plan des Todes entwichen zu sein und nun von ihm verfolgt zu werden, macht das Drehbuch von Teil 2 alles richtig. Je mehr Zeit vergeht, desto unwahrscheinlicher wird es den Ausrutscher des Planes wieder gerade zu rücken. Wir wissen nach wie vor nichts konkretes über die Hintergründe, die der Story als Mythos von Nutzen sind, und das ist gut so. Was sich aber herauskristallisiert ist die scheinbare Pflicht des Todes den Plan einhalten zu müssen. Was wir in Teil 2 erleben sind noch immer die Konsequenzen aus dem Überleben der als tot eingeplanten Personen aus Teil 1, da sie noch lebend handelten und beeinflussten, bis der Tod sie schließlich doch noch holte, und somit den Lauf der Dinge zu einem Zeitpunkt, an dem sie längst hätten tot sein müssen, verändert haben, was wiederum auf Kosten des Planes des Todes geht, dem immer mehr Menschen von der Liste abspringen.

Dementsprechend konsequent geht der Tod diesmal rückwärts vor, um das heillose Chaos eindämmen zu können, ohne ewig dem sich weiter ausbreitenden Dilemma hinterher laufen zu müssen. Allein diese Idee lässt das erst ein Jahr spätere Bemühen des Todes logisch erklären, wird er in der Zeit, die wir nicht mitbekommen haben, doch wohl kaum tatenlos herum gesessen haben. Seine Eindämmung nähert sich dem Ende, bzw. hätte dies, wenn nicht noch eine weitere Vorausahnung geschehen wäre. Was es mit der Gegenseite auf sich hat, welche den Protagonisten stets Hinweise auf kommende Todesfälle gibt und besagte Visionen ermöglicht, wird nach wie vor nicht geklärt, was auch besser so ist, muss sich die Geschichte bei ihrer Tragweite doch den weltlichen Geschehnissen zuwenden, und bereits die haben es in sich. 

Konsequent zur bereits in Teil 1 gelebten Logik erfährt diese hier Erweiterungen, die meist sinnvoller Natur sind. Der neue Aspekt des neuen Lebens zum Entweichen der zunächst unausweichlichen Situation macht ebenso Sinn, wie die Methode der einzig Überlebenden von Flug 180 dem Tod zu entkommen. Wenig Sinn hingegen macht es, dass Selbstmord für jemanden, der noch nicht dran ist, unmöglich ist, eben weil er theoretisch längst dran gewesen wäre und dem Tod die Reihenfolge eigentlich nicht wichtiger sein könnte, als das pflichtgemäße Ableben der vorgesehenen Personen. Aber was weiß ich schon von den Gesetzmäßigkeiten an die der Tod sich zu halten hat? Irgendwo hinter dem uns sichtbaren Universum gibt es sicherlich eine Erklärung für diese einzige tatsächliche Dummheit des Drehbuchs.

Ginge es in einer Fortsetzung lediglich darum logisch weiterzuführen was das Erstling angefangen hat sich zusammen zu spinnen, würde "Final Destination 2" als ebenso geglückt eingestuft werden können wie sein Vorgänger. Aber das allein macht eben keinen hervorstechenden Unterhaltungsfilm aus, denn was die Fortsetzung trotz all seines Respekts vor den Regeln von Teil 1 und seinem Einhalten der weiterhin makaber eingefädelten Ersatztode vermissen lässt, ist das wirkliche Mitempfinden dessen was hier flott und wild inszeniert vor sich geht. Weder beunruhigen Vorzeichen, noch schnürt einem die Vorstellung der Liste des Todes abgesprungen und von diesem von nun an verfolgt zu sein die Kehle zu, wie es eigentlich sein müsste und Teil 1 so wunderbar vorlebte. Der Gedanke wirkt so wie hier angegangen fast schon selbstverständlich, zumindest ist es nichts beunruhigenderes als die üblichen Ängste vor dem Tod. Das Drehbuch arbeitet pflichtgemäß die obligatorischen Stationen des zu Erzählenden ab, aber weder Nervenkitzel noch Dramaturgie offenbaren dem Zuschauer ein wahres Verständnis für das was es durchzustehen gilt. Da braucht es auch gar nicht verwundern, dass der leider wieder auftauchende Tony Todd mit selbigen Fehlern seiner Szene wie im Film zuvor, nicht mehr derart katastrophal inmitten eines rund laufenden Filmes wirkt, wie noch im Vorgänger.

Aufgrund der guten Geschichte, der sinnvollen Weiterführung des bislang Erzählten und selbstverständlich auch aufgrund der reizvollen Einfädelung der nachgeholten Tode, und der diesen vorausgehenden Massenkarambolage weiß "Final Destination 2" als sympathischer Zwischendurchverzehr durchaus zu gefallen. Aber man sieht ihm seine Bemühungen an mehr zu wollen. Vielleicht ist auch dies ein Grund dafür, dass "Final Destination 3" bei simplerer Vorgehensweise weit weniger verkrampft daher kommt, sich ganz im Gegenteil dessen was er ist und sein soll bewusst ist und aufgrund dessen den höheren Unterhaltungswert besitzt, als der anspruchsvollere zweite Teil. Aber mag Teil 3 auch eine rundere Sache sein und Teil 1 nicht erreicht worden sein, so ist doch Teil 2 ebenso wie der Rest der erfolgreichen Horrorfilm-Reihe ein nett anzusehender Genre-Beitrag, bei dem keine Langeweile aufkommen kann. Wenn das einzig wirklich nervige des Streifens darin besteht, der Überlebenden des Erstlings eine Frisur zu verpassen, die ihrer Charakterzeichnung nicht gerecht wird, obwohl sie in Teil 1 eine passende beschert bekommen hat, dann kann man nicht all zu viel falsch gemacht haben.


Weitere Besprechungen zu Final Destination 2: 


FINAL DESTINATION (2000 James Wong)


Die Klasse sitzt bereits im Flugzeug, um ihren Schulausflug nach Frankreich anzutreten, da hat der Schüler Alex plötzlich eine detailgetreue Vorahnung vom Absturz der Maschine. Er und weitere Personen werden aufgrund der Unruhen die Alex verursacht aus dem Flugzeug entfernt, kurz darauf kommt es zum prophezeiten Unglück. Als Monate später erste Überlebende auf mysteriöse Art ums Leben kommen, entdeckt Alex, dass der Tod sich seine damals eingeplanten Opfer auf anderem Weg zurückholt - genau in jener Reihenfolge, in der sie auch im Flugzeug gestorben wären...


Nicht erst eines fernen Tages...

"Final Destination" und seine Fortsetzungen waren ein großer finanzieller Erfolg und ein Publikumsliebling, das ist kein Geheimnis. Warum es bislang zu keinem sechsten Teil kam aber sehr wohl, funktionierte die immer wieder erzählte Geschichte doch selbst in schlichtester Form, wie "Final Destination 4" in seiner geistlosen Art bewies. Doch egal wie gut all die Filme der Reihe zu funktionieren wissen, an das Original, welches ursprünglich eine Episode der TV-Serie "Akte X" werden sollte, kam keine der Wiederaufgüsse heran, und das liegt daran dass einzig das Drehbuch von Teil 1 sich der Intensität der Thematik tatsächlich bewusst ist. Was in den kommenden Teilen eher nacherzählt wirkt, wird hier noch bewusst in all seinen Facetten verstanden und durchlebt. Die unheilvollen Vorzeichen, das Misstrauen gegenüber des Vorausahnenden, die Philosophie rund um den Tod und seiner Allgegenwärtigkeit und die spürbare Angst der eingeweihten Überlebenden, da sie längst von der höchsten Instanz totgesprochen wurden.

Für die Hintergründe des Todes, der hier als eine Art unsichtbares Energiefeld dargestellt wird und spätestens mit dem Tod Tods kein zufälliges Element mehr ist, interessiert sich der Streifen wenig. Was es damit auf sich hat, dass er für alle einen Plan besitzt und warum es scheinbar eine Gegenkraft gibt, die Alex warnende Zeichen zukommen lässt, sind für die Geschichte nicht von Belang. Diese ungeklärten Fragen verleihen dem Film gar einen mystischen Hintergrund, der aufgrund des stets vorhandenen Unbehagens um so mehr fruchten kann. Dass sich "Final Destination" nie zu sehr esoterisch guckt, obwohl er sich allerhand solcher Elemente bedient, liegt am philosophischen Aspekt, der einem Respekt vor dem Tod und vor dem Leben nahe bringt. Die Gefahrenquellen des Alltags werden ebenso thematisiert wie der Zusammenhang einer kaum wahrgenommenen, beiläufigen Handlung, welche auf kurz oder lang den Tod verursachen kann. Dass ausgerechnet die entscheidenden Erkenntnisse, warum auch immer, von einem überschätzten Tony "Candyman" Todd als Leichenbestatter preisgegeben werden, wird zum Schwachpunkt eines ansonsten gelungenen Streifens. Zwar spart man allerhand Zeit ein, indem er es ist, der die Jugendlichen auf den Tod als tatsächlich existierende, planende Gewalt aufmerksam macht, allerdings wirkt die lächerlich und reißerisch inszenierte Szene arg naiv, spätestens im Glauben jemand der mit Toten arbeitet wüsste mehr über den Tod bescheid als andere.

Diesen in vielerlei Hinsicht starken Schwachpunkt einmal ignoriert macht das Drehbuch ansonsten alles richtig. Morde werden herrlich makaber inszeniert, Unbehagen findet auf mehreren Ebenen statt, eine flotte Inszenierung vereint sich mit einem gekonnten Spannungsbogen, gute Unterhaltung stützt sich auf intelligente Überlegungen ohne zu verkopft zu werden, bzw. ohne sich den Grenzen der eigentlichen Unsinnigkeiten des zugrunde liegenden Plots zu stark zu nähern. Letztendlich fühlt sich der Streifen rein seinem Unterhaltungswert verpflichtet, so dass auch Stereotype nicht ausgespart werden. Sean William Scott darf ein Jahr nach seiner erfolgreichen Nebenrolle in "American Pie" überraschend das Gegenteil spielen, wird aber auch damit in eine zu klischeehaft geratene Figurenzeichnung gesteckt. Zwei sympathisch wirkende Hauptbestreiter des Todes machen diesen arg genormten Zustand der Charakterkonstellation wieder um einiges wett, unterstützt von einigen interessanten Randfiguren, wie den beiden FBI-Agenten, oder dem viel zu kurz lebenden Französischlehrer, der in seiner ganzen Art ein echter hätte sein können.

Die pfiffige und Phantasie anregende Grundidee des Filmes ist ein derartiger Selbstläufer, dass er auch weit weniger geistreich funktioniert, wie einige der Fortsetzungen bewiesen. Um so schöner ist es, dass mit Teil 1 ein Horrorfilm abgeliefert wurde, der sich des Potentials des Stoffes bewusst ist, was Drehbuch und die Art der Inszenierung trefflich beweisen. Dass sich auch Teil 2 theoretisch gesehen der Tragweite der Ereignisse aus Teil 1 bewusst ist, zeigt seine Thematik zu den direkten Zusammenhängen mit dem hier besprochenen Erstling. Sein Drang sich zu sehr den oberflächlichen Geschehnissen zuzuwenden zeigt jedoch, dass dieser Erkenntnis kein tatsächliches Verstehen folgte, was den entscheidenden Unterschied der jeweiligen Qualität beider Filme ausmacht. "Final Destination" kitzelt Nerven und Verstand, soweit es ein kommerziell orientierter Unterhaltungsstoff zulässt. Sicherlich wäre in beiden Bereichen mehr drin gewesen, aber die angegangene Dosis reicht bereits aus um das Publikum bestens zu unterhalten und die Fortsetzungen in diesen Punkten weit hinter sich zurück zu lassen.


Weitere Besprechungen zu Final Destination: 


THE PURGE 3 - ELECTION YEAR (The Purge - Election Year 2016 James DeMonaco)


Eine Senatorin droht damit die Purge abzuschaffen, sollte sie die kommende Wahl gewinnen. Da es in der Bevölkerung immer mehr Zuspruch für ihr Vorhaben gibt, beschließen die neuen Gründungsväter die Unversehrtheit von Politikern in der Purgenacht aufzuheben, um die Senatorin töten zu lassen. Die hat vorgesorgt und den unabhängigen und Purge-Nacht-erfahrenen Leo Barnes zu ihrem Schutz engagiert. Als der Anschlag aus den eigenen Reihen in besagter Nacht Realität wird, geht der Plan auf. Leo rettet die Senatorin und flüchtet mit ihr durch die Amok gepeinigte Stadt, zufällig unterstützt von einem Ladenbesitzer und dessen Mitarbeiter...


Die beschützte Hoffnung...

Der dritte Teil der "The Purge"-Filme kommt innerhalb einer schlicht und naiv gestalteten Reihe besonders schlicht und naiv ausgefallen daher, was ein wenig zu enttäuschen weiß. Durfte man in "The Purge 2 - Anarchy" bei dem Gedanken sich in der mörderischen Nacht mitten in der City zu befinden noch echtes Unbehagen fühlen, so verkommt die Nacht im hier besprochenen Teil immer mehr zu einem Zirkus, bei dem zwar die Kostümierungen wieder einmal einfallsreich ausgefallen sind, die nackte Angst während der Purge ungesichert durch die Stadt laufen zu müssen aber kaum noch spürbar ist. Das liegt nicht nur daran, dass die Hauptfigur ein fast unfehlbarer Superprofi innerhalb einer Filmreihe ist, von der wir ohnehin ein Happy End gewohnt sind, es liegt auch daran dass neue Aspekte, wie die von Mördern geduldeten Rettungsfahrzeuge, Einzug in die Purge erhalten. Plötzlich werden von allen Parteien akzeptierte Regeln aus dem Hut gezaubert, die es in dieser Nacht, in der es gerade darum geht dass sie keine Regeln besitzt, zuvor nie für den Zuschauer sichtbar gegeben hat.

Wie erwähnt waren schon die Vorgänger schlichtes Mainstream-Kino, welches trotz des politisch brisanten Themas und der zelebrierten Brutalität einzig dem leichten Unterhaltungswert diente, aber so blauäugig und penetrant am Gut-Böse-Bild orientiert wie diesmal, und so zahm wirkend wie bislang nie, darf man schon ein wenig überrascht sein, dass auch "The Purge - Election Year" noch immer zu unterhalten weiß. Letztendlich ist die Grundidee einfach interessant genug, um auch diese Light-Variante tragen zu können, und kleine Zusatzideen, wie die Einreise von Purge-Touristen aus fremden Ländern, wissen der alten Thematik stets neue kranke Zutaten zu bescheren. Sympathische Figuren ermöglichen den Zugang zu einem eigentlich viel zu naiv erzählten Plot, getragen von Darstellern, die sich schauspielerisch nicht all zu sehr abmühen müssen, da sie ohnehin nur Stereotype verkörpern und somit ohnehin nicht glaubwürdig herüberkommen, komme was wolle. Da "The Purge 3" wie seine Vorgänger in einer Kinorealität spielt und nicht in der fiktiv alternativen unserer geht der Mangel an Authentizität in Ordnung. Und eine oberflächlich abgehandelte Debatte, ob man das Böse bekämpfen dürfe, indem man sich wie die zu bekämpfende Gegenseite verhält, erlaubt es dem Stoff einmal einen anderen Aspekt der Purge-Nacht zu betrachten, wenn auch mit vorhersehbaren Argumenten und ebensolchem Ausgang.

Schadeten die Mainstream-Krankheiten der beiden Vorgänger nur bedingt der Intensität der spürbaren Bedrohung, gerettet in Teil 1 durch das Home Invasion-Feeling und in Teil 2 durch den furchterregenden Gedanken sich während der Purge schutzlos draußen aufhalten zu müssen, so sorgt nun das noch extremer glatt gebügelte Drehbuch bei gleichbleibender Mainstream-Orientierung dafür, dass man sich wohl fühlend vor dem Fernseher unterhalten lassen kann, ohne die Ängste dieser Nacht nachvollziehen zu müssen. Ein Mix aus Gewöhnung und dem Umstand mit der Senatorin eine für den Zuschauer lebensfremde Person ins Zentrum zu setzen, hätten ohnehin schon für ein zurückgeschraubtes Mitempfinden gesorgt. Da das Drehbuch sich jedoch nur für seine Haupthandlung interessiert und zur Vereinfachung dieser Erzählung die Tragweite der Purge in fast allen Punkten ignoriert, die nicht direkt mit den Protagonisten in Verbindung stehen, wird aus der anarchistischen Nacht ein Sonntagsnachmittags-Spaziergang, bei dem dir auch mal ein geheimer Gang-Code den Arsch retten kann. Aufgrund der flotten Inszenierung und der optischen Schauwerte unterhält diese komplette Vereinfachung noch immer, trotz dem Fehlen einer spürbaren Bedrohung. Aber selbst als Freund dieser schon immer simpel ausgefallenen Reihe hat man sicherlich mehr erwartet.


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