28.02.2021

DIE FRATZE (1971)

Studentin Amada nimmt für eine Nacht einen Babysitterjob an, nichts ahnend dass er Ex-Mann der Dame, auf deren Kind sie aufpasst, aus der Nervenheilanstalt ausgebrochen ist, um seine Ehefrau zurückzufordern...

Das Gesicht am Fenster...

Peter Collinson ist kein Genre-Regisseur. Zwar drehte er auch die Neuverfilmung von "Die Wendeltreppe" namens "Das Geheimnis der Wendeltreppe", mit "Charlie staubt Millionen ab", "Das Penthouse" und diversen anderen Werken war er aber auch in anderen Filmrichtungen unterwegs. Umso mehr ist man ihm um sein Bemühen dankbar, dem Ruf des britischen Gruselfilms gerecht zu werden. In schöner Ausstattung präsentiert er den Hauptspielort eines Stoffes, der nicht nur aufgrund seiner räumlichen Begrenzung auch ein Theaterstück hätte sein können. Um gruselige Stimmung bemüht, nutzt er die Vorphase, in welcher das Drehbuch absichtlich, wenn auch nicht konsequent genug, die Frage offen lässt, ob es im weiteren Verlauf um Spuk oder eine menschliche Bedrohung geht. Mag diese Phase auch nicht so gruselig ausgefallen sein, wie es der Regisseur gern gehabt hätte, allein schon aufgrund des unnötigen Wechsels der Spielorte Haus und Restaurant, so besitzt sie doch trotz allem ihre Stimmung, z.B. ganz zu Anfang durch das etwas groteske Auftreten des Ehepaares, dessen Kind gesittet werden soll. Auch das Spiel mit Stille weiß der Regisseur zu nutzen, weiß das Ticken einer Uhr im sonst so ruhigen Raum doch stets zu wirken. Wird aus der ungreifbaren Bedrohung eine realistische, verpufft die Stimmung des Streifens jedoch, und "Die Nacht des kalten Grauens" (Alternativtitel) wird zu einem gewöhnlichen Psychopathenfilm, der mehr Entführungs-Drama/Thriller ist, als dass er noch im Horrorfilm zu Hause wäre. Die Geschwätzigkeit des Irren beraubt ihm jeder bedrohlichen Ausstrahlung, der mangelnde Härtegrad des Streifens unterstreicht diese magere Wirkung. Alternativ bietet die Geschichte nichts, was ihn zumindest als Kriminalfilm interessant gemacht hätte. "Die Fratze - Ein Alptraum des Grauens" (Alternativtitel) endet zudem recht einfallslos und spannungsarm, so dass er nichts ist, was im Gedächtnis bleiben wird. Für einen Totalausfall ist er zu souverän inszeniert und geschauspielert, ein Klassiker ist "Fright" (Originaltitel), der auch als "Night Legs" erschien, jedoch keinesfalls.  OFDb