10.11.2019

NIGHT OF THE LIVING DEB (2015 Kyle Rankin)


Nach einem One Night-Stand ist Ryan froh seinen nervigen Aufriss Deb morgens endlich los geworden zu sein. Doch eine über Nacht über die Stadt eingebrochene Zombieepidemie schweißt die beiden schneller wieder zusammen, als ihm lieb ist...


Das Pflaster nach dem Lebergeruch...

Eine Geschichte wie diese würde man aus der Sicht des genervten Mannes vermuten, die Situation um einen One Night Stand mit einer nervigen Frau wird jedoch aus der Perspektive von Deb erzählt, deren Nennung im Titel bereits den ersten gelungenen Witz darstellt. Man könnte meinen Aufgrund dessen wäre alles was auf dem Titel aufbaut ein Schnellschuss-Produkt, welches einzig von seinem verspielten Namen im Umgang mit "Night of the Living Dead" lebt, aber das ist ein Irrtum. Sicherlich wird ein grobklotziges Publikum ähnlich über dieses Werk urteilen, das sich im äußersten Gewandt kaum von mäßigen Produktionen vergleichbarer Art unterscheidet. Aber der nähere Blick auf das was uns "Infestation"-Regisseur Kyle Rankin in seiner humoristischen Version mit dem Zombiethema präsentiert, ist es was aus einer zunächst gewöhnlich scheinenden Chose den charmanten Beitrag für zwischendurch zaubert. Der Humor von "Night of the Living Deb" ist bei genauem Hinsehen sehr gelungen angegangen. Neben lauter Witze, über die man geteilter Meinung sein kann, schleicht sich immer wieder ein recht bizarrer Umgang mit dem Szenario ein, der dem Gesamtwerk eine sympathische und innovative Note verleiht. Aufgrund des seltsam dosierten Einstreuens dieser Zutat, wird manch einer mit dem Ergebnis vielleicht trotzdem nicht glücklich werden, ich jedoch hatte meinen Spaß, jenseits von Erwartungen eines "Shaun of the Dead", dem der hier besprochene Steifen nie das Wasser reichen könnte.

Die Pluspunkte von "Night of the Living Deb" beginnen bereits mit der herrlich gegen den Strich gesetzten Charakterzeichnung Debs, deren Verhalten nicht nur nervig, interessant und toll vom Drehbuch vorgegeben wird, sondern von Maria Thayer auch gnadenlos plump interpretiert wird, frei jedwedem Versuch der Figur doch noch so etwas wie Attraktivität oder Würde zu bescheren. Ihre Darstellung ist bereits die halbe Miete am Gelingen des Streifens, und die Chemie ihres Mitspielers an ihrer Seite weiß zu funktionieren, auch das ist ein wichtiger Punkt. Wenn sich im Laufe der Geschichte herausstellt, dass Deb doch ihre guten Seiten besitzt und sich als partnerschaftlich kompatibel mit Ryan herausstellt, geschieht das keineswegs auf anbiederndem Wege, der uns Deb als wundervolle Frau verkaufen will. Inmitten der bizarren Ereignisse entdeckt man einfach, dass beide Personen füreinander geschaffen sind, ohne dass man einen von beiden mögen würde. In gewisser Weise tut man dies natürlich trotzdem, immerhin sind sie die Identifikationsfiguren, und ihr Verhalten neben der Spur ist ein sympathisches Werkzeug des Films, als Menschen im richtigen Leben würde man sie aber meiden. Allerhand anderer schräger Figuren, die oft aber nur wenig Spielzeit erhalten, bevölkern den Mikrokosmos rund um dieses Paar, und da wird oft mit Holzhammerkomik gearbeitet, die ich trotz ihrer Grenzwertigkeit aufgrund ihrer überraschenden Treffsicherheit mag, in ihrer lauten Art gern aber auch von den feinhumorigen Pointen ablenkt, die es von einem aufmerksamen Publikum zu entdecken gilt.

Zudem fällt der ungewöhnliche Umgang mit der Zombiethematik auf. Selbstverständlichkeiten aus diesem mittlerweile häufig verfilmten Sub-Genre werden ausgehebelt, Standards nur wenig bedient, und meist werden die Zombies stark zur Nebensache degradiert. Das wird manch einem nicht schmecken, aber für solchen alternativen Mainstream ist "Night of the Living Deb" ohnehin nicht gedacht. Sollen die nimmersatten nach Blut lechzenden Gorehounds und die wenig sensiblen Massenzombieszenen-Vermisser doch heulen gehen, Rankins Werk ist immerhin eine Horror-Komödie mit Schwerpunkt Komödie, und aufgrund seiner versteckt ungewöhnlichen, wie treffsicheren Art wird der Mangel an Zombieszenen zu keinem Schwachpunkt. Sie werden eingesetzt, wenn sie gebraucht werden, sind ohnehin nur Mittel zum Zweck und deswegen als Hintergrundelement gewählt, weil in unserer, wie in der Filmwelt der Deb, der Umgang mit den Gesetzmäßigkeiten einer Zombieepidemie eine Selbstverständlichkeit ist. Aus diesem Aspekt holt der Film sowohl bestätigend, als auch Irrtümer auftreten lassend einen hohen Grad an Pointensicherheit heraus. Ganz nebenbei wird albern, aber überzeugend über Politik gelästert, über das Wirtschaftsdenken der USA, der Medienlandschaft rund um TV und Internet und den verschiedenen Mentalitäten, alternative ebenso, wie erzkonservative. Das alles kommt nie zu gewollt daher und immer nur in jenem Grad eingebracht, den die Hauptgeschichte als Nebenanliegen zulässt ohne überfrachtet zu werden, und da der Geschichte ihre Protagonisten am wichtigsten sind, funktioniert das Ganze weit besser, als Tunnelblickzuschauer im Endprodukt erkennen werden. "Night of the Living Deb" mag nicht der große Wurf geworden sein, ist aber eigenständig und treffsicher genug ausgefallen, um ihn mehr als nur einmal in seinen Player zu werfen. Schön dass sich ein Zombiefilm einmal nicht dem Publikum anbiedert.


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27.10.2019

DREI ENGEL AUF DER TODESINSEL (The Lost Empire 1984 Jim Wynorski)


Eine sexy Agentin schleicht sich gemeinsam mit zwei sexy Helferinnen auf die Insel eines mächtigen Wahnsinnigen, um dessen Welteroberungspläne zu verhindern...


Auszubildende an Araber verkauft...

Jim Wynorski, der so wundervolle Filme wie "Shopping" und "Der Vampir aus dem All" inszeniert hat, setzt den dort anzutreffenden Trash hier im Abenteuer- und Agentenfilmbereich an und mixt ihn mit seinem zweiten Standbein, dem Erotikfilm, den er meiner Meinung nach, siehe Beispiel "The Bare Wench Project", nicht ebenso gut beherrscht wie, zumindest damals, den des Horrors. Glücklicher Weise ist der amouröse Bereich in "Drei Engel auf der Todesinsel" nur Beiwerk, in der Besetzung jedoch unübersehbar zu erkennen, sind die Damen doch nicht gerade aufgrund ihres schauspielerischen Talentes besetzt. Dass mindestens eine von ihnen ebenfalls in Russ Meyer-Werken auftrat, verwundert nicht. Und selbst der Macho mit Schnäuzer, der die größte männliche Rolle besetzt, wirkt wie aus einem Pornofilm entlaufen. Einzig Angus Scrimm sticht außen vor, kennt der Filmfreund ihn doch aus der "Das Böse"-Reihe, und darf er doch absichtlich als Freak besetzt frei von Erotik einen Bösewicht spielen, innerhalb eines Plots, der erschreckend albern von den Geschehnissen aus "Der Mann mit der Todeskralle" abguckt.

"The Lost Empire" (Originaltitel) soll absichtlich Trash sein, fast so konzipiert wie heutige umstrittene Werke der Asylum-Schmiede, lässt sich doch kaum etwas als zufällig schlecht entdecken. Die Darsteller hüpfen hölzern durchs Bild, die quantitativen Schauwerte werden absichtlich in den Mittelpunkt gehalten, egal ob erotischer Natur, reißerischer oder aus dem Spezialeffektebereich der schäbbigen Art. Die Geschichte besitzt von Beginn an offensichtliche Logiklücken, die gar nicht erst versucht werden zu umgehen, die Handlung verläuft kindlich naiv, so leicht wie der Auftrag unter Einsatz von Sprüche klopfen und schlechter Kampfchoreographie auf Kinderfilm-Art zu lösen ist. Und damit das Ganze dem Schundfilm-Fan schön mundet, werden noch Gimmicks eingebaut, wie die herrliche Totenkopfmaske des Bösewichts am Schluss, oder der kurze Auftritt einer mechanischen Spinne. "Drei Engel auf der Todesinsel" haut derart bewusst in die Kacke, mit solch naivem und infantilem Charme, dass man ihm wahrlich nicht böse sein kann, zumal das Ergebnis für das Zielpublikum definitiv einen angenehmen Unterhaltungswert besitzt.

Vielleicht bin ich bei solchen Sachen mittlerweile aus dem Alter raus, um mich von so etwas komplett begeistern zu lassen, denn ähnlich wie bei "Einer gegen das Imperium" war mir das komprimierte Unvermögen zu Unterhaltungszwecken schlichtweg auf Spielfilmlänge zu lang geraten, um mich ungehemmt daran zu laben. Der Streifen besitzt trotz flotter Umsetzung seine Längen, und so dürstete es mich trotz konsequentem Wahnsinns, bescheuerter Schauwerte und trotz der Eigenschaft, dass die Geschichte sich nie zu oft wiederholend um sich selbst dreht, nach dem Schluss des Filmes, um ihn endlich hinter mir zu haben. Als würde der von Wynorski inszenierte Blödsinn nicht schon ausreichen, dürfen die Sprecher der deutschen Synchronisation noch einiges an dummen Sprüchen ergänzen, womit der Trash-Gehalt noch aufgeblasener wirkt als ohnehin schon. An einem anderen Tag mit Gleichgesinnten anstatt allein, oder zumindest in wesentlich jüngeren Jahren geschaut, hätte mich das Ergebnis eventuell begeistern können, um heute von einem Lieblingsstück des schlechten Geschmacks zu sprechen. Heutzutage geguckt, kommt vieles bei mir nur theoretisch an. Ich merke, dass ich dieses Stück sympathischen Schund gern mehr mögen würde, als ich es tue. Eine Empfehlung spreche ich jedem Freund des (absichtlich) missglückten Films aber freilich trotzdem aus, so streng wie meine Bewertung doch aus subjektiven Gründen ausfällt.


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POLTERGAY (2006 Eric Lavaine)


Ohne es zu wissen zieht Marc mit seiner Frau Emma in ein Haus, in dem vor über 20 Jahren während einer Schwulenparty ein Feuer ausbrach, so dass dort nun fünf Geister hausen. Diese kann scheinbar nur Marc sehen, dessen Verhalten von nun an Emma derart beunruhigt, dass sie ihren Mann verlässt. Marc glaubt sich die schwulen Geister einzubilden und redet sich ein eine unterdrückte Homosexualität könne der Auslöser dieser Psychose sein...


Bitte durch die Tür, anstatt durch die Wand...

Ähnlich wie "Curse of the Queerwolf" nutzt "Poltergay" die Schwulenthematik, um das Horror-Genre humoristisch aufs Korn zu nehmen. Und glaubt man anfangs noch die männliche Hauptfigur des Streifens entdecke aufgrund ihrer Erfahrungen im Spukhaus ihre homosexuelle Seite, geht die erste Regiearbeit von Eric Lavaine wesentlich vielseitiger vor, ist die Komödie trotz all ihrer tief gelegten Pointen doch ein Musterbeispiel respektvoll mit der Thematik umzugehen. Hier wird Toleranz nicht einseitig gepredigt, hier wird kein moralischer Zeigefinger erhoben, "Poltergay" erzählt entspannt von den Irrungen und Wirrungen der Sexualität, von Verleugnung, Wahnsinn und Vorurteilen und überrascht stets damit Erwartungen zu widersprechen. Ganz nebenbei entwirft der Streifen eigene Gesetzmäßigkeiten über die Geisterwelt, die erst nach und nach ans Licht rücken, u.a. dargeboten über einen Experten des Paranormalen, der allein durch seinen ständigen McDonald-Konsum bereits skurril wirkt..

Glücklicher Weise verzichtet man auf jene gute Party-Laune, die klischeehaft die homosexuelle Kultur in den Vordergrund rücken würde. Hier treffen Persönlichkeiten verschiedener Neigungen aufeinander in einem liberalen Plot, der sowohl Minderheiten-Bashing unterlässt, als auch Anbiederung, politische Korrektheit und Provokation. "Poltergay" lebt von seiner lockerleichten, stimmigen Komik, die in eine schlicht startende und sich interessant weiter entwickelnden Geschichte eingebettet ist und von einfallsreichen und charakterstarken Figuren beherrscht wird, die sich erst im Laufe der Zeit ihrer Stereotype leicht entblättern, um uns als eigenständige Individuen zu überraschen. Einen Horror-Gehalt besitzt das Endergebnis nicht, so dass man hier eher von einer Fantasy-Komödie sprechen kann. Und dank ihrer direkten Art ist sie trotz des Vermeidens von Provokationen, wie sie eine olle Troma-Produktion inflationär eingebaut hätte, nie zu brav ausgefallen. Mögen die Charaktere auch interessant ausgefallen und gut besetzt sein, mag die Tricktechnik auch stimmen, sowie das entspannte Flair der kompletten Chose und die nur selten laute humoristische Treffsicherheit, letztendlich liegt der Haupttrumpf des Streifens in der völlig überraschend empathischen, liberalen Grundhaltung der Erzählung, die sich nicht für ihre alberne Ader schämt und sich keinem Ideal oder einer Moralvorstellung anbiedert. In seinem Appell auf Individualität wird jeder mit Stärken und Schwächen gezeigt und dies ohne zu verurteilen. Die Thematik wird nicht ohne Klischees erzählt, aber diese werden bewusst integriert und nicht fahrlässig zufällig gestreift, was den erwachsenen Grundton des zunächst etwas infantil scheinenden Treibens unterstreicht.


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TIM UND STRUPPI - DER FALL BIENLEIN (Het Geval Zonnebloem 1961 Ray Goossens)


Professor Bienlein wird von ausländischen Agenten entführt, da diese an seiner neuen Erfindung, einem extrem effektiven Ultraschallgerät, interessiert sind. Tim und der Kapitän eilen ihm zur Rettung...


Opernsängerin toppt Ultraschall...

Von einigen kurzen 5-Minütern von 1959 einmal abgesehen, war "Tim und Struppi - Der Fall Bienlein" die erste Zeichentrick-Produktion der beliebten "Tim und Struppi"-Comics und erschien im selben Jahr der ersten Realverfilmung "Tim und Struppi und das Geheimnis um das goldene Vlies". Tricktechnisch braucht man sicherlich nicht viel erwarten, das zeigt bereits ein Blick auf "Asterix - Der Gallier", den letzten Zeichentrickfilm, den Regisseur Ray Goossens inszenierte. Aber dort wie hier reicht die simple Animation aus, um einer geglückten Vorlage den Sprung ins Medium Film zu ermöglichen. Letztendlich geht es darum die auf dem Papier lieb gewonnenen Figuren in Bewegung zu erleben, und da hier wie dort die Figuren treffsicher vom Original übertragen wurden, weiß auch der Charme der Heftvorlagen trotz schlichter Umsetzung zu fruchten.

In der Asterix-Verfilmung funktioniert das noch ein klein wenig besser, war die dort erzählte Geschichte doch herzerfrischend und mit wundervollen Gags versehen. "The Calculus Case" (Alternativtitel) hingegen gleicht einer endlosen Verfolgungsjagd. Kurz nach der Einführung in die Geschehnisse müssen Tim und seine Gefolgschaft stets den feindlichen Agenten entkommen, eine wirklich nennenswerte Geschichte wird dabei nicht erzählt. Wie gesagt rettet der Charme der Vorlage, sprich die liebevollen Figuren und die hanebüchenen Wendungen, die völlig bewusst gesetzt alles andere als einfallsreich zu nennen sind, das Ergebnis, so dass trotzdem ein unterhaltsames Happening entstanden ist, das mit seiner Leichtfüßigkeit, dem augenzwinkernden Umgang und kurz eingestreuten Albernheiten die an sich brutalen Geschehnisse überspielt, die stets mit einwirken. Somit bleibt der Streifen trotzdem stets altersgerecht und ist somit für Jung und Alt konsumierbar. Mittlerweile schwebt freilich zusätzlich ein gewisser Retro-Reiz über dem Werk. Und eine geglückte, da verspielte und treffsicher besetzte, Synchronisation erleichtert den Zugang zu einem eigentlich recht simplen Werk.


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26.10.2019

WAR (2007 Philip G. Atwell)


Drei Jahre nachdem die komplette Familie seines Partners von einem Killer der Yakuza umgebracht wurde, stößt FBI-Agent Jack Crawford auf dessen Spur. Der Killer scheint allerdings die Seiten gewechselt zu haben, bei all den toten Yakuza-Mitgliedern, die er hinterlässt...


Markenzeichen Munition...

Die Actionfilme mit Jason Statham sind immer so eine Sache für sich. Als Actionstar kommt er zwar nicht an die Leistungen eines Sylvester Stallones heran, letztendlich ist er aber der brauchbarste Frontmann dieser Art Film seiner Generation. Dennoch fallen seine Werke meist eher durchschnittlich aus, von netter Routine a la "The Mechanic" bishin zu mauer a la "Blitz - Cop-Killer vs. Killer-Cop". Wahrlich geglückte Streifen, wie "Bank Job" gehören der Ausnahme an. Sein "War" ist noch ein relativ früher Beitrag, einer mit einem klassischen Aufhänger in der Geschichte und einem neugierig machenden, der zum Einschalten einlädt, noch dazu. Aber nicht nur der Ansatz, der alles ins Laufen bringen soll, ist klassisch zu nennen, der komplette Film badet in Grundlagen-Klischees des Action-Genres, so sehr sogar, dass der Streifen damit arg austauschbar wird. Von der Entfremdung der Familie aufgrund der Fixierung auf einen Fall, bishin zu den Konflikten der Zuständigkeitsbereiche innerhalb der verschiedenen Gesetzeshüter-Instanzen der USA ist jegliche ausgelutschte Rezeptur mit an Bord, die man schon zu genüge gesichtet hat.

Da nutzt es auch nichts solch einen Kampfsport-Profi wie Jet Li als Gegner an die Seite gesetzt zu bekommen. Der sorgt zwar für allerhand brauchbare Action der anderen Art, während Statham höchstens mit der Größe seiner Waffen auf sich aufmerksam macht, sorgt mit seinem exotischen Touch aber für keinen Sehwert der innovativen Art. So sehr die Yakuza-Thematik in Amerika spielend auch für Fremdeinfluss innerhalb gewohnter Plotmechanismen sorgt, sie springen auch nur auf einen Modezug dessen auf, was zur Entstehungszeit gerade modern war. Und die ausländische Bedrohung war von "Stirb langsam" bishin zu jeglichem "Lethal Weapon"-Teil ohnehin schon immer Zutat des US-Actioners, um Feindbilder zu prägen. Da macht der Griff Richtung mächtiger Mafiaverstrickungen, von denen "War" kaum echte bedrohlichere Möglichkeiten nutzt, nicht viel Unterschied aus. So oder so wird die einzige Langfilm-Regie-Arbeit von Regisseur Philip G. Atwell zu nichts besonderem, so tief wie sein Produkt im Standard feststeckt. Es reicht um Dauergäste im Action-Genre gerade eben zufrieden zu stellen, erzählt aber nichts wirklich interessantes, um auch dem Gelegenheitszuschauer genügend Leckerlies zuzuwerfen.


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19.10.2019

STAR TREK - THE ANIMATED SERIES (Star Trek 1973 Bill Reed u.a.)


Das Raumschiff Enterprise ist im Weltraum in unbekannten Regionen unterwegs und stößt immer wieder auf fremde Kulturen und erlebt wunderliche Ereignisse...


Der wandernde Fleck...

Für viele war das Einstellen der Serie "Raumschiff Enterprise", trotz schwächer werdender Episoden, ein kleiner Schock, so dass sich manch treuer Fan vielleicht auf das Trostpflaster gefreut hat, welches den Zuschauern ein paar Jahre danach zugeworfen wurde: eine Zeichentrickserie. Nach der ersten Vorfreude dieses Restpublikums, dürfte Ernüchterung nach einem Blick auf den Animationsstil aufgekommen sein, ist "Die Enterprise" (Alternativtitel) doch arg hölzern, schlicht und lieblos gezeichnet. Scheinbar wollte man mit der ernsten Ausrichtung, die nah am Aussehen der Original-Crew angelehnt ist, deutlich machen keine reine Kindersendung zu sein. Allerdings kommen die bekannten Gesichter und Orte derart lieblos und billigst umgesetzt daher, dass es nichts mehr schön zu reden gibt an der Optik der Serie. Wie kostengünstig und schluderig hier vorgegangen wurde, lässt sich in jeder Episode an den wandernden Schmutzflecken der Folie beobachten, wenn das Raumschiff von außen, fliegend durchs Weltall gezeigt wird, wie wir es von der Originalserie her kennen.

Schlichte, kindliche Gemüter können, wenn ihnen der Animationsstil nicht so wichtig ist, dennoch Freude mit "Star Trek" (Alternativtitel) haben, kommen die Abenteuer doch noch so verspielt daher, wie man es von der Ur-Serie her kennt, teilweise allerdings geistloser und noch verspielter ausgefallen, als dort ohnehin schon. Aber das ist noch immer besser als der viel zu ernste Ansatz, den das Markenzeichen "Star Trek" seit "Raumschiff Enterprise - Das nächste Jahrhundert" im TV erleiden musste, der aus einer verspielten Fantasie einen unsinnig pseudo-erwachsenen, pseudo-wissenschaftlichen und pseudo-gesellschaftskritischen Mix aus Seifenoper und Science Fiction ablieferte. In der hier besprochenen TV-Serie nimmt man alles noch immer nicht zu ernst, experimentiert ungehemmt und frei von Zwängen mit der Grundthematik und geht man augenzwinkernd mit den Bezügen zur Originalserie um. So kehren beispielsweise für eine Folge die beliebten Tribbles zurück. Und um sich schneller heimisch zu fühlen, kehrten auch die wichtigsten Darsteller aus "Raumschiff Enterprise" für die Stimmgebung ihrer dort gespielten Rollen zurück. Glücklicher Weise wurde diese Idee auch für die Deutschfassung beherzigt, die uns ebenfalls die uns gewohnten Stimmen serviert.

Aus den zusätzlichen Möglichkeiten, welche der Animationsansatz gegeben hätte, wird so gut wie nichts heraus geholt. Man will sich an der Originalserie orientieren, also werdenen Kreaturen und Situationen nicht zu fantastisch angelegt, nur selten erblickt man monströse Kreaturen, und bei der mies angegangenen Animation reißen auch die selbstverständlich nicht vom Hocker. "Star Trek Animated" (Alternativtitel) kann durchaus Spaß machen, wenn man sich nicht am plumpen Zeichenstil und an den kindlicheren Einfällen aufhängt. Auf simple, verspielte Art machen die herrlich sinnloser ausgefallenen Abenteuer zumindest ein paar Folgen lang genügend Freude, um sie sich als Freund der eingestellten Serie geben zu können. So sichtlich plump und kostengünstig auch vorgegangen wurde, gerade mit Blick auf das was im Fernsehen ab der 80er Jahre der Marke "Star Trek" angetan wurde, kann man froh sein noch einmal jene Luft zu atmen, mit welcher "Raumschiff Enterprise" einst für ein tatsächlich erwachsenes Publikum trivial gedacht war.


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18.10.2019

LIEBE IN JEDER BEZIEHUNG (The Object of My Affection 1998 Nicholas Hytner)


Nina startet mit ihrem schwulen Freund George eine Wohngemeinschaft, was in ihrem Lebenspartner Argwohn auslöst. Als Nina von diesem schwanger wird, verliert sie das Interesse an ihm und schlägt George vor mit ihr das Kind großzuziehen. George willigt ein. Aus dieser emotionalen Vereinbarung wird jedoch ein Problem, als Nina sich eingestehen muss in George verliebt zu sein. Und der hat wiederum gerade einen interessanten Mann für sich entdeckt...


Liebe in jeder Variation... 

Man sieht es vielleicht bereits der Inhaltsangabe an, wie sehr sie schlicht die Kuh der verschiedenen emotionalen und sexuellen Bedürfnisse melken möchte, sich banal um verwöhnte Probleme einer Wohlstandsgesellschaft drehend, dabei Gefahr laufend nur dem eher denkfaulen Publikum gefallen zu können. Dennoch besitzt der Aufhänger seinen Reiz, also bekam "Liebe in jeder Beziehung" seine Chance, zumal er mit Jennifer Aniston und Paul Rudd sympathisch besetzt ist und nur wenige Jahre nach der sympathischen Welle an Romantik-Komödien a la "E-Mail für Dich", "In Sachen Liebe", "French Kiss", "Während Du schliefst" und Co entstanden ist. Leider gehört das Werk des Regisseurs Nicholas Hytner nicht mehr zu dieser Welle, sondern zu jener, die später mit Filmen wie "Wie werde ich ihn los - in 10 Tagen", "Zum Ausziehen verführt" und Co in zu banalem Weichspülen die funktionierende Romantikader, von der ein solcher Streifen lebt, verfehlt. Klischeebeladen plätschern solche Filme zu konstruiert vor sich hin, ein vorgelebtes Rezept erfüllend, ohne die Zutaten zu einem schmackhaften Ergebnis zu mixen. Heraus kommt ein Konstrukt, das unreflektiert und geistlos lediglich Wohlfühlfilm sein soll und sich keinem wahren gesellschaftlichen Wagnis stellt.

Das Zielpublikum mag vielleicht aus seinen Träumen gerissen werden, wenn Nina erkennen muss, dass sie George nicht heterosexuell umerziehen kann, mit solch naiven Augen mag sich "The Object of My Affection" (Originaltitel) noch halbwegs aufregend schauen, immerhin will man in diesem Zustand wissen ob Ninas Liebe eine Chance bekommt oder nicht. Der mitdenkende Zuschauer jedoch, der in der Hoffnung sich in romantische Träumereien entführen zu lassen, eingeschaltet hat, erlebt nur eine Ernüchterung aufgrund einer zu glatt gebügelten, zu brav gezeichneten und sich zu sehr ähnelnden Figurenkonstellation, welche mögliche aufwühlende Erlebnisse und die theoretisch vorhandenen Provokationen der Grundidee lediglich nur seicht dahin plätschernd erlebt. Geschwätzigkeit, sich fremd anfühlende Probleme und der Mangel an Charme und Sympathie sorgen in einem orientierungslosem Drehbuch, das ein Frauenfilm-Klischee für gelangweilte Hausmütterchen an das nächste reiht, für fehlende Romantik und Desinteresse an den Erlebnissen der Figuren. Die angenehmen Mimen und das immerhin Restinteresse aufkommen lassende Szenario, sorgen zumindest noch für ein routiniertes Ergebnis, missglückt sieht anders aus. Dennoch ist es traurig mit anzusehen, wie hier nur geschulte Sehgewohnheiten bedient werden, ein Mangel an Empathie herrscht, und die moralische Keule des Akzeptierens Andersartiger geschwungen wird, kurzum das Mainstream-Publikum nicht herausgefordert, sondern in seinem Denken und Sehverhalten bestätigt wird, was einem Film wie diesem jegliche Magie raubt. In immer neuen banalen Wendungen drehen sich die Protagonisten um sich selbst und machen Selbsterfahrungen und Charakterentwicklungen durch, die einen erwachsenen Zuschauer nicht berühren. Unreife Erwachsene, denen es nach den immergleichen Stoffen dürstet, werden jedoch typisch bedient.


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ROBERT 2 - DIE RÜCKKEHR DER TEUFELSPUPPE (The Curse of Robert the Doll 2016 Andrew Jones)


Die Killerpuppe Robert wird mittlerweile in einem Museum ausgestellt. Es dauert nicht lange bis dort nachts die ersten Morde geschehen. In Verdacht rückt eine neu eingestellte, junge Putzkraft und ihr neuer Freund von der Security des Museums...


Mörderischer Zuschauermagnet...

"Robert - Die Puppe des Teufels" war ein Langweiler, ein Film der zeigte, dass er so gar nichts von den sympathischen Puppenhorror-Beiträgen gelernt hat, die meist den Videoheimmarkt heimsuchen. Vielleicht ist man aufgrund dieses mieserablen Ergebnisses einfach nur erleichtert, dass "Robert 2 - Die Rückkehr der Teufelspuppe" nicht ganz so extrem schlecht ausgefallen ist, denn wirklich gelungen ist an der Fortsetzung des Schnarchers auch nichts wirklich. Im Gegensatz zum Vorgänger versucht man aber zumindest die Geschichte etwas interessanter zu gestalten. Der Erzählansatz weiß halbwegs Neugierde zu wecken, die Figuren sind nichtsaussagend, aber nicht so derbe unsympathisch ausgefallen wie die Protagonisten des Erstlings, letztendlich liefert man hier zumindest maue Routine ab. Eine Optik, wie aus einem selbstgedrehten Film entliehen, simpel umzusetzende Puppenanimationen und die plumpe deutsche Synchronisation helfen allerdings nicht gerade dabei dem Routineprodukt die Möglichkeit eines echten Unterhaltungswertes zu ermöglichen. Aber das Drehbuch und die Crew vor und hinter der Kamera sind ohnehin nicht darin bemüht, etwas Besonderes abliefern zu wollen, so arg wie sich die Geschichte innovationslos im Kreis dreht und so austauschbar wie hier alles ausgefallen ist.

Da darf es schon verwundern, dass Regisseur Andrew Jones mittlerweile bereits fünf Teile dieser Reihe abgedreht hat. Jedes Jahr folgt ein neuer, egal wie mies die Internetbewertungen ausfallen. Scheinbar ist eine solch schnell hingerotzte Produktion dennoch lukrativ genug, irgendwer schlägt nach zwei lahmen Filmen doch noch zu. Schlichten Gemütern kann "The Curse of Robert" (Alternativtitel) vielleicht zumindest einen kleinen Schrecken einjagen, aber da muss man schon eher Neuling im Genre sein. Ein solcher wird auch nicht bemerken, wie plump die Hintergrundmelodien von den Soundtracks von "Halloween - Die Nacht des Grauens", "Freitag der 13." und diversen Okkult-Horrors klauen. An den Nerven zerrt bereits der Vorspann, der zu ätzend unmotivierter Kindermelodie ellenlang Nichtigkeiten mit Texteinblendungen mixt. Umso erleichterter ist man, wenn der Beginn des eigentlichen Streifens zumindest halbwegs angenehm startet, anstatt nervig und öde, wie es beim selten dämlichen ersten Teil der Fall war. Hätte ich Teil 2 als Film für sich gesehen, wäre ich vielleicht enttäuscht genug gewesen, um ihn als schlecht zu empfinden, so aber, mit Kenntnis des Erstlings, schaut sich das magere Stück Horrorkost für mich noch gerade eben durchschnittlich ausgefallen. Wie objektiv eine solch großzügige Bewertung ist, sei also mal dahin gestellt. Dass man bei einem FSK-16-Film keine blutigen Einlagen erwarten sollte, dürfte für Freunde deftigerer Genre-Beiträge klar sein, sei an dieser Stelle aber trotzdem noch einmal erwähnt. Zumindest läuft "The Curse of Robert the Doll" (Alternativtitel) ungekürzt mit unter 80 Minuten Laufzeit nie quälend langweilig, sondern schaut sich in seiner etwas zu drögen Art noch immer flott genug umgesetzt, um bis zum Schluss dran bleiben zu können.


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16.10.2019

WESTWORLD - STAFFEL 2 (Westworld - Season 2 2018 Richard J.Lewis u.a.)


Die Spielregeln haben sich geändert, die Hosts können sich nun wehren, die meisten Gäste des Parks sterben. Die Firma Delos ist jedoch nicht an einer Rettung der Besucher interessiert, sondern an einem wichtigen Satz Daten, welcher für die wahre Bedeutung des Freizeitparks steht...


Der kollektive Irrtum freier Wille...

War Staffel 1 der Serie "Westworld" noch ein interessantes Gedankenspiel, welches gelegentlich zu geschwätzig pseudo-intellektuell ausfiel, so wankt das Ergebnis in der zweite Runde nun gewaltiger. Zunächst fängt Staffel 2 überraschend gut an, macht von Beginn an klar, dass es mit den Plänen der Firma Delos weit mehr auf sich hat, als Menschen mit Westernspielen zu vergnügen. Und trotz Andeutungen auf einen möglichen Ansatz des zu unsinnig ausgefallenen "Futureworld", der seinerzeit das Original "Westworld" fortsetzte, greift man nicht dessen Idee auf, sondern streift sie nur zur Betrachtung einer interessanteren, weniger eindimensionalen. Zwar wird manch einer gerade zu Beginn der Staffel das erhoffte Massaker vermissen (die Serie Westworld geht auch in ihren aufregenderen Szenen besonnen, ruhig erzählt und dialoglastig vor), die neugierig machende Offenheit diesmal kein Geheimnis aus den verschiedenen Zeitebenen zu machen und der andere Ansatz der Revolution machen aus diesem Umstand jedoch kein Ärgernis, sondern lediglich einen anderen Umgang mit der Thematik. Allerdings blitzt in der hier gelebten Art der Revolution und Selbstfindung der Maschinen bereits in dieser Phase jener Schwachpunkt auf, der einiges am Potential der Serie vermissen lässt: mit dem Hauptaspekt einer humanistischen Erzählung, die das Wesen des Menschen aus einem arg bitteren Blickwinkel ergründen möchte, unterlassen es die Autoren der Geschichte den Robotern eine eigene Mentalität zu kreieren. Letztendlich sind sie wie Menschen, reagieren nicht wie Maschinen, so dass z.B. ein Roboter, der ein Kind sein soll, ein Kind bleibt, entwickeln keine eigene Kultur, kein eigenes, ihrem Organismus entsprechendes, Weltbild. Auch ihre Denkstrukturen, gerade bezüglich der unterschiedlichen Parteien, die sich im Umgang mit der Revolution bilden, sind rein menschlich orientiert.

Roboter werden zwar zu cleveren Taktikern, handeln aber stets aus menschlichen Gefühlsregungen heraus, obwohl sie in Staffel 1 noch erfuhren, dass auch Gefühle Programme sind und ehemalige Angehörige angedichtete Geschichten. Und da jede Serie ihre festen Figuren benötigt, wirkt der Aufstand der Maschinen zudem noch milder als nötig, indem die Schreiber der Serie nie den Mut besitzen Konsequenzen zu ziehen. Jeder kann jederzeit überleben, Roboter können trotz Vernichtung des Backups wieder geschaffen werden (alles logisch erklärt, keine Sorge, aber eben stets einen sicheren Hinterausgang im zu gewollt kritischen Treiben im Auge behaltend), verletzte Hauptfiguren werden aus hanebüchenen Gründen verschont, nur selten entsteht in Staffel 2 eine nicht rückgängig zu machende Situation mit extremen Ausgang. Da braucht es auch nicht verwundern, dass auch die philosophischen Aspekte immer verstärkter zum bedeutungsschwangeren Leergeschwätz verkommen, oftmals eher den Kitsch einer Seifenoper aufgreifend, anstatt tatsächlich intellektuelle Diskussionsansätze zu verfolgen. Letztendlich lebt Staffel 2 nur noch von den Rätseln, die sie in absichtlich umständlicher Erzählweise zu erhalten weiß, aber das ist zumindest ein Motor, der selbst den enttäuschten Zuschauer motiviert dran zu bleiben. Der Blick auf eine weitere Unterhaltungswelt neben jener des Wilden Westens erweist sich gegen alle Erwartungen leider als Tiefpunkt der Serie und erstreckt sich über quälende zwei Folgen; als sich das Desaster in einer Indianer-vertiefenden Folge zu wiederholen droht, beweist sich die Serie im humanistischen Romantikgewandt plötzlich emotional überzeugend. Dennoch: anstatt wahrhaftig kritische Denkmodelle anzugehen, schwimmt die zweite Staffel im Mainstream der Weltansicht, verfolgt einfachste Massenmeinung zum Thema Mensch, geht dies aber zumindest gewitzt erzählt und intelligent verschachtelt an.

Was man der Serie lassen muss, gerade in Staffel 2, ist ihre Deutungsvielfalt im analytischen Bereich. Der Kampf Maschine gegen Mensch kann nicht nur auf die klassische Unterschicht- und Oberschicht-Komponente übertragen werden, sondern z.B. auch auf den Sektor der Emanzipation. Ohnehin ist "Westworld" mit seinen häufig unauffällig vertauschten klassischen Geschlechterrollen ein wunderbares Beispiel für echt gelebte Emanzipation in der Film- und Serienwelt. Allein in für Amerika überraschenden, nicht weg geblendeten Nacktszenen, fiel ein Teilaspekt dessen bereits in der ersten Staffel auf. Die zweite geht trotz anderweitigen Schrittes voraus jedoch gerade mit Blick auf nicht ignorierte Geschlechtsteile wieder einen Schritt zurück. Die Darsteller agieren ohnehin alle weit seltener nackt, als es noch in der Vorgängerstaffel zu beobachten war. Das ist an sich ein nicht bedeutend scheinender Faktor. Betrachtet man aber den Rückgang an intellektueller und sachbezogener Argumentationen und Schwerpunkte der zweiten Staffel, eher zweifelhafte Ethik propagierend anstatt einen wissenschaftlichen Blick auf das Geschehen zu werfen, so darf man sich doch fragen, ob wer das Ruder übernommen hat, welcher der Serie einen anderen, weniger systemkritischen Anstrich verleihen wollte. In Amerika passiert es oft, dass nach erfolgreichem Start wer anders das Serienkonzept verändert, um bestimmte Dinge damit zu erreichen (siehe "Parker Lewis", "King of Queens" oder "The Big Bang Theory"). "Westworld" ist in seiner zweiten Staffel zumindest noch intelligent und wendungsreich genug erzählt, um einen selbst im enttäuschten Zustand noch als Zuschauer zu gewinnen und ernst zu nehmen. Das ständige Anwenden von Ausreden im pseudo-intellektuellen Sinne, zur Umgehung wahrer Konsequenzen (ein Faktor der eigentlich zwingend zum echten Leben dazu gehört), lässt das Geschehen aber längst nicht mehr so spannungsgeladen und emotional packend verfolgen, wie zuvor, eben da mit den lieb gewonnenen Figuren alles (wieder) möglich ist und Erlebtes nichts Endgültiges sein muss. Dieses Makel ist in sofern bedeutend, als dass es vielen getroffenen gesellschaftskritischen Aussagen der Serie widerspricht. Aber derartige Widersprüche weisen Moralisten oft auf, und Denken wurde in Staffel 2 endgültig und unübersehbar gegen Moral eingetauscht. Das ist schade um die guten Ideen der Serie, gerade mit Blick auf das Geheimprojekt der Firma Delos.


Episodenführer,   OFDb

13.10.2019

WESTWORLD - STAFFEL 1 (Westworld - Season 1 2016 Jonathan Nolan u.a.)


In einem Freizeitpark, in welchem Gäste mittels wie Menschen aussehenden Robotern Cowboy spielen können, beginnen sich Maschinen zu erinnern und zu begreifen wofür sie da sind...


Für wen ist das Labyrinth gedacht?...

Wer ohne den Vergleich an das großartige Original "Westworld" an die Serie herangeht, bzw. andere Erwartungen an sie knüpft, der kann durchaus gut unterhalten werden mit einem Produkt, welches völlig andere Wege beschreitet als der 70er Jahre Science Fiction von Michael Crichton und die Erlebnisse von dort nur subtil streift. Das Ergebnis kommt ähnlich intelligent daher, mit dem Unterschied dass man seinerzeit intellektuelle Themen kaum benannt den Zuschauer entdecken ließ, wohingegen man heutzutage in endlosen Gesprächen über den gesellschaftskritischen und psychologischen Aspekt schwadronieren muss. Da schweift man auch gerne mal eine Spur zu extrem ab und rutscht in den pseudo-intellektuellen Bereich ab, für ein Produkt seiner Zeit macht "Westworld" seine Arbeit aber überraschend gut, auch wenn er nicht an die Klasse des Originals oder den themenähnlichen "Ex-Machina" heran reicht. Begrüßenswert ist der neue Aspekt, der mehr in die philosophische Richtung des TV-Filmes "Welt am Draht" und den Filmen, die er beeinflusste, schlägt. Andererseits bedarf alles in der Neuversion einer Erklärung, für Mysterien, wie der in "Westworld" thematisierten Roboterkrankheit (deren Mythos mit nur einem Nebensatz angezweifelt wird), scheint in der heutigen Welt kein Platz mehr zu sein, wenn man ein intelligentes Produkt auf den Markt werfen möchte.

Der Zuschauer muss Geduld mitbringen. Lange Zeit scheint sich in "Westworld" nichts zu tun, man muss Freude an den Nichtigkeiten, den Anspielungen und an der Vielschichtigkeit von Personen, Situationen und gesellschaftlichen Themen haben, um das schleichende Geschehen genießen zu können. Das Warten lohnt sich, zumal in der recht stillen Anfangsphase bereits gut agierende Darsteller, der nötige intellektuelle Kick und der Mut zur Andersartigkeit im Vergleich zum Original positiv auffallen. Hat man die erste Staffel beendet, sind allerhand Rätsel gelöst, die einen faszinierten, eröffnen sich Blickwinkel, die zuvor trügerisch eine andere Wahrheit offenbarten und überraschen Persönlichkeiten mit ihren wahren Ichs, die man anders eingeschätzt und zugeordnet hätte. Sicherlich baut "Westworld" bewusst aufs Hinhalten, lässt sein Publikum hauptsächlich aufgrund seiner Neugierde zappeln, aber das Rezept funktioniert. Und erstaunlicher Weise bleibt das Produkt auch in seinen erlebnisreicheren Phasen im ruhigen und besonnenen Stil erzählt, so wie der fast still stehende Beginn der Staffel. Wen es nach Action lechzt, der hat hier nichts verloren. "Westworld" setzt auf seine Figuren und auf seine Geschichte, erzählt etwas Bedeutendes und setzt den Schlusspunkt zur zweiten Staffel an einer faszinierenden Stelle. Würde mich nicht immer wieder ein Hauch zu gewollter Tiefsinnigkeit in mancher zu extremen Geschwätzigkeit anwehen, könnte ich glatt von einer hervorhebenswerten Serie sprechen. So aber ist sie, sowohl im positiven, wie im negativen Sinne, ein Produkt seiner Zeit, vielschichtig erzählt und durchdacht, aber auch zu bedeutungsschwanger aufgeblasen und zu wenig das Publikum allein entdecken lassend.


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12.10.2019

IN DEN FÄNGEN DER MADAME SIN (Madame Sin 1972 David Greene)


Ein ehemaliger Agent wird von der mächtigen und legendären Madame Sin entführt, da diese ihn von einem ihrer Projekte überzeugen möchte. Mit seiner Hilfe will sie mittels einer Gehirnveränderung am zuständigen Kommandanten, ein revolutionär neuartiges U-Boot stehlen. Als der Agent erfährt, dass er einst von seinem Auftraggeber hintergangen und um seine Lebensgefährtin betrogen wurde, macht er mit. Allerdings ist nicht alles wie es zunächst scheint...


Von einem Gehörlosen, der einen Touristen für sich reden ließ...

Zwar besitzt "In den Fängen der Madame Sin" den Aufhänger sich an Dr. Fu Man Chu und den späteren Dr. Mabuse-Filmen zu orientieren (mit Madame Sin sollte wohl eine ähnliche Kultfigur kreiert werden), der Erfolg blieb jedoch aus. Madame Sin erschien nur dieses eine Mal auf der Leinwand. Das mag eventuell daran liegen, dass trotz diverser Aufhänger und Schauwerte das komplette Treiben eher ein typischer Agenten-Actioner seiner Zeit geworden ist, wie er in Europa in Serie produziert wurde. Zwar scheute man an mancher Ecke keine Kosten, und mit Bette Davis hatte man einen hochkarätigen Star in seiner Spätphase mit an Bord, letztendlich ist das Drehbuch jedoch arg billig ausgefallen, kleine Phasen des Zeitschindens sind ebenso auszumachen. David Greene, der auch die 75er Version von "Der Graf von Monte Cristo" realisierte, setzt zwar auf ein hohes Tempo, doch den Leerlauf der zu dünn geratenen, etwas zu episodenhaften Geschichte, kann auch er nicht überspielen. "Madame Sin" (Originaltitel) ist mit manchen Science Fiction-Elementen bereichert, immer dann wenn es um die wissenschaftlichen Errungenschaften und Methoden der zentralen mystischen Gaunerin geht, letztendlich dominiert jedoch die schlichte Agenten-Action, bestehend aus rasanten Autofahrten, Faustkämpfen und Helikoptereinsätzen, ins Zentrum rückend Hauptdarsteller Robert Wagner, der diesen Streifen auch produzierte.

Sein Charisma späterer Auftritte in "Austin Powers" und "Jack allein im Serienwahn" fehlt ihm hier zwar noch, so dass hauptsächlich seine magere Schauspielfähigkeit auffällt, aber da der Streifen sich ebenso wenig ernst nimmt, wie Wagner das alles, wird aus der bitteren Pille zumindest eine sichtlich verspielte, die auch keine Scheu vor Selbstironie und gewagten Pulp-Szenen besitzt. Wesentlich besser kommt Bette Davis daher, die man inmitten ihrer Aufmachung zwar kaum wiedererkennt, die aber in ihrer gelassen professionellen Art selbst aus simplem Trash feine Szenen zaubert, so treffsicher wie sie zudem speziell für diese Rolle besetzt wurde. Noch positiver fällt jedoch das Spiel ihres Begleiters aus, verkörpert von Denholm Elliott, der jede Szene in der er auftaucht verschmitzt kommentiert, und sei es nur im Hintergrund agierend auf mimische Art. Die deutsche Synchronisation ist positiv ausgefallen, der Soundtrack wirbelt wild, mal passend, mal nicht, diverse Musikrichtungen und Stimmungsmomente durcheinander, und kurzfristig gelungene Momente werten das etwas zu dröge und monotone Hauptgeschehen immer wieder ein wenig auf. Besonders fein ist diesbezüglich der Schluss des Streifens ausgefallen. Letztendlich ist das Endergebnis aber zu austauschbar ausgefallen, um noch von charmantem Durchschnitt zu sprechen. Wahre Sehwerte bietet der harmlos naiv ausgefallene Streifen nicht wirklich. Stammzuschauer dieser Art Film und Bewunderer der hier agierenden Berühmtheiten können trotzdem einen Blick riskieren.


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11.10.2019

DER MUSTERKNABE (1963 Werner Jacobs)


Der Erfinder und Unternehmer Geyer geht unter dem Namen seines jüngeren Bruders noch einmal zur Schule, um dessen Abitur zu machen, da dieser stets an der Abschlussprüfung scheitert. Mit seinem strebsamen Benehmen macht sich der falsche Schüler jedoch nicht gerade beliebt bei seinen Klassenkameraden, also denkt auch er sich Streiche an Lehrern aus. Zudem verliebt er sich in die attraktive Klassensprecherin, mit der er zunächst verfeindet ist...


Ägypten in Form von Badeurlaub mit drei jungen Damen im Bikini...

Sichtlich von "Die Feuerzangenbowle" inspiriert, ist "Der Musterknabe" die erste Zusammenarbeit von Werner Jacobs mit Peter Alexander und Gunther Philipp, dem die ebenfalls amüsanten "... und sowas muss um acht ins Bett" und "Hilfe, meine Braut klaut" folgen sollten. Das lockerleichte Lustspiel nimmt Elemente aus "Klassenkeile" und "Die Lümmel von der ersten Bank" vorweg, bietet mit Blick auf Letztgenannten sogar bereits Theo Lingen in der Rolle des Schuldirektors. Die Erinnerung an die prominente Reihe wird zudem verstärkt durch den Umstand, dass auch hier der Klassenlehrer nah an den Wahnsinn getrieben wird, und durch Peter Alexanders Anwesenheit, erst recht durch seine Szene als Stimmenimitator, die er später in "Zum Teufel mit der Penne" und "Hurra, die Schule brennt" alternativ wiederholen sollte. Das Ergebnis kommt jedoch weniger verkrampft und mit weniger Fremdschäm-Elementen daher, als besagte Lümmel-Serie, gehört aber freilich ebenfalls jener Kategorie ehemaliger deutscher und österreichischer Komödien an, mit denen sich Cineasten von heute häufig schwer tun.

Sicherlich wird hier keine hohe Kunst geboten, und selbst für einen Trivialfilm sind Sprünge, wie der Übergang von der Feindschaft zur Freundschaft beim zentralen Liebespaar, billig, einfallslos und situativ nicht nachvollziehbar vom Drehbuch ausgearbeitet. Aber ein Werk wie "Der Musterknabe" guckt man immer ein wenig blauäugig, und ich mag diese Naivität mit der solche Filme erzählt sind, bzw. ihr unverkrampfter Umgang sich weder an angepasster Coolness, noch an professionelle Filmregeln halten zu müssen, um gelassen albern und entspannt ihr Nichts an Story zu erzählen, um einen auf Spielfilmlänge amüsant zu unterhalten. Gunther Philipp dreht nur selten zu sehr auf und weiß ansonsten zielgenau pointiert zu agieren, Peter Alexander beweist sich erneut schauspielerisch zu mehr fähig, als ihm häufig angekreidet wird, und an Musikszenen wurde gespart, so dass Zuschauer, die von solchen schnell genervt sind, eine Chance bekommen hier trotzdem gut unterhalten zu werden. Die drei Musikszenen, von der nur eine kompatibel und heiter ins Geschehen eingebaut wird, werden in der Mitte des Films jedoch kurz hintereinander gesetzt präsentiert, was aber auch bedeutet, dass man vorher und hinterher seine Ruhe hat. "Der Musterknabe" ist leichte Kost, dem es weder um Logik noch um Tiefgang geht. Und in seiner treffsicheren Komik und mit den begabten drei Top-Komikern dieser Zeit in den wichtigsten Rollen besetzt, weiß er Menschen ohne cineastische Tunnelblick-Erwartungen definitiv locker leicht, naiv und trivial zu unterhalten. Damit erfüllt er seine selbst gesetzten Ziele.


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06.10.2019

THE SLEEPER (2012 Justin Russell)


Zwei Mädels nehmen an der Feier einer Studentenverbindung auf dem Campus teil, obwohl nur eine von ihnen interessiert ist beizutreten. Just zu dieser Zeit geht ein Wahnsinniger um, der einen nach dem anderen umbringt...


Eine alternative Zicke unter Zicken...

Ich betone immer wieder gern, dass ein Slasher von seinem Minimalismus lebt, dass er in den frühen 80er Jahren im schlichten Gewandt am effektivsten war und wie schön es wäre, wenn sich wieder mal wer auf diese Rezeptur besinnen würde. Da erfreut es, dass ein Werk wie "The Sleeper" daher kommt, der all diese Eigenschaften in ein 80er Jahre Retro-Flair zu packen weiß. Leider wurde dieser Beitrag des Horror-Regisseurs Justin Russell, dessen "Death Stop Holocaust" bislang nicht den Weg nach Deutschland gefunden hat, jedoch zu einem Lehrbeispiel dessen, dass aus dieser Grundlage nicht automatisch Gold zu ernten ist. Ganz im Gegenteil ist "College Killer" (Alternativtitel) ein besonders erbärmliches Stück Horror-Thriller geworden, der vormacht wie leicht ein solcher Film in die Kacke zu hauen ist. Das beginnt mit besonders mies besetzten "Schauspielern", lässt sich weiter in der erbärmlichen Umsetzung bemerken, die selbst in stillen Momenten keinen Hauch von Spannungsmoment aufgebaut bekommt, und das beobachtet man weiterhin in den Mordsequenzen, die relativ schlicht gehalten wurden, und weder den Stammzuschauer des Genres bei Laune halten, noch den Neuling solcher Werke zu schocken wüssten.

"Sorority House Nightmare" (Alternativtitel) ist derart uninspiriert billig heruntergerotzt, dass es einen verärgert solch ein Produkt überhaupt vorgesetzt zu bekommen. Wer glaubt irgendwem könne derartiges schmecken? Warum landet ausgerechnet solch ein Produkt in Deutschland (wenn auch nur in Österreich im deutschsprachigem Raum ungekürzt zu konsumieren), bei all den Produktionen, denen dieser Weg nicht beschert wird? Russells Werk guckt sich stumpf, nie hat man das Gefühl er wäre um wahren Spannungsaufbau bemüht. Trotz seines zunächst interessant erscheinenden 80er Jahre-Stils ist er billig hingeschludert. Örtlichkeiten wirken künstlich, die mies agierenden Darsteller sowieso, und der Killer wirkt weder mystisch, noch anderweitig interessant, darf meist nur schnaufen und ist nicht einmal nett/unheimlich anzusehen. Was nutzt der lobenswerteste Minimalismus, der wünschenswerte Schritt zurück, wenn jemand am Werk ist, der kein Gespür für knisternde Stimmung, düstere Atmosphäre und mystischem Unbehagen besitzt? Macht einen großen Bogen um dieses Werk, auch in der von mir gesichteten ungekürzten Fassung.


Weitere Besprechungen zu The Sleeper:


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RITES OF SPRING (2011 Padraig Reynolds)


Zwei Frauen werden von einem Farmer entführt, der Opfer benötigt, um einen Dämon sanft zu stimmen, damit die Ernte erfolgreich wird. Gleichzeitig stoßen zwei Kindesentführer auf den frisch erwachten Dämon, der jene der beiden Frauen jagt, die sich befreien konnte...


Ein Vater sieht rot...

Was man mit "Rites of Spring" abliefern wollte, wird nicht ganz klar. Das Cover-Motiv zeigt, dass man einen Slasher im Sinn hatte, was zu dem rächenden Dämon der Geschichte passt, der tatsächlich einem nach dem anderen ans Leder möchte. Das allein reichte den Verantwortlichen des Streifens jedoch nicht, also musste noch ein Hauch "Kinder des Zorns" mit integriert werden, sowie die Geschichte eines Irren, der Menschen entführt, um diese für das Wohl der Gemeinschaft zu opfern. Dass diese nicht mehr existiert, und der alte Mann nur tut was ihm einst gelehrt wurde, interessiert ihn dabei nicht. Recht soll der wirr wirkende Mann jedoch behalten. Warum der zu fütternde Dämon jedoch im Keller haust, wird nie ganz aufgeklärt und beraubt der Kreatur ihre Mystik. Da aber ohnehin jedes Rätsel des Streifens früh gelüftet wird, um sich auf den Slasher-Aspekt konzentrieren zu können, hätte besagte Mystik aber ohnehin keine Chance gehabt sich zu entwickeln. Anstatt sich an den erfolgreichen Genre-Beiträgen der frühen 80er Jahre zu orientieren, die bewiesen haben dass ein Slasher in einfachem Gewandt am effektivsten funktionieren kann, bereicherte man die ohnehin schon aufgepeppte Handlung nun noch um einen weiteren Nebenstrang.

Hier werden drei Kriminelle, von denen zwei brav gezeichnet werden, da sie sich nur an ihrem ehemaligen Arbeitgeber rächen, durch Zufall Teil besagter Dämonenstory, jedoch nicht ohne zuvor tiefer in die eigene Geschichte einzutauchen, als nötig wäre. Da wird mit Überraschungen auf Geiselseite ebenso gearbeitet, wie mit der unerwarteten Reaktion des Erpressten. Und so unnötig das Ganze auch zelebriert wird, so sehr rettet es "Rites of Spring" doch ironischer Weise vor der Selbstzerstörung. Da er zwar professionell, aber weder nervenkitzelnd, noch spannungsgeladen erzählt ist, der Zuschauer in alles zu früh eingeweiht wird und jegliche Grundlage ohnehin zur Standardrezeptur gehört, die fast jeder Filmliebhaber vorhersehen kann, verhindern die krampfhaft eingeführten Storyfäden das Aufkommen echter Langeweile. Zudem sorgen sie für Erleichterung, denkt man zu Beginn der Handlung um die beiden entführten Frauen doch, sie würden nun ewig festgehalten und gefoltert werden, wie es in so vielen schlechten Horrorfilmen sonst üblich ist, ein Aspekt der glücklicher Weise nur stark verkürzt thematisiert wird. "Rites of Spring" von Regisseur Padraig Reynolds, der bislang noch "Worry Dolls" und "Open 24 Hours" folgen ließ, weiß nicht wirklich zu interessieren, geht aufgrund seiner Bemühungen jedoch noch als okay durch. So sehr das Tiefergehen der Handlung den sonst zu laschen Streifen auch retten mag, düsterer inszeniert und den Hauptaspekt mehr auf das Monster gelenkt, hätte der Streifen jedoch trotzdem besser funktioniert. Aber für ein von Stimmung und Spannung lebenden Ergebnis benötigt man einen Erzähler mit Fingerspitzengefühl, und einen solchen findet man im Bereich des grobschlächtigen Films leider nur selten.


Weitere Besprechungen zu Rites of Spring:


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THE DINOSAUR PROJECT (2012 Sid Bennett)


Ein Forscherteam will im Dschungel nach Dinosauriern suchen, stürzt über ihm mittendrin ab und stößt schneller auf die Viecher als ihnen lieb ist...


Der Sohn im Schlepptau...

Während "Cloverfield" genau wusste, was er wollte, indem er "Godzilla" im Selbstdrehmodus präsentierte, tut sich "The Dinosaur Project" in seiner Orientierung schwieriger. Bereits der Titel und die Einblendung zu Beginn orientiert sich am Vorbild "The Blair Witch Project", deswegen beginnt der Streifen nach dem Absturz im Nirgendwo in seinem Found Footage-Format zunächst auch wie ein Gruselfilm. Autor und Regisseur Sid Bennett möchte aber auch den Abenteueraspekt integrieren, den der Dinofilm in seinen klassischen Zeiten erlebte, und zwischen diesen Zuständen hin und her schwankend ist etwas entstanden, das über kurzweiligen Unterhaltungswert nicht hinaus geht. Das ist zwar auch bereits ein sympathisches Ergebnis, gerade wenn man bedenkt welch schlechte Found Footage-Filme es spätestens seit der losgetretenen Welle von "Paranormal Activity" zu erleben gibt, es wäre jedoch so viel mehr drin gewesen, wenn man andere Schwerpunkte gesetzt hätte.

So ist es Bennett beispielsweise wichtig so viele Dinosaurierszenen wie möglich zu integrieren, anstatt auf das "weniger ist mehr"-Prinzip zu setzen. So stößt unser Forschertrupp somit nicht nur auf Dinosaurier, sondern gleich auch auf verschiedene Spezies. Familienfreundliche und realitätsferne Aspekte finden damit ebenso Einzug in ein Filmformat, das eigentlich auf Authentizität bauen sollte, wie diverse andere Filmkrankheiten, die ein gutes Werk dieser Art höchstens gestreift hätte. Zudem wird aufgrund der Dinothematik jeder weitere Aspekt, der mit der Geschichte einher geht, weg geblendet. Da baut man weder auf die weiteren Gefahren des Dschungels, noch auf Lebensmittelknappheit, die Angst des Verschollengehens, Durst und Hoffnungslosigkeit. Alles schaut sich wie ein Spaziergang durch einen Abenteuerpark und wird lediglich mit dem Zusatzaspekt, dass eines der Mitglieder der Crew eigennützige Pläne verfolgt, aufgewertet. Die parallel dazu laufende Vater-Sohn-Dramaturgie wirkt wie aus einem glatt gebügelten Kinofilm entlaufen, und so darf es verwundern, dass auf simplen Niveau "The Dinosaur Project" doch noch banal zu gefallen weiß. Zwar funktioniert seine erste Hälfte wesentlich besser als seine zweite, frei von Sympathie bin ich aber auch dieser nicht gesonnen. Wer nicht zu viel erwartet bekommt zumindest einen akzeptablen Found Footage-Film serviert.


Weitere Besprechungen zu The Dinosaur Project:


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IZOMBIE FOLGE 1 - 3 (iZombie 2015 Rob Thomas u.a.)


Nach einer Bootsparty wird Liv mit einem Zombievirus infiziert. Sich von allen ihres bisherigen Lebens abkapselnd, nimmt sie einen Job in der Pathologie an, wo sie unauffällig an Gehirne zu Nahrungszwecken gelangt. Ihr Chef entdeckt ihr Geheimnis und unterstützt sie, während er nach einem Gegenmittel sucht. Durch den Verzehr der Gehirne bekommt Liv Erinnerungsfetzen und Persönlichkeitsmerkmale der Opfer übertragen. Mit diesen Eigenschaften hilft sie einem befreundeten Polizisten Kriminalfälle zu lösen...


Deal mit dem Tod...

Das Konzept der Reihe ist nicht neu. Spätestens in Bezug auf "Dead Zone" sollten Erinnerungen hoch kommen. Aber auch Serien wie "Psych" arbeiten ihr Rezept auf ähnlicher Ebene ab. Dass eine Serie nicht sonderlich innovativ daher kommt, muss noch nicht heißen, dass sie zum Scheitern verurteilt ist. Also habe ich mir einen Blick auf "iZombie" gegönnt, wissentlich dass er plump auf den Erfolgszug der Zombiewelle aufspringt, die mit "The Walking Dead" und "Z Nation" auch im TV-Serienformat gut Geld eingebracht hat. Leider ist "iZombie" aber zu sehr kalkuliertes Konzept, als dass es funktionieren könnte. Die Serie stellt zwar keine Ansprüche an sich, die sie nicht erfüllt, und ist somit als simples TV-Produkt für junge Menschen und gelangweilte Hausfrauen konzipiert, die einen kleinen Hauch Morbides in ihrem Seifenoper- und Kriminal-Cocktail bevorzugen, reizvoll ist das Ergebnis somit nur für besonders schlichte Gemüter ausgefallen. Das zeigt sich bereits in der arg schlicht und vorhersehbar gehaltenen und zu schnell angegangenen Einführung in den Grundzustand, der von nun an herrschen soll. Auf interessante Charaktere wurde dabei nicht gesetzt. Auch ihre Mimen bleiben meiner Meinung nach blass, und Synchronsprecher werden in der Deutschfassung übertrieben zur Verdeutlichung der ohnehin schon unübersehbaren Stereotype eingesetzt, was den Sehwert nicht gerade erhöht.

Ein Gegenspieler der Heldin bietet zumindest einen kleinen Zusatzreiz und rückt das Zombiethema "The Addiction"-ähnlich in den Bereich der Sucht, wenn auch aus Dealersicht betrachtet, ohne mit all zu großen Komplikationen, ethischen Randerscheinungen oder greifbarer Dramaturgie zu arbeiten. Die Serie soll nun einmal leicht bekömmlich sein für einen vergnügten, anspruchslosen Feierabend. Mir ist das alles zu lasch angegangen und zu konzipiert. Es fühlt sich nichts echt genug an, die Thematik ist nie gruselig oder verspielt genug ausgefallen, die Kriminalfälle zu banal geschrieben. Da auch der halbwegs interessante Gegenspieler mau besetzt ist, weiß der in seiner fortführenden Randerscheinung, zunächst in zweiter Reihe agierend, ebenfalls nichts zu reißen. Und da die Zombiethematik extremst nichtig ins Alltagsgeschehen integriert wird, fast völlig frei von ihrem Ursprung, dem Horroraspekt, kann man den Titel schon fast als Etikettenschwindel betrachten, aber eben auch nur fast. Letztendlich geht es den Verantwortlichen des Stoffes darum die Hauptfiguren stets sympathisch erscheinen zu lassen, den zentralen Zombie darüber hinaus niedlich, jegliche tiefer greifenden Aspekte fehlen. Das höchste der Gefühle ist diesbezüglich das Zurücklassen eines Geliebten aus der menschlichen Zeit. Aber selbst das wird oberflächlich abgehandelt und lädt nicht zum schmerzhaften Mitempfinden ein. "iZombie" ist zu brav ausgefallen, zu oberflächlich in seiner Dramaturgie, Figurenzeichnung und in seinen Kriminalfällen, schwächelnd geschrieben und verkörpert und in seiner billig durchkalkulierten, sich auf ewig wiedergekäute Rezepte stützende, Art wirklich nur dem anspruchslosen Publikum zu empfehlen, welches geistfrei 45 Minuten abschalten will. Zumindest ist die Serie weder langweilig, noch peinlich ausgefallen.


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STAR WARS - EPISODE 8 - DIE LETZTEN JEDI (Star Wars: Episode 8 - The Last Jedi 2017 Rian Johnson)


Während die Rebellen sich nach einem Kampf mit der ersten Ordnung auf einen geheimen Stützpunkt zurückziehen müssen, der sich fataler Weise als dem Feind bekannt erweist, versucht Rey Luke Skywalker zu überzeugen zurückzukehren, um die Rebellen zu retten. Gleichzeitig steht sie in telepathischen Kontakt zu Kylo Ren...


Ortung trotz Lichtgeschwindigkeit...

Wusste der Vorgänger "Das Erwachen der Macht" noch mit seiner Nostalgie und der lockeren und kurzweiligen Erzählweise zu überraschen und somit ein gelungeneres Ergebnis abzuliefern, als das was "Star Wars"-Schöpfer George Lucas uns mit seinen Prequels vorlegte, will das theoretisch selbe Rezept bei der direkten Fortsetzung nicht noch einmal so wunderbar zünden. Der Nostalgiebereich wirkt zu bemüht, die Parallelen ein Vorbild kopieren zu wollen (in diesem Falle "Die Rückkehr der Jedi-Ritter") wird deutlicher denn je und wirkt damit ideenärmer und dreister. Irgendwie wollte bei mir nie so recht der Funke überspringen, "Die letzten Jedi" ist einfach kein solch sympathischer Film geworden, wie es sein Vorgänger war. Das liegt aber auch daran, dass die Rückkehr der bekannten Gesichter dort ein wundervolles, emotionales Wiedersehen waren, wohingegen die Anwesenheit von Luke Skywalker gnadenlos verheizt wird. Das ewige Selbstmitleid, die nicht durchschaubare Motivation, die ihn antreibt das zu tun was er tut und schlussendlich auch sein finaler Schachzug und die Folgen dessen, wirken so bemüht wie der Restfilm, wollen Mystik, Tragik und Tiefgang erzeugen, bleiben aber zu theoretisch umgesetzt und zu aufgesetzt präsentiert.

Zwischendurch gibt es immer wieder geglückte Szenarien mitzuerleben, welche die unterhaltsame Luft der guten Teile der Reihe atmen. Interessanter Weise taucht dieses Feeling meist in den simpleren Momenten auf, in den Actionszenen beispielsweise, während tiefer gehende und wichtige Ereignisse zu bedeutungsschwanger aufgeblasen werden, oder unmotiviert als Blaupause umgesetzt werden. Lobenswert ist die Entscheidung sich vom Sith Lord zu verabschieden, der fehlerhafter Weise ohnehin immer wie eine Comicfigur in der ansonsten plastisch kreierten CGI-Optik der Star Wars-Welt wirkte. Zudem weiß das Drehbuch den Zuschauer mehr als einmal die lange Nase zu zeigen, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, und Täuschungen zu überraschenden Wendungen führen. Das Potential für ein besseres Ergebnis war also durchaus vorhanden. Bei wenig Erwartungen wäre das was "Looper"-Regisseur Rian Johnson uns vorwirft auch okay gewesen, langweilig wird es in Episode 8 nie. Aber nachdem Episode 7 trotz aller Recycling-Zutaten so gut zu funktionieren wusste, habe ich einfach mehr erwartet. Und je mehr sich die Geschichte weiterentwickelt, desto mehr bemerkt man, dass sie sich um sich selbst dreht und einfach nicht von den Vorgängern loslassen kann. So wie "Terminator" zu sehr an den Ur-Figuren gebunden ist, um sich heutzutage erzählenswert fortsetzen lassen zu können, so klammert man sich hier zu sehr an den Erlebnissen der Ur-Trilogie um "Krieg der Sterne" fest, so als sei man in einer Murmeltier-artigen Wiederholungsschleife alternativer Ereignisse gefangen. Und das reizt auf Dauer nicht wirklich.


Weitere Besprechungen zu Star Wars - Episode 8:


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SURVIVAL OF THE DEAD (2009 George A. Romero)


Nach dem Ausbruch einer Zombieepidemie werden ehemalige Soldaten auf eine Insel aufmerksam, die sich als Fluchtort eignet. Dort hausen zwei verfeindete Familien, die auf unterschiedliche Art mit der Situation um die wieder auferstehenden Toten umgehen...


Der verzweifelte Versuch kulinarischer Umerziehung...

Mit "Land of the Dead" bescherte uns George A. Romero in der neuen Zombiefilmwelle einen überraschend geglückten vierten Teil seiner "Die Nacht der lebenden Toten"-Reihe und sorgte für einen chronologischen Abschluss der in den einzelnen Teilen aufgezeigten Entwicklung. Dass er diesem kurz danach "Diary of the Dead" nachschob, der einen alternativen Beginn der Zombieseuche thematisiert, war unnötig, erklärt sich aber immerhin im Versuch Romeros das Thema einmal per Found Footage-Verfahren ausprobieren zu wollen. Seine Art die durch "The Blair Witch Project" bekannt gewordene Methode zu nutzen, fehlte jedoch der Reiz, so dass Romero erstmals einen nicht geglückten Zombiefilm ablieferte. Zum Schluss ließ er noch "Survival of the Dead" folgen, der ebenfalls keine richtige Fortsetzung des ursprünglichen Vierteilers ist, und einer Anspielung sei Dank zumindest andeutet, dass er irgendwann (wahrscheinlich relativ kurz) nach seinem direkten Vorgänger spielt. Gedreht wurde das Ganze wieder im klassischen Erzählstil. Warum dieser Teil nachgereicht wurde, bleibt jedoch ein Rätsel, besitzt seine Geschichte doch weder Mehrwert zur Bereicherung des Verstehens von Romeros kreierter Zombiewelt, noch einen alternativen Blickwinkel auf die Dinge als bisher.

Erschwerende kommt hinzu, dass sich die Geschichte keinesfalls erzählenswert schaut. Es scheint, als ob man dem nimmersatten Fan, oder wahlweise der nimmersatten Geldbörse der Produzenten, noch einen Happen Zombiefilm zuwerfen wollte, weil besagte Horrorwelle ohnehin noch immer gut lief. Mit einer arg konstruierten, von Stereotypen bevölkerten, Grundgeschichte um zwei verfeindete Familien und einem Trupp ehemaliger Soldaten, wird "Survival of the Dead" zum schwächsten Beitrag Romeros um seine schleichenden Toten, da einem das Treiben aller Beteiligten und die Entwicklung der Geschichte eigentlich scheiß egal ist. Die Streitigkeiten untereinander ernten ein Achselzucken, der Erzählung fehlt schlichtweg der Auslöser, das gewisse Etwas, um Interesse für all das was uns da vorgesetzt wird entwickeln zu können. Ein paar Actionmomente, kurze skurrile Einfälle und das Zombiedesign, so wie ihre Fressattacken, schützen das Werk vor einem Totalabsturz, doch unterhaltsam sieht anders aus. Selbst der als überraschende Pointe gedachte Aspekt um das Thema Pferd, verpufft als Achselzucken, eben weil er bei Gelingen nach Plan nicht jene Rettung mit sich gebracht hätte, wie erhofft, gerade weil man sich lediglich auf einer Insel befindet. Diesbezüglich fehlte Romero wohl ausnahmsweise einmal jener Weitblick, der seine Reihe ansonsten stets bereicherte. Eine Geschichte um eine erfolgreiche Beobachtung rund um das Pferdeexperiment, und der dem folgende Aufbruch in die Welt, um diese zu retten, um an der eigenen Naivität zu scheitern, das wäre eine erzählenswerte Geschichte gewesen. Aber so wie abgeliefert, als Nebenaspekt und Schluss-Gag eines uninteressanten Szenarios, kann das Ganze nicht funktionieren.


Weitere Besprechungen zu Survival of the Dead:


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03.10.2019

LAND OF THE DEAD (2005 George A. Romero)


Seit einigen Jahren lebt die Welt versunken in einer Zombieapokalypse. Einige der wenigen überlebenden Menschen haben in einer wieder aufgebauten Stadt zu einem gemeinsamen, geregelten Leben zurück gefunden, wobei sich wieder eine elitäre und eine Unterschicht gebildet hat. Ein Bewohner, der für die Organisation von Lebensmitteln zuständig ist, bemerkt bei seinem letzten Einsatz außerhalb der Stadt Veränderungen im Verhalten der Zombies und vermutet, dass sie intelligenter werden. Er soll recht behalten. Unter der Anführung eines Untoten trotten die Zombies Richtung Stadt, die zeitgleich von einem ehemaligen Bewohner bedroht wird, der mächtige Waffen in seinen Besitz gebracht hat...


Die Macht des Dollars ist zurück...

Als mit "28 Days Later" und "Dawn of the Dead" eine neue Zombiewelle im Kino losgetreten wurde, da kehrte auch der Schöpfer der Kreaturen, George A. Romero, zurück, besann sich im Gegensatz zu den Konkurrenzprodukten wieder auf die unheimlichen schleichenden Toten und servierte uns mit "Land of the Dead" den vierten Teil von "Die Nacht der lebenden Toten". Wie schon in den Vorgängern, wird das Jahrzehnt der ersten Teile nicht beachtet, man orientiert sich am Jetzt, ansonsten geht Romero wie immer einen Schritt weiter. Erfuhren wir in dem 20 Jahre zurückliegenden "Zombie 2", dass Zombies lernfähig sind, so geht der Schöpfer dieser Reihe nun einen Schritt weiter und lässt die Untoten Werkzeuge benutzen, zeigt uns, dass sie sich durchaus organisieren können und Beobachtetes nachahmen können. Ich weiß noch wie enttäuscht ich beim Erscheinen von "Land of the Dead" war, fand ich ihn doch bereits in seinen ersten Denkansätzen undurchdacht und überhaupt nicht kompatibel mit den Geschehnissen der Vorgänger. Nachdem ich den Film kürzlich erneut gesichtet habe, war ich vollkommen überrascht was für ein tolles Werk Romero noch einmal gelungen ist. Sicherlich ist es nicht frei von Fehlern und meiner Meinung nach auch der schwächste Teil der Reihe, aber mittlerweile empfinde ich ihn als tatsächlich gelungen, vielleicht auch weil ich ihn nicht mehr nur mit Werken der ersten Zombiefilmwelle vergleiche, sondern jetzt auch einen Blick auf das werfen konnte, was danach kam. Da waren immerhin einige Produkte dabei, die einem den Blick erweiterten was innerhalb einer lang andauernden Zombiewelle möglich sein kann, was einem zuvor bei beschränkter Wahrnehmung unmöglich erschien.

Da "Land of the Dead" nie verrät wie lang die Epidemie bereits um sich greift, kommt sein Aufhänger gar nicht so weit hergeholt daher, wie ich ihn einst empfunden habe. Da existiert eine Stadt, die wieder Strom, Benzin, eine Armee und Waffen besitzt, Menschen haben sich organisieren können, um sich gemeinsam vor der grausamen Außenwelt zu schützen, und scheinbar sind seit dem einige Jahre vergangen, denn immer mehr unterschätzt man die Gefahr, die von den Zombies ausgeht. Romero gibt viel von dem vor, an dem sich "The Walking Dead" seit der sechsten Staffel bedient, erneut beweist er innerhalb seines Themas Weitsicht. Zudem zeigt er uns mit dem Zelebrieren scheinbar nebensächlicher Prozesse, dass er noch immer die Detailfreude und den Spannungsmoment eines "Zombie" beherrscht, so wie dort sowohl die Hauptgeschichte betreffend, als auch solch hervorragende Momente, wie jenen an der Brücke. Zudem weiß Romero noch immer gekonnt mit Wendungen und Ekelszenen zu schocken, weiß in welchem Grade das Einbringen Letztgenannter für einen Film förderlich ist und vernachlässigt dort wie anderswo nicht den kreativen Aspekt. "Land of the Dead" ist angereichert mit vielen originellen Ideen, die meist im Hintergrund zu entdecken sind, inklusive einer liebevollen, aber gut versteckten Hommage an "Shaun of the Dead", die ich ohne das Lesen des Abspanns wohl nie entdeckt hätte. Und einer Wiederkehr des von Tom Savini verkörperten Rockers aus Teil 2 gibt es auch ganz nebenbei mitzuerleben.

Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt. Die finale Entscheidung die Zombies betreffend ergibt auch in ihrem intelligenteren Zusammenleben keinen Sinn, frisch Verstorbene werden ebenso intelligenter wie jene Zombies, die diesen Zustand schon lange besitzen und bei denen dies dementsprechend Sinn ergibt, und warum in der neu aufgebauten Stadt erneut Geld einen Wert besitzen soll, ist auch nicht wirklich nachvollziehbar. Auch ist der Fortschritt der Intelligentserlangung zu rasant gesetzt, was aber auch daran liegt, dass "Land of the Dead" in nur wenigen Stunden spielt, und so gekonnt wie das Drehbuch uns die restlichen Hintergründe, Ereignisse und Charakterzeichnungen in solch kurzem Zeitraum serviert, verzeiht man dieses Makel gerne. Eine gut besetzte Zuschauerriege, inklusive eines interessanten Staraufgebots mit Dennis Hopper und Asia Argento, machen den eh und je gesellschaftskritischen Umgang dieser Thematik Romeros zu einem glatt laufenden, kurzweiligen und noch immer hintersinnigen Stück Film, der tatsächlich kompatibel mit den drei Vorgängern ist. Manche Fehler in der Logik verzeiht man gern, Klischees ebenso, da sie sich toll in die Geschichte integrieren und "Land of the Dead" mit seinem zwei Schichten-Modell zumindest nicht moralisch daher kommt. Jede Figur, egal in welcher Position, handelt innerhalb des ihr angedichteten Charakters nachvollziehbar, Gut und Böse existiert meist in einer Person, in all diesen Bereichen guckt sich der Streifen überraschend unamerikanisch. Nach dem Erfolg des hier besprochenen Filmes entschied sich Romero mit "Diary of the Dead" keine Fortsetzung zu drehen, sondern einen alternativen Anfang der Epidemie zu Teil 1. Das war sicherlich keine gute Entscheidung, andererseits fröstelt mich die Vorstellung, was er nach den Erkenntnissen von "Land of the Dead" wohl im nächsten Film aus dem Zombies gemacht hätte. Ich glaube es ist somit gut, dass die Reihe chronologisch gesehen mit Teil 4 ihr Ende fand, bevor sie zu unsinnig geworden wäre.


Weitere Besprechungen zu Land of the Dead:


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30.09.2019

DIE ZAHNFEE WIRD DICH HOLEN! (Toof 2018 Louisa Warren)


Eine Tochter kehrt nach Jahren zusammen mit ihrem Kind auf den heimatlichen Hof zur zerstrittenen Mutter zurück, da sie bestimmte Unterlagen benötigt. Den Beteuerungen, warum ihre Mutter sich ihr gegenüber einst derart asozial verhalten hat, will sie kein Gehör schenken. Dabei hatte die Frau einen guten Grund. Sie wollte ihre Tochter vor der tödlichen Zahnfee beschützen, die als Fluch über der Familie schwebt und von ihr und der Großmutter vor vielen Jahren in einer Scheune vorerst unschädlich gemacht wurde. Dort erwacht sie gerade heute zu neuem Leben...


Deal mit Zähnen...

Bereits 2003 kam ein Horrorfilm mit der Idee daher, den Angreifer, den es zu fürchten gibt, die Zahnfee sein zu lassen. "Der Fluch von Darkness Falls" entpuppte sich zwar halbwegs als Mogelpackung, war aufgrund seiner flotten Inszenierung in seiner geistfreien Art aber angenehm anzuschauen. Nun hoffte ich mit "Die Zahnfee wird dich holen!" einen Genrebeitrag zu sichten, welcher der klassischen Zahnfee etwas näher kommt, als der Aggressor des Vergleichsfilmes. Aber leider ist das auch hier nicht der Fall. Vielmehr haben wir es hier mit einem Dämon zu tun, der Deals mit seinen Opfern aushandelt, um an die für ihn wertvollen Zähne zu gelangen. Ein Vorfahre der Hauptfiguren des Streifens hat wohl einst versucht die höllische Kreatur auszutricksen, und nun hockt noch Jahre später die Familie auf einem Fluch, wissentlich dass die Kreatur alle paar Jahre wieder zuschlagen wird. Lediglich unsere Heldin hat keine Ahnung davon, verheimlichte ihre Mutter ihr zum erhofften Schutz doch was einst geschah, und diesem Umstand verdanken wir den Tragikgehalt der Geschichte, ein Aspekt der mir bei jeder Filmrichtung mit am wichtigsten ist. Ich betone das deshalb, weil ich mich als Freund gut funktionierender Dramatik über einen Schwerpunkt diesbezüglich eigentlich freuen würde. Die Dramaturgie des hier besprochenen Streifens setzt jedoch derart auf Seifenoper-Theatralik, dass der bedeutungsschwanger dargebotene, unreflektierte und unempathische Tragikaspekt zum nervenzerrenden Aspekt des Streifens verkommt.

Leider schwebt er über allem. Er dominiert den Einstieg, füllt jede Zwischensequenz, und geht auch in Spannungsmomenten stets Hand in Hand mit. Er nervt - und das nicht zu knapp. Wirklich schade ist es nicht um den Film, der ist mit routinierter Optik und mauen Mimen ohnehin nicht dazu berufen etwas Besonderes im Meer der Slasher darzustellen. Trotz all seiner Fehler funktioniert er allerdings besser als die wahren Rohrkrepierer dieses Genres. Richtig böse wird "Toof" (Originaltitel) nur gelegentlich, z.B. dann wenn die Zahnfee einem Vagabunden übel mitspielt. Wirklich hart fallen die Tötungsszenen jedoch nicht aus, Gorefreunde bekommen hier nur den unteren Standard präsentiert. Ansehnlicher ist hingegen die Zahnfee ausgefallen, die zwar weder kreativ, noch mühevoll zurecht gemacht wurde, meiner Meinung nach jedoch optisch zu wirken weiß, was in der Inszenierung der "Scarecrow Rising"-Regisseurin Louisa Warren jedoch kaum zur Geltung kommt. Ihr Aussehen und ihr Aufhänger würde "Wishmaster"-ähnlich als Slasher-Frontmonster gut funktionieren, vorausgesetzt man würde sie in einen klassischen Slasher stecken. Die Verantwortlichen von "Die Zahnfee wird dich holen!" wollen jedoch unbedingt mehr als das abliefern, was der unnötig eingebrachte Familienfluch beweist und die Theatralik, in der alles ertrinkt.

Der Spannungsgehalt ist dementsprechend nicht sehr hoch, kann er sich in diesem Gewandt doch nicht entfalten, und so ist "Tooth Fairy" (Alternativtitel) nur ein Achselzucken davon entfernt langweilige Gleichgültigkeit zu entfachen. Manch weniger geduldige Zuschauer wird dem vorhersehbaren Treiben vielleicht sogar völlig gelangweilt begegnen, ich bin da mit meiner Wertung noch sehr großzügig. Es ist schade, dass nicht zumindest das Drehbuch eine Spur besser ausgefallen ist. Dies nervt nicht nur mit besagter aufgesetzter Gefühlsduselei, es ist auch völlig unsinnig ausgefallen, kann sich den Fluch betreffend nie entscheiden welche Regeln dieser befolgt, geschweige denn warum der Dämon erst zweitrangige Leute eliminiert, wenn die Rache an der Familie doch so wichtig ist. Ein solches Problem hätte sich ohne Fluchaspekt erledigt, die Zahnfee hätte einfach nur wahllos Menschen töten sollen, so wie es stets im klassischen 80er Jahre-Slasher der Fall war. Aber so etwas ist heutzutage scheinbar nur noch in schlechten Independentstreifen von Horrorfan-Hand geschaffen möglich. Ich frage mich ernsthaft, wen die Gefühlssülze in gehemmtem Horrorausleben rundum gefallen soll. Wer glaubt, dass sich ein Genrefreund für derartiges aufgesetzt dargebotenes Füllmaterial interessiert? Es gleicht somit einem Wunder, dass die Attacken des Monsters zumindest einen kleinen Teil des Streifens gerettet bekommen, um aus "Die Zahnfee wird dich holen!" zumindest mauen Durchschnitt zu zaubern.


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