DAS HAUS DER VERFLUCHTEN (7, Hyden Park: la casa maledetta 1985 Alberto De Martino)


Die vermögende, querschnittsgelähmte Sportlerin Joanna sitzt deswegen im Rollstuhl, weil sie als Mädchen auf der Flucht vor einem Kindervergewaltiger im Priesterkostüm einst von einer Treppe stürzte. Den Vorfall hat sie vergessen, ihr Arzt informiert aber zumindest Graig über diese Hintergründe, mit dem sich Joanna jüngst verlobt hat. Die Erinnerung an einst könnte ihrem schwachen Herzen schaden. Just zu dieser Zeit geht ein Irrer im Gewand des Wahnsinnigen von damals um und tötet Priester. Auch Joanna wird gelegentlich von ihm heimgesucht. Ist es der Täter von früher? Treibt ihr Ehemann ein übles Spiel? Oder steckt wer anders hinter diesen Vorfällen?


Jeder mit dem sie intimen Körperkontakt hatte...

"Das Haus der Verfluchten" legt die üblichen Fährten, wie es sie in derlei Stoffen seit Anbeginn des Thrillers zu erleben gibt. Das Opfer eines ehemaligen Verbrechens wird von der Vergangenheit heimgesucht, scheinbar will wer aus der Gegenwart auf diese Art der Heldin ans Leder, neu klingt das, was der "Miami Golem"-Regisseur in seinem zweitletzten Film vorweist, nicht gerade. Da wirkt der Kniff des Drehbuchs nach dem ersten Drittel plötzlich sehr interessant, das wir wesentlich früher in die Täteraufdeckung eingeweiht werden, als es allgemein im Genre üblich ist. Damit wächst im stimmig inszenierten Film die Erwartungshaltung, möchte man doch wissen warum der Autor diesen Weg wählt. Am Ende des Streifens ist er uns diese Antwort jedoch noch immer schuldig, holt er doch wenig aus dem Perspektivwechsel heraus, so dass sich "Formula for a Murder" (Alternativtitel) ähnlich schaut, wie ein Thriller ähnlicher Thematik beim zweiten Sichten. Nicht falsch verstehen, trotz Überraschungsarmut und halbwegs vorhersehbarem Plot ist "7, Hyden Park: la casa maledetta" (Originaltitel) ein unterhaltsamer Horrorbeitrag geworden, er schöpft nur eben nicht aus den Vollen seiner Möglichkeiten.

Interessant ist seine Positionierung innerhalb der Genres, in denen er sich bewegt. Mitte der 80er Jahre entstanden, ist er für einen Giallo weit nach der Haltbarkeitszeit dieses Genres auf der Bildfläche erschienen. Von diesem beeinflusst entstand Anfang der 80er Jahre in Amerika die Slasherwelle, deren erweiterte Eigenschaften nun auch in "Das Haus der Verfluchten" Zuflucht finden. Somit ist De Martinos Werk Teil beider Filmgattungen, und das beschert ihm einen recht interessanten Touch. Die Morde, die bereits im Giallo zelebriert wurden, werden typisch Slasher weit lauter präsentiert, die klassische Leichenanhäufung am Ende, wie wir sie seit "Halloween - Die Nacht des Grauens" und "Freitag der 13." kennen, wird ebenso klassisch eingebracht, freilich indem die Heldin auf sie stößt. Gleichzeitig bleibt der Grundton im ehemaligen Genre stecken, deutlich inspiriert durch die Werke Bavas und Argentos, durch die an die 70er Jahre erinnernde, stimmige Hintergrundmusik und dem Produktionsland Italien unschwer zu erkennen. Die künstlerische Raffinesse der großen Vorbilder fehlt ihm, aber auch "Das Haus der Verfluchten" hat optische Ausnahmeszenen zu bieten, beispielsweise beim Ableben der Geliebten des Täters, deren weit aufgerissenen Augen uns noch innerhalb der durchsichtigen Folie anstarren, mit welcher sie in einem Auto entsorgt wird. Auch die Größe des Hauses und die Düsternis weiß sich De Martino zunutze zu machen, um dem Horror-Thriller trotz fehlender Individualität und Überraschungen das nötige Flair zu bescheren.

Besagte Größe des Hauses, sowie ein kurzer Ausflug in die Großstadt New York, der sich innerhalb des Gesamtplots ein wenig unnötig anfühlt, ist ein psychologischer Bestandteil, den De Martino zu nutzen weiß, um das Gefangensein der Querschnittsgelähmten in ihrem Rollstuhl unterbewusst noch einmal zu verdeutlichen. Was der Blindenbehinderung ihr "Warte bis es dunkel ist" ist, ist der Querschnittslähmung, noch vor der zweiten Verfilmung "Das Fenster zum Hof", De Martinos "Das Haus der Verfluchten", der gekonnt das Handicap der Heldin einzufangen vermag, und sie aus sich heraus wachsen lässt, wenn sie deutlich unterlegen im Finale dem Aggressor direkt begegnen muss, um sich ihm als ernstzunehmenden Gegner, innerhalb der Weiten des großen Hauses, zu beweisen. Gleichzeitig nutzt der Regisseur dieses Nerven kitzelnde Szenario, um den üblichen Schluss derartiger Horrorfilme grotesk zu überzeichnen. Er legt quasi die Wiederauferstehung des klassischen nicht tot zu kriegenden Slasher-Killers im Realismus an, und zeigt uns den stets mehr verwundeten Täter immer leidender und kraftloser, aufgrund des hervorragenden Überacting seines Darstellers jedoch nicht minder erschreckend dargeboten. Hier bekommt "Formula for a Muder" fast ein comicartiges Flair beschert, während der Grundton gleichzeitig ernst genug bleibt, um das Szenario nicht zur Witznummer verkommen zu lassen. Mag De Martino auch nicht der große Wurf gelungen sein (was einzig am zu durchschnittlichen Drehbuch liegt), einige gute Gründe sich "Das Haus der Verfluchten" dennoch zu Gemüte zu führen sind somit trotzdem definitiv vorhanden. Und für einen Plot, in welchen der Zuschauer arg schnell eingeweiht wird, ist es dem Regisseur überraschend gut gelungen mittels lauter Methoden effektiv Aufregung und Spannung in die Routine einzubinden. Hut ab!


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WIEGENLIED FÜR EINE LEICHE (Hush... Hush, Sweet Charlotte 1964 Robert Aldrich)


Eine Baugesellschaft möchte im Namen der Stadt das Haus der wunderlichen Charlotte niederreißen, einer älteren Frau, der nachgesagt wird vor 30 Jahren ihren Geliebten umgebracht zu haben. Mittlerweile traut sie ihrem Verstand selbst nicht mehr so ganz. Aufgesucht von ihrer letzten lebenden Verwandten, die ihr aus der neuen Situation heraus helfen will und zu einer Zeit, an welcher ein interessierter Kriminalschriftsteller den vergangenen Mordfall unter die Lupe nehmen will, ereignen sich merkwürdige Dinge, die im Zusammenhang mit dem begangenen Verbrechen zu stehen scheinen, welches bislang nie wirklich gelüftet wurde...


Im Glauben an Vaters Lektion...

Mit "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" erlebte der damalige Filmstar Bette Davis ein Comeback, so dass die talentierte Frau kurz darauf für eine ähnlich angelegte Rolle besetzt wurde. Kein Wunder, war die Kreation ihrer gebrechlichen, wie furchterregenden Jane doch eine schauspielerische Meisterleistung, in welcher Mimik und Stimme hervorragend interagierten, um uns das Bild eines zerstörten Individuums schmerzhaft nahe zu bringen. Selbiges gelingt der guten Frau auch als Charlotte in "Wiegenlied für eine Leiche", welcher ebenfalls von Regisseur Robert Aldrich inszeniert wurde, so dass auch dieser vom Erfolg seines Vorgängers profitieren konnte. Der Regisseur von "Kesse Bienen auf der Matte" und "Der Flug des Phönix" setzt das ähnlich angelegte Drehbuch konzentriert und detailbedacht um, so wie er es im vorangegangenen Film ebenfalls tat. Mangelnde Professionalität kann man ihm ebenso wenig zusagen, wie dem Rest der Crew. Als nachgeschobener Film eines großen Erfolges schaut sich "Hush... Hush, Sweet Charlotte" (Originaltitel) erstaunlich gelungen und eigenständig genug ausgefallen, um auch losgelöst vom Vorbild zu funktionieren. Und doch kitzeln die Übereinstimmungen den Vergleich stets hervor, gerade die Position von Davis Rolle betreffend, die erneut alles gibt, um uns eine tragische Protagonistin zu präsentieren, von der man nie genau weiß inwieweit sie den Wahnsinn absichtlich spielt, um ihrer Umwelt vor den Kopf zu stoßen, und inwiefern sie doch nicht genau weiß, was um sie herum geschieht und was sie getan hat oder auch nicht.

Das Rätsel des vergangenen Verbrechens schwebt stets über den Dingen. Merkwürdige Ereignisse im Jetzt scheinen Bezug zu damals zu nehmen. Von der Außenwelt als davon gekommene Mörderin verachtet fristet Charlotte ein Leben in Einsamkeit, einzig die Gesellschaft der damaligen und heutigen Haushälterin Velma und deren Vertrauen genießend. Uns Zuschauer wurde zu Beginn des Streifens ein Blick auf das 30 Jahre zurückliegende Ereignis gewährt, um uns mit raten zu lassen was einst geschah, und da bietet der Streifen so einige Möglichkeiten, benehmen sich doch genügend Figuren zwielichtig oder unglaubwürdig, schwebt doch stets ein Zustand der möglichen Manipulation über den Dingen. Man könnte theoretisch also, gerade weil der Film es schafft uns einen kompletten Film lang mit überlegen zu lassen, was denn nun einst geschah, von einem gelungenen Drehbuch sprechen, praktisch sogar auch, so psychologisch sinnvoll, wie sich am Ende alles aufdeckt und Ursache und Wirkung erneut gekonnt im Hintergrund verlaufen sind. Letztendlich verärgert es aber doch am Filmende angelangt, dass zu so ziemlich jedem Teil des Rätsels am Schluss stets die naheliegendste Lösung die Wahrheit ist, mit kniffligen Überraschungen somit so gar nicht gearbeitet wird, was dem an sich gelungenen Streifen ein etwas ernüchterndes Ergebnis beschert. Sicherlich ist solch eine Vorgehensweise wünschenswerter zu nennen als jene mancher Genrevertreter, die stets meinen neue Überraschungen krampfhaft aus dem Hut zaubern zu müssen, etwas einfallsreicher oder täuschender hätte der Autor im hier besprochenen Thriller aber dennoch gerne vorgehen können.

Auf die Zeit kann man den Mangel dessen nicht schieben, das bewies bereits der Vorgänger "Was geschah wirklich mit Baby Jane?", in dem nicht immer alles war wie es zunächst schien. An dessen Professionalität kann "What Ever Happened to Cousin Charlotte?" (Alternativtitel) zumindest in allen anderen Bereichen anknüpfen, mit Ausnahme der ironischen Distanz, kommt "Cross of Iron" (Alternativtitel) doch weit ernst gehaltener daher, als der manchmal mit bissiger Lustigkeit aufgebrochene Vorgänger. Man kann also noch immer von einem sehenswerten Klassiker sprechen, der liebevoll genug inszeniert wurde, um zu funktionieren und um zu begeistern. Manch einer wird den Schluss vielleicht auch nicht so kritisch betrachten, wie ich es tue. Und eins kann man dem Streifen wahrlich nicht absprechen, und das ist die erneute empathische Öffnung für die zwielichtige Hauptfigur, deren Innenleben derart detailreich vom Drehbuch und dem intensiven Spiel Bette Davis beleuchtet wird, dass es einem häufig wahrlich das Herz bricht, wenn diese bittersüße Person aufgrund ihrer psychischen Gebrechlichkeit leidet, ob nun selbst verschuldet oder nicht. Darf man erst einmal am Schluss erleben, was die Wahrheit von damals und heute ist, wird sie erst recht zu einer tragischen Figur, erfahren wir doch dort nicht nur wer der Mörder ist, sondern auch wie Charlotte die Ereignisse von einst selbst interpretierte, was schließlich dazu führte ihr Leben so zu führen, wie sie es bis zur letzten Konsequenz tat. Gezeichnet durch die Schuldzusprüche und täuschenden Vorbilder, gab sie ihr Leben auf, bzw. lebte sie eine Wahrheit, die keine war und bestrafte sie sich selbst, womit sie stets das Kind in sich blieb und damit endgültig charakterlich mit Baby Jane verbunden ist.


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WAR ES WIRKLICH MORD? (The Nanny 1965 Seth Holt)


Nach zwei Jahren Aufenthalt kommt der 10jährige Joey aus einer psychiatrischen Kinderklinik zurück nach Hause, in die er einst gelang, weil es hieß er habe seine kleine Schwester ermordet. Zurück zu Hause erweist sich der Junge als feindselig und arg vorsichtig dem Kindermädchen gegenüber, behauptet er doch sie habe das kleine Mädchen damals umgebracht und nicht er. Das Kindermädchen gilt als gute Seele des Hauses und hat bereits die Mutter Joeys betreut und genießt somit großes Vertrauen innerhalb der Familie. Ob der kleine Junge als geheilt gilt, ist selbst seinem Arzt aus der Klinik ein Rätsel. Die Stimmung im Haus heizt sich allmählich auf, das Kindermädchen versucht alles um Joey ein friedvolles Heim zu bieten, der Junge hingegen kontert stets mit Ablehnung. Als der Vater für einige Tage verreist, wird die Mutter vergiftet. Der Verdacht fällt abermals auf Joey. Zusammen mit einer herzkranken Tante sind die Rivalen nun allein unter sich zu Hause...


Wer war denn da am Medizinschränkchen?...

Nach Bette Davis' großen Erfolg "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" und dem Folgefilm "Wiegenlied für eine Leiche" erschien ebenfalls im Thriller-Gewand, diesmal jedoch eindeutig im Horror-Genre zu Hause, "War es wirklich Mord?", produziert von den Hammer Studios. Diesmal musste Davis zurückhaltender spielen, ist ihre Rolle doch die eines Kindermädchens im England der Entstehungszeit des Filmes. Ihr Können dramatische Aspekte in Mimik und Stimme hervorragend hervorbrechen zu lassen, sind somit diesmal rar gesät, in den seltenen Momenten jedoch wieder brillant dargeboten, stets einhergehend mit einem tatsächlichen Verstehen des zu spielenden Charakters. Dass gerade ihr Trumpf der beiden Vorgänger-Werke etwas zu kurz kommt, mag theoretisch gesehen schade klingen, Davis gelingt es jedoch auch ihr Restspiel respektabel auszuleben, meist in subtil strengen Blicken, die durch die gutmütige Mimik durchscheinen, so dass man sich stets fragt, ob ihr ein Verbrechen zuzutrauen ist oder nicht. Hilfreich steht ihr hierbei ein wahrlich gekonntes Drehbuch zur Seite, welches es tatsächlich schafft den Zuschauer in seinem Glauben ins Wanken geraten zu lassen. Mag Davis in jüngster Zeit beim Erscheinen des Filmes auch immer bösartige Charaktere verkörpert haben und der Streifen im Original den Titel "The Nanny" tragen, die Möglichkeit, dass der Junge kein Opfer eines Irrtums ist, sondern tatsächlich der Mörder seiner Schwester sein kann, bleibt stets bestehen, so dass ein Hauptreiz des Filmes stets darin liegt zu rätseln wer von beiden denn nun die Tat begangen hat - und damit einhergehend: wer hat den anderen zu fürchten?

Dass diese Verwirrung so herausragend gelingt, liegt an der psychologischen Glaubwürdigkeit des Drehbuchs, welches in seinen Erklärungen um Ursache und Wirkung nicht mit billigen Tricks spielt, womit der Horrorfilm auch immer ein Stück Psycho-Studie bleibt, dramaturgische Aspekte der Handlung nicht zu kurz kommen lässt und auch in seiner Auflösung faktisch zu überzeugen weiß, so glaubwürdig wie hier das Krankheitsbild dargeboten und zwischen den Zeilen erklärt wird. Zudem schafft es der Autor der Chose noch vor der Auflösung eine unerwartete Information einfließen zu lassen, welche das komplette Geschehen in ein anderes Licht rückt und dennoch die Frage nach Täter und Opfer offen lässt. Selbst derartige Überraschungen werden nicht, wie heutzutage häufig zu sichten, unüberlegt des Karachoeffekts eingestreut, sondern unterliegen ebenfalls psychologisch glaubwürdigen Überlegungen und Erkenntnissen des Autors, so dass es wahrlich nichts an der Geschichte zu meckern gibt. Scheinbare Hauptsächlichkeiten können zu Nebensächlichkeiten werden und umgekehrt, so dass man sich auf nichts wirklich verlassen kann, was den zweifelnden Zustand des Publikums positiv zu unterstützen weiß. Mag man auch eventuell an einer von beiden Möglichkeiten festhalten, Zweifel bleiben trotzdem stets bestehen, bis eine gut überlegte Auflösung endlich die Antwort hervor bringt, um in einem Mix aus Thriller und Drama zum Schluss noch einmal richtig loszulegen. Erst die allerletzte Szene des Streifens, die, auf Kosten eines fröhlichen Überlebensmomentes, unüberlegt vieles vom zuvor Gezeigten emotional weg blendet, erscheint unglaubwürdig und zu dick aufgetragen.

Aber dieses winzige Manko verzeiht man "War es wirklich Mord?" gerne, so stimmig wie er umgesetzt ist und seinem Spannungsbogen nur gelegentlich kleine Pausen gönnt, z.B. dann wenn Joey seinen Kontakt zum Nachbarmädchen intensiviert, oder die Mutter wieder einmal nicht weiter weiß und in ihren Depressionen versinkt. In jeder Phase seiner Erzählung bleibt der Streifen interessant, die Regie sorgt für eine konsequent aufrecht bleibende Atmosphäre des Misstrauens, und die oftmals hübsch fotografierten Schwarz/Weiß-Bilder bieten ebenfalls Unterstützung beim Erschaffen eines wahrlich geglückten Filmerlebnisses, das sicherlich auch im eingeweihten Zustand bei einer zweiten Sichtung gefallen müsste. Für Regisseur Seth Holt, der auch für den überraschend guten "Ein Toter spielt Klavier" verantwortlich ist, sollte "The Nanny" die drittletzte Regie-Arbeit sein, starb er 1971, im Jahr seines "Das Grab der blutigen Mumie", doch im frühen Alter von 47 Jahren. Seinen hier besprochenen Film kann man anbei wunderbar kompatibel zusammen mit "Schloss des Schreckens" schauen, der manche Parallele zu "War es wirklich Mord?" aufzuweisen hat und trotzdem als Grusler eine völlig andere Art Horrorfilm geworden ist.


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HÖHENKOLLER (High Anxiety 1977 Mel Brooks)


Dr. Thorndyke ist als neuer Leiter einer Nervenheilanstalt vor Ort nicht gern gesehen. Ärzte und Schwestern hüten ein Geheimnis und setzen alles dran den Störenfried wieder los zu werden. Hilfreich erscheint ihnen dafür sein Gebrechen unter Höhenangst zu leiden...


Zimmer im obersten Stockwerk...

Auch wenn sie sich technisch gesehen zunächst einmal ähneln, weiß man bei einer Mel Brooks-Komödie nie was einen erwartet. Mal kommt der gute Mann mit einem geistreich parodistischen "Frankenstein Junior" daher, mit einem herrlich albernen "Spaceballs" oder einem überraschend sanftmütigen "Das Leben stinkt", dann wird es derart albern, dass es gerade eben noch gut geht, wie in "Dracula - Tot aber glücklich" und "Der wilde wilde Westen". Oft wird es aber auch mal zu dröge, als dass man sich gut unterhalten fühlen würde, so wie in "Die verrückte Geschichte der Welt" geschehen. In Ausnahmefällen ist das Ergebnis gar richtig schlecht zu nennen, wie beispielsweise "Robin Hood - Helden in Strumpfhosen" zeigt. Dass auch "Höhenkoller" zu letztgenannter Kategorie zählt, hätte ich im Vorfeld nie gedacht, wahrscheinlich weil er zu Brooks Hochzeit seines Schaffens entstanden ist, vielleicht auch weil ich dachte, dass Hitchcock als Vorlage ihm genügend Ehrfurcht bescheren würde. Zwar hatte ich den Film in meiner Jugend bereits gesehen und nicht gerade für toll befunden, aber mein Filmgeschmack in diesem Alter entspricht nicht ansatzweise dem von heute, und damals kannte ich auch nicht genügend Hitchcock-Filme, um mich an deren Parodieszenen zumindest aufgrund des Wiedererkennungswertes zu erfreuen. Einen Grund sich auf mein damaliges Empfinden zu verlassen, gab es somit nicht.

Nun mit Blick auf einige, wenn auch längst nicht alle, Hitchcock-Werke mehr, war meine größte Überraschung beim Sichten des Streifens jene, dass Brooks keineswegs, wie sonst so gerne, sehr direkt Originale verulkt, sondern lediglich immer wieder ein paar Szenen einstreut, welche Hitchcocks Werke zitieren. Dass man bei Brooks mit einem albernen Grundton rechnen muss, weiß man im Vorfeld. Und der Einstieg in "Höhenkoller", wenn Dr. Thorndyke am Flughafen von einem Fremden angesprochen wird, gefiel mir in dieser typisch überdrehten Brooks-Art auch richtig gut. Danach ging es meiner Meinung nach aber mit "High Anxiety" (Originaltitel) bergab, obwohl die schwule Anmache nicht die einzig brauchbare Idee des Streifens bleiben sollte. So gefällt beispielsweise auch die Idee der furchteinflößenden Krankenschwester, welche die Ärzte dominiert und somit unter Kontrolle hat. Sie wurde ähnlich schräg besetzt wie die Haushälterin und der Diener aus "Frankenstein Junior", im Gegensatz zu ihnen will sie jedoch eher theoretisch wirken. Zwar funktioniert sie optisch mit ihrem grotesken Aussehen, aber ihre Szenen laufen nicht so rund wie jene ihrer Vergleichsfiguren. Auch das Mysterium um die Nervenheilanstalt weiß zunächst zu gefallen, bietet sie doch eine wunderbare Möglichkeit auf der einen Seite neugierig für den Hauptplot zu machen und gleichzeitig Grundlage zu bieten, um auf ihr losgelöst Albernheiten stattfinden zu lassen. Leider sind die Albernheiten diesmal kaum treffsicher eingefangen.

Selbstverständlich ist solch eine Beurteilung immer arg subjektiver Natur, da mag es manch einem ganz anders ergehen, gerade auch mit Blick auf die von mir eingangs aufgezählte Staffelung Brooks Gelingen betreffend. Aus meinem Blickwinkel heraus sind die Albernheiten jedoch diesmal zu zotig ausgefallen, so dass oft auch brauchbare Ideen zu stark verwässert wurden, wie jene Szene beispielsweise zeigt, in welcher die Mitarbeiter der Anstalt dem neuen Direktor einen falschen Patienten vorführen, um ihr Geheimnis zu wahren. Oft präsentiert Brooks uns aber auch Klamauk, der bereits selbst von der Idee her so gar nicht zu gefallen weiß, und einen solchen setzt er dann derart penetrant mit Lacherwartung in den Mittelpunkt, dass die Szene, in der er sich befindet, keine Chance mehr bekommt anderweitig zu trumpfen. Wenn der Regisseur, Autor und Hauptdarsteller dann auch noch in einer bemühten Frank Sinatra-Parodie anfängt zu singen, treffen Ärgernis und Langeweile endgültig aufeinander. Nein, eine solche Ehrerbietung hat Hitchcock ebenso wenig verdient, wie seine schreckliche filmische Biographie "Hitchcock". Zu seinem Meisterwerk "Die Vögel" fiel Brooks nichts besseres ein, als uns kackende Vögel zu zeigen, vor denen Thorndyke flüchtet, sich in eine Hütte begibt, in der Hoffnung dort Schutz zu finden, um schließlich festzustellen, dass die Hütte kein Dach besitzt. Und dieses simple Stück Komik, welches man durchaus pointensicher hätte umsetzen können, ist noch eine der besseren Passagen eines Streifens, den ich schnellstmöglich wieder vergessen möchte.


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DR. HACKENSTEIN (Doctor Hackenstein 1988 Richard Clark)


Anfang des 20. Jahrhunderts arbeitet das Genie Doctor Hackenstein daheim zurückgezogen lebend, an der Idee tote Körper wiederzubeleben, um so seine verstorbene Frau ins Leben zurück holen zu können. Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr, und obwohl Hackenstein von Leichendieben immer wieder mit Körpern versorgt wird, fehlen ihm noch immer einige Teile zur idealen Frau. Als drei Frauen zusammen mit ihrem Cousin nachts bei ihm auftauchen, da sie einen Autounfall hatten, beschließt der Wissenschaftler zu morden, um an die fehlenden Teile zu gelangen und gibt sich somit sehr gastfreundlich...


Die ahnungslose Dienerin...

Der von Troma präsentierte "Dr. Hackenstein" ist in seiner Inszenierung ziemlich schlicht und kostengünstig ausgefallen. Er spielt an wenigen Orten, benötigt für seine Erzählung recht wenig Darsteller und hat auch nicht viele Spezialeffekte zu bieten. Es gibt eine handvoll simpel ausgefallener Bluteffekte und Leichenmaskeraden, hauptsächlich lebt das Werk von seiner Situationskomik und den belustigenden Dialogen. Auch wenn es ihm an Härte fehlt, so schwingt doch von der Stimmung her stets ein Hauch "Re-Animator" mit, der drei Jahre zuvor ein großer Erfolg wurde. Der Vergleich passt, auch wenn "Doctor Hackenstein" (Originaltitel) oftmals wie ein Theaterstück anmutet. Das wird besonders deutlich, sobald Hackensteins taubstumme Dienerin ins Spiel kommt, die im Gegensatz zu anderen Frankenstein-Varianten keine Ahnung von den Experimenten ihres Herren hat, mithilfe von Pappschildern kommuniziert und sich des öfteren Geschehnisse innerhalb ihrer begrenzten Wahrnehmung zusammenreimen muss. Zu ihrem besten Auftritt gehört eine Szene, in welcher Hackenstein ein sich wehrendes Opfer im Wohnzimmer versucht ruhig zu stellen, während die Taubstumme die beiden nicht bemerkend durchs Zimmer wandert, da durch den Kampf der beiden immer wieder etwas umgestoßen oder anderweitig verändert wird, das aufgeräumt werden muss. Zwar wundert sie sich, dass sie aus ihrem Blickwinkel heraus betrachtet wohl immer etwas übersehen hat, das aufgeräumt gehört, kann sich letztendlich aber keinen Reim drauf machen, bis sie schließlich müde zurück ins Bett kehrt.

"Dr. Hackenstein" ist das Regie-Debüt des später hauptsächlich für TV-Serien arbeitenden Richard Clark, der letztendlich nur brav abfilmt, was Drehbuch und Autor ihm zu bieten haben. Und neben besagter Dialog- und Situationskomik ist es die Schar schräger Charaktere, die es immer wieder schafft dem etwas zu monotonen Treiben dem nötigen Zunder zu geben, um nicht zu langweilen. Ob es die herrlich schräg agierenden Leichendiebe sind, Polizisten, die kaum glauben können, dass es endlich einmal etwas zu tun gibt, Hackenstein selbst, der dem Wahnsinn verfallen mit dem Kopf seiner dominanten Frau kommuniziert, oder eben die vier Gäste, von welchem jeder freilich ebenfalls eine Charaktereigenschaft mitbringt, die humoristisch zu unterstützen weiß. Der Horror schwebt hier eher in seiner bizarren Form mit, in den morbiden Szenen enthalten und freilich innerhalb der Zitierfreude eines "Frankenstein"-Ablegers. Das Zentrum des Streifens bildet somit die Komik, die wiederum oftmals albern, aber themenbezogen stattfindet, so dass man trotzdem Freund des Horror-Genres sein muss, um mit ihr klar zu kommen. Inmitten dieser herrlich abgedrehten Chose ist es erstaunlich, dass es Clark im letzten Drittel sogar schafft kurze Momente wahrer Tragik eingebaut zu bekommen. Es bricht einem das Herz die einzig sympathische Person, eine junge Frau, in ihrer Freude zu erleben in Hackenstein angeblich endlich ihre große Liebe gefunden zu haben, wenn dieser behauptet ihre Gefühle zu erwidern. Und wahrlich interessant wird das Treiben in dieser Phase dann, wenn sich diese Worte als nicht ganz gelogen herausstellen und Hackenstein ernsthaft zwischen neuer und alter Liebe hin und her gerissen ist.

Kurz darauf folgt das ereignisreiche Finale, das einem zwar kaum etwas bietet, was man nicht erwarten würde, aber den nett erzählten Streifen zu einem konsequenten und unterhaltsamen Ende führt, inklusive einer herrlich lustigen Aufzählung dessen was später aus den einzelnen Überlebenden geworden ist. Manch einem mag der Film zu albern ausgefallen sein, manch einem zu monoton oder ereignislos, "Dr. Hackenstein" ist schon ein sehr spezieller Film, das muss ich zugeben. Aber er hat meiner Meinung nach das Herz am rechten Fleck und mutet sich nie mehr zu, als er zu bieten in der Lage ist. Und dank brauchbarer, spielfreudiger Darsteller (einschließlich der Besetzung des Dr. Hackensteins, die ich zu Beginn des Streifens nicht so überzeugend fand, bis ich im Laufe der Zeit eines besseren belehrt wurde), kommt der Streifen meist so locker leicht daher, wie es dem Ergebnis gut tut. Nur gelegentlich macht der Stoff den Eindruck, dass ihm die Puste ausgeht, bevor er dann wieder an Fahrt gewinnt, sofern man das so bezeichnen kann bei einem Film, dessen Geschichte lediglich amüsant vor sich hin plätschert.


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WIR (Us 2019 Jordan Peele)


Während eines Aufenthalts in ihrem Ferienhaus wird die Familie Wilson von Unbekannten bedroht, die genauso aussehen wie sie selbst. Die Doppelgänger wollen ihr Gegenstück töten, doch Familie Wilson weiß sich zu wehren...


Hergestellt, verlassen, ausgetauscht, vergessen, nachholbedürftig...

Mit "Get Out" hatte Jordan Peele ein beeindruckendes Erstling als Autor und Regisseur umgesetzt. Der Aufhänger seines Folgefilms "Wir" klang ähnlich interessant, und ein gutes Covermotiv motivierte zusätzlich sich den zweiten Horrorbeitrag des Mannes zu Gemüte zu führen. Als die stimmig erzählte, nett fotografierte Vorgeschichte ebenfalls zu funktionieren wusste, schien alles gut zu gehen, die Euphorie, der ich im Netz bezüglich dieses Filmes begegnete, schien sich zu bestätigen. Eine halbwegs natürlich agierende Figurenkonstellation im Jetzt angekommen wusste auch noch zu gefallen, ebenso die Bedrohung im Dunkeln, die irgendwie faszinierend unnatürlich als Schatten auf dem Grundstück stand. Doch ausgerechnet mit dem Aufdecken des Aufhängers, dass die Wilsons es mit Doppelgängern zu tun bekommen, geht die Magie des Streifens flöten. Aus einer stimmigen Atmosphäre wird erstmals eine Ernüchterung, wenn das Gegenstück der Mutter mit krächzender Stimme gewollt auf unheimlich getrimmt ist, das schweigende Gegenstück zum Vater einem zurückhaltenden Brüllbär entspricht und Sohnemann wie ein Tier gehalten wird, während die Tochter unauffällig psychopathisch bleibt. Zu schnell findet der Wechsel vom Unheilvollen zum lauten Bildhaften statt, ganz anders als in Peeles Vorgänger.

Konnte dieser aufgrund einer tief eintauchenden Verunsicherung von psychologischen Schwachpunkten ablenken, sie sogar Teil des Geschehens werden lassen, so dass man nie wusste was Dummheit des Autors ist und was zur Verwirrung der Chose dazu gehören soll, fällt bei "Wir" sehr schnell auf, dass er lediglich auf äußere Schauwerte setzt, während er bemüht versucht mit einem angeblich intelligenten Plot davon abzulenken. Nur hebelt dieser sich bereits bei jedem ersten Gedankengang von selbst aus, so dass der Film mit jeder weiteren Entblätterung seines Geheimnisses immer unsinniger wird und kein Hinterfragen von Zusammenhängen besteht. Dass ist nicht nur insofern schade, als dass die Hauptdarsteller gut agieren, der Aufhänger ein gelungener ist und die Inszenierung theoretisch professionell angegangen wurde, gerade was die Kamera betrifft, es ist auch schade um manche nicht durchdachte Zusatzidee. Mit diesen streift "Us" (Originaltitel) manches Mal den Bereich des Zombiefilms, aber auch Werke zum Thema Klonen wie "Die Insel" und "Alles, was wir geben mussten", kommt an deren gelungenes Ergebnis jedoch nicht heran, weil sich "Wir" weder als gut funktionierender Geistlosfilm schaut, noch als durchdachtes Intellektkino. Alles was wir hier präsentiert bekommen ist Schaumschlägerei, die beeindruckend klingt, es bei näherer Betrachtung jedoch nicht ist. Der wissenschaftliche Hintergrund der Geschehnisse wird nicht exakt genug hervorgehoben, die Aggressoren wirken nie bedrohlich genug, lassen sich ganz im Gegenteil sogar schnell entledigen, die Motivation der Doppelgänger ist hanebüchener Natur, und der vorhersehbare Schlusstwist beweist, dass Peele jegliche Chance für den Überraschungseffekt nutzt, frei losgelöst von allem zuvor Gesehenen, so als würde man alle fünf Minuten vergessen was vorher geschah, um alles was darauf folgt glauben und akzeptieren zu können. Warum sollte es nach allem zuvor Gezeigten Sinn ergeben, dass die Hauptfigur als Kind seinerzeit ausgetauscht wurde?

Dass Peele ohne zu hinterfragen und zu verstehen einzig auf Sehgewohnheiten setzt, die den Zuschauer faszinieren und ablenken sollen, beweist er beispielsweise in der Vorphase der Geschichte, wenn diverse Omen darauf verweisen, dass bald etwas Unheimliches geschieht. Nie entscheidet sich der Autor ob das was geschieht eine persönliche Sache der Mutter, ihrer Doppelgängerin und ihrer Kindheitserfahrung sein soll, oder ein Massenphänomen. Die Antwort diesbezüglich erhalten wir nicht einmal mit der Information, dass ihr Klon, der eigentlich das Original ist, der Anführer der Klon-Revolution ist. Fragen wie jene, warum die Doppelgänger sich nicht früher befreit haben, und warum sie glauben sie müssten das Original ersetzen, anstatt einfach in die Ferne zu ziehen, werden ebenso wenig beantwortet wie die Frage, warum das Experiment dazu führen sollte Menschen zu lenken. Warum verlässt man das Experiment und lässt die Produkte für sich allein? Und hat nach all den Jahren überhaupt noch jeder ein ortsansässiges und noch lebendes Gegenüber? Warum sollte das Original seinen Austausch zu Kinderzeiten vergessen? Wie kommen die religiös angefixten Doppelgänger zu all den Scheren und pseudo-sinnbildlichen Gefängnisklamotten, die lediglich dazu dienen dem pseudo-intellektuellem Publikum eine Gesellschaftskritik verschiedener Schichten vorzugaukeln? Warum sind die Klone mal direkt an die Erlebnisse ihres Originals gebunden, so als seien sie marionettenartige Spiegelbilder, und dann wieder überhaupt nicht? Keine dieser theoretisch oft sympathischen Ideen ist ausgereift, durchdacht und sinnvoll für die Geschichte eingesetzt, weder intellektuell, noch unterhaltungstechnisch. Und da es an atmosphärischer Mystik, einem packenden Spannungsbogen, einem brauchbaren Endzeit-Feeling und einer spürbaren Bedrohung fehlt, wird "Wir" zu einem Rohrkrepierer, einem peinlichen Fremdschämwerk für ein denkfaules Publikum, dem man wirklich jeden Rotz vorsetzen kann, sofern er hübsch abgefilmt ist und den Stempel innovativ und clever vorgaukelt.


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GET OUT (2017 Jordan Peele)


An diesem Wochenende soll der junge Chris die Eltern seiner Freundin Rose kennen lernen. Ein wenig Sorgen macht ihm deren Wohngegend, in der nur reiche Weiße hausen, und wie die Eltern wohl reagieren, wenn sie sehen, dass der neue Freund ihrer Tochter ein Schwarzer ist. Rose beruhigt ihn zwar, ihre Eltern seien keine Rassisten, und bei ihnen angekommen gehen diese locker mit Chris und der Schwarzenthematik um, aber es ist der Unterton, der Chris nicht geheuer ist und ihn immer wieder misstrauisch werden lässt. Sein Gefühl wird verstärkt durch die Bediensteten der Familie, die allesamt Farbige sind und sich nicht annähernd so verhalten, wie Chris es von Schwarzen erwarten würde. Chris verrennt sich immer mehr in den Gedanken in der Falle zu sitzen und möchte fort, was sich schwieriger gestaltet als er dachte...


Eine Tasse Tee...

Rassismus ist in unseren Zeiten nicht nur ein leider aktuelles Thema geworden, sondern auch ein schwieriges. Auf der einen Seite wächst bei vielen Menschen in der Mitte das Misstrauen und die Vorurteile Ausländern gegenüber, selbsternannte Anwälte dieser Minderheiten kochen das Thema am anderen Ende jedoch derart hoch, dass sie in jeglichem Verhalten meinen Ausländerfeindlichkeit zu beobachten. Somit ist dieses delikate Thema ein solches mit Graustufen, welches von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich interpretiert wird, und diesen Zustand macht sich Regisseur und Autor Jordan Peele zunutze, um Chris und uns in seinem "Get Out" lange Zeit einen unguten Schwebezustand dessen, was man glauben soll, erleben zu lassen. Auf der einen Seite scheint Chris arg sensibel auf jedes lauernde Zeichen von Fremdenfeindlichkeit zu reagieren, auf der anderen Seite meint man sehr wohl unterschwelligen Rassismus bei der weißen Familie zu erkennen. Treten nun aufgrund eines unerwarteten Festes Freunde der Familie ins Geschehen, bestärkt sich letzterer Eindruck, sind einige von den reichen Weißen doch definitiv rassistisch in ihrem Versuch es nicht zu sein. Aber gilt selbiges dann auch für die Familie, bei welcher Chris für dieses Wochenende untergekommen ist? Und selbst wenn, würde es etwas an dem Zustand ändern lediglich ein nerviges Wochenende hinter sich bringen zu müssen, wo doch unterschwelliger Rassismus nicht damit gleichzusetzen ist, das sich Chris in Gefahr befindet? Zu wissen, dass man sich in einem Horrorfilm befindet, sorgt nicht gerade für ein Glauben an einen Irrtum Chris' Vermutungen. Letztendlich liegt der Spannungsbogen mitunter darin zu erfahren auf welche Art, von wem und warum Chris' Ängste bestätigt werden.

Peele ist es bei diesem Vorgehen hoch anzurechnen, dass er sich bis zum Zeitpunkt der Klarheit unglaublich viel Zeit lässt und das im Hintergrund brodelnde Misstrauen stets mitschwingen und stärker werden lässt. Wenn er nun noch die Trumpfkarte sich untypisch verhaltender Schwarzer spielt, bekommt nicht nur Chris endgültig Charaktereigenschaften zugeschrieben, die ihn ebenfalls unterschwellig rassistisch erscheinen lassen, von nun an schwebt auch eine Art "Die Frauen von Stepford" mit, erst recht wenn sich im weiteren Verlauf der etwa eine Stunde laufenden "Vor"phase bestätigt, dass Chris einen dieser Schwarzen von früher sich anders verhaltend kennt. Selbstverständlich kann Peele dieses hervorragende Feeling, welches "Get Out" lange Zeit auszustrahlen vermag, nicht beibehalten, wenn aus Mutmaßungen, Erwartungen und Misstrauen Klarheiten werden. Hier wird der Film nun glasklar zu einem Horrorfilm, mit klassischem Mad Scientist-Hintergrund und einem Helden, der im Kampf ums eigene Überleben immer mehr von seiner eigenen Menschlichkeit verliert. Hier mag manch einem der harte Grundton sauer aufstoßen, geht es für einen bislang auf psychologischer Ebene arbeitenden Film doch plötzlich relativ blutig zur Sache. Ich muss aber sagen, dass mir das Treiben im Finale ebenfalls gut gefallen hat, auch wenn es sich nicht, wie bei vielen ähnlich gearteten Werken, um ein Entladen einer bis zu diesem Zeitpunkt unerträglich gewordenen Situation handelt, sondern lediglich um die nächste Phase in der zu erzählenden Geschichte.

Sicherlich könnte man darüber diskutieren, ob ein Film wie "Get Out" die übertriebene Sichtweise angeblich rassistischem Verhaltens in unserer Gesellschaft fördert, oder wie gut es auf der Gegenseite ist, dass er ähnlich wie der Kurzfilm "Wahlnacht" das Thema des unterschwelligen Rassismus beim Zuschauer sensibilisiert, um aufzuzeigen wo Fremdenhass bereits seinen Ursprung erfahren kann. Man würde sich aber bei dem Thema ohnehin nicht einig werden und den Spaß an dieser bissigen, tief schwarzhumorigen Satire ignorieren, den Peele mit seiner ernsten, erschreckend aktuellen Thematik bei sensibler Herangehensweise zu entfachen vermag. Peeles Werk ist das Ergebnis guter Beobachtungen und Reflexionen auf verschiedenen Ebenen, nicht nur jener der Rassenthematik, und ist ganz klar dem Bereich des Unterhaltungsfilm zugewendet, was spätestens die letzte halbe Stunde offenbart, wenn "Get Out" endgültig zu einem waschechten Horrorfilm mutiert, in dem auch kleine Elemente des Science Fiction-Genres vertreten sind. Ironischer Weise hebelt er in nur wenigen Sätzen in seiner Auflösung die Schwarzenthematik des Reststreifens ein wenig aus, was so nebensächlich wie geschehen nach all den aufwerfenden Fragen und Diskussionsanlässen eine grandiose Idee ist. Kurzum ist Peele zu diesem schwierigen Thema ein hervorragender Film geglückt, eine Satire mit einem Hauch unterschwelliger Komik, die einem derart im Hals stecken bleibt, dass man sie als solche kaum wahrnimmt, so dass der Streifen äußerlich als ernst gehaltener Genrebeitrag daher kommt. Die Dramaturgie wird zu Gunsten des Spannungsbogens nie vernachlässigt, der psychologische Aspekt bekommt mehr Raum beschert, als äußere Schauwerte, und den Charakteren wird viel Raum zum Entfalten geboten. Sprich "Get Out" lebt von all dem, was man im Bereich des Horrorfilms so häufig vermisst. Bleibt nur die Frage offen, warum Peel in seinem Folgefilm "Wir" all diese Pluspunkte hat schmerzlich vermissen lassen.


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PUPPET MASTER (1989 David Schmoeller)


Eine Gruppe Parapsychologen findet sich in einem leerstehenden Hotel nach dem Tod eines Arbeitskollegen ein, mit dem man einst gemeinsam ein altes ägyptisches Rätsel über künstlich geschaffenes Leben lösen wollte und mit dem man sich im Laufe der Zeit verfeindet hat. Noch ahnen die Besucher nicht, dass der Tote vor Ort fündig wurde. Hier lebte einst Andre Toulon, ein Puppenmacher, der besagtes Geheimnis kannte und mit diesem Wissen Puppen Leben einhauchen konnte. Nun streifen sie mordend durch das Hotel, was scheinbar vom Verstorbenen so gewollt war...


Ein unangenehmer Zeitgenosse - auch nach dem Tod...

Mit fünf Puppen ging sie los, die Antwort von Billigfilm-Produzent Charles Band auf den Kassenerfolg "Chucky - Die Mörderpuppe". Dass er mit diesem Film eine der langlebigsten Horrorfilm-Reihen schuf, konnte er damals noch nicht wissen. "Puppetmaster" (Alternativtitel) folgten 10 Fortsetzungen, ein Zusammentreffen mit den ebenfalls von Band geschaffenen "Demonic Toys" in "Dämonische Spiele" und ein Reboot namens "Puppet Master - Das tödlichste Reich". Im Erstling kommen sie noch recht spärlich zum Einsatz, es wird mit Kameraaufnahmen aus ihrer Perspektive gespielt, ein kleines Geheimnis um ihre Existenz gemacht und ein Rätsel um die aktuellen Vorkommnisse im Haus aufgestellt, bei welchen scheinbar ein Toter die Fäden zu führen scheint. Das Thema Puppen steht stets im Vordergrund, in mörderischer Aktion erleben wir die in späteren Teilen mehr in den Mittelpunkt rückenden Wesen jedoch erst sehr spät. Der Streifen lässt sich viel Zeit nach der Vorgeschichte mit Toulon die einzelnen Figuren vorzustellen, ihre Ankunft im Hotel aufzuzeigen und dem Zuschauer langsam die Hintergründe der Bekanntschaft mit dem Verstorbenen klar zu machen. Wo Band in vielen anderen Produktionen mit viel Gerede Zeit streckt, da steckt in dieser langen Phase in "Puppet Master" tatsächlich etwas Erzählenswertes. Und mögen Figuren auch nicht tief gehen und ihre Darsteller eher mittelmäßig agieren: man interessiert sich für die Themen dieser ersten Filmhälfte.

Engagiert hat Charles Band für die Regie David Schmoeller, der bereits in der gemeinsamen Produktion "Tourist Trap" 10 Jahre zuvor beweisen durfte, wie stimmig er Puppen in Szene setzen kann, und dies ohne dass besagter Streifen ein Killerpuppenfilm wäre. Mit "Killerhaus" mit Klaus Kinski und "Aliennator" hat er ohnehin eine halbwegs interessante Filmographie vorzuweisen. Später bog er in den familientauglichen Filmbereich ab, bis er in den aktuell laufenden Zehner Jahren wieder in den Bereich des Horrorfilms zurückkehrte, freilich weiterhin für Charles Band arbeitend. In "Puppet Master" beweist er ein ruhiges Händchen für einen stimmigen Film, der unaufgeregt erzählt ist, gleichzeitig aber auch mit allerhand Schundzutaten angereichert ist. Sadomaso-Spielchen, Esoterikmumpitz und die Eigenschaften der Killerpuppen, als da wäre das Hantieren mit Messern, das Auskotzen von Blutegeln, das Betreiben eines Bohrers am Kopf und das Besitzen kräftiger Arme, gehören zu den bizarren Zutaten eines nüchtern vorgetragenen Filmes, der trotz vorhersehbaren Treibens stets etwas zu erzählen hat und mit kleinen Überraschungen zu gefallen weiß. Dass eine Billigproduktion wie diese von Übertreibungen und Unsinnigkeiten lebt, die man gütigst zu ignorieren hat, damit der simple Plot funktionieren kann, versteht sich von selbst und sollte als Einstellung vom Zuschauer mitgebracht werden, ansonsten gehört man nicht zum Zielpublikum. Und auch wenn es an wahrer Aufregung und flotter Umsetzung fehlt: "Puppet Master" weiß auf schlichte Art zu funktionieren.

Freilich steht ihm für diese Wirkung neben Richard Bands sympathischer musikalischer Komposition mittlerweile auch sein Retro-Touch hilfreich zur Seite, der ihn sicherlich eine Spur charmanter gucken lässt, als es zur Entstehungszeit der Fall gewesen sein wird. Zumindest bietet er handgemachte Effekte, kleine blutige Einlagen (jedoch ohne explizit drauf zu halten, so dass der Gorehound nicht wirklich bedient wird) und immerhin interessant ausgefallene Puppen, an die man sich als Stammzuschauer eigentlich nur zu sehr gewöhnt hat, weil es eben so viele Filme mit besagten Puppen gibt, tauchen doch fast alle von ihnen in jeder Fortsetzung immer wieder auf. Erstaunlich ist  der Blick auf die eigentlich schlichte Puppenanimation, verglichen mit den späten Fortsetzungen der Reihe, ist diese doch meist billiger getrickst ausgefallen als in den ersten Filmen, rein der Kostengünstigkeit wegen, so dass man bei der "Puppet Master"-Reihe tatsächlich die Ausnahme erleben darf, dass die Tricks von Fortsetzung zu Fortsetzung eben nicht besser werden. Wie so oft bei Band gibt es diesbezüglich ein Hin und Her, ebenso wie es im Laufe der Reihe auch auf zeitlicher Ebene geschehen sollte. Und gerade mit diesem Wissen tut es gut, zu sehen wie geordnet noch die Geschichte des Erstlings verläuft, mit einer tatsächlich abgerundeten Geschichte im Visier und einer sympathischen Pointe am Schluss versehen. Warum Toulon seinerzeit ausgerechnet Killerpuppen erschaffen haben soll, bleibt jedoch ein unsinniges Rätsel. Da macht der Neuansatz im Reboot von 2018 schon mehr Sinn.


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PUPPET MASTER - DAS TÖDLICHSTE REICH (Puppet Master - The Littlest Reich 2018 Sonny Laguna u.a.)


Vor 30 Jahren wurde der mörderische Altnazi und Puppenbauer André Toulon in seinem Anwesen in Amerika von der Polizei erschossen. Nun findet zum Jahrestag dieses Ereignisses vor Ort eine Convention statt, an welcher auch ein Comiczeichner und seine Freundin teilnehmen, da er im Besitz einer von Toulons Puppen ist und diese dort veräußern möchte. Das ganze Hotel ist voll von Sammlern und Händlern, die im Besitz von Toulons Puppen sind, ohne zu ahnen, dass sie zu wandernden Mordwerkzeugen werden können, wenn ihr Schöpfer sie aus der Ferne elektronisch steuert. Genau dies geschieht in jener Nacht, und der Hotelaufenthalt entpuppt sich als Massaker...


Sie greifen nach den angeblich Minderwertigen...

Ein Jahr bevor "Chucky - Die Mörderpuppe" mit "Child's Play" einen Neustart beschert bekam, in welchem alles etwas anders verarbeitet wurde als im Original, geschah selbiges mit Charles Bands Kreation "Puppet Master", welche im Schatten des Erfolges von Chucky entstand. Auch in "Puppet Master - Das tödlichste Reich" ist alles derart anders, dass man nicht wirklich von einer Neuverfilmung sprechen kann, die einzige Parallele zum ersten Beitrag aus dem Jahr 1989 besteht darin, dass sich die Opfer während der Taten in einem Hotel befinden. Obwohl Schöpfer Charles Band, welcher dem Erstling 10 Fortsetzungen bescherte und in "Dämonische Spiele" zusätzlich ein Zusammentreffen mit den ebenfalls von ihm erdachten "Demonic Toys", im Vorspann als Executive Producer genannt wird, hat er mit diesem im Vergleich außergewöhnlichen Teil eigentlich nichts am Hut. Der hier besprochene Film wurde vom Horrormagazin Fangoria produziert, Regie führten die beiden Regisseure Sonny Laguna und Tommy Wirklund, die bis auf Lagunas "Blood Runs Cold" fast alles bisher gemeinsam gedreht haben, so z.B. "Cabin of the Dead" und "We Are Monsters", womit sie über ausreichend Erfahrung im Horrorsektor verfügen. "Puppet Master - The Littlest Reich" (Originaltitel) soll der Start einer eigenen Reihe sein, während Charles Band berechtigt bleibt parallel dazu seine Ur-Reihe ebenfalls fortzusetzen. Dem Freund der Filme wird es freuen, zumal der Mix zwei gleichnamiger Filmreihen mit den selben Killerpuppen nicht mehr Verwirrung stiften wird, als es Bands Ausgangsreihe mit ständig wechselnden Zeitzonen, immer neuen Puppenmeistern und einer sich ständig verschiebenden Position von Gut und Böse bei den Puppen ohnehin schon tat.

Der Fangoria Puppen-Horror setzt andere Schwerpunkte als die 13 Filme Bands. Zwar wird auch hier auf handgemachte Effekte gesetzt, anstatt auf Computeranimationen, aber sie sind weit professioneller ausgefallen, als die erbärmlichen Tricks der Originalreihe. Zudem gehen die Puppen deutlich brutaler vor, als sie es ansonsten jemals taten, und dies präsentiert in einem augenzwinkernden Grundton, anstatt im bislang arg ernsten. Wenn ein Geköpfter am Klo stehend auf seinen eigenen Schädel pinkelt, der ins Klo gefallen ist, dann bemerkt man den Einfluss von "Braindead". So herrlich abartig wie diese Szene auch ausgefallen sein mag, es erfreut, dass der neue Puppet Master nicht zu viel solcher Momente bietet und auch auf andere Sehwerte achtet, so dass das Ergebnis nicht zum monotonen Schlachtfest ohne inhaltlichen Sehwert verkommt, welcher einzig nur jene Sorte Gorehounds gefallen würde, die unempfindlich für die Dramaturgie eines Stoffes und der Charaktere sind. Der Film besitzt eine charismatisch besetzte männliche Hauptrolle, welche den halben Film gestemmt bekommt, ist wie erwähnt mit leichtem Humortouch erzählt, der in seinen nicht zu dominant eingebetteten Szenen treffsicher ausfällt und beispielsweise auf das widersprüchliche Dummdenken von Comic"philosophen" abzielt, und letztendlich ist auch die Geschichte interessant ausgefallen, obwohl man sie glücklicher Weise möglichst schlicht gehalten hat.

In dieser ist alles etwas anders als zuvor. Toulon ist nicht mehr Opfer der Nazis, sondern selber einer, die Puppen werden nicht mehr mit einer Flüssigkeit gesteuert, sondern aus Toulons Mausoleum per Energie heraus, was stark an "Sie greifen nach den Lebenden" erinnert, und der immer weiter lahm wachsenden Schar Killerpuppen werden endlich einmal einige mehr beschert, unter welchen sich auch lustig aussehende, optisch kinderfreundliche Designs befinden, welche im Bezug zum Nutzen der Puppen in dieser speziellen Version auch Sinn ergeben. Fliegende Puppen mit Propeller, hüpfende Heuschrecken, hier wird so allerhand Neues geboten, während gleichzeitig die uns ans Herz gewachsenen Ur-Puppen ebenfalls wieder mit an Bord sind, inklusive der von mir so gern gesichteten Flammenwerfer-Puppe aus "Puppet Master 2", die danach nur noch in wenigen Fortsetzungen Auftritte erfuhr. An fiesen Morden mangelt es nicht, die Opferzahl ist für einen "Puppet Master" enorm ausgefallen und mittels kostengünstiger, aber sehenswerter Spezialeffekte ist es ein Spaß dem mörderischen Treiben der Puppen zuzusehen, so sehr sogar, dass man vom bislang gelungensten Teil sprechen kann. Ich sympathisiere mit der Ur-Reihe, aber selbst ihre besseren Teile besaßen stets ein dröges Restflair. "Puppet Master - Das tödlichste Reich" gibt wesentlich mehr Gas, bietet endlich genügend Schauwerte und ist entspannt und höchst unterhaltsam erzählt. Auch er mag lediglich ein unterhaltsamer Zwischendurchverzehr sein und somit nichts Großes in der Horrorfilmwelt, aber mit diesem Werk wurde endlich einmal ein "Puppet Master" geschaffen, der nicht nur den wenigen Charles Band-Verehrern gefallen wird, sondern auch vielen anderen Freunden des Genres.


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GET CARTER (2000 Stephen Kay)


Schuldeneintreiber Carter reist in die Heimat, als er vom Tod seines jüngeren Bruders erfährt. Von Trunkenheit am Steuer ist die Rede, von einem Unfall, aber Carter ist überzeugt, dass der arme Mann Opfer eines Verbrechens wurde und forscht in der zwielichtigen Online-Prostitutions-Szene nach, mit der ihn irgend etwas Rätselhaftes verbunden hat...


Offenbarung auf dem Hochhausdach...

Es ist kaum zu glauben, aber nach seiner großartigen schauspielerischen Leistung in "Cop Land", für die er selbst von Tunnelblick-Kritikern erstmals gelobt wurde, dauerte es drei Jahre, bis Sylvester Stallone wieder in einer Hauptrolle besetzt wurde. Ob es gut war, ihn ausgerechnet in der Neuverfilmung eines 70er Jahre-Klassikers zurückkehren zu lassen, darf angezweifelt werden, waren die Kritiken doch dementsprechend vernichtend. Wenn man sich mit der 00er Jahre Version von "Get Carter" anfreunden möchte, dann ist es sicherlich von Vorteil das Original "Jack rechnet ab" nicht zu kennen. Und selbst dann wird es für viele Filmfreunde schwer der Regiearbeit von Stephen Kay, der später den ersten "Boogeyman" inszenierte, eine echte Chance zu geben, ist sie doch anders ausgefallen, als die meisten vermutet haben, gerade wegen der Besetzung Stallones im Zentrum der Geschehnisse. Von einem klassischen Stallone-Film, egal aus welchem vorherigen Jahrzehnt, ist nicht mehr viel übrig geblieben. "Get Carter" weist weder die Härte der 80er Jahre Actionfilme auf, noch die Ruhe seiner 70er Jahre-Werke, und erst recht nicht die Ironie und reflektiertere Art seiner 90er Jahre-Filme. Einzig das belehrende Weltbild des erfolgreichen Actionstars ist noch vorhanden, die rückblickende Reue, die gut gemeinten Ratschläge, aber das ist immerhin etwas, was einem ein Stück Heimatgefühl eines Stallone-Filmes beschert.

Ein solcher ist "Get Carter" streng genommen ohnehin nicht, auf einem Buch basierend, von wem anders zum Drehbuch neu verfasst und mit wem anders auf dem Regiestuhl sitzend ist Stallone lediglich die Hauptbesetzung. Außerhalb seiner Rolle besaß er kein Mitspracherecht. Und schaut man sich das Ergebnis an, so ist er Teil einer kühl durchkalkulierten Produktion, der es lediglich darum geht sich gut zu verkaufen und in ihrer durchgestylten Art gut auszusehen. Kays Werk ist sowohl inhaltlich wie inszenatorisch oberflächlich ausgefallen, und ein moderner, hektischer Schnitt, soll das Produkt flott und up to date wirken lassen. Gerade der Schnitt ließ mich oft ratlos zurück. Was soll das hektische Ausblenden einer Szene, wenn darauf anknüpfend in selbige wieder angesetzt wird? Was soll das Auffahren des Tempos, indem simple Abläufe, wie ein Spaziergang zum Wagen, ständig per Schnittgewitter beschleunigt werden, so als besäße der Zuschauer keine Geduld? Das ist freilich ein Irrtum, es ist das Endergebnis und die Verantwortlichen des Stoffes, die keine Geduld hatten, und selbiges trifft auf ein Begreifen der schlicht dargebotenen Charaktere zu, denen man keine Nähe beschert, womit der Bezug für den Zuschauer fehlt. Die Motivation irgend einer Figur zu begreifen, wird für diesen so schwer, wie das Empfinden eines Innenlebens für irgendwen zu entdecken.

"Get Carter" soll halt in der damals so futuristisch und kühl technisch wirkenden Welt der digitalen Pornoindustrie und ähnlich neo-kriminellen Umfeldern spielen, so dass der Stil dieses kühle Feeling ebenfalls einfangen soll. Das klingt soweit in Ordnung, grenzt den Zuschauer nur völlig vom eigentlichen Geschehen aus, so sehr sogar, dass er sich eigentlich nur beiläufig für den aufzuklärenden Fall interessiert, an dem ohnehin nur eine handvoll wichtiger Gestalten beteiligt zu sein scheinen. Dementsprechend hüpft Carter stets von einer Figur zur nächsten und wieder zurück, wenn er gerade ein neues Detail der verworrenen Umstände um den Tod seines Bruders aufgedeckt hat, und immer reagieren die aktuell (wieder) angesprochenen Zwielichtigen wie eingeweiht, so als wüssten sie noch vor den Äußerungen Carters, an welchem Punkt der Ermittlung er gerade angekommen ist. Dass Kay es inmitten dieses kühlen und hektischen Umgangs mit einer an sich simplen Geschichte schafft, gelegentlich Herzenswärme zu vermitteln, gleicht einem Wunder. Carter stößt aufgrund der Familie, die er verlassen hat, stets auf Ablehnung, mit Ausnahme der jugendlichen Nichte, die er als Mann voll begangener Fehler mit guten Ratschlägen versorgen kann. Hier kommt es gelegentlich zu wahrlich dramaturgisch stimmigen Momenten, deren Erfolg auch in der guten Besetzung der Filmnichte mit Rachel Leigh Cook zu finden ist. Dass wiederum ausgerechnet der entscheidende Knackpunkt der Recherche, in welchen sie involviert ist, trotz erschreckendem Szenario emotional unterkühlt stattfindet, beweist nur wieder den zu distanzierten Stil des Streifens, dessen führende Hand Kays die gelungenen dramatischen Momente scheinbar nur Zufall erscheinen lässt.

Wie auch immer, ich kann jeden verstehen, dem das Dargebotene einfach zu plump ausgefallen ist. Aber ich muss gestehen, dass ich, warum auch immer, Sympathie zum Ergebnis hege. Diese durchgestylte Art mit einem optisch wirksamen Stallone im Zentrum wirkte bei mir. Im Originalton war freilich auch seine Stimme wieder Trumpf, die jeden Stallonefilm im Original bereichert. Und abgesehen von manch nervigem Schnitt gefiel mir überraschend auch die unterkühlte Art des Streifens, die mich als Zuschauer in einen Zustand versetzte, der mich für das oberflächliche Abarbeiten von Figuren und Situationen unempfindlich werden ließ. Ich genoss einfach den simplen Style, die plumpe Art, akzeptierte sie und hatte dementsprechend Spaß mit einem Film dessen Original ich nicht kenne. Aus diesem entlieh man sich die ehemalige Hauptbesetzung Michael Caine, der nicht nur kurz als Cameo durchs Bild hüpfen darf, sondern mit einigen Auftritten gesegnet mehr mit dem zu lösenden Fall zu tun hat, als manch Naiver zunächst denkt. Dass die Aufdeckungen Carters nicht all zu aufregend ausfallen und am Ende nur ein simpler Plot bleibt, stört nicht weiter, ist die Annäherung mit der Nichte doch weit wichtiger für die Wirkung des Streifens, als es der Kriminallfall je wäre. Dass dieser Aspekt wichtig für den Film ist, schien man zumindest zu erkennen, bekommt die Verabschiedung von der Nichte doch, wie manch andere Szene mit ihr, am Ende angekommen, genügend Raum zur Entfaltung, so dass sie auf schlichte Art zu berühren weiß, zumindest wenn man sich mit wenig Tiefgang zufrieden geben kann und sich auf naive Inhalte einlassen kann. Das ist ohnehin das Erfolgsrezept, um an "Get Carter - Die Wahrheit tut weh" (Alternativtitel) seine Freude haben zu können. Ob man das bei solch plumpen Filmergebnis überhaupt will, sei freilich einmal dahingestellt.


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DIE JUNGFRAU UND DAS UNGEHEUER (Panna a netvor 1978 Juraj Herz)


Auf einem heruntergekommenen Schloss lebt eine einsame, verwunschene Kreatur mit monströsem Aussehen. Als sie nach einem Vergehen das Leben eines Kaufmannes einfordert, tritt statt seinesgleichen dessen Tochter Julia den Weg zum Schloss an, die sich anbietet dort zu bleiben, damit ihr Vater im Gegenzug am Leben bleiben darf. Sie ahnt nicht, dass der Schlossherr ein Monster ist und darf an diesem unheimlichen Ort nur wohnen bleiben, wenn sie sich an die Abmachung hält ihn nie anzusehen. Julia verliebt sich in den Mann, von dem sie nur seine Stimme kennt, und auch die Kreatur fühlt sich zu Julia hingezogen. Aber es graut ihr vor dem Tag, an dem Julia die Wahrheit erfährt...


Düsternis vor schwarzem Hintergrund... 

Es gibt unzählige Verfilmungen des Märchens um "Die Schöne und das Biest". Und von all diesen sticht wohl "Die Jungfrau und das Ungeheuer" am deutlichsten heraus, hebt er doch die düstere Seite des Stoffes hervor und schaut sich deshalb nicht wie ein klassisches Märchen. Eher ähnelt er einem Alptraum, konzipiert für ein erwachsenes Publikum, auch wenn man im Zuge der bekannten tschechischen Märchenfilme zunächst einen solchen erwarten würde. Juray Herz' Werk ist somit ein Ausnahmefilm sowohl bezüglich der Vorlage, als auch bezüglich seiner Herkunft, ist aufgrund Letztgenanntem dementsprechend verwandt mit "Valerie - Eine Woche voller Wunder", stilistisch jedoch völlig anders geartet. Es ist nicht so, dass "Panna a netvor" (Originaltitel) nicht auch die kitschigen Elemente beinhalten würde, welche tief in der Vorlage verankert sind. Herz beachtet sie jedoch nur kurz, lässt sie gelegentlich einfließen, zelebriert sie dann sogar unerwartet, legt dann aber wieder den dunklen Schleier über diese, welcher die komplette Atmosphäre des Reststreifens ausmacht. Einzig hochtrabende Liebesbekundungen, nüchtern vorgetragen, zeugen ansonsten noch vom romantischen Urgehalt der Geschichte. Sie klingen theoretisch vorgetragen so unecht wie sich das Komplettszenario schaut, und eben weil der Film sich so realitätsentrückt schaut geht das auch in Ordnung.

Noch bevor das Monstrum ins Geschehen rückt, serviert uns der Regisseur von "Der Autovampir" eine düstere Grundatmosphäre. Neblige Wälder, eine unheimliche Hintergrundmusik, selbst der mit Zeichnungen untermalte Vorspann besitzt etwas beunruhigendes, während er zugleich mit morbide anmutenden Bildern bezaubert. Es ist die Poesie des Düsteren, die Romantik im Morbiden, welches "Die Schöne und das Ungeheuer" (Alternativtitel) sein gewisses Flair beschert. Herz baut einzig auf die Stimmung des Streifens. Sobald es inhaltlich etwas zu hinterfragen gibt, lenkt er ab. Hintergründe werden nicht geklärt, manch eingebrachte Elemente der Vorlage verlieren gelegentlich ihren Sinn, da ihr Bezug zum Rest nicht aufgezeigt wird. Interessanter Weise wird dies nicht zu einem Schwachpunkt des Streifens, denn diese ungeklärten Elemente besitzen ebenfalls ihre unheimliche Wirkung in dieser stimmigen Umsetzung, die zwar nicht wirklich zum Horrorfilm wird, aber in ihrer düsteren Fantasy-Art eine Nähe zu diesem Genre aufbaut. Herz gelingt es einen derart tief in diese oberflächliche Welt einzutauchen, dass man ihm nicht böse ist tiefer zu greifen. Jegliche Abweichung könnte einen Riss ins morbide Gewandt reißen, dementsprechend handelt der Regisseur mit der reduzierten Vorgehensweise richtig.

"Das Ungeheuer" (Alternativtitel) ist ein Liebhaberstück, welches mit viel Herzblut umgesetzt wurde. Die Kamera arbeitet verspielt, die Verantwortlichen der heruntergekommenen Burg dürfen sich ordentlich austoben, wenn es darum geht eine triste, lebensfeindliche Umgebung zu erzielen, dabei hätten selbst die nüchternen Winteraufnahmen gereicht sich an diesem Ort nicht heimisch zu fühlen. Ein interessanter Aspekt, welcher Ebenfalls von den anderen Verfilmungen des berühmten Märchens abweicht, ist die Entscheidung den monströsen Schlossherrn als Vogelkreatur auftreten zu lassen. Der Erfolg gibt den Verantwortlichen recht, das Kostüm wirkt bizarr, funktioniert in seinen unheimlichen Szenen ebenso wie in seinen sinnlichen, so dass es das Kunstwerk abrundet, dem man hier beiwohnen darf. Wer auf Tiefgründigkeit zu Gunsten von Atmosphäre verzichten kann, ohne dass dabei die Charaktere vernachlässigt werden, der sollte als Freund älterer Werke aus uns fremd scheinenden Regionen unbedingt einen Blick riskieren. Juraj Herz ist mit "Die unglaubliche Geschichte" (Alternativtitel) wahrlich ein kleines Meisterwerk geglückt, in welchem selbst die bunteren Kitschmomente einen ungewöhnlichen Reiz besitzen.


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ALICE IM WUNDERLAND (Alice in Wonderland 1933 Norman Z. McLeod)


Die kleine Alice schläft mitten an einem langweiligen Wintertag ein und träumt davon, wie sie durch den Spiegel schreitend durch ein wundersames Land mit allerhand ungewöhnlicher Gestalten wandert...


Kartenmatt und Spiegelwunder...

Nach "Alice im Wunderland" aus dem Jahr 1903 und dem "Alice im Wunderland" von 1915, ist Norman Z. McLeods "Alice im Wunderland" die dritte Verfilmung des Stoffes von Lewis Carroll und erstmals als Ton- und Langfilm umgesetzt. Entgegen der Warnung des Drehbuchautors Joseph L. Mankiwiecz, dass man den Film überfrachten würde, wenn man die beiden Bücher "Alice im Wunderland" und "Alice im Spiegelland" vereinen würde, tat man genau dies zur Erschaffung einer Produktion, die Erfolg versprechen musste, um das Produktionsstudio vor dem finanziellen Untergang zu bewahren. Dementsprechend steckte man alles was ein Film dieser Zeit bieten konnte, in diesen hinein, und so mangelt es dem fertigen Werk nicht an einfallsreichen Kostümen, aufwendigen Spezialeffekten und kleinen Gimmicks, wie beispielsweise einer kurzen Zeichentricksequenz, und ebenso wenig an damaligen Stars (sowie zukünftiger wie Gary Cooper und Cary Grant), dafür aber am nötigen Charme, welcher der kühlen Kalkulation der Geldmacher leider weichen musste.

In Deutschland ist der Film in einer gut ausgestatteten, mit informationsreichem Beiheft bereicherten, DVD-Veröffentlichung erschienen, welche auf dem Cover dieser ersten Großproduktion des Stoffes behauptet, sie sei die radikalste, düsterste und surrealste Version, die zu dem Thema je entstanden wäre. Nichts davon entspricht der Wahrheit. Mit diesem Werbetrick sollen die Makel des Streifens schöngeredet werden, allen voran der fehlende rote Faden. "Alice in Wonderland" (Originaltitel) ist ein willkürlich zusammengeschustertes Werk, in welchem Alice hektisch von einem Sehwert zum nächsten hüpft und dabei die einzelnen Kapitel oftmals nur angedeutet erlebt, so als würde man vom Publikum erwarten die Buchvorlage zu kennen, um alles verstehen zu können. Das fällt bei den nicht weiter vertieften angemalten Rosen ebenso auf, wie beim kurz darauf folgenden Kroketttournier. Selten widmet man einem Augenblick die nötige Aufmerksamkeit, geschieht dies in der Ausnahme aber doch, wie in der Begegnung mit Hampti Dampti, sowie in der Szene mit dem reitenden Erfinder geschehen, entstehen sehenswerte und lustige Szenen, die das Absurde des Buches in ihren herrlich wirren auf Pseudologik getrimmten Dialogen zu übertragen und damit zu gefallen wissen. Aber derartige Momente sind rar gesät innerhalb einer Herangehensweise, die sich nicht um Charakterentwicklung und/oder einer zusammenhängenden Geschichte kümmert, sondern stattdessen episodenhaft und zusammenhanglos dargeboten von einem Kapitel zum nächsten hüpft.

Klar kann man sich das mit den auf der DVD betonten Adjektiven schön reden, auf diese kalkulierte, seelenlose Art will sich jedoch keine stimmige Atmosphäre und kein Charme für das Dargebotene offenbaren. Was nutzen da die wirklich toll anzuschauenden Kostüme und die einsamen Höhepunkte des Streifens, wenn "Alice im Wunderland" zu einem anstrengenden Mix aus Kitsch und Absurdem wird und damit zu einer ärgerlich anzuschauenden Angelegenheit, die beweist wie früh in Großproduktionen schon jene Fehler begangen wurden, die auch im heutigen Hollywood noch zu verärgern wissen? Norman Z. McLeod ist als Routinier seines Faches, u.a. nach zwei Marx Brothers-Filmen, mit diesem Werk um die kleine Alice nichts Außergewöhnliches geglückt, bis 1960 sollten noch viele Regiearbeiten von ihm folgen, bevor seine Karriere endete. Wie erfolgreich "Alice im Wunderland" seinerzeit lief weiß ich nicht. Von "Reise zum Mond" bis zum heutigen Blockbuster-Kino reißt sich das Publikum um Spezialeffekte, es mag also sein, dass der zumindest in diesem Bereich punktende hier besprochene Film tatsächlich die Masse zu begeistern wusste, ich sichte aber dann doch lieber zum x-ten Mal den 6 Jahre später entstandenen "Das zauberhafte Land", der bekannter Weise einige Parallelen zur Geschichte um Alice in ihrem Wunderland besitzt. Der war auch eine Großproduktion, aber eine deren Macher wussten wie man ein gutes Ergebnis zaubert. Zumindest scheint die hier besprochene cineastische Version von Carrolls Büchern den damals ausgebooteten Konkurrent Disney für dessen 1951 erschienenen Zeichentrickversion inspiriert zu haben, besitzt sie doch einige, von der Buchvorlage unabhängige, Parallelen zur dritten Verfilmung. Hätten die Disneystudios den Zuschlag bereits 1933 erhalten, wäre anbei ein Zeichentrickfilm mit einer als Mensch besetzten Alice dabei herausgekommen.


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THE FIRST PURGE (2018 Gerard McMurray)


In den USA ist eine neue Partei an der Macht, welche bislang unlösbare Probleme damit beheben möchte, dass einmal im Jahr eine sogenannte Purge-Nacht stattfindet, in welcher jegliche Verbrechen straffrei bleiben. Zunächst wird dieses Projekt auf Staten Island getestet. Die Nacht entpuppt sich jedoch für alle Beteiligten nicht als das, was man von ihr erwartet hat...


Druck ablassen...

Im selben Jahr, in welchem die "The Purge"-Reihe auch als Fernsehserie fortgesetzt wurde, erschien auch der vierte Kinofilm zu diesem Thema, uns diesmal die Vorgeschichte der uns bekannten Ereignisse präsentierend. Dabei geht es weniger darum darzulegen, wie es gesellschaftlich zur ersten Purge kam, dieser Bereich wird nur gestreift, als viel mehr darum aufzuzeigen wie diese erste Nacht der Anarchie vonstatten ging. Mit dieser Entscheidung geht zwar einiges an Potential verloren, letztendlich ist es aber verständlich, dass man sich bei einer solchen Produktion dem Stammpublikum verpflichtet fühlt, welches schnell den Actionteil der Handlung vorgesetzt bekommen möchte. Dementsprechend muss man sich auch nicht wundern, dass auch der vierte Teil, wie bislang alle anderen auch, etwas arg naiv ausgefallen ist, durchdacht ist bei weitem nicht alles, und je mehr sich "The First Purge" dem Ende neigt, desto naiver wird er auch. Glücklicher Weise teilt er aber auch eine andere Gemeinsamkeit mit seinen Vorgängern: er ist mit heruntergeschraubten Erwartungen und ausgeschaltetem Kopf ein durchaus unterhaltsamer Streifen, den man sich ruhig als Ergänzung zum Rest einmal geben kann.

Die Idee einer Vorgeschichte zu einer bereits existierenden Film-Reihe ist längst Standard bei amerikanischen Produktionen. Und wo andere Reihen mit dieser Vorgehensweise oftmals Widersprüche und Ungereimtheiten produzieren, oder als Mogelpackung fungieren, in welcher nicht wirklich brauchbare Informationen einer Vorgeschichte vorhanden sind, da arbeitet "The Purge 4" (Alternativtitel) recht bewusst mit den Möglichkeiten, die eine Rückschau bietet. Zwar ist es nicht so, dass sich die zweite Regiearbeit des für die Webserie "The Twilight Zone" mitverantwortlichen Gerard McMurray in vielen Szenen nicht sonderlich von den Ereignissen vorangegangener Teile unterscheidet, gerade was "The Purge 2" und "The Purge 3" betrifft, aber sie sind da, die Gedankenansätze und Ereignisse einer wahren ersten Purge-Nacht. So ist der Blickwinkel interessant zu nennen, welchen der Film dadurch einnimmt, dass wir Zuschauer weit informierter über das hereinbrechende Ereignis sind, als es jegliche Figur des Streifens ist. Das nutzt man storytechnisch zwar auch für Überraschungen, wenn erwartete Elemente der Vorgänger (zunächst) nicht auftauchen, letztendlich lebt der vierte Teil aber von dem beunruhigenden Fakt, dass selbst die Gegner der Purge-Idee diese Nacht unterschätzen, und wir dies wissen. Besonders gut hat mir diesbezüglich der gedankenlose Umgang jener Leute gefallen, die an diversen Orten der Stadt eine Purge-Party feiern, nichts ahnend, dass man damit zum willkommenen Buffet für nach Blut lechzende Killer wird. Diese Idee empfand ich als eine der realistischsten des kompletten Filmes.

Da der politische Hintergrund von Teil zu Teil immer wichtiger wurde, wird er auch hier wieder eingebaut, kommt mir persönlich zwar ein wenig zu kurz, ist neben dem Hintergrund warum die Purge überhaupt stattfindet aber auch wichtiger Motor einer Wendung aller Geschehnisse. Wer glaubt die Regierung habe erst spät angefangen sich einzumischen, wie wir seit Teil 2 wissen, der wird sich wundern warum die Ereignisse in der Testnacht derart ausufern werden. Das ist im ersten Gedankenansatz eine folgerichtige Idee, zumal die an sich reißerisch dargebotene Reihe damit zumindest kurzfristig ein Zurückrudern aufblitzen lässt. Immerhin erzählt Teil 4 zunächst davon, dass die Bevölkerung bei weitem nicht so blutrünstig auf die Purge abfährt, wie von der Regierung erhofft. Mit diesem Umschwung der Geschichte geraten aber endgültig die Schwachpunkte des Streifens ins Zentrum, besonders unangenehm durch jenen Fakt auffallend, dass man glauben soll, dass halbstarke Kriminelle und Möchtegern-Gangster es ernsthaft mit professionell ausgebildeten Soldaten aufnehmen können - selbst im waffenfreien Nahkampf. Hier bröckelt die Glaubwürdigkeit nun etwas zu extrem, während gleichzeitig ein unsympathischer Charakter unpassend zum Helden transformiert wird. Zumindest hat der Wandel dieser Ereignisse auch ein paar augenzwinkernde Randerscheinungen zu bieten, so z.B. eine ungenannte Antwort auf die Frage, warum es in den Purge-Nächten später üblich wurde sich grotesk zu maskieren.

Dass sich "The Purge - The Island" (Alternativtitel) auch gucken lässt, wenn man keinen der Vorgänger gesichtet hat, ist für Neulinge eine tolle Sache, letztendlich wird aber ohnehin das Stammpublikum mit all dem bedient, wonach es lechzt, der Film bleibt Fan-orientiert. Das beraubt der Reihe zwar der Möglichkeit wahrer Vertiefungen seines Stoffes, ist aber nichts womit man ernsthaft in einem Teil 4 einer stets naiv erzählten, dem Unterhaltungswert zugewendeten, reißerischen Filmreihe gerechnet hätte. Somit bietet "The First Purge" übliches Grundlagenprogramm, welches zu dem ausgelutscht klingenden Ergebnis führt, dass jene, welche die Vorgänger mochten, auch hier zufrieden gestellt werden, und jene, die mit den Teilen 1 bis 3 nichts anfangen konnten, auch mit der dritten Fortsetzung nicht glücklich werden. Ich mag die Reihe, auch wenn ich immer wieder bedaure, dass sie nie ihr volles Potenzial ausschöpft, und freue mich dementsprechend auch auf die erste Staffel der TV-Serie "The Purge", in der Hoffnung, dass es trotz ihrer Existenz auch im Kino irgendwann mit der Filmreihe weitergehen wird.


Weitere Besprechungen zu The First Purge:


Trailer,   OFDb

IT CAME FROM THE DESERT (2017 Marko Mäkilaakso)


Zwei Jugendliche entdecken während einer Party in der Wüste ein verlassenes Forschungslabor eines mächtigen Konzerns und werden dort von einer Riesenameise attackiert. Schnell müssen sie feststellen, dass es von diesen Viechern eine ganze Kolonie gibt und die komplette Menschheit in Gefahr schwebt, wenn die beiden es nicht schaffen die mit Alien- und Tarantel-DNA aufgepeppten Riesenameisen zu töten...


Projekt Them...

Ich bin kein Fan von Computerspielen und kenne somit auch nicht die Vorlage dieser Videospielverfilmung, als Cineast kenne ich jedoch themenähnliche Werke, wie "Formicula" und "In der Gewalt der Riesenameisen", und deren Charme erlangt "It Came from the Desert" nie. Allerdings zählt er auch zu einer anderen Gattung Horrorfilm, steht hier doch die Action im Vordergrund, ohne je die Frage aufzuwerfen, ob einer der Helden bei den abverlangten Wahnsinnsaktionen sein Leben riskieren muss. Alles ist der Abfolge eines Videospiels verpflichtet, und somit läuft alles auf Tempo fixiert fern jeglicher Realitätsorientierung ab. Der Film soll ein Fest für Teenie-Träumer sein, visiert somit kein hohes Ziel an, und als solch flach angelegtes Produkt geht sein simples Ergebnis eigentlich in Ordnung, sofern man weder Innovation noch Einfallsreichtum erwartet. Jede Menge Motorcross-Action soll vor der Inhaltsleere ablenken, und wem diese Art Schauwert gefällt, der ist letztendlich im richtigen Film gelandet. Zwar schaut sich manche Szene wie aus "Arac Attack" entliehen, letztendlich ist Marko Makilaaksos Folgewerk seines "Yeti - Das Geheimnis des Glacier Peak" aber ohnehin nur zusammengepflücktes Stückwerk bereits bekannter Zutaten besserer Filme, also was soll's.

Eine Zeit lang arbeitet man verspielt mit Vergleichen aus "Alien" und "Jurassic Park", schenkt dem Film gar eine augenzwinkernde Vergleichsszene zum Videospiel, auf welchem er basiert, und versucht auch sonst auf simple Art mit Metaebenen zu arbeiten, letztendlich funktioniert dieser pseudo-selbstkritische, möchtegern-ironisch gemeinte Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten jedoch nur eine Zeit lang, bevor sich immer deutlicher bemerkbar macht, dass "It Came from the Desert" nichts eigenständiges zu bieten hat und nur von einem Szenario, welches es zu bewältigen gilt, zum nächsten hüpft. Da ein solches Szenario den Helden keinerlei Herausforderung abverlangt, die nicht bereits im nächsten Moment, meist durch Zufall, auf simplem Wege zu lösen ist, entsteht somit auch kein Mitfiebern mit den Figuren. Das Drumherum zwischen den zu erfüllenden Aktionen fühlt sich ziemlich leer an, zumal weder Figuren noch Situationen emotional ansteckend vertieft werden und somit alles eine theoretische Hülle bleibt. Zwar weiß der Trick mit der flotten Inszenierung zu funktionieren, so dass trotz bereits bekanntem Einerlei nie wirklich Langeweile aufkommt, letztendlich ist das Ergebnis jedoch zu austauschbar ausgefallen, als dass man irgendwem über 15 Jahren den Film ernsthaft empfehlen würde.

Auf schlichte Art funktioniert der Streifen des "War of the Dead - Band of Zombies"-Regisseurs jedoch schon, vorausgesetzt man geht mit wenig Erwartungen heran und ist mit einem höchst simplem Ereignis zufriedenzustellen. Einen gewissen Charme erreicht das Ergebnis durch kleine Bereicherungen wie jenem, dass das Projekt der Firma Them genannt wird (das war der Originaltitel des eingangs erwähnten 50er Jahre Riesenameisen-Films "Formicula"), und auch manch bierselige Komik weiß so gerade eben noch auf höchst flache Art zu funktionieren, komplett ohne Sympathie ist der Streifen somit nicht ausgefallen. Dem Jugendpublikum könnte das Ergebnis somit gefallen. Wem Filmerfahrenes wird die ganze Chose jedoch zu glatt gebügelt ausgefallen sein, präsentiert in zu lupenreinen Hochglanzbildern und die einzelnen geklauten Zutaten zu oberflächlich abgearbeitet dargeboten. Meiner Meinung nach ist auch die Hauptrolle falsch besetzt, da hätte ich mir schon jene Art Loser-Gesicht gewünscht, der man auch gönnt am Ende die attraktive heimlich Angebetete zu erobern. Aber da auch derartige Nebenhandlungen lediglich kalkuliert angegangen wurden, anstatt einfühlsam, verpufft derartiges Szenario in zu glatt polierter Art, wie der Rest des Ganzen, so dass eine andere Besetzung da nur wenig hätte retten können.


Weitere Besprechungen zu It Came from the Desert:


Trailer,   OFDb