16.01.2022

ERDBEBEN - FLAMMENDES INFERNO VON TOKIO (1980)

Ob nun aus Japan oder wie so häufig aus den USA macht keinen Unterschied. "Earthquake - Flammendes Inferno in Tokio" (Alternativtitel) ist ein geradezu typischer Katastrophenfilm unter vielen. Er vernachlässigt es fast schon Genre-verpflichtet Charaktere zu vertiefen, reichert die klassische Vorgeschichte des Warnenden, auf den niemand hören will, mit einer Beziehungsdramaturgie an (die es frei von Moral schafft einen Ehemann durch das Unglück zur Vernunft kommen zu lassen) und achtet im Hauptgeschehen auf möglichst viele Schauwerte, meist der reißerischen Art. In diesen Momenten macht "Die Hölle von Tokio" (Alternativtitel) tatsächlich auch am meisten Spaß, versprüht er mit veralteten, aber sympathischen Spezialeffekten doch einen wundervollen Retrocharme, indem er alles präsentiert was es zu der Zeit scheinbar an Möglichkeiten zu geben schien. Da werden Archivaufnahmen mit Studiotricks in Lebensgröße und mit Miniaturbauten gemixt. Da dürfen nicht nur Bauten zusammenbrechen, sondern auch Flugzeuge und Hubschrauber abstürzen, sich Menschen blutige Verletzungen holen, usw. Glaubt man erst der Film beschere uns ein Vorbeben, welchem das Hauptbeben folgt, so darf man überrascht sein, dass vom ersten Ausbruch der Katastrophe an das restliche Werk die Zerstörungsorgie zelebriert, wenn auch immer wieder unterbrochen von Heldentaten der wichtigsten Figuren und von feigen Taten und Dialogen anderer Personen. 

Auf geradezu klassische US-Art lässt dieser japanische Genre-Beitrag zudem jeden Bösewicht über den Jordan springen, scheinbar schielte man stark auf den internationalen Markt sechs Jahre nach dem US-Vorbild "Erdbeben" mit Charlton Heston. Dass sich die Geschichte von "Jishin rettô" (Originaltitel) oftmals arg sprunghaft schaut, gerade in den zwischenmenschlichen Entwicklungen, liegt nicht an möglichen mangelnden Fähigkeiten der Verantwortlichen des Streifens, sondern an der deutschen Kürzung, die aus einem 126minüter auf der hierzulande erhältlichen DVD einen 89minüter machte. Das nimmt "Death Quake" (Alternativtitel) sicherlich einiges von seiner ursprünglichen Qualität, allerdings zog sich das wilde Szenario für mein Gefühl bereits in dieser stark gekürzten Fassung zu sehr, so dass er phasenweise fast gelangweilt hätte. Ich war zumindest froh als endlich Schluss war, denn wie gesagt, eine fehlende halbe Stunde hin oder her, das Gesamtergebnis ist typische Genre-Routine, wenn für seine Zeit auch groß produziert, und da weiß das zu oberflächlich und banal geratene Füllmaterial die sich endlos anfühlende Zerstörungsorgie nicht förderlich zu bereichern und kurzweilig zum Ziel zu geleiten. Uninteressant ist "Magnitude 7.9" (Alternativtitel) jedoch nicht ausgefallen, Stammzuschauer dieses Filmbereichs könnten also zufriedener mit dem Ergebnis sein als ich es bin, zumal ich dem Bereich des Katastrophenfilms ohnehin nur gelegentlich Besuche abstatte.  OFDb