26.06.2022

BELPHÉGOR ODER DAS GEHEIMNIS DES LOUVRE (1965)

38 Jahre nach der Stummfilm-Version des Romans um das Phantom im Louvre, kam parallel zur in Deutschland noch immer erfolgreichen Edgar Wallace-Welle in Frankreich "Belphégor oder Das Geheimnis des Louvre" als Grusel-Krimi-Serie daher und lief, wenn man dem Pidax-DVD-Covertext Glauben schenken darf, zu seiner Zeit wohl recht erfolgreich. Wenn dem so ist, lässt sich das heutzutage nur noch schwer nachvollziehen. Zwar besitzt die Serie ihre Stärke im Schwarz/Weiß-Bild, gerade wenn sie nachts im leeren und düsteren Louvre spielt, und auch immer dann, wenn wir einen Blick auf das unheimliche Phantom werfen dürfen, aber all dies geschieht doch recht selten. Die (ebenfalls an den klassischen deutschen Grusel-Krimi seiner Zeit erinnernde) Figurenkonstellation aus Altherren-Kommissar, dem jungen, abenteuerlich agierenden Privatermittler, seinem zärtlich weiblichen Love Interest, ihrer Konkurrenz, die geheimnisvolle Verführerin und dem uns recht schnell bekannten Drahtzieher aller Geheimnisse, die es zu lüften gilt, weiß zu gefallen, so dass es nicht weiter stören dürfte, dass die Gruselmomente rar gesät sind. 

Aber so wirklich alternative Stimmung, die der Reihe Interesse am Krimi-Aspekt der Geschichte beschert, will nur bedingt aufkommen. Das liegt weniger an den nach und nach aufgedeckten Schichten der rätselhaften Ereignisse, bzw. nicht einmal daran dass sie trotz fantastischer Elemente stets viel zu weltlich bleiben, sondern viel mehr an der Struktur der Erzählung selbst. Wenn man ziemlich früh bereits erfahren darf, wie zerfahren sich das Ganze in seiner wirr zusammengewürfelten Chose guckt, darf man sich wundern, dass die Serie auf einem Roman beruhen soll. Ich kenne ihn nicht, aber die Reihe selbst besitzt allerhand Leerläufe, Randereignisse die ins Nichts laufen, unsensibel gesetzte Szenenwechsel auf die Erlebnisse der jeweils anderen für die Geschichte wichtigen Figuren und teilweise auch völlig unpassende Momente zum Einsatz des Abspanns. Das Miteinander ist mit Blick von heute oft nicht nachvollziehbar, und die Dialoge wirken mit ihrem Streifen von Philosophie in Alltagsgeschwätz, während man meist aneinander vorbei redet, oder umgekehrt das wirre Geschwätz des anderen sofort versteht,völlig weltfremd. 

Seine besten Momente besitzt "Belphégor" (Originaltitel) außerhalb seiner Gruselsequenzen eigentlich immer dann, wenn es abenteuerlich wird. Das reicht zumindest, um den Stammzuschauer bei Laune zu halten, während dieser merkt, dass es relativ wenig aufzudecken gibt, man aber angefixt genug ist die Auflösung, die manch einer sicherlich früh genug erahnt, erfahren zu wollen. Auf trivialer Ebene funktioniert die Reihe bei wenig Anspruch gerade eben so in ihrer verwässerten Lightversion, der heutige Retrocharme hilft dabei mit "Belphégor ou Le fantôme du Louvre" (Alternativtitel) nicht all zu hart ins Gericht zu gehen. Aber gut sieht anders aus, und letztendlich besitzt das Endprodukt zu viele Schwächen und zu viel wirr gehaltenen Leerlauf, als dass das tolpatschige Ganze noch als unterhaltsam gelten könnte. Außerdem muss mir mal wer erklären, warum ein junger Mann, abgesehen vom Aspekt des geheimnisvollen, sich exotisch anfühlenden Sexerlebnisses, sich mehr zur alten Zwielichtigen hingezogen fühlen sollte, als zur niedlich anzusehenden Jungen mit Einfühlungsvermögen und Charakter. 

Mit gerade einmal 13 Folgen bei einer Laufzeit von jeweils nur leicht über 20 Minuten lässt sich "Belphégor" als Fast Food-Schnellverzehr trotz all seiner Defizite bis zum Schluss schauen. Hilfreich stehen einem neben besagter Pluspunkte der sympathisch besetzte Kommissar zur Seite, der nur auf Film-Ebene funktionierende Abenteurer-Aspekt des Studenten und manchem Geheimnis, das zu lüften interessant genug ausgefallen ist.  OFDb