18.08.2022

DIE MUNCHIES (1987)

Als "Gremlins - Kleine Monster" ein großer Erfolg wurde, und der in deren Fahrwasser entstandene "Critters" ebenfalls ordentlich abkassierte, da wollte der berüchtigte B-Movie-Produzent Roger Corman auch etwas vom Geldkuchen abhaben. Also finanzierte er "Munchies" (Originaltitel), beauftragte für die Regie die Debütantin Tina Hirsch, die danach nie wieder einen Film drehen sollte, und bekam den in den USA halbwegs bekannten Harvey Korman, der öfters mit Mel Brooks zusammen gearbeitet hatte, für die Rolle des Schurken besetzt. Ein Komödiant war wichtig, den Corman schwebte eine Komödienversion des Themas um kleine Killermonster vor, und so wurde aus dem Projekt mittels überdrehter, knallbunter und idiotischer Momente ein ziemlicher Klamaukfilm. 

Da die kleinen Monster bis auf diverse Schießübungen auf Menschen am Rande eher auf Jugendstreiche-Niveau tätig sind, geht das Genre Horror in dieser Rezeptur ziemlich unter. Und da weder das Drehbuch mit einer halbwegs durchdachten Geschichte arbeitet, noch tatsächlich funktionierende Komik vorweist, ist aus dem reizvoll klingenden Projekt doch eher ein mageres Stück Film geworden. Die "Critters" strahlten eine echte Bedrohung aus, und die "Hobgoblins" waren zumindest derart schlecht inszeniert, dass sie als unfreiwillig komischer Trash trumpfen konnten. "Die Munchies" hingegen kann nur von einem sehr wohlwollenden Publikum konsumiert werden. Aber mit gnädigem Blick zeichnen sich zumindest ein paar blasse Trümpfe ab. Zum einen steuert Corman des öfteren arg groteske Momente an, z.B. wenn er Zwerge zu Zirkusmusik im Burgerladen arbeiten lässt, oder eine Oma sich per Sylvesterknaller und Gewehr gegen Straßenrowdies zur Wehr setzt. Auch der herrlich tuntig agierende Korman hat seine Momente, und kleine politische Abrechnungen, meist in den deutsch untertitelten, seinerzeit in der VHS-Fassung entfernten, Szenen zu erleben, wissen als kleine Sprüche am Rande ebenfalls zu gefallen. 

Weit weniger weiß der Polizeijüngling zu überzeugen, geschweige denn die wenigen Verbeugungen vor dem finanzstarken Popkornkino, mehrmals freilich "Gremlins" betreffend (man achte nur auf ein Nummernschild oder eine Zeitungsüberschrift) und einmal die Fingerszene aus "E.T." parodierend. Das Ganze würde sich in seiner verzweifelten Art etwas charmanter angucken, wenn der Ursprung und das Treiben der Munchies etwas sinnvoller ausgefallen wäre. Aber warum der erste nie wieder freundlich wird, warum er lebendig am Fundort herumgeistert, warum das Wesen für jeden derart selbstverständlich ist, auf Frauenkörper abfährt, oder auch warum irgendwer auf die Idee kommen sollte einen Munchie zu zerteilen (was trotzdem zweimal geschieht) bleibt der Film alles dem Zuschauer als Erklärung schuldig. Klar, aufgrund des Extremklamauks, der eher eine alternative Idiotenwelt anstatt die unsere aufzeigt, mag das im hier gezeigten Alternativkosmos keine Rolle spielen. Der Zuschauer aber lebt nun einmal in dieser Welt und hätte in einer derart simpel ausgefallenen Trivial-Chose doch einen Hauch mehr an Zusammenhang und Sinn benötigt. 

Die deutsche Synchronisation war sich des zweifelhaften Ergebnisses bewusst, und so fällt das Ergebnis diesbezüglich trotz professioneller Sprecher extrem schrill und dümmlich aus, passend zum Film, zugegeben, aber eben doch eine Spur zu nervig. Ob "Die Munchies" erfolgreich lief, weiß ich nicht. Corman schob zumindest zwei Fortsetzungen hinterher, veränderte aber, ähnlich wie Charles Band mit seinen "Ghoulies", das Prinzip der Reihe. Während Band austauschbare Horror-Dämonen zu einem "Gremlins"-Verschnitt für einen Teil 2 umfunktionierte, machte Corman aus seinem eigenen "Gremlins"-Verschnitt in den 90er Jahren das Schmusemonster "Munchie" für den Bereich der Familienunterhaltung, ein wenig vergleichbar mit der Entwicklung von Fusseltomaten von "Die Rückkehr der Killertomaten" zu "Die Killertomaten schlagen zurück".  OFDb