DER WERWOLF VON WASHINGTON (The Werewolf of Washington 1973 Milton Moses Ginsberg)


Kurz bevor er den Job als Pressesprecher im Weißen Haus annimmt, wird Reporter Jack in Ungarn von einem Werwolf attackiert. Da er das Erlebnis überlebt, wird er in Washington angekommen nun selbst bei Vollmond stets zum Werwolf...


Auf politische Gehirnwäsche hoffend...

In Anlehnung an den Filmtitel "Der Werwolf von London" präsentierte Autor und Regisseur Milton Moses Ginsberg, der mit diesem seinem zweiten Film auch gleich seinen letzten ablieferte, mit "Der Werwolf von Washington" eine komödiantische Variante des Werwolfthemas, aufgrund des Spielortes freilich mit politischen Seitenhieben versehen. Das Produkt soll ein Horrorfilm und Komödie in einem sein, der Streifen wird somit kein "Liebe mit Biss" oder "Teen Wolf", dafür ist der Humor auch großteils zu nüchtern vorgetragen. Hin und wieder grenzt er jedoch auch an Klamauk, subtiler freilich eingebracht, kein "Police Academy" werdend, aber doch auf trockene Art mit etwas arg albernem Touch versehen. Da kann der Horrorgehalt nicht wirklich wirken, und ein Werwolfkostüm, welches während der attackierenden Szenen und jenen der Verwandlung heutzutage nicht einmal mehr einen 10-jährigen erschrecken würde, ist auch nicht gerade hilfreich bei der Unterstützung unheimlichen Feelings.

Das liegt aber auch an der zu banalen Regieführung und Erzählweise, die uns Jack nie wirklich nahe bringt, innere Prozesse überschlagend präsentiert, und Jack nie wirklich bedrohlich oder mitempfindbar verzweifelt wirken lässt. Allerdings kann im letzten Punkt auch die deutsche Synchronisation täuschen, ist die Stimme der Hauptfigur doch selbst in ernster Betonung etwas arg sonderbar ausgefallen, wirkt grundsätzlich witzig und damit zu aufdringlich für einen Film, der sein humoristisches Anliegen eher dezent einsetzen möchte. In einer Gewichtung beider Genres, die nichts Halbes und nichts Ganzes abliefert, und bei der man durch die oftmals zu stümperhafte Umsetzung in eigentlich routinierter Inszenierung nicht immer weiß ob gerade Gezeigtes ernst oder witzig gemeint sein soll, kommt "The Werewolf of Washington" (Originaltitel) ohnehin in allen Bereichen zu weichgespült daher. Als Horrorfilm ist er nicht düster genug ausgefallen, als Politsatire zu zahm daherkommend, als Komödie ist er nicht witzig genug. Diese drei Faktoren sind das Dilemma eines Streifens, den man aufgrund seiner unangepassten Bemühungen sympathischer finden möchte, als er ausgefallen ist.

Letztendlich hat mich das Ergebnis gelangweilt, war es in seiner zu zahmen Art, gerade humoristisch gesehen, doch noch weit entfernt vom gewagten Grundton, den John Landis in den 80er Jahren mit "American Werewolf" erreichen sollte, trotz zurückgeschraubter Anarchohaltung im Vergleich zu seinen 70er Jahre-Werken und ebenfalls auf den 30er Jahre Filmklassiker im Titel verweisend, so wie der hier besprochene Film. Der Möglichkeiten, gerade aufgrund der Arbeit im Weißen Haus, politisch treffsicher vorzugehen, gab es viele. Ob nun für wahnsinnig gehalten oder als Werwolf geoutet, beide Möglichkeiten hätten das Weiße Haus in seinem Drang nach Außen korrekt zu wirken, als manipulativ und Verbündete verstoßend entlarven können. Nichts davon geschieht. Meist orientiert man sich am Standardrezept des Werwolf-Themas (Halte Dich von mir fern, töte mich, ...), und selbst da wirkt der Film, der in seinen modernen Bemühungen zu inkonsequent ausgefallen ist, ziemlich altbacken, zumindest mit Blick heutiger Sehgewohnheiten. Kurze Anflüge treffsicherer Gedankengänge, wie die Hoffnung es aufgrund der Symptome anstatt mit einer Werwolftransformation mit einer politischen Gehirnwäsche zu tun zu haben, lockern das zu durchschnittliche Geschehen ein wenig auf, sind aber zu rar gesät, um "Der Werwolf von Washington" zumindest anspruchslosen Vielsehern nahezulegen.


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NECROPHILE PASSION (2013 Tom Heidenberg)


Ein Mann stößt während eines Waldspaziergangs auf eine nackte, blutüberströmte Frauenleiche. Anstatt die Polizei zu rufen, nimmt er sie mit nach Hause und vergeht sich an ihr. Das Erlebnis lässt den ohnehin schon psychisch labilen, isoliert lebenden Mann über sich und seine Vergangenheit nachdenken...


Zuvorgekommen...

Zur Thematik der Necrophilie gibt es mittlerweile eine erstaunliche Anzahl an Filmbeiträgen, nicht nur verteilt auf das Horror-Genre. Buttgereits Tabu-brechendes Original "Nekromantik" diente dem hier besprochenen Film als Vorbild, nicht nur aufgrund seiner Amateurfilm-Herkunft, auch orientiert am psychologischen Umgang und an der doch recht stark übereinstimmenden Handlung. Was wirklich Neues hat Tom Heidenberg mit seiner ersten Regiearbeit nicht abgeliefert, die direkten Bilder, die sein Werk liefert, sind allerdings wirklich schwer verdaulich, kein Wunder, ist sein Streifen doch ein Undergroundfilm für ein sehr spezielles Publikum, dem nichts mehr so leicht den Magen umdreht. Sich freizügig zeigende, mutige Darsteller sorgen für ein möglichst realistisches Agieren im sexuellen Bereich, zwei Arten von Leichen, die eine frisch, die andere vermodert, lassen die Art der Provokationen auf verschiedenen Ebenen zu.

Leider geht es kaum um mehr, als um Provokation. "Necrophile Passion" ist ein reißerischer Film, der beim Sexualakt auch stets Blut eine wichtige Rolle spielen lässt und ständig um Schauwerte bemüht ist, freilich auch nackter Natur. Zwar versucht man der Rolle der für einen Amateurschauspieler gar nicht schlecht agierenden Hauptfigur einen tragischen, analytischen Hintergrund zu bescheren, doch fehlt es den Verantwortlichen des Streifens an wahrer Empathie. Was sie hierzu abliefern ist keinesfalls tiefgründig, berührend und nachvollziehbar. Stattdessen wirkt die Psychologie zu gewollt, zu bedeutungsschwanger, einfach zu sehr nach Hausfrauen-Psychologie, eben das was heraus kommt, wenn man sich ohne Einfühlen in die Thematik fragt was einen zu solch einem Verlangen ziehen mag, bzw. woher die Veranlagung für eine derartige Grenzüberschreitung herkommen mag.

Auch wenn dies in seiner Dramaturgie nicht glaubwürdig erscheint, für einen reißerischen Undergroundfilm geht auch das in Ordnung, verleiht es dem sauber abgefilmten Werk doch wenigstens etwas Mehrwert, so dass man nicht einfach nur Sexualprovokationen und Blut vorgesetzt bekommt. Dass sich "Necrophile Passion" auch in den selbstquälenden Szenen des Protagonisten nicht dröge guckt, obwohl dieser oft nur herumsitzt und einer fremden Stimme in seinem Inneren lauscht, liegt neben dem brauchbaren Schauspiel Günther Brandls an der passenden Musikuntermalung, die nicht so plump ausgefallen ist, wie im Amateurfilmbereich üblich. Einen wahren empathischen Touch fehlt auch ihr, das Ergebnis der stilleren Lieder ist noch immer einen Hauch zu dahingedudelt, aber der Stil geht in die richtige Richtung. Die Vor- und Abspannmusik ist im Vergleich gelungener ausgefallen, insgesamt weiß aber ohnehin der komplette aus vier Liedern bestehende Soundtrack das Gezeigte treffend zu untermalen.

"Necrophile Passion" mag nichts Besonderes im Meer deutschsprachiger Amateurfilme sein, eben auch weil es bereits "Nekromantik" gibt, erfreulicher Weise ist er aber nicht so dahingeschludert ausgefallen wie manch andere Hobby-Beiträge, Bild und Ton wissen zu gefallen, und durch das Fehlen langweiligem, ewig anzuschauenden Gemetzels, wie für den Undergroundbereich eigentlich üblich, macht das erfreuliche, nur 50 Minuten lang laufende Ergebnis für Freunde abartiger Grenzerfahrungen auch relativ Spaß. Ein ernstzunehmender Beitrag dieser verstörenden Thematik ist er in seiner zu reißerischen und psychologisch oberflächlichen Art jedoch nicht. Dafür guckt sich das Ergebnis dann doch zu bemüht. Dass er sich trotz ernster, staubtrockener Umsetzung jedoch selbst nicht bis zur letzten Konsequenz all zu ernst nimmt, beweist der Streifen mit seiner augenzwinkernden, schwarzhumorigen Schlusspointe, die endgültig beweist, dass psychologische Glaubwürdigkeit nicht zu den Talenten der hier Verantwortlichen zählt. Unabhängig davon hat mit der Schluss jedoch gefallen.


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DIE NÄCHTE DER WÜRGERIN (Cat Girl 1957 Alfred Shaughnessy)


Leonora mag ihren Onkel nicht und bittet deswegen ihre Freunde sie zu begleiten, als dieser sie aufgrund von Erbschaftsvorbereitungen auffordert ihn zu besuchen. Er offenbart ihr etwas von einem ominösen Familienfluch, in welchem sein Haustier, ein Leopard, eine wichtige Rolle zu spielen scheint. Kurz darauf stirbt er, und Leonora fühlt sich verändert...


Mit Deinem Haustier auf Du... 

Auch wenn sie thematisch in eine andere Richtung schwenkt, so ist doch nicht zu übersehen, dass die britische Produktion "Die Nächte der Würgerin" von dem 15 Jahre zuvor entstandenen amerikanischen Horrorfilm "Katzenmenschen" inspiriert wurde, und allein schon aufgrund des Fehlens des dort so wertvollen analytischen Aspekts kann Alfred Shaughnessys Werk diesem so gar nicht das Wasser reichen. Stumpfer kommt er daher, verworrener, nicht wirklich durchdacht erscheinend, was ihn im Gegensatz zu seinem Vorbild eher zum schlichten Werk seiner Gattung macht, anstatt zu einem großen Genre-Beitrag.

Nun bietet uns der Horrorbereich jede Menge derart geprägte Ergebnisse, die sich vom Unterhaltungswert jedoch angenehm von den tatsächlich missglückten Streifen ihrer Art unterscheiden, doch zu solch einem Produkt will "Cat Girl" (Originaltitel) ebenfalls nicht werden. Hierfür schafft es Shaughnessy, dessen hier besprochenem Debüt lediglich zwei weitere Filme folgen sollten, einfach nicht eine spannende, düstere und/oder dichte Grundatmosphäre zu schaffen, die das zu belanglose tatsächliche Treiben ein wenig auffangen könnte. Positiv fällt auf, dass die Hauptfigur nicht sympathisch gezeichnet ist, und die Beziehung in der sie sich befindet alles andere als harmonisch und durchschnittlich zu nennen ist. Stößt diese ungewöhnliche Hauptfigur auf den schrulligen Butler und ihren Onkel mit unfreundlichem Auftreten und ungewöhnlichem Haustier, besitzt "The Cat-Woman" (Alternativtitel) nach banaler Anfangsphase zumindest einen gewissen skurrilen Touch. Die simplen Attacken auf schwache Nerven mittels des Raubtieres und anderweitige maue Versuche dem Zuschauer mit schlichten Mitteln Angst und Unbehagen zuzuführen, rücken jedoch zu gewollt in den Vordergrund und bieten den ominösen Elementen somit zu wenig Raum, um grotesk genug faszinieren zu können.

Begreift man erst einmal, dass das Ergebnis wesentlich gewöhnlicher ausgefallen ist, als es (ohnehin viel zu banal abgefilmt) bislang schien, wird dem Streifen nun auch die verworrene Art zum Verhängnis, mit welcher er es einfach nicht schafft uns die Umstände, in denen sich die Hauptrolle befindet, erklärbar zu machen. Das beginnt mit wenig aufklärenden Worten des Onkels seiner Nichte den Fluch bezüglich gegenüber, mit welchen niemand auf das was kommt vorbereitet wäre, und das endet mit einem unausgegorenen Blick auf die Frage ob Leonora nun ein Katzenwesen ist, lediglich per Gedankenkraft den Jaguar lenkt, oder einer familiär ansteckenden Geisteskrankheit unterliegt. Eine Zeit lang mag diese offene Frage dem mauen Film noch einen halbwegs funktionierenden Motor liefern, ernüchternd stellt man jedoch fest, dass der Weg zum Ziel weder aufregend, noch befriedigend auflösend ausgefallen ist. Verhängnisvoll kommt dem Gesamtergebnis zusätzlich noch die zu sprunghafte Entwicklung seiner Protagonistin in die Quere, welche der Glaubwürdigkeit des Stoffes und dem ohnehin schwer zu findenden Zugang zur Filmrealität ein weiteres Beinchen stellt. "Die Nächte der Würgerin" fehlt es an qualitativen, wie quantitativen Schauwerten um zu gefallen, und selbst aus nostalgischer Sicht ist das Ergebnis zu belanglos ausgefallen, als dass man es, bei all der vorhandenen interessanteren Konkurrenz, ernsthaft wem Filminteressiertes ans Herz legen könnte.


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ZOMBIE DEATH HOUSE (Death House 1987 John Saxon)


In einem Hochsicherheitsgefägnis wird mit den Insassen mittels eines ungetesteten Serums herumexperimentiert. Vietnamveteran Derek, der den Mord an seiner Freundin von einem Mafiaboss in die Schuhe geschoben bekam, sitzt erst kurz dort ein, da bricht plötzlich aufgrund der illegalen Forschung eine Seuche aus, und die menschlichen Versuchskaninchen verwandeln sich in gewaltbereite Bestien...


Damit sie für etwas wertvoll sind...

Mit "Zombie Death House" hat John Saxon, Nancys Vater aus "Nightmare - Mörderische Träume", sein Regie-Debut abgeliefert, und es sollte seine letzte Tätigkeit in diesem Feld bleiben. Das ist verständlich, wenn man sich das Ergebnis dieses eigentlich reizvoll klingenden Stoffes angesehen hat. Nun geht einiges Missglücktes auch auf das Konto der drei Drehbuchautoren, immerhin ist die Chose zur Kosteneinsparung unglaubwürdig ausgefallen, vieles ergibt keinen Sinn, und der simple Plot wird unnötig umständlich erzählt. Aber die dröge Umsetzung, das Fehlen der Gesamtübersicht, die unnötigen Wiederholungsschnitte zu Beginn, und das dort unübersichtliche Treiben, vernachlässigt aufgrund in den Vordergrund gerückter, zu aufgesetzter Actionszenen, zeigen neben unbrauchbarer Schauspielführung, dass der liebenswerte B-Darsteller in seinen sympathischen Schmuddelfilmchen als Darsteller besser aufgehoben ist, als auf dem Regiestuhl.

Die recht nett zurecht gemachten mutierten Amokläufer sind zu wenige an der Zahl und zu selten zu sichten, als dass deren Treiben die lahme Umsetzung etwas angenehmer beeinflussen könnte, und die Goreeffekte gehen zwar in Ordnung, sind aber nicht halb so extrem ausgefallen wie das was die Filmfiguren über die Geschehnisse äußern. Der Hauptdarsteller weiß nicht zu wirken, den Vietnamveteran kauft man ihm ohnehin nicht ab, und es ist lächerlich dass er auf den Erinnerungsfotos von dort bereits seine mittellangen Haare hatte. Derartige unfreiwillige Witzigkeiten sind leider ebenfalls rar gesät, zur Trashperle verkommt "State Prison" (Alternativtitel) somit leider nicht. Dabei würde gerade das versteifte Spiel vieler schlecht Besetzter hierzu beitragen. Wie verkrampft hier Prügeleien stattfinden, anderweitige Choreographien u.a. durch zu langsames Umsetzen, missglücken, oder im Falle der blonden Wissenschaftlerin bereits das Agieren in Form von verkrampftem Stehenbleiben nach ihren aufgesagten Sätzen innerhalb der selben Szene negativ auffällt, ist wahrlich ärgerlich zu nennen, auch für einen simplen, kleinen B-Movie, der kein großes Kino sein möchte.

Die ersten 20 Minuten werden mit einer zu ausführlichen Vorgeschichte verplempert, in welcher eindimensionale Figuren eindimensional bleiben, Unnötigkeiten erzählt werden, bereits Gewusstes noch einmal verdeutlicht wird und an sich nur reißerische Sehwerte wie Nacktheiten und Verfolgungsjagden präsentiert werden, wahrscheinlich weil sie auf diese Weise im Handlungsort Gefängnis angekommen nicht mehr einzusetzen sind. Off-Kommentare, um überhaupt mit der zu ausführlich ausgefallenen Vorgeschichte mitzukommen, sprunghafte Handlungsabfolgen und anderweitiger Mist zeigen auf, dass selbst das unnötig gestreckte Vorgeschehen noch zeitlich eingedämmt wurde, um irgendwann endlich mit der Hauptgeschichte zu beginnen. Mich würde es nicht wundern, wenn da erst im Nachhinein getrickst wurde und viele fertiggestellte Szenen entfernt und zurechtgestutzt werden mussten, um die Eingangsphase zeitlich nicht noch extremer auszureizen. Leider ist auch mit Ankunft im Gefängnis weiterhin das große Warten angesagt. Hier versagt auch der relativ häufig anzutreffende humoristische Grundton, wenn es um die Schwulitäten der ein Leben lang Einsitzenden geht.

Kurzum zeigt uns "Death House" (Originaltitel) nichts was uns gelungene Mutanten- und Zombiefilme zuvor, sowie Stallones "Lock Up" zwei Jahre später, besser vorgesetzt haben. Saxons Werk weiß nicht was es wirklich sein will, ist für einen Fun-Horror zu ernst ausgefallen, für einen guten Genrebeitrag zu schluderig und für die kleine Unterhaltung zwischendurch zu dröge. Hier wird der in den Spät-80ern noch vorhandene trockene Erzählton, der meist zu gefallen weiß, zu einem mörderisch langweiligen Stilmittel. Und der leichte Anflug analytischer Raffinessen (Zum Tode Verurteilte Mörder werden ironisch gemeint zu mordenden Bestien, Gefangene werden zu den Guten, wohingegen das Militär böse Absichten tätigt und dabei das Volk in Gefahr bringt, anstatt es zu beschützen, durch Überspitzung verschiedene Formen des Strafvollzugs als Experimentieren mit Gefangenen zu kritisieren, die Verschlechterung im Verhalten der Häftlinge hervorheben, anstatt dass eine Verbesserung des Sozialverhaltens stattfindet...) wirkt nie intellektuell sinnvoll oder überzeugend vorgetragen und ist an mancher Stelle vielleicht auch eher Zufall anstatt beabsichtigtes Einbringen. "Zombie Death House" klingt theoretisch nach einem netten, kleinen Happening für zwischendurch, ist aber guten Gewissens jedem Freund der 80er Jahre Videothekenfilmchen von abzuraten.


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PUPPET MASTER 11 - AXIS TERMINATION (Puppet Master: Axis Termination 2017 Charles Band)


Zwei Gruppen paranormal begabter Menschen, eine auf der Seite der Amerikaner, die andere auf jener der Nazis, kämpfen mit ihren übernatürlichen Kräften und dem Einsatz von Killerpuppen um eine altertümliche Schriftrolle, mit welcher man ein Lebenselixier erschaffen kann...


Endlich im Einsatz...

Ein Jahr bevor Fangoria mit "Puppet Master 12 - Das tödlichste Reich" ein Splatterfest entfachte, lieferte Charles Band seinen letzten Beitrag der von ihm erschaffenen Reihe ab, und toppt mit dieser vom Blutgehalt her all die Vorgänger, die unter seiner Produktion entstanden sind. Mag der Hauptteil des Streifens, der die Axis-Trilogie innerhalb der langlebigen Reihe beendet, auch das typische kostengünstige Hinhalten mit viel Geschwätz sein, wie es sich für einen Full Moon-Film gehört, so holen die Puppen im Finale doch all das nach, was dem Fan in manchem Teil oft vorenthalten wurde. Hier dürfen sie fleißig schnitzen, zerquetschen, Blutegel absondern, schießen und bohren. Auch ihre in "Puppet Master 10 - Axis Rising" erschaffenen Puppengegner kommen hier endlich zum Einsatz, wohingegen sie im Restfilm lediglich gelegentlich eingeblendet und einmal halbherzig eingesetzt werden. Neue Killerpuppen hat "Puppet Master 11 - Axis Termination" nicht zu bieten, weder auf der Seite der Guten, noch auf jener der Bösewichter.

Band gönnt sich lediglich eine Spielerei auf der Seite der positiv besetzten Schurken, darf doch eine untergebene Nazischlampe, typisch Bands skurrile Filmwelt, eine Spritzenhand besitzen, die sie gerne zum Einsatz bringt, was sie zu einem herrlichen Puppenersatz macht. Vielleicht soll aufgrund ihres strengen Tussiauftretens auch die Doppeldeutigkeit des Wortes Puppe hervorgehoben werden, keine Ahnung, Band denkt eigentlich nie um die Ecke, zumindest nicht ohne ganz direkt darauf zu verweisen, aber zu gefallen weiß diese eigentlich unnötige Spielerei definitiv. Freilich muss man sich im Vorfeld wie gehabt damit abfinden, dass alles sehr kostengünstig mit wenig Menschen an wenig Orten abgefilmt ist. Mancher Puppenmoment mag besser als bisher getrickst sein, für das Jahr 2017 ist das Niveau der Spezialeffekte trotzdem übel zu nennen. Man muss mit der Handschrift Bands sympathisieren, und die ist mit dem Finale der Trilogie glücklicher Weise wieder ebenso enthalten, wie im direkten Vorgänger. Der Start mit "Puppet Master 9 - Axis of Evil" war hingegen nicht typisch Band charmant ausgefallen. Stammzuschauer von Full Moon werden also ordentlich bespaßt, der Rest wird entweder zukünftiger Stammzuschauer, oder am infantilen Getue einer blödsinnigen Produktion verzweifeln.

Die menschlichen Figuren des Vorgängers treten nur zu Beginn des Filmes auf, um auch direkt sterben zu dürfen. Das ist besonders schade aufgrund des zwielichtigen Wissenschaftlers zu nennen, der mit seinem Wissen nun heimlich weitere Killerpuppen unabhängig von den Nazis hätte kreieren können. Vielleicht liegt es daran dass zwischen dem Mittelteil und dem hier besprochenen Schluss der Trilogie ganze fünf Jahre lagen und das Projekt somit nicht wie ursprünglich geplant beendet werden konnte. Aber da Band ohnehin ein Billigfilmer sondergleichen ist, verwundert einem das Neumischen der Karten nicht wirklich, wer weiß ob er überhaupt fünf Jahre zuvor einen Plan für eine Fortsetzung hatte. Der Typ macht halt einfach immer irgendwie weiter, seine Produktionsfirmen ebenso betreffend wie seine Filme.

Der Neuansatz erlaubt es ihm in seinem letzten Teil der Reihe noch einmal das Umfeld des Erstlings "Puppetmaster" aufzugreifen, in welchem sich ebenfalls medial veranlagte Menschen trafen. Hier kämpfen nun zwei dementsprechende Gruppierungen gegeneinander, stets Zauberkräfte a la "Rexosaurus" demonstrierend, um von dem Umstand abzulenken, dass eigentlich nichts wirklich passiert, damit aber auch direkter den Bereich der Fantasy streifend, als für diese Horrorreihe eigentlich üblich ist. Zu Begegnungen zwischen den beiden Fronten kommt es fast nie, Hinhalten ist lange Zeit angesagt, wenn auch nicht auf die öde Tour. Und das Finale weiß dann, wie erwähnt, für alles zu entschädigen, hier geht die Post ab, hier bekommt der Fan der Reihe noch einmal alles geboten, was die schlichten Killerpuppen leisten können. Von nun an wird die Reihe in den Händen anderer Filmemacher sein. Aber ich glaube das wird der stets zu schlicht ausgefallenen Serie tatsächlich gut tun, auch wenn ich eigentlich mit dem Vieldreher Band sympathisiere.


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BLOOD LAKE - KILLERFISCHE GREIFEN AN (Blood Lake - Attack of the Killer Lampreys 2014 James Cullen Bressack)


Der Lake Michigan beheimatet kaum noch Fische. Dafür hat die Parasitenart der Lampreys gesorgt, die fortan Menschen attackiert...


Überall wo Wasser ist...

Von der Produktionsfirma The Asylum, die immer wieder Schnelldrehs für den TV Sender SyFy vornimmt, ist man, meist ein Kinovorbild billig variierend, zwei Arten Film gewohnt. Entweder sie liefern ein groteskes Ergebnis a la "Mega Piranha" und "Sharknado" ab, oder Langeweiler wie "Alien vs. Hunter" und "Transmorphers". Mit "Blood Lake" (Alternativtitel) haben sie einen überraschend konventionellen Tier-Horror abgeliefert, der den üblichen Mustern seit der 70er Jahre Tierhorror-Welle folgt, wenn an Tempo auch reichlich aufgedreht, wie es die Ungeduld des Publikums im Entstehungsjahrzehnt geradezu fordert. In den Methoden, die zur Beschleunigung der Geschichte vorgenommen wurden, liegt dann auch der einzige Unterschied und entscheidende Schwachpunkt, der das Produkt dennoch nicht gleiches Niveau wie der Durchschnitts-Tier-Horror werden lässt: die Geschichte geht zu sprunghaft vor. Wo andere Werke von mehr Tagen berichtet hätten, um passieren zu lassen was passiert, da springen die Entwicklungen hier stündlich vorwärts, was das Geschehen selbst für diese Gattung Film extremst unglaubwürdig macht.

Nicht nur dass die Lampreys plötzlich überall sind, sie sind es auch nur da wo der Regisseur es gerade benötigt. Das sorgt für ein Ungleichgewicht der Geschehnisse und gleichzeitig undurchdacht dafür, dass auf der einen Seite das Chaos hereinbricht, auf der anderen Seite zu harmlos und alltäglich agiert wird, als dass es der sprunghaften Entwicklung gerecht werden könnte. Dennoch kommt "Blood Lake - Blutsauger aus der Tiefe" (Alternativtitel) ansonsten entspannt normal daher, schaut sich gerade in seiner ersten Hälfte wie der typische, durchschnittlich angenehme Tier-Horror, der leicht zu animierende Aggressoren präsentiert, so dass das Aussehen der attackierenden Spezies weder zu begeistern weiß, noch zum schimpfen einlädt. Tückisch sind sie, das macht die Story aufgrund ihrer extremen Aggressivität so unterhaltsam, so dass man lange Zeit einmal nicht auf unterirdischem Niveau von The Asylum unterhalten wird. Das Ergebnis mag schlicht sein, mit viel Luft nach oben, aber es bereitet dem Freund schlichter Genre-Beiträge Freude. Zur zweiten Hälfte, wenn der zu offensichtliche Unfug Einzug nimmt, da das Drehbuch alles überstürzt, lässt dieses positive Feeling nach, jedoch unterhaltsam genug bleibend, um lediglich ständig die Augen zu verdrehen, nicht aber weil das Gezeigte nun eine zähe Umsetzung erhalten würde.

Der eingekaufte Prominente Christopher Lloyd spielt leider lustlos mit, lässt sein aufgedrehtes Engagement, für das man ihn einst liebte, links liegen, kommt aber ohnehin zu selten vor, als dass seine Nennung im Vorspann seiner Präsenz gerecht werden würde. Dennoch war es nett einmal zu sichten, wie er mittlerweile aussieht, so dass ich mich dennoch über seine unnötige Anwesenheit gefreut habe. Im Bereich des Unsinnsgehaltes des Streifens darf sich eine Eigenschaft wiederfinden, die den "Ghost Shark" zu einem solch wundervollen Film gemacht hat: die Lampreys greifen stets dort an wo Wasser ist. Das muss nicht nur der See, ein Abwasserkanal oder die vollgelaufene Badewanne sein. Ein betätigter Wasserhahn, das Klo oder eine vom Regen gewässerte Straße reichen bereits aus, um die unangenehmen Viecher an der Backe zu haben. So gut zu funktionieren wie im Hai-Horror weiß das nicht, eben weil die Glaubwürdigkeit etwas zu extrem unter diesen Bedingungen leidet, dem flotten Tempo kommt es jedoch zugute, zumindest in jenen Momenten, in welchen diese Ausgangslage zu den dementsprechenden Konsequenzen führt. Freilich dürfen Ausnahmen die Hauptfiguren betreffend wieder einmal in ihrer geringen Wahrscheinlichkeit verärgern, zumindest jene Menschen, die sich etwas zu sehr mit solch einem Schnellschuss-Produkt auseinander setzen. Da hat der Zuschauer oftmals mehr Ansprüche an solch ein Werk als die Verantwortlichen solcher Streifen selbst, also legen wir über alles weitere besser den Mantel des Schweigens. Ich denke als Leser dieses Textes kann man nun einordnen, ob "Blood Lake - Killerfische greifen an" mit seinem simplen, arg geistfreien Ergebnis in seiner Kurzweile für einen etwas zum möglichen Anschauen ist oder nicht.


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PHANTOM RACER (2009 Terry Ingram)


Seit er einen Rennfahrunfall verschuldet hat, der einem befreundeten Kollegen das Leben kostete, fährt J.J. nur noch Trucks. Als er kurz vor seinem Heimatort eine Panne hat, kehrt er für einen kurzen Besuch heim. Einer seiner ehemaligen Mitarbeiter präsentiert ihm das kürzlich fertig gewordene restaurierte Unglücksauto von einst, und dieses macht sich in der Nacht selbstständig, gelenkt vom Geist dessen der in ihm starb, um Rache zu nehmen. J.J. erkennt dies zuerst, aber freilich glaubt ihm niemand. Stattdessen wird er für die Polizei zum Hauptverdächtigen der Mordreihe...


Rasender Wüterich...

Der für das amerikanische TV fertiggestellte "Phantom Racer" versucht sich mit flammendem Fahrer auf seinem Cover an den Erfolg von "Ghost Rider" anzuhängen, ein solcher kommt im fertigen Film jedoch nicht vor. Was sich zudem von der Geschichte her wie ein Mix aus "Interceptor" und "Christine" anhören mag, ist schlichtweg eine Geisterstory geworden, zugegeben mit einem Auto als Mordwerkzeug, aber dennoch fremdgelenkt, ohne Eigenleben, auch wenn der Fahrer meist unsichtbar bleibt. Dank einer temporeichen Umsetzung und meist erst spät einsetzenden Unsinnigkeiten zu viel funktioniert der Film auf simpler Ebene zunächst recht gut, zumal die Hauptfigur mit einem ewig grinsenden Greg Evigan interessant ausgefallen ist, wenn in der aalglatt charakterisierten Art auch nicht so sympathisch wirkend, wie es das Drehbuch gerne hätte.

Zunächst funktionieren auch die zwischenmenschlichen Situationen, bedeutet die Wiederkehr einer solch wichtigen Person von einst doch für viele das Aufleben alter Gefühle, Rechnungen und Erinnerungen. Je persönlicher das Ganze im Laufe der Zeit jedoch wird, und selbst für Kleinstadtverhältnisse immer mehr einem Mikrokosmos gleicht, desto weniger glaubwürdig und funktionierend beeinflusst es einen Streifen, von dem man sich doch etwas mehr Action und Horror gewünscht hätte, anstatt ewiger Gefühlsduselei beizuwohnen. Bis zu einem gewissen Grad geht dieser harmlose, aber penetrante Wunsch nach familiären Werten noch in Ordnung, aber "Phantom Racer" neigt zu Übertreibungen inmitten dick aufgetragener Klischees, präsentiert über eindimensionale, aalglatte Stereotype, dass irgendwann aus diesem ohnehin allseits unbeliebten Rezept ein unangenehmer Faktor wird. Verstärkt wird dieses unsympathishe Treiben in seinem Effekt und der Unglaubwürdigkeit durch das Charakterisieren der Tochter des verstorbenen Vaters, die selbst für eine Teenie-Göre penetrant nervig und dümmlich agiert, ihre Einstellung dem Helden gegenüber häufiger wechselnd als ihre Unterwäsche, und das obwohl dieser in ihren Augen zwei ihrer Väter auf dem Gewissen hat.

Wären all diese Subplots feiner gezeichnet, mit mehr Verständnis für die Entwicklung von Gefühlen, hätte all diese Kitschsoße ein funktionierender, emotionaler Hintergrund für einen entschuldbar, da absichtlich, dümmlichen Horrorplot bieten können. So aber ist er nur Balast, der nun, mit immer dümmlicher werdenden Fortschreiten des Skripts, zu einem Ärgernis von vielen wird, da mittlerweile auch die Gesetzmäßigkeiten des Spuks völlig absurd und widersprüchlich zu nennen sind, fehlende Mystik inklusive. Und da verschiedene Blickwinkel und Probleme schneller gelöst sind, als es solch einem dünnen Plot lieb sein könnte, rast der Streifen in seinem letzten Drittel auch endgültig viel zu vorhersehbar und weichgespült auf das Finale zu, so dass man schon arg genügsam sein muss, um irgend etwas an dem Gezeigten noch toll finden zu können. Als Trasher funktioniert "Phantom Racer" dennoch halbwegs, und von Langeweile kann keine Rede sein. Im ersten Drittel besitzt er jedoch noch eine funktionierende Handschrift idiotischer Z-Movies, die er leider im Laufe seiner Spielzeit immer mehr gegen Ignoranz und Desinteresse an einem simpel funktionierendem Stoff austauscht, so dass Geschichte und Produktion nicht mehr nur austauschbar wirken, sondern auch zu willkürlich und gleichgültig.


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PUPPET MASTER 10 - AXIS RISING (2012 Charles Band)


Die Nazis kommen in den Besitz von Toulons Geheimnis und kreieren eigene Killerpuppen. Die klassischen Killerpuppen sagen ihnen den Kampf an...


Krieg im Kleinen...

Die erstaunlich lang laufende Reihe des nimmersatten Vieldrehers Charles Band ist kürzlich in die Hände der Zeitschrift Fangoria übergegangen, die aus den verstaubten Versionen ihres Schöpfers ein Splatterfest gezaubert haben sollen. Bevor es so weit war, kreierte Band innerhalb der Reihe eine Trilogie, die sich auf die in Teil 3 thematisierten Anfänge zur Hitlerzeit beziehen, aufgrund anderer dort agierender Personen jedoch ein eigenständiges Stück "Puppet Master"-Geschichte sind. So ganz neu ist dieses Konzept nicht, erfuhr die Reihe doch bereits in den 90er Jahren mit den Teilen 4 und 5 eine zusammenhängende, eigen verlaufende Geschichte, dort von einem Kampf gegen Dämonenpuppen handelnd. Nun geht es wieder den Nazis an den Kragen, und war der Vorgänger "Puppet Master 9 - Axis of Evil" eher unangenehm als unterhaltsam zu schauen, was auch dafür sorgte, dass ich mir seine Fortsetzung nicht gerade zeitnah angeschaut habe, so ist der Mittelteil der Trilogie, der mittlerweile (Cross Overs mitgezählt) 13 Teile beinhaltenden "Puppetmaster"-Reihe, doch wesentlich angenehmer ausgefallen, freilich wie jeder bisherige Beitrag ohne etwas Großes darzustellen.

Dementsprechend kommen die heruntergeschraubten Erwartungen, die der Vorgänger verursachte, dem Ergebnis zugute. Dies innerhalb einer Reihe, an die man ohnehin aufgrund stets maximal schlichter Unterhaltung keine großen Ansprüche knüpft, lässt ein mittelmäßiges Ergebnis gleich wesentlich besser anfühlen, als es realistisch betrachtet eigentlich geworden ist. Aber so ist es nun einmal: innerhalb seiner Reihe gehört "Puppet Master X" zu den angenehmen Beiträgen, und das obwohl nichts so heiß gegessen wie gekocht wird. Letztendlich kämpfen lediglich drei Mann gegen die bösen Nazis, und deren Puppen sind auch nicht wirklich der Rede wert, so rar wie sie zum Einsatz kommen und so banal wie ihre Fähigkeiten zu nennen sind. Aber es sind immerhin neue Puppen, das weiß immer wieder zu gefallen, und als böse Nazi-Puppen besitzen sie erst recht einen Restreiz, so reißerisch und infantil das Ganze an sich auch konzipiert und umgesetzt ist. Gegen Ende werden wir Zeuge der Geburt eines liebgewonnenen Puppengesellen für treue Freunde der Reihe, was gerade wegen seinem ersten Erscheinen im allseits beliebten Teil 3 als Bonus eines im selben Jahrzehnt spielenden Beitrags zu gefallen weiß.

"Puppet Master 10" ist freilich schlicht gestrickt, kostengünstig produziert und simple Kost für kindgebliebene Allesgucker, aber wer in einem Teil 10 einer nur leicht variierenden Reihe etwas anderes erwartet als die neun Vorgänger zu bieten wussten, dem ist wahrlich nicht zu helfen. Der hätte dann bereits allerspätestens nach Teil 4 das Handtuch werfen müssen, realistisch gesehen gar früher. Der Mittelteil der Axis-Trilogie endet halbwegs neugierig machend auf den Finalteil, setzt den Schluss aber nicht all zu offen, so dass man keinen halben Stoff geboten bekommt, sondern eine zu Ende erzählte Geschichte, die auf ihre direkte Fortsetzung wartet. Da es bis zu dieser immerhin überraschend lange fünf Jahre gedauert hat, kann einem dort wieder alles oder nichts erwarten. Ob das bessere Ergebnis des Mittelteils also Mut für den Schluss der Trilogie machen darf, sei einmal dahingestellt. Wenn es in "Puppet Master 11 - Axis Termination" mit neuen Puppengegnern weiter gehen sollte, bin ich aber gern wieder dabei. Ach Quatsch, das bin ich sowieso, ich mag diese Reihe einfach, warum auch immer.


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DUELL (Duel 1971 Steven Spielberg)


Ein Handelsvertreter wird auf einer wenig befahrenen Landstraße von einem LKW-Fahrer terrorisiert. Zunächst erlaubt sich der Fremde harmlose Späße mit dem PKW-Fahrer, bis es irgendwann schließlich um Leben und Tod geht...


Monster Truck...

Die zentrale Identifikationsfigur von Steven Spielbergs erstem Erfolg ist ein einfacher Kerl. Deswegen besitzt er den Namen Mann. Er besitzt ihn aber auch ein wenig der Provokation wegen, denn Mann verkörpert nicht das klassische Männerbild, er gehört jener Gattung seines Geschlechts an, wie sie das Ergebnis nach erfolgreicher Emanzipation in den USA war. Mann haut nicht auf den Tisch, lässt nicht das Alphatier heraushängen, ist hilfsbereit, bevorzugt den Kompromiss, lässt sich von seiner Frau und seinem Chef herumschubsen, kurzum steckt in diesem Anzug für die Vertreter des klassischen Männerbildes ein Weichei. Nun stößt dieser Mann, der gerne den Weg des geringsten Widerstandes geht, auf das Raubein Mann, dem Ur-Typen, klassisch symbolisch verkörpert durch den Beruf des Truck-Fahrers. Und der scheint sich durch eine Nichtigkeit herausgefordert zu fühlen, denn er leitet titelgebendes Duell ein, welches der Hauptfigur nur in einem kurzen, schwachen Moment wichtig ist, dem Gegner jedoch um so mehr. Eine Erklärung für das Verhalten des LKW-Fahrers erhalten wir nie, gern ist in Besprechungen auch von eventueller Langeweile die Rede, was sicherlich ebenso mit einfließt. Beachtet man aber die Psychologie der Figuren und Situationen ist das Sichherausgefordertfühlen des klassischen Männerbildes die logische naheliegende Erklärung. Er ist ein Mann, der sich durch eine Nichtigkeit provoziert fühlt und in seinem Testosteronmeer nicht mehr aus seinem Rache- und Wettbewerbsgefühl heraus kommt, wohingegen unser "Held" nicht einmal genau weiß womit er provoziert haben soll und aufgrund seiner anderen Mentalität nicht nachvollziehen kann, wie man sich in solch eine Situation derart penetrant hinein steigern kann.

Genau darin liegt dann auch der Kniff, dass Mann nicht damit rechnet, dass sich die Situation derart gefährlich hoch schaukeln kann, ist es als jemand der Wut eher herunter schluckt doch nicht seine Art sich in derartige Nichtigkeiten hinein zu steigern, zumal er nicht das Gefühl hat sein Mannsein beweisen zu müssen. Derartiges Verhalten und Denken empfindet er als albern. Und doch muss er genau dies lernen, denn er ist in dieser hoch kochenden Situation auf sich alleine gestellt, und er muss sich dem Duell stellen, scheinbar auf Leben und Tod, denn dem Fahrer ist nicht bei zu kommen. Nie hat Mann in diesem herrlich dreckig gecasteten Truck (man muss das Fahrzeug tatsächlich wie einen Darsteller betrachten) das Gesicht seines Feindes sehen können. Und somit ist er nicht einmal in einer ausführlich angegangenen Dinerszene in der Lage sich mit seinem Gegner auszusprechen, sehen wir doch nur die Schuhe des Aggressors, und die tragen in dem Laden, in dem allerhand LKW-Fahrer Kunden sind, so einige harte Kerle. Kurzum muss Mann seinen Mann stehen, (schon vor Beginn der ganzen Situation) unter Druck stehend, den Stressfaktor Hitze zusätzlich im Nacken habend, wissentlich der Kraft und der Größe des Trucks mit seinem PKW unterlegen zu sein, und den Vorteil der Schnelligkeit nicht komplett ausnutzen könnend aufgrund mangelnder Kühlflüssigkeitsmenge.

Der trocken, staubige und langsame Erzählstil ist der Trumpf dieses knisternd und hoch spannend erzählten Minimalismus-Thrillers, den Steven Spielberg gekonnt fürs Fernsehen inszeniert hat. Off-Kommentare durchbrechen die sonstige Stille, nur in wenigen Momenten kommt es zu Dialogen, zu Beginn mehr als im weiteren Verlauf des Streifens. Oft unterbricht nur das Radiogeschwafel die Stille, oder eben das dreckige Monster von Truck, das bereits in seiner herrlich schäbigen Art einzuschüchtern weiß und nicht gerade einen Glanz amerikanischer Straßen darstellt. Aufgrund des Erfolges der TV-Ausstrahlung bekam Spielberg die Chance zusätzliche Szenen zu drehen, um eine Auswertung im Kino zu ermöglichen, was er schließlich auch tat. Psychologisch gesehen will nicht jede neu gedrehte Szene so gekonnt ins Konzept passen, wie die Ursprungsversion. So weiß z.B. die Szene, in welcher der LKW versucht den PKW auf ein befahrenes Zuggleis zu schieben nicht wirklich in jene Phase der Situation hinein zu passen, in welcher sich der Film zu diesem Zeitpunkt gerade befindet. An sich ist die Geschichte ein sich immer weiter hoch schaukelndes Spektakel, in welcher jeder weitere Schritt psychologisch gesehen einen Sinn ergibt. Manches wird geschult durch den Wahn des Truckers auf eine weitere Ebene gehoben, manches durch das (Fehl)Verhalten des PKW-Fahrers. Durch Szenen wie jener beschriebenen erlebt der flüssige, glaubwürdige Verlauf jedoch ein Hin und Her.

Weniger pingelig betrachtet beschert sie dem Streifen aber tatsächlich einen nervenkitzelnden Sehwert mehr, ebenso wie die Schulbusszene. Deswegen braucht man auch nicht wirklich diesbezüglich enttäuscht zu sein. Zu funktionieren weiß hier alles, und der Spannungsbogen ist nach einer kurzen Anlaufzeit fast auf einem ständigen Hoch. Spielberg versteht genau wann er dem Zuschauer eine Atempause gönnt, nur um nach dieser die Spannungsschraube erneut drastischer anzuziehen. Damit wird "Duell" zu einem Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Mit kleinen und großen Erfolgen wie "Jeepers Creepers", "Monster Man" und "Joy Ride" gerne auch mal nachgeahmt und variiert, kam nie einer dieser Nachzügler an das Ergebnis dieses herrlich dreckigen Thrillers heran, und auch Spielberg selbst konnte meiner Meinung nach nur noch mit "Der weiße Hai" an dieses Spannungskino heran reichen. So gut wie hier und dort fielen seine Arbeiten nur noch selten aus, wenn überhaupt. Um gerade den psychologischen Aspekt des still und ungenannt diskutierten Männerbildes beim Sichten mehr in sich aufnehmen zu können, empfiehlt sich anbei das Sichten im Originalton, spricht Hauptdarsteller Dennis Weaver seine Figur doch mit heller Stimme, was den grundlegenden Gedankenansatz zu fördern weiß und ein Hineinfühlen in die Psyche eines sich hilflos, bzw. überfordert fühlenden Mannes zugänglicher macht.


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KLEINE HAIE (1992 Sönke Wortmann)


Durch ein Missverständnis wird der junge Kellner Ingo für einen Bewerber einer Schauspielschule gehalten. Dort lernt er den begabten, aber nervösen Johannes kennen, den er frisch gefeuert nach München begleitet, wo das Vorsprechen für die nächste Schauspielschule stattfinden soll...


Pfiffige Menschen für die Wurstbude...

Laut Sönke Wortmann soll das Umfeld, in welchem "Kleine Haie" spielt, nah an der Realität von Jungschauspielern orientiert sein, sollen doch autobiographische Elemente mit enthalten sein, so dass der nur gelegentlich überzogene Film einen authentischen Einblick in die Welt besagter Leute während der Bewerbungsphase an Schauspielschulen wieder gibt. Diese Momente bringen einen wahrlich zum Staunen. Hier trifft man nicht nur auf interessante Gestalten, auch die Forderungen dessen was man im Vorfeld bereits zu leisten hat, um überhaupt die Chance zu haben unter vielen Bewerbern angenommen zu werden, ist erstaunlich. Durch sie können wir den Druck nachempfinden, dem Johannes als ohnehin schon nervöses Stück Prüfungsängstler ausgesetzt ist, während er vom entspannten Ingo begleitet wird, der diese Erfahrung lediglich als Inspiration für sein Hobby des Schreibens nutzen möchte und somit keine Angst vor dem Scheitern erleiden muss.

Gemeinsam mit dem etwas in den Hintergrund zurückgestellten Ali bilden sie ein Trio unterschiedlichster, aber solidarisch gesonnener Charaktere, die spontan die Tücken des Pleiteseins und der Bewerbungsphase meistern. In der Besetzung dieser drei wichtigsten Figuren beweist der Film bereits seine Brillanz, ebenso wie mit dem empathischen Drehbuch, welches für alles andere erst die Grundlage bietet. Die Geschichte schöpft ihre Tiefe und das Interesse des Stoffes aus dem Ungewöhnlichem im Alltag, sprich Alltägliches und besondere Momente stoßen aufeinander, gelebt in einem aufregendem Lebensabschnitt, in welchem man sich noch in der Selbstfindung befindet und Menschen miteinander aufgrund des Alters, anstatt aufgrund einer gemeinsamen Mentalität kooperieren. Der menschliche Faktor steht in dieser wunderschönen Tragikomödie stets im Zentrum. Man taucht in die Gefühlswelt der Hauptfiguren ebenso ein, wie per Stichprobe auch in jene von Randfiguren. Lediglich die Rolle des Ali bleibt absichtlich schwer greifbar und erhält erst recht spät mehr Gehalt, was man als gelungenen Drehbuch-Kniff bezeichnen kann.

"Kleine Haie" ist weder in seiner Komik, noch in seinen tragischen Momenten dominierend, bietet von beiden Seiten auch immer mal kurze Hochphasen, die aber stets eine gelungene Symbiose mit der entspannten Wohlfühlatmosphäre des Reststeifens eingehen und somit nicht zu Fremdkörpern werden. Ob comicartige Momente oder jugendorientierte Gefühlsprobleme, stets steht das empathische Verstehen im Raum. Oft entlarven Ausnahmemomente den Alltag als weit breitgefächerter als die gewohnte Routine vorzugaukeln versteht, sprich Besonderheiten werden gelebt, weil man sie zulässt, bzw., wie gut über Ali und Johannes thematisiert, wenn man sie bei genügend Selbstbewusstsein zulassen kann. Der einfache Arbeiter-Typ, der verklemmte Künstler und der Selbstbewusste, dem alles automatisch zuzufliegen scheint, entdecken Gemeinsamkeiten und Unterschiede, lösen Probleme und feiern gemeinsam, und dies alles in einem kurz gesteckten Zeitfenster präsentiert, in welchem manch kurze Begegnungen zu entscheidenden für die Zukunft werden können.

Kunstempfinden, wie demonstriert am Lied "Ich weiß nicht zu wem ich gehöre", Comicflair, wie zu Fleisch geworden durch die Figur des Bierchen und verschiedene Schichtenmentalitäten, wie demonstriert durch die Hauptfiguren, finden sich in einem sensibel erzähltem Film zusammen. "Acting it out" (Alternativtitel) mag in jungen Jahren, aufgrund besserer Identifizierung mit den Figuren und ihren Gefühlswelten, einen Hauch besser funktionieren, aber auch für ein erwachsen gewordenes Publikum bietet der Film noch immer ein interessantes und unterhaltsames Soziogramm auf hohem Niveau, ohne verkopft daher zu kommen oder auch nur einen kurzen Anflug von Desinteresse zu vermitteln. "Little Sharks" (Alternativtitel) ist einer dieser Glücksgriffe an denen fast alles stimmt, selbst die nebensächlich beigefügte Love Story, die der Streifen streng gesehen nicht nötig gehabt hätte, dem Gesamtergebnis allerdings emotional zugute kommt, so natürlich wie auch sie integriert wurde.


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DER BEWEGTE MANN (1994 Sönke Wortmann)


Da er sie wieder einmal betrogen hat, wirft Doro ihren Freund Axel vor die Tür, der über Umwege beim schwulen Norbert unter kommt. Als Doro entdeckt, dass sie schwanger ist, will sie Axel zurück. Zu dumm dass sie ausgerechnet in einer Situation auf ihn trifft, die Norbert sexuell fehlinterpretiert hat, so dass sie auf die beiden sexuell unterschiedlich orientierten Männer in einem missverständlichen Augenblick stößt...


Die Männer sind schon die Liebe wert...

Die auf den Ralf König-Comics "Der bewegte Mann" und "Pretty Baby" basierende Komödie "Der bewegte Mann" war in Deutschland ein großer Überraschungserfolg an den Kinokassen und genießt auch heute noch einen ausgesprochen guten Ruf, und ich finde den besitzt sie zu recht. Der Film ist in seiner hochgradig guten Besetzung, die selbst ignorante Gestalten wie Til Schweiger-Hasser gut heißen müssten, charmant ausgefallen, besitzt ebenso wie die Comicvorlage eine hervorragende Pointensetzung und ist von seiner Geschichte her einfach ein Glücksgriff, der sich zu erzählen lohnt. Im Gegensatz zur Printvorlage wird das Geschehen etwas weniger provokant thematisiert und sympathischer vorgetragen, besetzt und beendet, aber in diesem Punkt ist die Geschichte um die kurzfristige WG zweier sexuell verschieden orientierter Männer ein Lehrstück wie anders unterschiedliche Medien funktionieren. Während der direktere Ton dem Comic besser steht, gibt man den Verantwortlichen des Filmes in den vorgenommenen Änderungen Recht, da der Streifen mit diesen runder läuft, ohne auf das Massenpublikum angepasst zu wirken.

Allerdings sollte man sich nicht vertun. Mag der Humor mit Kenntnis auf Sönke Wortmanns Vorgänger-Werke "Kleine Haie" und "Allein unter Frauen" auch geradezu nach dessen Handschrift aussehen, so sind viele der großen und kleinen Lacher des Filmes tatsächlich bereits im Comic vorhanden, so dass man dieses wahrlich unterschätzen kann. Das sollte man aber ohnehin nicht, präsentiert es, ebenso wie der Film, doch nicht einzig eine schlicht vor sich her erzählte Geschichte, die einzelne Punkte mal eben so nacheinander abarbeitet, sondern stattdessen einen durchdachten Plot mit pfiffigen Ideen, gekonnten Wendungen, interessanten wie liebenswerten Charakteren und in seiner zweigeteilten Geschichte einen guten Aufbau aufeinander und eine treffsichere Kompatibilität beider Hälften. Die beiden Hauptdarsteller Til Schweiger und Joachim Król sind ein Glücksgriff um dieses theoretisch so großartige Konzept nahe an die Perfektion zu geleiten, und Nebendarsteller wie Rufus Beck und Armin Rohde verzuckern das Ganze noch in einem skurrilem Ton, jeder wie die Faust aufs Auge zur konzipierten Rolle passend, und damit der Festlegung Wortmann zum Regisseur dieses Projektes zu machen in dieser Treffsicherheit in nichts nachstehend.

Gleiches gilt für den Humor, der auf mehreren Ebenen gekonnt zu funktionieren weiß. Hemmungsloses Herumalbern und empathische Tragikomik, die das fertige Werk jedoch nie zur Tragikomödie werden lassen, laufen gekonnt Hand in Hand und dürften wahrlich nur Humorlegastheniker nicht schmunzeln lassen, so herzerfrischend witzig wie die irrtümlich schlicht anmutende Geschichte ausgefallen ist. "Der bewegte Mann" lässt sich immer wieder gucken, schaut sich keineswegs in seinem Jahrzehnt feststeckend und hat das Herz am rechten Fleck, so gut wie hier Tragik in dritter Reihe parkend den Humor gehaltvoll zu unterstützen weiß und damit aus dem erreichten Produkt keine hohle Gagparade macht oder einen tuntig anmutenden, anbiedernd schrillen Schwulenfilm. "The Turbulent Man" (Alternativtitel) ist eine geistreiche Komödie mit psychologischem und empathischen Verständnis für Figuren und Situationen, vortrefflich mit Offenheit für Andersartigkeit umgehend, auch im Alltag ungern gesehene Eigenschaften betreffend. Er teilt entlarvend nach allen Seiten aus, ohne dabei zu verurteilen oder zu sanft vorzugehen, sondern versucht erfolgreich inmitten einer übertriebenen Comicatmosphäre alles ein wenig alltäglich und lebensnah einzufangen. Dass derartiges beim Folgefilm "Kondom des Grauens" ausblieb, mach deutlich dass man damals scheinbar dachte, der Erfolg des hier besprochenen Filmes wäre einzig der Comicvorlage und ihrem lauterem Humor zu verdanken. Somit muss es nicht verwundern, dass der Schwulen-Krimi nicht im Ansatz so erfolgreich ankam wie das Liebhaberstück für Freunde treffsicherer Komik, welches Wortmann uns beschert hat.


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DIE STRASSEN VON SAN FRANCISCO (The Streets of San Francisco 1972 Walter Grauman)


Die Leiche einer jungen Frau wird aus dem Wasser gezogen. In Verdacht gerät ein Anwalt, und seine Unehrlichkeit und unfreundliche Art arbeitet in den Augen der Polizei gegen ihn. Dennoch beteuert er unschuldig zu sein und berichtet darüber, dass die junge Frau sich kurz vor ihrem Tod von einem Mann in einem schwarzen Wagen bedroht fühlte. Er glaubte ihr dies nicht, und die Ermittler glauben dem Tatverdächtigen ebenso wenig - zumindest zunächst...


Ein Bart, wie es ihn kein zweites Mal gibt...

Fünf Jahre lang flatterte die Serie "Die Straßen von San Francisco" über die amerikanischen Bildschirme, und alles begann mit einem Pilotfilm auf Spielfilmlänge, der mir einen sehr eigenständigen Eindruck macht. Ich weiß nicht ob er als Kriminalfilm gedacht war, der zu einer Serie umfunktioniert wurde, oder ob ihm spontan noch im Jahr seines Erscheinens eine Serie angehängt wurde, eine in diese Richtung gehende Information habe ich im Netz grob gesucht jedoch nicht gefunden. Zumindest basiert dieses Erstling auf den Roman "Poor, Poor Ophelia" und setzt neben den Ermittlern den Hauptverdächtigen mit in den Mittelpunkt, der ab einer gewissen Phase der Geschichte selbst Nachforschungen anstellt, um sich aus dem Verdacht der Polizei zu befreien. Gespielt wird diese Person von Robert Wagner, der im Vorspann des Piloten noch vor Michael Douglas an zweiter Stelle genannt wird. Den klassischen Vorspann der Serie enthält der Spielfilmeinsteiger, wie so einige Pilotfolgen, noch nicht.

Der etwas zu banal ausgefallene Plot lässt kaum glauben es mit einer Buchverfilmung zu tun zu haben und fühlt sich tatsächlich wie die Geschichte einer schlicht gestrickten Fernsehserie an. Wer glaubt hier zu erfahren, wie die beiden zentralen Kollegen der Serie sich kennen lernten, wird enttäuscht. "Die Straßen von San Francisco" setzt zeitlich irgendwo an, wo die beiden Hauptfiguren noch nicht lange miteinander arbeiten, es aber bereits tun. Zwischenmenschlich erfährt man kaum etwas von ihnen. Der Aufhänger und die Ermittlungen bieten kein besonderes Potential, der Täter am Schluss hat keinen nennenswerten Beweggrund zu tun was er tat und wird schlichtweg immer wieder als wahnsinnig tituliert, womit sich der Zuschauer zufrieden zu geben hat. Das wird er in der Regel wohl auch getan haben, geht das aufgrund nicht zu hoher Ansprüche an den Stoff doch auch in Ordnung, zumal "The Streets of San Francisco" (Originaltitel) sich angenehm solide umgesetzt schaut. Für ein Produkt seines Kalibers und seiner Zeit ist er recht aufwändig inszeniert. Und trotz grob gezeichneter Charakter weiß er diese auch funktionierend einzusetzen, freilich mit dem Prominentenbonus heutiger Augen verzuckert, während das Gesamtergebnis Retrocharme zu versprühen weiß.

Derartige im Nachhinein auftretende Pluspunkte sind jedoch nicht der einzige Grund sich über eine nicht nennenswerte Kriminalgeschichte positiv zu äußern. Ohnehin weiß der Erzählstil des Streifens zu gefallen, der weit weniger aufgeregt erzählt ist als ähnliche Produktionen, die nach ihm kommen sollten, dennoch nicht nur sachlich ausgefallen ist, da man ein für den damaligen Zeitgeist auch rasantes Stück Film abliefern wollte. So gar keinen Actiongehalt, mit Ausnahme von rasenden Autos, aufzeigend, ist somit eine Art amerikanisches "Derrick" entstanden, in welchem die Ermittler zwar nicht halb so rational denken und auf die Ergebnisse ihrer Arbeit nicht ansatzweise so neutral reagieren wie dort, für Ami-Verhältnisse schien man dies jedoch zu meinen. So ist ein aufgeregt unaufgeregter, ruhig inszenierter flotter, nüchtern erzählter emotionsgebundener und aus zwei Perspektiven erzählter Streifen entstanden, der sauber inszeniert ist und die Geschichte trotz fehlendem tatsächlichem Interesse für den Kriminalfall frei jeglicher Langeweile, Pausenfüllszenen oder schleppender Momente unterhaltsam zu erzählen weiß. Gepackt ist das Ganze in sympathische Stadtaufnahmen, oft bei Nacht spielend und mit einem charmanten Soundtrack versehen. Wenn sich die Serie so angenehm guckt wie der Pilot, bin ich gerne weiterhin dabei. Das Ergebnis weiß auf seine simple Art sympathisch zu funktionieren.


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WAS NICHT PASST, WIRD PASSEND GEMACHT (2002 Peter Thorwarth)


Philip hat sein Architektur-Diplom in der Tasche und benötigt zum Abschluss des Studiums nur noch eine Praktikumsbescheinigung. Dieses absolviert er auf der Baustelle der nicht immer legal vorgehenden Chaotentruppe von Werner Wiesenkamp. Als dieser illegal einen Polen einstellt, fingieren die Arbeiter in Absprache mit diesem einen tödlichen Arbeitsunfall, um an mehr Geld zu kommen und lassen Philip im Glauben er habe Schuld am angeblichen Tod eines Kollegen...


Was lang läuft, funktioniert besser als in der Kurzversion...

Als Peter Thorwarth mit "Bang Boom Bang" einen großen Überraschungserfolg ablieferte, erinnerte er sich zur Fortsetzung seiner Ruhrpott-Trilogie an seinen 1997 abgedrehten Kurzfilm "Was nicht passt, wird passend gemacht" und zauberte aus diesem eine Langfilmversion. Diether Krebs, der im Original den Wiesenkamp mimte, war mittlerweile leider verstorben, also besetzte man dessen herrlich prollige Rolle mit Dietmar Bär, der seinem Vorgänger zwar nicht das Wasser reichen kann, aber ebenfalls eine großartige Leistung ablieferte. Die Raffinesse des Drehbuchs von "Bang Boom Bang" weiß Teil 2 besagter Trilogie nicht vorzuweisen, ganz im Gegenteil kommen seine Wendungen, gerade Richtung Finale, eher etwas künstlich gehalten daher, sich fast etwas episodenartig anfühlend. Hier bemerkt man das künstliche Strecken zum Erreichen einer Spielfilmlänge. Da Situationen und Charaktere allerdings so sympathisch comicartig ausgefallen sind wie im Vorgänger, verzeiht man das dem Film nur all zu gerne, zumal manch schräge Idee gerade erst in der gegen Ende völlig hoch geschwappten Übertreibung so richtig zu wirken weiß.

Was "Was nicht passt, wird passend gemacht" dem an sich besseren auf cool getrimmten Vorgänger voraus hat, ist seine Herzlichkeit innerhalb einer Erzählung, die in Sachen geistreichem Proletenhumor dem eigentlichen Rezept nicht im Wege steht und somit nicht das Ergebnis verwässert. Das liegt an Thorwarths Talent interessante, sich menschlich anfühlende Charaktere zu entwickeln, die einem trotz allerlei unangenehmer Eigenarten dennoch ans Herz wachsen. Er selbst übernahm die Rolle des Philip, was ich für die richtige Entscheidung halte, so kompatibel er mit der einzig wichtigen weiblichen Rolle zu harmonieren weiß und so gut wie er als Autor und Regisseur seine eigenen Figuren versteht. Ralf Richter stand ihm in Sachen Schauspiel beratend zur Seite, so dass es bezüglich seiner Leistung vor der Kamera nichts zu meckern gibt. Der romantische Aspekt weiß zu ergreifen, läuft jedoch nicht als Fremdkörper parallel zum Hauptgeschehen, sondern wird Teil von diesem, und dies, wie erwähnt, ohne dem Restkonzept dabei im Weg zu stehen.

Die Geschichte selbst besteht wieder aus allerhand interessanten und lustigen Wendungen, ist an sich aber schon fast egal zu nennen, so viel Freude wie es macht dem schrullig proletischen Figurenmeer bei ihrem alltäglichen Treiben zuzusehen. In jeder Rolle gut besetzt, wissen die Darsteller das pointenreiche Drehbuch bestens zu unterstützen, welches gelegentlich auch Richtung Bildungsbürger ausschlägt, meist aber aufgrund kenntnisreicher Wiedergabe des Arbeiteralltags und seiner zitierwürdigen Dialoge zu begeistern weiß. Hier darf jeder überagieren, alles andere wäre ein Fehler, und man glaubt in der Mentalität des Streifens wiederzuerkennen, dass Thorwarth bekennender Hallervorden-Fan ist, auch wenn dieser nie solch eine Komödie gedreht hätte. "Camper" Willi Thomczyk überrascht als passende Besetzung, auch wenn er schauspielerisch nicht viel leisten muss, Ralf Richter weiß zu wirken wie immer, Hilmi Sözer wird funktionierend eingesetzt, Alexandra Maria Lara ist ein unglaublich süßer, natürlich wirkender, Glücksgriff, und der leider nur in einer Nebenrolle besetzte Michael Brandner, den ich seit "Club Las Piranjas" immer wieder gerne sichte, brilliert in seiner Rolle, wie man es von ihm gewohnt ist.

Im direkten Vergleich kann "Was nicht passt, wird passend gemacht", trotz des Pluspunktes einer funktionierenden, romantischen Gefühlsebene, nicht an den sich eigentlich kühler anfühlenden "Bang Boom Bang" heran reichen, dafür ist das Drehbuch nicht raffiniert genug ausgefallen. Im Gegensatz zur gleichnamigen Kurzfilm-Vorlage, hat der Langfilm jedoch die Nase deutlich vorne und ist ohnehin aufgrund seiner treffsicheren Komik und seiner hervorragend funktionierenden Figurennähe ein würdiger zweiter Teil der Ruhrpott-Trilogie Thorwarths. Es ist schade dass der Abschluss mit "Goldene Zeiten" völlig anders ausschlägt und auch bei anderer Orientierung bei weitem nicht so gut zu funktionieren weiß wie die beiden kompatiblen Vorgänger. Aber was soll man jammern, wenn einem zuvor doch zwei so wundervolle Komödien vorgesetzt wurden, wie sie in dieser Mentalität auch nur aus Deutschland stammen konnten? Ich gucke beide Filme immer wieder gerne, und demnächst werde ich auch mal Thorwarths erst 2014 nachgereichten "Nicht mein Tag" antesten, auch wenn dieser auf den ersten Blick zunächst einmal eher wie ein zweiter Versuch ausschaut am Erfolg von "Bang Boom Bang" anknüpfen zu wollen. Der hier besprochene Film bekam ein Jahr nach seinem Erscheinen anbei noch eine gleichnamige TV-Serie beschert. Über deren Qualität ist mir allerdings nichts bekannt.


Weitere Besprechungen zu Was nicht passt, wird passend gemacht:


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SILENT MADNESS (1984 Simon Nuchtern)


Aufgrund eines Namenverdrehers wird versehentlich ein gefährlich Gestörter aus der Nervenheilanstalt entlassen, der fortan beginnt Menschen auf irrsinnigste Art zu töten. Eine junge Ärztin entdeckt den Fehler und reist dem Killer in seinen Heimatort hinterher...


Einer entflog dem Kuckucksnest...

"Silent Madness" gehört zu den Slashern im Fahrwasser von "Freitag der 13.", "Halloween" und Co, die bereits zu ihrer Entstehungszeit selbst in den USA kaum beachtet wurden. Eine kleine Vergessene Perle, wie es z.B. "Madman" und "The Creeper" waren, ist er allerdings nicht, dafür ist er von Regisseur Simon Nuchtern zu dröge umgesetzt. Das ist recht schade, hat er doch einige interessante Ideen zu bieten, die den wenigen Fans, die der Streifen hat, als Argumente dazu dienen ihm mehr zuzugestehen, als das Endergebnis einzuhalten weiß. Ignorieren kann man die guten Ansätze jedoch nicht, die in der Hand fähigerer, bzw. engagierterer Filmemacher vielleicht ein besseres Ergebnis hätten erzielen können. So erweist sich der Irrtum im Hospital nicht einzig als Auslöser der Geschichte, sondern bleibt wichtiger Bestandteil der Fortschreitung dieser, insbesonders auf das Finale gesehen. Auch eine dort aufgeworfene veränderte Sicht auf alles bislang Geglaubte, weiß zu gefallen und wirkt weit weniger reißerisch und weit mehr glaubwürdig als das ewig gefeierte Finalgeheimnis aus "Sleepaway Camp".

Aus der weiblichen Hauptfigur einen Mix aus Scream Queen und einer Dr. Loomis-Variante zu machen, weiß ebenso zu gefallen. Und der versteckte Kniff einer "Frankenstein"-Andeutung, gerade des Einflusses der Nutzung von Strom betreffend, habe ich von selbst nicht erkannt und erst interessiert dem Beiheft des Mediabooks entnommen. Allerdings bin ich mir bei dem ansonsten schlicht und geistlos ausgefallenem Drehbuch nicht sicher, inwieweit das Absicht war oder eher instinktiv aufgetreten ist, denn trotz aller Bemühungen der ewig gleichen Geschichte neue Facetten zu bescheren, fehlt dem restlichen Drehbuch doch das psychologische Verständnis um die Geschichte auch halbwegs glaubwürdig zu erzählen. Unser nicht maskierter Killer, der mal peinlich herum grinst, in anderen Momenten wiederum zu wirken weiß, geht für seine irrationale Art in seinen Mordmethoden etwas zu geplant und durchdacht vor, als dass man sein blutiges Treiben innerhalb der Möglichkeiten eines Horrorreißers als realistisch annehmen könnte. Dementsprechend reißt einen jeder Mord aus der Fiktion heraus, teilweise unterstützt durch schlechte, lächerlich anmutende, 3D-Momente, wie sie damals zuhauf im Kino präsentiert wurden. Da zudem das Gespür für eine düstere, funktionierende Atmosphäre fehlt, nutzen die Pluspunkte dem Streifen nur in der Theorie, nicht aber im Unterhaltungswert.

Erschwerend kommt hinzu dass trotz mancher Innovation das im Slasher ohnehin stets wiederholte Treiben eine Spur zu direkt von den Vorbildern kopiert wurde und damit weit plumper daher kommt, als in manch anderer Kopie des ewig gleichen Sub-Genre-Musters. Freilich kopiert man ohne ein Verständnis dafür entwickelt zu haben warum die Vorlageszenen in den Vorbildern zu funktionieren wussten, was innerhalb der zu öde ausgefallenen Inszenierung den Todesstoß für mögliche Kurzweile bedeutet. Wer es zum lang andauernden Finale von etwa ungefähr 20 Minuten Laufzeit schafft, wird zumindest mit einem besser funktionierenden Szenario belohnt. Hier wird die Geschichte aufgrund besagter Aufdeckung und der Bösartigkeit des Klinikpersonals interessanter, der düstere Handlungsort des Heizungskellers weiß recht gut zu funktionieren, und auch die Mordszenen haben mir in ihrer technischen Umsetzung hier besser gefallen als im Restfilm. Es kommt sogar eine kleiner Grad Spannungsgehalt auf, was sicher auch den düsteren Bildern zu verdanken ist.

Sollte man "Silent Madness - Der Schlächter" (Alternativtitel) mittels des deutschen Mediabooks zu Gesicht bekommen, nutzt das einem jedoch nur bedingt etwas, ist das Bild doch unterdurchschnittliche VHS-Qualität, und dies nicht nur in der Theorie. Denn dass die zu sehende Kopie eine VHS-Aufnahme war, sieht man auch an der Art der Bildfehler, welche diese Fassung aufweist. Aber ohnehin handelt es sich um ein schlechtes Mediabook, enthält es doch, wie so viele Veröffentlichungen dieser Art seit neuestem, nicht einmal einen deutschen Untertitel für die englische Tonspur. Zwar wurde dem Film seinerzeit noch eine der alten deutschen Vertonungen beschert, schreckliche Pornosynchro braucht man also nicht befürchten, aber so wirklich dolle weiß diese nicht zu wirken, so dass ein Sichten im Originalton reizvoller scheint, Menschen wie mir mit schlechten Englischkenntnissen ohne Untertitel jedoch nicht viel nützt. Das Beiheft beinhaltet für meinen Geschmack trotz kritischer Worte etwas zu viel Lobhudelei, ist aber zumindest mit interessanten Gedanken und Details versehen. Da es sich bei "The Omega Factor" (Alternativtitel) aber ohnehin um einen unterdurchschnittlichen Slasher handelt, sollten sowieso nur Komplettisten auf eine DVD-Veröffentlichung zurückgreifen. Ob es jedoch gleich ein teures Mediabook sein muss, dass bei seiner kostengünstigen Umsetzung seinen für dieses Medium üblichen Preis nicht einmal wert ist, ist bei dem schlechten Ergebnis von Film und Veröffentlichung jedoch anzuzweifeln.


SSSSNAKE KOBRA (Sssssss 1973 Bernard L. Kowalski)


David Blake nimmt eine Stelle beim Schlangenforscher Dr. Stoner an, der ihn dank langjähriger Experimente in Tarnung angeblicher Impfungen heimlich in ein Schlangenwesen verwandelt...


Die Kobra mit den blauen Augen...

Zwei Jahre bevor Steven Spielberg mit "Der weiße Hai" den Prototyp zukünftiger Tierhorrorfilme schuf und damit eine Welle solcher Werke noch im laufenden Jahrzehnt lostrat, da erschien "Ssssnake Kobra" auf der Bildfläche, der sich nicht dem klassischen Tierhorror widmete, sondern dank eines verrückten Wissenschaftlers von einer Schlangen-Mensch-Mutation, bzw. den Weg dorthin, handelt. Wer an "Wolf" und Cronenbergs "Die Fliege" denkt, der wird auf dem Weg zum Ziel das Annehmen tierischer Eigenschaften im menschlichen Alltagsleben bis auf einige wenige Ausnahmen vermissen. Letztendlich geht Kowalskis Film jedoch eher in die Richtungen "Die Insel des Dr. Moreau" und "Im Sumpf des Grauens", so wie später auch "Sharkman", in seiner Umsetzung aber mehr Wert auf den menschlichen Faktor legend, weswegen er auch wesentlich besser funktioniert als seine Hai-Konkurrenz aus den 00er Jahren.

Da wird manch einem die tatsächliche Horroraktion und das nötige Tempo fehlen, wenn dem zwischenmenschlichem Faktor mehr Beachtung geschenkt wird als dem gruseligen. Liebhabern alter 70er Jahre-Streifen wird es jedoch munden, dass wir recht einfühlsam, schleichend erzählt den Wandel eines ahnungslosen jungen Mannes miterleben, der sich gerade verliebt hat und einem Menschen vertraute, der ihn teuflisch hintergeht. Jene Person, der Schlangenforscher, wird jedoch nie diabolisch böse eingefangen, sondern passend zum Gesamtton des Streifens ebenfalls menschlich. Seine geistige Entrückung erscheint fast liebevoll, so wie sein Umgang mit Tieren, die er mehr wertschätzt als seine eigene Gattung. Er ist die personifizierte Ökobotschaft dieses Films und vereint sowohl das Gute im Denken um Umwelt- und Tierschutz, als auch den Fanatismus idealistischem Schwarz/Weiß-Denkens zu diesen Themen. Von Anfang an spielt der Film mit offenen Karten, dass er der Bösewicht ist. Zumindest muss man, gerade bei heutigen Kenntnissen derartiger Geschichten, sehr ignorant sein um nicht schnell die Andeutungen zu erkennen wohin die Geschichte führt und wer dafür verantwortlich ist. Trotz allem verabscheuen wir den Wissenschaftler nicht wirklich, dabei zusehend wie sein Experiment ahnungslos in seiner Falle sitzt.

Der stets in Deutschland titelvariierte mal als "SSSS Snake", "Sssssnake Kobra", "SSSSNAKE", "Ssssnake Kobra", "Snake Kobra" und "SSSSSnake" erschienene Film ist recht liebevoll und stimmungsreich erzählt, badet seine Figuren zwar in Stereotype, gerade was den Schulschläger betrifft, aber die wahren Stars sind ohnehin die Schlangen, die, wie zu Beginn des Filmes erwähnt, alles echte Exemplare sind, welche die Schauspieler vor Herausforderungen stellte. Einige wenige Szenen hätte man dennoch mit Modellen umsetzen sollen, gerade jene, in welcher ein Konkurrent des Doktors von einer Schlange erwürgt wird, wäre glaubwürdiger ausgefallen, wenn sie sich wirklich um seinen Hals gepresst hätte, anstatt dies nur einseitig am Hals liegend vorzugaukeln. Aber das sind Schwachpunkte in einem ansonsten gut funktionierenden Film, dessen Tricks trotz simpler Anwendung meist zu überzeugen wissen. Und die meisten Tierszenen funktionieren ebenfalls, obwohl viele Konkurrenzprodukte des Tierhorror-Bereichs beweisen, wie schlecht oft das Anwenden echter Tiere für einen solchen Film zu wirken weiß. "Sssssss" (Originaltitel) ist die Ausnahme, hier funktioniert die Interaktion zwischen Schlange und Mensch tatsächlich gut, eben weil es zu echten Kontakten zwischen einander kommt. Und die Scheu, die während des Drehs garantiert vorhanden war, fällt nur dann auf, wenn die gespielte Situation es so will.

"Ssssnake Kobra" lebt jedoch nicht nur von seinen Tier(horror)szenen. Wäre dies der Fall würde er langweilen, so viel Zwischenraum wie die zwischenmenschlichen Szenen einnehmen. Man lernt die Figuren gut genug kennen um sich über Banalitäten im Alltag zu freuen, aber auch dadurch funktionierend dass man eingeweiht ist, bzw. ahnt wohin das Ganze führt, so dass Alltäglichkeiten, wie das bessere Kennenlernen zwischen Mann und Frau, bereits einen dramatischen Touch erlangen, noch bevor der eigentliche Grund zur Tragik auftritt. Er schwebt quasi über den Dingen, gepaart mit der Bedrohlichkeit die in der Luft liegt, welch herrlicher Mix. Stimmige Momente bekommt der überraschend gut funktionierende, simple Film zusätzlich beschert, wenn wir in einer Jahrmarktsausstellung Davids Vorgänger kennen lernen dürfen, eine bedauernswerte Kreatur, die nicht zu Ende entwickelt wurde und nun ein erbärmliches Dasein fristen muss. Ihren Verkauf Dr. Stoners an den Schausteller wohnen wir unwissentlich, aber bereits in diese Richtung ahnend, zu Beginn des Filmes bei, was ein sympathischer, schwarzhumoriger Einstieg in die Geschichte ist, im Nachhinein sich noch fieser anfühlend als währenddessen.

Lediglich der Schluss des Streifens weiß etwas zu ernüchtern, liegt das Ziel des Doktors doch nicht darin einen wirklichen Mutanten zu kreieren, sondern lediglich einen Mensch in eine Schlange zu verwandeln, so dass David am Ende von einer Kobra anstatt von einem Menschen gespielt wird. Angeblich sei sie aber so intelligent wie ein Mensch, wie auch immer das bei gleicher Größe einer echten Kobra, und somit mit kleinerem Gehirn als jenes eines Menschen, funktionieren soll. Andererseits: wer fragt bei dieser Thematik überhaupt nach Logik, das ist doch unsinnig, also sollte man die Prozedur der Verwandlung lieber nicht hinterfragen und den Sinn des Experiments ohnehin das Rätsel eines verwirrten Geistes bleiben lassen. Zumindest fiel den Verantwortlichen des Streifens die zu plötzliche Geschwindigkeit der Metamorphose in der einen Phase und der Stillstand dieser in der anderen auf, so dass man inhaltlich zumindest darauf verwies, dass dies angeblich üblich sei. Eine solche Erwähnung reicht bereits aus, damit trotz gewagter Irrsinnsthematik nicht alles zu dümmlich wirkt. Tatsächlich überrascht Kowalski mit einem halbwegs glaubwürdigen Film, was nach seinem stümperhaften "Attack of the Giant Leeches" kaum zu glauben ist. Hauptsächlich liegt dies wahrscheinlich an der Figurennähe, die den halben Film zu tragen weiß, womit das Lob eher Richtung Drehbuch, anstatt Richtung Regie gehen sollte. So oder so ist "Ssssnake Kobra" für einen Streifen seines Kalibers ein geglücktes Erlebnis, nicht gleich überragend ausgefallen, aber unterhaltsam und interessant allemal, auch zum noch mal schauen.


Weitere Besprechungen zu Ssssnake Kobra: 
F.LM 


OPERATION TODESSTACHEL (The Bees 1978 Alfredo Zacarias)


Afrikanische Killerbienen gelangen über Süd-Amerika in die USA und fallen in großen Schwärmen Menschen an. Zwei Wissenschaftler entwickeln eine Möglichkeit die Spezies auszurotten, allerdings mit fataler Nebenwirkung...


Summendes Ultimatum...

Wer nach den eher zurückhaltenden Horrorfilmen "Die tödlichen Bienen" und "Mörderbienen greifen an" endlich einmal große Schwärme an Killerbienen sehen will, die viele Menschen töten, der ist in "Operation Todesstachel" im richtigen Film, macht dieser, wenn auch nur angedeutet, doch nicht einmal Halt vor Säuglingen. Dennoch sollte man sich der Co-Produktion zwischen Mexiko und den USA nicht ohne Vorwarnung nähern, geht sie doch einer höchst fantastischen Idee nach und wird damit noch unsinniger als die blauäugigen Vertreter dieser Thematik. Zumindest weiß ich jetzt von welchem Werk sich die Verantwortlichen von "Killerameisen" haben inspirieren lassen, geht der von Alfredo Zacarias ("Macabra - Die Hand des Teufels") inszenierte Film in seinem Irrsinn doch in die selbe Richtung, freilich nicht ohne auf die zu seiner Zeit übliche Öko-Botschaft zu verzichten, die reißerisch anstatt von Herzen daher kommt und pure Heuchelei ist, um dem Film mehr Schauwert zu bieten. Aufgrund der ohnehin nicht ernstzunehmenden Thematik ist dies aber auch ein Punkt der in seiner ignoranten und lächerlich eingesetzten Art nicht zu verärgern weiß.

Wer sich geistig unterfordert fühlt und mit dem hier präsentierten Dünnschiss nichts anfangen kann, wendet sich ohnehin vom Film ab bevor es so weit ist, ist der Streifen doch in seiner noch normalen Phase, die immerhin den Hauptteil der Laufzeit einnimmt, bereits ziemlich dusselig erzählt. Fast könnte man meinen einen Parodieversuch auf ähnlich geartete Werke zu sichten, gerade wenn man jegliches Opfer in bester Slapstick-Tradition vor dem Ableben akrobatisch übertrieben umherstolpern sieht. Einmal abgesehen von einigen absichtlichen humoristischen Abstechern innerhalb trockener Dialoge und einem politischen Seitenhieb, präsentiert per Medium Fernsehen, ist "The Bees" (Originaltitel) jedoch ernst gemeint, damit in seiner reißerischen und unsinnigen Umsetzung unfreiwillig komische Kost, die immer dann am besten funktioniert, wenn besonders schlechte Mimen, meist Bienenopfer, den Bildschirm dominieren. Die Hauptrollen sind hingegen mit John Saxon und John Carradine prominent besetzt, wobei letztgenannter dieses Projekt nicht ernst nahm und absichtlich herumzukaspern scheint.

Wie in den Vergleichswerken dieser Thematik braucht man über die Tricksequenzen nicht wirklich zu reden, sind sie doch simpel, wie uneffektiv, und die dunklen Schwärme am Himmel wirken eher wie düstere Gas- oder Nebelwolken, nicht aber wie eine Ansammlung von Insekten. Versteht es der Film schon nicht in simplen, übersichtlichen Momenten eine einheitliche Logik über den Gefahrengrad der Killerbienen zu erzeugen, so verliert der Film in der Schlussphase, in welcher der Wahnsinn von der Leine gelassen wird, endgültig jeden Überblick für Sinn und Unsinn, was dem geneigten Freund alternativer Kinounterhaltung jedoch schmecken kann, vorausgesetzt man kommt mit der mauen Deutschvertonung klar, die den Sehwert erheblich schmälert. "Operation Todesstachel" funktioniert nicht als ernst gemeinter Tier-Horror, kurzweiliger Trash ist er auf simpler Ebene jedoch schon. In dieser schlichten Form ist er nicht wirklich das Reinschalten wert, für ein aufgeschlossenes Publikum jedoch jene Art niveaulose Unterhaltung, mit der man durchaus einmal Lebenszeit verschwenden kann. Hätten die Affen den Menschen je ein Ultimatum gestellt, könnte man diesen Film als die Bienenversion von "Eroberung vom Planet der Affen" ansehen. Orientiert an der Intelligenz des Drehbuchs, würde ich der Theorie gleichwertig intelligenter Bienen anbei sofort zustimmen, ganz ohne Mutation.


Weitere Besprechungen zu Operation Todesstachel:


Trailer,   OFDb

KILLERBIENEN 2 - TERROR AUS DEN WOLKEN (Terror out of the Sky 1978 Lee H. Katzin)


Jeannie hat die Ereignisse von einst nicht gut verarbeitet, muss aber gegen ihre Angst ankämpfen als eines Tages schon wieder ein Killerbienenschwarm droht sich in den USA zu verbreiten...


Schnitzeljagd mit Killerbienen...

1978 war das Jahr der Killerbienenfilme. Während die Mexikaner uns zusammen mit den USA die reißerische Variante mit "Operation Todesstachel" bescherten und als Kinogroßproduktion mit Michael Caine an Bord "Der tödliche Schwarm" in Form eines Katastrophenfilms die Bienenhorror-Thematik verarbeitete, besann man sich im TV auf die vor zwei Jahren angefertigte Fernsehproduktion "Mörderbienen greifen an" und schob eine Fortsetzung hinterher. "Killerbienen 2 - Terror aus den Wolken" kommt als solidarischer Horrorfilm mit Abenteuer-Touch daher und ist somit in die Mentalität des unangenehmen Vorgängers getunkt, aufgrund freundlicher Protagonisten jedoch angenehmer ausgefallen als dieser, wenn auch nicht gerade einfallsreicher und glaubwürdiger. Wieder schwebt neben den Killerbienen die Blauäugigkeit über dem kompletten Projekt, wieder will man uns aufzeigen wie toll jegliches Problem zu beheben ist, wenn man nur gemeinsam in die Hände spuckt und anpackt, und wieder ist das alles zu dröge angegangen, als dass ein wirklicher Spannungsbogen entstehen könnte.

Auf der erfreulichen Seite lässt sich verkünden, dass das Ganze zumindest nicht so zäh und langweilig ausgefallen ist wie der völlig verkrampfte und unsympathische Vorgänger, vorausgesetzt man erwartet nicht den totalen Bienenterror. Gemütlich dümpelt die Geschichte unaufgeregt vor sich hin, spart abermals mit der Anzahl an Opfern und lässt selbst die Protagonisten, denen bewusst ist was ein Scheitern ihrer Mission bedeuten wird, in einer Ruhe und Sanftheit agieren, dass es aufgezeigt durch die sanftmütigen, solidarischen und ehrlichen Charaktere fast schon putzig zu nennen ist. Dementsprechend passt die Besetzung des stets friedfertig auftretenden Dan Haggerty, der als "Der Mann aus den Bergen" einige Zeit eine Semi-Berühmtheit in den USA war und mit gestutztem Vollbart und kugelrundem Lächeln die zu Fleisch gewordene Freundlichkeit geworden ist. Auf einer Art Schnitzeljagd folgen seine Figur, die anders besetzte Heldin aus Teil 1 und ihr Chef drei Spuren versehentlich verschickter Killerbienen, können zwei Lieferungen davon rechtzeitig in ihre Hände bekommen, wohingegen die dritte Kolonie auszubrechen weiß und sich zu vermehren droht.

Damit erreichen wir die zweite Filmhälfte, in welcher es nun wie im Vorgänger darum geht zeitnah zu handeln, was einige Parallelen zu Teil 1 offenbart, am deutlichsten wohl präsentiert in der Vorphase zum Finale, welche das Finale des Vorgängers variiert, wenn Jeannie die Killerbienen anstatt mit einem Auto diesmal mit einem Bus durch die Gegend kutschiert. Ausgerechnet den unglaubwürdigsten Augenblick eines ohnehin unglaubwürdigen Filmes zog man erneut heran, wenn auch eine Spur besser umgesetzt, zumindest was die Glaubwürdigkeit des Sichtfensters betrifft, welches die Bienen der Fahrerin gütigst gewähren. Dass unsere Heldin vor der Busthematik Kinder in die Natur losschickte, um nach den Killerbienen zu suchen, wirft ihr niemand vor, nicht einmal der Drehbuchautor, selbst dann nicht wenn sie noch eins drauf setzt und im direkten Anschluss, in der Busthematik angekommen, die eigens gerettet Kinder zusammen mit sich zum Köder innerhalb besagten Fahrzeuges macht - freilich ohne die Schützlinge vorher zu fragen. Der Film verlangt in seiner Sanftmütigkeit Verständnis für etwas, was eigentlich nicht in die Mentalität des friedlichen Konzeptes passt, aber dank taffer Kinder (ihr Anführer ist immerhin der Sohnemann von einem ranghohen Militärfutzie) steht stattdessen die ebenfalls stets propagierte Solidarität im Raum, die, wenn nicht so manipulativ präsentiert wie hier, an sich ja auch etwas lobenswertes darstellen würde.

Wie auch immer, die Kopie dieser Fahrzeugszene dient diesmal nur als Übergang zum tatsächlichen Finale, in welchem sich wer opfern darf, um schlimmeres zu verhindern, und um dem Drehbuch eine emotional nachvollziehbare Erklärung zu ersparen, für wen die Heldin sich nun in Sachen Liebe entscheiden muss, einen Sub-Plot betreffend, der uns während der ganzen Laufzeit aufgezwängt wurde. Dass der Schutzanzug des sich Aufopfernden von Killerbienen bedeckt ebenso alle Killerbienen angelockt haben soll, wie der ebenfalls fast vollkommen von ihnen zugedeckte Schulbus, macht zwar vom Umfang und der Population her keinen Sinn, letztendlich sparte man sich für diese Szenen, in denen immerhin auch ein Hubschrauber zum Einsatz kommt, jedoch lediglich tatsächlich umher fliegende Bienen, die erklärt hätten dass dieser Unsinn gar nicht so fehlerhaft gemeint ist wie er sich anschaut. Denn kaum am Handlungsort der finalen Killerbienentötung angekommen schwirren sie wieder zusätzlich um den armen, bienenbedeckten Mann herum, es gibt also doch noch einige Nachzügler, so dass hier also lediglich die optische und tricktechnische Konsequenz fehlte und von einer Unlogik ausnahmsweise einmal doch nicht die Rede sein soll. Realistischer hätte das Szenario beim Erretten der Glaubwürdigkeit bei all den anderen Unsinnigkeiten jedoch trotzdem nicht gewirkt, also ist es auch egal. Das ist es aber ohnehin, da hier nur in zu lahmer Umsetzung Heldentum gefeiert werden soll, um "Terror aus den Wolken" (Alternativtitel) endlich zu einem Ende zu führen.

Selbst dieses von Fehlern stark behaftete, mau inszenierte Ende schaut sich nicht so extrem negativ wie es sich liest. Mag es auch nicht wirklich funktionieren, langweilig ist es im Gegensatz zu Teil 1 nicht ausgefallen, eben weil man einen Hauch mitfiebern kann, zumindest theoretisch, da wir es mit freundlichen Menschen zu tun haben, mit denen man sympathisieren kann, wenn auch auf hoch blauäugige naive Art, so sehr Stereotyp wie sie freilich sind. So oder so mag "The Revenge of the Savage Bees" (Alternativtitel) nicht wirklich unterhaltsam ausgefallen sein, genügsamen Menschen beschert er aber immerhin akzeptablen Durchschnitt auf Fernsehniveau und damit weit mehr Sehspaß als der ätzende Vorgänger. Ernst nehmen kann man beide Filme nicht, beide sind banal und überraschungsarm ausgefallen. Und wer keinen Zugang zu den arg weich gezeichneten Figuren der Fortsetzung finden kann, wird mit ihr wahrscheinlich gar nichts anfangen können, denn als Horrorfilm ist er zu zahm ausgefallen, als Abenteuerfilm sind die Situationen zu leicht zu meistern, und als Katastrophenfilm lässt er die Situation viel zu früh eindämmen. Somit bleibt bislang der naive Grusel-Krimi "Die tödlichen Bienen" der sympathischste Beitrag zum Thema Killerbienen, allerdings habe ich "Der tödliche Schwarm" noch nicht gesehen, der es in Deutschland leider bislang nicht auf DVD geschafft hat.


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