Samstag, 21. April 2018

IN VITRO - ANGRIFF DER MUTANTEN (Hideous! 1997 Charles Band)


Zwei Kuriositätensammler streiten sich um ein mutiertes Embryo, welches auf dem Schloss des einen Sammlers zum Leben erwacht und drei weitere Mutanten dessen Sammlung erweckt. Der Besitzer riegelt das Schloss ab, damit niemand entkommt. Um Freiheit zu erlangen, legen sich die Geschöpfe mit den anwesenden Erwachsenen an...


Letztes Blut gegen erstes Blut...

Wenn eine Frau oben ohne mit einer Affenmaske bekleidet mitten im Schnee einen Millionär mit einer Waffe bedroht, dann befinden wir uns in der herrlich skurrilen Welt eines 90er Jahre Charles Band-Filmes. Nicht dass dieser oft mit Nacktheit gearbeitet hätte, diesbezüglich erinnere ich mich lediglich an das absichtlich trashige Theaterstück in "The Brain", aber der groteske Ideencocktail, wie in besagter Szene beschrieben, ist geradezu seine Handschrift. Ich erinnere mich nur all zu gerne an eine im Schloss gefangen gehaltene Girlie-Rockband, die für ihren Besitzer immer dann spielt, wenn sie Stromschläge erhält. Dies war in "Blood Dolls" der Fall, der zwei Jahre nach dem hier besprochenen "Hideous!" (Originaltitel) entstand und wie so oft bei Band bösartige Puppen ins Zentrum setze. Zwar mag "In Vitro" kein Puppenhorror sein, aber die hier verwendeten vier Kreaturen sind nicht weit von dieser Bezeichnung entfernt, und dienten ebenso wie die Geschöpfe aus "Puppet Master" und Co dem Filmproduzenten dazu zusätzlich Geld als Spielzeugpuppen einzubringen.

"In Vitro - Angriff der Mutanten" mag mit seinen wenigen Darstellern und dem hauptsächlich auf dem Schloss stattfindenden Szenario nicht immer so frisch erscheinen, wie in vorhin beschriebener Überfallszene, aber letztendlich guckt sich der Film trotz seiner Preisgünstigkeit trotzdem recht sympathisch. Er verarbeitet die Grundidee aus dem mieserablen "The Suckling" Freakshow-artig angenehm und lässt die Kreaturen auf augenzwinkernde menschliche Charaktere stoßen, von denen zwar jeder nur einen Running Gag enthält, aber trotzdem das Zeug dazu hat Bands trockenen humoristischen Grundton seiner Groteske zu unterstützen. Während die Andersartigkeit der verschiedenen Mutanten (Das Gehirn, der Muskulöse, der Stachelige und noch einer) im Gegensatz zu den Puppen aus der "Puppetmaster"-Reihe nicht wirklich zu interessieren weiß, genießt man die absurden Fehden der interessant gehaltenen menschlichen Protagonisten um so mehr, auch wenn sich dieser Pluspunkt gegen Ende etwas ausleiert und nicht mehr ganz so gut zu funktionieren weiß wie im Restfilm. Da tut es gut, dass "In Vitro" lediglich 80 Minuten ausgefallen ist und zudem einen recht lang laufenden Abspann beschert bekommen hat.

Während Band uns Absurditäten, wie das Schloss als normal scheinende Heimat eines Kuriositätensammlers und eine ewig halbnackt auf Tischen sitzende Sekretärin, präsentiert, weiß auf der Gegenseite die kindliche Charakterisierung der mutierten Emryos zu gefallen. Es sind eben nur Kinder, und die beiden Sammler entpuppen sich als unangenehme Stiefväter, die im gegenseitigen Zwist das Vertrauen der Missgeburten zerstören und die friedlichen Wesen erst mit ihrer Uneinigkeit und Aggressivität zu Schandtaten gegen die Erwachsenen verleiten. Das geht nicht wirklich psychologisch tief und analytisch auch nicht viel weiter als herauszulesen ist, aber der vorhandene Ansatz weiß zu gefallen, auch wenn Band es etwas zu weit treibt und eines der eigentlich ungeborenen Wesen plötzlich in kindlicher Sprache Briefe schreiben lassen kann. Damit das nicht ganz so dämlich ist wie es ist liefert das Drehbuch eine Erklärung für dieses Phänomen ab, aber dieses lässt, oh welche Überraschung, die dämliche Idee nicht weniger dämlich wirken.

Das ist auch gar nicht schlimm, denn diese Aneinanderreihung grotesker Elemente inmitten einer dünnen Handlung sollen lediglich dem Schundfilmpublikum schmecken, und dem kann es gar nicht dämlich genug zugehen, leben solche comicartigen Horrorfilme doch von dem Charme des Zwischenreiches von freiwilligem und unfreiwilligem Humor, der glücklicher Weise nie all zu albern wird, eher trocken subtil beigemischt wird, so dass "In Vitro" trotz des relativ hohen Gehaltes augenzwinkernder Elemente nie zur Horror-Komödie verkommt. Ein spannender oder gar gruseliger Vertreter seiner Gattung Film ist er freilich auch nicht geworden. Er soll, wie typisch für Genrebeiträge der 90er Jahre Videotheken-Zeit, lediglich Fun bereiten bei möglichst wenig Kosten. Die Animation der zentralen Puppen ist schlicht ausgefallen, und blutig kommt der von Band persönlich inszenierte Streifen ebenfalls nicht daher. Aber an Stimmung mangelt es ihm nicht, auch wenn ich zugeben muss, dass er sich gegen Ende zu sehr in einer Wiederholungsschleife befindet und anfängt anzuöden, so dass es gut tut, dass Band dann doch noch schnell den Stecker zieht und das fast unaufgeregte Geschehen flink zu einem Ende führt. Der auf eine Fortsetzung schielende Schluss-Gag besitzt Sympathie, so dass es schade ist, dass "In Vitro" einer jener Filme der Full Moon-Schmiede ist, der es nicht zu mindestens einer Fortsetzung geschafft hat. Dies traf nur auf geschätzte 50 % aller dort entstandener Charles Band-Streifen zu.


Weitere Besprechungen zu In Vitro: 


SHADOWZONE (1990 J.S. Cardone)


Captain Hickock besucht das abgelegene Geheimlabor von Dr. Van Fleet, um Bericht darüber erstatten zu können, ob dessen Schlafexperimente weiter finanziert werden soll oder nicht. Man versucht ihm zu verheimlichen, dass ein künstlich in den Schlaf gesetzter Proband in einem kritischen Zustand für einen kurzen Augenblick Kontakt zu einer Parallelwelt fand. Unglücklicher Weise geschieht dies in der Anwesenheit Hickocks bei einem anderen Versuchsobjekt erneut, womit versehentlich ein intelligentes Wesen in unsere Welt gelangt, welches von nun an den Menschen im Labor den Kampf ansagt...


Dornröschen und das Biest...

Wo Charles Band drauf steht, ist auch Charles Band drin. Der Billigproduzent mit Hang zum charmanten Schrottergebnis finanziert unermüdlich in jeglichem Jahrzehnt seines Lebens Werke des phantastischen Films zu verschiedensten Themen, und zu Beginn seiner interessantesten Schaffenszeit, den 90er Jahren, entstand auch "Shadowzone", dessen Geschichte nicht ohne Reiz ist und von wem Professionelleres sicherlich richtig interessant umgesetzt worden wäre, wohingegen der Stoff unter Bands Fuchtel freilich nur an der Oberfläche des Möglichen kratzt, jedoch nicht gänzlich ohne zu unterhalten. Unter der Regie J.S. Cardones, der uns später noch "Zombies" mit der damals noch sehr jungen Chloë Grace Moretz und "The Forsaken - Die Nacht ist gierig" bescheren sollte, ist ein Routineprodukt entstanden, welches man sich als Freund des unbedeutenden Horrorfilmes für zwischendurch mal geben kann, oder auch nicht. Verpassen tut man nichts, all zu unterhaltsam ist der Streifen auch nicht ausgefallen, eine schlechtere Art seine Freizeit zu gestalten gibt es aber allemal. 

Das ist nun einmal das faszinierende an einem Charles Band-Film für Freunde dessen Werke. Selbst dann wenn ein Film dieses Vielfilmers nicht wirklich zu überzeugen weiß, weiß sein Produkt in der Regel trotzdem noch einen gewissen Charme zu versprühen, so auch im hier besprochenen "Shadowzone", der interessanter beginnt als er schlussendlich tatsächlich geworden ist. Die Darsteller überzeugen von Anfang an nicht. Hier könnte einem Louise Fletcher leid tun, die als einzige talentierte Person mit an Bord ist. Aber die zeigt zum einen nicht was sie kann und passt sich somit dem Niveau ihrer angeblichen Berufskollegen an, und zudem scheint sie sich zu amüsieren, zumindest hatte ich den Eindruck, dass es während des Drehs recht lustig abgelaufen sein könnte. Nun ist das freilich nur Spekulation, also wenden wir uns den Fakten zu.

Unübersehbar wird hier zum gefühlten tausendsten Mal bei "Alien" geklaut, wenn man durch karge Gänge tigern muss, um einer fremden Kreatur zu entkommen, die dem Menschen überlegen ist. Da wird zwar (nicht zum ersten Mal) das Raumschiff gegen ein unterirdisches Labor ausgetauscht, und die Kreatur ist intelligenter als der Mensch, aber zu übersehen ist die Parallele zu Ridley Scotts berühmten Science Fiction-Klassiker trotzdem nicht. Auch dann nicht, wenn der Autor plötzlich das Ruder herum wirft und aus der Kreatur wen Hilfesuchendes werden lässt, der lediglich zurück in seine Dimension möchte. Nun wird aus dem Monster nicht urplötzlich ein E.T., die Kreatur stellt ihre Forderungen nicht als freundliche Bitte in den Raum und unsere Helden sind am überlegen, ob das Wesen tatsächlich heim möchte, oder ob es sich nur um einen Trick handelt um die letzten Überlebenden ebenfalls töten zu können, aber letztendlich greift hier die Idee eines "Gefahr aus dem Weltall", dass das Wesen Hilfe benötigt, auch wenn es sich trotzdem nicht um eine freundliche Spezies handelt. Dass dieser Umstand so gar nicht zu den mörderischen Geschehnissen zuvor passt, interessiert in einem Billigfilm wie diesem freilich gar nicht. Vielleicht musste sich das Wesen auch erst mörderisch austoben, um schließlich herauszufinden, dass es sich hier nicht wohlfühlt und heim möchte, wer weiß.

Überforderte Darsteller, ein herrlich plumpes, aber doch recht sympathisches Monsterkostüm, das ominöse Schlaflabor mit den menschlichen Versuchstieren im künstlichen Tiefschlaf, so einige Aspekte wissen an "Shadowzone" zu gefallen, welcher recht stimmig, wenn auch simpel, beginnt, mit dem Erscheinen der Kreatur jedoch den Umbruch von einer neugierig machenden Geschichte zum eher öden typischen Einerlei eines "Hilfe, das Monster jagt uns durch unterirdische Gänge"-Standard-Horrorgeschehens erhält und damit zum austauschbaren, nicht wirklich unterhaltsamen Horrorbeitrag unter vielen wird. Typischer Nonsens, wie das sich künstlich anfühlende Verlieben in eine ewig schlafende Hübsche, verleihen dem Werk eine zusätzliche Note sympathischen Unsinns, oder fragwürdiger Weltsicht, je nachdem wie streng ideologisch und humorlos man die Tatsache betrachten möchte, dass zumindest die attraktive Blondine unbedingt gerettet werden muss. Somit wirft "Shadowzone" auch in seiner uninteressanteren Phase zumindest dem Dauergast von Bands Werken noch sympathische Häppchen zu, so dass dieser ohne einzuschlafen das Ende des Streifens erreichen kann. Ob selbiges auch für Leute zutrifft, die mit dieser Art Film ohnehin nichts anzufangen wissen, sei einmal dahingestellt.


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Mittwoch, 18. April 2018

THE GREEN INFERNO (2013 Eli Roth)


Die amerikanische Erstsemesterin Justine nimmt an einer politischen Protestaktion in Peru teil und stürzt nach getaner Arbeit mit der Aktivistengruppe über dem tiefen Dschungel ab. Dort gerät sie zusammen mit den anderen Überlebenden in die Fänge eines Kannibalenstammes...


Der falsch ausgesuchte Penis...

Eli Roth ist mit seinen Extremfilmen "Cabin Fever" und "Hostel" nicht gerade dafür berühmt realitätsbezogene Streifen abzuliefern. Mit seinem Hang zur Härte scheint er eine treffsichere Wahl als Regisseur und inhaltlicher, wie finanziell Mitverantwortlicher eines Kannibalen-Horrors zu sein, jener Gattung Genrebeitrag, die Ende der 70er Jahre bis Anfang der 80er Jahre einen kurzen Boom erlebte und danach fast völlig ausgestorben nur noch höchst selten weiterverfolgt wurde (im klassischen Bereich fast gar nicht). Der Kannibalenfilm war für seine unappetitliche Art bekannt, für seine Provokation, seine Härte und war berüchtigt für oftmals reißerische Schauwerte ohne politischen Tiefgang und den häufig angewendeten Tier-Snuff in Zeiten vor diversen Tierschutzgesetzen im Filmbereich. Nur selten gab es gar intelligente Beiträge zu diesem Thema zu sichten, und meist wurde derartiges von Ruggero Deodato inszeniert ("Mondo Cannibale 2", "Nackt und zerfleischt").

Wer nun glaubt selbigen Tiefgang in einem Eli Roth-Film erwarten zu dürfen, der irrt. "The Green Inferno" soll lediglich ein schockierender Unterhaltungsfilm sein, hauptsächlich für ein Ami-Publikum inszeniert, und dies fällt einem als europäischer Zuschauer auch in diversen Punkten unübersehbar auf, so z.B. in der klischeebeladenen, vorverurteilenden Sicht auf andere Kulturen, wie sie bereits von Roth in den beiden "Hostel"-Filmen zelebriert wurde, noch auffälliger jedoch unfreiwillig komisch zu beobachten im Hauptteil des Filmes, der uns einen Wildenstamm zeigt, der sich für jeglichen noch so kleinen Aspekt von Nacktheit schämt. Da wird trotz dem Hang zur Fremdenfeindlichkeit die Kultur der anderen unfreiwillig aufgrund diverser religiös beeinflusster Hollywood-Regeln mit jener der Amis vermischt. Mit der (Ami)Prüderie der Wilden wirkt jeglicher Aspekt innerhalb des Stammes unrealistisch und auch einen gewissen Hauch lächerlich, so dass man nie intensiv genug in den Film eintauchen kann. Stets bleibt er viel zu offensichtlich US-Kino.

Ein wenig verwirrt darf man über die geradezu typisch angewendete Prüderie trotzdem sein, zeigt uns Roth doch lange Zeit vor der unfreiwilligen Einkehr ins Kannibalendorf in einer Pinkelszene die Ansätze eines Penisses, was wohl das Ami-Publikum schockieren soll, den Europäer zumindest überrascht, und sich später bei den komplett verdeckten Kannibalen nur noch als geheuchelte Provokation herausstellt. Nun ist dieser traurige Aspekt eigentlich nicht so viele Zeilen wert, wie ich nun für diesen Hinweis verschwendet habe, denn wie erwähnt soll "The Green Inferno" lediglich unterhalten. Bedenkt man aber dass Roth dennoch immer wieder versucht diverse Gruppierungen der Gesellschaft kritisch zu hinterfragen, was gegen Ende in einem größeren Umfang kritisiert wird, als zunächst noch in übersichtlichen Kategorien, dann fragt man sich doch warum Roth diese Aufklärungsansätze in einen Film integriert, der ansonsten keineswegs irgendeine Form von Realismus beinhaltet. 

Die Figuren im Film handeln alle völlig Banane (Euphorie weil eine billige Protestaktion angeblich alles gerettet hat, Ernüchterung weil man nicht von selbst drauf kam, dass dieser Fakt nur Verarsche sein kann, Masturbation eines Amerikaners während ein Mitaktivist verspeist wird, weltfremdes Verhalten im Dschungel aufgrund von Luxusproblemen, ...), die Geschichte suhlt sich in jeglichen Klischees, in der Aktivistengruppe befinden sich Charaktere (soweit man diesen Begriff überhaupt verwenden kann), die nie an derartigen Aktionen teilnehmen oder sich von Alejandro beeinflussen lassen würden, und selbst die Schlussaktion, die höchst gesellschaftskritisch und provokativ sein soll, ist derart unsinnig ausgefallen und auf die Heldin bezogen auch in keinster Form nachvollziehbar, dass man sich auch nur im Kino für die Masse befinden kann, welches derartig vorgesetzten Unsinn kritikfrei gourmiert, also einem Filmbereich in dem psychologisch sinnvoll denkende Autoren nicht verkehren.

Andererseits ist gerade der Blick aufs Massenpublikum die Faszination, die "The Green Inferno" zu verursachen weiß. Ein Schund-Genre, dem jeglicher Mensch außerhalb von Horror-Fan-Kreisen bislang entweder naserümpfend, desinteressiert oder belächelnd begegnet ist und das stets als minderwertig galt, wird nun in aufpolierter Optik und weltfremder Erzählung für ein großes Publikum zurechtgestutzt, was bei Erfolg die Chance einräumt, dass weitere Produkte dieses totgeglaubten Genres auf den Markt kommen könnten. Bislang musste man, wenn überhaupt etwas derartiges erschien, auf solch schlechten Unfug wie "Isle of the Damned" zurückgreifen, alternativ machte der Griff zu älteren Werken jedoch mehr Sinn. Es kann also sein, dass diesem eher mittelprächtig und dümmlich ausgefallenem Mainstreamwerk vielleicht bessere Produktionen folgen, die sowohl für den Gorehound mehr Goreszenen enthalten (bei aller Härte erhascht man in Roths Werk doch nie einen exakten Blick auf Gräueltaten, was eigentlich ein elementarer Bestandteil des Kannibalen-Horrors ist), als auch eventuell für den mehr erwartenden Cineasten auch etwas mehr Tiefgang und Intelligenz. Dass dies im höchst verpönten Kannibalen-Horror möglich ist, bewies Deodato zwei Mal, auch wenn dümmliche Menschen in ihm lediglich den Provokateur erkennen (wollen).


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Sonntag, 15. April 2018

90210 SHARK ATTACK IN BEVERLY HILLS (90210 Shark Attack 2014 David DeCoteau)


Eine Professorin mietet für ihre Gruppe Studenten ein Haus in Beverly Hills, um historische Meeresforschung auf dem Wasser zu betreiben. Doch eine der Anwesenden birgt ein unheimliches Geheimnis...


Shark Girl...

Ich habe "Jurassic Shark" gesehen und manch andere filmische Zuschauervergewaltigung, aber mit "90210 Shark Attack in Beverly Hills" habe ich einen Tiefpunkt entdeckt, den ich spontan als den schlechtesten Film den ich je gesehen habe bezeichnen würde. Zugegeben, Regisseur David DeCoteau ist ein Stümper, das ist bekannt, aber waren seine schlechten Werke wie "Grizzly Rage" zumindest noch einfach nur schlecht zu nennen. Hin und wieder, meist unter der Produktion Charles Bands, hat der Vieldreher, der auch vor dem Drehen von Pornofilmen nicht zurückschreckt, sogar manch sympathisches Stück Film umgesetzt, so z.B. "Retro Puppet Master". Mit "Dr. Alien" hat er gar eine besonders charmante, wenn auch arg alberne Teenie-Komödie abgeliefert. Der hier besprochene Horrorfilm ist jedoch an Dreistigkeiten in Sachen Kostengünstigkeit, mangelndes Talent und Zeitstrecken kaum in Worte zu fassen. Kurz zusammen gefasst: Das Teil schaut sich wie ein Pornofilm ohne Pornoszenen. 

Freilich wurden genau aus diesem Metier die Darsteller, ob Mann oder Frau, besetzt, und frei von Erotikszenen ist "90210 Shark Attack" (Originaltitel) auch nicht ausgefallen, orientiert an der allseits bekannten Neigung des Regisseurs finden sich jedoch einzig erotische Aufnahmen von Männerkörpern wieder, wohingegen die Damen lediglich in ihren sexy Outfits den Sehwert erhöhen sollen. Nun gehörte ein großes Schauspieltalent noch nie zu den Stärken von Pornomimen, aber was man uns hier abliefert, wenn auch manchmal leicht humoristisch überzogen, um vergeblich über Peinlichkeiten hinweg zu täuschen, ist derart hölzern und lachhaft ausgefallen, dass selbst eine Theater-AG junger Schüler überzeugender ausgefallen wäre. Wenn die Hauptdarstellerin frustriert an den Tod ihres Vaters erinnert schmollend in ihr Zimmer läuft, glaubt man "Scary Movie" oder ähnliches zu sehen, das muss man schon selbst gesichtet haben um es zu glauben.

Dieser Aspekt weiß zumindest zu belustigen. Das wahrlich ärgerliche an dem angeblichen Hai-Horror "90210 Beverly Hills Shark Attack" ist jedoch sein dreistes Lauflängenstrecken. In einem Film, der ohnehin nur 75 Minuten umfasst, gibt es zunächst eine klassische von Musik untermalte Ortssequenz zu sichten, wie man sie üblicher Weise für einen Vorspann verwendet. DeCoteau verplempert drei Minuten für diese Bildaneinanderreihung, möglichst viele Stellen des Ortes einfangend, an dem sich auch ein Beverly Hills-Schriftzug befindet, jedoch werden in dieser Sequenz nur zwei oder drei Texteinblendungen abgeliefert. Einen tatsächlichen Vorspann gibt es in diesen Zeit verplempernden Minuten nicht.

Danach finden sich die schlechten Mimen im Haus ein. Parallel zu den Pornopüppchen ist als einzig altes Eisen Donna Wilkes mit an Bord, die man wohl besetzt hat, weil sie seiner Zeit die Jackie in "Der weiße Hai 2" gespielt hat (man, wie wichtig für einen Film wie diesen). Das Gruppentreiben bestehend aus Herumfummeln, über eine Forschung zu sprechen an der wir nie teilnehmen werden und all die anderen öden Dinge, die man alltäglich tut (oder auch nicht), finden einzig im Haus oder draußen am Pool statt, was schon verwundern darf für einen angeblichen Hai-Horror. Unterbrochen werden die höchst langweiligen Sequenzen immer wieder von Hai- und Fischaufnahmen, die man ganz offensichtlich an den Scheiben eines interessanten Aquariums abgefilmt hat. Immerhin muss der Zuschauer zwischendurch immer wieder daran erinnert werden, dass er nicht der lahmsten und schlecht gespieltesten Seifenoper der Welt folgt, sondern einem Horrorfilm zum Thema Killerfische.

Bis es tatsächlich auch um einen solchen geht sind schon 45 Minuten des Filmes vergangen. Hier erleben wir nun die einzige Überraschung des Streifens. Die Heldin verwandelt sich urplötzlich in einen schlecht animierten Hai und greift einen ihrer Kommilitonen an. Bevor der Hai tatsächlich Happs macht, gibt es per Schnitt plötzlich Aufnahmen von Beverly Hills zu sehen, während man im Übergang ein Mampfgeräusch zu hören bekommt. Man bekommt im Nachhinein ein wenig Blut zu sehen, damit der Ort nach einem Tatort aussieht, aber das war es auch schon. Es sei denn man möchte auch schlecht zurechtgemachte, blutige Leichen zu den Spezialeffekten dazu zählen. In einer Szene, die den hier beschriebenen Moment wiederholt, wagte man es tatsächlich den Schauspieler, der die Leiche darstellen soll, kopfüber vor den Pool zu legen, damit der Tote wie geköpft wirkt, und dann hat man noch ein wenig Kunstblut auf den Rücken geschmiert, das auch Ketchup sein könnte, so wie es aussieht, und fertig getrickst ist die plumpeste Totenaufnahme außerhalb einer Amateur-Produktion, und selbst dort gibt man sich in der Regel mehr Mühe. Auf jeden Fall darf man von nun an bei jeder der wenigen Frauhai-Attacken, welche die kurze Restlaufzeit noch zu bieten hat, die Landschaft Beverly Hills zu Mampfgeräuschen sichten, weil alles andere Geld gekostet hätte, und das hat wohl nur für ein Taschengeld der Darsteller, der freundschaftlich niedrigen Miete für das Haus eines Bekannten, den billigen Computereffekten und der Verpflegung für ein Wochenende Drehzeit gereicht.

Letztendlich schließt die Story, die kaum das Potential eines Kurzfilmes erreicht hätte, mit einer Pointe, mit der jeder andere Beitrag dieser Art seinen Film begonnen hätte. Nie würde man nach besagtem Ereignis mit dem Abspann rechnen. Aber der kommt nun noch 4 Minuten lang mit langen Einblendungen der Beteiligten, präsentiert zu solch schlechter Musik, wie es sie auch im kompletten Restfilm, passend zu den müden Kameraaufnahmen, die das komatöse Treiben passend einschläfernd eingefangen haben, zu hören gab. Dass man wirklich gar nichts richtig gemacht hat, und dies großteils mit voller Absicht um Laufzeit zu strecken, wird einem zusätzlich bewusst, wenn man die typischen Aufnahmen der Gegend sichten darf, die grundsätzlich in jeglicher Art Film zum Szenenwechsel eingeblendet werden. DeCoteau und sein Kameramann halten bei jeder dieser Aufnahmen gefühlte 3 Sekunden zu lange drauf, so dass man tatsächlich von den Zwischensequenzen, die man in anderen Filmen fast nicht wahrnimmt, arg schnell genervt ist.

Bitte begeht nicht den Fehler zu glauben die Worte Langeweile und Müdigkeit wären nur so dahingeschrieben, um die Schlechtigkeit des Films hervorzuheben, so dass der Streifen doch noch Trash-Fans eine Freude bereiten könnte. Das Teil ist keiner Menschenseele zu empfehlen, weder Freunden männlicher Erotik, noch Trash-Fans, geschweige denn Stammzuschauern im Tierhorrorbereich. "90210 Shark Attack in Beverly Hills" ist der Bodensatz filmischen Schaffens und ein neuer Tiefpunkt in DeCoteaus Filmographie, die bereits zuvor aus allerhand üblen Werken bestand. Das Teil ist weder Hai-Horror, noch nennenswerte "Haimutation anstatt Werwolf"-Variante. Das billigst talentfrei heruntergedrehte Stück Rotz ist so unglaublich schlecht umgesetzt, dass man es erst glaubt wenn man es sieht. Von daher ein Tipp, liebe Leser: glaubt mir lieber nicht, und erspart Euch dadurch ein Sichten zur Überprüfung meiner harten Worte. Und nein, Ihr braucht mir nicht zu danken, dass ich Euch so eben 75 Minuten Eurer Lebenszeit geschenkt habe, die man mit Kloschrubben, sich gegen Gelbfieber impfen lassen oder Darmspiegelungen angenehmer verbringen kann, als mit dieser auf DVD und Bluray gepressten Zuschauerverarsche.


Weitere Besprechungen zu 90210 Shark Attack in Beverly Hills: 


Gastkommentar: A CHINESE TORTURE CHAMBER STORY (Mun Ching Sap Daai Huk Ying 1995 Bosco Lam)


Autor: Frau Vulkan

Die junge Siu-Bak-Choi (Yvonne Yung Hung), Dienern des Gelehrten Yang Ni-Mu (Lawrence Ng), steht zusammen mit diesem vor Gericht. Ihr wird vorgeworfen, mit dem Gelehrten Ehebruch begangen und zur Vertuschung Ihren Ehemann Got Siu-Tai (Tommy Wong Kwong-Leung) mit einer heimlich ins Essen gemischten Überdosis Aphrodisiakum ermordet zu haben. Die beiden beteuern ihre Unschuld, doch der Richter will ein Geständnis erzwingen und lässt die beiden während der Verhandlung foltern. Wird die wahre Geschichte ans Licht kommen? 


„Hart. Härter. Cat. III!“ wirbt das bei Fans seltener, ungeschnittener Filme aus aller Herren Länder beliebte Österreicher Label Illusions Unlimited im Vorspann seiner Cat. III Kollektion. In diesem Falle trifft das zu, allerdings nicht so wie man es sich vorstellen mag, denn beim vorliegenden Filmmaterial wird etwas anderes härter als die Handlung oder die Folterszenen. Zum einen gemeint wäre da das mächtigen 50 cm Geschlechtsorgan vom durchgeknallten Superhelden der Story und zum anderen „Mun Ching Sap Daai Huk Ying“ (Originaltitel) bis zum Ende auszuhalten. 

Die oberflächliche, nicht nennenswerte Handlung ist nur der wacklige Rahmen für einen bestenfalls durchschnittlichen, allerdings teils ziemlich obskuren Softporno, und die wahre Frage des Films lautet „wer mit wem und wie oft?“. Zwar gibt es ein paar deftigere Folterszenen, allerdings wird das allbekannte Rad hier nicht neu erfunden und man hat das als Interessierter des Genres, bis auf die besonders unrealistischen Momente, alles schon einmal besser gesehen. Letztere sind tatsächlich der Grund wieso „A Chinese Torture Chamber Story“ noch haarscharf an der Wertung „schlecht“ vorbei schrammt. 

Ab und an scheint Einfallsreichtum hervor, der allerdings in die Kategorie „Comedy“ (wahrscheinlich unfreiwillig?) einzuordnen ist. Hier genannt sind besonders solche Dialoge, die den Bereich „schlechter Sexwitz von Pubertierenden“ streifen, sowie einige Szenen, die an reiner Beknacktheit einige Z-Movies die bei Tele 5 in der Reihe „Die schlechtesten Filme aller Zeiten“ noch übertreffen. Ob man lacht, wenn fliegende Samurais den Koitus in allen möglichen Stellungen und SFX-Möglichkeiten 10 Mal in 3 Minuten ausüben, oder ob man entnervt hofft, dass das ganze absurde Schauspiel bald zum Ende kommt, liegt am jeweiligen subjektiven Humor des Betrachters. Mir kam es teils flacher vor als die nicht vorhandenen Titten jener Protagonistin, die in einer Art von Nebenhandlung nach einer Möglichkeit sucht ihre Brüste auf Körbchengröße Z Doppelplus zu vergrößern. 

„A Chinese Torture Chamber Story“ ist eigentlich miserabel, für mich subjektiv sogar so richtig und voll auf den Punkt des Unerträglichen. Die seichte, vorhersehbare Handlung bereitete mir zu keiner Sekunde Vergnügen. Wer zudem auch nicht auf Softpornos mit einigen eingestreuten BDSM-Szenen steht, wird das Ganze auch nicht sonderlich „sexy“ finden. Objektiv gesehen bietet der Film immerhin ganz ansehnliche Darstellerinnen und einen Humor, für den man entweder geboren ist oder nicht. Ich gehöre zu letzteren, muss aber dazu sagen, dass der Streifen (für mich nicht nachvollziehbar, aber nichts für ungut.) bei einigen Cat III-Fans bis heute als witziger und unterhaltsamer Kult gilt.

Autor: Frau Vulkan


Trailer,   OFDb

Samstag, 14. April 2018

HEATHERS (1988 Michael Lehmann)


Veronica ist Mitglied in der elitären Heathers-Clique auf der Highschool weil diese in ist, aber eigentlich mag sie die dort gelebte kühle und arrogante Art nicht. Nach einer peinlich gelaufenen Party, nach welcher sie von ihrer angeblich besten Freundin gedemütigt wurde, nimmt sie mit Hilfe ihres neuen Freundes, dem Außenseiter Jason Dean, Rache an ihr, die versehentlich tödlich endet. Die beiden lassen es nach Selbstmord aussehen. Und als sich selbige Situation mit zwei Schulrowdys wiederholt, muss Veronica erkennen, dass Jason Dean eine mörderische Mission verfolgt, stets mit Absicht gehandelt hat, und sie sich nun aus seinem Bann befreien muss...


Der Teenager-Selbstmord-Rap...

"Heathers" ist eine Satire und muss deshalb nicht immer glaubwürdig sein. Ganz im Gegenteil will sie dies auch nicht immer, was die dick aufgetragenen harmonischen Familienszenen mit Veronica im Garten zeigen, begleitet von absichtlich gestelzten Dialogen. Mal bodenständig, mal grotesk dick aufgetragen, wird uns eine schwarze Komödie präsentiert, in welcher gestilte Figuren sich ganz offensichtlich dem Teenagerpublikum anbiedern, anstatt tatsächlich mit dessen Schwäche für Eitelkeit zu spielen, so dass man allein daran das zweischneidige Schwert des Streifens erkennen kann. "Heathers" will provozieren und aufklären, er will aber auch unbedingt dem Jungpublikum gefallen. Mit der süßen Winona Ryder und dem überzeugenden Christian Slater geht die Rechnung sogar auf, selbst über das Jugendalter hinaus gesehen, immerhin ist Michael Lehmann ein durchaus sympathischer Film geglückt. Aber so begeistert wie in jungen Jahren bin ich trotzdem nicht mehr von diesem Film, den ich damals auf ein ähnliches Podest wie "Hart auf Sendung" gehoben hätte. Denn im Gegensatz zu diesem ebenfalls mit Slater besetzten Teeniefilm will die Gesellschaftskritik hier nur oberflächlich überzeugen, wohingegen der Vergleichsfilm geradezu davon lebt eine solche erfolgreich und aufwühlend zu besitzen.

"Lethal Attraction" (Alternativtitel) geht somit nicht so tief wie er gerne möchte, und dank eines Mangels an wahrer Empathie im Verhalten der Hauptfigur, bleibt er damit eine Spur zu theoretisch, was aber nicht bedeutet, dass man mit dem Sprungbrett der beiden Stars nicht seine Freude haben könnte. Dieses zeichnet immerhin ein düsteres Bild vom Umfeld der Teenager, die drangsaliert und dominiert werden von einer gleichaltrigen, elitären Minderheit, während die Erwachsenenwelt ihre Probleme nicht ernst nimmt, oder jene, die vorheucheln dies zu tun, ihre Seele an die Medien verkaufen. Die Ereignisse um Veronica und Jason Dean setzen eine Welle an Selbstmordversuchen frei, welche nie all zu große Bedenken bei Eltern und Lehrern auslösen. Zu sehr sind sie medial beeinflusst, um noch menschlich nachempfinden zu können. Zu sehr bleibt das Einfühlen ins Seelenleben eines Jugendlichen Theorie für sie. Dies zeigt sich ganz deutlich in einer sehr geglückten Szene, in welcher die sich verkaufende 68er-Generation ihr Fett weg kriegt, wenn eine Pädagogin äußert, die Entscheidung Selbstmord zu begehen oder nicht wäre eine der wichtigsten die ein Teenager heutzutage treffen müsste.

"Fatal Game" (Alternativtitel) lebt von dieser treffsicheren Bissigkeit und hat auch genügend solcher Momente zu bieten. Es ist jedoch schade, dass die Seele Veronicas nicht ähnlich treffsicher ergründet wurde. Ihr Antrieb bleibt oberflächlich, ihr Mangel zu wahrhaft empathischen Gefühlen macht ihren Wandel nicht glaubwürdig. Das funktioniert trotzdem insofern, als dass der Autor der Figur treu bleibt und es somit nicht zu Widersprüchen oder charakterlichen Unglaubwürdigkeiten kommt. Allerdings macht der Film selbst den Eindruck keinen Deu besser zu sein als seine Heldin, und damit wirkt der Umgang mit dieser Thematik doch wieder unehrlich und zu gewollt. Ebenso geht man nicht in der aufkommenden Liebe der beiden Rebellen auf, oder fühlt sonst irgendetwas beim Zuschauen der abscheulichen Taten mit, eben weil "Westerberg High" (Alternativtitel) stets nur kühle Satire bleibt. Was im schwarzen Humor trumpft und den Film immerhin unterhaltsam zu tragen weiß, schadet der Möglichkeit zu mehr Tiefe, was bei den vorhandenen Möglichkeiten sehr schade sind. Andererseits ist der Film, ebenso wie im modischen Erscheinen seiner Protagonisten, zu sehr darin bemüht cool zu wirken, was gerade gegen Ende immer stärker auffällt und den Figuren somit die Möglichkeit zu mehr Tiefgang verweigert, also schien man es auch gar nicht anders zu wollen.

Da sich der stilische Touch trotzdem ziemlich gut schaut, vielleicht vergleichbar mit jenem aus "Eiskalte Engel", kann man mit zurückgeschraubten Erwartungen diesen einstigen Kultfilm durchaus gourmieren. In Ausnahmeszenen, wie der Beerdigung der beiden Sportler, schafft es Lehmann auch mal den Zuschauer emotional zu berühren. Hier blitzt auf, was insgesamt möglich gewesen wäre, wohingegen eine Beerdigungstraumsequenz in ihrer herrlich grotesken Art zeigt, zu was der unterkühlte Satire-Stil in seinen besten Momenten in der Lage ist. Dort wird das Wort Eskimo zu einem lauten Lacher, ohne an mahnendem Wert der grundlegenden Thematik zu verlieren. Hin und wieder hatte ich jedoch Mitleid mit den asozialen Opfern und fühlte mich allein gelassen von dem Film, der seiner Heldin zwar Schuldgefühle beschert und den Drang derartiges nicht wiederholen zu wollen, aber dennoch der Ansicht ist, dass die Toten es nicht anders verdient hätten. Unterschwellig bleibt dieses Denken auch am Schluss bestehen, wo Veronica ihrem Ex-Lover bei dessen finaler Tat eiskalt zusieht, anstatt einzugreifen. Der Film selbst distanziert sich nicht von seiner Heldin. Er suggeriert eine Richtigkeit im Handeln der Identifikationsfigur, und das wird zur entscheidenden Schwäche eines an sich sympathischen Filmes.


Weitere Besprechungen zu Heathers: 


ZURÜCK AUS DER VERGANGENHEIT (The Heavenly Kid 1985 Cary Medoway)


Bobby stürzt im Teenageralter bei einer Mutprobe in den 60er Jahren mit einem Auto von einem Abgrund. Bevor er im Jenseits jedoch die obere Stadt passieren darf, muss er sich auf Erden bewähren und wird deshalb in den 80er Jahren auf diese zurück geschickt, um sich um den tolpatschigen Lenny zu kümmern. Lenny, der den Toten als einziger sehen und hören kann, bekommt von Bobby Nachhilfe in Sachen Coolness und Mädchen, und trotz der veralteten Methoden funktioniert alles nach diversen Fehlschlägen recht gut. Als Bobby jedoch entdeckt, dass Lenny der Sohn seiner großen Liebe von damals ist, kann er dies nur schwer verarbeiten...


Auch Tote lassen sich ungern von einem Lastwagen überrollen...

Schlicht erzählt, viel geklaut und kaum bekannt braucht es nicht verwundern, dass der damals oft auf Sat 1 gelaufene Teenie-Film "Zurück aus der Vergangenheit" in Deutschland nie den Weg auf DVD geschafft hat. Dabei braucht man mit dem zweiten und letzten Film des Regisseurs Cary Medoway gar nicht zu streng ins Gericht zu gehen, ist er doch trotz aller offensichtlicher Mängel ein charmantes Produkt, das sich durchaus lohnt zu gucken, für Cineasten mit guten Englischkenntnissen gar mehr, da die Synchronisation seiner Zeit nicht gerade vorteilhaft ausgefallen ist. Dass der Film aber selbst mit ihr funktioniert, beweist nur die Stärke der Emotionen, die er auszulösen weiß, ist "The Heavenly Kid" (Originaltitel) doch ein wundervoller Mix aus Humor und Kitsch, der Nostalgie und Trauer auf gekonnte Art manipulativ zu nutzen weiß.

Wer komplett unempfänglich für Kitsch ist, wird freilich ausgeschlossen, und ohnehin muss man ein Flair für den schlichten, kleinen 80er Jahre-Film für zwischendurch besitzen, um mit "Zurück aus der Vergangenheit" etwas anfangen zu können. Aber wenn die Chemie zwischen Zuschauer und Film funktioniert, schließt man die kleine Fantasy-Komödie schneller in sein Herz als man als Außenstehender nachvollziehen kann. Dass diverse Story-Plots und Ideen dreist aus "Teen Wolf", "Käpt'n Blackbeards Spukkaschemme" und manch anderen Streifen geklaut wurden, interessiert dabei herzlich wenig, denn der sympathisch routiniert besetzte Film trifft die richtigen Töne. Schlichte Lacher im Humorbereich und emotionale Momente werden stets von den liebevollen Figuren getragen, so dass sie ohne großes Kino sein zu müssen funktionieren. An zartbesaiteten Tagen kann man gar ein Tränchen verlieren, wenn Bobby sich seiner Trauer stellt, oder Lenny zu Beginn eines wundervollen Songs, der auch das Titellied des hier besprochenen Filmes ist, seinem Schutzengel zum Abschied winkt.

Im Humorbereich trumpfen oft jene Gags, die aus Bobbys Unsichtbarkeit für die anderen Menschen entstehen. Dass sich diese wahrscheinlich schon zu seiner Zeit tricktechnisch längst überholt schauen, stört dabei überhaupt nicht, ebenso wie die wackelnde Logik, die Bobbys Gesetzmäßigkeiten immer so nutzt wie sie gerade benötigt werden. Emotional trifft Medoway stets den richtigen Punkt, so dass selbst Peinlichkeiten wie der Fakt, dass im besagten Steinbruch angeblich immer noch die Autowracks von einst stehen, nicht weiter stören, da das ausgelöste Gefühl bei einem empathischen Publikum dominiert und sich in der Schwermut dieser Szenen herzlich wenig um Realismus schert. Das funktioniert deshalb so gut, weil "Zurück aus der Vergangenheit" ohnehin nur ein Märchen für Erwachsene sein soll. Und da dieses in einer Leichtigkeit erzählt wurde, die sich nicht nur auf ihr Recht zur Ignoranz ausruht, sondern auch Respekt vor ihren Figuren beweist, geht die Rechnung auf und einer kurzweiligen und emotional intensiven Unterhaltung steht nichts im Weg. Wer von dieser wunderschönen Erzählung um Freundschaft und verlorene Chancen angesteckt wird, wird Lenny immer wieder von Bobby heimsuchen lassen.


Sonntag, 8. April 2018

DIE VÖGEL 2 - DIE RÜCKKEHR (The Birds II - Land's End 1994 Rick Rosenthal)


30 Jahre nach den Geschehnissen in Bodega Bay attackieren Vögel Menschen auf Gull Island. Der Vater einer jüngst hinzugezogenen Familie bemerkt als erstes das merkwürdige Verhalten der Vögel, und zunächst will ihm keiner glauben. Aber das ändert sich recht bald...


Das Leben nach der Nicht-Apokalypse...

Alfred Hitchcocks "Die Vögel" gehört meiner Meinung nach zu den besten Tier-Horrorfilmen schlechthin, wahrscheinlich ist er gar der beste überhaupt, und da die gefiederten Freunde nur selten in diesem Sub-Genre zum Aggressor werden, muss sich ohnehin jeder Beitrag dieser Tier-Gattung einen Vergleich mit Hitchcocks Meisterwerk gefallen lassen, egal wie unfair das sein mag oder nicht. Warum man also in einem kaum betreten Terrain wie dem Vogel-Horror gleich komplett übertrieben in die Vollen gehen muss und gleich eine offizielle Fortsetzung des großen Vorbildes drehen muss, will sich mir nicht erschließen, so gnadenlos enttäuscht man aufgrund dieses Vergleiches nur sein kann, zumal "Die Vögel 2 - Die Rückkehr" nicht nur eine Alternativstory oder ein Remake des Vorgängers bildet, wie es manch andere angebliche Fortsetzung tut, sondern sich, wenn auch recht spät, bewusst auf die Geschehnisse des Filmklassikers bezieht und dessem großartigen Schluss damit gewaltig in die Eier tritt.

Entließ uns Hitchcock aus seinem Film mit einem apokalyptischen Szenario, so will uns die Fortsetzung weiß machen nach einigen Tagen sei es damals schlichtweg vorbei gewesen, so dass das Verhalten der Tiere ein temporäres Problem war, das warum auch immer ein Ende gefunden hat. "The Birds 2 - Land's End" (Originaltitel) will weder eine Erklärung für heute, noch für damals abliefern, erklärt nicht warum es einst endete und heute wieder begann, und für die versteckte Erklärung in Hitchcocks Original, dass Vögel lediglich den Respekt der arroganten Menschen einforderten, schien ohnehin nicht begriffen worden zu sein. Stattdessen gibt es ein wenig Hohlgeschwätz über die Rache der Natur, freilich fern jeden Zusammenhangs heruntergebrabbelt, was ganz gut zum Verhalten der Hauptfigur passt, die viel zu früh einen kritischen Blick auf das gefiederte Volk wirft.

Wenn ich nun noch berichte, dass der Film sich in seiner konservativen Art lange Zeit mehr für ein integriertes Familiendrama interessiert als für die Horrorattacken der Vögel, könnte man nun meinen Rosenthals Werk könnte man getrost in die Tonne kloppen. Ignoriert man aber einmal den lediglich krampfhaft angegangenen Zusammenhang zum großen Vorbild und schaut sich "Die Vögel 2" als eigenständigen Film an, dann weiß die Fernsehproduktion mit heruntergefahrenen Erwartungen eigentlich angenehm routiniert zu unterhalten. Einen zweiten Glücksgriff wie "Psycho 2" hatte man sicherlich ohnehin nicht erwartet, die Rückkehr der Vögel ist keinesfalls innovativ ausgefallen. Aber der Mann, der einst Carpenters "Halloween" fortsetzen durfte, ist zumindest ein gekonnter Routinier und weiß was er innerhalb der wenigen Möglichkeiten herausholen kann. Ebenso wie sein "Halloween 2" ist auch diese Fortsetzung blutiger ausgefallen als sein Vorgänger, im Gegensatz zu Myers Rückkehr ist dies jedoch kaum der Erwähnung wert, schaut sich "Die Vögel 2" für sein Erscheinungsjahr doch trotzdem arg zahm umgesetzt.

Aber das passt zum angenehm konservativen Grundton des Streifens, in welchem es um Familienzusammenhang, Freundschaft und Treue in guten wie in schlechten Zeiten geht und selbst der ignorante Bürgermeister weit mehr zur Nebensache wird, als es die meisten Produktionen nach "Der weiße Hai" zugelassen haben. Trotzdem darf auch der einen grausamen Tod finden, denn im rechtschaffenen Spießerkino der Amis muss jede Missetat moralisch bestraft werden. Die Vogelattacken wissen trotz simpler Tricks und Tierdressuren genug zu gefallen, um sich unterhalten zu fühlen und einen gewissen Spannungsgehalt kann man der Inszenierung Rosenthals definitiv nicht absprechen. Zudem schafft er es beim Zuschauer eine innere Verbindung zur Familie aufzubauen, und dies obwohl lediglich die Kinder sympathisch wirken, die beiden Elternteile sind einem ziemlich egal. Ob es nun an den beiden Autoren, der Regie oder schlichtweg am Spiel der Kinderdarsteller liegt, die beiden Mädchen werden authentisch als Kinder eingefangen, trotz klassisch gekünstelter Ami-Film-Konversationen, und zumindest der liebevolle Umgang mit diesen beschert dem Familienvater doch noch ein Hauch Sympathie.

Wer also einem konservativ und zahm ausgefallenen Horrorfilm eine Chance geben kann, der kann sich den an sich in der Filmwelt belanglosen "Die Vögel 2" ruhig einmal geben, langweilig ist er nicht. Aufregend sieht jedoch auch anders aus, ich persönlich mag aber die Harmonie, die er außerhalb der Vogelattacken stets auszustrahlen weiß, und das beschert dem Werk in meinen Augen einen gewissen Charme. Ihn als Fortsetzung von Hitchcocks großartigem Genre-Beitrag zu verkaufen ist freilich völliger Unsinn, auch wenn man darin bemüht ist mit einem kurzen Verweis auf den Vorgänger eine Brücke zu diesem zu schlagen. Unabhängig vom Meisterwerk erzählt hätte man es diesem Vogelhorror sicherlich leichter gemacht sein (dennoch kleines) Publikum zu finden. Verglichen mit solcher Konkurrenz wie "Die Krähen" und "Die Vögel - Attack from Above" hat der schlichte "Die Vögel 2" jedoch die Nase vorn. Warum man sich aber, wenn schon als Fortsetzung angegangen, zu Promotionzwecken den Star des Originals, Tippi Hedren, für eine Nebenrolle mit an Bord holt, und diese einen anderen Charakter als dort spielen lässt, will sich mir wieder einmal nicht erschließen.


Weitere Besprechungen zu Die Vögel 2: 


UND ERLÖSE UNS NICHT VON DEM BÖSEN (Mais ne nous délivrez pas du mal 1971 Joël Séria)


Die zwei Internatsschülerinnen Anne und Lorre sind beste Freundinnen und von der Idee gepackt möglichst viele böse Dinge im Namen Satans zu tun. Verspielt bereiten sie in den Ferien ihrem Umfeld großes Leid, während sie nach Außen den Schein reiner Unschuld wahren...


Hinter der Fassade...

"Kleine Biester" in Böse, könnte man den früher erschienen "Und erlöse uns nicht von dem Bösen" nennen, der aus harmlosen Teenie-Taten dort, die sich lediglich um Verführung drehten, große Schandtaten hier machen. Mehr sogar, die beiden Protagonisten gehen gar verbrecherische Wege, frei jeden Schuldgefühls, nicht der Empathie mächtig welches Leid sie wem Einsames nehmen beim Töten seiner Vögel, welchen Schaden sie einem Hofbesitzer beim Legen eines Brandes verursachen und welch harte Prüfung ein geistig Zurückgebliebener erleidet, wenn er sexuell verführt wird, um abgewiesen zu werden bevor "es" passiert.

Man liest es vielleicht schon heraus, das Debüt von Joël Séria, der auch für "Charlie und seine zwei Hübschen" und "Blutige Spur" verantwortlich ist, hat nicht, wie man beim Lesen der Inhaltsangabe aufgrund des Satansglaubens vermuten könnte, einen Horrorfilm abgedreht, sondern ein Drama, welches uns in die Welt zweier nicht alltäglicher Teenagerinnen entführt. Ihr Seelenleben lernen wir nicht wirklich kennen, dafür ist das Werk zu nüchtern ausgefallen. Aber viel gibt es da scheinbar nicht zu erblicken, bei solch innerlich verkümmerten Personen, die Freude nur durch das Leid anderer empfinden und im Gegensatz zu Altersgenossen, die im Flegelalter ähnlich gestrickt sind, weit über das Ziel hinaus schießen. Von daher passt der nüchterne Grundton von "Don't Deliver Us from Evil" (Alternativtitel) perfekt zum Innenleben der im Mittelpunkt stehenden Figuren. 

In einer Ausnahmeszene erleidet Anne einen Gefühlsausbruch, nachdem sie ein kleines Vögelchen mit bloßer Hand tötete. Von wahrer Reue kann aber keine Rede sein, denn kurz darauf werden neue Schandtaten begangen, und Séria lässt uns eiskalt bei diesen zuschauen, ohne dass wir Einfluss drauf nehmen könnten. Einen gewissen Spannungsaspekt weiß der Film trotz aller Abscheu dadurch zu erzeugen, dass man immer wieder darum bangt die beiden könnten bei ihren Taten erwischt werden. Sie dienen somit trotzdem als Identifikationsfiguren, und das macht das Zusehen innerlich so verstörend und faszinierend, zumal "Mais ne nous déliverez pas du mal" (Originaltitel) trotz aller Provokationen nie zum Provokationsfilm wird. Was hier gezeigt wird, passiert nicht auf reißerische Art, ebenso wie erotisch angehauchte Szenen nicht dem niederen Trieb dienen. "Und erlöse uns nicht von dem Bösen" ist eher poetisch angehaucht, durch seine Distanz leicht intellektuell geartet und in seiner Zurückhaltung, die Extremes aus der kindlichen Perspektive fast schon unschuldig scheinen lässt, gar künstlerisch wertvoll ausgefallen, auch wenn die ruhige Bildkomposition, die durchaus zu gefallen weiß, nur selten wahrlich beeindruckende Momente präsentiert.

Das Hin- und Hergerissensein aus Unschuld und schwerwiegender Taten, aus eigener Perspektive und der verstörend verharmlosenden der beiden Hauptfiguren und dem Blickwinkel aus Liebe und Romantik, der die beiden Sadistinnen zusammenschweißt, entfachen einen Zauber, dem man sich als Freund alternativen Kinos nicht entziehen möchte, zumal das Drehbuch, meist dann wenn die Mädchen mit ihren sexuellen Reizen spielen, die beiden zentralen Figuren selbst hin und wieder nah an Gefahrengrenzen bringt, denen sie nur knapp entkommen, ohne daraus eine Lehre zu ziehen. Im Gegenteil fühlen sich die beiden durch einen erfolgreichen Abschluss, haarscharf ohne tatsächlich Schaden genommen zu haben, nur bestätigt. Erst ein Totschlag führt zur Ernüchterung. Nicht zur Einsicht, aber zum Bangen um das Ende dieser Freundschaft, der hemmungslosen Taten, der örtlichen Trennung zweier seelisch Verbundener. 

Es ist schade dass unsere Mädels in der Schlussszene keinen glaubwürdigeren Weg wählen, sich aus der einengenden Situation zu befreien. Gerade wenn sie einander am Schluss umarmen, verliert dieser Moment aufgrund physischer Unmöglichkeiten jegliche Glaubwürdigkeit. Allerdings unterstreicht Séria damit noch einmal das Realitätsentrückte dessen was der Film uns ohnehin die ganze Zeit, trotz authentisch wirkender Atmosphäre, bot und unterstreicht mit diesem emotionalen, wie irrealen Moment, dass es im Film um die Poesie der Bilder und der Geschichte geht, und nicht um realistisches, oder gar nachvollziehbares Handeln. Dennoch stößt der Schluss in dieser unsinnigen Art inmitten eines ansonsten gelungenen Filmes sauer auf, zumal die verwendeten Flaschen auf der Bühne auch ein toller Behälter für Gift gewesen wären.


Weitere Besprechungen zu Und erlöse uns nicht von dem Bösen: 


SCOTT PILGRIM GEGEN DEN REST DER WELT (Scott Pilgrim vs. the Earth 2010 Edgar Wright)


Scott Pilgrim ist vom ersten Augenblick an in Ramona Flowers verknallt. Auch die extrovertierte Angebetete scheint einer Beziehung mit dem nerdigen Scott nicht abgeneigt, aber zunächst muss dieser es mit den sieben teuflischen Ex-Lovern von Ramona aufgenommen haben. Diese muss er im Kampf besiegen, und da Ramona nicht gerade mit Good Guys ausgegangen ist, wird dies eine harte Nuss für den eher zurückhaltenden Bassisten...


Kampf um die Chamäleon-Freundin...

Müsste man "Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" beschreiben, so könnte man ihn als einen Teeniefilm im Mix aus "Crank", "Sin City", "Bill und Teds verrückte Reise durch die Zeit" und der "Batman"-Serie mit Adam West bezeichnen, ist die Komödie von "Shaun of the Dead"-Regisseur Edgar Wright doch eine Art Weiterführung des "Parker Lewis"-Universum, in welchem phantastische, ja geradezu übernatürliche Ereignisse alltäglich scheinend als gedankliches Stilmittel des Helden zur Übertreibung der Tatsachen genutzt werden, um auf humorvolle Art von Teenagerproblemen zu erzählen. Inmitten der Superheldenwelle passt sich die Komödie die imaginäre Alternativwelt-Idee dieser an, obwohl Scott freilich kein Superheld mit besonderen Fähigkeiten ist, ebenso wie seine Gegner eigentlich keine Superschurken sind. Durch das entfremdete Entrücken von der Realität werden sie auf höchst groteske Art jedoch trotzdem welche, und so muss mit Bass-Moves und anderen (meist musikalischen) Tricks gegen die Ex-Lover der neuen Angebeteten gekämpft werden, die ziemliche Arschlöcher in der Vergangenheit ihre festen Freunde nannte.

Der Film beginnt bereits mit einer Retro-Computerspielemelodie des eigentlichen Universalsounds, bekommt passend dazu eine billig gepixelte Erde präsentiert, und dies verleiht einen ersten Eindruck eines dem folgenden kunterbunten Comicfilmes. Dieser ist immer wieder in Comic- und Computerspieleoptik gekleidet, blendet dabei gerne auch Geräusche im Comicstil per Schrift ein, freilich nicht ohne auch auf besagte Superheldenserie mit Adam West aus den 60er Jahren zu verweisen, die geradezu dafür bekannt war mit Kampfgeräuschen aus Comics ihre Actionszenen zu visualisieren. Splitscreens, flotte Schnitte, kunterbunte Farbgebung, groteske Masken und Kostüme, in "Scott Pilgrim vs. the World" (Originaltitel) tobt man sich wahrlich aus, und wer glaubt erst mit den Gegnern würden skurrile Figuren auf den Plan treten, der irrt. Angefangen beim sehr direkten, höchst selbstbewussten und egoistischen schwulen Mitbewohner Scotts, über die in jedem Klischee badende asiatische 17-Jährige Vorgängerin Ramonas, bishin zur Haarfarbe-wechselnden, höchst mysteriösen Ramona selbst gibt es fast nur schräge Figuren im Pilgrim-Universum zu sichten, lange bevor der übernatürlich dargestellte Bereich überhaupt erst anfängt. 

Lediglich Scott wirkt unglaublich normal, etwas nerdig, zugegeben, und immer auch mal peinlich agierend, aber eigentlich trotzdem, oder deswegen, der Durchschnitts-Teen von nebenan. Das macht die Idee so herrlich absurd, dass seine letzte ernste Beziehung eine mit einer hochattraktiven Frau war, die nun im Musikgeschäft ein Star geworden ist und durch den Ruhm quasi zu einer teuflischen Bitch geworden ist, und damit zur vergleichbaren Vergangenheit wird, wie sie Ramona mit ihren bösartigen Lovern noch nicht ganz hinter sich hat. Die Verantwortlichen des Streifens tragen stets dick auf, so dass nie irgendetwas tatsächlich realistisch wirkt in der Comicwelt Pilgrims, wo allerlei groteske und kranke Ideen, Figuren und Situationen zur völligen Normalität werden. Glücklicher Weise verzichtet man drauf die Ereignisse Scotts glasklar einzig dessen Fantasie sein zu lassen. Seine Wahrnehmung und die Welt wie sie ist verschwimmen für den Zuschauer, ohne dass parallel die realistischen wahren Ereignisse abgesondert von Pilgrims Fantasie gezeigt werden. Jegliches Ereignis spiegelt tatsächliche zu verarbeitende Dilemma des jungen Mannes, freilich völlig aufgebläht, so dass die chaotisch scheinenden Sinnbilder psychologisch betrachtet viel intelligenter fußen als es zunächst scheint.

"Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt" lebt von seinen Absurditäten, seinem liebevollen Umgang mit Alltagsproblemen und deren Bewältigung, von der ehrlichen optischen Hommage diverser Nerdmedien und der Spielfreude und Sympathie sämtlicher junger Schauspieler (Erwachsene finden kaum einen Platz innerhalb der Geschichte). Dachte ich anfangs, dass er jenseits des anvisierten Zielpublikums nicht zum absoluten Geheim-Tipp werden kann, da seine blendende, grelle, kaputte, skurrile, angenehm hektische und chaotische Umsetzung von der Oberflächlichkeit seiner Erzählung ablenken soll, so erkannte ich nach dem zweiten Sichten, in der Lage neben dem großen, vordergründigen Paukenschlag nun auch hinter den Vorhang blicken zu können, dass Wrights Streifen doch viel analytischer angegangen wurde als es zunächst scheint, er wahre Probleme des Alltags, gerade im Bereich der Reifeentwicklung eines Charakters, aufgreift und nachvollziehbar löst und damit doch mehr ist als die grelle, laute und sympathische Party für zwischendurch.


Weitere Besprechung zu Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt: 


THE DAY THE DOG WENT INSANE (197? Nathan Schiff)


Ein Hund wühlt im Boden und stößt auf eine sonderbare Kugel. Diese folgt ihm in den Garten und verwandelt sich plötzlich in eine Kreatur mit Armen und Beinen. Diese Erfahrung lässt das arme Tier ein Jahr lang in eine Nervenheilanstalt für Hunde kommen...


Luzies Hund...

Bevor der Amateurfilmer Nathan Schiff sich an solch schräge Langfilme wie "Weasels Rip My Flesh" und "They Don't Cut the Grass Anymore" heranwagte, drehte er manchen Kurzfilm als Fingerübung, leider ohne Abspann versehen, so dass man im Falle des hier besprochenen "The Day the Dog Went Insane" nicht mehr sagen kann welchem Jahr er entsprungen ist, auch aufgrund mangelnder Daten im Internet. Klar ist nur aufgrund des Alters des Hundes, dass er zeitnah zu erstgenanntem Langfilm entstanden sein muss, bekam der tierische Hauptdarsteller des Kurzfilmes doch auch in diesem eine Szene beschert. Süß ist er ja anzuschauen, so dass man mit dem armen Vieh auf augenzwinkernde, innerlich verspielte Art tatsächlich Mitleid als Filmfigur haben kann, was auch klar geht, da dem Tier keinerlei Schaden zugefügt wurde.

Das merkt man allein schon am Grund dessen, warum und wie Schiff diesen Streifen gedreht hat. Er wollte animierte Tricktechnik einmal mit echten Aufnahmen mixen, und so experimentiert der gute Mann nicht nur überraschend geglückt mit Knetgummieffekten und Stop Motion im Amateurfilmstil, er sucht zudem interessante Schnitte, damit es tatsächlich so wirkt als ob der Hund von der fremden Kreatur belästigt würde. Von dem wird nichts weiter erwartet, als dass er sich so benimmt wie er es nun einmal tut. Zu einer Begegnung beider Figuren zugleich kommt es nie wirklich, das Tier wurde aus seinem natürlichen Umfeld somit nicht herausgerissen. Sicherlich versucht Schiff ihm manche Reaktion hervorzulocken, aber ein Großteil der Szenen wirkt so, als habe der Hobbyfilmer zunächst den Hund frei laufend auf dem heimischen Anwesen gefilmt, um dann erst die Knetgummifigur auf dessen Bewegungen hin reagieren zu lassen, so dass dies im Film entweder umgekehrt wirkt, oder wie vom Fremdwesen verfolgt.

Das guckt sich auf seine knappen 7 Minuten so naiv, wie witzig, erst recht nach der kurzen Schrifteinblendung, die uns den Hund hinter einem Zaun zeigt, nachdem sie uns mitteilt, dass er sich nun nach dieser Erfahrung in einem Heim für verwirrte Tiere befindet. Ein Jahr später ist er laut weiterer Schrifteinblendung raus, und das Geschehen beginnt von neuem, wobei sich Schiff hierfür den Luxus erlaubt manche Szenen noch einmal zu verwenden. Bös ist man ihm hierfür nicht, dafür ist der verspielte, nie ernst gemeinte Kurzfilm viel zu charmant ausgefallen. Der völlige Verzicht auf Goreeffekte oder dem krampfhaften Versuch einer coolen Note verdeutlicht noch einmal das, was man beim Wieselmutationsfilm (auf dessen DVD sich anbei der hier besprochene Kurzfilm befindet) trotz aller typischen Amateurfilmer-Härte schon bemerken konnte: Schiff sucht nie den Schwanzvergleich, wirkt immer liebevoll in dem was er auf fast kindische Art vor der Kamera versucht zu verwirklichen und rutscht deswegen nie in die Peinlichkeiten eines Andreas Schnaas oder Timo Rose ab. Zudem war Schiff mit seiner Super-8-Kamera ein früher Kandidat des sich Ausprobierens als Regisseur im Eigenheim, das beschert seinen Werken eine zusätzliche charmante Note.

Samstag, 7. April 2018

WEASELS RIP MY FLESH (1979 Nathan Schiff)


Eine Bodenprobe aus dem All gelangt versehentlich in ein amerikanisches Gewässer, wo sie auch gleich von zwei neugierigen Kindern entdeckt wird. Diese schütten die in der Fremde entnommene Flüssigkeit in einen Wieselbau. Einige Zeit später ist es für die Polizei unerklärlich, dass die beiden Kinder ebenso wie ein Dutzend weiterer Menschen in der Gegend spurlos verschwunden sind. Bei seinen Ermittlungen bekommt es ein Inspektor mit einem Riesenwiesel zu tun, welches aufgrund eines irren Wissenschaftlers nur eins seiner drei größten Probleme wird...


Trickreich Zigarre rauchen...

Bevor es Anfang der 80er Jahre aufgrund des aufkommenden Videogeschäftes mit Werken wie "Bad Force" und "Blood Cult" zu einer halbwegs lukrativen Idee wurde Amateurfilme des Gewinns wegen abzufilmen, wagten sich nur wenige Hobbyfilmer an die Idee einen eigenen Horrorfilm handgemacht, auf eigene Kosten fertigzustellen. Ausgestattet mit einer Super-8-Kamera und allerhand kreativer Ideen und Ausreden machte sich Nathan Schiff nach einigen Kurzfilmexperimenten wie "The Day of the Dog Went Insane" an die Arbeit seines ersten Langfilmes (dem tatsächlich noch andere Werke wie "Long Island Cannibal Massacre" folgen sollten). Herausgekommen ist ein liebevoll trashiger Tiermutations-Horror, in welchem Schiff nicht nur darin bemüht ist eine abgedrehte Geschichte mit Spezialeffekten aus dem Haushalt zu kreieren, sondern auch versucht das Ganze möglichst flott zu gestalten, indem Kameraeinstellungen nie zu lange eingeblendet sind.

Die für einen Amateurfilm angenehm häufig gesetzten Schnitte dienen jedoch nicht nur dem flotteren Sehvergnügen (welches zur Mitte des Films trotzdem leider kurz auf eine Geduldsprobe gestellt wird), sondern lässt den guten Mann auch manche Idee trickreich umsetzen, die man als Amateurfilmer ansonsten nicht völlig gestellt wirkend umgesetzt bekäme, so z.B. eine Szene relativ zu Anfang, in welcher der Wissenschaftler etwas mit seinem Auto anfährt. Da Schiff um mehrere Perspektiven einer Szene bemüht ist, schafft er es so, sichtlich billig zusammengeschnibbelt, aber durchaus charmant aus der Affäre gezogen, das anzufahrende Wesen aus dessen Perspektive vor das Auto rasen zu lassen. 

Auch ansonsten sind die meisten Spezialeffekte eher Ausrede als wirkliche Hobbykunst. Eine Karnevalsmaske dient mehr als einmal als abgetrennter Kopf, die Zähne des sichtlich künstlichen Riesenwiesels scheinen lediglich ausgeschnittenes Papier zu sein, und Spaghettis dienen ebenso wie manch anderes Nahrungsmittel als Matschanteil eines zerlegten Körpers. Schiff zieht sein Ding einfach billig, wie kreativ durch, nicht darum bemüht Effekte zu professionell wirken zu lassen, aber doch darauf bedacht auf dieser Ebene möglichst Interessantes zu zaubern. Im Gegensatz zu späteren Amateurfilmern liegt sein Hauptaugenmerk nicht nur im Bereich der Goreeffekte, auch wenn er einige solche auf den Bildschirm zaubert, so dass es ihm gelingt aufgrund gut gelaunter spielender Amateurmimen, die sicherlich im Freundes- und Familienkreis vorzufinden waren, und dem Verwenden etlicher Stereotype und Filmklischees einen unterhaltsamen Monsterstreifen zu zaubern, ohne sich eines hohen Humoranteils zu bedienen. Umgekehrt ist sich Schiff bewusst was er verzapft hat, somit entgeht sein Werk der Gefahr unfreiwillig komisch zu wirken. Und wem könnte eine Gruppe Selbstdreh-Pioniere bitte nicht sympathisch sein, die das Augenzwinkernde ihres Werkes selbst erkennt und deswegen auch keine Scheu hat ihre Kinder in einem solchen Film mitspielen zu lassen?


Freitag, 6. April 2018

FILS DE L'HOMME - DER MENSCHENSOHN (2012 Torben Miehle)


Eine Maklerin bleibt mitten im Nirgendwo mit ihrem Auto stehen und muss zu Fuß durch einen Wald weiter. Dort lauert ihr ein maskierter Fremder auf, der sie entführt und an einem geheimen Ort mehrfach missbraucht...


Reißerische Langeweile...

Auf der Suche nach den ungewöhnlichen, unbekannteren Filmen lässt man sich auch hin und wieder von reißerischen Aufhängern locken. Da heißt es auf dem DVD-Cover "Fils de l'Homme" wäre an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten und würde sich fast dokumentarisch schauen. Über den Inhalt und die Verantwortlichen des Streifens erfährt man nichts, auch technische Angaben werden nicht gemacht. Lediglich ein paar unverschwommene Szenenfotos darf man sich anschauen, präsentiert neben einem reißerischen Text, der außer Leergeschwätz nichts wirklich preisgibt.

Ob man überhaupt möchte, dass der Film seine Versprechen vom Covertext einhält, weiß ich ehrlich gesagt nicht, die Neugierde ließ mich jedoch nicht los, und so schaute ich mir dieses Stück Undergroundfilm einmal an, ohne auf den klassischen Filmdatenbanken Einträge dieser deutschen Produktion zu finden. Warum erfuhr ich erst nach dem Sichten, nachdem mir durch den Vorspann der Name Torben Miehle genannt wurde und ich im Netz doch noch fündig wurde: "Man of Son" (Alternativtitel) fällt in seiner über 100 Minuten laufenden Fassung aufgrund zweier Pornoszenen in die Kategorie des Pornofilms. Der von mir gesichtete Film lief jedoch nur leicht unter 60 Minuten und wurde um die meisten Hardcoresequenzen befreit. Nur einige schwer zu erkennende Nahaufnahmen in optischer Verfremdung sind noch enthalten, lediglich ein Samenerguss ist ein wenig deutlicher zu erkennen. 

Man muss kein Fremder im Underground-Filmbereich sein, um das Gezeigte schlecht zu nennen, denn letztendlich dient der ungewöhnliche, dreckige und experimentelle Filmstil, der eine Art Pseudo-Snuff darstellen soll, lediglich als Ausrede etwas Einfallsloses auf die Menschheit loszulassen. Pornos schaut man nicht wegen ihres Inhaltes, und ein Porno, der um seine Hardcoreszenen beraubt wurde, hinterlässt in der Regel auch nur ein klägliches Bild, hier bei "Fils de l'Homme" nicht anders, obwohl er sich (wohl auch in der Langfassung) nur halbwegs für seine detailreichen Sexszenen interessiert. In erster Linie soll das Teil eine Art Horrorthriller im Experimentalstil sein und versucht durch jegliche Entfremdung einen aus den typischen Sehgewohnheiten heraus zu entführen. Der Hintergrundscore besteht meist aus rückwärts abgespieltem Gebrabbel, manche echte Musikstücke sind routinierter Natur und von der Band des Regisseurs umgesetzt. Während die Einführung der Hauptfigur bis hin zu ihrer Entführung im klassisch selbstgedrehten Amateurfilm-Flair abgefilmt ist (inklusive der klassischen Perspektive, wenn der Kameramann eine Autofahrt vom Mitfahrersitz aus filmt), alles andere zuvor und danach wurde optisch entfremdet und soll den Reiz des Andersseins kitzeln.

Gerade zu Beginn des Films, wenn noch nicht wirklich klar ist wie schlecht der Streifen ausgefallen ist (auch wenn man dies freilich schon vermutet) wissen die entfremdeten, dreckigen Aufnahmen einer an sich zahm abgefilmten Vergewaltigung in Kombination mit dem satanischen Hintergroundsound zwar nicht zu beeindrucken, aber manch interessante Aufnahme ist Miehle doch noch geglückt. Hin und wieder taucht eine Art Stummfilmoptik auf, die aufgrund der Andersartigkeit dessen was man einst im noch stummen Filmmedium ablichten durfte, doch recht interessant ausfallen. Das Ganze schaut sich zumindest etwas künstlerisch wertvoller als der eher plump mit klassischen Digitalkameraeffekten herumspielende "Psycho Jack", der inhaltlich dem hier besprochenen Film recht nahe kommt. Unterhaltsamer ist letztendlich jedoch dieser infantile Scheiß von Timo Rose ausgefallen, wohingegen man sich beim Menschensohn von Torben Miehle lediglich langweilt und mit der Vorspultaste und der Stopptaste liebäugelt. Miehle möchte gern etwas ganz Hartes, Provozierendes zeigen und geht schließlich doch nur zahm aus kaum sichtbaren Perspektiven vor, so dass man sein Vorhaben wahrlich nur belächeln kann. Krampfhaft wird die Feigheit mit besagten optischen Entfremdungen kaschiert, um wenigstens einen Kunstfilm aus den niederen Trieben zu zaubern, aber auch das funktioniert nicht, wenn die Kunst nicht tiefer geht als lediglich einen "What The Fuck"-Moment entfachen zu wollen.

Sollte es Menschen geben, die nach der Pornofassung dachten: Nun ja, ohne die Fickelszenen taugt der Mist vielleicht etwas?!, dem sei gesagt dass dem nicht so ist und "Fils de l'Homme - Der Menschensohn" reine Zeitverschwendung ist, weder als Kunst noch als Trash zu gefallen weiß und als Undergroundfilm erst recht nicht. Ich wage das einfach mal zu behaupten, auch wenn ich nur selten in dieser Nische Film unterwegs bin. Auch wenn Miehle in der Ausnahme dann doch noch zu mehr Kunstblut neigt (in einer Szene, in welcher das Opfer mit einem mit Nägeln präparierten Dildo zu wörtlich genommen genagelt wird), wird sich nicht einmal das Gorehound-Publikum freuen, sind die Effekte doch so mager ausgefallen wie der Restfilm auch und besagte Effekte ebenfalls in verfremdete Optik getaucht. Nach dem Sichten von "Man of Son" neige ich fast wieder zu der Aussage, dass man nicht jedem eine Videokamera in die Hand drücken sollte (wobei die Optik hier wohl eher Richtung Super-8 zu gehen scheint). Andererseits würde es dann nicht solch sympathische Filme wie "Angriff der Killerbratwurst" geben, also ist es vielleicht doch ganz gut, dass jederman mit einer Kamera tun kann was er will. Ich bin ja schließlich selbst schuld daran mir solch einen Mist wie diesen hier angetan zu haben, obwohl das Cover bereits nichts Gutes erwarten ließ.

Donnerstag, 5. April 2018

DANCE OF THE DEMONS 2 (Demoni 2... l'incubo ritorna 1986 Lamberto Bava)


Diverse in einem modernen Hochhaus lebende Leute verfolgen im Fernsehen abends einen Dämonen-Horror. So auch die junge Sally, die in ihrer Wohnung gerade eine Party anlässlich ihres Geburtstags gibt und sich schmollend in ihr Zimmer zurückgezogen hat. Plötzlich entsteigt ein Dämon dem TV-Apparat und verwandelt auch Sally in einen solchen. Nach und nach stecken sich die Gäste mit der Dämonenseuche an, kurz darauf viele weitere Bewohner des Hochhauses. Die letzten Überlebenden versuchen der Epidemie zu entkommen. Während zwei Leute bereits seit dem Ausbruch der Seuche im Fahrstuhl feststecken, verbarrikadiert sich der Rest der Menschen in der Tiefgarage vor den Dämonen...


Der zweite Teil, der kein erster war...
 
Sehgewohnheiten verändern sich, angebliche Erinnerungen verwundern. So hätte ich darauf schwören können, dass sich Teil 1 und 2 von Lamberto Bavas Dämonenfilmen ziemlich ähnlich schauen, bei leicht variierten Plot. In Wirklichkeit offenbart der hier besprochene Film, der in Deutschland zunächst als "Dämonen" erschien und der Teil 1 auf Video merkwürdiger Weise mit dem Titel "Dämonen 2" nachgeschoben bekam, recht deutlich, warum es der Horrorfilm Ende der 80er Jahre so schwer hatte, an welchen Krankheiten er oftmals zu dieser Zeit litt und warum Werke wie diese nicht mehr ernst genommen werden konnten.

Dabei fängt alles zunächst einmal ursympathisch an, wenn "Dance of the Demons 2" seinen Vorgänger augenzwinkernd, aber nicht humoristisch angereichert, mit dem im Fernsehen laufenden Horrorfilm fortsetzt, anstatt die Geschehnisse von dort der Realität der Fortsetzung zuzuschreiben. Die Epidemie der Fortsetzung wird quasi durch ein fiktives im TV ausgestrahltes Sequel von "Dance of the Demons" ausgelöst. Wer daran und am Zerstören diverser Fernsehmonitore im Finale eine Kritik an der ollen Flimmerkiste sieht, müsste Bava selbiges bezüglich Teil 1 zum Thema Kino vorwerfen, und dies wird wohl kaum der Fall sein, zumal sich "Dance of the Demons 2" an keiner weiteren Stelle irgendeine Form von Gesellschaftskritik erlaubt.

Das soll er auch gar nicht. Wer "Dance of Demons" sah und mochte, der möchte dort Gesehenes verändert noch einmal sichten. Doch auch wenn der Plot und allerlei Parallelen dieses Versprechen einzuhalten scheinen, so finden sich in den Details doch die entscheidenden Unterschiede, die Teil 2 nicht zu solch einer Party werden lassen, die Teil 1 mit ein wenig Wohlwollen im Erwachsenenalter noch fähig war zu entfachen. Das beginnt bei dem weit weniger wirksamen Hauptscore, der wesentlich hektischer ausgefallen ist, das zeigt sich weiter in den Verwandlungen der Menschen in Dämonen, die nicht mehr so eitrig, glibberig und glitschig ausgefallen sind, das zeigt sich im zurückgeschraubten, nicht mehr so detailverliebten, Härtegrad dank weniger Goreeffekte, und dass die Horde Amok laufender Dämonen nun eher wie die belustigende Zombievariante aus "The Return of the Living Dead" wirkt, steht Argentos produziertem zweiten Streich auch nicht gerade gut. Hier fehlt es im Gegensatz zum Vergleichsfilm sowohl am humoristischen Grundton, als auch an den düsteren Stellen, die Humoreinfluss stützen können ohne damit den Spannungsgehalt eines Horrorfilms komplett zu zerstören. Das Verhalten der dort wirksamen Kreaturen hier angewendet wirkt lächerlich und kratzt gewaltig am Vorhandensein einer spürbaren Gefahr.

"Dance of the Demons" war alles andere als ein durchdachter Film. Auch dort schleuderte man sinnlos diverse Ideen durch die Gegend, Logiklücken in Kauf nehmend, aber im Gegenzug dafür für gute Stimmung sorgend. In Teil 2 ist man um Selbiges bemüht. Das Treiben schaut sich gar weniger monoton als im Vorgänger. Trotzdem hat dieser als Gesamtes besser funktioniert, zumal er sich flotter schaut. "Dance of the Demons 2" mangelt es noch mehr an Sympathiecharakteren als in Teil 1, und seine Idiotien kratzen mehr am Unterhaltungswert als all der Unsinn des vorangegangenen Filmes. Die Todesfalle Hochhaus ist in all ihren Extremen (Panzerglas, nicht per Hand zu öffnende Fenster, komplette Elektroniksteuerung) alles andere als glaubwürdig, ein nostalgischer Ort wurde in der Fortsetzung gegen einen kalten, modernen ausgetauscht, mit dem man nicht warm wird. In der Tiefgarage entzündet man ein großes Feuer, um sich die Dämonen vom Hals zu halten, ohne dass der Rauch sich ausbreitet und somit auch für den Menschen gefährlich wird. Es breitet sich zu viel Blauäugigkeit aus, um dem viel zu fehlerhaften Film Wohlwollen entgegen bringen zu können, zumal andere Gymmicks, wie das dämonenbesessene Kind, der mutierte Hund und der Mini-Dämon, der aus dem Kinderdämon herausbricht, ebenfalls nicht wirken wollen. Letztgenannter biedert sich der "Gremlins"-Welle an und schaut aus wie einer von Bands Ghoulies.

Ebenso wie Teil 1 schaut sich Teil 2 vor dem Ausbruch der Dämonenseuche besser als danach, nur dass diesmal nach einem sympathischen Einstieg nicht mehr viel funktionieren möchte. Sicherlich bietet auch die Fortsetzung genügend Tempo und einige sympathische Ausnahmeszenen, aber wenn die wichtigsten Faktoren nicht mehr funktionieren wollen, bleibt das Ergebnis dennoch recht dünn. Nicht einmal die leuchtenden Augen der Dämonen wissen diesmal zu wirken. Wie auch, wenn eine Horde unfreiwillig lächerlich dargestellter Mutanten in einem so gar nicht atmosphärisch düsterem Szenario immer wieder wirkt wie aus einem Cartoon entlaufen? Auch wenn der im TV ausgestrahlte Horrorfilm zu Beginn eher augenzwinkernd gemeint ist, so hätte ich doch lieber ihn weiter geguckt als das eigentliche Werk, schaut er sich doch trashig und atmosphärisch zugleich. Sowohl die Erweckungssequenz des Dämonen dort, als auch die Idee in den Ruinen einer damals dämonenbehausten Stadt unterwegs zu sein, ließ sich trotz naiver Erzählung weitaus stimmiger gucken als die Monsterhatz im Hauptplot, welcher der Partytouch des Erstlings fehlt. In der deutschen Synchronisation gefällt sogar der Off-Kommentar der fiktiven Fortsetzung des Originals innerhalb der Fortsetzung, wird die Stimme doch manch einer meiner Generation von damaligen Kinderhörspielplatten und -kassetten her wiedererkennen.


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