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02.02.2025

THE VVITCH - A NEW-ENGLAND FOLKTALE (2015)

Eine streng christliche Familie verlässt das Dorf, in dem sie bislang wohnte, aufgrund von Differenzen im Glauben. An einem Waldrand lässt man sich hoffnungsvoll nieder, doch schon wenige Jahre nach der Ankunft ist die Ernte vertrocknet und das Geld knapp. Als das Neugeborene spurlos verschwindet, macht man einen Wolf dafür verantwortlich. Doch als das Unglück der Familie kein Ende nehmen will, scheint eher eine Hexe für all das Übel verantwortlich zu sein...

Lüge Apfel...

Ebenso wie in seinem Nachfolgefilm "Der Leuchtturm", so ist auch "The VVitch - Eine Volkssage aus Neuengland" von "Nosferatu"-Regisseur Robert Eggers nah an der Lebenswelt seiner Protagonisten angelehnt. Hier wird gesprochen wie einst, gelebt wie einst, geglaubt wie einst. Und während dieser Pluspunkt die "Shining"-Variante eines Leuchtturms nicht retten konnte, da das thematisierte Mysterium zu gewollt daher kam, da besitzt der auf Märchen und Tatsachenreporten basierende Grusler diese Vorteile auf beiden Seiten, ist es doch hoch interessant in die Lebenswelt einer völlig anders denkenden Mentalität einzusteigen, als auch dem düsteren Horrorgehalt der Geschichte zu folgen, der mit dem Zeigen der Hexe während der Babyentführung keinerlei Geheimnis aus der Existenz dieser macht. Und das ist wichtig für das Funktionieren der Disfunktion der Familie, die nach und nach immer mehr Misstrauen untereinander entwickelt, hochgekocht, wie zu erwarten mit einer Teenagerin im Zentrum, mit dem Verdacht die Tochter könne gar die Hexe sein. Dass sich Eggers darauf nicht allein versteift, diesen Aspekt sogar erst spät thematisiert, ist ein guter Kniff, würde es die Thematik des Stoffes doch zu sehr einengen und den langsamen Ablauf stören, mit dem das Grauen schleichend eingefangen wird, so sehr sogar, dass man manchmal vergisst einem Horrorfilm beizuwohnen. 

Das Drama ist hervorragend thematisiert, untermalt von künstlerisch wertvollen Bildern und besetzt mit herausragenden Mimen, egal ob im Erwachsenen- oder Kinderbereich. Hier geht jeder in seinem Spiel an seine Grenzen, und in jeglicher Phase weiß "The Witch" (Alternativtitel) zu überzeugen, dank psychologischer Raffinessen, seiner intellektuellen Art, dem authentisch anmutendem Szenario und den gelegentlichen Gruselmomenten, welche den Film nicht komplett durchziehen, aber zu wirken wissen, sobald Eggers darauf setzt. Die Überraschung am Schluss kommt unverhofft und führt zu einem konsequenten (Ent-)Schluss. "The VVitch" (Alternativtitel) ist in seiner Langsamkeit, der Konzentration auf Drama und den anders klingenden Dialogen sicherlich nicht jedermanns Sache, aber dieses Entführen in eine andere Zeit und eine andere Mentalität ist letztendlich das wofür Kino unter anderem existiert. So gekonnt umgesetzt, wie hier geschehen, wird aus diesem Anliegen ein Leckerbissen, der den Horroraspekt fast schon gar nicht mehr benötigt hätte. Es ist schön zu sehen, dass das unheilvolle Übernatürliche, bzw. das Spiel mit diesem solange es nicht in Erscheinung bzw. in den Vordergrund rückt, so viel besser zu funktionieren weiß als im diesbezüglich zu bemühten Nachfolger, der ebenfalls hervorragend fotografiert war. Kunst allein ist nicht alles, das hier besprochene Werk von Eggers vereint Unterhaltung und Kunst jedoch vorbildlich. Jetzt kann ich nur hoffen, dass seine Neuverfilmung von Murnaus "Nosferatu" eher wie sein erster Langfilm, anstatt wie sein zweiter ausgefallen ist.  Wiki

25.02.2024

DER LEUCHTTURM (2019)

Was ist da nur passiert? "Der Leuchtturm" ist ein mutiges Filmprojekt, so wenig wie er sich trotz prominenter Besetzung dem Massenpublikum anbiedert und so künstlerisch wertvoll wie er ausgefallen ist. Das beginnt mit den sehr hübsch in Schwarz/Weiß eingefangenen Fotografien, dem Aspekt einem Kammerspiel beizuwohnen und der sehr lobenswerten Idee die beiden Protagonisten aus einer uns fremden Zeit meist so reden zu lassen, wie damals üblich. Und da achtete man nicht nur auf die Zeit, auch auf Herkunft und Position. Das komplette Miteinander orientiert sich an besagten Umständen, dementsprechend angenehm befremdlich wirken bereits die alltäglichen Interaktionen der beiden im Zentrum stehenden Figuren. Dass nicht alles Alltag ist und bleibt, wird über ein ungutes Gefühl, das über Allem schwebt, recht gut eingefangen. Dies einzufangen schafft man ohne zusätzliche Schauwerte. Diese findet man stattdessen in den Fantasien, in welche der einfache Arbeiter sich an diesem isolierten Ort flüchtet, und die entpuppen sich nicht nur durch das wunderhübsche Aussehen der dort agierenden Schauspielerin als äußerst sehenswert. 

Das könnte an sich auch der komplette Film sein, doch so angenehm reflektiert er Minimalismus, Kunst und Authentizität in seinem "Shining" auf dem Leuchtturm auch angeht, er verliert einige dieser Stärken, wenn es um den Wahnsinn geht, in welche mindestens eine der beiden Figuren immer mehr abrutscht. Zwar gibt es keine Regeln für Wahnsinn, deswegen nennt man es ja auch Wahnsinn, aber was das Drehbuch uns im letzten Drittel an weit weniger subtilem Geschehen zumutet, als erfreulicher Weise zuvor präsentiert, ist dann doch zu dick aufgetragen, um glaubwürdig zu erscheinen, das bisher gelebte Niveau fortzusetzen und weiterhin so gut zu unterhalten wie bisher. Was dem nun leider, trotz erkennbarer Inspiration durch namhafte Künstler diverser Epochen, zu schwach werdenden Film nur noch hilft, ist seine wunderhübsche Fotografie, die auch in gewaltsamen Bildern, bei zwischenmenschlichen, sich hoch kochenden Unruhen so künstlerisch feinsinnig eingefangen bleiben, wie es in der ruhigeren Phase bereits bei Unwetter erfreute, also bei einer anderen Art Unruhe. 

Das Buch von "The Lighthouse" (Originaltitel) setzt im irren letzten Drittel zu sehr auf extreme Ausraster, einem zu plötzlichen kompletten Abdriften in den Wahn, auf das leicht angedeutete Hintertürchen eines dennoch möglichen übernatürlichen Elements, so wie auf eine diskutable Wahrnehmungsverzerrung, so dass es bis zu einem gewissen Grad Interpretation bleibt wer eigentlich der Wahnsinnige von beiden zentralen Figuren ist, und ob die uns präsentierte Person lediglich durch den Wahn des anderen die auf uns irrational scheinenden Taten begeht. Subtiler ausgerastet und ein wahres Konzept der Auflösung im Hinterkopf gehabt, hätte diese Idee sogar positiv aufgehen können. Aber das Buch setzt zu sehr auf Verwirrung und der Versuchung auf ein mit hinein interpretierenden Publikums zu setzen, um sich selbst auf den offenen Alternativlösungen, dessen was geschah, ausruhen zu können. Schade, aber all diese Entscheidungen lassen "Der Leuchtturm" gegen Ende stärker schwächeln, als man es dem zuvor starken Film in seiner guten Phase jemals zugetraut hätte. Damit bleibt Robert Eggers Werk leider nur ein inhaltlich theoretisch gelungenes, wenn im künstlerischen Sinne auch bis zum Schluss, zumindest im optischen und schauspielerischen Bereich, beeindruckend umgesetzt.  Wiki